Arnd Reitemeier

Günstlinge, bevorzugte Gruppen und ihre Wahrnehmung: Der englische Hof des 14. Jahrhunderts

Piers Gaveston und Hugh le Despenser d. J. waren Adlige, denen Edward II. von England sein besonderes Vertrauten schenkte und die er besonders auszeichnete. Beide sind der Nachwelt nicht zuletzt durch den Vorwurf der homosexuellen Beziehung zum Monarchen bekannt. Diese und andere Monita führten schließlich zu ihrer Entmachtung und zu ihrer Hinrichtung durch Mitglieder des englischen Hochadels. Vertraute, die besonders ausgezeichnet wurden, gab es aber auch unter anderen Herrschern wie Edward III. und Richard II., doch nur manche von ihnen wurden angeklagt und verurteilt. Die Liste reicht von Alice Perrers über William Latimer und Simon de Burley bis hin zu William Scrope. Im Vortrag wird der Frage nachgegangen, wer die Günstlinge waren, wie ihnen der Aufstieg gelang und warum nur manchen von ihnen der Prozeß gemacht wurde.

Günstlinge waren nicht allein. Zum einen war es ihnen nur selten möglich, aus eigener Kraft Karriere am Hof zu machen. Zum anderen waren ihnen mehr oder weniger große Gruppen an Anhängern zuzurechnen. Im Vortrag soll daher nicht nur auf das Umfeld der Günstlinge eingegangen werden, sondern auch auf die Frage, was mit diesen Personen nach dem Sturz ihres Protektors passierte.

Vergleicht man den Aufstieg der Günstlinge mit den ihnen später vorgeworfenen Verfehlungen, stellt sich die Frage, wieso es überhaupt so weit kommen konnte. Konstatiert werden kann eine Diskrepanz zwischen ihrer Tätigkeit und ihren Verfehlungen, zwischen ihrem Wirken und ihrer Wahrnehmung insbesondere durch die Chronisten. Dies soll nicht nur erklärt werden, sondern es wird auch versucht, ein Erklärungsmuster für das - meist negative - Urteil der Chronisten darzulegen.