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Artikel:C.7. Kaster
Bearbeiter: Anja Kircher-Kannemann, M.A., Duisburg

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  • C_7_Kaster

    C_7_Kaster.doc

    I. Caster; Kaster; burch und stat (1361); castrum Caster cum Caster villa murata (1405). Die Ableitung des Namens ist nicht zu klären, von castrum ist problemat., da keine Siedlung für die frühere Zeit nachweisbar; andere Herleitung von niederdt. kaast = Schutz. K. liegt an der Erft, Grenze zw. den Territorien ® Köln und Jülich, heute zu Bedburg gehörend. Ursprgl. handelte es sich bei K. wohl um ein Reichslehen. 1148 erstmals ein Gerhard von K. erwähnt. 1156 findet sich ein Reinhard von K. und 1160 sowie 1189 ein Gerhard von K. in Zeugenlisten. Im 13. Jh. starb die Familie aus und K. kam an die Gf.en von Jülich. 1336 wurden sie zu Mgf.en und 1356 zu Hzg.en erhoben. Zw. 1371 und 1423 regierten die Hzg.e auch in ® Geldern, wo sich die Hauptres. befand. 1423 Vereinigung mit Berg, 1511/21 Vereinigung mit ® Kleve-Mark. Nach dem Erbfolgestreit ging Jülich-Berg 1614 an ® Pfalz-Neuburg. Die Burg zu K. befindet sich auf einem natürl. Hügel bei der Stadt. Vom 14. bis 16. Jh. war K. eine der meist genutzten Burgen im Hzm. und auch häufig Witwensitz (zuletzt für Sibilla von Brandenburg ab 1511). Zudem war K. lange Zeit Sitz des Landrentmeisters, der seinen Sitz zumeist in der wichtigsten Res. hatte. K. beherbergte zudem das Urkundenarchiv, das 1415 von ® Nideggen aus dorthin verlegt wurde. Auch die Boten des Hzg.s gingen von K. aus. Dies belegt die Bedeutung als zentrale Verwaltungsstelle für das Hzm. Jülich. – D, Nordrhein-Westfalen, Reg.bez. Köln, Erftkr.

    II. Burg und Stadt K. befinden sich direkt an der Erft, zw. Bedburg und Harff. Die Erft stellte die Grenze zw. den Territorien Jülich und ® Köln dar. Hinweise auf wichtige Straßen gibt es, entgegen den Aussagen der älteren Literatur, nicht. Sowohl für die röm. als auch für die fränk. Zeit sind keinerlei Besiedlungen nachweisbar. Eine Familie mit dem Beinamen K. findet sich seit 1148. Sie starb aber bereits im 13. Jh. aus. Die Siedlung K. wurde erstmals 1278 erwähnt, im Zusammenhang mit der Zerstörung durch den Ebf. von ® Köln, Siegfried von Westerburg. Seit 1273 sind die Gf.en von Jülich als Herren von K. belegt. In diesem Jahr verkaufte Gf. Wilhelm IV. (1219-78) K. an Kg. ® Rudolf von Habsburg und erhielt es von jenem als Lehen zurück. Die Stadt entwickelte sich im 13./14. Jh. aus der Vorburg. Ein Marktrecht für das zw. 1315 und 1339 zur Stadt erhobene K. findet sich in den Quellen nicht, ein Zoll wird hingegen bereits 1339 erwähnt. Über eine Kapelle in der Stadt erfahren wir erstmals durch die Stiftung eines Altars durch Hzg. Wilhelm II. (1361-93) und seine Frau i.J. 1365. Diese Kapelle wurde 1542 zerstört. Um 1551 wurde sie wieder aufgebaut und zur Pfarrkirche erhoben, bis dahin gehörte sie zur Pfarre Lipp, hatte aber das Recht alle Sakramente zu spenden. Die heute zu sehende Kirche stammt aus dem Jahr 1785. K. wurde 1383 erstmals als Amt bezeichnet und verfügte über ein Stadt- und ein Bezirksgericht, das 52 Ortschaften und neun Dingstühle umfaßte. 1624 wurde die Stadt durch einen Brand erhebl. zerstört. U.a. brannten die Kellnerei, wie die Vorburg gen. wurde, die Kirche, sowie die Korn- und die Ölmühle ab. Am 18. April 1626 ordnete der Hzg. den Wiederaufbau der Stadt an und setzte gleichzeitig eine Verordnung zum Brandschutz in Kraft. Den Wiederaufbau überwachte sein Baumeister und Hofschreiner Adolf von Kamp. Die Stadtmauer, in der Form eines unregelmäßigen Fünfecks, die noch heute in weiten Teilen erhalten ist, stammt aus dem 14. Jh. und wurde 1405 erstmalig erwähnt.

    III. Aus welcher Zeit die ursprgl. Burg stammt, ist nicht zu klären. Erstmals erwähnt wurde sie 1278, als sie durch Ebf. Siegfried von Westerburg zerstört wurde. Die Wwe. des Gf.en Wilhelm IV. baute sie wieder auf. Herr über K. wurde ihr Sohn Gerhard (1297-1328). Burg K. lag auf einem natürl. Hügel nordwestl. der Stadt, mit ihrer Vorburg ragte sie in diese hinein, so daß sich mit der Stadtbefestigung eine zusammenhängende Wehranlage ergab. Im NO, wo sich auch die Mühle der Burg befand, bot die Erft einen natürl. Schutz. Die nordwestl. Ecke war mit Wall und Graben gesichert, wobei sich auf dem Wall möglicherw. eine zweite Vorburg befand. Ca. 30 x 40 m maß die Grundfläche der Burg, die Vorburg war mit Wirtschaftsgebäuden etwas größer und zur Stadt hin durch eine zusätzl. Mauer geschützt. Ihr Grdr. ist viereckig, das Haupthaus ist ein zweistöckiger Barockbau, die Wirtschaftsgebäude sind wesentl. älter. 1648 wurde die Burg endgültig zerstört und nicht wieder aufgebaut. Da es zudem keine bildl. Darstellungen aus dieser Zeit gibt, verfügen wir über keine genauen Kenntnisse über das Aussehen der Burg, ihre Architektur und Räumlichkeiten, bekannt ist lediglich, daß sie über eine Kapelle verfügte.

    ® A. Jülich, Gf.en und Hzg.e von (Heimbach) ® B.7. Jülich und Berg

    Q. Archiv für die Geschichte des Niederrheins, 1832-70. – Die älteste Rechnung des Herzogtums Jülich. Die Landrentmeister-Rechnung von 1398/1399, bearb. von Wolfgang Herborn und Klaus J. Mattheier. Jülich 1981 (Veröffentlichungen des Jülicher Geschichtsvereins, 1). – Das Staatsarchiv Düsseldorf und seine Bestände, bearb. von Friedrich Wilhelm Oediger, Bd. 1: Landes- und Gerichtsarchive von Jülich-Berg, Kleve-Mark, Moers und Geldern.Bestandsübersichten, Siegburg 1957. – Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, 1-4, 1840-58.

    L. Amt Kaster. 600 Jahre. Das Leben und Wirken in Kaster gestern und heute, hg. vom Festkomitee, Kaster 1983. – Corsten 1993. – Herborn, Wolfgang: Alltagsleben auf einer Burg. Kaster im ausgehenden 14. Jahrhundert, Jülich 1990 (Joseph-Kuhl-Gesellschaft für die Geschichte der Stadt Jülich und des Jülischen Landes. Kleine Schriftenreihe, 1). – Hinz, Hermann/Schläger, Heinrich: Kaster. Beiträge zur Geschichte von Burg, Stadt und Amt Kaster, Bedburg/Erft 1964 (Bergheimer Beiträge zur Erforschung der mittleren Erftlandschaft, 5). – Kisky, Hans: Kaster, Neuss 1957 (Rheinische Kunststätten, 42). – Looz-Corswarem 1993. – Pfitzner, Carlheinz: Kaster, in: Rheinische Kunststätten, Reihe XI. Nr. 4, Düsseldorf 1939.

    A. K.-K.

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