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Artikel:B.3. Straßburg, Bf.e von
Bearbeiter: Francis Rapp, Strasbourg

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  • B.3_Straßburg

    B.3_Straßburg

    I. Bf. von S. seit dem 4. Jh., mit Amtsitz in S. und Res. ab 1262 außerhalb der Stadt, seit Ende des 14. Jh.s in Zabern. Am Ende des 10. Jh.s erhält der B. die Regalien, insbes. Münzrecht und Gerichtsbarkeit. Rfs.en und seit 1359 Lgf.en. Umfangr. Besitz, der im SpätMA 300 Ortschaften und eine Fläche von etwa 150.000 ha umfaßte. Die meisten Besitzungen befanden sich im Unterelsaß, in der Hauptsache zw. Zabern und S. und südl. davon, entlang der Ill bis in die Nähe von Schlettstadt. Ein sehr ertragr. Stück, der sog. Mundat, ausserhalb der Bistumsgrenze, im Rebland bei Rufach, südl. von Kolmar. Das Kernstück war bis zum Ende des 13. Jh.s die Stadtherrschaft über S., die von 1263 an immer stärkere Einbußen erlitt; S. wurde 1352 freie Reichsstadt. Mehrere Male endeten die Konflikte zw. dem Stadtrat und dem Bf. in Kriegen. Gewöhnl. Res. des Bf.s war S. nach 1263 nicht mehr.

    II. Das Wort curia erscheint sehr selten in den Akten, bis es im 13. Jh. das Gericht bezeichnet. Der judex curiae ist der Offizial, der 1230 zum ersten Mal erwähnt wird. Im Laufe des 14. Jh.s erweitert sich der Begriff curia; neben dem Offizial und seinen Mitarbeitern, gehören der curia die Mitglieder der geistl. Verwaltung an, insbes. der Generalvikar, der Inhaber des Fiskalats, der Poenitiar und der Kanzler, welcher auch engster Mitarbeiter des Bf.s und auch für weltl. Angelegenheiten zuständig ist.

    Daß es bereits im FrühMA einen Hof gab, ist unbestreitbar. Daß er sich in S. befand, dem Dom gegenüber, beweist schon die Bezeichnung Fronhof, für den Platz, der heute noch das Münster von dem bfl. Palais trennt. Soweit man es rekonstruieren kann, beweist das Itinerar der Bf.e, daß sie mobil waren und sich in den verschiedenen Teilen ihres Territoriums aufhielten, im 13. Jh. öfters in Dachstein, unweit von S. Sie entschieden sich in den letzten Jahrzehnten des 14. Jh.s für Zabern. Bemerkenswert ist, daß im SpätMA die curia im Sinne einer Verwaltung und Gerichtsbehörde ihren Sitz in S. behielt und der Hof sich in Zabern festsetzte. Am Ende des 16. Jh.s, als S. definitiv protestant. geworden war, zog die curia aus und verlegte sich nach Molsheim, einem Ort, der wiederum etwa 30 km von Zabern entfernt war.

    Die Hofämter sind in der Hauptsache seit dem Ende des 11. Jh.s bezeugt. Als erster erscheint der advocatus, Vogt, schon 913; da den verschiedenen Teilen der Stiftbesitzungen Vögte vorstehen, wird ab 1097 der Titel des advocatus ergänzt mit principalis oder, wie es noch 1507 heißt, Obervogt. Der Marschal, marescalsus ist 1095 zum ersten Mal bezeugt; auch dieses Amt besteht zu Beginn des 16. Jh.s noch. Kämmerer erscheinen in den Akten im Laufe des 12. Jh.s zu gleicher Zeit wie der Truchseß dapifer und der Schenck pincerna, auch Spender, dispensatores werden gen. und thesaurarii. Im 14. Jh. erst erscheint in den Akten der magister curiae, Hofmeister. Daß bereits in 12. Jh. das Personal zahlr. war, beweist die Verpflichtung, die den S.er "Schwertfegern" oblag: purgare gladios et galeas vicedomini, marescalci, dapiferi, pincerne, camerarii et omnium qui ministri necessarii et cotidiani episcopi sunt. Koch und Küchenchef, coquus und magister coquinae, sowie der Kellerer, cellerarius, kümmerten sich um die Nahrung des Bf.s, des Kaplans um die Geistlichkeit; ein capellanus episcopi wird 1133 zum ersten Mal erwähnt. Welche Funktion der 1272 erwähnte aber bereits verstorbene famulus ausübte, ist unklar; da seine Kinder von der Leibeigenschaft befreit wurden, muß er wohl dem niederen Dienstpersonal angehört haben.

    Ein sehr wichtiges Amt war die Kanzlei. Zum ersten Mal wird ein cancellarius 728 gen. Notare erscheinen nach 1044; im 14. Jh. erhält einer dieser Notare den Titel protonotarius. Zur gleicher Zeit unterscheidet man den notarius episcopi und den notarius curiae; letzterer fungierte am Gerichtshof, an der curia, deren Siegelbewahrer auch ingesigeler gen. wurde, der aber mit dem Kanzler, dem cancellarius, nicht verwechselt werden darf. Wichtige Entscheidungen wurden durch Beratungen mit den consilarii im consistorium vorbereitet (1211, 1220, 1270).

    Die soziale Stellung der Amtsinhaber ist vor dem 13. Jh. schwer zu bestimmen. Soweit man im Hoch- und SpätMA ihren gesellschaftl. Rang ermitteln kann, scheinen viele Ämter Mitgliedern des niederen Adels übergeben worden zu sein. Manchmal kann man sie mit Sicherheit den in den Ritterstand aufgestiegenen Ministerialen zuweisen. Doch sind am Ende des 15. Jh.s die zwei Ämter des Marschalls und des Vitztums an Gf.en, von Bitsch und von Nassau, verliehen worden.

    Das Ende des MA und der Beginn der Neuzeit liefern mehr Informationen. Eine Hofordnung hat sich nicht auffinden lassen. Rechnungen und Inventare sind aber sehr aufschlußreich. Die finanzielle Lage des Stifts, die von etwa 1360-1480 sehr schlecht war, konnten Bf.e, die auf Politik und Verwaltung mehr Wert legten als auf die Reform der Diöz., bedeutend verbessern, so daß höhere Summen als früher für den Hof ausgegeben werden konnten. Die Zaberner Res. wurde dem Geschmack der Zeit entspr. verändert; Als Zabern Kollegiatsstift wurde, wurde die Grablege der Bf.e und die Festung Hoh-Barr, die Zabern überragte, ausgebaut und mit Artillerie bestückt. Die dem hohen Adel entstammenden Bf.e führten ein fsl. Leben, selbst diejenigen, die wie Wilhelm von Honstein (1506-41) und Johann von Manderscheid (1569-92), ernst, fromm und sittl. tadellos waren. Alle waren leidenschaftl. Jäger und gaben für den Marstall große Summen aus. Ihr Interesse galt auch der Kunst; Wilhelm von Honstein ließ Baldung Grien zu sich kommen. Derselbe erbaute 1539 eine Liberey und kaufte die Bibliothek des Humanisten Jakob Spiegel, eines Neffen Wimpfelings, der in der Kanzlei ® Maximilians Karriere gemacht hatte. Für die Gesundheit des Bf.s sorgte als Leibarzt ein anderer Humanist, Johann Adelphi. Musik gehörte ebenfalls zum höf. Lebenstil; in den Rechnungen von 1498 werden Lautenschlager und Trompeter aufgeführt. Aus den Inventaren des 16. und beginnenden 17. Jh.s geht hervor, daß Kammerdiener, Trabanten, Soldaten eingestellt waren, dazu kamen ein Leibschneider, ein Steinschneider, ein Drechsler und sogar ein Maler. Daß sowohl in der Küche als im Marstall mehrere Personen beschäftigt waren, beweist die Anstellung eines Küchenmeisters und eines Stallmeisters. Der bfl. Hof galt als eine gute Schule für die jungen Adeligen, denen vornehmes Benehmen beigebracht werden sollte. Zur Zeit Wilhelms von Honstein waren die Bewerber so zahlr., daß nicht alle als Pagen aufgenommen werden konnten. Fsl. Besucher waren nicht selten in Zabern, sonst hätte man selbst in der Festung Hoh-Barr nicht eine Fürstenkammer neben der Junkerkammer, der Edelleutkammer und dem Damengemach eingerichtet. Daß gut gegessen wurde, zeigen die Rechnungen von 1498; der Küchenmeister kaufte viele Rinder, gab auch viel Geld für Gewürze aus. Johann von Manderscheid versammelte trinkfeste Weinliebhaber in der Hornbruderschaft. Kostspielig war das höf. Leben: 1498 wurden allein für das Dienstgeld 823 Gulden ausbezahlt. Die Pracht gefiel einem strengen Reformator, wie es der Münsterprediger Geiler von Kaysersberg war, nicht im geringsten. Von der Kanzel aus rief er dem Bf. zu, er solle doch die übergrosse Zahl der Diener, der Pferde und der ausschweifenden Jünglinge vermindern. Jedoch konnte selbst ein ernster, frommer Prälat wie Wilhelm von Honstein nichts daran ändern. Er war Rfs. und mußte seinem Rang entspr. Hof halten.

    ® C.3. Straßburg ® C.3. Zabern

    Q. Archives du Bas-Rhin die Rechnungen, G 1434, G 2553 und G 2573. – Urkundenbuch der Stadt Strassburg, hg. von Wilhelm Wiegand u.a., Straßburg 1879-1900 (Urkunden und Akten der Stadt Straßburg, Abt. I, 4,1-7,2). – Regesta Alsatiae aevi merovingici et karolini 496-918, bearb. und hg. von Albert Bruckner, Bd. 1: Quellenbd., Straßburg u.a. 1949. – Die Regesten der Bischöfe von Straßburg, hg. von Paul Wentzke, 2 Bde, Innsbruck 1908.

    L. Burg, André Marcel: Die alte Diözese Straßburg von der bonifazischen Reform (ca. 750) bis zum napoleonischen Konkordat (1802), in: Freiburger Diözesan Archiv 86 (1966) S. 349-35. – Himly, François-Jacques: Les origines chrétiennes en Alsace, Straßburg1963. – Kiener, Fritz: Studien zur Verfassung des Territoriums der Bischöfe von Straßburg, Leipzig 1912. – Kirchengeschichte der Stadt Straßburg im Mittelalter, nach den Quellen dargest. von Luzian Pfleger, Kolmar 1941 (Forschungen zur Kirchengeschichte des Elsass, 6). – Kothe, Wilhelm: Kirchliche Zustände Straßburgs im 14. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Stadt- und Kulturgeschichte des Mittelalters, Freiburg i.Br. 1903. – Rapp, Francis: der Klerus der mittelalterlichen Diözese Straßburg unter besonderer Berücksichtigung der Ortenau, in: ZGO 137 (1989) S. 91-104. – Rapp 1974. – Sdralek, Max: Die Strassburger Diöcesansynoden, Freiburg i.Br. 1894 (Strassburger theologische Studien, 2,1). – Vetulani, Adam: Le grand chapitre de Strasbourg des origines à la fin du XIIIe siècle, Straßburg 1927 (Collection d’études sur l’histoire du droit et des institutions de l’Alsace, 2).

    F. R.

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