Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Residenzen-
Kommission
Arbeitsstelle Kiel
Akademie der
Wissenschaften
zu Göttingen
Tres riches heures, Duc de Berry, SeptemberbildKleine Schriften UB Kiel (©)Karlsruher virtueller Katalog (KvK)Kleine Schriften UB Kiel (©)Tres riches heures, Duc de Berry, Septemberbild
Login      Hilfe Aktuelles | Publikationen | Handbuch | Symposien | Home | Kontakt | Suchen:
Bitte wählen Sie einen Artikel aus:
Bitte Suchbegriff eingeben:

Artikel:B.7. Henneberg
Bearbeiter: Johannes Mötsch, Meiningen

  • Verweise
  • PDF
  • Hofinhaber
  • Literatur
  • Internetlinks

  • B.7_Henneberg

    B.7_Henneberg

    (A) Linie Schleusingen

    I. 25. Juli 1310 Verleihung aufgezählter fsl. Rechte durch Kg. ® Heinrich VII. (HUB 1 Nr. 84). Damit waren jedoch zunächst noch nicht die fsl. Prädikate ("Hochgeboren" statt des den Gf.en zustehenden "Wohlgeboren") und der Fürstentitel verbunden, die den regierenden Gf.en erst 1467 (Regesten Friedrichs III. Nr. 271) bzw. 1426 beigelegt wurden (Schlinker 1999, S. 224-227, der allerdings zw. den Linien Schleusingen und Römhild nicht unterscheidet). – Das Territorium erstreckte sich im SW des Freistaates Thüringen, im wesentl. auf der fränk. Seite des Thüringer Waldes; dessen Kamm nur durch das Amt Ilmenau überschritten wird.

    II. Eine komplette Übersicht über den gesamten Hof ist erst anhand von Ordnungen des 16. Jh.s mögl. Inhaber bestimmter Funktionen können aber schon zuvor aus Einzelbelegen ermittelt werden.

    Die Bedeutung des Hofes stand in einem direkten Zusammenhang mit der Größe des Territoriums und der polit. Bedeutung des Regenten. Auch wenn dies mangels Quellen nicht im Detail belegt werden kann, dürften die Regierungen der Gf.en Hermann (Erwerber der "Neuen Herrschaft" mit ® Coburg, † 1290) und Gf.en Berthold († 1340), der die "Neue Herrschaft" zurückerworben hat und dem 1310 vom Kg. bestimmte fsl. Rechte verliehen wurden, in der Geschichte des Hofes den Höhepunkt dargestellt haben. Nach Bertholds Tod und dem sich anschließenden Verlust großer Teile des Territoriums fiel der Hof auf eine regionale Bedeutung zurück. Dies drückt sich z.B. dadurch aus, daß nach Ausweis zahlr. Belege (zumeist 16. Jh.) der Niederadel der Region seine Söhne zu Erziehung und Ausbildung an den Hof schickte; Töchter aus denselben Familien gehörten zur Umgebung der Gf.in von H. Söhne und Töchter aus gfl. Häusern sind am Hof nicht belegt. 1543/44 gehörten zur Umgebung des Gf.en zwei Edelknaben, zu der der Gf.in sechs Jungfrauen und drei Edelknaben (Koch 1905, S. 356f.).

    1310 war der Hof bereits in Schleusingen ansässig. Die 1547 beschlossene Verlegung der Res. nach (Unter-) Maßfeld wurde nicht konsequent durchgeführt. Ohnehin haben sich die Regenten bis 1583 immer wieder über längere Zeit auswärts aufgehalten (Mainberg bei Schweinfurt, häufig Witwensitz; Ilmenau; Herrenbreitungen nach Aufhebung des dortigen Kl.s). Der letzte Gf. von H., der ein großer Jäger war, ist häufig in Zillbach belegt.

    Umrisse einer Hofverwaltung mit Bedienten, die ihre Ämter nur auf Zeit innehatten, werden um die Mitte des 14. Jh.s deutl. An der Spitze des Hofes standen Hofmeister niederadliger Herkunft, durchweg aus Familien, die von den Gf.en Lehen hatten; älteste Belege: Siegfried Schenk Jan. 1338 (HUB 2 Nr. 48); Johann von Bibra Jan. 1346 (Schultes 1791, S. 127 Nr. 103); Eitel Schenk, Amtsrevers Jan. 1360 (HUB 5 Nr. 249). 1429 war der Hofmeister Dietrich Kießling gleichzeitig Amtmann zu Schleusingen (HUB 6 Nr. 320).

    Kanzlei (Hess 1944, S. 42ff.)

    Die ersten Bediensteten am Hof, denen feste Aufgaben zugeordnet werden können, sind die Schreiber der von den Gf.en ausgestellten Urk.n. Dazu wurden zunächst Geistliche herangezogen, die gleichzeitig gfl. Kapläne waren. Während des Dienstes am Hof, spätestens aber bei ihrem Ausscheiden wurden sie mit Pfründen versorgt, die ihr Auskommen sicherten. Von einer Kanzlei mit Arbeitsteilung und geregeltem Geschäftsbetrieb aber kann während des MA keine Rede sein. Als frühe Belege sind anzuführen: Konrad Pfarrer von Urspringen, Schreiber einer im Juli 1225 vom Mgf.en von ® Meißen ausgestellten Urk. (RDHT 2 Nr. 2214). Der Ausstellungsort, Burg Strauf, macht wahrscheinl., daß Konrad in Diensten des Gf.en von H. (Stiefvater des Ausstellers) stand, der an der Spitze der Zeugenliste steht. Hermann, Notar des Gf.en von H., schrieb im Juli 1226 eine Urk. für die (in zweiter Ehe mit dem Gf.en von H. verheiratete) Mgf.in Jutta von Meißen und ihren Sohn Heinrich (RDHT 2 Nr. 2336). 1273 bezeugt Gerhard, Notar des Gf.en Berthold von H., eine von diesem ausgestellte (und wohl von ihm geschriebene) Urk. (HUB 5 Nr. 12). Unter Gf. Berthold († 1340), der zeitw. eine bedeutende Rolle in der Reichspolitik spielte, haben die Aufgaben der Kanzlei wesentl. zugenommen. Ihr sind u.a. zwei Urbare (1317: Schultes 1788, S. 183-237 Nr. 21; um 1340: Schultes 1814, S. 45-73 Nr. 65) und das älteste Lehnsbuch zu verdanken (Lehnsbücher der Grafen von Henneberg, 1996).

    Die Leitung der Kanzlei lag in Händen der gfl. Kapläne, von denen in der ersten Hälfte des 14. Jh.s belegt sind: 1315 Berthold von Brend und Konrad von Reichenbach (HUB 1 Nr. 108); 1318 Johann (Wendehorst 1996, S. 131); 1323 Günther von Günthersleben und Friedrich von Olschau (HUB 1 Nr. 161), davon Günther Kanoniker, dann Dekan, Friedrich möglicherw. Scholaster des Stifts Schmalkalden (Wendehorst 1996, S. 110 und 131 bzw. S. 119); 1330 Hermann (HUB 5 Nr. 130); 1336 Kuno [von Schleusingen], Kanoniker (HUB 2 Nr. 42), später Scholaster des Stifts Schmalkalden (Wendehorst 1996, S. 123 und 131); 1347 Heinrich von Westhausen, Kanoniker zu Schmalkalden, gfl. Truchseß, Schreiber und Kaplan zu H. (Schultes 1791, S. 128 Nr. 104; Wendehorst 1996, S. 133); 1351 Johann von Katz (HUB 5 Nr. 206), 1359-60 Scholaster des Stifts Schmalkalden (Wendehorst 1996, S. 123).

    Als gfl. Schreiber werden in der ersten Hälfte des 14. Jh.s bezeichnet: 1311 Dietrich von Maßbach (ThStAM Hennebergica aus Gotha Urk. Nr. 1111), später Domherr und Domkantor zu ® Würzburg; Heinrich von Neustadt 1322 (HUB 1 Nr. 152), 1362 Pfarrer und Kanoniker zu Schmalkalden (HUB 3 Nr. 57; Wendehorst 1996, S. 133f.); Heinrich von Belrieth 1332 (HUB 2 Nr. 8), Kanoniker zu Schmalkalden 1343 (HUB 2 Nr. 96) und 1357 (HUB 3 Nr. 11; Wendehorst 1996, S. 133); Heinrich von Wasungen 1337 (HUB 2 Nr. 47).

    Das zunächst in Schleusingen gegründete, dann nach Schmalkalden verlegte Stift St. Ägidius und St. Erhard war ohne Zweifel für die Versorgung des Kanzlei- und Hofpersonals vorgesehen, und hat, wie die zitierten Belege zeigen, zumindest in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens diese Funktion auch erfüllt (Wendehorst 1996).

    Unterscheidende Zusätze für die Angehörigen der Kanzlei kommen erst um die Mitte des 15. Jh.s auf. Johann Westhausen, auf den die Anlage der großen, 1456 bzw. 1480 entstandenen Lehnsregister zurückgeht, wird 1456 als Oberschreiber des Gf.en bezeichnet (ThStAM GHA VII Nr. 3). 1476 führte sein Bruder Kilian Westhausen als erster den Titel eines Kanzlers (ThStAM GHA I Nr. 5846). Nach dem Tod des Kanzlers Jakob Genslin, der zuvor als Schreiber tätig gewesen war, bemühte sich Gf. Wilhelm i.J. 1527 vergeblich, erstmals einen graduierten Juristen (Dr. Johann Drach) für diese Stelle zu gewinnen (ThStAM GHA III Nr. 112). 1535 wurde Dr. Johann Gemel Kanzler (Hess 1944, S. 59f.); unter seinen Nachfolgern ragen Melchior von Osse (Schriften Dr. Melchiors von Osse, 1922) und Sebastian Glaser (Tenner 1995) heraus. Von Osse stammt ein undat., wohl in das Jahr 1546 zu setzender Entwurf einer Rats- und Kanzleiordnung (ThStAM Hennebergica aus Magdeburg, Akten Nr. 180). Lt. Hofordnung von 1543/44 waren in der Kanzlei neben dem Kanzler tätig: ein Sekretär, der auch für die Registratur zuständig war und stets in Schleusingen bleiben mußte, ein Korn- und Küchenschreiber, ein Kanzleischreiber, ein Kopist und zwei weitere Schreiber (Koch 1905, S. 359f.), von denen einer den alten Gf.en Wilhelm zu begleiten hatte (Koch 1905, S. 355).

    Hofämter, Ehrendienste (Schultes 1791, S. 230-237; Hess 1944, S. 42)

    Erbhofämter, besetzt mit Ministerialen der Gf.en von H., sind bereits im 12. Jh. belegt. In der zweiten Hälfte des 13. Jh.s wird deutl., daß Gf. Hermann von H.-Coburg, Inhaber der "Neuen Herrschaft", über eigene Hofämter verfügte. Folgende frühe Belege sind zu notieren.

    Marschälle: 1220 Heinrich Marschall von Strauf (Schultes 1788, S. 86 Nr. 9); 1230, 1231 Konrad von Strauf (RDHT 3 Nr. 138 und 233); 1230 Heinrich Marschall von Lauer (RDHT 3 Nr. 139, ausgestellt vom Gf.en von Botenlauben); 1265 Konrad von Roßdorf (RDHT 3 Nr. 3297); 1271 Heinrich (Schultes 1791, S. 5 Nr. 4); 1287 Heinrich von Schleusingen (HUB 5 Nr. 19); 1309 Karl der Marschalk zu Lauer (HUB 5 Nr. 412); 1322 Greif gen. Marschall, wohl der "Neuen Herrschaft" und der 1929 erloschenen Familie Marschall gen. Greif zuzurechnen (HUB 1 Nr. 152); 1386 Lehnsurk. über das Marschallamt für Dietrich Marschalk [von Ostheim] zu Marisfeld (Schultes 1791, S. 177 Nr. 143); 1427 Wilhelm Marschalk, Erbmarschall des Gf.en Wilhelm von H. (HUB 6 Nr. 256). Wilhelm Marschalk und sein Bruder Sittich sind die Stammväter der zeitw. in mehreren Linien bestehenden Familie der Marschalk von Ostheim, erloschen 1903 (Kloos 1974).

    Truchsessen: 1171 Heinrich (RDHT 2 Nr. 429); 1259 Tegano Truchseß von Ostheim (Pusch 1932, S. 82 Nr. 20 mit Anm. zum Datum); 1287, Th. von H. (HUB 5 Nr. 19); die Amtsbezeichnung wurde später Teil des Familiennamens der Truchsessen von H., erloschen 1643.

    Schenken: 1182 Manegold (RDHT 2 Nr. 644); 1230 Alhun (RDHT 3 Nr. 138); 1261 Stolzo, Schenk, in der Zeugeliste auch Mangold von Ostheim (RDHT 3 Nr. 2909); 29. Jan. 1360, Revers wegen Hofmeisteramt, Eitel Schenk (HUB 5 Nr. 249); das Amt später im Besitz derer von Ostheim (1470 Balthasar von Ostheim: ThStAM GHA I Nr. 97).

    Kämmerer: 1182 Lupold (RDHT 2 Nr. 644); 1230 Gottfried (RDHT 3 Nr. 138).

    Kammermeister: 1349 Amtsrevers des Konrad Meise (HUB 5 Nr. 187 und 188).

    Küchenmeister: Gottfried 1230 (RDHT 3 Nr. 138); 1260 Hertwich (RDHT 3 Nr. 2823); 1261 Konrad (RDHT 3 Nr. 2892).

    Verwaltung, Justiz, Hofgerichtsbarkeit

    Unter der Regierung des Gf.en Johann († 1359), also nach dem Verlust der Neuen Herrschaft, treten erstmals Adlige mit dem Titel eines gfl. Rates auf (Hess 1944, S. 45):

    1350 Siegfried Schenk und Otto von Heßberg (HUB 5 Nr. 200); 1360 Konrad Fuchs und Ludwig von Herbstadt (HUB 3 Nr. 42). Die Bezeichnung war noch Ausdruck einer persönl. Beziehung zum Gf.en, nicht Bezeichnung für ein Amt mit festgeschriebenen Kompetenzen. Daran änderte sich während des 15. Jh.s nichts.

    Erst mit der Mündigkeit des Gf.en Wilhelm (1495) erfuhr der Hof eine personelle Ausdehnung, einhergehend mit einer Spezialisierung. Der Rat erscheint als festes Gremium, an dessen Spitze der Hofmeister stand, der auch die Hofrechnungen führte: Hans Truchseß von Wetzhausen, 1495-98; Hans von Hermannsgrün, 1498-99 (Hess 1944, S. 50). 1542 bestand der Hofrat aus sechs Personen (ThStAM Hennebergica aus Magdeburg Nr. 16 Bl. 80). Nach der Hofordnung von 1544/45 gehörten alle Kanzleisachen und wichtigen Geschäfte zu den Aufgaben des Hofmeisters, der zudem den Gf.en und dessen Sohn bei Abwesenheit zu vertreten hatte (Koch 1905, S. 358). Da der Hofmeister in polit. Leitungsfunktionen hineinwuchs, trat an seine Seite ein Hofmarschall, dem das Hofpersonal unterstand (Koch 1905, S. 359; Hess 1944, S. 51 mit den Inhabern des Amtes von 1530 bis 1583); ihn unterstützten u.a. der Hausvogt und der Küchenschreiber, die für die Rechnungsführung am Hof zuständig waren. Die Hofordnung von 1543/44 sah für den Haushalt der Gf.in eine eigene Hofmeisterin vor (Koch 1905, S. 357).

    Mit der Hofverwaltung lange verbunden war die Finanzverwaltung. Die Rechnungen wurden bis zum Ende des 15. Jh.s vom Hofmeister und den Räten abgehört. In diese Funktion trat zu Beginn des 16. Jh.s ein Beamter mit dem Titel eines Landrentmeisters (Hess 1944, S. 54). Beispielgebend wirkte hier die Verwaltung der Lgft. ® Hessen, mit der man wegen des Kondominiums Schmalkalden dauernd zu tun hatte; in Schmalkalden war ein örtlicher, nur für das Amt zuständiger henneberg. Rentmeister bereits früher tätig (1429: HUB 6 Nr. 320).

    Inhaber von Funktionen in der unteren Verwaltungsebene sind erstmals in der Regierungszeit des Gf.en Berthold († 1340) belegt: seit 1285 erscheinen Vögte zu Schleusingen in den Urk.n (Pusch 1932, S. 88 Nr. 36); aus dem 14. Jh. stammt eine dichte Reihe von Belegen. Die Vögte und die später neben ihnen auftretenden Amtleute (Listen bei Zickgraf 1944, S. 230-237) waren zur Rechnungslegung gegenüber dem Gf.en und seinen Räten verpflichtet. Nach Ausweis dieser Rechnungen waren sie auch für die Baumaßnahmen an den gfl. Burgen und Schlössern zuständig.

    Aus dem Manngericht der Gf.en, das wie vergleichbare Gerichte in erster Linie über Lehnsleute und deren Lehen zu urteilen hatte, entwickelte sich das Hofgericht, das schließl. die erste Behörde in heutigem Sinne, d.h. mit einer festen Kompetenz, darstellte. An dessen Spitze stand ein (nieder-) adliger Lehnsmann als Hofrichter; das Amt wurde, wie es scheint, von Fall zu Fall besetzt (anders Hess 1944, S. 46: Hofmeister, dann Marschall). Als Hofrichter der Gf.in Jutta von H. ist Johann von Bibra am 7. Febr. 1348 belegt (Regesten des fränkischen Geschlechts von Schaumberg, 1939, Nr. 90). Einen schriftl. Niederschlag hat die Tätigkeit des Hofgerichts erstmals im April 1407 gefunden (HUB 4 Nr. 163). Das Gremium der Urteiler bestand damals aus 16 adligen Lehnsleuten; in späteren Fällen war die Zahl der Urteiler meist geringer. Zuständigkeit: Streitigkeiten von Lehnsleuten um Lehen (Erbstreitigkeiten); Streitigkeiten des Gf.en mit einzelnen Lehnsleuten; Fälle, in denen der Gf. Partei war, so im Juli 1413 in Schleusingen über die Huldigung der Bürger gegenüber dem Gf.en Wilhelm, die die Gf.in Mechtild, zu deren Wittum Schleusingen gehörte, untersagt hatte (Gessner 1861, S. 19f.). Da unter den Urteilern Juristen nicht vertreten waren, wurden ggf. Gutachten eingeholt, so 1444 von Dr. Gregor Heimburg (Dersch 1922). Als mit der Gründung des Reichskammergerichts (1495) die Schaffung eines Appellationsgerichts für das gesamte Territorium notwendig wurde, wuchs das Hofgericht in diese Funktion hinein. 1495 war unter seinen Urteilern erstmals ein namentl. nicht genannter Jurist (der Magister: ThStAM GHA VI Nr. 2 Bl. 9); vermutl. handelt es sich um den 1496ff. in Rechnungen auftauchenden Magister Johann Usleber (ThStAM GHA III Nr. 227). Zur Klärung schwieriger Fragen besorgte man sich auch in der Folgezeit noch auswärtige Gutachten, u.a. 1500 von Dr. Henning Goede aus Erfurt (Dersch 1919; zur Person Pilvousek 1988, S. 208-220) und 1518f. von dem aus Themar stammenden Heidelberger Juristen Dr. Adam Wernher (Dersch 1916). Mit dem Jahr 1495 setzen die erhalten gebliebenen Protokolle des Hof- und Manngerichts ein. Mit der Schaffung eines Rates mit fester Besetzung übernahm seit den 1540er Jahren dieses Gremium mehr und mehr die Aufgaben, die bis dahin das Hofgericht wahrgenommen hatte.

    Auf den Frankfurter Messen der Jahre 1498 bis 1500 wurden für den Gf.en größere Mengen Londoner Tuch in unterschiedl. Farben beschafft (ThStAM GHA III Nr. 227), das wohl für die Diener am Hof bestimmt war. Außerhalb der Messen wurden hochwertige Verbrauchsgüter über Nürnberger Kaufleute bezogen, 1510-12 (ThStAM GHA I Nr. 124ff.). Wein wurde im eigenen Territorium angebaut (Amt Mainberg bei Schweinfurt); Zukäufe erfolgten i.J. 1497 in Oberlauringen (ThStAM GHA III Nr. 227). Poln. Ochsen wurden 1523, 1526 und 1531 in Zerbst gekauft, 1537 (ThStAM GHA I). Rechnungen bzw. Quittungen von Goldschmieden liegen für diese Zeit aus Schmalkalden und ® Coburg vor. Trinkgeschirre wurden 1534 durch einen Goldschmied aus ® Nürnberg gefertigt (ThStAM GHA I Nr. 5476). Erhalten gebliebene Rechnungen von den Reisen der Gf.en zu Reichstagen zeigen, daß bei diesen Gelegenheiten immer wieder Luxusgegenstände und Kunstwerke beschafft worden sind (Worms 1521: Mötsch 2000).

    Geld/Münzprägung, Hofjuden

    Die Gf.en von H. hatten 1216 und 1226 durch Friedrich II. das Recht zur Münzprägung erhalten. In den Ämtern Ilmenau, Suhl und Schmalkalden wurde Bergbau betrieben; in und um Ilmenau u.a. auf Silber. Dies ermöglichte die Münzprägung in Schmalkalden, Schleusingen und Ilmenau (Heus 1999).

    Schuldurk.n der Gf.en von H. gegenüber Juden sind in größerer Zahl aus dem 14. und 15. Jh. erhalten (Jersch-Wenzel/Rürup 1996, S. 394ff.); diese Juden wohnten außerhalb der Gft. H. (Schweinfurt, ® Nürnberg, Frankfurt, Hildburghausen). In der ersten Hälfte des 15. Jh.s sind Juden in Schmalkalden (Kondominium mit ® Hessen) und Meiningen (damals noch würzburg.) belegt. Seit dem Ende des 15. Jh.s waren für wenige Jahrzehnte Juden in der Gft. H. ansässig. Aus dem Jahr 1553 stammt der letzte Judenschutzbrief des Gf.en Wilhelm (Schultes 1791, S. 416ff. Nr. 265). Darin wurde die Eintreibung des Schutzgeldes dem Juden Jakob von Schleusingen übertragen. Zum 22. Febr. 1556 wurde den Juden mitgeteilt, daß dieser Schutzbrief nicht mehr verlängert würde (ThStAM GHA IV Nr. 359 Bl. 25). In den Folgejahren haben die Juden das Territorium verlassen. Aus der Korrespondenz mit Jakob von Schleusingen und seinen Erben, die in Friedberg ansässig wurden, geht hervor, daß Jakob nahe Schleusingen ein Gießwerk (Hütte) betrieben und Metallgeschäfte mit Münzmeistern getätigt hatte (ThStAM GHA VI Nr. 36).

    Grundbesitz, Domänen

    Aus den Urbaren des 14. Jh.s (1317: Schultes 1788, S. 183-237 Nr. 21; um 1340: Schultes 1814, S. 45-73 Nr. 65; um 1365: ThStAM GHA III Nr. 384, Ed. in Vorbereitung) läßt sich belegen, daß die große Masse des gfl. Grundbesitzes gegen Zins an Bauern ausgegeben worden ist; ledigl. einige wenige, der Versorgung des Hofes dienende Vorwerke, u.a. in Schleusingen und Wasungen, wurden in Eigenwirtschaft betrieben.

    Mag. Heinrich von Friemar, Augustiner-Eremit, Prof. der Theologie, wird im Okt. 1323 als Beichtvater des Gf.en Berthold von H. bezeichnet (HUB 1 Nr. 161); das LexMA IV, 1989, Sp. 2091 Nr. 106 und 107 nennt zwei bedeutende Theologen dieses Namens, die beide von der Lebenszeit her in Frage kommen, den Magister der Theologie in Paris erworben hatten und zeitw. im Erfurter Augustinerkl. lebten: Dr. Burkhard Mithobius (1501-64), Mathematiker und Mediziner an der Universität Marburg, Leibarzt des Lgf.en von ® Hessen und des Gf.en Wilhelm von H., den der Gf. "als einen in Historien wohl belesenen Mann gerne um sich hatte" (Spangenberg 1599, S. 260). Von ihm stammt eine 1549 im Druck vorgelegte Genealogie der Gf.en von H., die 1567 als Vorlage für eine von führenden Nürnberger Künstlern geschaffene Prunkhandschrift diente (Mötsch 2000; Ed. in Vorbereitung). – Melchior von Osse (1506/07-57), Kanzler des Kfs.en Johann Friedrich von ® Sachsen, stand zw. 1547 und 1554 in Diensten des Gf.en von H., u.a. als Statthalter in Meiningen (ThStAM Hennebergica aus Magdeburg, Akten Nr. 49; vgl. Schriften Dr. Melchiors von Osse, 1922). Osse war 1549ff. an den Verhandlungen mit dem Kfs.en Moritz von ® Sachsen maßgebl. beteiligt (Henning 1981, S. 79f.).

    Nach Ausweis der erhaltenen Siegel (Posse 1908; Henning 1967-70; Henning 1969) führten die Gf.en von H. anfangs einen Adler (1131), im 13. Jh. einen geteilten Schild (oben ein wachsender, doppelköpfiger Adler, unten in mehreren Reihen geteilt). Seit den den 1230er Jahren (also seit dem Verlust des Würzburger Bgf.enamtes) wurde stattdessen das "redende" Wappen der Gf.en von H. (Henne auf Dreiberg) benutzt. Gf. Heinrich von H.-Schleusingen kombinierte seit 1393 beide Wappen (im ersten und vierten Feld der geteilte Schild mit dem wachsenden Doppeladler, im zweiten und dritten die Henne). Dieses Wappen führten auch seine Nachkommen.

    Hoforden

    Gf. Wilhelm von H. gründete nach dem Vorbild anderer fsl. und gfl. Geschlechter 1465 einen Hoforden, die in Veßra ansässige Christophorus-Bruderschaft, die Merkmale einer Gebetsbruderschaft und einer Rittergesellschaft in sich vereinigte; 1480 erlangte er eine päpstliche Bestätigung. Mitglieder waren die regierenden Gf.en von H., ihre Ehefrauen, Mitglieder verwandter Gf.en- und Herrenfamilien, insbes. aber Frauen und Männer aus niederadligen Familien, die zur Klientel der Gf.en von H. gehörten; mehr als 60 Mitglieder sind namentl. bekannt. Nach 1500 ist die Gesellschaft "eingeschlafen", da der Sohn der Gründer andere Formen der Frömmigkeit bevorzugte und keine neuen Mitglieder mehr ernannte (Mötsch 1998).

    In Schleusingen entstand 1461 auf Initiative des Amtmanns Hans Diemar und des Oberschreibers Johann Westhausen eine vom Gf.en bestätigte Fronleichnamsbruderschaft, unter deren Mitgliedern das Hofgesinde eine wichtige Rolle spielte (Gessner 1861, S. 23f., danach Remling 1981, S. 222f.).

    Feste, Feierlichkeiten

    Aus Akten (Unterbringungslisten) und Rechnungen ist belegt, daß gelegentl. in größerer Zahl Fs.en, Gf.en und Herren zu Familienfeiern anreisten. Quellen, die über die Gestaltung dieser Feiern Auskunft geben, scheinen sich nicht erhalten zu haben.

    Eine Teilnahme des Gf.en von H. an Turnieren ist im 15. Jh. gelegentl. bezeugt (ThStAM GHA I). Aus dem 16. Jh. haben sich Artikel für verschiedene Wettkämpfe bei einem Turnier (Ringrennen, Fußturnier) erhalten, das offensichtl. am henneberg. Hof veranstaltet worden ist (ThStAM GHA I Nr. 206).

    Seit der zweiten Hälfte des 15. Jh.s sind gelegentl. Ausgaben der Gf.en für die auswärtige Ausbildung von Musikern belegt, die nach ihrer Rückkehr am Hof dienen sollten (ThStAM GHA VI Nr. 43). Dennoch dürfte es die Regel gewesen sein, daß man von Fall zu Fall auswärtige Musiker an den Hof holte; 1500 ist dies z.B. für die Lautenschläger des Bf.s von ® Würzburg belegt (ThStAM GHA III Nr. 227).

    Jagd

    Gf. Wilhelm von H. starb im Jan. 1444 an den Folgen eines auf der Wildschweinjagd erlittenen Unfalls. Im Detail anhand von Akten und Rechnungen belegen läßt sich erst die Jagdleidenschaft des letzten Gf.en Georg Ernst († 1583), der sich häufig in Zillbach aufhielt. Die Hofordnung von 1543/44 hatte noch die Abschaffung des gesamten (zahlr.) Jagdpersonals vorgeschlagen, allerdings zu bedenken gegeben, daß die sich daraus ergebende Zunahme des Wildes die armen Leute schädigen werde (Koch 1905, S. 369). Die Zeugnisse die Mitteilung von Jagderfolgen oder den Tausch von Jagdhunden mit benachbarten und verwandten Fs.en und Gf.en sind zahlr.

    Kulturschaffen, schöne Künste

    Von einer ma. henneberg. Historiographie, deren Zentrum wohl das Stift Veßra war, wissen wir nur aus Zitaten in den Werken des 16. Jh.s. Dort ist auch das um 1520 zu datierende "Chronicon Hennebergense" entstanden (Eichhorn 1900), in dem u.a. die Gf.en von H. und ihre Ehefrauen abgebildet waren. Diese "Porträts" haben für die Geschichtsschreibung der Folgezeit stilbildend gewirkt. Das persönl. Interesse des Gf.en Wilhelm († 1559) förderte die Entstehung mehrerer Genealogien, die z.T. gedruckt worden sind (Engel 1932). Vom henneberg. Kanzler Sebastian Glaser, der Zugang zum Archiv hatte, stammt eine "Warhafftige Genealogia der gefürsteten Grafen und Herrn zu Henneberg, vom Jahr unsers lieben Herrn Jesu Christi 1100 bis auf das Jahr 1568 und die noch lebenden Fürsten zu Henneberg", die bis heute ledigl. ergänzt, aber nicht grundlegend korrigiert worden ist. Cyriakus Spangenberg (1528-1604) hat sie in seine 1599 gedruckte, 1755 wieder aufgelegte "Hennebergische Chronica" aufgenommen. Auf Glaser und Spangenberg baut die gesamte henneberg. Geschichtsschreibung der Folgezeit auf. Eine vom henneberg. Leibarzt B. Mithobius stammende, 1549 gedruckte Genealogie war Vorlage für eine wohl im Auftrag des Gf.en von H. 1567 von führenden Nürnberger Künstlern angefertigte Prachths. (heute im Hennebergischen Museum Kloster Veßra, Ed. in Vorbereitung).

    Gf. Georg Ernst besaß eine in Teilen zweifellos ererbte Bibliothek, die er testamentar. dem Gymnasium in Schleusingen vermachte (Schultes 1794, S. 119).

    Aus Rechnungspositionen belegen lassen sich Aufträge an Maler (u.a. Georg Zitterkopf, Dekan des Stifts Schmalkalden) und an den "Konterfetter" Hans Schwarz, der 1521 auf dem Reichstag in ® Worms eine nicht erhaltene Porträtmedaille des Gf.en Wilhelm schuf; spätere Porträtmedaillen: Heus 1999, S. 186-197.

    Grablege der Gf.en von H.-Schleusingen war zunächst Veßra. Nach dessen Aufhebung wurde die Mehrzahl der vorhandenen Grabsteine 1566 nach Schleusingen gebracht und in der Ägidienkapelle der dortigen Stadtkirche wieder aufgestellt. Einige der Künstler, die die Grabdenkmäler der letzten Gf.en geschaffen haben, sind namentl. bekannt (Bechstein 1843, S. 14f.; Koch 1905; Fotos: Grossmann/Witter/Wölfing 1996, S. 212-223).

    (B) Linie Aschach/Römhild

    Für diese Linie ist die Quellen- und Literaturlage wesentl. schlechter; eine vollständige Darstellung ist daher nicht möglich.

    I. Ks. ® Friedrich III. hat am 3. Juli 1474 den Gf.en Friedrich und Otto von H.-Römhild attestiert, ihnen vormals den fsl. Titel zugeschrieben und sie zu Fürstengenossen gemacht zu haben (Regesten Kaiser Friedrichs III. Nr. 384); von einer solche Verleihungsurk. ist sonst nichts bekannt. Der Status der Linie Römhild ist in den nächsten Jahrzehnten jedoch nicht in Frage gestellt worden. Dies war zweifellos auch dadurch bedingt, daß der ® Mainzer Ebf. Berthold von H. (1484 bis 1504) dieser Linie entstammte. 1526 ist Gf. Berthold von H.-Römhild auf dem Reichstag zu Speyer von der Fürstenbank verwiesen worden (Henning 1981, S. 60). Den fsl. Titel haben die Gf.en von H.-Römhild nie geführt (Schultes 1788, S. 418). – Das Territorium der Linie lag im SW Thüringens und im O Unterfrankens, z.T. in Gemengelage mit dem der Schleusinger Vettern.

    II. Im hier interessierenden Zeitraum war der Hof in Römhild ansässig. Der unverheiratete Gf. Otto († 1502), der 1468 mit seinem Bruder geteilt hatte, residierte in Aschach. Da er in Diensten der ® Mainzer Ebf.e Adolf von Nassau und Berthold von H. – seines Bruders – stand und zudem häufig am Hof des Ks.s ® Friedrich III. weilte (Heinig 1997, S. 1079), hielt er sich wohl nur selten in seinem Territorium auf (so schon Schultes 1788, S. 384).

    An der Spitze des Hofes hat wohl der Hofmeister gestanden. Mit diesem Titel ist 1470 Dietrich Truchseß von Wetzhausen belegt (ThStAM Henneberg-Schwarza Urk. Nr. 94).

    Kanzlei

    Ein Kaplan des Gf.en Heinrich von H.-Aschach erscheint 1310 als Zeuge in einer vom Gf.en ausgestellten Urk. (Schultes 1788, S. 292 Nr. 7). Er dürfte an der Erstellung der Urk. beteiligt gewesen sein. 1277 und 1314 werden Schreiber (notarii) erwähnt (Schultes 1788, S. 454 Nr. 1 bzw. S. 294 Nr. 14).

    Hofämter

    Schultes (Schultes 1788, S. 423) vermutet, daß die im Lehnsverzeichnis von 1410 (Schultes 1788, S. 514ff. Nr. 53) genannten Lehnsleute Wolfram Truchseß, Sittich und Wilhelm Marschalk, Burkhard Schenk von Roßberg, Heinz und Fritz Kammermeister die Inhaber der entspr. Hofämter bei den Gf.en von H.-Hartenburg waren. Dem stehen jedoch folgende Bedenken entgegen:

    Wolfram Truchseß dürfte dem bamberg. Ministerialengeschlecht der Truchsessen von Nainsdorf/Pommersfelden angehören, in dem der Vorname Wolfram im 14. Jh. mehrfach belegt ist; die Brüder Kammermeister gehörten wohl zu einem aus der Bamberger Ministerialität hervorgegangenen Geschlecht dieses Namens (Guttenberg 1925, S. 428); Wilhelm Marschalk bezeichnete sich 1427 als Erbmarschall des Gf.en Wilhelm von H.-Schleusingen (s.o.).

    Verwaltung

    Zur Struktur der Verwaltung bieten die Archivalien nur wenige Angaben. Demnach verfügte Gf. Hermann († 1535) über ein Ratsgremium, das im Juli 1531 die Teilung zw. den Brüdern Berthold und Albrecht von H.-Römhild vorbereitete (ThStAM Henneberg-Schwarza Akte Nr. 23), die im Juni 1532 durchgeführt wurde (Schultes 1788, S. 660ff. Nr. 123). 1544 korrespondierte Burkhard von Erthal mit Erasmus Stiefel, dem Sekretär des Gf.en Albrecht, u.a. wegen der Entsendung eines Sohnes zur Erziehung an den Hof in Schwarza (ThStAM Henneberg-Schwarza Akte Nr. 26).

    Die Vertreter des Gf.en auf der unteren Verwaltungsebene führten wie in den benachbarten Territorien den Titel eines Vogtes, später den des Amtmanns; frühe Belege: Friedrich von Bibra zu Hartenburg, 1377, vermutl. Amtmann (Wagenhöfer 1998, S. 209 und Anm. 10); Adolf von Bibra, Amtmann zu Hartenburg, 1390 (ThStAM KB 2 Bl. 117); Apel von Milz zu Hartenburg und Hans Pfeffersack zu Königshofen, 1414 (Pusch 1932, S. 119 Nr. 102); Heinrich von Königshofen, Amtmann zu Hartenburg, 1419 (ThStAM Amt Römhild Urk. Nr. 11). Noch in Diensten der 1371 erloschenen Linie Hartenburg standen Hans von Rosenthal, Vogt zu Hallenberg, und Apel, Vogt zu Römhild, 1358 (Pusch 1932. S. 111 Nr. 90).

    Justiz

    Die Gf.en von H. und ihre Territorien unterlagen der Gerichtsbarkeit des Bf.s von ® Würzburg als Hzg. in Franken. Sie waren aber – wie auch andere Territorialherren in Franken – stets bemüht, sich dem zu entziehen. 1420 räumte der Bf. von ® Würzburg dem Gf.en Friedrich von H.-Römhild und seinen Erben den Gerichtsstand vor ihm persönl. (nicht vor dem Landgericht Würzburg) ein (Schultes 1788, S. 529 Nr. 59). Im Juli 1498 ließ sich Gf. Hermann von Kg. ® Maximilian bestätigen, daß vor dem Zentgericht zu Römhild erfolgte Akte der freiwilligen Gerichtsbarkeit die gleiche Rechtskraft hätten, als wenn sie vor dem Hofgericht zu Rottweil oder dem Landgericht zu Würzburg geschehen seien (ThStAM Amt Römhild Urk. Nr. 83; vgl. Schultes 1788, S. 393); vermutl. war deren Rechtskraft aus Würzburg angefochten worden.

    Von der Tätigkeit des Hofgerichts haben sich nur Spuren erhalten (vgl. Schultes 1788, S. 433 Anm. b mit Beleg aus dem Jahr 1405). Da es über Lehen urteilte, dürfte es aus dem Manngericht hervorgegangen sein.

    In Römhild und den umliegenden Orten wurde Weinbau betrieben (Schultes 1788, S. 441f.; Schultes 1794, S. 596f.); die Qualität der örtl. Produkte dürfte allerdings für den gfl. Hof nicht ausgereicht haben.

    Da die Verleihung des Münzrechtes vor der Teilung von 1274 erfolgt war, hatten alle Linien des Hauses H. daran Anteil. Die Linie H.-Hartenburg hat zunächst (zw. 1274 und 1290) gemeinsam mit der Linie Schleusingen in Themar gemünzt (Heus 1999, S. 215); diese Münze war zw. 1375 und 1390 erneut tätig (Heus 1999, S. 237ff.). Zw. 1385 und 1400 sowie noch einmal zw. 1430 und 1435 ließen die Gf.en in Römhild prägen (Heus 1999, S. 99-101, 240ff. und 249).

    Die schlechte Quellenlage bietet fast keine Informationen. Im März 1465 bestellten Gf. Georg von H. und seine Frau Johannetta den Petrus Subtilis aus Hanau zu ihrem Leibarzt (ThStAM, Henneberg-Schwarza Urk. Nr. 86).

    Nach Ausweis der erhaltenen Siegel (Posse 1908) führten die Gf.en von H.-Aschach – wie die Vettern in Schleusingen – das "redende" Wappen der Gf.en von H. (Henne auf Dreiberg), nach der "Bestätigung" der Herkunft von den stadtröm. Colonna (1466) aber einen gevierten Schild (1/4 Säule der Colonna; 2/3 Henne auf Dreiberg), erstmals belegt 1468.

    Feste

    Die Hochzeit zw. Gf. Hermann von H. und Elisabeth von ® Brandenburg fand im Okt. 1491 in Aschaffenburg statt (Schultes 1788, S. 392). Ausrichter war der ® Mainzer Ebf. Berthold von H., Onkel des Bräutigams. Der Aufwand (1700 Pferde; Gästeliste bei Spangenberg 1599, S. 161; Spangenberg 1755, S. 290f.), dem Rang des Ebf.s angemessen, dürfte über das, was im Hause H.-Römhild bis dahin übl. gewesen war, wesentl. hinausgegangen sein.

    Jagd

    Anläßl. eines Konfliktes mit einem benachbarten Adligen wird deutlich, daß Gf. Albrecht von H. 1548 in Schwarza über Jagdpersonal, u.a. einen Windhetzer (d.h. für die Windhunde zuständigen Pfleger) verfügte (ThStAM Henneberg-Schwarza Akte Nr. 31).

    Kulturschaffen, Schöne Künste

    Die Angehörigen der Linie H.-Römhild ließen sich in der von ihnen errichteten, 1450 zur Stiftskirche erhobenen Pfarrkirche von Römhild beisetzen (Fotos Grossmann/Witter/Wölfing 1996, S. 124-131). Die Bronzedenkmäler der Gf.en Otto († 1502) und Hermann († 1535) stammen aus der Nürnberger Werkstatt von Peter Vischer.

    Gf. Berthold († 1549) hat sich von dem Augsburger Medailleur Hans Schwarz eine Porträtmedaille anfertigen lassen (Heus 1999, S. 186).

    ® A. Henneberg, Gf.en von ® C.7. Aschach ® C.7. Römhild ® C.7. Schleusingen ® C.7. Untermaßfeld

    Q. Siehe die entspr. Angaben im Text. – Chronicon Hennebergense, 1900. – HUB. – LA/LHA Magdeburg Rep A 33 Ka 1ff.: Vogteirechnungen Schleusingen. – Die ältesten Lehnsbücher der Grafen von Henneberg, bearb. von Johannes Mötsch und Katharina Witter, Weimar 1996 (Veröffentlichungen aus thüringischen Staatsarchiven 2). – RDHT. – Regesten des fränkischen Geschlechts von Schaumberg, 2. Tl. 1301-1400, bearb. von Oskar Frh. von Schaumberg und Wilhelm Engel, Coburg 1939 (Coburger Heimatkunde und Heimatgeschichte, 2: Heimatgeschichte, 17). – Regesten Kaiser Friedrichs III., 10, 1996. – Spangenberg 1755. – ThStAM Amt Römhild, Urkunden. – ThStAM GHA I Nr. 99: Hofgesindeordnung Schleusingen, 1490/91; Nr. 194: Hofordnung für Maßfeld, 1574. – ThStAM GHA III Nr. 99: Hennebergische Hofstaat- und Dienerbesoldung, Mitte 16. Jh.-1600 [Vorlage für den Druck bei Koch 1905]. – ThStAM Henneberg-Schwarza, Akten. – ThStAM Henneberg-Schwarza, Urkunden. – ThStAM Hennebergica aus Magdeburg Nr. 16: Hofhaltung, Hof- und Besoldungsordnungen 1499-1547; Nr. 18: Reform der Hofordnung und der Landesverwaltung 1539-1540; Nr. 20: Haus-, Hof- und Besoldungsordnung 1540; Nr. 21: Hofordungen [1544/45], 1569 [die von 1544/45 Vorlage für Ausfeld 1901, ident. mit der von Koch 1905 gedruckten]; Nr. 180: Rats- und Kanzleiordnung (Entwurf, Frgm.) [nach 1546]. ThStAM Kopialbücher.

    L. Ausfeld 1901. – Bibliographie zur Hennebergischen Geschichte, bearb. von Eckhart Henning und Gabriele Jochums, Köln u.a. 1980 (Mitteldeutsche Forschungen, 80). – Dersch, Wilhelm: Der Heidelberger Humanist Adam Wernher von Themar und seine Beziehungen zur hennebergischen Heimat, in: Neue Beiträge zur Geschichte deutschen Altertums 27 (1916) S. 1-58. – Dersch, Wilhelm: Dr. Henning Goede in hennebergischen Diensten, in: Neue Beiträge zur Geschichte deutschen Altertums 29 (1919) S. 65-67. – Dersch, Wilhelm: Dr. Gregor Heimburg und Graf Wilhelm III. von Hennberg, in: Henneberger Blätter 5 (1922) S. 17-18. – Wilhelm Engel: 400 Jahre hennebergische Geschichtsschreibung, in: Sachsen und Anhalt 9 (1933) S. 199-230. – Füsslein 1905. – Gessner 1861. – Grossmann/Witter/Wölfing 1996. – Guttenberg 1925. – Heinig 1997. – Henning, Eckart: Die Veränderungen des Siegel- und Wappenbildes der Grafen von Henneberg vom 12. bis 16. Jahrhundert, in: Jahrbuch der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft Adler F. 3, 7 (1967-70) S. 45-65, Abb. S. 227-229. – Henning 1969. – Henning, Eckart: Die gefürstete Grafschaft Henneberg-Schleusingen im Zeitalter der Reformation, Köln u.a. 1981 (Mitteldeutsche Forschungen, 88). – Hess 1944. – Heus 1999. – Jersch-Wenzel, Stefi/Rürup, Reinhard: Quellen zur Geschichte der Juden in den Archiven der neuen Bundesländer, Bd. 1, München u.a. 1996. – Kloos, Rudolf M.: Nachlaß Marschalk von Ostheim, Urkunden, Neustadt an der Aisch 1974 (Bayerische Archivinventare, 38). – Koch, Ernst: Die von Graf Georg Ernst zu Henneberg aufgestellte Ordnung des gräflichen Hofhaltes und der gräflichen Beamtenstellen, in: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde. NF 15 (1905) S. 355-386. – Mötsch, Johannes: Die Christophorus-Bruderschaft in Kloster Veßra, in: Archiv und Regionalgeschichte. 75 Jahre Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Meiningen 1998 (Schriften des Thüringischen Staatsarchivs Meiningen, 3; Sonderveröffentlichung des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins, 12), S. 21-60. – Mötsch, Johannes: Zwei Genealogien der Grafen von Henneberg als historische Quellen, in: Festschrift 25 Jahre Hennebergisches Museum, 1975-2000, Kloster Veßra 2000, S. 109-132. – Mötsch, Johannes: Neun Albus fur Doctor Lutters Bucher ... Die Rechnung des Grafen Wilhelm von Henneberg vom Reichstag in Worms 1521, in: Jahrbuch des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins 15 (2000) S. 157-182. – Pilvousek, Josef: Die Prälaten des Kollegiatstiftes St. Marien zu Erfurt von 1440-1555, Leipzig 1988 (Erfurter Theologische Studien, 55). – Posse 1908 (Henneberg: Tafeln 43 bis 53). – Pusch 1932. – Remling, Ludwig: Bruderschaften in Franken. Kirchen- und sozialgeschichtliche Untersuchungen zum spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bruderschaftswesen, Würzburg 1981 (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg, 35). – Schlinker, Steffen: Fürstenamt und Rezeption. Reichsfürstenstand und gelehrte Literatur im späten Mittelalter, Köln u.a. 1999 (Forschungen zur Deutschen Rechtsgeschichte, 18). – Schriften Dr. Melchiors von Osse. Mit einem Lebensabriss und einem Anhang von Briefen und Akten, hg. von Oswald Artur Hecker- Schultes, Leipzig 1922 (Aus den Schriften der Sächsischen Kommission für Geschichte, 26). – Schultes 1788/91. – Schultes 1-2, 1794/1804. – Schultes 1814. – Tenner, Friedrich: Lebensbild des hennebergischen Kanzlers Sebastian Glaser aus dem ungedruckten Band "Thüringische Lebensbilder", in: Jahrbuch des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins 10 (1995) S. 77-93. – Wagenhöfer 1998. – Wagner 1991. – – Wagner 1996. – Germania Sacra. NF 1, 1962, 4, 1969. Wendehorst 1964. – Germania Sacra. NF 36, 1996. – Wölfing 1992. – Zickgraf 1944.

    J. Mö.

    Menue von:
    Milonic Web Menus
    © Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen