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Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Bilder und Begriffe.
Hg. von Werner Paravicini, bearb. von Jan Hirschbiegel und Jörg Wettlaufer.
Residenzenforschung 15 II, Teilbd. 1+2, Thorbecke Verlag, Ostfildern 2005.
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Apotheker => Prof. Dr. Wolf-Dieter Müller-Jahncke, Heidelberg


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1500-1600

1500-1600

Im Zuge des höf. Medikalisierungsprozesses entstanden "Hofapotheken", die teils in den Schlössern errichtet wurden, teils aber auch in der Stadt angesiedelt waren. Die Verpflichtungen für die Hofapotheker waren dieselben wie für alle anderen Apotheker der Frühen Neuzeit: Sie hatten ihren Beruf gewissenhaft auszuüben (wohlbestellte Apotheke), durften nicht in die ärztl. Berufsausübung eingreifen (keine recepta machen) und nur qualifiziertes Personal einstellen. Sie waren dazu angehalten, nur qualitativ einwandfreie Arzneimittel abzugeben (gute, düchtige, frische materialien und gerechte medicamenta), genügend und die "notwendigen" Arzneimittel vorrätig zu halten, "rechte" Maße und Gewichte zu verwenden sowie kein Gift oder schädliches Species ohne behördl. Erlaubnis abzugeben. Sie mußten sich den Überprüfungen der Apotheke (Visitationes) stellen und durften nur angemessene (gerechte) Arzneipreise berechnen. V.a. bei Hof galt die ständige Dienstbereitschaft ("bei Tag und Nacht") für den Fs.en und seine Familie.

Die soziale Stellung eines "Hofapothekers" als Hofbediensteten war im 16. Jh. zwar geachtet, konnte aber die leitende gesellschaftl. Funktion der Apotheker in den Freien Reichs- oder Hansestädten nicht erreichen. Dennoch legten manche Fs.en großen Wert auf eine gute Ausbildung ihrer Apotheker: So ernannte bspw. Hzg. Ulrich von Württemberg Cyriakus Horn, der an der Landesuniversität Tübingen das Studium der "artes" absolviert hatte, zu seinem Hofapotheker. Auch der Kfs. von Trier, Johann II. von Baden, bestallte 1484 in Koblenz mit Johann Rasener († 1510) einen Hofpotheker, der an der Universität Köln die "artes" studiert hatte. In Heidelberg erhielt der "magister artium" Johann Virdung (1463-1538/39) 1521 gemeinsam mit Hans Sprenger das Regal (wirtschaftl. Hoheitsrecht) für die Hofapotheke. Obgleich sie mit den Töchtern des ehemaligen Hofapothekers Schöntal verheiratete waren, kam es zum Rechtsstreit mit den anderen Erben, da keiner der Beiden Apotheker war. Kfs. Ludwig V. griff ein und stellte fest, das das Haus den Kfs.en gehörte, das Inventar und die Materialien jedoch demjenigen Apotheker, dem die Apotheke als Lehen gegeben worden war. Folgerichtig sprach der Kfs. Virdung und Sprenger das Lehen zu mit der Auflage, die anderen Erben auszuzahlen.

Bisweilen fanden auch Frauen als "Apothekerinnen" in Hofapotheken Beschäftigung: So verpflichtete Hzg. Ludwig von Württemberg Helena Rückher (1523-1697), die Wwe. des Theologen Andreas Osiander und Tochter des Nürnberger Stadtarztes Johannes Magenbuch für seine Hofapotheke. In Leonberg leitete ab 1607 Maria Andreae, geb. Moser (1550-1632), Mutter des Theologen Johann Valentin Andreae, die Apotheke der Hzg.in Sibylle von Württemberg. Unter Lgf. Georg I. von Hessen-Darmstadt war zunächst eine Frau namens "Judith" für den Einkauf von Weißzeug und Simplizien zuständig, ehe der Fs. 1574 Johann Kohl als besoldeten Apotheker einstellte. Doch sind dies Ausnahmen, da Frauen der Zugang zum Apothekerberuf versperrt war, und sowohl die "Wormser Apothekerordnung" von 1582 als auch die gleichzeitige "Apotecken Ordnung" der Kurpfalz Frauen die Mitarbeit in der Apotheke untersagten.

Im Regelfall wurde der Hof jedoch von einer Stadtapotheke beliefert, die den Titel "Hofapotheke" trug. So stieg bspw. Apotheker Chunrad Fröschlmoser, der die "Alte fürsterzbischöfliche Hofapotheke" in der Getreidegasse in Salzburg besaß, erst 1588 zum Hoflieferanten auf. 1591 verlegte Apotheker Heinrich Merode diese Apotheke in ein gegenüber der Res. gelegenes Haus am Markt.

1600-1750

Auch in Bautzen wurde 1699 eine neue Apotheke als "Hofapotheke" in der Stadt neben der bereits bestehenden Stadtapotheke durch Apotheker Michael Laube eröffnet. Das von Kfs. Friedrich August I. ausgestellte Privileg bestimmte, daß diese Apotheke Arzneimittel nur an Adelige und außerhalb der Stadt wohnende Patienten verkaufen durfte, um die bereits bestehende Stadtapotheke schützen. Wie auch anderen Apothekern der Zeit wurde Laube auferlegt, die Bestimmungen für Apotheken zu beachten, eine gerechte Taxe zu berechnen und fr. Arzneimittel zu führen. Die Wurzeln der späteren "Kaiserlich-Königlichen Hof-Apotheke" in Wien lagen ebenfalls in der 1557 gegründeten Stadtapotheke des Apothekers Abraham Sangner (1529-1600), die 1744 im Auftrag Ks.in Maria Theresias aufgekauft und 1746 gemeinsam mit der Hausapotheke des ksl. Hofes in die Stallburg verlegt wurde, wo der jeweilige Hofapotheker sowohl den Hof als auch das allgemeine Publikum mit Arzneimitteln zu versorgen hatte.

Hzg. Albrecht von Preußen verlieh das Privileg der "Hofapotheke" in Königsberg noch vor 1557 an den Arzt-Apotheker Andreas Goldschmidt/ Aurifaber (um 1514-59), machte jedoch Jacob Montanus (1529-1600) zu seinem Leibarzt und -apotheker und verlieh ihm 1557 das Privileg zu einer Apotheke in der Königsberger Altstadt, die den Hof mit Medikamenten zu beliefern hatte. Eine neue "Hofapotheke" wurde erst 1647 erbaut, und Apotheker Michael Wilde erhielt 1650 vom Großen Kfs.en das Privileg.

Im Jahre 1585 wurde die Hofapotheke Berlin gegr. und in dem im gleichen Jahr erbauten so genannten "Apothekenflügel" des Berliners Schlosses eingerichtet. Erster Hofapotheker war Michael Aschenbrenner (1549-1605). Eine bes. Förderung erlebte die Hofapotheke durch Kfs.in Katharina von Brandenburg, die bereits als Mgf.in in Halle 1577 ein Destillierhaus und Laboratorium hatte erbauen und einrichten lassen. 1598 wurde diese Hofapotheke von Halle nach Berlin verlegt, durch eine Stiftung der Kfs.in beträchtl. erweitert und für die Allgemeinheit bestimmt. Trotz mancher wirtschaftl. Schwierigkeiten – insbes. während des Dreißigjährigen Krieges – blieb die Hofapotheke erhalten. Eine Zusammenstellung der Arzneimittel aus dem Jahre 1669 weist aus, daß während dieser Zeit 2303 Mittel in der Hofapotheke vorhanden waren.

Bis ins 18. Jh. unterschied sich die Berliner Hofapotheke kaum von anderen Hofapotheken der Zeit. Indes änderte sich ihr Charakter grundlegend, seit Caspar Neumann (1683-1737) 1719 ihre Leitung übernommen hatte. Es gelang ihm, vom Kg. die notwendigen Mittel für eine gründl. Instandsetzung der Hofapotheke zu erhalten, so daß sie in kürzester Zeit zu einem mustergültigen modernen Betrieb umgebaut werden konnte.

Einige Federzeichnungen aus der Zeit um 1750 vermitteln einen Eindruck von der Zweckmäßigkeit der Räume. Sie zeigen den Vorraum, das große Apothekenzimmer, die Schneidekammer, das große und das kleine Laboratorium. Das große Laboratorium lag hinter dem Apothekenzimmer. Es war großzügig eingerichtet, mit Öfen und Geräten ausgestattet und bot Platz für zahlreiche Arbeiten. Dieses Laboratorium diente nicht nur der Arzneimittelherstellung, sondern auch als Ausbildungslaboratorium für angehende preuß. Apotheker.

L. Anselmino, Thomas: Medizin und Pharmazie am Hofe Herzog Albrechts von Preußen (1490-1568), Heidelberg 2003 (Studien und Quellen zur Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit, 3). – Assion, Peter und Joachim Telle: Der Nürnberger Stadtarzt Johannes Magenbuch. Zu Leben und Werk eines Mediziners der Reformationszeit. In: Sudhoffs Archiv 56 (1972), 353-421. – Bartels, Karlheinz: Dichtung und Wahrheit. Zur Geschichte der deutschen Apothekenbetriebserlaubnis, in: Pharmazeutische Zeitung 145 (2000) S. 2945-2950. – Beisswanger, Gabriele: Frauen in der Pharmazie. Die Geschichte eines Frauenberufes. Stuttgart 2001. – Donat, Walter: Die Geschichte der Heidelberger Apotheken. Heidelberg 1912. – Lochbühler, Michael Thomas: Zur Geschichte des Apothekenwesens in Marburg von den Anfängen bis zum Jahr 1866, Marburg 1987 (Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur, 23). – Maier, Martin: Die Hofapotheke am Stadtschloss Berlin, Berlin 2004. – Müller-Jahncke, Wolf-Dieter: Alte fürst-erzbischöfliche Hofapotheke Salzburg, in: Pharmazie-Archiv PH 03295 #. – Müller-Jahncke, Wolf-Dieter: Alte Hof-Apotheke Wien, in: Pharmazie-Archiv PH 03083.# – Müller-Jahncke, Wolf-Dieter: Schloss-Apotheke in Bautzen, in: Pharmazie-Archiv PH 03268.# – Rausch, Ute: Das Medizinal- und Apothekenwesen der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und des Großherzogtums Hessen unter besonderer Berücksichtigung der Provinz Starkenburg, Darmstadt u.a. 1978 (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte, 33). – Schnitzler, Herbert: Die Koblenzer Apothekerdynastie Rasener im Spannungsfeld von Stadtpolitik und Renaissance-Humanismus, Marburg 1986. – Wankmüller, Armin: Zur Geschichte der Apothekengründungen im 16./17. Jahrhundert. Der Einfluß des Dreißigjährigen Krieges im Herzogtum Württemberg, in: Pharmazeutische Zeitung 87 (1951) S. 249-250.

Wolf-Dieter Müller-Jahncke



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