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Artikel:B.7. Brandenburg (-Ansbach und -Kulmbach)
Bearbeiter: Reinhard Seyboth, Regensburg

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    B.7_Brandenburg

    I. Bgf.en von Nürnberg (seit 1191/92); Mgf.en von B. (seit 1417), Kfs.en von B. und Erzkämmerer des Heiligen Römischen Reiches (nur Friedrich I. 1417-40 und Albrecht 1471-86).

    Schon bald nach der Übernahme des Nürnberger Burgrafenamtes 1191/92 begannen die Zollern mit dem Aufbau eines eigenen Territoriums im mittelfränk. Raum. Zunächst erwarben sie durch kluge Heiraten die um Cadolzburg/Abenberg, am Mittellauf der Aisch um Riedfeld/Windsheim sowie östl. von Nürnberg deutl. verdichteten Streubesitzungen der jeweils ausgestorbenen Gf.en von Raabs und Gf.en von Abenberg. Dazu erlangten sie diverse Vogteirechte, bauten ein Netz von Burgen auf und setzten eigene Ministerialen ein. Bis zur Mitte des 13. Jh.s hatten sie so den Grundstock für ihren mittelfränk. Landesteil mit dem künftigen Herrschaftszentrum Cadolzburg gelegt. Wenig später faßten sie auch in Oberfranken Fuß, indem sie 1260 – wiederum durch eine Heirat – Stadt und Herrschaft Bayreuth aus dem Territorialerbe der ausgestorbenen Hzg.e von Andechs-Meranien gewannen. Vom ausgehenden 13. bis zum beginnenden 15. Jh. nutzten die ehrgeizigen Bgf.en weiter jede sich bietende Gelegenheit, ihren Besitz in ständiger Auseinandersetzung mit den zahlr. Territorialnachbarn durch Erbverträge, Gebietsankauf, Lehensauftrag, Pfandnahme, Erwerb von Hoheits- und Öffnungsrechten usw. schrittweise zu vergrößern, rechtl. abzusichern und herrschaftl. zu durchdringen. Zu den wichtigsten Erwerbungen dieses Zeitraums gehörten in Oberfranken Zwernitz (1290), Wunsiedel (1321), die Herrschaft Plassenberg mit dem Zentralort Kulmbach (1340), das Regnitzland um Hof (1373) und Münchberg (1373), in Mittelfranken die Städte Leutershausen (1318), Ansbach (1331), Schwabach (1364), Gunzenhausen (1368), Wassertrüdingen (1371), Feuchtwangen (1376), Uffenheim (1378) und Crailsheim (1399). In späterer Zeit konnten aufgrund des immer heftiger werdenden Konkurrenzkampfes unter den fränk. Mächten im wesentl. nur noch die Pfandschaft Kitzingen (1443) sowie Creglingen und die sechs Maindörfer (1448) hinzugewonnen werden.

    Trotz vielfältiger Konsolidierungsbemühungen gelang es den Zollern aber letztl. doch nie, aus ihren zersplitterten Besitzungen geschlossene Territorien zu formen. V.a. das Fsm. Ansbach blieb aufgrund zahlr. fremdherrschaftl. Einsprengsel stets ein klass. territorium non clausum. Auch alle Versuche, den mittel- und den oberfränk. Gebietsteil durch eine Landbrücke miteinander zu verbinden, scheiterten, v.a. am heftigen Widerstand Nürnbergs, dessen im Landshuter Erbfolgekrieg von 1504 nochmals erhebl. vergrößertes Territorium sich wie ein unüberwindl. Block dazwischenschob.

    Die ungewöhnl. Genese und Struktur der fränk. Zollernterritorien schlägt sich schließl. auch in dem Problem nieder, für diese adäquate Namen zu finden. Hierbei nahmen die Landesherren in Ermangelung histor. Begriffe auf geograph. Gegebenheiten Bezug. 1372 verwendete Bgf. Friedrich V. erstmals die etwas umständl. anmutenden Bezeichungen "Land unterhalb des Gebirgs" oder "Niederland" für das mittelfränk. Herrschaftsgebiet bzw. "Land ob dem Gebirg" oder "Oberland" für den nördl. des Fränkischen Juras (Frankenwald) gelegenen oberfränk. Teil. Die Bezeichnungen "Markgrafschaft/Markgraftum/Für-stentum Ansbach" bzw. "Markgrafschaft/Markgraftum/Fürstentum Kulmbach" sind nicht zeitgenöss., sondern kamen erst sehr viel später in Gebrauch. Zusätzl. kompliziert wurden die Verhältnisse dadurch, daß Kfs. Friedrich I. in dem Bestreben, gleich große Herrschaftsbereiche für seine Söhne zu schaffen, im Teilungsvertrag von 1437 mehrere Ämter des Niederlands, darunter Neustadt a.d. Aisch, dem Land ob dem Gebirg als "obergebirg. Unterland" zuwies.

    II. Mit Ausnahme gewisser sich schon seit der 2. Hälfte des 13. Jh.s abzeichnender personeller Entwicklungen sowie der umrißhaft erkennbaren Hofhaltung Bgf. Johanns III. (1398-1420) auf der Plassenburg sind bis in die ersten Jahrzehnte des 15. Jh.s kaum klare Aussagen über den Hof der fränk. Zollern möglich. Erst durch die rasche Verdichtung der Quellen ab der Jahrhundertmitte ergibt sich ein wesentl. deutl. Bild.

    Unter Mgf. Albrecht Achilles (1440-86) erlebte der zunächst auf der Cadolzburg, später schwerpunktmäßig in Ansbach angesiedelte Hof seine Blüte. Albrecht selbst vergl. ihn gern mit dem Artushof und machte ihn zu einem vielbesuchten Treffpunkt der feudalen Gesellschaft des ganzen Reiches. Nach Meinung von Zeitgenossen war er gar so prächtig, das des gleich in teutschen landen nit funden werden mocht. Obwohl Albrecht seit 1471 formell auch in der Mark B. regierte, die ihm den Kurfürstentitel einbrachte, fühlte er sich seiner fränk. Heimat doch stets viel stärker verhaftet. Nicht am Berliner, sondern am Ansbacher Hof liefen deshalb ausgangs des 15. Jh.s fast alle Fäden der weitgespannten Reichs-, Territorial- und Familienpolitik der Zollern zusammen, von hier aus unterhielten sie rege soziale Kontakte zu anderen befreundeten Höfen im In- und Ausland.

    Unter Albrechts Nachfolgern schwand diese Prosperität allerdings rasch dahin, v.a. infolge ausgeprägter Schuldenwirtschaft, überzogenen Repräsentationsbedürfnisses und hoher Aufwendungen für Reichsdienste. Immer neue Hofordnungen, notwendige Verlegungen der Hofhaltung zur Reduzierung der hohen Unterhaltskosten und andere Konsolidierungversuche zeugen von jahrzehntelanger Instabilität in den Mgft. Erst die energ. Reformmaßnahmen des haushälter. Mgf. Georg Friedrich d.Ä. (1557-1603) stellten auch die mgfl. Hofhaltung wieder auf eine solidere Basis.

    Vergl. mit dem belebten Ansbacher Hof war die obergebirg. Hofhaltung auf der Plassenburg stets wesentl. bescheidener, weshalb sie auch eine deutl. geringere Außenwirkung hatte. Gründe dafür waren zum einen die relative Abgelegenheit der trutzig wirkenden Höhenburg inmitten einer klimat. nicht sehr begünstigten Waldlandschaft, die Mgf. Albrechts Gemahlin Anna als frewdloses vnnd unnserm leib unbequemliches land bezeichnete, v.a. aber der Umstand, daß hier immer nur phasenweise ein regierender Fs. seinen Wohnsitz hatte. Infolge dieser mangelnden Kontinuität und der Dominanz der Ansbacher Res. konnte sich auf der Plassenburg nie eine eigenständige Hofkultur mit individueller Ausprägung entwickeln.

    Bis ins 16. Jh. hinein zeigte der zoller. Hof ein zunächst von den Landesfs.en lange Zeit bewußt gewolltes, später eher durch äußere Umstände erzwungenes hohes Maß an Mobilität. Nachdem die Zollern seit Mitte des 13. Jh.s nach Ausweis der belegbaren Aufenthalte zw. ihren fast gleichrangigen Res.en Nürnberg, Cadolzburg, Neustadt a. d. A. und Ansbach rege hin und her gependelt waren, kam diese ausgeprägte Reiseherrschaft um die Mitte des 15. Jh.s allmähl. zum Stillstand und Ansbach begann sich als bevorzugter Aufenthaltsort und Hauptres. herauszukristallisieren. Doch auch Mgf. Albrecht praktizierte zur Kostenersparnis und im Interesse einer möglichst intensiven herrschaftl. Durchdringung des ganzen Landes noch gerne das Prinzip der wechselnden Hofhaltung, indem er sich mit seiner Familie und einem Teil seines Hofes außer in Ansbach jedes Jahr auch jeweils einige Wochen in Cadolzburg, Baiersdorf, Neustadt a. d. Aisch, Schwabach sowie in seinen Jagdschlössern Colmberg und Hoheneck aufhielt. Für die beiden folgenden Generationen wurde diese Praxis geradezu eine Notwendigkeit. So sahen sich die hoch verschuldeten Mgf.en Friedrich d.Ä. und Georg der Fromme von Zeit zu Zeit veranlaßt, aus Ersparnisgründen mit einem Teil ihrer Hofhaltung für ca. 1-2 Jahre ins kostengünstigere Oberland, bevorzugt auf die Plassenburg oder nach Wunsiedel, umzuziehen.

    Vor dem Ende des 13. Jh.s begegnen die sich in der Umgebung des Bgf.en aufhaltenden und Funktionen an seinem Hof ausübenden Personen nur ganz unspezif. als ministeriales Burggravii (1266) oder ministeriales et milites nostri (1270), vorwiegend als Zeugen bei Beurkundungen. Ab 1320/30 kristallisiert sich dann in Wendungen wie unserr friunde, Ratgeben und diener oder mit unsers Rates Rat allmähl. ein Kreis von Vertrauten des Landesherrn heraus. Erst gegen Ende des 14. Jh.s (Burkhard von Seckendorff-Aberdar 1381, Walther von Seckendorff 1399) und verstärkt dann seit Beginn des 15. Jh. werden bestimmte Personen, die teilw. auch Hofämter bekleideten, explizit als "Rat" bezeichnet, wohl ein Indiz für einen schon mehr oder weniger festen, ständig am Hof anwesenden Beraterkreis.

    Für Mgf. Albrecht stellte der Rat ein äußerst wichtiges Instrument seiner vielgestaltigen Politik dar. Als Räte wählte er fast ausschließl. nur in seinen Landen gebürtige Männer aus, vorwiegend Mitglieder des fränk. Adels, aber auch Bürgerliche, die er durch mannigfache Gunsterweise gezielt an sich band. So konnte er in den 1470er Jahren während seiner langen Aufenthalte in die Mark B. und auf Kriegszügen die Ansbacher Regierungsgeschäfte stets problemlos in die Hände eines erfahrenen, zuverlässigen und loyalen Statthalterkollegiums legen. Trotz dieses auf Loyalität gegründeten Regierungsstils überwachte Albrecht die Tätigkeit seiner Räte genau und behielt sich in allem die letzte Entscheidung vor. Georg von Absberg, Peter Knorr, Hertnidt von Stein und andere gehörten zum Typus des rechtskundigen, promovierten Rats, der unter Albrecht auch in den Mgft.en verstärkt Einzug hielt. Von den "alten Räten im Haus zu Ansbach", die nach 1486 von Albrechts Söhnen übernommen wurden und für eine bemerkenswerte Kontinuität in der mgfl. Politik sorgten, ist insbes. Ludwig von Eyb d.Ä. hervorzuheben. Er diente den Zollern nicht nur jahrzehntelang in verschiedenen Positionen am Hof und in der Landesverwaltung, sondern war stets auch ein ideenreicher polit. Vordenker.

    Für das "Land ob dem Gebirg" mußten die Zollern wg. dessen räumlich-geograph. Trennung vom untergebirg. Landesteil sowie aufgrund langer Zeiten ohne ständig anwesenden Landesherrn eine spezielle Regierungsform entwickeln. Der in den letzten drei Jahrzehnten des 14. Jh.s auftretende "Oberste Amtmann auf dem Gebirg" war wohl eine Art Vorläufer des seit 1421 kontinuierl. nachweisbaren "Hauptmanns ob dem Gebirg", der als Statthalter des zumeist im Niederland weilenden Mgf.en auf der Plassenburg residierte, die oberste milit. Befehlsgewalt innehatte und auch dem Hof- und Lehengericht vorsaß. Ihm zur Seite gestellt waren der für die gesamte Verwaltung zuständige "Landschreiber ob dem Gebirg" sowie ein Gremium aus ca. 20 adeligen Räten.

    Für das Nieder- wie für das Oberland gab es jeweils ein eigenes Hofgericht. Die Tätigkeit beider Institutionen ist seit Beginn des 15. Jh.s recht eingehend belegt. Pro Jahr fanden ca. drei bis sechs Sitzungen statt, im Niederland relativ häufig unter dem persönl. Vorsitz des Mgf.en. Dem Hofrichter waren ca. 10 bis 20 fsl. Räte als Beisitzer zugegeben. An die Verhandlungen der Hofgerichtsangelegenheiten schlossen sich die Beratungen des Lehengerichts an, dessen Personal ebenfalls aus fsl. Räten bestand. Daneben hatten die Zollern seit dem Interregnum das "Kaiserliche Landgericht Burggraftums Nürnberg" als Reichslehen inne. Bis zur Mitte des 15. Jh.s tagte es abwechselnd in Nürnberg, Cadolzburg, Neustadt a. d. A. und anderen Gerichtsstätten im mittelfränk. Raum, danach fast ausschließl. in der mgfl. Hauptres. Ansbach. Mgf. Albrecht versuchte in den 1450er und 1460er Jahren vergebl., sich mit Hilfe des Landgerichts oberrichterl. Kompetenzen im Reich anzueignen. Ein 1488 begonnener ähnl. Versuch seiner Söhne scheiterte bald am energ. Widerstand der Territorialnachbarn.

    Zw. den ehrgeizigen polit. Zielen der Mgf.en und den dafür einsetzbaren finanziellen Mitteln bestand stets ein schwieriges Spannungsverhältnis. Unter Mgf. Albrecht Achilles befanden sich die Staatsfinanzen noch stets in einem weitgehend geordneten Zustand. Ermöglicht wurde dies dadurch, daß der Mgf. die modern anmutenden, detaillierten Budgetansätze und Vorschläge zur Haushaltsführung seines Beraters Ludwig von Eyb d.Ä. konsequent umsetzte, Einnahmen zu erhöhen und Ausgaben zu reduzieren suchte, Kreditaufnahmen möglichst vermied und alle Familienangehörigen zur Sparsamkeit anhielt. Hohe Aufwendungen für Reichsdienste, überzogenes Repräsentationsbedürfnis und bedenkenlose Inanspruchnahme zahlr. Darlehen durch Albrechts Söhne und Enkel führten dann aber ab ca. 1500 zu einer rasch anwachsenden Staatsverschuldung. die den Handlungsspielraum der mgfl. Politik erhebl. einschränkte.

    Erste Anfänge des Schreibwesens am zoller. Hof sind schon Mitte des 13. Jh.s faßbar. So wurde die älteste überlieferte bgfl. Urk. 1246 auf der Cadolzburg ausgestellt, der erste Schreiber (notarius, scriptor) wird 1256 gen. (Henricus). Er und andere Schreiber (Kaplan Heinrich 1361, der Kulmbacher Pfarrer Johann von Dietersheim 1376-86) waren Kleriker, doch gab es daneben auch Laien (Heinricus Notarius de Beierruth 1297, Ulrich 1317/26, Rudegerus 1320, Heinrich und Burkart 1335, Hermann 1352, Konrad 1364, Johann Imhoff 1408). Die Leitung der Kanzlei lag in der Hand des 1317 erstmals erwähnten Landschreibers. Die Bezeichnung "Kanzler" taucht dagegen erst im 15. Jh. und zunächst nur ganz vereinzelt auf (Niclas Amman 1433, Georg von Absberg). Erst der versierte Diplomat und einflußreiche Fürstenberater Johann Volker führte ab 1486 den Titel regelmäßig. Auf eine deutl. Vermehrung des Kanzleipersonals durch Mgf. Albrecht deuten die Bezeichnungen Kammerschreiber (Lienhard Nördlinger 1476), Sekretär (Johann Volker 1470/81/85, Lorenz Menger 1476), Kanzleischreiber (Lorenz Menger 1476), Protonotar (Johann Spet 1476) und Registrator auf.

    Anfänge eines Archivs sind im 1399 erstmals erwähnten "Briefgewölbe" auf der Plassenburg erkennbar. Kfs. Friedrichs I. verfügte 1437, daß dort diejenigen Urk.n, die die fränk. Lande betrafen, verwahrt werden sollten, diejenigen mit Bezug zur Mark hingegen in ® Tangermünde. Abweichend davon bestimmte Kfs. Albrecht in seiner "Dispositio Achillea" von 1473 die Cadolzburg als Lagerort für fränk. Archivalien. Das für diplomat. und Verwaltungszwecke benötigte kurrente Schriftgut blieb am Sitz der Kanzlei in Ansbach. Eine auf Weisung Kfs. Albrechts angelegte, für ihre Zeit nahezu einzigartige und noch heute weitgehend vollständig erhaltene Sammlung von Original- und Kopialbüchern ermöglichte der Kanzlei einen raschen Rückgriff auf bestimmte Geschäftsvorgänge.

    Inhaber des ersten konkret faßbaren und in der Folgezeit stets auch wichtigsten Hofamtes war, wie in vielen anderen Territorien, der Hofmeister (magister curie). Er fungierte auch als Stellvertreter des Landesherrn, Richter am Landgericht, Schiedsrichter, Bürge bei Kreditaufnahmen, Zeuge bei Beurkundungen usw. Die meisten Amtsinhaber seit dem ausgehenden 13. Jh. sind namentl. bekannt (Friedrich Lemynger 1295, Heinrich von Rotenburch 1311, Rapot von Külsheim 1333/37, Konrad von Bibrach 1348, Friedrich von Seckendorff-Rinhofen 1360-88, Ehrenfried von Seckendorff 1401-19, Gerlach von Eberstein 1433). Seit 1373 gab es auch im obergebirg. Landesteil einen eigenen Hofmeister (Konrad Schütz von Leoneck 1373-78, Albert Förtsch von Turnau 1381, Hans von Sparneck 1389, 1396/97 auch als Hofmeister der noch nicht regierenden Söhne Bgf. Friedrichs V. gen., Arnold Hiltmar 1398, Wilhelm von Meiental 1406-11, Wirich von Treuchtlingen 1412/13). Die Ämter des Marschalls (Ehrenfried von Seckendorff 1361, Konrad von Widinberge 1364, Heinrich von Seckendorff 1388/90, Burkard von Seckendorff 1403, Hans von Sparneck 1412, Hans von Seinsheim 1433, Georg von Wangenheim 1474, Ebolt von Liechtenstein 1486)), des Schenken (Albrecht von Leonrod 1360/66) und des Truchsessen (Walther 1298) scheinen dagegen nur zeitw., das des Kämmerers gar nicht besetzt gewesen zu sein. Küchenmeister gab es seit dem ausgehenden 14. Jh. sowohl im Niederland (Leupold 1397; 1398 ist das kuchenmeister Ampte der herschaft zu Nuremberg zw. Walther und Arnold von Seckendorff strittig; Heinrich von Seckendorff 1433) als auch im Oberland (Conrad Eben 1406, Hans von Meingotzreut 1408). Als weitere Funktionsinhaber erscheinen der Hausvogt (Kunz von Seckendorff 1412, Heinz von Künßberg 1471, Sebastian von Seckendorff 1474), der Rentmeister (Hans Schmoll 1486), der Gegenschreiber (Johannes Hofmann 1486), der Gerichtsschreiber (Jörg Gruber 1486) sowie Marstaller, Untermarschälle, Futtermeister, Köche, Keller, Silberkämmerer, Bäcker, Schneider, Torwärter, Türhüter, Wildmeister, Forstmeister und Jäger (jeweils 1486).

    Wichtige Stütze der Zollernherrschaft in Franken war der einheim. Adel. Angehörige prakt. aller Familien dienten den Bgf.en und Mgf.en in loyaler Weise als Räte, Hof- und Verwaltungsbeamte. Im Gegenzug betrachteten sich die Landesherren als erzieher und auffenthalt des adels, den sie – in Konkurrenz mit den anderen fränk. Fs.en – durch bes. Fürsorge an sich zu binden suchten. Erst die im Gefolge der Reformgesetze von 1495 einsetzende ritterschaftl. Einungsbewegung in Franken mit ihren gegen das Landesfsm. gerichteten Bestrebungen führte zu einer gewissen Entfremdung im Verhältnis zw. Mgf. und Adel.

    Der Bedarf der zoller. Höfe an Grundnahrungs- und Futtermitteln konnte im vollen Umfang aus den eigenen, stark agrar. geprägten Territorien gedeckt werden. Zukäufe waren nicht erforderl., im Gegenteil, der Verkauf größerer Getreidemengen und anderer Agrarüberschüsse in benachbarte Territorien und Städte, insbes. nach Nürnberg, bildete einen festen Einnahmeposten in den mgfl. Haushaltberechnungen. Wein wurde z.T. auf eigenen Flächen u.a. bei Cadolzburg und sogar nahe der Plassenburg erzeugt, bessere Qualitäten, v.a. den für die fsl. Familie bestimmten "Herrenwein", bezog man aus den berühmten Anbaugebieten an Main und Tauber. Spezielle Güter kamen von verschiedenen Märkten im In- und Ausland, so etwa Leinen, Seide und andere Stoffe von den Messen in Frankfurt und Nördlingen, Schmuck aus Venedig, Teppiche aus Polen.

    Mit Abstand wichtigste Warenbezugsquelle war jedoch die Reichsstadt Nürnberg. Die kurzen Transportwege und v.a. das vielfältige Angebot in der europ. Wirtschafts-, Handels- und Handwerksmetropole ermöglichten den Zollern einen hohen Versorgungs- und Ausstattungsstandard ihrer Res.en mit Gütern des gehobenen Bedarfs und Luxusartikeln. Die starke polit. Rivalität der beiden Nachbarn spielte bei diesen seit dem ausgehenden 14. Jh. belegten Wirtschaftskontakten bemerkenswerterweise kaum eine Rolle. Nürnberg war einer der wichtigsten Umschlagplätze des europaweiten Handels mit Ochsen, von denen am Ansbacher Hof jährl. 300-400 zur Deckung des Fleischbedarfs benötigt wurden. Bunte Stoffe lieferten die Nürnberger Färber, Pelzwaren die dortigen Kürschner, Schmuckstücke die Goldschmiede, Gewürze die Apotheker. Die hochwertigen Rüstungen und Waffen aus Nürnberg waren auch bei den oft in Kriegshändel verwickelten Mgf.en begehrt. In den Werkstätten von Albrecht Dürer, Veit Stoß, Adam Kraft, Veit Hirschvogel und anderen weltberühmten Nürnberger Künstlern ließen die Zollern eine ganze Reihe von Gemälden, Plastiken und Glasbildern anfertigen.

    Schließl. war Nürnberg auch als Finanzzentrum für die Mgf.en wichtig. V.a. die Bgf.en Friedrich V. und Friedrich VI. mußten von den reichen Handelsgeschlechtern Stromer, Paumgartner, Pfinzing und anderen sowie von Nürnberger Juden hohe Darlehen in Anspruch nehmen. Erst Mgf. Albrecht schränkte diese Kreditaufnahmen wg. der damit verbundenen Gefahr polit. Abhängigkeit weitgehend ein.

    Der Abbau eigener ergiebiger Gold-, Silber- und Kupfervorkommen im Fichtelgebirge ("Fürstenzeche" in Goldkronach) stellte v.a. im 14. Jh. für die Zollern eine wichtige Einnahmequelle dar. Aus den selbstgewonnenen Edelmetallen durften sie dank des 1361 von Ks. ® Karl IV. verliehenen Münzregals in Bayreuth, Kulmbach und Schwabach Gold- und Silbermünzen prägen. Im 15. Jh. gab es zeitw. auch in Ansbach und Neustadt a. d. A. Münzprägestätten.

    Wissenschaftler (im weiteren Sinne) und Künstler waren am mgfl. Hof des 15. Jh.s kaum tätig. Zu nennen ist allenfalls der dem dt. Frühhumanismus zuzurechnende, mit Matthias von Kemnath in Verbindung stehende Arriginus, der sich 1456/57 auf der Plassenburg aufhielt. Die "Denkwürdigkeiten brandenburgischer Fürsten", in denen der langjährige mgfl. Rat Ludwig von Eyb d.Ä. die Entwicklungsgeschichte der Zollerndynastie beschreibt, können als Anfänge einer mgfl. Hofchronistik gewertet werden. Die Markgrafenporträts und andere spätma. Kunstwerke in der Hohenzollerngrablege Heilsbronn und der Ansbacher Stiftskirche St. Gumbert sind Auftragsarbeiten auswärtiger Meister wie Lukas Cranach d.Ä. oder stammen von namentl. nicht bekannten Künstlern.

    Unter Kfs. Friedrich I. sind vereinzelt Herolde belegt, H. Negelein wird 1388 augenzwinkernd als von Gotz gnaden obirster narr meiner herren der burggrafen bezeichnet. Höf. Feste und repräsentative Auftritte der Mgf.en wurden von Trompetern und Pfeifern untermalt. Erst seit der Reformation kam es im Rahmen der evangel. Kirchenmusik zu einem vielfältigeren Einsatz und einer gezielten Förderung der Musik am mgfl. Hof. So sorgte ein Schülerchor der 1528 ins Leben gerufenen Ansbacher Lateinschule für die Ausgestaltung der Hofgottesdienste, Mgf. Georg selbst verfaßte vermutl. eine Reihe evangel. Kirchenlieder.

    Der erste namentl. bekannte Arzt der fränk. Zollern war der für Bgf. Friedrich V. tätige Meister Meingotz aus Nürnberg (1371). Johann Muttun (1399) und Dietrich Ram (1414) standen zeitweilig in Diensten Bgf. Friedrichs VI. Jakob Lichtenberger erhielt 1415 für seine Tätigkeit als Arzt Bgf. Johanns III. ein Jahresgehalt von 50 Gulden. Als Ärzte Mgf. Albrechts sind u.a. Hans Barbirer (1467)), Oswald Temlinger (1472) und Meister Konrad (1480) bekannt. Der in den Quellen explizit als "Leibarzt" bezeichnete Dr. Johann Kifer trat 1489 in den Dienst Mgf. Friedrich d.Ä., behandelte diesen bei mehreren schweren Erkrankungen und war auch für die medizin. Betreuung der mgfl. Familie sowie des gesamten Hofpersonals zuständig. Hierfür erhielt er lt. Bestallungsvertrag ein Jahresgehalt von 100 Gulden, freie Kost und Logis sowie andere Zuwendungen. Daß die sich ausgangs des 15. Jh.s rasch im Reich ausbreitende "Franzosenkrankeit" auch den Ansbacher Hof erfaßte, zeigt Mgf. Friedrichs d.Ä. Bestellung von Arzneien für seinen franzosenarzt i.J. 1497. Als 1499 der fünfzehnjährige Mgf. Georg an der newen krankheit, die jetzund under den lewten umbgeet, laborierte, wurde Dr. Stefan aus Nördlingen zur Behandlung beigezogen. Mgf. Georg hatte später selbst zwei Leibärzte, zunächst den im Stift St. Gumbert beerdigten Dr. Johann Weinmann, dann ab 1528 den auch als Verfasser kräuterkundl. Werke bekannt gewordenen Dr. Leonhard Fuchs.

    Ihren Bedarf an "Apothekerwaren", zu denen neben Arzneien auch Gewürze und Süßigkeiten zählten, deckten die Zollern seit dem 14. Jh. im benachbarten Nürnberg. Die dortigen Apotheker gehörten zu den berühmtesten im ganzen Reich. Etl. von ihnen standen zu den Mgf.en in einem festen, durch einen speziellen Eid bekräftigten Dienstverhältnis. Konrad Berckmeister erhielt 1449 für seine Treue und Zuverlässigkeit von Mgf. Albrecht Einkünfte aus verschiedenen Gütern verschrieben. Ebenfalls in Nürnberg ansässig war der Hofapotheker Mgf. Friedrichs d.Ä., Johannes Ramtaler.

    Der Kaplan gehört zu den ältesten bekannten Amtsinhabern am Zollernhof. 1267 ernannte Bgf. Friedrich III. den Abt des Nürnberger St. Egidienkl.s zum Hofkaplan (capellanum principalem) auf der Burggrafenburg. Im selben Jahr war auf der Cadolzburg ein Kaplan Friedrich tätig. Von den Kaplänen Bgf. Konrads des Frommen (1313) und Friedrichs V. (1361) ist gleichfalls nur ihr Vorname Heinrich bekannt; letzterer war zugl. Schreiber. Auch spätere Kapläne hatten neben ihren geistl. zugl. weltl. Aufgaben zu erfüllen. So gehörte zu den im Stiftungsbrief für eine Hofkaplanei auf der Plassenburg von 1399 beschriebenen Pflichten des Kaplans Johann Palmhofer die Aufsicht über die im dortigen "Gewölbe" verwahrten herrschaftl. Urk.n. Sein Nachfolger Eberhard Krempel zahlte mehrfach Schulden seines Herrn Bgf. Johann III. (1407-11) und war als Schlichter bei Streitigkeiten tätig (1408). Mind. seit 1361 (Elisabeth, Mutter Bgf. Friedrichs V.) besaßen auch die Bgf.innen einen eigenen Kaplan. Erzieher der Söhne Mgf. Friedrichs d.Ä. waren Ulrich Seger und Johann Mayer.

    Elisabeth von ® Bayern-Landshut (1383-1442) und Anna von Sachsen (1437-1512) waren die wohl bemerkenswertesten Frauengestalten am mgfl. Hof des 15. Jh.s. Die ebenso anmutige wie gebildete Elisabeth, gen. Schön Els, unterstützte mit ausgeprägtem polit. Instinkt und beeindruckender Tatkraft ihren Gemahl Kfs. Friedrich I., bei dessen Bemühen, den schwierigen Balanceakt zw. Reichspolitik, fränk. und brandenburg. Herrschaftsaufgaben zu bewältigen. Während seiner häufigen Abwesenheit übte sie die Statthalterschaft in Franken bzw. in der Mark aus und setzte sich gegen alle Widersacher energ. zur Wehr. Mgf.in Anna stand an der Seite ihres Gemahls Albrecht mit Charme und Selbstbewußtsein der repräsentativen Ansbacher Hofhaltung vor, lenkte einfühlsam und lebenserfahren die persönl. Geschicke ihrer vielen Kinder und Enkel und war auch noch an ihrem langjährigen Witwensitz Neustadt a. d. Aisch der allseits hochrespektierte Mittelpunkt des weitverzweigten mgfl. Familienverbandes.

    1459 spaltete Mgf. Albrecht von der 1440 durch seinen Bruder Kfs. Friedrich II. in B. gegründeten "Gesellschaft unserer lieben Frau" (im 19. Jh. als "Schwanenorden" bezeichnet) einen süddt. Zweig ab und wies ihm die St. Georgs-Kapelle der Stiftskirche St. Gumbert zu Ansbach als geistl. Zentrum zu. Bei der Erneuerung der Stiftung durch Albrecht 1484 erhielt dieser Zweig eigene Statuten und wurde dadurch rechtl. und organisator. endgültig eigenständig. Da ihm neben den Mgf.en auch zahlr. fränk. Adelige angehörten, war ihm neben der religiösen Motivation wohl auch eine Funktion als einigendes Band zw. Landesfs. und einheim. Adel zugedacht.

    Bei höf. Festen und Feierlichkeiten, insbes. Hochzeiten und Begräbnissen, suchten die fränk. Zollern den ihnen selbst noch im 15. Jh. anhaftenden Makel geringer Abkunft durch großen Repräsentationsaufwand und Zurschaustellung ihrer sämtl. Ressourcen zu kompensieren, um so ihre fakt. Gleichwertigkeit mit den hochrangigen, einflußreichen und besitzmächtigen Großdynastien der ® Habsburger, Wittelsbacher und ® Wettiner augenfällig unter Beweis zu stellen. Bes. effektvoll tat dies immer wieder Mgf. Albrecht Achilles. An seiner Vermählung mit der sächs. Kurfürstentochter Anna 1458 in Ansbach nahmen zwölf Rfs.en teil, wenige Jahre nach seiner Erhebung zum Kfs.en von B. erschien Albrecht zur glanzvollen Landshuter Hochzeit von 1475 mit 1400 Berittenen, doppelt so viele wie im Gefolge Ks. ® Friedrichs III. Die Hochzeit seines Sohnes Friedrich mit einer poln. Königstochter 1479 fand mit großem gebreng und köstlichait statt. Bei derartigen auswärtigen Auftritten war das gesamte mgfl. Gefolge in der Regel einheitl. in den zoller. Farben gekleidet. Die Feierlichkeiten beim Begräbnis Kfs. Albrechts 1486 und anderer verstorbener Mgf.en in der Familiengrablege im Kl. Heilsbronn dauerten mehrere Tage, die zahlr. Teilnehmer wurden reichhaltig verköstigt.

    Einen gerade nicht auf Außenwirkung bedachten Charakter hatten dagegen die Besuche der Mgf.en im Heilsbronner Burggrafenhof. Nahe ihrer Ansbacher Res. und doch abgeschirmt von einer größeren Öffentlichkeit feierten hier Friedrich d.Ä., Georg und Kasimir mit ihren Freunden und Vertrauten mehrmals i.J. ausgelassene Feste. Über die dem Kl. dadurch entstehenden hohen Kosten und die zutagetretende Sittenverwilderung führte Abt Sebald Bamberger in seinen histor. Aufzeichnungen bittere Klage.

    Zum Zeichen ihrer engen Verbundenheit mit dem Adel, aber auch aufgrund persönl. Neigung zum Waffenhandwerk nahmen die fränk. Zollern an der letzten Blüte des Turnierwesens ausgangs des 15. Jh.s regen Anteil. Mgf. Albrecht und sein Sohn Friedrich d.Ä. beteiligten sich begeistert und erfolgreich an zahlr. ritterl. Kampfspielen, die an anderen Fürstenhöfen, in Reichsstädten, auf Hochzeiten oder im Rahmen von Reichsversammlungen stattfanden. 1485 veranstaltete Albrecht selbst in Ansbach eines der letzten großen Reichsturniere, zu dem 600 Teilnehmer mit über 2000 Pferden kamen. In jüngeren Jahren tat er sich als Erfinder origineller neuer Kampftechniken hervor. Die Mgf.en waren aktive Mitglieder in fränk. Turniergesellschaften, wie etwa der Gesellschaft im Bär, mit befreundeten Fs.en und Adeligen pflegten sie regen Austausch von Pferden, Schwertern und anderen Turnierutensilien.

    Nahezu alle Mgf.en waren leidenschaftl. Jäger. Ihre über das ganze Land verteilten Burgen boten dafür ideale Ausgangspunkte. V.a. Mgf. Albrecht und seine Gemahlin Anna kamen mehrmals i.J. für jeweils 1-2 Wochen nach Cadolzburg, Baiersdorf, Neustadt a. d. Aisch, Schwabach, Colmberg und Hoheneck, um Bären, Rotwild, Wildschweine, Hasen und Rebhühner zu jagen. Die dortigen wildreichen Reviere ließ Albrecht sorgfältig hegen, die Amtleute hatten die Einhaltung des herrschaftl. Jagdprivilegs streng zu überwachen. Zu den Jagdveranstaltungen, an die sich abends Feste und Tänze anschlossen, wurden häufig verwandte und befreundete Fs.en sowie Angehörige des fränk. Hochadels eingeladen. 1471 kam sogar Ks. ® Friedrich III., 1489 Kg. ® Maximilian I. auf die Cadolzburg. Angesichts derart illustrer Gäste dienten die Veranstaltungen nicht allein dem privaten Vergnügen, sondern primär der Repräsentation und polit. Kontaktpflege.

    Mit geistigen Dingen beschäftigte man sich am mgfl. Hof eher wenig. Demzufolge gab es auch kaum eine Förderung von Kultur und Wissenschaft durch die Landesherren. Der Humanismus konnte in den zoller. Fsm.ern – vergl. mit den bedeutenden umliegenden Zentren Nürnberg, ® Würzburg und ® Bamberg – erst spät und nur in bescheidenem Umfang Fuß fassen. Ursachen dafür waren das Fehlen von Universitäten und Domschulen im Land sowie die Tatsache, daß die meisten Mgf.en ausgesprochen nüchtern-pragmat. Machtpolitiker, Verwaltungsorganisatoren und Kriegsleute ohne ausgeprägte intellektuelle Neigungen waren. Eine gewisse Ausnahme bildete Kfs. Friedrich I., der Latein, Französ. und Italien. beherrscht haben soll, eine Sammlung "deutscher Lesebücher" besaß und 1433 die Überarbeitung der ältesten deutschsprachigen alchimist. Handschrift, des "Buches der Heiligen Dreifaltigkeit", auf der Cadolzburg veranlaßte. Die Bedeutung der um 1455 kurzzeitig auf der Plassenburg bestehenden "Humanistenschule" darf wohl nicht allzu hoch veranschlagt werden. Die von Mgf. Johann Alchimista auf der Cadolzburg betriebenen alchimist. Experimente waren kaum mehr als eine eigenwillige Liebhaberei. Die von den Mgf.en gestifteten Altäre, Denkmäler, Gemälde und sonstigen Kunstwerke – etwa in der Hohenzollerngrablege im Heilsbronner Münster und in der Schwanenordensritterkapelle der Ansbacher Stiftskirche St. Gumbert sowie das um 1512 entstandene "Markgrafenfenster" der Nürnberger Sebalduskirche – dienten hauptsächl. der Memoria-Pflege und der dynast. Selbstdarstellung. Erst der fast zwanzig Jahre am ungar. Königshof tätige, durchaus gebildete und vielseitig interessierte Mgf. Georg der Fromme (1528-43) betrieb im Zeichen der Reformation eine gezielte Kulturförderung. So entstand unter ihm eine Lateinschule in Ansbach, es gab Pläne zur Gründung einer Landesuniversität, Teile der berühmten Bibliothek des Ungarnkg.s Matthias Corvinus kamen an den mgfl. Hof. Auch neuen Entwicklungen in der bildenden Kunst, in der Malerei, im Buchwesen und in der Architektur stand Georg aufgeschlossen gegenüber.

    ® A. Hohenzollern, fränk. Linie ® A. Hohenzollern, brandenburg. Linie ® A. Wittelsbacher ® B.2. Brandenburg ® C.7. Ansbach ® C.7. Bayreuth ® C.7. Cadolzburg ® C.7. Jägerndorf ® C.7. Neustadt an der Aisch ® C.7. Nürnberg ® C.7. Plassenburg

    Q. Ludwig von Eyb der Ältere (1417-1502): Schriften, hg. von Matthias Thumser, Neustadt a.d. Aisch 2002 (Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte. Reihe I: Fränkische Chroniken, 6). - Meyer, Christian: Aus einem markgräflichen Haushaltungsbuch des 15. Jahrhunderts, in: Quellen und Forschungen zur Deutschen insbesondere Hohenzollerischen Geschichte 3 (1906) S. 152-234. – Schuhmann, Günther: Das Statutenbüchlein des Schwanenritterordens, gedruckt von Hieronymus Hölzel um 1515, Neustadt an der Aisch 1983. – Wagner 1889.

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    R. S.

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