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Artikel:A. Jagiellonen
Bearbeiter: Jiri Fajt, Leipzig

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    A.Jagiellonen

    I. Die Dynastiebezeichnung ist abgeleitet von dem Namen des litau. Großfs.en und späteren poln. Kg.s Jagiello (lit. Jogaila; poln. Jagiełło) (1351-1. Juni 1434). Er war ein Sohn Olgierds und Julianas, der Hzg.in von Twer, und begann 1377 in Wilna zu herrschen, anfangs gemeinsam mit seinem Onkel Kejstut, dem Hzg. von Troki. Unstimmigkeiten zw. den beiden Vertretern des geteilten litau. Staates hatten für Jagiello 1381 den Verlust des Thrones in Wilna zur Folge. Als Kejstut starb, begann sein Sohn Witold, vom ® Deutschen Orden unterstützt, den Kampf um das väterl. Erbe, in dem Jagiello 1384 unterlag; dieser versöhnte sich jedoch vorübergehend mit Witold und versprach dem ® Deutschen Orden, sich taufen zu lassen. Er stimmte dem poln. Vorschlag zu, mit der damals noch minderjährigen Hedwig von Anjou (1374-99) die Ehe einzugehen, reiste nach Krakau, wo er am 15. Febr. 1386 getauft wurde und den Namen Wladislaw (Władysław) erhielt; am 18. Febr. folgte die Eheschließung und am 4. März 1386 die Krönung zum Kg. von Polen. Wladislaw II. Jagiello (Władysław Jagiełło) betraute 1392 Witold mit der Herrschaft über das litau. Großfsm. Den langjährigen Feind, den ® Deutschen Orden, besiegte er 1411 in der Schlacht bei Tannenberg. Wladislaw II. Jagiello, poln. Kg. und Großfs. von Litauen, gilt als Stammvater der J.-Dynastie.

    Jagiello hatte aus vierter Ehe mit Sophia aus dem litau. Fürstenhaus der Holszańska zwei Söhne: Wladislaw und Kasimir. Nachfolger auf dem poln. Thron wurde der erstgeborene Sohn Wladislaw (gef. 1444 in der Türkenschlacht bei Warna), ihm folgte Kasimir (IV.) (1427-92), dem sich durch Eheschließung mit Elisabeth von Habsburg (1454), der Tochter des röm., ungar. und böhm. Kg.s ® Albrecht II. von Habsburg (10. Aug. 1397-27. Okt. 1439), neue Möglichkeiten eröffneten, das Luxemburger Erbe zu erlangen; das älteste von dreizehn Kindern war Wladislaw, der spätere Kg. Böhmens und Ungarns, mit dem die J. den Schauplatz der Reichspolitik betraten.

    II. Wladislaw (II.) Jagiello (1. März 1456-13. März 1516) wurde nach zweijährigen Verhandlungen von den böhm. Ständen auf dem Kuttenberger Landtag vom 27. Mai 1471 zum Kg. von Böhmen gewählt. Von Anfang an sah er sich mit dem schlechten Zustand des kgl. Vermögens konfrontiert und mußte sich mit der Tatsache auseinandersetzen, daß er in den Ländern der böhm. Krone ledigl. über Böhmen herrschte, während der Großteil Mährens (das Troppauer Fsm. ging 1501-11 an den poln. Kg.), ® Schlesien und die Lausitzen sich aber in der Hand des ungar. Kg.s Matthias Corvinus befanden, der einen Tag nach der Kuttenberger Wahl Wladislaws (28. Mai) vom päpstl. Legaten Roverell in Iglau zum Gegenkg. von Böhmen ausgerufen wurde (29. Mai). Den Kriegszustand zw. den beiden Rivalen auf dem böhm. Thron beendeten erst die 1478-79 in Olmütz geschlossenen Verträge, in denen die fakt. Aufteilung der Macht bestätigt wurde.

    Die Anerkennung des Rkfsm.s errang Wladislaw II. durch seine Unterstützung des röm. Ks.s ® Friedrichs III. im Kampf gegen Matthias Corvinus, die offizielle Bestätigung des Kurfürstenrechts wurde Wladislaw auf einer Zusammenkunft der Kfs.en von 1488 zuteil, wo er von der Pflicht entbunden wurde, das Lehen persönl. vom Ks. zu empfangen.

    Nach dem Tode von Matthias Corvinus wurde Wladislaw II. 1490 nach Vereinbarungen des ungar. Magnaten Stephan Zápolsky mit Vertretern der böhm. Stände in Ofen (Buda) zum Kg. von Ungarn gewählt, wo er sich noch im selben Jahr mitsamt seinem Hofstaat für immer niederließ (seitdem hatte er Prag nur dreimal einen Besuch abgestattet). Die St.-Stephanskrone mußte er sogleich gegen seinen Bruder, den poln. Kronprinzen Johann Albrecht, der die Unterstützung des Krakauer Hofes genoß, auch milit. verteidigen. Am 7. Nov. 1491 schlossen beide Brüder in Preßburg eine Vereinbarung, wonach Kasimir, poln. Kg. und Vater von Wladislaw, und der Habsburger Ks. ® Maximilian I. Wladislaw II. auf dem ungar. Thron anerkennen, allerdings nicht bedingungslos. In den nachfolgenden jagiellon.-habsburg. Abmachungen wird im Falle des Aussterbens der J. in männl. Linie die Thronnachfolge der ® Habsburger für Ungarn und Böhmen in Aussicht gestellt und Wladislaw II. mußte auf evtl. Ansprüche auf die österr. Länder verzichten. Beide Königsbrüder, Johann Albrecht und Wladislaw, trafen sich noch 1494 in Leutschau, um die strittigen Fragen eines poln.-ungar. Ausgleichs aus der Welt zu schaffen.

    Wladislaw II. war dreimal verh. Zuerst heiratete er am 20. Aug. 1476 Barbara (29. Mai 1464-4. Sept. 1515), die Tochter des brandenburg. Mgf.en Albrecht, die er jedoch nie zu Gesicht bekommen hatte; die zweite, heiml. Eheschließung erfolgte am 4. Okt. 1490 mit Beatrice (1457-1508), der Tochter des Kg.s von Neapel, Ferdinand I., und Wwe. von Matthias Corvinus; beide Ehen wurden 1500 vom Papst als ungültig erklärt. Die dritte Ehe wurde in Abwesenheit von Wladislaw am 23. März 1502 auf dem Schloß der frz. Kg.e in Blois mit Anna (um 1484-26. Juli 1506), einer Tochter verarmter Gf.en aus dem Hause Foix Candale, geschlossen, die durch den frz. Kg. Ludwig XII. und seine Gemahlin Anna vertreten wurde. Die Hochzeitsfeierlichkeiten in Anwesenheit beider Eheleute fanden am 6. Okt. 1502 in Ofen statt. Kurz darauf wurden Wladislaw II. zwei Nachkommen geb.: die Tochter Anna (23. Juli 1503-27. Jan. 1547) und der Thronnachfolger Ludwig (1. Juli 1506-29. Aug. 1526), nach dessen Geburt Königinmutter Anna von Foix gest. war.

    Die weiteren polit. Übereinkünfte hinsichtl. einer Aufteilung der Einflußsphären in Mittelost- und Südosteuropa zw. dem Haus der J. und der ® Habsburger wurden 1515 in ® Wien bestätigt; darin erkannten die ® Habsburger das souveräne Recht des Kgr.s Polen auf das Gebiet des ® Deutschen Ordens an und sahen zugl. von einer Koalitionsbildung der Länder Süd- und Osteuropas ab, während die J. in Person ihres Kg.s Sigismund I. auf die Gebiete nördl. der Donau verzichteten. Den abgeschlossenen Verträgen zufolge sollte Ludwig II. Jagiello Maximilians Enkelin Maria ehelichen, und Anna Jagiello wurde mit Maximilians Enkel Ferdinand verlobt. Außerdem wurde Ludwig von ® Maximilian zu seinem Adoptivsohn mit den Rechten eines Reichsvikars und zu seinem ksl. Thronnachfolger erklärt; ein Jahr vor seinem Tode änderte ® Maximilian allerdings seine ursprgl. Absichten und vereinbarte mit fünf Rfs.en die Thronnachfolge seines Enkels ® Karl (V.). Wladislaw II. starb am 13. März 1516 in Ofen; beigesetzt wurde er im Grab der ungar. Kg.e in Stuhlweißenburg.

    Den vakanten böhm.-ungar. Thron bestieg der zehnjährige Sohn Wladislaws, Ludwig II. Jagiello (1. Juli 1506-29. Aug. 1526), der bereits am 4. Juni 1508 in Stuhlweißenburg zum Kg. von Ungarn und ein Jahr später, am 11. März 1509, im Prager Veitsdom mit der Wenzelskrone auch zum Kg. von Böhmen gekrönt wurde. Per Testament Wladislaws II. wurde ihm als Vormund Ks. ® Maximilian und der poln. Kg. Sigismund bestimmt, den größten Einfluss am Hof in Ofen hatte aber, gemeinsam mit dem Graner Ebf. Tomász Bakócz und dem Bgf.en von Ofen Jan Bornemisza, Ludwigs Cousin Georg von Hohenzollern, Mgf. von Brandenburg, verh. mit Beatrice Frangipane, der Wwe. Johann Corvinus’, und größter Feudalherr im Kgr. Ungarn.

    Vertragsgemäß heiratete Ludwig Maria von Habsburg, die Enkelin Ks. ® Maximilians und Tochter Philipps I. des Schönen, Hzg. von Burgund und Kg. von Kastilien, und Johannas der Wahnsinnigen, Thronnachfolgerin von Kastilien und Aragonien. Marie von Habsburg wurde am 11. Dez. 1521 in Stuhlweißenburg zur ungar. Kg.in gekrönt; die Hochzeit fand am 13. Jan. 1522 in Ofen statt. Mit der gebildeten und kultivierten Maria – sie las mit Bewunderung die Schriften Martin Luthers und schätzte ihren Hofkaplan, den Lutheraner Johann Hoenckel – kamen eine neue höf. Kultur nach Ofen und zahlr. neue Gesichter nichtungar. Herkunft, von denen der Adlige Andrea del Burgo aus Cremona die wohl einflußr. Stellung erringen konnte. Marias Neigung zu Reformgedanken färbte allerdings nicht auf den Kg. ab, der ein treuer Anhänger der kathol. Kirche blieb.

    Nach vierjährigen Bemühungen böhm. Diplomaten entschloß sich Ludwig, gemeinsam mit seiner Frau am 27. Dez. 1521 erstmals seit seiner Prager Krönung das Kgr. Böhmen zu besuchen. Am 22. März 1522 begrüßten die führenden Vertreter der Landesregierung, Zdeněk Lev von Rožmitál und Adalbert von Pernstein, im mähr.-böhm. Grenzgebiet ihren Kg. Sechs Tage später traf Ludwig in Prag ein, begleitet von den Räten, an deren Spitze Mgf. Georg stand, und den Gesandten des Ks.s (Andrea del Burgo und Sigismund von Herberstein), des poln. Kg.s und Venedigs. Marias Krönung zur Kg.in von Böhmen erfolgte am 1. Juni 1522. Nach einem einjährigen Aufenthalt in Böhmen (Anfang 1523) änderte Ludwig das bisherige Regierungssystem und stellte Fs. Karl von Münsterberg an die Spitze des Landes, der Zdeněk Lev von Rožmitál ablöste. Nach zwei Jahren anhaltenden diplomat. Drucks seitens der kathol. Partei kehrte Ludwig jedoch zu dem ursprgl. Modell zurück und setzte erneut Zdeněk Lev als Oberstbgf.en ein. Wieder nach Ungarn zurückgekehrt, war Ludwig völlig mit der Organisierung des Abwehrkampfes gegen die Türken beschäftigt. Im Sommer 1526 brach er trotz zahlr. Warnungen nach Mohács auf, wo er am 29. Aug. auf das strateg. und zahlenmäßig stärkere Heer des türk. Sultans Suleiman II. traf. Nach zwei Stunden waren die ungar. Abteilungen besiegt; bei der Flucht stürzte Kg. Ludwig II. Jagiello vom Pferd und ertrank. Im Herbst 1526 wurde er in Stuhlweißenburg beigesetzt, in Prag fanden die Trauerfeierlichkeiten am 10. Okt. 1526 statt. Seine Wwe. Maria wurde Statthalterin in den Niederlanden (1530-56). Sie starb am 18. Okt. 1558 in Spanien und ist im Escorial begr.

    Mit Ludwigs Tod schloß eine wichtige Etappe der mitteleurop. Außenpolitik der J. Den Thron von Böhmen bestieg ® Ferdinand I. von Habsburg mit seiner Gemahlin Anna Jagiello (Eheschließung 1520), der Schwester Ludwigs. Um den Thron von Ungarn führten die ® Habsburger (Ferdinand I. wurde am 3. Nov. 1527 in Stuhlweißenburg zum Kg. von Ungarn gekrönt) einen Kampf mit Johann von Zápolsky (1487-1540), dem letzten ungar. Kg., der nicht aus den Reihen der ® Habsburger stammte und am 10. Nov. 1526 gekrönt worden war; seine am 2. März 1539 erfolgte Heirat mit Elisabeth (1519-59), der Tochter des poln. Kg.s Sigismund, war der letzte Versuch, den Einfluß des Hauses Jagiello im Kgr. Ungarn aufrechtzuerhalten.

    Die J. beherrschten in den Jahren 1490 bis 1526 ein ausgedehntes Gebiet in Mittel- und Mittelosteuropa und gehörten zu den bedeutendsten europ. Herrscherhäusern. Ihre Besitzungen umfaßten das Kgr. Polen mit dem Deutschordensland, Lauenburg, Bütow, Moldau und Masowien, das litau. Großfsm. mit Wirchowsk, das Kgr. Böhmen mit Mähren, ® Schlesien und der Lausitz (Länder der böhm. Krone) sowie das Kgr. Ungarn mit Siebenbürgen, Sachsen, Slawonien, Dalmatien-Kroatien, Jajce, Srebrenica, Szörény, Sabac und Szekler. Die Macht der J. reichte somit von Smolensk und Weißrußland bis nach ® Bayern und von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer.

    III. Wladislaw verwendete zur staatl.-dynast. Repräsentation das herald. Wappen des Kgr.s Polen, den weißen Adler. Als persönl. Wappen nutzte er die Initiale seines Vornamens, den Buchstaben "W", der in zweierlei Form erscheint, nämlich mit und ohne Krone. Er ist an zahlr. kirchl. und weltl. Bauten in Böhmen (Prag, Kuttenberg, Pürglitz, Laun, Tabor u.a.) und in Ungarn (Ofen/Buda, Nyék, Waitzen) zu finden, ferner auf Wandmalereien, in illuminierten Handschriften und Wiegendrucken, an Schilden, auf Kacheln, Zunftschildern, Petschaften und Münzen; nicht immer kann das "W" als persönl. Wappen des Kg.s in seiner Rolle als Stifter gedeutet werden, mitunter ist es als Hinweis auf die zeitl. Entstehung des Objekts zu verstehen: "unter König Wladislaw" (am Rathaus in Breslau bezieht es sich sogar auf den latinisierten Stadtnamen). Dasselbe gilt von dem Wappen mit dem gekrönten Buchstaben "L", der für Kg. Ludwig steht. Auf dieses Zeichen trifft man bereits weniger oft, es begegnet nur im Südflügel des Königspalastes auf der Prager Burg oder in einigen Urk.n.

    Wladislaw II. zog am 19. Aug. 1471 in Prag ein und ließ sich mit seinem Hofstaat in der kgl. Res. am Pulverturm in der Altstadt nieder; zeitweilig hielt er sich im Welschen Hof in Kuttenberg auf. In der Zwischenzeit ließ er die Prager Burg rekonstruieren, die er 1485 bezog. Die ältesten baul. Veränderungen sind mit dem Namen des kgl. Steinmetzen Hans Spiess aus Frankfurt am Main verbunden, dessen Werk das Gewölbe des sog. Wladislawschen Schlafgemachs (vor 1490) und das kgl. Oratorium im Veitsdom ist (1490-93). Nach seinem Weggang aus Prag arbeitete er auf der Königsburg Pürglitz, wo ein repräsentatives Werk der Wladislawschen Hofkunst entstand, nämlich die Burgkapelle mit ursprgl. Plastik und Altar; geweiht ist die Kapelle Maria und den böhm. Landespatronen. Wladislaws Aufmerksamkeit galt jedoch der Prager Burg, wo er seinen Finanzier Hans Beheim mit der Organisierung der Bauarbeiten betraute. Auf den Fundamenten des alten Kaiserpalastes ® Karls IV. ließ er mit dem 1500 fertiggestellten Wladislawsaal von dem bayer. Architekten Benedikt Ried den größten Repräsentationsraum jenseits der Alpen in Europa errichten (die ursprgl. Gestalt des Palastes findet sich auf einer Vedute, in: Album der Reisebilder Pfalzgraf Ottheinrichs, 1536/37, Universitätbibliothek Würzburg, Delin 6). In kgl. Diensten baute Benedikt Ried ferner den sog. Ludwigsflügel, d.h. den Südflügel des Königspalastes (bis 1508), das von Bildhauern verzierte Südportal der Georgsbasilika, die Reitertreppe am Wladislawsaal oder das Jagdschloß im Prager Baumgarten (Stromovka) (alles Anfang 16. Jh.). Auch an Aufträgen für die führenden Aristokraten des Landes arbeitete er, so für Zdeněk Lev von Rožmitál (Schloss Blatna, 1523-30), für die Herren Schwihau von Riesenburg (die Burgen Schwihau und Raby) und für Karl von Münsterberg (Frankenstein, 1524-32), bzw. übernahm Aufträge für Städte. In Kuttenberg stellte er die St.-Barbarakirche fertig (ab 1512) und in Laun baute er die Nikolauskirche (1519 bis nach 1524) und wurde vom Kg. in den Adelsstand erhoben (bis 1510): nobilis Benediktus de […] lapicida regiae Majestatis.

    1497 stiftete Wladislaw II. bei seinem ersten Pragbesuch Silber für die Büsten der Landespatrone (offenbar handelte es sich um die Goldschmiedebüsten der Hl. Wenzel und Adalbert, 1497-1500, Veitsdom in Prag, Domschatz). In den Diensten Kg. Wladislaws II. standen auch der Nürnberger paumeister, Pildschnitzer und Maler Hans Scholler (1490-1517), die Maler Romanus Vlach aus Florenz (um 1502), Hans Efeldar (Elfelder) (1511-17) und Gangolf Herlingar (1507 bis etwa 1547). Der anonyme Meister des Leitmeritzer Altars (tätig ca. 1500-20) malte neben zahlr. Aufträgen für Kirchen in und außerhalb von Prag die Wenzelskapelle im Veitsdom aus. Im Milieu der Prager Kanzlei entfaltete sich von den 1480er Jahren an der erste Humanistenkreis, dessen Mäzen der böhm. Oberstkanzler Johann von Schellenberg war und in dem auch der Humanist Bohuslaus Hassenstein von Lobkowitz wirkte; am Hof von Ofen traf sich bereits traditionell eine humanist. Literatengesellschaft, und es ist anzunehmen, daß Kg. Wladislaw II. durch seinen gebildeten Sekretär, den Olmützer Augustin Käsenbrot (1467-1513), zumindest über ihre Tätigkeit gut informiert war.

    Nach der Übersiedlung des Königshofes nach Ofen erweiterte sich der Kreis der Auftraggeber und Mäzene in Böhmen um hohe kgl. und Landesbeamte, deren wichtigste die Lev von Rožmitál, die Herren von Pernstein, Sternberg, Rosenberg, Wartenberg, Schwihau von Riesenburg, Kolovrat, Schlick, Lobkowitz, Ilburg, Vitzthum, Martinitz, Czernin, Neuhaus, Hasenburg, Schellenberg, Weitmühl, die Smíšek von Wrchowischt und die Horstoffar von Malesice waren. Für ihre eigenen Repräsentationszwecke nutzten sie die Dienste sowohl heim. Künstler als auch von Künstlern aus Franken, ® Sachsen, Schwaben, dem Rheinland, aber auch aus ® Schlesien, Polen, Mähren, ® Österreich oder Norditalien. Immer häufiger stoßen wir auf den Import von Kunstwerken, wie dies bspw. die Glasmalereien des Straßburgers Peter Hemmel aus Andlau auf der Burg Pürglitz zeigen, oder der Altar für die Sigismundkapelle aus der Wittenberger Werkstatt Lucas Cranachs d.Ä. und der in der Wenzelskapelle befindl. Wenzelleuchter aus der Bronzegießerwerkstatt der Nürnberger Vischer, beides Arbeiten, die für den Prager Veitsdom bestimmt waren.

    Von den Aufträgen für Kunstwerke am Wladislawschen Hof in Ofen hat sich außer mehreren architekton. Fragmenten im Stil der Renaissance, außergewöhnl. Porträts, Medaillen oder Archivalien nichts erhalten. Für Kg. Ludwig arbeitete der Porträtist Hans Krell (1522-26), ursprgl. Maler am Hofe der ® Hohenzollern in ® Ansbach, oder Jakub von Kapí (Kutná) Hora (nach 1520-26), offensichtl. ident. mit Jakob von Kuttenberg (Jacobus pictor Bohemus, […] in arte pictoris in protectionem regiam susceptus), der 1518 und 1519 in den Diensten des poln. Kg.s Sigismund stehend angeführt wird, welcher ihn anscheinend seinem Cousin nach Ofen empfohlen hatte. Ludwig II. und der Graner Ebf. Tomász Bákocz bestellten Werke bei dem toskan. Bildhauer Andrea Ferrucci (Springbrunnen 1517, Altar-Retabel für die ebfl. Kapelle in Gran 1519), für den Ebf. arbeitete der Architekt Johannes Fiorentinus (1506-25).

    Eine bestimmte Vorstellung vom Charakter des höf. Milieus im jagiellon. Ungarn liefern die Stiftungen einiger Landesmagnaten (derer von Buzlay, Perényi, Báthory, Zápolya) und Prälaten (des Graner Ebf.s Tomász Bákocz, des Bf.s Johann Filipecz, des kgl. Kanzlers und Graner Ebf.s Georg Szathmári, des Ebf.s von Kalocsa Peter Váradi, des Bf.s von Wardein Franziskus Perényi und weiterer), die bedeutende Ämter am Hofe innehatten, bzw. die Repräsentation des reichen Patriziats, die mit ihren künstl. Ansprüchen vielfach das normale Verständnis vom Begriff der städt. Kultur übertrafen (Pest, Preßburg, Leutschau, Bartfeld, Kaschau, Neusohl, Schemnitz, Hermannstadt, Kronstadt u.a.).

    Auf die erste offizielle Darstellung Wladislaws II. Jagiello stoßen wir bei der Beschreibung der nicht erhaltenen bildhauer. Ausstattung am Pulverturm in Prag (Matthias Rejsek, Grundsteinlegung 1475), wobei man ideell an den hundert Jahre älteren Brückenturm anknüpfte. Bildl. dargestellt ist der Kg. mitsamt Ehefrau Anna von Foix in der Wenzelskapelle des Veitsdomes in Prag (vor 1509), auf einer Votivtafel von Bernhard Strigel betet Wladislaw II. im Gefolge seiner Kinder Maria an (1511/12, Budapest, Museum der bildenden Künste, Inv.-Nr. 7502), die Büsten Wladislaws II. und Ludwigs II., ausgeführt in Stein, kennen wir vom Palast-Erker auf Pürglitz (ca. 1510-15), Königvater und Königssohn zieren als gemalte Figuren den Wappenbrief Johann Pethós (1507, Budapest, Ungarisches SA, Inv.-Nr. DL 86051). Wladislaw mit dem Wappen "W" findet sich auf dem Privileg für die Kleinseite vom 8. Mai 1507 (Prag, StA I/33), auf einem großen Doppelsiegel von 1493 (Budapest, Ungarisches SA, Inv.-Nr. DL 19968) bzw. auf Medaillen (z.B. Budapest, National-Museum/Münzkabinett, Inv.-Nr. 133/932).

    Ludwig II. Jagiello wurde häufiger porträtiert, z.B. auf einem Gemälde von Hans Krell (ca. 1526, Wien, KHM) oder auf dem Porträt eines unbekannten Künstlers (erste Hälfte 16. Jh., Budapest, Museum der bildenden Künste, Inv.-Nr. 77.6). Bildl. Darstellungen von Ludwig finden wir in einem Stadtrecht (1523, Znaim, Rathaus). Bernhard Behaim stellte den jungen Kg. auf einem Schmucktaler dar (1526, Budapest, National-Museum/Münzkabinett, Inv.-Nr. 10/880-9) und Hans Daucher und Stephan Schlik auf einer Medaille (1526, Budapest, National-Museum/Münzkabinett, Inv.-Nr. Delhaes 1.17).

    IV. Kasimir und Elisabeth von Habsburg hatten sechs Söhne und sieben Töchter. Der älteste Sohn war Wladislaw, der später Kg. von Böhmen (1471-1516) und Ungarn (1490-1516) wurde, gefolgt von seinem Sohn Ludwig (1516-26). Der jüngere Bruder Wladislaws, Kasimir (3. Okt. 1458-4. März 1484), wurde 1602 heiliggesprochen und zum Schutzpatron Litauens erklärt. Nach dem Tod von Kg. Kasimir folgte 1492 auf dem poln. Königsthron Johann Albrecht (27. Dez. 1459-19. Aug. 1501), Fs. von Glogau [® Schlesien] und poln. Kg., während ein weiterer Bruder, Alexander (5. Aug. 1461-19. Aug. 1506), Großfs. von Litauen und Kg. von Polen war, ab 1492 zunächst in Litauen und erst nach dem Tode seines Bruders Johann Albrecht (1501) auch in Polen herrschte. Weder Johann Albrecht noch Alexander hinterließen Erben, so daß der poln.-litau. Thron auf einen weiteren Bruder überging, nämlich auf Sigismund I. (1. Jan. 1467-1. April 1548), Fs. von Glogau, Troppau [® Schlesien], Verweser der Lausitz, Kg. von Polen und Großfs. von Litauen, der seine erste Ehe am 8. Febr. 1512 mit Barbara (1495-2. Okt. 1515) schloß, der Tochter von Stephan Zápolya, Herr von Trentschin, Zips und Hzg. von Siebenbürgen, seine zweite Ehe am 18. April 1518 mit Bona Sforza (2. Febr. 1494-19. Nov. 1557), der Tochter des Mailänder Fs.en Galeazzo Sforza; aus dieser Ehe ging der letzte männl. Nachkomme der J.-Dynastie hervor: Sigismund II. Augustus (1520-72), Kg. von Polen und Großfs. von Litauen. Der letzte Bruder Wladislaws, Friedrich (27. April 1468-14. März 1503), wurde 1488 zum Bf. von Krakau, 1493 zum Ebf. von Gnesen und zum Kard. ernannt.

    Die älteste Schwester Wladislaws war Hedwig (15. Aug. 1455-1. Dez. 1503), die am 14. Nov. 1475 in ® Landshut mit dem bayer. Fs.en Georg, einem ® Wittelsbacher, vermählt wurde, es folgte Sophie (6. Mai 1464-5. Okt. 1512), die am 14. Febr. 1479 mit Friedrich aus dem Hause ® Hohenzollern, einem Sohne Albrechts, Kfs. von ® Brandenburg, die Ehe einging, weiters Elisabeth (9. Mai 1465-66) und Elisabeth II. (13. Mai 1472 bis nach 1480), Anna (12. März 1476-12. Aug. 1503), am 2. Febr. 1491 mit Boguslav X., Sohn Boguslavs IX., Fs. von ® Pommern, vermählt, Barbara (15. Juli 1478-15. Febr. 1534), die am 21. Nov. 1496 Georg aus dem Hause ® Wettin, einen Sohn Albrechts, Fs. von ® Sachsen, heiratete, und schließl. Elisabeth III. (um 1483-16. Febr. 1517), die am 21. Nov. 1515 mit Friedrich II. aus dem Geschlecht der ® Piasten verh. wurde, einem Sohne Friedrichs I., Fs. von Liegnitz und Brieg [® Schlesien].

    ® B.2. Böhmen, Kgt., Kg.e von (mit dem Erzstift Prag, den Hochstiften Leitomischl und Olmütz als integrierte Artikel) ® C.2. Brünn ® C.2. Olmütz ® C.2. Prag

    Q. Acta Tomiciana. Epistolae, Legationes, Actiones, Res gestae ser. Principia Sigismundi [...], hg. von Stanislaw Górski, Bd. 1-3, Posen 1852-53. – Aeneae Silvii Historia Bohemica. – Enea Silvio Historie česká, hg. von Alena Hadravová, Dana Martínková und Jiří Matl, Prag 1998. – Antonius de Bonfini, Rerum ungaricarum Decades, Tl. 1-4, hg. von Imre Fógle, Béla Ivány, Ladislaus Juhász, Margarita Kulcsar und Petrus Kulcsár, Leipzig u.a. 1936-76 (Bibliotheca scriptorum medii recentisque aevorum 15 Saec., 10-13). – Apologia Wladislai, Nationalbibliothek Prag, Sign. I D 3. – Archív český 1-22 (1840-1905), 26 (1909), 28-30 (1912-13), 32 (1915-18), 38,1, 2 (1941). – Cechovní knihy pražských malířů 1348-1527, hg. von Hana Pátková, Prag 1996. – Codex epistolaris saeculi decimi quinti, hg. von Anatolius Lewicki, Augustus Sokolowski, und Jozef Szujski, Tl. 1-3, Krakau 1886-92 (Monumenta medii aevi historica res gestas Poloniae illustrantia, 2, 12, 14; Wydawnictwa Komisyi Historycz. Akademii Umiejętnósci w Krakowie, 8, 46, 52). – Codex epistolaris Vitoldi magni ducis Lithuniae 1386-1430, hg. von Antoni Pochaska, Krakau 1882 (Monumenta medii aevi historica res gestas Poloniae illustrantia, 6; Wydawnictwa Komisyi Historycz. Akademii Umiejętnósci w Krakowie, 23). – Dějepis města Prahy, hg. von Václav Vladivoj von Tomek, 12 Bde., Prag 1855-1901. – Johannes Długossus, Historica Polonica, Opera omnia 12/13, Krakau 1886-87. – Johannes Dubravius, Historiae regni Bohemiae Libri XXX-XXXIII, Prostanae 1552. – Království dvojího lidu. České dějiny let 1436-1526 v soudobé korespondenci, hg. von Petr Čornej, Prag 1989. – Leminger, Emanuel: Královská mincovna v Kutné Hoře, Prag 1912 (Rozpravy ČAVU I,48). – Monumenta Ecclesiae Strigoniensis 1-3, hg. von Ferdinand Knausz und C. Ludivicus Dedek, Strigonii 1874, 1882, 1924. – Monumenta Vaticana Historiam Regni Hungariae illustrantia, Ser. I: 1-6, Ser. II: 1-3, Budapest 1884-1909. – Pana Bohuslava Hasišteynského z Lobkovic wěk a spisy wybrané, hg. von Karel Vinařický, Prag 1875. – Politische Correspondenz des Kurfürsten Albrecht Achilles, 1-3, 1894-98. – Sanuto, Marin: I Diarii, Venedig 1892-95.

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    J. F.

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