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7. Symposium der Residenzen-Kommission

veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Celle

und dem Deutschen Historischen Institut Paris

Aufruf zur Anmeldung und Themenabriss

"Erziehung und Bildung bei Hofe"

Celler Schloss, Völcker 1768 [Ausschnitt]

Celle, 23. bis 26. September 2000

Wenn Bourdieu wirklich mit seiner Beobachtung recht hat, daß nicht erstaunlich sei, daß sich etwas ändere, sondern vielmehr der Erklärung bedürfe, weshalb sich etwas gleich bleibe, dann ist es an der Zeit, daß die Residenzen-Kommission sich um die "soziale Reproduktion" kümmert, mit anderen Worten um Erziehung und Bildung bei Hofe.

Ich möchte vorschlagen, das Gesamtthema in einem Dreischritt zu behandeln, der auch den drei Sitzungen am Montag vormittag, Dienstag vormittag und Dienstag nachmittag die Überschrift geben könnte:

1. Sozialer Wandel oder soziale Reproduktion? Pagenerziehung bei Hofe

Jeder kennt die Figur des (zumeist schönen und von der Königstochter oder gar Königin insgeheim geliebten) Pagen, aber eine angemessene Untersuchung des Pageninstituts und der Edelknabenerziehung bei Hofe gibt es nicht, wie überhaupt mittelalterliche Adelserziehung ein wenig bestelltes Feld ist. Dabei ist die Sache von höchster Bedeutung für die Entstehung und Bewahrung von Loyalitäten, die der nächsten Generation zugute kommen sollen - was natürlich nicht immer glückt. Nachdem wir die Frauen bei Hofe behandelt haben, wären jetzt die Kinder oder wenigstens Jugendlichen an der Reihe. Was voraussetzt, daß wir über Theorie und Praxis der Altersstufen unterrichtet werden. Weniger als Sonder- denn als Kernfall hat die Prinzenerziehung zu gelten, denn in der Regel wird der Thronfolger zugleich mit einer Gruppe von adligen Altersgenossen aufgezogen, die später seine "natürlichen" Räte sind. Ab wann gibt es Erziehung von jungen Edelleuten, die nicht seiner Umgebung angehören? Und wo werden diese jungen Leute untergebracht?

2. Konkurrenz oder Symbiose? Geistliches und weltliches Wissen bei Hofe

Daß klerikales und säkulares Wissen gemeinsam die ritterlich-höfische Kultur hervorgebracht haben, ist allgemein bekannt. Dennoch sind beide Bereiche nicht schlichtweg identisch geworden, was schon daran sichtbar wird, daß dem Fürstensohn noch lange (wie lange?) sowohl ein geistlicher als auch ein weltlicher Erzieher an die Seite gestellt wird. Unzweifelhaft gibt es hier Konkurrenz und Komplementarität. Der unterschiedlichen geistlichen, rechtlichen, weltlichen Gelehrsamkeit bis hin zum heraldischen Wissen um Wappen, Ritual und Zeremoniell wird nachzugehen sein. Auch wurde den "Freien Künsten" (ab wann?) eine eigene "Hofeskunst" entgegengestellt, die noch im 18. Jahrhundert dazu führte, daß die besonders adlige Universität Göttingen, wie viele andere Erziehungsinstitute auch, sich ihre Fecht-, Tanz- und Reitmeister hielt (die Universitäts-Reithalle wurde erst in den 1960er Jahren abgerissen und mußte einem Sparkassenbau weichen). Physisches Training (nicht umsonst ist Sport im engeren Sinne ursprünglich eine aristokratische Angelegenheit), literarische und künstlerische "Bildung", Geistesgegenwart, Redekunst und Geschick im geistvollen Gespräch sind für den Edelmann bei Hofe ebenso unentbehrlich wie alles Gesellschaftliche überhaupt bis hin zur Fähigkeit, gelegentlich ein Lied zu singen, die Laute zu schlagen, eine Geschichte zu erzählen (oder vorzulesen, was zu den Bibliotheken hinführt) und mit den neuen Spielkarten Tarock zu spielen - oder aber kunstvoll eine Lanze zu brechen und die Jagdbeute weidgerecht zu zerwirken. Wie wurde das alles gelernt und vermittelt? Wie war der Stellenwert all dieser Wissensbestände? Und wie steht es mit der sozialen Bedeutung des Fachwissens im engeren Sinne?

3. Tradition oder Innovation? Der Hof als Ort des Alten und des Neuen

Die Erziehung und die Bildung bei Hofe standen damit in einer evidenten Spannung. Einerseits war höfische "Bildung" unterscheidender Besitz und Standesausweis. Mit dem Kavalier entstand das Gegenbild des nur seine Fachwelt kennenden Pedanten. Der Hof ist notwendig zu weiten Teilen ein Ort der Gegenwart des legitimierenden Alten, was auch den Besitz der neuen "Antiken" einschloß. Andererseits ist er aber auch ein Zentrum technischer, künstlerischer, modischer Innovation. Es ist also zu fragen, was, spätestens im Zeitalter des Humanismus und der auch im Reich sich ausbreitenden Universitäten, anders wurde. Sicherlich hat der zunehmend selbstbewußte Staat die Gewichte zugunsten des Fachwissens verschoben. Aber bis zu welchem Grade? In diesem Zusammenhang wird zu beobachten sein, wie die verschiedenen Höfe zur "Kavalierstour" stehen, die gerade im 16. Jahrhundert eine neue Quantität und damit Qualität erhält.

Werner Paravicini


Erziehung und Bildung bei Hofe

7. Symposium der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften in Göttingen

in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Celle und dem Deutschen Historischen Institut Paris

Celle, 23.-26. September 2000

Tagungsprogramm

(Stand: August 2000)

Samstag, 23. September

17.30 Öffentlicher Vortrag im Rittersaal/Schloß

Uwe Albrecht (Kiel)

Das Celler Schloß. Ein norddeutscher Fürstensitz zwischen Spätgotik und Frührenaissance.

Brigitte Streich (Celle)

Einführung in die Ausstellung "Stadt Land Schloß. Celle als Residenz".

Rundgang durch die Ausstellung.

20.00 Empfang durch die Stadt Celle im Foyer des alten Rathauses..

Sonntag, 24. September

9.00 Exkursion (ganztägig): Wolfenbüttel - Königslutter - Gifhorn - Wienhausen.

Montag, 25. September (Vortragssaal im Schloß)

9.00 Begrüßung.

9.15 Werner Paravicini (Paris)

Formen, Funktionen, Inhalte von Erziehung und Wissen bei Hofe.

Sitzung 1 Sozialer Wandel oder soziale Reproduktion

9.30 Bernhart Jähnig (Berlin)

Junge Edelleute am Hof des Hochmeisters zu Marienburg um 1400 (Kurzreferat).

9.45 Frédérique Lachaud (Paris)

Formation et éducation à la cour d'Angleterre aux XIIe et XIIIe siècles.

10.15 Diskussion.

Kaffeepause.

11.00 Arnd Reitemeier (Kiel)

Adelserziehung am englischen Hof im 14. und 15. Jahrhundert.

11.30 Monique Sommé (Arras)

Les jeunes nobles à la cour de Bourgogne au XVe siècle.

12.00 Diskussion.

Mittagessen.

15.00 Susanne Claudine Pils (Wien)

Identität und Kontinuität. Die Erziehung zum Höfling am Beispiel der Harrach im 17. Jahrhundert.

15.30 Antje Stannek (Braunschweig)

Exempla & Imitatio. Medien und Methoden der höfischen Standeserziehung, 17.-18. Jahrhundert, am Beispiel der Höfe von Mecklenburg-Schwerin und Sachsen-Gotha.

16.00 Diskussion.

Kaffeepause.

17.15 Werkstatt: Das Handbuchprojekt "Fürstliche Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich".

21.00 [16. Sitzung der Residenzen-Kommission]

Dienstag, 26. September (Vortragssaal im Schloß)

Sitzung 2 Konkurrenz oder Symbiose? Geistliches und weltliches Wissen bei Hofe

9.00 Michael Rothmann (Frankfurt/M.)

Wissen bei Hofe zwischen Didaxe und Unterhaltung. Die höfische Enzyklopädie des Gervasius von Tilbury.

9.30 Ivan Hlavacek (Prag)

Geistlich und weltlich am Hofe der letzten Pé emysliden und der Luxemburger (Kurzreferat).

9.45 Diskussion.

Kaffeepause.

10.30 Jacques Verger (Paris)

Culture universitaire, culture de cour à Paris au XIVe siècle.

11.00 Antonio Saez-Arance (Bielefeld)

Erziehung und Bildung in Zeiten der Konfessionalisierung: der Hof Philipps II. von Spanien.

11.30 Diskussion.

Mittagessen.

Sitzung 3 Tradition oder Innovation? Der Hof als Ort des Alten und des Neuen

15.00 Gundula Grebner (Frankfurt/M.)

Naturerkenntnis und politisches Handeln am Hofe Friedrichs II.

15.30 Lucas Burkart (Basel)

Paradoxe Innovation. Soziale und politische Funktionen des Alten und des Neuen am Hof Kaiser Maximilians I. (1500-1519).

16.00 Diskussion.

Kaffeepause.

16.45 Steffen Stuth (Magdeburg)

Zwischen Tradition und Moderne. Zur Rolle von Bildung und Erziehung am mecklenburgischen Hof unter Johann Albrecht I. (1547-1576).

17.15 Gerhard Fouquet (Kiel)

Schlußwort.

17.45 Abschlußdiskussion.

20.00 Gemeinsames Abendessen in der Congress-Union Celle


Teilnehmerliste

  • Uwe Albrecht, Kiel
  • Konrad Amann, Mainz
  • Ingo Aßmann, Hamburg
  • Tomás Baletka, Nový Jicín
  • Susanne Baudisch, Dresden
  • Andreas Bauer, Osnabrück
  • Marcus Bernhardt, Jülich
  • Andreas Bihrer, Freiburg i.Br.
  • Heidelore Böcker,Berlin
  • Lucas Burkart, Basel
  • Reinhardt Butz, Dresden
  • Liliane Châtelet-Lange, Mundolsheim
  • Albert Châtelet-Lange, Mundolsheim
  • Krista de Jonge, Heverlee
  • Heiko Droste, Hamburg
  • Angelika Dülberg, Dresden
  • Wolfgang Eggert, Berlin
  • Caspar Ehlers, Göttingen
  • Gerhard Fouquet, Kiel
  • Erwin Frauenknecht, Tübingen
  • Anja-Silvia Göing, Hamburg
  • Lothar Graf zu Dohna, Rheden
  • Armgard Gräfin zu Dohna, Rheden
  • Gundula Grebner, Frankfurt am Main
  • Anke Greve, Paris
  • Johannes Helmrath, Berlin
  • Elisabeth Hemfort, Düsseldorf
  • Jan Hirschbiegel, Kiel
  • Ivan Hlavácek, Prag
  • Manfred Hoffmann, Göttingen
  • Leonhard Horowski, Berlin
  • Jutta Maria Huesmann, Oxford
  • Bernhart Jähnig, Berlin
  • Wilhelm Janssen, Düsseldorf
  • Peter Johanek, Münster
  • Björn Ktistian Karau, Kiel
  • Bernd Kasten, Schwerin
  • Anja Kircher-Kannemann, Duisburg
  • Claudia Kollbach, Bonn
  • Gerhild H. M. Komander, Berlin
  • Evelyn Korsch, Bonn
  • Detlev Kraack, Berlin
  • Heinz Krieg, Freiburg
  • Holger Kruse, Norderstedt
  • Frédérique Lachaud, Paris
  • Sabine Maehnert, Celle
  • Jörg Matthies, Kiel
  • Matthias Meinhardt, Halle
  • Peter Moraw, Gießen
  • Johannes Mötsch, Meiningen
  • Margit Müller, Magdeburg
  • Werner Paravicini, Paris
  • Susanne Claudine Pils, Wien
  • Heinrich Prinz von Hannover, Göttingen
  • Renate Prochno, München
  • Andreas Ranft, Halle
  • Christine Reinle, Mannheim
  • Arnd Reitemeier, Malente
  • Michael Rothmann, Frankfurt am Main
  • Rita Saager, Celle
  • Antonio Saez-Arance, Bielefeld
  • Albert Schirrmeister, Bielefeld
  • Wolf-Nikolaus Schmidt-Salzen, Göttingen
  • Joachim Schneider, Würzburg
  • Michael Scholz, Potsdam, Fahrland
  • Sybille Schröder, Berlin
  • Ernst Schubert, Göttingen
  • Ulrich Schwarz, Wolfenbüttel
  • Andreas Sohn, Unna
  • Monique Sommé, Marcq en Baroeul
  • Karl-Heinz Spieß, Greifswald
  • Antje Stannek, Braunschweig
  • Matthias Steinbrink, Kiel
  • Brigitte Streich, Celle
  • Steffen Stuth, Magdeburg
  • Michael Sühnel, Jena
  • Christine van den Heuvel, Hannover,
  • Jacques Verger, Villetaneuse
  • Harm von Seggern, Kiel
  • Gernot Waha, Freiburg
  • Ralf-Gunnar Werlich, Greifswald
  • Jörg Wettlaufer, Kiel
  • Ellen Widder, Tübingen
  • Jürgen Wilke, Göttingen
  • Brigitte Wulf, Burgdorf
  • Wolfgang Wüst, Erlangen
  • Gabriel Zeilinger, Kiel
  • Thomas Zotz, Freiburg i. Br.
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