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Artikel:C.7. Hambach
Bearbeiter: Anja Kircher-Kannemann, M.A., Duisburg

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  • C_7_Hambach

    C_7_Hambach.doc

    I. Hambourch (1388); 6 km südöstl. der Stadt ® Jülich. Die Gf.en von Jülich wurden 1336 zu Mgf.en und 1356 zu Hzg.en erhoben, sie regierten von 1371 bis 1423 auch in ® Geldern, wo sich zu dieser Zeit die Hauptres. befand. 1423 Vereinigung von Jülich und Berg, 1521 Jülich-Berg durch Erbfall vereinigt mit ® Kleve-Mark. Nach dem Erbfolgestreit kam Jülich-Berg 1614 an ® Pfalz-Neuburg. Die Wasserburg, ein Jagd- und Sommerschloß, zählte lt. Hofordnung vom 24. Juni 1534 zu den vier gewöhnl. Hoflagern des Hzm.s. Im Territorium Jülich wurde in der Regel der Rentmeister des Landesteiles in dem die Hauptres. lag auch Landrentmeister, dies galt für H. bis 1446. Ab 1473 nahm die Bedeutung der Burg ab und ® Nideggen trat an ihre Stelle. Mgf. Wilhelm (1328-61) und Hzg. Gerhard (1348-60) hielten sich hier häufig auf. Das Archiv für Lehenssachen befand sich in H., der Lehenshof wurde hier mehrfach abgehalten und noch 1659 der Jülicher Landtag. – D, Nordrhein-Westfalen, Reg.bez. Köln, Kr. Düren, Gemeinde Niederzier.

    II. H. lag an keiner wichtigen Straße. Aber es befand sich im Zentrum des Territoriums Jülich. Erstmals urkundl. erwähnt wurde der Ort 1317. Hermann Claessen stellte die These auf, daß die Gf.en die Burg zunächst Heimbach nannten, um an den Namen ihres alten Stammsitzes zu erinnern und daß dieser Name dann auch auf das Dorf übertragen wurde, welches ursprgl. Obinstorph hieß, nach dem Rittersitz Obbendorf.

    III. Bei der Burg H. handelt es sich um eine Dreiflügelanlage auf fast quadrat. Grund, die an den Ecken mit Türmen besetzt ist. Gesichert war die Burg durch Gräben und einen Stauweiher. Im Erdgeschoß der Anlage befanden sich sechs Säle. Die drei wichtigsten Türme vor dem Umbau im 16. Jh. sind unter den Namen Großer Turm, Herzogsturm und Kanzleiturm bekannt. Der Wirtschaftshof befand sich im Ort.

    Wann genau die Burg errichtet wurde, ist unbekannt. Wahrscheinl. ist, daß ihre Ursprünge in der Zerstörung ® Jülichs 1278, zu suchen sind. Walram (1278-97) war es wohl, der sie errichten ließ. Unter Wilhelm II. (1361-93) und seinem Sohn Reinald (1393-1423) wurde H. bes. häufig genutzt. Unter deren Nachfolgern trat H. hinter ® Kaster und ® Nideggen zurück. Aus ihrer Zeit gibt es kaum Nachrichten über Bautätigkeiten an der Burg. Die alte Burg wurde am 15. Dez. 1512 durch eine Pulverexplosion beschädigt. 1526 begann man mit der Erweiterung der Anlage. 1528 war der Rohbau abgeschlossen, wesentl. beteiligt war der Steinmetz Meister Arnd von Düren, der auch in den folgenden Jahren noch viele Arbeiten auf der Burg ausführte. Der Blankenberger Saal und ein Turm wurden 1537 abgerissen. Ein neuer Turm wurde errichtet und ein Zwischenbau, der im Erdgeschoß die Kapelle, die Küche und die Speisekammer beherbergen sollte. Beteiligte Baumeister waren Arnd von Düren, Heinrich von Köln und Claes von Aachen. Vom Zwischenbau wurde nur das Fundament errichtet, da der Hzg. verstarb. Sein Sohn Wilhelm (1539-92) sah sich in Auseinandersetzungen um das geldr. Erbe verstrickt und ließ nur die dringendsten Arbeiten ausführen. Die Herzoginmutter, der eigtl. ® Kaster und Benrath als Witwensitze zugedacht waren, blieb auf H. 1542 mußte sie vor niederländ. Truppen fliehen, die Schloß und Ort in Brand setzten. Zerstört wurden dabei zahlr. Häuser, der Wirtschaftshof, die Mühle und Nebengebäude der Burg. Der Wiederaufbau begann 1556. Bauaufseher war Johann Gardesuner, die Oberaufsicht hatte Maximilian Pasqualini. Unter ihm setzte der Umbau von der got. Burg zum Renaissanceschloß ein. Der Zwischenbau wurde vollendet. 1561/62 wurden Brau- und Backhaus sowie weitere Wirtschaftsräume erbaut. 1567/68 galten die Arbeiten v.a. dem Hofgarten, der von einem Brüsseler Gärtner neu gestaltet wurde. Nach 1571 begann man die Burg für einen eventuellen Krieg zu sichern, wobei ein neuer Turm errichtet wurde. Der Turm am Brauhaus wurde mit Schießscharten und einem bes. starken Gewölbe versehen. Am 19. Febr. 1577 zerstörte ein Brand einen Teil des Ortes und den Marstall. Bereits im gleichen Jahr wurde alles nach den Plänen Johann Pasqualinis neu errichtet. Der Ort wurde so befestigt, daß er nun als Vorburg diente. Wolfgang Wilhelm ließ 1625 eine Bauaufnahme von H. machen, der chron. Geldmangel verhinderte jedoch eine ausgedehnte Bautätigkeit. Erst 1647-50 fanden wieder Bauarbeiten statt, die auf den Plänen von Johann Sadeler, Theodor Kamp und Jeremias Doctor beruhten. Philipp Wilhelm hielt sich oft in H. auf und ließ 1660-64 die fsl. Wohnräume umbauen. Wiederum gestaltete ein Brüsseler Gärtner den Hofgarten um. Lusthäuser, Laubengänge, Grotten und ein Wassergarten wurden angelegt. Der seit 1679 auf H. residierende Johann Wilhelm II. ließ den Wassergarten nochmals von Georg Lily erweitern. 1803 ging das Schloß in Privatbesitz über und wurde als Bauernhof genutzt. 1952 stürzte der Südflügel in Folge von Kriegstreffern und mangelnder Sicherung ein. 1995 bildete sich eine Initiative zur Erhaltung der noch vorhandenen Substanz. Die ersten Bauarbeiten begannen 1998.

    ® A. Jülich, Gf.en und Hzg.e von (Heimbach) ® B.7. Jülich und Berg

    Q. Archiv für die Geschichte des Niederrheins, 1832-70. – Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, 1-4, 1840-58.

    L. Alich, Georg: Kurze Geschichte von Schloß Hambach, in: Jahrbuch des Kreises Düren (1999) S. 77-82. – Bers, Günter: Ein unbekannter Plan des Schlosses Hambach bei Jülich aus dem Jahre 1804, in: Neue Beiträge zur Jülich Geschichte 11 (2000) S. 209-216. – Claessen, Hermann: Die Geschichte der Feste Hambach. Jahresarbeit Realschule, Jülich 1960. – Corsten 1993, S. 97-117. – Klamandt, Frank: Bibliographie zu Schloß Hambach, in: Italienische Renaissancebaukunst, 1999, S. 583-588. – Lau, Friedrich: Schloß Hambach bei Jülich, in: Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz 20,2 (1927) S. 73-83. – Looz-Corswarem 1993. – Meyer, Hans: Schloß Hambach. Residenz der Jülicher Herzöge, in: Geist und Macht: Konrad Heresbach – Humanist und Diplomat am jülich-klevischen Hof (Ausstellungskatalog), Jülich 1999, S. 69-71. – Schöndeling, Norbert: Schloß Hambach. Bauhistorische Untersuchung und Ruinensicherung, in: Italienische Renaissancebaukunst, 1999, S. 435-447.

    A. K.-K.

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