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Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Bilder und Begriffe.
Hg. von Werner Paravicini, bearb. von Jan Hirschbiegel und Jörg Wettlaufer.
Residenzenforschung 15 II, Teilbd. 1+2, Thorbecke Verlag, Ostfildern 2005.
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Wasserversorgung => Prof. Dr. Bernd Fuhrmann, Netphen


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Von entscheidender Bedeutung für die Qualität der Wasserversorgung war die Zugangsmöglichkeit zu Grundwasser, was bei Niederungsburgen in der Regel kein Problem darstellte, da Brunnen mit nur geringer Schachttiefe anzulegen waren

Von entscheidender Bedeutung für die Qualität der Wasserversorgung war die Zugangsmöglichkeit zu Grundwasser, was bei Niederungsburgen in der Regel kein Problem darstellte, da Brunnen mit nur geringer Schachttiefe anzulegen waren. Dagegen mußten auf Höhenburgen auch andere Versorgungslösungen aufgegriffen und umgesetzt werden.

Für diese Anlagen lassen sich prinzipiell drei Möglichkeiten der Wassergewinnung erkennen, die z. T. kombiniert wurden: Die Anlage eines Leitungssystems zu einer Quelle oder einem Bach außerhalb der Burg, die Gewinnung von Regenwasser – und in beiden Fällen konnte das Wasser in Zisternen gespeichert werden – sowie als dritte Option der Bau eines Tiefbrunnens. Ausgesprochen häufig sind zudem Esel belegt, die als Ergänzung Wasser aus dem Tal auf die Berge zu schaffen hatten. Neben dem für die Ernährung benötigten frischen und sauberen Wasser wurde dieses zum Baden und zum Waschen der Wäsche benötigt.

Zwar waren Leitungssysteme zu den höher gelegenen Entnahmestellen außerhalb der Mauern in Auseinandersetzungen relativ leicht zu zerstören, falls der Gegner über den Verlauf der häufig versteckten Systeme unterrichtet war, doch sicherten diese in Friedenszeiten die Wasserversorgung vergleichsweise preisgünstig. Mußten die zunächst verwendeten, dann z. T. durch Tonröhren ersetzen, Holzleitungen noch regelmäßig erneuert werden, erwiesen sich die seit dem 15. Jh. verbreiteter eingesetzten, aber teureren Metallrohre als haltbarer. Als Werkstoff setzte sich überwiegend Blei durch, wobei die Dichtheit der Verbindungen sich als der krit. Punkt erwies. Daß Gefälleleitungen im 16. und 17. Jh. zunahmen, kann auch mit der höheren Sicherheit in den Territorien erklärt werden.

Wenn Regenwasser über Dachrinnen, seit dem 16. Jh. z. T. aus Kupfer hergestellt, und Leitungen in die gemauerten Zisternen geleitet wurde, und es nicht nur als Brauchwasser dienen sollte, mußte es zuvor von Verunreinigungen möglichst umfassend befreit werden. Diesem Zweck dienten Kies- oder auch Sandschichten oberhalb der bzw. um die eigentl. Auffangvorrichtung. Zudem mußte das Wasser dauerhaft gekühlt und vor Sonneneinstrahlung geschützt sein, und selbst unter diesen Bedingungen konnte es nur begrenzt frisch gehalten werden. Eine Reinigung der Zisterne war wohl alle zwei bis drei Jahre erforderlich.

Die sicherste Art der Wasserversorgung und bes. während Belagerungen boten Tiefbrunnen, die je nach Beschaffenheit des Untergrunds teilw. in jahrelanger mühseliger Arbeit in den felsigen Untergrund hinein getrieben worden sind, wobei sich gerade Basalt als widerstandsfähig erwies. Die tiefsten Burgbrunnen Deutschlands sind die von Regenstein mit 195, Kyffhausen mit 176, Homberg/Efze mit 174, Augustusburg mit 170 und Wülzburg mit 166 Metern Tiefe; allerdings sind derartige Werte ausgesprochen singulär. Doch auch der Brunnen der Burg Trifels, der in die Jahrzehnte um 1200 datieren ist, erreichte mit 79 m eine beträchtl. Tiefe; der mit einem Bergfried geschützte, tiefer liegende Brunnen war mittels einer Holzbrücke mit der Hauptburg verbunden. Andernorts aber sind deutl. geringere Schachttiefen zu finden, so reichten bspw. im Heidelberger Schloß 16 m Brunnentiefe zur Wassergewinnung. Lag der Brunnen außerhalb des Innenhofes, mußten er und der Zugang ausreichend befestigt sein. In weicherem, nicht felsigem Untergrund errichteten Zimmerleute einen Brunnenschacht aus Holz, damit der Brunnen nicht wieder einfallen konnte.

Spätesten seit dem 16. Jh. werben die Auftraggeber für Tiefbrunnen bevorzugt erfahrene Bergleute an, Sprengungen mit Schießpulver sind erst seit der Mitte des 17. Jh.s verbreitet. Dagegen verwendeten die Brunnenbauer das Feuersetzen, also das Erhitzen des Steins und das anschließende Abschrecken der Gesteinoberfläche mit Wasser oder Essig seit der Mitte des 14. Jh.s in größerem Rahmen, um den Fels so spröder und damit leichter bearbeitbar zu machen. Die harte und hochqualifizierte Arbeit führte zu hohen Lohnkosten, es sei denn, die Bauherren setzten in größerem Umfang ungelernte Hilfskräfte oder Gefangene ein, was wiederum die Gefahr eines Qualitätsverlustes barg. Eine zunehmende Abteufungstiefe führte zudem zu Problemen mit der Bewetterung und einer steigenden Gefahr von Wassereinbrüchen, die ihrerseits den Fortgang der Bauarbeiten erschwerten.

Der Durchmesser der Brunnenschächte liegt in den meisten Fällen bei etwa 2 m, als Mindestdurchmesser gilt ein Wert von 1,20 m. Bei engeren Schächten sind die Hauerarbeiten kaum durchführbar, und die Wasserkübel müssen ungehindert bewegt werden können.

Aus den Brunnen – wie auch den Zisternen – schöpften die Bediensteten bzw. die Besatzung das Wasser zumeist mit zunächst an (Hanf-)Seilen befestigten Holzeimern, und die Seile mußten regelmäßig mit Unschlitt geschmiert werden, um deren Geschmeidigkeit zu erhalten und ihre Lebensdauer zu verlängern. Gerade bei tieferen Brunnen ersetzten dann Ketten mit Widerhaken, die eine längere Haltbarkeit garantierten, die Seile. Für diese mußten jedoch anstelle einfacher Seilzüge, Haspeln und Winden andere Vorrichtungen geschaffen werden, um die Lasten herauf- und herab zu bewegen. Am platzsparendsten waren Treträder, die sowohl von Menschen wie von Tieren wie dem Esel bewegt worden sind; allerdings dauerte das Wasserschöpfen in diesem Fall relativ lange, bes. bei der Überwindung großer Schachttiefen. Ochsen und Pferde finden sich eher beim Betrieb des Göpels, bei dem sie ständig im Kreis liefen. Schwengelpumpen dürften nur bei Brunnen oder Zisternen mit geringer Tiefe gebraucht worden sein. Wohl erst mit Beginn der Neuzeit kamen Tretscheiben auf, auf deren leicht geneigter Fläche sich Ochsen bewegten. Ebenfalls in diesem Zeitraum finden sich mit dem Fortschreiten der Wasserkunst vereinzelt automat. Pumpwerke, wie überhaupt aufwendigere Pumpenanlagen erst im 15. und 16. Jh. aufkamen. Eine weitere Erleichterung brachten Druckleitungssysteme, die das Wasser von den Entnahmestellen zu zwei oder drei Zapfstellen innerhalb der Anlagen transportierten.

 

L. Grewe, Klaus: Wasserversorgung und –entsorgung im Mittelalter. Ein technikgeschichtlicher Überblick, in: Die Wasserversorgung im Mittelalter, Mainz 1991, S. 8-86 (Geschichte der Wasserversorgung, 4). – Grewe, Klaus: Die Wasserversorgung der Burgen, in: Burgen in Mitteleuropa. Ein Handbuch, 2 Bde., Stuttgart 1999, hier Bd. 1, S. 310-313. – Hoffmann, Albrecht: Brunnenbau und Wasserversorgung auf Höhenburgen im späten Mittelalter, in: Antike und mittelalterliche Wasserversorgung in Mitteleuropa, hg. von Albrecht Hoffmann, Kassel 1995, S. 87-105. – Zeune 1997.

Bernd Fuhrmann



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