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Artikel:C.3. Mügeln
Bearbeiter: Lars Dannenberg, Dresden

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  • C.3_Mügeln

    C.3_Mügeln

    I. Mogelini (zu 984, 1012-18); urbs Mogilina (zu 1003, 1012-18); Sifridus de Mugelin (1161); Mogelin (1254), Mogelln (1551); Mügeln (1590). Der Ortsname leitet sich ab aus dem aso. *Mogyl-n- (*Mogil’no bzw. *Mogylina) von *mogyla "Erd-, Grabhügel". Mit dem Suffix -n- ergibt sich die Entsprechung einer "Siedlung bei einem Grabhügel". Das Schloß liegt im N der Stadt am Ende der vom Altmarkt ausgehenden Schloßstraße. Mitte des 12. Jh.s können die Bf.e von Meißen im M.er Raum Fuß fassen. Das Schloß wird Ruhesitz des letzten kathol. Bf.s und gelangt nach dessen Tod 1595 an den Kfs. von ® Sachsen. Dieser verkauft es an ein Adelsgeschlecht. 1830 wird es kgl. Kammergut, im Schloß befindet sich das Justiz- und Rentamt; später (ab 1871) das Kgl.-Sächs. Amtsgericht mit dem Grundbuchamt. Nach 1945 wird eine Landwirtschaftsschule eingerichtet. Heute ist der Freistaat Sachsen Eigentümer. Die städt. Entwicklung verlief in mehreren Etappen: während Baderitz als Suburbium anzusprechen ist, blieb es in Altmügeln bei frühem Marktgeschehen, welches erst 1438 einer rechtl. Revision unterzogen wurde. 1232 wird die Johanniskirche in M. geweiht und 1265 verleiht der Bf. der Stadt das Marktrecht. Die städt. Selbstverwaltung erlangt M. trotzdem erst spät mit der Einsetzung von Bürgermeister und Rat 1395; heute eine Stadt im Kreis Torgau-Oschatz. Res. /Nebenres. der Bf.e von Meißen seit Mitte des 12. Jh.s bis 1595. – D, Sachsen, Kr. Torgau-Oschatz.

    II. Schon bei Thietmar von Merseburg findet M. zum Jahre 984 und 1003 Erwähnung, als die Hzg.e von ® Bayern und ® Böhmen auf ihrem Heerzug gegen Kg. Otto III. hier ihr Lager aufschlagen. Allerdings dürfte es bereits bei der Neuordnung des slaw. Landes seit mind. 968 der meißn. Diöz. zugeordnet gewesen sein.

    Der Landesausbau indes ging zunächst vom Festenberg aus, auf dem die kolonisierenden, seit 1161 bezeugten Edelfreien von M. ihren Sitz hatten. Ihr Aufbau einer Landesherrschaft wird empfindl. gestört, als die Bf.e von Meißen etwa um die Mitte des 12. Jh., ausgehend von ihrem Besitz im Burgward Schrebitz – einer Schenkung der Ks.in Agnes aus dem Jahre 1063, in diesen Raum eindringen, und ganz in der Nähe viell. schon durch Bf. Gerung auf den Resten einer slaw. Burganlage ihre neue Burg errichten. Sie streben nun ihrerseits nach Arrondierung insbes. mit dem → Wurzener Territorium. Schließl. sterben die Ritter von M., die wohl zeitweilig als Vögte des Wurzener Landes fungierten, vor 1249 aus, denn nun geht auf die Bf.e auch die Stadtherrschaft über M. über mit dem kleinen zugehörigen Bezirk, inklusive des Zolls, der später im Stiftsvermögen steht. Nach Ausweis der Urk. haben die Bf.e nach 1267 des öfteren hier residiert, wozu die Festigung ihrer Herrschaft mit dem Recht der freien Vogtswahl kommt. Als 1278 Albrecht von Brehna, ein → Wettiner, dem Bf. die Vogtei, die seine Familie ab antiquo behauptet hatte, aufläßt, halten sie die Obergerichtsbarkeit direkt in ihren Händen. Die Schaffung eines zusammenhängenden Stiftsterritoriums zw. M. und Meißen bzw. Wurzen gelang dennoch nicht, auch wenn um die bfl. Burg ein kleineres landesherrl. regiertes Gebiet errichtet werden konnte. Nach dem Tod Bf.s Johann von Haugwitz 1595 gehen Schloß und Amt M. an das Stift Wurzen, die es unmittelbar danach der Administratur des Kfs.en von Sachsen unterstellen.

    Die städt. Entwicklung von M. zeigt sich sehr differenziert. Während sich in Baderitz die Anfänge eines Suburbium zum Festenberg abzeichnen, entwickelt sich ein frühes Marktgeschehen in Altmügeln um die dortige Kirche, die zu den ältesten Pfarrkirchen östl. der Mulde gezählt werden muß, ohne daß es die Herren von M. vermochten, diese Entwicklung an sich zu ziehen und entscheidend zu beeinflussen. Dies gelingt erst den Bf.en, als sie 1364 Altmügeln erwerben und dann 1438 einen Ausgleich zugunsten des bereits 1232 unter Schutz gestellten Marktes und nochmals 1256 mit dem Recht des freien Marktzolls (Telonium) versehenen M. erzielen. Diese Rechtsstadt M. entsteht auf der Flur der älteren Siedlung Schlagwitz. Ebenfalls ab 1232-36 wird der Bau der Johanniskirche erwähnt. All dies sind Anzeichen für eine planvolle Förderung städt. Fortschritts. Gleichwohl gelingt es der Kommune nicht, sich von der bfl. Herrschaft zu befreien: 1395 schenkt Bf. Johann III. der Stadt sein Amtshaus, welches künftig als Rathaus dienen soll und setzt als Zeichen städt. Selbstverwaltung den ersten Bürgermeister sowie sechs Ratsmänner ein. Die Stadt trägt fortan das bfl. Wappen in ihrem Siegel.

    III. Schloß Ruhetal (Rugetal) wird nach der Resignation und dem Übertritt Bf.s Johann von Haugwitz zum Protestantismus i.J. 1581 zu seinem Ruhesitz, worauf sich der seit Anfang des 17. Jh. überlieferte Name "Ruhetal" bezieht.

    Die Anlage liegt außerhalb der Stadtmauer und ist auf den Resten einer slaw. Wallanlage in der Döllnitzaue errichtet. Nach der Überlieferung des Pirnaer Mönches Johannes Lindner hat bereits Bf. Gerung kurz nach 1150 das Schloß mit der Kapelle errichtet. Der breite Graben um die Anlage dürfte aus dieser Zeit stammen und markiert die hochma. Maße des Komplexes. Eine Inschrift über dem Haupttor aus dem Jahre 1581, die wahrscheinl. den Abschluß der Bauarbeiten markiert, teilt die späteren Bauphasen mit: Danach ist die Burg erst unter Albert II. 1261 errichtet worden, die dann Withego II. von Colditz 1347 erneuern ließ. Auch Caspar von Schönberg (1451-63) sowie Johannes von Weißenbach (1476-87) werden als Bauherren aufgeführt. Schließl. erhielt die "vom Alter gäntzlich verfallene" Anlage durch Bf. Johann IX. von Haugwitz 1572 ihre heutige Gestalt, der sie zu seiner Res. um- und ausbauen läßt. Tatsächl. offenbaren bauarchäolog. Untersuchungen sowie Schriftquellen, daß der 40 m hohe Trutzturm mit starkem Mauerwerk etwa um 1380 unter Bf. Nikolaus I. erbaut worden ist.

    Ihre heutige Gestalt offenbart drei wuchtige dreigeschossige Flügel, die sich an drei Seiten um einen kleinen Innenhof schließen. In der Nordwestecke steht auf quadrat. Grdr. ein aufgehender runder Turm, den eine geschweifte Haube mit kleiner Laterne bekrönt. Er ist als der Burgfried des MA anzusprechen. In seinem Untergeschoß war die Kapelle untergebracht; in dem darüber liegenden, erzwungenermaßen runden, Obergeschoß befindet sich der sog. Bischofssaal. Der Zugang erfolgte über eine Brücke im W.

    ® B.3. Bf.e von Meißen ® C.3. Meißen ® C.3. Stolpen ® C.3. Wurzen ® C.3. Nossen ® C.3. Löbnitz

    Q. Thietmari Merseburgensis Episcopi Chronicon, hg. von R. Holtzmann, Berlin 1935 (MGH SS 9). – CDSR II, 1-3, 1864-67.

    L. Blaschke, Karlheinz: Wie unsere Städte entstanden: Die Stadt Mügeln, in: Der Rundblick 31 (1984) H.1. – Fiedler, Almut: Die Entwicklung des Burg-Stadt-Verhältnisses in den westelbischen meißnischen Bischofsstädten Wurzen, Mügeln und Nossen von seinen Anfängen bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, ungedr. Diss. phil., Dresden 1985. – Gurlitt, Cornelius, Amtshauptmannschaft Oschatz. Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, Heft 27/28, Dresden 1905.

    L-A. D.

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