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Artikel:B.7. Kleve und Mark
Bearbeiter: Stephanie Marra, Dortmund

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    B.7_Kleve_und_Mark

    I. Gf.en von Berg, seit Erbteilung 1160/61 Gf.en von Altena, Gf.en von d. Mark (1202: erste Nennung), nach dem Erlöschen des Grafenhauses Kleve Anfall an Gf.en von d. Mark, seit 1368 Gf.en von Kleve-Mark, seit 1417 Hzg.e von Kleve und Gf.en von d. Mark, nach der Vereinigung des Hzm. Kleve und Gft. Mark mit dem Hzm. Jülich-Berg und Gf. Ravensberg durch Erbfall 1521 bis zum Aussterben der Linie 1609 Hzg.e von Jülich-Kleve-Berg und Gf.en von d. Mark und Gf. von Ravensberg.

    Das Territorium der Hzg.e von Kleve-Mark umfaßte das Gebiet der Gft. Kleve sowie der Gft. Mark (seit 1368). Hinzu kam Güterbesitz im westdeutschen Raum, vornehml. im Bergischen Land, am Niederrhein, in der Eifel und im Gebiet zw. Ruhr und Lippe. Nach der Erbvereinigung der Länder Kleve-Mark mit Jülich-Berg (1521) gelangten die Hzm.er Jülich und Berg sowie die Gft. Ravensberg in den Besitz des klev. Hauses. Nach dem kinderlosen Tod des letzten Hzg.s von Jülich-Kleve-Berg (1609) wurden die Territorien nach dem Jülich-Klevischen Erbfolgestreit (1609-14) unter den Kfst.en von ® Brandenburg (Kleve-Mark) und dem Pfgf.en von Pfalz-Neuburg (Jülich-Berg) geteilt. 1666 erhielten die Kfs.en von ® Brandenburg endgültig auch die Gft. Ravensberg zugesprochen.

    II. Die klev. Hofhaltung kann im Bereich der Hofämter bis 1145 zurückverfolgt werden. In Urk.n zw. 1162 und 1188 werden erstmals zwei klev. Kastellane namens Henricus und Suetherus erwähnt. Die Entwicklung zu einer Res. läßt sich jedoch erst ab dem 14. Jh. konkret nachvollziehen. Im 13. Jh. erfolgte eine Zweiteilung der Res.: während auf der Res. Kleve die Hofhaltung verortet war, besaß die bei Kalkar gelegene Burg Monterberg die Funktion als Kanzlei und war zudem Aufbewahrungsort des Landesarchivs. Zw. Mitte des 13. Jh.s bis um 1340 hatte die Burg Monterberg eine residenzartige Bedeutung und war der überwiegende Aufenthaltsort der gfl. Familie. Seit etwa 1340 diente die Schwanenburg in Kleve als Sitz und Mittelpunkt der Landesregierung (ab 1360: Kanzlei, Rat und Archiv definitiv gemeinsam) sowie als Res. des gfl. Hofes.

    Nach dem Anfall der Gft. Kleve an die Gf.en von d. Mark 1368 ist eine Verlagerung des territorialen und höf. Schwerpunktes dieses Grafenhauses aus Westfalen (Burgen Mark und Altena) an den Niederrhein belegt. Die Res. in Kleve war seitdem der bevorzugte Aufenthalts- und Repräsentationsort der Gf.en und späteren Hzg.e von Kleve-Mark.

    Maria von Burgund (* 1393, † 1463), die zweite Gemahlin Hzg. Adolfs I. von Kleve-Mark (* 1373, seit 1417 Hzg. von Kleve, † 1448), verfügte erstmalig in Kleve über einen eigenen weibl. Hofstaat, der neben dem Hof des Ehegatten bestand. Eine erste kontinuierl. Hofhaltung läßt sich erst mit der Rückkehr Hzg. Johanns I. (* 1419, † 1481) aus Burgund an den Hof nach Kleve konstatieren. Die Blütezeit des Hofes setzte mit dem für Kleve-Mark siegreichen Ende der Soester Fehde (1449) bzw. der Münsterischen Stiftsfehde (1456) ein. Der seit 1448 regierende Hzg. Johann I. entfaltete in Kleve ein aufwendiges Hofleben, das sich nicht nur in der steigenden Anzahl des Hausgesindes, sondern v.a. auch in den künstl. Einflüssen aus Burgund auf das Hofleben äußerte.

    Einige Burgen im Territorium der Hzg.e von Kleve-Mark waren zeitweilig Nebenres.en (Monterberg, Kranenburg, Winnenthal, Dinslaken, Schermbeck). Die Burgen Monterberg, Linn und Dinslaken dienten auch als Witwensitze. Dort entfaltete sich eine wenngleich eingeschränkte Hofhaltung der vormaligen Regentinnen. 1448 ist die Übersiedlung des Hofes der Herzogenwwe. Maria von Burgund auf die Burg Monterberg verbürgt. Im 15. Jh. unterhielten die Hzg.e von Kleve-Mark in Brüssel, dem Residenzort der Hzg.e von Burgund, eine eigene Res.

    Nach der Vermählung Erbprinz Johanns III. mit der Erbin Maria von Jülich-Berg (1510) und seinem Regierungsantritt in Jülich-Berg im folgenden Jahr nahm der Landesherr seine Res. vorwiegend in Schloßanlagen der jülich-berg. Besitztümer. Nach der Vereinigung von Kleve-Mark und Jülich-Berg unter Hzg. Johann III. (1521) wurde die Hofhaltung vollständig nach Düsseldorf verlegt. Doch auch dieser Aufenthaltsort blieb nicht konstant bestehen, denn das Hoflager befand sich im Frühjahr zumeist in Kleve, wechselte dann im Spätsommer nach Hambach bei Jülich, um im Winter schließl. auf Schloß Bensberg bei Düsseldorf zu ziehen. Die Kanzlei blieb jedoch stets am vorgesehenen Ort, d.h. für die Territorien Kleve-Mark in Kleve für die Territorien Jülich-Berg in Düsseldorf.

    Das Ende des Jülich-Klevischen Erbfolgstreits (1609-1614) zw. Kurbrandenburg und Pfalz-Neuburg führte in dem 1614 in Xanten geschlossenen, polit. nicht durchsetzbaren Abkommen zum Anfall Kleve-Marks an das Kfsm. Brandenburg-Preußen, während Jülich-Berg an die Pfgf.en von Pfalz-Neuburg gelangte. Seit 1644 versuchte Kfs. Friedrich Wilhelm von Brandenburg, gen. "der Große Kurfürst" (reg. 1640-88), die von Brandenburg 1614 erworbene (nominelle) Landeshoheit in der Gft. Mark und im Hzm. Kleve sowie seine Ansprüche auf das Hzm. Jülich-Berg gegenüber Pfalz-Neuburg milit. durchzusetzen. Im Vertrag von Kleve (9. Sept. 1666) erfolgte die endgültige Bestätigung der zunächst provisor. Aufteilung der Hzm.er Kleve-Mark und Jülich-Berg zw. dem Kfs.en von Brandenburg und dem Pfgf.en von Pfalz-Neuburg (1614). Bereits im Okt. 1649 hatte Kfs. Friedrich Wilhelm den Landständen von Kleve-Mark ihre Rechte anerkennen und damit seinen Herrschaftsanspruch erhebl. einschränken müssen.

    Im Dreißigjährigen Krieg hielten sich seine Vorgänger Kfs. Johann Sigismund (reg. 1614-19) und Kfs. Georg Wilhelm (reg. 1619-40) als Landesherren nicht in Kleve auf, was an dem provisor. Status des 1614 geschlossenen Abkommens gelegen haben mag. Die klev. Regierung floh 1621 infolge der Kriegsereignisse in die Stadt Emmerich, während auf der Schwanenburg ledigl. die Landkanzlei verblieb. Auch während der 48-jährigen Regierungszeit Kfs. Friedrich Wilhelms hielt sich der Regent mit seiner Gemahlin Louise Henriette von Nassau-Oranien (* 1627, † 1667) zw. 1640 und 1647 ledigl. temporär auf der Schwanenburg in Kleve auf. Unter Kfs. Friedrich Wilhelm wurde in Kleve eine Statthalterschaft etabliert. 1643 erhielt der zuvor in Pfalz-Neuburger Diensten stehende Johann von Norprath auf drei Jahre die Ernennung zum Statthalter in den brandenburg. Westprovinzen mit Verwaltungssitz in Kleve. Ihm folgte 1647 der vielseitig begabte Fs. Johann Moritz von Nassau-Siegen (* 1604, † 1679), gen. "der Brasilianer". Seine Statthalterschaft war für Kleve eine kulturelle und architekton. Blütezeit, die zugl. eine politische, künstl. und kulturelle Verbindung zw. Brandenburg und den Niederlanden schuf. Von 1681 bis 1688 schloß sich in den klevisch-märk. Territorien eine Statthalterschaft des Kronprinzen Friedrich von Brandenburg (* 1657, seit 1688 Kfs. Friedrich III., seit 1701 Kg. Friedrich I. in Preußen, † 1713) an. Bereits 1685 verlor Kleve seine Residenzfunktion. Kfs. Friedrich III. weilte 1698 nur kurzfristig in Kleve, zur selben Zeit logierte Zar Peter der Große anläßl. seiner Europareise einige Tage auf der Schwanenburg. Das zurückgehende Interesse der Hohenzollern an der Stammburg der Hzg.e von Kleve machte sich nicht nur durch die geringe Anzahl der Besuche bemerkbar, sondern zeigte sich auch an der zunehmenden baul. Verwahrlosung der Schloßanlage. Spätere Aufenthalte der Hohenzollern in ihren Westprovinzen sind z.B. auf Schloß Moyland bei Bedburg nachweisbar. Aus Anlaß der Königskrönung des Kfs.en Friedrich III. war die Schwanenburg am 18. Jan. 1701 noch einmal Ort aufwendiger Feierlichkeiten.

    Erste Ansätze einer Kanzlei in Kleve lassen sich durch die 1162 erstellte Stiftungsurkunde des Gf.en Dietrich von Kleve und seiner Frau Adelheid belegen. Als Kanzlei fand erstmals 1367 die sog. scryvecamer Erwähnung. Der Dynastiewechsel nach dem Erlöschen der alten Linie der Gf.en von Kleve 1368 beförderte den Fortschritt der Verwaltung in Kleve: eingerichtet wurde neben der schriftl. Verwaltungsorganisation und einer Registerführung, die seit 1432 nach Geschäftsbereichen ausdifferenziert waren, auch die Führung eines Lehnsregisters (seit 1370). In der Gft. Mark wurde ebenfalls ein Lehnsregister geführt (seit 1392), das 1461 mit dem Lehnsregister Kleve vereinigt wurde. Von der Kanzlei (1422: erste Bezeichnung) in Kleve wurde seit 1461 auch die Gft. Mark mitverwaltet, wenngleich die Registratur und die Geschäftsführung weiterhin getrennt liefen. Bis Ende des 15. Jh.s verblieb die Geschäftsführung des Hofes jedoch beim Hzg.

    Infolge der Finanznot der Landeskasse gegen Ende des 15. Jh.s, hervorgerufen durch den verschwender. Lebensstil der Hzg.e Johann I. und seines Sohnes Johann II. sowie die Kosten von Militäroperationen auf der Seite Burgunds und gegen Geldern, war die eigentl. Blütezeit des Hofes in Kleve nur von kurzer Dauer. In der Regierungszeit Johanns I. wurden insgesamt 25.000 Gulden von den Hauptstädten seiner Territorien als Darlehen zur Verfügung gestellt. Um die Reise des hzgl. Bruders Philipp nach Rom finanzieren zu können, der am päpstl. Hof die "Goldene Rose", ein Ehrengeschenk Papst Innozenz VIII. an Hzg. Johann II., entgegennehmen sollte, gewährten die Städte des Territoriums 1489 weitere Darlehen. Der auf sechs Jahre veranschlagte Aufenthalt Philipps dauerte tatsächl. nur ein Jahr: hochverschuldet kehrte der Prinz nach Kleve zurück. Ein Vertrag zw. den Brüdern sah sowohl die Schuldenübernahme des Hofes, als auch die begrenzte Unterhaltszahlung für Philipp von Kleve-Mark vor. Die Mißwirtschaft Johanns II. von Kleve-Mark führte zur Verschuldung von Hof und Land. Die seit 1298 verbriefte Münzprägung in Kleve gewann unter seiner Regierung nahezu inflationäre Züge, um den erhöhten Geldbedarf zu stillen. Bereits in den Jahren 1482-83 diente die Verpfändung hzgl. Gold- und Silberkleinodien sowie die Aufnahme von größeren Darlehen zur Finanzierung von Kriegen und zur Begleichung von Schulden, die u.a. durch die geldr. Fehde verursacht wurden (weitere Verpfändungen 1502 und 1504).

    Beschwerden der klevisch-märk. Landesverwaltung (Kanzler Dietrich von Rijswick, Hofmeister Henrick van Bilant, Kämmerer Derick van Wickede, Schenk Derick van Hoenpel) und der Landstände führten 1486 zur Annahme eines von ihnen ausgearbeiteten Reformprogramms, das u.a. eine grundlegende Neuorganisation der Regierung sowie die Bildung eines vierköpfigen Ratskollegiums vorsah, das mit Hzg. Johann II. gemeinsam die Regierungsgeschäfte und die Finanzverwaltung versehen sollte. Auch in der Gft. Mark wurde zur Schuldentilgung 1486 eine allgemeine Schatzung der Landbevölkerung festgesetzt.

    Am 15. Juni 1531 wurde für die vereinigten Territorien ein Hofrat auf der Schwanenburg eingerichtet, der sich aus einem märk. sowie aus einem klev. Rat zusammensetzte. Ab 1534 verblieb die Kanzlei fest in Düsseldorf, wo das Archiv wahrscheinl. bereits um 1500 eingerichtet worden war. Wg. der Geisteskrankheit Hzg. Johann Wilhelms von Jülich-Kleve-Berg-Mark wurde die Regierung dem konfessionell gespaltenen Ratskollegium in Düsseldorf übertragen, das bereits unter Hzg. Wilhelm V. in den Jahren seiner Regierungsunfähigkeit infolge mehrerer Schlaganfälle (1566) die Regierungsgeschäfte in Düsseldorf versah.

    Die vier Hofämter Hofmeister, Marschall (seit 1162), Schenk und Kämmerer sind in Kleve zu unterscheiden von den Erbhofämtern, die als Ehrendienste seit der Erhebung der Gf.en von Kleve-Mark in den Herzogstand (1417) vergeben wurden.

    Das Amt des Hofmeisters in seiner Funktion als Vertreter des Hofgesindes und als Richter in Klagen gegen hzgl. Bedienstete ist am Hof von Kleve seit dem 13. Jh. verbürgt. In der Gft. Mark existierte ein eigenes Hofmeisteramt, das noch für das Jahr 1399 belegt ist.

    Zw. den Jahren 1411 und 1515 sind für den klev. Hof 19 Hofordnungen (zumeist Kost- und Ordinanzlisten) nachweisbar. Mit der Regierungsübergabe an Hzg. Johann III. (1515) endet die Tradierung klev. Hofordnungen, zumal der Hzg. seit der Erbvereinigung der Territorien Kleve-Mark mit Jülich-Berg (1521) vorwiegend in Düsseldorf residierte.

    Eine europ. Ausstrahlung des klev. Hofes ist durch die engen Verbindungen der Gf.en und späteren Hzg.e von Kleve-Mark zum Hzm. Burgund belegt. V.a. in der Regentschaftszeit des am burgund. Hofe erzogenen Hzg. Johann I. (1448-1481) erlebte der Hof in Kleve eine kulturelle Hochphase. In dieser Zeit mehrten sich die Neueinstellungen auf der Schwanenburg (u.a. Büchsenmacher, seit 1453 Bordürenmacher und Goldschmiede). Belegt sind in dieser Zeit auch Diener und landesherrl. Beamte burgund. Herkunft am Hof (z.B. der Vorschneider Lanzelot de Blois und der Landdrost Jost von Lasalle).

    Musiker und Hofzwerge (1411: erste namentl. Erwähnung) dienten der Kurzweil und Repräsentation. Zu den 246 Personen der Hausordinanz unter Hzg. Johann I. von Kleve-Mark kam eine festbesoldete Hofkapelle, die schließl. bis zu 17 Musiker und Sänger umfaßte. In den landesherrl. Registern sind nach 1497 – aufgrund der durch Kriegführung und des verschwender. Hoflebens ruinierten Landeskasse – keine Neubestallungen von Musikern mehr vermerkt.

    Auch die Ausstattung der Räume, z.B. die Goldledertapeten als Wandbespannungen in den Wohnräumen, läßt burgund. Einfluß erkennen, der seit der 1406 erfolgten Vermählung des 1417 in den Herzogstand erhobenen Adolf II. von Kleve-Mark mit Maria von Burgund bemerkbar wird.

    Unter dem Kurfürstenpaar Friedrich Wilhelm von Brandenburg und Louise Henriette von Nassau-Oranien war im 17. Jh. allg. eine schlichte und sparsame Hofhaltung übl., was sich v.a. auch auf die Nebenres. Kleve niederschlug. Bei Dienstantritt von Johann Moritz von Nassau-Siegen 1647 als Statthalter der brandenburg. Westprovinzen war die Schwanenburg in Kleve nicht mehr bewohnbar. Größere Teile des ehemaligen Inventars waren zu dieser Zeit breits auf Schloß Moyland und auch zum Hof nach Berlin verbracht worden. Anläßl. der geplanten Hochzeit von Wilhelm Friedrich von Nassau, dem Statthalter von Friesland, mit Albertina Agnes von Nassau-Oranien, Nichte des Kurfürstenpaars, erteilte der Kfs. Ende März 1651 den Auftrag, einige Gemächer der Schwanenburg mit Antwerpener Tapeten auskleiden zu lassen. Im Zusammenhang mit der Hochzeit (Mai 1652) mußten jedoch Kronleuchter aus der Nimwegener Stephanskirche sowie weiteres Mobiliar aus verschiedenen umliegenden Schlössern entliehen werden. Unter Fs. Johann Moritz von Nassau-Siegen war zeitgl. mit der Restaurierung der Umbau der Burg zu einem repräsentativen Dienst- und Wohnsitz begonnen worden. Aufgrund der geringen Finanzmittel der Landesverwaltung hatte Fs. Johann Moritz sogar Eigenmittel aufgebracht. Die Restaurierungsarbeiten sowie der Bau des "Prinzenhofs" (1664) nach Entwürfen der niederländ. Architekten Pieter und Mauritz Post sowie Daniel Wolf Dopff dauerten bis ca. 1671. Zw. 1671 und 1676 war Fs. Johann Moritz als niederländ. Feldmarschall (1668) im Krieg gegen Frankreich sowie im diplomat. Auftrag für die Generalstaaten tätig. Zu dieser Zeit war er in Kleve wohl nur selten anwesend. Nach seiner Rückkehr ließ er die Eremitage zu Bergendael erbauen, die er bis zu seinem Tod bewohnte.

    Unter Hzg. Adolf I. von Kleve-Mark (* 1373, † 1448) wurde 1437 in der Stadt Kleve der Apothekermeister Johann Vos aus Leiden angesiedelt. Die bestallten Leibärzte und Apotheker versahen – wohl aufgrund ihrer geringen Entlohnung – ihre Dienste sowohl am hzgl. Hofe als auch in der Stadt Kleve, wo sie teilw. Logis beziehen mußten. Als Hof- bzw. Leibärzte der Gf.en und Hzg.e von Kleve-Mark bzw. Jülich-Kleve-Berg fungierten nachweisl. Nycolaus von Spykenes (1406), Johannes de Conventis (1412), Andreas Leennius (1531), Johann Weyer (1550-78; zeitgl. Johann Lythodius (1554) und Reiner Solenander (1559)) und Galenus Weyer (1578-1609).

    Aus den westl. Territorien des Kfsm.s Brandenburg stammten 16 Amtsträger, die an den kurbrandenburg. Hof nach Berlin wechselten (davon stammten neun aus dem Hzm. Kleve und zwei aus der Gft. Mark). Hier traten bes. verschiedene Mitglieder der Familie Neuhaus aus der Gft. Mark hervor, die im Berliner Handelsleben, als Bürgermeister von Cölln a. d. Spree sowie im kfsl. Dienst belegbar sind. Kunsch von Breitenwald jr., ein aus Kleve stammender Pfarrerssohn, ist in den Jahren 1653-55 am Hof des Großen Kfs.en als Hofprediger nachgewiesen.

    Die Anzahl von am Klever Hof zu versorgenden Menschen variierte bes. im 15. Jh. stark: 1409 waren an acht Tafeln 77 Personen, um 1420 am hzgl. Hofe bereits 215 Personen an 13 Tafeln zu verköstigen. In der Regierungszeit Hzg. Johanns I. speisten lt. den überlieferten Kostlisten in den Jahren von 1467 bis 1481 zweimal tägl. rund 250-300 Personen am klev. Hofe, wobei sich anläßl. von Ereignissen wie Hochzeiten, Beerdigungen etc. bis zu 400 Personen in der Res. Kleve aufhielten. Anläßl. der häufig wechselnden Hofhaltungen, die sich z.B. aus der Reisetätigkeit oder den milit. Unternehmungen des jeweiligen Hzg.s ergaben, wurde zugl. immer auch das Hofpersonal reduziert.

    Aus den Hofordnungen wird ersichtlich, daß Nahrungsmittel für den Hof wie Fleisch, Fisch, Butter und Eier regelmäßig vom Küchenmeister auf dem lokalen Wochenmarkt erstanden wurden. Der Wasserversorgung auf der Res. diente vom 15. bis zum 18. Jh. ein Brunnen im unteren Hof. Luxusgüter mußten dahingegen importiert werden: Um 1480 erwarben Elisabeth von Burgund und ihr Sohn Johann II. für rund 1.454 Gulden kostbare Stoffe vom Florentiner Kaufmann Peter Bandyn, der eine Filiale in Brügge hatte. Die offene Rechnung des Hzg.s wurde einige Jahre später in eine Rente für den Kaufmann umgewandelt, angewiesen auf Güter in der Umgebung von Brügge.

    Hzg. Johann III. standen Räte zumeist bürgerl. Herkunft zur Seite, die den Landesherrn bei polit. und konfessionellen Verhandlungen sowie auf Reichstagen vertraten. Neben Heinrich Bars gen. Olisleger, Johannes Gogreve, Carl Harst, Gerhard von Jülich und Arnold Bongard, war der berühmteste der Jurist und Humanist Konrad von Heresbach (* 1496, † 1576). Der spätere Berater der Hzg.e Johann III. und Wilhelm V. war zunächst seit 1523 als Erzieher des Erbprinzen Wilhelm tätig. Er förderte auch die Kontakte des Klever Hofes zu Erasmus von Rotterdam und besaß rund 50 Jahre maßgebl. Einfluß auf den hzgl. Hof. Dem künftigen Hzg. Wilhelm V., gen. "der Reiche", widmete er seine Schriften De pueris instituendis (1529) und Apophthegmata (1531). Eine weitere berühmte Schrift, Rei rusticae libri quatuor (1570), beschäftigte sich mit der grundherrl. Eigenwirtschaft. Polit. bedeutsam war auch der hzgl. Kanzler Johann von Vlatten (* 1517, † 1562). Heresbach, Vlatten und Gogreve verfaßten gemeinsam eine konfessionelle Reformordnung, die von Hzg. Johann III. im Jan. 1532 erlassen wurde. Dr. Heinrich Olisleger wurde am 4. Sept. 1539 in Düsseldorf bereits von Hzg. Wilhelm V. als Bevollmächtigter der Eheberedung zw. Kg. Heinrich VIII. von England und seiner Schwester Anna von Kleve berufen und führte auch die Verhandlungen anläßl. der geplanten Vermählung Hzg. Wilhelms V. mit der Königstochter von Navarra, Jeanne d’Albret.

    Der Leibarzt Hzg. Wilhelms V., Dr. Johann Weyer (* 1515, † 1588), machte sich auch als Bekämpfer der Hexenverfolgungen einen Namen (De praestigiis daemonum, 1563). Sein Sohn Dr. Galenus Weyer (* 1547, † 1619) bekleidete das Amt des hzgl. Leibarztes von 1578 bis 1609 in der für das Herrscherhaus schweren Regierungsphase seit Ausbruch der Geisteskrankheit des Regenten Johann Wilhelm (1589), über die Ermordung Hzg.in Jakobes (1597) bis zum kinderlosen Tode des Hzg.s Johann Wilhelm (1609).

    Weitere wichtige Persönlichkeiten sind in der Phase der brandenburg. Regierungszeit belegt. Der außerordentl. Rat Adolf Wüsthaus, Archivar der klev. Regierung, war ab 1658 Justizrat am Hofgericht zu Kleve und wurde 1666 zum ordentl. Regierungsrat ernannt. Wüsthaus machte sich auch als Chronist der klev. Geschichte einen Namen (Historische Beschreibung dessen, was sich von Anno 1609 bis in das Jahr 1668 (1690) inclusive […] zugetragen). Auch der klev. Regierungsrat Daniel Weimann (* 1621, † 1661) war Chronist der Regierungszeit des Großen Kfs.en, wurde ab 1658 zum Kanzler Kleve-Marks ernannt und 1660 vom Ks. in den Adelsstand erhoben.

    Verschiedene Künstler befanden sich kurzzeitig am Klever Hof oder wurden langfristig dort bestallt, um im Auftrage der Hzg.e zu arbeiten. Im Aug. 1539 weilte Hans Holbein d.J. (* 1497/98, † 1543) in Düren, um im Auftrag des engl. Kg.s Heinrich VIII. die Schwestern Hzg. Wilhelms V., Amelie und Anna, zu porträtieren. Nachweisl. befand sich auch der schwäb. Künstler Leonhard Kern (* 1588, † 1662) mind. i.J. 1648 als Hofbildhauer in Kleve. Die Gruft Hzg. Wilhelms V. in St. Lambertus in Düsseldorf wurde vom hzgl. Hofbaumeister Johannes Pasqualini errichtet, der aus einer Baumeisterfamilie stammte, die seit Generationen in den Hzm.ern Jülich, Kleve und Berg sowie in den Gft.en Mark und Ravensberg tätig war. Mit einem Jahresgehalt versehen befand sich in den Jahren 1649 bis 1655 auch die Dichterin Maria Margareta van Akerlaeken am Hof zu Kleve, die u.a. Festgedichte verfaßte (z.B. anläßl. der Geburt des Prinzen Heinrich Wilhelm von Brandenburg, 1648) und einen Gedichtband unter dem Titel "Cleeffscher Pegasus" (1654) herausgab.

    Röm. Münzfunde aus dem Hzm. Kleve bildeten den Grundstock für die nach 1614 von Kfst. Georg Wilhelm von Brandenburg, angelegte Münzsammlung, die von seinem Sohn Friedrich Wilhelm weitergepflegt und um die aus Kleve an den Berliner Hof transferierte umfangr. Münzsammlung Hzg. Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg ergänzt wurde. Aus dem Besitz seines Statthalters Johann Moritz von Nassau-Siegen erwarb Kfs. Friedrich Wilhelm von Brandenburg 1652 für rund 50.000 Taler eine Anzahl von Gemälden, Zeichnungen, Elfenbeingegenständen und Skulpturen, die dieser von seinem Aufenthalt in Brasilien als dortiger Gouverneur (1637-1644) mitgebracht hatte. Eine bereits von Hzg. Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg angelegte Antikensammlung wurde nach seinem Tod zunächst in einem Gewölbe der Schwanenburg deponiert. Erst Fs. Johann Moritz von Nassau-Siegen holte sie wieder hervor, ergänzte sie durch eigene Stücke und stellte die Grabreliefs und Säulenfragmente in einem Raum der Schwanenburg aus. Die Stücke dienten später zur Ausschmückung und zur Repräsentation seiner Grablege in Bergendael (Antiquarium).

    Fs. Johann Moritz von Nassau-Siegen begann 1653 mit dem Ausbau eines Terrassengartens im Vorfeld der Schwanenburg sowie mit der Anlage von Gärten und Alleen. Unter dem niederländ. Architekten Jacob van Campen, Erbauer des Rathauses von Amsterdam, begann in Kleve drei Jahre später die Ausführung eines "Tiergartens" mit Amphitheater am Springenberg nach antikem Vorbild. Säulenhaine, Skulpturen, Felsengärten, Pavillone, Brunnen, künstl. Inseln und Teichanlagen bestimmten die von Fs. Johann Moritz angelegten Gärten. Zugl. wurden Stadt und Res. Kleve in die Gartenkust des brandenburg. Statthalters einbezogen: strahlenförmig auf die Kirchen der Stadt und die Schwanenburg ausgerichtete Alleen, erstmalig 1653 die "Nassauer Allee" mit dem Trophäenmal "Cupido" als zentralem Element, sowie Sichtmarken und Aussichtspunkte prägen noch heute das Bild der früheren Residenzstadt und ihrer Umgebung. Nach 1664 ließ Fs. Johann Moritz am "Prinzenhof" einen Lustgarten anlegen, der mit dem Gebäude eine Einheit bilden sollte. Den letzten Garten ließ der brandenburg. Statthalter 1674 mit der Solitüde an seinem Alterswohnsitz Bergendael erbauen. Die klev. Gärten des Fs. von Nassau-Siegen besaßen einen hohen repräsentativen Wert und zogen die Bewunderung der europ. Höfe auf sich: 1679 reiste u.a. der klev. Gärtner Arnold Nicolai nach Versailles, um dort Kg. Ludwig XIV. gartentechn. Erkenntnisse zu vermitteln. In Berlin orientierte sich der Ausbau des Tiergartens und der Alleestraße "Unter den Linden" u.a. am Vorbild der klev. Gärten.

    Unter Kfs. Friedrich III., dem späteren Kg. Friedrich I. in Preußen, und seinen Nachfolgern endete die Bedeutung von Kleve als landesherrl. Repräsenationsort.

    ® A. Hohenzollern ® A. Mark, Gf.en von der ® C.7. Kleve

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    S. M.

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