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Mitteilungen der Residenzen-Kommission
der
Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
 
 
 
 
 
 

Jahrgang 5 (1995) Nr. 2
 
 
 
 
 
 
 
 

Residenzen-Kommission
Arbeitsstelle Kiel
 
 
 
 
 
 

ISSN 0941-0937
 

Herstellung:
Vervielfältigungsstelle
der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
 

Titelvignette:
"Schloss Sigmaringen vor dem Brande 1893". Abbildung entnommen aus: Die Bau- und Kunst-Denkmäler in den Hohenzollern'schen Landen. Im Auftrage des Hohenzollern'schen Landes-Ausschusses bearbeitet von Karl Theodor Ziegler und Wilhelm Friedrich Laur, Stuttgart 1896, S. 267.





Inhalt
 

Hans Patze 1919-1995 S. 5
 

5. Symposium "Höfe und Hofordnungen 1200-1600", Sigmaringen, 5.-8. Oktober 1996 S. 9
 

Aus der Arbeit der Kommission S. 11
 

Ulf Christian Ewert und Sven Erik Hilsenitz: 75 Jahre Max Webers 'Wirtschaft und Gesellschaft' und um keinen Deut weiter? Der "Hof" als soziales Phänomen im Lichte moderner wirtschaftswissenschaftlicher Theorie und Methodik. Eine Reaktion auf Aloys Winterlings Aufsatz in den MRK 5/1, 1995, S. 16-21 S. 14
 

Die Arbeit der anderen S. 34

Malcolm Vale, Oxford, The evolution of the princely court and its culture in north-west Europe, c. 1270-c. 1384 S. 34

Cesare Mozzarelli, Mailand, Europa delle Corti, Ferrara S. 36

Josef Hrdli…ka, Berlin, Lebensmittelversorgung, Speisen und Tafelfreuden am Hofe der Herren von Neuhaus in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts S. 44

Birgit Franke, Berlin, Assuerus und Esther am Burgunderhof. Zur Rezeption des Buches Esther in den Niederlanden (1450-1530) S. 48

Marcello Fantoni, Fiesole, Il perfetto capitano. Immagini e significati del "capitano" fra Cinque e Seicento S. 50
 

Kolloquiumsberichte S. 53

"Ethnische Pluralität in Metropolen Ostmitteleuropas im 15. und 16. Jahrhundert", Arbeitsgespräch in Berlin vom 6. Oktober 1995, von Detlev Kraack, Berlin S. 53

"Das Leben an den Höfen des barocken Adels (1600-1750)", Symposium in Krumau, 10. bis 12. Oktober 1995, von Ivan Hlavá…ek, Prag S. 57
 

Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen S. 58
 

Buchvorstellungen S. 65

Rudolf Baumstark (Hg.), Das goldene Rößl. Ein Meisterwerk der Pariser Hofkunst um 1400. Mit Beiträgen von Renate Eikelmann, Hermann Fillitz, Joachim Haag, Rainer Kahsnitz, Ulrich Rehm, Egidius Roidl, Willibald Sauerländer, Franz Schott, Lorenz Seelig, Jenny Stratford, Neil Stratford [Ausstellung des Bayerischen Nationalmuseums München, 3. März bis 20. April 1995], München 1995, von Jan Hirschbiegel, Kiel S. 65
 

Neuerscheinungen S. 69
 

Adressenaktualisierung S. 82
 

Die Arbeitsstelle Kiel S. 83
 


*****

Wenn Sie den Mitteilungen einen Text zusenden wollen (bitte, tun Sie es: nächster Redaktionsschluß ist der 1. April 1996), dann schicken Sie ihn bitte an mich über die Redaktion in Kiel oder direkt nach Paris. Die jeweiligen Adressen sind, wie stets, auf der letzten Seite angegeben. W.P.
 


Hans Patze 1919-1995

Am 19. Mai 1995 ist Prof. Dr. Hans Patze gestorben, der Gründer unserer Kommission. Wir haben ihm noch unlängst zum 75. Geburtstag am 20. Oktober 1994 ein Heft dieser Mitteilungen gewidmet. Nun gilt es schon Abschied zu nehmen. Wir wollen dies in der ihm gemäßen Weise tun: in Erinnerung an das wissenschaftliche Werk, aber auch in Vergegenwärtigung eines Lebenslaufs, der selbst ein Stück deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert ist.

Hans Patze war Sachse, in Pegau geboren (am 20. Oktober 1919), in Leipzig aufgewachsen - wie jeder schnell merkte, der ihn sprechen hörte. Nach den Hausaufgaben half er im elterlichen Geschäft und schloß 1938 das Realgymnasium mit dem Abitur ab. Dann folgte aber nicht etwa sogleich ein Studium, sondern der Arbeitsdienst und Wehrdienst. Er hat den Einmarsch in Böhmen mitgemacht (mit bleibender Erinnerung an den Karlsstein und den Prager Veitsdom Karls IV.) und den Überfall auf Polen. 1940, auf dem Frankreichfeldzug, wurde er bei Sedan schwer verletzt, war ein Jahr in Frankfurt am Mai krank und wurde als kriegsunfähiger Unteroffizier entlassen. Als einundzwanzigjähriger Rentner von den Studiengebühren befreit (die seine Eltern nicht hätten bezahlen können) begann er erst jetzt das Studium der Geschichte, 1940 in Frankfurt vom Lazarett aus, dann ab 1941 in Jena, wo er vom Landeshistoriker Willy Flach im Februar 1945 promoviert wurde. Im selben Monat mußte er mit dem "letzten Aufgebot" zur Verteidigung Frankfurts an den Main ziehen und wurde im März von den Amerikanern gefangengenommen. Die übergaben ihn den Franzosen: seine Kriegsgefangenschaft verbrachte er in der Normandie, Cherbourg und Caen, als Gehilfe des Lagerarztes, seiner französischen Sprachkenntnisse wegen. Er hat Frankreich nie mehr aus den Augen verloren.

1946 nach Detmold entlassen, fand er im dortigen Staatsarchiv eine Beschäftigung und ging dann zur Archivarsausbildung nach Weimar. Er wurde thüringischer Archivar, zunächst in Altenburg, dann in Gotha. Damals schon erfuhr er Rat und Förderung durch Walter Schlesinger. 1956 floh er aus der DDR (oder eher der SBZ oder Ostzone, wie er zeitlebens lieber sagte) und ging nach Marburg. Im folgenden Jahr schon habilitierte er sich dort bei Heinrich Büttner. Das war der Beginn einer stetigen Gelehrtenkarriere in alsbald erneut bewegter Zeit: 1958-1963 Dozent in Marburg, 1963-1969 o. Professor in Gießen und Dekan, dann 1970 o. Professor in Göttingen. Aufgrund seiner Erfahrungen war er - wie fast alle, die ihre Erfahrungen mit der SED gemacht hatten - gegen den linken Reformeifer der 68er immun, trat der CDU bei und engagierte sich hochschulpolitisch im Bund "Freiheit der Wissenschaft". Seinen Doktoranden ist er stets ein wahrer Doktorvater gewesen, und sie haben es ihm im Alter entgolten. Daß die BRD für ihn stets nur ein deutscher Teilstaat war, er nie aufgehört hat, das ganze Deutschland im Blick zu haben, diese Fähigkeit und dieses Verdienst teilt er mit einigen wenigen anderen seiner Generation, voran mit Walter Schlesinger, Berent Schwineköper und Reinhard Wenskus, oder mit Hartmut Boockmann unter den Jüngeren.

Hans Patze war somit ein Fortsetzer, kein Neuerer. "Aber eben auch der Beharrenden bedarf es, damit der Lauf der Geschichte nicht wieder aus dem Geleise gerät", sagte er selbst anläßlich seiner Emeritierung. Er war auch nicht eigentlich ein Intellektueller oder gar Theoretiker. Die Lebenserfahrung dieses eminenten Praktikers war zu groß, um einer Mode anzuhängen. Als ehemaliger Archivar ein hervorragender Quellenkenner, hatten Not und Kriegserlebnis ihn bescheiden gemacht, streng, human, dabei voll mitreißender Arbeitskraft und großer Verläßlichkeit und Kollegialität - Tugenden die heute nicht hoch im Kurs stehen. Sie haben ihm gleichwohl neue Ansätze und Erkenntnisse vermittelt. "Der Frieden von Christburg vom Jahr 1249", "Adel und Stifterchronik", "Neue Typen des Geschäftsschriftguts im 14. Jahrhundert", "Die Herrschaftspraxis der deutschen Landesherren während des späten Mittelalters", "Grundherrschaft und Fehde" - das sind Abhandlungen voller Einsichten, Hinweise, Anschauung, die so schnell nicht vergessen sein werden. Jene Entdeckung verdrängter Landesherren, die resigniert ihr Land abtreten und nur eben eine standesgemäße Rente sich ausbedingen, jenes anrührend lebendige Bild politischer Veränderung, wir verdanken es Hans Patze.

Seine Stärke beruhte darauf, daß er quellengesättigter Landeshistoriker und weitschauender Verfassungshistoriker in einem war. Er konnte Kaiser, Könige, Fürsten in landesgeschichtlichen Bezügen sehen und von dorther begreifen: Barbarossa, Karl IV., die Welfen, die Wittelsbacher. Von 1971 bis 1984 hat er die Blätter für deutsche Landesgeschichte herausgegeben. Er hat für die thüringische Landesgeschichte, der seine Dissertation und seine Habilitation galten, zusammen mit W. Schlesinger in der "Geschichte Thüringens" und dem thüringischen "Handbuch der Historischen Stätten" Großes geleistes zu einer Zeit, als dieses Land den meisten ferner lag als Burgund oder die Toskana. In seinem Fluchtgepäck von 1956 befand sich der 2. Bd. des Naumburger Urkundenbuchs, das jetzt (durch die Historische Kommission von Sachsen-Anhalt) aus dem Nachlaß veröffentlicht werden soll. Niedersachsen wiederum, dessen Historische Kommission er von 1971-1985 geleitet hat, verdankt ihm mehrere Bände der Geschichte des Landes, den Historischen Handatlas und die Blüte des Göttinger Instituts für Landesforschung.

Am bekanntesten aber ist er durch die Ausrichtung und Herausgabe von Tagungen des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte auf der Reichenau geworden, in den ihn Walter Schlesinger eingeführt hatte: "Der deutsche Territorialstaat im 14. Jahrhundert" (Vorträge und Forschungen, 13-14, Sigmaringen 1970-1971), "Die Burgen im deutschen Sprachraum" (19I-II, 1976), "Die Grundherrschaft im späteren Mittelalter" (27I-II, 1983), "Geschichtsschreibung und Geschichtsbewußtsein im späten Mittelalter" (31, 1987) und "Fürstliche Residenzen im spätmittelalterlichen Europa" (36, 1991) sind Standardwerke geworden.

Der letzte Titel zeigt nicht nur seinen weiten Horizont, der ihn stets nach Vergleichen suchen ließ, hat er doch mit seinen Studenten nicht nur Niedersachsen bereist, sondern auch Wien und Prag, Flandern und Holland, Cluny und Rom, London und Paris - wo ich ihn vor Jahren mit seinen Studenten einmal führen konnte. Er ist auch Folge seiner Bemühungen um dasjenige Thema, das nunmehr Aufgabe der Residenzenkommision geworden ist, die sein Werk fortsetzt.

Seine grundlegenden Aufsätze zu dieser Materie sind allbekannt: Die Abhandlung über "Die Bildung der landesherrlichen Residenzen im Reich während des 14. Jahrhunderts" (1972) und der zusammen mit seinem Schüler Gerhard Streich verfaßte Fragenkatalog "Die landesherrlichen Residenzen im spätmittelalterlichen Reich" (1982). Hans Patze hatte sich dieses Forschungsprojekt als Alterswerk vorgenommen. Ein ganzes Netz von Doktoranden und Betreuern war über das deutschsprachige Reich geworfen. Im Jahre 1985 nahm ihn die Göttinger Akademie unter ihre Mitglieder auf und gab ihm die Möglichkeit, eine eigene Residenzen-Kommission einzurichten - da stand plötzlich im besten Schaffen am 6. Dezember 1985 sein Herz eine Zeit lang still. Hans Patze starb nicht daran, aber er verlor sein Kurzzeitgedächtnis. Von einem Tag auf den anderen mußte er Abschied vom Schreiben und von der Wissenschaft nehmen. Im letzten Lebensjahrzehnt reiste und las er viel. Im Jahre 1986 tagte "seine" Residenzen-Kommission zum ersten Mal. Seine Witwe, Frau Carmen Patze, läßt mich wissen, er habe stets an der Arbeit der Kommission und an diesen ihren Mitteilungen Anteil genommen und ihre Hinwendung zu Fragen des Hofes und zum internationalen Vergleich begrüßt. Dies ist uns eine wichtige Bestärkung. Wir verneigen uns vor dem Werk, vor einem harten Schicksal, vor der Trauer der Angehörigen und gehen seinen Weg weiter, alleine zwar nun, aber in Erinnerung an den aufrechten, weitsichtigen Mann.

Werner Paravicini, Paris


5. Symposium Höfe und Hofordnungen 1200-1600, Sigmaringen, 5.-8. Oktober 1996

Sie haben richtig gelesen. Zwar sind der Tagungsort Sigmaringen (s. unsere Titelvignette), die Mitveranstaltung durch das junge Staatsarchiv Sigmaringen (Dr. Trugenberger) und die Beteiligung des Thorbecke-Verlags (Dr. J. Bensch) bestätigt worden - nicht jedoch die ehemals in Aussicht genommene Zeit (3.-6. Oktober 1996): Wegen Überschneidung mit der Reichenau-Tagung des Konstanzer Arbeitskreises wird das Symposium verlegt auf

Samstag, 5. - Dienstag, 8. Oktober 1996.
 
 

Hier die Grundzüge des Programms:

Samstag, 5. Oktober 1996

18 h Öffentlicher Vortrag

20 h Gemeinsames Abendessen
 
 

Sonntag, 6. Oktober 1996 9 h Stadt- und Schloßführung bzw. Gelegenheit zum Besuch des Gottesdienstes

12 h 30 Mittagessen

14 h Exkursion

20 h Kommissionssitzung
 
 

Montag, 7. Oktober 1996 9 h 1. Sitzung: Die Quellen, die Problematik

11 h 15 2. Sitzung: Vorbilder: Kurie, Frankreich

15 h 3. Sitzung: Vorbilder: England und die Niederlande

17 h 15 4. Sitzung: Vorbilder: Die Herzöge von Burgund
 
 

Dienstag, 8. Oktober 1996 9 h 5. Sitzung: Die Habsburger

11 h 15 6. Sitzung: Die weltlichen Kurfürsten

15 h 7. Sitzung: Die geistlichen Kurfürsten

17 h 15 8. Sitzung: Deutsche Fürsten

Schlußwort

19 h 30 Abschlußempfang
Mittwoch, 9. Oktober 1996 - Abreise
 

Ein Rundschreiben an Redner und Diskutanten wird noch vor Jahresende ergehen. Erstmals sind auch kürzere Beiträge vorgesehen, u.a. aus dem Kreise der Kommissionsmitglieder. Erneut wird es "Reisestipendien" für interessierte Doktoranden geben, die am Symposium teilnehmen wollen. Eine "Werkstatt" auf Symposien der Kommission soll aber erst dann wieder veranstaltet werden, wenn nach der Einrichtung einer vollständigen Arbeitsstelle in Kiel (vgl. unten S. 13) etwa die Konzeption der geplanten Handbücher zu diskutieren ist. Melden Sie sich, wenn die Teilnahme Sie interessiert, es ist noch nicht zu spät.
 
 
 

Kontaktadresse: Dr. Holger Kruse/Prof. Dr. Werner Paravicini

Deutsches Historisches Institut Paris

Hôtel Duret de Chevry

8, rue du Parc-Royal

F - 75003 Paris

Tel.: (00331) 42 71 56 16. Fax: 42 71 56 43.


Aus der Arbeit der Kommission
 

Die 9. Sitzung der Residenzenkommission fand am 27. September 1995 in Göttingen statt.

1. Die Kommission gedachte des Todes von Prof. Dr. Hans Patze, ihres Gründers, am 19. Mai 1995. Siehe den Nachruf des Vors. in diesem Heft. Prof. Fleckenstein wird einen Nachruf für das Jahrbuch der Akademie verfassen.

2. Symposien

2.1. "Hofordnungen - Ordonnances de l'Hôtel (1200-1600)", 1996. Siehe oben S. 9-10.

2.2 "Das Frauenzimmer - La Chambre des Dames", 1998.

Celle gilt weiterhin als interessanter Tagungsort.

In Reaktion auf die Vorankündigung in den MRK 5/1 hat eine Wiener Forschergruppe um Dr. Beatrix Bastl (Stadtarchiv Wiener Neustadt) und Univ.-Doz. Gernot Heiss (Wien) Interesse bezeigt. Sie forscht zu Themen wie: "Domina ac Mulier. Quellenstudien zur Geschichte der adligen Frau in der Habsburgermonarchie, 15.-18. Jh."; "Briefe adeliger Frauen: Beziehungen und Bezugssysteme"; "Der Wiener Hof als sozialer, realer und symbolischer Raum (von Maximilian II. bis Karl VI., 1564-1740" (Näheres in der nächsten Nr. der MRK, s. aber schon unten S. 57 [Koll. Krumau/Hlavá…ek, wo sie genannt sind]).

3. Reihe "Residenzenforschung"

3.1. Dieter Kerber, "Herrschaftsmittelpunkte im Erzstift Trier. Hof und Residenz im späten Mittelalter" (Residenzenforschung, 4), 473 S., ist im August 1995 erschienen.

3.2. Vom Symposiumsband "Alltag bei Hofe" von 1992 (Residenzenforschung, 5) ist zur Kommissionssitzung ein Voraussexemplar ohne Schutzumschlag eingetroffen. Auslieferung noch vor Jahresende.

3.3. Die Akten des Symposiums "Zeremoniell und Raum" von 1994 gehen Anfang 1996 in die Kalkulation. Es fehlen nur noch wenige Manuskripte.

3.4. Das Ms. von Dr. M. Mersiowsky (Münster), "Die Anfänge der landesherrlichen Rechnungslegung im norddeutschen Raum", ist weiterhin in Bearbeitung. Es ist zu hoffen, daß es Anfang 1996 vorgelegt wird.

3.5. Johann Kolb (Kiel), "Heidelberg. Die Entstehung einer landesherrlichen Residenz im 14. Jahrhundert". Mit der Abgabe des druckfertigen Ms. ist nunmehr Ende des Jahres zu rechnen. Die Veröffentlichung des vom Autor entdeckten Heidelberger Bruderschaftsbuchs der Hofbediensteten wird zu gegebener Zeit an anderer Stelle erfolgen.

3.6. Das Ms. von Dr. Michael Scholz, "Residenz, Hof und Verwaltung der Erzbischöfe von Magdeburg in Halle in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts", ging im Oktober 1995 zur Kalkulation an den Verlag.

3.7. Das Buchprojekt von Frau Dr. Liliane Châtelet-Lange (Mundolsheim/Elsaß) über "Die Katharinenburg in Birlenbach (Unterelsaß), ein Schloß des Pfalzgrafen Johann Casimir von Zweibrücken", wird weiter verfolgt.

3.8. Frau Dr. B. Streich (Celle) arbeitet weiter an ihrem Ms. über Amtsverwaltung und Residenz an einem sächsischen Beispiel.

4. Mitteilungen der Residenzenkommission

Heft 4/2 und 5/1 sind erschienen (50 Ex. mußten nachgedruckt werden); 5/2 wird noch in diesem Jahr ausgeliefert.

Es wird erstmals noch 1995 ein Sonderheft der MRK geben, enthaltend die nach Sachen, Orten und Ländern geordnete Bibliographie der bislang in Nr. 1/1 bis 5/1 erfaßten und nunmehr revidierten Titel.

5. Projekt "Bibliographie europäischer Reiseberichte des späteren Mittelalters"

Bd. 2 (Niederlande), bearb. v. J. Hirschbiegel u. Verw. der Vorarbeiten von D. Kraack, hat Fortschritte gemacht, bedarf aber zur Fertigstellung noch eines guten Jahres.

Bd. 3 (Frankreich), gegenwärtig bearb. v. Chr. Halm/S. Baus, ist im Fortgang begriffen und wird voraussichtlich in zwei Jahren zum Abschluß kommen.

Für die Bde 4ff.: England, Italien, Spanien, Polen gibt es noch keine Bearbeiter.

6. Projekt "Hof- und Verwaltungsordnungen", hier: Niedersächsischer Reichskreis

Frau Dr. Widder (Münster) wird sich unter Anleitung von Prof. Johanek und unterstützt von Prof. E. Schubert (Göttingen) das ganze Jahr 1996 ausschließlich der Erstellung eines Ms. widmen.

7. Kontakte zu den neuen Bundesländern

Vors. wird im Juni 1996 die 100-Jahrfeier der Sächsischen Historischen Kommission besuchen und hofft dabei weitere förderliche Kontakte zu knüpfen.

8. Internationale Initiativen auf dem Gebiet der Residenzenforschung

M. Vale, Oxford, berichtet über sein Projekt (England, Nordfrankreich, Niederlande vor den Burgunderherzögen) in diesem Heft (s. unten S. 34f.); A. Renoux, Le Mans (Frankreich) bereitet eine Tagung zum Vokabular der Pfalzen vor ("La terminologie palatiale"); das Berliner Unternehmen "Die ostmitteleuropäischen Metropolen" (Engel/Eberhard) hat erste Publikationen vorgelegt (vgl. unten S. 73f.) und wird nach Leipzig umziehen; das Projekt "L'Europe de Cours" (15.-18. Jh.), Prof. Chantal Grell (Versailles) u.a., beantragt bei der European Science Foundation, bereitet mit dem Deutschen Historischen Institut Paris ein Kolloquium über "Le Prince et l'Histoire" vor, das vom 13.-16. März 1996 in Versailles und Paris stattfinden wird (Bericht im nächsten Heft).

9. Stellensituation

9.1. Der seit 1987 (!) laufende Antrag der Akademie, dann auch des Landes Schleswig-Holstein bei der Bund-Länder-Kommission auf Einrichtung einer Arbeitsstelle der Kommission in Kiel wurde angesichts des Bedarfs der neuen Länder wiederum auf die lange Bank geschoben. Mit evtl. Genehmigung ist nunmehr frühestens für 1997 zu rechnen.

9.2. Susanne Baus ist am 30. Sept. 1995 aus der Kieler Arbeitsgruppe ausgeschieden (sie arbeitet u.a. an ihrer Diss. über die Frömmigkeit König Ludwigs XI. von Frankreich) und Christian Halm, nunmehr examinierter Jurist und künftiger Dr. jur. und Dr. phil. wird es zum 31. Dez. 1995 tun. Sein Nachfolger wird Jörg Wettlaufer, M.A., sein, der sich besonders den französischen Reiseberichten widmet.

10. Nächste Sitzung der Kommission

In Sigmaringen, auf dem nächsten Symposium, voraussichtlich am Abend des Sonntags, dem 6. Oktober 1996.
 


Was hiernach folgt, ist die dritte Runde eines Gesprächs, das (da bin ich sicher) nicht so schnell zum Abschluß kommen wird: Nach J. Hirschbiegel und der Systemtheorie (MRK 3/1, 1993), nach A. Winterling und der klassischen Soziologie (MRK 5/1, 1995) nun U. Chr. Ewert/S. E. Hilsenitz und die Wirtschaftswissenschaft. Die beiden sind anspruchsvolle, leicht verärgerte junge Leute, die anstelle des intuitiven Urteils die explizite Messung der Organisationstheorie setzen wollen. Diese verträgt sich mit der Systemtheorie gar nicht so schlecht, muß jedoch gleichsam in die andere Sprache übersetzt werden. Es sieht so aus, als ginge die Zeit des Gentleman-Historikers definitiv zu Ende, und auch die Zeit der Allgemeinverständlichkeit. Doch wenn mir unlängst Knut Borchert (der Historiker und Wirtschaftswissenschaftler) sagte: "Die Wissenschaft fängt da an, wo der common sense aufhört", dann läßt sich dagegen wenig einwenden. Also: lesen Sie, lernen Sie, lieber Leser!

Werner Paravicini, Paris

 

Ulf Christian Ewert und Sven Erik Hilsenitz

75 Jahre Max Webers 'Wirtschaft und Gesellschaft' und um keinen Deut weiter? Der "Hof" als soziales Phänomen im Lichte moderner wirtschaftswissenschaftlicher Theorie und Methodik. Eine Reaktion auf Aloys Winterlings Aufsatz in den MRK 5, 1995, Nr.1, S. 16-21



1. Motivation und Ziele dieser Ausführungen

Anknüpfungspunkt der folgenden Ausführungen ist die Veröffentlichung Winterlings.  Der Autor versucht, dem Titel seiner Abhandlung folgend, das Phänomen "Hof" mittels der Weberschen idealtypischen Methodik zu erfassen. Er kommt auf diesem Wege, neben der Formulierung wesentlicher forschungsleitender Fragen und der Definition des Begriffes "Hof", zu einer typologischen Dreigliederung in die Merkmale "Kommunikative Strukturen", "Organisation" und "Gesellschaftliche Funktion".
Unbestreitbar ist die systematische Erfassung des sozialen Phänomens "Hof", auch unter Zuhilfenahme interdisziplinärer Anleihen aus den Sozialwissenschaften, ein vordringliches und lohnendes Ziel bei der Beschäftigung mit mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Geschichte. Die Darstellung Winterlings gibt hier wertvolle Anregungen im Hinblick auf eine systematische und vergleichende Beschäftigung mit dem Phänomen "Hof".
Unklar bleibt bei der Ausführung indes, warum gerade die skizzierten drei Merkmale konstitutiv für den idealtypischen Hof sein sollen. So wird vor allem nicht auf die gegenseitigen Beeinflussungen der Merkmale, ihr Zusammenwirken und ihre Außenwirkungen eingegangen. Beispielsweise - in Winterlings Terminologie gesprochen - in welcher Form eine bestimmte kommunikative Struktur eine bestimmte Organisationsform determiniert? Eine konkrete Zuordnung der mit diesem Konzept zu erfassenden Wirklichkeit zum Idealtyp wird zwar lapidar mit der Bestimmung des Grades der Abweichung umschrieben, konkrete Vorschläge zu einer expliziten Messung der definierten Merkmale, die hierfür nötig wäre, werden an dieser Stelle nicht gegeben. Kurzum, es ist, wohl aufgrund der induktiven Herangehensweise, darauf verzichtet worden, einen theoretischen Rahmen explizit zu formulieren. Darüber hinaus hält sich Winterling nicht stringent genug an das idealtypische Konzept, um eine wirklich "ideale" Form des Hofes zu entwickeln.  Zu stark ist dafür die Darstellung durchsetzt mit Vorstellungen über mögliche Ausprägungen der definierten Merkmale und damit mit Beschreibungen von Realtypen - dies zudem unter Zuhilfenahme meist ungenannt bleibender Verhaltensannahmen.
Diese Kritikpunkte haben die Verfasser dazu bewogen, sich einerseits mit dem Phänomen "Hof" aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht zu beschäftigen und andererseits die Möglichkeiten und Grenzen der idealtypischen Methodik insgesamt kritisch zu würdigen. Ziel dieser Darstellung ist es nicht, ein allumfassendes und somit jeden denkbaren Aspekt des "Hofes" erklärendes Hofmodell zu entwerfen.  Zu viele existierende Ansätze, die den "Hof" unter ganz verschiedenen Blickwinkeln betrachten, machen eine Integration schwerlich möglich. Zudem ist eine vorrangige Beschränkung auf nur einen Aspekt, der dann zum dominierenden Prinzip erklärt wird, im Hinblick auf den methodologischen Individualismus meist nicht zu rechtfertigen. Vielmehr soll an dieser Stelle ein Überblick über wirtschaftstheoretische und ökonometrische Konzepte gegeben werden, die bei einer theoriegeleiteten empirischen Erfassung des "Hofes" hilfreich sein können.
 

2. Ziele der Beschäftigung mit dem Phänomen "Hof"

Daß der "Hof", nicht unbedingt etymologisch, aber in seiner Eigenschaft als Forschungsbegriff, als eine irgendwie geartete Personengruppe mit Nähe zum Herrscher zu charakterisieren ist, bleibt unbestritten. Der Definition Winterlings kann somit vorbehaltlos gefolgt werden. Als sehr viel bedeutsamer erscheinen jedoch einige sich daran anschließende Fragen:

  • Weshalb konstituiert sich diese Personengruppe?
  • Differenziert sie sich in weitere Untergruppen (weiter vs. enger "Hof") und wenn sie dies tut, aus welchem Grunde?
  • Welche formale und informelle Struktur weist sie auf, wie sind diese Strukturen bedingt und welche Wirkungen zeitigen sie?
  • Existieren, und wenn ja warum, strukturelle Unterschiede verschiedener "Höfe" sowohl in zeitlicher, als auch in regionaler Hinsicht?
Gesucht wird also eine Theorie, die in der Lage ist, das Phänomen "Hof" mit einer einheitlichen Begrifflichkeit zu beschreiben, da nur so zeitliche und regionale Vergleiche möglich sind. Zusätzlich sollte sie, ausgehend von Annahmen über das Verhalten der beteiligten Personen, theoretische Antworten auf die soeben aufgeworfenen Fragen geben können. Es wird hier die Meinung vertreten, daß der wirtschaftswissenschaftliche Zweig der Organisationstheorie diese Anforderungen erfüllen kann.
Ist der theoretische Rahmen abgesteckt, gilt es sich der Problematik der empirischen Prüfbarkeit zuzuwenden. In diesem Zusammenhang geht es um die konkrete Formulierung von Hypothesen über das Phänomen "Hof", die explizite Messung der in diesen Hypothesen verwendeten Begriffe und ihre Überprüfung anhand der historischen Wirklichkeit mittels geeigneter Verfahren. Es wird hier die Meinung vertreten, daß die Meßkonzepte der empirischen Organisationsforschung und Verfahren der Ökonometrie geeignet sind, diese Anforderungen zu erfüllen.
Dabei soll keine Beschränkung auf sicherlich vorhandene wirtschaftshistorische Aspekte des "Hofes" stattfinden, sondern es wird die Erfassung des Gegenstandes mit wirtschaftswissenschaftlicher Theorie und Methodik angestrebt. Diese Vorgehensweise ist an Poppers kritischem Rationalismus orientiert. Vorbildcharakter hat deshalb das Forschungsprogramm der "New Economic History", dessen Wesensmerkmale "Theoriegeleitete Hypothesenbildung", "Explizite Messung" und "Kontrafaktische Argumentation"  hier am Gegenstand "Hof" erprobt werden können. Der Meinung, "Cliometrie" sei aufgrund der Forschungsmethodik auf die Behandlung wirtschaftsgeschichtlicher Themen beschränkt , wird hier widersprochen, solange bewußt bleibt, daß die Ergebnisse von den zu ihrer Ermittlung gemachten Annahmen abhängen. Hervorzuheben ist indes der Vorteil, daß eine intersubjektive Nachvollziehbarkeit des Prozesses der Erkenntnisgewinnung gesichert werden kann.
 

3. Der "Hof" als Organisation - Organisationstheoretische Grundbegriffe
3.1. Der Organisationsbegriff

Um die Organisationstheorie auf das Phänomen "Hof" anwenden zu können, müssen zunächst einige Überlegungen darüber angestellt werden, was das Wesen von Organisationen ausmacht und ob "Höfe" diese Kriterien erfüllen.
Organisation läßt sich zunächst in der Tradition Max Webers als "kunstvolle[s], von Menschen bewußt geschaffene[s] Regelwerk, durch das das Verhalten einer abgegrenzten Gruppe von Interaktionspartnern auf Dauer und im Konsens formal bestimmt wird"  verstehen. Dieses Verhalten ist zielgerichtet , i.d.R. besteht es in der arbeitsteiligen Erfüllung von Aufgaben innerhalb eines abgegrenzten Geltungsbereiches. Die formalen Regeln "… gelten losgelöst vom jeweiligen Individuum. Sie beanspruchen Geltung bis zum Widerruf. Sie lohnen sich vor allem bei Wiederholungsaufgaben …"  Die Organisationstheorie muß ausgehend vom Charakter der Ziele und unter konkreten Annahmen über das Verhalten der Organisationsmitglieder Aussagen über Erscheinungsformen der formalen Struktur machen.
Neben dieser, den Aspekt der Verhaltensregelung betonenden Begriffsbestimmung, ist der Organisationsbegriff auch seitens der Motivation der Organisationsmitglieder, überhaupt Mitglied einer Organisation zu werden, zu bestimmen. Organisation ist demnach ein korporativer Akteur oder Ressourcenpool, der entsteht, wenn Individuen einen Teil ihrer Ressourcen einer zentralen Disposition unterstellen. Ressourcen können Geld, Arbeitskraft, Überlassung von Rechten u.ä. sein.  Die Organisationstheorie muß Aussagen darüber treffen, inwieweit das einzelne Organisationsmitglied Einfluß auf die zentrale Disposition nehmen kann und in welcher Form es an der Verteilung des Organisationserfolges partizipiert.
Dabei sind die Merkmale "Freiwilligkeit der Mitgliedschaft" und "Nicht gänzliche Erfassung des Mitglieds durch die Organisation" zu beachten. Zunächst kann freiwillige Mitgliedschaft einen Anhaltspunkt über die mit ihr verbundenen Erwartungen des Mitglieds an die Organisation geben. Ein rational entscheidendes und nutzenmaximierendes Individuum wird nur dann eine Mitgliedschaft anstreben, wenn es nicht über Alternativen der Ressourcenverwendung verfügt, die höhere Erträge zeitigen werden. Bei nichtfreiwilliger Mitgliedschaft kann jedoch letztlich der Standpunkt vertreten werden, daß das Individuum nicht bereit ist, die drohenden Konsequenzen einer Nichtmitgliedschaft zu tragen. Hinsichtlich des Strukturaspektes ist zu bedenken, daß bei unfreiwilliger und das Individuum in toto umfassender Mitgliedschaft die Zahl der in Frage kommenden Einfluß- und Beteiligungsregelungen lediglich eingegrenzt wird. Etzioni entwirft folglich eine Organisationstypologie, in der Organisationen bezüglich der individuellen Grundlage des Verweilens in der Organisation und bezüglich des Macht- und Steuerungsmittels klassifiziert werden. Organisationen, deren Mitgliedschaft nicht freiwillig ist, werden dann als Zwangsorganisationen bezeichnet  und müssen nicht von der Betrachtung ausgeschlossen werden.
Zur Klärung des Begriffsinhaltes ist jedoch noch eine weitere Gegenüberstellung von Auffassungen notwendig. Während bisher, dem Organisationsverständnis Webers folgend, die Regelung von Interaktionen im Mittelpunkt stand, kann unter "Organisation" auch die Organisation im Sinne einer Institution begriffen werden. Dieses Begriffsverständnis ist kennzeichnend für die anglo-amerikanische Organisationssoziologie und es führt zu einer im Schwerpunkt anderen Beschäftigung mit Organisationen, stehen doch eher Zielvorstellungen und Verhalten der Organisation, als konkrete Regelungen bei gegebener Zielsetzung im Vordergrund. Mit diesem Gegensatz wird jedoch folgendes deutlich: Der Institutionengedanke ermöglicht es, neben den formalen auch informelle Strukturen der sozialen Interaktion als Bestandteil der Organisation anzusehen.
Unstrittig dürfte wohl sein, daß das soziale Phänomen "Hof" eine Organisation im Sinne der vorangestellten Definition darstellt und sowohl über eine formale, als auch eine informelle Struktur verfügt, über die mit organisationstheoretischen Begriffen Aussagen getroffen werden können.
 

3.2. Das Zusammenspiel von Spezialisierung und Koordination

Wesen und Charakteristikum von Organisationen ist i.d.R., daß arbeitsteilig bestimmte Funktionen erfüllt werden, wobei Spezialisierung (systemtheoretisch: Differenzierung) die Gliederung der Organisation in Untereinheiten bezeichnet, die bei der Ausführung einer Aufgabe nur bestimmte Teilaufgaben oder Tätigkeiten wahrnehmen. Spezialisierung kann nach Verrichtungen oder aber nach Objekten erfolgen. Bei der Verrichtungsorientierung werden an einem Objekt von verschiedenen, auf je eine Tätigkeit spezialisierten Einheiten, diese Tätigkeiten ausgeübt. Die Anfertigung einer Urkunde innerhalb der Kanzlei ist etwa Ausdruck der verrichtungsorientierten Spezialisierung der Kanzlei, wenn nämlich der Inhalt von einem Notar entworfen, von einem Schreiber niedergeschrieben und von Kopisten vervielfältigt wird. Objektorientierte Spezialisierung bedeutet, daß an mehreren Objekten alle Tätigkeiten von einer Einheit ausgeübt werden. Dies ist z.B. bei der Aufgabe des Quartiermeisters der Fall, wenn er alle für das Quartiermachen notwendigen Verrichtungen an einem Objekt, dem Quartier, ausführt. Weitere Spezialisierungsformen sind die nach Rang (Entscheidung oder Ausführung), die nach der Phase (Planung, Realisations- und Kontrollaufgaben) und die nach der Zweckbeziehung (Unmittelbare Leistungserstellung oder Verwaltung).
Warum aber findet Spezialisierung statt? Mit der Spezialisierung ist die Erwartung eines Produktivitätsvorteils (Spezialisierungsvorteil oder -erlös) verbunden. Theoretisch kann dies damit begründet werden, daß spezialisierte Einheiten ihre Tätigkeiten besser beherrschen und ihren Aufgabenbereich besser überschauen (systemtheoretisch: Reduktion von Umweltkomplexität). Der Spezialisierungsvorteil wird in beiden Lesarten des ökonomischen Prinzips realisiert. Spezialisierung sollte somit bei gegebenem Erfolg zu einem möglichst sparsamen Ressourcenverbrauch führen bzw. umgekehrt bei gegebenem Ressourceneinsatz einen möglichst hoch ausfallenden Erfolg gewährleisten. Aufgabe der Organisationstheorie ist es, Spezialisierungsformen zu benennen und Aussagen über die Höhe des zu erwartenden Spezialisierungserlöses zu machen.
Die Spezialisierung besitzt jedoch einen gravierenden Nachteil: Die spezialisierten Einheiten haben keinen Überblick mehr über das Ganze, sie bedürfen der Ausrichtung auf ein gemeinsames Ziel. Mit Koordination wird ebendiese Abstimmung und Ausrichtung der spezialisierten Einheiten auf ein gemeinsames Ziel (systemtheoretisch: Integration), ganz im Sinne der Definition Webers, bezeichnet. Während Spezialisierung zum beherrschenden Erkenntnisgegenstand der Organisationstheorie geworden ist, wurde der Aspekt der Koordination eher stiefmütterlich behandelt. Die gebräuchlichsten Koordinationsformen sind:

  • Hierarchie: Koordination durch Anweisung.
  • Programme: Klar definierte Abfolge von Aktivitäten, die bei Vorliegen eines Startimpulses abgearbeitet wird.
  • Algorithmen: Verfahren, die die Interaktionspartner durch Bindung an Zielfunktion, Rechenlogik und Informationsbasis koordinieren.
  • Kommissionen: Koordination durch Verhandlung und gegebenenfalls Abstimmung.
  • Organisationskultur: Koordination durch einheitliche Ausrichtung der Mitglieder auf ein gemeinsames Leitbild.
  • Markt: Koordination durch Tausch und Preisbildung.
Mit Ausnahme des Instrumentes "Algorithmus" läßt sich für jede andere Form ohne große Mühe ein historisches Beispiel benennen. Hierarchien kommen in Hofordnungen zum Ausdruck, die Prozessionen anläßlich der großen Hoftage und -feste am Hofe Friedrich Barbarossas oder die "joyeuses entreés" der burgundischen Herzöge sind Programme und die hochmittelalterliche Entscheidungsfindung "cum consilio" ist eine Form der Koordination in Kommissionen. Turniere, Hoffeste und Ordensgründungen, kurzum die gesamte höfische Kultur läßt sich schon allein begrifflich leicht als Organisationskultur verstehen. Der soziale Tausch von Macht, Einfluß, Gunst u.ä., wie bei Winterling angedeutet, kann als Markt behandelt werden.
Die ökonomisch sinnvolle Funktion der Koordinationsinstrumente, nämlich durch eine zielgerichtete lenkende Wirkung die Realisation der Spezialisierungsvorteile sichern zu helfen, bedeutet jedoch, daß zusätzlich Aufwendungen anfallen. Aufgabe der Organisationstheorie ist es deshalb, neben der Bestimmung von Koordinationsinstrumenten, Aussagen über das Zusammenwirken von Spezialisierungs- und Koordinationsformen zu machen oder präziser: Den Nettoeffekt von Spezialisierungserlösen und Koordinationsaufwendungen zu ermitteln.
 

3.3. Die Trennung von Aufbau und Ablauf

Ein wichtiger Gesichtspunkt bei der Beschäftigung mit Organisationen ist die gedankliche Trennung der Struktur in ihren Aufbau und in die für das gemeinsame Wirken unerläßlichen Regelungen des Verhaltens, die Abläufe. Der formale Aufbau einer Organisation gibt an, in welcher Form die Spezialisierung institutionalisiert worden ist. Wobei zwischen Linien- und Stabsfunktionen unterschieden wird, letztere verfügen über keine Entscheidungsbefugnis, sondern beraten und unterstützen die Leitungsfunktionen.  Über das tatsächliche und geregelte Wirken der spezialisierten Einheiten allein und miteinander gibt die Ablauforganisation Auskunft.  Eine Trennung in Hofämter ist beispielsweise ein Teilbereich höfischer Aufbauorganisation, das konkrete Handeln der Ämter bzw. ihrer Personen ist, sofern es geregelt ist, ein Aspekt höfischer Ablauforganisation.
Diese Unterscheidung ist maßgeblich der an Weber orientierten Ausrichtung des Erkenntnisinteresses an Regelungen zu verdanken. Weber selbst hat dieser Unterscheidung allerdings nur untergeordnete Bedeutung beigemessen. In seinem idealtypischen Bürokratiemodell stehen aufbauorganisatorische Größen wie "Kompetenzgliederung und Aufgabenteilung" und "Hierarchie" und ablauforganisatorische Kriterien wie "Regelgebundenheit" und "Aktenmäßigkeit" nebeneinander. Und die von Weber nachhaltig beeinflußte amerikanische Organisationsforschung ist ihm in dieser Hinsicht bis heute gefolgt. Mit dem Ziel, den Prozeß des Organisierens systematisch zu erfassen, ist es die betriebswirtschaftliche Organisationslehre mit Nordsieck und dann Kosiol, die betont, daß Aufbau und Ablauf grundsätzlich anders zu regeln sind und die daher der Trennung von beiden elementare Bedeutung beimißt.
 


Abb. 1: Schematische Abbildung einer möglichen Aufbauorganisation (hier: Einliniensystem) des "Hofes".
Quelle: Eigene Erstellung


3.4. Markt als Spezialfall der Koordination

Markt, dies geht aus den vorangegangenen Ausführungen hervor, ist ein spezielles Koordinationsinstrument, das Informationen verarbeitet und über Preisbildung bei Tauschprozessen lenkt. Winterlings Idee von einem knappen Gut "Gunst" folgend, kann jegliche soziale Interaktion am "Hof", die nicht anderen formalen Regelungen unterliegt, mithilfe des Marktmechanismus beschrieben werden. Dies setzt jedoch einige Annahmen über das Verhalten der interagierenden Personen und die Marktgegebenheiten voraus, die Winterling in ihrer Tragweite offenbar nicht ausreichend bedacht hat.

  • Zunächst müssen die am "Hof" gehandelten Güter bestimmt werden. Neben "Gunst" sind auch "Macht" und "Einfluß" denkbar. Nicht unvernünftig ist es anzunehmen, daß es mehrere Märkte - für die genannten Güter je einen - gibt. Denn: Gunsterwerb allein macht zunächst keinen Sinn, wenn die erworbene Gunst nicht beispielsweise gegen Macht oder Einfluß bei Hofe, oder aber gegen Geld oder Einfluß außerhalb des Hofes getauscht werden kann. Dies wird auch von Winterling erkannt.


Die Preisbildung auf dem Markt "Gunst" soll in Abb. 2 verdeutlicht werden.

Abb. 2: Angebots- und Nachfragekurve auf einem Markt "Gunst" mit Marktgleichgewichtspunkt M.
Quelle: Eigene Erstellung

  • Dann muß die Annahme sich rational entscheidender und ihren persönlichen Nutzen maximierender Individuen gemacht werden.  Es muß deutlich werden, daß Gunsterwerb einen Preis hat, somit mit persönlichen Kosten - dies kann Geld, Zeit etc. sein - verbunden ist. Dies wirft die Frage auf, welche Präferenzordnung die Nachfrager bezüglich des Gutes haben und welche Eigenschaften ihre darauf basierende Nutzenfunktion hat. Mit anderen Worten, wächst etwa die Nachfrage der Höflinge nach Gunst mit sinkendem Preis linear, über- oder gar unterproportional?
  • Ebenso wichtig wie die Bestimmung der gehandelten Güter, ist eine Aussage über die Struktur der Märkte. Vollkommene Märkte setzen den Tausch eines homogenen Gutes, freien Zugang aller Marktpartner zum Markt und vollkommene Marktinformation aller Marktpartner voraus. Dann wird der Ausgleich von Angebot und Nachfrage zu einer Preisbildung führen, bei der eine ressourcenoptimale Verteilung des gehandelten knappen Gutes gewährleistet ist. An dieser Stelle soll keine Spekulation darüber angestellt werden, ob diese Annahmen realistisch sind, wenn ein Hof betrachtet wird. Es soll lediglich darauf hingewiesen werden, daß andere Marktformen, so z.B. ein Monopolmarkt oder ein Markt mit monopolistischer Konkurrenz oder aber Bestrebungen, Kartelle zu bilden  u.U. eine exaktere Möglichkeit bieten, sozialen Tausch am Hof abzubilden.
Wenn der Markt eine ressourcenoptimale Allokation der knappen Güter gewährleistet und somit soziales Verhalten gesteuert werden kann, erhebt sich dennoch die Frage, warum die Organisation "Hof" dieses Koordinationsinstrument nur in begrenztem Maße einsetzt? Ja es entsteht sogar der Eindruck, zunehmende Schriftlichkeit der Verwaltung und ein immer strenger reglementiertes Zeremoniell mögen als Beleg dafür dienen, daß frei ausgehandelter sozialer Tausch im Zeitablauf eher zurückgedrängt wird und sich der Herrscher anderer Koordinationsinstrumente bedient.
Eine ökonomisch fundierte Antwort auf diese Frage gibt der Transaktionskostenansatz.  Coase, der für diesen Ansatz 1991 den Nobelpreis erhielt, wunderte sich zurecht darüber, daß es in ausgebildeten Marktwirtschaften Unternehmungen gibt, Organisationen also, die sich intern dem Marktmechanismus verschließen. Um eine Erklärung dieses Paradoxons zu finden, wies Coase darauf hin, daß auch die Benutzung des Marktmechanismus für den Marktteilnehmer mit Kosten verbunden ist. Diese sog. Transaktionskosten entstehen vor allem durch Aufwendungen zur Erlangung vollständiger Marktinformation, durch häufiges Verhandeln und durch die aus der kurzen Laufzeit der Verträge resultierende Unsicherheit. Wird demgegenüber auf andere Koordinationsinstrumente zurückgegriffen - die moderne Transaktionskostentheorie hat dort vor allem die Hierarchie im Blick  - so können zwar die Transaktionskosten vermieden werden, es entstehen jedoch Koordinationskosten. Unternehmungen als Organisationen werden solange existieren, solange die Koordinationskosten geringer sind als zu erwartende Transaktionskosten bei marktlicher Koordination.
Dieses Prinzip läßt sich nun auch auf die soziale Interaktion bei Hofe anwenden. Eine Erklärung für das offensichtliche Nebeneinander verschiedener Koordinationsarten kann damit gegeben werden, daß in bestimmten Situationen eine Steuerung der Hoforganisation mittels nichtmarktlicher Mittel geringeren Aufwand bedeutet, als wenn ein freier Tausch zugelassen würde. Personale Verflechtung als Ausdruck informeller Struktur kann sowohl für den Herrscher als auch für die Höflinge vorteilhaft sein, da eine langfristige Bindung u.U. für den Einzelnen zuverlässiger und damit günstiger ist, als der von Fall zu Fall auszuhandelnde und jedesmal mit Kosten verbundenene marktliche Austausch.
 

3.5. Organisationstheoretische Paradigmen

Es soll zuletzt nicht verschwiegen werden, daß der Gegenstand "Organisation" durchaus mit unterschiedlichem Erkenntnisinteresse betrachtet werden kann.  Die fünf wesentlichen Paradigmen sind:

  • Legitimation der Organisation: Gefragt wird hier, in welcher Weise bestimmte Regelungen begründet und gerechtfertigt werden. Webers Herrschaftssoziologie gibt idealtypisch die Legitimationsprinzipien in den Herrschaftsformen "Patriarchale Herrschaft", "Charismatische Herrschaft", "Traditionale Herrschaft" und "Rationale bzw. Bürokratische Herrschaft" an.
  • Effizienz / Effektivität der Organisation: Gefragt wird hier, wie effizient oder wie effektiv bestimmte Regelungen sind. Dies ist vor allem Gegenstand der betriebswirtschaftlichen Organisationslehre.
  • "Überleben" der Organisation: Gefragt wird hier, inwiefern bestimmte Regelungen sich entwickeln, inwiefern sie geeignet sind, den langfristigen Bestand der Organisation zu sichern und in welcher Form diese Sicherung geschieht. Zu nennen sind hier die evolutionstheoretischen Ansätze und die Systemtheorie.
  • Motivation der Organisationsmitglieder: Gefragt wird hier, in welcher Form geregelt werden sollte, um die Mitgliedschaft zu sichern. Dieses ist Gegenstand des Human-Relations-Ansatzes.
  • Rationalitätssicherung der Organisationsentscheidungen: Gefragt wird hier, welche Regelungen rationale Entscheidungen der Mitglieder über das Verhalten der Organisation zulassen. Hiermit beschäftigen sich verhaltenswissenschaftliche und entscheidungslogische Ansätze.
Obwohl jedes Paradigma also andere Leitfragen bei der Beschäftigung mit Organisationen stellt, sind dennoch alle Leitfragen in derselben Terminologie zur Beschreibung der Organisationsstruktur abhandelbar.
 

4. Determinationsfaktoren und Wirkungen der Organisation - Der situative Ansatz

Nachdem im vorangegangenen Abschnitt die Struktur, vor allem die formale, von Organisationen abgehandelt worden ist, sollen nun einige Bemerkungen über Beeinflussungen und Wirkungen der Struktur gemacht werden. Die Einbettung der Organisation in einen Kontext (systemtheoretisch: Umwelt) wird gestützt durch die Beobachtung, daß eine bestimmte Struktur nicht in jeder Situation ihre Ziele optimal erfüllen kann. Innerhalb des sog. situativen Ansatzes, der schematisch in der Abb. 3 dargestellt ist, sind die folgenden vier Wirkungsbeziehungen zu beachten.
 

Abb. 3: Schematische Darstellung des situativen Ansatzes.
Quelle: Eigene Erstellung in Anlehnung an: HAUSCHILDT, J., Innovationsmanagement, München 1993, S. 298.

  • Es besteht eine Wirkungsbeziehung innerhalb der formalen Struktur, nämlich der Zusammenhang von Spezialisierung und Koordination. Welche Spezialisierungsform bedingt welche Art der Koordinierung? [Pfad 2]
  • Zu fragen ist daneben, wodurch und in welcher Weise dieses Zusammenspiel von Spezialisierung und Koordination beeinflußt wird. In der Organisationsforschung werden vor allem der Einfluß der Größe der Organisation, das Ausmaß der Umweltkomplexität, dem sie ausgesetzt ist und die zur Verfügung stehende Technologie als Einflußfaktoren untersucht.  Zu fragen wäre also danach, ob und in welcher Weise strukturelle Veränderungen des Hofes etwa auf eine Veränderung seiner Mitgliederzahl, auf die Situation, in der er sich befindet (Frieden/Krieg) oder aber auf neue technologische Errungenschaften, vor allem verwaltungstechnischer Art, zurückzuführen sind. Analog dazu muß gefragt werden, in welcher Weise seine informelle Struktur determiniert ist. [Pfad 1]
  • Weiter ist zu fragen, welche Außenwirkungen formale und informelle Struktur haben. Entsprechend der verschiedenen organisationstheoretischen Paradigmen (vgl. 3.5.) kann der Erfolg unterschiedlich definiert sein. Das ökonomische Paradigma untersucht die Wirkung der Struktur auf Effizienz und Effektivität der Organisation. Andere Paradigmen betrachten beispielsweise den Einfluß auf den Legitimationserfolg, die Motivation der Mitglieder, die Rationalitätssicherung der Organisationsentscheidungen oder auf den Bestand der Organisation. [Pfad 3]
  • Zuletzt ist auch eine direkte Wirkung des Kontextes auf den Erfolg zu beachten. [Pfad 4]
  • Diese Art der Darstellung dient somit in theoretischer Hinsicht dazu, sich Klarheit über grundsätzliche Wirkungsbeziehungen zu verschaffen. Grundlegende Annahme des situativen Ansatzes ist es also, daß die direkte Wirkungsbeziehung zwischen Kontext/Situation und Erfolg (Pfad 4) durch eine zieladäquate Wahl der Struktur und ihrer Koordinierung (Pfad 1-2-3) in positiver Weise modifiziert wird. Damit wird eine doppelte Anpassung der formalen Organisation postuliert. Die Anpassung der formalen Spezialisierungsform an den Kontext einerseits und die Anpassung des Koordinationsinstrumentes an die Form dieses Spezialisierung.  Analog kann das Schema um den Aspekt der informellen Struktur erweitert werden. Dann dürfen die vermutlich auftretenden Wechselwirkungen zwischen formaler und informeller Struktur nicht außer acht gelassen werden.

5. Messung der Organisation, ihrer Determinanten und ihrer Wirkung

Der situative Ansatz weist den Weg, den die empirische Forschung einzuschlagen hat. Es soll beurteilt werden können, in welchem Maße etwa der Kontext der Organisation "Hof" Einfluß auf dessen Struktur ausübt, welches Gewicht dabei verschiedenen Einflußfaktoren zukommt und als wie stark wiederum die Wirkung der Struktur auf den Erfolg einzuschätzen ist. Diese Fragestellungen sind für die angestrebten regionalen und zeitlichen Vergleiche der Höfe von Bedeutung.
 

5.1. Möglichkeiten und Grenzen der idealtypologischen Methode

Eine Modellierung dieser Wirkungsbeziehungen erfordert eine explizite Messung der in ihr verknüpften Größen. Dazu sind einige grundsätzliche methodologische Überlegungen, die idealtypische Methode Webers betreffend, anzustellen. Winterling, der sich bei der Beschreibung des Phänomens "Hof" dieser Methodik bedient, weist darauf hin, daß die historisch zu beobachtenden Realtypen im Grad ihrer Abweichung zum konstruierten Idealtypus beurteilt werden müssen. Dem kann uneingeschränkt zugestimmt werden, nur werden bedauerlicherweise in seiner vorliegenden Skizze keinerlei Angaben darüber gemacht, in welcher Weise dies zu geschehen hat. Bei pragmatischer Handhabung hat dies die Konsequenz, daß angestrebte Strukturvergleiche nicht ordentlich durchgeführt werden können, da weder der Abstand des Realtyps zum Idealtyp, noch der Unterschied zweier Realtypen zueinander genau angegeben werden können. Die bloße Feststellung, daß sich der Realtyp vom Idealtyp unterscheidet, folgt banalerweise direkt aus der Definition von Idealtypen, ideale und nicht reale Formen abzubilden.
Die idealtypische Methode ist somit zwar als didaktisches Hilfsmittel zur Beschreibung einer "reinen" Form geeignet und gibt in dieser Eigenschaft den Referenzpunkt an, an dem Realtypen beurteilt werden können. Als Instrument zur Erfassung der Wirklichkeit jedoch ist sie nicht geeignet, da sie mit starren Begriffen und nicht mit Variablen arbeitet und deshalb Unterschiede nicht abzubilden vermag. Die Konstruktion von Zwischentypen wirft das Abgrenzungsproblem auf, da nun beurteilt werden muß, welchem Zwischentyp ein Realtyp zuzuordnen ist. Zudem geht der didaktische Wert der Idealtypologie wegen der meist sehr schnell stark anwachsenden Anzahl an Zwischentypen verloren. Der Ausweg besteht somit in der expliziten Messung der Begriffe auf Skalen, so daß sie zu Variablen werden, die in der Lage sind, Feinheiten und Variationen zu erfassen.
 

5.2. Einige Meßkonzepte der empirischen Organisationsforschung

An dieser Stelle sollen einige Meßkonzepte der empirischen Organisationsforschung vorgestellt werden, die als Anregung verstanden werden wollen, sich dem Problem expliziter Messung auch der höfischen Strukturen verstärkt zuzuwenden.
In seiner empirischen Ausgestaltung ist der situative Ansatz wesentlich von der Forschergruppe um Pugh (sog. Aston-Group ) beeinflußt worden, die sich, ausgehend von Webers Bürokratiemodell, ausgiebig mit der Messung bürokratischer Strukturen beschäftigt haben. Struktur, hier bürokratische, wird in Dimensionen übersetzt, etwa:

  • Spezialisierung: Grad, in dem die Tätigkeiten in den Organisationen in spezialisierte Rollen aufgeteilt sind.
  • Standardisierung: Grad, in dem Tätigkeiten von Routineverfahren bestimmt werden.
  • Formalisierung: Grad, in dem Verfahren, Regeln, Aufgaben, Weisungen usw. schriftlich formuliert sind.
  • Zentralität: Grad, in dem die Autorität, Entscheidungen zu treffen, zentralisiert ist.
  • Konfiguration: Gestalt der Struktur, die in einer Anzahl von weiteren Dimensionen (z.B. Anzahl der Hierarchieebenen) angedeutet wird.
"Unser Ziel ist es, Organisationsstrukturen zu vergleichen und die Unterschiede in den Strukturen in Beziehung zu setzen zu den Unterschieden in den Umständen (contexts), unter denen diese Strukturen funktionieren ..."
Ein weiterer Ansatz zur Messung organisationaler Struktur existiert mit dem Organisationsgrad Wittes.  Dieses Maß macht sich den Umstand zunutze, daß eine Aufbauorganisation zwar ohne weitergehende Regelung der Abläufe auskommt, umgekehrt jedoch jede Ablauforganisation auch über einen strukturierten Aufbau verfügen muß. Inwieweit nun zu den aufbauorganisatorischen Regelungen ablauforganisatorische hinzutreten, d.h. wie stark das Verhalten innerhalb einer vorgegebenen Struktur reglementiert wird, gibt Auskunft über den Grad der Organisiertheit.
Mit der Netzwerkanalyse können vor allem die informellen Strukturen abgebildet und auf Verflechtungsphänome hin untersucht werden. In Netzwerken werden personale Beziehungsstrukturen formal als Graphen dargestellt. Die Formalisierung führt zu einer Reihe von Möglichkeiten, Verflechtung zu messen:
  • Das Netz kann anhand verschiedener Maße charakterisiert werden. So kann die Dichte (= Verflechtungsgrad) des Beziehungsnetzes angegeben werden, es kann der Grad der Zentralität einzelner Personen im Netz und der Grad der sozialen Nähe zwischen Personen ermittelt werden.
  • Diese Maße dienen einer statistischen Klassifikation. Maße der sozialen Nähe und der Zentralität können einer Clusteranalyse zugeführt werden, mit der Gruppen von Personen ermittelt werden, deren Verflechtung im Vergleich zu anderen Personen sehr groß ist (Cliquen) oder die über eine ähnliche strukturelle Position im Netz verfügen.
  • Diese Maße können graphisch aufbereitet werden. Mittels einer Multidimensionalen Skalierung kann eine Topographie der sozialen Nähe dargestellt werden. Ein fiktives Beispiel ist in der Abb. 4 zu sehen. Die Personen a, b und c sind jeweils typische Vertreter von Gruppen mit verschiedener Nähe zum Herrscher H.


Abb. 4: Fiktives Beispiel einer Topographie der sozialen Nähe.
Quelle: Eigene Erstellung in Anlehnung an: SPITZER, Alan B., A Generation as a Social Network, in: Histoire & Mesure II-3/4 (1987), S. 19-40.

Die Verfasser nehmen mit Verwunderung zur Kenntnis, daß gerade die Netzwerkanalyse in ihren formalen Möglichkeiten trotz einer Einführung in die Geschichtswissenschaft durch Reinhard im Jahre 1979, bis heute so gut wie gar nicht von Historikern aufgegriffen worden ist.
Welche Perspektiven ergeben sich aus der expliziten Messung von formalen und informellen Strukturen?

  • Gemessene Struktur kann für zeitpunktbezogene und am Zeitablauf orientierte Vergleiche benutzt werden. So können beispielsweise der Organisationsgrad oder Zentralitätsmaße der personalen Verflechtung verschiedener Höfe in ihrer Veränderung in Abhängigkeit von der Zeit und anderen Faktoren untersucht und miteinander verglichen werden.
  • Bei Vorhandensein eines expliziten Wirkungsmodells im Stile des situativen Ansatzes können die Wirkungsbeziehungen quantifiziert und das Modell einem empirischen Test unterworfen werden. Zudem kann ein quantifiziertes Wirkungsmodell als Grundlage von Simulationsstudien dienen. Diese können ebenfalls zu einem tieferen Verständnis von Strukturveränderungen im Zeitablauf beitragen.
  • Als dynamischer Aspekt ist die Analyse von Karrieren am "Hof" im Zeitablauf und in Abhängigkeit von formalen und informellen Strukturmerkmalen zu nennen. Es muß dabei bestimmt werden, in welcher Weise "Karriere" gemessen werden soll (z.B. Dauer, Position, Mittelzuwendung vom Herrscher). Mit Hilfe der Regressionanalyse kann dann eine Abhängigkeit der "Karriere" von Strukturmerkmalen des Hofes (z.B. Organisationsgrad, Zentralität, Cliquenzugehörigkeit) und anderen Faktoren (Lebensalter, Stand, Herkunft, Ausbildung) modelliert werden.

6. Zusammenfassung

Anliegen der vorausgegangenen Ausführungen war es, zu zeigen, daß in den gut 75 Jahren seit dem Erscheinen Webers "Wirtschaft und Gesellschaft" in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowohl theoretischer als auch methodischer Fortschritt in erheblichem Maße stattgefunden hat. Daher ist der Versuch unternommen worden, einen grundlegenden Überblick über die moderne Organisationstheorie zu geben. Daran anschließend sollten Anregungen zu einer expliziten Messung der Organisation "Hof" gegeben werden, die Vergleiche befördert und eine theoriegeleitete empirische Analyse des "Hofes", seiner Einflußfaktoren und seiner Außenwirkungen erlaubt. Die Organisationstheorie kann mit ihrer Begrifflichkeit formale und informelle Strukturen von Organisationen, und damit auch die des "Hofes", beschreiben. Sie liefert Hypothesen über das Verhalten von Strukturen, ihre Abhängigkeit vom Kontext und ihre Wirkung. Die empirische Organisationsforschung verfügt über Konzepte, diese Hypothesen zu operationalisieren und sie einer Bewährung an der Wirklichkeit auszusetzen. Sie besitzt damit methodisch für die Erkenntnis über das Phänomen "Hof" ein weitaus größeres Potential als die idealtypische Methodik.
Hierbei ist bewußt auf die Erarbeitung konkreter Vorschläge verzichtet worden, sollte doch zunächst das Prinzip verdeutlicht werden. Mehr kann der Wirtschaftswissenschaftler an dieser Stelle alleine nicht tun. Wünschenswert wäre eine enge wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Historikern und Wirtschaftswissenschaftlern, um den gesteckten Rahmen zu nutzen und ihn mit Leben zu erfüllen. Gespannt darf man dabei auf die Form der Koordination des interdisziplinären - mithin spezialisierten - Arbeitens sein.
 

Abkürzungsverzeichnis

ASQ      Administrative Science Quarterly
DBW     Die Betriebswirtschaft
HWO     Handwörterbuch der Organisation
KZfSS    Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie
MRK     Mitteilungen der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
TvG       Tijdschrift voor Geschiedenis
WiSt      Wirtschaftswissenschaftliches Studium
ZWS      Zeitschrift für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
 
 

Literaturverzeichnis
 

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  • WEBER, Max, Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriß der verstehenden Soziologie, 5., revidierte Aufl., Tübingen 1972.
  • WINTERLING, Aloys, "Hof" - Versuch einer idealtypischen Bestimmung anhand der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte, in: MRK 5/1 (1995), S. 16-21.
  • WITTE, Eberhard, 'Ablauforganisation', in: HWO, 1. Aufl., Stuttgart 1969, Sp. 20-30.


Ulf Christian Ewert, Kiel
Sven Erik Hilsenitz, Kiel
 



 


Die Arbeit der anderen

The evolution of the princely court and its culture in north-west Europe, c. 1270-c. 1384



The Leverhulme Trust (GB) has made an award to the Faculty of History, University of Oxford, for two years from October 1994 to fund a project which examines the princely courts of north-west Europe during the century before the Burgundian accession to Flanders and Artois in 1384. Funding has been made available for archival research, for the use of computer facilities and for the appointment of a Research Fellow (Drs Godfried Croenen, University of Ghent) to assist Dr. Malcolm Vale, who directs the project. The award does not make provision for the holding of colloquia, but the results of the work will be published by Oxford University Press.

The aims of the project are to produce a comparative study of princely courts, and of the households from which they emerged and of which they were a part, during a period which has tended to be overshadowed by the subsequent Burgundian hegemony. This demands a selective approach to the material, as comparisons can be made only between what is readily comparable. The geographical span of the project encompasses Flanders, Artois, Hainaut, and England, with some treatment of developments at the contemporary courts of France, Brabant and Holland. Among the topics under investigation are:

1. Comparative levels of expenditure and consumption. These are derived largely from an analysis of household accounts and supporting documentation. The English evidence (drawn from the records of the royal wardrobe and household) is very extensive, but surviving material from Flanders, Artois and Hainaut can also be fruitfully used. The results of this investigation will be stored, where appropriate, in data-base form.

2. Life-styles and material culture. Patterns of consumption and the rhythms of court life can be charted, with special attention paid to the function of the great feasts of the liturgical year; the distribution of liveries (livrées) to members of a ruler's entourage, maisnie or affinity; and the role of gift-giving and ritualised behaviour in these households. A definition of the court is likely to emerge from this enquiry which stresses the significance of "holding court" on specific occasions, and of the development of an "upper" household in the evolution of the later medieval and early modern court.

3. The question of "court culture". Was there a specifically "courtly" milieu with an identifiable culture of its own during this period? Literary scholars and art historians have often assumed that there was and have used the term "courtly" in a loose and wide-ranging manner. This project will try to be more precise and to identify what might be termed "court culture" through an examination of such sources as surviving inventories of books, plate and jewels; records of artistic commissions; and some of the extant artefacts and works of art dating from this period. Again, the approach has to be selective, but it is hoped that a representative sample of the evidence can be presented and analysed. The function C as cultural centres C of princely chapels as well as chanceries will be emphasised, while the increasingly important role of a non-clerical and secular milieu (heralds, secular painters and illuminators, secretaries, noblewomen etc) in the production and reception of "courtly" culture will be underlined. The process of re-examination of the evidence may yield some useful conclusions, not least of which is the unreliability of many nineteenth-century editions C especially of C. Dehaisnes' Documents et extraits divers concernant l'histoire de l'art dans la Flandre, l'Artois et le Hainaut avant le XVe siècle, 2 vols (Lille, 1886) - upon which previous studies have tended to rely.

The funding of the project by the Leverhulme Trust ends in October 1996, but it is hoped that work will continue under other auspices after that date. Information about similar work which is currently in progress elsewhere will be most welcome.

Requests for additional information should be addressed to: Dr. Malcolm Vale, St. John's College, Oxford OX1 3JP (tel.: 44-1865-277363; fax: 44-1865-277435).

Malcolm Vale, Oxford
 
 

Endlich wird hier ein lang gehegter Wunsch erfüllt und das große italienische Studienzentrum "Europa delle Corti" durch seinen Sekretär in deutscher Sprache (!) vorgestellt. Der Rahmen ist sehr viel weiter gespannt, die Fülle der Phänomene im reichen Italien (Celle ist nicht Urbino!) kaum zu überschauen, Kunst und Literatur sind stärker als bei uns eingebunden, und der Zeitraum umfaßt die ganze Frühe Neuzeit, mit einer besonderen Vorliebe für die Renaissance des 16. Jahrhunderts. Auf die Beschreibung folgt die Bibliographie der eindrucksvollen Reihe der Veröffentlichungen des "Centro"; dazu gehört weiter unten S. 50-52 eine Skizze des Forschungsprojekts "Il perfetto capitano" von Marcello Fantoni (nun aber in italienischer Sprache, derer wir Italiennarren natürlich alle mächtig sind), und S. 61f. das Programm des Kolloquiums "I regolari nelle corti di antico regime", womit nicht etwa unsere Hofordnungen und andere Regulative gemeint sind, sondern die Regularkleriker bei Hofe.

Werner Paravicini, Paris
Europa delle Corti, Ferrara

Das Forschungszentrum Europa delle Corti (Europa der Höfe) wurde 1976 von einigen italienischen und ausländischen Forschern gegründet mit dem Ziel, das Phänomen des Hofes im Ancien Régime in einer Perspektive des interdisziplinären Austausches untersuchen zu können. Das Phänomen des Hofes schien ihnen für ihre speziellen Studien von erheblicher Bedeutung zu sein, sich aber zugleich einer strengen disziplinären Betrachtung zu entziehen; keine der verschiedenen "Geschichten": der Kunst, der Literatur, der Wissenschaft, der Religion, der Institutionen kann es allein behandeln.

Das Zentrum entstand somit aufgrund eines Zustandes der Unzufriedenheit mit der geschichtlichen Anschauung, das Ancien Régime lediglich als Basis der Modernität zu betrachten. Vielmehr ist die Beschränkung der kulturellen Besonderheit zu erfassen, sind die spezifischen Ausdrucksformen zu verstehen, d.h. der Hof und die aristokratische Kultur, die sich auf dieses Konzept des Hofes bezieht. Es handelt sich um eine Kultur, welche ganz Europa zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert zu erfüllen scheint.

Der damalige Ausgangspunkt waren die kleinen italienischen Höfe. Aus ihnen entsprang das grundlegende Werk dieses Lebensstils, der "Cortigiano" des Baldassare Castiglione, der, wie man erkannt hat, zu einem großen europäischen Glücksfall geworden ist.

Im Lauf der Zeit fanden jedoch weitere Aspekte starke Beachtung, welche mit dem ersten Ansatz in Verbindung stehen. Dies war insbesondere die Wiederentdeckung der klassischen Kultur im modernen Europa, Instrument für die Definition eines sozialen und kulturellen Modells, das das klassische Vorbild sozusagen verinnerlicht in der Gesellschaft der Höfe und entsprechend der von Castiglione vorgeschlagenen "regula universalissima" der Nachlässigkeit, der Anmut und der Angemessenheit. Gleichzeitig wurden die Studien über die sozialen und institutionellen Grundzüge und Eigenarten der Höfe und über das Verhältnis zwischen den Höfen der feudalen und denjenigen der patrizischen Aristokratie vertieft.

Diese Arbeit hat, wie schon beschrieben, ihren Ursprung in den italienischen Beispielen; sie beschäftigte aber sofort die europäischen und amerikanischen Gelehrten. Eine erste Zusammenkunft wurde 1980 in der Ecole des Hautes Etudes in Paris organisiert, weitere haben 1991 in der Royal Aacdemy of Arts in London und endlich 1993 in der Folgea Library in Washington stattgefunden. Fast regelmäßig hat später "Europa der Höfe" eine Sektion während des jährlichen Treffens der nordamerikanischen Renaissance Society organisiert.
 

Struktur und Arbeitsweise des Forschungszentrums:

Das Zentrum hat im Jahre 1979 die Gestalt einer nicht anerkannten Gesellschaft angenommen und ihr Statut sieht die Ämter des Präsidenten, Vizepräsidenten, Sekretärs und Kassierers vor. Wenigstens einmal im Jahr wird eine Versammlung einberufen; bei dieser Gelegenheit wird die Wissenschaftskommission für das folgende Jahr gewählt und werden die Ämter besetzt. Die Mitglieder des Exekutivkomitees sind für die verschiedenen Forschungsvorhaben oder für die von der Versammlung anberaumten Zusammenkünfte verantwortlich. Die Mitglieder dieses Exekutivkomitees, das sich periodisch versammelt, bleiben im Amt bis zur Vollendung des Vorhabens oder der Zusammenkunft, für die sie verantwortlich sind.

Diese derart flexible Struktur hat eine vermehrte Effizienz ermöglicht und dazu das Risiko der akademischen Sklerose oder der Bürokratisierung vermieden. Zum Beweis: Quondam ist der einzige noch im Zentrum Tätige von all jenen (Tenenti, Biondi, Romani, Vasoli, Quondam, Ossola, Battisti, Adorni, Ferroni), die 1979 die Gesellschaft gegründet haben.

Bevorzugte Arbeitsweise des Zentrums ist es, sich jedesmal nur ein einziges Ziel zu setzen: Seminare, Zusammenkünfte, eventuell Ausstellungen betreffen die Fragestellungen, die durch die Versammlung vorgeschlagen worden sind. Wegen seiner juristischen Gesellschaftsform hat das Zentrum keine öffentlichen Finanzmittel; jedes Mitglied hat die Aufgabe, über seine Universität oder in Zusammenarbeit mit den beiden Institutionen danach zu suchen. Gleichwohl wurden seit den siebziger Jahren mindestens zwei oder ausnahmsweise drei Kolloquien pro Jahr organisiert, deren Ergebnisse später in der Reihe des Studienzentrums beim Verlag Bulzoni in Rom veröffentlicht worden sind. In derselben Reihe sind auch italienische und ausländische, individuelle oder gemeinsame Forschungen vertreten, die vom Zentrum als besonders bedeutend für das Projekt angesehen wurden. Die Reihe (s. unten die Liste) wird Ende 1995 mehr als 70 veröffentlichte Titel zählen können.

Um für vertiefende Forschungen, die während eines Studientreffens nicht möglich sind, die Grundlage zu schaffen, wurde im Laufe der achtziger Jahre in Ferrara das Institut für das Studium der Renaissance gegründet. Dies war dank des Beitrags der Provinz Emilia möglich. Das Zentrum trägt die wissenschaftliche Verantwortung und ernennt den Leiter des Instituts. Beim Institut sind einige Forschungsgruppen tätig, die sich mit verschiedenen Themen beschäftigen (z.B. mit der ritterlichen Literaturtradition, der Inquisition, usw.). Die Ergebnisse dieser Forschungen werden in der Reihe des Instituts beim Panini-Verlag in Modena veröffentlicht. Das Institut hat auch eine eigene Zeitschrift, genannt Schifanoia. Notizie dell'Istituto di studi rinascimentali di Ferrara [eine Auswahl der Publikationen befindet sich unten in der Rubrik "Neuerscheinungen" des vorliegenden Heftes unter dem Stichwort Schifanoia].

Derzeit ist der Präsident des Zentrums Prof. Amedeo Quondam, Ordinarius für italienische Literatur an der Universität "La Sapienzia" in Rom; Sekretär ist Prof. Cesare Mozzarelli, Ordinarius für Neuere Geschichte an der Katholischen Universität del Sacro Cuore in Mailand. Leiter des Instituts in Ferrara ist Prof. Gianni Venturi, Ordinarius für italienische Literatur an der Universität von Florenz. Der Sitz des Instituts ist in Ferrara, via Boccaleone 19, wo sich auch das Sekretariat des Zentrums befindet (Tel. 0039.532.768208 C Fax 0039.532.761331).

Für Informationen über das Zentrum steht dessen Sekretär zur Verfügung: Prof. Cesare Mozzarelli, Università Cattolica del Sacro Cuore, Largo Gemelli 1, I-20123 Milano, Tel. 0039.2.72342295 C Fax 0039.2.72342740.
 
 

Cesare Mozzarelli, Mailand


Bibliographie
der Veröffentlichungen des Forschungszentrums
"Europa delle Corti"
1978-1995
(Stand: 11. 4. 1995)

Die einzelnen Titel sind zu bestellen über den Verlag Bulzoni, Via dei Liburni 14, 00185 Roma, Tel. (06) 4455207, Fax 4450355.
 

(1) Le corti Farnesiane di Parma e Piacenza (1545-1622). I. Potere e società nello stato Farnesiano, a cura di Marzio A. Romano, Rom 1978 (240 S.; Preis: L. 29.000).

(2) Le corti Farnesiane di Parma e Piacenza (1545-1622). II. Forme e istituzioni della produzione culturale, a cura di Amedeo Quondam, Rom 1976 (316 S.; Preis: L. 29.000).

(3) Dialogo dell'imprese militari e amorose, a cura di Maria Luisa Doglio, Rom 1978 (184 S.; Preis: L. 20.000).

(4) Vacat.

(5) Francesco Gandolfo, Il "Dolce Tempo". Mistica, ermetismo e sogno nel cinquecento, Rom 1978 (324 S.; Preis: L. 36.000).

(6) Antonio Santuososso, Vita di Giovanni della Casa, Rom 1979 (216 S.; Preis: L. 25.000).

(7) La scienza a corte. Collezionismo elettico, natura e immagine a Mantova fra rinascimento e manierismo, a cura di Dario A. Franchini, Renzo Margonari, Giuseppe Olmi, Attilio Zanca e Chiara Tellini Perina, Rom 1978 (282 S.; Preis: L. 42.000)

(8) La corte e il "Cortegiano". I. La scena del testo, a cura di Carlo Ossola, Rom 1980 (300 S.; Preis: L. 33.000).

(9) La corte e il "Cortegiano". II. Un modello europeo, a cura di Adriano Prosperi, Rom 1980 (332 S.; Preis: L. 35.000).

(10) Paul Larivaille, Pietro Aretino fra rinascimento e manierismo, Rom 1980 (544 S.; Preis: L. 55.000).

(11) Giulio Ferroni, Il testo e la scena. Saggi sul teatro del cinquecento, Rom 1980 (208 S.; Preis: L. 22.000).

(12) Gian Paolo Brizzi/Alessandro d'Alessandro/Alessandro del Fante, Università, principe, Gesuiti. La politica Farnesiana dell'istruzione a Parma e Piacenza (1545-1622), Rom 1980 (224 S.; Preis: L. 25.000).

(13) Andrea Gareffi, Le voci dipinte. Figura e parola nel manierismo Italiano, Rom 1981 (180 S.; Preis: L. 20.000).

(14) Le "Carte Messaggiere". Retorica e modelli di comunicazione epistolare: Per un indice dei libri di lettere del cinquecento, a cura di Amedeo Quondam, Rom 1981 (342 S.; Preis: L. 37.000).

(15) Anton Francesco Doni, I numeri, a cura di Alessandro del Fante, Rom 1981 (184 S.; Preis: L. 20.000).

(16) La "Ratio Studiorum". Modelli culturali e pratiche educative dei Gesuiti in Italia tra cinque e ceicento, a cura di Gian Paolo Brizzi, Rom 1981 (264 S.; Preis: L. 28.000).

(17) La corte e lo spazio: Ferrara Estense, a cura di Giuseppe Pagano e Amedeo Quondam, 3 Vol., Rom 1982 (insges. 1116 S.; Preis: L. 120.000).

(18) Francesco Erspamer, Biblioteca di Don Ferrante. Duello in onore nella cultura, Rom 1982 (236 S.; Preis: L. 26.000).

(19) Guido Baldassarri, Il sogno di Zeus. Sperimentazione narrativa del poema rinascimentale e tradizione omerica, Rom 1982 (296 S.; Preis: L. 33.000).

(20) Franco Ruffini, Teatri prima del teatro. Visioni dell'edificio e della scena tra umanesimo e rinascimento, Rom 1983 (228 S.; Preis: L. 24.000).

(21) La corte nella cultura e nella storiografia. Immagini e posizioni tra otto e novecento, a cura di Cesare Mozzarelli e Giuseppe Olmi, Rom 1983 (288 S.; Preis: L. 32.000).

(22) Fabrizio Cruciani, Teatro nel rinascimento 1450-1550, Rom 1984 (720 S.; Preis: L. 75.000).

(23) Alessandro Ferrajoli, Il ruolo della corte di Leone X (1514-1516), a cura di Vincenzo de Caprio, Rom 1984 (608 S.; Preis: L. 65.000).

(24) Hubert Ch. Ehalt, La corte di Vienna tra sei e settecento, trad. e introd. di Marco Meriggi, Rom 1984 (256 S.; Preis: L. 28.000).

(25) Bentivolorum magnificentia. Principe e cultura a Bologna nel rinascimento, a cura di Bruno Basile, Rom 1984 (356 S.; Preis: L. 40.000).

(26) Ivano Paccagnella, Il fausto delle lingue. Plurilinguismo letterario nel cinquecento, Rom 1984 (272 S.; Preis: L. 30.000).

(27) Marco Ariani, Imago fabulosa. Mito e allegoria nei "Dialoghi d'Amore" di Leone Ebreo, Rom 1984 (248 S.; Preis: L. 26.000).

(28) Augusto Gentili u.a., I giardini di contemplazione. Lorenzo Lotto 1503-1512, Rom 1985 (264 S.; Preis: L. 52.000).

(29) Daniela Frigo, Il padre di famiglia. Governo della casa e governo civile nella tradizione dell'"Economica" tra cinque e seicento, Rom 1985 (232 S.; Preis: L. 24.000).

(30) Federico di Montrefeltre. Lo stato, le arti, la cultura, a cura di Giorgio Cerboni Baiardi, Giorgio Chittolini, Piero Floriani, 3 Vol., Rom 1986 (Vol. I: La cultura, 510 S.; Preis: L. 60.000; Vol. II: Le arti, 384 S.; Preis: L. 70.000; Vol. III: Lo stato, 538 S.; Preis: L. 60.000).

(31) Juan de Valdés, Lo evangelo di San Matteo, a cura e con introd. storica di Carlo Ossola, testo critico di Anna Maria Cavallarin, Rom 1985 (544 S.; Preis: L. 60.000).

(32) Descriptio urbis. The Roman Census of 1527, a cura di Egmont Lee, Rom 1985 (400 S.; Preis: L. 37.000).

(33) La frontiera di stato a nazione. Il caso Piemonte, a cura di Carlo Ossola, Claude Raffestin, Mario Ricciardi, Rom 1987 (432 S.; Preis: L. 47.000).

(34) Marina Beer, Romanzo di cavalleria. Il "Furioso" e il romanzo Italiano del Primo cinquecento, Rom 1987 (416 S.; Preis: 42.000).

(35) Roberto Ciancarelli, Il progetto di una festa barocca. Alle origini del teatro Farnese di Parma 1618-1629, Rom 1987 (288 S.; Preis: L. 30.000).

(36) Scritture di scritture. Testi, generi, modelli nel rinascimento, a cura di Giancarlo Mazzacurati e Michel Plaisance, Rom 1987 (756 S.; Preis: L. 80.000).

(37) Girolamo Parabosco, Il primo libro dei Madrigali 1551, a cura di Nicola Longo, Rom 1987 (176 S.; Preis: L. 20.000).

(38) Giorgio Bàrberi Squarotti, Macchiavelli o la scelta della letteratura, Rom 1987 (328 S.).

(39) Bernardo Clesio e il suo tempo, a cura di Paolo Prodi, 2 Vol., Rom 1988 (zus. 696 S.; Preis: L. 75.000).

(40) Galeazzo Flavio Capra, Della eccelenza e dignità delle donne, a cura di Laria Luisa Doglio, Rom 1988 (150 S.; Preis: L. 20.000).

(41) "Famiglia" del principe e famiglia aristocratica, a cura di Cesare Mozzarelli, 2 Vol., Rom 1985 (zus. 786 S.; Preis: L. 85.000).

(42) Augusto Gentili, Da Tiziano a Tiziano. Mito e allegoria nella cultura Veneziana del cinquecento, Rom 21988 (292 S.; Preis: L. 60.000).

(43) Claudia di Filippo Bareggi, Il mestiere di scrivere. Lavoro intellettuale e mercato liberario a Venezia nel cinquecento, Rom 1988 (424 S.; Preis: L. 52.000).

(44) Ascanio De'Mori, Giuoco Piacevole, a cura di Maria Giovanna Sanjust, Rom 1988 (224 S.; Preis: L. 27.000).

(45) Piero Floriani, Il modello Ariostesco. La satira classicistica nel cinquecento, Rom 1988 (228 S.; Preis: L. 26.000).

(46) Stefano Guazzo e la civil conversazione, a cura di Giorgio Patrizi, Rom 1989 (408 S.; Preis: L. 45.000).

(47) Milano e Borgogna - due stati principeschi tra medioevo e rinascimento, a cura di Jean-Marie Cauchies e Giorgio Chittolini, Rom 1990 (220 S.; Preis: L. 25.000).

(48) Il ritratto e la memoria. Materiali I, a cura di Augusto Gentili, Rom 1990 (236 S.; Preis: L. 60.000).

(49) Lodovico Guicciardini, L'ore di ricreazione, a cura di Anne-Marie van Passen, Löwen/Rom 1990 (522 S.; Preis: L. 35.000).

(50) Daniela Frigo, Principe, ambasciatori e "jus gentium". L'ammirazione della politica Estera nel Piemonte del settecento, Rom 1991 (308 S.; Preis: L. 35.000).

(51) Antonio Stauble, Parlar per lettera. Il pedante nella commedia del cinquecento e altri saggi sul teatro rinascimentale, Rom 1991 (240 S.; Preis: L. 28.000).

(52) L'Europa delle corti alla fine dell'antico regime, a cura di Cesare Mozzarelli e Gianni Vanturi, Rom 1991 (584 S.; Preis: L. 70.000).

(53) Flavio Rurale, I Gesuiti a Milano. Religione e politica nel secondo cinquecento, Rom 1992 (346 S.; Preis: L. 45.000).

(54) Grete Klingenstein, L'ascesa di Casa Kaunitz. Richerche sulla formazione del cancelliere Wenzel Anton Kaunitz e la trasformazione dell'aristocrazia imperiale (sec. XVII e XVIII), Rom 1993 (384 S.; Preis: L. 58.000).

(55) Gentili/ Morel/ Cieri Via, Il ritratto e la memoria. Materiali 2, Rom 1993 (336 S., Abb.; Preis: L. 80.000).

(56) Gentili/ Morel/ Cieri Via, Il ritratto e la memoria. Materiali 3, Rom 1993 (288 S., Abb.; Preis: L. 65.000).

(57) Burckhardt, Il ritratto nella pittura italiana del rinascimento, Rom 1993 (368 S., Abb.; Preis: L. 60.000).

(58) Sigonio, Del dialogo, Rom 1993 (324 S.; Preis: L. 47.000).

(59) Zenubi, Le "Ben Regulate Città", Rom 1994 (278 S.; Preis: L. 35.000).

(60) Amedeo Quondam, Il libro a corte, Rom 1994 (496 S.; Preis: L. 65.000).

(71) Cavagna, Le trame della moda, in Vorbereitung.

(72) Narcello Fantoni, La corte del Granduca, Rom 1994 (276 S.; Preis: L. 35.000).

(73) Signorotto, Lombardia borromaica e Lombardia spagnola, in Vorbereitung.

(74) Ventura, Lorenzo Leonbruno, Rom 1995, in Vorbereitung (ca. 370 S., 150 Abb.; Preis: ca. L. 90.000 ).

(75) Godi, Bandello. Narratori e dedicatori nelle novelle, in Vorbereitung.

(76) Giancarlo Mazzacurati, Rinascimento in transito, in Vorbereitung.

(77) Continisio/ Mozzarelli, Repubblica e virtù, in Vorbereitung.
 
 

Lebensmittelversorgung, Speisen und Tafelfreuden am Hofe der Herren von Neuhaus in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts

In meiner Magisterarbeit, die im Seminar für die Böhmische Geschichte der Frühen Neuzeit am Lehrstuhl für Geschichte an der Südböhmischen Universität in Budweis unter der Leitung von Doz. Dr. V. Buzek entstand, beschäftigte ich mich mit der Lebensmittelversorgung sowie mit den Speisen und Tafelfreuden am Hofe der Herren von Neuhaus als einem wichtigen Bestandteil der adligen Alltagskultur im frühneuzeitlichen Böhmen.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zählten die Herren von Neuhaus zu den bedeutendsten und reichsten Adelsfamilien der böhmischen Länder. Neben ihrer Hauptresidenz Neuhaus (Jindrichuv Hradec) gehörten ihnen ein Palast in der Landeshauptstadt Prag und verschiedene Nebenresidenzen auf ihren ländlichen Gütern. Die Erforschung der Wechselwirkungen und des geradezu arbeitsteiligen Funktionierens dieser Residenzengruppe bildete den Ausgangspunkt für meine Beschäftigung mit dem Thema. Darauf aufbauend untersuchte ich die einzelnen Zentren, Neben- und Unterzentren sowie die Größe und die Binnenstruktur der verschiedenen Höfe. Dabei konnte ich mich auf die reiche Dokumentation im Familienarchiv der Herren von Neuhaus stützen. Besonders hilfreich war in diesem Zusammenhang die ununterbrochene Reihe der Rechnungsüberlieferung (Kammer- und Naturalrechnungen). Weiterhin konnte ich für meine Untersuchung die Herren- und Dienerkorrespondenz, Urbare, Rechnungsbelege und Hofordnungen heranziehen. Chronologisch beginnt meine in zwei Teile gegliederte Arbeit um die Mitte des 16. Jahrhunderts mit den ersten aus dieser Zeit erhaltenen Quellenzeugnissen und reicht bis zum Aussterben der Familie Neuhaus im Jahre 1604. Im ersten Abschnitt der Studie beschäftige ich mich mit verschiedenen bei Hofe praktizierten Arten der Lebensmittelversorgung, während im zweiten Teil die alltägliche und die feierliche Speisekarte des Hofes einander gegenübergestellt werden. Dort geht es außerdem um die Eßkultur und um die Ausstattung von Banketträumen zu besonderen Anlässen.

I. Die Versorgung des Adelshofes mit Lebensmitteln
In der Untersuchung konnte gezeigt werden, daß die Residenzküchen der Herren von Neuhaus offenbar auf vier verschiedene Arten mit Lebensmitteln versorgt werden. Dabei handelte es sich um

1. Geschenke, die jedoch für die Küchenwirtschaft der Herren nur eine geringe Bedeutung hatten. Diese kam von den eigenen Angestellten, von anderen Adligen oder aus dem Kreis der Königsfamilie. Dabei handelte es sich in erster Linie um Wildbret, Geflügel und Fisch oder um Wein.

2. Naturalabgaben, die Untertanen aus den eigenen Ländereien leisteten und durch die die Herrenküche regelmäßig mit Geflügel, Käse, Eiern und Fett versorgt wurde.

3. Produkte aus der eigenen Domänenwirtschaft; in diesem Zusammenhang kam den Meierhöfen eine hervorragende Bedeutung für die Lebensmittelversorgung zu (Getreide, Fleisch, Milch, Käse, Reis, Erbsen, Gemüse). Daneben lieferten auch herreneigene Mühlen (Mehl, Graupen, Schweine), Teiche, Bierbrauereien, Herrengärten (speziell Obstgärten) sowie Wälder mit Wildgehegen und Bienenstöcken.

4. Eingekaufte Lebensmittel; eingekauft wurden zahlreiche Lebensmittel, die später in der Küche verarbeitet wurden (Fleisch, Geflügel, Meeres- und Süßwasserfische, Obst, Gemüse, Eier, Krebse, Gewürze, Salz, Wein und helles Gebäck).
 
 

Die Ausgaben der Herrenkammer für die zugekauften Lebensmittel machten in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in der Hauptresidenz Neuhaus 18 %, im Prager Palast 14 % und in den anderen Sitzen auf den ländlichen Gütern zwischen 3 und 6 % der gesamten Aufwendungen aus. Die Höhe der Lebensmittelausgaben beeinflußte die Stellung des jeweiligen Ortes in der Residenzenstruktur, die Anzahl der Hofmitglieder und auch die Entwicklung der Preise für landwirtschaftliche Produkte.

Die Schloßküchen der Herren von Neuhaus in der Neuhäuser Residenz wie auch im Prager Palast wurden oftmals mit Lebensmitteln aus den Sitzen auf den ländlichen Gütern versorgt. Dabei handelte es sich um dort eingekaufte Lebensmittel, die dann weitertransportiert wurden, oder um Lebensmittel aus der eigenen Produktion.

II. Die Lieferanten
Bei den Lebensmitteln, die für die Schloßküche der Herren von Neuhaus in ihrer Residenz Neuhaus eingekauft wurden, können die Lieferanten in vier nach geographischen Gesichtspunkten voneinander abgegrenzte Kategorien eingeteilt werden. Für die anderen Adelssitze sind vergleichbare Aussagen aufgrund der bedauerlicherweise schmaleren Quellenbasis nicht möglich. In Neuhaus selbst unterscheiden wir

1. Untertanen aus den eigenen Ländereien; ihre Lieferungen stellten 25 % der Küchenausgaben des Hofes dar. Von diesen Untertanen waren zumeist Fleisch, weniger Krebse, Fisch, Eier, Geflügel u.a. eingekauft worden. Die höchste Bedeutung für die Versorgung hatten dabei kleinere Städte und Dörfer, die bis 20 km weit von der Hauptresidenz Neuhaus entfernt lagen.

2. Lieferanten aus der Residenzstadt Neuhaus selbst; insgesamt haben die Herren von Neuhaus in ihrer Residenzstadt 19 % der Küchenausgaben für Lebensmittel ausgegeben. Dank der überlieferten Rechnungen konnten die Lieferanten für Güter im Wert von 91,8 % diese Summe genau bestimmt werden. Die Analyse der Rechnungen ergab eine Zahl von 569 Personen - 391 Männer und 178 Frauen -, die an den Lebensmittellieferungen für die Obrigkeit beteiligt waren. Diese Gruppe ist nach den Gesichtspunkten des Umfanges der jeweiligen Lieferungen, ihrer Dauer und ihrer spezifischen Warensorten näher untersucht worden. Aufgrund dieser Kriterien konnten innerhalb dieser Gruppe drei Kategorien von Lieferanten voneinander geschieden werden: gelegentliche, regelmäßige und höfische Lieferanten. Die wichtigste Gruppe stellten die höfischen Lieferanten dar. Zwar bestand sie aus lediglich 26 Personen, doch machte ihr Handelsumsatz ganze 65 % der in die Residenzstadt fließenden Küchenausgaben aus. Zumeist verkauften die städtischen Lieferanten Wein, Gewürze, Fleisch und helles Gebäck an ihre Obrigkeit.

3. Lieferanten aus anderen Städten in Böhmen und Mähren; die Lieferungen aus diesen Orten belaufen sich auf 7 % der Küchenausgaben. Fast die Hälfte dieser Summe entfällt auf Vieh aus der mährischen Stadt Hustopece. Der Rest wurde in anderen Orten für Wein, Obst, Salz, Fisch u.a. bezahlt.

4. Lieferanten von ausländischen Märkten; diese Lieferungen stellten 49 % der Küchenausgaben dar und hatten deshalb für den Hof der Herren von Neuhaus eine überragende Bedeutung. 45 % dieser Summe entfielen auf den Einkauf von Gewürzen auf den Märkten der oberösterreichischen Städte Linz und Freistadt sowie auf das niederösterreichische Krems an der Donau, wo man mit Kaufleuten aus Süddeutschland, Norditalien und Österreich Handel trieb. 55 % der Lieferungen entfielen auf Wein aus verschiedenen niederösterreichischen Städten (vor allem aus Retz und Korneuburg).
 
 

III. Die Organisation der Lieferungen
Anhand der erhaltenen Quellen gelang es weiterhin, den Anteil einzelner Herrenangestellter und Einkäufer der Herren von Neuhaus an der Lebensmittelversorgung zu bestimmen. Spenden und Naturalabgaben empfing eine spezielle Schloßwirtschafterin, die diese wiederum je nach Bedarf an die Küche weitergab. Aus dem Getreidemehl, das in Mühlen vermahlen wurde, buk der Schloßbäcker in der Bäckerei schwarzes Brot. Für die Bearbeitung der erforderlichen Fleischmengen sorgten die Herrenfleischer, für die Fischbehälter, aus denen frischer Fisch in die Schloßküche geliefert wurde, war der Pfründner verantwortlich. Den im Keller aufbewahrten Wein und das Bier beaufsichtigte der Kellermeister, die Pflege von Herren- und Obstgarten versahen Gärtner und spezielle Obstgärtner. Die Lieferungen von Wildbret aus den eigenen Wäldern besorgten Jäger und Vogelfänger. Das Wirtschaften dieser Herrenangestellten kontrollierte der Herrenhauptmann, der die gesamte Versorgung des Hofes zu koordinieren hatte. Schließlich schickte die Obrigkeit spezielle Angestellte oder Bürger aus ihrer Residenzstadt gezielt auf die Märkte in den böhmischen Ländern und auf überregionale ausländische Märkte.

Die Wirtschaft der Schloßküche selbst leitete der "Kochmeister" mit zahlreichen Köchen und Küchenjungen. Auch dieser "Kochmeister" schrieb wöchentliche Küchenrechnungen, in denen Eingänge und Ausgaben der Herrenküche genau verzeichnet wurden.

IV. Perspektiven für weitere Forschungen
In Erweiterung der Ergebnisse meiner Magisterarbeit wird auch meine Doktorarbeit die Versorgung der böhmischen und mährischen Residenzen der Früher Neuzeit in den Mittelpunkt stellen. Anhand der bereits erwähnten Quellen, die sich in vergleichbarer Weise auch in anderen böhmischen Archiven erhalten haben, wird sich mein Augenmerk dabei vor allem auf die adligen Residenzen ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts richten, wobei die Entwicklung bis zum Ende des 17. Jahrhunderts verfolgt werden soll. Im Zentrum meiner Untersuchung werden die südböhmischen Adelsfamilien der Herren von Neuhaus und Rosenberg sowie die Familien Slavata und Eggenberg stehen. Ähnlich wie in meiner Magisterarbeit werden im methodischen Dreischritt jeweils die verschiedenen Arten von Residenz untersucht werden: die Hauptresidenzen, die Paläste in den Landeshauptstädten (Prag, Wien) und die eher untergeordneten Residenzen auf den ländlichen Gütern. Von den Lebensmitteln soll sich die Untersuchung auch auf die Versorgung mit Tuchen und anderen Produkten der Textilfabrikation ausweiten.

Josef Hrdli…ka

Südböhmische Universität Budweis

Katedra historie

Jeronymova 10

CZ-37115 Ceské Budejovice
 
 

Assuerus und Esther am Burgunderhof
Zur Rezeption des Buches Esther in den Niederlanden (1450-1530)
[Diss. (masch.) Technische Universität Berlin 1995]

Das Buch Esther gehörte zwischen etwa 1450 und 1530 zu den wichtigsten Sujets am Burgunderhof und an den Höfen des Hauses Burgund-Habsburg-Spanien. Diese Tatsache ist der Forschung bisher entgangen. Die in höchsten politischen Kreisen spielende Historie mit ihren gesellschaftlich analogen Episoden bot eine ideale Projektionsfläche sowohl für die höfische Lebenswelt als auch für dynastische Ereignisse. Die Untersuchung stellt der allgemeinen Text- und Bildtradition die für den Burgunderhof verfaßten literarischen Varianten zur Seite. In ihnen dokumentiert sich das mögliche Spektrum von Erzähl- und Leseweisen der alttestamentlichen Geschichte in zeitgenössischem Vokabular. Neben Miniaturen, Gemälden, Zeichnungen und Druckgraphiken sind vorrangig Wandteppiche behandelt. Tapisserie, die fürstlichen Inventaren zufolge zum trésor zählte, diente nicht nur als portable grandeur, die für Repräsentation und Reiseherrschaft unabdingbar war. Sie wurde zudem in aristokratischen Kreisen als Bildmedium für Historien geschätzt. Die niederländischen Maler und Malerinnen sicherten sich durch Zunftregelungen die Aufträge für die großformatigen Wirkvorlagen.

Erhalten haben sich eine Vielzahl einzelner Bildteppiche und Fragmente sowie ein nahezu vollständiger, monumentaler Assuerus- und Esther-Zyklus in Zaragossa, der erstaunlicherweise bisher kaum Beachtung fand. Im Vergleich zu anderen Tapisserien des 15. Jahrhundrts zeichnet sich diese dreiteilige Folge durch ihre narrativen Qualitäten sowie eine ausgeprägte räumliche Auffassung und Plastizität der Figuren aus. Im Kontext des Burgunderhofes suggerierten die detailgenaue Veranschaulichung v.a. des geltenden Tafelzeremonielles und der Hofmode die politisch-typologische Identifikation mit dem Buch Esther. Die Charakterisierung der nahezu lebensgroßen Figuren, deren mimetisch gewirkte Brokatgewänder und schimmernder Zierat die Illusion von Wirklichkeit noch erhöhen, sowie eine durch Mimik und Gestik bis ins Momenthafte gesteigerte Erzählung bezeugen zumindest die frühe Rezeption der Kunst des Hugo van der Goes, wenn die patrons (Kartons) nicht gar in seiner Werkstatt gefertigt wurden.

Erst die Rekonstruktion der jeweiligen Orts- und Situationsbindung von Kunstwerken kann letztlich Aufschluß geben über die unterschiedlichen Funktionen des Objektes wie des Sujets und über Rezeptionszusammenhänge. Ein zentrales Thema der Untersuchung ist die in zahlreichen Quellen überlieferte Hochzeit Karls des Kühnen mit Margarete von York im Jahre 1468. Während der Festlichkeiten, bei denen eine grandiose Pracht entfaltet wurde, trat das Buch Esther mehrfach in Erscheinung. Einige der erhaltenen textilen Bilder lassen sich aufgrund einer bisher nicht ausgewerteten historischen Beschreibung unmittelbar mit der Tapisserieausstattung des Prinsenhofs zu Brügge in Verbindung bringen. Sie legen darüber hinaus Zeugnis ab von der burgundischen Hof- und Festkultur, die ihren Vergleich suchte und fand: das Fest und den Palast des Assuerus. Der Burgunderherzog instrumentalisierte den Perserkönig als "Fürst der Feste" und als Exemplum für Magnificentia (Großmut) in der Formulierung der Nikomachischen Ethik von Aristoteles.

Das Buch Esther wurde darüber hinaus zum Sinnbild für Justitia sowie in Hinblick auf fürstliche Ratgeber oder aber als Modell für das erwünschte Verhältnis der Geschlechter zueinander bzw. als Hochzeitsallegorie eingesetzt. Im Wechselspiel von Hof und Stadt etablierte sich Esther als Leitbild einer gottesfürchtigen, gehorsamen und schönen C sprich tugendhaften C Ehefrau und vorbildlichen Fürstin. Für die Ausbildung dieses Exemplums spielte die Tugendliteratur v.a. von Christine de Pizan und Olivier de la Marche eine prägnante Rolle, für die visuelle Verbreitung die personnages (lebenden Bilder) bei den städtischen joyeuses entrées. Bereits die Burgunderherzoginnen Isabella von Portugal und Margarete von York wurden als "neue Esther" heroisiert. Dies galt in der Folge ebenfalls für Maria von Burgund, Juana von Kastilien und Margarete von Österreich. Die politische und kulturelle Präsenz und die Auftraggeberschaft der Regentinnen der Niederlande, die jeweils golddurchwirkte Esther-Teppiche besaßen, führte zudem seit etwa 1500 zu einer Akzentverschiebung in den gewirkten Erzählungen zugunsten der nun als gleichberechtigte Herrscherin und Gesetzgeberin aufgewerteten Protagonistin, die ihrem Land Frieden bringt.

(Selbstanzeige) Birgit Franke

Zur Hainbuche 2a

35043 Marburg-Moischt
 


Il perfetto capitano
Immagini e significati del "capitano" fra Cinque e Seicento
[siehe hierzu unter "Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen", S. 61f.]

Il "capitano generale" degli eserciti cinque-seicenteschi è una figura complessa e pregnante: questo seminario vorrebbe tracciarne un ritratto ed indagarne le valenze. Il simbolismo a cui si attinge nel formulare l'immagine (letteraria ed iconografica) del capitano ideale, la cornice socio-politica a contatto della quale si attiva la sua semantica, ma anche le forme del suo concreto incidere sulle coeve categorie culturali costituiscono pertanto altrettanti punti su cui interrogarsi. L'oggetto - dunque - non è tanto il capitano, quanto il discorso che si costruisce su di esso e la carica ideologica di cui è portatore.

Poco e niente sappiamo del modo in cui tale figura viene percepita e rappresentata, sui codici e sui comportamenti che la contraddistinguono. Certo è che, a dispetto di un innegabile filo di continuità che unisce il più conosciuto condottiero del Tre-Quattrocento al capitano del Cinque-Seicento, la fisionomia di questo personaggio subisce un sostanziale mutamento al variare delle forme della guerra e del contesto storico.

Il "capitano" è un "uomo del re" ed un ideal-tipo transnazionale del firmamento controroformista. Pur al variare degli scenari delle sue imprese, sempre e comunque il suo valore è messo al servizio di una corona ed a difesa della fede. Egli si distingue altresì dai suoi antenati medievali per un incipente sapere scientifico, ma non ancora così preponderante da offuscare la connotazione della guerra come campo in cui si dispiegano fortuna e virtù. La nascita degli eserciti permanenti e lo sviluppo dell'artiglieria, da cui conseguono radicali cambiamenti nel modo di combattere e di interpretare la guerra, avviano altresì il declino della cavalleria pesante, e con essa degli ideali che le sono propri. Questo vuoto sembra essere riempito dal recupero umanistico di concetti e temi classici, attraverso i quali si ripristina, per altra via, la categoria dell'eroismo.

Sono questi, nelle grandi linee, i processi che determinano la nascita di un nuovo modello di capitano e di un nuovo immaginario intorno ad uno degli esponenti paradigmatici dell'umanità cinquecentesca. La sua figura sembra prendere corpo (e su questo si dovrà probabilmente riflettere) proprio dal tentativo di conciliare dissonanti registri culturali: è perciò fra continuità e rotture, fra persistenze e innovazioni che si deve cercare di coglierne il profilo. Occorrerà cioè scavare nel sincretismo fra cultura cavalleresca e nuove tecniche belliche, fra retaggio classico e moderne istanze politiche, un travaglio - questo - che si impone in tipologie letterarie e figurative spesso neglette dalle tradizionali scelte storiografiche.

L'Italia del Rinascimento è terra di signori-condottieri, per cui il dibattito e l'iconografia sulle virtù militari si colorano di scoperte valenze politiche: è proprio fra Quattro e Cinquecento (e qui il contributo di Machiavelli appare determinante) che l'archetipo dell'eroe classico si fonde con quello del principe ideale.

Dove il motivo del capitano si intreccia e confonde quasi con quello del principe è soprattutto nell'universo delle immagini, al quale i sovrani ricorrono per proporsi a loro volta come modelli. Il genere iconografico che meglio sintetizza, e che più di ogni altro serve e comprendere i tratti di questa contaminazione, è senza dubbio il monumento equestre. Le due anime - per condottieri e principi C della statuaria si separeranno però solo nel Cinquecento, in concamitanza col riproporsi dell'archetipo imperiale.

Anche in questo ambito, come per la trattatistica, la cifra eroica fa proprie le formule figurative e le categorie degli "antichi": le uniche idonee alla qualificazione della maestà. Ancora da chiarire rimangono però procedure, componenti, motivazioni e significati di una "riscoperta" (se di rinascita si può veramente parlare) che al registro classico attribuisce una pronunciata funzione politica.

Dall'Italia il prototipo del capitano si diffonde successivamente al di là delle Alpi, veicolando un codificato corpus di gesti e di simboli strettamente legati alla sovranità. E' questa una tessera del ben più ampio contributo del Rinascimento italiano alla cultura europea, non tanto in termini di gusto e di stilemi, quanto - piuttosto - nel senso dell'esportazione di modelli ideologici e di un elaborato sistema di comunicazione non verbale. E' soprattutto fra Italia e Spagna che si materializza il mito letterario-iconografico del capitano, una figura che occupa un suo preciso spazio nella visione della realtà di individui che si nutrono di uno stesso sapere e che si caratterizzano per un comune sentire. Sui modi, sugli attori, sulle formule e sullo spessore culturale di questa dialettica non è però ancora stata fatta piena luce.

Già ad un primo sguardo comparativo, buona parte delle riflessioni e delle opere d'arte prodotte in questo milieu rivelano la presenza di un affine, se non identico, campionario di simboli e motivi (attributivi di virilità, mito della vittoria, paludamenti antichi, richiami alla pietas, ecc.) con cui occorrerà cimentarsi se si vorranno mettere a nudo le categorie attraverso le quali si definiva, per gli uomini del Cinquecento, l'autorità sovrana. All'ormai frusto teorema "spese militari - perfezionamento del prelievo fiscale - avanzamento dello stato assoluto" si sostituiscono allora poco frequentate forme e concezioni del potere pre-moderno: il lessema del "capitano" può essere interpretato come uno dei fattori costitutivi di questo potere.

Statue, riti, trattati, emblemi, "vite", apparati cerimoniali, elogi, arazzi, medaglie o stampe devono dunque essere letti come espressione di un unitario modulo ideologico. Tutti questi oggetti e comportamenti riproducono e diffondono il codice del principe-capitano attraverso un sistema di segni e concetti convenzionali: tratti di un habitus che contraddistingueva gli individui secondo complesse coordinate etico-morali, secondo parametri fondanti di una società aristocratica, inegualitaria, intrisa di classicismo, ma al contempo profondamente cristiana. Un forte elemento di alterità di questa cultura rispetto e quella odierna consiste proprio nel fatto che la pratica delle armi costituiva uno dei grandi compartimenti in cui si identificava un intero cosmo sociale, ancora pensato in terminini di ordini, ed attraverso il quale si sostanziavano categorie come rango, onore o distinzione.

Questa "compattezza ideologica e religiosa" pare crescere nella seconda metà del XVI secolo, quando Filippo II si batterà al contempo contro diversi "nemici della vera fede". Rafforzando il bisogno di unità, sia i nemici esterni sia quelli interni, favoriscono la coesione di schemi mentali che individuano nel capitano un'ideale e rassicurante figura di eroe che contribuisce a dare stabilità e sicurezza ad un peculiare universo politico e culturale. La sua missione va ben oltre il ristretto ambito bellico, poiché è colui che protegge la relione, ma anche colui che - col suo esempio - è apportatore di ordine in seno alla nomenclatura sociale.

Si tratta di una sublimazione di un individuo che nella letteratura e nell'iconografia assume contorni mitici, i personaggi reali forniscono solo le sagome ed il detonatore di un processo che è tutto ideologico e che ha sede nell'immaginario. In questo è comunque possibile vedere un procedimento rivelatore di come all'interno di una determinata società si costruiscano figure esemplari, funzionali al mantenimento della sua identità culturale. Quanto si dice sul capitano non si discosta poi molto da quanto avviene col cortigiano, col diplomatico, col padre di famiglia, con la moglie, col segretario o col principe stesso: si tratta di uno stereotipo fra i tanti di una società che si autodefinisce attraverso il passato e che si pensa per ruoli fissi e codificati.

In questo senso sembra affiorare la chiave esegetica che permette - forse - di leggere come un corpus unitario l'eteroclito insieme di immagini letterarie e figurative del capitano, di "ritratti" che sono comunque emanazione di un unitario sistema di valori.

Marcello Fantoni

Centro Studi Europa delle Corti

Georgetown University

Villa Le Baluze

Via Vecchia Fiesolana, n. 26

I-50014 Fiesole
 


Kolloquiumsberichte
 


Arbeitsgespräch
"Ethnische Pluralität in Metropolen Ostmitteleuropas im 15. und 16. Jahrhundert"
Berlin, 6. Oktober 1995

Am 6. Oktober 1995 fand am Forschungsschwerpunkt Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas in Berlin ein Arbeitsgespräch zum Thema "Ethnische Pluralität in Metropolen Ostmitteleuropas im 15. und 16. Jahrhundert" statt. Die Tagung stand unter der Leitung von Klaus Zernack (Berlin) und gab auswärtigen Forschern sowie Mitarbeitern des Forschungsschwerpunktes Gelegenheit, im interdisziplinären Rahmen über ein von Leszek Belzyt (Berlin) erarbeitetes Thesenpapier zu diskutieren. Ausgehend von generellen Problemen der Methodik und Begriffsbildung zielte das den Gästen vorab übersandte Papier darauf ab, zur Diskussion konkreter Fragen nach dem soziokulturellen Miteinander zwischen den verschiedenen Bevölkerungselementen in den Agglomerationen von Krakau und Prag anzuregen. Insbesondere von den polnischen und tschechischen Gästen hatte man sich dabei Antworten auf Fragen nach der Existenz und der Aussagekraft der Quellen erhofft, die man zur weiteren Bearbeitung der von Belzyt umrissenen Problematik heranziehen kann.

Nach einem Einführungsreferat von Leszek Belzyt wurde das Wort den auswärtigen Gästen erteilt: zunächst sprachen Wim Blockmans (Leiden) und Thomas Riis (Kiel) über von ihnen untersuchte Fragen zur ethnischen Pluralität im west- bzw. nordeuropäischen Kontext. Dabei gelang es insbesondere Thomas Riis immer wieder, die Fragestellung auf eine allgemeinere Ebene zu heben, indem er diachrone Vergleiche zog und Beispiele aus dem multikulturell geprägten Bereich des Vorderen Orients anführte. Im Anschluß daran hielten Jacob Goldberg (Jerusalem) und Peter Kreuz (Prag) ihre Referate zur besonderen Rolle der jüdischen Gemeinden als den einzigen nichtchristlichen Bevölkerungselementen in den Metropolen Ostmitteleuropas bzw. zur ethnischen Pluralität in der Prager Agglomeration. Geplante Beiträge der beiden polnischen Vertreterinnen Maria Bogucka (Warschau) und Janina Bieniarzówna (Krakau) mußten ausfallen, so daß Fragen nach dem für Krakau und Danzig zur Verfügung stehenden Quellenmaterial bedauerlicherweise nicht in der erhofften Weise beantwortet werden konnten und damit gerade der Vergleich zwischen den unterschiedlichen Regionen des Untersuchungsgebietes zu kurz kam.

Nach einer ausführlichen Diskussion trugen dann die Mitarbeiter des Berliner Metropolenprojektes ihre jeweils an eigenen Forschungen orientierten Referate vor. Arnold Bartetzky, der "Zur Integration von ausländischen Fachkräften am Beispiel der Handelsmetropole Danzig um 1600" sprach, konnte dabei den Ausfall der polnischen Gäste z. T. durchaus kompensieren. Weiterhin stellten Detlev Kraack ("Wahrnehmung ethnischer Pluralität durch Zeitgenossen"), Karen Lambrecht ("Gelehrte Fremde - Humanisten in ostmitteleuropäischen Metropolen") und Heidemarie Petersen ("Das 'Haus Israel': Ethnie oder 'nur' Religionsgemeinschaft?") Gedanken zur ethnischen Pluralität vor, die den von Leszek Belzyt eingangs abgesteckten Rahmen sowohl methodisch als auch konzeptionell und inhaltlich erheblich erweiterten und zahlreiche neue Anregungen gaben.

Der überschaubare Teilnehmerkreis und die bewußt gewählte Form des Arbeitsgespräches gaben der Tagung einen lockeren Charakter, ermöglichten aber wahrscheinlich gerade dadurch einen um so intensiveren fachlichen Austausch. Darüber hinaus bewirkte die Disziplin der Teilnehmer, die sich auf knappe Stellungnahmen zu den einzelnen Punkten des von Belzyt verfaßten Thesenpapieres beschränkten, daß sich viel Raum für lebhafte Diskussionen bot.

Als Evamaria Engel dann nach einem langen Tag kurz die Ergebinsse zusammenfaßte, wurde noch einmal deutlich, um was für eine reiche und weit ausgreifende Thematik es sich bei der Untersuchung der "ethnischen Pluralität" in den Metropolen Ostmitteleuropas handelt.
 
 

Aus den einzelnen Referat- und Diskussionsbeiträgen seien im folgenden noch einmal die wichtigsten Punkte herausgestrichen:

- zur Problemstellung:

Wenn wir uns mit den soziokulturellen Zuständen in den Metropolen Ostmitteleuropas im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit beschäftigen, so kommt dem Phänomen der "ethnischen Pluralität" dabei eine besondere Bedeutung zu. Sowohl das alltägliche Zusammenleben ethnisch unterschiedlicher Bevölkerungselemente als auch die Regelung von Konflikten zwischen den einzelnen Gruppen sind Bereiche, die unbestritten eine hohe Aktualität besitzen und die auch im diachronen Vergleich betrachtet werden sollten.

Hier wird für die Zukunft nicht so sehr auf Fragen der Quantität (Prozentzahlen!) als vielmehr auf solche der Qualität geachtet werden müssen. Statt sich auf Zahlen zu beschränken, sollten verstärkt Rolle und Einfluß ethnischer Gruppen in den Mittelpunkt gerückt werden. Vor allem das Verhalten gegenüber Minderheiten oder auch der Umgang mit minderberechtigten Mehrheiten sind hier von Interesse und lassen Rückschlüsse auf die gesellschaftlichen Verhältnisse zu (darauf wies Frau Jersch-Wenzel, Berlin, in der Diskussion mit Nachdruck hin).

Ein weiteres Ziel sollte darin bestehen, die "ethnische Pluralität" im Spiegel der auch auf anderen Gebieten überaus pluralen Metropolengesellschaften darzustellen. Hierbei müßten sowohl die verschiedenen Teile der ständischen Gesellschaft als auch die in ihrer Funktionalität äußerst verschiedenen Bereiche der Stadttopographie differenziert betrachtet werden (das gilt auch für die verschiedenen Teile einer Agglomeration). Hier wären Höfe und Residenzen von Königen, Bischöfen und Adligen sowie kirchliche Einrichtungen ebenso zu untersuchen wie die während der Tagung meist im Mittelpunkt stehenden "Bürgerstädte" mit ihren "Bürgergemeinden".

Auch muß untersucht werden, wie sich soziale und wirtschaftliche Konkurrenzsituationen und Konflikte im Verhältnis zur "ethnischen Pluralität" verhalten. Dabei gilt es im Auge zu behalten, daß einerseits wirtschaftlicher Niedergang nicht zwangsläufig in "ethnische Konflikte" einmünden muß und daß andererseits wirtschaftlicher Aufschwung keinesfalls ein Garant für konfliktloses plurales Miteinander ist.
 
 

- zur Terminologie: Die von Leszek Belzyt in Abgrenzung zu "Nation" und "Nationalstaat" als historischen Größen des 19. und 20. Jahrhunderts vorgenommene Substitution des Adjektivs "national" (von ihm - wo benutzt - mit Bedacht unter der Setzung der Anführungszeichen verwendet) zur Beschreibung pluraler mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Bevölkerungsstrukturen durch "sprachlich-kulturell" oder "ethnisch" akzentuiert den hier bestehenden Definitionsbedarf lediglich anders; - wie schwierig es in der Tat ist, dieses Problem einer befriedigenden Lösung näher zu bringen, zeigte die z. T. kontroverse (und am Ende ergebnisoffene) Diskussion zu diesem Punkt. Unabhängig davon sind aber bei der weiteren Bearbeitung der Thematik eine saubere Begriffsbildung und stringentere Handhabung der Terminologie unerläßlich.

Daß Fragen dieser Art vor allem für denjenigen wichtig sind, der sich mit den jüdischen Bevölkerungselementen in Ostmitteleuropa beschäftigt, zeigten die Beiträge von Jacob Goldberg und Heidemarie Petersen.
 
 

- zur Methodik: Bis heute sind es vor allem Verzeichnisse von Namen, die als Hauptquelle zur Klärung von Fragen nach der Zugehörigkeit einer Person zu einer ethnischen Gruppe herangezogen werden. Wie unsicher und geradezu trügerisch dieses etwa über Neubürgerlisten leicht zugängliche Kriterium sein kann, zeigte sich an verschiedenen von Thomas Riis präsentierten Beispielen. Ebenso ist die Sprache als ausschließliches Definitionskriterium nur unter großen Vorbehalten zu benutzen. Vielmehr sollte man versuchen, so viele verschiedene andere Quellengattungen wie möglich als Korrektiv und zum Zwecke der Gegenprobe für die Untersuchung hinzuzuziehen. Hier bieten etwa die Personen, die für Neuaufgenommene in die städtische Gesellschaft als Bürgen fungieren, Trauzeugen (wie Heiratsverbindungen allgemein), Taufpaten, Rechtsbeistände und diejenigen Personen, die im Todesfall Verpflichtungen gegenüber Waisen übernehmen, ergänzende Kriterien um die Rolle einer Person im gesellschaftlichen Miteinander näher zu bestimmen und ihre ethnische Zugehörigkeit zu klären.

Neben dem in den Quellen bekanntlich wenig Niederschlag findenden "funktionierenden" Alltag sollten verstärkt gerade Konfliktfälle und Krisensituationen betrachtet werden, in denen sich das Alltägliche und damit "Normale" meist am trefflichsten widerspiegelt. Hier ist an die Auswertung von juristischen Quellen und insbesondere von Gerichtsakten zu denken.

Eine besondere Rolle sollte bei der weiteren Untersuchung der Thematik auch dem Bereich der zeitgenössischen Aussagen zu Fragen der ethnischen Pluralität zukommen. Diese finden sich zum einen im Bereich der autobiographischen Quellen, die das Selbstverständnis und die Selbsteinschätzung der Zeitgenossen oftmals präzise wiedergeben. Zum anderen gibt es für den ostmitteleuropäischen Bereich eine Fülle von Reiseberichten und Landesbeschreibungen, in denen die für den jeweiligen Reisenden fremde Umgebung in den Kategorien seiner gewohnten Wahrnehmung - und das heißt meist: unvoreingenommener als von den Einheimischen - beschrieben wird.
 
 

Detlev Kraack, Berlin
 


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Internationales Symposium
Das Leben an den Höfen des barocken Adels
Krumau, 10. bis 12.10.1995

Nach dem erfolgreichen Symposium über das Leben am Hof in den Residenzen der letzten Rosenberger (vgl. MRK 4/2, 1994, S. 62f.) setzte der unermüdliche Dozent an der Südböhmischen Universität Václav Buzek seine organisatorische Tätigkeit fort. Es gelang ihm, im eindrucksvollen Milieu des Krumauer Schlosses einen Kreis von Referenten aus neun europäischen Ländern zusammenzustellen (aus verschiedenen, vornehmlich persönlichen Gründen mußten sich einige wenige der Referenten entschuldigen lassen). Insgesamt 16 Referate wurden vorgetragen (es wird beabsichtigt, daß im Protokoll der Tagung auch die nur eingesandten Referate zu publizieren) und haben eine lebhafte Diskussion hervorgerufen. Hier seien nur die Titel der Einzelreferate geboten (bei den tschechischen, die jedoch für die ausländischen Gäste simultan gedolmetscht wurden, in Übersetzung): Joroslav Pánek (Prag), Der Adel im frühneuzeitlichen Europa; Peter Michael Hahn (Potsdam), Höfe und Residenzen des Adels im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im 17. und in der ersten Hälfte des 18. Jh.; Thera Wijsenberg-Olthuis (Amsterdam), Höfe und Residenzen des Adels in der Republik der Vereinigten Niederlande im 17. und in der ersten Hälfte des 18. Jh.; Paul Janssens (Brüssel), Das Leben an den Höfen und Residenzen des belgischen Adels im Barockzeitalter; Beatrix Bastl -Gernot Heiss (Wien), Hofdamen und Höflinge zur Zeit Kaiser Leopolds I.; Andreas Gugler (Wien), Constantia et fortitudo C Bankette und Schauessen im Zusammenhang der Krönungsfeierlichkeiten in Prag 1723; Thomas Winkelbauer (Wien), Moravsky Krumlov/Kromau als Hauptstadt des "Fürstentums Liechtenstein" und liechtensteinische Residenz um die Mitte des 17. Jh.; Zdenek Hojda (Prag), Europäische Residenzen in den Augen der jungen böhmischen Reisenden im 17. Jh.; Petr Vorel (Pardubitz), Adelige Aristokratie der Barockzeit und ihre Sitze in Ostböhmen; Václav Buzek (Budweis), Im und vor dem Schloß. Krumau zwischen dem 16. und 18. Jh.; Anna Kubíková (Krumau), Barocke Umbauten des Krumauer Schlosses; Peter Fiedler (Innsbruck), Zur Problematik des adeligen Wohnens im 17. Jh. in Mitteleuropa; Katerina Cichrová (Budweis), Reflexion der baroken Mode im südböhmischen Schloßmilieu; Jirí Sehnal (Brünn), Beziehungen des südböhmischen barocken Adels zur Musik und zu den Musikern; Jirí Záloha (Krumau), Musik und Theater im Krumauer Schloß im Zeitalter der Eggenberger und Schwarzenberger.

Freilich konnten nicht alle möglichen Themen behandelt werden, doch gab es bei weitem innerhalb des ausgezeichnet konzipierten Kulturprogramms genug Zeit und Möglichkeit, auch manches andere zu besprechen.

Ivan Hlavá…ek, Prag
 


Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen
 


Vortragsreihe
Les Architectures éphémères
Louvre, Paris, Mai-Juni 1995

Testaverde, A. M., Fêtes de mariage et architecture éphémère à Florence aux XVe et XVIe siècles [11. Mai]; Kone…ny, L., Les fêtes à la cour de Rodolphe II [18. Mai]; Fagiolo, M., L'éphémère dans la Ville éternelle [22. Mai]; Bonet Correa, A., Espagne et Nouveau Monde, l'architecture éphémère au service de la politique coloniale [1. Juni]; Oechslin, W., La cour et sa propagande: l'architecture éphémère dans la gravure [8. Juni]; Rabreau, D., La mise en scène de la nature, de l'Ancien Régime à la Révolution [15. Juni]; Mathieu, C., Les expositions universelles et l'âge d'or des nations [22. Juni]; Cohen, J.-L., Fêter la révolution: L'avant-garde russe dans les années 1920 [29. Juni].

Kontaktadresse: Musée du Louvre

Service culturel

F-75058 Paris Cedex 01
 
 

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Représentations et célébrations
Le Mariage à la Renaissance
XXXVIIIe Colloque International d'Etudes Humanistes
Université François Rabelais, Tours
Centre National de la Recherche Scientifique
Centre d'Etudes Supérieures de la Renaissance
Tours, 5.-11. Juli 1995



Ausgewählte Vorträge: 8. Juli 1995: "Fêtes de mariage en Europe". Cooper, R., Les mariages à la cour de Lorraine (1540-1560); Chatenet, M., Le cérémonial des fêtes de mariage à la Cour de France. C 11. Juli 1995: "Images de mariage?" Lecoq, A.-M., Le Mariage Arnolfini de Van Eyck: l'affaire du témoin.

Kontaktadresse: Secrétariat du C.E.S.R.

B.P. 1328

F-37013 Tours Cedex

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Raumerfassung und Raumbewußtsein im späteren Mittelalter
(12.-15. Jahrhundert)
Herbsttagung des Konstanzer Arbeitskreises für
mittelalterliche Geschichte e.V.
Insel Reichenau, 3.-6. Oktober 1995

Referate:

Brincken, A.-D. von den, Descriptio terrarum. Zur Repräsentation von bewohntem Raum im späteren Mittelalter; Vollrath, H., Strukturelemente des politisch-sozialen Raumes im Hochmittelalter; Tewes, G.-R., Die päpstliche Kurie und ihr Orbis christianus vor der Reformation; Schmidt, H.-J., Raumkonzepte und geographische Ordnung kirchlicher Institutionen im 13. Jahrhundert; Miethke, J., Geographische Räume und Raumordnung auf den Konzilien des Spätmittelalters. Vorstellungen und Fakten; Lohrmann, D., Raumerfassung und Raumbewußtsein im spätmittelalterlichen Frankreich; Sterken, M., Kleinstadtgenese und Territorialisierungsprozesse in der spätmittelalterlichen Schweiz; Andermann, U., Geographisches Wissen und humanistische Geschichtsschreibung, dargestellt am Beispiel des Hamburger Gelehrten Albert Krantz; Heimann, H.-D., Räume und Routen in der Mitte Europas. Kommunikationspraxis und Raumerfassung im späten Mittelalter.

Kontaktadresse: Prof. Dr. Peter Moraw

Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte e.V.

Benediktinerplatz 5

78467 Konstanz

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Adel in der Frühneuzeitlichen Stadt
VII. Symposion des Weserrenaissance-Museums Schloß Brake
in Verbindung mit dem
Institut für vergleichende Städtegeschichte
an der Universität Münster
Lemgo, 9.-11. Oktober 1995

Als Vorbereitung auf die für das nächste Jahr geplante Ausstellung über den Adel des Weserraums in der frühen Neuzeit sollen laufende Forschungen aus diesem Raum und vergleichende Untersuchungen aus anderen Regionen vorgestellt werden.
 
 

Montag, 9.10.1995:

Eröffnung der Tagung

Dr. Vera Lüpkes, Lemgo. Prof. Dr. Peter Johanek, Münster.

1. Die Stellung des Adels in der städtischen Gesellschaft

NN: Zur historischen Entwicklung des Adels im 16. Jahrhundert. Dr. Heiner Borggrefe, Lemgo: Adel im kulturgeschichtlichen Kontext der frühen Neuzeit. Dr. Brage Bei der Wieden, Stade: Aufsteiger aus dem Niederadel. Zu den psychologischen Voraussetzungen der Weserrenaissance. Dr. Karin Tebbe, Hamburg: Epitaphien adeliger Auftraggeber in städtischen Kirchen des Weserraumes.

Dienstag, 10.10.1995:

2. Klöster- und Adelshöfe im Siedlungsgefüge der Stadt

Prof. Dr. Johannes Cramer, Bamberg: Klösterhöfe in der mittelalterlichen Stadt. Prof. Dr. Winfried Schich, Berlin: Topographische Lage und Funktion von zisterziensischen Stadthöfen des 12.-14. Jahrhunderts. Dr. Fred Kaspar, Münster/Minden.

Adelshöfe in Minden. Peter Barthold, Minden: Sommersitz, Vogtei oder Adelshof. Die wechselvolle Bau- und Hausgeschichte eines Steinhauses in Hille-Rothenuffeln. Dr. Michael Sprenger, Detmold: Bürgerhäuser und Adelshöfe im sozialtopographischen Gefüge der Stadt Rinteln. Dr. Mechthild Siekmann, Münster: Zur baulichen Entwicklung von münsterländischen Adelshöfen. Dr. Thorsten Albrecht, Lübeck: Adelshöfe in einer neu ausgebauten Residenz des frühen 17. Jahrhunderts (Bückeburg). Roland Linde, Horn/Bad Meinberg: Wohnsitze des Adels und der Domherren in Paderborn. Dr. Bernd Müller, Kiel: Adelshöfe in Lemgo. Dedo von Kressenbrock-Krosigk M.A., Bonn: Anna von Canstein als Bauherrin in Lemgo und Barntrup.

Mittwoch, 11.10.1995

3. Adelshöfe und ihre Bewohner

Armand Baeriswyl lic.phil., Bern: "Der truhsessen hof des herrn Johannes de Diezinhovin". Die archäologische, bauanalytische und historische Erforschung einer Stadtburg und ihrer Bewohner. Dr. Arnd Mindermann, Stadt: "de lude, de de sitten in des von Plesse (...) husen" oder: Wer bewohnte im späten Mittelalter die Göttinger Adelshöfe? Anke Hufschmidt M.A., Lemgo: Frauen als Bewohnerinnen von Adelshöfen. Dr. Marc Mersiowsky, Münster: Zur Wirtschaft eines adligen Stadthauses. Dr. Holger Reimers, Karlsruhe: Zur Bau- und Raumstruktur der Adelshöfe im Weserraum. Guido von Büren, Jülich: Der Adelshof der Familie von Reuschenberg in der idealen Stadt- und Festungsanlage der Renaissance (Jülich).

Schlußdiskussion:

Leitung: Prof. Dr. Peter Johanek, Münster.

4. Rundgang zu den Adelshöfen in Lemgo

Kontaktadressen: Weserrenaissance-Museum Schloß Brake

z.Hd. Anke Hufschmidt

Postfach 820

32639 Lemgo

Tel.: 05261/2075

Dr. Heinz-K. Junk

Institut für vergleichende Städtegeschichte an der Universität Münster

Syndikatplatz 4/5

48143 Münster

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Europa delle corti
I regolari nelle corti di antico regime
Religione, politica, diplomazia
Versammlung und Seminar
Fiesole und Florenz, 20./21. Oktober 1995



Tagungsablauf:

20.10. 9:30 Seminario su "I regolari nelle corti di antico regime"

17:30 Assemblea del Centro Studi Europa delle Corti

21.10. 9:00 - Riunione el Gruppo di ricerca su "Il perfetto Capitano" coordi nato

da Marcello Fantoni [siehe Bericht oben S. 50f.]

- Riunione del Gruppo di ricerca su "Le arti sorelle" coordinato da Amedeo Quondam

La seduta di lavore sul progetto "ARTI SORELLE" (Ut pictura poesis) intenda avviare la ricognizione di questo tema capitale nella storia del Classicismo tra letteratura, teoria estetica, e arti figurative. Il progetto è promosso da Claudia Cerivia, Augusto Gentili e Amedeo Quondam. Questa potrà essere la prima occasione di lavore comune da dedicare alla memoria di Giancarlo Mazzacurati. Programm des Seminars "I regolari nelle corti di antico regime": C. J. Hernando Sánchez: Piedad, nobleza y Estado. El clero regular y la politica religiosa del virrey Pedro de Toledo en Nápoles; J. Robert Armogathe: (sul gesuita cardinal Toledo); J. de Carlos Morales: La participación en el gobierno de la Monarquía a traves de la conciencia real: fray Diego de Chaves, confesor de Felipe II; B. Garcia Garcia: (sul confessore domenicano di Filippo III, l'Aliaga); A. A. Ossorio-Alvarino: "Las máscaras del confesor": il gesuita Mendo nella corte di Barcellona e la crisi politica del 1669; Gianvittorio Signorotto: (regolari e politica nel secondo Seicento spagnolo); Flavio Rurale: Confessori a corte: problemi di coscienza e politica tra Cinque e Seicento; Marcello Fantoni: (sulle presenza dei regolari nella corte medicea di Cosimo III); Giovanni Pizzorusso:Religione e politica nelle missioni dei domenicani delle Antille francesci del XVII secolo; Bernard Heyberger: Les religieux latins du Proche-Orient entre croisade, mission et protection (XVIIe-XVIIIe siècles); Matteo Sanfilippo: Missionari, esploratori, spie e strateghi: il ruolo dei gesuiti francesi nelle guerre nord-americane dei secoli XVII e XVIII. Kontaktadresse: Centro Studi Europa delle Corti

Georgetown University

Villa Le Baluze

Via Vecchia Fiesolana, n. 26

I-50014 Fiesole
 
 

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Der Frühmoderne Staat in Ostmitteleuropa im Vergleich II: Der Thronwechsel als Krise und Entwicklungschance
veranstaltet vom
Deutschen Historischen Institut Warschau,
dem Instytut Historii der Universität Warschau und
dem Institut für Europäische Kulturgeschichte der Universität Augsburg
Warschau, 25.-28. Oktober 1995

Kontaktadresse: Deutsches Historisches Institut Warschau

Plac Defilad 1, PKiN

skr. 33

PL-00-901 Warszawa
 
 

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Weilburg - Erhaltung und Entwicklung einer barocken Residenzstadt
veranstaltet von der
Arbeitsgemeinschaft Die alte Stadt e.V.
Weilburg, 27.-29. Oktober 1995

Referate (unter Leitung von H.-J. Schäfer, Weilburg)

Kuhnigk, A., Die Bedeutung Weilburgs im Rahmen deutscher wie europäischer Geschichte (dargestellt an drei Vorfällen); Lehmann, F., Weilburg aus denkmalpflegerischer Sicht; Schick, H.-P., Die aktuelle Entwicklung der Stadt Weilburg an der Lahn; Richter, G., Weilburg und der Verkehr (Umgehungsbrücke, Stadtbuslinie, ...); Rehn, K., Weilburg und der Tourismus. Kontaktadresse: Prof. Dr. Otto Borst

Arbeitsgemeinschaft Die alte Stadt e.V.

Postfach 269

73726 Esslingen

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Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125-1235
Heinrich der Löwe und seine Zeit
Eine Ausstellung des
Herzog Anton Ulrich-Museums
aus Anlaß des 800. Todestages Heinrichs des Löwen
Braunschweig, 6. August - 12. November 1995



Vortragsreihe zur Ausstellung:

Ehlers, J., Heinrich der Löwe und England [16.8.]; Boockmann, H., Bilder von Heinrich dem Löwen im 19. und 20. Jahrhundert [30.8.]; Oexle, O. G., Denkmale Heinrichs des Löwen [13.9.]; Kötzsche, D., Der Welfenschatz [27.9.]; Schneidmüller, B., Pfalz - Stadt - Vaterland. Braunschweig und die Welfen im hohen Mittelalter [11.10.]; Niehoff, F., Heinrich der Löwe in Italien, Palästina und England C Lebensweg als Kunsterfahrung [18.10.]; Ehlert, T., Literatur als Medium der Repräsentation am Hofe Heinrichs des Löwen [8.11.].

Kontaktadresse: Kulturamt der Stadt Braunschweig

Steintorwall 3

38100 Braunschweig
 
 

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Gutsherrschaftsgesellschaften im europäischen Vergleich
veranstaltet von der
Max-Planck-Gesellschaft der
Universität Potsdam
Arbeitsgruppe "Gutsherrschaft"
Werder, 2.-4. November 1995

Referate in Auswahl:

Blickle, R., Der Gebietspatriarch und die Hausväter. Einsichten in die Ordnung und die Praktiken im "Eigen", einem Typus herrschaftlicher Organisation Oberdeutschlands; Buzek, V., Zwischen Adelshof, Residenzstadt, Ritterveste und Bauerngehöft im frühneuzeitlichen Südböhmen; Caban, W., Lebenswelt der Stadtbürger und der Dorfbewohner in der Frühen Neuzeit; Lengyelova, T., Oppida/Marktflecken als Zentren von Gutsherrschaften in Ungarn; Maczak, A., Die höfische Gesellschaft in Litauen und in der Ukraine im 18. Jahrhundert. Kontaktadresse: Dr. Thomas Rudert

Max-Planck-Gesellschaft

Arbeitsgruppe "Gutsherrschaft"

Universität Potsdam

Postfach 601553

14415 Potsdam

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Troisièmes Journées d'Etude sur
La Gestion Publique pendant le Moyen Age
Hommes de Pouvoir
Ressources du Pouvoir
organisées par
le CAHMER (Amiens)
le CREDHIR (Lille)
l'Université d'Artois (Arras)
et le Centre d'Histoire du Moyen Age
des Universités Catholiques de Lille et Paris
Lille, 15. und 16. Dezember 1995
U.a.: Renoux, A., Le palais, siège du pouvoir souverain [15. Dezember].

Kontaktadresse: CREDHIR - Journées d'étude -

60 Bd. Vauban - BP 109

F-59016 Lille Cedex
 


Buchvorstellungen

Rudolf Baumstark (Hg.), Das goldene Rößl. Ein Meisterwerk der Pariser Hofkunst um 1400. Mit Beiträgen von Renate Eikelmann, Hermann Fillitz, Joachim Haag, Rainer Kahsnitz, Ulrich Rehm, Egidius Roidl, Willibald Sauerländer, Franz Schott, Lorenz Seelig, Jenny Stratford, Neil Stratford, München 1995 [Katalog zur Ausstellung des Bayerischen Nationalmuseums München vom 3. März bis zum 20. April 1995] -340 S., Hirmer Verlag München, 48.- DM.

Das "Goldene Rößl", eine 62 cm hohe Goldschmiedeplastik, war ein Geschenk der französischen Königin Isabeau de Bavière aus dem Hause Wittelsbach, das diese - nach heutiger Zeitrechung 1405 - ihrem Gemahl Charles VI. zu dem damals in der höfischen Sphäre Frankreichs festlich begangenen Neujahrstag überreichte. Es stellt den französischen König bei der Marienanbetung dar, begleitet von einem Edelmann, während ein Reitknecht seinen Schimmel hält. Das "Goldene Rößl" ist nicht nur eine der ganz wenigen étrennes, so die französische Bezeichnung für die Neujahrsgeschenke, die die Zeit überdauert haben (wir wissen von ihnen aus den erhaltenen mandements, quittances, comptes und inventaires sowie durch die chronikalische und literarische Überlieferung), sondern überhaupt eines der seltenen Kunstgegenstände, die heute noch Zeugnis ablegen von dem hohen Stand der Pariser Hofkunst um 1400. Gleichzeitig vermittelt uns diese einzigartige Goldemailarbeit einen Eindruck davon, was sich unter dem Stichwort "höfischer Geschenkverkehr" zusammenfassen ließe. Die Autorinnen und Autoren der einzelnen Artikel versuchen am Beispiel des "Goldenen Rößls" die in diesem Zusammenhang relevanten Aspekte darzulegen. Daß der "höfische Geschenkverkehr" insgesamt des (späten) Mittelalters mit all seinen Implikationen auch theoretischer Natur keine umfassendere Behandlung erfährt, liegt dabei auf der Hand: Im Mittelpunkt der kunsthistorisch ausgerichteten Ausstellung und der von international angesehenen Kunsthistorikerinnen und -historikern verfaßten Aufsätze des Katalogs steht eben das "Goldene Rößl". Es ist verdienstvoll, den genannten Problemkreis, im Lichte dieses Beispiels aufgehängt, ausgeleuchtet zu haben.

Der gesamte Katalog C gewidmet Professor Theodor Müller, einem der großen Kunsthistoriker des späten Mittelalters und "Nestor der Erforschung der französischen Emailkunst" C läßt sich in drei Teile gliedern. Vorangestellt ist ein Zitat Müllers, der das "Goldene Rößl" als überragendes Beispiel der Goldschmiedekunst nördlich der Alpen den Florentiner Arbeiten Brunelleschis und Ghibertis gegenüberstellt. Dem Geleitwort des Bischofs von Passau Franz Xaver Eder und dem Vorwort des Herausgebers Reinhold Baumstark folgend nehmen acht kunsthistorische Abhandlungen unterschiedlicher Thematik das gute erste Drittel ein. Es folgen im zweiten Drittel auf 54 jeweils ganzseitigen Tafeln von Walter Haberland (Bayerisches Nationalmuseum) exzellent photographierte farbige Ganz- und Detailansichten des "Goldenen Rößls", dem sich auf 65 Seiten der Katalog der ausgestellten 22 Gegenstände anschließt. Jedes Ausstellungsstück wird im Bild gezeigt und eingehend beschrieben, jeweils mit Anmerkungen und/oder Literaturhinweisen versehen. Die Texte stammen von Rainer Kahsnitz und Renate Eikelmann, zwei Beiträge hat Annette Schommers geschrieben. Das letzte Drittel vereint die Ausführungen von Joachim Haag (Leiter der Restaurierungsabteilung des Bayerischen Nationalmuseums), Egidius Roidl (Metallrestaurator), Franz Schott (Emailrestaurator) und Lorenz Seelig (Fachreferent des Bayerischen Nationalmuseums) zu Technologie und Restaurierung. Es soll hier in der Hauptsache nur auf den ersten Teil eingegangen werden. Lediglich am Rande sei vermerkt, daß die Restaurierungsarbeiten auch zu neuen Erkenntnissen über die spätmittelalterlichen Goldschmiedetechniken geführt haben.

"Isabeau de Bavière, Königin Frankreichs" ist der einführende Beitrag von Ulrich Rehm betitelt. Rehm zeichnet den Lebensweg von der bayerischen Prinzessin zur französischen Königin in der schwierigen Situation der sog. "Krise des späten Mittelalters" nach und streicht heraus, wie sehr das hauptsächlich durch die Literatur geprägte negative Bild dieser Frau als einer lasterhaften und verschwendungssüchtigen Person inzwischen durch neuere Studien revidiert werden konnte. Die einzelnen Lebensstationen Isabeaus benutzt Rehm, um unter stetem Bezug auf vor allem chronikalische und literarische Zeugnisse die höfische Atmosphäre der Zeit einzufangen, wie sie von ihren Protagonisten geprägt wurde und im zeitgenössischen Kunstschaffen ihren Ausdruck fand. Dabei gelingt es Rehm, den Ereignisrahmen und die kulturhistorischen Zusammenhänge zusammenfließen zu lassen und somit zum Verstehen der vordergründig gegensätzlichen Lebenswelten C hier die glanzvollen Höfe, dort das von Krieg und Nöten geplagte Land C beizutragen. Insbesondere wird von Rehm trefflich auf die eigenartige mittelalterliche Vorliebe für eine farbenfrohe Symbolik voller Anspielungen hingewiesen, die sich der unterschiedlichsten Themen bedient. Sie war sowohl religiös als auch politisch motiviert und befördert durch die einmalige Konkurrenzsituation der französischen Herzöge, die danach trachteten, einander zu übertreffen und doch sehr genau die Vergrößerung ihrer jeweils eigenen Macht im Auge hatten.

"Das Goldene Rößl und die Sammlungen des französischen Königshofs" sind Gegenstand des Beitrags von Jenny Stratford. Sie informiert aufbauend auf den Forschungen Philippe Henwoods zu "Administration et vie des collections d'orfèvrerie royales sous le règne de Charles VI" zunächst über die Aussagefähigkeit erhaltener zeitgenössischer Inventare, die die Sammlungen der königlichen oder herzoglichen Schatzkammern auflisten, dann über deren administrativer Herkunft. Dabei erläutert sie, ausgewiesen als Kennerin der Materie durch ihre Edition der Inventare des Herzogs von Bedford, wie solche Inventare zustandekamen, wer sie erstellte, welche Interpretationsmöglichkeiten sie bieten und welchen Wert diese mithin für die Forschung haben. So geben die Inventare Aufschluß über den Wert der einzelnen Gegenstände, ihre Stellung in der Hierarchie der Kunstwerke nach zeitgenössischer Einschätzung, die Dauer ihres Verbleibs in den Schatzkammern, ihre Gestaltung und Farbgebung, welche Materialien verwendet wurden oder gar, am Beispiel der Inventare des Herzogs von Berry, wer welchen Gegenstand zu welchem Anlaß überreicht hat. Stratford zeigt dies in etlichen Fällen und führt zahlreiche Quellenbelege an. So wissen wir vom "Goldenen Rößl" sogar, in welchem Schrank es in der Schatzkammer der Bastille verwahrt wurde. Abschließend beschreibt Stratford die französisch-höfische Neujahrsfeier in all ihren Aspekten, einzigartig bislang in der neueren Forschungsliteratur.

Renate Eikelmann befaßt sich in ihrem erstem Artikel mit dem Schicksal des "Goldenen Rößls", das untrennbar verbunden ist mit dem Bruder Königin Isabeaus, Ludwigs des Gebarteten, Herzog von Bayern-Ingolstadt, der lange Zeit am französischen Hof weilte, im Vormundschaftsrat für den König saß, und zuerst mit Anne de Bourbon, dann mit Catherine d'Alençon verheiratet war. Aus der Feder des Ingolstädter Historikers Theodor Straub stammt die profundeste Darstellung über das Leben Ludwigs, auf die sich auch Eikelmann stützen konnte. Herzog Ludwig war das "Goldene Rößl" 1405 zusammen mit anderen Kunstgegenständen als Sicherheit für eine ausstehende Pension als Pfand übereignet worden. Diese Tatsache zeugt davon, daß die Schatzhäuser auch eine durchaus ökonomische Funktion hatten. Ludwig spendete die Plastik wenig später der Ingolstädter Liebfrauenkirche. 1509 schließlich gelangte es in den Besitz des Stiftes Altötting als Ausgleich für Kriegsanleihen und befindet sich seitdem im Altöttinger Kirchenschatz.

In aller Ausführlichkeit geht Rainer Kahsnitz auf das Bildprogramm des "Goldenen Rößls" ein und konkretisiert so am Beispiel die einführenden Hinweise von Rehm. Auf über 30 Seiten, dem längsten Aufsatz in diesem ersten Drittel des Katalogs, untersucht Kahsnitz die dargestellten Themen und arbeitet in großräumig angelegten Vergleichen sowohl die Anbindung an spätantike und mittelalterliche Traditionen als auch innovative Tendenzen heraus. Willibald Sauerländers und Hermann Fillitz' Beiträge ergänzen Kahsnitz' Ausführungen auf ideale Weise durch ihre Artikel über "Kinder als Nothelfer. Parergon über das sogenannte Goldene Rößl" und "Bemerkungen zur Tracht und zu den Insignien Königs Charles VI und seiner Begleiter". Sauerländer meint, daß dies ein Werk sei, "welches heute nicht leicht zu verstehen ist, weil uns seine schillernde Verbindung von Luxus und Devotion, höfischer Etikette und Frömmigkeit fremd geworden ist" und schließt unter Bezugnahme auf Huizinga mit den Charakter, Funktion und Bedeutung des "Goldenen Rößls" treffend gewählten Worten: "[...] zeugt auch das Goldene Rößl einerseits von der unglaublichen sybaritischen Verschwendung am Hofe der Valois und ist doch andererseits ein Votiv, das mit dem lichten Glanz, aber auch den magischen, heilenden Kräften von Saphiren, Rubinen und Gold die Hoffnung auf die Errettung des Königs aus seiner geistigen Umnachtung durch die Fürsprache der Heiligen ausdrückt". Fillitz weist nach, daß das "Goldene Rößl" einen Wendepunkt in der Herrscherdarstellung markiert, indem es ein neuerwachtes Ritterideal thematisiert, die Aufgabe zeremonieller Darstellungsformen "zugunsten einer realeren Schilderung der Handlung" aufweist und durch eine bislang nicht vergleichbare "Erzählkraft" (105) charakterisiert ist.

Einen wertvollen Überblick über "Goldemail um 1400" gibt Renate Eikelmann in ihrem zweiten Beitrag. Nach einer terminologischen Einführung werden die "Anfänge der Emailplastik", die aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Frankreich überliefert sind, referiert. Einem sich anschließenden auch wirtschaftsgeschichtlich interessanten Überblick über die "Goldschmiede an den französischen Höfen" folgt die Darstellung ausgewählter "Goldemailwerke um 1400", die "in technischer wie in künstlerischer Hinsicht den Erfindungsreichtum der Goldschmiede an den franko-flämischen Höfen" dokumentieren. Neil Stratford beschließt die Reihe der kunsthistorischen Aufsätze des ersten Katalogdrittels mit seinen "Beobachtungen zur Technik der Punktpunzierung", die "an diesem Kunstwerk zur höchsten Vollendung gelangte" und so noch einmal den außergewöhnlichen Rang des "Goldenen Rößls" verdeutlicht.

Das "Goldene Rößl" ist "ein Meisterwerk der Pariser Hofkunst um 1400" und auch mit dem hier besprochenen Katalog ist, so meint der Rezensent, ein "Meisterwerk" gelungen. Sowohl der Laie wird umfassend informiert als auch der Wissenschaftler mit dem neuesten Stand der Forschung kompetent auf hohem Niveau bekannt gemacht, wovon nicht zuletzt ein reichhaltiges Literaturverzeichnis und umfangreiche Anmerkungsapparate zeugen. Detailgetreues Bildmaterial wird in bester Qualität präsentiert, dies auch im Katalogteil, in dem das "Goldene Rößl" in Wort und Bild in die Zusammenhänge zeitgenössischen, höfischen Kunstschaffens gestellt wird. Schließlich wird der Gang der Restaurierung C für sich genommen sicher schon allein eine überragendes Können demonstrierende Meisterleistung C vom vorgefundenen Ausgangszustand bis hin zum erfolgreichen Ende der Arbeiten in allen Einzelheiten zeichnerisch, beschreibend und photographisch dokumentiert. Dazu eine optisch ansprechende Gestaltung gefunden zu haben, dies alles auf 340 Seiten zu versammeln und zu einem durchaus erschwinglichen Preis anzubieten, ist ein "Meisterstück".

Jan Hirschbiegel, Kiel
 


Neuerscheinungen



Academia Romana. Comisia de istorie a Oraselor din Romania. Informatii privind istoria Oraselor. Nr. 36, Sibiu 1995. - Rumänische Akademie. Kommission für Städtegeschichte Rumäniens. Städtegeschichtliche Informationen.

In ihren Beiträgen untersuchen die bekannten Forscher Mircea M. Matei und Vasile Neamtu die Frage der Beziehungen, die zwischen Stadt und Fürstenresidenz herrschten. Im außerkarpatischen Raum stellten die Vororte einzelner Täler häufig Ausgangspunkte für die Gründung städtischer Siedlungen dar. Die Städte, die jedoch durch das Vorhandensein der Fürstenhöfe die bedeutendsten Vorteile hatten, waren jene, wo sich die Herrschaft bereits in früherer Zeit niedergelassen hatte. Alle origini delle nuova Roma. Martino V (1417-1431). Atti del convegno, Roma, 2-5 marzo 1992. A cura di M. Chiabò, G. D'Alessandro, P. Piacentini, C. Ranieri, Rom 1992 (= Nuovi Studi Storici 20).

Annali di Storia moderna e contemporanea, Nr. 1-1995.

Aus dem Inhalt: Frigo, D., Amministrazione domestica e prudenza "oeconomica": alcune riflessioni sul sapere politico d'ancien régime; Lewis, C. S., L'immagine del cosmos tra Medoevo e Rinascimento (nota introduttiva e traduzione di Carlo Maria Bajetta). Archer, J. M., Sovereignty and intelligence. Spying and court culture in the English Renaissance, Stanford 1993.

Arminjou, C. (Hg.), Tables royales et festins de la cour en Europe 1661-1789, Paris 1995.

Babel, R. (Hg.), Frankreich im europäischen Staatensystem der frühen Neuzeit [1648-1756], Sigmaringen 1995.

Baumstark, R. (Hg.), Das goldene Rößl. Ein Meisterwerk der Pariser Hofkunst um 1400. Mit Beiträgen von Renate Eikelmann, Hermann Fillitz, Joachim Haag, Rainer Kahsnitz, Ulrich Rehm, Egidius Roidl, Willibald Sauerländer, Franz Schott, Lorenz Seelig, Jenny Stratford, Neil Stratford [Ausstellung des Bayerischen Nationalmuseums München, 3. März bis 20. April 1995], München 1995.

Aus dem Inhalt: Rehm, U., Isabeau de Bavière, Königin Frankreichs, S. 13-35; Stratford, J., Das Goldene Rößl und die Sammlungen des französischen Königshofs, S. 36-51; Eikelmann, R., Zur Geschichte des Marienbildes, genannt Goldenes Rößl, S. 52-57; Kahsnitz, R., Kleinod und Andachtsbild. Zum Bildprogramm des Goldenen Rößls, S. 58-89; Sauerländer, W., Kinder als Nothelfer. Parergon über das sogenannte Goldene Rößl, S. 90-101; Fillitz, H., Bemerkungen zur Tracht und zu den Insignien des Königs Charles VI, S. 102-105; Eikelmann, R., Goldemail um 1400, S. 106-130; Stratford, N., De opere punctili. Beobachtungen zur Technik der Punktpunzierung um 1400, S.131-145; Das Goldene Rößl. Tafeln 1-54, S. 147-202; Katalog, S. 203-270; Seelig, L., Roidl, E., Schott, F., Beschreibung und Technologie des Goldenen Rößls, S. 273-305; Haag, J., Zur Konservierung und Restaurierung des Goldenen Rößls, S. 306-310; Roidl, E., Die Restaurierung der Metallteile des Goldenen Rößls, S. 311-316; Schott, F., Die Restaurierung der Goldemailüberzüge am Goldenen Rößl, S. 317-335.

[Buchbesprechung siehe oben S. 65ff.]
 
 

Bernhardt, J. W. (Hg.), Itinerant Kingship and Royal Monasteries in Early Medieval Germany, c. 936-1075, Cambridge 1993 (= Cambridge Studies in Medieval Life and Thought: Fourth Series 21).

Berns, J.; Rahn, T. (Hgg.), Zeremoniell als höfische Ästhetik in Spätmittelalter und Früher Neuzeit, Tübingen 1995 (= Frühe Neuzeit 25).

Biagioli, M., Galileo, Courtier: The Practice of Science in the Culture of Absolutism, Chicago 1993 (= Science and its Conceptual Foundations Series).

Billot, C., Art. "Sainte-Chapelle", in: LexMA VII-1995, 1138ff.

Blanchard, J. (Hg.), Représentation, pouvoir et royauté à la fin du moyen âge. Actes du colloque organisé par l'Université du Maine les 25 et 26 mars 1994. Postface de Philippe Contamine, Paris 1995.

Inhalt: Krynen, J., Droit romain et état monarchique. A propos du cas français, S. 13-23; Autrand, F., La succession à la couronne de France et les ordonnances de 1374, S. 25-32; Chevalier, B., Du droit d'imposer et de sa pratique. Finances et financiers du roi sous le règne de Charles VIII, S. 33-47; Mühlethaler, J.-C., Le tyran à la table. Intertextualité et référence dans l'invective politique à l'époque de Charles VI, S. 49-62; Mérindol, C. de, L'imaginaire du pouvoir à la fin de Moyen Age. Les prétentions royales, S. 65-92; Genet, J.-P., La monarchie anglaise: une image brouillée, S. 93-107; Fubini, R., Politique et représentation dans le théâtre citadin: l'essor de Florence comme pouvoir souverain au début du XVe siècle, S. 109-118; Lewis, P. S., Pourquoi aurait-on voulu réunir des États généraux, en France, à la fin du Moyen Age? S. 119-130; Batany, J., Les débats des trois États et l'ombre du Prince dans le Songe de Pestilence, S. 131-142; Buc, P., Exégèse et pensée politique: Radulphus Niger (vers 1190) et Nicolas de Lyre (vers 1339), S. 145-164; Boureau, A., Pierre de Jean Olivi et l'émergence d'une théorie contractuelle de la royauté au XIIIe siècle, S. 165-175; Russo, D., Les modes de représentation du pouvoir en Europe dans l'iconographie du XIVe siècle. Etudes comparées, S. 177-198; Blanchard, J., Le corps du roi: mélancolie et "recreation". Implications médicales et culturelles du loisir des princes à la fin du Moyen Age; Brown, E. A. R., Représentation de la royauté dans les Livres de Fauvel, S. 215-235; Jackson, R. A., Le pouvoir monarchique dans la cérémonie du sacre et couronnement des rois de France, S. 237-251; Jones, M., "En son habit royal": le duc de Bretagne et son image vers la fin du Moyen Age, S. 253-278; Collomp, D., Sacre et royauté dans l'épopée tardive: l'exemple de Dieudonné de Hongrie, S. 279-294; Kisch, Y. de, Bernard Palissy, images archéologiques et littéraires du Roi et de la Cour, S. 295-311. Boyden, J. M., The Courtier and the King. Ruy Gomez de Silva, Philip II, and the Court of Spain, Berkeley 1995.

Brachmann, H. (Hg.), Burg C Burgstadt C Stadt. Zur Genese mittelalterlicher nichtagrarischer Zentren in Ostmitteleuropa, Berlin 1995 (= Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa, 4).

Bresc, H., Les jardins royaux de Palerme, in: Mélanges de l'Ecole française de Rome 106 (1994), S. 239-258.

Bur, M., Le Château d'Epinal et ses relations avec l'espace urbain, in: Actes du colloque international tenu à Komburg bei Schwäbisch Hall, 1990, Château Gaillard, XV, 1992 (= Publications du Centre de Recherches Archéologiques Médiévales Université de Caen), S. 45-59.

Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt. Mitteilungen der Landesgruppe Sachsen-Anhalt der Deutschen Burgenvereinigung e.V., Heft 4, 1995.

Inhalt: Lemmer, M., Die mittelalterliche Burg als Lebensraum, S. 6-27; Bienert, T., Betrachtungen zur Kernburg der Burg Lohra/Hainleite im 12. Jahrhundert (Vorbericht), S. 28-34; Schmitt, R., Ein bemerkenswerter Bergfriedstumpf auf der Neuenburg bei Freyburg/Unstrut, S. 35-50; Roch, I., Die Maria-Magdalenen-Kapelle der Moritzburg zu Halle als Heiltumskirche, S. 51-55; Hoppe, S., Schloß Bernburg an der Saale im 16. Jahrhunert. Zur funktionalen und räumlichen Struktur eines landesherrlichen Schlosses in der frühen Neuzeit, S. 56-76; Säckl, J., Zur Geschichte des Rittersitzes und Herrenhauses in Weischütz/Unstrut, S. 77-98; Saal, W., Das "Fünfsinne-Zimmer" im Unterhof Frankleben (Kreis Merseburg-Querfurt), S. 99-105; Pinkwart, R.-P., Peseckendorf - Bahrendorf - Helmsdorf. Drei Schlösser von Schultze-Naumburg im Gebiet zwischen Halle und Magdeburg, S. 106-117; Schmitt, R., Schloß Neuenburg bei Freyburg/Unstrut. Denkmalpflege in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die "Restauration" der Doppelkapelle, S. 118-159; Ebert, K. und Hellwig, B., Die Entwicklung der Museen im Schloß Neuenburg, S. 160-179; Schmitt, R., Die heilige Elisabeth von Thüringen - Ein Bildwerk des späten 14. Jahrhunderts auf der Neuenburg bei Freyburg/Unstrut, S. 180-190; Lippmann, E., Burg Gommern, S. 191-196. Burgenforschung aus Sachsen, 5/6 (1995). Aus dem Inhalt: Billig, H. C., Burgen und Grenzen im Mittelalter auf dem Gebiet Sachsens, S. 8ff.; Oelke, A., Ländliche Schlösser und Herrenhäuser in Sachsen, S. 39ff.; Geupel, V., Die mittelalterlichen Burgen an der Pockau im Erzgebirge, S. 65ff.; Müller, H., Untersuchungen zur Burg Frauenstein, S. 85ff.; Karsch, K.-H., Die Sachsenburg, ein Kleinod der obersächsischen Spätgotik, S. 169ff.; Zeune, J., Neue Forschungen an fränkischen Kirchenburgen, S. 226ff.; Schwarz, H., Zum Burgenbau der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts in der Landgrafschaft Thüringen und im wettinisch-westsächsischen Gebiet, S. 240ff.; Mosebach, U., Die Burgruine Hohnstein am Südharz, S. 253ff. Burgenforschung aus Sachsen, 7 (1996). Vorschau. Aus dem Inhalt: Durdik, T., Wohntürme in den Burgen Nordböhmens; Adam, R., Burg Tharandt und ihre Bedeutung für die sächsische Landesgeschichte; Degenkolb, P., Burg Schöneck; Müller, A., Spätgotische Burgkapellen in Sachsen; Spazier, I., Burgen und Herrensitze in den mittelalterlichen Herrschaften Hoyerswerda, Muskau und Senftenberg. Cardini, F., Il giardino del cavaliere, il giardino del mercante. La cultura del giardino nella Toscana tre-quattrocentesca, in: Mélanges de l'Ecole française de Rome 106 (1994), S. 259-273.

Châteaux - Chevaliers en Hainaut au Moyen Age. Katalog zur Ausstellung des Musée des Beaux-Arts in Valenciennes vom 13. Mai bis zum 11. September 1995, Brüssel 1995.

Christ, G., Die Mainzer Erzbischöfe und Aschaffenburg. Überlegungen zum Residenzproblem, in: AMrhKG 45 (1993), S. 83-113.

Coffin, D. R., Gardens and gardening in Papal Rome, Princeton 1991.

Contamine, Ph., Pouvoir et vie de cour dans la France du XVe siècle: Les mignons, in: Académie des Inscriptions et Belles-Lettres, Comptes rendus, 1994, S. 541-554.

Dacos, N., Entre Bruxelles et Séville. Peter de Kempeneer en Italie, in: NKHJ 44 (1993), S. 143-164.

Daniel, U., Hoftheater. Zur Geschichte des Theaters und der Höfe im 18. und 19. Jahrhundert, Stuttgart 1995.

Demay, B., Sighisoara. FormationCEvolutionsCTransformations. Archéologie biblio-iconographique d'une ville médiévale de Transylvanie, Paris 1993.

Diaconu, P., Recenzii si disdutii arheologice, Muzeul Brailei 1994.

Diestelkamp, B.; Flink, K. (Hgg.), Der Oberhof Kleve und seine Schöffensprüche, Kleve 1994 (= Schriftenreihe des Stadtarchivs Kleve 15).

Dogaru, M., Din heraldica României, Bukarest 1994.

Dora, H., Europäische Tapisseriekunst des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Geschichte ihrer Produktionsstätten und ihrer künstlerischen Zielsetzungen, Köln, Graz, Wien 1995.

300 Jahre Schloss Neu-Augustusburg, 1660-1694. Residenz der Herzöge von Sachsen-Weissenfels. Festschrift, hrsg. v. Freundeskreis Schloß Neu-Augustusburg e.V., Weißenfels 1994.

Inhalt: Säckl, J., Burg Weißenfels - Schloß Neu-Augustsuburg. Tradition und Wandel auf dem Weißenfelser Schloßberg, S. 7-35; Titze, M., Der Schloßbau zu Weißenfels in seiner Bedeutung für die Geschichte der Kunst ces 17. Jahrhunderts in Mitteldeutschland, S. 37-56; Seyfried, P., Die erhaltenen Stuckdecken in profan genutzten Räumen des Schlosses Neu-Augustusburg in Weißenfels, S. 57-64; Köhler, M., Barocke Frömmigkeit im Spiegel herrschaftlicher Repräsentation: Stiftungen der Weißenfelser Herzöge für die Kirchen ihrer Residenzstadt, S. 65-76; Mai, B., Das Erbbegräbnis der regierenden Herzöge zu Sachsen-Weißenfels, S. 77-84; Kayser, R., Der vergessene Garten: Zur Geschichte des Schloßgartens in Weißenfels, S. 85-100; Schmitt, R., Bau- und Reparaturmaßnahmen an Schloß Weißenfels im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, S. 101-118; Bach, I., Nutzungen und Zustände im Schloß Neu-Augustusburg in der Zeit von 1945 bis zur 'Wende'. Gedächtnisnotizen, S. 119-124; Fischer, M., Die Schloßkirche zu St. Trinitatis - Zeugnis des Glaubens, S. 125-132. Duindam, J., Myths of Power. Norbert Elias and the Early Modern European Court, Amsterdam 1994.

Ehlers, C., Metropolis Germaniae. Studien zur Bedeutung Speyers für des Königtum (751-1250)(Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 125), Göttingen 1996 (im Druck).

Endres, R. (Hg.), Bayreuth. Eine 800jährige Geschichte, Köln, Wien 1995 (= Bayreuther Historische Kolloquien 9).

Engel, E.; Lambrecht, K.; Nogossek, H. (Hgg.), Metropolen im Wandel. Zentralität in Ostmitteleuropa an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, Berlin 1995 (= Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa 5).

Inhalt: Engel, E.; Lambrecht, K., Hauptstadt - Residenz - Residenzstadt - Metropole - Zentraler Ort. Probleme ihrer Definition und Charakterisierung, S. 11-32; DaCosta Kaufmann, T., Das Problem der Kunstmetropolen im frühneuzeitlichen Ostmitteleuropa, S. 33-46; Nogossek, H., Die Wege der Renaissance nach Buda, Prag und Krakau. Übernahme und Aneignung neuer Kunstströmungen, S. 47-60; Belzyt, L., Demographische Entwicklung und ethnische Pluralität in den größten Städten Ostmitteleuropas 1400-1600, S. 61-70; Bogucka, M., Krakau - Warschau - Danzig. Funktionen und Wandel von Metropolen 1450-1600, S. 71-92; Harasimowicz, J., Bürgerliche und höfische Kunstrepräsentation in Krakau und Danzig, S. 93-108; Karpowicz, M., Das königliche Schloß in Warschau (1597-1619). Der erste Schritt zur Metropole, S. 109-114; Czacharowski, A., Aufstieg und Untergang von Metropolen im polnischen Königreich des späten Mittelaltes und der frühen Neuzeit, S. 115-126; Mallek, J., Königsberg - von der Hauptstadt des Deutschen Ordens zur Residenz und Hauptstadt des Herzogtums Preußen, S. 127-134; Goldberg, J., Metropolen und Zentren der Judenschaft in Polen, S. 135-144; Kubinyi, A., Der königliche Hof als Integrationszentrum Ungarns von der Mitte des 15. bis zum ersten Drittel des 16. Jahrhunderts und sein Einfluß auf die städtische Entwicklung Budas, S. 145-162; Deák, E., Preßburgs politische Zentralfunktion im 15./16. Jahrhundert, S. 163-172; Marosi, E., Zentrifugale Kräfte als zentripetales Deutungsschema der Geschichte der Kunst in Ungarn am Ende des Mittelalters. Kunsthistorische Überlegungen zu: Hauptstadt C Kunstzentrum C Regionalzentrum C Kunstproduktion, S. 173-184; Šmahel, F., Prag in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, S. 185-212; Pešek, J., Prag auf dem Weg zur kaiserlichen Residenz (1483-1583), S. 213-224; Hojda, Z., Prag um 1600 als multikulturelle Stadt: Hof - Adel - Bürgertum - Kirche, S. 225-232; Pánek, J., Olmütz als Bischofs- und Landeszentrum an der Schwelle zur Neuzeit, S. 233-244; Weczerka, H., Breslaus Zentralität im ostmitteleuropäischen Raum um 1500, S. 245-262; Vocelka, K., Du bist die port und zir alzeit, befestigung der christenheit - Wien zwischen Grenzfestung und Residenzstadt im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit, S. 263-276; Eberhard, W., Metropolenbildung im östlichen Mitteleuropa. Eine vorläufige Diskussionsbilanz, S. 277-283. L'eau dans la société médiévale: fonctions, enjeux, images. Mélanges de l'Ecole française de Rome 104 (1992). Aus dem Inhalt: Mariani, M. S. C., Utilità e diletto. L'acqua e le residenze regie dell'Italia meridionale fra XII e XIII secolo, S. 343-372. Falck, L., Die erzbischöflichen Residenzen Eltville und Mainz, in: AMrhKG 45 (1993), S. 61-81.

Foucher, J.-P., Genèse d'un espace royal: le Bois de Vincennes du XIe au début du XVe siècle, in: Positions des Thèses de l'Ecole nationale des Chartes, 1995, S. 109-115.

Fragnito, G., Le corti cardinalizie nella Roma del Cinquecento, in: RSI 106 (1994), S, 5-41.

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Hahn, P.-M.; Hübener, K.; Schoeps, J. (Hgg.), Potsdam. Märkische Kleinstadt - europäische Residenz. Reminiszenzen einer eintausendjährigen Geschichte, Berlin 1995 (= Potsdamer Historische Studien 1).

Heppner, H. (Hg.), "Hauptstädte in Südosteuropa". Geschichte - Funktion - Nationale Symbolkraft, Wien 1994.

Hlavá…ek, I., Zur Nürnberger Alltagskommunikation mit der Reichszentrale unter Wenzel (IV.) bis zum Abfall im Jahre 1401, in: Festschrift für K. Reindel, Regensburg 1995, S. 321-334.

Hrdli…ka, J., Dvçr pánç z Hrdce ve druhé polovin 16. století a jeho jídelni…ek [Der Hof der Herren von Neuhaus in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und ihre Speisekarte], Magisterarbeit, „eske Budjovice (Budweis) 1995 [siehe oben S. 44ff.].

Ein Jahrtausend Mecklenburg und Vorpommern. Biographie einer norddeutschen Region in Einzeldarstellungen. Hrsg. v. W. Karge, P.-J. Rakow und R. Wendt, Rostock 1995. [368 Seiten; Preis: 32, - DM].

Aus dem Inhalt: Pelc, O., Heinrich der Löwe und Mecklenburg, S. 36-42; Münch, E., Herrschaftsbildung und Staatswerdung in Mecklenburg und Vorpommern im 13. und 14. Jahrhundert, S. 43-49; Grabowsky, A. T., Die Errichtung von Bistümern und die Gründung geistlicher Gemeinschaften im 12. und 13. Jahrhundert in Mecklenburg und Vorpommern, S. 50-60; Rakow, P.-J., Stammburg - Residenz - Hauptstadt. Zu den Grundlagen und Bedingungen territorialstaatlicher Mittelpunktbildung in Mecklenburg, S. 61-69; Hegner, K., Mittelalterliche Kleinbildwerke in den Frauenklöstern des Bistums Schwerin, vornehmlich im Zisterzienserinnen-Kloster zum Heiligen Kreuz, S. 83-88; Guntau, M., Die frühen norddeutschen Universitätsgründungen: Rostock und Greifswald, S. 97-102; Jügelt, K.-H., Buchdruck und Bibliotheken im alten Mecklenburg und Vorpommern, S. 103-109; Münch, E., Zur Genesis des ritterschaftlichen Adels in Mecklenburg und Vorpommern, S. 115-120; Baudis, H., Höfische Kunst und Kultur im 18. Jahrhundert im Herzogtum Mecklenburg Schwerin, S. 196-204; Vogel, G. H., Vom Rockoko zum Realismus. Zur Situation der Malkunst in Mecklenburg und Vorpommern um 1800 [darin u.a. Die höfischen Kunstzentren Mecklenburgs (Ludwigslust, Schwerin, Neustrelitz), S. 231-234]. Ibiricu Díaz, M. J., El hostal del Príncipe de Viana (1451), in: Principe de Viana 49 (1988), S. 593-639.

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Krause-Kleint, W. (Hg.), Das Katharinenkloster in Stendal. Zur Geschichte und Baugeschichte von Kirche und Stift, Stendal 1990 (= Altmärkisches Museum Stendal. Projekte-Informationen 1990).

Inhalt: Krause-Kleint, W.: Stendal am Ausgang des Mittelalters, S. 4-5; Hospitäler und Klöster, S. 6-17; Das Katharinenkloster: Gründung und Geschichte, S. 18-24; Archäologische Untersuchungen, S. 24-27; Schmitt, R.: Baubeschreibung und Baugeschichte, S. 54. Labbe, A., L'architectur des palais et des jardins dans les chansons de geste. Essai sur le thème du roi en majesté, Genf 1987.

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Luckhardt, J.; Niehoff, F. (Hgg.), Heinrich der Löwe und seine Zeit. Haushalt und Repräsentation der Welfen 1125-1235. Katalog der Ausstellung Braunschweig 1995, 3 Bde., München 1995.

Bd. 1: Katalog.

Bd. 2: Essays.

Aus dem Inhalt: Schubert, E., Der Hof Heinrichs des Löwen, S. 190-198; Kintzinger, M., Herrschaft und Bildung - Gelehrte Kalender am Hof Heinrichs des Löwen, S. 199-203; Mertens, V., Deutsche Literatur am Welfenhof, S. 204-212; Niehoff, F., Heinrich der Löwe - Herrschaft und Repräsentation. Vom individuellen Kunstkreis zum interdisziplinären Braunschweiger Hof der Welfen, S. 213-236; Meckseper, C., Die Goslarer Königspfalz als Herausforderung für Heinrich den Löwen? S. 237-243; Streich, G., Burgen und 'Burgenkritik' Heinrichs des Löwen, S. 484-491; Albrecht, U., Halle - Saalgeschoßhaus - Wohnturm. Zur Kenntnis von westeuropäischen Prägetypen moderner Adelssitze im Umkreis Heinrichs des Löwen und seiner Söhne, S. 492-501.

Bd. 3: Nachleben.
 
 

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Aus den Inhalten: Vol. III-1987: Waage-Petersen, L., La Corte ferrarese e il suo mecenatismo. C Vol. VIII-1989: Mozzarelli, C., Prince and court: Why and how should the Court be studied today? C Vol. X-1990: Woods-Marsden, J., Art, Patronage and Ideology at Fifteenth-Century Courts: Introduction; Rosenberg, C. M., The Este of Ferrara; Norris, A. S., The Sforza of Milan; Ettlinger, H. S., Sigismondo Malatesta of Rimini, Kirsch, E. W., The Viscontis of Milan; Woods-Marsden, J., The Gonzaga of Mantua; Cheles, L., The Montefeltro of Urbino. Schmid, A., Regensburg: Reichsstadt, Fürstbischof, Reichsstifte, Herzoghof, München 1995 (= Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, 60).

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Inhalt: Schneidmüller, B., Die Welfen und ihr Braunschweiger Hof im Hohen Mittelalter: Zur Einführung, S. 1-15; Boshof, E., Welfische Herrschaft und staufisches Reich, S. 17-42; Ehlers, J., Der Hof Heinrich des Löwen, S. 43-59; Oexle, O. G., Welfische Memoria. Zugleich ein Beitrag über adlige Hausüberlieferung und die Kriterien ihrer Erforschung, S. 61-94; Hasse, C. P., Hofämter am welfischen Fürstenhof, 95-122; Nass, K., Geschichtsschreibung am Hofe Heinrich des Löwen, S. 123-161; Althoff, G., Die Historiographie bewältigt. Der Sturz Heinrichs des Löwen in der Darstellung Arnolds von Lübeck, S. 163-182; Kintzinger, M., Bildung und Wissenschaft im hochmittelalterlichen Braunschweig, S. 183-203; Haucap-Nass, A., Die Stiftsbibliothek von St. Blasius in Braunschweig. Ein Überblick mit einer Handliste der nachweisbaren Handschriften und Drucke aus dem Blasiusstift, S. 205-225; Härtel, H., Anmerkungen zu einem Katalogprojekt der mittelalterlichen Liturgica aus der Stiftskirche St. Blasius in Braunschweig, S. 227-236; Kötzsche, D., Kunsterwerb und Kunstproduktion am Welfenhof in Braunschweig, S. 237-261; Kroos, R., Welfische Buchmalereiaufträge des 11. bis 15. Jahrhunderts, S. 263-278; Milde, W., Christus verheißt das Reich des Lebens. Krönungsdarstellungen von Schreibern und Stiftern, S. 279-296; Klamt, J.-C., Die mittelalterlichen Monumentalmalereien in der Stiftskirche St. Blasius zu Braunschweig, S. 297-335; Geith, K. E., Karlsdichtung im Umkreis des welfischen Hofes, S. 337-346; Steer, G., Literatur am Braunschweiger Hof Heinrich des Löwen, S. 347-375; Hucker, B. U., Literatur im Umkreis Ottos IV., S. 377-406; Wolf, A., Gervasius von Tilbury und die Welfen. Zugleich Bemerkungen zur Ebsdorfer Weltkarte, S. 407-438; Freise, E., Die Welfen und der Sachsenspiegel, S. 439-482; Jenks, S., Die Welfen und die werdende Hanse, S. 483-522; Moeglin, J. M., Zur Entwicklung dynastischen Bewußtseins der Fürsten im Reich vom 13. zum 15. Jahrhundert, S. 523-539; Melville, G., Um Welfen und Höfe. Streiflichter am Schluß einer Tagung, S. 541-557; Eickels, K. van, Namenregister, S. 559-579. Scully, T., The art of cookery in the late Middle Ages, Woodbridge 1995.

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Tschaikner, M. (Hg.), Geschichte der Stadt Bludenz, Sigmaringen 1995 (= Bodenseebibliothek 39).

Inhalt: Leitner, W., Urgeschichte und Antike; Niederstätter, A., Bludenz im Mittelalter (bis 1420); Burmeister, K. H., Bludenz von 1420 bis 1550; Tschaikner, M., Bludenz im Barockzeitalter (1550-1730); Scheffknecht, W., Bludenz von 1730 bis 1814; Weitenfelder, H., Bludenz von 1814 bis 1914; Schnetzer, N., Bludenz von 1914 bis 1955. Veldtrup, D., Prosopographische Studien zur Geschichte Oppelns als herzoglicher Residenzstadt im Mittelalter, Berlin 1995 (= Schriften der Stiftung Haus Oberschlesien. Landeskundliche Reihe 7).

Vercelloni, V., "Historischer Gartenatlas". Eine europäische Ideengeschichte. Aus dem Italienischen von U. Stopfel, 1994.

Vercelloni, V., "Europäische Stadtutopien". Ein historischer Atlas. Aus dem Italienischen von H. Tortora, 1994.

Ward, J. (Hg.), Women of the English Nobility and Gentry 1066-1500 (Manchester Medieval Sources Series). Manchester/New York 1995.
 
 


Adressenaktualisierung

Wir bitten, falls bekannt, uns die aktuellen Anschriften der folgenden Bezieher und Bezieherinnen der MRK mitzuteilen. Die letzten Hefte kamen als unzustellbar an uns zurück.

Dr. Horst Bitsch
Blumenring 3
35452 Heuchelheim
 

Dr. Antje Flüchter
Mülheimer Freiheit 117
51063 Köln
 

Dr. Christian Lamschus
Stöteroggestr. 4
21339 Lüneburg
 

Dr. Michael Rumpf
Stadtarchiv Bühl
72072 Bühl
 

Dr. Sabine M. Wiegand-Karg
Lehrstuhl für Bayerische Landesgeschichte
Geschwister-Scholl-Platz 3
95445 Bayreuth
 

Neue Anschrift:

Dr. Detlev Kraack hat eine wiss. Assistentenstelle bekommen und ist nunmehr unter folgender Adresse erreichbar: Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte, Institut für Geschichtswissenschaft, Fachbereich 1 Kommunikations- und Geschichtswissenschaften, Technische Universität Berlin, Rohrdamm 20-22, 13629 Berlin; Tel. 030/38006-226 [priv.: Marienstr. 23, 10117 Berlin, Tel. 030/2810087].
 



 


Die Arbeitsstelle Kiel

Christian Halm
Jan Hirschbiegel M.A.
Prof. Dr. Werner Paravicini




                                                                     Adresse:

Historisches Seminar
der Christian-Albrechts-Universität
(Besuchsadresse:) Leibnizstr. 8
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24098 Kiel (für Briefe)
24118 Kiel (für Päckchen und Pakete)
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Deutsches Historisches Institut Paris
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