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Artikel:C.7. Burg
Bearbeiter: Anja Kircher-Kannemann, M.A., Duisburg

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  • C_7_Burg

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    I. novum castrum, novus mons (12. Jh.). Die Burg befindet sich auf einem steil abfallenden Höhenrücken an der Mündung des Eschbachs in die Wupper. Burg und Ort gehören heute zu Solingen. Das Gebiet gehörte den Herren von Berg, die sich hier ihren neuen Stammsitz errichteten, nachdem sie ihren ursprgl. Sitz den Zisterziensern überlassen hatten (Altenberg). Daraus ergab sich auch der Name: Neue Burg, der im Lauf der Zeit zu Schloß B. wurde. 1348 starb die Limburger Linie des Hauses Berg aus, die Gft. fiel an eine Nebenlinie der Mgf.en von Jülich; seit 1380 Hzm.; 1423 Vereinigung mit dem Hzm. Jülich; 1511 starben die Hzg.e aus dem Hause Heimbach in männl. Linie aus und Jülich-Berg fiel an ® Kleve; 1521 Vereinigung mit ® Kleve; durch das Erlöschen des Herzoghauses kam es 1609 zum Erbfolgestreit, der 1614 durch den Vertrag von Xanten beigelegt wurde; Jülich-Berg ging an ® Pfalz-Neuburg, ® Kleve-Mark an ® Brandenburg. Bis in das 15. Jh. war Schloß B. die wichtigste Burg der Gf.en und Hg.e von Berg, danach jedoch trat es immer weiter in den Hintergrund. Nach 1539 findet sich kein Hinweis auf den Aufenthalt eines Hzg.s mehr. Im 14. Jh. jedoch war es der wichtigste Aufbewahrungsort für die Urk.n des Territoriums Berg. – D, Nordrhein-Westfalen, Reg.bez. Düsseldorf, Landkr. Solingen, Teil der Stadt Solingen.

    II. 1133 wurde die Burg erstmals urkundl. erwähnt. Der Ort entstand wohl, wie in vielen Fällen, aus der Ansiedlung von Burgmannen rund um die Burg. Sie erhielten 1228 eine Kirche, eine Johanniterniederlassung. Der Orden [® Johannitermeister] half Hzg. Adolf V. (1259-96) bei der Ausschmückung ihrer Kirche, die seither auch oftmals als Schloßkirche angesehen wurde, da hinter ihr die eigentl. Schloßkapelle zurücktrat. 1363 wurde der Ort erstmals als Freiheit bezeichnet. Ein Schultheiß findet sich seit 1445. In einem Darlehensbrief aus dem Jahr 1487 werden Bürgermeister, Schöffen und Räte gen., was deutl. macht, daß der Ort bereits damals eine eigene Verwaltung besaß. Seit 1490 wurde den Bürgern Zollfreiheit eingeräumt und 1514 wurde ihnen die Freiheit von Steuern und Abgaben verbrieft. Zudem waren sie von Diensten auf der Burg befreit, was v.a. im 17. Jh. zu Auseinandersetzungen mit dem Kellner führte. 1546 erhielten die Gewandmacher in Burg ein Privileg und Warenzeichen. Dieses Gewerbe blieb lange Zeit die Haupteinnahmequelle. Um 1667 wandte man sich der Deckenproduktion zu. Ungefähr zur gleichen Zeit setzte auch das metallverarbeitende Gewerbe ein, es wurden Gewehrläufe gefertigt. Seit Ende des 19. Jh.s spielt auch der Fremdenverkehr eine Rolle im Erwerbsleben des Ortes.

    III. Bereits um 1118 hatte Gf. Adolf III. (1090-1138) begonnen, hier eine neue Burg zu errichten; aus dieser Zeit stammt das älteste Gebäude, der Bergfried. Die Kapelle der Burg, geweiht dem hl. Pankratius, wurde erstmals 1160 erwähnt. Ebf. Engelbert von ® Köln, der auch Gf. von Berg war, ließ die Burg umbauen. Das zentrale Gebäude, das damals entstand, war der Palas, im Stil der Romanik bzw. Frühgotik. Für seinen Aufbau mußten Teile der Umfassungsmauer des Innenraums geschliffen werden. Der neue Bau war ca. 45 x 12 m groß. An ihn schloß sich ein Flügelbau an. Direkt hinter dem Palas befand sich der Bergfried. Hzg. Wilhelm IV. (1475-1511) ließ das Schloß für seine Hochzeit mit Sibylle von Brandenburg im spätgot. Stil umbauen. Der Palas erhielt dabei einen Fachwerkaufbau mit Türmen und Erkern, zudem wurde er verlängert, so daß Raum für eine neue Küche und eine Kemenate entstand. Ende des 15. Jh.s wurde das äußere Torhaus errichtet. 1528 kam ein Torturm neben dem Palas hinzu. Im Jahr 1648 ließ Oberst Heinrich von Plettenberg beim Abzug der ksl. Truppen die Wehrmauern und -türme sowie die Ställe, das Brau- und Backhaus und einen Teil des Bergfrieds niederlegen. Im Schlösser-Verzeichnis von Berg aus dem Jahr 1695 wird Schloß Burg nur noch als "Kellnerey-Hauß" bezeichnet. Bis 1807 war es Sitz des Rentmeisters und Richters des Amtes Bornefeld. Ab ca. 1815 wurden in den erhaltenen Gebäuden Industriebetriebe angesiedelt. Schließl. wurden sie als Scheunen benutzt. Das Dach des Palas wurde 1849 abgetragen, um Baumaterial für das neue Landgericht in Elberfeld zu erhalten. Danach verfielen die Gebäude beinahe endgültig, bis 1886 Julius Schumacher, ein Fabrikant, begann, den Wiederaufbau zu betreiben. Zu diesem Zweck wurde 1887 der Architekt Fischer mit einem Gutachten beauftragt, zudem wurde ein Verein zum Wiederaufbau gegr. 1890 begannen unter Leitung Fischers die Arbeiten, sein Ziel war es, Schloß Burg im spätgot. Zustand aufzubauen. 1902 schaltete sich die Denkmalbehörde in die Arbeiten ein, es kam ein neuer Architekt, Wilhelm Blaue. Das Bergische Landesmuseum zog die wiedererrichteten Räume ein. Am 26. Nov. 1920 zerstörte ein Brand das Museum und weite Teile des Schlosses. Mit dem erneuten Wiederaufbau wurde der Kölner Dombaumeister Arntz beauftragt, der sich stärker an dem roman.-frühgot. Zustand der Burg orientierte. Heute beherbergt Schloß Burg das Bergische Museum.

    ® A. Jülich, Gf.en und Hzg.e von (Heimbach) ® B.7. Jülich und Berg

    Q. Archiv für die Geschichte des Niederrheins, 1832-70. – Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, 1-4, 1840-58.

    L. Fischer, A. G.: Schloss Burg an der Wupper. Die Burgen des Mittelalters und das Leben auf denselben, 1892, ND Gummersbach 1992. – Gerling, Renate: Die Freiheit Burg an der Wupper und das Schloß der Bergischen Landesherren, in: "Für Kaiser, Volk und Vaterland". Der spätromantische Wiederaufbau von Schloß Burg seit 1887. Festschrift zum 100jährigen Bestehen des Schloßbauvereins Burg an der Wupper, Köln 1987, S. 14-22. – Looz-Corswarem 1993. – Luchtenberg, Paul: Schloß Burg an der Wupper, Ratingen 1957 (Rheinisches Bilderbuch, 9). – Roth, Rudolf: Schloß Burg an der Wupper. Seine Geschichte und Entwicklung, Burg a.d. Wupper o.J. – Soechting, Dirk: Schloß Burg an der Wupper, in: Romerike Berge 48,1 (1998) S. 35-38. – Werth, Adolf: Das alte bergische Residenzschloß zu Burg an der Wupper, in: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins 8 (1894) S. 45-54.

    A. K.-K.

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