Christian Wieland

Lorenzino de’ Medici und Francesco Guicciardini: Zwei Günstlingstypen am Beginn der Medici-Monarchie

 

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts war das politische Klima in Florenz von lebhaften und kontroversen Verfassungsdiskussionen bestimmt, die zumindest implizit mit der Frage nach der Rolle des Hauses Medici in der Republik verwoben waren. 1494 war Piero de’ Medici mitsamt seinen nächsten Angehörigen aus Florenz vertrieben worden – Rückkehrversuche scheiterten und das Florentiner Haus agierte nun von Rom aus, um seine Position in der Heimat neu zu konsolidieren. In Florenz selbst standen sich innerhalb der aristokratischen Führungsschicht zumindest vier Parteien gegenüber, die alle eine Regierungsbeteiligung des Mittelstandes, der sich auf die Unterstützung Savonarolas berufen konnte, ablehnten. Die erfolgreiche Politik des Hauses Medici an der Kurie, die mit der Wahl von zweien ihrer Angehörigen zu Pontifices gekrönt wurde (Leo X., 1513 – 1521, und Clemens VII., 1523 – 1534), ermöglichte eine Beendigung der internen Verfassungskonflikte von außen und verschaffte den Medici die seit langem angestrebte Alleinherrschaft: Mit Alessandro de’ Medici stand nun ein von des Papstes und des Kaisers Gnaden legitimierter Herzog an der Spitze der nach wie vor so bezeichneten "Republik" Florenz. Die Ermordung Alessandros am 5. Januar 1537 durch einen entfernten Verwandten und nahen Vertrauten, Lorenzino de’ Medici, erfüllte die Oberschicht mit Sorge um die äußere Unabhängigkeit und innere Stabilität ihres Gemeinwesens: Der von den Patrizieren, allen voran Francesco Guicciardini, hastig zum Nachfolger Alessandros gekürte Cosimo de’ Medici sollte beides sichern, zusammen mit der politischen Vorrangstellung der alten Elite. Doch die Emanzipation Cosimos aus der Umklammerung durch seine ehemaligen Standesgenossen gestaltete sich schneller und massiver als erwartet: Er bezahlte die Etablierung der fürstlichen Alleinherrschaft mit der Konservierung der sozialen Exklusivität der Florentiner Elite.

Lorenzino de’ Medici und Francesco Guicciardini markieren auf dem Weg des Übergangs von der Republik zur Monarchie sowohl die widerstrebenden Kräfte der sich nach wie vor als "kommunal" begreifenden Aristokratie als auch den Typus des Höflings in einer sich allmählich ausdifferenzierenden Hofgesellschaft. Als enge Vertraute – Günstlinge – der Monarchen agierten sie im eigenen und in einem ständisch verstandenen Interesse; dazu bedienten sie sich der unterschiedlichen Günstlingsrollen des "Freundes" und des "Beraters". Ihr Scheitern bedeutete neben dem Ende persönlicher Ambitionen auch die Niederlage einer aristokratischen Politik- und Gesellschaftsvorstellung.