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Artikel:C.7. Ensisheim
Bearbeiter: Dieter Speck, Freiburg

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  • C.7_Ensisheim

    C.7_Ensisheim

    I. Onghisehaim marca (768), Einsigesheim (823), villa Ensichesheim (1052), Ensichsheim (1256), Ensichain (1275), Ensheim, Ennsisheim (16. Jh.). Seit der Eroberung des Aargaues durch die Eidgenossen 1415 zunehmend vorderösterr. Verwaltungsmittelpunkt, in das 1429 oberelsäss. Land-/Hofgericht verlegt wurde. 1510-1632/48 Sitz der vorderösterr. Regierung und häufig Tagungsort der Landstände. – F, Dep. Haut-Rhin.

    II. E. liegt auf einer Schwemmterrasse rechts der elsäss. Ill im Schnittpunkt im Süd-Nordrichtung verlaufenden Illtales (Frankreich) und einer Römerstraße sowie der senkrecht dazu verlaufenden Ost-Westachse durch das Rheintal. Seit der Steinzeit in und um E. Siedlungsspuren mit z.T. bedeutenden keltischen, gallo-röm., merowing. und karoling. Siedlungs und Begräbnisplätzen. 768 erste urkundl. Erwähnung E.s, das 1052 und 1071 als villa, 1224 als Stadt mit Stadtmauern belegt ist und spätestens seit 1277 habsburg. war. Seit dem 14. Jh. gab es Schultheiß, Stadtvogt und einen zwölfköpfigen Rat. Das 1429 nach E. verlegte Landgericht erhielt 1456 die Bezeichnung Hofgericht und tagte unter dem Vorsitz des Landvogtes. Die Stadtpfarrei wurde 1456 der neu gegründeten Universität in ® Freiburg inkorporiert. E. war 1469-74 mit Elsaß, Sundgau und den vier Waldstädten an Karl Hzg. von Burgund verpfändet. 1492 ging vor E. ein 130 kg schwerer und vielfach auch publizist. beachteter Meteorit nieder, den Kg. ® Maximilian I. besuchte und der noch heute in E. verwahrt wird. 1507/10 wurde in E. das Hofgericht in eine vorderösterr. Regierung umgewandelt, wurde 1570 mit einer vorderösterr. Kammer ausgebaut und beide bestanden bis 1632/48. 1580-89 erfolgte der Ausbau der Stadtbefestigung von E., das 1631 schwed., 1633 ksl., 1634 schwed., 1635 frz., 1636 ksl. und 1637 von der Armee Hzg. Bernhards von Sachsen-Weimar besetzt, dann wieder österr. und 1648 dauerhaft frz. wurde.

    Die Burg wurde häufig als Res. der Landesfs.en genutzt, wie z.B. mehrfach von Leopold IV. (zw. 1393 und 1404), seiner Gattin Katharina (zw. 1410 und 1426), Hzg. Friedrich IV. (1406, 1411, 1415), Hzg.in Anna (1420-1421), Hzg. Albrecht VI. (1444, 1448, 1449, 1453, 1458, Sigismund, ® Maximilian I. (1492, 1498) und Ferdinand I. 1524 und 1562, Ehzg. Matthias (1596). 1565 galt das Schloß als alt und wenig adäquat als landesfsl. Res.

    III. Über die von ® Rudolf I. erbaute Burg (Schloß) ist wenig bekannt. Sie ist erst seit 1351 häufig urkundl. belegt, 1426 ist das Schloß mit einem Graben umgeben. Nach seiner Zerstörung durch einen Brand am 20. März 1445 wurde es wiederaufgebaut, aber bereits seit dem frühen 16. Jh. galt der Zustand von Schloß und Kanzlei als erneuerungsbedürftig. In der Mitte des 16. Jh. wurde ein separates Gebäude für die Regierung und Landstände in der Stadtmitte erbaut, das sich bis heute erhalten hat. 1565 galt das Schloß als landesfsl. Res. , in der der Landvogt als Stellvertreter des Landesfs.en seinen Sitz hatte. Von Daniel Specklin wurde das Schloß 1580-89 in die Befestigungsanlagen der Stadt E. einbezogen und zur zweiten Landesfestung nach Breisach ausgebaut. Im Dreißigjährigen Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut, wurde das Schloß 1682 vollständig abgebrochen, ist aber noch als Erdhügel erkenntlich.

    Während über das Äußere des Schlosses kaum Aussagen mögl. sind, ist das Regiments- und Landtagshaus von Staffan Gadinner, das heutige Rathaus, als bemerkenswert repräsentativer Renaissancebau mit großer Halle im ersten Obergeschoß, offener Halle im Erdgeschoß und einem Verwaltungstrakt, der im rechten Winkel dazu angebaut ist, erhalten. 1584 wurde eine ehzgl. Münze mit eigener Guldenthalerprägung aus Vogesensilber in E. errichtet, die ® Thann ablöste und bis 1634 als Prägestätte tätig war.

    ® A. Habsburg ® B.7. Österreich (ob und unter der Enns, Steiermark, Kärnten, Tirol, Krain – Vorderösterreich)

    Q. Urkunden zur Geschichte der vorderösterreich. Behörden in Ensisheim, hg. von Wilhelm Beemelmans, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Erhaltung der geschichtlichen Denkmäler im Elsaß, II. Folge 23 (1911) S. 438-523.

    L. Bischoff, Georges: Gouvernés et gouvernants en Haute-Alsace á l’époque autrichienne. Les états des pays antérieurs des origines au milieu du 16. siècle, Straßburg1982 (Société savante d’Alsace et des régions de l’est. Série "Grandes Publications", 20). – Bischoff 1997. – Fischer, Albert: Die Befestigung der Stadt Ensisheim (Ober-Elsaß) durch Daniel Specklin und Heinrich Schickhardt (1580-1610), in: ZGO 136 NF 97 (1988) S. 179-206. – Fischer 1996. – Le Haut-Rhin, 1, 1980, S. 373-386. – Le patrimoine, 1, 1998, S. 344-355. – Quarthal 1991. – Reichsland Elsaß-Lothringen, 1901-03, S. 263-266. – Schwien, Jean-Jacques: Ensisheim, le lieu du glaive. Essai sur la Memoire d´une ville. 3 Tl.e, Thèse Straßburg 1984. – Sondheim, Heinz: Die Baugeschichte des Ensisheimer Rathauses, in Elsaß-Lothringisches Jahrbuch 14 (1935) S. 94-104. – Speck 1994. – Stolz 1943 – Vorderösterreich, 2000.

    D. S.

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