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Mitteilungen der Residenzen-Kommission

 

der

 

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

Sonderheft 9

 

 

ATELIER

Hofwirtschaft

Ein ökonomischer Blick auf Hof und Residenz in
Spätmittelalter und Früher Neuzeit

 

hg. von

Jan Hirschbiegel und Werner Paravicini

 

 

Kiel 2007


 

 

ATELIER

Hofwirtschaft

Ein ökonomischer Blick auf Hof und Residenz in

Spätmittelalter und Früher Neuzeit

 

 

 

 

 

 

herausgegeben von

Jan Hirschbiegel und Werner Paravicini

 

 

 

 

 

 

Mitteilungen der Residenzen-Kommission

 

der

 

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonderheft 9

 

Kiel 2007


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ISSN 1617-7312

 

 

Herstellung:

Vervielfältigungsstelle

der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

 

 

Titelvignette:

Ausschnitt der Miniatur „Largesse“ aus „The Hastings Hours“
(British Library Add. MS 54782, fol. 43r) nach der Faksimile-Edition:
The Hastings hours.
A 15th-century Flemish book of hours made for William, Lord Hastings now in the British Library. Preface and commentary by D. H
. Turner, London 1982

 


Inhalt

 

 

 

 

 

 

 

 

Werner Paravicini, Vorwort....................................................................................................... 7

 

Volker Ohlenschläger, Spätmittelalterliche Hofwirtschaft im Spiegel von Hofordnungen.
Das Beispiel Kurbrandenburg (1470)
.................................................................................. 9

 

Mikkel Leth Jespersen, Die Hofhaltung der dänischen Königin Christine von Sachsen
um 1500........................................................................................................................... 17

 

Matthias Steinbrink, Adlige Ökonomie in der Frühen Neuzeit zwischen
Idealbild und Realität........................................................................................................ 33

 

Jürgen Jablinski, Herrschaft auf Pump – Die Finanzen der Grafen von Ravensberg im
16. Jahrhundert. Datenbankeinsatz in der historischen Forschung....................................... 41

 

Jochen Ebert, Die Versorgung des hessen-kasselischen Hofs aus den Domänen
(Ende 18./Anfang 19. Jahrhundert).................................................................................... 62

 

Andrea Brill, Hofhaltungskosten am wallersteinischen Hof zur Zeit von
Kraft Ernst Fürst zu Oettingen-Wallerstein 1748-1802...................................................... 78

 

 

Autoren..................................................................................................................................... 88

 

 

 



Vorwort

 

 

Erstmals veröffentlicht die Residenzen-Kommission neben den Akten eines Symposiums auch jene fünf Vorträge, die von jüngeren Leuten auf einem „Atelier“ (nein, nicht workshop) gleichsam im Vorfeld der Hauptveranstaltung zum selben Thema der „Hofwirtschaft“ gehal-ten worden waren. Hinzu kam nachträglich Mikkel Leth Jespersens Beitrag, der nun endlich dafür sorgte, daß das so nahe Dänemark auch würdig vertreten ist. Die Veranstaltung fand auf Schloß Gottorf statt, wo die Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen großzügige Gastgeber waren, am Nachmittag des 23. September 2006. Ist die Ausstattung des Sonderhefts einfacher, so kommen die Texte doch schneller zur Welt als es jenen beschieden ist, die den 21. Band der Reihe „Residenzenforschung“ ausmachen werden: Der wird erst im September 2008 er-scheinen und ist auch nicht kostenlos zu haben. Man hüte sich jedoch vor dem Vorurteil, es sei nichts wert, was gratis verteilt wird. Wir haben Doktoranden und Habilitanden auf dem Gebiet der Hof- und Residenzforschung Gelegenheit gegeben, sich bekannt zu machen und Rat einzuholen. Waren wir nicht alle einmal in jenem Zustand fast grenzenloser Achtung für die Älteren, noch nicht ahnend, wie viel in uns steckte – und wie wenig oft in jenen?

So mögen Sie denn, werter Leser, wohlwollend gestimmt weiterblättern und sich an den ganz verschiedenen Methoden, Zeiten, Gegenständen und mancherlei Illustration erfreuen. Hofordnungen als Quelle hier, elektronische Datenverarbeitung bei knapper Kasse, aber mit Gebrauchsanweisung dort; ein (für uns) ganz später Fürst und Vorfahr dessen, der uns auf dem Symposium zu Neuburg an der Donau ehemals empfing; Domänenwirtschaft, die bei weitem mehr abwirft, als in Zeiten des Steuerstaats gedacht; ein Frauenhof auf der herrlichen Insel Fünen und, ganz zentral zum Thema, „Ökonomie“ als Wille und Vorstellung. Vielleicht nehmen Sie ja später auch noch den „eigentlichen“ Symposiumsband in die Hand und werden sich vielleicht fragen, warum nicht gleich dort erschien, was Ihnen so gut gefiel? Nun, gradus ad Parnassum, nichts übereilen, was könnte denn dann noch kommen, wenn man bereits in der Reihe „Residenzenforschung“ veröffentlich hat?

Jörg Wettlaufer hatte die Idee zu dieser erstmaligen Veranstaltung. Jan Hirschbiegel aber sammelte die Manuskripte ein und brachte sie in Form, so zeichnen wir beide zusammen als Herausgeber, in bewährter, dankbar empfundener Zusammenarbeit.

Veranstaltung und Veröffentlichung wären indes nicht möglich gewesen ohne die Groß-zügigkeit zahlreicher Institutionen. Beigetragen zum Atelier (und zum Symposium) haben die Bund-Länder-Kommission für Forschungsförderung im Akademieprogramm mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Landes Schleswig-Holstein, die Gerda Henkel Stiftung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das Deutsche Historische Institut Paris und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Ihnen allen gilt unser aufrichtig empfundener Dank.

 

Paris, am 1. Mai 2007                                                                                          Werner Paravicini

 

 



Spätmittelalterliche Hofwirtschaft im Spiegel von
Hofordnungen
Das Beispiel Kurbrandenburg (1470)

 

Volker Ohlenschläger

 

 

Hofordnungen gelten seit langem als Schlüsselquelle zur Erforschung der Binnenstruktur vormoderner Höfe. Am Beispiel der Hofordnung Markgraf Johann Ciceros von Brandenburg aus dem Jahr 1470 möchte ich im Folgenden zeigen, inwieweit sich der Hof als Wirt-schaftssystem in dieser speziellen Art normativer Quellen fassen läßt. Das gewählte Beispiel ist nicht nur deshalb interessant, weil die Mark Brandenburg als Kurfürstentum zu den wichtigsten Territorien des mittelalterlichen römisch-deutschen Reiches zählt, sondern vor allem, weil die Hofordnung von 1470 unmittelbar im Zusammenhang eines Regiments-wechsels entstanden ist. Daher lassen sich hier die spezifischen Probleme und Schwierig-keiten eines sich gerade neu konstituierenden Hofes sichtbar machen.

Die älteste bislang bekannte brandenburgische Hofordnung – eben jene von 1470 – ist in zwei zeitgenössischen Handschriften, welche heute in Berlin[1] und in Bamberg[2] aufbewahrt werden, überliefert[3]. Zudem findet sich in Berlin noch eine Mitte des 19. Jahrhunderts entstandene Abschrift[4] der Bamberger Handschrift[5]. Bereits 1860 druckte Adolph Friedrich Riedel die Hofordnung auf Grundlage der Berliner Handschrift in seinem „Codex diplo-maticus Brandenburgensis“ ab[6]. Eine modernen Maßstäben genügende Edition kann man diesen Druck jedoch nicht nennen: Seine zahlreichen und nicht unbedeutenden Texteingriffe machte Riedel in keiner Weise kenntlich. Das zur Hofordnung gehörende Verzeichnis des Hofpersonals druckte Riedel als eigenständiges Stück ab, ohne den Bezug zum Text der Ordnung kenntlich zu machen[7]. Auch das der Ordnung von Riedel zugeordnete Datum, der 10. April 1473, ist falsch. Wie bereits Gerhard Schapper nachgewiesen hat, ist die Hof-ordnung Markgraf Johann Ciceros höchstwahrscheinlich während der Sommermonate des Jahres 1470 entstanden[8].

Die Hofordnung Markgraf Johann Ciceros von Brandenburg wurde erstmals 1912 von Gerhard Schapper eingehender untersucht. Aufgrund seiner verwaltungsgeschichtlichen Fra-gestellung suchte Schapper in der Ordnung von 1470 die „Verfassung“[9] des Berliner Hofes, die er zu seiner großen Enttäuschung jedoch nicht fand. Daher versuchte er die in seinen Au-gen unvollständigen Angaben der Hofordnung aus anderen Quellen zu ergänzen und verlor so die eigentlichen Aussagemöglichkeiten des Textes aus dem Blick. Auch in der 1990 erschie-nenen Arbeit von Karl-Heinz Ahrens wurde die Hofordnung von 1470 nur kursorisch im Rahmen von verwaltungsgeschichtlichen Betrachtungen behandelt, ohne daß eine eigentliche Neubearbeitung der Quelle erfolgte[10]. In jüngster Zeit jedoch hat die Forschung zu den Hohenzollern des späten Mittelalters durch Cordula Noltes[11] Arbeit zu den familiären Be-ziehungs- und Kommunikationsstrukturen neue Impulse erhalten.

Das Jahr 1470 markiert eine wichtige Zäsur in der Geschichte der Mark Brandenburg[12]. Die Resignation Kurfürst Friedrichs II. und die Übergabe der Herrschaft an seinen in Franken residierenden Bruder Albrecht Achilles hatten weitgehende Umwälzungen der Verhältnisse am Hof in der Doppelstadt Berlin-Cölln[13] zur Folge. Albrecht, der selbst nicht beabsichtigte, in die Mark überzusiedeln, ernannte seinen damals fünfzehnjährigen Sohn Johann Cicero zum Regenten der Mark und stellte ihm einen Kreis ausgewählter Räte zur Seite. Zwar lebte der junge Markgraf bereits seit drei Jahren im Cöllner Schloß, dennoch bedeuteten die Abreise des ehemaligen Kurfürsten auf die fränkische Plassenburg bei Kulmbach und der Aufbau von Johanns Statthalterregiment einen Neuanfang und die Umkehr bisheriger Strukturen: Der zuvor im Zuge seiner Ausbildung als Gast am Hofe des Onkels lebende Johann Cicero war nun der Hausherr und das bisherige Regiment wurde durch ein neues ersetzt. Die in Berlin zurückbleibende Gattin Friedrichs II., Katharina von Sachsen, lebte nun  mit ihrer noch unverheirateten Tochter Margareta am Hofe ihres Neffen. Seinem Bruder gegenüber hatte sich Albrecht Achilles verpflichtet, die beiden Damen standesgemäß zu versorgen[14], die alltägliche Erfüllung dieser Verpflichtung oblag jedoch Johann Cicero als seinem Stellvertreter, was immer wieder für Komplikationen sorgte.

Ein wesentliches Merkmal dieses neuen Regimentes in der Mark war, daß es sich nicht mehr um eine völlig selbstständige Verwaltung handelte. Zwar mußte Johann schon aufgrund der räumlichen Distanz[15] zwischen Brandenburg und Franken eigenständig regieren und selbständig Entscheidungen treffen, jedoch war er seinem Vater, dem grundsätzlich auch sämtliche märkischen Einkünfte zustanden, zur Rechenschaft über seine Amtsführung ver-pflichtet[16]. Diese spezifische Umbruchssituation, in der sich die Markgrafschaft Brandenburg und mit ihr der Berliner Hof im Sommer 1470 befanden, spiegelt sich auch in der Hofordnung Markgraf Johann Ciceros wider.

Die Hofordnung von 1470 besteht aus zwei Teilen; einem Verzeichnis des Hofper-sonals[17] und dem eigentlichen Text der Ordnung. Das Personalverzeichnis ist durch Rubriken, mit denen die Personen verschiedenen Bereichen des Hofes – wie der Kanzlei oder der Küche – zugeordnet werden, klar gegliedert. Im Gegensatz dazu erscheint der eigentliche Text der Ordnung zunächst relativ unstrukturiert. Gliedernde Überschriften fehlen. Lediglich die einzelnen Artikel sind durch eine Freizeile und ein links über den Text hinausragendes Item in der jeweils ersten Zeile voneinander abgesetzt[18]. Inhaltlich sind scheinbar wahllos Bestim-mungen aller Art zusammengestellt; allgemeine Vorschriften stehen neben konkreten Hand-lungsanweisungen für gerade aktuelle Einzelfälle, zeremonielle Belange vermischen sich mit rechtlichen Bestimmungen und die Verwaltung der allgemeinen Landesfinanzen wird in einem Atemzug mit Dingen des einfachsten täglichen Bedarfs abgehandelt. Macht man sich jedoch von modernen Vorstellungen von Systematik frei und wendet sich dem Text erneut zu, so zeigt sich ein völlig anderes Bild: Man hat einen in sich kohärenten Text vor sich, die einzelnen Artikel sind nicht systematisch, sondern thematisch aneinandergereiht, teils nach Orten, teils nach Sachen, teils nach Personen und Ämtern. Die Übergänge von einem Themenkomplex zum anderen sind in sich schlüssig und nachvollziehbar. Gleich einem Rundgang durch die markgräfliche Residenz werden die einzelnen Bereiche der Hofhaltung nacheinander behandelt. Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht verwirrend, wie es Schapper[19] scheint, sondern aus der Struktur des Textes heraus nur logisch, daß beispielsweise dem Küchenmeister zu Beginn der Hofordnung die Verwaltung aller fürstlichen Einnahmen, auch der nicht für die Haushaltung bestimmten, zugewiesen wird[20] und erst gegen Ende des Textes, wenn der Etat der Haushaltung selbst Gegenstand der Regelungen ist, genauer erläutert wird, mit welchen Einnahmen er denn nun die eigentliche Haushaltung bestreiten soll[21].

Die Hofordnung beginnt mit allgemeinen, das gesamte vom Herren unterhaltene Hof-gesinde betreffenden Regelungen; die Zugreihenfolge bei Ritten über Land wird umrissen, ein Treueid des Hofpersonals vorgeschrieben und die Kontrolle der Pferde des Hofpersonals zur Vermeidung von durch die Herrschaft zu ersetzenden Schäden wird gefordert[22]. Es folgen Regelungen über die Verwaltung der herrschaftlichen Finanzen durch die Räte[23], die eine Hierarchiestufe tiefer mit Anweisungen für die Heidereiter und Zöllner fortgesetzt werden[24]. Mit der Anweisung, den gegenwärtigen Berliner Zöllner auszutauschen[25], wendet sich der Blick anschließend der Hofhaltung in der Residenzstadt selbst zu und die Verhältnisse im Umkreis des Mühlhofes werden geregelt[26]. Mit der Beschreibung der Aufgaben des Küchen-schreibers[27] erfolgt der Übergang zum markgräflichen Schloß. Die das alltägliche Leben und Arbeiten im Schloß betreffenden Regelungen bilden die zweite Hälfte des Textes. Nach der Festlegung der Speiseräume und einer Verfügung über den Keller[28], folgen die Fütterung der Pferde am Hof, Bestimmungen über die Silberkammer und das Botenwesen[29]. Weitere Kom-petenzen und Aufgaben des Küchenmeisters schließen sich an[30]. Den das Schloßtor betref-fenden Bestimmungen folgen der Schlaftrunk, die Versorgung des Lehrers der Chorschüler und die Armenspeisung[31]. Nach Vorschriften über den Unterhalt des Hofes bei Ritten über Land folgt eine Anweisung für die Vergabe des Hofgewands, bevor die Hofordnung mit einer Bestimmung zu ihrer Veränderung schließt[32].

Die Doppelnatur des Hofes im ökonomischen Sinn – als Ort der Produktion einerseits und des Konsums andererseits – wird in der Hofordnung Markgraf Johann Ciceros von 1470 auch topographisch faßbar. Der Mühlhof war die Sammelstelle für die von der Bevölkerung zu entrichtenden Abgaben. Gleichzeitig bildete er das Zentrum der Eigenwirtschaft der markgräflichen Haushaltung, da die dortigen Amtleute mit der Kontrolle der zum Hof gehörenden Eigenwirtschaftsbetriebe betraut waren. Er stellte somit das Herz der Hofwirt-schaft dar. Dem stand das Cöllner Schloß als Zentrum des Hoflebens gegenüber. Hier bestimmte die Hofordnung vor allem mit Verfügungen über das Öffnen und Schließen der Tore, der Festsetzung der Essenszeiten sowie Regelungen über die sonstige Versorgung der Hofangehörigen den Rhythmus des alltäglichen Lebens. Die Zentren der Produktion – der Mühlhof auf dem Berliner Ufer – und des Verbrauchs – das Schloß auf der Cöllner Seite – sind durch den Fluß getrennt. Gleichzeitig machen der Mühlhof auf dem rechten und das Schloß auf dem linken Spreeufer, jeweils an einem Flußübergang gelegen[33], die Festsetzung der Hohenzollern in der erst knapp 30 Jahre zuvor unterworfenen Residenzstadt deutlich[34].

Weder zeremonielle Belange noch die Strukturen der brandenburgischen Landes-herrschaft, welche nur in wenigen Artikeln behandelt werden, sondern die Organisation des alltäglichen Lebens und Wirtschaftens des Hofes in der Doppelstadt Berlin-Cölln ist der Hauptgegenstand der Hofordnung von 1470. Die markgräfliche Haushaltung erscheint in dieser Quelle bereits als relativ ortsfest. Die Eigenwirtschaftsbetriebe sind um das Zentrum des Berliner Mühlhofs organisiert. Ein ähnliches Modell wäre auch für andere Betriebe mit Zentralfunktion, wie die Spandauer Mühle und den Köpenicker Zoll denkbar. Mit dem Wirtschaftssystem des Hofes erscheint die Doppelstadt Berlin-Cölln in der Hofordnung von 1470 nur teilweise verzahnt. Zwar werden einige Bedarfsartikel wie Schuhe von städtischen Handwerkern bezogen, jedoch mahnen die entsprechenden Passagen der Hofordnung immer wieder, die dadurch entstehenden Kosten möglichst gering zu halten[35].

Trotz der teilweise sehr ausführlichen Bestimmungen hat die Hofordnung Markgraf Johann Ciceros von Brandenburg den Charakter eines Provisoriums. Jedoch wurde ein Ex-emplar der Hofordnung an Albrecht Achilles nach Franken geschickt, daher kann man davon ausgehen, daß die Regelungen durchaus Gültigkeit haben und in die Praxis umgesetzt werden sollten. Zwar wird in den Bestimmungen der Hofordnung von 1470 ein relativ klares Konzept für die Organisation des Hofes und der Landesverwaltung sichtbar, gleichzeitig wird aber auch deutlich, daß diese Verwaltung 1470 eben noch nicht routinemäßig arbeitete, sondern erst im Aufbau befindlich war: Nur die wichtigsten Bereiche und drängendsten Probleme wurden geregelt und dies oft weniger ausführlich, als wir es uns heute wünschen würden. Bestimmungen über die Kanzlei, einen der wichtigsten Bereiche des Hofes, fehlen völlig. Einige Ämter sind noch vakant, andererseits finden sich im Verzeichnis des Hofpersonals wiederum Personen, die zwar als Hofgesinde aufgenommen sind, aber noch auf die Zuwei-sung eines Aufgabenbereiches warten[36]. Daher hat Schapper durchaus Recht, wenn er der Hofordnung von 1470 nur bedingte Aussagefähigkeit über die „normalen Zustände“[37] am Berliner Hof zugesteht. Doch inwieweit herrschte im Sommer 1470, kurz nach der Herrschaftsübernahme durch Albrecht Achilles und Johann Cicero Normalität in der Mark Brandenburg?

Die wahrscheinlichen Verfasser der Hofordnung waren die beiden fränkischen Räte Georg von Absberg und Ludwig von Eyb, zwei ausgewiesene Verwaltungsspezialisten, die Albrecht Achilles im Sommer 1470 nach Berlin geschickt hatte[38]. Die Professionalität dieser beiden Räte zeigt sich gerade in der Vorläufigkeit der Bestimmungen der Hofordnung. Als Fachleuten war ihnen klar, daß sie zwar praktikable Vorgaben für den Aufbau der Verwaltung machen, nicht jedoch alle Eventualitäten vorhersehen konnten. Mit der Hofordnung von 1470 versuchten sie, dem neuen, noch im Aufbau befindlichen brandenburgischen Regiment eine sinnvolle und tragfähige Arbeitsgrundlage zu geben und es nicht in ein starres Korsett zu zwängen, sondern ihm die notwendige Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an sich verän-dernde Rahmenbedingungen zu erhalten.

Doch bedeutet dies, daß vor dem Regimentswechsel des Jahres 1470 in der Berliner Hofhaltung tatsächlich ganz kein ordnung[39] herrschte, wie Eyb und Absberg in einem Brief an Albrecht Achilles kurz nach ihrer Ankunft an der Spree behaupten? Ein gewisses Maß an Übertreibung, um dem fürstlichen Auftraggeber die vorgefundenen Mißstände möglichst pla-stisch vor Augen zu führen, wird man den beiden fränkischen Räten wohl unterstellen dürfen. Ein zentrales Problem stellte in den Augen von Eyb und Absberg vor allem das Fehlen einsehbarer Abrechnungen dar: [...] in solchem handel [auf dem Mühlhof] hat bißher nymant kein rechnung gethan, darauß man wissen kund, oder gehaben mög, was in einem yeden gefallen oder gehandelt ist [...][40]. Diese Mißstände abzustellen und somit die Kontrolle über die brandenburgischen Finanzen zu erlangen war das Hauptziel, das mit der Hofordnung von 1470 erreicht werden sollte. Zu diesem Zweck war die möglichst effektive Kontrolle der herr-schaftlichen Einnahmen und Ausgaben notwendig. Die geforderte Rechnungslegung sollte der Kontrolle der herrschaftlichen Amtsträger dienen. In der Praxis dürfte allerdings ein anderer in der Hofordnung von 1470 vorgeschriebener Grundsatz wesentlich effektiver Unter-schlagungen verhindert haben: Alle Einnahmen und Ausgaben sollten nur in Anwesenheit von zwei Amtsträgern erfolgen und anschließend von jedem separat verzeichnet werden[41].

Kontrolle über die Finanzen bedeutet neben der Überwachung der Amtsträger im Fall der brandenburgischen Hofordnung von 1470 aber auch, einen Überblick über die gesamten jährlichen Einnahmen und Ausgaben zu erlangen. In der Hofordnung wird dies auch immer wieder ausdrücklich betont. Als Zweck der Rechnungslegung in den Ämtern, deren Erträge in die Haushaltung fließen sollten, wird dar ausz man ein wissen erlangen mag, was eyn Ides ampt vnd wesen zu gemeinen Jaren ertragen mag[42] angegeben. Die wöchentlich im Küchenbuch einzutragende Abrechnungen hatten laut dem Text der Hofordnung neben der Vereinfachung der Jahresrechnung noch einen größeren Vorzug: Auszerdem findet man, was ein virteil Jars, ein halbs odder gantz Jar mit aller dalegung die kuch gestanden hat[43]. Schließlich sollte die genaue Abrechnung des Verzehrs über Land bei den herrschaftlichen Amtleuten neben deren Kontrolle noch einen weiteren Nutzen haben: Auszer dem findet man, ob dem hern an solcher czerung versteet odder nicht[44]. Die getrennte Abrechnung der Kosten der Haushaltung in Berlin und des Verzehrs des Hofes über Land sollte also ersichtlich wer-den lassen, ob es für die Herrschaft günstiger war, sich ständig in Berlin aufzuhalten oder über Land zu reisen.

Ein solcher Überblick über die gesamten Kosten und Einkünfte war notwendig, wenn man die am Berliner Hof anfallenden Haushaltungskosten realistisch abschätzen und ange-messene Mittel zu ihrer Deckung bereitstellen wollte. Diese Übersicht hatte im Jahr 1470 weder Albrecht Achilles noch Johann Cicero. Auch Eyb und Absberg konnten sie sich wäh-rend ihres Aufenthaltes in Berlin nicht verschaffen. Da man die für den Unterhalt der fürst-lichen Haushaltung benötigte Summe nicht kannte, wurden in der Hofordnung von 1470 die Erträge einiger märkischer Ämter für diesen Zweck bestimmt[45]. Jedoch betonte bereits die entsprechende Bestimmung die Vorläufigkeit dieser Schätzung und sah vor, daß nötigenfalls weitere Gelder zugeschossen werden sollten. Auch wird außer dem Michaeliszins der Juden[46] keine einzige Einnahme genau beziffert, was ebenfalls die Annahme nahelegt, daß auch nur annähernd exakte Zahlen den die Mark Brandenburg übernehmenden fränkischen Hohen-zollern nicht zur Verfügung standen.

Ein genau bezifferter jährlicher Etat für die Verwaltung der Mark wird Johann erst im August 1476 zugewiesen: 3000 fl. wurden für die Bezahlung der brandenburgischen Amtleute veranschlagt, 10 000 fl. sollten für den Unterhalt des fürstlichen Haushaltes ausreichen und 1000 fl. sollten für Baumaßnahmen aufgewendet werden[47]. Im gleichen Schreiben werden die jährlichen Einkünfte aus vier märkischen Ämtern, Tangermünde, Berlin, Küstrin sowie Gartz und Oderberg, auf jeweils 2000 fl. beziffert. Auch die Zusammensetzung der 10 000 fl. für den Haushalt wird dargelegt: 5000 fl. für den Unterhalt des –  allerdings gleichzeitig auf 80 berittene und 70 unberittene Personen beschränkten – Hofgesindes, 1000 fl. für Knechtlohn, Hofgewänder und Pferdeschäden, sowie 4000 fl. für die Zehrung der Herren und Räte und den sonstigen Bedarf des Haushaltes.

Zwar forderte Albrecht Achilles seinen Sohn Johann Cicero gleichzeitig mit dieser Fest-setzung seines Deputates auch zur Sparsamkeit und Kostensenkung auf, jedoch scheint man 1476 auch in Franken einen relativ soliden Überblick über die märkischen Finanzen gehabt zu haben, wenn dieser Etat einigermaßen realistisch und nicht völlig aus der Luft gegriffen sein sollte. Ob dieses Deputat tatsächlich ausreichend war, läßt sich an dieser Stelle nicht fest-stellen. Die ständigen Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn über finanzielle Fra-gen, die auch in den folgenden Jahren unvermindert weitergingen, scheinen aber darauf hinzudeuten, daß dieses Deputat zumindest nicht übertrieben großzügig bemessen war.

Zwar läßt sich die Frage nach der tatsächlichen Umsetzung der Hofordnung des Markgrafen Johann Cicero von Brandenburg von 1470 nicht mit letzter Sicherheit beant-worten, jedoch sprechen einige Indizien dafür. 1473 erließ Johann eine neue Hofordnung[48], deren Regelungen wahrscheinlich besser an die spezifischen brandenburgischen Gegeben-heiten angepaßt waren. Leider ist uns dieser Text nicht überliefert. Ein Vergleich zweier zeit-lich so eng zusammenstehender Ordnungen desselben Hofes wäre besonders aufschlußreich. Der Erlaß einer neuen Hofordnung im Jahre 1473 muß jedoch nicht bedeuten, daß alle Anord-nungen von 1470 außer Kraft gesetzt wurden. Wahrscheinlicher ist, daß bewährte Regelungen beibehalten wurden. Im Falle des 1470 neu geschaffenen Amtes des Mühlschreibers läßt sich dies sogar nachweisen[49]. Die Hofordnung von 1470 scheint somit eine tragfähige Arbeits-grundlage für das neue Berliner Regiment geboten zu haben, und auch die Übersicht über die märkischen Finanzen stellte sich langsam ein. Bei der Bestellung seines Sohnes Johann und des Bischofs von Lebus zu Regenten der Mark Brandenburg im Jahre 1473 verlangte Albrecht Achilles, daß man ihm jährlich zu Lichtmeß einen Schreiber mit der Abrechnung der brandenburgischen Ausgaben und Einnahmen des vergangenen Jahres nach Franken schicke[50]. Praktisch umsetzbar war dies nur, wenn in der Mark tatsächlich in der Art Buch geführt wurde, welche die Hofordnung von 1470 vorschreibt. Hier zeigt sich eine elementare Funktion, die Hofordnungen beim Aufbau der höfischen Wirtschaft haben können: Erst durch geordnete Arbeitsabläufe und regelmäßige Abrechnungen – also „ordentliches“ Wirtschaften – erhielt man die Übersicht, welche weitere Planungen überhaupt erst ermöglichte.

 

 

 



Die Hofhaltung der dänischen Königin Christine von Sachsen
um 1500

 

Mikkel Leth Jespersen

 

 

Systematische Studien über frühmoderne Höfe haben aus verschiedenen Gründen lange Zeit keine große Rolle in der dänischen Geschichtsforschung gespielt. Zuerst ist die Abneigung gegen den Adel und die aristokratische Herrschaft in der frühen dänischen Historikertradition zu nennen. Es war schlichtweg verpönt, sich mit dem Adel zu beschäftigen. Die bäuerliche „Allgemeinheit“ wurde in den Vordergrund gestellt[51]. Zweitens gab es im Spätmittelalter nur wenige Höfe in der dänischen Monarchie. Neben dem Königshof waren dies nur der Hof der Königin und südlich der Königsau die Schleswiger Herzogshöfe. Von den geistlichen und größeren adeligen Haushalten sind leider nur wenige aussagekräftige Quellen überliefert. Deshalb waren die Möglichkeiten für den Aufbau einer eigenständigen Forschungsrichtung begrenzt. Dies hat auch mit dem dritten Grund zu tun. Erst nach Entspannung in der Frage der nationalen Gegensätze haben die dänischen Historiker in den letzten ungefähr dreißig Jahren ihre Aufmerksamkeit in höherem Maße auf die Geschichte der deutschen Territorien gerichtet und vielfältige Möglichkeiten zu neuen Fragestellungen und Antworten gefunden. Woher kamen die politischen, kulturellen und organisatorischen Strömungen und Anregungen, welche die dänischen Höfe aufnahmen und formten? Zu nennen wären vor allem dynastische Verbindungen mit den deutschen Fürstentümern nach Dänemark. So wurden Prinzessinnen aus Brandenburg, Sachsen und Pommern Königinnen von Dänemark. Umgekehrt wurden Prinzessinnen aus Dänemark Fürstinnen in Preußen, Mecklenburg, Sachsen und andernorts[52]. Heute besteht in der dänischen Geschichtsforschung ein großes Interesse an der aristokratischen und höfischen Kultur und den bedeutenden deutschen Einfluß[53]. Darüber hinaus hat man erkannt, daß die Geschichte der Hofhaltung auch für das Verständnis der allgemeinen politischen, Kultur-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte von Belang ist.

In diese neue Forschungstradition habe ich meine Studien über die Hofhaltung und Hofwirtschaft der dänischen Königin Christine von Sachsen um 1500 gestellt. Die Unter-suchung der Hofwirtschaft dieser Königin ist deshalb interessant, weil ihre Verwaltung sehr fortschrittlich war und deshalb vergleichsweise viel Quellenmaterial aus ihrer Verwaltung überliefert ist. Dies erlaubt interessante Einblicke in ihre Hofhaltung und ermöglicht die Beantwortung grundlegender sozial-, finanz- und wirtschaftsgeschichtlicher Fragen[54].

 

Der politische Hintergrund

 

Im Jahre 1478 kam die sechzehn Jahre alte sächsische Prinzessin Christine nach Dänemark, um den dänischen Prinzen und künftigen König Johann zu ehelichen. Mit einem prachtvollen Gefolge empfing der Prinz am 24. August seine Braut auf dem Feld vor den Stadtmauern Kopenhagens[55]. Am 6. September wurde geheiratet. Johann war der Sohn Christians I., König von Dänemark, Norwegen und Schweden, Herzog von Schleswig und Holstein und Herrscher über Gotland, Island und einige kleinere Landschaften. 1481 starb der alte König, und nach zwei Jahren Verhandlung wurden Johann und Christine zu König und Königin von Dänemark und Norwegen gekrönt. Die machtvolle schwedische Aristokratie wollte den neuen König jedoch nicht annehmen. In den folgenden Jahren führten Johann und Christine ein wohl fried-liches Zusammenleben. Unstimmigkeiten sind nicht bekannt und Christine brachte sechs Kin-der zur Welt: Christian (II.), Jacob, Elisabeth (∞ Joachim von Brandenburg), Franz, Johannes und Ernst, von denen die beiden letzten aber bereits im Kindesalter verstorben sind[56].

Wie sein Vater wollte Johann unbedingt König von Schweden werden, aber er verhan-delte vergeblich mit den schwedischen Reichsständen. Erst im Jahre 1497 bot sich die Mög-lichkeit, diesen Wunsch zu erfüllen. König Johann zog seinen Vorteil aus inneren Streitigkei-ten in der schwedischen Aristokratie. Im Bündnis mit verschiedenen Adelsfraktionen gewann er Schweden und wurde in Stockholm zum König gekrönt. Die alte Union von Kalmar aus dem Jahr 1397 zwischen den drei nordischen Reichen Dänemark, Norwegen und Schweden war wieder hergestellt[57].

Im Zusammenhang mit dieser Eroberung hat der König von seiner Gemahlin Geld geliehen: „Die Königin hatte dem Reich und ihrem Gemahl seiner Zeit 430 Mark Silber und 500 fl. [Gulden] zur Besoldung der Knechte im Schwedischen Kriege vorgestreckt“[58]. Aber die Mittel des Königs reichten nicht zur Rückzahlung des Geldes. Stattdessen gab Johann seiner Königin zwei Ämter und drei Städte als Pfand[59]. Auf dieser ökonomischen Grundlage errichtete Königin Christine Hofhaltung und Verwaltung mit Zentrum in Odense auf der Insel Fünen. Ihre Ämter waren Næsbyhoved in der Nähe von Odense und Tranekær auf der Insel Langeland südlich von Fünen. Städte in ihrem Besitz waren Ripen und Kolding an der Grenze zwischen Dänemark und Schleswig und Assens im Westen der Insel Fünen. In den ersten Jahren des frühen 16. Jahrhunderts, nachdem Schweden 1502 wieder verloren war, haben wir dann aber deutliche Zeichen für Streitigkeiten zwischen König und Königin[60]. Schließlich lebten die beiden bis zu König Johanns Tod 1513 getrennt, also war Königin Christine seit ungefähr 1500 bis zu ihrem Tod im Dezember 1521 Herrin eines eigenen Hofes und Haushaltes.

 

 

Abb. 1: Besitzungen der Königin Christine
Die Ämter Næsbyhoved und Tranekær mit den gleichnamigen Schlössern, und die Städte Ripen, Kolding und Assens. Die Königin residierte in der Stadt Odense auf der Insel Fünen
Karte: Jens Toftgaard Jensen, Kolding 2006

 


Quellen – Rechnungen

 

Die Rechnungen aus der Verwaltung der Königin Christine sind die am besten überlieferten und vollständigsten aus dem dänischen Spätmittelalter. Der größte Teil ist auch ungewöhnlich gut zugänglich, wurde bislang aber nur oberflächlich oder in kleinen Auszügen benutzt[61]. Über die Zentralverwaltung der Königin geben die publizierten Hofhaltungsrechnungen Aus-kunft[62]. Dieser Rechnungskomplex besteht aus vielen unterschiedlichen Teilen: Besoldungs-listen, Zoll-Rechnungen, Einnahmen und Ausgaben der Kanzlei der Königin und anderen. Die Hofhaltungsrechnungen beginnen 1496 mit einigen Besoldungslisten und enden 1521 mit dem Tod der Königin. Für einige Jahre der ersten Jahrzehnte sind die Rechnungen fast vollständig erhalten. Für die Zeit zwischen 1511 und 1520 sind hingegen keine Rechnungen überliefert. Nur zu einzelnen Jahren in den ersten Jahrzehnten ist es möglich, systematisch die Fragen zu beantworten, woher das Geld kam und wofür das Geld verwendet wurde.

Über die Lokalverwaltung und damit die ökonomische Grundlage der Hofhaltung der Königin geben wiederum die überlieferten Amtrechnungen Auskunft. Die Rechnungen aus dem Amt Næsbyhoved sind für fünf Jahre zwischen 1502 und 1510 vollständig erhalten. Die enthaltenen Listen nennen die Leistungen der etwa 260 Bauernhöfe im Amt, unter anderem wieviel Roggen, Gerste, Schweine, Schafe, Kühe, Lämmer, Gänse, Hühner, Brennholz und Bargeld jeder Pachtbauer und Freibauer an das Amtsschloß liefern sollte – und wieviel sie wirklich geliefert haben. Auch eine Mühle warf Einnahmen für das Schloß ab. Eine andere Einnahmequelle waren Geldstrafen für verschiedene Vergehen, darunter auch Totschlag, Ehe-bruch und Diebstahl. Die Rechnungen zeigen auch, wohin diesen Mittel flossen. Lange Listen geben Woche für Woche Auskunft über den Nahrungsverbrauch im Schloß und über die Ver-sorgung der Hofhaltung in Odense. Das verausgabte Bargeld ist in Ausgabenlisten verbucht. Diese berichten über die Anschaffung von Fisch und Luxusprodukten wie Kleider und Ge-würze, die Zahlung von Handwerkerlöhnen und den Kauf anderer Produkte, die man nicht selbst produzieren konnte, und enthalten Besoldungslisten für das Personal des Amtmannes. Alle diese Amtrechnungen aus Næsbyhoved sind unter dem Titel „Næsbyhoved lens regn-skaber 1502-1511“ publiziert worden[63].

Wir haben auch überlieferte Rechnungen aus dem Amt Tranekær aus den Jahren 1500-03 und 1510-11[64]. Die Rechnungen aus Tranekær sind nicht so vollständig wie die Rech-nungen aus Næsbyhoved, weil dieses Amt in den ersten Jahren unter anderen Bedingungen verlehnt war. Der Amtmann war nur verpflichtet, Rechnungen über außergewöhnliche Einnahmen wie Buß- und Eichelmastgeld zu führen. Seine Leistungen für Königin Christine machten nur einen Teil dieser buchgeführten Einnahmen aus. Des weiteren geht aus dem Lehnsbrief hervor, daß die Königin jeweils zwei Wochen Aufenthaltsrecht sowohl auf Schloß Tranekær als auch bei den Bauern im Amt hatte[65]. Jahr für Jahr reiste der gesamte Hof nach Tranekær, um von diesem vertraglich abgesicherten Recht Gebrauch zu machen. Wir haben Zeugnisse darüber, daß Christine tatsächlich bei Bauern übernachtete[66]. Um 1506 ließ Christi-ne die Belehnungsverhältnisse in Tranekær an die Verhältnisse in Næsbyhoved anpassen. Deshalb ähneln die Rechnungen von Tranekær aus den Jahren 1510-11 den oben genannten Rechnungen aus Næsbyhoved. Die Rechnungen aus Tranekær sind bislang nicht publiziert worden.

Die Königin verfügte zusätzlich über Einnahmen aus den drei Städten Ripen, Kolding und Assens. Die städtischen Steuern spielten dabei aber nur eine untergeordnete Rolle. Weit wichtiger waren die Zolleinahmen aus dem profitablen Ochsenhandel. Die Ochsen aus Nord-jütland passierten Ripen und Kolding und die Ochsen von Fünen Assens. Zollrechnungen aus diesen Städten nennen große Beträge, die der Ochsenzoll in die Kasse der Königin spülte[67].

Abgesehen von den aufschlußreichen Rechnungsquellen der Verwaltung der Königin sind nur wenige Briefe und andere Quellen überliefert, darunter ein kleines Briefbuch aus den Jahren 1504-11. Dieses enthält aber nur Notizen über gerichtliche und ökonomische Ange-legenheiten. Eine Untersuchung der Hofwirtschaft der Königin Christine muß sich somit in wesentlichen Punkten auf die Rechnungen stützen[68].

Warum gerade diese Rechnungen überliefert worden sind, wissen wir selbstverständlich nicht, aber es ist denkbar, daß Christine ihre Rechnungen behielt, weil sie mit dem König uneinig war. Möglicherweise wollte sie ihre ökonomischen Verhältnisse dokumentieren kön-nen, sollte der König ihre Rechte anfechten. Wenn wir einen Blick auf die gesammelten über-lieferten Amts- und Hofhaltungsrechnungen aus Dänemark um 1500 werfen, so sehen wir, daß der größte Teil aus Königin Christines Verwaltung stammt[69]. Damit ist ein guter Aus-gangspunkt gegeben, um die dänische Hofwirtschaft um 1500 beispielhaft zu beleuchten.

 

Organisation des Hofs

 

Dreh- und Angelpunkt des Hofs war die Königin selbst. Alles wurde „in dem Namen unserer gnädigen Frau“[70] getan und „an dem Bedarf meiner Frau“[71] ausgerichtet, wie es die Beamten ausdrückten. Bei sich hatte die Königin ihren jüngsten Sohn Prinz Franz, bis dieser 1511 früh verstarb. Ab und zu war auch der künftige König Christian (II.) am Hof seiner Mutter. Die Königin hatte viele Diener aus Geistlichkeit und Adel um sich, die mannigfaltige Aufgaben am Hof zu versehen und der Königin Gesellschaft zu leisten hatten.

In ihrem Dienst hatte die Königin zwei Kanzler, beide mit geistlicher Ausbildung. Birger Gunnarsen war in Varberg, Roskilde, Skara und Greifswald ausgebildet worden und diente bereits als Schreiber in der Kanzlei Christians I., bevor er Kanzler der Königin Doro-thea und 1495-97 Kanzler der Königin Christine wurde. Am 7. Juni 1497 wurde er zum Erz-bischof in Lund ins höchste geistliche Amt in Dänemark gewählt[72]. Sein Nachfolger als Kanzler der Königin wurde später Hans Reff. Über seinen Hintergrund wissen wir nur, daß er in Paris studiert hat. Nach dem Tod der Königin wurde er 1525 Bischof in Oslo[73]. Der Dienst als Kanzler der Königin war für beide ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu höchsten geist-lichen Ämtern.

Der Kanzler war der Leiter der Kanzlei und als solcher für die Rechnungsführung und das übrige Personal in der Kanzlei verantwortlich. Aus den Hofhaltungsrechnungen von 1510 ersieht man, wie Hans Reff in Anwesenheit des künftigen Königs Christian (II.) Rechenschaft ablegte[74]. Die tägliche Rechnungsführung konnte der Kanzler wohl nicht allein führen, weil er in viele Geschäfte verwickelt war und zahlreiche Reisen im Dienst der Königin unternahm. Der Kanzler und andere geistliche Diener der Königin erhielten kein festes Gehalt. Wie sie entlohnt wurden, wissen wir nicht. Wahrscheinlich lebten sie von Gebühren für ihre Ge-schäfte.

In der Kanzlei waren die Kapläne mit Geldfragen und Rechnungsführung beschäftigt. Die Kapläne hatten primär geistliche Funktionen zu erfüllen, aber im Dienst der Königin Christine war ihre Schreibkenntnis für weltliche Angelegenheiten gefragt. Eine der wich-tigsten Aufgaben der Kapläne war, als Kuriere die Zolleinkünfte aus den Städten Ripen und Kolding einzuholen. Auch die untergeordneten Kanzleischreiber nahmen mitunter diese Auf-gabe wahr.

Die größte und wichtigste Gruppe am Hof der Königin war aber diejenige der Mitglie-der der weltlichen Oberschicht. Die Bezeichnung „Adel“ wurde in Dänemark nicht vor 1523 angewendet, trotzdem wird in der dänischen Geschichtsforschung dieser Begriff für diesen Stand auch für das Mittelalter benutzt. Männliche Angehörige dieses Standes werden „Jun-gen“ (drenge), „Gesellen“ (svende) und „Hofgesinde“ (hofsinder) genannt, Frauen als „Mäd-chen“ (piger) und „Jungfrauen“ (jomfruer) bezeichnet; die vornehmste aller Dienerinnen war die Hofmeisterin.

Die Hofmeisterin war die einzige fest entlohnte Frau in der Hofhaltung. Bis 1504 war die Hofmeisterin Cecilie Ovesdatter Lunge, eine der reichsten und mächtigsten dänischen Frauen dieser Zeit. Sie war Witwe eines der Ersten Räte König Christians, Erbe eines großen Guts[75]. Sie wurde mit 20 Mark (dänisch) pro Halbjahr entlohnt und erhielt Bekleidung von der Königin. Die Jungfrauen waren in der Regel niederadelige Töchter, die ihr Glück am Hof der Königin suchten. Einige waren mit Höflingen der Königin verheiratet. Die Mädchen mußten mit Schuhgeld und Bekleidung zufrieden sein.

Auch die Jungen empfingen monatlich Schuhgeld, welches aber nur ein bescheidener Beitrag zum Schuhkauf war. Über ihre Aufgaben wissen wir nicht viel. Sie besorgten wohl lediglich kleinere Geschäfte. Die Königin hatte in der Regel drei Jungen in ihrem Dienst. Für die adeligen Jungen galt der Dienst am Hof entweder als Lehrzeit oder war Karrierestufe. Wenn die Jungen längere Zeit im Dienst der Königin standen, wurden sie zum Gesellen befördert. Die Gesellen verdienten zehn oder zwölf Mark pro Halbjahr und hatten viele verschiedene Aufgaben, über die wir nicht genau unterrichtet sind, möglicherweise dienten sie dem Schutz. So ritten alle Herren mit geworbenen Gesellen in ihrem Gefolge, und das tat auch Königin Christine. Die Kapläne wurden ebenfalls von Gesellen begleitet, wenn sie die Zolleinkünfte abholten[76]. Die Anzahl der Gesellen variierte; im Durchschnitt waren es fünf.

Wenn die Gesellen befördert wurden, wurden Sie zum Hofgesinde. Pro Halbjahr ver-dienten sie dann 20 Mark und waren damit zusammen mit der Hofmeisterin die am besten entlohnten Diener in der Hofhaltung. Die Mitglieder des Hofgesindes waren nicht immer am Ort des Hofes, weil sie auch ihren eigenen Besitz zu betreuen hatten. Zu Weihnachten und an-deren Festlichkeiten wie Hochzeiten waren sie jedoch stets am Hof versammelt[77]. Einige von ihnen sind später zu Amtmännern in einem der zwei Ämter Næsbyhoved und Tranekær beför-dert worden. Dort hatten sie ihre eigene kleine Haushaltung, um die Verwaltung der Ämter wahrzunehmen.

Außer geistlichen Beamten und adeligen Gefolgsleuten gab es am Hof die Dienstboten. Einer der Bestbezahlten war der „Türgeselle“ (dørsvend). Er verdiente 17 Mark pro Halbjahr. Die Königin hatte über die ganze Zeit der Hofhaltungslisten von 1496-1521 in ihrem Dienst denselben Türgesellen, sein Name war Jens Lykkesen. Andere Diener waren die „Kammer-gesellen“ (kammersvende), die mit sechs oder acht Mark entlohnt wurden. In der Küche arbei-teten Köche, die abhängig von Fähigkeit und Ansehen zwischen sechs und 20 Mark verdien-ten. Die Bäcker am Hof erhielten grundsätzlich sechs Mark. Mit der Getränkeversorgung waren die Kellermeister beschäftigt, die ebenfalls sechs Mark Lohn erhielten sowie die Kellergesellen, die zwischen drei und fünf Mark bekamen. Der Stall der Königin wurde vom Stallmeister geleitet (zehn Mark), ihm unterstellt waren Stallgesellen (drei bis fünf Mark) und Stalljungen, die in der Regel mit zwei Mark zufrieden sein mußten. Darüber hinaus erhielten Handwerker wie Goldschmiede sechs Mark und Schneider sechs beziehungsweise zwölf Mark an regulärem Lohn.

Die genaue Größe des Königinnenhofes ist kaum abzuschätzen, weil viele Diener nicht in den Besoldungslisten aufgeführt sind, da sie kein festes Gehalt erhielten. Aus den übrigen Rechnungen ersieht man auch, daß die Besoldungslisten nicht alle besoldeten Diener erfassen. Der Hof der Königin variierte stark in seinem Umfang, aber bei einer vorsichtigen Schätzung kann man in der Regel von ungefähr 50 Personen ausgehen[78].

 

Geld und Naturalien

 

Eine der Grundfragen der Hofwirtschaftsstudien ist, woher das Geld zum Leben am Hof kam und woher die Naturalien zur Versorgung und Besoldung dieser vielen Menschen stammten. Wie wurden der Hof und die anderen Aktivitäten der Königin finanziert? Wie oben genannt hatte die Königin zwei Einnahmenquellen: Ämter und Städte.

 

 

1506-07

1510-11

1520-21

Ripen

1383,5 (31%)

1188,5 (52%)

1396 (42%)

Kolding

1097 (24%)

671 (29%)

991 (30%)

Assens

279 (6%)

214 (9%)

100 (3%)

Insgesamt

2759,5 (61%)

2073,5 (90%)

2487 (75%)

 

Tab. 1: Geldeinnahmen aus Ripen, Kolding und Assens in dänischen Mark und Anteil der gesamten Geldeinnahmen in den Hofhaltungsrechnungen

 

Diese spielten grundsätzlich verschiedene Rollen in der Versorgung des Hofes. Die Städte leisteten keine Naturalien, sondern gaben Geld ab. Die Zolleinnahmen des Ochsenhandels waren sehr profitabel, große Beträge wurden durch Zöllner eingezogen. Besonders wichtig ist, daß die Zollerhebung nur geringe Kosten verursachte. Eine Reise von Fünen nach Ripen mit Reisekosten und Verpflegung kostete nicht viel im Verhältnis zu den großen Einnahmen von 2000-2800 Mark, wie aus Tabelle 1 ersichtlich[79].

In Vergleich zu den Geldeinnahmen aus den Städten kam nur sehr wenig Geld aus den Ämtern. Einige Jahre wurde, wie Tabelle 2 zeigt, überhaupt kein Geld aus den Ämtern in den Hofhaltungsrechnungen der Königin verbucht. Dies ist vor allem durch drei Gründe zu erklä-ren. Zum ersten waren die Ökonomien der Hofhaltung und der Ämter stark miteinander ver-mischt. Es gibt keine Systematik darüber, wann Ausgaben des Hofs in den Hofhaltungsrech-nungen oder in den Amtsrechnungen verbucht wurden. Zum zweiten mußten in den Ämtern viele Ausgaben getätigt werden, bevor mit Überschüssen zu Gunsten der Hofkasse gerechnet werden konnte. Ein Amtsschloß wiederum war eine Hofhaltung für sich. Viele Personen mußten verköstigt und besoldet werden. Zum Beispiel erhielten 1505 mehr als 30 Personen auf Næsbyhoved feste Einkünfte[80].

 

 

1504-05

1506-07

1510-11

1520-21

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Amt Næsbyhoved

0

0%

562,5

13%

8

0%

0

0

Amt Tranekær

372,5

16%

382

9%

168

7%

0

0

Stadt Ripen

121,5

5%

1383,5

31%

1188,5

52%

1396

42%

Stadt Kolding

80

3%

1097

24%

671,5

29%

991

30%

Stadt Assens

178

7%

297,5

6%

214

9%

100

3%

Unspezifiziert

1636

69%

784

17%

75

3%

837,5

25%

Insgesamt

2388

 

4488,5

 

2325

 

3324,5

 

 

Tab. 2: Geldeinahmen in den Hofhaltungsrechnungen der Königin (Dänische Mark)

 

Zum dritten versorgten die Ämter den Hof mit Lebensmitteln. Sie trugen kaum Bargeld zum Unterhalt des Schlosses bei, wie aus Tabelle 3 hervorgeht. Gezeigt wird für das Jahr 1510, wie viele Lebensmittel im Amt verbraucht wurden. Schloß und Vorwerk mit ihren zahlreichen Mitarbeitern benötigten bedeutende Mengen zur Versorgung, bevor sie den Überschuß an den Hof der Königin in Odense weitergeben konnten. Der größte Anteil des Bargelds kam aus außergewöhnlichen Einnahmen und bestand beispielsweise aus Verdingungsabgaben der Pachtbauern oder war Buß- und Eichelmastgeld. Diese Einnahmen variierten sehr stark (zwischen ca. 250 und ca. 900 Mark) und das Geld blieb meist in den Ämtern. Wie anhand von Tabelle 2 ersichtlich ist, gingen in der Regel nur kleine Beträge aus den Ämtern an den Hof der Königin.


 

 

Schloß Næsbyhoved

Vorwerk

Der Hof in Odense

Insgesamt

Speckseiten

133

36

149

318

Rinder

4

0

20

24

Schafe

21

0

66

87

Gänse

47

0

36

83

Malz

50 Pfund

0

10 Pfund

60 Pfund

Hopfen

9 Drömt

0

8 Drömt

17 Drömt

Mehl

13 Pfund

10 Pfund

36 Pfund

5 Last

Hafer

62 Pfund

10 Pfund

24 Pfund

8 Last

Gerste

22 Pfund

28 Pfund

8 Pfund

5 Last

Roggen

24 Scheffel

0

0

24 Scheffel

Salz

8,5 Fässer

0

1 Fass

9,5 Fässer

Butter

2,25 Fässer

0,5 Fass

6 Fässer

8,75 Fässer

Essig

0

0

4 Fässer

4 Fässer

Talg

8 Stück

0

4 Stück

12 Stück

 

Tab. 3: Naturalienversorgung aus dem Amt Næsbyhoved 1510[81]

 

Die Ämter der Königin Christine erwirtschafteten nur einen kleinen Überschuß an Bargeld, lieferten dafür aber Lebensmittel an den Hof in Odense. Das Bargeld der Königin kam vor allem aus den Zolleinnahmen der Städte. Dies war die Funktionsteilung in den ökonomischen Ressourcen der Königin. Die neuere dänische Geschichtsforschung hat durch Quellenstudien die alte These belegt, wonach die Ämter nach Abzug der Betriebskosten nur wenig Gewinn erwirtschafteten[82]. Dadurch erklärt sich auch die ökonomische Ausrichtung des Haushalts der Königin. Für sie war diese Situation freilich unproblematisch, weil ihr Hof auf die Natura-lienversorgung angewiesen war. Für den König bedeutete dies allerdings, daß die Ämter, die ursprünglich vor allem als Lokalverwaltung dienten, nur geringe Mittel zur Finanzierung der Zentralverwaltung bereitstellten. Wenn der König Geld für außerordentliche Ereignisse wie die Kriegsführung benötigte, war er darauf angewiesen, Darlehen aufzunehmen oder Ämter und Städte zu verpfänden – wie das oben genannte Beispiel zeigt. Wenn der König Geld für außerordentliche Ereignisse wie die Kriegsführung benötigte, war er darauf angewiesen, aus-serordentliche Steuern zu erheben oder durch die Verpfändung von Ämtern und Städten Geld aufzunehmen – wie das oben genannte Beispiel zeigt.

Der Hof der Königin Christine wurde also primär durch Zolleinahmen aus den Städten finanziert und von den Ämtern mit Naturalien versorgt. Aber die Ämter konnten nicht alles produzieren, was die Königin und die Mitglieder ihres Hofstaates brauchten. Da die Hofhal-tungsrechnungen sehr detailliert Auskunft über die Ausgaben des Hofs geben, kann aber auch dieser Frage nachgegangen werden.

 

 

Abb. 2: Darstellung der Stadt Ripen mit grasenden Ochsen im Vordergrund
Anfang des 16. Jahrhunderts machten die Ochsenzolleinkünfte von Ripen
den grö
ßten Posten unter den Einnahmen für die Königin aus
Georg Braun und Frantz Hogenberg, Civitates Orbis Terrarum, 1572-1592
Arkivet ved Dansk Centralbibliotek for Sydslesvig

 

Ausgaben der Hofhaltung

 

Der grundlegende Bedarf der Königin und ihres Hofes wurde wie erwähnt durch Lieferung aus den Ämtern gedeckt. Alle Produkte, welche die Ämter nicht liefern konnten, wurden von den Geldeinnahmen der Königin gekauft, aber das Geld wurde auch zu vielen anderen Zwek-ken verwendet. Tabelle 4 zeigt beispielsweise für das Jahr 1509, wozu das Geld der Königin verwendet wurde. Die Hofhaltungsrechnungen für dieses Jahr sind vollständig erhalten, des-halb geben diese Beispiele ein glaubwürdiges Bild davon, was für die Hofhaltung höhere Priorität hatte und was von geringerer Bedeutung war. Zudem sind einige Tendenzen deutlich zu erkennen.

Die Besoldung der Diener spielte in den Hofhaltungsausgaben der Königin eine sehr große Rolle. Zweimal pro Jahr wurde der „Gesellenlohn im Namen unserer gnädigen Frau“[83] ausbezahlt, nämlich zu Ostern und zu St. Michaelis (29. September). Wie erwähnt erhielt das Hofgesinde 20 Mark, und selbst die Stalljungen bekamen zwei Mark. Die großen Beträge zei-gen, daß es der Königin wichtig war, sich mit einem großen Gefolge zu umgeben. Die Besol-dung war aber nicht die einzige Form von Ausgaben für die Dienerschaft.

Die Kategorie „allgemeiner Verbrauch“ nennt hauptsächlich den Einkauf von Waren, welche die Ämter nicht liefern konnten, zum Beispiele Gewürze wie Nelken, Safran und Zimt. Darüber hinaus erscheinen Waren für den täglichen Bedarf wie Brot, Lammfleisch und Öl. Kleine Neuanschaffungen von Tellern und Kochtöpfen sind einberechnet[84].

 

 

Mark

Prozent

Besoldung

736

40

Allg. Verbrauch

342

18

Kleidung

300

17

Transport

193,5

11

Bauwirtschaft

100,5

6

Religion

54,5

3

Wohltätigkeit

1

0

Unspezifiziert

89

5

Insgesamt

1816

 

 

Tab. 4: Die Hofhaltungsausgaben der Königin Jahr 1509[85]

 

Wie die Besoldung sind auch die Kosten für Bekleidung in den Listen als „Hofgewänder“ und „Burgkleider“ notiert.[86] Die Kleider, welche die Königin ihren Dienern zur Verfügung stellte, waren ein erheblicher Ertrag des Dienstes. Wenn zehn Mark für Seide ausgegeben wurden, war dies vermutlich für die Königin selbst oder die Höflinge bestimmt. Wenn billiger grober Stoff gekauft wurde, so war dieser möglicherweise für die Dienstboten in Keller und Stall gedacht. Wir wissen nicht, ob die Diener der Königin livriert waren[87]. Jedenfalls wurde Klei-dung in vielen verschiedenen Farben gekauft. Hans Koch zum Beispiel erhielt 1510 blaue Kleidung, ein Schotte bekam grüne und im folgenden Jahr wurde der Junge Jürgen in schwarz Leidisch gekleidet[88]. Die Jahreszeit spielte auch eine Rolle, denn oft werden „Sommer-kleidung“ und „Winterkleidung“ getrennt aufgeführt[89].

Die verstreuten Besitzungen und Beziehungen der Königin verursachten hohe Aufwen-dungen für Reisen und Transport. Eine teure Ausgabe waren zum Beispiel zehn Mark für das Pferd eines Boten des Bischofs von Magdeburg. Eher gewöhnlich waren zwei Groschen für einen der Stallgesellen, der im Auftrag der Königin zu deren Freund Henrik Knudsen Gylden-stjerne nach Gut Iversnæs auf Westfünen reiste. Für die Reise von Dienstboten stellte die Königin Bier, Essen und Hafer bereit[90]. Die Königin selbst hatte stets Wagen, Pferde und Schiffe zur Verfügung, um Versorgungsgüter zu holen, Waren zu transportieren und Bot-schaften zu überbringen.

Baumaßnahmen der Königin an ihrem Hof in Odense beanspruchten ebenfalls Mittel für Materialien und Handwerkerlöhne. Als Beispiel für solcherlei Ausgaben seien die zwei Gro-schen für Nägel und die vier Groschen für Fliesen genannt, um den Boden in der Sauna der Königin zu verlegen. Hans Kleinschmied aus der bekannten Odenseer Familie Mule arbeitete an der Tür der Königin, die er mit Schloß, Scharnier und Beschlägen versah[91]. Aber nicht alle Kosten der Bauwirtschaft gehen aus den Hofhaltungsrechnungen hervor, weil Material aus den Ämtern verwendet wurde und die Besoldung der eigenen Handwerkerdiener der Königin nicht gesondert erscheint.

In der dänischen Geschichtsforschung wurde großes Gewicht auf die Frömmigkeit und die Wohltätigkeit der Königin gelegt[92]. Aber aus der Hofhaltungskostenaufstellung in Tabelle 4 ist ersichtlich, daß die Frömmigkeit nur eine geringe Rolle in der Ökonomie der Königin spielte und Beträge für Messen und Geldgaben für Klöster und Kirchen nicht sehr ins Gewicht fielen. Die Wohltätigkeit spielte keine Rolle. Die bisherige Geschichtsforschung hat in diesem Punkt ein überzogenes Bild der Königin gezeichnet.

Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß Königin Christine ihr Geld vor allem für ihr Gefolge verwendet hat. Besoldung, Bekleidung und Verbrauchsgüter machten zusammen 75% der Ausgaben der Hofhaltung aus und diese waren fast vollständig am Bedarf der Diener orientiert.

 

Herrschaft und Diener

 

Ein prächtiges Gefolge war eine der Grundlagen, um sich als mächtige Persönlichkeit zu präsentieren. Die Königin bezahlte viel Geld, um sich mit einem großen Gefolge am Hof zu umgeben, und die Entlohnung war so hoch, daß es attraktiv war, ihr zu dienen. Wir haben oben gesehen, wie die Königin sich mit quantitativem Aufwand um ihre Diener bemühte. Im folgenden wollen wir den qualitativen Aufwand betrachten.

Der alltägliche Verbrauch am Hof der Königin war höher als der durchschnittliche Ver-brauch spätmittelalterlicher nichthöfischer Haushalte. Zwei Kaufmannsrechnungen von 1508 belegen beispielsweise, welchen stellenwert feine Waren für die Leute am Hof der Königin hatten. Der Lübecker Kaufmann Herman Knapsach erhielt mehr als 125 Mark für Wein, Sei-den, Gold, Fisch, Öl und Samlot (Kleidung). Ein anderer Kaufmann namens Heinrich Kleyssen, der Handel zwischen Odense und Lübeck betrieb, erhielt 170 Mark für Kräuter, Kacheln, eine Truhe, Kleidung, Hanf, Flachs, ein Weinfaß, Öl, Kastanien, Reis, Mandel und Zucker. Es waren immens hohe Beträge, welche die Königin für Luxusprodukte auf dem europäischen Markt verausgabte, die dann über das Lübecker Handelsnetz nach Odense geliefert wurden. Die feinen Speisen machten das Leben am Hof der Königin zu etwas beson-derem und erhöhten die Attraktivität des höfischen Dienstes. Zudem setzte die Königin sich selbst und ihr Gefolge mit prächtiger und teurer Kleidung in Szene, so daß niemand an ihrer überlegenen sozialen und ökonomischen Position zweifeln konnte[93].

Ihren Besitzungen gab die Königin ebenfalls unter erheblichem finanziellem Aufwand ein besonderes Gepräge. Zu diesem Zweck hatte sie den Kunstunternehmer Claus Berg aus Lübeck nach Dänemark geholt. 1507 wird er als Bürger in Odense erwähnt.[94] Claus Berg erscheint zweimal in den Hofhaltungsrechnungen der Königin. Einmal erhielt er acht rheini-sche Gulden, weil er den Haupteingang der Residenz der Königin bemalt hatte. Später bekam er knapp vier Mark für die Ausmalung der Wappen an den Wagen der Königin[95]. Das präch-tigste und grandioseste Werk, das Claus Berg für Christine ausführte, taucht jedoch nicht in den überlieferten Hofhaltungsrechnungen auf.

 

 

Abb. 3a: Darstellung der königlichen Familie am Sockel von Claus Bergs Hochaltar:
König Johann, seine Söhne Christian II. und Prinz Franz sowie Christians II. Sohn
Prinz Hans (v.r.n.l.).

Danmarks kirker IX: Odense Amt, hg. von Birgitte Bøggild Johannsen und
Hugo Johannsen, 3 Bde., Kopenhagen 1995-2001, hier Bd. 2, 1995, S. 500

 

 

Abb. 3b: Darstellung der königlichen Familie am Sockel von Claus Bergs Hochaltar:
Königin Christine, ihre Schwiegertochter und Nachfolgerin als dänische Königin
Elisabeth von Habsburg und Christines Tochter Elisabeth von Brandenburg (v.l.n.r.)

Danmarks kirker IX: Odense Amt, hg. von Birgitte Bøggild Johannsen
und Hugo Johannsen, 3 Bde., Kopenhagen 1995-2001, hier Bd. 2, 1995, S. 501

 

Aufgrund des engen Verhältnisses der Königin zu den Franziskanern in Odense dekorierte Claus Berg zwischen 1513 und 1521 eine Grabkapelle in der Franziskanerkirche, die künst-lerisch nicht nur in Dänemark, sondern in ganz Nordeuropa ihresgleichen sucht[96]. Erhalten geblieben sind der imposante Hochalter und die Grabsteine (beide heute im Dom St. Knud in Odense) für Königin Christine, König Hans und Prinz Franz. Leider sind uns die Kosten für diese schöne Anlage nicht überliefert, aber man kann davon ausgehen, daß diese sehr hoch waren. Die Königin war sich offenbar darüber sehr bewußt, wie sie ihrer Umgebung mit den Zeichen ihrer Macht und ihrer Herrschaft ihren eigenen Stempel aufdrücken konnte[97].

Es ist beeindruckend, wie sich die Königin um ihren Diener von der Wiege bis zum Grab bemühte. Christine hatte Diener jeden Alters, und sie stand ihnen in ihren wechselnden Lebenslagen zur Seite. Für Kinder ihrer Diener und Freunde übernahm sie Patenschaften und damit Verpflichtung und Verantwortung. Viele Posten in den Rechnungen stammen aus die-sem besonderen Verhältnis zu Adel, Bürgern und Bauern[98]. Einige Kinder erhielten regel-rechten Schulunterricht. Diese Ordnung war mit den verschiedensten Ausgaben verbunden. Die Königin versorgte den Schüler mit Jacke und Hose, und in den Rechnungen steht, daß Kost und Logis bezahlt wurden. Sogar für eine Keule wurde Geld ausgegeben, damit das Kind beim Faßeinschlagen zum Fasching mitspielen konnte[99].

Aus den Rechnungen geht auch hervor, wie die Königin die Hochzeit ihrer Diener fei-erte und finanzierte. Für 1511 geben die Rechnungen Auskunft über die Vermählung zweier Diener der Königin, nämlich des Höflings Junker Willum Vernitzer mit der Jungfrau Karen Hartwigsdatter. Beide hatten der Königin seit vielen Jahren gedient, und Christine bedankte sich mit der Hochzeitsfeier. Die Hochzeit wurde in Odense gefeiert und war ein aufwendiges Fest. Die Königin lieh von ihrem Schwager Herzog Friedrich von Gottorf (später König Frederik I. von Dänemark) Trompeten und von ihrer Freundin, der bedeutenden Adelsfrau Birgitte Thott, den Zwerg Jens[100]. Diese Hochzeitsfestlichkeiten sind ein beredtes Zeugnis des guten Verhältnisses Christines zu ihren Dienern, stehen aber auch beispielhaft für die Insze-nierung der Königin und ihres Hofs und deren Wirkung auf die städtische Gesellschaft von Odense.

Wurde ein Diener krank, sorgte die Königin dafür, daß er Hilfe bekam. Die Hof-haltungsrechnungen berichten, wie die Königin Heilkräuter anschaffte und ärztliches Honorar bezahlte. In 1507 wurde der Höfling Busk Skenck zu einem Arzt in Hadersleben im nörd-lichen Schleswig geschickt. Die Königin bezahlte fünf rheinische Gulden für das ärztliche Honorar und vier Mark für Kost und Logis des Höflings in Hadersleben[101]. Die Zahlung einer solchen Arztrechnung war für gewöhnliche Menschen im Dänemark des späten Mittelalters unbezahlbar. Später wurde Busk Skenck zum Amtmann der Königin auf Schloß Tranekær er-nannt und überlebte sie um viele Jahre.

Wenn ein Mitglied ihres Hofes starb, sorgte Christine für die Finanzierung und die Organisation der Bestattung. Beim Tod von  Prinz Franz 1511 inszenierte die Königin eine große Trauerfeier, die mehr als 200 Mark kostete[102]. Die jungen Schüler und Messner mar-schierten festlich gekleidet auf, und das Pferd des Prinzen wurde gemäß der mittelalterlichen Tradition durch die Stadt in die Kirche geführt[103]. Und so, wie die Königin bei diesen Anlässen für ihre Familie sorgte, kümmerte sie sich auch um ihre Diener. Die Bestattung des Amtmanns Otte Porsfeldt ist ein gut belegtes Beispiel dafür. Im Juni 1504 kam es in Odense zu einem Zusammenstoß zwischen Otte Porsfeldt, der Amtmann der Königin in Næsbyhoved war, und den Gesellen des Bischofs von Fünen. Otte Porsfeldt wurde von Knud Kjeldsen, dem obersten der Gesellen, erschlagen. Aus den Hofhaltungsrechnungen geht hervor, wie die Königin in der Folge die Hinterlassenschaften des Amtmanns ordnete und das künftige Gedenken an ihn regelte. Am 17. Juni kam Otte Porsfeldts Schwester Helwig Wensin aus Rohlstorf unweit von Segeberg in Holstein und ordnete mit der Königin im Namen ihres toten Bruders dessen Angelegenheiten. Am 20. Juni wurden zwei Frauen, die dem Toten die Toten-wäsche angelegt hatten, mit vier Groschen bezahlt, am 22. Juni entlohnte die Königin Pors-feldts Gesellen und am 25. Juni wurden Messen für den verstorbenen Amtmann abgehalten. Die Franziskanermönche in Odense erhielten 55 Mark für die Bestattungsfeier, wobei das Trauergefolge mit Porsfeldts Streithengst in deren Kirche mit Zaumzeug und Sattel einritt. Feierliche Leichenbegängnisse mit Festzügen waren im Mittelalter durchaus üblich, aber der betriebene Aufwand spiegelt exakt den Status des Toten wider. Christine unterstrich, daß sie eine gute Herrin für ihre Diener war, weil sie sich um die Mitglieder ihres Hofs sowohl im Leben wie im Tod kümmerte. Mit diesen großartigen Zeremonien stellte Königin Christine ihr soziales und ökonomisches Potential zur Schau[104].

Auf Fünen waren um 1504 Königin und Bischof die beiden dominierenden Kräfte[105]. Deren gegenseitiges Wetteifern war offensichtlich, und daraus entstand eine Fehde, die über den Tod der Königin hinaus andauerte. Sowohl Königin als auch Bischof verständigten sich mit den aristokratischen Parteien in der Umgebung des Königs, so daß beide von ihren lokalen Machtbasen heraus Anteil am politischen Spiel des Reichs nahmen[106]. Im Konflikt um König Johanns Schweden-Politik stand der Bischof augenscheinlich auf dessen Seite, während Königin Christine die oppositionellen Adeligen im Reichsrat unterstützte. Erst nach dem Tod des Königs 1513 wurde der Bischof vor dem königlichen Hofgericht wegen des Mordes an Otte Porsfeldt angeklagt. Vorgebracht wurde die Anklage durch den neuen König Christian II., der seiner Mutter näher stand als seinem Vater und Vorgänger, durch den Lunder Erzbischof Birger Gunnarsen und durch den Hofsekretär Jørgen Skodborg. Die beiden Letztgenannten hatten am Hof der Königin gedient und ihr Einfluß ist unübersehbar. Damit hatte der Bischof seine politische Rolle ausgespielt. Auf diese Weise halfen die früheren Diener der Königin, denen Christine den Weg für die weitere Karriere geebnet hatte, bei der Vergeltung für den Tod eines ihrer Getreuen und der Ausschaltung eines alten Gegners[107].

 

Schlußbemerkungen

 

Die Verwaltung der Besitztümer der Königin bei Hof und in Städten und Ämtern erforderte zahlreiches Personal. Das gilt sowohl für das gut ausgebildete Kanzleipersonal als auch für die Diener mit ihren mehr alltäglichen Aufgaben. Die Königin umgab sich aber nicht nur mit Geistlichen und Mitgliedern der niederen Stände, sondern hatte auch adelige Diener und Freunde am Hof. Mit Blick auf Untertanen und konkurrierende Mächte wie den Bischof von Fünen präsentierte sich die höfische Gesellschaft auch hier in der ihr möglichen Pracht, was insbesondere für die Größe und die Ausstattung des Gefolges gilt.

Aber auch wenn hier der Aufbau einer Rechnungsführung sichtbar wurde, war Hof-wirtschaft in Dänemark um 1500 kein instrumentalisierter und formalisierter Prozeß. Wie am Beispiel der Bestattung Porsfeldts zu sehen ist, behandelte Christine ihre Diener oftmals eher als Familie denn als Beamtenschaft. Der spätmittelalterliche Hof war eine Gemeinschaft, worin die Diener Sicherheit von der Wiege bis zur Bahre finden konnten, und der Hof eröff-nete ihnen Möglichkeiten des Aufstiegs in der ansonsten verhältnismäßig statischen Stände-gesellschaft. Wie wir schon bei den Kanzlern gesehen haben, war der Hof der Königin für manche Diener ein Schritt zu noch höheren Ämtern, die ihre Karriere in der Verwaltung von Kirche und König fortsetzten. Für Königin Christine wiederum war der Hof die Grundlage ihrer spätmittelalterlichen Herrschaft, und die überlieferten Rechnungsbestände offenbaren zudem das Aufeinanderangewiesensein von Herrschaft und Beherrschten.

 


Adlige Ökonomie in der Frühen Neuzeit zwischen
Idealbild und Realität
*

 

Matthias Steinbrink

 

 

Mit der erlösenden Erkenntnis, diß mühsame werck von der Wirtschafft nunmehr zu ende gebracht zu haben, beschloß der österreichische Adelige Wolf Helmhard von Hohberg sein zwölf Bücher umfassendes Werk ‚Georgica curiosa, das ist Adeliges Land- und Feldleben‘[108]. In dieser 1682 erstmals in Nürnberg gedruckten Schrift, die bereits zu Hohbergs Lebzeiten eine erweiterte Auflage und bis 1759 fünf weitere erfuhr, gab er Handlungsanweisungen an den Vorsteher einer landadligen Haushaltung und versuchte somit, sich der Oeconomia des Hauses zu nähern. Er verstand diese als nichts anderes als eine weise Vorsichtigkeit, eine Hauswirtschaft beglückt anzustellen, zu führen und zu erhalten, und etwas später offenbarte er als Grundregel für das Haushalten, daß darinnen keine unnothwendige Arbeit gethan und keine nothwendige unterlassen würde[109].

Gleichsam in einem Rundgang durchschreitet Hohberg in den zwölf Kapiteln das adlige Anwesen und stellt zunächst das Landgut mit seinen Besitzungen, den Untertanen und der Einschätzung des Wertes von Land und Gebäuden vor. Darauf folgen Abschnitte über den Hausvater und die Hausmutter als Vorsteher der Haushaltung, über das Gesinde und die Fa-milie. Nach den Bewohnern wendet er sich dem Weinbau und der Kellerwirtschaft zu, dem Küchen- und Arzneigarten, sodann den landwirtschaftlichen Produktionsbetrieben im Acker-bau und in der Viehwirtschaft, aber auch der Bienen- und Seidenraupenzucht. Abschließend wird dann noch auf Wasser- und Holzwirtschaft eingegangen, und so die Gesamtheit der land- und gutswirtschaftlichen Produkte abgedeckt[110].

Die von Hohberg und anderen Verfassern in der sogenannten Hausväterliteratur formu-lierten ökonomischen Informationen und Empfehlungen bilden einen Idealzustand ab, der mit den realen Zusammenhängen im Verlauf dieser Ausführungen abgeglichen werden soll[111]. Dabei wird auf zwei Bereiche einzugehen sein. Verbunden mit einem kurzen Forschungs-überblick werden die Bestrebungen nach Autarkie der Haushaltung diskutiert. Daran schließt sich die Frage nach der Sparsamkeit der Hausväter an und die Überlegung über die Umsetz-barkeit der ökonomischen Handlungsanweisungen.

 


I.

 

Wolf Helmhard von Hohberg beschrieb die gesamte, für ihn denkbare Wirtschaft eines adligen Haushaltes. Dieses veranlaßte den österreichischen Historiker Otto Brunner von der Lehre des „Ganzen Hauses“ zu sprechen[112]. Er ging in seinen Überlegungen davon aus, daß die auf das ganze Haus bezogene Wirtschaft fundamental unterschieden werden müsse von der modernen Volkswirtschaft, in der „die Trennung von Haushalt und Betrieb weitgehend durchgedrungen“ sei[113]. Er übertrug dabei die Ansichten Hohbergs auf die agrarisch geformte Wirtschaft jeden Typus’, also sowohl auf den Adel als auch auf die Bauern: „Die alt-europäische Ökonomik ist die Lehre von der ‚Wirtschaft‘ im bäuerlichen Sinn, vom ‚ganzen Hause‘“[114].

Sowohl der Begriff als auch die patriarchalische Ausrichtung und das damit anscheinend verbundene sozialromantische Familienbild haben zu heftiger Kritik in der Forschung geführt[115]. Im Zentrum dieser Debatte stand und steht die Frage nach der von Hohberg implizit formulierten Autarkie der Haushaltung, war doch der Hausvater Herr in einem eigenen Rechtsbezirk und stand gleichzeitig einer kollektiven Wirtschaftseinheit vor, innerhalb derer sich Produktion und Konsumtion vollzogen und daher Marktbeziehungen weitgehend ausgeblendet wurden. Brunner machte darüber hinaus deutlich, daß die Hausväterliteratur den Handel erlaube, „soweit er der Ergänzung der Autarkie des Hauses“ diene und nicht zum Selbstzweck werde, der als Chrematistik die „Vorgeschichte der Nationalökonomie“ bilde[116].

An dieser Stelle setzten die meisten Kritiken an Brunners These an und unterstellten ihm, daß er eine Eigenständigkeit und Marktunabhängigkeit der frühneuzeitlichen Häuser postuliere, die nie gegeben war[117]. Manche dieser Vorwürfe sind dabei zutreffend, wie etwa die allzu leicht vollzogene Übertragung der an die adlige Lebenswelt gerichteten Hausväter-literatur auf den bäuerlichen Bereich[118]. Doch wirkt der Angriff auf die vermeintliche Markt-unabhängigkeit eher übertrieben[119].

Zwar finden sich Äußerungen, aus denen eine Forderung nach einer möglichst weit-gehenden Selbstversorgung extrahiert werden kann. Der schlesische Pfarrer Johan Coler etwa deklarierte jeden als einen Schalcks Ackermann, der da kaufft, was er von seinem Grund und Boden wol haben könte[120]. Doch weder Brunner noch sein Gewährsmann Hohberg oder einer seiner Zeitgenossen haben die Marktbeziehungen der frühneuzeitlichen Höfe vollständig verneint. So empfahl Wolf Helmhard Getreide zu verkaufen, wann es am meisten gilt und am gelegensten ist zu verführen[121]. Man solle auch zusehen, daß man in der Stadt, also marktnah, einen Getreidestadel besitze, um schnell bei günstigen Marktsituationen eingreifen zu können. Auch auf eine möglichst verkehrsgünstige Lage des Gutes wurde hingewiesen[122]. Allein die Bebilderung der ‚Georgica Curiosa‘ weist auf die Marktausrichtung hin, werden doch Markt- und Handelsszenen, Tausch und Geld dargestellt und somit gleichsam in die Perspektive des Hausherren gerückt[123].

Die Ende des 16. Jahrhunderts mehrfach aufgelegte ‚Oeconomia ruralis et domestica‘ des bereits angesprochenen Johann Coler offenbart sogar deutliche Einblicke in die Markt-funktionen überhaupt, wenn dort zu lesen ist, der Hausvater solle alles, was er selbsten bedürrfen möchte, zu rechter Zeit einkauffen, als Holz, Getreide, Obst, Butter, Salz, weil solche Ding steigen und fallen oft im Jahr[124]. In Colers Werk ist gar ein Calendarium perpetuum eingefügt, ein „Verzeichnis von Jahrmärkten und Messen in Deutschland und angrenzenden Ländern“[125]. Und auch Brunner hat in seiner Untersuchung wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß geradezu eine Marktabhängigkeit bestand, die zwar für den Haus-vater durchaus lukrative Gewinnchancen bot, in den meisten Fällen aber zur Befriedigung des alltäglichen Bedarfs einfach dringend benötigt wurde: Die europäische Landwirtschaft „pro-duziert jedenfalls seit dem hohen Mittelalter sehr erhebliche Überschüsse, die auf den städti-schen Märkten abgesetzt werden und deren Erlös nicht nur zur Deckung von Luxus-bedürfnissen, sondern auch des lebenswichtigen Unterhalts- und Betriebsbedarfs dienen“[126].

So wandte beispielsweise der bayerische Freiherr Sebastian Joseph von Pemler von Hurlach und Leutstetten in den Jahren 1763 bis 1783 nach Ausweis seines Ausgabebüchleins jährlich rund 15 bis 20 Prozent des Gesamtetats für den Zukauf von Nahrungsmitteln auf. Dabei wurde keinesfalls nur teure Fastenspeise erworben. Vielmehr erstand der Freiherr auch die für die adlige Tafel so wichtigen Zutaten an Fleisch, das bei Metzgern in umliegenden Dörfern und Flecken gekauft wurde, und agrarische Produkte der Umgebung[127]. Die enge Ein-bindung in das lokale, regionale und und sogar überregionale Marktnetz zeigen gleichfalls herrschaftliche Haushalte im Weserraum, auch sie stellen somit die postulierte Autarkie deut-lich in Frage[128]: „Wenn auch die Einbeziehung der Haushalte in die Marktwirtschaft in Ab-hängigkeit von ihrem Status, ihrem Einkommen und ihrer Verkehrslage recht unterschiedlich war und wenn Teilbereiche, wie zum Beispiel, die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln, ‚autark‘ sein konnten, so ist die These, daß Haushalte einen selbstgenügsam-autonomen Mikrokosmos darstellten, dennoch nicht haltbar“[129]. Dabei ist die Ausrichtung der herrschaft-lichen Haushalte auf den Markt bereits im frühen Mittelalter deutlich zu erkennen und sie wird in der Frühen Neuzeit nur noch stärker[130].

Und dennoch war die Ökonomik der Hausväter eine vornehmlich auf das Haus bezo-gene Wirtschaft ohne Versuch, die einzelnen Einheiten zu einer Marktwirtschaft zusammen-zuführen – freilich muß deutlich gemacht werden, daß die Einsicht in die marktökonomischen Gesetzmäßigkeiten insgesamt noch nicht gegeben war[131]. Der Gegensatz zwischen Markt-ökonomik und Hausökonomik sollte erst durch die Physiokratie aufgebrochen werden, die die Wirkzusammenhänge innerhalb einer Volkswirtschaft entdeckte.

Somit läßt sich hier ein erster wichtiger Unterschied zwischen den Ökonomiken einer-seits und der ökonomischen Realität andererseits festhalten. Adlige Haushaltungen der frühen Neuzeit waren beileibe weder marktunabhängig noch waren sie in der Lage, als autarke Pro-duktions- und Konsumtionseinheiten zu existieren. Sie stellten sich vielmehr als eingebunden in und abhängig von Marktbeziehungen dar, was sogar soweit gehen konnte, daß Adlige als Unternehmer gestalterisch in die ökonomischen Zusammenhänge eingriffen, wenn sie bei-spielsweise, wie böhmischen Gutsherren, Getreide und andere agrarische Produkte kontrolliert an den Markt abgaben und somit Preise und Konjunkturen mitbestimmten oder im Stile eines Kaspar Stockalpers vom Thurm im Schweizer Wallis im Handel nichts aus- und somit alles einschlossen[132]. Spätestens im Verlauf des 16. Jahrhunderts wird sich somit der Übergang von der Subsistenz- zur Marktwirtschaft festmachen lassen[133].

Die Zentrierung auf das Haus anstelle des Marktes folgt dabei weit mehr einem im Adel geführten Diskurs über das Handelsverbot als den ökonomischen Realitäten[134]. Zwar wurde nicht so sehr in der Hausväterliteratur, so doch aber in einer Vielzahl anderer Schriften deut-lich gemacht, daß der Adel den Handel als spezifisch bürgerliche Erwerbsquelle ablehnen solle. So machte beispielsweise Adam Rassius 1624 in seinem Traktat ‚De nobilitate et mercatura‘ deutlich, daß es dem Adel auf Grund der deutschen Gesetze nicht erlaubt sei, Handel zu treiben[135]. Und Zedlers Universallexikon offenbarte Anfang des 18. Jahrhunderts, daß in Teutschland und einigen anderen Reichen […] Kauffmannschafft treiben dem Buerger-Stande ueberlassen [wird], und dem Adel-Stande vor nachteilig erachtet[136]. Von den Theore-tikern ist freilich schon im Mittelalter gesehen worden, daß es eine Unterscheidung zwischen mercatura oeconomica und mercatura lucrativa gab, wobei erstere auf den Unterhalt des Hauses zielte und damit auch in der Hausväterliteratur bedacht wurde und letztere auf den Handel um des Gewinnes willen[137].

Die Nutzung des eigenen Besitzes zur Sicherung der Grundversorgung und darüber hinaus als Erwerbsquelle, um die Haushaltung zu bewerkstelligen, war somit dem Adel ange-messen, sogar geboten. Doch ist einem von Adel ungewehrt, den Zuwachs von seinen Guetern an Fruechten, Wein, Vieh, Holtz u.d.g. zu verfuehren[138]. Doch untersagte das Adelsethos eine allzu engagierte Teilhabe am Marktgeschehen und wirkte durch Abgrenzung zu Kaufleuten und Bürgern gruppenintegrierend für den Adel[139]. Denn Reichtum konnte nach ständischem Selbstverständnis keinesfalls entscheidendes Kriterium für die Adelsqualität sein, sondern Geburt und Ehre, Stand und Herkommen – Elemente, die erst in der jüngeren historischen Forschung als ökonomisierbare Güter verstanden wurden[140].

 

II.

 

Dieses leitet über zum zweiten Aspekt, nämlich dem der Sparsamkeit als Widerspruch zum höfischen Zeremoniell, das aber geradezu als Signet des Adels verstanden wurde[141]. 1702 erschien das Werk ‚Oeconomus prudens et legalis‘ des Franz Philipp Florinus, indem er, ähnlich wie zuvor Hohberg, den adligen Haushalt beschrieb und Handlungsanweisungen für die richtige Verwaltung desselben gab[142]. Für Florinus war ganz klar, dass die Sparsamkeit dabei von zentraler Bedeutung war. Er schrieb: Wenn man die eigentliche Ursache erforschen will, warum Fürsten und Herren heut zu Tage sich in so grosse Schulden-Last versencken, die meiste wo nicht alle Schuld auf die Führung eines unmässigen und die Einkünffte weit übersteigenden Staats redundiret[143]. Florinus bestand somit auf „dem Primat der Einnahmen über den Ausgaben“[144]. Auch Johann Coler definierte einen rechten Hausvater als sparsam und darauf bedacht, das Ubrige erworbene beylegen vnd erhalten, das er einen Noth Ehr Zehr und Dienstpfennig haben kan[145].

Zentrales Moment der Hausväterliteratur stellte die Sicherung der Nahrung, somit die Sparsamkeit und die kluge Ausgabe von Geldern dar. Darin war auch die Kontrolle über den Hof inbegriffen, die eine Aufsichtsfunktion über die im Idealfall angemessen kleine Zahl von Hofbediensteten beinhaltete. Florinus hielt dazu fest: Klein und rein reimt sich besonders in der Haushaltung.

In der Realität freilich entwickelten sich die Höfe des 17. und 18. Jahrhunderts ganz und gar nicht in sparsamen Dimensionen. Sowohl große Höfe als auch kleinere Adelssitze bauten in dieser Zeit, vor allem in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, ihre Personalstrukturen deutlich aus. So umfaßte der Kaiserhof in Wien 1576 noch 531, 1674 bereits 1966 und um 1730 schließlich 2175 Personen[146]. Und auch die Reichsritterschaft bemühte sich, wenn auch auf wesentlich niedrigerem Niveau, das Hofleben des Fürstenstandes nachzuahmen und bedurfte dafür einer gewissen Zahl von Bediensteten und Personal[147]. Diese Ausweitung der Hofhaltungen scheint den Empfehlungen der Hausväterliteratur gänzlich zu widersprechen. Und auch die großen Bauvorhaben der Zeit, für die Versailles nur als besonders eindrucksvolles Beispiel stehen kann, das aber Nachahmungen in ganz Europa erfuhr, sind mit den von Hohberg, Florinus oder Coler skizzierten zweckmäßigen Adelssitzen kaum zu vereinen[148]. So formulierte Hohberg in Bezug auf das Bauen, daß ein guter Hauswirt von vielen, sonderlich unnotwendigen Gebäuden […] sich hüten soll, wenn er auch einräumt, daß solches nur großen Herren, und reichen Prälaten zusteht[149].

In den Ökonomiken wurde der treusorgende Hausvater gefordert, der explizit mit einem Fürsten in seinem Reich gleichgesetzt wurde und der ein gutes, fast väterliches Verhältnis zu seinen Bediensteten haben sollte. Hohberg erwartete eine verständnis- und rücksichtsvolle Behandlung, ohne dabei die nötige Strenge vermissen zu lassen: Wenn man das Böse straft, und das Gute belohnt, gehts in allem besser und geschwinder fort[150]. Diese Haltung gegenüber der Familie und dem eigenen Gesinde innerhalb der Haushaltung übertrug Florinus auf den Fürsten, der die Rolle des Vaters über die Landeskinder erhielt[151]. Diese Konstruktion verbot eine allzu starre Formalisierung des Zeremoniells und bedurfte eines Maßhaltens bei der An-zahl der Bediensteten. Die innere Hierarchisierung und soziale Ausdifferenzierung der Höfe widersprach jedoch solchen Forderungen, zeigte sich doch gerade in der Abgrenzung zwi-schen Fürst und Untertanen der Herrschaftsanspruch, „zerstörte das zeremonialisierte Hofle-ben das Bild vom Fürsten als fürsorglichem Landesvater“[152]. Und der demonstrative Konsum in Festtags- und Alltagssituationen wirkte ebenso deutlich als Zeichen für die soziale Distink-tion[153]. Hier offenbart sich somit ein großer Unterschied zwischen der Hausväterliteratur und der höfischen Realität.

Es ist bereits auf die großen Höfe mit ihrem gesteigerten Personalbedarf hingewiesen worden, eine Tatsache, dies sei nur am Rande erwähnt, die erneut die Markteinbeziehung zeigt[154]. Selbst Hohberg erkannte, daß das soziale System Hof nach anderen Gesichtspunkten funktionierte als eine landadlige Haushaltung. Den reichen und liberalen Cardinal de Medices lässt er die Frage nach der großen Zahl seiner Bediensteten antworten: Ich bedarf zwar so viele Leute nicht, aber sie bedürfen meiner[155]. Nun kann eingewendet werden, daß – bis auf Florinus – Hohberg und die anderen Hausväter sich nicht an den Fürstenhof wandten, doch zeugt die hohe Verbreitung dieser Schriften auch in Fürstenbibliotheken davon, daß in diesem Umfeld sehr wohl der Diskurs über die höfische Ökonomie geführt wurde[156].

Wie aber konnte überhaupt mit der Forderung nach Sparsamkeit umgegangen werden? Erneut lohnt ein Blick in die Ausgabebüchlein des Freiherrn Sebastian Joseph von Pemler. Als er 1763 heiratete und dadurch den Besitz deutlich ausweiten konnte, wurden vom Jahres-etat rund 11 Prozent für die Eheschließung aufgewandt. Mit 160 Gulden trug allein der Ehe-ring zu einem Großteil zu diesem außerordentlichen Haushaltungsposten bei. Weitere 5 Pro-zent mußte der Freiherr für die Anschaffung und Renovierung von Haushaltgegenständen an-setzen, so daß die Sonderausgaben für die Hochzeit den Etat so sehr belasteten, daß gar ein geerbtes Stadthaus in München kurzfristig verkauft werden mußte[157]. Die demonstrativen Aus-gaben widersprechen der Forderung nach Sparsamkeit und Gemäßheit. Doch galt dies nur für den Sonderfall des Festes.

Große Teile der adligen Alltagswelt waren hingegen von Sparsamkeit gekennzeichnet, ohne freilich das adlig angemessene Leben in Frage zu stellen. So forderte auch Hohberg nach Möglichkeit eine ausgeprägte Vorratshaltung: Ein vernünftiger Hausvater solle […] dreier Jahre Einkommen im Vorrat haben[158]. Dabei ging es, anders als bei den bäuerlichen Untertanen, nicht nur um die reine Befriedigung der täglichen Bedürfnisse[159], sondern auch und gerade um die Zurschaustellung von Macht und sozialem Unterschied. Die Investitionen in die Ehre und die damit verbundene Rangbezeugung spielten sich daher auf einer anderen Ebene ab als die ganz praktischen Anweisungen der Hausväterliteratur[160]. Dies spricht ganz deutlich auch aus einem von Pemler aufgeschriebenen Spruch in seiner Zitatensammlung: Gleich gelt und gwalt verlieren sich. Ein guter Nam bleibt ebiglich[161].

 

III.

 

Zusammenfassend kann festgehalten werden, daß mit der Hausväterliteratur quasi-normative Texte erkennbar sind, die Einblicke in die adlige Lebenswelt geben können, aber nicht als Abbilder der Realität verstanden werden dürfen[162]. Wie diese Realität Einfluß auf die Ent-scheidungen der Hausvorstände nahm, müßte in weiteren Einzelstudien noch untersucht wer-den – ein Feld, das vor allem in der Frühneuzeitforschung im Gegensatz zur Mittelalter-forschung noch recht unbestellt ist[163]. Dabei müssen einerseits genauere Auswertungen von Rechnungsquellen Aufschlüsse über die ökonomischen Zwänge und Möglichkeiten geben: Mit welchen Einnahmen konnte der Adel rechnen, welche Ausgaben wurden für Hofhaltung und Repräsentation, welche für die Grundversorgung aufgewandt[164]. Andererseits kann die Frage gestellt werden, inwieweit die ökonomische Ratgeberliteratur nicht nur Eingang in die Bibliotheken der Adligen gefunden, sondern darüber hinaus auch Einfluß auf Entscheidungen genommen hat. Hat man tatsächlich versucht, eine weitgehende Autarkie zu erreichen oder stand die Marktorientierung nicht vielmehr im Vordergrund trotz der vielfach betonten Han-delsfeindlichkeit des Adels? Wie agierten Adlige im Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirkichkeit? Diesen Fragen gilt es nachzugehen, um sich der spezifisch adligen Rationalität der Ökonomie zu nähern.

 

 


Herrschaft auf Pump
Die Finanzen der Grafen von Ravensberg im 16. Jahrhundert
Datenbankeinsatz in der historischen Forschung

 

Jürgen Jablinski

 

 

„Offensichtlich war der Hof in seiner Residenz als Haushalt, Regierung, Verwaltung ein Um-schlagplatz riesiger Summen. Kann man diesen Vorgang näher beschreiben, vielleicht gar be-ziffern?“ Mit diesen Worten stellte Werner Paravicini die Zielsetzung für die Tagung der Residenzen-Kommission im Herbst 2006 in Schleswig vor. Mit dem Wunsch, die finanziellen Verhältnisse  fürstlicher Herrschaften im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit zu „beziffern“, ist eine unübersehbare Forschungslücke frühmoderner Finanz- und Wirtschaftsgeschichte angesprochen. Sicherlich liegen für einzelne Herrschaften und Territorien schon detaillierte Ergebnisse vor, doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß es sich hierbei noch immer um ein häufig angemahntes Forschungsdesiderat handelt. Mit der zunehmenden Kenntnis über die Einnahmen und Ausgaben fürstlicher Haushalte wächst das Verständnis für die finanziellen Strukturen frühmoderner Herrschaft. Zu fragen ist deshalb nicht nur nach den Ursprüngen, Berechtigungen und Erhebungsmodalitäten herrschaftlicher Ansprüche in Form der Abgaben, Steuern und Zölle, sondern auch mit welcher Akribie die Beauftragten des fürstlichen Hofes vor Ort die regelmäßige und vollständige Erhebung dieser Forderungen verfolgten. Es ist zu fragen, welche Kosten für das Einbringen der Forderungen aufzuwenden waren und welche Beträge schon vor Ort „gegengerechnet“ wurden. Daneben finden die beteiligten Personengruppen zunehmendes Interesse; das ständige Kräftemessen zwischen Fürsten und Ständen bei den Steuerbewilligungen ist nicht aus den Augen zu verlieren. Die Kreditgeschäfte sind unter Berücksichtigung der immer wieder zu beobachtenden Verpfändungspraxis zu bewerten. Es ist noch nicht gelungen, diese undurchsichtigen Verflechtungen der beteiligten Gruppierun-gen, ihre Zuständigkeiten und Zielsetzungen aufzulösen. Die lokale Ebene, als Basis des fürstlichen Finanzhaushalts, scheint für die Forschung nur schwer erreichbar. Aber genau hier bildete sich der finanzielle Spielraum des fürstlichen Hofes. Die Dorfgemeinschaften erwirt-schafteten Überschuß oder Mangel und bestimmten damit die Handlungsspielräume fürst-licher Herrschaften. Viele Fragen also, die zum Teil noch keine überzeugenden Antworten gefunden haben. Wer die Antworten geben möchte, steht vor der Aufgabe, die zahllosen Ein- und Auszahlungsbelege, Quittungen, Rechnungsbücher, Abgabelisten, Urbare etc. zu erfassen und in aufbereiteter Form der Auswertung zuzuführen. Wer selbst schon einmal versucht hat, sich in der Fülle von Zahlen und Einheiten in oft schwer zu entziffernden Urbaren, Rech-nungen oder anderen Belegen der frühneuzeitlichen Finanzwelt zurechtzufinden und in unendlichen Archivsitzungen Dokumente transkribiert und kollationiert hat, versteht Edelmayer und andere, die zu dem Ergebnis kommen: „Das Thema Finanzen ist trocken, nicht modern, es stellt an das methodische Vorgehen hohe Ansprüche und verlangt einen langen Atem“[165]. Dieses Martyrium nahmen bislang nur wenige Historikerinnen und Historiker auf sich. Die Vorstellung, als Wirtschaftsprüfer fürstlicher Finanzbuchhaltungen tätig zu werden, um höfische „Bilanzen“ fach- und sachgerecht zu analysieren, ist angesichts solcher Vorgaben nicht gerade ermutigend. Nun ist Historikerinnen und Historikern die Arbeit in den Archiven ja vertraut, sie gehört zum Arbeitsalltag, dagegen ist das Aufbereiten der erhobenen Daten häufig eine viel größere Hürde. Es stellt sich sehr schnell die Frage, wie die im Archiv gewonnenen, oft riesigen Datenmengen weiterzuverarbeiten sind. Dafür gibt es eine eindeutige Antwort: der Einsatz von Datenbanken ist in diesen Situationen nicht zu umgehen. Neben der mühsamen Archivarbeit häufig ein weiterer Grund, eine gewisse Distanz zu diesem Themenbereich aufzubauen. Mit meinen Ausführungen möchte ich eine Brücke schlagen und die Trans-formation eines umfangreichen Datenbestandes im Fließtextformat in eine tabellarische Struktur (Datenbank) an einem Beispiel demonstrieren.

Mein Vortrag auf der Tagung bezog neben dem im Vordergrund stehenden methodi-schen Ansatz die Darstellung erster Ergebnisse zu den finanziellen Verhältnissen der Grafen von Ravensberg im 16. Jahrhundert ein. Dieser Teil des Vortrages kann hier schon aus Platz-gründen keine Berücksichtigung finden. Diese Ergebnisse werden zu gegebener Zeit an ande-rer Stelle präsentiert.

 

Die Ausgangssituation

 

Für die Präsentation stehen ausgewählte Hofbeschreibungen aus dem Urbar der Grafschaft Ravensberg[166] aus dem Jahr 1556 zur Verfügung. Das Urbar ist aus einer Befragung von ca. 3400 Hofbesitzern entstanden und liefert für die Höfe in der Grafschaft Ravensberg teilweise sehr ausführliche Hofbeschreibungen. Auf der Basis dieser Befragung erfolgte die Zusammenstellung einer nach Ämtern, Vogteien und Ortschaften gegliederten Liste aller Höfe im Bereich der Grafschaft. Die Angaben zu den einzelnen Höfen schwanken sehr stark und beschränken sich im Fall adeligen oder kirchlichen Besitzes häufig nur auf die Angabe des Namens des Hofbesitzers, seines Familienstandes und seiner leibherrschaftlichen Bindungen, liefern aber im besten Fall eine sehr ausführliche Beschreibung des Hofes mit zusätzlichen Angaben über den Besitz an Land, Wiese, Holz und Mast sowie über Abgaben und zu leistende Dienste. In vielen Hofbeschreibungen finden sich zusätzliche Informationen über die familiären Verhältnisse, über Gebäude, Bauzeiten von Gebäuden und vieles andere. Das Urbar der Grafschaft Ravensberg ist damit nicht nur Abgaben- oder Einnahmenverzeichnis, sondern gewährt mit seiner Informationsfülle einen hervorragenden Einblick in die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen der Grafschaft in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Die folgenden vier Beispiele geben einen guten Einblick in die vorgefundene Ausgangssituation:

 

64.          Herman zu Uphuiß kommen der van Rennenberg mit weibern und kindern zu. Geben Meinem Gnedigen Hern nichtz, dienen auch nit, dweil sie van Seiner Furstlichen Gnade nichtz haben.

83.          Johann Dieckmann, halfspenner, ist hagenfrig mit wiff und kindern. Myn Gnediger Her hait de besathe, infart und koermede. Huiß, hoif und garden 4 scheppel roggen.

Mast: zw 8 schwinen.

Sedich landt: de Lemhorst 10 scheppel roggen, de Loesick 9 scheppel roggen, upn Appenbrinck 1 scheppel roggen, dat Grothe Felt 18 scheppel roggen.

Wisch: zw 5 foder howß.

Unlandt: uff twen orten an dustholte 1 molt roggen.

Schulde: Mynem Gnedigen Hern 3 gulden weniger 2 schillinge, 1 fette koe edder 2 gulden, 1 schwin fett, 5 honer, 20 eiger, 3 penninge hovegelt; in de kercken 1 ferndel wasses; dem koster 1 scheppel haver und 20 garven.

Dienst: dienet Mynem Gnedigen Hern mit dem halven spanne alle wecken edder darvor 1 gulden und dennoch beidienste.

Zehenden und afforst: Mynem Gnedigen Hern van alle synen lande, uthbescheiden 16 stucke, so up den Deppendorper dieck scheten.

500.        Cordt Dudingklohe ist ein halfspenniger, Meinem Gnedigen Hern mit wief und kindern eigen. Sein Furstliche Gnade hait am gut die besate. Haus, hof und garden von 2 ½ schepfel roggen.

Sedig landt: de Wetekamp von 15 schepfel roggen, sein Feldt in einem platze ist von grosse, das man darin kan seigen 4 ½ moldt und 3 schepfel roggen, 4 stucke bei dem Weitekampe gelegen von 2 ½ schepfel roggen,

Mast: zu 20 aider 30 schweinen eichen holtz.

Wisch: eine wisch beneden dem Felde von 4 foder, noch eine cleine darbei von 1 foder.

Unlandt: daruf mast und dustholtz steet ist von 5 mold roggen sait.

Schulde: gibt Meinem Gnedigen Hern 5 gulden 3 schillinge, 1 schlachte koe, 1 schultschwein, 1 schaef, 1 lamb, 6 honere, 7 schepfel roggen, 23 schepfel habern.

Dienst: dienet mit seinem zuspanne die wochen 1 tag oder gibt davor 1 ½ gulden.

Zehenden und afhorst: de krigt das stift Schildesche.

1323.      Herman vur den Creutz ist undervogt und frei, weib und kinder aber den junffern uf dem Berg eigen. Gibt oder dienet Meinem Gnedigen Hern nichtz.

 

Die Daten der ca. 3400 Höfe haben in der gedruckten Fassung einen Umfang von fast 600 Seiten und konnte in vollem Umfang in einer Datenbank gespeichert werden. Damit besteht die Möglichkeit, die vielfachen Verflechtungen und Abhängigkeiten in den Dorfgemein-schaften und die verschiedenen Besitz- und Rechtstitel in ihrer Gesamtheit zu untersuchen. Die für die Untersuchung eingerichtete Datenbank hat in der Mastertabelle ca. 40 000 Daten-sätze. In den Detailtabellen sind mittlerweile über 300 000 aus dem Urbar gewonnene Informationen gespeichert. Der Übergang von der Druckversion in die Datenbank soll in den wichtigsten Arbeitsschritten mit Hilfe von geeigneten Beispielen vorgestellt werden. Daten-bankkenntnisse sind für das Verständnis nicht erforderlich.

 

Datenbanken in der historischen Forschung

 

Die hier präsentierte Vorgehensweise bietet eine Alternative zur konventionellen Datenbank-praxis und ist auf die besonderen Bedingungen der historischen Forschung abgestimmt. Zunächst gilt es, trotzdem einen Blick auf die konventionelle Datenbankerstellung zu werfen, um hier sowohl Anknüpfungspunkte als auch Abgrenzungen zu betrachten. Datenbanken haben immer eine ganz konkrete, genau abgegrenzte Aufgabenstellung, zum Beispiel das Erfassen von Warenströmen in einer Lagerverwaltung, die Beobachtung des Unternehmens-erfolges in einem Warenwirtschaftssystem oder die Benutzerverwaltung in einer Bibliothek. Die zu speichernden Daten sind bezüglich ihrer Strukturen, ihrer Ausprägungen und ihres Umfangs weitestgehend bekannt. Die Datenerfassung erfolgt über speziell konstruierte Eingabemasken. Für Auswertungen stehen formatierte Berichte bereit. Weitere Kennzeichen für kommerzielle Datenbanken sind der ständige Datenzufluß, die tagesgenauen Aktualisie-rungen des Datenbestandes und das regelmäßige Auswerten der gespeicherten Informationen über standardisierte Auswertungen.

Datenbanken in der historischen Forschung sind unter anderen Rahmenbedingungen zu sehen: die zu speichernden Daten bilden einen geschlossenen Bestand, der keine Erwei-terungen oder Aktualisierungen erfährt. Struktur und Ausprägung der Daten sind zu Beginn der Arbeit weitestgehend unbekannt. Die Datenaufnahme ist einmalig und es erfolgen keine weiteren Aktualisierungen (abgesehen von notwendigen Korrrekturen). Im Gegensatz zu kommerziell eingesetzten Datenbanken werden auch keine standardisierten Auswertungen und kein spezielles Berichtswesen benötigt. Dagegen kann sich der Informationsbedarf sehr schnell ändern. Mit zunehmender Kenntnis der Daten eröffnen sich häufig neue Frage-stellungen. Zusammenfassend gesagt: kommerzielle Datenbanken haben eine ständige Bewe-gung im Datenbestand bei festen Auswertungsvorgaben, Datenbanken in der historischen Forschung haben einen unveränderbaren Datenbestand, aber einen sich ständig ändernden Auswertungsbedarf. In kommerziellen Datenbanken kommen in der Praxis deshalb überwie-gend vorgefertigte Eingabeformulare und Berichte zum Einsatz, Datenbanken im historischen Forschungseinsatz können darauf fast vollständig verzichten, hier steht das direkte Arbeiten mit den Daten über Abfragetechniken im Vordergrund. Dieser Unterschied macht sich nicht nur in der Arbeitsweise, sondern bereits in der Konstruktion von Datenbanken bemerkbar.

Beim Rückblick auf die oben vorgestellten vier Hofbeschreibungen wird schnell deut-lich, daß für jeden Hof unter Umständen sehr unterschiedliche Daten zu speichern sind. Eine Datenanalyse, die vor der Konstruktion einer Datenbank erforderlich ist, ist mit Sicherheit in der geforderten Tiefe nicht möglich. Die Lösung wird häufig darin gesehen, die Daten-aufnahme auf einen sehr begrenzten, überschaubaren Kanon zu reduzieren. Selbst das ist bei derart unüberschaubaren Datenmengen schwer zu realisieren und nicht selten zum Scheitern verurteilt. Außerdem geht die eigentliche Aussagekraft der Quelle verloren. Der Vorteil einer Datenbank liegt ja gerade darin, in komplexen Datenstrukturen die Zusammenhänge und Abhängigkeiten der gespeicherten Einzelinformationen zu erkennen. Sich bei der Datenspei-cherung auf einige Details zu beschränken, kann im Einzelfall natürlich ausreichen, bedeutet in der Regel aber, den eigentlichen Wert der Quelle nicht zu nutzen. Natürlich gibt es auch in der historischen Forschung ausreichend Datenbestände, die eine überschaubare Strukur aufweisen, eine gründliche Datenanalyse ermöglichen und ein konventionelles Datenbank-design erlauben. Aber diese Fälle stehen hier nicht im Blickpunkt. Es ist eine Lösung für große, unstrukturierte Datenbestände zu präsentieren.

Für das Urbar der Grafschaft Ravensberg konnte eine praktikable Lösung gefunden werden, die sich prinzipiell auch auf andere Datenbestände übertragen läßt. Der gesamte Weg von der Erfassung der Daten bis zum Aufbau einer relationalen Datenbank wird über ausge-wählte Hofbeschreibungen aus dem Urbar vorgestellt. Technische Beschreibungen und Datenbanktheorie bleiben weitestgehend ausgeblendet.

 

Die Arbeitsschritte im Überblick

 

Die Fülle der Daten ist erfahrungsgemäß erdrückend und die wichtigste Aufgabe besteht darin, die Kontrolle über den gesamten Datenbestand zu bekommen. Zur Veranschaulichung der notwendigen Arbeitsschritte dient die Beschreibung des Hofes mit der Urbarnummer 500, die hier noch einmal in der ursprünglichen Druckfassung abgebildet ist:

 

500.        Cordt Dudingklohe ist ein halfspenniger, Meinem Gnedigen Hern mit wief und kindern eigen. Sein Furstliche Gnade hait am gut die besate. Haus, hof und garden von 2 ½ schepfel roggen.

Sedig landt: de Wetekamp von 15 schepfel roggen, sein Feldt in einem platze ist von grosse, das man darin kan seigen 4 ½ moldt und 3 schepfel roggen, 4 stucke bei dem Weitekampe gelegen von 2 ½ schepfel roggen,

Mast: zu 20 aider 30 schweinen eichen holtz.

Wisch: eine wisch beneden dem Felde von 4 foder, noch eine cleine darbei von 1 foder.

Unlandt: daruf mast und dustholtz steet ist von 5 mold roggen sait.

Schulde: gibt Meinem Gnedigen Hern 5 gulden 3 schillinge, 1 schlachte koe, 1 schultschwein, 1 schaef, 1 lamb, 6 honere, 7 schepfel roggen, 23 schepfel habern.

Dienst: dienet mit seinem zuspanne die wochen 1 tag oder gibt davor 1 ½ gulden.

Zehenden und afhorst: de krigt das stift Schildesche.

 

Schon der flüchtige Blick zeigt, daß diese Darstellung kaum für Auswertungen geeignet ist. Datenbanken benötigen klare Zuordungen und gut gepflegte Strukturen. Der vorliegende Fließtext ist deshalb in mehreren Arbeitsschritten in eine tabellarische Struktur zu überführen, in der jede Textzeile genau abgegrenzte Inhalte aufweist. Das gewählte Beispiel zeigt die beiden typischen Bestandteile von Hofbeschreibungen. Es gibt einen sehr kompakten ersten Teil mit dem Namen des Hofbesitzers, Angaben zur Spannfähigkeit, der Nennung des Leibherren, Informationen zum Besatzrecht und eine Beschreibung von Haus, Hof und Garten. Der zweite Teil zeigt schon eine sehr nützliche Kategorisierung: Mast, Wisch, Unlandt, Schulde, Dienst, Zehenden und Afhorst mit den spezifischen Beschreibungen zum Saatland, Leistungen etc. Beide Elemente der Hofbeschreibung benötigen eine spezielle Bear-beitungsweise. Das erforderliche Procedere umfaßt eine Fülle von Einzelaufgaben, die unbe-dingt aufeinander abzustimmen sind. Eine bestimmte Reihenfolge ist einzuhalten, um Fehler, die zu einem Mehraufwand führen, zu vermeiden. Die folgenden Arbeitsschritte zeigen das geplante Vorgehen:

 

1.     Datenerfassung

2.     Formale Aufbereitung des Textes

–      Exkurs: Hinweise zur Programmierarbeit

3.     Texterkennung und Kategorienbildung

–      Exkurs: Einrichten elektronischer Wörterbücher

4.     Kennzeichnung der Textzeilen

5.     Kategorien mit mehreren Einträgen auflösen

6.     Übergabe der Daten an die Datenbank

7.     Verschlüsselung der Daten

8.     Aufbau einer Datenbankstruktur

9.     Auswertungen

 

Diese Vorgehensweise ist als Orientierungshilfe zu verstehen und auf den jeweiligen Daten-bestand anzupassen. Je nach Quellenlage sind Variationen möglich. Unterschiedliche Ansätze und Vorgehensweisen sind durchaus denkbar, zum Beispiel lassen sich die Arbeitsschritte in der Textverarbeitung durchaus auch in einer Datenbank ausführen. Damit läßt sich ein Teil der Programmierarbeit einsparen, andererseits ergibt sich dadurch ein erhöhter Aufwand im Abfragebereich der Datenbank. Das jeweilige Vorgehen ist unter Berücksichtigung der eige-nen Kenntnisse auf die spezifischen Bedingungen des Datenbestandes abzustimmen.

 

Datenerfassung

 

In dem ausgewählten Beispiel ist die Ausgangslage insofern sehr günstig, als das Urbar schon in gedruckter Fassung vorliegt. Damit entfällt die Dateneingabe über die Tastatur. Die Scan-Technik bietet mittlerweile guten Komfort mit hoher Erkennungsquote. Das Einscannen mehrerer hundert Seiten ist zwar mühsam, aber es kürzt den Eingabevorgang erheblich ab. Die Software zur Texterkennung bietet zudem einen hervorragenden Standard und der ganze Quellentext steht schon nach kurzer Zeit in digitalisierter Form zur Verfügung. Damit ist ein direkter Einstieg in die Datenverarbeitung möglich.


Formale Aufbereitung des Textes

 

Eingescannte Texte zeigen in der Regel einige formale Mängel, zum Beispiel Seitenum-brüche, doppelte Absatzeinzüge oder Leerzeilen, die unbedingt zu entfernen sind. Schrift-größen und spezielle Formatierungen wie Fett- und Kursivdruck sind zu vereinheitlichen. In Textverarbeitungsprogrammen wie MS-Word stehen dafür geeignete Werkzeuge zur Ver-fügung. Ein Großteil der weiteren Arbeiten erfolgt durch geeignete Programme, die speziell für die einzelnen Aufgaben zu erstellen sind. Der folgende Exkurs gibt einen kleinen Einblick in die VBA-Programmierung.

 

Exkurs: Arbeiten mit VBA-Programmierung in MS Word

 

Der Arbeitsaufwand ist bei größeren Datenbeständen ohne Programmierung nicht zu bewäl-tigen. Die Programme übernehmen zeitaufwendige Routinearbeiten und sorgen damit für eine schnellere Aufbereitung des Textes. Für die Erstellung der benötigten Programme sind nur elementare Programmierkenntnisse erforderlich. Schon mit geringen Programmierkenntnissen lassen sich die ersten kleinen Programme erstellen. Für die Bearbeitung des Urbars wurde die Programmiersprache Visual Basic for Applications (VBA) gewählt, die sowohl auf MS-Word-Dokumente anzuwenden ist, als auch in der Datenbank MS-Access gute Dienste leistet. Nachfolgend ist ein kleines VBA-Programm abgedruckt, um einen Einblick in die zu leistende Programmierarbeit zu geben. Das Programm ersetzt den Doppelpunkt nach den Kate-goriebegriffen durch einen Tabulator, um auf diesem Weg die Tabellenstruktur vorzubereiten:

 

'Doppelpunkte werden durch TAB-Zeichen ersetzt

Public Sub doppelpunkt_ersetzen()

Dim p As Paragraph

Dim s As String

Dim pos As Integer

Selection.HomeKey Unit:=wdStory

For Each p In ActiveDocument.Paragraphs

With Selection.Find

          .ClearFormatting

          .Text = ": "

          .Replacement.ClearFormatting

          .Replacement.Text = vbTab

          .Execute Replace:=wdReplaceAll, Forward:=True, Wrap:=wdFindContinue

End With

Selection.MoveDown Unit:=wdParagraph, Count:=1

Next

End Sub

 

Nur wenige Programmzeilen sind nötig, um die ansonsten sehr zeitaufwendigen Arbeiten schnell zu erledigen. Neben der Programmklammer „Public Sub“ und „End Sub“ gibt es standardmäßig eine Variablendeklarationen über das Schlüsselwort „Dim“. Die Schleife „For Each p In ActiveDocument.Paragraphs … Next“ sorgt dafür, dass alle Absätze des Textes durchlaufen werden, um dort einen gegebenenfalls vorhandenen Doppelpunkt durch einen Tabulator zu  ersetzen. Programmklammer, Variablendeklaration und Schleifen werden fast immer in dieser Form benötigt. Der Einsatz des Programms führt zu folgender Darstellung des Textes:

 

500. Cordt Dudingklohe ist ein halfspenniger, Meinem Gnedigen Hern mit wief und kindern eigen. Sein Furstliche Gnade hait am gut die besate. Haus, hof und garden von 2 ½ schepfel roggen.

Sedig landt                    de Wetekamp von 15 schepfel roggen, sein Feldt in einem platze ist von grosse, das man darin kan seigen 4 ½ moldt und 3 schepfel roggen, 4 stucke bei dem Weitekampe gelegen von 2 ½ schepfel roggen,

Mast                              zu 20 aider 30 schweinen eichen holtz.

Wisch                            eine wisch beneden dem Felde von 4 foder, noch eine cleine darbei von 1 foder.

Unlandt                         daruf mast und dustholtz steet ist von 5 mold roggen sait.

Schulde                         gibt Meinem Gnedigen Hern 5 gulden 3 schillinge, 1 schlachte koe, 1 schultschwein, 1 schaef, 1 lamb, 6 honere, 7 schepfel roggen, 23 schepfel habern.

Dienst                            dienet mit seinem zuspanne die wochen 1 tag oder gibt davor 1 ½ gulden.

Zehenden und afhorst   de krigt das stift Schildesche.

 

Das Programm bewirkt einen Austausch der Doppelpunkte hinter den Kategoriebegriffen durch ein Tabulatorzeichen. Mit diesem kleinen Eingriff erhält ein großer Teil des Textes mit der Trennung von Kategorien und Beschreibungen bereits eine einfache Tabellenstruktur. Bei einem Einsatz dieses Programms ist zu bedenken, daß nicht nur ein Austausch der Doppel-punkte hinter den Kategoriebezeichnungen durch ein TAB-Zeichen stattfindet, sondern ein Austausch aller im Text auftretenden Doppelpunkte. EDV-Programme sind in dieser Hinsicht nicht sehr sensibel. Programmiertechnisch ist so etwas mit kleinem Mehraufwand aufzu-fangen. Das Programm ist in diesem Fall dahingehend zu erweitern, daß nur die Doppelpunkte in Verbindung mit den Begriffen Sedig landt, Mast, Wisch etc. zu ersetzen sind. Allerdings ist in jedem Fall größte Vorsicht geboten, um unerwünschte Nebeneffekte zu vermeiden. Es gilt auf jeden Fall die Regel: immer in kleinen, überschaubaren und kalkulierbaren Schritten arbeiten. Ein einmal „zerstörter“ Text läßt sich kaum wiederherstellen. Nach jedem gelungenen Arbeitsschritt ist deshalb die neue Textversion zusätzlich zu speichern. Diese Versionen können nach Abschluß der Arbeiten natürlich gelöscht werden, wenn zuvor die geprüfte Version gesichert worden ist. Es ist hilfreich, einige Werkzeuge in Form dieser kleinen Programme zu erstellen. Sie finden – mit leichten Modifikationen – im Verlauf der Arbeit immer wieder ihre Anwendung. Es reicht zunächst auch völlig aus, Programme dieser Größenordnung zu erstellen. Der Programmieraufwand ist vertretbar und führt relativ schnell zu erheblichen Arbeitserleichterungen.

Die beschriebenen Textmanipulationen lassen sich häufig auch durch einfache Word-Befehle ausführen. Der Befehl „Suchen und Ersetzen“ kann einige Arbeiten übernehmen und erspart die aufwendigere Programmierarbeit. Allerdings sind mit dieser Arbeitstechnik auch schnell Grenzen erreicht. Eine weitere Möglichkeit, die Programmierung zu umgehen, besteht darin, diese Arbeitsschritte in die Datenbank zu verlegen. Hier gibt es ähnlich wie in MS-Word einige Befehle, die einen Teil der Arbeiten übernehmen können. Weiterhin bieten die Abfragen einen hohen Bearbeitungskomfort. Allerdings ist damit je nach Datenlage ein höhe-rer Arbeitsaufwand verbunden. Es ist nach der jeweiligen Quellenlage zu entscheiden, wel-cher Weg einzuschlagen ist.


Texterkennung und Kategorienbildung

 

Nach diesem kleinen Einblick in die VBA-Programmierung ist in der Textaufbereitung fort-zufahren. Es zeigt sich, daß nach dem oben beschriebenen Programmdurchlauf der erste Absatz unverändert geblieben ist. Da dieser Abschnitt keine Kategoriebezeichnung mit Doppelpunkt aufweist, hat das Programm hier keine Veränderungen vorgenommen. Erschwe-rend kommt hinzu, daß im Gegensatz zu den nachfolgenden Bestandteilen der Hofbe-schreibung mehrere inhaltlich sehr unterschiedliche Informationen in einem Absatz zusammengefaßt wurden: zuerst der Name, gefolgt von der Spannfähigkeit, der leibherr-schaftlichen Beziehung, dem Besatzrecht und der Beschreibung von Haus, Hof und Garten. Die Ausgangslage ist hier noch einmal zu sehen:

 

500. Cordt Dudingklohe ¼ ist ein halfspenniger, ¼ Meinem Gnedigen Hern mit wief und kindern eigen. ¼ Sein Furstliche Gnade hait am gut die besate. ¼ Haus, hof und garden von 2 ½ schepfel roggen. usw.

 

Ein geeignetes Programm muß die hier mit Pfeilen markierten Textstellen exakt ansteuern, an diesen Stellen jeweils einen Absatz einfügen und noch einmal einen Tabulator setzen. Damit entstehen inhaltlich geschlossene Textzeilen und zugleich erfolgt eine Anpassung an die bereits bestehende Struktur. Folgendes Ergebnis ist anzustreben:

 

500. Cordt Dudingklohe

ist ein halfspenniger

Meinem Gnedigen Hern mit wief und kindern eigen

Sein Furstliche Gnade hait am gut die besate

Haus, hof und garden von 2 ½ schepfel roggen

Sedig landt                    de Wetekamp von 15 schepfel roggen, sein Feldt in einem platze ist von grosse, das man darin kan seigen 41/2 moldt und 3 schepfel roggen, 4 stucke bei dem Weitekampe gelegen Von 21/2 schepfel roggen,

usw.

 

Diese Texterkennungen sind eine immer wiederkehrende Aufgabe und stellen eine besondere Herausforderung an die Programmierung dar. Es gibt viele Einzelfälle und Besonderheiten aufzufangen, manchmal scheitert es schon an kleinen Abweichungen wie unterschiedliche Schreibweisen, die im 16. Jahrhundert einfach dazugehören. Diese Arbeit ist sehr stark von der jeweiligen Darstellung in der Quelle abhängig.

Jeder Einzelfall ist neu zu prüfen und häufig ist ein einzelner Programmdurchlauf nicht ausreichend. Mehrere Durchläufe verschiedener, gut aufeinander abgestimmter Programme sind dann erforderlich. Das ist unter Umständen ein sehr aufwendiger Prozeß. Eine allgemein-gültige Lösung gibt es nicht. Im Einzelfall ist ein zeitintensives Nacharbeiten der Ergebnisse notwendig, die in der Programmierung zwar ihre Unterstützung findet, aber oft nur mit sehr hohem Aufwand zu bewältigen ist. In manchen Fällen bleibt nur die Kontrolle über zusätz-liche Programme oder letztlich eine Prüfung mit dem Auge.

Es gibt keine allgemeingültige Strategie, aber einige Hinweise können helfen, erste Schritte zu tun, aus der eigenen Arbeit ergeben sich dann weitere Impulse.

Bei aller Unterschiedlichkeit der Hofbeschreibungen gibt es auch zahlreiche strukturelle Übereinstimmungen. Der erste Abschnitt vieler Hofbeschreibung folgt einem fast einheit-lichen „Muster“: Name – Spannfähigkeit – Leibherrschaft – Besatzrecht – Wohnplatzbeschreibung. Da es sich um eine überschaubare Anzahl von „Mustern“ handelt, kann die Programmierung darauf abgestimmt werden. Die beiden Formulierungen Meinem Gndigen Hern mit wief und kindern eigen und Sein Furstliche Gnade hait am gut die besate sind (fast) Standardformulierungen, wie sie in vielen Hofbeschreibungen vorzufinden sind. Für ein Programm ist es kein Problem genau diese Stellen zu finden. Natürlich gibt es im 16. Jahrhundert zahlreiche Abweichungen in den Schreibweisen. Neben Meinem Gnedigen Herrn […] findet sich Mynem […], neben Sein […] gibt es Syn […], um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Aber das ist kein wirkliches Problem für die Programmierung. Entweder erstellt man ein etwas aufwendigeres Programm, das möglicherweise diese Textsegmente mit Ein-trägen in einem elektronischen Wörterbuch abgleicht oder schreibt mehrere kleinere Pro-gramme für die unterschiedlichen Schreibweisen.

Die Erkennung und Separierung der Spannfähigkeit kann hier als weiteres Beispiel dienen. Während sich bei den eben behandelten Kategorien im Urbar starke begriffliche Übereinstimmungen ergeben, gibt es hier starke Abweichungen in der Beschreibungsform. Häufig ist in solchen Fällen auf zusätzliche Textmerkmale zurückzugreifen. In diesem Fall kann dies das dritte Leerzeichen nach der Hofnummer sein. Auch Kommata bilden Strukturierungsmerkmale, auf die über die Programmierung sehr gut zugegriffen werden kann, wie das folgende Beispiel zeigt: Cordt Dudingklohe, halfspenner, Meinem Gnedigen […]. In dieser Variante lassen sich über die beiden Kommata sehr gut die gewünschten Textsegmente isolieren. Über eine geschickte Programmierung ist es sehr gut möglich, einen Text aufgrund von bestimmten Merkmalen in verschiedene, inhaltlich abgegrenzte Segmente zu zerlegen.

Eine weitere Situation ergibt sich beim Sedig landt, das später noch zu bearbeiten ist. Hier gibt es kein eindeutiges Trennungsmerkmal in der Liste der Flustücke. Das Komma bie-tet sich zwar zunächst an, aber in der Beschreibung des zweiten Landstückes befindet sich ein Relativsatz, der durch ein Komma eingeleitet wird. Hier darf auf keinen Fall getrennt werden. Diese Fälle sind sehr typisch und benötigen erheblich mehr Aufwand als in den zuvor be-schriebenen Trennungen. Relativsätze lassen sich noch recht einfach auffangen, da über die Programmierung nicht nur das Komma, sondern das anschließende Wort abgefragt werden kann. Folgen dem Komma Relativpronomen, wird eine Trennung nicht zugelassen. Die Pro-grammierung ist hier geringfügig aufwendiger. Schwieriger ist es, die in großer Zahl auftre-tenden Einzelfälle zu bearbeiten. Nicht immer gibt es angemessene Programmierlösungen, häufig ist dann eine Bearbeitung über die Tastatur erforderlich.

Beobachten wir nun weiter das Beispiel. Die durch die Programme angestoßene Muster-suche liefert die gewünschte Position im Text, an der ein Absatz einzufügen ist, und auch die gewünschten Informationen über den Textinhalt. Deshalb ist es möglich, nach dem Auffinden des Textmusters einen Absatz einzufügen, einen Tabulator zu setzen und einen Kategorie-begriff zu ergänzen, der den Inhalt der neuen Textzeile beschreibt. Im Idealfall zeigt sich dann folgendes Ergebnis:

 

Name                             500. Cordt Dudingklohe

Spann                             ist ein halfspenniger

Leibherr                         Meinem Gnedigen Hern mit wief und kindern eigen

Besatz                            Sein Furstliche Gnade hait am gut die besate

Haus                              Haus, hof und garden von 2 ½ schepfel roggen

Sedig landt                    de Wetekamp von 15 schepfel roggen, sein Feldt in einem platze ist von grosse, das man darin kan seigen 4 ½ moldt und 3 schepfel roggen, 4 stucke bei dem Weitekampe gelegen von 2 ½ schepfel roggen

Mast                              zu 20 aider 30 schweinen eichen holtz

Wisch                             eine wisch beneden dem Felde von 4 foder, noch eine cleine darbei von 1 foder

Unlandt                         daruf mast und dustholtz steet ist von 5 mold roggen sait

Schulde                         gibt Meinem Gnedigen Hern 5 gulden 3 schillinge, 1 schlachte koe, 1 schultschwein, 1 schaef, 1 lamb, 6 honere, 7 schepfel roggen, 23 schepfel habern

Dienst                            dienet mit seinem zuspanne die wochen 1 tag oder gibt davor 1 ½ gulden

Zehenden und afhorst   de krigt das stift Schildesche

 

Es ist nicht anzustreben, einen Absatz mit einer derartigen Informationsfülle in einem Arbeitsgang zu strukturieren. Hier bietet es sich an, die gesamte Arbeit auf mehrere kleine Programme zu verteilen. Damit besteht die Möglichkeit nach jedem Programmdurchlauf die Ergebnisse zu prüfen und den nächsten Arbeitsschritt zu planen.

Nach erfolgreicher Durchführung dieser Arbeiten zeigt sich der Text schon mit sehr gutem „Datenbankcharakter“: Der sehr komplexe Text, insbesondere der erste Absatz, ist in inhaltlich abgegrenzte Textzeilen zerlegt, wobei jedes Segment in eine separate Textzeile geschrieben wurde und einen Kategoriebegriff mitführt, der den Inhalt der Textzeile angibt. Außerdem ist ein Anschluß an den bereits vorhandenen Text mit den bereits abgetrennten Kategorien gelungen. Das Ziel, den Ausgangstext in eine tabellarische Struktur zu überführen, ist damit erreicht.

Es ist in der gebotenen Deutlichkeit darauf hinzuweisen, daß nicht alle auftretenden Be-sonderheiten der einzelnen Hofbeschreibungen über diese Programmierungen erreicht und entschlüsselt werden können. Es gibt immer wieder Hofbeschreibungen, die völlig untypisch sind und zusätzlichen Aufwand verursachen. Programmierlösungen für solche Einzelfälle zu schaffen ist häufig sehr zeitaufwendig; es bietet sich dann an, solche Textstellen über Tasta-tureingaben zu bearbeiten.

 

Exkurs: Einrichten elektronischer Wörterbücher

 

Im vorigen Arbeitsschritt hat es einen kleinen Einblick in die Texterkennungsarbeit gegeben. Diese Arbeiten treten immer wieder auf. Vorteilhaft ist es, für den Abgleich von Text-elementen auf elektronische Wörterbücher zurückgreifen zu können. Diese Wörterbücher sind für jede Quelle neu zu erstellen. Spezifische Ausprägungen der Vor- und Zunamen und häufig auftretende Begriffe, die eine Texterkennung unterstützen, sind hier einzutragen. Insbesondere das „Sammeln“ von Vor- und Zunamen in eigenen Wörterbüchern bringt im Lauf der Arbeit immer wieder Möglichkeiten, die unterschiedlichen Schreibweisen im Quellentext mit diesen Einträgen abzugleichen. Diese Arbeit ist in der momentanen Arbeitsphase nicht unbedingt erforderlich, liefert aber bei späteren Auswertungen in der Datenbank enorme Vorteile. Es mag an dieser Stelle dieser Hinweis genügen, da für das Erstellen der Wörterbücher weitere Arbeitsschritte durchzuführen sind, die hier im einzelnen nicht mehr erwähnt werden können.

 

Kennzeichnung der Textzeile

 

Das Speichern von Daten in einer Datenbank geschieht immer in Form von Datensätzen und unter der Forderung nach Eindeutigkeit und Identifikationsmöglichkeit des jeweiligen Daten-satzes. Ein Datensatz würde in unserem Beispiel einer Textzeile entsprechen. Dieser For-derung ist auf jeden Fall nachzukommen und an dieser Stelle schon einmal für jede Textzeile vorzubereiten. In dem gewählten Beispiel erfolgt die Identifikation einer Textzeile über die Hofnummer, die momentan allerdings nur vor der ersten Textzeile einer jeden Hofbeschrei-bung eingetragen ist. Diese Hofnummer ist jeder Textzeile voranzustellen. Für diese Aufgabe ist ein kleines Programm zu schreiben. Das Ergebnis sieht folgendermaßen aus:


500.        Name                           Cordt Dudingklohe

500.        Spann                           ist ein halfspenniger

500.        Leibherr                       Meinem Gnedigen Hern mit wief und kindern eigen

500.        Besatz                          Sein Furstliche Gnade hait am gut die besate

500.        Haus                            Haus, hof und garden von 2 ½ schepfel roggen

500.        Sedig landt                  de Wetekamp von 15 schepfel roggen, sein Feldt in einem platze ist von grosse, das man darin kan seigen 4 ½ moldt und 3 schepfel roggen, 4 stucke bei dem Weitekampe gelegen von 2 ½ schepfel roggen

500.        Mast                            zu 20 aider 30 schweinen eichen holtz

500.        Wisch                          eine wisch beneden dem Felde von 4 foder, noch eine cleine darbei von 1 foder

500.        Unlandt                       daruf mast und dustholtz steet ist von 5 mold roggen sait

500.        Schulde                       gibt Meinem Gnedigen Hern 5 gulden 3 schillinge, 1 schlachte koe, 1 schultschwein, 1 schaef, 1 lamb, 6 honere, 7 schepfel roggen, 23 schepfel habern

500.        Dienst                         dienet mit seinem zuspanne die wochen 1 tag oder gibt davor 1 ½ gulden

500.        Zehenden und afhorst de krigt das stift Schildesche

 

Damit ist eine Identifikation jeder Textzeile erreicht, allerdings fehlt noch die geforderte Ein-deutigkeit. Diese ist zum gegenwärtigen Stand noch nicht sinnvoll einzurichten, da zuvor noch der folgende Arbeitsschritt auszuführen ist.

 

Kategorien mit mehreren Einträgen auflösen

 

In den Kategorien Sedig landt, Wisch und Schulde sind noch mehrere Flurstücke bzw. mehrere Abgabepositionen in einer Zeile aufgelistet. Diese Darstellung ist in  einer Datenbank nicht zulässig. Pro Textzeile ist nur eine Mehrmalsausprägung zulässig, also nur ein Flurstück bzw. nur eine Abgabeposition. Das gerade beobachtete Verfahren der Texterkennung und Text-zerlegung wiederholt sich hier und ist deshalb nicht noch einmal im Detail vorzustellen. Die bereits erstellten Programme sind oft nur minimal zu modifizieren und liefern das folgende Ergebnis:

 

500.        Name                           Cordt Dudingklohe

500.        Spann                           ist ein halfspenniger

500.        Leibherr                       Meinem Gnedigen Hern mit wief und kindern eigen

500.        Besatz                          Sein Furstliche Gnade hait am gut die besate

500         Haus                            Haus, hof und garden von 2 ½ schepfel roggen

500.        Sedig landt                  de Wetekamp von 15 schepfel roggen

500.        Sedig landt                  sein Feldt in einem platze ist von grosse, das man darin kan seigen 4 ½ moldt und 3 schepfel roggen

500.        Sedig landt                  4 stucke bei dem Weitekampe gelegen von 2 ½ schepfel roggen

500.        Mast                            zu 20 aider 30 schweinen eichen holtz

500.        Wisch                           eine wisch beneden dem Felde von 4 foder

500.        Wisch                           noch eine cleine darbei von 1 foder

500.        Unlandt                       daruf mast und dustholtz steet ist von 5 mold roggen sait

500.        Schulde                                   gibt Meinem Gnedigen Hern 5 gulden 3 schillinge

500.        Schulde                                   1 schlachte koe

500.        Schulde                                   1 schultschwein

500.        Schulde                                   1 schaef

500.        Schulde                                   1 lamb

500.        Schulde                                   6 honere

500.        Schulde                                   7 schepfel roggen

500.        Schulde                                   23 schepfel habern

500.        Dienst                         dienet mit seinem zuspanne die wochen 1 tag oder gibt davor 1 ½ gulden

500.        Zehenden und afhorst de krigt das stift Schildesche

 

Damit ist ein gutes Teil der Arbeit geschafft, allerdings sind noch weitere Arbeitsschritte durchzuführen, die hier aber nicht mehr alle im Detail vorzustellen sind. Texte des 16. Jahr-hunderts zeigen diese schöne Individualität, die allerdings bei Auswertungen über eine Pro-grammierung zusätzliche Arbeit bereiten. In diesem Fall müssen noch die Brüche in Dezimal-zahlen umgewandelt werden und in den Zeilen der Kategorie Schulde ist noch der Empfänger nachzutragen, der nur einmal in der ersten Zeile der Kategorie Schulde erwähnt worden ist. Auch die Kategorie „Dienst“ meldet noch Bearbeitungsbedarf an, da hier dem Hofbesitzer offensichtlich alternativ Dienste oder Geldleistungen eingeräumt werden. Diese und weitere Aufgaben sind sorgfältigst abzuarbeiten. Es ist nicht unbedingt davon auszugehen, daß sämt-liche Arbeiten automatisiert werden können. Spezielle Fälle lassen sich nur mit hohem Aufwand programmieren. Die verbleibenden Einzelfälle sind dann aber relativ rasch zu iden-tifizieren und über manuelle Textverarbeitungstechniken nachzuarbeiten. Am Ende dieser Be-arbeitungsphase muß eine dreispaltige Tabelle vorliegen, in welcher in der ersten Spalte die Hofnummer, in der zweiten die Kategorie und in der dritten der nach wir vor unveränderte Text der Quelle steht. Bis auf die Ergänzung der Kategoriebezeichnung ist der Quellentext in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben und bietet damit Zugriff auf alle Zusammen-hänge und Abhängigkeiten.

 

Übergabe der Daten an die Datenbank

 

Der Text hat jetzt das gewünschte Format. Es sind nur noch einige Arbeiten durchzuführen, um die Übergabe des Textes an die Datenbank vorzubereiten. Dazu gehört die schon ange-sprochene Durchnumerierung der Textzeilen. Diese Maßnahme ist notwendig, um die Reihenfolge der Textzeilen innerhalb eines Hofes festzuschreiben. Für die weitere Arbeit in MS-Word wäre das nicht erforderlich, da die Reihenfolge der Datensätze hier nicht verändert wird. Eine Datenbank ist allerdings nicht so rücksichtsvoll, durch Such- und Sortierungs-vorgänge ergibt sich sehr häufig eine andere Reihenfolge bei den Datensätzen. Die angestrebte Durchnummerierung sorgt dann dafür, daß der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt werden kann. Vor dem Einlesen der Daten in eine Datenbank ist unbedingt auf das Einrichten dieser Numerierung der Textzeilen zu achten. Das nachfolgende Programm fügt vor jeder Zeile eine Zahl ein, die die Position der Textzeile innerhalb der Quelle angibt. Das Pro-grammbeispiel zeigt den zu leistenden Programmieraufwand:

 

'fügt eine positionsnummer nach der hofnummer ein

 Public Sub posnr()

 Dim p As Paragraph

 Dim hofnralt, hofnrneu, posnr As Integer

 Selection.HomeKey unit:=wdStory

 hofnralt = 0

 posnr = 0

  For Each p In ActiveDocument.Paragraphs

 hofnrneu = Val(Left(p.Range.text, 4))

 If hofnrneu > hofnralt Then

          posnr = 1

 Else

          posnr = posnr + 1

 End If

 Selection.StartOf unit:=wdParagraph, Extend:=wdMove

 Selection.MoveRight unit:=wdCharacter, Count:=6

 Selection.TypeText text:=posnr & vbTab

 hofnralt = hofnrneu

 Selection.MoveDown unit:=wdParagraph

 Next

 End Sub

 

Die durch Tablulatoren getrennten „Spalten“ für die Hofnummer, die Positionsnummer, die Kategorie und den Quelltext, lassen sich mit den Word-Werkzeugen problemlos in eine Word-Tabelle umwandeln. Nach dem Einfügen der Spaltenüberschriften sind die Arbeiten in Word abgeschlossen. Die folgende Darstellung zeigt das Ergebnis:

 

Hofnr.

Position

Kategorie

Quellentext

 

 

 

 

500.

01

Name

Cordt Dudingklohe

500.

02

Spann

ist ein halfspenniger

500.

03

Leibherr

Meinem Gnedigen Hern mit wief und kindern eigen

500.

04

Besatz

Sein Furstliche Gnade hait am gut die besate

500.

05

Haus

Haus, hof und garden von 2 1/2 schepfel roggen

500.

06

Sedig landt

de Wetekamp von 15 schepfel roggen

500.

07

Sedig landt

sein Feldt in einem platze ist von grosse, das man darin kan seigen 4 ½ moldt und 3 schepfel roggen

500.

08

Sedig landt

4 stucke bei dem Weitekampe gelegen von 2 ½ schepfel roggen

500.

09

Mast

zu 20 aider 30 schweinen eichen holtz

500.

10

Wisch

eine wisch beneden dem Felde von 4 foder

500.

11

Wisch

noch eine cleine darbei von 1 foder

500.

12

Unlandt

daruf mast und dustholtz steet ist von 5 mold roggen sait

500.

13

Schulde

gibt Meinem Gnedigen Hern 5 gulden 3 schillinge

500.

14

Schulde

1 schlachte koe

500.

15

Schulde

1 schultschwein

500.

16

Schulde

1 schaef

500.

17

Schulde

1 lamb

500.

18

Schulde

6 honere

500.

19

Schulde

7 schepfel roggen

500.

20

Schulde

23 schepfel habern

500.

21

Dienst

dienet mit seinem zuspanne die wochen 1 tag oder gibt davor 1 ½ gulden

500.

22

Zehenden und afhorst

de krigt das stift Schildesche

 

Die Möglichkeiten von MS-Word sind mit diesem Arbeitsabschnitt weitestgehend aus-geschöpft. Alle weiteren Arbeiten erfolgen jetzt in einer Datenbankanwendung. Zu empfehlen ist die Software MS-Access, die über sehr gute, leicht bedienbare Werkzeuge verfügt.

Das Einlesen der Word-Tabelle ist über ein entsprechendes VBA-Programm möglich, was allerdings von der Systemumgebung abhängig sein kann. Notfalls ist hier der zuständige Systemadministrator zu Rate zu ziehen. Die Übergabe der Daten läßt sich auch elementar über „Drag & Drop“ erledigen, was allerdings bei mehreren tausend Textzeilen nicht ganz einfach zu bewerkstelligen ist.

Mit dem Transfer der Daten von MS-Word nach MS-Access hat sich offensichtlich nicht viel geändert. Die Daten liegen so, wie sie MS-Word verlassen haben, in einer Daten-banktabelle, die sich zunächst einmal kaum von einer MS-Word Tabelle unterscheidet (es gibt natürlich gewaltige Unterschiede, aber diesen technischen Hintergrund betrachten wir jetzt nicht). Das vorhandene Konstrukt als Datenbank zu bezeichnen wäre schon sehr kühn, deshalb ist der Begriff Datenbanktabelle sicher zutreffender. Aber aufgrund der guten Vorar-beiten gelingt es – auch wieder schrittweise – eine gut arbeitende Datenbankanwendung zu erstellen. Kenntnisse über den Aufbau und die Funktionalität lassen sich auf dem hier zur Verfügung stehenden Raum nicht vermitteln. Allerdings gelingt es über die Weiterbearbeitung des gewählten Beispiels Einblicke in die Arbeitsweise einer Datenbank zu gewinnen.

Trotzdem sind an dieser Stelle einige wenige technische Hinweise auf die Arbeitsweise von Datenbanken notwendig. Die bislang gezeigten Arbeitsschritte in der Textverarbeitung hatten zum Ziel, den Fließtext der Hofbeschreibung in eine tabellarische Struktur zu über-führen. Relationale Datenbanken arbeiten immer auf der Basis von Tabellen. Die Konstruk-tion einer Datenbank bedeutet im wesentlichen, geeignete Tabellen zu erstellen, die die zu speichernden Daten aufnehmen, wobei die einzelnen Tabellen in geeigneter Weise aufeinan-der abgestimmt sein müssen. Ein sehr aufwendiger Prozess, der mit höchster Sorgfalt zu betreiben ist. Fehler, die beim Erstellen der Datenbanktabellen gemacht werden, lassen sich später nur noch mit hohem Aufwand korrigieren. Das Planen der Tabellen und ihr Zu-sammenwirken ist mit höchster Sorgfalt und größter Präzision zu betreiben. Fehler und Versäumnisse in diesem Bereich können die Funktionalität einer Datenbank erheblich beeinträchtigen und sogar zu fehlerhaften Auswertungen führen.

Aus der Texverarbeitung ist eine recht große Tabelle in die Datenbank übernommen worden, für eine Datenbank ist das eher untypisch. In dieser Form sind die gespeicherten Informationen nicht auswertbar. Um optimale Auswertungsmöglichkeiten bereitzustellen, sind die Informationen in möglichst kleine Einheiten zu zerlegen, die wiederum in einzelnen Tabellen zu speichern sind. Als Beispiel kann hier ein Eintrag zum Saatland dienen:

 

Hofnr.

Position

Kategorie

Quellentext

 

 

 

 

500.

06

Sedig landt

de Wetekamp von 15 schepfel roggen

 

Um die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche für diesen Hof berechnen zu können, muß es einen problemlosen Zugriff auf die Größenangabe „15 Scheffel“ geben. Die vorliegende Information über dieses Stück Saatland, bestehend aus dem Namen des Flurstücks und der Größenangabe, ist deshalb aufzulösen und in getrennten Spalten bzw. Tabellen zu speichern. Entsprechend ist mit allen Zeilen der Tabelle zu verfahren. Im Ergebnis entsteht dann eine Datenbankanwendung, bestehend aus mehreren miteinander verknüpften Tabellen. Der Aufbau kann schrittweise entsprechend den Forschungsfortschritten, Fragestellungen und wachsenden Erkenntnissen über den Datenbestand erfolgen. Es ist jetzt keinesfalls erforderlich, eine vollständige und endgültige Datenbankstruktur zu erstellen. Das ist der große Vorteil dieses Vorgehens, angesichts der Vielzahl von Informationen wird deutlich, daß das Erstellen einer Datenbankstruktur vor der Dateneingabe kaum möglich ist. Mit den nächsten Schritten wird jetzt das Erstellen dieser Datenbankstruktur vollzogen. Die guten Kenntnisse, die mittlerweile über die gespeicherten Daten gewonnen wurden, sind dabei sehr hilfreich.


Verschlüsselung der Daten

 

Die Verschlüsselung der Daten ist der nächste Arbeitsschritt. Der Zugriff auf die Daten erfolgt momentan ausschließlich über die Kategoriebegriffe. Das ist vom Grundsatz her möglich, im Hinblick auf spätere Auswertungen aber nicht optimal. Der Kategoriebegriff ist deshalb durch einen numerischen Schlüssel zu ersetzen. Ein Vorteil bei der Verwendung von numerischen Schlüsseln gegenüber alphanumerischen Schlüsseln liegt darin begründet, daß auf einzelne Stellen eines numerischen Schlüssels sinnvoll zugegriffen werden kann. Numerische Schlüssel lassen sich einfacher an neue Situationen anpassen, da sie praktisch beliebig erweiterbar sind. Diese Aufgabe gehört zu den immer wieder anfallenden Routineaufgaben in einer Datenbank. Um in der vorhandenen Tabelle die numerischen Schlüssel eintragen zu können, braucht es einen entsprechenden Platz. In der vorhandenen Tabelle ist dehalb eine neue Spalte „Schlüssel“ einzurichten, die die neuen Werte aufnimmt. Weiter wird eine zusätzliche Tabelle benötigt, die die Kategorien mit ihren zugehörigen Schlüsseln enthält:

 

Kategorie

Schlüssel

 

 

Name

200.000

Spann

180.000

Leibherr

260.000

Besatz

230.000

Haus

410.000

Sedig landt

510.000

Mast

550.000

Wisch

515.000

 

Das Erstellen eines Schlüsselverzeichnisses ist ein sehr aufwendiger Arbeitsvorgang. Anfangs lassen sich häufig nur übergreifende Kategorien bilden (Leibherr, Land, Abgaben etc.). Mit zunehmender Kenntniss der Daten können in die Schlüssel aber auch spezielle Merkmals-ausprägungen einfließen. Mit Hilfe eine Aktualisierungsabfrage ist es nun möglich, jeder Kategorie den zugehörigen Schlüssel zuzuordnen. Das Ergebnis ist in der folgenden Tabelle zu sehen:

 

Hofnr.

Position

Kategorie

Quellentext

Schlüssel

 

 

 

 

 

500.

01

Name

Cordt Dudingklohe

200.000

500.

02

Spann

ist ein halfspenniger

180.000

500.

03

Leibherr

Meinem Gnedigen Hern mit wief und kindern eigen

260.000

500.

04

Besatz

Sein Furstliche Gnade hait am gut die besate

230.000

500

05

Haus

Haus, hof und garden von 2 ½ schepfel roggen

410.000

500.

06

Sedig landt

de Wetekamp von 15 schepfel roggen

510.000

500.

09

Mast

zu 20 aider 30 schweinen eichen holtz

550.000

500.

10

Wisch

eine wisch beneden dem Felde von 4 foder

515.000

500.

11

[…]

[...]

 

 

Die Spalte „Kategorie“ könnte jetzt gelöscht werden, auf jeden Fall sollte eine Tabellen-version mit dieser Spalte gespeichert werden, um im Bedarfsfall darauf zurückgreifen zu können. Jetzt zeigt sich, daß durch diese Maßnahme der Weg frei ist für die weitere Erfor-schung der Textinhalte. Über die Schlüssel können nun ganz gezielt Datensätze ausgewählt werden, um sie weiter zu untersuchen. Die Situation läßt sich an einem Beispiel sehr gut ver-deutlichen. In der Kategorie „Leibherr“ finden wir den Eintrag Meinem Gnedigen Hern mit wief und kindern eigen:

 

Hofnr.

Position

Kategorie

Quellentext

Schlüssel

 

 

 

 

 

 

 

 

[…]

 

500.

03

Leibherr

Meinem Gnedigen Hern mit wief und kindern eigen

260.000

 

 

 

[…]

 

 

Mit dem Schlüssel „260.000“ und der Kategorie „Leibherr“ ist ja schon gekennzeichnet, daß in dieser Textzeile eine Aussage über die Leibeigenschaft getroffen worden ist. Allerdings enthält der Text ja weitaus mehr Informationen: Leibherr ist der Graf von Ravensberg, leib-eigen sind Cordt Dudingklohe, seine Frau und seine Kinder. Hinzu kommt die Information, daß Dudingklohe nicht allein, sondern zusammen mit Frau und Kindern auf dem Hof wohnt. Darüber hinaus ist anzumerken, daß in anderen Hofbeschreibungen auch weitergehend Be-schreibungen der Leibeigenschaft vorzufinden sind: ehr ist vor seine person frei, aber wief und kindere sind Meinem Gnedigen Hern eigen (Urbarnr. 613), gehoret vor seine person Meinem Gnedig Hern eigen, aber wief und kindere gehoren der Nagelschen zw Bustede (Urbarnr. 1096). Allein in diesen Textzeilen der Kategorie „Leibherr“ findet sich eine Viel-zahl von unterschiedlichen Informationen. Diese Fülle von Informationen ist nach jetzigem Stand immer durch den Schlüssel „260.000“ ausgedrückt. Das wird dem Sachverhalt nicht ge-recht und ist nicht haltbar. Die Leibeigenschaft wird in der Quelle stärker differenziert darge-stellt und kann nicht angemessen über einen einzigen Schlüssel repräsentiert werden. Als Leibherren treten sicher nicht nur der Graf von Ravensberg auf, sondern auch die Adeligen vor Ort oder die Kirche. Es wird Hofbesitzer geben, die verheiratet sind, aber keine Kinder haben. Andere werden frei sein, während die Frau und die Kinder wieder leibeigen sind. Für die Beschreibung dieser Konstellationen sind entsprechende Schlüssel zu vergeben. Es ist sicherzustellen, daß ein Zugriff auf diese unterschiedlichen Informationen erfolgen kann, um sie bei Auswertungen gezielt ansprechen zu können. Das ist in der jetzigen Situation auf kei-nen Fall möglich. Häufig wird an diesen Stellen versucht, die unterschiedlichen Angaben wie Name des Leibherrn, Familienstand etc. über die Belegung fester Positionen des Schlüssels vorzunehmen („sprechende Schlüssel“). So kann zum Beispiel an der vierten Stelle des Schlüssels der Name des Leibherrn verschlüsselt werden, der Graf von Ravensberg erhält eine „1“, ein anderer Leibherr bekommt die „2“ usw. Der Schlüssel „260.000“ würde dann gegen „260.100“ bzw. „260.200“ ausgetauscht.

 

Hofnr.

Position

Kategorie

Quellentext

Schlüssel

 

 

 

 

 

 

 

 

[…]

 

395.

01

Name

Ludeke tho Diegbroich

200.000

395.

02

Leibherr

ist Johan Ledebur mit weib und kindern eigen

260.200

 

 

 

[…]

 

500.

01

Name

Cordt Dudingklohe

200.000

 

 

 

[…]

 

500.

03

Leibherr

Meinem Gnedigen Hern mit wief und kindern eigen

260.100

 

Dieses Verfahren hat in kleineren Datenbeständen durchaus seine Berechtigung, findet aber sehr schnell seine Grenzen in der zur Verfügung stehenden Stellenzahl. Außerdem sind solche „Schlüsselsysteme“ enorm schwer zu pflegen und führen in größeren Datenbeständen schnell in eine kaum beherrschbare Unübersichtlichkeit. Das Verwalten der Schlüssel zieht dann einen erheblichen Arbeitsaufwand nach sich. Die Datenbanktechnik bietet hier weitaus mehr Komfort an, auf den schon kurz hingewiesen wurde. Die Arbeitsweise von Datenbanken läßt sich an dieser Stelle sehr anschaulich darstellen. Um die Information über den jeweiligen Leibherrn aufzunehmen, verändern wir nicht den Schlüssel, sondern fügen eine neue Spalte eine, die den Namen des jeweiligen Leibherrn aufnimmt:

 

Hofnr.

Position

Kategorie

Quellentext

Schlüssel

Leibherr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[…]

 

 

395.

01

Name

Ludeke tho Diegbroich

200.000

 

395.

02

Leibherr

ist Johan Ledebur mit weib und […]

260.000

Ledebur

 

 

 

[…]

 

 

500.

01

Name

Cordt Dudingklohe

200.000

 

 

 

 

[…]

 

 

500.

03

Leibherr

Meinem Gnedigen Hern mit wief und […]

260.000

MGH

 

 

 

[…]

 

 

 

Der Schlüssel ist wieder auf „260.000“ zurückgesetzt worden und die beiden Namen der Leibherren in der zusätzlichen Spalte eingetragen (MGH steht für Meinem Gnedigen Hern). Das Herausfinden des Namens und das Eintragen des gefundenen Namens in die neue Spalte ist wieder Programmierarbeit und wird hier nicht weiter vorgestellt. Vom Prinzip her haben wir unsere Tabelle nur um eine weitere Spalte ergänzt und die gefundenen Namen der Leibherren dort eingetragen. Jetzt lassen sich über die Schlüsselnummer „260.000“ alle Leibherrschaftsbeziehungen herausfiltern. In der neu eingerichteten Spalte zeigt sich sofort der zugehörige Leibherr.

Dieses Arbeitsprinzip läßt sich zunächst einmal auch für die anderen Kategorien um-setzen: taucht eine weitere, für die geplante Fragestellung wichtige Information auf, wird die Tabelle um eine weitere Spalte erweitert und die gefundenen Informationen werden dort entweder im Klartext oder verschlüsselt eingetragen. Die Folge solchen Vorgehens ist eine ständig wachsende Tabelle. Die Anzahl der Spalten würde kaum noch überschaubar sein und die meisten Felder der zusätzlichen Spalten wären leer, da jede Hofbeschreibung einen Um-fang von durchschnittlich 10-15 Zeilen hat, aber nur eine davon wäre durch den Namen des Leibherren belegt. Die restlichen Zeilen dieser Spalte blieben für diesen Hof leer. Das Ein-richten der neuen Spalten ist nur ein Zwischenschritt. Diese Situation ist möglichst schnell zu bereinigen, um die Überschaubarkeit in der Datenbank zu gewährleisten.

 

Aufbau einer Datenbankstruktur

 

Die Datenbanktheorie sagt, daß Datenbanken immer aus sinnvoll miteinander verknüpften Tabellen bestehen, die bestimmten Regeln (referentielle Integrität etc.) genügen müssen. In unserem Beispiel bedeutet das, daß die zusätzliche Spalte mit den Namen der Leibherren nun von der Ausgangstabelle abzutrennen ist. Ist die Arbeit in der Kategorie „Leibherr“ abge-schlossen, kann die nächste Kategorie bearbeitet werden. Dieses schrittweise Vorgehen hat sich bestens bewährt. Bei diesem Vorgehen ist es nicht erforderlich, sich über die Tabellen-struktur schon vorab Gedanken zu machen, was ja in Unkenntnis über die Daten auch kaum möglich ist. Nach Bedarf und dem Kenntnisstand über die gespeicherten Inhalte können jetzt die benötigten Tabellen erstellt werden. Sind diese Arbeiten abgeschlossen, erfolgt die Bear-beitung der nächsten Kategorie. Eine bestimmte Reihenfolge ist nicht einzuhalten, die Entwicklung der Datenbank folgt dem Forschungsinteresse und -fortschritt. Die zusätzlichen Tabellen nehmen Daten gleichen Inhalts auf, zum Beispiel eine Tabelle für die Informationen zur Leibherrschaft, eine Tabelle zum Landbesitz, eine Tabelle für die Abgaben usw.

Ein ganz wesentlicher Punkt ist noch zu beachten. Beim Abtrennen der neuen Spalte und dem Anlegen der neuen Tabelle mit den Namen der Leibherren darf natürlich der Bezug zu dem ursprünglichen Datensatz nicht verloren gehen. Der Zusammenhalt der beiden betrof-fenen Datensätze erfolgt über sogenannte „Schlüsselfelder“. In unserer Ausgangstabelle, der sogenannten Mastertabelle, ist zunächst ein eindeutiger Schlüssel in einem neuen Feld „ident“ zu hinterlegen. Hierfür bietet sich die Kombination von „hofnr“ und „pos“ an:

 

hofnr

pos

ident

kategorie

quelltext

schlüssel

leibherr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[…]

 

 

395.

01

39501

Name

Ludeke tho Diegbroich

200.000

 

395.

02

39502

Leibherr

ist Johan Ledebur mit weib und […]

260.000

Ledebur

 

 

 

 

[…]

 

 

500.

01

50001

Name

Cordt Dudingklohe

200.000

 

 

 

 

 

[…]

 

 

500.

03

50003

Leibherr

Meinem Gnedigen Hern mit wief und […]

260.000

MGH

 

 

 

 

[…]

 

 

 

Diese gelingt wiederum durch eine Aktualisierungsabfrage, nachdem zuvor die neue Spalte „ident“ angelegt worden ist. Dieser Schlüssel ist in die neue Tabelle „Leibherren“ zu über-tragen. Zur Vorbereitung wird deshalb eine weitere Spalte mit der Bezeichnung „ident2“ vor der Spalte „leibherr“ eingefügt (die Reihenfolge der Spalten ist beliebig). Mit einer Aktuali-sierungsabfrage wird der Schlüssel aus „ident“ nach „ident2“ übertragen, und zwar für alle Datensätze, die den Schlüssel 260.000 haben. Die folgende Tabelle zeigt das Ergebnis:

 

hofnr

pos

ident

kategorie

quelltext

schlüssel

ident2

leibherr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[…]

 

 

 

395.

01

39501

Name

Ludeke tho Diegbroich

200.000

 

 

395.

02

39502

Leibherr

ist Johan Ledebur mit weib und […]

260.000

39502

Ledebur

 

 

 

 

[…]

 

 

 

500.

01

50001

Name

Cordt Dudingklohe

200.000

 

 

 

 

 

 

[…]

 

 

 

500.

03

50003

Leibherr

Meinem Gnedigen Hern mit wief und […]

260.000

50003

MGH

 

 

 

 

[…]

 

 

 

 

Mit einer Tabellenerstellungsabfrage über die beiden Spalten „ident2“ und „leibherr“ ist die neue Tabelle schnell erstellt (siehe nächste Seite). Die Leerzeilen in der neuen Tabelle werden anschließend gelöscht.

Diese Verfahren läßt sich beliebig verfeinern. Mit fortschreitender Arbeit und zuneh-mender Kenntnis über den Datenbestand entsteht eine Datenbank, die sich den Forschungs-interessen wunderbar anpaßt. Gilt das Interesse mehr der landwirtschaftlichen Nutzfläche, erfolgt eine Konzentration auf die Kategorien Saatland, Wiese etc. Wie oben schon berichtet, besteht wiederum die Möglichkeit, einzelne Informationen gezielt aus dem Quellentext zu generieren und nach Bedarf in neuen Tabellen zu speichern. Das Zusammenwirken dieser miteinander über Schlüssel verknüpften Tabellen ist das Geheimnis jeder Datenbank. Der hier vorgestellte Weg befreit uns von der Aufgabe, dieses unter Umständen sehr komplizierte Konstrukt vor der Dateneingabe zu erstellen. Die Datenbank wächst sozusagen mit den Erfordernisssen und mit den zunehmenden Kenntnissen über den Datenbestand.

 

Ausgangstabelle

 

Leibherr

hofnr

pos

ident

kategorie

quelltext

schlüssel

 

ident2

leibherr

 

 

 

 

[…]

 

 

 

 

395.

01

39501

Name

Ludeke tho Diegbroich

200.000

 

 

 

395.

02

39502

Leibherr

ist Johan Ledebur mit […]

260.000

39502

Ledebur

 

 

 

 

[…]

 

 

 

 

500.

01

50001

Name

Cordt Dudingklohe

200.000

 

 

 

 

 

 

 

[…]

 

 

 

 

500.

03

50003

Leibherr

Meinem Gnedigen Hern mit […]

260.000

50003

MGH

 

 

 

 

[…]

 

 

 

 

 

Auswertungen

 

Der auf diese Weise aufgearbeitete Datenbestand bietet alle Möglichkeiten der Datenaus-wertung. Die Aufteilung der Informationen auf verschiedene Tabellen zeigt eine hohe Flexi-bilität. Eine Datenbank bietet nicht nur statistische Auswertungen, es gibt zahlreiche weitere Verwendungsmöglichkeiten. Die gespeicherten Datenbestände für das Jahr 1556 lassen sich mit den Katasteraufzeichnungen späterer Jahre abgleichen oder mit Abgabelisten aus früheren Jahren. Damit besteht die Möglichkeit, Langzeituntersuchungen durchzuführen. Der Abgleich mit anderen in gleicher Weise gespeicherten Datenbeständen ist denkbar und ermöglicht regionale Vergleiche. Innerhalb des Datenbestandes kann sehr gut und schnell gesucht und verglichen werden. Gibt es interessante Sachverhalte, die für einen Hof vorliegen, läßt sich sehr schnell nachschauen, auf welchen Höfen gleiche oder ähnliche Sachverhalte zu beobach-ten sind. Die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von gut gepflegten Datenbanken lassen sich in der Kürze kaum darstellen.

 

Ergebnis

 

Am Beispiel des Urbars der Grafschaft Ravensberg aus dem Jahr 1556 konnte die Er-schließung eines umfangreichen Quellenbestandes mit Hilfe einer Datenbank gezeigt werden. Der unterschiedliche Informationsgehalt der einzelnen Hofbeschreibungen ließ eine klassische Datenbankerstellung mit anschließender Dateneingabe nicht zu. Das praktizierte Verfahren basiert auf einem schrittweisen Umbau des gesamten Datenbestandes mit dem Ziel, den Fließtext in eine tabellarische Struktur umzuwandeln. Diese Arbeiten können zu einem großen Teil in einem Textverarbeitungsprogramm erfolgen. Nach der Übergabe des bearbeiteten Textes an die Datenbank erfolgt ein schrittweiser Aufbau der benötigten Tabellenstruktur, indem ausgewählte Inhalte durch Schlüssel in geeigneten Tabellen vertreten werden. Diese Vorgehensweise hat sich bewährt und bietet gegenüber der klassischen Variante erhebliche Vorteile:

§         eine aufwendige Datenbankkonstruktion zu Beginn der Arbeiten entfällt

§         der gesamte Text der Quelle wird vollständig in die Datenbank übernommen

§         die einzelnen Textzeilen / Datensätze lassen sich nach Bedarf verschlüsseln

§         der Aufbau der Datenbankstruktur erfolgt schrittweise in einem Prozeß der kontinuierlichen Datenbaufbereitung

Der hier gezeigte Ablauf ist unter Beachtung der jeweiligen Spezifika auf andere Daten-bestände übertragbar. Es gibt sicher auch an vielen Stellen noch Optimierungspotential. Hier konnten nur die wichtigsten Arbeitsschritte vorgestellt werden. Es ist ebenso deutlich heraus-zustellen, daß es zahlreiche Abweichungen und Besonderheiten in den Hofbeschreibungen gibt, die ein automatisiertes Arbeiten nicht immer ermöglichen. Auftretende Einzelfälle sind häufig nur über manuelle Eingaben aufzulösen und zu bearbeiten. Neben diesen nicht zu übersehenden Einschränkungen bieten Datenbanken in der historischen Forschung aber eine sehr wirkungsvolle Unterstützung. Der Einsatz von Datenbanken führt uns zu Ergebnissen und Erkenntnissen, die uns ohne Datenbankeinsatz verschlossen blieben.

 

 

 


Die Versorgung des hessen-kasselischen Hofs aus den Domänen (Ende 18./Anfang 19. jahrhundert)

 

Jochen Ebert

 

 

I.

 

Ende des 18. Jahrhunderts gehörten dem Kasseler Hof um die 350 Personen an, was in etwa der Bevölkerungszahl eines Dorfes mittlerer Größe entsprach[167]. Als Landgraf Wilhelm IX. (1743-1821) 1785 die Regierung antrat, befaßte er sich umgehend mit den personellen und finanziellen Verhältnissen des Hofstaats, den er von ca. 480 auf knapp 275 Angehörige reduzierte[168]. Die Ökonomie des Hofes ward von Grund auf geändert und auf den Fuß gestellt, so der Landgraf in seinen Lebenserinnerungen, nicht ohne starken Widerspruch unter den oberen Hofchargen und Domestiken, weil von den Hofämtern bisher die ganze Stadt gelebt hatte[169]. Zu den oberen Hofchargen zählten die adeligen Kammerherren, die Kammerjunker und die adelige Dienerschaft (Leib- und Livreepagen) sowie die Oberhofmeisterinnen, die Hofdamen und die Kammerfrauen. Die Domestiken, d.h. die nicht adeligen Bediensteten, waren im Marstall, im Livreestaat, in den Gärten, in der Küche, in der Kellerei, in der Käm-merei und der Garderobe angestellt oder als Arzt, Apotheker, Archivar, Bibliothekar, Künstler und Musiker tätig.

Der wechselnde personelle Umfang des Hofstaats, seine soziale Struktur sowie die unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche des Hofpersonals sind in den seit 1764 jährlich erschei-nenden Staats- und Adresskalendern dokumentiert[170]. 1796 gehörten dem Hofstaat 348 Perso-nen an. Jedoch war nicht der gesamte Hofstaat in der Residenz beschäftigt. Insgesamt 48 Per-sonen hielten sich entweder als Gesandte außerhalb Kassels auf oder waren als Burggrafen und Gärtner auf den verschiedenen landgräflichen Schlössern angestellt. Zum Hofstaat zählten außerdem der Gestütsmeister und die Gestütsknechte auf der Domäne Beberbeck, die seit 1724 das landgräfliche Hauptgestüt beherbergte[171].


 

 

Abb. 1: Staats- und Adresskalender 1796
Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel

 

Da den meisten Hofbediensteten als Teil ihrer Besoldung[172] freie Verpflegung aus der Hof-küche zustand, mußten 1796 täglich etwa 300 Personen versorgt werden. Hinzu kamen die fürstliche Familie sowie die mittags und abends zu Tisch geladenen Gäste. Einer von ihnen, James Boswell, notierte Ende Oktober 1764 in seinem Tagebuch: Die Tafel war sehr gut. Besondere Aufmerksamkeit schenkte ich dem Schinken mit Birnen, die gut mit Zucker gekocht waren. Das ergab ein ausgezeichnetes Gericht, und ich langte herzhaft zu.[173]. Serviert wurde an mehreren Tafeln. Quantität und Qualität der Speisen variierten von Tisch zu Tisch, je nach Stand und Rang der zugelassenen Personen[174]. Stärker noch unterschied sich die Verköstigung der adeligen Dienerschaft und des gemeinen Hofgesindes[175]. Der Adel stellte 1796 mit 47 Per-sonen etwa ein Sechstel, das Hofgesinde mit 253 Personen fünf Sechstel des Hofstaats. Ent-sprechend stark differenziert war die Nachfrage an Speisen und Getränken bei der Hofküche. Einerseits war der Bedarf des Hofgesindes an Grundnahrungsmitteln wie Getreide und Bier zu decken, andererseits mußten Wein[176] und die für die Zubereitung der Herrenspeisen nötigen Zutaten wie Gewürze und Spezereien beschafft werden. Ein Teil dieser Luxuswaren wurde auf der Frankfurter und der Leipziger Messe gekauft, ein Teil über Hoflieferanten bezogen[177]. Bis Ende 1799 etwa hatte die Küche den zur Hofhaltung nötigen Kaffee und Zucker von einem italienischen Kaufmann namens Adrazzino bezogen. Um die Ausgaben der Hofküche zu reduzieren, ließ Landgraf Wilhelm IX. die Preise bei verschiedenen anderen Händlern ein-holen. Da die Kasseler Kaufleute die Artikel billiger anboten, wurde das Hofmarschallamt an-gewiesen, Kaffee und Zucker bei diesen zu kaufen. Der Kasseler Kaufmann Müller hatte sein Angebot allerdings abgegeben, ohne die gewünschten Waren zu führen, sich aber bereit er-klärt, diese anzuschaffen, sollte er einen Liefervertrag erhalten. Dies, so die Beamten des Hof-marschallamts, sei nicht im herrschaftlichen Interesse, da solche Anerbietungen erfahrungs-gemäß nur von kurzer Dauer seien und entweder von selbst aufhören, oder gar wegen deren schlechten Qualitaet nicht anzunehmen stünden[178].

Die Episode belegt ebenso wie die eingangs erwähnte Verkleinerung des Hofstaats durch Landgraf Wilhelm IX. das stete Bestreben, die Kosten der Hofhaltung zu reduzieren. Aussagen über das finanzielle Volumen des Küchenverlags und dessen Entwicklung sind zwar nicht möglich, da keine Untersuchungen zur Ökonomie des Kasseler Hofs vorliegen. Einen gewissen Eindruck vermitteln jedoch die folgenden Zahlen vom Ende der Regierungs-zeit Landgraf Friedrichs II. (1720-85). Zu Beginn der 1780er Jahre beliefen sich die Ausgaben der Hofküche auf jährlich 52 000 Reichstaler. Die Aufwendungen der Kellerei wurden mit weiteren 16 000 Reichstaler angeschlagen. Dem standen jährliche Kammereinnahmen von etwa 500 000 Reichstaler gegenüber[179]. Der mit knapp 14 Prozent relativ niedrige Anteil der Ausgaben für die Hofhaltung deutet auf umfangreiche Naturallieferungen an die Hofküche[180].

 

 

Abb. 2: Verzeichis der Kaffee- und Zuckerpreise bei verschiedenen Kaufleuten, 1799
HStAM, Best. 5, Nr. 12365

 

Für das 16. Jahrhundert ist die stark naturalwirtschaftliche Organisation des fürstlichen Haus-halts durch den ‚Ökonomische Staat‘, eine handbuchartige, um 1580 von Landgraf Wilhelm IV. (1532-1592) veranlaßte Zusammenstellung des landgräflichen Besitzes sowie sämtlicher Einnahmen und Ausgaben, belegt. Von den darin verzeichneten 56 Domänengütern waren 33 mit Schäfereien ausgestattet, deren Bestand mit 15 400 Tieren angeschlagen wurde. Hiervon sollten jährlich 814 Hammel und 680 Schafe an die Hofküche nach Kassel geliefert werden. Darüber hinaus bezog der Hof von den Schäfereien jährlich 1540 Kleuder Wolle (= 16,2 Tonnen). Der herrschaftliche Rindviehbestand war 239 Ochsen und 656 Milchkühe stark. Die Milch wurde vor Ort zu Butter und Käse weiterverarbeitet und war ebenfalls an den Hof zu liefern. Der mehrjährige Durchschnitt belief sich auf 28 500 Pfund Butter (= 13,7 Tonnen) und 6470 Schock Käse (= 388 200 Käse) pro Jahr[181]. Dies bedeutete jedoch nicht, das alle be-nötigten Waren von den in Eigenregie bewirtschafteten Domänengütern stammten. So waren Marktbeziehungen unerläßlich, um den Bedarf des Hofes an Gewürzen, Seefisch, Zitrus-früchten oder südländischem Trockenobst zu decken. Außerdem reichte der herrschaftliche Viehstapel kaum aus, um den Fleischbedarf bei Hof zu decken, so daß regelmäßig Rinder und Schweine zugekauft werden mußten.[182] Auch ein Jahrhundert später galten Naturallieferungen als angemessene Form, um die Versorgung des Hofs zu sichern. So riet der sachsen-gotha-ische Hof- und Justizrat Veit Ludwig von Seckendorff (1626-92) in seinem 1656 erstmals erschienenen und bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts mehrfach aufgelegten ‚Teutschen Fürsten-Staat, die Versorgung des Hofs mit Lebensmitteln vor allem von den Domänen und aus den Abgaben der Untertanen zu bestreiten[183]. Ähnlich argumentierten auch die Kamera-listen Mitte des 18. Jahrhunderts[184]. Allerdings gab es auch Gegenpositionen. Georg Heinrich Zincke (1692-1769) etwa riet wegen der geringen Produktivität der in Eigenregie betrieben Domänengüter, diese zu verpachten und die von der Hofküche benötigten Lebensmittel auf dem Markt zu kaufen oder mithilfe des Vorkaufsrechts von den Gutspächtern zu erwerben[185].

In Hessen-Kassel war die fürstliche Rentkammer bereits Ende des 17. Jahrhunderts von der Eigenbewirtschaftung zur Verpachtung der Domänengüter übergegangen, womit eine sukzessive Ablösung der Naturallieferungen durch Geldzahlungen einherging. Während viele Landesherren im Westen und Süden des Heiligen Römischen Reichs ihren Domänenbesitz – die Forsten ausgenommen – im Verlauf der Frühen Neuzeit weitgehend veräußerten, hielten die Landgrafen von Hessen-Kassel – wie verschiedene andere Fürsten – aus steuerungs- und entwicklungspolitischem Gründen an den Domänen fest[186]. Mehr noch: Durch den Kauf von Adelsgütern wurde der Domänenbestand im 18. Jahrhundert kontinuierlich vergrößert[187].

Die Frage ist, inwieweit die Versorgung des Hofs ein Motiv für das Festhalten an den Domänen darstellte. Welchen Anteil und welche Funktion Naturallieferungen von den Domä-nen Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts für die Versorgung des Hofs mit agrari-schen Gütern besaßen, wird nachfolgend an verschiedenen Nahrungsmitteln untersucht. Zwar mußten bei Hof auch zahlreiche Tiere, vor allem Pferde, versorgt werden, wozu größere Mengen an Hafer, Heu und Stroh nötig waren. Dieser Bereich der Hofökonomie bleibt nach-folgend allerdings ausgeklammert.

Fraglich ist jedoch nicht nur, wie die Versorgung des Hofstaats organisiert war und welchen Anteil Naturallieferungen von den Domänen daran hatten. Die Reaktion des Hof-marschallamts auf die Pläne Landgraf Wilhelms IX., Kaffee und Zucker in Zukunft über den günstigsten Anbieter beziehen zu wollen, zeigt darüber hinaus, daß bei der Versorgung des Hofs Kostenersparnis nicht das einzige handlungsleitende Kriterium war. Wichtiger für die Argumentation des Hofmarschallamts waren die Gesichtspunkte Versorgungssicherheit und Warenqualität. Implizit war damit die Gefahr angesprochen, daß bei Unterschreiten von ge-wissen Qualitätsstandards der Ruf des Kasseler Hofs Schaden nehmen könnte. Es ist also wichtig, nach den handlungsleitenden Motiven für die Naturallieferungen von den Domänen an die Hofküche zu fragen.

 

II.

 

Belieferungen der Hofküche mit Lebendvieh von den Domänengütern waren – ebenso wie die im 16. und 17. Jahrhundert regelmäßig getätigten Ankäufe von Ochsen und Schweinen auf nord- und ostdeutschen Märkten – Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr üblich[188]. Stattdessen bestanden zwischen dem Hofmarschallamt und ortsansässigen Metzgern Lieferkontrakte, wie ein Gesuch der Witwe des Hofmetzgers Sänger vom Juli 1796 belegt. Anlaß boten die vertraglich vereinbarten Festpreise für die gelieferten Fleischwaren. Da die Marktpreise für Schlachtvieh seit Vertragsschluß stark gestiegen waren, hatte die Witwe zuletzt Geld zu-schießen müssen, weshalb sie um Anhebung der Preise nachsuchte. So betrug ihr Verlust im Juli und August 1796 über 53 Reichstaler[189]. Aus diesem Grund bat sie um eine höhere Vergütung ihrer Lieferungen. Im Juli hatte sie 1194 Pfund Rindfleisch, 298 Pfund Kalbfleisch und 735 Pfund Hammelfleisch, im August 1815 Pfund Rindfleisch, 250 Pfund Kalbfleisch und 1671 Pfund Hammelfleisch an die Hofküche geliefert. Hinzu kamen Schweinefleisch, Speck, Schinken und Würste[190]. Der exklusive Lieferkontrakt bestand – mit Unterbrechung in den Jahren des Königreichs Westfalen (1806-13) – bis 1820[191]. Landesherr, Rentkammer und Hofmarschallamt waren also in keiner Weise mehr in die Produktion, den Transport und die Weiterverarbeitung involviert. Auch das zum Teil beträchtliche Kapital, das zum Ankauf des Schlachtviehs notwendig war, mußte nicht mehr gestellt werden. Stattdessen bezog die Hof-küche Fleisch und Würste von einem exklusiven Lieferanten zu ausgehandelten Preisen.

Auch die Hofkonditorei besaß seit Ende des 18. Jahrhunderts für das von ihr benötigte feine Weizenmehl[192] einen vertraglich verpflichteten Lieferanten. In „älteren Zeiten“ war das Weizenmehl – der jährliche Bedarf der Hofküche lag bei rund 100 Zentnern – laut Bericht der Oberrentkammer von 1795 in mit großen Kosten von auswärtigen Orten angeschafft[193] worden. Zwar wurde auf den Domänen überwiegend Roggen angebaut, das Problem war aber weniger die Verfügbarkeit von Weizen, sondern dessen Verarbeitung zu feinem Mehl. Später sei dann, so der Bericht der Kammerräte, dem englischen Müller Wood und seinem Schwie-gersohn[194] die Zobelsmühle[195] bei Bettenhausen, einem südöstlich von Kassel gelegenen Dorf, gegen die Lieferungen von feinem Weizenmehl vererbleiht worden. Den Weizen durfte der Müller zunächst auf dem Kasseler Markt kaufen, was ihm aber 1799 von der Kasseler Policey-Commission mit der Erklärung untersagt wurde, er solle sich deswegen an die grose Pächter auf dem Lande wenden[196]. Auf diese Weise waren die Domänen quasi durch die Hin-tertür in die Versorgung des Hofs eingebunden – als Lieferanten der Hoflieferanten. Der Zobelsmüller erhielt überdies Weizen aus dem herrschaftlichen Magazin zum Marktpreis überlassen. An das Generalfruchtmagazin wiederum hatte die Domänenpächter die Natural-anteile ihres Pachtzinses zu liefern[197]. Gleiches galt für die Erträge der in Eigenregie bewirt-schafteten Domänengüter. So ließ der 1769/70 mit der Verwaltung der Domäne Franken-hausen beauftragte Administrator Johann Christoph Quantz die gesamte Getreideernte des Jahres 1769 – insgesamt 454 Kasseler Viertel (= ca. 45 Tonnen) – zur Generalfrucht-schreiberei nach Kassel transportieren[198]. Nach einer Aufstellung von 1792 hatten die Do-mänenpächter jährlich 1042 Viertel Roggen, 475 Viertel Gerste, 523 Viertel Hafer, 21 Viertel Weizen und 4 Viertel Erbsen an die Oberrentkammer abzuliefern. Hinzu kamen 34 Hähne, 29 Hühner, sechs Gänse, 11 Hammel, drei Lämmer und ein Schwein sowie Eier, Heu und Stroh. Der Gegenwert der Naturalabgaben wurde auf 9106 Reichstaler beziffert. Die monetär zu ent-richtenden Pachtzinsen lagen mit 60 255 Reichstalern allerdings fast siebenmal so hoch[199].

Eine zentrale Stellung für die Versorgung des Hofs mit Geflügel[200] besaß die sogenannte Hühnerstopperei, wie die herrschaftliche Meierei[201] vor den Toren Kassels im Volksmund genannt wurde. Auf der Meierei erfolgte allerdings nur die Mästung des Schlachtviehs, um deren Fleisch- und Fettansatz zu steigern. Die Tiere selbst stammten von den landesherrlichen Censiten aus den drei Kasseler Ämtern. Hühner und Hähne bildeten einen festen Bestandteil der jährlichen Zinse, die die Besitzer landesherrlicher Zins- oder Erbzinsgüter (bona censitica) an den Grundherrn zu leisten hatten. Die Zahlen waren enorm: 1805 kamen zu Spitzenzeiten wöchentlich über 1000 Stück Federvieh auf die Meierei[202].

Ende des 18. Jahrhunderts war das Gut an den Schweizer Entreprenneur Frautschy († 1791)[203] verpachtet. Dieser agierte einerseits als selbständiger, auf eigenes Risiko wirtschaf-tender Unternehmer, der seine Erzeugnisse auf dem Kasseler Markt verkaufte, andererseits war er durch seinen Pachtvertrag zu Mästung und Ablieferung des Federviehs an die Hof-küche verpflichtet. Den Weizen zum Mästen erhielt er aus der Kasseler Renterei; die Kosten trug die Hofküche. Entsprechend großen Einfluß nahmen Landesherr, Rentkammer und Hofmarschallamt auf die betrieblichen Verhältnisse der Engraisserie. Im August 1805 etwa regte Kürfürst Friedrich I. wegen der steigenden Weizenpreise an, einen Versuch mit sogenanntem Türkischen oder welschen Korn zu unternehmen. Da in Kassel kein Mais zu er-halten war, ließ die Oberrentkammer knapp fünf Viertel aus Hanau herbeischaffen – ein kostspieliges Experiment, da die Transportkosten mit knapp 19 Reichstalern fast so hoch wa-ren wie die Gestehungskosten für den Mais, die sich auf etwas über 30 Reichstaler beliefen.

Die Versorgung des Hofes mit Fisch (hauptsächlich Karpfen, Hecht, Forelle und Aal) war ähnlich organisiert. Über die Landgrafschaft verteilt lagen zahlreiche herrschaftliche Fischteiche. 1585 waren es knapp 50 Teiche[204]. Bis 1723 stieg die Zahl auf 87 Teiche an[205]. Die ausgewachsenen Fische wurden von den fuhrdienstpflichtigen Amtsuntertanen in Fässern zum Fischerhof nach Bettenhausen transportiert und in Fischbehälter gesetzt. Auf diese Weise war eine kontinuierliche Versorgung der Hofküche mit frischem Fisch gewährleistet. Wegen der erheblichen Kosten für die Beaufsichtigung und den Transport des Fangs wurde die Eigenbewirtschaftung der Teiche, die entfernter von der Residenz lagen, zu Beginn des 18. Jahrhunderts aufgegeben. Ab 1730 kam es schließlich zur Verpachtung sämtlicher Teiche[206] und ab Ende der 1770er Jahre begann die Domänenverwaltung allmählich mit ihrer Umwandlung in Wiesen, da deren Verpachtung um ein Drittel höhere Einnahmen versprach. Die Umnutzung der Teiche, die rein ökonomisch motiviert scheint, war allerdings erst durch einen Wandel der Ernährungsgewohnheiten, der zu einem steten Rückgang des Fischkonsums bei Hof geführt hatte, möglich geworden[207].

Wie den Süßwasserfisch bezog der Hof verschiedene andere Produkte von den Domä-nen. Auf dem herrschaftlichen Gut Kressenbrunnen bei Grebenstein etwa wurde Brunnen-kresse für die Hofküche angebaut. Das Wasser des dortigen Brunnens blieb im Sommer kühl und und fror im Winter auch bei strengster Kälte nicht zu. Damit bot er ideale Verhältnisse zum Anbau von Brunnenkresse für die Hofküche, die aus dem herrschaftlichen Kressegarten das ganze Jahr frische Pflanzen bezog.[208]

Belege dafür, daß sich die Landgrafen gezielt der Domänen bedienten, um die Ver-sorgung des Hofs – zum Beispiel mit Milch, Schmand und Butter – zu verbessern, sind die Schweizereien. So ließ Landgraf Moritz (1572-1632) 1618 auf dem Kammergut Mittelhof eine Milchwirtschaft einrichten[209]. 1669 gründete Landgräfin Hedwig Sophie (1623-83) auf dem ehemaligen Klostergut Heydau eine Schweizerei[210].

 

 

Abb. 3: Hessen-kasselische Domänengüter Ende des 18. Jahrhunderts im Gebiet Niederhessen
HStAM Best. 40a, Rubr. 13, Nr. 480
Grafik: Jochen Ebert

 

Die Meierei Herrenbreitungen in der Herrschaft Schmalkalden diente seit dem 17. Jahrhundert als Käsegut[211]. Für das Jahr 1747 ist überliefert, daß Prinz Maximilian (1689-1753) eine Schweizerei auf dem Gut Richerode unterhielt. Das Schweizer Vieh zeichnete sich durch seinen außerordentlich großen und starken Körperbau aus. Gegen die Schweizer Kühe erschienen die Kühe der Bauern als kümmerliche Gestalten[212], so die ‚Oekonomische Encyklopädie‘ von Johann Georg Krünitz. Außerdem gaben Schweizer Kühe mehr und süßere Milch als die gewöhnlichen Landkühe. Den überaus prestigeträchtigen Schweizereien galt bis Ende des 18. Jahrhunderts ein besonderes Augenmerk der Landgrafen. So ließ Landgraf Friedrich II. Ende November 1766 bei der Kriegs- und Domänenkammer anfragen, ob es nicht alleweil Zeit wäre, Schweitzer Vieh […] nach Cassell zu holen und ob man nicht den Frautschy könnte darzu employren[213]. Ende März des darauf folgenden Jahres brach der Pächter der Neuen Meierei in die Schweiz auf und kehrte Anfang Mai mit zwölf Kühen und zwei Reitochsen zurück. Nun allerdings begannen die Probleme. Grundsätzlich war zu klären, ob das Schweizer Vieh auf dem gut acht Kilometer von der Residenz entfernten Gut Freienhagen, auf der Neuen Meierei unmittelbar vor den Toren der Stadt oder an auf einer noch eigens zu errichtenden Schweizerei zu halten war. Mindestens ebenso wichtig war die Frage nach der Bewirtschaftungsform. Sollte die Schweizer Herde auf herrschaftliche Kosten gehalten werden? In diesem Fall mußte ein bestimmtes Quantum Heu, Grummet und Stroh, sodann die nötige HudeWiesen nebst dem zur grünen StallFütterung erforderlichen Grase angewiesen, sowie ein gewisser Lohn verordnet und die nötige Stallung eingeräumt werden. Die Kosten und das unternehmerische Risiko hatten der Landesherr bzw. die Domänenverwaltung zu tragen. Dafür standen dem Landesherr nicht nur die Milch, der Schmand und die Butter, sondern auch der Mist, das junge Anzuchtvieh sowie alle anderen Nutzungen zu. Wichtiger noch: Die Schweizerei blieb bei dieser Art der Einrichtung unter direkter fürstlicher Kontrolle. Die Kriegs- und Domänenkammer allerdings votierte deutlich gegen diese Art der Einrichtung, da sie mehreren Zweiffel und Beschwerlichkeiten unterworfen seye und schwer fallen würde, derselben eine solche Form und Einrichtung zu verschaffen, daß alles in gehöriger Ordnung gewahret und allem Eigennutz hinlänglich vorgebeuget würde. Aus diesem Grund sei unter anderem die Verpachtung der Neuen Meierei wie auch der meisten anderen Domänen gnädigst befohlenermasen vorgenommen worden. Würde das Schweizer Vieh aber dem Pächter Frautschy verpachtet, läge das Risiko ganz bei diesem. Um die Versorgung des Hofs sicherzustellen, müsste der Pächter verpflichtet werden, Milch, Schmand und Butter – soviel von ihm verlangt würde – zu einem festgesetzten Preis an die Hofhaltung sowie allen Mist unentgeltlich an den herrschaftlichen Garten zu liefern. Landgraf Friedrich II. bestand jedoch darauf, die Schweizerei in Eigenregie zu bewirtschaften. Im Juli 1767 wurde die Administration des Schweizer Viehes dem Küchenmeister Kröllwitz[214] aufgetragen. Johann Thomas Kröllwitz stand seit über 20 Jahren in Friedrichs Diensten und besaß vermutlich dessen uneingeschränktes Vertrauen, so daß von diesem kein Unterschleif, so der gängige Oberbegriff für die verschiedenen Formen der Übervorteilungen der Obrigkeit, zu erwarten war. Die Milchkammer könnte, so die Überlegungen des Landgrafen, in der Wohnung des Küchenmeisters eingerichtet werden. Dies wiederum führte bei den Kammerräten zu der Befürchtung, daß das Milch- und Butterwasser dem am Gebäude entlang führenden Kanal nicht schicklich sein und derselbe einen üblen Geruch annehmen könnte. Hierauf ordnete Landgraf Friedrich an, die Schweizerei in einem Gebäude bei der Neuen Meierei einzurichten. Gegen diese Entscheidung wiederum klagte der Pächter der Neuen Meierei, da ihm doch […] nach seinem Pacht-Contract die alleinige Milch- und Schmand-Lieferung zur herrschaftl. Hofküche, zugestanden worden sei[215]. Die Beschwerde wurde abgelehnt und im Mai 1768 die Errichtung einer Schweizerei auf der Giesewiese, einem Ort außerhalb Kassels an der Fulda auf halber Strecke zwischen der Neuen Meierei und dem Gut Freienhagen, angeordnet.

 

 

Abb. 4: Schweizerei-Projekt auf der Giesewiese bei der Neuen Mühle
HStAM, Best. 5, Nr. 11061.

 

Die Kosten lagen nach Überschlag des Baumeisters Christoph Philipp Diede bei über 2385 Reichstalern. Die jährliche Nutzung von 12 Kühen wurde vom Kammerrat Johannes Grimmel hingegen mit 13 152 Maß Milch (= 27 619,2 Liter Milch) veranschlagt, deren Gegenwert er auf 821 Reichstalern bezifferte. Hinzu kamen 60 Reichstaler für jährlich 12 Kälber Anzucht, die das Stück zu 5 Reichstalern verkauft werden könnten. Nach Abzug der Fouragekosten und der Löhne für den Administrator und seine Frau sowie für das Gesinde und die Hirten bliebe ein jährlicher Überschuss von 271 Reichstalern. Aufgrund dieser Rech-nung unterblieb der projektierte Neubau anscheinend. Stattdessen wurde das Vieh im zur Wiesenaufsichterwohnung gehörenden Stall an der Giesewiese untergestellt. Doch wieder gab es Probleme. Nach einem Bericht der Rentkammer vom September 1769 war der Stall auf der Giesewiese für das Schweizer Vieh zu eng, weswegen es über Nacht auf der Weide gelassen wurde. Da die Weide aber nach allen Seiten und besonders zur Fulda hin offen war, könnten selbst drei bis vier Hirten nicht verhindern, wie schon vielmahls geschehen, daß die Bullen, wann sie Viehe auf der anderen Seite der Fulda spürten [,] durchgeschwommen und man solche wieder herbey holen müßen. Daraufhin wurde anscheinend ein Teil des Schweizer Viehes – die Rede ist von fünf Tieren – zum Kasseler Schloß Weißenstein getrieben und dem dortigen Hofgärtner Daniel August Schwarzkopf[216](1738-1817) und seiner Frau zur Admini-stration übergeben. Ende des Jahres 1769 berichtete die Kriegs- und Domänenkammer, daß der Hofgärtner wegen des Schweizer Viehes eine Magd und einen Hirten beschäftigen müsse. Die Anstellung des Gesindes wurde Schwarzkopf schließlich genehmigt.

Anfang 1770 bemängelten die Beamten der Kriegs- und Domänenkammer jedoch, daß die Unterhaltung von zwei Schweizereien bei der Residenz dazu führe, das ein sehr hoher Preiß vor Milch, Schmand und Butter dabei herauskomme. Insbesondere die Weißensteiner Viehwirtschaft, die hauptsächlich dazu dienen soll, damit bey anwesenden Fürstenlagern die nöthige Milch, Schmand und Butter vorhanden sey, sei überaus unrentabel, da kaum die Ko-sten für das Futter erwirtschaftet würden. Hinzu kam, daß die Beamten der Kriegs- und Do-mänenkammer von Anfang an für eine Verpachtung des Schweizer Viehes plädierten und immer wieder darauf hinwiesen, daß die landgräfliche Intention keineswegs dem landgräf-lichen Interesse vorteilhaft sei, da bei der Administration ohnehin nichts […] heraus kommt. Allerdings: Investitionen in ökonomisch nutzlose Bauten und Anlagen galt Zeitgenossen als Ausweis hochrangigen Standes[217]. Das bedeutet, daß die landgräflichen Güter (Vorwerke und Schweizereien) nicht auf ihre ökonomische Funktion reduziert werden können.

Ende 1773 schließlich wurde das Schweizer Vieh dem Pächter der Neuen Meierei ver-kauft – mit der ausdrücklichen Bedingung daß er die Race jederzeit rein halten und so viel Kälber, als zur Anzucht tauglich fallen, absetzen, an die Gutsbesitzere und Pachtere im Lande wieder verkauffen […] müse[218]. Hinsichtlich der Versorgung des Hofs wurde der Pächter ver-pflichtet, Milch, Butter und Schmand jederzeit in guter ohntadelhafter Qualität und billigem Preise[219] zur Hofküche zu liefern.

Darüber hinaus lieferte der Pächter eines weiteren, östlich von Schloß Weißenstein, am Fuße des Bergparks gelegenen Vorwerks regelmäßig Butter, Schmand und Milch an die fürst-liche Küche in Kassel und Weißenstein. Zwar können keine Angaben über den Umfang der Lieferungen getroffen werden, doch bieten die Zahlungen des Küchenschreibers Bauer an den Conductor Ziegler für die letzten fünf Monate des Jahres 1786 einen ungefähren Anhalt. Im August erhielt der Pächter gut 20 Reichstaler für seine Lieferungen, im September knapp 10 Reichstaler, im Oktober fast 24 Reichstaler, im November etwas über 22 Reichstaler und im Dezember annähernd 17 Reichstaler[220]. Darüber hinaus mußten auch die Pächter der ande-ren Vorwerke im Land ein jährliches Quantum an Butter an den Hof liefern, wie aus einer Aufstellung noch ausstehender Pachtzahlungen und -lieferungen aus dem Jahr 1736 hervorgeht[221].

 

 

Abb. 5: Schloß Weißenstein mit Habichtswald und Herkules
Johann Georg Pforr, 1778, Staatliche Museen Kassel, Neue Galerie
Als ehemaliger Pächter des herrschaftlichen Domänenguts Ufen hatte der Tier- und
Landschaftsmaler Johann Georg Pforr (1745-98) eine besondere Affinität zu der im
Bildvordergrund dargestellten Genreszene[222]. Das im Bildmittelgrund zu sehende
Renaissanceschloß ließ Landgraf Wilhelm IX. 1786 abbrechen und durch das
heutige Schloß Wilhelmshöhe ersetzen

 

Das Thema einer eigenständigen Schweizerei bei Schloß Weißenstein war aber keineswegs abgeschlossen. 1781 beauftragte Landgraf Friedrich II. seinen Hofgärtner Schwarzkopf mit der Anlage eines chinesischen Dorfes südlich vom Schloß an einem Hang oberhalb des Schloßteiches. Zwischen 1782 und 1785 erfolgte der Ausbau des später Moulang bzw. Mulang genannten Dorfes nach Plänen des Hofbaumeisters Simon Louis du Ry (1726-99). Es entstand eine weiträumig gestaltete Dorfanlage mit mehreren chinesisch anmutenden Häusern, die als Milchkammer, Küche und Hirtenwohnung eingerichtet wurden, einem als Speisesaal dienenden Pavillon, einer Pagode, Stallungen für Pferde, Kühe und Schafe sowie einer Windmühle (1784/85 errichtet, 1799 abgerissen)[223]. Die Ausstaffierung von Parkanlagen mit Dörfern war in den Jahren zwischen 1770 und 1800 nichts Ungewöhnliches[224]. So bezog das hessen-darmstädtische Landgrafenehepaar Ende des 18. Jahrhunderts während der Som-mermonate die Meierei am Gesundbrunnen, eine Anlage mit Herrenhaus, Scheunen und Stallungen. Die Meierei war mehr als nur ästhetische Staffage. Sie wurde ökonomisch genutzt; Milchviehhaltung und Gartenbau dienten der Versorgung des Hofs vor Ort. Schließlich mußten die landgräfliche Familie, ihre Gäste und das bis zu 90 Personen starke Gefolge versorgt werden. Allerdings wurde die Meierei nur während der Sommeraufenthalte der landgräflichen Familie genutzt. Zu einem dauerhaft funktionierenden, sich selbst tra-genden Betrieb entwickelte sich die Anlage nicht[225].

Temporäre Nutzungen der Domänen für die Versorgung des Hofs bei Fürstenlagern gab es auch in Hessen-Kassel. Der Pachtvertrag des Wilhelmsthaler Pächters beispielsweise enthielt folgende Bestimmung: Bey allen und jeden Hofflagern und wann es in denen herrschaftlichen Gebäuden an Logis fehlet, wird vorbehalten, daß der Pfachter verbunden ist, so viel Zimmer im Wirthshauß dazu ohne Zurechnung herzugeben, als derselbe ohne Nachtheil entbehren kann[226]. Solche Hoflager waren in Wilhelmsthal recht häufig. Für das Hoflager vom 1. Oktober 1746 bis zum 19. April 1747 etwa machte der Wilhelmsthaler Päch-ter für Viktualien-, Fourage- und Brennholzlieferungen Ausgaben in Höhe von 154 Reichs-talern geltend.

 

 

Abb. 6: Blick vom Schloß Weißenstein auf das chinesische Dorf Mulang
Fayenceplatte von J. H. Eisenträger, 1785

Staatliche Museen Kassel, Hessisches Landesmuseum

 

Wie die regelmäßige Nutzung der Gebäude durch die landgräfliche Familie belegt, war auch das Dorf Mulang mehr als nur schmückendes Beiwerk. Neben der exotisch-ästhetischen hatte es auch eine ökonomische Funktion. Der wirtschaftliche Schwerpunkt der Weißensteiner Economie lag auf der auch als Laiterie bezeichneten Schweizerei. Hauptaufgabe der Milch-wirtschaft war es, den fürstlichen Hof mit Milch, Butter und Käse zu versorgen. Hierzu wurden eine Reihe von Personen beschäftigt. 1784 waren es zwei Kuhhirten, eine Milchmagd, ein Knecht, ein Schäfer, ein Windmüller sowie drei Mohrinnen[227]. Jedoch erwies sich die Landausstattung der Schweizerei für einen Rinderbestand von zeitweise bis zu 38 Tieren als zu gering, so daß Schwarzkopf 1786 aufgefordert wurde, eine Aufstellung derjenigen Grundstücke in der Weissensteiner Gegend einzureichen, die dem Betrieb zugelegt werden könnten. Schwarzkopf schlug unter anderem vor, sämtliche Alleen unterhalb des Schlosses mit Esparsette und sonst guthen Graßarthen zu bestellen. Hierdurch könnte die Nutzfläche der Schweizerei um 230 Acker (= 54,9 Hektar) vergrößert werden. Darüber hinaus listete er verschiedene Grundstücke auf, durch die die Betriebsfläche um knapp 38 Hektar Ackerland und 34 Hektar Wiesen und Garten hätte erweitert werden können[228]. Ob die verschiedenen Grundstücke tatsächlich der Schweizerei zugewiesen wurden, ist nicht zu sagen. Sicher ist jedoch, daß sich die Schweizerei auf die Dauer als unrentabel erwies. 1797 schließlich wurde auch dieses Unternehmen aufgegeben und der landwirtschaftliche Betrieb verpachtet.

Ein erneuter Anlauf zur Etablierung einer Schweizerei wurde mit der Einrichtung der Meierei Montchéri auf einer Anhöhe nordöstlich vom Schloß im Jahr 1799 unternommen. Ursprünglich bestand die Herde aus zwölf Stück Schweizer Vieh. Ein Jahr später suchte das Ehepaar Eiffert, das als Magd und Hirte bei der Schweizerei angestellt war, um eine Erhöhung ihrer Besoldung nach, da sich die Herde und damit die Arbeit seit ihrer Bestellung verdoppelt hatte[229]. Nach gut einem Vierteljahrhundert fand auch die Schweizerei Montchérie ein Ende. 1826 wurde die Milchwirtschaft samt der Schweizerin, der Witwe des Hofgärtners Sennholz[230], von Montchéri nach Mulang verlegt. Der Abbruch der Hofgebäude erfolgte 1839[231].

 

III.

 

An der Versorgung des hessen-kasselischen Hofs mit Lebensmitteln Ende des 18. Jahr-hunderts hatten die Domänen, wie die Analyse zeigte, sehr unterschiedlichen Anteil. Wein etwa mußte komplett zugekauft werden, da sich unter den hessen-kasselischen Domänen kein einziges Weingut befand[232]. Die Belieferung mit Süßwasserfischen hingegen erfolgte größten-teils aus den herrschaftlichen Fischteichen. Was die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln wie Getreide betrifft, ist ein Rückzug der Herrschaft aus der Produktion festzustellen. Die landgräflichen Eigenwirtschaften konzentrierte sich Ende des 18. Jahrhunderts auf prestige-trächtige Bereiche wie die Milchwirtschaft, die Veredlung der Schafherden oder die Pferde-zucht. Die Nachfrage des Hofs wirkte, wie die Investitionen in Schweizereien oder den An-kauf von Merino-Schafen[233] belegen, initiativ für landwirtschaftliche Innovationen. In Eigen-regie wurden darüber hinaus die Domänengüter in der unmittelbaren Umgebung der Residen-zen und Jagdschlösser bewirtschaftet. Die überwiegende Zahl der herrschaftlichen Vorwerke war allerdings verpachtet.

Hinter dem Übergang von der Administration zur Verpachtung der Domänengüter stand eine Strategie der Risikominimierung durch Risikodistribution. Einerseits wurden Produkti-onsrisiken an die Pächter delegiert, andererseits blieben die Domänen als Produktionsmittel in landgräflichem Besitz, so daß sie im Notfall wieder für die Versorgung des Hofs herangezogen werden konnten, wie beispielsweise Ende des Jahres 1736, als wegen des allge-meinen Gerste- und Hafermangels die Pachtgelder per landgräflicher Anordnung in Natural-abgaben umgewandelt wurden[234]. Die Versorgung des Hofs mit agrarischen Gütern über den Markt war demnach Risiken unterworfen. Gerade bei Versorgungsengpässen infolge von Unwetter, Missernten oder Krieg waren dem landesherrlichen Einfluß auf das Marktge-schehen Grenzen gesetzt. Steuerungspolitische Maßnahmen wie Fruchtausfuhrverbote oder die Festlegung von Mindest- und Höchstpreisen zeigten zwar Wirkung, wurden aber vielfach unterlaufen[235].

Wo der Landesherr nicht selbst als Produzent aktiv wurde, war er bestrebt, durch feste Lieferverträge, Produktionsprivilegien, Abnahmegarantien und Preisfestsetzung die Versor-gung des Hofs abzusichern. Auf diese Weise wurde die Hofökonomie nicht nur von den Risi-ken des Transports und des Marktgeschehens entlastet, sondern auch besonders geruchs-intensive Formen der Weiterverarbeitung und Veredelung von agrarischen Produkten wie Metzgerei, Bierbrauerei oder Käserei aus der höfischen Sphäre ausgegliedert.

Die Versorgung des Kassler Hofs war als überaus flexibles System organisiert, in dem die Domänengüter vor allem den Grundbedarf zu decken hatten. Durch die Einführung inno-vativer Produktionstechniken und neuer Viehrassen dienten sie darüber hinaus dazu, die Qualität der Hoflieferungen zu verbessern. Im Kalkül von Landgrafen, Hofmarschallamt und Rentkammer besaß die Qualitätsverbesserung als handlungsleitende Norm allerdings nur eine nachrangige Position. Vorrang hatte die Versorgungssicherheit. An dritter Stelle stand schließlich der Faktor Kostenminimierung.

 

 

 


Hofhaltungkosten am wallersteinischen Hof
zur Zeit von Kraft Ernst Fürst zu Oettingen-Wallerstein 1748-1802

 

Andrea Brill

 

 

Die folgende Studie skizziert die Art und den Umfang der Hofhaltungskosten einer Grafschaft im bayerisch-schwäbischen Raum in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Oettingen-Wallerstein. Der Blick richtet sich auf die konkreten Ausgaben, die unter der Regierungszeit von Fürst Kraft Ernst zu Oettingen Wallerstein insbesondere in den 1770er bis in die 1790er Jahre hinein für Dienerbesoldungen, Essen, Bildung und Kultur aufgewendet wurden. Die im 18. Jahrhundert zum Fürstentum erhobene Grafschaft Oettingen durchmaß in Ost-West-Richtung eine Länge von ca. 30 km und von Norden nach Süden ca. 40 km.

 

 

Fürst Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein

Ölbildnis von Philipp Friedrich Hetsch, 1794

 

Dieses kleine Gebiet stand nicht unter einheitlicher Regierung, sondern wurde neben der Linie Oettingen-Wallerstein mit dem Landesherrn Fürst Kraft Ernst zudem von dem Fürsten Aloys II. zu Oettingen-Spielberg regiert. Beide fürstlichen Linien herrschten zusammen über etwa 57 000 Untertanen, die jüngere wallersteinische über 40 000, die ältere spielbergische über 17 000 Menschen. Jede Linie verfügte über eine eigene Regierung sowie eigene Rent-kammern und Justizbehörden[236]. Wenn im Folgenden auch die Begriffe „Hof“ und „Hofwirt-schaft“ für die Verwaltung der Grafschaft Oettingen-Wallerstein verwendet werden, so muß man eingangs darauf hinweisen, daß es sich hier um einen vergleichbar kleinen Hof gehandelt hat, der nicht mit den Höfen von Dresden, Hessen-Kassel oder gar Versailles zu messen ist. Neben den oben genannten Größen wie Fläche und Untertanen ist in diesem Zusammenhang noch auf die relativ geringe Anzahl der Hofbediensteten hinzuweisen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts standen nur um die 80 Personen im Dienst des Fürsten. Im Vergleich dazu bewegte sich die Anzahl der Hofbediensteten in den mächtigsten Residenzen im 17. und 18. Jahrhundert in ganz anderen Dimensionen. So zählte der sächsische Hof im Jahre 1681 allein 350 Personen und im Jahr 1746 2386 Hofangestellte[237].

 

I.

 

Diese hofökonomische Analyse fokussiert sich im wesentlichen auf die Regierungszeit des ersten Fürsten zu Oettingen-Wallerstein, Kraft Ernst, der ein Jahr nach seinem Regierungs-antritt im Jahr 1773 von Joseph II. in Wien die Standeserhebung zum Fürsten erfuhr. Zur Veranschaulichung der Hofwirtschaft am wallersteinischen Hof sollen zunächst exemplarisch die Einnahmen und Ausgaben aus dem Jahr 1773, dem ersten Regierungsjahr von Kraft Ernst, betrachtet werden[238]. Die Einnahmen insgesamt am Hof von Wallerstein betrugen im Jahre 1773 70 760 Gulden (fl.). Diese setzten sich wie folgt zusammen: Neben Einnahmen aus unbeständigen Amtsgeldern der Oberämter Wallerstein, Neresheim, Ziemetshausen, Markt-offingen u.a., die 7586 Gulden ausmachten, kamen Einnahmen der Dom Kastenämter Wal-lerstein, Neresheim, Bissingen in Höhe von ca. 17 175 fl. hinzu. Ein wichtiger Anteil resultierte aus Steuereinnahmen, die aus den Oberämtern (Wallerstein, Bissingen, Neresheim, Marktoffingen sowie der Vogtei Deggingen) einflossen: ca. 12 560 fl. Darüber hinaus kamen Erlöse aus verschiedenen Geschäften und Gewerben zusammen, die sich auf ca. 28 384 fl. beliefen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang die Einnahmen aus der Brauerei, aus dem Bauhof, der Fischerei und dem Forstamt sowie aus Regierung und Rentkammer[239].

Den gesamten Einnahmen am Hof Wallerstein von 70 760 Gulden standen im Jahre 1773 Ausgaben von insgesamt 66.257 Gulden gegenüber, inklusive der Hofhaltungskosten von 24 473 fl. Bevor die Hofhaltungskosten näher beleuchtet werden, sollen vorab Beispiele für Ausgaben darüber hinaus gegeben werden: Zu diesen Kosten zählten beispielsweise die Aufwendungen für Gräfin Juliane Charlotte, die Mutter von Kraft Ernst; im Jahr 1773 betrugen diese 5303 fl. Daneben standen Apanagen und Deputat für die jungen Grafen und Gräfinnen, den Geschwistern Kraft Ernsts, in Höhe von 3000 fl. zur Verfügung. Für Aussteuer der jungen Gräfinnen – für die Verheiratung Sophies an den Landgrafen Fürstenberg wurden 6192 fl. aufgewendet. Die Reisen und Studierkosten der beiden älteren Grafen – Kraft Ernst und Franz Ludwig – betrugen im Untersuchungsjahr 3271 fl., darunter beliefen sich die Kosten für Kleidung allein auf 2224 fl. Für Reisen und Studierkosten der beiden jüngeren Grafen Friedrich und Philipp wurden vergleichsweise nur geringe 438,47 fl. ausgegeben[240].

Ein beträchtlicher Teil der Ausgaben resultierte aus Kanzlei- und anderen Diener-besoldungen. Um nur einige Beispiele zur Veranschaulichung zu geben: Ein Regierungs-mitglied wie Geheimrat von Schaden verdiente 750 fl. im Quartal, also 3000 fl. jährlich. Hofrat von Falkenstein erhielt ein Salär von 700 fl. pro Quartal, andere Hofräte um die 500 fl., der Regierungssekretär dagegen nur 245 fl. und die Kanzlisten mußten mit Besoldungen zwischen 60 und 140 fl. auskommen. Die Gehälter der Bediensteten in der Rentkammer fielen weitaus bescheidener aus: Kammerdirektor Lang erhielt 150 fl. jährlich und Vize Kammer-direktor Sankt Georgen 100 fl. Insgesamt beliefen sich die Besoldungen der Kanzlei-angestellten auf 6848 Gulden im Jahr 1773[241].

Die Besoldungen der höheren Bediensteten wurde also nicht zu den Hofhaltungskosten gezählt, dagegen aber, wie weiter unten dargestellt, die Besoldung niederer Bediensteter. Nach der Einteilung der fürstenstaatlichen Ausgaben von Veit Ludwig von Seckendorff (1616-92) in seinem Werk ‚Teutscher Fürsten-Staat‘ von 1656 dagegen beinhalteten die Kosten für den Hof auch die Besoldung aller Diener in allen collegiis, höherer und niederer. Seckendorff teilte die Hofhaltungskosten in fünf Ausgabengruppen ein: 1. Hof, 2. Regiment und Staat, 3. für milde Sachen, 4. für das Bauwesen und 5. für die Schuldentilgung[242].

Die gemäß den Hofcassabüchern in Wallerstein definierten Hofhaltungskosten betrugen im Untersuchungsjahr 1773 insgesamt 24 473 fl. Der größte Anteil fiel auf die Hofküche und die Nahrungsmittel, mit insgesamt 18 898 fl., was einem Anteil von 77 Prozent an den Hof-haltungskosten insgesamt entspricht: Allein für Fleischlieferungen wurden im Jahre 1773 3420 fl. bezahlt. Der Verzehr von Fischen kostete Kraft Ernst 1132 fl. Die Kosten für Brot und Mehl betrugen 2689 fl., für Specereiwaren 385 fl. und für Viktualien 4330 fl. Natürlich wurde am wallersteinischen Hof auch gerne Wein und Bier verkonsumiert. Die Kosten für die Bestückung des Hofkellers mit Bier, Tafelwein oder  französischem Branntwein betrugen 6153 fl.[243]. Für den nachmittäglichen Tee oder Kaffee fielen im Jahr für die Konditorei 789 fl. an. Dazu zählten Backzutaten wie Rahm, Früchte, Tee und Kaffee[244].

Zu den Kosten der Hofhaltung zählten natürlich auch Posten für die alltägliche Aus-stattung, wie Wachs und Lichter: (173 fl.), Kostgelder fremder Bedienten (143,58 fl.), für die Beschließerei (1249 fl.) oder die Anschaffung von Möbel und deren Unterhaltung mit (542 fl.), was insgesamt 2108 fl. ausmachte[245]. Auch der Marstall forderte seinen Tribut: Für erkaufte Pferde und Pferdeküren mußten allen 4295 fl. aufgebracht werden. Für Tourage und Stroh wurden 452 fl. ausgegeben, Schmiedarbeiten kosteten 173 fl., Eisen und andere Erfor-dernisse 613 fl. Die Kosten für die Hofsattlerei betrugen 1917 fl., für die Hofwagnerei 119 fl. und für die Hofjägerei 188 fl. Handwerker und Tagelöhner, die zur Hofhaltung beschäftigt wurden, erhielten für ihre Arbeiten 1053 fl.[246]. Die Besoldungen und übrigen Gehältern der Hofkavaliere und Officianten betrugen insgesamt 6516 fl. Im Durchschnitt verdienten diese zwischen 200 und 500 fl. im Jahr, also nur einen geringen Anteil von 10-20% der Besol-dungen der höheren Bedienten[247].

Betrachtet man die Bilanz nach weiteren fünf Jahren, also 1778, dann kann man fest-stellen, daß sich sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben erheblich erhöht haben.

Die Einnahmen betrugen 1778 insgesamt 364 703,33 fl., waren also beträchtlich ge-stiegen und hatten sich in fünf Jahren mehr als verfünffacht (1773 betrugen die Einnahmen 70 760 fl.). Die Ausgaben haben sich ebenfalls signifikant erhöht auf 219 131,33 fl. und sind damit auf das Dreifache gestiegen, blieben aber unterhalb der Ausgaben, während sich im Jahre 1773 die Einnahmen und Ausgaben nahezu gedeckt haben. Insgesamt betrug im Jahr 1773 der Anteil an Hofhaltungskosten an den Einnahmen am wallersteinischen Hof  34%, was gemessen an anderen Beispielen deutscher Fürstenhöfe durchaus üblich war. Die Hofausgaben insgesamt und ihr Anteil am Staatshaushalt sahen bei anderen Staaten wie folgt aus: Die Hofausgaben des bayerischen Hofs betrugen beispielsweise im Jahr 1771 26% des gesamten Staatshaushalts; beim kurpfälzischen Hof lagen sie bei 1,6 Mio. fl. und damit bei 36% in 1775. In Hannover zu Beginn des 18. Jahrhunderts betrugen sie 50% des Kammeretats, am badischen Hof machten die Hofausgaben 63% um 1770 aus, kleinere Fürstentümer wie Nassau-Saarbrücken gaben zwischen 34 und 39% in den 1760ern aus[248].

 

II.

 

Nach der Darstellung der puren Zahlen sollen die Ausgaben im einzelnen betrachtet werden und hierbei auch insbesondere auf die Art der Ausgaben eingegangen werden. Denn diese Ausgaben für Essen, Trinken oder Kleidung – also für die alltägliche Versorgung –, aber auch die Aufwendungen für Luxusgüter zählen zu den Grundfunktionen von Haushalt und Hof. Sie beleuchten darüber hinaus in besonderem Maße das Leben und vielmehr noch den Alltag bei Hofe[249]. So betont Barbara Klink in ihrer Studie zur Haushaltsführung des Freiherrn Sebastian Joseph von Pemler von Hurlach und Leutstetten, daß die „moderne Konsumgeschichte die Chance bietet, die innovative Verbindung von Gesellschafts- und Kulturgeschichte voranzu-treiben“, indem sie darauf aufmerksam macht, daß jede Form des Konsums, d.h. wer was wo zu welchem Zwecke erwirbt und gebraucht, immer auch „Schlaglichter auf das Innenleben einer Gesellschaft und deren Muster und soziale Hierarchie wirft“[250]. Die Quellen vom wallersteinischen Hof bieten nicht nur einen Blick auf die Konsumgüter. Auch die soziale Hierarchie kann anhand der Hofcassabücher beleuchtet werden, zum Beispiel in Form der Höhe von Gehältern der Bediensteten, wie oben bereits skizziert. Die Konsumgüter wie Nah-rung und Kleidung zeigen, daß am Hof nicht gespart wurde und daß Kraft Ernst großen Wert auf eine repräsentative Erscheinung und Gastfreundlichkeit legte. Denn die Form der Nah-rungsaufnahme eignete sich in besonders hohem Maße zur Darstellung des sozialen Status und war geeigneter Schauplatz gehobener Lebensführung.

Dies zeigt sich nicht nur daran, welche Speisen am Hof verzehrt wurden, sondern auch an der Üppigkeit der herrschaftlichen Tafel. Die soziale Hierarchie dagegen kommt allein beim Vergleich derselben mit der weitaus bescheideneren Menüabfolge für die Bediensteten zum Ausdruck. Ein Beispiel aus der Monatsliste Januar über Ausgaben für Speisen vom 25. Februar 1768 zeigt, daß an Fleisch vor allem Jagdbeute und regionale Erzeugnisse der Landwirtschaft verzehrt wurden, wie beispielsweise Rind-, Kalb- und Schweinefleisch. Betrachtet man Wild und Geflügel, so kamen vor allem Tauben, Fasan, Puten, Hühner, Hasen, Gänse, Enten, Auerhähne und Haselhühner auf den Tisch. Auch Wurst wurde gern gegessen wie beispielsweise Cervelat-, Brat-, Leber- oder Blutwurst. An Fisch schätzte man auf Wallerstein Austern, Hering, Langusten, Sardellen und Forellen. Auf dem Speiseplan standen aber auch importierte Produkte aus anderen Ländern, wie Pistazien, Maronen, Citronat, Pomeranzen, Zitronen, Kapern, Muskat, Vanille, Schokolade oder indische Gewürze[251]. An Käse wurde unter anderem Limburger, italienischer Parmesan, Brie, Münsterkäse und Schweizerkäse verzehrt. Diese Aufstellung entspricht durchaus der typischen adligen Er-nährungsweise, in der vor allem Fleisch und Jagdprodukte auf dem Speiseplan standen und ausländische Gewürze auf große Beliebtheit stießen[252].

Anhand der Quellen lassen sich auch Menüs für eine herrschaftliche Tafel rekon-struieren.

Der Menüplan vom 8. Oktober 1770 zeigt beispielsweise, wieviel Wert auf eine aus-gedehnte und raffinierte Tafel gelegt wurde: Nach einer Nudelsuppe mit Huhn wurde frittiertes Kalb mit Bohnen serviert. Darauf folgte eine gefüllte Tarte mit Kalbsfrikassee. Den nächsten Gang bildete geschmortes Lamm auf Chicorée, worauf ein Truthähnchenragout und schließlich Fasanenbraten folgte. Zum Souper nahm die Gesellschaft dann eine schlichte Brotsuppe mit Ei ein, zum zweiten Gang wurde Hirschbrust serviert, auf die gegrillte Langusten und Taubenragout folgten. Den Abschluß bildete eine Hammelkeule. Für die Bediensteten fiel das Diner weitaus bescheidener aus, zumal sie sich auch mit den Resten der Tafel begnügen mußten, die immer einen der Hauptgänge bildeten. Nach zwei Vorspeisengängen, bei denen beispielsweise Nudel- und Rindfleischsuppe aufgetragen wurde, folgte das frittierte Kalb mit Bohnen, das auch die Herrschaften genossen, danach folgten die restes de la table und ein Kalbsbraten. Das Souper für die Bediensteten bestand zum Beispiel aus Brotsuppe und einer Wildbretsuppe, den obligatorischen Resten der herrschaftlichen Tafel sowie Lammbraten. Zu außergewöhnlichen Anlässen wurden auch mitunter zwölf Gänge serviert: Am 11. Oktober 1770 fand eine Table pour son Excellence für zwölf Personen statt: Neben den Suppen- und diversen Fleischgängen, hier allein mit Rind, Fasan, Spanferkel, Rebhuhnpastete, Huhn und Kalb, folgten zwei weitere Gänge – kleine Pasteten mit Krebsfleisch und ausgenommener Kapaun mit Früchten. Darüber hinaus gab es Raffinessen wie gepökelte Zunge mit Maccaroni oder flambiertes Ei mit Zitronencaramel[253].

 

III.

 

Die Quellen erlauben zudem einen Blick auf die Ausstattung der Garderobe von Kraft Ernst. Für repräsentative Zwecke mußte diese natürlich auch entsprechend ausfallen. Für das Jahr 1769 lassen sich folgende Stücke belegen: allein 60 Hemden, 24 Nachthemden, 46 Krawatten, 48 weiße Taschentücher, 12 Seidentaschentücher, 19 Paar Unterhosen, 12 Nachtmützen, sechs Barttücher, 25 Paar Strümpfe aus weißer Seide, sieben Paar Strümpfe aus grauer Seide, zwei Paar Strümpfe aus schwarzer Seide und anderes mehr. Insgesamt zehn Röcke in unter-schiedlichster Ausstattung, drei Sommerwesten, zwei Zimmerroben, ein weißer Taftmantel. Hinzu kamen sechs verschiedene Hüte. Weitere Listen weisen zahlreiche Hosen, tragbare Staatskleidung, Trauerkleidung, jahreszeittypische Ausstattung, Hüte und Schuhe auf; alle Listen zeigen eine große Anzahl von Stücken wie oben detailliert aufgeführt; weiterhin gehö-ren zur Garderobe: Regen- und Sonnendächer für die Kutsche, Reithandschuhe, Peitschen, Sporn, Hals- und Schnupftücher.

 

 

Rockmuster 18. Jahrhundert
Fürstlich Oettingen-Wallersteinisches Archiv VIII 14-1c/48

 

Was kostete die Kleidung nun im Einzelnen? Eine Rechnung vom 7. April 1786 aus der haus-hofwirtschaftlichen Fertigung für Kraft Ernst weist folgende Positionen auf: ein Rock mit Hose und Weste kostete 78 fl.; für einen grauen Rock mit Hose und schmalen goldenen Platt-borden zahlte man 29, 6 fl.; ein fellgrauer Rock mit Hose und rottaftenen Futter und moiren-farbenen Weste, alles mit goldenen Atlasborden versehen, kam auf 27,36 fl.; eine Weste mit Hosen und goldenen Borden 6, 35 fl.; für Diverses mußten weitere 21 fl. bezahlt werden; insgesamt belief sich der Rechnungsbetrag auf 162, 47 fl.[254].

 

IV.

 

Ein beträchtlicher Teil der Ausgaben am wallersteinischen Hof wurde für Kunst und Wissen-schaft ausgegeben. Neben dem Hoforchester, das unter Philipp Karl, dem Vater von Kraft Ernst, gegründet wurde und das unter der Regentschaft von diesem zu einigem Ruhm geführt wurde war ein weiteres Gebiet, auf dem sich Kraft Ernst engagierte, die Zusammenstellung einer ansehnlichen Bibliothek. Die Oettingen-Wallersteinische Bibliothek[255] umfaßt insgesamt 117 000 Druckschriften, 1500 Handschriften vom Mittelalter bis zur Neuzeit, 1000 Inku-nabeln, 1787 Musikhandschriften und 604 Musikdrucke. Einer der großen Schwerpunkte der Bibliothek ist die Literatur des 18. Jahrhunderts, deren bedeutendster Sammler Kraft Ernst war. Die Sammlung ist in 13 Hauptklassen unterteilt; die schöne Literatur umfaßt allein 16 468 Bände, darunter fallen 4700 auf deutsche Bände, 5800 auf französische und 2000 auf englische Literatur; dies deutet schon auf die Vorliebe für die französische Literatur bei Kraft Ernst hin, was sich im Einzelnen noch zeigen läßt[256].

Anhand von Rechnungen seines Mannheimer Buchhändlers Fontaine lassen sich die Käufe und das Interesse des Fürsten an Literatur und natürlich auch die finanziellen Auf-wendungen für Bücher sehr gut rekonstruieren. Von den 1770er bis in die 1790er Jahre hinein hat Kraft Ernst wahrscheinlich ausschließlich bei seinem Mannheimer Buchhändler seine Wünsche und Bestellungen aufgegeben. Anhand dieser Lieferlisten und Rechnungen zeigt sich, daß er ein äußerst breit angelegtes Interesse an Literatur, Wissenschaft und Kunst hatte.

Eines der größten Interessensfelder Kraft Ernsts war die Geschichte: Neben der ‚Histoire universelle‘ nahm die Französische Geschichte einen großen Raum ein. Kraft Ernst erwarb hier unter anderem die Korrespondenz Ludwig XIV., die Geschichte der Franzö-sischen Revolution, die er 1795 kaufte, die Geschichte der Bourbonen, die Memoiren von Sulli in drei Bänden und eine Abhandlung über die französische Monarchie. Dagegen fiel das Interesse an der preußischen und habsburgischen Geschichte bescheidener aus: Hierzu finden sich vor allem die ‚Histoire de Marie Therese‘ und die ‚Conversation du Roi de Prusse‘ auf den Lieferlisten. Aber auch die jüdische Geschichte stieß auf sein Interesse, denn die Listen weisen einzelne Bände hierzu auf. Daneben informierte er sich über einige Ländergeschichten wie z.B. die ‚Histoire amerique‘[257]. Bei der Philosophie lag sein Schwerpunkt eindeutig auf französischen Autoren. Neben Montaigne, von dem er die Essais und die Reiseberichte besaß, deckte die Bibliothek nahezu die gesamte französische Aufklärung[258] ab: darunter das Gesamt-werk von Rousseau, einschließlich des ‚Contract Sociale‘, von Voltaire verschiedene Werke wie die ‚Henriade‘ oder ‚Candide‘, außerdem Diderot, den ‚Esprit des lois‘ und die ‚Lettres persanes‘ von Montesquieu sowie einzelne Bände der Encyclopédie. An deutschen Philo-sophen findet sich lediglich ein Werk über Kants Philosophie. Zur Architektur und Kunst-geschichte finden sich auf den Listen: Bände zu englischen Gärten und Landhäuser, verschiedenste Museumsführer und Malerbiographien, der achte Band des ‚Cours d’Archi-tecture‘ von Blondel, bei dem der junge Graf Kraft Ernst in Paris Architektur-Unterrricht hatte, und die ‚Architecture moderne‘ von Jombert. Kraft Ernst war nicht nur ein leiden-schaftlicher Theaterbesucher, was sich vor allem während seiner Kavalierstour in Paris und Mailand zeigte, sondern er war auch an der Geschichte des Theaters äußerst interessiert, denn für die Bibliothek schaffte er verschiedene Abhandlungen zu den Theatern der europäischen Länder an wie zum Beispiel: ‚Théâtre de Grec‘ oder zehn Bände des ‚Nouveau théâtre italien‘ etc. An klassischer Literatur lagen seine Schwerpunkte auf Shakespeare, wiederum auf französischen Autoren wie Fontenelle, Jean Baptiste Rousseau und Molière. Aber auch Goethes ‚Wilhelm Meisters Lehrjahre‘ zählte zu den Erwerbungen der Bibliothek[259]. Einzelne Werke fanden sich darüber hinaus zur Pädagogik, zur Naturwissenschaft, und auch die Land-wirtschaft stand im Zentrum seiner Interessen, denn hier hatte er auch vielseitige Reformen in seiner Grafschaft durchgeführt.[260] Sein landwirtschaftliches Hintergrundwissen bildete er unter anderem mit dem ‚Grand oeuvre d’agriculture‘, dem ‚Cours agriculter Roziers‘ sowie der ‚Agriculture complette‘, die zwei Bände umfaßte. Weiter finden sich auf den Listen Bestände an religiöser Literatur, die antiken Klassiker, wie Platon, die Metamorphosen von Ovid oder der griechische Historiker Thukydides, Rechtsliteratur und zur Vorbereitung seiner Reisen verschiedene Reiseberichte. Zudem erwarb er Wörterbücher zu den verschiedensten Themen-feldern, die zeigen, daß Kraft Ernst großen Wert auf eine umfassende Bildung legte: Er be-stellte u.a. ein ‚Dictionnaire mathematiques‘, ein englisches, naturwissenschaftliches, philoso-phisches Wörterbuch uvam.[261].

Diese Skizzierung der Bibliothek Kraft Ernsts läßt auf ein sehr breit angelegtes Interesse des Fürsten schließen. Es bleibt natürlich immer offen, welche Bücher er tatsächlich gelesen hat, denn belegen lassen sich lediglich die Käufe. Inwieweit war diese Sammlung nun typisch für eine adlige Bibliothek in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts? Durchaus üblich war das zunehmende Interesse an juristischer Literatur und an antiken Autoren, die zum grundsätzlichen Bildungskanon zählten. Auch die historischen Abhandlungen erfreuten sich einer großen Beliebtheit. Dies ging einher mit dem allmählichen Rückgang an religiöser Literatur gegen Ende des 18. Jahrhunderts aufgrund der säkularen Tendenzen[262]. Hier scheint die Sammlung Kraft Ernsts durchaus anderen adligen Bibliotheken der Zeit zu entsprechen. Bemerkenswert ist allerdings der unverkennbare Schwerpunkt auf den französischen Aufklärern, die sich nicht unbedingt in diesem Ausmaß in anderen adligen Büchersammlungen der Zeit fanden[263]. Die Ausgaben für die Bücherbestellungen schwanken in den einzelnen Jahren erheblich, liegen insgesamt aber sehr hoch: Kraft Ernst gibt zwischen 2000 und 8000 fl. im Jahr allein für Bücher (einschließlich Grafiken, Kupferstiche und Noten) aus: So zum Beispiel im Jahr 1777: 4746 fl., (1778: 2318 fl., 1779: 3039 fl.), einen Höhe-punkt erreichen die Ausgaben in den Jahren 1780 mit 8323 fl. und 1782 mit 8560 fl. (1781: ca. 2722 fl., 1783: 1724 fl., 1795: 5950 fl.)[264]. Im Revolutionsjahr 1789 ersteht Kraft Ernst bei dem Kunsthändler Artaria Gemälde, die die jüngsten Ereignisse der Französischen Revolution widerspiegeln, wie zum Beispiel: die ‚Vue de la Bastille‘, ‚Premier attaque de la bastille‘ und ‚Siege de la Bastille‘. Auch eine Lieferung vom 18. April 1796 veranschaulicht, daß die Französische Revolution und ihre Auswirkungen bei Kraft Ernst ein steigendes Informationsbedürfnis nach Hintergünden zur französischen Geschichte und aktuellen politischen Lage erregte. Unter den bestellten Büchern fanden sich der ‚Etat réél de la France‘, Beiträge zur ‚Capitulation von Mannheim‘, ‚Die Übergabe Mannheims‘, ‚Rive gauche du Rhin‘, ‚Tableau de la Revolution‘ und schließlich ‚Anecdotes of French Nation‘. Insgesamt machte dies einen Betrag von über 3120 fl. aus[265].  Ob Kraft Ernst tatsächlich großen Wert auf aktuelle internationale Informationen legte oder ob es sich eher um Prestigekäufe handelte, muß offen bleiben. Jedenfalls gab er auch beträchtliche Beträge für den Kauf von internationalen Zeitschriften und Zeitungen aus, wie eine Rechnung vom 24. Februar 1783 vom Buchhändler Fontaine in Mannheim belegt. Es handelte sich vor allem um englische und französische Zeitungen und Journale zu insgesamt 497,34 fl.: alles in allem waren es 27 Zeitungen, Journale und Gazetten; hier nur einige Beispiele: Gazette de France, Journal de Paris, Journal de Medecine, Journal ecclesiastique, Gazette et Journal de Commerce, Journal de Sciences et Litteraire[266].

 

V.

 

Insgesamt läßt sich zusammenfassen, daß die wirtschaftlichen Quellen am Hof von Oettingen-Wallerstein äußerst ergiebig sind und sehr detaillierte Aussagen über die Höhe und die Art der Ausgaben zulassen. Anhand der Hofcassabücher lassen sich darüber hinaus zahlreiche Aspekte wie Repräsentation, hierarchische Ordnung sowie Mäzenatentum rekonstruieren. Auf Basis der Rechnungen und Auflistungen läßt sich ohne Zweifel sagen, daß Kraft Ernst an seinem Hof von Oettingen-Wallerstein trotz dessen relativ kleiner Größe sehr großen Wert auf Repräsentation und Mäzenatentum legte, was sich vor allem am Umfang der hier angeführten Beispiele an Ausgaben für eine repräsentative Tafel und damit Gastfreundlichkeit, Ausgaben für eine stattliche Garderobe sowie den Ausgaben für seine bedeutende Bibliothek zeigt.

 

 

 



Autoren und Herausgeber

 

 

Andrea Brill

geb. 1967, ausgebildet in München (LMU) mit Studienaufenthalt in Tel Aviv und an der Universität der Bundeswehr (Promotion), war von 1996 bis 1999 Projekt-Mitarbeiterin am Historischen Institut der Universität der Bundeswehr München. Sie arbeitete zu Themen der Jüdischen Geschichte und Namenforschung und derzeit zur Adelsgeschichte, insbesondere an einer Biographie des Fürsten Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein.

Jochen Ebert

geb. 1964, 1993 bis 1999 Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Kassel mit Abschluß als Magister Artium; 1997 bis 2006 Mitarbeiter im studentischen Lehrforschungsprojekt „Gutsherrschaft und innerdörfliche Struktur. Das hessische Dorf Schwebda im 18. Jahrhundert“; 2002 bis 2005 wiss. Mitarbeiter im DFG-Projekt „Großbetrieb und Landschaft im Wandel der Wirtschaftsweisen. Die hessische Domäne Frankenhausen und ihr Umland (18. bis 20. Jahrhundert)“. Forschungsschwerpunkte: ländliche Gesellschaft und landwirtschaftliche Großbetriebe in der Frühen Neuzeit; Fremde, Arme und Bettler in der frühneuzeitlichen Gesellschaft; Sozialgeschichte des Wetters.

Jan Hirschbiegel

geb. 1959, Studium der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte und Volkskunde an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 1986 bis 1993. Magisterexamen 1993, Pro-motion 1998. Seit 1995 wiss. Mitarbeiter der Kieler Arbeitsstelle der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Interessen-gebiete: Reiseberichte des späten Mittelalters; Theorie, Kultur-, und Sozialgeschichte des Hofes; Mentalitätsgeschichte des Adels.

Jürgen Jablinski

geb. 1955, Studium in Bielefeld mit dem Abschluß Lehramt für die Sekundarstufen I und II für die Fächer Mathematik und Geschichte, 2. Staatsexamen im Jahr 1983, an-schließend Auftragstätigkeit für die Historische Kommission des Landschaftsverbandes Westfalen, von 1986 bis 1987 Wissenschaftlicher Angestellter an der Universität Biele-feld, Fakultät für Geschichtswissenschaft, Mitarbeit an der Publikation des dritten Teils des Urbars der Grafschaft Ravensberg (Das Urbar der Grafschaft Ravensberg von 1556, bearb. von Franz Herberhold, Tl. 3: Ergänzende Quellen zur Landes- und Grund-herrschaft in Ravensberg [1535-1559], bearb. von Wolfgang Mager u.a. nach Vorar-beiten von Franz Herberhold, Münster 1997 [Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, 29,1; Westfälische Lagerbücher, 1]). 1988 bis 1992 Lehr-tätigkeiten, Programmierung und technischer Support in verschiedenen Software-häusern. 1992 Gründung des Instituts für Informatik in Bielefeld (www.ifibi.de), dort heute als Geschäftsführer tätig.

Mikkel Leth Jespersen

geb. 1977, Studium der Geschichte und der Englischen Philologie in Århus 2005; seit 2006 Mitarbeiter der Studienabteilung an der Dansk Centralbibliotek for Sydslesvig in Flensburg, gleichzeitig Ph.D.-Stipendiat an der Århus Universitet; Ph.D.-Projekt über Staatsbildung und politische Kultur im frühmodernen Europa am Beispiel des Herzog-tums Johanns des Älteren von Schleswig-Holstein-Hadersleben (1544-1580); Redakteur der Zeitschrift Den Jyske Historiker.

 


Volker Ohlenschläger

geb. 1977, studierte in Tübingen Geschichte und Germanistik und schloß 2005 mit dem ersten Staatsexamen ab. Danach war er als wiss. Mitarbeiter in der Ab-teilung für Mittelalterliche Geschichte der Universität Tübingen tätig. Seit Oktober 2006 ist er Mitglied des Promotionskollegs „Lern- und Lebensräume im Mittelalter: Kloster, Hof und Universität. Komparatistische Mediävistik 500-1600“ an der Universität Freiburg i.Br. Zur Zeit arbeitet er im Rahmen seiner Dissertation über herrschaftliche Handlungsspielräume und Machtmöglichkeiten im Spiegel der deutschen Hofordnungen des späten Mittelalters.

Werner Paravicini

geb. 1942, ausgebildet in Berlin (FU), Göttingen, Freiburg i.Br., Löwen und Mannheim, war von 1970 bis 1984 wiss. Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut in Paris, von 1984 bis 1993 Professor für mittlere und neuere Geschichte und historische Hilfs-wissenschaften in Kiel und übernahm 1993 die Leitung des Pariser Instituts. Er arbeitet über Hof und Adel im späten Mittelalter, die Herzöge von Burgund und die Hanse in Westeuropa. Die Königliche Akademie von Belgien in Brüssel, die Académie des Inscriptions et Belles-Lettres in Paris, die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften haben ihn zum Mitglied gewählt. Als korrespondierendes Mitglied der Göttinger Akademie leitet er deren Residenzen-Kommission.

Matthias Steinbrink

geb. 1974, Studium in Kiel bis 1999, zwischen 2000 und 2003 Promotionsstipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes, seit 2003 wiss. Mitarbeiter an der Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität der Bundeswehr, München. Forschungsschwerpunkte sind die adlige Ökonomie in Spätmittelalter und Früher Neuzeit und die Kaufmanns- und Handelsgeschichte der vorindustriellen Zeit.



[1]       Berlin, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Brandenburg-preußisches Hausarchiv (im Folgen-den abgekürzt HS Berlin) Repositur 28 Kurfürst Johann Cicero B1 Nr.1: „Einrichtung des Hofstaats des jungen Markgrafen 1470-73“ fol. 1r-14v.

[2]       Bamberg, Staatsarchiv, A 160 L. 558 Nr. 557 fol. 1r-10v.

[3]       Zur Überlieferung vgl. auch Ulmschneider, Helgard: Art. „Ludwig von Eyb d.Ä. zu Eybburg“, in: Verfasserlexikon V, 1985, Sp. 997-1006. Hier finden sich die Berliner Archivalien allerdings noch unter der inzwischen veralteten Angabe „Zentrales Staatsarchiv Merseburg“.

[4]       Berlin, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Brandenburg-preußisches Hausarchiv Repositur 28 Kurfürst Johann Cicero, E2: „Fragmente betreffend die von Markgraf Johann Cicero im Namen seines Vaters Kurfürst Albrecht geschehene Besitzergreifung der Mark Brandenburg und deren Administrierung 1470-73 (Kopien)“, fol. 55r-70r.

[5]       Zum Verhältnis der Handschriften vgl. Werminghoff, Albert: Ludwig von Eyb der Ältere (1417-1502). Ein Beitrag zur fränkischen und deutschen Geschichte im 15. Jahrhundert, Halle 1919, S. 333-335. Dort findet sich auch eine Beschreibung der Handschriften.

[6]       Riedel’s Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Ge-schichtsquellen für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, hg. von Adolph Friedrich Riedel, hier Bd. 3,2, Berlin 1860, Nr. 93 S. 115-126.

[7]       Ebd., Nr. 94 S. 126-128.

[8]       Schapper, Gerhard: Die Hofordnung von 1470 und die Verwaltung am Berliner Hofe zur Zeit Kurfürst Albrechts im historischen Zusammenhange behandelt, Leipzig 1912, S. 2-4.

[9]       Ebd., S. 11.

[10]     Ahrens, Karl-Heinz: Residenz und Herrschaft. Studien zur Herrschaftsorganisation, Herrschaftspraxis und Residenzbildung der Markgrafen von Brandenburg im späten Mittelalter, Frankfurt am Main u.a. 1990 (Euro-päische Hochschulschriften. Reihe 3: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, 427).

[11]     Nolte, Cordula: Familie, Hof und Herrschaft. Das verwandtschaftliche Beziehungs- und Kommunika-tionsnetz der Reichsfürsten am Beispiel der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach (1440-1530), Ostfildern 2005 (Mittelalter-Forschungen, 11).

[12]     Zur Situation in der Mark Brandenburg vgl. auch Böcker, Heidelore: Die Festigung der Landesherrschaft durch die hohenzollernschen Kurfürsten und der Ausbau der Mark zum fürstlichen Territorialstaat während des 15. Jahrhunderts, in: Brandenburgische Geschichte, hrsg. von Ingo Materna und Wolfgang Ribbe, Berlin 1995, S. 169-230.

[13]     Zu Berlin als Residenz: Böcker, Dagmar, Böcker, Heidelore: Art. „Berlin/Cölln“, in: Höfe und Resi-denzen im spätmittelalterlichen Reich. Ein dynastisch-topographisches Handbuch, hg. von Werner Paravicini, bearb. von Jan Hirschbiegel und Jörg Wettlaufer, Teilbd. 1: Dynastien und Höfe. Teilbd. 2: Residenzen, Ostfildern 2003 (Residenzenforschung, 15,I,1-2), hier Teilbd. 2: Residenzen, S. 50-57.

[14]     Verpflichtungen Albrecht Achilles’ bei Übernahme der Mark, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) Nr. 369 S. 517-521.

[15]     Wolfgang Neugebauer schätzt die notwendige Reisezeit zwischen der Mark und Franken im 15. Jahr-hundert auf zehn bis zwölf Tage für die einfache Strecke. Daraus ergäbe sich eine Wartezeit von mindestens drei Wochen selbst bei dringenden und umgehend beantworteten Anfragen, Neugebauer, Wolfgang: Die Hohenzollern, Bd. 1: Anfänge, Landesstaat und monarchische Autokratie bis 1740, Stuttgart u.a. 1996, S. 43.

[16]     Zu der sich aus dieser Situation ergebenden umfangreichen Korrespondenz zwischen Albrecht Achilles und Johann Cicero Boockmann, Hartmut: Hof und Hofordnung im Briefwechsel des Albrecht Achilles von Brandenburg, in: Höfe und Hofordnungen 1200-1600, hg. von Holger Kruse und Werner Paravicini, Sigmaringen 1999 (Residenzenforschung, 10), S. 315-320, sowie Nolte, Cordula: Die markgräfliche Familie am Hof zu Berlin und Ansbach 1470-1486 – Versorgung – Wohnstrukturen – Kommunikation, in: Principes. Dynastien und Höfe im späten Mittelalter, hg. von Ders., Karl-Heinz Spiess und Ralf-Gunnar Werlich, Stuttgart 2002 (Residenzenforschung, 14), S. 147-169.

[17]     In der Berliner Handschrift ist das Personalverzeichnis auf fol. 1-3r dem ab fol. 3v folgenden Text der Hof-ordnung vorangestellt, im Bamberger Exemplar folgt es auf fol. 8r unmittelbar dem ebendort endenden Text. Bereits diese sich bei beiden Überlieferungszeugen findende archivalische Einheit belegt den engen Zusammen-hang zwischen dem Personalverzeichnis und dem eigentlichen Text der Hofordnung.

[18]     Sowohl die Berliner als auch die Bamberger Handschrift wurden so gestaltet. Die Bamberger Handschrift wirkt lediglich etwas sorgfältiger und scheint auch weniger Gebrauchsspuren aufzuweisen. Dies stützt die Annahme, daß es sich bei der Bamberger Handschrift um eine Albrecht Achilles übersandte Abschrift der Berliner Hofordnung handelte. Bei Textverweisen wird im Folgenden jeweils die Seite in der Berliner Hand-schrift und dem auf ihr basierenden Abdruck im Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) angegeben.

[19]     Schapper, Hofordnung (wie Anm. 8) S. 7f.

[20]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 4r, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 115f.

[21]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 8v, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 123.

[22]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 3v, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 115.

[23]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 3v-4r, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 115f.

[24]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 4r, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 116.

[25]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 4v-5r, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 116f.

[26]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 4v-7r, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 116-120.

[27]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 7r-7v, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 120f.

[28]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 7v, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 121.

[29]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 8r-8v, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6)  S. 121-123.

[30]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 8v-9r, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 123f.

[31]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 9r-9v, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 124.

[32]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 9v-10r, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 124f.

[33]     Vgl. dazu die Karte in: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Bd. 10: Berlin und Brandenburg. Mit Neumark und Grenzmark Posen-Westpreußen, hg. von Gerd Heinrich, 3. überarb. und erg. Aufl., Stuttgart 1995, S. 28f.

[34]     Dazu: Müller-Mertens, Eckhard: Die landesherrliche Residenz in Berlin und Kölln 1280-1486, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 36 (1988) S. 138-154.

[35]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 6r, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 119.

[36]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 3r, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 128.

[37]     Schapper, Hofordnung (wie Anm. 8) S. 6.

[38]     Ebd., S. 4f.

[39]     Ludwig von Eyb und Georg von Absberg an Albrecht Achilles. Politische Correspondenz des Kurfürsten Albrecht Achilles, hg. von Felix Priebatsch, Bd. 1, Leipzig 1894 (Publicationen aus den königlich-preußischen Staatsarchiven, 59), Nr.75 S.157ff.

[40]     Ebd.

[41]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 4v-5v, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 116-118.

[42]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 8v, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 123.

[43]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 7r-7v, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 120f.

[44]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 9v, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 124f.

[45]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 8v, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 123.

[46]     HS Berlin (wie Anm. 1) fol. 8v, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) S. 123.

[47]     Anordnungen Kurfürst Albrechts vom 30. August 1476, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm 6) Nr.150 S. 180-184.

[48]     Die Hofordnung 1473 ist leider nicht überliefert. Die auf sie Bezug nehmenden Schreiben Johann Ciceros und des Bischofs von Lebus an Kurfürst Albrecht Achilles veranlaßten Riedel dazu, die Hofordnung von 1470 in seinem Abdruck irrtümlich auf den 10. April 1473 zu datieren, vgl. dazu: Schapper, Hofordnung (wie Anm. 8).

[49]     Schapper, Hofordnung (wie Anm. 8) S. 3.

[50]     Albrechts Bestellung Johann Ciceros und des Bischofs von Lebus zu Regenten der Mark, 9. März 1473, Codex diplomaticus Brandenburgensis (wie Anm. 6) Nr. 76 S. 91f.

[51]       Dahlerup, Troels: Indledning om senmiddelalderen, in: Riget, magten og Æren. Den danske adel 1350-1660, hg. von Per Ingesman und Jens Villiam Jensen, Aarhus 2001, S. 17-25, hier S. 17; Manniche, Jens Christian: Den radikale historikertradition. Studier i dansk historievidenskabs forudsætninger og normer, Århus 1981 (Skrifter udgivet af Jysk selskab for historie, 38), S. 117 und 132. Troels Dahlerup war einer der Pioniere der neueren dänischen Adelsforschung mit seinen Studien über die Krise des dänischen Niederadels im Spätmittelalter, Dahlerup, Troels: Lavadelens Krise i dansk Senmiddelalder, in: Historisk Tidsskrift 12,4 (1969-1970) S. 1-43; Ders.: Danmark, in: Den nordiske Adel i Senmiddelalderen. Struktur, funktioner og internordiske relationer. Rapporter til det nordiske historikermøde i København 1971 9-12. august, Kopenhagen 1971, S. 45-80; Ders.: De fire stænder. 1400-1500, in: Gyldendal og Politikens Danmarkshistorie, hg. von Olaf Olsen, 16 Bde., Kopenhagen 1989, hier Bd. 6, 1989, S. 100-125; Ders.: Heraldry and Social Change in Late Medieval Denmark, in: Genealogica & Heraldica. Report of the 14th International Congress of Genealogical and Heraldic Sciences in Copenhagen, 25.-29. August 1980, Kopenhagen 1982, S. 35-42.

[52]       Danske dronninger i tusind år, hg. von Steffen Heiberg, Kopenhagen 2000, S. 35-55; Lauring, Palle: Dronninger og andre kvinder i Danmarkshistorien, Kopenhagen 1981, S. 13-29.

[53]       Beispiele dieser neuen dänischen Forschungstradition sind u.a.: Riget, magten og Æren. Den danske adel 1350-1660, hg. von Per Ingesman und Jens Villiam Jensen, Aarhus 2001; De slesvigske hertuger, hg. von Carsten Porskrog Rasmussen, Inge Adriansen und Lennart S. Madsen, Apenrade 2005; Pedersen, Mikkel Venborg: Hertuger. At synes og at være i Augustenborg 1700-1850, Kopenhagen 2005; Christian 4. og Frederiksborg, hg. von Steffen Heiberg, Kopenhagen 2006; Olden-Jørgensen, Sebastian: Hoffet til hverdag og fest, in: Danmark i renæssancen 1500-1650, hg. von Carsten Bach-Nielsen, Johan Møhlenfeldt Jensen, Jens Vellev und Peter Zeeberg, Gylling 2006, S. 62-77.

[54]       Grundlage dieses Artikels ist meine unveröff. Magisterarbeit: På vor nådige frues vegne. Dronning Christines administration i senmiddelalderens politiske kultur, Aarhus Universitet, August 2005. In dänischen Zeitschriften sind von mir erschienen: Dronning Christine og kong Hans. Len, magt og fromhed i dansk senmiddelalder“, in: Historisk Tidsskrift 106,1 (2006) S. 10-32; Patron-klientforhold i dansk senmiddelalder, in: Fortid og Nutid 2 (2006) S. 107-126; Herredsfogeden på Nordfyn i senmiddelalderen, in: Fynske Aarbøger (2006) S. 5-16.

[55]       Missiver fra Kongerne Christian I.s og Kong Hans’ Tid, hg. von William Christensen, 2 Bde., Kopenhagen 1895-1904, hier Bd. 1, Nr. 87. Ed. des Ehevertrages in: Diplomatarium Christierni Primi. Samling af Aktstykker, Diplomer og Breve, henhørende til Kong Christiern den Förstes Historie, hg. von Caspar Frederik Wegener, Kopenhagen 1856, S. 334-338.

[56]       Rasmussen, Jørgen Nybo: Claus Bergs kongelige altertavle og franciskanerne. En tolkning af Jørgen Nybo Rasmussen, Kopenhagen 1996.

[57]       Albrectsen, Esben: Fællesskabet bliver til 1380-1536. in: Danmark-Norge 1380-1814, hg. von Dems., 4 Bde., Oslo 1997, hier Bd. 1, S. 264-265.

[58]       Des kursächsischen Rathes Hans von der Planitz Berichte aus dem Reichsregiment in Nürnberg 1521-1523, hg. von Ernst Wülcker, Leipzig 1899, S. LXIII.

[59]       Cantsler Claus Giordsens Optegnelser, især om de danske og norske Lehn paa Kong Frederik den Førstes Tid, hg. von Hans Knudsen, in: Danske Magazin 6 (1836) S. 288-330, hier S. 317.

[60]     Jespersen, Dronning Christine (wie Anm. 4) S. 14-17.

[61]     Venge, Mikael: Fra boplads til bispeby Odense til 1559, in: Odense bys historie, hg. von Henrik Thrane, Odense 1981, S. 355-412; Madsen, Haakon Bennike: Næsbyhoved lens bønder 1502-10, in: Fynske Årbøger (1963) S. 121-179; Ders.: Den rige hjælpe den fattige. En undersøgelse af skattemandtallet fra Næsbyhoved len 1511, in: Historisk Tidsskrift 11,6 (1960) S. 313-357; Lütken, Vilhelm: Bidrag til Langelands Historie, Rudkøbing 1909; Porsmose, Erland: Bønder: bryder og tjenere, Gårdbrugervilkår på Fyn 1502-1542, Odense 1983.

[62]     Dronning Christines Hofholdningsregnskaber, hg. von William Christensen, Kopenhagen 1904.

[63]     Næsbyhoved lens regnskaber 1502-1511, hg. von Haakon Bennike Madsen und Erland Porsmose, Odense 1991.

[64]     Tranekær lens regnskaber 1500, 1501, 1502, 1503, 1510 og 1510-11. Rigsarkivet Kopenhagen. Reg. 108 A, ny pk. 4.

[65]     Dronning Christines Hofholdningsregnskaber (wie Anm. 12) S. 158-159.

[66]     Ebd., S. 91.

[67]     Enemark, Poul: Studier i toldregnskabsmateriale fra begyndelsen af 16. århundrede. Med særligt henblik på dansk okseeksport, Bd. 1 und 2, Århus 1971.

[68]     Dronning Christines Brevbog 1504-1511, Livgedinget vedkommende, ed. Danske Magazin 4,5 (1884) S. 82-95.

[69]     Die wichtigsten Artikel zu den dänischen spätmittelalterlichen Rechnungsbeständen stammen von: Jexlev, Thelma: Lensregnskaber og skattemandtal omkring 1500. Noter til registratur 108 A, in: Arkiv. Tidsskrift for arkivforvaltning og arkivteknik (1966) S. 137-156; Poulsen, Bjørn: Regnskabsmateriale fra slesvigsk lokaladministration før 1544, in: Arkiv. Tidsskrift for arkivforskning 14,2 (1992) S. 69-113; Ders.: Slesvig før delingen i 1490. Et bidrag til senmiddelalderens finansforvaltning, in: Historisk Tidsskrift 90 (1990) S. 38-63.

[70]     Dronning Christines Hofholdningsregnskaber (wie Anm. 12) S. 1, übers. durch Verf.

[71]     Ebd., S. 371, übers. durch Verf.

[72]     Heise, Arnold: Art. „Birger Gunnersen“, in: Dansk Biografisk Leksikon VIII, 1936, S. 452-454.

[73]     Rørdam, Holger Frederik: Art. „Hans Reff“, in: Dansk Biografisk Leksikon XIII, 1887-1905, S. 577-597.

[74]     Dronning Christines Hofholdningsregnskaber (wie Anm. 12) S. 343: Thesse efftherscrevne penninge haffuer jeg Hans Reff vpborit oc vdgiffuit paa wor kære nadige ffrves veygnæ, siden jeg hennes nade sistes regenskab giordde vdi hennes nades søns hoghboren fførstes her Christierns vdualdt konning till Danmark oc Sverige etc. nerværelse.

[75]     Ulsig, Erik: Danske Adelsgodser i Middelalderen, Kopenhagen 1968, S. 254f.

[76]     Dronning Christines Hofholdningsregnskaber (wie Anm. 12) S. 30.

[77]     Zum Beispiel: Dronning Christines Hofholdningsegnskaber (wie Anm. 12) S. 274: Hoffszinder, hoffmesterinne, jomfrverne, smadrenge, pigerne oc alle andre, smaa oc store, finge [...]  31 mark og 2 skilling til [...] offrepenninge i Othense.

[78]     Jespersen, Dronning Christines administration (wie Anm. 4) hier Bilag A; Dronning Christines Hofholdningsregnskaber (wie Anm. 12) S. 1-10.

[79]     So kostete z.B. eine Reise von Kopenhagen nach Ripen und zurück, um die Zolleinnahmen beizubringen, im Jahr 1502 weniger als 40 Mark, Dronning Christines Hofholdningsregnskaber (wie Anm. 12) S. 30. Für dementsprechende Reisen siehe ebd., S. 197; 206; 260; 295; 331 und 381.

[80]     Næsbyhoved lens regnskaber (wie Anm. 13) S. 252-253.

[81]     Ebd., S. 336-355.

[82]     Christensen, Aksel E.: Kongemagt og Aristokrati, Kopenhagen 1945; Bjørn Poulsen: Aabenraa amt og dets økonomi på reformationstiden, in: Sønderjyske årbøger (1992) S. 11-31; Kingdoms on the periphery of Europe: The case of medieval and early modern Scandinavia, in: Economic Systems and State Finance, hg. von Richard Bonney, Oxford 1995, S. 101-122.

[83]     Ebd., S. 1: Swenneløn […] paa wor nadige frwes veghne, übers. durch Verf.

[84]     Ebd., S. 362f., 313 und 321.

[85]     Auf der Grundlage von: Dronning Christines Hofholdningsregnskaber (wie Anm. 12) S. 309ff.

[86]     Ebd., S. 6f., 419 und 385.

[87]     Wir kennen nur wenige Beispiele für Uniformierung im dänischen späten Mittelalter, Missiver (wie Anm. 5) hier Bd. 1, Nr. 87, und Bd. 2, Nr. 36 (undat.). 1502 bspw. befahl der König dem königlichen Rat Mourits Nielsen Gyldenstjerne, sein Gefolge für das Brautgefolge der dänischen Prinzessin Elisabeth (von Brandenburg) zur Hälfte in gelb und zur Hälfte in grau mit weiß zu kleiden, Rasmussen, Kall: Dokumenter, vedkomne Rigsråden Mourits Nielsen (Gyldenstjerne) til Aagaard, in: Danske Magazin 3,3 (1851) S. 251-301, hier S. 294.

[88]     Dronning Christines Hofholdningsregnskaber (wie Anm. 12) S. 352 und 377.

[89]     Ebd., S. 247 und 288.

[90]     Ebd., S. 351f. und 369.

[91]     Ebd., S. 249, 292 und 303.

[92]     Rasmussen, Claus Bergs kongelige altertavle (wie Anm. 6) S. 29 und 38; Allen, Carl Ferdinand: De tre nordiske Rigers Historie under Hans, Christian den Anden, Frederik den Første, Gustav Vasa, Grevefeiden. 1497-1536, 5 Bde., Kopenhagen 1870, hier Bd. 1, S. 216-218 und 296.

[93]     Veblen, Thorstein B.: The Theory of the Leisure Class. An economic Study of Institutions, London 1957.

[94]     Haastrup, Ulla: Art. „Claus Berg“, in: Weilbach. Dansk Kunstner leksikon I, 1994, S. 223; Claus Bergs Beretning om sin Fædrene herkomst, in: Danske Magazin 1 (1745) S. 23-28; Thorlacius-Ussing, Viggo: Art. „Claus Berg“, in: Dansk Biografisk Leksikon II (1936) S. 435-437.

[95]     Dronning Christines Hofholdningsregnskaber (wie Anm. 12) S. 297 und 365.

[96]     Johannsen, Birgitte Bøggild: „Fore wor […] siæle bestands og salighetz skild“. Om kongelige stiftelser og sjælegaver fra kong Hans’ og dronning Christines tid, in: Kirkehistoriske samlinger (1999) S. 7-49, hier S. 8; Dies.: Køn, magt og minde. Omkring den rituelle og monumentale iscenesættelse af senmiddelalderens dronningebegravelser, in: Konge, kirke og samfund. De øvrighedsmagter i dansk senmiddelalder, hg. von Agnes Siggerdur Arnórsdóttir, Per Ingesman und Bjørn Poulsen, Aarhus 2007, S. 77-218, hier S. 77-79.

[97]     Geertz, Clifford: Centers, Kings and Charisma, in: Culture and Its Creators. Essays in honor of Edward Shils, hg. von Joseph Ben-David und Terry Nichols Clark, Chicago 1977, S. 150-171.

[98]     Haastrup, Claus Berg (wie Amn. 44) S. 223; Dronning Christines Hofholdningsregnskaber (wie Anm. 12) S. 241, 242, 248, 289, 310 und 365.

[99]     Dronning Christines Hofholdningsregnskaber (wie Anm. 12) S. 312f. og und 317.

[100]     Ebd., S. 383.

[101]     Ebd., S. 113, 118 og 254.

[102]     Næsbyhoved lens regnskaber (wie Anm. 13) S. 333.

[103]     Dronning Christines Hofholdningsregnskaber (wie Anm. 12) S. 373.

[104]     Bisgaard, Lars: De glemte altre. Gildernes religiøse rolle i senmiddelalderens Danmark, Odense 2001, S. 59; Troels-Lund, Troels: Dagligliv i Norden i det 16de Aarhundrede, 14 Bde., Kopenhagen 1904, hier Bd. 14, S. 178f.; Bisgaard, Lars: Tjenesteadel og fromhedsideal. Studier i adelens tænkemåde i dansk senmiddel-alder, Aarhus 1988, S. 50.

[105]     Venge, Fra boplads til bispeby (wie Anm. 11) S. 303.

[106]     Christensen, Harry: Len og magt i Danmark 1439-1481. De danske slotslens besiddelsesforhold analyseret til belysning af magtrelationerne mellem kongemagt og adel. Med særlig henblik på opgøret i slut-ningen af 1460’erne, Aarhus 1983.

[107]     Jespersen, Dronning Christine (wie Anm. 4) S. 27-30.

*       Für die kritische Durchsicht des Textes, der eine um Anmerkungen erweiterte Fassung des Vortrages in Gottorf ist, danke ich Rainer S. Elkar, München und Gabriel Zeilinger, Kiel.

[108]       Zu Hohbergs Werk siehe ausführlich Brunner, Otto: Adeliges Landleben und europäischer Geist. Leben und Werk Wolf Helmhards von Hohberg 1612-1688, Salzburg 1949; Schmidt, Wiltrud: Wolf Helmhard von Hohberg, „Georgica curiosa“ (1682). Autor, Werk, Interpretation, Wirkungsgeschichte, Magisterarbeit Univ. Erlangen-Nürnberg 1999. Die Einordnung in die Gattung der Hausväterliteratur unternimmt Richarz, Irmintraut: Oikos, Haus und Haushalt. Ursprung und Geschichte der Haushaltsökonomik, Göttingen 1991, S. 148-158.

[109]       Zitiert nach Brunner, Adeliges Landleben (wie Anm. 1) S. 241.

[110]       Auf Grund der naturgemäß starken Betonung der agrarischen Produktion ist Hohbergs Werk zunächst vor allem in der Agrarforschung rezipiert worden; Güntz, Max: Handbuch der landwirtschaftlichen Literatur, Leip-zig 1897-1902, ND Vaduz 1977, S. 139, Richarz, Oikos (wie Anm. 1) S. 137.

[111]       So auch bei Richarz, Irmintraut: Das ökonomisch autarke „Ganze Haus“ – Eine Legende? in: Haushalt und Familie in Mittelalter und früher Neuzeit. Vorträge eines interdisziplinären Symposions vom 6.-9. Juni 1990 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, hg. von Trude Ehlert, Sigmaringen 1991, S. 269-279. Die Hausväterliteratur als Grundlage für Überlegungen zur Hoftheorie zieht Müller, Rainer A.: Die Oeconomia ist ein Monarchia. Der (deutsche) Fürstenhof der Frühmoderne als Objekt der Hausväter- und Regimentsliteratur, in: Hof und Theorie. Annäherung an ein historisches Phänomen, hg. von Reinhard Butz, Jan Hirschbiegel und Dietmar Willoweit, Köln u.a. 2004 (Norm und Struktur, 22), S. 145-163 heran.

[112]       Brunner, Otto: Das „Ganze Haus“ und die alteuropäische „Ökonomik“, in: Neue Wege der Verfassungs- und  Sozialgeschichte, hg. von Dems., 3. Aufl., Göttingen 1980, S. 103-127.

[113]       Ebd., S. 103, Zitat S. 109.

[114]       Ebd., S. 107.

[115]       Besonders durch Opitz, Claudia: Neue Wege zur Sozialgeschichte? Ein kritischer Blick auf Otto Brunners Konzept des ‚ganzen Hauses‘, in: Geschichte und Gesellschaft 20 (1994) S. 88-98 vorgebracht. Zu Opitz’ Ein-wendungen siehe Derks, Hans: Über die Faszination des „Ganzen Hauses“, in: Geschichte und Gesellschaft 22 (1996) S. 221-242. Auch Richarz, „Ganzes Haus“ (wie Anm. 4) äußert sich kritisch. Zusammenfassend bei Groebner, Valentin: Außer Haus. Otto Brunner und die „alteuropäische Ökonomik“, in: Geschichte in Wissen-schaft und Unterricht 46 (1995) S. 69-80; Weiss, Stefan: Otto Brunner und das Ganze Haus oder Die zwei Arten der Wirtschaftsgeschichte, in: Historische Zeitschrift 273 (2001) S. 335-369; Oexle, Otto Gerhard: Sozial-geschichte – Begriffsgeschichte – Wissenschaftsgeschichte. Anmerkungen zum Werk Otto Brunners, in: Viertel-jahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 71 (1984) S. 305-341. Zu Brunners weiteren Thesen siehe Jütte, Robert: Zwischen Ständestaat und Austrofaschismus. Der Beitrag Otto Brunners zur Geschichts-schreibung, in: Tel Aviver Jahrbuch des Instituts für Deutsche Geschichte 13 (1984) S. 237-262.

[116]       Brunner: Ganze Haus (wie Anm. 5) S. 105.

[117]     In diese Richtung zielt Richarz, „Ganzes Haus“ (wie Anm. 4).

[118]     Dazu Trossbach, Werner: Das „ganze Haus“ – Basiskategorie für das Verständnis der ländlichen Gesell-schaft deutscher Territorien in der Frühen Neuzeit? in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 129 (1993) S. 277-314. Die Übertragung auf die Gesellen, die im Haushalt ihrer Meister leben, ist ebenfalls weitgehend abgelehnt worden: Brunners „Modell des ‚ganzen Hauses‘ kann für das Handwerk bestenfalls auf das 12./13. Jahrhundert übertragen werden, für das aber weitgehend die Quellen schweigen.“ Reininghaus, Wilfried: Das „Ganze Haus“ und die Gesellengilden. Über die Beziehungen zwischen Meistern und Gesellen im Spätmittelalter, in: Deutsches Handwerk in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Sozialgeschichte – Volkskunde – Literaturgeschichte, hg. von Rainer S. Elkar, Göttingen 1983 (Göttinger Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, 9), S. 55-70, hier S. 70.

[119]     So auch die Einschätzung bei Weiss, Otto Brunner (wie Anm. 8) S. 355f., Anm. 89.

[120]     Zitiert nach Richarz, Irmintraut: Herrschaftliche Haushalte in vorindustrieller Zeit im Weserraum, Berlin 1971 (Beiträge zur Ökonomie von Haushalt und Verbrauch, 6), S. 194.

[121]     Zitiert nach Brunner, Adeliges Landleben (wie Anm. 1) S. 300.

[122]     Dies sowohl bei Hohberg (Brunner, Adeliges Landleben [wie Anm. 1] S. 300) als auch bei Coler (Richarz, Oikos [wie Anm. 1] S. 147).

[123]     Abbildungen bei Richarz, „Ganzes Haus“ (wie Anm. 4) S. 278.

[124]     Zu Coler siehe Richarz, Oikos (wie Anm. 1) S. 138-148, dort auch die entsprechenden Zitate.

[125]     Richarz, Oikos (wie Anm. 1) S. 147.

[126]     Brunner, Adeliges Landleben (wie Anm. 1) S. 302.

[127]     Kink, Barbara: Im Ehstandt lebt man froh und fein … Adelige Haushaltsführung des Freiherrn Sebastian Joseph Pemler von Hurlach und Leutstetten (1718-1772) im Hochzeitsjahr 1763, in: Adel und Zahl. Studien zum adligen Rechnen und Haushalten in Spätmittelalter und früher Neuzeit, hg. von Gerhard Fouquet und Harm von Seggern, Ubstadt-Weiher 2000 (Pforzheimer Gespräche zur Sozial-, Wirtschafts- und Stadtgeschichte, 1), S. 269-288, hier S. 283.

[128]     Richarz, Herrschaftliche Haushalte (wie Anm. 13).

[129]     Richarz, „Ganzes Haus“ (wie Anm. 4), S. 275.

[130]     „Die Grundherrschaft [der Karolingerzeit] ist trotz ihres vorwiegend agrarischen Charakters ein Faktor im Handelsgeschehen“ und nahm Teil an „Geldverkehr, Güteraustausch und Handel“. Johanek, Peter: Der fränkische Handel der Karolingerzeit im Spiegel der Schriftquellen, in: Untersuchungen zu Handel und Verkehr der vor- und frühgeschichtlichen Zeit in Mittel- und Nordeuropa. Berichte über die Kolloquien der Kommission für die Altertumskunde Mittel- und Nordeuropas in den Jahren 1980 bis 1983. Tl. 4: Der Handel der Karolinger- und Wikingerzeit, hg. von Klaus Düwel u.a., Göttingen 1987 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Philologisch-Historische Klasse. Dritte Folge, 156), S. 7-68, hier S. 11f. Auch im 14. Jahrhundert konnte ohne den Zukauf von Grundnahrungsmitteln die Versorgung fürstlicher Höfe allein aus der Eigen-wirtschaft nicht mehr sichergestellt werden; Steinbrink, Matthias: Nahrungsmittelkonsum am Hofe Herzog Albrechts von Sachen und Lüneburg, in: Adel und Zahl (wie Anm. 20) S. 25-42.

[131]     Brunner, Adeliges Landleben (wie Anm. 1) S. 302.

[132]     Zu Stockalper einleitend, mit weiterer Literatur, Imboden, Gabriel: Die Handels- und Rechnungsbücher Kaspar Stockalpers vom Thurm 1609-1691, in: Kaufmannsbücher und Handelspraktiken vom Spätmittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Merchant’s Books and Mercantile Pratiche from the Late Middle Ages to the Beginning of the 20th Century, hg. von Markus A. Denzel, Jean Claude Hocquet und Harald Witthöft, Stuttgart 2002 (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Beihefte, 163), S. 153-172. Zu den böhmischen Ver-hältnissen siehe Čechura, Jaroslav: Adelige Grundherrn als Unternehmer. Zur Struktur südböhmischer Domi-nien vor 1620, München u.a. 2000 (Sozial- und wirtschaftshistorische Studien, 25). Generell zu diesem Komplex siehe Redlich, Fritz: Der deutsche fürstliche Unternehmer, eine typische Erscheinung des 16. Jahrhunderts, in: Tradition 3 (1958) S. 17-32, 98-112; Bünz, Enno: Adlige Unternehmer? Wirtschaftliche Aktivitäten von Grafen und Herren im späten Mittelalter, in: Grafen und Herren in Südwestdeutschland vom 12. bis ins 17. Jahrhundert, hg. von Kurt Andermann und Clemens Joos, Epfendorf 2006 (Kraichtaler Kolloquien, 5), S. 35-69; Andermann, Kurt: Adlige Wirtschaften auf dem Land. Zu den ökonomischen Grundlagen der Ritterschaft in der frühen Neuzeit, in: Rittersitze. Facetten adligen Lebens im Alten Reich, hg. von Dems., Tübingen 2002 (Kraichtaler Kolloquien, 3), S. 167-190.

[133]     So die Einschätzung bei Schleinert, Dirk: Die Gutswirtschaft im Herzogtum Pommern-Wolgast im 16. und frühen 17. Jahrhundert, Köln u.a. 2001 (Forschungen zur Pommerschen Geschichte, 36), S. 240.

[134]     Dazu grundlegend Stollberg-Rilinger, Barbara: Handelsgeist und Adelsethos. Zur Diskussion um das Handelsverbot für den deutschen Adel vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, in: Zeitschrift für historische Forschung 3 (1988) S. 273-309.

[135]     Ebd., S. 273.

[136]     Zedlers Großes Vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Halle/Leipzig 1737, Bd. 15, Sp. 266.

[137]     Stollberg-Rilinger, Handelsgeist (wie Anm. 27), S. 278.

[138]     Zedler, Universal-Lexicon (wie Anm. 29) Sp. 266.

[139]     Stollberg-Rilinger, Handelsgeist (wie Anm. 27) S. 282, 294.

[140]     Siehe dazu Pečar, Andreas: Die Ökonomie der Ehre. Höfischer Adel am Kaiserhof Karls VI. (1711-1740), Darmstadt 2003 (Symbolische Kommunikation in der Vormoderne).

[141]     Siehe hierzu vor allem Bauer, Volker: Hofökonomie. Der Diskurs über den Fürstenhof in Zeremonial-wissenschaft, Hausväterliteratur und Kameralismus, Wien u.a. 1997 (Frühneuzeitstudien. NF 1).

[142]     Zu Florinus siehe einleitend Richarz, Oikos (wie Anm. 1) S. 158-167.

[143]     Zitiert nach Bauer, Hofökonomie (wie Anm. 34) S. 140.

[144]     Ebd., S. 140.

[145]     Zitiert nach Richarz, Oikos (wie Anm. 1) S. 147.

[146]     Bauer, Hofökonomie (wie Anm. 34) S. 33. Siehe dazu auch Duindam, Jeroen: The Bourbon and Austrian Habsburg Courts. Numbers, Ordinances, Ceremony – and Nobles, in: Der europäische Adel im Ancien Régime. Von der Krise der ständischen Monarchien bis zur Revolution (1600-1789), hg. von Ronald G. Asch, Köln u.a. 2001, S. 181-206; Hartmann, Peter Claus: Monarch, Hofgesellschaft und höfische Ökonomie. Wirtschaft und Gesellschaft in neuzeitlichen Residenzen, in: Residenzen. Aspekte hauptstädtischer Zentralität von der Frühen Neuzeit bis zum Ende der Monarchie, hg. von Kurt Andermann, Sigmaringen 1992 (Oberrheinische Studien, 10), S. 73-82; Müller, Rainer A.: Der Fürstenhof in der Frühen Neuzeit, München 1995 (Enzyklopädie Deutscher Geschichte, 33), S. 31.

[147]     Zur Reichsritterschaft siehe Andermann, Adlige Wirtschaften (wie Anm. 25).

[148]     Zu den Bauten der Zeit siehe bei Bauer, Volker: Die höfische Gesellschaft in Deutschland von der Mitte des 17. bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts. Versuch einer Typologie, Tübingen 1993 (Frühe Neuzeit, 12), S. 39-48; Müller, Fürstenhof (wie Anm. 39) S. 61-75.

[149]     Wolf Helmhard von Hohberg, Georgica Curiosa, das ist „Adeliges Land- und Feldleben“ […], Ausgewählt und eingeleitet von Heinrich Wehmüller, 4. Aufl., Wien 1701-1706, ND Stuttgart 1995, S. 37.

[150]     Ebd., S. 64.

[151]     Frühsorge, Gotthardt: ‚Oeconomie des Hofes‘. Zur politischen Funktion der Vaterrolle des Fürsten im „Oeconomus prudens et legalis“ des Franz Philipp Florinus, in: Europäische Hofkultur im 16. und 17. Jahrhun-dert. Vorträge und Referate gehalten anlässlich des Kongresses des Wolfenbütteler Arbeitskreises für Re-naissanceforschung und des Internationalen Arbeitskreises für Barockliteratur in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel vom 4. bis 8. September 1979, hg. von August  Buck u.a., Bd. 2, Hamburg 1981, S. 211-215, hier S. 212.

[152]     Bauer, Hofökonomie (wie Anm. 34) S. 148; Müller, Fürstenhof (wie Anm. 39) S. 41; Holenstein, André: Huldigung und Herrschaftszeremoniell im Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung, in: Aufklärung 6 (1991) S. 21-46. Die immer stärkere Formalisierung zeigt sich etwa in der Untersuchung der Brandenburg-Ansbachischen Hofordnungen des 18. Jahrhunderts: Plodeck, Karin: Hofstruktur und Hofzeremoniell in Brandenburg-Ansbach vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Zur Rolle des Herrschaftskultes im absolutistischen Gesellschafts- und Herrschaftssystem, Ansbach 1972.

[153]     Dazu bereits Veblen, Thorstein: The Theory of the Leisure Class. An Economic Study of Institutions, New York 1943. Dazu Edgell, Steven: Veblen’s Theory of Conspicuous Consumption after 100 Years, in: History of Economic Ideas 7 (1999) S. 99-125. Siehe zur Forschung zur höfischen Wirtschaftsgesinnung Bauer, Höfische Gesellschaft (wie Anm. 41) S. 10-13.

[154]     Richarz, „Ganzes Haus“ (wie Anm. 4) S. 274.

[155]     Hohberg, Georgica Curiosa (wie Anm. 42) S. 65.

[156]     Die Untersuchung der Leser der Hausväterliteratur ist bislang in der Forschung kaum bearbeitet worden, so die Einschätzung bei Weiss, Otto Brunner (wie Anm. 8) S. 361. Zur Verbreitung siehe beispielsweise Pleticha, Eva: Adel und Buch. Studien zur Geisteswelt des fränkischen Adels am Beispiel seiner Bibliotheken vom 15. bis zum 18. Jahrhundert, Neustadt a.d. Aisch 1983 (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte. Reihe 9: Darstellungen aus der fränkischen Geschichte, 33), S. 242f. und Brunner, Otto: Österreichische Adelsbibliotheken des 15. bis 18. Jahrhunderts als geistesgeschichtliche Quelle, in: Brunner, Neue Wege (wie Anm. 5) S. 281-293, hier S. 284.

[157]     Kink, Ehstandt (wie Anm. 20) S. 277, 285.

[158]     Zitiert nach Brunner, Adeliges Landleben (wie Anm. 1) S. 302.

[159]     Dennoch muß festgehalten werden, daß das sprichwörtliche Leben von der Hand in den Mund auch beim Adel oft anzutreffen war. Siehe dazu überblicksartig Fouquet, Gerhard: Adel und Zahl – es sy umb klein oder groß. Bemerkungen zu einem Forschungsgebiet vornehmlich im Reich des Spätmittelalters, in: Adel und Zahl (wie Anm. 20) S. 3-24, hier bes. S. 4.

[160]     Zu adligen Karrieren siehe Mauerer, Esteban: Südwestdeutscher Reichsadel im 17. und 18. Jahrhundert. Geld, Reputation, Karriere: Das Haus Fürstenberg, Göttingen 2001 (Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 66); Pečar, Ökonomie der Ehre (wie Anm. 33).

[161]     Kink, Ehstandt (wie Anm. 20) S. 286.

[162]     Müller, Oeconomia (wie Anm. 4) S. 162.

[163]     So auch die Einschätzung bei Bauer, Hofökonomie (wie Anm. 34) S. 26. Daher plant der Verfasser dieses Aufsatzes im Rahmen eines an der Universität der Bundeswehr München laufenden Habilitationsvorhabens die ökonomischen Grundlagen ausgewählter gräflicher Haushaltungen zu untersuchen, um Einsichten in diese Zu-sammenhänge zu bieten.

[164]     Ebenso die Forderung von Andermann, Kurt: Adel und finanzielle Mobilität im späten Mittelalter, in: Ge-lungene Anpassung? Adelige Antworten auf gesellschaftliche Wandlungsvorgänge vom 14. bis zum 16. Jahr-hundert. Zweites Symposium „Adel, Ritter, Reichsritterschaft vom Hochmittelalter bis zum modernen Ver-fassungsstaat“ (24./25. Mai 2001, Schloß Weitenburg), hg. von Horst Carl und Sönke Lorenz, Ostfildern 2005 (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, 53), S. 13-26.

[165]       Edelmayer, Friedrich, Lanzinner, Maximilian, Rauscher, Peter: Einleitung, in: Finanzen und Herrschaft. Materielle Grundlagen fürstlicher Politik in den habsburgischen Ländern und im Heiligen Römischen Reich im 16. Jahrhundert, hg. von Friedrich Edelmayer u.a., Wien 2003 (Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, 38), S. 9-19, hier S. 11.

[166]       Das Urbar der Grafschaft Ravensberg von 1556, bearb. von Franz Herberhold, 3 Tle. Tl. 3: Ergänzende Quellen zur Landes- und Grundherrschaft in Ravensberg (1535-1559), bearb. von Wolfgang Mager u.a. nach Vorarbeiten von Franz Herberhold, Münster 1960-1997 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, 29,1-3; Westfälische Lagerbücher, 1,1-3), hier Tl. 1: Text.

[167]       Das hessische Adelsdorf Schwebda bspw. zählte 1750 110 Haushalte mit insgesamt 394 Personen. Vgl. Ebert, Jochen, Rogmann, Ingrid, Wiedersich Peter: Dorf – Herrschaft – Kirche, in: Schwebda – ein Adelsdorf im 17. und 18. Jahrhundert. Mit einem Beitrag zu Herrschaft und Dorf Völkershausen, hg. von Jochen Ebert, Ingrid Rogmann, Peter Wiedersich und Heide Wunder, Kassel 2006 (Hessische Forschungen zur ge-schichtlichen Landes-und Volkskunde, 46), S. 21-167, hier S. 77.

[168]       Vgl. Stieglitz, Annette von: Hof und Hofgesellschaft der Residenz Kassel in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: Kassel im 18. Jahrhundert. Residenz und Stadt, hg. von Heide Wunder, Christina Vanja und Karl-Hermann Wegner, Kassel 2000, S. 321-349, hier S. 324ff.

[169]       Vgl.: Wir Wilhelm von Gottes Gnaden. Die Lebenserinnerungen Kurfürst Wilhelms I. von Hessen 1743-1821, hg. von Rainer von Hessen, Frankfurt am Main u.a. 1996, S. 245.

[170]       1764 – vier Jahre nach Regierungsantritt Landgraf Friedrichs II. (1720-85) – gehörten dem Hofstaat 320 Personen an. Vgl. Both, Wolf von, Vogel, Hans: Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel. Ein Fürst der Zopfzeit, München u.a. 1973 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck, 27/2), S. 132. Bis Ende seiner Regierungszeit im Jahr 1785 war die Zahl auf ca. 480 Hofangehörige angestiegen. Sein Nachfolger Landgraf Wilhelm IX. entließ nach seinem Regierungsantritt einen Großteil des Hofpersonals und reorganisierte die Hofverwaltung, so daß 1787 nur noch knapp 275 Personen am Hof in Lohn und Brot standen. Vgl. Stieglitz, Hof  (wie Anm. 2) S. 324ff.

[171]       Hochfürstlich-Hessen-Casselscher Staats- und Adress-Calender, Kassel 1796, S. 1-11.

[172]       Die Besoldung des Hofpersonals bestand zumeist aus einem festen Geldbetrag, freier Unterkunft, Dienstkleidung, Naturalien und Verpflegung. Die Höhe und Zusammenstellung der Besoldung richtete sich nach der Stellung. 1779 etwa erhielt der Oberhofmarchall jährlich 3.000 Reichstaler, der Küchenmeister hingegen 600 Reichstaler. Vgl. Both, Vogel, Landgraf (wie Anm. 4) S. 263. Zum Besoldungssystem vgl. auch Brakensiek, Stefan: Fürstendiener – Staatsbeamte – Bürger. Amtsführung und Lebenswelt der Ortsbeamten in niederhessischen Kleinstädten (1750-1830), Göttingen 1999, S. 159-175.

[173]       Danziger, Marlies K., Reuter, Hans-Joachim: Ein Schotte in Kassel im Jahre 1764. James Boswell bei Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel, hg. von Karl-Hermann Wegner, Kassel 1999 (Quellen und Perspektiven zur Entwicklung Kassels, 5), S. 26.

[174]       Vgl. für das 16. Jahrhundert: Der Ökonomische Staat Landgraf Wilhelms IV. Nach den Handschriften bearb. von Ludwig Zimmermann, Marburg 1934 (Veröffentlichungen der historischen Kommission für Hessen, 17/2), S. 182f.

[175]       In der Hofordnung Landgraf Friedrichs II. von 1762 wurde ausdrücklich zwischen der fürstlichen Tafel sowie den übrigen Tafeln unterschieden. Zu letzteren gehörte die Marschallstafel sowie die verschiedenen Be-dienstetentische. Ausdrücklich erwähnt wurde der Kammerdiener- und der Pagentisch. Der Zugang zu den ver-schiedenen Tischen war durch Stand und Rang geregelt. Nach Paragraph XIV der Hofordnung sollten sich alle Hofbediensteten mit der ihnen zugewiesenen Tafel und den an ihr servierten Speisen bescheiden; Paragraph XIX forderte, keiner der Bediensteten solle das ihm vorgesetzte Essen verachten, Hof-Ordnung vom 11ten May 1762, in: Sammlung Fürstlich Hessischer Landes-Ordnungen und Ausschreiben, Sechster Theil, Kassel 1785, S. 46-51.

[176]     Unter den landgräflichen Domänen befanden sich keine Weingüter. Zwar wurde in Hessen-Kassel Wein angebaut, die Qualität reichte jedoch wegen des rauhen Klimas nur zur Herstellung einfacher Landweine. Der Wein für den Hof wurde aus dem Elsaß und aus Baden, vor allem aber aus dem Rheingau bezogen. Der Ankauf erfolgte über den Hofkellermeister zu Hanau und die dortige Rentkammer. Die Kasseler Hofkellerei erwarb aber auch Weine von ortsansässigen Händlern (z.B. dem Kasseler Weinhändler Karl Fehr) und von Privatpersonen. 1798 bspw. bot die verwitwete Finanzrätin Reinuck ihren Vorrat ausgesuchter alter Weine (aus den Jahren 1766-80) dem Hofmarschallamt zum Kauf an, Hessisches Staatsarchiv Marburg (im Folgenden abgekürzt HStAM), Best. 5, Nr. 12299.

[177]     Vgl. Westermann, Ekkehard: Zur künftigen Erforschung der Frankfurter Messen des 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Ein Wegweiser zu ungenutzten Quellen, in: Wirtschaftskräfte und Wirtschaftswege. Festschrift für Hermann Kellenbenz, hg. von Jürgen Schneider in Verb. mit dem Vorstand der Gesellschaft für Sozial- und Wirtschaftgeschichte, 5 Bde., Stuttgart 1978-1981 (Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte, 4-8), hier Bd. 3: Auf dem Weg zur Industrialisierung, Stuttgaft 1978, S. 245-270. Becker, Horst: Messeeinkäufe für die Hofhaltung des hessischen Landgrafen Moritz, in: Brücke zwischen den Völkern – Zur Geschichte der Frankfurter Messe. Bd. 2: Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Messe, hg. von Patricia Stahl, Frankfurt am Main 1991, S. 328-339.

[178]     HStAM, Best. 5, Nr. 12365.

[179]     Vgl. Both, Vogel, Landgraf (wie Anm. 4) S. 94.

[180]     In Wolfenbüttel etwa entfiel 1750/51 ungefähr ein Drittel der gesamten Hofausgaben auf die Hofküche. Vgl. Bauer, Volker: Hofökonomie. Der Diskurs über den Fürstenhof in Zeremonialwissenschaft, Haus-väterliteratur und Kameralismus, Wien u.a. 1997 (Frühneuzeitstudien. NF 1), S. 66, Anm. 116.

[181]     Vgl. Der Ökonomische Staat (wie Anm. 8) S. 130-136.

[182]     Vgl. Schultze, J.: Rindereinfuhr in den deutschen Territorien, insbesondere in Hessen im 16. und 17. Jahrhundert, in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik 3 (1914) S. 614-625. Westermann, Ekkehard: Register von Ochsen- und Schweinekauf des Kasseler und Marburger Hofes in Dänemark, Hannover, Greven, Lipling, Buttstädt, Zerbst und Berlin von 1508-1618, in: Scripta Mercaturae 1/2 (1973) S. 53-86.

[183]     Veit Ludwig von Seckendorff, Hrn. Veit Ludwig von Seckendorff Teutscher Fürsten-Staat, samt des sel. Herrn Autoris Zugabe sonderbarer und wichtiger Materien. Vor itzo aber mit Fleiss verbessert, u. mit [...] Anm. [...] Kupffern, Summarien u. Reg. versehen, 12. Aufl., Jena 1754, S. 194 und 380f.

[184]     Vgl. Schulz, Hermann: Das System und die Prinzipien der Einkünfte im werdenden Staat der Neuzeit, dargestellt anhand der kameralwissenschaftlichen Literatur (1600-1835), Berlin 1982 (Schriften zum Öffentlichen Recht, 421), S. 191f. Bauer, Hofökonomie (wie Anm. 14) S. 48.

[185]     Vgl. Bauer, Hofökonomie (wie Anm. 14) S. 186.

[186]     Vgl. Ebert, Jochen: Art. „Domäne“, in: Enzyklopädie der Neuzeit II (im Druck). Umfangreicher Domä-nenbesitz existierte bspw. in Preußen, Mecklenburg, Sachsen, Württemberg und Lippe. Vgl. Linde, Roland, Nicolas, Rügge, Stiewe, Heinrich: Adelsgüter und Domänen in Lippe. Anmerkungen zu einem brachliegenden Forschungsfeld, in: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde 73 (2004) S. 13-107.

[187]     Vgl. Ebert, Jochen: Domänenstaat und Vorwerkswirtschaft. Das hessische Kabinettgut Frankenhausen 1713-1866, Diss. Univ. Kassel (in Vorbereitung).

[188]     Vgl. Westermann, Register (wie Anm. 16).

[189]     Ein Tagelöhner verdiente Ende des 18. Jahrhunderts in der Woche etwa einen Reichstaler. Erhielt er Ver-pflegung halbierte sich der Betrag, HStAM, Best. 49d, Hofgeismar Nr. 21 Calden.

[190]     HStAM, Best. 5, Nr. 12359.

[191]     Ebd. Der Herr Hofmetzger Eberhard Sänger und die Jungfrau Martha Elisabeth Engelhard hatten in der letzten Juni-Woche 1778 geheiratet, Casselische Policey- und Commercien-Zeitung (im Folgenden abgekürzt PCZ) Nr. 27 (1778). Im März 1810 heiratete die Witwe erneut. Der Bräutigam war der Kasseler Bürger, Witwer und Metzgermeister Martin Schröter, PCZ Nr. 36 (1810).

[192]     Feines Weizenmehl wurde zur Herstellung von Kuchen, Brötchen und Weißbrot verwendet. Weißbrot war eine ausgesprochene Herrenspeise, da Brot umso teurer war, je feiner und weißer es war. Vgl. Dirlmeier, Ulf, Fouquet, Gerhard: Ernährung und Konsumgewohnheiten im spätmittelalterlichen Deutschland, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 44 (1993) S. 504-526, hier S. 520.

[193]     HStAM, Best. 5, Nr. 12364.

[194]     Der Schwiegersohn hieß Jean Friedrich Du Buisson.

[195]     HStAM, Best. 40c, Nr. 343. Vgl. Gold, Hans, Koch, Georg: Mühlen im Lossetal, in: Mitteilungen des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 33 (1997) S. 18-34, hier S. 29.

[196]     Du Boisson legte gegen die Anordnung Beschwerde beim Hofmarschallamt ein, da die Bauren sowohl als Pächter in ihren Häussern […] ihre Waaren […] bekanntlich viel theurer, als auf dem Markte, wo schon die größere Concurrenz rechtfeilere Preise schaft verkauften und die Pächter überdas zur jetzigen Herbstzeit, da bekanntermasen die Früchte am wohlfeilsten sind, noch gar nicht verkaufen, sondern für spätere Jahrszeiten theurere Preise erwarten, HStAM, Best. 5, Nr. 12364.

[197]     Lieferungen an das Generalfruchtmagazin hatten insbesondere die Pächter der herrschaftlichen Kabinett-güter sowie die Pächter der Kammergüter in Residenznähe zu leisten. Die Pächter der weiter von Kassel entfernt gelegenen Domänen lieferten die in natura zu leistenden Pachtbestandteile (Getreide, Vieh, Eier etc.) an die lokalen Rentereien, die die Naturalien entweder verkauften oder an die Residenz bzw. eines der landgräflichen Schlösser weiterleiteten.

[198]     HStAM, Best. 5, Nr. 3258.

[199]     HStAM, Best. 5, Nr. 13454.

[200]     Bei dem Geflügel handelte es sich um Truthähne, Gänse und Enten.

[201]     Die Hühnerstopperei lag unterhalb des Weinbergs an der Frankfurter Straße. Ursprünglich befand sich die Meierei direkt neben dem Schloß, mußte jedoch 1585 dem Renthof weichen, wurde in die Moritzaue verlegt und hieß seit dieser Zeit Neue Meierei. Eine erneute Verlegung erfolgte zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als Landgraf Karl (1654-1730) die Moritzaue zum Landschaftspark umgestalten ließ.

[202]     HStAM, Best. 5, Nr. 16227.

[203]     Im Februar 1789 heiratete in der Oberneustädter Gemeinde der Verwalter Josias Wilhelm Frautschy die Jungfrau Marie Christiane Elisabeth Geiersbach, PCZ 10 (1789). In der Woche vom 5.-11. Oktober 1791 verstarb der Herr Josias Wilhelm Frautschy, Conductor der herrschaftlichen Meyerey, alt 64 J. 7 M., PCZ 42 (1791).

[204]     Die Teiche hatten eine Fläche von zusammen 761 Acker (= 181,6 Hektar), Vgl. Der Ökonomische Staat, (wie Anm. 8) S. 115ff.

[205]     Schultze, Johannes: Blüte und Niedergang der landesherrlichen Teichwirtschaft in der ehemaligen Land-grafschaft Hessen, in: Archiv für Fischereigeschichte. Darstellungen und Quellen 2 (1914) S. 1-92, hier S. 49f.

[206]     Vgl. Ebd., S. 25.

[207]     Zum Fischkonsum des Hofs vgl. ebd., S. 10, Anm. 2 und S. 32.

[208]     Bereits im 16. Jahrhundert hatte Landgraf Philipp das Gut Kressebrunnen mit alle seinen Zinsen unnd Gefallenn zur Hälfte dem Grebensteiner Hostpital verschrieben. Aus diesem Grund wurde die Verpachtung des Guts nicht durch die Kasseler Rentkammer, sondern durch den Grebensteiner Hospitalsvorsteher vorgenommen. Die weiter bestehende Verpflichtung der Pächter zur Ablieferung der Brunnenkresse belegt ein Bericht der Grebensteiner Rentmeisters Johannes Prange und Schultheißen Franciscus Schotten von 1669, in dem diese ausführen: Ist diese Frucht oder grünes Kraut, so Kreße genanntet wirt, grünet Winter und Sommer, wächst fast einer Ellen hoch, kann des Winters sowohl als des Sommers zu Salat und Köhlen gebraucht werden, wie denn der zeitige Konduktor jährlich zu Winter, Sommer aber, ehe das gute Gewächs aufkömmt, von diesem Kressen wöchentlichen zur Fürstlichen Hofhaltung nach Kassel zweimal Lieferungen machen muß, nach Keim, Heinrich: Brunnenkresse. Grebensteiner Frühjahrskur für Kasseler Hof, in: Jahrbuch Landkreis Kassel (1995) S. 150-156, hier S. 151.

[209]     Vgl. Landau, Georg: Geschichte der Rindviehzucht, in: Landwirthschaftliche Zeitschrift für Kurhessen 1 (1855) S. 165-174, hier S. 172.

[210]     HStAM, Best. 5, Nr. 8806. Landgräfin Hedwig Sophie engagierte sich auf vielfältige Weise im Bereich der Domänenpolitik. Sie legte eigene Gelder in Gütern an, vergrößerte gezielt die Zahl der landesherrlichen Kammergüter und förderte die Landwirtschaft durch umfangreiche Investitionen in den Ausbau bestehender Güter. So war sie 1653 kurzzeitig im Besitz von Schloß und Gut Amelienthal (später in Wilhelmsthal umbe-nannt); 1657 finanzierte sie den Kauf der Vogtei Rückerrode samt zugehörigem Haus und Gut; 1658 erwarb sie das Gut Fasanenhof bei Kassel, das sie zum Kammergut widmete und 1668 kaufte sie das Gut Mühlenwerth, HStAM, Best. 17 I, Nr. 516. Nachdem sie 1677 die Regierung an ihren Sohn Landgraf Karl (1654-1730) abge-treten hatte, übernahm sie als Wittum die Herrschaft Schmalkalden. Hier gründete sie das Vorwerk Hedwigshof und erwarb den Hof Asbach, vgl. Clemen, Oswald: Beitrag über einige besondere Abschnitte in der Geschichte der Stadt, der Herrschaft und des Kreises Herrschaft Schmalkalden, in: Schmalkalder Geschichtsblätter 1 (1994) S. 21-36. Allgemein zur Regentschaft Landgräfin Hedwig Sophies vgl. Bues, Almut: Der Briefwechsel der Landgräfin Hedwig Sophie von Hessen-Kassel mit ihrer Schwester Luise Charlotte, Herzogin von Kurland, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 43 (1993) S. 77-106; Puppel, Pauline: Die Regentin. Vormund-schaftliche Herrschaft in Hessen 1500-1700, Frankfurt u.a. 2004 (Geschichte und Geschlechter, 43), S. 236-277.

[211]     HStAM, Best. 40 c, Nr. 1851.

[212]     Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyclopaedie, Bd. 124, Berlin 1817, S. 90-91.

[213]     Dieses sowie die nachfolgenden Zitate soweit nicht eigens nachgewiesen HStAM, Best. 5, Nr. 11061.

[214]     Bereits 1745 gehörte Kröllwitz als Küchenmeister dem Hofstaat des Prinzen Friedrich an. Im August dieses Jahres heiratete er Jeannette Bury, PCZ Nr. 35 (1745). Deren Schwester Elisabeth hatte acht Jahre zuvor Albert Mathay, den Kammerdiener des Prinzen, geheiratet, PCZ Nr. 51 (1737).

[215]     Im Pachtbrief für die Neue Meierei vom 22. November 1763 wurde die Pflichten des Pächters Frautschy wie folgt festgelegt: §. 10. Sind Conductores schuldig, die entbehrliche und zur Anzucht nicht nöthige Kälber sämtlich zu Unserer Hofhaltung gegen Vergütung des jedesmaligen Schirn-Preises und das die Häute für das Schlechterlohn bey der Küchstube ohnentgeltlich zurückgelaßen werden, weniger nicht das Maaß süße und unverfälschte Milch für ein Albus acht Heller, das Maaß Schmand für zehn Albus acht Heller und ein Pfund gute saubere Tafelbutter für vier Albus auf Verlangen des Küch[en]schreibers zu gedachter Unserer Hofhaltung […] zu liefern, HStAM, Best. 5, Nr. 11061.

[216]     Schwarzkopf hatte in England gelernt und gearbeitet, bevor er 1766 von Landgraf Friedrich II. nach Kassel geholt und mit der Umgestaltung der barocken Parkanlage von Schloß Weißenstein in einen englischen Land-schaftsgarten beauftragt wurde. Landgraf Wilhelm IX. übernahm Schwarzkopf als Hofgärtner und ernannte ihn 1790 zum Generaldirektor der fürstlichen Gärten. Zwischen 1795 und 1806 wirkte Schwarzkopf an der Umge-staltung des Wilhelmsthaler Schlossgartens in einen Landschaftspark mit. Außerdem war er ab 1789 in die Pla-nung des Nenndorfer Parks einbezogen. Schwarzkopf zählt zu den Pionieren des englischen Landschaftsgartens in Deutschland und gilt als einer der bedeutendsten Rosenzüchter seiner Zeit.

[217]     Vgl. Hahn, Peter-Michael: Das Residenzschloss der Frühen Neuzeit. Dynastisches Moment und Instrument fürstlicher Herrschaft, in: Das Gehäuse der Macht. Der Raum der Herrschaft im interkulturellen Vergleich Antike, Mittelalter, Frühe Neuzeit, hg. von Werner Paravicini, Kiel 2005 (Mitteilungen der Residenzen-Kommission. Sonderheft 7), S. 56-74, hier S. 12.

[218]     HStAM, Best. 5, Nr. 11061.

[219]     Ebd.

[220]     HStAM, Best. 5, Nr. 12327.

[221]     HStAM, Best. 40a, Rubr. 13, Nr. 478. In der Quelle werden allerdings keine Angaben über den Umfang der Butterlieferungen an den Hof gemacht.

[222]     Der aus dem hessischen Dorf Ulfen stammende Tier- und Landschaftsmaler Johann Georg Pforr war einige Jahre in seinem Geburtsort als Pächter des dortigen landesherrlichen Vorwerks tätig, bevor er 1777 ein Studium an der Kasseler Malerakademie aufnahm. Vgl. Schmaling, Paul: Künstlerlexikon Hessen-Kassel 1777-2000. Mit den Malerkolonien Willingshausen und Kleinsassen, Kassel 2001, S. 442.

[223]     Vgl. Modrow, Bernd: Dorfanlagen in den Parks. Das chinesische Dorf Mulang in Wilhelmshöhe und das Fürstenlager als ferme ornée, in: Fürstliches Vergnügen. 400 Jahre Gartenkunst in Hessen, Regensburg 2002, S. 64-68.

[224]     Vgl. Szymczyk-Eggert, Elisabeth: Die Dörfle-Mode in den Gärten des ausgehenden 18. Jahrhunderts, in: Die Gartenkunst 8 (1996) S. 59-74.

[225]     Gröschel, Claudia: Das Fürstenlager in Auerbach an der Bergstraße. Vom Kurpark zur Meierei, in: Die Gartenkunst 10 (1998) S. 75-86.

[226]     HStAM, Best. 5 Nr. 3258.

[227]     Schäfer, Wolfram: Von „Kammermohren“, „Mohren“-Tambouren und „Ost-Indianern“, in: Hessische Blätter für Volks- und Kulturforschung 23 (1988) S. 35-79, hier S. 45.

[228]     HStAM, Best. 5, Nr. 12327.

[229]     HStAM, Best. 5, Nr. 10441.

[230]     In der Woche vom 18.11.-24.11.1801 hatte der Wilhelmshöher Hof- und Plantagengärtner Ludwig Sennholz Friederike Caroline Henriette Claus geheiratet, PCZ Nr. 49 (1801).

[231]     Vgl. die Internetseite zum Dorf Mulang www.kassel-wilhelmshoehe.de/chinesen.html [16.08.2006].

[232]     Die Versorgung des Hofs mit Bier bleibt wie viele andere Bereiche der Kasseler Hofökonomie eine offene Frage. Eine Bewerbung des Bierbrauers Kaufmann um die Bierlieferung für den Hof von 1787 läßt vermuten, daß die Versorgung ähnlich wie bei Fleisch- und Wurstwaren auf Basis fester Lieferverträge organisiert war, HStAM, Best. 5, Nr. 12297.

[233]     HStAM, Best. 5, Nr. 13266.

[234]     HStAM, Best. 40a, Rubr. 13, Nr. 478.

[235]     Vgl. Lasch, Manfred: Untersuchungen über Bevölkerung und Wirtschaft der Landgrafschaft Hessen-Kassel und der Stadt Kassel vom 30jährigen Krieg bis zum Tode Landgraf Karls 1730. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Merkantilismus, Kassel 1969 (Hessische Forschungen zur geschichtlichen Landes- und Volkskunde, 9), S. 125ff.

[236]       Die Memoiren des Ritters von Lang 1764-1835, hg. von Hans Haussherr, Stuttgart 1957, S. IX.

[237]       Keller, Katrin: Der Hof als Zentrum adliger Existenz? in: Der europäische Adel im Ancien Régime. Von der Krise der ständischen Monarchien bis zur Revolution (1600-1789), hg. von Ronald G. Asch, Köln u.a. 2001, S. 207-234, hier S. 214. Ein weiteres Beispiel zur Veranschaulichung der Größe eines Hofes bieten die hoch-stiftisch-augsburgischen Hauptresidenzen mit etwa 150 Höflingen und Dikasterialbeamten in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Vgl. Wüst, Wolfgang: Höfische Zentralität und dezentrales Ämterwesen. Die hochstiftisch-augs-burgischen Residenzen in der Frühen Neuzeit, in: Alltag bei Hofe, hg. von Werner Paravicini, Sigmaringen 1995 (Residenzenforschung, 5), S. 219-241, hier S. 224. Ein Beispiel aus dem 15. Jahrhundert zeigt, daß am Ansbacher Hof zur Zeit Kurfürst Friedrichs I. (1398-1440) etwa 200 Personen, zur Zeit seines Sohnes Albrecht bereits 300 Personen einschließlich Familienangehöriger lebten. Vgl. Seyboth, Reinhard: Reichsstadt und fürstliche Residenz. Nürnberg als Versorgungszentrum für die fränkischen Hohenzollernresidenzen im späten Mittelalter, in: Alltag bei Hofe (wie Anm. 2) S. 65-81, hier S. 67.

[238]       Als Quellengrundlage dienen hier die Hofcassabücher der oettingen-wallersteinischen Residenz. Wolfgang Wüst hat darauf aufmerksam gemacht, dass die residentielle Rechnungslegung zwar eine subjektiv-bezogene Lebenswelt in den Hintergrund treten läßt, diese Quellen aber reich an Hinweisen zu Ernährung, Konsum, Bau-strukturen, Wohn- und Arbeitsverhältnisse sind. Vgl. Wüst, Wolfgang: Alltag an einem süddeutschen Fürsten-hof. Augsburger und Dillinger Hofleben im Spiegel der Rechnungsbücher, in: Zeitschrift des Historischen Ver-eins für Schwaben 85 (1992) S. 101-132, hier S. 103.

[239]       Fürstlich Oettingen-Wallersteinisches Archiv Schloß Harburg (im Folgenden abgekürzt FÖWAH), Hof-cassabücher 1773.

[240]       Ebd.

[241]       Vergleicht man diese Gehälter beispielsweise mit Gehältern der Hofangestellten des Hochstifts Augsburgs, so waren die Besoldungen der oettingen-wallersteinischen Hofräte durchaus großzügig: der Hochstiftische Hof-marschall, Geheime Rat und Obristwachtmeister Graf Wenzelaus von Leiningen-Daxberg und Guntersblum erhielt ein Jahresgehalt von 1600 Gulden, der Sonthofer Pfleger Ferdinand Freiherr von Duminique erhielt 2000 Gulden und der örtliche Landschreiber Michael Lueger 1487 Gulden. Vgl. Wüst, Höfische Zentralität (wie Anm. 2) S. 238.

[242]       Bauer, Volker: Hofökonomie. Der Diskurs über den Fürstenhof in Zeremonialwissenschaft, Hausväter-literatur und Kameralismus, Wien u.a. 1997, S. 173.

[243]       Die Ausgaben für Wein betrugen im Jahr 1773 also etwa ein Drittel der Ausgaben für Nahrung. Dieser Betrag erscheint sehr hoch, wirkt aber im Vergleich mit einer anderen süddeutschen Residenz im 18. Jahr-hundert beinahe bescheiden: Die Jahresausgaben 1767/68 für die Hofkellerei am Dillinger Hof während der Regierungszeit von Fürstbischof Joseph von Hessen-Darmstadt betrugen 11 233 Gulden, also beinahe doppelt soviel; wobei natürlich die unterschiedlichen Größen der Residenzen berücksichtigen muß, der Dillinger Hof umfaßte ca. 150 Personen. Vgl. Wüst, Alltag an einem süddeutschen Fürstenhof (wie Anm. 3) S. 111 und 104.

[244]       FÖWAH Hofcassabücher 1773.

[245]     Ebd.

[246]     Ebd.

[247]     Ebd.

[248]     Bauer, Hofökonomie (wie Anm. 8) S. 46f.

[249]     Alltag bei Hofe (wie Anm. 2) S. 11.

[250]     Klink, Barbara: Im Ehstand lebt man froh und fein … Adlige Haushaltsführung des Freiherrn Sebastian Joseph von Pemler von Hurlach und Leutstetten (1718-1772) im Hochzeitsjahr 1763, in: Adel und Zahl. Studien zum adligen Rechnen und haushalten in Spätmittelalter und früher Neuzeit, hg. von Harm von Seggern und Gerhard Fouquet, Ubstadt Weiher 2001 (Pforzheimer Gespräche zur Sozial-, Wirtschafts- und Stadtgeschichte, 1), S. 269-288, hier S. 270.

[251] Diese exotischen Gewürze und Importprodukte waren im 18. Jahrhundert durchaus üblich. Bereits im 15. Jahrhundert wurden Speisen am Ansbacher Hof beispielsweise mit Gewürzen wie Safran, Zimt, Ingwer und Muskat verfeinert. Vgl. Seyboth, Reichsstadt und fürstliche Residenz (wie Anm. 2)  S. 72.

[252]     FÖWAH VIII, 14-1c/46.

[253]     FÖWAH VIII, 14-1c/46. Diese Menüpläne zeugen von einer außerordentlichen Bandbreite an Fleisch-, Wild- und Fischarten sowie raffinierten Beilagen und Zubereitungen. Zieht man noch einmal das Beispiel des Augsburger und Dillinger fürstbischöflichen Hofs im 18. Jahrhundert heran, so bestätigt sich diese These, da dort vor allem mittags neben Suppe und Voressen Rindfleisch und Gemüse serviert wurde, abends vorrangig Braten und Wild, Gemüse, Kraut und Rüben verzehrt wurden. Wüst, Alltag an einem süddeutschen Fürstenhof (wie Anm. 3) S. 114.

[254]     FÖWAH VIII, 14-1c/48.

[255]     Die Oettingen-Wallersteinische Bibliothek lagert heute in der Universitätsbibliothek Augsburg.

[256]     Der bessere Bürger. Schaubühne und Drama 1750-1800 im Spiegel der Oettingen-Wallersteinischen Bibliothek. Katalog zur Ausstellung des Lehrstuhls für Neuere Deutsche Literaturwissenschft und der Universitätsbibliothek Augsburg, 9. Juli-29. Augsburg 1992, hg. von Helmut Koopmann und Rudolf Frankenberger, Augsburg 1992, S. 9.

[257]     FÖWAH VIII, 14. 2b-1/56

[258]     Der Mannheimer Buchhändler Fontaine war einer der bedeutendsten Buchhändler, der die Literatur der Aufklärung vertrieb.

[259]     FÖWAH VIII, 14. 2b-1/56.

[260]     Zu den Reformen zählten unter anderem die Einführung einer Feuerschutzversicherung oder neuer Futterkräuter wie Klee. Vgl. Volckamer, Volker von: „Als hohen Gönner und Kenner der Tonkunst ...“ Fürst Kraft Ernst zu Oett. Wallerstein zum 200. Todestag. Vortrag im Schloß zu Wallerstein am 10. Mai 2002 im Rahmen der 3. Rosetti-Festtage im Ries, und Ders.: Bauen auf dem Lande vor 200 Jahren, in: Rieser Kulturtage, Bd. 4, 1982, Nördlingen 1983, S. 353.

[261]     FÖWAH VIII, 14. 2b-1/56.

[262]     Pleticha, Eva: Adel und Buch. Studien zur Geisteswelt des fränkischen Adels am Beispiel seiner Biblio-theken vom 15. bis zum 18. Jahrhundert, Neustadt a.d. Aisch 1983, S. 14 und 100ff.

[263]     Ebd., S. 100.

[264]     FÖWAH VIII, 14. 2b-1/56.

[265]     Ebd.

[266]     Ebd.

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