Sven Rabeler

Vertrauen und Gunst

Klientelismus am spätmittelalterlichen Hof

 

Ausgangspunkt des Vortrages ist der spätmittelalterliche Hof als soziales Netzwerk und Ort sozialer Interaktion, wobei der Blick auf die Zeit vom 14. bis zum 16. Jahrhundert gerichtet wird. Angesichts eines vergleichsweise niedrigen Institutionalisierungsgrades in Politik und Verwaltung bilden Klientelismus und Patronage neben Verwandtschaft, Freundschaft und Landsmannschaft zentrale Elemente höfischer Beziehungsnetze und Soziabilitätsformen, wobei nicht nur der Fürst, sondern auch andere Angehörige des Hofes als Patron auftreten. "Gunst" und "Vertrauen" gehören zu den Kategorien, mit denen sich klientelistische Bindungen beschreiben lassen, die auf dem Austausch materieller und immaterieller Güter wie auf gegenseitiger Loyalität beruhen. Sie können dabei in vielfältigen Formen auftreten und sich beispielsweise hinsichtlich ihrer Intensität und Stabilität sowie des sozialen Gefälles zwischen dem Patron und seinen Klienten erheblich unterscheiden. Neben der Sichtung des begrifflichen Instrumentariums, das die bisherige Forschung für die Analyse von Klientelverhältnissen zur Verfügung gestellt hat, soll versucht werden, an Hand einzelner Beispiele die Komplexität höfischer Sozialbeziehungen und das Selbstverständnis der daran Beteiligten nachzuzeichnen. Zudem stellen Klientelismus und Patronage wichtige Bausteine für die Bildung von Gruppen am Hof dar. Thematisiert werden daher auch die Struktur und das Agieren höfischer Faktionen.