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Artikel:C.3. Meißen
Bearbeiter: Reinhardt Butz, Dresden
Dr. Reinhardt Butz, Dresden.
Dr. Brigitte Streich, Wiesbaden.

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  • C.2_3_Meißen.

    C.2_3_Meißen.

    I. Misni (1012/18 ad a. 929); Misni (967); Misna, Misina (968); Missen(a)e (1046); Misni (1068); Mysena (1296); Mizsen (1378); Meissen (1428) – Ableitung des Ortsnamens vom Bachnamen Meisa, der sprachl. am ehesten auf einen alteurop. Gewässernamen zurückzuführen ist, HONB II, 2001, S. 25f. – Höhenburg bzw. spätgot. Residenzanlage auf einem Felsplateau über der Elbe und ihren Nebenflüssen Meisa und Triebisch, Stadt am südl. Fuß des Burgberges. – Seit 967/68 Mgft. Meißen, seit 1423 Kfsm. Sachsen, 1485-1547 Hzm., danach wieder Kfsm. Sachsen, seit 1485 albertin. Linie. – Seit 967/68 Hauptsitz, später eine der Hauptres.en der Mgf.en von Meißen (seit 1089 Wettiner), seit 1423 zugl. der Kfs.en bzw. Hzg.e von Sachsen, nach 1500 kaum noch aufgesucht. – Seit 968 Sitz, später Hauptres. der Bf.e von Meißen, ab etwa 1400 nur noch Nebenres. – Seit 1068 Sitz eines Bgf.en, seit Mitte des 12. Jh.s einer Reichsbgft., 1181-1426 zugl. Dynastensitz der Meinheringer, mit Aussterben der Plauener Vogtslinie des Burggrafengeschlechts 1439 gänzl. in wettin. Besitz übergegangen. – D, Sachsen, Reg.bez. Dresden.

    II. Nach Thietmar von Merseburg ließ Kg. Heinrich I. auf seinem Feldzug gegen den sorb. Stamm der Daleminzer im Frühjahr 929 auf einem "dicht mit Bäumen bestandenen Berge" an der Elbe die Burg M. errichten.

    Die auf einem Syenit-Granit-Massiv ca. 46 m über der Elbe und den Nebentälern von Meisa im N und Triebisch im S strateg. hervorragend gelegene Anlage befindet sich am nordwestl. Ausläufer der Dresdner Elbtalweitung. Bei M. verengt sich der fruchtbare Talkessel schlauchartig, die Elbe verläßt in einem engen Durchbruch das weite Becken; Nebenflüsse gliedern die Ränder des Elbtalgrabens hier in mehrere "Berge" genannte Abschnitte.

    Mit der Einrichtung des Ebm.s ® Magdeburg und seiner Suffragane M., ® Merseburg und ® Zeitz i.J. 968 war die Bildung gleichnamiger Marken einhergegangen. Als Reichsburg und Bischofssitz erlangte M. seit dem 11. Jh. wachsende zentralörtl. Funktion für das Markengebiet östl. der Saale; 1046 wird erstmals urkundl. die marchia Misnensis, die sich als einzige der drei Marken von Bestand erwiesen hatte, gen. Seit 1068 ist auf dem Burgberg auch der Sitz eines Bgf.en überliefert. An ältere Funktionen anknüpfend etablierte sich das Amt mit der Einrichtung der Reichsbgft. unter Kg. Konrad III. seit Mitte des 12. Jh.

    Bereits im 10. Jh. existierten neben der Hauptburg mit der Kirche, dem späteren Dom (St. Johannes der Evangelist und Donatus), zwei Suburbien: das obere auf der Hochfläche im SW vor dem Burgtor (später Afranische Freiheit) mit der 984 bezeugten ecclesia extra urbem (Vorgänger von St. Afra; frühe Pfarrkirche, zunächst für die Burgmannen und den Burgward); das untere Suburbium am östl. Fuß des Burgberges in Elbnähe – 1015 als Sitz der Vethenici, einer bevorrechteten sorb. Schicht mit milit. Aufgaben, überliefert – ist bereits 979/83 mit dem Elbhafen (portus), wohl zw. Burgberg und Triebischmündung, belegt; etwas weiter stromabwärts bis zum Elbbogen sind Furt und Fähre als Teil des ma. Fernwegenetzes zu lokalisieren.

    Die spätere Stadt M. entwickelte sich aus mehreren verfassungsmäßig selbständigen Siedlungskernen: Im Anschluß an das untere Suburbium entstand vermutl. um 1000 am Südhang des Burgberges eine offene frühe Marktsiedlung (seit dem 14. Jh. Jahrmarkt gen.), die später der Grund- und Gerichtsherrschaft des Bgf.en unterstand; wahrscheinl. wurden hier bereits unter Mgf. Ekkehard I. (985-1002) Münzen geprägt. – Für die Mitte des 12. Jh.s ist außerhalb der späteren Stadt, am südl. Ufer der Triebisch, entlang des 1270 erweiterten Neumarktes mit St. Nikolai von einer Kaufmannssiedlung auszugehen, zu der auch die Judensiedlung beim "Jüdentor" gehörte. Der Nikolaikirche, ursprgl. Pfarrkirche mit ländl. Parochie und seit 1539 Nebenkirche von St. Afra, unterstand außerdem die auf einem Berg über der Elbe gelegene Wegekapelle St. Martin. – Unmittelbar südwestl. an die bgfl. Jahrmarktsiedlung (1150 civitas) schloß sich die von den Mgf.en gegen Ende des 12. Jh.s gegründete Marktsiedlung (1205 forum) mit der Frauenkirche (Stadtkirche, bis 1539 Filial von St. Afra) an; die Lage der zugehörigen Hofstätten ist aus der Abgabe des sog. Biereimers an den Rat abzulesen. Ausgehend vom Hauptmarkt mit den vier Ausfallstraßen wurde über die östl. mit Elbtor und Brücke ein weiterer Elbübergang geschaffen.

    Im Jahr 1205 stiftete Bf. Dietrich II. bei der Kirche auf dem Berge vor der Burg (seitdem St. Afra-Kirche) einen Konvent der Augustiner-Chorherren mit Schule. Wenngleich die Schutzvogtei den Mgf.en oblag, blieb das Afra-Stift bfl. Eigenkl. und ecclesia secundaria der Domkirche (mit Verselbständigungsbestrebungen im 14. und 15. Jh.). Vor 1217 gründete Mgf. Dietrich in der Elbaue nordwestl. vom Burgberg das Nonnenkl. Zum Hl. Kreuz (Benediktinerinnen), das vorrangig der Versorgung weibl. Angehöriger seiner Dienstmannen dienen sollte. Nach Mitte des 13. Jh.s wurde am Ostrand der Stadt, nahe Elbtor und Brücke, das Franziskanerkl. mit der Kirche St. Peter und Paul eingerichtet.

    Im 14. Jh. umschloß die Stadtmauer mit den ursprgl. sechs Stadttoren den Burgberg mit ehemals östl. Suburbium, die Afranische Freiheit, die mgfl. Rechtsstadt und den bgfl. Jahrmarkt. Bürgermeister und Rat erscheinen erstmals 1316. Im Jahr 1423 erwarb der Rat vom Mgf. zwei Drittel an den Gerichtsgefällen aus der Stadt, 1446 schließl. noch den "dritten Pfennig"; zugl. wurde ihm nun auch die Jahrmarktsiedlung unterstellt, ohne daß deren Bewohner die Braugerechtigkeit erhielten; seit 1472 Bau des spätgot. Rathauses am Markt unter Mitwirkung Arnolds von Westfalen. Die wirtschaftl. Grundlagen der Residenzstadt beruhten auf Handwerk und lokalem Gewerbe, seit dem SpätMA bis etwa 1670 insbes. der Tuchmacherei (1547 Bau des Gewandhauses am Jahrmarkt; heute Theater). Bereits 1161 ist in M. der Weinbau, der an den Elbhängen der Umgebung bis heute betrieben wird, urkundl. überliefert.

    Mit dem Rückzug sowohl der Bgf.en als auch der Bf.e auf andere Res.en seit dem ausgehenden 14. Jh. und schließl. mit dem Aussterben der Burggrafendynastie errangen die Wettiner bis um die Mitte des 15. Jh.s die Vorherrschaft auf dem Burgberg und die vollständige Stadtherrschaft. Bis in die sechziger Jahre des 15. Jh.s fanden in M. noch größere Hoflager statt, wobei eine Verlagerung der Hofhaltung nach ® Dresden bereits zu jener Zeit unverkennbar ist. Mit Baubeginn an der späteren Albrechtsburg reduzierte sich jedoch auch die Präsenz der Kfs.en zusehends. In der Leipziger Teilung 1485 an Hzg. Albrecht gefallen, wurde M. nur noch selten als Res. genutzt, was nicht ohne wirtschaftl. Folgen für die Stadt blieb.

    Mit der Reformation, in M. erst seit 1539, wurde das Afrakl. aufgelöst, die ehem. Afra-Schule jedoch 1543 als Fürsten- bzw. Landesschule neugegründet; die Afra-Kirche blieb Pfarrkirche für etwa 30 Dörfer. Die Stadtkirche St. Marien wurde zur Pfarrkirche mit Superintendentur erhoben. Erst 1581 folgte die Aufhebung des Bm.s, das Hochstift blieb als evang. bestehen, bis 1697 mit kfsl. Administrator.

    Um die Mitte des 16. Jh.s besaß die Stadt ca. 3.500 Einw.; die Ausbildung von Vorstädten war im Ansatz steckengeblieben. Ledigl. noch Mittelpunkt der kursächs. Lokalverwaltung wäre M. künftig in der Bedeutungslosigkeit kursächs. Kleinstädte aufgegangen, hätte es 1710 mit der Verlegung der Königlichen Porzellanmanufaktur von ® Dresden auf die Albrechtsburg durch Kfs. Friedrich August I. nicht einen erneuten wirtschaftl. Aufschwung erfahren.

    III. Die im 10./11. Jh. begründete Gewaltenteilung auf dem Burgberg bewirkte eine räuml. Differenzierung des Areals, die sich im Verlauf des 12. Jh.s in stringent abgegrenzten Bereichen manifestierte: die gesamte Westspitze des dreieckigen Felsplateaus einschließl. des Zugangs nahm die Kurie des Bgf.en ein; im NO residierten die Mgf.en und im SO die Bf.e, wobei der Dom im Ostteil zugl. eine trennende Funktion erhielt. Dementspr. bestimmten wohl seit dem 12./13. Jh. der "Rote Turm" des Mgf.en, der "Weiße Turm" des Bgf.en sowie die Domkirche und evtl. der "Liebenstein" als Symbol bfl. Herrschaft das weithin sichtbare Erscheinungsbild der Burg. Umfassende Baumaßnahmen an der Wende vom 15. zum 16. Jh. trugen schließl. den veränderten polit. Gegebenheiten Rechnung: Seitdem prägen die spätgot. Bauten von Albrechtsburg und Bischofsschloß in Verbindung mit den Domherrenhäusern an der Südfront, dem Kornhaus im N sowie dem Dom als zentraler Achse den Burgberg.

    Die baul. Situation der älteren Burganlagen läßt sich nur bruchstückhaft rekonstruieren. So sind vom frühen 10. Jh. bis zum Beginn des 12. Jh.s fünf Siedlungsphasen mit planmäßiger Holzbebauung belegt, ab etwa 1100 folgte ein schrittweiser Ausbau zur repräsentativen Steinburg. Neben einem frühen, quadrat. Turm südwestl. der späteren Fürstenkapelle gehört hierzu der erste steinerne Dombau, eine dreischiffige roman. Basilika mit vermutl. vier Türmen und Kreuzgang (erste Hälfte 12. Jh.). Nördl. der heutigen Domtürme wurden Kellerräume eines Wohnbaus aus der ersten Hälfte des 13. Jh.s nachgewiesen; in diesem Bereich ist vermutl. die "Vordere Kemenate", unter der späteren Albrechtsburg die "Hintere Kemenate" der Markgrafenburg zu suchen, der Standort des "Roten Turmes" ist umstritten. Über die älteren Bauten der bfl. Res. sind abgesehen vom runden Wohnturm "Liebenstein" (Datierung unsicher), dem Bereich des Domkreuzganges sowie roman. Bausubstanz am Torhaus kaum Aussagen mögl. Bestandteile der bgfl. Kurie waren u.a. der Burgzugang, seit dem 13. Jh. in Gestalt der spätroman. Schloßbrücke mit Torhäusern, weiterhin die 1150 erwähnte Ägidienkapelle und der "Weiße Turm" aus der zweiten Hälfte des 12. Jh.s; zunächst als Bergfried, später als Hausmannsturm genutzt, stand dieser Rundturm bereits seit 1308 weitgehend unter mgfl. Verfügungsgewalt. Als die bgfl. Res. im 15. Jh. verfiel und abgebrochen wurde (später hier die kfsl. Amtsschösserei), blieb der Turm erhalten (Abbruch um 1607).

    Von etwa 1250 bis um 1400 wurde das Baugeschehen auf dem Burgberg maßgebl. durch den got. Domneubau bestimmt. Als erster bedeutender Bauherr trat Bf. Witego I. (1266-93) hervor, unter dem um 1275 der ursprgl. Basilika-Plan aufgegeben wurde und der Weiterbau zur dreischiffigen Hallenkirche mit polygonal geschlossenem Chor und einer Turmfront im W erfolgte. Etwa um 1270 wurde südl. vom Chor der Kreuzgang angelegt, die Weihe der zugl. als Kapitelsaal genutzten Allerheiligenkapelle östl. vom Kreuzgang erfolgte 1296, bereits 1291 die der Johanniskapelle im Obergeschoß des Achteckbaus am südl. Querhausarm.

    Als Vollender des Dombaus im letzten Viertel des 14. Jh.s gilt Mgf. Wilhelm I., auf den v.a. die Baumaßnahmen am Westteil des Doms (u.a. das ursprgl., später Binnen-Westportal mit den Figurenprogrammen) und die Erhöhung des südöstl., "höckrigen" Turmes am Dom zurückgehen. Mit den seit 1386 von ihm vorgenommenen Altar- und Vikarien-Stiftungen, mit denen Jahrtagsgedächtnisfeiern (Memorien) sowie mehrmals tägl. die Abhaltung von Seelmessen für verstorbene Familienangehörige verbunden waren, schuf er die Voraussetzungen für die Umwandlung des M.er Domes, der Hauptkirche des Landes, zur wettin. Grablege. Im Jahre 1400 wurde Wilhelms erste Gemahlin Elisabeth im "Stifterjoch" vor dem Hochaltar beigesetzt. Auf dem vom Mgf.en gestifteten Altar über ihrem Grab ließ er ein Reliquiar mit Partikeln vom Kreuz und der Dornenkrone Christi ausstellen. 1407 fand Wilhelm neben seiner Gemahlin seine letzte Ruhestätte.

    Die wachsende herrscherl. Dominanz der Wettiner auf dem Burgberg äußerte sich im 15. Jh. in einer bemerkenswerten, auf Memoria und Repräsentation ausgerichteten Bautätigkeit. Von etwa 1415 bis 1428 wurde unter radikaler Abkehr vom bisherigen architekton. Programm an der Westturmfront des Domes die Fürstenkapelle mit dem Hauptpatrozinium der Heiligen Drei Könige als Begräbnisstätte des Mgf.en/Kfs.en Friedrich († 1428) und seiner Gemahlin Katharina († 1442) errichtet. Die Söhne des Stifterpaares, Kfs. Friedrich der Sanftmütige und Hzg. Wilhelm III., erhöhten 1445 die Zahl der Priester, die an drei Altären Dienst taten, auf sieben; darunter waren auch sog. Benediktiner-Schottenmönche. Der ewige Gottesdienst in der Fürstenkapelle, durch den sie de facto den Status eines landesherrl. Kollegiatkapitels erhielt, wurde nach einem Visitationsprotokoll von 1540 von 41 Geistlichen versehen. Die traditionsstiftende Funktion des M.er Doms für die Wettiner sowie seine Bedeutung als Symbol dynast. Einheit zeigt sich daran, daß nach der Leipziger Teilung an der Fürstenkapelle als Grablege festgehalten und auch der Begründer der ernestin. Linie, Kfs. Ernst, noch hier beigesetzt wurde. Die mit gravierten Bronze-Grabplatten versehenen Grabmäler des Kfs.en Ernst († 1486), des Hzg.s Albrechts (1500), der Hzg.in Amalie (1502), des Hochmeisters Friedrich († 1510) und der Hzg.in Sidonie († 1510) sind herausragende künstler. Beispiele aus der Vischer-Werkstatt (Peter Vischer d.Ä., Hermann Vischer d.J.). Auf welchen Künstler die Tumba des Stifters, Kfs. Friedrichs des Streitbaren, zurückgeht, die an herausgehobener Stelle als einzige den Verstorbenen – ausgestattet mit allen Insignien der Kurwürde – plast. darstellt, ist ungewiß. Hzg. Georg († 1539) ließ 1521-24 eine eigene Grabkapelle anbauen. – Räuml. mit der Fürstenkapelle verbunden war die Stiftung des Hieronymus-Ritterordens durch Kfs. Friedrich den Sanftmütigen am 30. Sept. 1450. An einem eigenen Altar wurden für die Mitglieder der Kommunität tägl. Messen abgehalten, anläßl. von Quatemberfeiern wurde das Seelgedächtnis der Verstorbenen begangen. Schild und Wappen verstorbener Ordensmitglieder wurden über dem Altar aufgehängt.

    Das beeindruckendste Gebäude auf dem Burgberg ist jedoch die Albrechtsburg, die an der Schwelle des Übergangs vom Burg- zum Schloßbau steht. Von 1471 bis um 1490 erbaut, folgt sie dem einheitl. architekton. Entwurf Arnolds von Westfalen, bis zu seinem Tod 1482 zugl. oberster Baumeister; noch unfertige Räume im Nordflügel wurden erst unter Hzg. Georg 1521-24 durch Jakob Heylmann fertiggestellt. Ursprgl. für die beiden Hofhaltungen der Brüder Kfs. Ernst und Hzg. Albrecht konzipiert und begonnen, fiel die noch im Bau befindl. Res. 1485 an Hzg. Albrecht, an den der seit 1676 übl. Name "Albrechtsburg" erinnert.

    Der mehrgeschossig unterkellerte Gebäudekomplex, auf dem Grunde älterer Bausubstanz errichtet, nimmt die gesamte Nordecke des Burgberges ein und schafft im NO die Verbindung zum angrenzenden Dom. Der Repräsentation diente v.a. der hofseitig mit dem sog. Mittelbau verbundene Große Wendelstein, der zum Großen Saal, den fsl. Gemächern bzw. nach S direkt in den Dom führte; daneben der Kleine Wendelstein als Ecktreppenturm im Winkel zw. Nordflügel und Mittelbau. Eine Reihe stilist. Formen, darunter Zellengewölbe und Vorhangbogenfenster, kehren an versch. Bauten auf dem Burgberg wieder.

    Kaum längere Zeit als Res. genutzt, sind die ursprgl. Raumfunktionen der Albrechtsburg mit den erst knapp ein Jh. nach Baubeginn einsetzenden Inventaren (1566-1612) nur ansatzweise zu fassen. Im Erdgeschoß befanden sich Wohn- und Wirtschaftsräume sowie die Silberkammer; im ersten Obergeschoß des Mittelbaus der Große Saal und die Schloßkapelle, nach N angrenzend die Große Hofstube; im Nordostflügel ist 1612 eine separate Tafelstube belegt (zuvor zweigeschossiges Wohnappartement); im Südflügel fsl. Appartements, ebenso im zweiten und dritten Obergeschoß, darunter das "Herrengemach" im zweiten Obergeschoß des Mittelbaus, im Südflügel daneben das Frauenzimmer. Eine anhand spätma. Kellergewölbe nachgewiesene Randhausbebauung nordwestl. des eigtl. Residenzbaus reichte bis zum Kornhaus (spätgot., im 19. Jh. umgebaut) und diente vermutl. Wirtschaftszwecken. Schon im 16./17. Jh. wurden Räume der Albrechtsburg von der kfsl. Amtsverwaltung (Amtsstube, Archiv) genutzt, von 1710 bis 1863 war hier die Porzellanmanufaktur untergebracht.

    Nach Plänen Arnolds von Westfalen wurde um 1470/80 das dritte Geschoß der Westtürme am Dom ausgebaut, sein Einfluß ist auch beim Umbau der bfl. Res. zu beobachten. Dieser begann unter Bf. Johann V. (1476-87), wurde aber nicht fertiggestellt. 1511 forderte Hzg. Georg den Bf. auf, seiner Residenzpflicht nachzukommen und den Bau zu vollenden, was aber erst unter Bf. Johann VII. (1518-37) realisiert wurde.

    In den Umbau wurde der ältere Rundturm "Liebenstein" an der Südostecke des Felsplateaus einbezogen. Dieser erhebt sich über fünf Geschosse, stadtseitig ist in Höhe der dritten und vierten Etage ein Erker angebracht; im Erdgeschoß finden sich reiche Zellengewölbe, die Fenstergestaltung lehnt sich an die der Albrechtsburg an. Ein ursprgl. spitzer Helm bekrönte den Turm. Ein schmaler Gang (erst im 19. Jh. zum neugot. Ostflügel erweitert) verband ihn mit dem neuerrichteten "Bischofsschloß", einem zweigeschossigen Bau mit Satteldach und drei Kellergeschossen; auch hier Vorhangbogenfenster. Während die stadtseitige Front ganz schlicht gehalten ist, wird die Hofseite von mehreren spitzbogigen Portalen, insbes. dem zum Treppenhaus (mit Wappen des Bf.s Johann V. von Weißenbach) beherrscht. Über Raumfunktionen jener Zeit sind nur bedingt Aussagen möglich. Im östl. Teil des Gebäudes befand sich die Küche mit der Küchenstube. Zwei angrenzende Zimmer führten über einen flach überdeckten Vorsaal direkt in die Tafelstube. Das gesamte Erdgeschoß ist mit reichen Gratgewölben überdeckt, die Treppengestaltung folgt dem Vorbild der Albrechtsburg. Das erste Obergeschoß mit zahlr. Trennwänden verfügt über meist flache Decken, wobei sich der mittlere Raum durch seine Ausmaße abhebt, so daß hier der engere Wohnbereich des Bf.s zu vermuten ist. Darüber befindet sich das Dachgeschoß mit zwei Schüttböden.

    Zur engeren curia episcopi gehörten am Ausgang des 15. Jh.s neben dem Bischofsschloß auch ein Gebäude zw. diesem und dem Domquerhaus; weiterhin der Kreuzgang (1490/91 mit Zellengewölbe versehen) mit der 1274 erwähnten Maria-Magdalenenkapelle, einem rechteckigen, kreuzgewölbten Bau, sowie die bescheidene Domschule. Letztere wurde 1505 abgebrochen und durch ein neues Schulgebäude ersetzt; nach Aufhebung der Domschule 1540 blieb das Haus ungenutzt (1701 Abbruch). Über ihre Ausstattung gibt es kaum Nachrichten, bereits Bf. Gerung soll 1154 mit dem Aufbau einer Bibliothek begonnen haben. Die erste schriftl. bestätigte Bücherschenkung (Augustinus "De civitate Dei") stammt aus dem Jahr 1206. Bei Auflösung des Bm.s erstellte man einen Bücherkatalog, als Abschrift mit Änderungen von 1619 erhalten, derzufolge die Kathedralschule über 711 Bücher verfügte. An die Ostseite des Chorumganges wurde 1482 das Domarchiv angebaut (auch hier Vorhangbogenfenster). Das Archiv des Bm.s umfaßte für die Zeit von 968 bis 1588 insg. 1058 Urk.n, davon erhalten 994 sowie 70 laufende Meter Akten.

    Für die bis zu 17 Domherren mit Präsenzpflicht entstanden in Verlängerung der südl. Achse der Bischoffsres. die Domherrenhäuser (meist dreigeschossige Traufenhäuser mit Satteldach, Fassaden 16.-18. Jh. umgestaltet). Eines davon beherbergt die 1263 erstmals erwähnte und um 1497 unter Propst Melchior von Meckau umgebaute Dompropstei. Der Bau besteht aus drei Flügeln um einen rechteckigen Innenhof; im südl. Teil lagen die Festräume, der nördl. diente als Wohntrakt; auch hier Vorhangbogenfenster und Gratgewölbe. Als letzter Bau der bfl. Res. wurde unter Bf. Johann VIII. (1537-40) das dreigeschossige Torhaus zw. Bischofsschloß und Kreuzgang mit dem Zugang zum Domquerschiff geschaffen.

    Mit der romant. Bewegung des 19. Jh.s erweckte der Burgberg das öffentl. Interesse. Dem Auszug der Manufaktur 1863 folgten die Restaurierung der Albrechtsburg und 1873-85 die historist. Ausmalung ihres ersten und zweiten Obergeschosses nach Entwürfen von Wilhelm Roßmann (ikonograph. Programm) und Ernst Haendel (dekorative Malerei). Bereits 1859-65 war der Dom unter Christian Friedrich Arnold umfassend erneuert worden, nach dem Entwurf Carl Schäfers wurden 1904-08 die Domtürme vollendet.

    ® A. Albertiner (Wettin) ® A. Wettin ® B.2. Sachsen, Kfsm., Kfs.en von ® B.3. Meißen, Bf.e von ® B.7. Sachsen

    Q. CDSR IA,1-3, IB,1-4, II,1-4. – HONB II, 2001, S. 25-26.

    L. Die Albrechtsburg zu Meißen, hg. von Hans-Joachim Mrusek, Leipzig 1972. – Architektur und Skulptur des Meißner Domes im 13. und 14. Jahrhundert, hg. von Heinrich Magirius, Weimar 2001 (Forschungen zur Bau- und Kunstgeschichte des Meißner Domes, 2). – Billig, Gerhard: Die Burgwardorganisation im obersächsisch-meißnischen Raum. Archäologisch-archivalisch vergleichende Untersuchungen, Berlin 1989 (Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden, 20), insbes. S. 29-31, 91-93. – Blaschke 2001, insbes. S. 84f. – Brugmann, Dietlinde/Magirius, Heinrich: Art. "Meißen-Stadt", in: Dehio, Kunstdenkmäler, Sachsen, 2, 1998, S. 553-613. – Coblenz, Werner: Zur Ur- und Frühgeschichte von Land und Burgberg Meißen, Meißen 1966 (Meißner Heimat, Sonderheft 4). – Czeczot, Ursula: Albrechtsburg Meißen. Zeit der Erbauung 1471-1525, 28. Aufl., Meißen 1984. – Donath, Matthias: Die Baugeschichte des Doms zu Meißen 1250-1400, Beucha 2000. – Ecclesia Misnensis. Jahrbuch des Dombau-Vereins Meißen, hg. vom Dombau-Verein Meißen e.V. und vom Hochstift Meißen, Meißen 1998ff. – Gurlitt, Cornelius: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreiches Sachsen, Heft 39 und 40, Dresden 1917 und 1920. – Hauschke, Sven: Grabmäler aus der Nürnberger Vischer-Werkstatt, Diss. Augsburg 2002 (im Druck). – Hochstift Meißen, 1973. – Hoppe 1996, insbes. S. 35-77. – Hütter, Elisabeth/Kavacs, Günther/Kirsten, Michael/Magirius, Heinrich: Das Portal an der Westturmfront und die Fürstenkapelle, Halle 1999 (Forschungen zur Bau- und Kunstgeschichte des Meißner Domes, 1). – Kobuch, Manfred: Der Rote Turm zu Meißen – ein Machtsymbol wettinischer Landesherrschaft, in: Landesgeschichte, 1997, S. 53-88. – Magirius, Heinrich: Der Dom zu Meißen, 2., neubearb. Aufl., München 2001 (Große Kunstführer, 182). – Mrusek, Hans-Joachim: Meißen, 4. Aufl., Leipzig 1991. – Petzholdt, Julius: Bibliothek des Hoch-Stiftes zu St. Johannes zu Meißen, Meißen 1840. – Pohl, Hans-Jürgen: Das Burggrafenschloß zu Meißen. Bauwerke des Burggrafenhofes einst und heute, Oschatz 2000. – Rittenbach/Seifert 1965. – Schlesinger 1-2, 1983. – Schmid-Hecklau, Arne: Die archäologischen Ausgrabungen auf dem Meißner Burgberg. Befunde und Analyse der Keramikfunde, Dresden 2003 (Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte) (im Druck). – Streich 1989.

    S. Ba., R. Bu., B. St.

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