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Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Bilder und Begriffe.
Hg. von Werner Paravicini, bearb. von Jan Hirschbiegel und Jörg Wettlaufer.
Residenzenforschung 15 II, Teilbd. 1+2, Thorbecke Verlag, Ostfildern 2005.
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Kur- und Ehrenschwerter => Marcel Moning, Giessen


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Unter einem Kur- und Ehrenschwert (Kur, eigtl

Unter einem Kur- und Ehrenschwert (Kur, eigtl. Kür von mhd. kueren = erwählen, entwickelt aus ahd. kuri = Überlegung. Prüfung, Wahl; Nomen Kür oder Kur im 19. Jh. wieder belebt (Kluge)) versteht man ein Schwert, das einem Amtsträger bei der Amtseinführung in ein hohes weltl. und/oder geistl. Amt übergeben wird. Bei der Ausübung der mit dem Amt verbundenen Aufgaben (Gerichtstag, Messe) wird dieses Schwert oft demonstrativ präsentiert. Wg. dieser Verwendung ist auch der Name "Zeremonienschwert" geläufig. Die Übergabe des Schwertes bei der Kaiserkrönung ist durch ordines schon für das frühe MA nachgewiesen (Eichmann 1942, Bd. 1). Im Zusammenspiel mit Lanze, Zepter, Globus und Krone bildete es ein Ensemble. Innerhalb dieses Ensembles steht das Schwert allg. für die Ausübung der weltl. Gerichtsbarkeit und bei der Kaiserkrönung zusätzl. noch für die Stellung des Ks.s als defensor ecclesiae (Eichmann 1942, Bd. 2, S. 106f.).

Nach einigen Quellen soll es sich bei dieser auch als Reichsschwert bekannten Waffe entweder um die Attilas oder die Karls d. Gr. handeln. Auch der hl. Mauritius ( 449/50) wird mit dem Schwert in Verbindung gebracht. Da diese Quellen aber größtenteils aus dem 14. Jh. stammen, wenn nicht noch zu einem späteren Zeitpunkt verfaßt worden sind, darf man hier von dem Versuch ausgehen, dem ksl. Schwert eine höhere Weihe und damit auch eine höhere durch den Ks. ausgeübte Macht zuzuschreiben, indem man seine Herkunft von Attila (reg. 434-53) oder Karl dem Gr.( 814) behauptet, die zu dieser Zeit schon zu sagenhaften Gestalten geworden sind.

1200-1450

Für diese erste Zeitschicht ist kein konkretes Kur- und Ehrenschwert zu benennen. Zwar läßt sich im Kirchenschatz der Essener Äbt.nen ein Schwert nachweisen, das um etwa 1000 angefertigt worden ist (Otto der Gr., Ausstellungskatalog), allerdings legt die Überlieferung nahe, daß es das Schwert Ottos d. Gr. (23.11.912-07.05.973) ist, das er in der Ungarnschlacht gebrauchte und das durch sein Enkelin Mathilde (973-1011), die um die Jahrtausendwende in Essen Äbt. war, in den Kirchenschatz gelangt ist. Es dürfte dort aber wohl eher als Reliquie verehrt worden sein denn als Ehrenschwert benutzt, da durch die Entfernung der Hilze auch ein ritueller Gebrauch der Waffe nicht mehr mögl. war.

1450 - 1550

Erst für das sehr späte MA, genauer für das 15. und 16. Jh., sind tatsächl. in Gebrauch gewesene Kur- und Ehrenschwerter zu fassen. Ks. Friedrich III. (1415-93) bestätigte und übertrug 1457 das Blutgericht mit allen dazu gehörenden Vollmachten (Chmel, Regesta, Nr. 3548) den Würzburger Bf.en. Daraufhin ließ sich Bf. Johann III. von Grumbach (reg. 14.04.1455-20.06.1466) ein Zeremonienschwert als Zeichen seiner gerichtl. Gewalt anfertigen (M. H. von Freeden, Herzogsschwert). Durch das schriftl. fixierte Zeremoniell der Würzburger Bischofsweihe von 1519 (Fries, Historie) wird belegt, daß der Gf. von Henneberg als Obermarschall jedem neu geweihten Bf. dieses Schwert auf dem Rückweg von der Weihe vorantragen solle. An dieser Tradition hielten die Fürstbf.e Würzburgs bis zur Säkularisation 1803 fest. Berichten aus dem 16. Jh. ist die Verwendung des Schwerts innerhalb der Liturgie zu entnehmen. Entweder bei der Wandlung oder während der gesamten Messe soll ein blankes Schwert von dem Bf. selbst getragen worden sein oder auf dem Altar gelegen haben (Silvius, Germania und Böhm, Omnium Gentium). Auch von verschiedenen Beisetzungen weiß man, bei denen den verstorbenen Fürstbf.en ihr Schwert mit in das Grab gelegt wurde (Ludewig, Geschicht-Schreiber, S. 924). Eine frühere Verwendung eines Kur- und Ehrenschwerts für die Würzburger Bf.e ist nicht zu belegen. Zwar behauptet der Chronist L. Fries, der im 16. Jh. schrieb, daß der Brauch des Vorantragens schon auf je und alwegen herkomen beruhe, womit Fries die Herrschaftszeit Friedrich Barbarossas (10.Juni 1190) meint, von dem die erste Verleihung von richterl. Gewalt an die Würzburger Bf.e dokumentiert ist (Mon. Boica XXIX, I 385-387). Unabh. von dieser 1160 verliehenen Rechtsgewalt ist das Schwert als Symbol ihrer gerichtl. Gewalt aber schon auf diversen Münzen des Würzburgers aus dem 11. und 12. Jh. wie auf Siegeln des 13. und 14. Jh.s nachzuweisen. Legitimiert ist die Inanspruchnahme des Schwertsymbols durch die Rückführung auf die Verleihung der hzgl. Gewalt durch Karl den Großen. Durch diese Bezugnahme hat man es hier sicher – parallel zu dem schon beim Reichsschwert verwendeten Legitimation – mit dem Versuch zu tun, einerseits die hzgl. Gewalt des Würzburgers und später das daraus sich ableitende Recht, das Schwert zu führen, zu erhöhen und zu sakralisieren. Belege für den tatsächl. zeremoniellen Gebrauch existieren indes aus dieser Zeit nicht.

Als Zeichen seiner kfsl. Würde besaß der Bf. von Köln ein Zeremonienschwert, dessen Gebrauch aber vollkommen unklar ist. Die Vermutung liegt nahe, daß es analog zu dem Schwert des Würzburger Bf.s bei der Weihe oder anderen feierl. und festl. Anlässen voran getragen wurde.

Ebenfalls durch ein Kurschwert wurde die kfsl. Gewalt des brandenburg. Mgf.en zum Ausdruck gebracht, dessen Entstehung in einem Zeitraum vom frühen 15. Jh. bis zu seiner Mitte angenommen wird (#Abb. 1#). Spätestens aber 1469 muß es schon existiert haben, denn es wird von Kfs. Friedrich II. (1413-71) in einem Schreiben an seinen Bruder Albrecht (1414-86) erwähnt. In dem Brief, in dem er eine Zusammenkunft mit Kg. Matthias von Ungarn beschreibt, vermerkt er stolz: unser guldin Swert ist glich hoch des konigs swert in der Procession an den heiligen leichnamstag und sust uberall getragen (Höfler, Kaiserliches Buch, S. 191ff. ). Damit ist der Gebrauch bei feierl. Anlässen bezeugt. Die Inschrift des Schwertes deutet aber auch auf den Gebrauch bei der Amtseinführung hin: Accipe sanctum gladium munus a Deo, in quo Dei feries adversarios perpetuo. Diese Aufforderung kann wg. der Angabe, daß das Schwert empfangen wird, seinen Platz nur bei der Amtseinführung gehabt haben und wird durch die Fixierung auf der Klinge zu einer dauernden Mahnung sein abgelegtes Versprechen zu halten.

Für Ks. Maximilian I. (1459-1519) läßt sich eine bes. Form des Ehrenschwertes nachweisen: sein so genanntes Lehensschwert, das er nur bei Erbhuldigungen trug (Fillitz 1954). Ein bes. prunkvolles Exemplar aus dem 3. Viertel des 15. Jh.s ist das sog. Ainkhürn-Schwert (wg. des Narwalhorns an Griff und Scheide so gen.) Karls des Kühnen (#Abb. 2#).

1550-1650

Für die beginnende frühe Neuzeit kann man den Gebrauch der vorhandenen Kur- und Ehrenschwerter innerhalb der einzelnen Dynastien bzw. bei den einzelnen Amtsinhabern annehmen. So ist für die Krönungs- und Weihehandlungen das besprochene brandenburg. Kurschwert bis zur Krönung Wilhelm I. von Preußen (22.03. 1797-09.03.1888) (Thielen 1953) benutzt worden. Auch wurden wohl noch vereinzelt neue Schwerter hergestellt, wie etwa das sog. Pfälzer Schwert aus dem Besitz des Kfs.en Karl Ludwig (1617-80) (Haeberlein 1937).

Konkrete Berichte oder Aussagen zur Benutzung der Schwerter nach 1550 sind nicht greifbar. So scheint es, daß die Herstellung und die Einbeziehung solcher Schwerter v.a. eine Sache des späten MA gewesen ist. Dabei repräsentierte das Schwert offenbar v.a. bei Kfs.en ihre Machtstellung wie auch bei einzelnen Bf.en deren gerichtl. Vollmacht.

Q. Aeneas Silvius, Germania I, hg. von Adolf Schmidt, Köln 1962, S. 28; dt. Übers.: Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit, Bd. 104, Köln 1962. – Das kaiserliche Buch des Markgrafen Albrecht Achilles, hg. von Constantin Höfler, Bayreuth 1850 (Quellensammlung für fränkische Geschichte, 2). – Die Rats-Chronik der Stadt Würzburg, hg. von Wilhelm Engel, Würzburg 1950 (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg, 2). – Ettenius, Cornelius, Journal sur le séjour du nonce en Allemagne, 22. Jan. 1537, hg. von F. X. de Ram #Documents relatifs à la nonciature de ... Pierre Vorstius d´Anvers en Allemagne, Brüssel 1864 (Compte rendu de séances de la Commission royale d´histoire ser. III, 6). – Lorenz Fries, Chronik der Bischöfe von Würzburg 742-1495, hg. von Ulrich Wagner und Walter Ziegler, Würzburg 2002 (Fortes Herbipolenses, 4).– Geschicht-Schreiber von dem Bischoffthum Wirtzburg, hg. von Johann Peter Ludewig, Frankfurt 1713. – Ignatius Gropp, Collectio novissima scriptorum et rerum Wirceburgensium a saeculo XVI. XVII et XVIII hactenus gestarum, Frankfurt 1741, S. 90. – MB XXIX, I, S. 385-387, Nr. 515 u. 390-392, Monumenta Germaniae selecta ab anno 768 ad annum 1250, Bd. 4, hg. von M. Doeberl, München 1890, S. 215ff., Nr. 44. – Omnium gentium mores leges et ritus ex multis clarissimis rerum scriptoribus a Ioanne Boeme Aubano Sacerdote Teutonicae Militiae devoto nuper collectos & in libros tres distinctos Aphricam, Asiam, Europam optime lector lege; Regesta chronologico, #Friburgum 1536. – Diplomatica Friderici III. Romanorum Imperatoris (Regis IV.), 2. Abtheilung vom Jahre 1452-1493, bearb. von Joseph Chmel, Wien 1840.

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Marcel Moning



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