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Artikel:C.5. Horneck
Bearbeiter: Norbert Hofmann, Ludwigsburg/Württemberg

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  • C.5_Horneck

    C.5_Horneck

    I. Horneke (1238), heute amtl.: Schloß Horneck – Burg über dem Neckar – sog. Meistertum des Deutschen Ordens – Stadtrandburg auf einem Bergsporn des Michaelsbergs, durch die Schindersklinge von der Stadt Gundelsheim getrennt – 2. Hälfte 15. Jh. – 1525 Res. der Deutschmeister. – D, Baden-Württemberg, Kr. Heilbronn.

    II. Die Burg H., nach Heidelberg die größte der zum Einflussbereich der Kurpfalz gehörenden Neckarburgen, liegt am Eintritt des Neckars in den Odenwald. Sie beherrschte die sog. Deutsche Ebene und sperrte ebenso wie die westl. des Neckars gelegene Burg Guttenberg die Verbindung Heilbronn – ® Heidelberg. Um 1250 trat Konrad von Horneck mit zwei Söhnen in den Deutschen Orden ein, vermachte ihm die Burg H. samt Gundelsheim und Zugehör und wurde Komtur der Kommende H. Unter Philipp von Bickenbach (1361-75), nachweisl. 1371, gehörte die Kommende H. zum Kammergut des Deutschmeisters. Konrad von Egloffstein (1396-1416), Rat Ruprechts von der Pfalz, nutzte sie wg. ihrer Nähe zum Kg., der 1401 zweimal auf der H. weilte. Seit Eberhard von Seinsheim/Saunsheim (1420-43) war die H. bevorzugter Aufenthalt und "Erbbegräbnis" der Deutschmeister (die sechs Epitaphien durch Kopien ersetzt); 1428 stiftete Eberhard in der Burgkapelle eine Gebetsbruderschaft, 1442 in Gundelsheim ein Ordensspital. Seit der 2. Hälfte des 15. Jh. war die H. ständige Res. der 1494/95 in den Reichsfürstenenstand erhobenen Deutschmeister. 1483/84 wurde der Komtur der H. Oberamtmann des von Mainz ertauschten Amts Scheuerberg; H. war seitdem eine der reichsten Kommenden des Deutschen Ordens. 1499 wurden zur Stärkung des Deutschmeisters gegenüber dem Hochmeister die Einkünfte und Gefälle der Kommende H. mit dem Meistertum vereinigt und von da an durch Amtleute des Deutschmeisters verwaltet. 1423/24 ist erstmals ein Schreiber des Deutschmeisters gen., 1486 mit Herbort Thiel ein Sekretär, dann Kanzler mit Amtswohnung in Gundelsheim. Mitte April 1525 floh Deutschmeister Dietrich von Cleen (1515-26) vor den Bauern nach ® Heidelberg. Am 5. Mai 1525 brannten diese Schloß H. mit dem dort verwahrten Deutschmeisterarchiv nieder. Noch 1525 stellte die Ballei Franken dem Deutschmeister die Kommende ® Mergentheim als Interimsres. zur Verfügung. Zugl. erfolgte jedoch 1525-33 der Wiederaufbau von Schloß H.; schon in der zweiten Jahreshälfte 1527 war Cronberg wieder auf der H. tätig, im Febr. 1528 fand dort ein Balleikapitel statt, 1541 und 1546 weilte Ks. Karl V. dort. Die Entscheidung für ® Mergentheim als neue Res. blieb lange offen. Trotzdem war, wie sich spätestens beim Amtswechsel zu Maximilian von Österreich 1590 zeigte, das Provisorium ® Mergentheim von Dauer. Dies bedeutete jedoch nicht den Verfall von Schloß H. Die Schäden des Dreißigjährigen Kriegs wurden behoben, und ab 1724 erfolgte der Umbau im barocken Stil. Seit der Eingliederung der Ballei Franken in das Meistertum 1789 war die H. Sitz des sog. Neckaroberamts. – Das 767 erstmals gen. Gundelsheim fiel um 1250 nur zum Teil an den Deutschen Orden; ehem. Reichsbesitz am Ort veräußerte erst 1294 das Ritterstift Wimpfen im Tal dem Orden. Die Kirche des 1442 gestifteten Spitals, St. Nikolaus, ersetzte im 15. oder 16. Jh. die alte Pfarrkirche St. Georg. Die Pfarrei war dem Deutschen Orden inkorporiert. 1541 wurden das sog. Alte Rathaus, 1595 das Spital neu erbaut. Die Stadtmauern sind mit den Mauern des Schlosses verbunden. Der Deutsche Orden erreichte von Ks. Karl IV. für Gundelsheim Stadtrecht, 1398 von Kg. Wenzel zwei Jahrmärkte und einen Wochenmarkt. 1450 erhielt die Stadt das Recht, die ungemessenen Fronen durch Zahlung von jährl. 80 Gulden abzulösen. Für ihre Beteiligung am Bauernkrieg kamen die Gundelsheimer mit einer Strafe von 1000 Gulden und den Frondiensten beim Wiederaufbau der H. glimpfl. davon.

    III. Die Burg H. besteht aus einer an den Stadtgraben anschließenden Vorburg mit zahlr. Wirtschaftsgebäuden – Bandhaus, Kelter, Viehställe, Heu- und Zehntscheuer – und der Kaplaneiwohnung, dem Zwinger, dem dreistockigen Schloßgebäude, das den westl. vorderen und den östl. hinteren Schloßhof umschließt, und dem zw. beiden Höfen aufragenden 35 m hohen Bergfried. Südl. über dem vorderen Schloßhof befindet sich die schon 1428 erwähnte Schloßkapelle, neben dem Bergfried der einzige Teil der H., dessen Funktion im Lauf der Jh.e mit Sicherheit gleich geblieben ist. Wg. der Vernichtung des Archivs 1525 sind Aussagen über die baul. Nutzung der Anlage in der Zeit, in der sie Res. der Deutschmeister war, nicht möglich. Baupläne liegen ab 1723 vor.

    ® B.5. Deutscher Orden

    Q./L. Demel, Bernhard: Der Deutsche Orden und die Stadt Gundelsheim, Gundelsheim 1981. – Gundelsheim, in: Die Kunst- und Altertumsdenkmale im Königreich Württemberg, Inventar Neckarkreis, Stuttgart 1889, S. 439-443. – Gundelsheim mit Horneck, in: Beschreibung des Oberamts Neckarsulm, Stuttgart 1881, S. 366-396.

    N. H.

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