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Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Bilder und Begriffe.
Hg. von Werner Paravicini, bearb. von Jan Hirschbiegel und Jörg Wettlaufer.
Residenzenforschung 15 II, Teilbd. 1+2, Thorbecke Verlag, Ostfildern 2005.
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Artikel: Mobiliar => Dr. Brigitte Langer, München
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    Möbel sind – wie die etymolog

    Möbel sind – wie die etymolog. Herleitung des Wortes von "mobilis" besagt – bewegl. Güter. Ihr Aufstellungsort, ihre Funktion und Bedeutung veränderte sich bedingt durch vielerlei Faktoren. Im MA wurde ein großer Teil der Möbel durch auseinandernehmbare, zusammenklapp- oder faltbare Konstruktionen bewußt transportabel und reisetaugl. gestaltet, um die von Burg zu Burg wandernde Hofhaltung zu begleiten. Zudem konnte man auf diese Weise im beschränkten Raumprogramm des ma. Herrschaftssitzes flexibel auf die jeweiligen Notwendigkeiten reagieren. Mit der ortsgebundenen Residenzherrschaft begannen sich im ausklingenden MA und der beginnenden Neuzeit nach und nach feste Möblierungsprinzipien herauszubilden, wurden Möbel zunehmend für bestimmte Standorte gefertigt oder erworben, ihre Flexibilität und leichte Zerlegbarkeit Repräsentanz und Schmuckfreude nachgeordnet. Mit dem Ausbau der ständigen Hofhaltung und der Etablierung zeremonieller Ordnungen wurde auch das Mobiliar zum Träger einer hierarchischen, allg. verständl. höf. Rangordnung.

    Höf. Mobiliar umfaßte nicht nur Möbel aus Holz im engeren Sinn, also Schrank, Truhe, Tisch oder Stuhl, sondern bestand bis ins 18. Jh. hinein auch in hohem Maße aus Textilien. Diese waren seit der frühen Neuzeit, als die zeremonielle Bedeutung der Möblierung sich manifestierte, mittels Farbe, Materialwert und Gestaltungsreichtum wesentl. Bestandteil der neuen Ausstattungshierarchie. Bettbekleidungen, Baldachine, Tisch- und Tafelteppiche wurden als Teile der Raumausstattung in den zeitgenöss. Inventarverzeichnissen ausführlichst beschrieben, während Möbel meist nur mit wenigen Worten abgehandelt sind. Ausnahmen waren bes. kostbare Stücke, bei denen etwa teure Materialien wie Elfenbein oder Ebenholz verwendet wurden.

    Für die Beurteilung der Möblierung im hier betrachteten Zeitraum ist man auf bildl. Darstellungen von Innenräumen und Schriftquellen wie histor. Bestandsverzeichnisse (Inventarbücher, Listen etc.) angewiesen, da Burgen und frühe Residenzschlösser heute – abgesehen von Teilen wandfester Ausstattung wie Täfelungen, Türen, Kachelöfen – kaum mehr über eine authent. Möblierung verfügen. Sie sind entweder durch die Zeitläufe ganz entleert oder wurden museal, häufig verfälschend, möbliert, wozu die Burgenromantik des Historismus ebenso beigetragen hat wie die spätere Musealisierung. Nur in den selteneren Fällen sind erhaltene Möbel in ihrer Provenienz mit Hilfe von Wappen, Archivalien, stilist. Übereinstimmungen mit wandfesten Teilen einem baul. Ensemble zuzuordnen.

    1200-1450

    Die Erfordernisse der Reiseherrschaft prägen noch in hohem Maße das höf. Mobiliar zur Zeit des späten MA. Im Troß des von Burg zu Burg reisenden Landesfs.en wurde das notwendige Mobiliar in Form von zusammenklappbaren Falt- und Scherenstühlen, zerlegbaren Reisebetten, kompakten Reiseschreibtischen, leichteren, mit Tragegriffen versehenen Truhen sowie Wohntextilien mitgeführt. Die repräsentativen Räume der Herrschaft in einer nicht ständig bewohnten Burg standen leer oder waren nur spärl. möbliert. Bei Anreise des Hofes wurden sie für den konkreten Anlaß mit den vorausgeschickten, mitgeführten oder auch deponierten Mobilien ausgestattet. Nur eine Grundmöblierung, zumeist Schränke und Truhen für Wäsche und Hausgerät, blieb am Ort.

    Parallel dazu wurden bereits feste Res.en unterhalten, in denen zumindest der weibl. Hofstaat ständig und sicher untergebracht war. Der herrschaftl. Lebensraum umfaßte zumeist nur zwei Räume – Stube und Schlafkammer, getrennt für Mann und Frau – deren Ausstattung mit wandfesten Elementen, Textilien und wenigen Mobilien Zweckmäßiges mit Schmückendem verknüpfte. Die zentralen Funktionen – das sichere Aufbewahren der Habe, das Speisen in höf. Rangordnung und das ungestörte Ruhen – bestimmten die noch geringe Auswahl an Möbeltypen: Kasten und Truhe als Behältnismöbel, Tafeltisch sowie Bank und Stuhl als Sitzmöbel und das Bett.

    Die Truhe als verschließbares Behältnismöbel zur Aufbewahrung der persönl. Habe wie auch des Hausgeräts, insbes. von Kleidung und Wäsche, gehörte seit dem 14. Jh. bis ins 17. Jh. hinein zu den zentralen Möbeltypen. Als reines Nutzmöbel im Wirtschaftsbereich stand sie in der Obhut des Hofpersonals. Zunehmend dekorativ ausgestaltet fand sie Eingang in Flez, Stube und Schlafkammer der Standesperson. Als Brauttruhe zur Aufbewahrung der Mitgift war sie repräsentatives Möbel mit zeremonieller Bedeutung, wurde bei der feierl. Einholung der Braut mitgeführt und nachfolgend Prunkstück in der Schlafkammer ihrer fsl. Besitzerin im Frauenzimmer. Mit Schloß und Eisenbändern gesichert, mit Beiladen und Fächern ausgestattet, war sie Behältnis und gleichsam Schatztruhe im unmittelbaren Umfeld ihres Besitzers, wovon die häufige Aufstellung direkt am Bett als bes. sicherem Ort zeugt, die in Bildquellen und Testamenten belegt ist. In ihrer Kleinstform, als fein eingelegtes Minnekästchen, wurde sie zum schreiner. Kabinettstück und fand Aufstellung im höf. Wohnbereich.

    Parallel mit der Truhe entwickelte sich seit dem 14. Jh. der Schrank, wobei der anfangs noch aus schweren Bohlen gezimmerte, aus einem Stück bestehende Kasten kaum bewegl. war, weshalb er nur im Wirtschaftsbereich Verwendung fand. In den herrschaftl. Wohnräumen waren dagegen in die Wand oder die Täfelung integrierte Einbauschränke aller Art beliebt, wie sie auf vielen Gemälden der Zeit zu sehen sind. Die meisten erhaltenen Schränke des MA stammen – auch wenn sie heute in Burgen oder Schlössern stehen – aus dem kirchl. Umfeld und dienten ursprgl. als Sakristeischränke zur Aufbewahrung von liturg. Gewändern und Gerät.

    Hauptfunktion des Tisch im höf. Bereich war die des Tafeltisches. Mittels einiger zur Platte verbundenen Bretter auf Böcken wurde dieser zu bestimmten Anlässen und in der Größe nach Bedarf variabel temporär als Speisetafel aufgestellt und nach dem Mahl wieder abgebaut. Das einfache Gestell verschwand unter einem bodenlangen Tafeltuch. Seltene erhaltene Exemplare sowie bildl. Darstellungen von Tafelszenen überliefern, daß es seit dem 14. Jh. auch feste Tischgestelle wie den langgestreckten Schragentisch gab, deren verzierte Beine unter dem weißen Tischtuch zu erkennen sind. Kostbare Textilien in Gestalt von Baldachinen und Rücklaken, die den Platz der wichtigsten Standespersonen am Tisch auszeichneten, sowie die hierarch. Sitzordnung zeigen Darstellungen höf. Tafelszenen bereits seit dem frühen 14. Jh.

    Die Sitzmöbel waren meist zusammenklappbare Schemel und Stühle sowie Bänke. Im Wohnbereich waren die Bänke zumeist fest mit der Täfelung oder Wand verbunden, wobei lose Polster und ein an der Wand angebrachtes Tuch, das so genannte Rücklaken, wärmten und zugl. den Sitzplatz auszeichneten.

    1450-1550

    Mit dem Wandel der befestigten Burg zum repräsentativen Schloß und den Schloßneugründungen der Renaissance seit Beginn des 16. Jh.s stiegen auch die Ansprüche an die Ausstattung der Innenräume. Nach und nach begann sich eine festere Möblierung auszubilden, die bestimmten Räumen bestimmte Möbel zuordnete. Eine ganze Reihe neuer Möbeltypen erfüllte die Ansprüche einer zunehmend ausgebauten, ortsgebundenen Hofhaltung. Schmuck- und Repräsentationsbedürfnis traten an die Stelle reiner Nutzfunktion, ja unterschieden eigtl. den durch wenige, aber stets bedeutsame Möbelstücke ausgezeichneten herrschaftl. Bereich von der Sphäre der Hofbediensteten und des Gesindes. Neue techn. Errungenschaften wie die durch Wasserkraft betriebene Sägemühle begünstigten diese Entwicklung durch leichtere Möbel in neuer Rahmen-Füllungs-Konstruktion und damit auch neue anspruchsvollere Dekortechniken wie das Furnieren und die Einlegearbeit in Form von Marketerie oder Intarsie. In der Tafelmalerei des 15. Jh.s sind die Möbel dieser Zeit in minutiöser Schilderung überliefert und zeugen von ihrer größeren Vielfalt und Verfeinerung.

    Als ausgesprochenes Prunkmöbel trat seit dem 16. Jh. das Bett an die Spitze der Möbelgattungen – als zentrales Möbel der fsl. Schlafkammer, das nun von einfacher hölzerner Schlafstatt zum festen Bestandteil der Raumarchitektur geworden ist und mit großem Aufwand ausgestattet wird. Auszeichnendes Element der fsl. Schlafstatt ist der zuweilen hölzerne, zumeist aber textile Baldachin (Himmel), der zw. die vier hohen Eckpfosten gespannt das Bett in seinen vollständigen Ausmaßen überdacht. Die hohe zeremonielle Bedeutung, die dem Bett im höf. Bereich zukam, wird dadurch offenbar, daß neben dem Thron oder Audienzstuhl und dem Platz des Fs.en an der Tafel nur dieses Möbel durch einen Baldachin ausgezeichnet ist. Mitunter wird das Bett gleichsam wie ein Thron durch eine Estrade emporgehoben, wie es etwa ein Bettentwurf Peter Flötners von 1533 zeigt. Stets umgrenzen Bettvorhänge den Bezirk der Schlafstatt.

    In den bildl. Zeugnissen des 15. und frühen 16. Jh.s sieht man häufig eine Truhe mit den persönl. Gegenständen an Stirn- oder Längsseite des Bettes stehen, als prakt. Behältnis, Ablage, Sitzbank oder Staffel, um in die hoch aufgebettete Schlafstatt zu gelangen. So veranschaulicht es ein Gemälde Hans Wertingers von 1517 (Prag, Národní Galerie), das – eingekleidet in eine histor. Szene – ein fsl. Schlafzimmer mit Prunkbett am Hofe Hzg. Ludwigs X. auf der Burg Trausnitz in Landshut darstellt – am prunkvollen Baldachinbett zwei Truhen, im Hintergrund der typ. Erkersitz mit wandfester Bank und Tafeltisch. In der weiteren Entwicklung des Möbeltypus wird das Bett als barockes Imperialbett dann in gesteigerter zeremonieller Würde stets frei stehen, weitere Möbel in geziemendem Abstand davon.

    Truhe und Schrank, die beiden zentralen Behältnismöbel, waren neben dem Bett die Prunkstücke der repräsentativen Hofhaltung. Insbes. der Schrank in seiner neuen Formgebung – zweigeschossig und viertürig, mit Sockel, Schubladengeschoß und Kranzgesims – wird seit dem späten 15. Jh. bis in das 17. Jh. hinein zum eigentl. Prunkmöbel. Die Möbelfront war Träger kostbarer Furniere und kunstvoller Einlegearbeiten und Schnitzereien, gestaltete sich zunehmend als Architektur im Kleinen und repräsentierte Reichtum und Kunstsinn des Auftraggebers. Im Verbund mit hölzernen Täfelungen, Kassettendecken und aufwendig gestalteten Portalen erhielt der monumentale Schrank seinen festen Platz im Saal, im Flez und auf den Gängen, während die Truhe mehr den Wohnräumen zugeordnet blieb.

    Als neuer Möbeltypus wird unter franco-fläm. Einfluß der Stollenschrank eingeführt, der – im 15. und 16. Jh. ausgesprochen beliebt – in kaum einem Interieurbild fehlt und sich in einer Fülle von Exemplaren erhalten hat. Das reich geschnitzte Schränkchen mit Flügeltür und Schubladen wird von hohen Beinen (Stollen) getragen, die unten durch ein Brett verbunden sind. Als zierl. Möbel diente es in der Schlafkammer der Unterbringung persönl. Dinge. Auf dem Stegbrett wurde die prunkvolle Waschgarnitur, auf dem Schränkchen der Kerzenleuchter abgestellt.

    Größer dimensioniert wird der Stollenschrank seit dem 16. Jh. zum Kredenzmöbel der neu eingeführten Tafelstube, in dem kostbares Geschirr und Gefäße verwahrt und auf den Stellflächen präsentiert werden konnten, vergleichbar den temporär als Schaubuffets für die Festtafel aufgebauten Kredenzen. Auch die so genannte Schenkschive, ein im 15. Jh. in Niederdeutschland entstandener Möbeltypus diente den gehobenen Ansprüchen eines sich entwickelnden Tafelzeremoniells. Als großer Schrank mit in der Mitte herausklappbarer Platte (Schive) wurde er als Schenktisch zum Kredenzen eines Trunks benutzt. Gefäß und Gläser waren hinter der Schive verborgen. Gegen 1600 löste der Kredenzschrank den Stollenschrank ab. Als Tafel diente weiterhin das mobile Gestell unter bodenlangem Tafeltuch.

    Als neuer, ortsfester Möbeltypus etablierte sich der Kastentisch als Schreib- oder Verhandlungstisch in der fsl. Stube. Die Tischplatte konnte aufgeklappt oder abgenommen werden, um die im Kasten verwahrten Gegenstände zu entnehmen. Als Sitzmöbel dienten neben wandfesten Bänken mit Lederpolstern und der aus Italien kommenden Truhenbank im Schlafgemach Scherensessel und Faltstühle, die zusammengeklappt und weggestellt werden konnten.

    1550-1650

    Mit dem seit dem ausgehenden 16. Jh. umfangr. werdenden Raumprogramm in den Residenzschlössern, in dem die fsl. Zimmerfolge nun Vorzimmer bzw. Tafelstube, Audienzzimmer, Schlafzimmer und Kabinett umfaßte, entwickelte sich die ortsfeste, aufwendige und zeremoniellen Vorgaben folgende Möblierung fort, die in hohem Maße auch Textilien einbezog. Erhaltene Ausstattungsinventare wie z.B. das "Inventarium der Tappezereyen, Aufschleg, Pöttzieraten und anderer Mobilien" der Res. München von 1638 listen in großer Ausführlichkeit die textilen Bestandteile der Möblierung – Baldachine zu Tafel und Audienz, Bettbekleidungen, Tischteppiche und kostbare Bezüge von Sitzmöbeln – die nach Farbe und Materialreichtum unterschieden, zur Rangbezeichnung eingesetzt wurden. Die Ausstattungsstücke möblierten die herrschaftl. Zimmerfolge nach festem Plan, in den Gäste- und Festtrakten wurden sie nach Anlaß installiert wie z.B. Quellen von den Kaiserbesuchen in der Münchner Res. berichten. Übl. wurde auch die Herstellung von Garnituren für einen Raum, deren Einheit v.a. durch die Textilien anschaul. wurde.

    Sitzmöbel wurden seit Mitte des 16. Jh.s dem Rang nach differenziert, hierarch. aufsteigend vom lehnenlosen Hocker über den Pfostenstuhl mit hoher Rückenlehne bis zum hochrangigsten Sitzmöbel, dem Armlehnstuhl mit Arm- und Rückenlehnen. Die Sitzbezüge folgten in ihrem Reichtum dieser Ranghierarchie. Ende des 17. Jh.s wird diese Sitzhierarchie in einem eigenen Kapitel zum Mobiliar in den Zeremonialbüchern festgeschrieben werden. Der Tafeltisch blieb, durch die Doppelfunktion von Vorzimmer und Tafelstube, ein mobiles Möbel. Weitere Ablagemöbel erscheinen nur als Gestelle unter bodenlangen Tischteppichen aus Samt, Leder und Brokat, wie sie auch auf gleichzeitigen Standesporträts abgebildet sind.

    Neben diesen mit einer konkreten Zweckbestimmung behafteten Möbeln entstanden nun allein der Repräsentation dienende Prunkmöbel wie Kabinettschränke und Prunktische. Ein dezidiert herrschaftl. Möbel, ausgezeichnet durch reiche Einlegearbeit, war schon der transportable Reiseschreibtisch, der um die Mitte des 16. Jh.s in Dtl. eingeführt wurde. Als kastenförmiger Schrein, dessen Schubladen und Geheimfächer hinter herabklappbarer Frontlade gesichert sind, wurde er auf Reisen und Kriegszügen als Schreib- und Behältnismöbel für Wertsachen und Dokumente mitgeführt. Seine aufwendige Holzmarketerie veranschaulicht aber zugl. den Luxus, es sich leisten zu können, ein solches hochempfindl. Möbel den Strapazen einer Reise auszusetzen. Auf ein Tischgestell montiert, wurde das Reisekabinett gegen Ende des 16. Jh.s zum ortsfesten Kabinettschrank. Aus kostbaren Hölzern gefertigt, insbes. dem nach der span. Mode bis Mitte des 17. Jh.s vorherrschenden schwarzen Ebenholz, das als teurer Import aus Übersee nur im höf. Umfeld Verwendung finden konnte, auf das Reichste mit kostbaren Dekoren aus Elfenbein, edlen Steinen und Metallen verziert und mit gelehrten Bildprogrammen versehen, wurde der Kabinettschrank ebenso zum gewissermaßen funktionslosen, allein der Repräsentation dienenden Prunkmöbel wie der Prunktisch oder der gewaltige, architekton. instrumentierte Fassadenschrank. Aufgestellt als Schaustück in Kunstkammer oder Galerie, selbst zugl. Sammlungsmöbel für darin verwahrte Kunstgegenstände, stand das Zeigen und zur Schaustellen nun im Vordergrund.

    L. Hinz, Sigrid: Innenraum und Möbel. Von der Antike bis zur Gegenwart, Berlin 1976. – Kreisel 1981. – Pracht und Zeremoniell – Die Möbel der Residenz München, hg. von Brigitte Langer, München 2002. – Morley, John: Möbel Europas. Von der Antike bis zur Moderne, München 2001. – Truhenbuch/Wienhausen#. – Mosler-Christoph, Susanne: Die materielle Kultur in den Lüneburger Testamenten 1323-1500, Elektron. Diss., Göttingen 1998.

    Brigitte Langer


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