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Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Hof und Schrift.
Hg. von Werner Paravicini, bearb. von Jan Hirschbiegel und Jörg Wettlaufer.
Residenzenforschung 15 III, Thorbecke Verlag, Ostfildern 2007.
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Artikel:Flugblätter
Bearbeiter: Dr. Christian Oggolder, Wien

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  • Ein sehr kurtzweilige vnd hochnutzliche Fabel / von der Tyranney
    Jnnhalt. Die Fabel redt von Tyranney: Zeigt / wie es so gefährlich sey / Bey Hoff zureden außher frey. DEr Löw / als aller Thier ein König / Hielt etlich seiner Räht argwönig / Vnd meint er hett vrsach genug / Daß er sie straffen möchte mit fug: Gedacht allein / wie ers angriff / Daß jhm derselben keinr entlüff: Besorgte / mach er ein Proceß / Sie möchten sich außreden / deß / Was er bringt wider sie auff dban: Drumb griff er sei sach also an: Weyl an der zahl waren nur drey / Da Wolff der erst war an der Reyh / Dann der Esel / zu letst der Fux / Ließ er sie all drey bscheiden flux / Bey Hoff sich gsambt zustellen eyn: Vnd gab der sach ein solchen schein: Wie jhm fürkom ein handel schwer / Da er jhrs Rahts nottürfftig wer. Als sie nun kamen zu der stett / Vnd er sie wohl empfangen het: Wußt / daß sein Höle vbel stunck: Fragt er den Wolff / was jhn bedunck / Von seinem Königklichen Pallast? Den Wolff sein zung bald überrast: Besorgte sich keiner gefaar / Vnd sprach: Herr König es ist waar / Schön vnd zierlich ist der Pallast: Allein dunckt mich / er stinck zu fast! Vnd eh er recht besah das ort / Faßt jhn der Löw bey disem wort. Sprach: Schmähest mich in meinem Hauß / Was therst / wann ich dich ließ darauß? Zerriß jhn stracks in seinem Grimm. Vnd wendt zum Esel seine Stimm. Sag: wie gefallt dann die mein Hoff? Der Esel/ den die forcht betroff/ Antwortet. Herr / wie mich bedeucht / Jn ewerm Sal es lieblich reucht. Meint jhm solt nit gehen wie dem Wolff. Doch aber jhn solchs wenig holff. Dann zornig fuhr jhn an der Lew. Esel / du bist mir nit getrew: Was mir der Wolff zu vil gesagt; Sagstu zu wenig / als verzagt: Dein schmeichlerey / vnd deß Wolffs trutz / Schaffet euch beiden gleichen nutz! Der Löw den Esel auch zerriss. Fuchs gdacht zuhalten sein gebiss / Als jhn der König auch gefragt: Sprach er: Mein Herr / der schnupp mich plagt / Daß ich rieche keinen geruch: Vnd mangelt mir jetz mein schnupthuch / Welchs in der eyl ich ließ dahinden. Der Löw meint auch vrsach zufinden / Daß er erhaschen köndt den Fuchs. Sagt: Du bist vrsach deß Geruchs / Durch deinen schnupp / welcher durchloff / Mit seinem gstanck den ganzen Hoff. Herr König / sprach der Fuchs in eyl / Daß euch der zorn nit übereyl: Laßt mich vor langen mein schnuppthuch; Als dann erkennet den Geruch. Der König gab jhm dessen fug. Der Fuchs braucht schnell disen betrug: Vnd bracht der Füchßin vnderthuch. Der Löw sprach: pfuy dich der Geruch Jst ärger / dann meins Hoffs gestanck: Nit fählen kans / du bist Todt Kranck / Oder dein Hauß ist angesteckt. Daß nun mein Hoff bleib vnbefleckt / Fahr hin: Komm wider zu der stund / Alsbaldt du wider bist gesund: Daß ich mit dir / an statt dern beeden / Mich mög nach notturfft vnderreden. Der Fuchs / dem sein list wol erschossen / Merckte gar leichtlich disen possen: Daß jhn der Löw auch fressen wölte / Wenn er sich bei jhm gsund eynstölte: Bedanckte sich / vnd macht angends Ein demütige Reverentz: Nam seinen abschid von dem Hoff. Doch jhn der Löw nie mehr antroff; Dann er in sicherheit verschloff. Erinnerung auß der Fabel. WO Tyranney nimt überhand / Findt Gricht vnd Recht nie mehr bestand: Sonder Gewalt / List vnd Betrug / Mit falschem schein / hat den vorzug! Wer dWarheit redt komt in gefahr: Ja offt wol vmb das Leben gar. Wirdt dann gebraucht die schmeichelkunst: So findt sie doch auch kleine gunst. Sonder man nimt daher erst schein / Dich zbringen auch in gefahr vnd pein. Vnd hilfft da nichts / es muß hindurch: Gleich wie der pflug macht eine furch. Vnd geht alsdann an solchem ort / Wie man waar sagt in eim sprichwort: Daß der / der schlagen wolt ein Hund / Gar bald auch einen Bengel fund: Vnd da man schon nit ursach gab / Nam man sie von eim zaun herab. Derhalben klug der billich heißt / Der sich herauß zuwickeln weißt. Jedoch wie klug er jmmer ist / So braucht es noch all ränck vnd list. Vnd wirdt noch gfragt: ob man hab fug / Gefahr abzuwenden mit betrug? Zwar manchen ist der solches glaubt / Der dafür halt es sey erlaubt. Jch setz an sein ort wie dem sey / Doch aber findt sich das darbey / Daß der gstalt dWarheit sich muß leyden: Welches doch ein jeder Christ solt meyden. Das best ist: Wer zHoff nit muß seyn / Daß keiner sich selbs tringe eyn: So bleibt er sicher vnd wol frey / Für solcher gfahr vnd Tyranney. Wer aber je / nach dem Beruff / Darzu jhn sein Gott selbst erschuff / Muß seyn bei Hoff / im Raht im Gricht / (Ohn welches sonst die welt bstünd nicht) Der setz auff Gott sein zuversicht: Vnd bleib getrew/ in seiner pflicht / An Gott / vnd seiner Obrigkeit: Liebe das Recht / vnd die Warheit: Vnd sey in allem thun beflissen / Das er behalt ein gut Gewissen. Komt dann schon widerwertigkeit / Gleich selbsten von der Obrigkeit: Die etwan dein Trew nit erkennt. Oder wirst von der Welt angrennt: Die dich verlestert vnd verkleint / Die anderst redt / vnds anderst meint: Vnd man drauff (ob man schon nit sicht Jns Herz) gleichwol ein Vrteil spricht. Oder was sonsten Gott verhengt / Daß du mit Creütz wirst angesprengt: So wirdt jedoch dir Gott beystahn / Dein Ehr retten vor jederman / Vnd dir helffen auß aller gfahr / Gott geb / wie die besteller war: Dich segnen/ vnd nach disem Leben / Das Ewig dir zur bkrönung geben. M. G.
    Deutsche illustrierte Flugblätter des 16. und 17. Jahrhunderts. Bde. 1-3: Die Sammlung der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Kommentierte Ausgabe, hg. von Wolfgang Harms, Michael Schilling und AndreasWang, Tübingen 1980-89, 2., erg. Aufl. von Bd. 2, Tübingen 1997 (Tl. 1: Ethica. Physica, Tl. 2: Historica, Tl. 3: Theologica. Quodlibetica. Bibliographie. Personen- und Sachregister). Bd. 4: Die Sammlungen der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek in Darmstadt. Kommentierte Ausgabe, hg. von Wolfgang Harms und Cornelia Kemp, Tübingen 1987. Bd. 7: Die Sammlung der Zentralbibliothek Zürich. Die Wickiana, Tl. 2 (1570–1588), hg. von Wolfgang Harms und Michael Schilling, Tübingen 1997, hier Bd. 2 S. 137.
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