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Artikel:C.2. Olmütz [Olomoucko / Olomouc]
Bearbeiter: Roman Zaoral, Olomouc/Olmütz

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  • C.2_Olmütz

    C.2_Olmütz

    I. Olomuc, 1055: Olomuz, Olomuc, Olomucz. Bis heute gibt es keine eindeutige Erklärung, woher der Name O. stammt. Am wahrscheinl. ist eine Ableitung von Olomút, "der, der Bier gären läßt", als Benennung für eine ältere, myth. Schicht des altslaw. Zentralortes, wo das Hopfengebräu ein rituelles Getränk war. 1055 urbs Olomuc, 1073 und 1078 urbs und zugl. civitas, 1208 castrum. Nach der Stadtgründung 1220 in Olomuc, 1248 civitas. O. war Hauptsitz des mährichen Teilfürstentums (nach 1055) und des mähr. Bm.s (wahrscheinl. nach 973, erneuert 1063). Nach 1253 verlor die Burg schnell ihre Rolle als Fürstenres. und im Burgareal dominierten kirchl. Institutionen (Bf., Kapitel, Orden). – CZ, Region Nordmähren.

    II. O. liegt in der Mitte Mährens am Oberlauf der March, deren Tiefebene seit dem 4. Jt. von Chr. besiedelt wurde. Bereits gegen Ende des 7. Jh.s lag hier eine awarisch-slaw. Siedlung mit zentralörtl. Funktion (im Gebiet der heutigen Vorstadt Povel). Etwa 2 km weiter nördlich, auf dem Vorburgareal des späteren přemyslid. O., entstand im 9. Jh. eine der bedeutendsten Siedlungen der großmähr. Zeit. Der spätere städt. Siedlungsbereich von O. erstreckte sich auf dem sog. O.er Hügel (Olomoucký kopec), der sich im Knie des Nebenflußarmes der March (210 m) befand. Der nordöstl. Teil des O.er-Hügels mit der Kathedrale ist als Wenzelshügel (226 m) bekannt, nach SW breiten sich der Petershügel (228 m) und weiter der Michaelsberg (233 m) aus. Ein Suburbium entwickelte sich während der 2. Hälfte des 10. Jh.s in der Nähe der neuen von der Přemysliden errichteten Burganlage. Da die Vorburg von kirchl. Institutionen besetzt war, verlagerte sich nach dem Aussterben des O.er Zweiges der Přemysliden (um 1200) die städt. Entwicklung zunächst auf den Michaelsberg (um 1239 Dominikanerkl. 1246 Vogtei); etwas später setzte sie um St. Mauritz und St. Blasius ein. Diese Siedlungen folgten den wichtigsten Fernverbindungslinien, die zum O.er-Hügel aus ® Prag, ® Brünn, Ungarn, Schlesien und Krakau steuerten. Zw. Peters- und Michaelsberg lag die schon für das 12. Jh. belegte Ansiedlung der Juden. Die Lokation der Stadt O. erfolgte zw. 1239-48 zum Magdeburger Recht. In der Folgezeit verlagerte sich der Schwerpunkt des städt. Lebens zum neu entstandenen Obermarkt, und noch in der 2. Hälfte des 13. Jh.s fand die Vereinigung der alten vorstädt. Siedlungen mit dem Stadtkern statt. Das Stadtgebiet war damals größer als das der anderen Städte in Mähren. Die von einer Steinmauer umgebene Stadt erhielt Markt- und Zollprivilegien (1261, 1278, 1291), die ihrer Bedeutung als Wirtschafts- und Verwaltungszentrum N-Mährens entsprach. 1306 wurde in der vormaligen Fürstenburg Kg. Wenzel III., das letzte Glied der Hauptlinie der přemyslid. Dynastie, ermordet. 1352 bestätigte Mkgf. Johann Heinrich von Mähren die Stellung von O. als Oberhof für die Städte Magdeburger Rechts in Mähren. Die Namengebung in den Urk., im ältesten Stadtbuch von 1343-1420 und im Judenregister von 1420-23 belegen den überwiegend dt. Charakter v.a. der Oberschicht der Stadt im MA im einzelnen. Der starke Einfluß des dt. Patriziats auf das pol. Leben fand im 15. Jh. seinen Niederschlag am deutlichsten in der ablehnenden Haltung der Stadt gegenüber der Hussitenbewegung.

    Bereits seit dem 13. Jh. fanden die Zusammenkünfte des mähr. Landtags und des Landgerichts abwechselnd in ® Brünn und in O. statt; bis 1641 diente das Dominikanerkl. dafür als Tagungsort. In einem Privileg Kg. Johanns von Luxemburg von 1314 wurde O. als Hauptstadt der Mkgft. Mähren bezeichnet. O. sah sich in der Folgezeit vielfach gezwungen, diese Stellung gegenüber ® Brünn zu verteidigen. 1479 wurde hier zw. Wladislaw II. von Polen und Matthias Corvinus ein O.er Vertrag geschlossen, der die damals bestehende Doppelherrsch. in den Ländern der Böhm. Krone legalisierte.

    Von der Mitte des 15. Jh.s bis Anfang des 17. Jh.s erlebte die Stadt die Zeit ihrer höchsten Blüte. O. war damals das Handwerks- und Handelszentrum für N-Mähren und zugl. dessen kultureller und geistl. Mittelpunkt. Im 15. Jh. hat die Stadt eigene Münzen geprägt. Auch die Teilfs.en von O. prägten bereits im 11. und 12. Jh. auf der O.er Burg eigene Münzen. Mit dem humanist. Aufbruch in O. um 1500 verbunden waren die Anfänge des Buchdrucks (um 1499) sowie die Gründung der Sodalitas litteraria Meierhofiana (Marcomannica), zu deren Mitgliedern neben Bf. Stanislaus Thurzó und vielen Angehörigen des Domkapitels zahlr. gebildete Bürger zählten. Nach 1520 zog die Renaissance in O. ein. 1563 wurde vom Bf. Stanislaus Pavlovský eine Jesuitenakademie gegr.

    Der Dreißigjährigen Krieg setzte der bisherigen Prosperität der Stadt in allen Bereichen ein Ende. Mit der Übertragung der Landtafeln nach ® Brünn 1641 verlor O. fakt. die Funktion der Hauptstadt der Mkgft. Mähren. Die schwed. Besetzung der Stadt 1642-50 hatte für O. katastrophale Folgen: Nach dem Abzug der Schweden waren von den 700 Häusern der Bürger, des Adels und des Klerus nur mehr 168 bewohnbar; von den vor 1618 etwa 30 000 Einw.n waren nur 1675 Personen übriggeblieben. 1655 wurde O. zur Festungs- und Garnisonsstadt erklärt.

    III. Die O.er Burg bestand ursprgl. aus dem Steinburgswall, der schon in der 1. Hälfte des 10. Jh.s von der Přemysliden erbaut wurde, die damals O. beherrschten. Nach der Verdrängung der Polen aus Mähren und der Eingliederung des Landes in das böhm. Staatswesen unter Hzg. Udalrich 1019/20 ließ sich dessen Sohn Břetislav I. auf der O.er Burg nieder. Kosmas sowie auch ein Urkundenfalsum bezeichnen übereinstimmend Břetislav I. als Gründer der O.er Burg. Zum erstenmal ist der Olmützer Burgumkreis zum Jahre 1046 im Falsum des 12. bis 13. Jh.s gen. (Břetislav I. hat dem Altbunzlauer Domkapitel ein Pfund und zwei Ochsen aus dem Zins der O.er Burg geschenkt). O. wird auch im Falsum für das Opatowitzer Kl. (1073) sowie in der Gründungsurkunde des Hrad. Kl.s (1078) genannt. Wohl noch vor 1070 war mit der Errichtung eines neuen Fürstensitzes auf dem Wenzelsberg begonnen worden. Er lag mit großer Wahrscheinlichkeit an der Stelle der späteren Domdechantei im N des heutigen Wenzelsplatzes. Zu den Jahren 1073 und 1091 führt dann Kosmas an, daß O. eine Teilfürstenres. und ein administratives Zentrum des O.er Gebietes war, das aus mehreren Burgumkreisen bestand.

    Zur grundsätzl. Veränderungen im Aufbau der O.er Burg und der ganzen Agglomeration kam es während der 1. Hälfte des 12. Jh.s. Zw. 1107-09 veranlaßte Otto II. mit der Teilnahme seines Bruders Svatopluk einen Aufbau der neuen Basilika St. Wenzel, die zur größten Nichtklosterkirche in der damaligen böhm. Ländern wurde. Im 12. Jh. Trennte man von der Burgstättefläche einen landfsl. Umkreis mit einem Rundturm ab, der gegen das von Bf. Heinrich II. Zdík 1136 beendete Bischofsareal bei der Wenzelskirche situiert wurde. Die Burg wurde mehrmals belagert (z.B. 1161 vom Vladislaus II., Kg. von Böhmen, 1177 erfolglos vom Konrad Otto und von der Österreicher). Vratislaus II. schenkte "die Wenzelsburg" dem O.er Bm. Die Lage des ältesten landfsl. Palastes im 11. und 12. Jh. ist nicht bekannt. Es war wahrscheinl. ein Holzbau auf der Steingrundmauer, der innerhalb der Befestigung stand. In näher unbekannter Zeit wurde er durch einen Steinbau ersetzt, dessen Existenz indirekt mit den Aufenthalten der Mgf.en (Urk.n von 1233, 1235, 1236, wo eine Reihe von O.er Beamten bezeugt haben), ausdrückl. 1263 belegt ist. Die Kapelle Maria Magdalene entstand spätestens in der 1. Hälfte des 13. Jh.s als eine fsl. Privatkapelle in der inneren Burg. Der Rundturm mit der Kapelle St. Barbara. wurde an den roman. Wall angeschlossen, viell. im Zusammenhang mit der Dombauvollendung 1136.

    Um 1201 ist Kg. Přemysl Ottokar I. direkter Verweser des ehem. O.er Teiles geworden, der vor 1213 mit dem Mgft. Mähren vereinigt wurde. Die Burg verlor ihre Residenzfunktion, ihre Militär- und Verwaltungsrolle änderte sich nicht (die Behörden der Provinzialverwaltung hatten dort immer ihren Sitz). In der Folge des Dombrandes 1204 wurden neue roman. Schanzen um die ganze Burg aufgebaut. Die O.er Burg war nun in einen landfsl. West- und kirchl. Ostumkreis und einen gemeinsamen Antritts- und Betriebsteil gegliedert und wurde so vom Anfang des 13. Jh.s bis 2. Hälfte des 14. Jh.s zu einer fast uneinnehmbare Festung.

    Die Veränderungen auf der Burg fanden ihre Reflexion in der Terminologie. Ältere Ausdrücke civitas (für die Burg mit der Vorburg) und arx (in der Sinne die innere Burg) wurden durch die Bezeichnung castrum abgelöst. Die Bedürfnisse der Burg als strateg. Stütze der Herrschersmacht in Mähren wurden dem kirchl. Bestandteil (Bischofs- und Kapitelres.) übergeordnet, der erst in der 2. Hälfte des 13. Jh.s zu überwiegen begonnen hat. Zur Barockzeit wurde die Burg auf eine Privatres. des Domdekans verändert. Die Kapelle Johannes des Täufers, später Annakapelle (Rektorskirche) vom 1262 war ursprgl. ein Dombibliothek, im 14. Jh. hielt hier das Domherrnkapitel eine Sitzung ab und die Bischofswahlen fanden statt. Das Bgfm. hielt seit 1267 das Haus Benedas von Dubicko gen. Die Burg wurde zur Zeit Johannes von Luxemburg verpfändet und erst Mgf. Karl (IV.) löste sie wieder ein (1339). Der Wall, der vom Anfang des 13. Jh.s an die Burg von der Vorburg getrennt hatte, war im Rahmen der luxemburg. Befestigungsrekonstruktion in der 2. Hälfte des 14. Jh.s eingeebnet worden. Damit ist die Burg als eine selbständige Festung eingegangen und ihre Militärfunktion wurde durch die Stadtmauern übernommen.

    In den 20er bis 40er Jahren des 16. Jh.s hat sich die Stadt der letzten landesfsl. Vermögensreste in O. (bgfl. Häuser und die Grundstücke unterhalb der Burg) bemächtigt. Zum Unterschied von anderen kgl. Städten wurde die O.er Burg vom Bm. hinausgedrängt.

    ® A. Habsburg ® A. Jagiellonen ® A. Luxemburg ® A. Přemysliden ® B.2. Böhmen, Kgt., Kg.e von

    Q. Chronik der Böhmen, 1923 – CDEM I-V, 1836-50. – CDEB I-IV, 1912-65 – FRB I-IV, 1873-84. – Regesta diplomatica nec non epistolaria Bohemiae et Moraviae, 2, 1882.

    L. Bistřický 1986. – Bláha 2000. – Dohnal 1996. – Dohnal 2001. – Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, 16, 1998, S. 420-431 (tschech.: Prag 2001, S. 376-386). – Kuča, Karel: Města a městečka v Čechách, na Moravě a ve Slezsku [Städte und Städtchen in Böhmen, Mähren und Schlesien]. Bd. 4, Prag 2000, S. 582-671. – Michna/Pojsl 1988. – Richter 1959.

    R. Z.

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