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Mitteilungen der Residenzen-Kommission
der
Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

 

 

Jahrgang 6 (1996) Nr. 1

 

 
 

 

Residenzen-Kommission
Arbeitsstelle Kiel

 

 

 

ISSN 0941-0937
 
Herstellung:
Vervielfältigungsstelle
der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
 
Titelvignette:
"Schloß Heiligenberg mit Blick auf das Bodenseeoberland". Abbildung entnommen aus: Schlösser vom Main zum Bodensee. Eine Reise zu alten badischen Herrensitzen, Karlsruhe 1962, S. 114 (siehe hierzu den Text ebd., S. 37).
 


Inhalt

 
Vorwort S. 5

Höfe und Hofordnungen (1200-1500)
Programm des 5. Symposiums der Residenzenkommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Sigmaringen, 5.-8. Oktober 1996 S. 7

Aus der Arbeit der Kommission S. 10

Die Arbeit der anderen S. 13

Werner Paravicini, Paris, Society for Court Studies, London S. 13

Beatrix Bastl, Wiener Neustadt, Drei Wiener Projekte:

1. Domina ac mulier. Quellenstudien zur Geschichte der
adeligen Frau in den Ländern der ehemaligen Habsburger-
monarchie S. 14

2. Briefe adeliger Frauen. Beziehungen und Bezugssysteme S. 17

3. Der Wiener Hof als sozialer, realer und symbolischer Raum von Maximilian II. bis Karl VI. S. 19
 

Peter-Michael Hahn, Potsdam, Nichtkurfürstliche Residenzlandschaften im Obersächsischen Reichskreis S. 21
                Annie Renoux, Le Mans, Groupe de travail sur le vocabulaire
                palatial (Ve-XVe siècle) S. 24 Michaela Sleegers, Marburg, Das Innenraumportal im Kontext
höfischer Repräsentation im 16. und 17. Jahrhundert in Deutschland S. 27

Andreas Sohn, Unna, Von der Residenz zur Hauptstadt. Paris im
hohen Mittelalter S. 28

Kolloquiumsberichte S. 30 "Castella Maris Baltici 3", Symposium, Malbork (Marienburg), 2.-8. September 1995, von Christine Kratzke, Kiel S. 30

"Fremdheit und Reisen im Mittelalter", Interdisziplinäre Tagung, Mittelalterzentrum Greifswald, 24.-25. November 1995, von Detlev Kraack, Berlin S. 36

"Les princes et l'histoire", Internationales Kolloquium, Paris/Versailles, 13.-16. März 1996, von Jürgen Voss, Paris S. 39

"The World of the Favourite 1550-1700", Internationales Symposium, Magdalen College, Oxford, 29.-31. März 1996, von Ronald G. Asch, Münster S. 42

Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen S. 47

Buchvorstellungen S. 54

Birgit Franke und Barbara Welzel (Hgg.), Einführung
in die Kunstgeschichte der burgundischen Niederlande,
Projektbeschreibung der Herausgeberinnen S. 54

Uwe Albrecht: Der Adelssitz im Mittelalter. Studien zum
Verhältnis von Architektur und Lebensform in Nord- und West-
europa, München; Berlin 1995, von Detlev Kraack, Berlin S. 56

Burgen und Schlösser in Deutschland. Hrsg. von Klaus Merten
unter Mitarbeit von Uwe Albrecht, Hans-Joachim Giersberg,
Irene Markowitz, Michael Petzet. Aufnahmen Paolo Marton.
München 1996, von Werner Paravicini, Paris S. 61

Neuerscheinungen S. 65

Die Arbeitsstelle Kiel S. 74

 


Wenn Sie den Mitteilungen einen Text zusenden wollen (bitte, tun Sie es: nächster Redaktionsschluß ist der 1. Oktober 1996), dann schicken Sie ihn bitte an mich über die Redaktion in Kiel oder direkt nach Paris. Die jeweiligen Adressen sind, wie stets, auf der letzten Seite angegeben.

W.P.


Vorwort

Pro domo
Es gibt Erfreuliches zu berichten, aber auch Unerfreuliches.

Das Erfreuliche zuerst: zwei weitere Bände unserer Reihe "Residenzenforschung" sind druckfertig ("Zeremoniell und Raum"; Scholz über Halle), nachdem gerade "Alltag bei Hofe", auf dem Umschlag die herzogliche Küche zu Dijon zeigend, erschienen war. Die Vorbereitungen für unser nächstes Symposium sind abgeschlossen, ein Symposium, das allein des schönen Rahmens wegen und der tatkräftigen Hilfe vor Ort eine besonders angenehme Erfahrung zu werden verspricht, vom weltweit erstmals behandelten Thema ganz zu schweigen.

Nun das Unerfreuliche. Weniger fällt ins Gewicht, daß wir zehn Jahre bereits tätig sein können, ohne daß es uns (oder mir) gelungen wäre, unsere Existenz in London bekannt zu machen (s. unten S. 13). Schwerer wiegt schon, daß zehn Jahre ansehnlichen Wirkens auch nicht gereicht haben, unsere Arbeit auf eine solide Finanzgrundlage zu stellen: Wenn die ständige Arbeitsstelle nicht bald eingerichtet wird, können wir im europäischen Forschungskonzert nicht mehr mithalten (s. unten S. 11f.). Besonders betrüblich aber ist, daß der 1. Band unserer Europäischen Reiseberichte des späten Mittelalters, Deutschland betreffend, vernichtend rezensiert worden ist, von Kristian Bosselmann-Cyran, Würzburg, nicht an prominenter, so doch an sichtbarer Stelle, im Mitteilungsblatt des Mediävistenverbands 12 (1995) Nr. 2, S. 29-35. "Nicht zu gebrauchen" lautet das Urteil. Worauf gründet es sich? Auf eine Analyse der Angaben zu den Frühdrucken des Reiseberichts des Bernhard von Breydenbach (Nr. 87) und auf die vorgebliche Benutzungsweise des von Huschenbett/Margetts veröffentlichten Sammelbandes "Reisen und Welterfahrung". Ja, mit den Inkunabeln hatten wir unsere Probleme, und es wurden dabei zahlreiche Fehler gemacht. Ja, der Bearbeiter hat stellenweise des Guten zu viel getan und mehr angeführt, als nach strengen Maßstäben vielleicht anzuführen notwendig gewesen wäre. Aber reicht das, um das Ganze (154 Nummern) in Bausch und Bogen zu verwerfen, kein Wort von den beigefügten Itineraren zu sagen und dem Herausgeber auch noch sein Vorwort um die Ohren zu schlagen? Was da steht? "Um den Preis der Unvollkommenheit wurde diese Bibliographie denn auch fertig", und: "Mögen Rezensenten ihr Feder spitzen: Wem es um die Sache geht, der wird dankbar für die hier geleistete Arbeit sein und, hoffentlich, seine Addenda & Corrigenda mit bruderschaftlichem Gruß nach Paris oder Kiel senden". Genauso ist es, und weil ich engstirnige Reaktionen ahnte, habe ich diese Sätze geschrieben. Andere handelten in der Tat "bruderschaftlich", eben weil es ihnen um die Sache ging. Arnold Esch, nicht unkritisch, nur gerecht, spricht denn auch von einem "äußerst begrüßenswerten Hilfsmittel". Band 1 wird übrigens demnächst ausverkauft sein und in die zweite Auflage gehen. Wir werden uns mit den künftigen Bänden noch mehr Mühe geben, nun auch eher weglassen, was zwar nicht vollständig und fehlerlos, doch anzugeben immerhin nützlich gewesen wäre, ansonsten uns aber nicht entmutigen lassen. Wer Perfektion fordert, zerstört Werke und Menschen. Selbstkritisch schrieb Hermann Heimpel neben Luthers Erklärung zum Gebot gegen falsches Zeugnis: "Scharfe Rezensionen zum eigenen Ruhm".

Werner Paravicini, Paris


Höfe und Hofordnungen (1200-1600), 5. Symposium der Residenzenkommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem
Deutschen Historischen Institut Paris und dem Staatsarchiv Sigmaringen
Staatsarchiv Sigmaringen, Karlstraße 1+3, D-72482 Sigmaringen
5.-8. Oktober 1996

Die wissenschaftlichen Vorbereitungen sind ganz, die technischen Planungen weitgehend abgeschlossen. Anmeldung zur (hoffentlich nicht durchaus) passiven Teilnahme sind weiterhin möglich. Eine besondere Freude sind mir: die starke Beteiligung der Kommissionsmitglieder, die Exkursion, die Generosität des Thorbecke-Verlags und das Protektorat des Hauses Hohenzollern-Sigmaringen, das uns die Portugiesische Galerie des Schlosses für den Abendvortrag und den Empfang zur Verfügung stellt. Hier das detaillierte Programm.

Werner Paravicini, Paris

 

Samstag, 5. Oktober 1996
18.00 H. Boockmann (Göttingen), Vom Fels zum Meer. Die süddeutschen und die norddeutschen Hohenzollern im 19. Jahrhundert. Öffentlicher Vortrag in der Portugiesischen Galerie des Schlosses Sigmaringen. Anschließend Empfang durch den Thorbecke-Verlag.
Sonntag, 6. Oktober 1996
9.00 Stadt- und Schloßführung bzw. Gelegenheit zum Besuch eines Gottesdienstes.

12.30 Mittagspause

14.00 Exkursion nach Burg Wildenstein, Schloß Meßkirch, Schloß Heiligenberg.

 
Montag, 7. Oktober 1996

9.00 1. Sitzung: Die Quellen, die Problematik

V. Trugenberger/W. Paravicini, Begrüßung u. Einleitung.

Th. Zotz (Freiburg i. Br.), Hof und Hofordnung vor der Zeit der Verschriftlichung.

P. Moraw (Gießen), Hofordnungen und Landesordnungen.

V. Honemann (Münster), Hof und Hofordnung in der didaktischen und der biographischen Literatur.

Diskussion

10.45 Kaffeepause

11.15 2. Sitzung: Vorbilder: Mallorca, Frankreich

G. Kerscher (Frankfurt a. M.), Die Strukturierung des mallorquinischen Hofes um 1330 und der Habitus der Hofgesellschaft.

E. Lalou (Paris), Les derniers capétiens.

Diskussion

12.30 Mittagspause

14.30 3. Sitzung: Vorbilder: England und die Niederlande

M. Vale (Oxford), Household organisation in England, Northern France and the Low Countries, 1270-1384: some general observations.

F. Lachaud (Paris), Ordre et désordre de la cour: la réglémentation de l'hôtel des rois d'Angleterre au XIIe et XIIIe siècles.

A. Reitemeier (Göttingen), Die englische Hofordnung um 1400: eine Ordnung nach Wissen ?

Diskussion

16.45 Kaffeepause

17.15 4. Sitzung: Vorbilder: Die Herzöge von Burgund

H. Kruse (Paris), Die Hofordnungen Herzog Philipps des Guten von Burgund.

J. Paviot (Paris), Ordonnances de l'Hôtel et Cérémonial de Cour aux XVe et XVIe siècles, d'après l'exemple bourguignon.

K. De Jonge (Leuven), Adlige und herzogliche Residenzen in den südlichen Niederlanden zur Burgunderzeit. Hofordnungen als Quelle der Residenzenforschung ?

Diskussion

Dienstag, 8. Oktober 1996

 
9.00 5. Sitzung: Die Habsburger

P.J. Heinig (Mainz), Theorie und Praxis der höfischen "Ordnung" unter Friedrich III. und Maximilian I.

Chr. Thomas (Wien), Auf dem Weg zur Internationalisierung: Der Hofstaat Kaiser Ferdinands I.

M.A. Bojcov (Moskau), Sitten und Verhaltensnormen am Innsbrucker Hof des 15. Jahrhunderts im Spiegel der Hofordnungen.

Diskussion

10.45 Kaffeepause

11.15 6. Sitzung: Die geistlichen Kurfürsten

W. G. Rödel (Mainz), Kurmainz: Residenzen und Hofordnungen.

K. Militzer (Köln), Die kurkölnischen Hofordnungen und die Ausformung Brühls zu einer Residenz.

D. Kerber (Koblenz), Der kurtrierische Hof.

Diskussion

13.00 Mittagspause

15.00 7. Sitzung: Weltliche Kurfürsten/Deutsche Fürsten

H. Boockmann (Göttingen), Hof und Hofordnung im Briefwechsel des Albrecht Achilles von Brandenburg.

R. Butz (Dresden), Die Stellung der wettinischen Hofräte nach Ausweis der Hofordnungen des ausgehenden Mittelalters.

W. Störmer (München), Hof und Hofordnung in Bayern-München (15. und frühes 16. Jahrhundert).

Diskussion

16.45 Kaffeepause

17.15 8. Sitzung: Deutsche Fürsten

K. Flink (Kleve), Von der Kostliste bis zur Regimentsordnung. Klevische Haus- und Hofordinantien des 15. Jahrhunderts.

B. Kasten (Königstein), Überlegungen zu den "jülichschen Hofordnungen" des ausgehenden 15. und des 16. Jahrhunderts.

E. Widder (Münster), Die Hofordnungen des niedersächsischen Reichskreises.

Diskussion und Schlußwort (P. Moraw, Gießen)



 

Aus der Arbeit der Kommission

 

1. Symposien

1.1. "Höfe und Hofordnungen (1200-1600)", Sigmaringen 1996.

Siehe oben S. 7-9.

1.2 "Das Frauenzimmer (1200-1600)", 1998.

Celle gilt weiterhin als interessanter Tagungsort und es herrscht weiter reges Interesse. Die nähere Planung wird mit dem Ende des Sigmaringer Kolloquiums beginnen, also gegen Ende 1996. Anregungen und Anmeldungen sind jetzt schon willkommen.

2. Reihe "Residenzenforschung"

2.1. Das Symposium "Alltag bei Hofe" von 1992 ist als Bd. 5 der Reihe "Residenzenforschung" im Umfang von 274 S. erschienen und ausgeliefert.

2.2. Die Akten des Symposiums "Zeremoniell und Raum" von 1994 sind kalkuliert, die Kalkulation liegt dem Verlagsausschuß der Akademie zur Stellungnahme vor.

2.3. Das Ms. von Dr. M. Scholz, "Residenz, Hof und Verwaltung der Erzbischöfe von Magdeburg in Halle in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts", ist kalkuliert, die Kalkulation liegt ebenfalls dem Verlagsauschuß der Akademie zur Stellungnahme vor.

2.4. Das Ms. von Dr. M. Mersiowsky (Münster), "Die Anfänge der landesherrlichen Rechnungslegung im norddeutschen Raum", ist weiterhin in Bearbeitung.

2.5. Für das Ms. von Dr. J. Kolb (Kiel), "Heidelberg. Die Entstehung einer landesherrlichen Residenz im 14. Jahrhundert", gilt dasselbe.

2.6. Frau Dr. L. Châtelet-Lange (Mundolsheim/Elsaß) arbeitet weiter an ihrer Monographie über "Die Katharinenburg in Birlenbach (Unterelsaß), ein Schloß des Pfalzgrafen Johann Casimir von Zweibrücken".

2.7. Dasselbe gilt für das Buch von Frau Dr. B. Streich (Celle) über Amtsverwaltung und Residenz an einem sächsischen Beispiel.

3. Mitteilungen der Residenzenkommission

Heft 5/2 (83 S.) ist im Dezember 1995 erschienen, zusammen mit unserem 1. Sonderheft (104 S.), das eine erste, unsystematische Bibliographie zu Hof und Residenz im fraglichen Zeitraum bietet. Die Auflage betrug 400 Stück, steigt also weiter.

4. Projekt "Bibliographie europäischer Reiseberichte des späteren Mittelalters"

Bd. 1 (Deutschland) ist demnächst vergriffen. Eine zweite Auflage mit knappem Nachtrag wird vorbereitet. Jetzt ist es besonders sinnvoll, uns Addenda & Corrigenda hereinzureichen. Ansonsten vergleiche das Vorwort zu diesem Heft.

Bd. 2 (Niederlande), bearb. v. J. Hirschbiegel u. Verw. der Vorarbeiten von D. Kraack, hat Fortschritte gemacht, wird aber wohl erst gegen Ende 1997 im Ms. fertig. Es ist mit belgischen Kollegen Kontakt aufgenommen, die zu gegebener Zeit eine Revision vornehmen werden.

Bd. 3 (Frankreich), bearb. v. J. Wettlaufer u. Verw. der Vorarbeiten von Chr. Halm und S. Baus, ist im Fortgang begriffen und wird voraussichtlich 1998 zum Abschluß kommen. Mit französischen Kollegen wurde einer künftigen Revision wegen Kontakt aufgenommen.

5. Projekt "Hof- und Verwaltungsordnungen", hier: Niedersächsischer Reichskreis

Die Arbeiten unter Leitung von Prof. P. Johanek (Münster) sind im Gange.

6. Kontakte zu den neuen Bundesländern

Vgl. das von Prof. P.-M. Hahn (Potsdam) geleitete Projekt zu den Obersächsischen Residenzen, unten S. 21-23.

7. Internationale Initiativen auf dem Gebiet der Residenzenforschung

Hinzuweisen ist zum einen auf die Arbeiten zum Palast- und Residenzenvokabular, die Prof. Annie Renoux in Le Mans koordiniert (s. unten S. 24-26), zum anderen auf die neue "Society for Court Studies" und ihre "Newsletter" (s. unten S. 13), sowie auf weitere Aktivitäten in Versailles ("Les contours de la Cour", s. unten S. 48, und "Le Prince et l'Histoire", s. unten S. 39-41).

8. Stellensituation

8.1. Als ceterum censeo ist hier lediglich zu wiederholen, daß die Einrichtung einer hauptamtlichen Arbeitsstelle in Kiel, obwohl seit 1987 (!) laufend beantragt, nach wie vor nicht möglich ist. Daß andere Länder inzwischen unseren Vorsprung aufholen (s. oben), kann deshalb nicht verwundern.

8.2. Christian Halm, der seinen Dr. jur. vorbereitet, ist am 31. Dez. 1996 aus der Kieler Arbeitsgruppe ausgeschieden. Sein Nachfolger wurde Jörg Wettlaufer, M.A., der sich besonders den französischen Reiseberichten widmet.

9. Nächste Sitzung der Kommission

Sie findet am Sonntag, dem 6. Oktober 1996, 20 h c.t. in Sigmaringen anläßlich des dort abgehaltenen Symposiums statt.
 

Werner Paravicini, Paris


Die Arbeit der anderen

 
"Society for Court Studies"

Am 11. September 1995 wurde in London eine "Society for Court Studies" gegründet, die bereits im Januar 1996 die erste Nummer ihres gedruckten Verbindungsblatts veröffentlicht hat: "The Court Historian. Newsletter of the Society for Court Studies" (28 S.). Herausgeber ist Dr. Philip Mansel, 13 Prince of Wales Terrace, London W8 5PG, Fax: 00 44 171 7956420. Der Mitgliedsbeitrag für Briten beträgt 15 ,, für "Overseas" 20 ,, und 72 , für Studenten und junge Leute. Kontaktadresse: Dr. Simon Thurley, Curator, Historic Royal Palaces, Hampton Court Palace, Surrey KT8 9AU. Die Gesellschaft, die sich auf die ehrwürdige Society of Antiquaries und das hochangesehene Institute of Historical Research stützen kann, will das Thema von 1400 bis zur Gegenwart verfolgen und plant, neben regelmäßigen Vorträgen, die Veröffentlichung von Dokumenten aller Art, von Monographien und einer gelehrten Zeitschrift. In Vorbereitung sind vier Kolloquien: "Sovereign regalia as symbols of power" (London, Juni 1996); "Ceremony, etiquette and the disposition of space within royal palaces" (London 1996); "Chapels Royal" (London, Anfang 1997, s. unten, S. 53); "Royal Hunts" (Oxford, Jan. 1998). Der vorliegende erste Nachrichtenbrief gibt einen kurzen Forschungsrückblick (merkwürdigerweise wird weder auf die Arbeit der "Majestas"-Gruppe hingewiesen, s. MRK 3,2 (1993), S. 13f., noch auf unsere Arbeiten und Veröffentlichungen); "News from court cities", hier ein Forschungsbericht betr. Madrid con C.C. Noel; "Work in progress" (F. Persson, The Swedish court 1600-1721, und R. McLean, Monarchy and diplomacy in Europe 1900-1910); "Reviews"; "Events" (Zustand verschiedener Paläste, Versteigerungen und Käufe, Ausstellungen, Vorträge); "Publications" (Ausstellungskataloge, Bücher, Artikel); Forschungsanfragen. Der Schwerpunkt des Interesses liegt, soweit bereits erkennbar, eindeutig auf der frühen und späteren Neuzeit. Wir wünschen der Initiative Glück und Erfolg. Die ersten Kontakte sind geküpft.

Werner Paravicini, Paris
 

*****
 

Drei Wiener Projekte

Unversehens, nach der Mitteilung unseres Vorhabens, im Jahre 1998 ein Kolloquium zum Thema "Das Frauenzimmer - La Chambre des Dames" durchzuführen, meldete sich Dr. Beatrix Bastl aus Wiener Neustadt. Dadurch erfuhren wir von einer solchen Dichte von Wiener Forschungsvorhaben um das Thema Hof und insbesondere um die Frau bei Hofe und in der aristokratischen Gesellschaft, daß ich um nähere Beschreibung bat. Sie folgt hiernach in schönem Dreiklang und macht deutlich, daß nicht nur das Thema des Hofes nunmehr die ihm gebührende Aufmerksamkeit erhält (was in Wien einfacher zu bewerkstelligen sein mag als anderswo), sondern auch, daß das mehr als modische Thema der Rolle der Frau in alledem ernsthaft angepackt wird. Damit umzugehen ist nicht einfach, denn mehr noch als bei der "Männergeschichte" handelt es sich um die Erkenntnis informeller Strukturen.

W.P.

1. Domina ac Mulier

Quellenstudien zur Geschichte der adeligen Frau in den Ländern der ehemaligen
Habsburgermonarchie (15. bis 18. Jahrhundert)
Abgeschlossenes Projekt von Beatrix Bastl und Gernot Heiss

Dieses vom Forschungsförderungsfond finanzierte Projekt lief in der Zeit vom 1. Februar 1992 bis Dezember 1996 unter der Leitung von Gernot Heiss (Projektmitarbeiterinnen Doris Aichholzer, Beatrix Bastl; ab Mai 1994 unter geteilter Leitung zwischen Bastl und Heiss). 1991 wurde ein Projektantrag an den FWF gestellt, der davon ausging, daß sich in zahlreichen privaten bzw. innerhalb von Stadt- und Staatsarchiven inkorporierten Adelsarchiven bisher noch unerschlossene und wenig bearbeitete Materialien zur Geschichte der adeligen Frau befinden müßten. Die Sichtung von fünfundzwanzig Familien- und Herrschaftsarchiven wurde dabei in Erwägung gezogen und im Laufe der Zeit konnte ein überreiches Angebot an Archivmaterial, wie Hochzeitsverträge, Testamente, Familienbriefe, Autobiographica und andere Biographica verschiedenster Art wie Tagebücher, Beichtzettel, Familienchroniken, Geburtenbücher usw. erhoben werden. Der Kontakt mit den privaten Familienarchivinhabern brachte es mit sich, daß ein umfangreiches unpubliziertes Bildmaterial an Familien-, Frauen- und Kinderporträts gefunden und aufgenommen werden konnte.

Zu den Quellen:

a) Eheverträge und Testamente eignen sich, bedingt durch ihren seriellen Charakter, der sich aus ihrem Bezug auf Rechtsnormen ergibt, sowie durch ihre große Zahl besonders zur computergestützten Bearbeitung. Aufgrund eines Fragenkataloges konnten ca. 500 Eheverträge erfaßt und bearbeitet werden. Auch viele biographische Daten aus den anderen im folgenden genannten Quellen zur Sozialgeschichte der adeligen Frau C d.h. ihre Lebensdaten und diejenigen zu ihrer rechtlichen wie wirtschaftlichen Lage etc. C werden eingespeichert. Dieser Vorgang soll im Frühjahr 1996 abgeschlossen sein.

Die schriftlichen Eheverträge, welche in den österreichischen Ländern der ehemaligen Habsburgermonarchie als Massenquellen zu bezeichnen sind, stellen zuallererst Quellen zur wirtschaftlichen und rechtlichen Lage der adeligen Frau dar. Hier finden sich genaue Angaben über die Höhe von Mitgift, Widerlage und Morgengabe, über die Art, wie der Ehemann diese anzulegen und zu versichern hatte und zu welcher Zeit die Frau die Zinsen ausgezahlt bekommen sollte. Diese Zinsen, die ihr alleine zustanden und über die sie testamentarisch, sofern sie kinderlos blieb, frei verfügen konnte, gaben der adeligen Frau eine beschränkte ökonomische Unabhängigkeit. Eheverträge klären für den Fall, daß keine leiblichen Kinder mehr vorhanden waren, wer nach dem Tod des Mannes oder der Frau die Vermögenswerte bekommen sollte. Damit wurden bestimmte Strukturen und Inhalte des Testaments vorweggenommen, ebenso der Umstand, daß die Braut als Gegenleistung zu diesem Ehevertrag auf all ihr väterliches und mütterliches Erbe verzichten mußte.

Ein weiterer Punkt bei diesen Verträgen war die Versorgung der adeligen Witwe, falls sie sich nicht wiederverheiraten würde. Es mußten ein Wohnsitz bestimmt und ihre Einkünfte an Geld und Naturalien festgesetzt werden. Diese Bestimmungen geben uns heute Aufschluß über Vorstellungen zur Rolle und zur gesellschaftlichen Stellung der adeligen Witwe; es sind Vorstellungen, zu denen die Rechtsstreitigkeiten wichtige Ergänzungen bringen, einerseits indem sie verdeutlichen, daß es Interessen geben konnte, welche die Rücksichtnahme auf die Wahrung des Status in den Hintergrund drängte, andererseits indem sie auch wieder zeigen, daß die adelige Frau selbst bei klarer Rechtslage durch informelle Abhängigkeiten immer wieder in die Position der Minderberechtigten kam.

Mehrere Aufsätze zu diesem Themenkomplex sind im Druck:

Beatrix Bastl, Hochzeitsrituale. Zur Sozialanthropologie von Verhaltensweisen innerhalb des Österreichischen Adels der Frühen Neuzeit (Konferenzband Wolfenbüttel "Gesellschaft und Geselligkeit im Zeitalter des Barock" 1994).

Beatrix Bastl, Zur Sozialen Identität der Adeligen Frau. Ihre Ausdrucksformen an kleinen Höfen (Konferenzband "Der Adel im Österreichisch-Ungarischen Grenzgebiet" Burg Schlaining-Linz 1995).

Beatrix Bastl und Gernot Heiss, Tafeln bei Hof. Die Hochzeitsbankette Kaiser Leopolds I. (Wiener Geschichtsblätter 1/1996).

Beatrix Bastl und Gernot Heiss, Hofdamen und Höflinge zur Zeit Kaiser Leopolds I. Zur Geschichte eines vergessenen Berufsstandes (Konferenzband "Das Leben an den Höfen des Barockadels" Krumau-Budweis/Tschechien 1995).

b) Testamente geben Auskunft über Zahl und Geschlecht der zu bedenkenden Personen bzw. über den Personenkreis, dem man sich besonders verbunden oder verpflichtet fühlte. Häufig wird in ihnen begründet, weshalb die Ehefrau Vormund der Kinder werden soll; daß dabei immer wieder (stereotyp) die besondere Liebe und Treue der Gemahlin genannt wurde, verweist auf jene Vorstellung von ehelicher Liebe, die besonders in den Familienbriefen Ausdruck fand.

Siehe dazu Beatrix Bastl, Im Angesicht des Todes. Beschwörungsformeln adeliger Kontinuität (im Druck für den Konferenzband "Der Tod des Mächtigen" Salzburg 1993, hg. von Lothar Kolmer).

c) Familienbriefe - die Briefe zwischen Eltern und Kindern, Geschwistern, Großeltern und den Ehepartnern selbst - wurden innerhalb dieses Projektes gesammelt und dokumentiert. Besonders reizvoll im Rahmen der historisch-kritischen Arbeit mit diesen Briefen ist gerade das subjektive Element, d. h. wenn in ihnen sehr unmittelbar, direkt und oft auch ausführlich zu den verschiedensten privaten und öffentlichen Ereignissen Stellung genommen wird, wenn die Briefschreiberin völlig subjektiv, wertend und emotionell über Begebenheiten berichtet, die C vielleicht nur ihr C berichtenswert erscheinen. Familienbriefe dienen als Quelle zur Geschichte des Alltags oder des unterbrochenen Alltags wie der Feste, zur Mentalitätsgeschichte, indem sie Fragen sowohl nach der Liebe in der Ehe, als auch außerhalb derselben, nach den Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, nach deren Aufzucht und Erziehung sowie Fragen der gesellschaftlich-öffentlichen Rolle der Frau beantworten helfen.

Dieser Fragenkomplex wurde als eigenes Forschungsprojekt im Sommer 1996 eingereicht und soll noch vorgestellt werden.

Siehe dazu Beatrix Bastl, "Wan Ich nur bei dier sein mecht/würden mier alle beschwerden leichter". Zur Bedeutung von Liebe und Ehe innerhalb des Österreichischen Adels der Frühen Neuzeit, in: Wolfenbüttler Barock-Nachrichten 22/1 (1995), S. 9-15.

d) Innerhalb der Gattung Geburtenbücher wurden 1500 Datensätze erfaßt, die momentan der Korrektur unterzogen werden. In diesen Geburtsbüchern, die meist von Vätern oder anderen männlichen Chronisten - eher selten von Frauen - geführt wurden, findet man zumindest Geburtstag, -stunde und -jahr des Kindes, gleichgültig ob das Kind männlichen oder weiblichen Geschlechts ist. Dazu kommen Zeit, Ort und Umstände der Taufe, wer die Patenschaft übernahm, wer den Paten/die Patin vertrat, wer zum Tauffest geladen war und wie dieses sich gestaltete. Falls das Kind jung bzw. vor dem Vater starb, dann findet sich auch das Sterbedatum. Dazu kommen astrologische Wahrnehmungen zur Geburtsstunde, manchmal auch verschiedene Umstände während der Schwangerschaft und der Geburt. Es handelt sich also um Quellen mit Informationen sowohl zur Ergänzung der Datenreihen in den Stammbäumen und Familienchroniken, als auch zur Sorge und Zuneigung um die Ehefrau und das Kind neben den Angaben zum adeligen Fest und der adeligen Repräsentation.

Dazu befindet sich ein Vortrag von Beatrix Bastl für das Institut für Archivkunde und -wesen an der Karls-Universität in Prag (1996) in Vorbereitung.

Mit der Erschließung dieses Quellenmaterials soll die Basis geschaffen werden für eine differenzierte Beurteilung und Neubeurteilung der historischen Rolle der Frau innerhalb des Wandels von der mittelalterlichen ständischen Gesellschaft bis zu den Anfängen der frühbürgerlichen Gesellschaft im 18. Jahrhundert, soweit es die adlige Frau in den Ländern der Habsburgermonarchie betrifft. Auf dieser breiten Grundlage wird zu klären sein, inwiefern und in welchen genau definierbaren Bereichen die Aristokratin von politischer (öffentlicher) Macht ausgeschlossen war, wo sie nur in Abhängigkeit vom Mann (Vater, Ehemann, Sohn) agieren konnte und inwiefern sie auch außerhalb des "Hauses" Möglichkeiten hatte, ökonomisch und politisch eigenständig zu handeln.

 

2. Briefe adeliger Frauen

Beziehungen und Bezugssysteme
Projekt von Beatrix Bastl und Gernot Heiss

Die Briefe, die im Projekt bearbeiten werden sollen, sind zum einen durch sehr persönliche, ja intime Informationen charakterisiert, andererseits haben sie rhetorische, stilistische, formale Gemeinsamkeiten und enthalten eine Fülle von Hinweisen auf gruppenspezifische Werthaltungen und Vorstellungen, die sie zu einer idealen Quelle für mentalitätengeschichtliche Fragestellungen machen. Aufgrund dieser beiden nur scheinbar widersprüchlichen Merkmale (denn Individualität schließt soziale Prägung nicht aus) wurden die reichen Bestände an Briefen (bisher nur partiell) bearbeitet.

Die im Projekt "Domina ac Mulier" (siehe oben) erhobenen Familienbriefe sollen in diesem neu eingereichten Vorhaben ausgewertet werden. Die Bedeutung dieser Briefe als historische Quelle beruht darauf, daß sie oft sehr unmittelbare Einblicke in persönliche, zwischenmenschliche Beziehungen bieten. Sie enthalten nicht nur Informationen über Fakten und Ereignisse, sondern lassen in vielen Fällen Gedanken und Gefühle der Briefpartner erkennen, zeigen ihre persönlichen Leidenschaften und Nöte und machen Motive ihres Handelns deutlich.

Von germanistischer Seite wurde diese Facette der Quellengattung Briefe zwar erkannt, aber nur dann ausgewertet, wenn ein literarischer Anspruch damit verbunden war. Die Historiker, jedenfalls nach Georg Steinhausen, haben den Brief als historische Quelle erst durch das Interesse an mentalitäten- und alltagsgeschichtlichen Fragestellungen für sich entdeckt (z. B. Matthias Beer). Im Projekt interessieren neben den Informationen über gruppenspezifische Wahrnehmungs- und Verhaltensformen, die Systeme und Ordnungsstrukturen (Hierarchien) dieser sozialen Beziehungen.

Das geplante Projekt versucht auch, eine Verbindung zwischen den bisherigen Modellen des Funktionierens der adeligen Gesellschaft (z. B. Norbert Elias) und den vorhandenen biographischen Einzeluntersuchungen und Familiengeschichten zu schaffen. Analytische Verfahren, die sozialwissenschaftlich definierte geschlechtergeschichtliche Kategoriensysteme miteinbeziehen, sollen sowohl auf bereits erarbeitete, als auch auf durch Archivstudien noch zu erhebende Materialien angewendet werden.

Vor allem an die Bearbeitung folgender Fragestellungen wurde gedacht, die sich im Laufe der Arbeit noch präzisieren und modifizieren lassen:

- Sprache als Ausdruck von Bildung, Modeerscheinung, Mittel zur Selbstrepräsentation und Identitätsfindung, gesellschaftliches Erfordernis, Komplexität und Vielfalt des sprachlichen Ausdrucks. Briefe werden ja überwiegend als der Ort angesehen, wo Frauen ihre Beziehungen und Bezugssysteme offenlegten.

- Art des Briefes: sachorientiert oder selbstorientiert? Gibt es darunter eine Briefart, die Frauen bzw. Männer besonders bevorzugen oder ist das Vorherrschen einer Briefart im Briefwesen einer Zeit ausschließlich signifikant für einzelne Phasen oder Epochen der Briefgeschichte?

- Formelhaftes: Briefe sind im allgemeinen nach dem traditionellen Dispositionsschema aufgebaut, das seinen Ursprung in der klassischen Rhetorik hat. Salutatio, exordium, narratio, petitio und conclusio gehören zu den festen Bestandteilen fast jeden Briefes. Diese konventionalisierten Formen der Textbegrenzung sind metakommunikative Elemente aus denen man die Beziehung der Kommunizierenden zueinander ablesen kann. Es ist besonders lohnend, diese Teile der Briefe zu vergleichen, weil sie einerseits fast in jedem Brief vorhanden sind, sich andererseits aber im Laufe der Zeit stark verändern.

- Stil: Es sollen sowohl der Personal- als auch der Zeitstil untersucht werden. Wem wird geschrieben und wie verändert sich der Stil, je nachdem wem geschrieben wird? Welche Veränderungen des Stils gehen im Laufe der Zeit vor sich? Weicht der Stil der Frauen von dem der Männer ab und gibt es daher einen spezifisch "weiblichen" bzw. "männlichen" Briefstil?

- Rolle der Frau, ihr Klientelsystem: Frauen aus adeligen oder sogar hochadeligen Häusern fanden in der Regel als Ehefrauen oder Mütter Erwähnung, womit ihre politischen Handlungsräume nur ausschnitthaft erkennbar werden. Denn sie konnten als Ledige einem Stift oder Kloster vorstehen und als Witwe ihr Wittum selbständig verwalten. Wenn sie die Vormundschaft über unmündige Söhne besaßen, übten sie oft jahrelang die Regentschaft aus, was häufig nicht erkennbar ist, weil die Zeit ihrer Regentschaft manchmal der Regierungszeit des Sohnes subsumiert wird.

Da Frauen Berechtigung zum politischen Handeln offensichtlich aufgrund ihrer Position in der Ehe und der Zugehörigkeit zu einem Geschlecht (im Sinne von Generationenverband) oder einer Dynastie besaßen, sind diese als für politisches Handeln relevante Institutionen zu bewerten. Ausgehend von dieser These wird politisches Handeln adeliger Frauen in den Ländern der ehemaligen Habsburgermonarchie in Erweiterung von Paul Münchs "Die Obrigkeit im Vaterstand" als die "Obrigkeit im Mutterstand" untersucht. Unsere Forschungen zur sozialen Erklärung von Adelserziehung und dem adeligen Lebenslauf haben gezeigt, daß nicht allein nach der Individualisierung der institutionalisierten Geschlechterbeziehungen zu fragen ist, sondern ebenso nach bislang kaum beachteten Formen von "Vertrautheit" im Kontext von Familie - Verwandtschaft - Kollegialität und Freundeskreisen. Dieses Konzept soll hier für die Analyse politischen Handelns weiter entwickelt werden, indem die durch Konfessionszugehörigkeit, Religiosität, Erziehung, Verheiratung und Patenschaftsannahmen geknüpften personalen Netze einbezogen und die Handlungsräume innerhalb und außerhalb des "Hauses" aufgezeigt werden.

 

3. Der Wiener Hof als sozialer, realer und symbolischer Raum von Maximilian II. bis Karl VI.

Planung der Projektgruppe Beatrix Bastl - Herbert Haupt - Gernot Heiss -
Monica Kurzel-Runtscheiner - Friedrich Polleroß - Herbert Seifert - Andrea Sommer-Mathis - Karl Vocelka - Thomas Winkelbauer

Ziel des eingereichten Projekts ist das Studium der Menschen bei Hof, der Personengruppe der Hofbediensteten und Höflinge, aber auch des Klientelsystems der Habsburger. Dabei sollen die Höflinge und Hofbediensteten und deren jeweilige Herkunft, soziale Vernetzung und Bildungshintergrund erfaßt werden. Beziehungen zwischen Herrschern, Adeligen, Hofbediensteten und Künstlern, aber auch der jeweiligen Gruppe untereinander, stehen im Mittelpunkt unseres Interesses.

Dieser soziale Raum des Hofes soll dann auch zu den realen Räumen in Beziehung gesetzt werden. Fragestellungen nach den jeweils an diesen Orten zur Verfügung stehenden personellen Infrastrukturen und den Beziehungen zu der nicht-höfischen Bevölkerung wären in diesem Kontext zu untersuchen. Die Beziehungen dieser Menschengruppen bei Hofe verlaufen aber auch im symbolischen Raum des Zeremoniells, dessen Stellenwert sehr hoch eingeschätzt werden muß. Hier soll nicht C wie eben bisher meist der Fall C von der allgemein bekannten Zeremonialliteratur ausgegangen werden, sondern auf das primäre Quellenmaterial der Zeremonialprotokolle zurückgegriffen werden. Zeitlich ist dabei der Herrscherwechsel unser Ausgangspunkt, für die Jahre vor und nach dem Herrscherwechsel werden die Personenkreise systematisch erfaßt werden, so daß man die Veränderungen der Hofstruktur, die mit dem Wechsel der Person des Monarchen verbunden ist, studieren kann. Die Auswertung soll aber keineswegs in ein Bündel von isolierten Einzelstudien münden.

An folgende Fragestellungen ist dabei in erster Linie gedacht:

- Der Wiener Hof als multifunktionelle Institution. Das Verhältnis von Kaiserhof und landesfürstlichem Hof.

- Die Hofämter der Aristokratie, der Bildungshintergrund dieser Höflinge, ihre nationale/regionale Herkunft, konfessionelle Position, ihre soziale Verflechtung und das Zeremoniell als Parameter ihrer Position bei Hofe.

- Die Klientelen: Beziehungen zwischen Hof, Künstler und Adeligen.

- Spiegelung der personellen Strukturen in Fest, Musik und Theater.

- Ein besonderes Augenmerk soll dabei der Rolle der Frauen bei Hof gewidmet werden.

- Die Erfassung der Hofhandwerker, ihrer Funktion und ihres sozialen Umfeldes.

- Die Menschen und die verschiedenen "Räume" des Hofes.

- Die Neufürsten bei Hof und die Rolle der neufürstlichen Höfe und Hofhaltungen für den Kaiserhof.

Im Rahmen dieses Projektes sollen Erziehung, Bildung, familiäre und Klientelverbindungen, Karrieren, soziales und kulturelles Verhalten der Hofdamen und Höflinge am Wiener Hof gruppenbiographisch für eine computergestützte Verarbeitung erhoben und diese Bereiche und ihre Wechselbezüge untersucht werden. Hofstaats- und Besoldungslisten, Adelshandbücher, Familiengeschichten sowie Informationen aus den Adelsarchiven (von denen im Projekt "Domina ac Mulier" - siehe oben - bereits recht viele und für die Geschichte der adeligen Frauen umfassend erschlossen wurden) werden das Datenmaterial liefern. In einer computergestützten Auswertung sowie in qualitativen Einzelanalysen wird es etwa um soziale Beziehungen, um den Einfluß von Bildung auf die Karrieren, um das Verhalten und um Veränderungen in den verschiedenen Bereichen gehen. Da sich das politische System und die Stellung des Einzelnen bzw. der Gruppe in diesem System, da sich die sozialen Vorstellungen, das "Weltbild" bei Hof in der Repräsentation, im Zeremoniell und in den Anordnungen bei Festen deutlich zeigt, sollen auch die (betreffenden Teile der) Zeremonialprotokolle und die vielen wertenden, und deshalb für unsere Fragen besonders ergiebigen Hinweise in der Zeremonial-, Hausväter- und Erziehungsliteratur sowie in den Fürstenspiegelschriften als Quellen herangezogen werden.

Beatrix Bastl, Wiener Neustadt
 

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Nichtkurfürstliche Residenzlandschaften im Obersächsischen Reichskreis Forschungsvorhaben an der Universität Potsdam unter Leitung von Peter-Michael Hahn

In der historischen Forschung der letzten Jahrzehnte fanden unter den ostdeutschen Territorien vor allem die Höfe in Berlin und Dresden Beachtung, während die Vielzahl kleiner und mittlerer Residenzen zwischen Elbe, Harz und Thüringer Wald von der Geschichtswissenschaft trotz ihrer bis in die Gegenwart identitätsstiftenden Bedeutung kaum beachtet wurde. In der von Patze und Schlesinger betreuten Thüringischen Geschichte wurde zwar der ältere Forschungsstand zusammengefaßt, aber eine solche, breit angelegte Landesgeschichte konnte der Entwicklung und der Gestalt der Höfe in ihrer unterschiedlichen Ausprägung nur begrenzte Aufmerksamkeit schenken. Für die kleineren Territorien im Obersächsischen Reichskreis, vor allem diejenigen, denen keine staatliche Dauerhaftigkeit beschieden war, fehlt es häufig sogar an größeren Vorarbeiten. Nur in seltenen lokalgeschichtlichen Publikationen findet diese Ebene der Hofkultur Erwähnung. Erschwerend kommt hinzu, daß von den Historikern der DDR seit der Mitte der fünfziger Jahre Fragen höfischer Lebensformen und der fürstlichen Verwaltungsorganisation kaum noch Beachtung geschenkt wurde. Erst mit der Wende brach sich ein stärkeres Interesse an dieser Thematik, getragen von Museen und der Denkmalpflege, wieder Bahn. Eine Vielzahl kleinerer Publikationen aus lokalgeschichtlicher Perspektive zeugt davon. An zusammenfassenden, gar vergleichenden Untersuchungen zur Geschichte und Struktur dieser Territorien und ihrer Dynastien herrscht aber ein unübersehbarer Mangel. Er ist auch Ausdruck der Tatsache, daß sich in diesem Raum erst wieder ein thematisch breit gefächertes Spektrum landesgeschichtlicher Forschung etablieren muß.

Es ist daher zunächst ein vorrangiges Ziel dieses Forschungsvorhabens, flächendekend die etwa hundertzwanzig Residenzen, Nebenresidenzen, Lust-, Sommer- und Jagdschlösser sowie Witwensitze in ihrer Ausgestaltung und Ausstrahlung seit dem späten 16. bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert zu erschließen. Betrachtet werden sollen die Anhaltiner und Ernestiner, die Nebenlinien der Albertiner, Welfen und Landgrafen von Hessen, die Stolberger und Schwarzburger, die Solmser, Reußen und Schönburger sowie einige Niederlausitzer Standesherren. Auf Grund der engen sozialen und familiären Kontakte dieses Personenkreises erscheint es nicht zweckmäßig, idealtypisch einzelne Häuser herauszugreifen, vielmehr soll durch Reduktion und Einengung der Fragestellungen auf wenige Datenkomplexe ein Weg eingeschlagen werden, der es erlaubt, die Hofkultur aus vergleichender Perspektive in ihrer gesamten Breite zu beleuchten.

Dabei geht es uns weniger um eine kunsthistorische Einordnung und Beschreibung einzelner Bauwerke als um eine unter funktionalen Gesichtspunkten angelegte, möglichst lückenlose Rekonstruktion der Aus- und Umbaustufen der verschiedenen Residenzen und ihrer "Dependenzen" im Territorium. Der enorme Bedeutungszuwachs, den die Residenz während der frühen Neuzeit erfuhr, soll über eine chronikalische Beschreibung der baulichen Veränderungen, welche das Residenzschloß und dessen städtisches und ländliches Umfeld berührte, in seinem Prozeßcharakter sichtbar gemacht werden.

Die Aufwertung fürstlicher Territorialherrschaft im Zeitalter der Renaissance und des Barock, welche der Historiker vornehmlich als ein stetiges Wachsen administrativer Zuständigkeiten der Zentralgewalt, eine Ausdehnung bürokratischer und militärischer Strukturen über Stadt und Land, eine Vergrößerung des Hofstaates oder als ein Erschließen immer neuer finanzieller Ressourcen begreift, läßt sich aber auch als ein Vorgang betrachten, der darauf gerichtet war, mit gezielten Maßnahmen symbolisches Kapital in einer politisch besetzten Landschaft anzuhäufen. Hierzu rechnet neben dem Schloßbau im engeren Sinne die Anlage von Gärten, Sommerresidenzen, Jagd- und Lusthäusern, Witwensitzen. Zum Gesamtbild des Hofes als fürstlichem Macht- und Herrschaftszentrum gehört weiterhin dessen räumliches Ausgreifen in die benachbarte Stadt, etwa in Form von Kavaliershäusern und Prinzenpalais oder auch Hofapotheken und Regierungsgebäuden.

Darüber hinaus schließt eine solche Betrachtung die Errichtung von lokalen Verwaltungsgebäuden, Alleen, Brücken usw. ein, aber auch den Unterhalt von Wach-soldaten oder Kanonen als Zeichen des jus armorum. Abseits architektonischer Zeichen wird man zum symbolischen Kapital fürstlicher Herrschaft auch Hoffeste, Theater- und Musikaufführungen sowie Kunstsammlungen, Bibliotheken und Archive rechnen müssen. Sie galten einer Gesellschaft, in der Rituale und Symbole von herausragender Bedeutung waren, als besonders wirkungsvolle Medien, um den Hof als eine Stätte der Verherrlichung von Ordnung und Tugenden zu feiern. Neben den steinernen Kundgebungen fürstlicher Macht wird man den symbolischen "Kapitalwert" solcher Investitionen näher bestimmen müssen, um das Ansehen und den Rang der verschiedenen Hofhaltungen gewichten zu können. Vielleicht brachte ein aufwendig in Szene gesetztes Turnier, welches alsbald über den Buchdruck einer staunenden adligen Öffentlichkeit präsentiert wurde, dem veranstaltenden Hof ebensoviel Prestige wie ein kostspieliges Bauvorhaben ein.

Gerade die kleinen Herrschaftsträger im Obersächsischen Reichskreis waren auf Grund der zahlreichen Erbteilungen, die zur Folge hatten, daß territoriale Herrschaft jeweils neu begründet und legitimiert werden mußte, gezwungen, ihre räumlich beengten Lebenswelten durch bauliche Maßnahmen und Kunstpatronanz mit politischer Zeichenhaftigkeit und dynastischer Tradition auszustatten, um im Kreis ihrer nächsten Standesgenossen zu bestehen, anerkannt zu werden oder gar herauszuragen.

Um die Vielfalt der Entwicklungsstränge, die zahllosen Querverbindungen der Höfe und Residenzen untereinander in ihrem zeitlichen, aber auch historisch - politischen Kontext aufzuzeigen, ist es erfolgversprechend, die notwendigen Informationen in einer Datenbank zu sammeln. Dabei wird in einem ersten Schritt das Schwergewicht der Nachforschungen auf der Erfassung sämtlicher baulicher Aktivitäten der Herrscherhäuser liegen. Im Unterschied zum willkürlich gewählten Wortsymbol transportierte jedes Bauwerk und sei es "nur" über ein noch so kleines Wappen oder die Initialen seines hochadligen Erbauers - etwas von der Identität der Residenz und ihrer Herrscherfamilie. Die geographische Umsetzung dieser Ergebnisse erlaubt uns, die zeitliche und räumliche Ausbreitung, das Werden der Residenzlandschaften, in Schaubildern und Karten darzustellen.

Hier knüpfen wir bei Methode und Systemeinsatz an Erfahrungen an, die wir während der Bearbeitung und Neuherausgabe des "Duncker" (Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer der preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-Fideicommiss- und Schatullgütern in naturgetreuen, künstlerisch ausgeführten farbigen Darstellungen nebst begleitendem Text, hrsg. von Alexander Duncker, Bd.7: Provinz Brandenburg, Berlin 1864/1865). gemacht haben. Um die im "Duncker" verzeichneten 170 Schlösser und Herrenhäuser historisch und kunstgeschichtlich einzuordnen, mußte die Adelskultur der gesamten Provinz berücksichtigt werden. Anfangs wurden diese Arbeiten vom Land Brandenburg unterstützt, seit über einem Jahr fördert die Henkel-Stiftung dieses Projekt, welches in Zusammenarbeit mit Prof. H. Lorenz/Kunsthistorisches Institut der Freien Univ. Berlin durchgeführt wird und im Laufe dieses Jahres wohl zum Abschluß gelangen wird.

Vertieft wird das Forschungsvorhaben zur Hofkultur im Obersächsischen Reichskreis durch mehrere, in der Bearbeitung begriffene Einzeluntersuchungen an meinem Lehrstuhl. So werden die Beziehungen der Fürsten- und Grafenhäuser des Raumes zu Kaiser und Reich im Rahmen einer Habilitationsschrift (Dr. Luh) behandelt. Trotz der zunehmenden Bedeutungslosigkeit des Obersächsischen Reichskreises, veranlaßt durch den Gegensatz zwischen Kursachsen und Brandenburg-Preußen, hielten die kleineren Stände an den Institutionen und Traditionen des Reiches fest. Familienabsprachen, Ehepolitik und Selbstverständnis der Grafen- und Herrenfamilien sind Gegenstand einer Dissertation (Czech). Schwerpunkt dieser Arbeit ist die Frage, ob sich an Hand der Eheverbindungen eine ständische Differenzierung innerhalb dieser Schicht vornehmen läßt, welche nicht ohne Auswirkungen auf das Repräsentationsverhalten blieb. Darüber hinaus ist geplant, im Rahmen von Dissertationen fürstliches Mäzenatentum und Hoffestlichkeiten exemplarisch zu erforschen.

Peter-Michael Hahn, Potsdam
 

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Groupe de travail sur le vocubulaire palatial (Ve-XVe siècle)

J'ai déjà eu l'occasion d'évoquer ici la naissance et les axes de recherches du Groupe de travail sur les résidences princières et les palais royaux en France, au Moyen Age, qui a été constitué au sein du GDR 94 du CNRS (Sociétés et cadres de vie au Moyen Age: approches archéologiques). Le retard français en la matière nous a incité, dans un premier temps, à aborder la question de façon large afin d'en cerner les principaux problèmes et de dégager les derniers acquis de la recherche tant historique qu'archéo-logique. Le thème de recherche retenu pour la deuxième tranche des travaux est plus limitatif. Il s'agit d'un approfondissement dans un domaine qui préoccupe tous les types de chercheurs: celui du vocabulaire palatial et de sa signification tant historique qu'archéologique (Ve-XVe siècle). L'adjectif "palatial" étant à prendre au sens large: sont en effet concernés les séjours et les châteaux majeurs des rois et de la haute aristocratie tant laïque (princes, comtes ...) qu'ecclésiastique (évêques, abbés). L'équipe a démarré au terme de l'année 1995 (Groupe 12) et regroupe des historiens et des archéologues. Bien qu'essentiellement axée sur la France, elle intègre des chercheurs étrangers.

Programme

Dans ce domaine, archéologues et historiens sont confrontés aux mêmes difficultés lorsqu'il s'agit d'interpréter et d'identifier précisément les termes employés à l'époque médiévale. La difficulté est double.

1. Le premier volet concerne la désignation d'ensemble des complexes de ces magnats qui évolue au fil des siècles et sans doute aussi, dans une certaine mesure, des secteurs (domus, palatium, castrum, sedes, hostel, logis ...). Le mot palais, par exemple, a connu dans sa diffusion des péripéties que l'on commence tout juste à entrevoir. En France du Nord, il a chez les laïcs jusqu'au XIIe siècle, un sens relativement précis et restrictif, mais ensuite tout évolue. Ces mutations ne sont pas nécessairement gratuites; il importe d'en dégager les rythmes et la signification.

2. Le second problème concerne le vocabulaire employé pour désigner tel ou tel élément du séjour noble et sa signification profonde.

L'archéologue, persuadé que tout séjour princier comporte obligatoirement trois blocs distincts, à savoir une grande salle à la vocation essentiellement publique et officielle, des appartements privés et une chapelle (aula, camera, capella) cherche systématiquement à retrouver ces éléments. Mais la trilogie n'est ni obligatoire, ni nécessairement originelle et pose de toute façon de sérieux problèmes au niveau de l'identification concrète. Les erreurs sont multiples. Ainsi, en Angleterre, des études récentes ont-elles montré que ce que l'on prenait, depuis assez longtemps déjà, pour des aulae, au rôle plus spécifiquement publique, n'était en fait que des camerae, où la fonction privative prédomine largement! En France, deux exemples normands, récemment exploités, illustrent parfaitement le fond du problème. Il s'agit du château des ducs de Normandie à Domfront (Orne) et de celui des Beaumont-Meulan à Vatteville-la-Rue (Seine-Maritime), actuellement en cours de fouilles. Dans les deux cas, les travaux archéologiques ont montré que les vastes bâtiments maçonnés que l'historiographie traditionnelle prenait pour des églises (du XIIe siècle?) étaient en fait des aulae et, peut-être même, pour Domfront - la réflexion aidant - une camera.

A l'heure où certains s'évertuent à faire des classements typologiques de plus en plus affinés, il serait peut-être bon de s'interroger préalablement sur la qualité de l'échantillon et, ce faisant, sur la portée des classifications opérées. L'identification précise d'un bâtiment n'est pas des plus aisées. Qu'est-ce qu'une aula, une camera, une capella; y-a-t'il des critères distinctifs (architecturaux, fonctionnels) qui permettent de réaliser à coup sûr l'interprétation? Et que dire des éléments fortifiés (turres, portes ...) et des édifices annexes! Peut-on systématiquement, dans tout ensemble, considérer que le plus grand des locaux est la salle? Dans bien des sites, sans doute, mais ce serait oublier que, dans certains cas, pôles nobles et serviles sont plus ou moins entremêlés et que les granges, par exemple, peuvent être, elles aussi, fort vastes. L'identification des édifices se double d'un examen approfondi des fonctions et de l'insertion dans l'espace "palatial" des structures étudiées.

Les problèmes de l'historien sont du même ordre. Il s'agit pour lui de s'interroger très précisément sur les termes utilisés pour évoquer les éléments qui constituent ces ensembles (salle, chambres, chambres de retrait ...). Y-a-t'il réellement, à certaines époques, ces confusions que l'on évoque en la matière et, si oui, quel en est le sens? Une question qui conduit à s'interroger sur la signification, la fonction et la matérialisation de ces divers vocables. Quand apparaissent ces locaux semi-privatifs qui s'intercalent entre la salle et les chambres? Quel est le rôle de la fortification, le sens du mot dunio etc.

La confrontation des deux approches historique et archéologique est indispensable et, menée de façon systématique, elle devrait contribuer à clarifier certaines des données de départ. La réalité est loin d'être simple. La question est à aborder thématiquement et chronologiquement. Elle évolue suivant les secteurs (les réalités du Midi ne sont pas nécessairement celles du Nord, celles des Plantagenêt ne sont pas obligatoirement identiques à celles des Capétiens ...), les types de documents (diplômes, sources narratives, comptables), les rédacteurs (en diplomatique: suivant les scribes ...), le type de séjour pris en compte (laïque, ecclésiastique ...) et la chronologie. Les hommes du Moyen Age n'ont pas eu en matière de vie privée et de vie publique des critères distinctifs toujours analogues aux nôtres. Le nombre de locaux s'accroît. La fonction des pièces et des édifices se précise et s'éclaire au fil des siècles. Il y a une évolution qui va dans le sens d'une diversification et d'une spécialisation croissante dont il importe de dégager les rythmes précis.

Projet

Globalement, le groupe 12 se propose d'essayer d'apporter des éléments de clarification à ces problèmes de dénomination, de fonction et de définition en rassemblant dans une publication collective une série de synthèses et d'exemples concrets groupés autour des deux thèmes de réflexion: les désignations d'ensembles et le vocabulaire des diverses composantes palatiales (données architecturales et fonctionnelles). La base de l'étude peut être:

- un document (sources narratives, documents comptables, diplômes ...), ou un ensemble de documents précis,

- un siècle ou une période dans tel secteur,

- un site particulièrement exemplaire du fait de la confrontation entre document archéologique et historique ou de la réalisation d'un ensemble "palatial" clairement agencé ...

Annie Renoux
 
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Das Innenraumportal im Kontext höfischer Repräsentation im 16. und 17. Jahrhundert in Deutschland
Dissertationsprojekt

Unter diesem Titel entsteht im Rahmen des Graduiertenkollegs "Kunst im Kontext" an der Philipps-Universität in Marburg eine kunsthistorische Dissertation, die von Herrn Prof. Dr. Kemp betreut wird.

Erforscht werden soll die repräsentative und zeremonielle Bedeutung besonders aufwendig, zumeist in Holz gearbeiteter Innenraumportale, die von 1550 bis 1670 und vorzugsweise im nordalpinen Raum in den Festsälen fürstlicher Residenzen errichtet wurden. Dort, wo früher schlichte Durchgänge einem ritterlich-feudalen Repräsentationsbedürfnis genügten, entstehen nun reiche, mit Herrschaftsinsignien versehene, monumentale Innenraumportale. Sie sind unmittelbar auf eine veränderte Legitimations- und Selbstdarstellungspraxis des frühabsolutistischen Hofes zu beziehen.

Es handelt sich um hervorragende und besonders kostspielige Produkte kunsthandwerklicher Fertigkeit, die eine Anwendung der zeitgenössischen Architekturtheorie, der Perspektivlehre und der Theaterpraxis zeigen. Charakteristisch ist der architektonische und programmatische Aufbau der Portale, der Bezüge zu den zeitgenössischen ephemeren Ehrenpforten und Triumphbögen erkennen läßt, die zur Standartrequisite höfisch zeremonieller Repräsentationsformen gehören. Wie die Ehrenpforten, so lassen sich auch einzelne Innenraumportale zeremoniellen Anlässen, wie der Thronsetzung oder der Hochzeit, zuordnen. Die sog. Brauttüren, die bei fürstlichen Vermählungen an repräsentativer Stelle in der Residenz errichtet wurden, sind dabei wohl am bekanntesten. Sie tragen meist kostbar intarsierte oder reich geschnitzte Wappen, die neben den eingravierten Namen des Brautpaares, in Jahreszahlen und Sinnsprüchen an das zeremonielle Ereignis der Hochzeit erinnern. Andere Portale haben dagegen einen eher dauerhaften Bezugsrahmen, in dem traditionelle Bedeutungsfelder fortleben, die dem Stadttor oder den Gerichtsportalen der Kathedralen eigneten.

Inwiefern nun die programmatische Gestaltung von Innenraumportalen oder der Ort ihrer Errichtung Auskunft gibt über ihre spezifische repräsentative oder zeremonielle Funktion, ist bisher nur sehr unzureichend erforscht worden. Die Kunstgeschichte hat das hölzerne Innenraumportal im wesentlichen nur unter kennerschaftlichen Aspekten untersucht, wie der stilgeschichtlichen Zuordnung zu den lokalen Schreinerwerkstätten, einzelnen Künstlern oder Auftraggebern. Andere Arbeiten widmen sich ausschließlich der Intarsiakunst oder der ikonographischen Analyse der zumeist umfangreichen Bildprogramme, auf deren propagandistische Funktion sie hinweisen.

Ziel der Dissertation (die voraussichtlich Ende 1997 abgeschlossen werden kann) ist es, anhand ausgesuchter Fallbeispiele die Rolle der Portale im Kontext ästhetischer Repräsentationsstrategien und ihre Bedeutung für die Choreographie des höfischen Zeremoniells darzulegen.

Michaela Sleegers, Marburg
 

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Von der Residenz zur Hauptstadt. Paris im hohen Mittelalter

Im Jahre 1967 hat ein deutscher Historiker festgestellt: "Il est étonnant de constater que le problème des capitales pendant le haut Moyen Age n'a pas été étudié en France." Diese den Sachkenner nicht überraschende Feststellung von Carlrichard Brühl trifft auch heute noch zu einem großen Teil zu. Hinsichtlich Paris kann nur auf relativ wenige Beiträge aus den Federn französischer Historiker verwiesen werden, so beispielsweise von Michel Fleury, Robert-Henri Bautier und Jacques Boussard. Dessen Darstellungsversuch in der "Nouvelle histoire de Paris", der vor 20 Jahren erschien, gibt zwar instruktive Hinweise zur Genese der Seinestadt im Hochmittelalter, doch bleiben nicht wenige Fragen zur Residenzentwicklung unbeantwortet, andere bedürfen weiterer Klärung. Sicherlich hängt dies auch damit zusammen, daß damals noch nicht wichtige Quellenpublikationen und Resultate archäologischer Ausgrabungen zur Verfügung standen, worauf hingegen heute zurückgegriffen werden kann.

Nicht selten figuriert Paris als "Hauptstadtmodell" in der Forschungsliteratur und der öffentlichen Diskussion, freilich, ohne daß die Genese der Seinestadt und der jeweilige historische Kontext hinreichend berücksichtigt werden. Wenn in diesem Zusammenhang die Rede von einer "exemplarischen Hauptstadt" ist, bleiben mitunter die begrifflichen Inhalte recht unscharf. Daß im übrigen der Zeitpunkt der Hauptstadtwerdung höchst unterschiedlich angenommen wird, mag nicht weiter überraschen: sei es mit einem der ersten kapetingischen Könige, sei es im Verlauf des 13. oder 14. Jahrhunderts, sei es in der frühen Neuzeit.

Vor diesem Hintergrund stellt die beabsichtigte Untersuchung die Frage in den Mittelpunkt: Wie ist es dazu gekommen, daß sich Paris von einer unter mehreren kapetingischen Königsresidenzen (Compiègne, Senlis, Orléans, Etampes, Melun etc.) zu einer Hauptstadt entwickelt hat? Grundsätzlich werden hierbei vier Ebenen von Zentralitätsfunktionen zu untersuchen sein: erstens die politisch-administrative, zweitens die wirtschaftliche, drittens die kirchlich-religiöse, viertens die kulturelle.

Indem diese vier Ebenen von Zentralitätsfunktionen zugrunde gelegt werden, ist es zugleich möglich, zu einer umfassenden, den hochmittelalterlichen Verhältnissen angemessenen Definition des Begriffs Hauptstadt vorzustoßen. Dieser soll quellennah, d.h. anhand der zeitgenössischen Zeugnisse, bestimmt werden. Bisherige Definitionen, die häufig aus anderen historischen Epochen oder anderen wissenschaftlichen Disziplinen stammen und auf das Mittelalter übertragen worden sind, werden kritisch zu diskutieren sein.

Als Beginn des Untersuchungszeitraumes bietet sich das ausgehende 10. Jahrhundert an. Mit Hugo Capet (987 - 996) beginnt bekanntlich eine neue Epoche in der französischen Geschichte. Aus dem Grafen von Paris und dem Herzog von Franzien ist der König von Frankreich geworden. Die Untersuchung soll bis zum beginnenden 13. Jahrhundert geführt werden. Denn mit der Regierungszeit Philipps II. (1180 - 1223) scheint eine erste Phase in der Hauptstadtwerdung von Paris abgeschlossen zu sein, was im einzelnen zu verifizieren ist.

In der Seinestadt gilt das Forschungsinteresse zunächst dem königlichen Residenzbezirk auf der Hauptinsel in der Flußmitte, der Ile de la Cité, dann der Entwicklung auf dem linken und rechten Ufer. Besondere Aufmerksamkeit verdienen unter anderem die siedlungsgeschichtlichen, stadttopographischen, kunst- und architekturhistorischen Forschungen sowie die archäologischen Ausgrabungen, die in den letzten Jahren relativ intensiv und ergiebig in Paris durchgeführt worden sind.

Dank der finanziellen Förderung aus Drittmitteln kann dem Forschungsprojekt vom Deutschen Historischen Institut Paris aus nachgegangen werden. Die Untersuchung dürfte insgesamt einen Beitrag zur Residenzentwicklung in Frankreich, zur Haupstadtfrage in Europa und zu den gegenwärtigen, intensiv geführten Diskussionen in Wissenschaft, Politik und Kultur leisten. Sie wird ein genaueres, differenzierteres Bild vom Prozeß der Hauptstadtbildung im hochmittelalterlichen Frankreich zeichnen, als es bislang der Forschung möglich war, und aufzeigen können, inwieweit die Charakterisierung von Paris als "capitale" für diese Zeit zulässig ist.

Andreas Sohn, Unna


Kolloquiumsberichte
 
Symposium
"Castella Maris Baltici 3"
Malbork (Marienburg), 2.-8. September 1995

Das jedes zweite Jahr stattfindende Symposium "Castella Maris Baltici" wurde 1991 zum ersten Mal im finnischen Turku und zum zweiten Mal 1993 in Nyköping in Schweden durchgeführt. Vom 2. bis zum 8. September 1995 fand das dritte Symposium unter den zentralen Stichwörtern STADT - BURG - KIRCHE in Malbork (Marienburg) statt, wo es am dortigen Burgmuseum von Barbara D_browska-Sikora und Kazimierz Pospieszny organisiert wurde.

Die "Castella Maris Baltici" vereint derzeitig unter der Präsidentschaft von Kazimierz Pospieszny, der das Amt am Ende der dritten Zusammenkunft von Knut Drake (Turku) übernahm, hauptsächlich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus den Anrainerstaaten der Ostsee. Die Zusammensetzung aus Kunsthistorikern, Archäologen und Bauforschern zielt dabei auf einen interdisziplinären Austausch ab, der es ermöglichen soll, die Forschungen zu den Burg- und Schloßanlagen des Ostseeraumes zu intensivieren.

Die Vorträge des dritten Symposiums (s.u.) fanden hauptsächlich in Malbork statt und wurden durch mehrere Exkursionen zu Deutschordensburgen sowie die Abschlußsitzung in Toru2 (Thorn) bereichert. Da die 29 Vorträge, die durch Posterausstellungen ergänzt wurden, heterogene Informationen und Forschungsansätze boten, soll das Gesamtprofil der Veranstaltung hier anhand zusammenfassender Darlegungen und ausgewählter Beispiele dargelegt werden.

Der Schwerpunkt des diesjährigen Symposiums lag auf den archäologischen und kunsthistorischen Untersuchungen einzelner Burgen in Skandinavien und dem Baltikum. Darüber hinaus ergänzten einzelne Spezialthemen das Programm. Hier sind z. B. das Referat von Tomá Durdík (Prag) über die Burgen Böhmens oder die Beobachtungen von Jan Kamphuis (Delft) über geometrische Ornamente im Backsteinmauerwerk holländischer Burgen, die sich mit ähnlichen Phänomenen im südlichen Ostseeraum vergleichen lassen, zu nennen.

Die teilweise sehr unterschiedliche Methodik, die den einzelnen Untersuchungen zugrunde lag, trat in den Referaten klar hervor. Auf der einen Seite war ein moderner, interdisziplinärer Ansatz zu erkennen, der es ermöglichte, die zu untersuchenden Objekte, Baugruppen oder Fundplätze in einen neuen, zum Beispiel politisch-ökonomischen Kontext zu stellen. Auf der anderen Seite fußten die Beiträge auf tradierter Methodik, wie die der Bau- und der Stilanalyse unter Beachtung der schriftlichen Quellen.

Der Tagungsort, die Burg zu Malbork, war während des Symposiums nicht nur Thema mehrerer Beiträge, sondern bot natürlich auch die Möglichkeit, sich vor Ort dem eingehenden Studium ihrer mittelalterlichen Architektur und der Ausgestaltung und Rekonstruktion des 19. Jahrhunderts zu widmen. Darüber hinaus beschäftigten sich die Beiträge von Kazimierz Pospieszny, Marian Arszy2ski (Toru2), Maciej Kilarski (Gda2sk-Oliwa) und Ernst Badstübner (Greifswald) näher mit der Baugestalt der Burg und ihrer Geschichte.

Marian Arszy2ski referierte einführend über Forschungsgeschichte und -stand der Untersuchungen über die mittelalterlichen Burgen auf dem Gebiet des ehemaligen Ordensstaates Preußen unter besonderer Berücksichtigung der Burg Malbork. Er wies dabei eingehend auf die Untersuchungen von Konrad Steinbrecht hin, der erstmals einen umfassenden Überblick über die Burgen des Deutschen Ordens bot. Der Beitrag von Ieva Oese (Riga) über die Arbeiten von Karl von Löwis of Menar (1855-1930) über die Burgen Alt-Livlands ergänzte die Ausführungen zur Forschungsgeschichte.

Maciej Kilarski präsentierte seine detailgenauen Untersuchungen zur Bedeutung des verschollenen Bildes "Die Befreiung der Marienburg im Jahr 1461" von 1481, das sich ehemals im Dwór Artur (Artushof) in Gda2sk (Danzig) befand. Es liefert nicht nur Hinweise auf die Geschichte der Marienburg, sondern auch für die Stadtgeschichte Malborks. Während der Begehung der Burg stellte er seine interessanten Erkenntnisse zu der heute nur noch in Fragmenten erhaltenen, jedoch in bildlichen Darstellungen - wie der oben genannten - überlieferten Marienfigur des Ostabschlusses der Kapelle des Hochschlosses vor. Es war ihm möglich, die genaue Herstellungstechnik der rund acht Meter hohen, aus Kunststein gefertigten und mit polychromen Mosaiksteinen besetzten Figur bestimmen zu können. Seine Ergebnisse ermöglichen einen tieferen Einblick in die Fertigungstechniken mittelalterlicher Monumentalplastiken sowie die Mosaizierung von Figuren. Die Maria von Malbork kann mit der ehemals an der Ostfassade des Domes in Frombork (Frauenburg) angebrachten Figur in Verbindung gebracht werden, obwohl letztere nicht annähernd so gut in bildlichen Darstellungen überliefert ist. Im Zusammenhang mit den im Deutschordensgebiet mehrfach vorkommenden Mosaiken vermutete Tomasz Torbus (Hamburg) einen venezianischen Einfluß, was auch an dem von ihm herangezogenen Beispiel, dem in das Jahr 1380 datierenden Mosaik über dem Südportal des Domes zu Kwidzyn (Marienwerder), das das Martyrium des Evangelisten Johannes oder des Heiligen Vitus zum Thema hat, deutlich wird.

Die interessanten Vergleiche zwischen der Wartburg und der Marienburg von Ernst Badstübner (Greifswald) boten Anregung zur Diskussion. Er stellte die These des Wehrbaues als himmlischer Burg dar, die sowohl im Falle der Wartburg als auch der Burg zu Malbork auf politische Ambitionen und ein entsprechendes repräsentatives Bewußtsein des Burgherren hinwiesen. Die Burgen des Deutschen Ordens symbolisierten somit die Sakralisierung des Profanbaues.

Einen interessanten Beitrag über die Bischofsburg Gjorslev in Dänemark lieferte Johannes Hertz. Seine Untersuchungen zeigten nicht nur eine mögliche Übernahme architektonischer Details, wie Maßwerk und Bogenformen, sondern auch eine Übernahme von Gewölbeformen aus Bauten des Deutschordensgebietes auf. Die Ausbreitung der Formensprache der Ordensburgen wurde bislang noch nicht umfassend und tiefgehend und vor allem nicht länderübergreifend untersucht. Durch die Ausführungen von Hertz wurde dieses Forschungsdesiderat, dessen Erforschung neue, wichtige Erkenntnisse verspricht, besonders deutlich.

Elóbieta Pilecka, die ebenfalls nach Rezeptionsmodellen suchte, setzte sich zu Beginn zunächst genau mit der Forschungsgeschichte diverser Bauten in Gda2sk aus auseinander, deren Entstehung in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert wird. Im Anschluß daran verglich sie diese Bauten mit Gebäuden aus den Niederlanden und Deutschland. Die wohl als Anregung verstandene Gegenüberstellung der ausgewählten Vergleichsbeispiele ließ eine kritische Auseinandersetzung mit der Formgebung und der Formensprache jedoch vermissen. So wurden zum Beispiel die Rathäuser von Lübeck und Gda2sk kommentarlos nebeneinander gestellt, ohne in bezug auf ihre Zeitstellung und Raumfolge usw. konkret verglichen zu werden. So warnte dann auch Ulrich G. Großmann (Nürnberg) generell vor einer unkritischen und plakativ vergleichenden Methode; eine Meinung, an die sich auch andere Teilnehmer in Einzelgesprächen anschlossen.

Die Rekonstruktion eines historischen Ereignisses präsentierte Jørgen Skaarup (Rud-købing). Er machte am Beispiel des Fundortes Guldborg deutlich, inwieweit archäologische Sachquellen und stratigraphische Befunde Hinweise auf den Tathergang eines Überfalls geben. So konnte anhand der Befunde in Guldborg ein Übergriff der Slawen auf das Gebiet der Dänen in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts rekonstruiert werden. Der dänische Einfall auf der Insel Rügen unter König Valdemar I. von Dänemark im Jahr 1167, den schon Saxo Grammaticus erwähnt, kann daher auch als eine Gegenattacke gewertet werden, die vor der Expansion der Dänen in Mecklenburg und Pommern stattfand.

In Zusammenhang mit kriegerischen Ereignissen zeigte Harry Alopaeus (Höllviken) Systeme der Küsten-, Strand- und Kaiverteidigung, die durch die maritime Archäologie ermittelt werden konnten. Die aufwendigen Konstruktionen von Seepalisaden aus angespitzten Pfählen dienten auch als Schutz für lokale Burganlagen, die auf ihrer Wasserseite zusätzlich gesichert wurden.

Mit der Rolle von Burgen im Verteidigungssystem von königlichen Städten in Großpolen im 14. Jahrhundert setzte sich Tadeusz Poklewski (1ódï) auseinander. Er stellte u.a. dar, inwieweit diese Anlagen auch dazu dienten, die königliche Machtstellung in den Städten zu sichern.

Die weiteren Symposiumsbeiträge vervollständigten anhand von Fallbeispielen das Bild von den verschiedenen architektonischen Lösungen der "Bauaufgabe Burg" im Baltikum, in Polen und in Skandinavien sowie von deren militärischer und politischer Rolle. An dieser Stelle soll noch der Beitrag von Torkel Eriksson (Helsingborg) erwähnt werden, der sich mit den circa vierzig über die skandinavischen Länder verteilten Rundkirchen beschäftigte. Er stellte heraus, daß es sich zum Teil um durch Wehrplattformen gesicherte Bauten und teilweise um unbewehrte Kirchen mit Rundtürmen handelt. Die Entwicklung von der Rundkirche mit fortifikatorischer Funktion zur Hofkapelle, die oft zu einer Burganlage gehört, kristallisierte sich dabei ebenso heraus wie die Vorbildfunktionen des Heiligen Grabes als Zentralbau, die Rundkirchen der Karolinger und Ottonen sowie die Rundbauten in Osteuropa.

In bezug auf eine erweiterte Methodik zeigten die Beiträge von Anna-Lena Eriksson (Tonsberg), Kari Juhani Uotila (Kuusisto) und Mats Morgen (Lund) Weitblick. Anna-Lena Eriksson ordnete ihr Fundmaterial aus den von ihr in Norwegen untersuchten Fundplätzen in funktionale Kategorien, die es ermöglichen, Aussagen über die jeweilige Nutzung der untersuchten Burganlagen und ihren sozio-ökonomischen Kontext zu treffen. Ähnlich wie sie präsentierte auch Kari Juhani Uotila seine Untersuchungsergebnisse zur Burg von Kuusisto u.a. mit Hilfe von graphischen Darstellungen, die einen leichten und übersichtlichen Zugang zur Materie ermöglichten. Er konnte sowohl die Nutzungsperioden als auch die Nutzungsintensität der Anlage über mehrere Jahrhunderte differenziert verfolgen. Mats Morgren veranschaulichte anhand ausgewählter Beispiele aus Schweden, inwieweit die politische und ökonomische Situation die Dimension der Peripherie im Vergleich zum Zentrum und zu den klerikalen und profanen Stützpunkten - also Kirchen, Herrensitzen und Burgen - bestimmt.

Werner Meyer machte in seinem Beitrag vor allem deutlich, inwieweit die uns heute zur Verfügung stehendende Terminologie zur Burgenforschung zu Mißverständnissen führt und Lücken aufweist. Abgesehen davon wurde darauf hingewiesen, daß bei der typologischen Einordnung einer Burg in Kategorien wie "Castell" oder "Fluchtburg" wesentlich genauer auf die topographische Lage des Burgortes, die Zeitstellung der einzelnen Bauteile und die Funktion selbiger C ob nun mono- oder multifunktional C geachtet werden muß. Diese Ansichten wurden besonders von Tomás Durdik unterstützt.

Die Exkursionen, die in das Tagungsprogramm integriert waren, boten den Teilnehmenden nicht nur einen tieferen Einblick in die einzelnen eindrucksvollen Burganlagen des Deutschen Ordens, sondern auch in die Organisation und Funktion der jeweiligen Baukörper und Raumfolgen einzelner Anlagen. Neben den Ausführungen der langjährigen Kenner der Ordensburgen (Marian Arszy2ski, Maciej Kilarski, Kazimierz Pospiesny u.a.) ermöglichten vor allem die Darlegungen von Tomasz Torbus einen umfassenden Einblick in die Architektur und die Bedeutung der einzelnen Ordensburgen. So darf seine Dissertation über die Burgen des Deutschen Ordens, die in Kürze fertiggestellt werden wird, mit Spannung erwartet werden. Schon vor Ort berichtete er über neue Erkenntnisse bezüglich der unterschiedlichen funktionalen Aufgaben einzelner Bauteile sowie über die verschiedenen Zielsetzungen in der Bauaufgabe von rein fortifikatorischen oder repräsentativen Anlagen.

In bezug auf die Multifunktionalität mittelalterlicher Kirch-Burg-Anlagen in Estland ist der Beitrag von Kaur Alttoa (Tartu) zu erwähnen. Er stellte einige Beispiele von bewehrten und ausgebauten Kirchburgen vor, wie z.B. das Kloster von Padise und den Bischofssitz von Pärnu. Die während der Exkursion besuchte Domburg von Frombork ergänzte das Bild von diesem Bautypus.

Die unterschiedlichen Referate zeigten in aller Deutlichkeit, daß es notwendig ist, eingehender über Forschungsansätze und Methoden sowie die Präsentation der Ergebnisse nachzudenken und interdisziplinäre, länderübergreifende Forschung nicht nur immer wieder anzustreben, sondern auch zu verwirklichen. Dies faßte Knut Drake zum Abschluß des Symposiums zusammen, indem er das anschauliche Bild des Wissenschaftlers als Detektiv, der nur mit stichhaltigen Argumenten und Beweisen sowie mit Weitblick seine Aufgaben lösen kann, den Teilnehmenden als Vorbild nahelegte.

Harry Alopaeus (Finnland): Preventing watercarried attacs in Nordic countries. The use of underwater pilings as defence of medieval castles; Kaur Alttoa (Estland): Combination of the church and castle in Estonia; Marian Arszy2ski (Polen): Mittelalterliche Burgen auf dem Gebiete des Ordenstaates Preussen C Bemerkungen zur Geschichte ihrer Erforschung und zum Forschungsstand; Ernst Badstübner (Deutschland): Wartburg und Marienburg; Andris Caune (Livland): Bischofsburgen in Riga im 13. Jahrhundert; Knut Drake (Finnland): Burg und Stadt Viipuri; Tomás Durdík (Tschechische Republik): Königliche Burgen und Städte in Böhmen des 13. Jahrhunderts; Anna-Lena Eriksson (Norwegen): Town and castle as a framework for social structure C on norwegian example; Torkel Eriksson (Schweden): Burg und Rundkirche. Einige skandinivische Beispiele; Mieczyslaw Haftka (Polen): Podzamcze/Kwidzyn (Unterberg/Marienwerder). Von der befestigten Pruzzen-Siedlung bis zur Deutschordensburg; Johannes Hertz (Dänemark): Gjorslev, a Danish bishop's castle with architectural reference to the Teutonic Order; Markus Hiekkanen (Finnland): Turku Cathedral as a fortifikation. A re-evaluation; Jan Kamphuis (Niederlande): Rauten und geometrische Ornamente im Backsteinmauerwerk der holländischen Burgen; Maciej Kilarski (Polen): Das Schloss und die Stadt Marienburg auf dem verschollenen Bild "Die Belagerung der Marienburg"; Kenneth Kartaschew (Schweden): The transition of medieval castles in renaissance fortifications in Sweden; Kazys Napaleonas Kitkauskas (Litauen): Die Entwicklung der Gebäude der Vilniuser Unteren Burg (der Palast, die sakralen Bauten, die Schutzmauer: auf Basis der Analyse erhaltener architektonischer Elemente); Christine Kratzke (Deutschland): Dargun. Burg, Kloster und Schloss C Herrschaftssicherung und Nutzungskontinuität; Albinas Kuncevicius (Litauen): The medieval castles in Trakai. Fortifications and town in the 13th-14th century; Mati Mandel (Estland): Burg und Siedlung in Lihua; Werner Meyer (Schweiz): Methodologische Probleme der Burgentypologie; Mats Mogren (Schweden): The role of churches, manors an forts in medieval Swedish state expansion; Ieva Oese (Livland): Beitrag von Karl von Löwis of Menar (1855-1930) zur Burgenforschung in Alt-Livland; Elzbieta Pilecka (Polen): Tradition der Architektur des Deutschen Ordens in der Danziger Baukunst nach 1454; Tadeusz Poklewski (Polen): The castle in the defensive system of the royal towns in Great Poland, 14th century; Anders Reisnert (Schweden): The city of Malmö and the castle of Malmöhus; Jørgen Skaarup (Dänemark): Guldborg C a Danish refuge of the 1100s attacked and taken by the Wends; Joan Tamm (Estland): Combination of the castle and town in Tallin; Kari Juhani Uotila (Finnland): The bishop castle of Kuusisto and its "Hinterland"; Kjeld Borch Vesth (Dänemark): Hammerhus castle, history and preservation; Gintautas Zabiela (Litauen): Wooden castle systems in Lithuania in the 13th-14th century.

Christine Kratzke, Kiel

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Interdisziplinäre Tagung des Mittelalterzentrums Greifswald
"Fremdheit und Reisen im Mittelalter"
Greifswald, 24.-25. November 1995

Am 24. und 25. November 1995 fand in der altehrwürdigen Aula der Ernst-Moritz-Arndt-Universität zu Greifswald eine interdisziplinäre Tagung des dort frisch aus der Taufe gehobenen Mittelalterzentrums statt. Mit dieser ausdrücklich ganz "aus eigener Kraft" bestrittenen Veranstaltung (d.h. die zahlreichen auswärtigen Gäste beschränkten sich auf Diskussionbeiträge und Anregungen) präsentierte sich der die Bemühungen von Vertretern der unterschiedlichsten Disziplinen und um das Mittelalter bündelnde fakultätsübergreifende Kreis einem aus allen Teilen der Republik angereisten Publikum. Da ein Ziel der Tagung, auf der Doktoranden ebenso zu Wort kamen wie Ordinarien und Emeriti, u.a. darin bestand, möglichst allen der im Mittelalterzentrum vertretenen Disziplinen die Gelegenheit zu eröffnen, ihre spezifischen Methoden und Inhalte in eigenen Beiträgen zu präsentieren und ihr jeweiliges Fachwissen in die Diskussion einzubringen, hatte man das Thema der Tagung bewußt weit formuliert. Im Verlauf der Veranstaltung zeigten sich Ansätze zu dem erstrebten interdisziplinären Diskurs dann in erster Linie zwischen den Vertretern der historischen und der philologischen Disziplinen, wobei man hier das durch die jeweils andere Seite in die Diskussion Eingebrachte problemlos in den eigenen Argumentationsgang übernehmen konnte, dabei bisweilen auch Widersprüche zu den Aussagen der eigenen Quellen aufspürte und so schließlich auf neue gemeinsame Fragen stieß. Obwohl von mehreren Referenten auch nichtschriftliche Quellen berücksichtigt und mit Hilfe von Diapositiven vorgestellt wurden, hätte der eine oder andere Vortrag aus dem Bereich der Kunstgeschichte dem Kolloquium doch Akzente geben können, die man so ein wenig vermißte.

Einen geradezu idealen Ansatzpunkt für die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit "Fremdheit und Reisen" bot der Beitrag von Ulrich Müller zur Wanderung bzw. Verbreitung von Brettspielobjekten und den damit verbundenen Ideen. Obwohl der Referent zunächst von der archäologischen Überlieferung mittelalterlicher Spielfiguren ausging, zeigten sich in der anschließenden Diskussion zahlreiche Anknüpfungspunkte: Mit Schach und anderen Brettspielen vertrieb man sich bei Hofe und während der Schiffspassage ins Heilige Land die Zeit, als schachspielend sehen wir Tristan und Isolde in zeitgenössischen Handschriftenillustrationen. Oftmals fanden aus wertvollen Materialien gefertigte Spielsätze als Geschenke oder Beutestücke den Weg in Schatzkammern oder Sammlungen, wobei die Idee des Spiels den neuen Besitzern mitunter gänzlich verborgen blieb. Wo man sich dagegen im Schach oder ihm verwandten Brettspielen maß, spiegelte sich bisweilen ein Stück gesellschaftlicher Realität auf dem Spielbrett wider. So konnte Müller in seinem Vortrag zeigen, wie neben dem "Spiel der Könige" an der Wende vom Früh- zum Hochmittelalter im skandinavischen Raum ein anderes Spiel stand, in dem es nur eine Zentralfigur ("hnefi"), dafür aber wohl zwei streitende (Adels-) Parteien gab. Diese wie auch viele weitere Beobachtungen C etwa zur künstlerischen Ausführung der je nach dem gesellschaftlichen Umfeld von den Zeitgenossen offenbar ganz unterschiedlich interpretierten Spielfiguren C führten zu einer äußerst lebhaften interdisziplinären Diskussion.

Sowohl mit der Frage nach der Bewertung und Relativität des Fremden als auch mit den verschiedenen Aspekten der Brautwerbung und Brautfahrt wurden auf der Tagung für die Residenzenforschung äußerst wichtige Themenkreise angesprochen. Das gilt ebenso für den von D. Kattinger vorgestellten, zunächst als Marionette seines Vaters im fernen Mecklenburg in Schweden regierenden und nach dem Tod seines Protektors in dem ihm fremd gebliebenen Land so kläglich scheiternden König Albrecht, wie für das weite Feld des Reisens im Zusammenhang mit Eheanbahnungen und Hochzeiten. Letzteres wurde auf der Tagung etwa am Beispiel der Reise der Burgunder im Niebelungenlied (K. H. Ihlenburg), der hochmittelalterlichen Verarbeitungen des Themas von Tristan und Isolde (D. Ruhe) oder auch der Fürstenhochzeit des Spätmittelalters (K.-H. Spieß) von verschiedenen Seiten beleuchtet. Es kam deutlich zum Ausdruck, daß sich nach der diplomatischen Anbahnung einer Hochzeit in der Regel zunächst Brautwerber und bisweilen "Begutachter" auf den Weg machten und daß sich dann meist die Braut selbst auf die Reise zu ihrem Bräutigam begab. Auch das rituelle Miteinander der Brautleute (Stichwort "öffentliches Beilager"), zeremonielle Formen von Empfang und Einritt sowie auch die Hochzeit selbst sind in diesem Zusammenhang von großer Relevanz. Daß eine Hochzeit, zumal eine auf fürstlicher Ebene, auch immer ein eminent politisches Ereignis war, zeigte sich darin, daß man zunächst auf einer diplomatisch denkbar niedrigen Ebene mit Verhandlungen einsetzte C damit ließ sich der Gesichtsverlust bei Abbruch der Verhandlungen begrenzen C, daß am Ende ein regelrechter Vertrag ausgehandelt wurde und daß dann Brautfahrt und Hochzeitsfeier selbst dazu dienten, den Glanz und den Reichtum der eigenen Dynastie nach außen zu präsentieren, gleichzeitig aber zum regen politischen Austausch genutzt wurden. Gerade was die Verarbeitung, Interpretation und Darstellung von durch Hochzeit und Brautfahrt erfahrener Fremdheit angeht, scheinen die - von Topik bestimmten - literarischen Zeugnisse das in der archivalischen und chronikalischen Überlieferung gezeichnete Bild bisweilen anders zu akzentuieren.

Von der Brautfahrt lenkte Cordula Nolte den Blick auf die im Spätmittelalter geradezu als Phänomen zu bezeichnende Reise ins Heilige Land. Dabei wurde deutlich, daß - trotz der seit dem letzten Jahrhundert ständig wachsenden Zahl von Publikationen zu diesem Themenkomplex - ein differenzierender Blick auf die Reisetätigkeit des niederen und des hohen Adels zu manch neuer Interpretation führen kann. Auch hier sollte die Residenzenforschung aufmerksam hinsehen, geht es doch um Fragen der Ehre, der Repräsentation, des Selbstverständnisses und nicht zuletzt auch der Selbstdarstellung. Daß es nämlich beileibe nicht nur die spirituellen Aspekte der Reise als Wallfahrt gewesen sein dürften, die die Fürsten Mühen und Gefahren auf sich nehmen ließen, sollte spätestens dann klar werden, wenn wir uns vor Augen halten, welch bisweilen gewaltiger finanzieller und organisatorischer Aufwand mit einer solchen "Pilgerfahrt" ins Heilige Land verbunden war.

Insgesamt wurden auf der Greifswalder Tagung folgende Vorträge gehalten, deren Publikation geplant ist:

Detlef Kattinger (Historisches Institut), "Landesfremde als Könige in Skandinavien im 14./15. Jahrhundert"; Karl-Heinz Spieß (Historisches Institut), "Unterwegs zu einem fremden Ehemann. Brautfahrt und Ehe bei europäischen Fürstenheiraten des Spätmittelalters"; Doris Ruhe (Romanische Philologie), "Die fremde Frau. Literarische Brautfahrten und zeitgenössisches Eherecht"; Cordula Nolte (Historisches Institut), "Pilgerfahrten der Reichsfürsten nach Jerusalem im 14. und 15. Jahrhundert"; Jürgen Regge (Rechtswissenschaften), "Übersiebnen landschädlicher Leute und Verfahren auf Leumund als summarische Arten des Strafprozesses gegenüber Fremden"; Heinz-Peter Schmiedebach (Geschichte der Medizin), "Reisen und Fremdheit im Angesicht der Pestepidemie im 14. Jahrhundert"; Christoph Friedrich (Geschichte der Pharmazie/Sozialpharmazie), "Der mittelalterliche Apotheker unterwegs"; Horst Wernike (Historisches Institut), "Der Hansekaufmann als Gast in fremden Landen - Aufnahme und Verhalten" (öffentlicher Abendvortrag); Nils Jörn (Historisches Institut), "Die Aufnahme fremder Kaufleute und Handwerker in England im 15. und 16. Jahrhundert"; Mark Löwener (Historisches Institut), "Die Diplomatie des Deutschen Ordens zur Gründung seiner preußischen Landesherrschaft in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Erkenntnisse anhand von Reisegeschwindigkeit und Itinerarforschungen"; Ulrich Müller (Institut für Vor- und Frühgeschichte), "Der 'kunig' und der 'hnefi' - archäologische Zeugnisse zur Objektwanderung"; Irene Erfen (Deutsche Philologie), "Gloria graeca - die Rezeption der iro-schottischen Bildung im Rhein-Maas-Gebiet"; Rolf Bräuer (Deutsche Philologie), "Das Unterwegssein als wichtigste literarische Existenzweise des mittelalterlichen Menschen (Epik)"; Karin Cieslik (Deutsche Philologie), "Vom Umgang mit kultureller Fremdheit in der Epik des 13. Jahrhunderts"; Karl Heinz Ihlenburg (Deutsche Philologie), "Fremdheit und Reisen im Nibelungenlied"; der angekündigte Beitrag von Hartmut Bettin (Historisches Institut) zu "Institutionalisierung der Fremdenfürsorge in den mittelalterlichen Städten Norddeutschlands" mußte bedauerlicherweise ausfallen.

Man darf schon jetzt auf die nächste Tagung des Greifswalder Mittelalterzentrums gespannt sein und kann nur hoffen, daß das Interesse dann - bei entsprechend ebenso glücklicher Themenwahl und vielleicht auch unter Einschluß auswärtiger Referenten - ähnlich groß sein wird wie im vergangenen Oktober.

Detlev Kraack, Berlin

Weitere Informationen zu den laufenden und zu den geplanten Aktivitäten des Mittelalterzentrums: Prof. Dr. Karl-Heinz Spieß, Mittelalterzentrum Greifswald, Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Domstr. 9a, D-17489 Greifswald, Tel. (03834) 63327 und 63275, Fax (03834) 63275.

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Internationales Kolloquium
Les Princes et l'Histoire, XIVe-XVIIIe siècle
organisiert vom Deutschen Historischen Institut Paris und der
Université de Versailles-Saint-Quentin
Paris, Versailles, 13.-16. März 1996

Das Kolloquium setzte sich zum Ziel, die verschiedenen Ebenen der Bezüge der Fürsten zur Geschichte vom 14. bis zum 18. Jahrhundert näher zu fassen. Ausgehend von der Rolle der Geschichte in der Prinzenerziehung, den Fürstenspiegeln sowie Fürsten als Autoren historischer Texte wurde versucht, der Vielfalt der Aspekte des Gesamtthemas gerecht zu werden. Die vier Sitzungen der Sektion Mittelalter fanden am 13. und 14. März in den Räumen des DHI Paris statt, die vier Sektionen zur Frühen Neuzeit wurden am 15. und 16. März im Schloß von Versailles durchgeführt.

Die wissenschaftliche und organisatorische Leitung der Veranstaltung lag in den Händen von Prof. Dr. Werner Paravicini und Prof. Dr. Michel Zimmermann (Bereich Mittelalter) sowie Frau Prof. Dr. Chantal Grell und Prof. Dr. Jürgen Voss (Bereich Frühe Neuzeit).

Die erste, von Karl Ferdinand Werner (Rottach-Egern) eingeleitete und moderierte Sitzung wandte sich dem Gesamtproblem der Fragestellung zu. Klaus Graf (Bielefeld) eröffnete das Kolloquium mit seinem Beitrag "Fürstliche Erinnerungskultur im deutschen Mittelalter", d.h. der Rolle der Altertümer, Monumente, Ahnengalerien und Porträtmedaillen. Jean-Marie Moeglin (Paris) zeigte am Beispiel der Landgrafschaft Hessen und der Grafschaft Toulouse, wie seit dem 13. Jahrhundert regionale Identitäten geformt wurden. Christian de Mérindol (Paris) analysierte die Formen fürstlicher Selbstdarstellung am Ausgang des Mittelalters. Uwe Neddermeyer (Köln) arbeitete mit Hilfe einer Dokumentation "Die Funktion historischer Werke als Ratgeber und Lehrbücher (nicht nur) der Fürsten" heraus. Und Guy Marchall (Luzern) zeigte am Beispiel der Eidgenossenschaft den Einsatz der Geschichte in einer fürstenfreien Gesellschaft.

Die zweite Sitzung unter der Leitung von Bernard Guenée (Paris) wandte sich konkreten Sachverhalten im Reich und in Polen zu. Rolf Sprandel (Würzburg) vermittelte seinen deutschen Text "Die Rechtfertigung des Krieges durch deutsche Hofchronisten im Spätmittelalter" in direkter freier französischer Übersetzung den Zuhörern. Im Vortrag von Iwanczak Wojciech (Warschau) "L'Empereur Charles IV et son attitude face à l'histoire" spielte der St. Wenzelskult naturgemäß eine gewichtige Rolle. Da Frau Cordula Nolte (Greifswald) erkrankt war, wurde ihr Referat "Fürsten und Geschichte im Nordosten des spätmittelalterlichen Reiches" dem Kolloquium schriftlich zugänglich gemacht. Die beiden letzten Beiträge konzentrierten sich ganz auf Probleme des polnischen Raumes. Maria Koczerska (Warschau) sprach über "L'amour de la patrie et l'aversion pour la dynastie: l'exemple de Jean Dlugoz, historiographe des Jagellons". Und Malgorzata Wilska (Warschau) ging näher ein auf "Les princes et l'histoire dans le duché de Mazovie au XVe siècle".

Die dritte Sitzung, geleitet von Rolf Sprandel (Würzburg), befaßte sich mit dem französischen Raum. Michael Jones (Nottingham) untersuchte eingehend Guillaume de Saint-André und seine um 1385 geschriebene Biographie des Herzogs Johann IV. der Bretagne. Das Verhältnis Fürsten/Geschichte am Beispiel der Herzöge von Burgund aus dem Hause Valois wurde von Michael Zingel (Bonn) behandelt. Und Joachim Ehlers wagte sich mit "Philippe de Commynes und die Fürsten dieser Welt" an ein kapitales Segment des Gesamtthemas. Er konnte zeigen, daß Religiosität und Realismus bei Commynes zwei untrennbare Komponenten sind. Die Sitzung schloß mit dem Referat von Philippe Contamine (Paris), der "La Geste des nobles françois" präsentierte und die schwierige Überlieferungsfrage dieses Textes klären konnte.

Die vierte und letzte Sitzung der Mittelaltersektion wurde von Jacques Le Goff moderiert. Gerd Melville (Dresden) brachte eine überzeugende Erläuterung zu dem "Débat des héraulx d'armes de France et d'Angleterre", einem Text, der nach Huizinga von den Historikern vernachlässigt worden war. Jean-Philippe Genet (Paris) schloß mit Ausführungen über "Les princes anglais et l'histoire à la fin du moyen âge" an. Anhand von Bildmaterial erläuterte Cecil Clough (Liverpool) Federigo Montefeltros Konzept und Verwendung der Geschichte. Riccardo Fubini (Florenz) präsentierte ein kompaktes Referat über "Macchiavelli, les Medicis et l'histoire au XVe siècle". Die Sitzung wurde mit einem Schlußwort von Werner Paravicini beendet, der in seinen Ausführungen zugleich die Verbindungslinien zu den frühneuzeitlichen Sitzungen in Versailles herstellte.

Die vier Sitzungen der Frühneuzeit-Sektion ließen sich nicht so klar thematisch abgrenzen wie jene der Mittelalter-Sektion. Gliederungselement blieb daher eher die chronologische Komponente, so daß die erste, von Jean Meyer (Paris) geleitete Sitzung neben einem übergreifenden Referat sich auf Fragen des 16. Jahrhunderts konzentrierte. Rainer A. Müller (Eichstätt) gab einen Überblick über die Strukturen der etwa 200 Fürstenspiegel der frühen Neuzeit und ihre Beispielfunktion in der Frühmoderne. Die Karl V. gewidmete "Institutio principis christiani" (1516) von Erasmus wurde von Wilhelm Ribhegge (Münster) vor dem Hintergrund der burgundischen Tradition gewürdigt. Florence Alazard (Tours) zeigte am Beispiel des feierlichen Einzugs von Margarete von Habsburg 1599 in Pavia, wie historische Komponenten bei dieser Zeremonie eingesetzt wurden. In welchem Ausmaße Fürstenspiegel als Mittel des politischen Kampfes im Herzogtum Preußen im 16. Jahrhundert Verwendung fanden, konnte von Igor Kakolewski (Warschau) überzeugend dargelegt werden.

Die sechste Sitzung, geleitet von Jean-Pierre Babelon (Versailles), führte in das 17. Jahrhundert ein. Der Vortrag von Friedrich Polleroß (Wien) "Alexander redivivus et Cleopatra nova. L'identification avec les héros et héroines de l'histoire antique dans le portrait historié" gab eine eindrucksvolle Übersicht zur Frage, welche Heldengestalten wann und wo und wie häufig Präferenzen fanden. Orest Ranum (Baltimore) legte daran anschließend dar, welche Aufgaben die königlichen Historiographen im Frankreich des 17. Jahrhunderts im einzelnen wahrgenommen haben. Der Vortrag von Alois Schmid (Erlangen) illustrierte, wie der Jesuitenpater Matthäus Rader mit seiner "Bavaria sancta" die von Maximilian I. getragene Politik, Bayern zu einem Modellstaat der Gegenreformation zu machen, unterstützte.

In der siebten Sitzung, moderiert von Klaus Malettke (Marburg), stand der französische Raum unter Ludwig XIV. und Ludwig XV. im Mittelpunkt. Chantal Grell (Versailles) gab eine dichte Analyse der französischen Kultur- und Wissenschaftspolitik unter Colbert, ihrer Zielsetzung und ihrer Umsetzung in Hinblick auf Gelehrsamkeit und Geschichtsschreibung. Hermann Kleber (Trier) stellte Ludwig XIV. als ersten französischen König vor, der Memoiren schrieb, und erläuterte im einzelnen die Bedingungen und Zielsetzungen des Werkes. Jean-Louis Quantin (Versailles) zeigte am Beispiel des Jesuitenpaters Maimbourg, wie im Frankreich des 17. Jahrhundert die SJ zur Glorifizierung der königlichen Politik beitrug. Pascale Mormiche (Versailles) untersuchte auf anschauliche Weise, wie Fleury den jungen Ludwig XV. in der französischen Geschichte unterrichtete.

Die Schlußsitzung des Kolloquiums wurde von Ilja Mieck (Berlin) geleitet und hatte europäische Dimension. Fritz Osterwalder (Bern) arbeitete die besonderen Züge der jansenistischen Prinzenerziehung heraus. Janós Kalmár (Budapest) zeigte, welche Bedeutung die Erziehung des Kaisers Karls VI. in der Ausbildung seiner Regierungsprinzipien einnahm. Marie-Christine Skuncke (Uppsala) vermittelte in einem schwungvollen Vortrag die Funktion der Geschichte in der Erziehung Gustav III. von Schweden. Das Kolloquium schloß mit dem Vortrag von Klaus Malettke (Marburg), der die in französischer Sprache geschriebenen Memoiren des Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen-Kassel vorstellte, ein Werk, das nur im Manuskript existiert und daher bisher praktisch unbekannt war.

Die Akten dieses Kolloquiums werden von Deutschen Historischen Institut publiziert.

 

Jürgen Voss, Paris
 
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Internationales Symposium,
The World of the Favourite 1550-1700
Magdalen College, Oxford, 29.-31. März 1996

Die von Sir John Elliott und Laurence Brockliss organisierte Tagung griff ein Thema auf, das Elliott selbst in seiner großen Biographie des Conde-Duque Olivares an einem besonders prominenten Beispiel behandelt hat, die Rolle des Günstlings, des Valido, oder auch des Premierministers, des minister praepotens an den Höfen und in der Zentralverwaltung der großen europäischen Monarchien des ausgehenden 16. und des 17. Jahrhunderts. Insbesondere der Kernzeitraum dieser Epoche, die Jahrzehnte von der Jahrhundertwende bis etwa 1660, gelten oft als klassisches Zeitalter des Favoriten. In dieser Zeit wurde die spanische Politik nacheinander vom Herzog von Lerma, vom Grafen Olivares und anschließend von Don Louis de Haro beherrscht. In England prägte der 1628 ermordete Herzog von Buckingham das Bild des Favoriten und sprichwörtlich war auch der Einfluß persönlicher Vertrauter auf den Herrscher während der letzten Regierungsjahre Kaiser Rudolfs II. (gest. 1612) in Prag. Nicht ganz so einfach ordnen sich vielleicht die Kardinalminister Richelieu und Mazarin in dieses Muster ein, aber die Konzentration der gesamten Verwaltung und der königlichen Patronage auf eine einzelne Person findet sich auch hier.

Die Konferenz wurde eröffnet durch einen Vortrag von James Boyden (New Orleans) über die Favoriten der spanischen Könige vom späten Mittelalter bis zum frühen 17. Jahrhundert. Boyden wies darauf hin, daß Philipp II. von Spanien seine Umgebung in seinen späteren Lebensjahren nicht zuletzt deshalb bewußt auf Distanz hielt, weil er nach frühen Entttäuschungen keiner Person seiner Umgebung mehr die Rolle eines Favoriten einräumen wollte. Aus anderen Gründen war auch seine Zeitgenossin Elisabeth I. von England darauf bedacht, keinem Minister und keinem Höfling eine Ausnahmestellung und ein "Vertrauensmonopol" einzuräumen, wie Paul Hammer (Armidale, Australien) zeigte. Hier spielte allerdings eher der Gedanke eine Rolle, daß eine Frau als Herrscherin es sich nicht leisten könne, ihr Geschick einem Favoriten anzuvertrauen, wenn sie nicht die Kontrolle über ihre Umgebung ganz und gar verlieren wollte. Mit England setzte sich auch Pauline Croft (Royal Holloway College, London) in ihrem Beitrag über die Karriere Robert Cecils am Hofe Jakobs I. in den Jahren 1603-1612 auseinander. Allerdings kam sie zu dem Schluß, daß Cecil als leitender Minister dem klassischen Bild eines Favoriten nicht ensprach, jedenfalls nicht nach den zeitgenössischen englischen Vorstellungen.

Sehr viel grundsätzlichere Fragen griff I.A.A. Thompson (Berkhamsted) in seinem Vortrag über die Rolle der Favoriten in Spanien (The Institutional background to the rise of the minister-favourite) auf. Thompson sah den Aufstieg eines Lerma und nach ihm des Grafen Olivares letzten Endes als Antwort auf die oft beschworene Krise der 1590er Jahre, die in Spanien freilich besondes ausgeprägt war, an. Diese Krise zeigte, daß sich Kastilien und Aragon nicht mehr rein oder überwiegend "bürokratisch" regieren ließen. Königliche Anordnungen ließen sich auf der lokalen Ebene nur durchsetzen, wenn es gelang, die Kooperation der dortigen Eliten zu gewinnen. Gerade hier entfalteten die Favoriten, die umfangreiche Klientelverbände in den Provinzen aufbauten und bislang vorwiegend persönliche Patronagebeziehungen politisierten, ihre Aktivität. Ihre Verwurzelung in der aristokratischen Führungsschicht (in Spanien war diese bis 1660 in der Regel gegeben) trug überdies dazu bei, die Spannungen zwischen Hocharistokratie und Krone, die im Laufe des 16. Jahrhunderts entstanden waren, abzubauen. Durch ihre Doppelrolle als Minister und Höflinge machten die validos den Hof erneut zum eigentlichen Zentrum der Politik ("the valido takes government back into court"). Von hier aus koordinierten sie die Tätigkeit der verschiedenen Ratsgremien, die in der spanischen Weltmonarchie in der Regel nur eine sachlich oder regional/national beschränkte Zuständigkeit besaßen.

Thompsons Überlegungen wurden ergänzt durch Sir John Elliotts eigenen Beitrag über Olivares. Elliott betonte, daß der Conde-Duque es vermied, sich selbst als privado oder valido zu bezeichnen und sich auch bemühte, seinen königlichen Herren Philipp IV. zur aktiven Anteilnahme an den Regierungsgeschäften zu bewegen. Dennoch schuf er faktisch ein Regierungssystem, das ganz auf ihn zugeschnitten und in dem er unentbehrlich war. Auffällig war, daß Olivares in seinem persönlichen Auftreten eher bescheiden blieb, und oft mehr den Eindruck eines überarbeiteten Sekretärs als eines mächtigen Ministers und adligen Magnaten erweckte. Im Vergleich dazu sticht der ganz andere persönliche Stil des Herzogs von Buckingham in England hervor, wie Linda Levy Peck (Rochester University, NY) deutlich machte. Buckingham hielt sich viel auf seine glänzende äußere Erscheinung zugute, trat aber auch in einem für das damalige England ungewöhnlichen Ausmaß als Auftraggeber führender Künstler der Epoche (z. B. Rubens, van Dyck) und Sammler von Gemälden auf. Freilich beruhte sein Einfluß auf den Herrscher zumindest unter Jakob I. auch auf ganz anderen Faktoren als die Machtstellung eines Olivares, denn ein erotisches Element ist in der Zuneigung des Stuartkönigs zu seinem Günstling unübersehbar.

Ronald Asch (Münster) ging ebenfalls von einem Einzelfall, dem Schicksal des württembergischen Rates Mathäus Enzlin (hingerichtet 1613) aus, um allgemeine Probleme der Beziehungen zwischen Günstlingen und Herrschern respektive Günstlingen und Ständen zu verdeutlichen. Enzlin war der wichtigste Ratgeber und Favorit des Herzogs Friedrich von Württemberg (1592-1608). Die ständefeindliche Politik des Herzogs stützte sich wesentlich auf Enzlins Rechtsgutachten, der im übrigen auch führend an den finanziellen Transaktionen des Herzogs, die oft unter Umgehung des normalen Verwaltungsweges vorgenommen wurden, beteiligt war. Gerade dies wurde nach 1608 zur Grundlage eines Korruptionsprozesses, der erst zu Enzlins Einkerkerung und dann zu seiner Hinrichtung führte. Enzlins Karriere macht deutlich, daß der frühneuzeitliche Favorit das Spannungsverhältnis zwischen Privat und Öffentlich einerseits ausnutzte, indem er als persönlicher Vertrauter des Herrschers die normale Ämterhierarchie und ihre Eliten marginalsierte, andererseits auch zum Opfer dieser Spannung werden konnte, wenn er an einem Verhaltenskodex gemessen wurde, der die Beratung des Herrschers auf die offiziellen Ratsgremien und die Ständeversammlungen einengte und es ablehnte, in den persönlichen Freunden und Vertrauten des Herrschers seine legitimen Ratgeber zu sehen, oder ihnen das Recht zur Annahme von Geschenken von Petenten - so sehr dies in der Praxis üblich war und durch rivalisierende Verhaltensnormen auch legitimiert wurde - zuzugestehen. Verwandte Fragen griff auch Antonio Feros (New York University) in seinem Vortrag (From favourite to prime minister: Spain and Europe) auf. Feros, der seinen Beitrag dem Andenken an Francisco Tomás y Valiente des vor kurzem von der ETA ermoderten spanischen Juristen und Historikers und Autors eines grundsätzlichen Werkes über die spanischen Validos widmete, analysierte vor allem die zeitgenössischen theoretischen Auseinandersetzungen über die Rolle des Valido. Hierfür waren drei Genera von Traktaten einschlägig. Die Abhandlungen über den Höfling, über den Consiliarius und schließlich die im 17. Jahrhundert entstehende Spezialliteratur über den Favoriten. Zumindest in Spanien enstand dabei durchaus auch ein positives Bild des Favoriten, wenn dieses auch keineswegs von allen Zeitgenossen aktzeptiert wurde. Im Sinne dieser positiven Deutung war der valido zugleich der ideale Hofmann, der vollkommene Freund des Monarchen und der vollendete Ratgeber. Autoren, die der Institution des valimiento positiv gegenüberstanden, betonten, daß der Monarch einen Freund habe müsse, dem es möglich sei, mit dem König offen politische Probleme zu erörtern, als ein nahezu Gleichgestellter. Diese bewußte Verbindung des Privaten mit dem Öffentlichen, des Persönlichen mit den Institutionellen und der Freundschaft mit der offiziellen Stellung eines Ratgebers wurde allerdings außerhalb Spaniens meist sehr viel kritischer gesehen. Ein wirkliches Äquivalent zum spanischen valido gab es somit in England und Frankreich eigentlich nicht, wobei erschwerend hinzukam, daß die zeitgenössische politische Theorie sich hier mit der Sphäre des Hofes, der eigentlichen Wirkungsstätte des Favoriten, meist noch schwerer tat als in Spanien. Das von Feros angesproche wichtige Problem der politischen Freundschaft thematisierte auch David Wootton (Oxford) an Hand der einschlägigen Schriften des englischen Lordkanzlers Francis Bacon, der selbst durchaus Ambitionen hatte, zum Favoriten des Königs aufzusteigen. Bacon, so Wootton, legitimierte bewußte die Freundschaft zwischen Ungleichen, die dem antiken Ideal eigentlich widersprach.

Ein potentieller, aber letzten Endes gescheiterter Favorit wie Bacon war auch Nicolas Fouquet, jener französiche Oberintendant der Finanzen, den Ludwig XIV. 1661 auf Betreiben Colberts einkerkern ließ und damit in Frankreich das Zeitalter der allmächtigen Premierminister abrupt beendete. In seinem fulminanten Vortrag versuchte Marc Fumaroli (College de France, Paris) eine Ehrenrettung des glücklosen Finanziers. Fouquet bemühte sich tatsächlich an die durch den Tod Mazarins vakant gewordene Stelle des ersten Ministers zu treten, war aber, so Fumaroli, alles andere als ein korrupter Vertreter einer absolutistischen Politik, sondern vielmehr ein prinzipienfester Anwalt eines Ausgleichs zwischen der Krone und den ständischen Kräften. Dies war ein recht ungewohnter Blick auf die Karriere eines schon zu Anfang seiner eigentlichen Karriere gescheiterten Beinahe-Favoriten.

Anders als die meisten anderen Teilnehmer ging Jonathan Brown (New York University) vom Zeugnis der zeitgenössischen Kunstwerke aus und analysierte in seinem Vortrag die Selbstdarstellung der großen validos und Favoriten des 17. Jahrhunderts in der bildenden Kunst, und zeigte, wie sehr insbesondere Richelieu, daneben aber auch Buckingham und Olivares diese From der Selbstlegitimation systematisch betrieben. Weitere Aspekte des Problems des valimiento oder Favoritentums beleuchten Antoni Maczak (Magnaten und Favoriten in Polen), Orest Ranums (die politische Sprache Richelieus) Jean François Dubost (Aufstieg und Fall Concino Concinis in Frankreich zu Zeit Ludwigs XIII.), Blair Worden (der Favorit als Gegenstand zeignössischer Bühnenwerke), Knud Jesperson (der Favorit in Dänemark) und Jean Berénger (der Minister-Favorit am Kaiserhof in späteren 17. Jahrhundert).

Die Schlußdiskussion zeigte einerseits, daß manche Fragen offen geblieben waren, und insbesondere eine Definition des Favoriten, die für ganz Europa Gültigkeit beanspruchen kann (wie z.B. verhalten sich etwa Favorit und Erster Minister zueinander, sind diese Rollen vereinbar oder nicht?), wenn sie denn möglich ist, weiter ein Desiderat bleibt. Andererseits brachte die abschließende Aussprache doch noch einmal bestimmte Problemfelder zur Sprache, die für das Verständnis der Funktionsweise frühneuzeitlicher Höfe eine zentrale Bedeutung haben. So wurde darauf hingewiesen, daß der Aufstieg des Favoriten wohl auch ein Versuch war, das Amtscharisma des Königtums vor einer Abschwächung durch die täglichen Verwaltungs- und Patronagegeschäfte zu schützen, ein These, die ja im Hinblick auf das Papsttum und die Kardinalnepoten Wolfgang Reinhard schon vor Jahren vertreten hat. In diesem Zusammenhang, so wurde argumentiert, gelte es auch, die Rolle des Zeremoniells und der Hofordnungen zu berücksichtigen. Je unzugänglicher ein Herrscher war, desto mehr bedurfte er des Favoriten als eines Mittlers zwischen seiner Person und der Umwelt, wie gerade das spanische Beispiel deutlich macht. Schließlich wurde zu Recht hervorgehoben, daß die Rolle der Favoriten auch im Zusammenhang mit der zeitgenössischen Lehre von der Staatsräson und den arcana imperii zu sehen ist. Dort, wo das Geheimnis zum eigentlichen Wesensmerkmal des politischen Handelns im großen Stil und zugleich der Majestät der monarchischen Herrschaft wurde, erschien die Beratung wichtiger politischer Fragen in kollegialen Ratsgremien problematisch. Der Dialog zwischen Herrscher und valido konnte so unter Umständen zur einzig legitimen Form der politischen Willensbildung werden. Dieses Argument zeigt auch, daß das Phänomen des Favoritentums nur im Kontext der spezifischen politischen Kultur der frühen Neuzeit verstanden werden kann, zumal es nicht zuletzt die intensivere Rezeption der Schriften des römischen Historikers Tacitus im späten 16. Jahrhundert war, die das gängige Bild vom Favoriten (das Paradigma war Seianus) erst schuf und damit die beherrschende Stellung einzelner Vertrauter des Monarchen zu einem wichtigen Thema der politischen Debatte werden ließ. Darüberhinaus bleibt, wie während der Konferenz immer wieder anklang, die enge Verbindung des Privaten mit dem Öffentlichen, die für die Sphäre des Höfischen spezifisch und doch der zeitgenössischen politischen Theorie oft verdächtig war, eine wesentliche Grundlage des Favoritentums, wie schon der bereits genannte spanische Historiker Francisco Tomás y Valiente 1963 (Los Validos en la monarquía españaola del siglo XVII, 3. Aufl, 1990, bes. S. 63-65) betonte. In diesem Sinne sind nach Valiente der Aufstieg eines Lerma oder Olivares geradezu zu ein Symptom der Privatisierung oder Refeudalisierung staatlicher Institutionen, wie sie in Spanien seit den 1590er Jahren weithin zu beobachten ist, und für die es möglicherweise auch in anderen Monarchien Parallelen gibt.

Ronald G. Asch, Münster

Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen
 
Ausstellung
Le dressoir du Prince
Service d'apparat à la Renaissance
Musée national de la Renaissance, Château d'Ecouen
F-95440 Ecouen, 19. Oktober 1995-19. Februar 1996
 
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2. internationales Kolloquium zur Kunst der Stauferzeit
Forvm Fridericianvm 1995
Rheinisches Landesmuseum Bonn, 8.-10. Dezember 1995

Gehaltene Vorträge:

Peter Herde (Würzburg): Karl I. von Anjou in der histsorischen Forschung. - Hubert Houben (Lecce): Der deutsche Beitrag zur interdisziplinären Erforschung der Kastelle Friedrichs II. und Karls I. von Anjou: Bilanz und Perspektiven. - Bettine Jost (Köln): Kuno I. von Münzenberg als Bauherr - Überlegungen zum Einfluß des Bauherren auf die Baugestaltung des Profanbaus im 12. Jh. - Dankwart Leistikow (Dormagen): Bemerkungen zum Residenzpalast Friedrichs II. in Foggia. - Cornelia Berger-Dittscheid (Regensburg): Friedrich II., Fossanova und die Zisterzienser. - Alexander Knaak (Köln): Das Kastell von Augusta - neue baugeschichtliche Erkenntnissse. - Kai Kappel (Mainz): Buckelquader an Sakralbauten Süditaliens - Symbole staufischer Herrschaft? - Nicolas Reveyron (Lyon): Das friderizianische Portal "à l'antique" und seine rheinisch-rhodanischen Vorläufer. - Udo Liessem (Koblenz): Das Castello dell'Imperatore in Prato.- Dorothée Sack (Frankfurt a. M.): Castel del Monte - Architektur im Spannungsfeld zwischen Orient und Okzident. - Caroline Bruzelius (Rom): Charles I. d'Anjou und die architektonische Selbstdarstellung Frankreichs in Italien. - Peter Kurmann (Fribourg): Kaiser, Könige, Grafen - zum staufischen Herrscherbild im Bereich der deutschen Kathedralarchitektur. - Meinrad v. Engelberg (Bonn): Friedrich II. und die Krone von Palermo. - Paul Binski (Manchester): Künstlerische Verbindungen zwischen England, Deutschland und Italien im 13. Jahrhundert. - Jürgen Krüger (Karlsruhe): Die Arca di San Domenico - zur Entwicklung des Heiligengrabes im 13. Jahrhundert. - Ralph Melcher (Bonn): Zum Verhältnis süditalienischen und toskanischen Kanzelbaus zwischen 1150 und 1250.

Kontaktadresse: Leitung: Alexander Knaak; Dorothée Kemper

Rheinisches Landesmuseum Bonn (Dr. Hilgers)

Colmantstr. 14-16

D-53115 Bonn

Tel. 0228/7294-354, -356

Fax 0228/7294-299
 
 

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Symposion
Genealogie als Denkform in Mittelalter und früher Neuzeit
Graduiertenkolleg Politische Ikonographie und
Graduiertenkolleg Kunst im Kontext
Warburg-Haus, Hamburg, 9.-10. Dezember 1995

Gehaltene Vorträge in Auswahl (siehe nächste Seite):

Barbara Bauer (Marburg): Impresen, Devisen und Embleme: persönliche Wappen für Adelige des Geblüts und des Geistes. Exzerpte aus der emblemtheoretischen Diskussion. C Kilian Heck (Hamburg): Genealogie und Residenz. Ulrich zu Mecklenburg in Güstrow. C Ulrich Schütte (Marburg): Grablege und Schloßkapelle C Genealogisches Denken und Residenzbauten in den ernestinischen Territorien der frühen Neuzeit.

Kontaktadresse: Verantwortlich: Prof. Dr. Martin Warncke

Prof. Dr. Ulrich Schütte

Planung: Dr. Bernhard Jahn, Kilian Heck

Warburg-Haus

Heilwegstr. 116

D-20249 Hamburg
 

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Journée d'étude
Les contours de la Cour: cours, gouvernements, lieux de pouvoirs
Auditorium du Château de Versailles, 14. März 1996

Gehaltene Vorträge:

Jeroen Duindam (Utrecht): Les cours européennes: problèmes et perspectives. - Klaus Malettke (Marburg): Quelques aspects des récentes recherches historiques sur la Cour en Allemagne. - Jean-Louis Quantin (Versailles Saint-Quentin): Un lieu de pouvoir en crise de légitimité? La Cour d'Angleterre aux XVIIe et XVIIIe siècles. - Jacqueline Boucher (Lyon): Un monde ouvert et influent: la Cour des derniers Valois. - Christophe Blanquie (Paris): La Cour de France vue d'exil. - Edward Cop (Paris): Saint-Germain-en-Laye: la Cour anglaise et anglicane en France, 1689-1712. - Georges Poisson (Paris): Aspects de la Cour de Sceaux au XVIIIe siècle.
 

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Ausstellung/Studienwoche
Alle Origini della Gastronomia Europea
Austellung im Pallazzo Pretorio im Rahmen der
"XXVII Settimana di Studi Alimentazione e Nutrizione. Secc. XIII - XVIII"
Prato, 22.-27. April 1996

Vorträge in Auswahl:

22. April: R. van Uyten: Le débat entre le Vin et la Bière en Europe au Moyen Age et aux Temps Modernes.

26. April: J. Pániak: Tisch, Essen und Kultur im böhmischen Adelshofmilieu der Renaissancezeit. - M. A. Romani: "Regalis coena": aspetti economici e sociali del pasto principesco (Italia settentrionale secoli XVI-XIX). - T. Dunin-Wasowicz: Uguaglianze e differenze alla tavola signorile, ecclesiastica e laica della Polonia medievale. - B. Z. Kedar: The Accounts of Henry of Derby as a Source for the History of Alimentation. - V. Nazarov: L'alimentation d'élite de l'Etat Russe, XVe-XVIIIe siècles.

Kontaktadresse: Instituto Internazionale di storia economica Francesco Datini

Via L. Muzzi, 51

I-50047 Prato (Italien)

Tel. 0574/604197 C Fax 0574/604297

Emailadresse: datini@mbox.commune.prato.it
 

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Tagung
Chevalerie et religion chrétienne notamment les ordres militaires et hospitaliers au Moyen Age
Centre d'Etudes Médiévales de l'Université de Picardie, Amiens
Reineke Gesellschaft, Greifswald
Arbeitskreis "Deutsche Literatur des Mittelalters"
Greifswald, 23.-27. Mai 1996
 
Kontaktadressen:

Prof. Dr. Danielle Buschinger
93, Mail Albert 1er
F-80000 Amiens

Prof. Dr. Wolfgang Spiewok
Am Grünland 6a
D-17489 Greifswald
 

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4. Jahrestagung der Wartburg-Gesellschaft
Schloß Tirol C Saalbauten und Burgen des 12. Jahrhunderts in Mitteleuropa
Wartburg Gesellschaft/Germanisches Nationalmuseum
Brixen, 6.-9. Juni 1996

Kontaktadressen:

Geschäftstelle der Wartburg-Gesellschaft
c/o Germanisches Nationalmuseum
Postfach 119580
D-90105 Nürnberg

Thomas Biller (Anfragen zu Vorträgen)
Rubensstr. 102
D-12157 Berlin
Tel. 030/85 51 63 8
 

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Kolloquium
La Chapelle funéraire et la tombe monumentale
Centre d'Etudes Supérieures de la Renaissance
XXIVe colloque d'histoire de l'architecture
Université François-Rabelais
Tours, 11.-14. Juni 1996

Dienstag, 11. Juni: Arnaldo Bauschi (Rom), Tipologia e problematica degli spazzi funerari nel Rinascimento; Christoph-Luitpold Frommel (Rom, Hertziana), Le cappelle funerarie e i mausolei dei papi; Hubertus Günther (Zürich), Il primo progetto di Michelangelo per la tomba di Giulio II, tipologie e iconografia; Rodovan Ivancevic (Zagreb), La chapelle de Trogir; Luisa Giordano (Pavia), Monumenti e spazi funerari a Milano; Jan Simane (Kunsthistor. Inst., Florenz), Monumenti funebri dei Dogi a Venezia nel Cinquecento; Howard Burns (Venedig), Molte sepulture, pochi monumenti funebri: perchi veniva costruito un monumento sepolcrale a Venezia e nel Veneto?

Mittwoch, 12. Juni: Miklos Horler (Budapest, M.H.), La chapelle Bakócz à Esztergom et la chapelle funéraire de plan centré en Europe centrale; Elisabeth Scheicher (Innsbruck), The Plan of Emperor Maximilian I. for his Sepulchre; Sylvie Deswarte (CNRS, Lyon), Les chapelles royales du Portugal aux XVe et XVIe s.; Rafael Moreira (Lisboa), L'église funéraire de Tomar; Joaquín Berchez (Valencia), Las capillas funerarias de la monarquia aragonesa; Fernando Marias (Madrid) et Amadeo Serra (Valencia), La capilla Albornoz de la catedral de Toledo y los origenes del nuevo espacio funerario in Espana; Alfonso Rodriguez de Ceballos (Madrid), La tipologia octogonal en las capillas funerarias de la nobleza castellana en el siglo XVI; Cristiano Tessari (Venezia), Le cappelle funerarie all'uso romano nella Spagna del Cinquecento; Catherine Tessari (Brown U.), Le "Panthéon" de l'Escorial.

Donnerstag, 13. Juni: Markus Hörsch (Bamberg), Les fondations de Marguerite d'Autriche à Brou et à Bruges; Christian de Mérindol (Musée des Monuments français, Paris), Le programme iconographique de Saint-Nicolas-de-Tolentino à Brou; Krista de Jonge (Leuwen), L'ensemble funéraire du prieuré des Célestins à Heverlee et les fondations funéraires dans les anciens Pays-Bas aux XVe et XVIe siècles; Alain Erlande-Brandenbourg (Paris, Archives nat.), Les tombes royales française au XVe siècle; Jean Guillaume (Paris IV/CESR), L'église funéraire liée au château; Monique Chatenet (Inventaire, Paris), Cérémonies des obsèques: L'exemple des Longueville; Anne-Marie Sankovitch (New York), Saint-Eustache as a Burial Site; Henri Zerner (Harvard U.), Mises au Tombeau et monuments funéraires en France.

Freitag, 14. Juni: Uwe Albrecht (Kiel), La tombe monumentale et la chapelle funéraire dans le nord de l'Allemagne et au Danemark; Howard Colvin (Oxford), The Funerary Chapel in England and Scotland in the XVIth Century; Nigel Llewellyn (U. of Sussex), Somptuosissima, artificiosissima, magnificentissima ... : Commemoration at Westminster Abbey c. 1600.

Kontaktadresse:

C.E.S.R.
59, rue Néricault-Destouches
B.P. 1328
F-37013 Tours Cedex
Tel. 47 70 17 00 C Fax 47 70 17 01
 

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4. Symposium
Entstehung und Entwicklung von Metropolen
Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Stadtkulturforschung
Bonn, 20.-23. Juni 1996

Kontaktadresse:

Stadtbaugeschichte - RWTH
Schinkelstr. 1
D-52062 Aachen
 

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Kolloquium IUAP Nr. 33
Stedelijke samenlevingen
in de Laatmiddeleeuwse Nederlanden
Sociétés Urbaines aux Pays-Bas
au bas Moyen Age
Gent, 22.-23. August 1996

Auf zwei Vorträge sei besonders verwiesen: P. Arnade (Santa Monica, USA), Citizenship, Subjecthood and Elite Power in Low Countries Cities. M. Vale (Oxford), Prince and town: the court in the city during the later middle ages.

Kontaktadresse:

Peter Stabel
Vakgroep Middeleeuwse Geschiedenis
Blandijnberg 2
B-9000 Gent
Tel. 32-91/264.4021 oder 4023
Fax 32-91/264.4182
Emailadresse: Peter.Stabel@rug.ac.be
 

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Third International Conference on Urban History
Cities in Eastern an Western Europe
Budapest, 29.-31. August 1996

Kontaktadresse:

Vera Bacskai
Economic and Social History Department
Eötvös Loránd University, Budapest, Hungary
Fax 36.1.266.0076
 

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30. Kölner Mediävistentagung
Raum und Raumvorstellungen im Mittelalter
Köln, 10.-13. September 1996

Kontaktadresse:

PD Dr. Andreas Speer
Thomas-Institut der Universität zu Köln
Universitätsstraße 22
D-50923 Köln
 

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Internationales Kolloquium
Stadtresidenz Landshut
Landshut, 19.-21. September 1996
 

Veranstalter:

Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München

Bibliotheca Hertziana (Max-Planck-Institut), Rom

Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München

Die Stadtresidenz in Landshut wurde in den letzten Jahren einer gründlichen Restaurierung und Instandsetzung durch die Bayerische Schlösserverwaltung unterzogen, deren Abschluß und Ergebnisse im Herbst 1994 der Öffentlichkeit präsentiert werden konnten. Der künstlerische Rang von Architektur und Ausstattung der im Auftrag von Herzog Ludwig X. seit 1536 errichteten Residenz erscheint damit in völlig neuem Licht. Aus diesem Anlaß veranstalten das Zentralinstitut für Kunstgeschichte, die Bayeriscvhe Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen und die Bibliotheca Hertziana (Max-Planck-Institut), Rom, vom 19. bis 21. September 1996 ein internationales Kolloquium in Landshut. Die Tagung soll einer internationalen Runde von Fachleuten - Kunsthistorikern wie Restauratoren - die Möglichkeit geben, die künstlerischen Vorbilder und den spezifischen Charakter der Stadtresidenz zu analysieren. Im Mittelpunkt soll der Italienische Bau stehen, der sich von allen übrigen Bauten der süddeutschen Renaissance grundsätzlich unterscheidet.

Da die Residenz nach dem Tod ihres Erbauers kaum mehr genutzt wurde, blieben sowohl seine Architektur als auch die Ausstattung in Malerei und Stuck weitgehend unverfälscht erhalten. Seit der letzten Restaurierung läßt sich der Bau nun wieder in seiner ursprünglichen Frische erleben und beurteilen. Einige der prominentesten italienischen Denkmalpfleger und Restauratoren, die auch in den achtziger Jahren an der Restaurierung des Palazzo Te in Mantua beteiligt waren, sollen sich mit der Restaurierung des Italienischen Baus kritisch auseinandersetzen. Wie die Architektur des Italienischen Baus, so ist auch seine Ausstattung in einigen Räumen dem Mantuaner Vorbild zum Verwechseln ähnlich. Gerade der Vergleich zwischen dem Deutschen und dem Italienischen Bau erlaubt es nun, die Gegensätze wie die Gemeinsamkeiten der beiden Traditionen herauszuarbeiten, und zwar nicht nur im Bereich der Formen, sondern auch in den Funktionen und im höfischen Zeremoniell. Wahrscheinlich hatte aber auch der mutmaßliche italienische Entwerfer des Italienischen Baus Vorgaben zu berücksichtigen, die von den spezifischen Bedürfnissen der bayerischen Herzöge bestimmt waren, so daß auch ein genauer Vergleich zwischen dem Mantuaner Prototyp und dem Italienischen Bau erforderlich ist.

Daß sich der Herzog auf einer Reise nach Italien 1536 für den Mantuaner Palazzo del Te begeisterte und daraufhin italienische Baumeister auch Landshut kommen ließ, ist dokumentarisch belegt. Im Mittelpunkt des Kolloquiums wird daher der Zusammenhang der Stadtresidenz mit der ober- und mittelitalienischen Palastbaukunst - Mantua und Rom - stehen. Die bisher vor allem von Kurt Forster vertretene These, der Italienische Bau sei nach einem Entwurf von Giulio Romano entstanden, ist in diesem Zusammenhang von größtem Interesse und soll erstmals in einem internationalen Kreis von Fachleuten diskutiert werden.

Kontaktadresse:

Dr. Iris Lauterbach
Zentralinstitut für Kunstgeschichte
Meiserstraße 10
D-80333 München
Tel. 089/5591-544 und -547
Fax 089/5504352
 

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41. Deutscher Historikertag
Geschichte als Argument
München, 17.-20. September 1996
 

Kontaktadresse:

Organisationsteam Historikertag München
Ludwig-Maximilians-Universität
Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte
Wagmüllerstr. 23
D-80538 München
Tel. 089/21106-53
Fax 089/21106-49
Emailadresse: historikertag@mg.fak09.uni-muenchen.de

Programm und Informationen im Internet:
http://www.fak09.uni-muenchen.de/mg/
 

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Kolloquium
Die Künste und das Schloß in der frühen Neuzeit
Thüringer Landesmuseum Heidecksburg, Rudolstadt
Kunsthistorisches Seminar der Friedrich-Schiller-Universität, Jena
Inst. für Kunstgeschichte der Philipps-Universität, Marburg
Thüringer Landesmuseum Heidecksburg, Rudolstadt, 3.-10. Oktober 1996
Interdisziplinäres Forschungskolloquium zu Fragen der europäischen Hofkultur im Rahmen des Forschungsprojekts "Architektur, Hof und Staat. Der Schloß- und Residenzbau in Thüringen 1600-1800"

Kontaktadresse:

Dr. Lutz Unbehaun
Kustos Schloßmuseum Heidecksburg
Schloßbezirk 1
D-07407 Rudolstadt
Tel./Fax 03672-422145
 

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Konferenz
Chapels Royal
The Society for Court Studies
Anfang 1997

Kontaktadresse:

Dr. Simon Thurley
Historic Royal Palaces
Hampton Court Palace
East Molesey, Surrey KT8 9AU

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Tagung
Die Personalunion von Sachsen-Polen und Hannover-England --- Ein Vergleich
Deutsches Historisches Institut Warschau
in Zusammenarbeit mit dem
Verband Polnischer Historiker
und dem
Deutschen Historischen Institut London
Dresden, 20.-23. November 1997

Kontaktadresse:

Dr. Mathias Niendorf
Deutsches Historisches Institut Warschau
Plac Defilad 1, PKiN
skr. 33
PL-00-901 Warszawa
Emailadresse: dhiw@ikp.atm.com.pl



 

Buchvorstellungen

 
Birgit Franke und Barbara Welzel (Hgg.)
Einführung in die Kunstgeschichte der burgundischen Niederlande
(erscheint im Dietrich Reimer Verlag, Berlin, voraussichtlich im Frühjahr 1997)

Mit einer ehrgeizigen und prachtvollen Hofhaltung repräsentieren die burgundischen Herzöge und Herzoginnen im 15. Jahrhundert ihr politisches Selbstverständnis. Sie ließen kostbare Kunstwerke anfertigen und erhoben Künstler wie Jan van Eyck zum "varlet de chambre" (Kammerdiener) und Hofkünstler. Gleichzeitig entwickelte sich in den niederländischen Städten wie Brüssel, Gent und Brügge ein finanzkräftiges Bürgertum, das bedeutende Aufträge für private und öffentliche Kunstwerke vergab. Die Städte ernannten ebenfalls eigens Stadtmaler, Brüssel etwa Rogier van der Weyden, zu deren Aufgaben auch die visuelle Gestaltung öffentlicher Selbstdarstellung gehörte. Ein bedeutender Teil der Kunst- und Luxusgüterproduktion wurde schließlich für den Kunstmarkt hergestellt. Bei Verkauf und Export spielten die Messen, voran diejenige in Antwerpen, eine herausragende Rolle. Als Antwort auf diese wirtschaftlichen Strukturen entstanden im ausgehenden 15. Jahrhundert offenbar größere Werkstätten, die wie Verlagshäuser Produktion und Vertrieb koordinierten.

Die Kunst der burgundischen Niederlande steht im 15. Jahrhundert für eine beeindruckende Reihe von Innovationen. Hierzu zählen die Etablierung des Tafelbildes als eigenständiges Objekt, die Verfestigung neuer wie diejenige des Porträts, die neuartige Sicht auf die umgebende Wirklichkeit, die in ungekanntem Maße einer Aufnahme in die Bildkunst für würdig befunden wurde (niederländischer Realismus, Landschaftshintergründe etc.) und anderes mehr. Künstler wie Jan van Eyck und Rogier van der Weyden entwickelten neuartige Bildformulierungen sowie neue ästhetische und stilistische Normen, die vorbildlich für mehrere Generationen blieben.

Die altniederländische Kunst zählt denn auch zu den "klassischen" Themen der Kunstgeschichte. Genau genommen ist es aber nur ein Ausschnitt, dem dieser Rang zuerkannt wird: die altniederländische Malerei. Zu diesem Thema sind bis in die Gegenwart eine Reihe von Überblickswerken geschrieben worden (zuletzt Habns Belting und Christiane Kruse: Die Erfindung des Gemäldes. Das erste Jahrhundert der niederländischen Malerei. München 1996). Die vorbereitete "Einführung" setzt jedoch anders an. Sie möchte die verschiedenen Gattungen in ihrer Vielfalt vorstellen und zugleich in ihrer zeitgenössischen Wertung charakterisieren, die etwa Goldschmiedekunst und Tapisserie höher schätzte als die entwicklungsgeschichtlich und das heißt erst im Rückblick "bedeutendere" Malerei. Zur visuellen Kultur gehörten zudem höfische und städtische Feste sowie die "entrées joyeuses" bzw. "blijde incomsten", die städtischen Einzüge der niederländischen Herrscher und Herrscherinnen. Für die Entwürfe der "personnages" (lebenden Bilder) und die Produktion der ephemeren Dekorationen waren häufig dieselben Maler zuständig, die auch Tafelbilder oder Patronen (Kartons) für Tapisserie lieferten sowie Skulpturen farbig faßten.

Der geplante Band ist als Aufsatzsammlung konzipiert, um die bisher nur in spezialisierten Untersuchungen - sei es zur Tapisserie, sei es zur Goldschmiedekunst oder zur Architektur etc. - diskutierten Themen und Fragen zu einer Kunstgeschichte der burgundischen Niederlande zusammenzutragen und im Überblick vorzustellen. Die Malerei kann ihrerseits in einem solchen Überblick in ihrer historischen Stellung erkennbar werden. Zugleich sind die kunsthistorischen Abschnitte um ihren historischen Rahmen - Abriß der politischen und wirtschaftlichen Geschichte, Stiftungswesen, Produktionsbedingungen - ergänzt.

Wim Blokmans: Historischer Überblick

Markus Hörsch: Architektur

Renate Eikelmann: Goldschmiedekunst und Schatzkammern

Birgit Franke: Tapisserie - "portable grandeur" und Medium der Erzählkunst

Dagmar Thoss: Illuminierte Bücher

Birgit Franke: Feste, Turniere und städtische Einzüge

Hermann Kamp: Stiftungen

Barbara Welzel: Kunstproduktion und Kunsthandel

Stephan Kemperdick und Jochen Sander: Tafelmalerei

Barbara Welzel: Kupferstiche

Hartmut Krohm: Skulptur

Ein Abbildungskompendium von etwa 100 Schwarzweißabbildungen soll das Buch als "Einführung" abrunden und einen visuellen Eindruck von der Vielfältigkeit der Künste in den burgundischen Niederlande vermitteln.

Birgit Franke und Barbara Welzel

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Uwe Albrecht: Der Adelssitz im Mittelalter. Studien zum Verhältnis von Architektur und Lebensform in Nord- und Westeuropa, München; Berlin 1995 (280 S., 309 Abb.; Preis: 198,C DM).

Mit seiner Habilitationsschrift hat der Kieler Kunsthistoriker Uwe Albrecht eine fächerübergreifende kulturgeschichtliche Studie zur Entwicklung adligen Wohnens von bescheidenen Anfängen im Früh- und Hochmittelalter bis zu einer in den Norden Europas ausstrahlenden Blüte im ausgehenden 16. Jahrhundert vorgelegt. Im Laufe dieser Untersuchung bewegt sich der Verfasser souverän durch Raum und Zeit und gelangt dabei ausgehend von der frühmittelalterlichen Adelshalle, wie sie uns etwa aus den altnordischen Sagas rekonstruierbar ist, bis zu dem auf der Höhe seiner Zeit stehenden Hof der Herzöge von Gottorf im Zeitalter Heinrich Rantzaus. Daß er dabei Fächer- und Epochengrenzen überschreitend weit über das im Titel angekündigte "Mittelalter" hinausgreift, ist dem Gegenstand angemessen und methodisch geradezu unvermeidlich, geht es doch darum, Entwicklung und Wandel zu beschreiben sowie Neu und Alt aus dem jeweils anderen heraus zu beleuchten. Das Verdienst der Arbeit ist dabei gerade darin zu sehen, daß hier große Bögen nachgezeichnet, übergreifende Entwicklungen der europäischen Kulturgeschichte verfolgt und bisweilen allzu stereotype Vorstellungen eines Kulturtransfers von Frankreich in den norddeutschen und skandinavischen Raum relativiert werden.

Generell liegt der Studie das Konzept einer kulturräumlichen Gliederung zugrunde. Das spiegelt sich im Aufbau der Arbeit in einer erweiterten Dreiteilung wider: zunächst werden mit der Halle, dem Saalgeschoßhaus und dem Wohnturm die drei im gesamten Norden und Westen Europas verbreiteten "Archetypen herrschaftlicher Profanarchitektur des Mittelalters" (S. 4) vorgestellt und in ihrer früh- und hochmittelalterlichen Genese und Entwicklung charakterisiert (S. 7-52). Sie stellten - idealtypisch betrachtet - die je nach Landschaft und Kulturniveau mehr oder minder archaischen Bausteine dar, aus denen sich dann in Frankreich seit dem 14. Jahrhundert mit dem Corps de logis und dem Appartement ganz neue Bauformen herausbildeten, die sich dort später prägend auf den frühneuzeitlichen Schloßbau auswirken sollten ("Der französische Impuls", S. 79-173): "Am Ende der ... Entwicklung vereinigte das Corps de logis in sich die wesentlichen Funktionen der drei alten Grundtypen. Halle, Saalgeschoßhaus und Wohnturm blieben nicht länger heterogene Elemente einer vielteiligen Burganlage, sondern fanden als integrierte Bestandteile im Schloßbau der Neuzeit Aufnahme" (S. 79). Im dritten Teil der Studie ("Die Antwort des Nordens", S. 174-226) arbeitet der Verfasser heraus, wie diese Neuerungen sich von Westen aus nach Norden und Nordosten bis in den skandinavischen Raum hinein verbreiteten, dort in Wechselwirkung mit lokalen Traditionen traten und ihrerseits wiederum ganz charakteristische Variationen der westeuropäischen Vorbilder hervorbrachten.

All diejenigen, die sich speziell mit dem Leben bei Hofe und mit dem Phänomen der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Residenzen beschäftigen, werden dankbar zur Kenntnis nehmen, daß der Verfasser die generelle Dreiteilung seiner Arbeit in einem Punkt durchbrochen und im Anschluß an die Vorstellung der "idealtypischen Grundformen" ein weiteres Kapitel inseriert hat ("Kaiser, König, Edelmann", S. 53-78). Zeigt er sich auch sonst offen für eine die reine Bau- und Architekturgeschichte überschreitende Einbeziehung historischer und wohnsoziologischer Fragestellungen, so befaßt er sich in diesem Abschnitt schwerpunktmäßig mit der vertikalen und mit der horizontalen Verbreitung von Bau- und Wohnformen. Während man die erste der damit angedeuteten Entwicklungslinien ausgehend von den Höfen der Päpste und Monarchen über den hohen Adel bis zum niederen Adel und in den Bereich der städtischen Eliten und Führungsschichten verfolgen kann, läßt sich für die Frage nach der räumlichen Verbreitung auf unterschiedlichen Ebenen ansetzen: die Wechselwirkungen zwischen Stadt und Land bzw. Zentrum und Peripherie finden hier ebenso Beachtung wie die ihnen übergeordneten kulturräumlichen Beziehungen und Kontakte. In diesem Abschnitt gelingt es dem Verfasser, sowohl die weit verbreitete Adaption adliger Wohnformen in den hochmittelalterlichen Städten ("Stadt und Land", S. 53-66) als auch Fragen der kulturräumlichen Entwicklung in und zwischen verschiedenen Regionen ("Nord und Süd - Zentrum und Peripherie", S. 67-78) klar herauszuarbeiten. Gerade hier wird deutlich, daß wir uns von dem allzu einfachen und stereotypen Modell eines homogenen Kulturgefälles - sowohl von Westen nach Osten als auch Süden nach Norden - verabschieden sollten. Die kulturelle Blüte des Braunschweiger Welfenhofes, aber auch neuere Funde insbesondere der Lübecker Archäologen und Bauforscher, die auf ritterlich-höfische (bzw. -adlige) Lebensformen in der Stadt verweisen, dürften Anlaß genug sein, die bisher gültigen Vorstellungen zumindest zu überdenken.

Die in jeder Hinsicht komparatistisch und interdisziplinär angelegte Studie stützt sich auf Quellen aus den verschiedensten Bereichen. Neben den erhaltenen Bauten selbst berücksichtigt der Verfasser - mit einem kritischen Blick auf den jeweiligen Quellenwert - verschiedene bildliche Darstellungen, insbesondere spätmittelalterliche Miniaturen und frühneuzeitliche Kupferstiche, aber auch Beschreibungen von Zeremonien und Räumlichkeiten aus den schriftlichen Quellen des gesamten behandelten Zeitraumes. Daneben kommt gerade bei der Rekonstruktion des baukundlichen und architektonischen Befundes für heute verlorene Bauwerke der archäologischen Überlieferung eine besondere Bedeutung zu.

Wenn der Verfasser bereits bei der Vorstellung der drei früh- und hochmittelalterlichen Grundformen auf Themen wie "Soziale Differenzierung und zeremonielle Aspekte englischer halls" (S. 13-18) oder "Außentreppen als Orte höfischen Zeremoniells" (S. 28f.) zu sprechen kommt, so bezeugt das sein Gespür dafür, wie sich Phänomene, die wir anhand des spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Quellenmaterials in Schrift und Bild en détail rekonstruieren können, in ihren Ursprüngen sehr viel weiter zurückverfolgen lassen als man gemeinhin annehmen würde: "Lange bevor Hofordnungen den Umgangsformen ... eine feste Fassung gaben, war das Leben auf den Adelssitzen ... bereits klar geregelt. Lange bevor eine sprachliche Definition Einzelheiten einer Raumfolge begrifflich klärte, gab es bereits die entsprechenden Phänomene. Der Theorie ging auch hier die Praxis voraus" (S. 6). So erkennen wir bereits hier vereinzelt zeremonielle Formen und Motive, die später - in Analogie zur Synthese der architektonischen Elemente im Corps de logis - in dem so äußerst komplexen und zeremoniellen Miteinander bei Hofe aufgehen sollten.

Ohne die vom Verfasser auf verschiedenen Ebenen ("kleine Schlösser"/"große Schlösser") beschriebene Entwicklung der französischen Schloßbaukunst am Übergang von der Spätgotik zur première Renaissance in allen Einzelheiten nachzeichnen zu wollen, sei hier nur auf einige Punkte verwiesen, die uns im Hinblick auf das Leben bei Hofe und auf das Phänomen "Residenz" beim Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit von besonderem Interesse zu sein scheinen. Gerade wenn es um Raumfolgen (Stichwort "Enfilade") und andere Bauformen geht, die auf höfisch-zeremonielle Nutzung hin ausgerichtet sind, wird deutlich, daß wir es mit einem Bereich zu tun haben, in dem Historiker und Kunsthistoriker, Bauforscher und Architekten auf wechselseitige Hilfestellung und Zusammenarbeit angewiesen sind. In diesem Sinne kann man dem Verfasser, der seine Studie "im Rahmen einer vergleichenden Kulturgeschichte des Wohnens" verstanden wissen will, nur zustimmen, wenn er von seiner Fragestellung als einer "nicht allein kunsthistorisch relevanten" spricht (S. 6). Weiterhin geht es um die nicht zu unterschätzende Bedeutung von Ein- und Zugängen ("Portal und Treppe als Bereiche zeremonieller Bestimmung", S. 202f.) sowie um Fragen der Perspektive und der Raumerschließung, wobei letztere besonders dann von Interesse sind, wenn es zu Änderungen in der Raumorientierung kommt. Denn schließlich lassen der Ort und die Perspektive des Herrschers/Hausherrn und die (Nicht-)Ausrichtung der Architektur auf seine Person, Rückschlüsse auf seine Stellung sowie auf seine Selbst- und Fremdeinschätzung zu. In diesem Zusammenhang ist natürlich auch die oftmals unmittelbar mit dem höfischen Zeremoniell verbundene Innenausstattung (Kamine, Wanddekor, Möbel etc.) privater und zeremonieller Räumlichkeiten sowie die Aufteilung und Zugänglichkeit letzterer bedeutsam, Problemfelder, die in Albrechts Studie auf den verschiedensten Ebenen ausführlich diskutiert werden.

Zu Beginn des Kapitels über die Entwicklung neuer architektonischer Elemente im spätmittelalterlichen Frankreich kommt der Verfasser in einem allgemeinen Abschnitt auf das Corps de logis und das Appartement zu sprechen (S. 79-84). Wir erfahren, daß es sich bei diesen Begriffen um Wortschöpfungen der frühneuzeitlichen Architekturtheorie handelt, während sich in den Quellen des 14. und 15. Jahrhundert Bezeichnungen wie logis, maison, hostel, aber auch moshus und kemnate finden (S. 79). Im Anschluß daran geht es zunächst um "Corps de logis und Appartement als Kernbereich kleiner Schlösser" (S. 84-119). Im Gegensatz zu den aufwendigeren Bauten der königlichen Familie und des Hochadels handelte es sich bei den adligen Herrensitzen (in den Quellen repaires oder auch manoirs) um einen "auf seine wichtigsten Bestandteile reduzierten Haustypus, der letztlich als Ausgangspunkt ebenso jeder größeren Anlage zugrunde liegt" (S. 85). Ähnlich wie wir im ersten Abschnitt der Studie den drei Grundformen adligen Wohnens begegnet waren, haben wir es auch hier wieder mit einer - zugegeben - komplexeren Grundform zu tun: "Das in diesen einfachen Herrensitzen verwirkliche Raumprogramm bildet die Basis adeliger Wohngewohnheiten des Spätmittelalters" (S. 85). Die Tatsache, daß in diesem Zusammenhang auch von maisons fortes die Rede ist, verweist auf das weite Feld der Diskussion um den Charakter dieser Bauten oder einzelner ihrer Elemente im Rahmen der architekturhistorischen Entwicklung vom Wehr- zum Wohn- und/oder Repräsentativbau.

Nach der Behandlung der "kleinen Schlösser" setzt der Verfasser wieder zu einem weit ausgreifenden historischen Bogen an. Ausgehend von der stilbildenden Palastbaukunst der Päpste in Avignon beschäftigt er sich mit den "großen Schlössern" am französischen Königshof ("Neuanfang an der Loire: Der Schloßbau unter Ludwig XI.", S. 131-145) und seinem Umfeld ("Ein Bau mit Signalwirkung: Das Stadthôtel Jaques Cur", S. 127-131) - nur in Parenthese sei zum Ausgangspunkt dieser Betrachtungen angemerkt, daß der Blick hier (zumindest in einer Anmerkung) ein wenig weiter hätte schweifen können: so hatte etwa Gottfried Kerscher in seinem Referat auf der Potsdamer Residenzentagung ("Zeremoniell und Raum", 1994) auf die vorausgehenden und bereits auf Avignon verweisenden Entwicklungen im mallorquinischen Bereich hingewiesen und angeregt, diesen Entwicklungslinien einmal weiter (in Richtung Andalusien und Orient) zu verfolgen.

Im letzten Teil seiner Arbeit ("Die Antwort des Nordens", S. 174-226) führt der Verfasser aus, was er bereits in der Einleitung als Phänomen hervorgehoben hatte, die Vermittlung von Grundtypen gehobenen Wohnens über große räumliche Distanzen: Parallel zum wirtschaftlichen Austausch kommunizierten der Norden und der Westen Europas auch auf den verschiedensten Gebiet der Kultur kontinuierlich und intensiv miteinander. Dabei fiel dem Westen in der Regel die Rolle des Gebenden, dem Norden hingegen diejenige des Empfangenden zu (S. 5). Der Verfasser zeigt nun, wie die in Räumlichkeit und Ausstattung als sehr "bescheidenen" einzustufenden spätmittelalterlichen Adelssitze des norddeutschen und skandinavischen Raumes die von Frankreich ausgehenden und bisweilen über die Niederlande vermittelten Impulse aufnahmen und im Laufe des 16. Jahrhunderts einem vielgestaltigen Veränderungsprozeß unterworfen waren. So brachte "Der Durchbruch der Renaissance" (S. 198-202) das Corps de logis und das Appartement auch in den Norden. Am Ende des vom Verfasser betrachteten Zeitraumes scheint sich das Verhältnis zwischen gebender und empfangender Kulturregion dann regelrecht ins Gegenteil zu verkehren, so daß er seinem abschließenden Kapitel über die Residenz der Gottorfer Herzöge (S. 217-226) den bezeichnenden Untertitel "Eine Residenz von europäischem Format" geben kann.

Unabhängig von dem hohen Gewinn, den jeder Leser aus der ausdrücklich empfohlenen Lektüre dieses Buches schöpfen wird, sei an dieser Stelle noch auf einige kleine Schönheitsfehler hingewiesen: Wer sich für die in den Anmerkungen zitierten ungedruckten Quellen aus lokalen Archiven interessiert, wird eine Zusammenstellung dieser Dokumente im "Quellen- und Literaturverzeichnis" (S. 255-270) vergeblich suchen. Das gilt bedauerlicherweise ebenso für einige der in Auszügen wiedergegebenen gedruckten Zeugnisse. Gerade zur Visualisierung der großräumigen Kulturentwicklung wäre es auch eine gute Idee gewesen, dem durch ein umfangreiches Register (S. 273-279) erschlossenen, außerordentlich großzügig bebilderten und aufwendig gestalteten Band eine (oder mehrere) Orientierungskarte(n) zu den wichtigsten der in Text und Bild behandelten Baudenkmäler beizugeben.

Detlev Kraack, Berlin
 

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Burgen und Schlösser in Deutschland. Hrsg. von Klaus Merten unter Mitarbeit von Uwe Albrecht, Hans-Joachim Giersberg, Irene Markowitz, Michael Petzet. Aufnahmen Paolo Marton. München (Hirmer) 1996, 2E, 575 S., zahlr. Abb. in Farbe, einige schw.-weiß. Ln., 285,C DM.

Dies (in MRK 5,2 (1995) angekündigte) Werk ist weniger ein Buch des Lesens als eines des Schauens. Denn das eigentliche Ereignis sind die in hoher Qualität und fast durchweg in Farbe reproduzierten, eigens angefertigten Aufnahmen des Photographen Paolo Marton aus den Jahren 1992-1995. Seine zuvor bei Hirmer erschienenen Bücher über die Villen des Veneto und die Paläste in Venedig hatten ihn für diese große Aufgabe empfohlen.

Rechten wir nicht lange über die geographische Begrenzung: Es handelt sich um das heutige Deutschland, also unter Einschluß der ehemaligen DDR (dieses Material ist besonders willkommen), aber unter Ausschluß all dessen, was auch einmal zum Reich gehört hat, nun aber Österreich, Böhmen, Polen, Belgien und Frankreich ist (Braunfels war ehemals anders vorgegangen). Aus demselben Grunde werden aber auch dänische (schleswigsche) Schlösser reproduziert (Glücksburg, Gottorf), die niemals zum Reich gehört haben.

Dem Leser wird eine dreifache, illustrierte Einführung an die Hand gegeben: von H. Pleticha mit dem Titel "Reich und Territorien vom Ausgang der Staufer bis heute" (S. 11-23), deren Territorialkarte zum Zustand von 1648 "das geradezu erschreckende Ausmaß der Zersplitterung" zeigt (welcher Kommentar wiederum mich etwas erschreckt); von K. Merten "Zur Entwicklungsgeschichte des deutschen Burgen- und Schloßbaus" (S. 24-38, reich mit alten Stichen versehen); schließlich S. 39-50 einen Auszug aus J.B. v. Rohrs "Einleitung zur Ceremoniel-Wissenschaft der großen Herrn" von 1733, der den Leser mit den ehemaligen Zuständen und vor allem dem Gebrauch der Bauten und Intérieurs vertraut machen kann.

Dann geht es im hohen Norden los, um mit des unglückseligen Königs Ludwig II. von Bayern Träumen von Mittelalter und französischer Größe in Hohenschwangau, Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee gleich vierfach zu enden. Den Lesern dieser Mitteilungen wird ein alphabetisches Verzeichnis der aufgenommenen Bauten sicher willkommen sein (eine Lagekarte auf S. 555):

Ansbach

Aschaffenburg: St. Johannisburg, Schönbusch

Babelsberg

Bayreuth, Eremitage

Benrath

Berlin, Charlottenburg

Braunschweig, Richmond

Bruchsal

Brühl: Augustusburg, Falkenlust

Bückeburg

Clemenswerth

Coburg

Dresden, Zwinger

Eutin

Gadebusch

Glücksburg

Glienicke

Gotha

Gottorf

Güstrow

Hechingen, Hohenzollern

Heidelberg

Herrenhausen

Herrenchiemsee

Hohenschwangau

Karlsruhe

Kassel: Karlsaue, Wilhelmshöhe

Kaub, Pfalzgrafenstein

Landshut: Trausnitz, Stadresidenz

Linderhof

Ludwigsburg: Residenz, Favorite

Ludwigslust

Meersburg: Altes und Neues Schloß

Meißen, Albrechtsburg

Moritzburg

München: Residenz, Nymphenburg, Schleißheim

Neuburg a.d. Donau

Neuschwanstein

Nürnberg

Pillnitz

Pommersfelden

Potsdam: Sanssouci, Neues Palais, Charlottenhof

Rastatt: Residenz, Favorite

Reinbeck

Rheinsberg

Rudolstadt, Heidecksburg

Schwerin

Schwetzingen

Stadthagen

Stolzenfels

Stuttgart: Altes und Neues Schloß, Solitude

Torgau, Hartenfels

Trier

Veitshöchheim

Wartburg

Weikersheim

Weilburg

Weimar

Wilhelmsthal

Wörlitz

Wolfenbüttel

Würzburg: Marienberg, Residenz

Von Burgen in größerer Zahl kann nicht die Rede sein: Die antike Aula in Trier, Meersburg, Nürnberg, die Wartburg, Burghausen, dem Marienberg ob Würzburg, die Coburg, die Trausnitz zu Landshut, die Albrechtsburg zu Meißen, die Pfalz bei Kaub sind mehr oder minder ausführlich vertreten; Hohenzollern-Hechingen und der Stolzenfels sind schon wieder neugotische Träume Preußens. Dies ist also ein Buch zum 16. bis 19. Jahrhundert; letzteres, gut vertreten, ist besonders wichtig, weil es das Mittelalter neu erfindet und die Vorstellung davon in geradezu unausrottbarer Weise prägte.

Sitze des landsässigen Adels fehlen völlig, nur reichsunmittelbarer Adel kommt zur Anschauung, und hier sind es vor allem die Fürsten mit ihren Haupt- und Nebenresidenzen, Sommerhäusern und Jagdschlössern. Daß manches fehlt, gehört zur Natur der Sache: dies ist kein Repertorium. Doch hätte man sich die letzte Hohenzollern-Residenz (den Cecilienhof in Potsdam) oder den letzten Schloßbau der Wittelsbacher (Ringberg über dem Tegernsee, bis in die 60er Jahre!), Eichstätt, Sigmaringen, Tübingen und manches aus Seeschwaben (etwa die Waldburgischen Schlösser) vorstellen können.

Die Texte zu den einzelnen Schlössern sind von den genannten fünf Autoren geschrieben worden. Nirgendwo wird gesagt, wer von ihnen welchen Artikel verfaßt hat, was ärgerlich zu nennen ist. Aber ich gehe sicher nicht fehl, wenn ich die kundigen Beschreibungen von Glücksburg, Gottorf, Eutin, Reinbeck und wohl auch der mecklenburgischen und pommerschen Schlösser Uwe Albrecht zuschreibe, der denn auch eine der großen Entdeckungen der letzten Jahre zu Recht herausstreicht, den Westflügel des Schlosses Gottorf von 1530/1540 mit der (wiedererrichteten) "Laterne": Er "zählte zum Zeitpunkt seiner Vollendung in typologischer, stilistischer und architekturikonographischer Hinsicht zu den frühesten und fortschrittlichsten Werken der neuzeitlichen Profanbaukunst Nordwesteuropas. Weder in Norddeutschland noch auf reichsdänischem Gebiet gab es um 1530/40 eine Parallele" (S. 60; vgl. oben S. 56ff. D. Kraack über U. Albrechts Habilitationsschrift). Obwohl sie ihres Apparates entkleidet sind, handelt es sich bei den Kommentaren um professionelle, gut geschriebene, lesbare Texte auf dem neuesten Stand der Forschung. Sie müssen deshalb jeden Residenzenforscher interessieren.

Bleibt die Frage, für wen derartige Coffeetable-Books veröffentlicht werden. Ein Riesenformat, erstklassige Ausstattung, ein stolzer Preis, ein ästhetisches Bildungsvergnügen ersten Ranges machen sie zu idealen Geschenken, wenn es etwas Teures sein darf oder muß. Den Forscher blendet fast die Qualität der Aufnahmen und des Aufgenommenen, doch wird er schwerlich unterschreiben wollen, daß "kaum ein anderes euopäisches Land [..] eine solche Fülle von Burgen, Schlössern und Residenzanlagen wie Deutschland [besitzt]" (S. 9); das hieße Italien, aber auch Frankreich, England, Schottland, Spanien Unrecht tun. Ein Forschungsinstrument ist dieser Prachtband also nicht: Er bietet lediglich 77 Beispiele, ausgewählt nach dem, was noch zu sehen ist, nicht nach dem, was einmal zu sehen war. Risse oder Pläne fehlen, dafür erfreut jeweils zu Anfang des Textes eine Wappenabbildung, zumeist nach Gatterer 1762 (genannt S. 574). Natürlich gibt es keine Anmerkungen, vor denen die Verlage einen geradezu irrationalen Horror haben, zumal wenn es sich um Fußnoten handeln soll. Ein alphabetisch geordnetes, fünfspaltiges Literaturverzeicnis auf vier Seiten am Ende muß ausreichen. Für wen also? Doch seien wir nicht undankbar. Das Blättern in diesem Buche ist ein Fest - und wer würde sich dergleichen angesichts mancher dürren Holzbirne am Baume der Forschung nicht gerne gönnen?

Werner Paravicini, Paris



 

Neuerscheinungen

Andermann, K., Cours et résidences allemandes de l'époques moderne, in: Francia 2272, 1995, 159-175.

Andre, E., Ein königshof auf Reisen. Der Kontinentalaufenthalt Eduards III. von England 1338-1340, Köln, Weimar, Wien 1996 (= Beihefte zum Archiv für Kulturgeschichte 41).

Angerer, M.; Wanderwitz, H. (Hgg.), Regensburg im Mittelalter. Bd. 1: Beiträge zur Stadtgeschichte vom frühen Mittelalter zum Beginn der Neuzeit, Regensburg 1995.

Babel, R., Moeglin, J.-M. (Hgg.), Identité nationale et conscience régionale en France et en Allemagne du Moyen Age à l'époque moderne, Sigmaringen 1996.

Inhalt: Babel, R.; Moeglin, J.-M., Introduction; Contamine, P., La royauté française; Collard, F., Indentité régionale et histoire nationale; Ehlers, J., Sentiment impérial, monarchie et régions; Genet, J., Le roi de France anglais; Guenée, B., Un royaume et des pays; Kerhervé, J., Entre conscience nationale et identité régionale dans la Bretagne; Koller-Weiss, K., Geschichtliches Ereignis und regionale Identität; Lusignan, S., L'université de Paris; Moeglin, J.-M., Sentiment d'identité régionale et historiographie en Thuringie; Monnet, P., Particularismes urbains et patriotisme local; Morineau, M., Régions et nations; Pastoureau, M., L'emblème fait-il la nation?; Pons, N., Un lettré et son traducteur; Rapp, F., Autour de l'identité régionale alsacienne; Schreiner, K., Maria patrona; Thomas, H., Sur l'histoire du mot "deutsch"; Roeck, B., Der Untergang des Heiligen Reiches; Neveu, H., Conscience d'une appartenance régionale; Bély, L., Les rencontres des princes; Eberhard, W., Städtisch-regionale Identität und Endzeitbedrohung; Malettke, K., Pays d'élection et pays d'état; Schneidmüller, B., Friesen, Welfen, Braunschweiger; Sauzet, R., La frontière religieuse; Noel, J. F., La conscience d'Empire; Graf, K., Soabe. Identité regionale; Bérenger, J., L'identité nationale autrichienne. Babbi, A. M. (Hg.), Le roman du Chastelain de Coucy et de la dame de Fayel, Fasanò 1994.

Babbi, A. M. (Hg.), Il romanzo del castellano di Coucy e della dama di Fayel, Parma 1994 (= Biblioteca Medievale 46).

Bechthold, M., Kleidung der Vernunft: die Vorgeschichte bürgerlicher Repräsentation an Beispielen höfischer und bürgerlicher Kleidung in Frankreich vom 12. bis zum 18. Jahrhundert, Diss. Univ. Oldenburg 1994 (Mikrofiche-Ausg.: 6 Mikrofiches: 24x).

Beinhoff, G., Die Italiener am Hof Kaiser Sigismunds (1410-1437), Frankfurt am Main, Berlin, Bern 1995 (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 3: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Bd. 620).

Berns, J. J.; Ignasiak, D. (Hgg.), Frühneuzeitliche Hofkultur in Hessen und Thüringen, Erlangen; Jena 1993 (= Jenaer Studien 1) [Ausstellungskatalog].

Betschart, A., Zwischen zwei Welten. Illustrationen in Berichten westeuropäischer Jerusalemreisender des 15. und 16. Jahrhunderts. Diss. phil. Zürich. Würzburg 1996 (= Würzburger Beiträge zur Deutschen Philologie 15).

Binski, P., Westminster Abbey and the Plantagenets: Kingship and the Representation of Power, 1200-1400, New Haven; London 1995.

Blanchard, J. (Hg.), Représentation, pouvoir et royauté à la fin du Moyen Age. Actes du colloque organisé par l'Université du Maine, les 25 et 26 mars 1994, Paris 1995.

Boer, D. E. H. de, Ludwig the Bavarian and the scholars, in: Centers of Learning, Leiden 1995, S. 229-244.

Boer, D. E. H. de, Jacob van en de beeldsnijder. De hollandse beeldhouwerkunst omstreeks 1400, in: Kunsthistorisch Jaarboek 1994, S. 140-159.

Borggrefe, H., Die Residenz Bückeburg. Architekturgestaltung im frühneuzeitlichen Fürstenstaat, Marburg 1995 (= Materialien zur Kunst- und Kulturgeschichte in Nord- und Westdeutschland 16).

Brefeld, J., A guidebook for the Jerusalem pilgrimage in the late Middle ages. A case for computer-aided textual cricism, Hilversum 1994 (= Middeleeuwse studies en bronnen 40).

Brücher, W., Zentralismus und Raum: das Beispiel Frankreich, Stuttgart 1992.

Carillo, M., Cerimoniale di corte e descrizioni suntuarie nella Question de Amor, in: MEFR 104, 1992, S. 765-779.

Châtelet-Lange, L., L'architecture d'Henry IV et ses historiographes, in: Avènement d'Henri IV. Quatrième Centenaire. Colloque V C Fontainebleau 1990, S. 121-138.

Châtelet-Lange, L., Sébastien Brant, Hans Baldung Grien et la Freiheitstafel dans la Chambre des XIII (Pfalz) à Strasbourg, in: Cahiers Alsaciens d'archéologie, d'art et d'histoire 34, 1991, S. 119-138.

Châtelet-Lange, L., Une architecture "papiste" pour Strasbourg: le "Neue Bau" de Hans Schoch (1580-1585), in: Cahiers Alsaciens d'archéologie, d'art et d'histoire 35, 1992, S. 147-170.

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Crusius, I. (Hg.), Studien zum weltlichen Kollegiatstift in Deutschland, Göttingen 1995 (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 114 = Studien zur Germania Sacra 18).

Dovey, Z., An Elizabethan Progress. The Queen's Journey into East Anglia, 1578, London 1995.

Ehlers, C., Metropolis Germaniae. Studien zur Bedeutung Speyers für das Königtum (751-1250), Göttingen 1996 (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 125).

Ehmer, H. (Hg.), Burgen im Spiegel der historischen Überlieferung, Sigmaringen 1996.

Inhalt: Zettler, A., Zähringerherrschaft und Burgenbau; Metz, B., Die Burgen im Elsaß nach Schriftquellen, Baubefunden und Grabungen; Meyer, W., Abbild und Wirklichkeit. Zum Quellenwert mittelalterlicher und neuzeitlicher Burgendarstellungen; Lutz, D., Burgen im Spiegel archäologischer Befunde; Herrmann, C., Burginventare des späten Mittelalters an Beispielen des südwestdeutschen Raumes; Ehmer, H., Zwei fränkische Schadensinventare aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts; Mersiowsky, M., Südwestdeutsche Burgen in spätmittelalterlichen Rechnungen; Seidenspinner, W., Sagenhafte Burgenwelten. Zur Quellenproblematik von Volkssagen; Spiess, K.-H., Burgfrieden als Quellen für die politische und soziale Lage des spätmittelalterlichen Adels. Ehrismann, O., Ehre und Mut, Aventiure und Minne. Höfische Wortgeschichten aus dem Mittelalter, München 1995.

Eickels, K. van, Die Deutschordensballei Koblenz und ihre wirtschaftliche Entwicklung im Spätmittelalter, Marburg 1995 (= Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 52).

Flink, K., Emmerich, Kleve, Wesel. Formen der Entwicklung am Niederrhein, Bd. 2, Kleve 1995

Forschungen zu Burgen und Schlössern, hrsg. v. d. Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern, Bd. 1, Berlin 1994.

Inhalt: Biller, T., Burgenforschung heute C Gedanken aus der Praxis; Altwasser, E., Methodische Anmerkungen zur aktuellen Bauforschung an der Wartburg, speziell im Bereich des Palas; Eissing, T., Interpretation von dendrochronologischen Datierungen am Beispiel des Wartburg-Palas; Grossmann, D., Zur Kapitellornamentik der Wartburg; Schmitt, R., Zu den "Zackenbögen" der Freyburger Doppelkapelle; Kirchschlager, M., Lohmann, B., Stolle, T., Castrum wiszense C eine Herausforderung für die Burgenforschung; Grossmann, U. G., Burg Fürstenberg C ein spätmittelalterlicher Wohnturm im Weserraum; Petersen, P., Dendrochronologische Untersuchungen auf der Burg Kriebstein/Sachsen; Badstübner, E., Die Wartburg C Burg und Landschaft; Grossmann, U. G., Die Fresken des Moritz von Schwind in der Wartburg; Hofrichter, H., Paul Camille von Denis: Burg und Ludwigsbahn C (k)ein vorprogrammierter Konflikt mit der Denkmalpflege? Liessem, U., Die Königlich Preußische Regierung in Koblenz; Leistikow, D., Julius Ernst Naeher (1824-1911), der Burgenforscher Südwestdeutschlands. Handbuch der historischen Stätten Deutschlands: Mecklenburg/Pommern. Hrsg. v. R. Schmidt und H. Bei der Wieden, Stuttgart 1996.

Hassig, D., Medieval bestiaries. Text, image, ideology, Cambridge 1995 (= RES Monographs in Anthropology and Aesthetics).

Hearn, K. (Hg.), Dynasties: Painting in Tudor and Jacobean England 1530-1630, London 1995 [Ausstellung in der Tate Gallery, 12. Oktober 1995-7. Januar 1996].

Heppe, D., Das Schloß der Landgrafen von Hessen in Kassel von 1557 bis 1811, Marburg 1995 (= Materialien zur Kunst- und Kulturgeschichte in Nord- und Westdeutschland 17).

Johanek, P.; Stoob, H. (Hgg.), Europäische Messen und Märktesysteme in Mittelalter und Neuzeit, Köln, Weimar, Wien 1995 (= Städteforschung. Reihe A: Darstellungen 39).

Joseph, C., La présence musicale française à la Cour de Ferrare, de 1471 à 1597, Diss. Univ. Paris IV 1995.

Klingensmith, S. J., The Utility of Splendour: Ceremony, Social Life and Architecture at he Court of Bavaria, 1600-1800, Chicago; London 1993.

Koller, H., Zur Funktion des Schlosses an der Wende zur Neuzeit, in: Aachener Kunstblätter 60, 1994 (= Festschrift für Hermann Fillitz zum 70. Geburtstag), S. 343-346.

Körner, H.-M.; Weigand, K. (Hgg.), Hauptstadt. Historische Perspektiven eines deutschen Themas, München 1995.

Aus dem Inhalt:

Boockmann, H., Mittelalterliche deutsche Hauptstädte. C Roeck, B., Staat ohne Hauptstadt. Städtische Zentren im Alten Reich der frühen Neuzeit.

Korte, B., Der englische Reisebericht. Von der Pilgerfahrt zur Postmoderne, Darmstadt 1996.

Krötzl, C., Pilger, Mirakel und Alltag. Formen des Verhaltens im skandinavischen Mittelalter (12.-15. Jahrhundert), Helsinki 1994.

Kruse, H., Hof, Amt und Gagen. Die täglichen Gagenlisten des burgundischen Hofes (1430-1467) und der erste Hofstaat Karls des Kühnen (1456), Bonn 1996 (= Pariser Historische Studien 44).

Kuhn-Rehfus, M.; Kuhn, W., Sigmaringen in alten Ansichten, Sigmaringen 1995.

Macci, L.; Orgera, V., Architettura e civiltà delle torri. Torri e famiglie nella Firenze medievale, Florenz 1994.

Martínez Millán, J., La Corte de Felipe II, Madrid 1994.

Mérindol, C. de, La théatralisation du décor monumental à la fin du moyen âge: l'exemple de Champmol, in: Dijon 134, 1993-94 [1996], S. 381-393.

Mérindol, C. de, Le décor emblématique et les vermeils armoriées du couvent Saint-Nicolas-de-, in: Revue française d'Héraldique et de sigillographie 64, 1994, S. 149-180.

Mérindol, C. de, L'heure de Jean le Bon dans le donjon de Vincennes, in: Revue française d'héraldique et de sigillographie 64, S. 181-193.

Müller, R. A., Der Fürstenhof in der frühen Neuzeit, München 1995 (= Enzyklopädie deutscher Geschichte, Bd. 33).

Meckel, C.; Evers, S.; Weickardt, U.-G. (Hgg.), Von Sanssouci nach Europa: Geschenke Friedrichs des Großen an europäische Höfe, Potsdam 1994 [Ausstellungskatalog].

Oehmig, S. (Hg.), 700 Jahre Wittenberg. Stadt - Universität - Reformation, Weimar 1995.

Oostrom, F. P. van, 's-Gravenhage en 's-Hertogenbosch: hofsteden als culturele smeltkroes in de middleeuwen, in: Boschboombladeren 42, 1994, S. 77-89.

Paravicini, W. (Hg.), Alltag bei Hofe. 3. Symposion der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen in Ansbach vom 28. Februar bis 1. März 1992, Sigmaringen 1995 (= Residenzenforschung 5).

Inhalt: Paravicini, W., Alltag bei Hofe; I. Versorgung: Vale, M., Provisioning princely households in the Low Countries during the pre-Burgundian period, c. 1280-1380; Militzer, K., Die Versorgung des kurkölnischen Hofes; Seyboth, R., Reichsstadt und fürstliche Residenz. Nürnberg als Versorgungszentrum für die fränkischen Hohenzollernresidenzen im späten Mittelalter; Hlavácek, I., Überlegungen zum Kapellanat am Luxemburgischen Hof unter Johann von Luxemburg, Karl IV. und Wenzel. II. Alltag und Fest: Studt, B., Exeat aula qui vult esse pius C Der geplagte Alltag des Hofliteraten; Boockmann, H., Alltag am Hof des Deutschordens-Hochmeisters in Preußen; Uyttebrouck, A., Quelques aspects de la vie quotidienne à la cour de Brabant fin XIVe-début XVe siècle; Fouquet, G.; Dirlmeier, U., "weger wer, ich het sie behaltten" C Alltäglicher Konsum und persönliche Beziehungen in der Hofhaltung des Basler Bischofs Johannes von Venningen (1458-1478); Kubinyi, A., Alltag und Fest am ungarischen Königshof der Jagellonen 1490-1526. III. Land und Hof: Wüst, W., Höfische Zentralität und dezentrales Ämterwesen. Die hochstiftisch-augsburgischen Residenzen in der Frühen Neuzeit; Asch, R. G., "The Politics of Accesss". Hofstruktur und Herrschaft in England unter den frühen Stuarts 1603-1642. Johanek, P., Zusammenfassung. Persson, F., The Swedish Court 1600-1721, Diss. in Vorbereitung [Fabian Persson, Klostergatan 5A, 222 22 Lund, Sweden].

Polleross, F., Des abwesenden Prinzen Porträt. Zeremonielldarstellung im Bildnis und Bildnisgebrauch im Zeremoniell, in: Berns, J. J.; Rahn, T. (Hgg.), Zeremoniell als höfische Ästhetik in Spätmittelalter und Früher Neuzeit, Tübingen 1995, S. 382-409.

Rachewiltz, S. de; Riedmann, J. (Hgg.), Kommunikation und Mobilität im Mittelalter. Begegnungen zwischen dem Süden und der Mitte Europas (11.-14. Jahrhundert), Sigmaringen 1995.

Inhalt: Stampfer, S., Kunst in Tirol um 1300 im Spannungsfeld zwischen Nord und Süd; Voltmer, E., Deutsche Herrscher in Italien. Kontinuität und Wandel vom 11. bis zum 14. Jahrhundert; Castagnetti, A., Immigrati nordici, potere politico e rapporti con la società longobarda; Riedmann, J., Verkehrswege, Verkehrsmittel; Maleczek, W., Deutsche Studenten an Universitäten in Italien; Schmugge, L., Deutsche Pilger in Italien; Schulz, K., Deutsche Handwerker in Italien; Stromer, W. von, Binationale deutsch-italienische Handelsgesellschaften im Mittelalter; Varanini, G., Mercenari tedeschi in Italia nel Trecento: problemi e linee di ricerca; Boockmann, H., Der Deutsche Orden in der Kommunikation zwischen Nord und Süd; Rizzolli, H., Südliche Einflüsse auf das Münz- und Bankwesen Tirols zur Zeit Meinhards II. und seiner Söhne; Petzoldt, L., Populäre Erzählstoffe aus der Romania in der Germania; Clavadetscher, O. P., Die Notariatsurkunde auf dem Weg vom Süden nach dem Norden; Stelzer, W., Die Rezeption des gelehrten Rechts nördlich der Alpen; Hageneder, O., Die Übernahme kanonistischer Rechtsformen im Norden; Schuchard, C., Päpstliche Legaten und Kollektoren nördlich der Alpen; Castelnuovo, G., Lo spazio sabaudo fra nord e sud delle Alpi: specificatà e confronti (X-XV secolo); Härtel, R., Friaul als Brücke zwischen Nord und Süd; Hlavácek, I., Das Königreich Böhmen, die Luxemburger und Italien. Roeck, B., Stadtgestalt und Macht in der europäischen Renaissance, in: Städtische Formen und Macht. Veröffentlichungen der interdisziplinären Arbeitsgruppe Stadtkulturforschung 1, hrsg. v. M. Jansen; J. Hoock und J. Jarnut, Aachen 1994, S. 101-126.

Roeck, B., Krieg, Geld und Kunst. Federico da Montefeltro als Auftraggeber, in: Wirtschaft, Gesellschaft, Unternehmen. Festschrift für Hans Pohl zum 60. Geburtstag, hrsg. v. W. Feldenkirchen, F. Schönert-Röhlk und G. Schulz, Stuttgart 1995 (= Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Beiheft 120), S. 695-711.

Rösch, E. S. und G., Kaiser Friedrich II. und sein Königreich Sizilien, Sigmaringen 1995.

Schmid, W., Grabdenkmäler im Erzbistum Trier (1150-1650). Methoden, Probleme und Perspektiven einer Bestandsaufnahme, in: Kurtrierisches Jb. 35, 1995, S. 95-129.

Schmitt, R., Zur Baugeschichte der Wehranlage auf der Burg Querfurt, in: Festungsforschung 12, 1994, S. 69-84.

Schreiner, K.; Schwerhoff, G. (Hgg.), Verletzte Ehre. Ehrkonflikte in Gesellschaften des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Köln, Weimar, Wien 1995 (= Norm und Struktur 5).

Schubert, E., Fahrendes Volk im Mittelalter, Bielefeld 1995.

Schubert, E., Fürstliche Herrschaft und Territorium im späten Mittelalter, München 1996 (= Enzyklopädie deutscher Geschichte, Bd. 35).

Schwinges, R. C. (Hg.), Peter Moraw. Über König und Reich. Aufsätze zur deutschen Verfassungsgeschichte des späten Mittelalters. Festgabe zum 60. Geburtstag, Sigmaringen 1995.

Inhalt: Personenforschung und deutsches Königtum (1975); Fragen zur deutschen Verfassungsgeschichte im späten Mittelalter (1977); Neue Ergebnisse der deutschen Verfassungsgeschichte des späten Mittelalters (1993); Wesenszüge der Regierung und Verwaltung des deutschen Königs im Reich ca. 1350-1450 (1980); Versuch über die Entstehung des Reichstags (1980); Die Entfaltung der deutschen Territorien im 14. und 15. Jahrhundert (1984); Zur Verfassungsposition der Freien Städte zwischen König und Reich, besonders im 15. Jahrhundert (1988); Über Typologie, Chronologie und Geographie der Stiftskirche im deutschen Mittelalter (1980); Politische Sprache und Verfassungsdenken bei ausgewählten Geschichtsschreibern des deutschen 14. Jahrhunderts (1986); Zum Stand der Reichsreform oder Gestaltwandel der Reichsverfassung um 1500 (1992); Über Entwicklungsunterschiede und Entwicklungsausgleich im deutschen und europäischen Mittelalter. Ein Versuch (1987). Seelig, L. (Hg.), Silber und Gold: Augsburger Goldschmiedekunst für die Höfe Europas, München 1994 [Ausstellungskatalog].

Siebenmorgen, H. (Hg.), Hofkunst in Hohenlohe, Sigmaringen 1996.

Inhalt: Fürst zu Hohenlohe-Waldenburg, F. K., Zur Geschichte der Hohenloher Fürstenhäuser; Taddey, G., Bodo Eberhardt und die Restaurierung von Schloß Neuenstein; Merten, K., Die Schlösser der Grafen und Fürsten von Hohenlohe im 18. Jahrhundert; Stober, K., Bartenstein, Ingelfingen, Öhringen: Hohenloher Residenzen und ihre Stadtanlagen; Hennze, J., Johann Wolfgang Fichtmayer C Hofbaumeister am Beginn des 18. Jahrhunderts; Baumgartner, M., Fürstengärten in Hohenlohe C Liebende Blicke aus der Distanz; Schneider, V., Vergleich der Hohenloher Grafen und der Würzburger und Bamberger Fürstbischöfe als Auftraggeber am Beispiel des Bildhauers Michel Kern (1580-1649); Stratmann-Döhler, R., Hohenloher Möbel; Zahlten, J., Sammeltätigkeit und Kunstkammerbesitz an den Hohenloher Höfen; Theuerkauff, C., Zu drei Elfenbeinreliefs der Kirchberger Kunstkammer auf Schloß Neuenstein; Cämmerer, B., Neue Beobachtungen an der Neuensteiner Elfenbeinschale des Johann Michael Maucher. Sleiderink, R., Pykini's parrot. Music at the Court of Brabant, in: B. Haggh; F. Daelemans en N. A. Vanrie red.), Musicology and Archival Research. Colloquium Proceedings Brussel 22.-23.4.1993, Brüssel 1994 (= Extranummer Archief- en Bibliotheekswezen in Belgie 46), S. 358-391.

Spielmann, J. B., The City and the Crown: Vienna and the Imperial Court 1600-1740, West Lafayette, Indiana 1993.

Strong, R., The Tudor and Stuart Monarchy. Pageantry, Painting, Iconography, 3 Bde., Woodbridge 1996.

Thietje, G., Der Eutiner Schloßgarten. Gestalt, Geschichte und Bedeutung im Wandel der Jahrhunderte, Neumünster 1995 (= Studien zur schleswig-holsteinischen Kunstgeschichte 17).

Trausch, G. (Hg.), La ville de Luxembourg: du château des comtes à la métropole européenne. Unter Mitwirkung von Georges Als, Henri Beck, Paul Bisdorff u.a., Antwerpen 1994.

Tschaikner, M. (Hg.), Geschichte der Stadt Bludenz, Sigmaringen 1996.

Inhalt: Leitner, W., Urgeschichte und Antike; Niederstätter, A., Bludenz im Mittelalter (bis 1420); Burmeister, K. H., Bludenz von 1420 bis 1550; Tschaikner, M., Bludenz im Barockzeitalter (1550-1730); Scheffknecht, W., Bludenz von 1730 bis 1814; Weitensfelder, H., Bludenz von 1814 bis 1914; Schnetzer, N., Bludenz von 1914 bis 1955. Turner, R. V., Toward a definition of the "curialis". Educated court cleric, courtier, administrator, or "new man"?, in: Medieval prosopography 15/2, 1994, S. 3-35.

Vàrvaro, A., Apparizioni fantastiche. Tradizioni folcloriche e letteratura nel Medioevo, Bologna 1994. [Monographie zu Walter Maps "De nugis curialium"].

Veldtrup, D., Frauen um Herzog Ladislaus (gest. 1401). Oppelner Herzoginnen in der dynastischen Politik zwischen Ungarn, Polen und dem Reich, Berlin 1995 (0 Schriften der Stiftung Haus Oberschlesien. Landeskundliche Reihe, Bd. 11).

Violante, C., La "Cortesia" chiericale e borghese nel Duecento, Florenz 1995.

Zingel, M., Frankreich, das Reich und Burgund im Urteil der burgundischen Historiographie des 15. Jahrhunderts, Sigmaringen 1995.



 
 
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Prof. Dr. Werner Paravicini
Jan Hirschbiegel, M.A.
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