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Mitteilungen der Residenzen-Kommission
der
Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
 
 
Jahrgang 4 (1994) Nr. 2
Hans Patze,
dem Gründer der Residenzen-Kommission,
zu seinem 75. Geburtstag
am 20. Oktober 1994

 
 

Residenzen-Kommission
Arbeitsstelle Kiel

 

 

 

ISSN 0941-0937
 
Herstellung:
Vervielfältigungsstelle
der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
 
Titelvignette:
Communs des Neues Palais in Potsdam mit Kolonnaden,
Kupferstich von I.D. Scheuen, um 1770.



Inhalt

Blick zurück und Blick nach vorn S. 5

Aus der Arbeit der Kommission (Bericht von der Kommissionssitzung am 27. September 1994) S. 6

Zeremoniell und Raum (1200-1600), Bericht vom Kolloquium "Zeremoniell und Raum" in Potsdam (25.-28. September 1994) S. 10

Die Arbeit der anderen S. 20

L'Equipe de Recherche sur le Château de Vincennes et la Banlieue Est S. 20

Chantal Grell (Université de Versailles-Saint-Quentin), Les Cours à l'Époque Moderne en Europe aux XVIe, XVIIe et XVIIIe Siècles S. 21

Kolloquiumsberichte S. 22 Andreas Ranft, Il Tempo Libero, Economia e Società, secc. XIII-XVIII (Prato, 18.-23. April 1994) S. 22

Detlev Kraack, Die ostmitteleuropäischen Metropolen im Zeitalter des Humanismus und der Renaissance (ca. 1450-ca. 1600) (Berlin, 8.-10. Juni 1994) S. 24

Detlev Kraack, Die Hochzeit im Ostseeraum seit dem 13. Jahrhundert (Kiel, 3.-4. Oktober 1994) S. 40

Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen S. 43

Buchvorstellungen S. 62

Das Leben am Hof und in den Residenzen der letzten Rosenberger, hg. v. Vázlav Buzek (Opera historica, 3 / Editio Universitatis Bohemiae Meridionalis), Ceské Budejovice [Budweis] 1993 S. 62

Dieter Scheler, Die Goldene Rose des Herzogs Johann von Kleve (Klever Archiv, Schriftenreihe des Stadtarchivs Kleve, 13), Kleve 1993 S. 63

Territorium und Residenz am Niederrhein. Referate der 7. Niederrhein-Tagung des Arbeitskreises niederrheinischer Kommunalarchivare für Regionalgeschichte, 25.-26. September 1992 in Kleve, hgg. v. Klaus Flink/Wilhelm Janssen (Klever Archiv, Schriftenreihe des Stadtarchivs Kleve, 14), Kleve 1993 S. 64

Neuerscheinungen S. 66

Die Arbeitsstelle Kiel S. 76


Blick zurück und Blick nach vorn

Zurückzuschauen ist zunächst aus Anlaß von Hans Patzes 75. Geburtstag am 20. Oktober 1994: Im Jahre 1986 gründete er die Residenzen-Kommission, doch hat ein neidisches Schicksal ihn alsbald aus schönstem Schaffen herausgerissen. Andere mußten sein Werk fortsetzen und haben es gerne getan, in Achtung und Dankbarkeit. Denn die von ihm begonnene Sache hat Bedeutung. Sie kommt international sogar jetzt erst recht in Schwung, wie die Rubrik "Die Arbeit der anderen" eindrücklich belegt (s. besonders das Projekt von Ch. Grell, S. 21). So sehr, daß unserer kleinen Kommission fast der Atem ausgehen will, denn die Arbeitsstelle in Kiel kann weiterhin und auf unabsehbare Zeit nicht mit ständigem Personal ausgestattet werden. Wir lassen dennoch nicht nach.

Zurückzuschauen ist weiter auf das Potsdamer Symposium "Zeremoniell und Raum". Inhaltlich war es sicherlich ein Erfolg (vgl. D. Kraacks Bericht, S. 10-19), aber es hat auch gezeigt, daß Hans Patzes "Kindergarten", die Schar der Monographisten, anscheinend in Auflösung begriffen ist, vielleicht auch nur erwachsen wird. Denn kaum jemand aus diesem Kreis ist gekommen, während das Interesse bei anderen und vor allem bei den jüngeren Forschern sowie bei den Kunsthistorikern recht groß war. Ändern läßt sich daran wohl wenig, denn an der Ausweitung unserer Thematik von der Residenz auf den Hof muß festgehalten werden und an der Internationalisierung ebenfalls. Vielleicht ist dieser Wandel sogar zu begrüßen.

Doch machen wir ein Angebot. Das nächste Symposium findet erst in zwei Jahren im Herbst 1996 in Sigmaringen zum Thema "Hofordnungen" statt (darüber mehr im nächsten Heft; à propos: Redaktionsschluß für Ihre Beiträge ist der 1. April 1995). Wir möchten die nächste Kommissionssitzung, die wahrscheinlich am 27. September 1995 zu Göttingen in der Akademie stattfinden wird, mit einer halbtägigen Werkstatt ab 15 Uhr verbinden, die nur den Problemen laufender Arbeiten gewidmet sein soll. Bitte melden Sie sich alsbald bei mir an, damit ich erfahre, ob für eine solche Veranstaltung Interesse besteht und wer dort das Wort ergreifen möchte. Auch ganze Arbeitsgruppen können sich und ihre Probleme vorstellen. Und ich werde mich um den Ersatz wenigstens der Fahrtkosten bemühen.

Zum Schluß eine weitere freudige Meldung: "Europäische Reiseberichte des späten Mittelalters. Eine analytische Bibliographie. Teil 1: Deutsche Reiseberichte, bearb. v. Chr. Halm, ist im September 1994 im Peter Lang Verlag (Bern/Frankfurt a.M.) erschienen. Umfang: 527 S., 154 Nummern!

Werner Paravicini, Paris


Aus der Arbeit der Kommission

1. Kommissionssitzung:

Die 8. Kommissionssitzung fand am 27. September 1994 in kleinem, aber kräftigem Kreise am Rande des Kolloquiums in Potsdam statt (Albrecht, Johanek, Moraw, Paravicini, Schubert).

2. Symposien:

2.1. "Zeremoniell und Raum 1200-1600", 25.-27. Sept. 1994 in Potsdam.

Rückblick: Die Präsenz vieler junger Leute und die Internationalität und Mehrsprachigkeit wurden begrüßt. Künftig sollte jedoch mehr Raum für Diskussionen freigehalten werden (vgl. D. Kraacks Bericht, S. 10-19).

2.2. Da das Angebot, in der "Werkstatt" Monographien-Probleme zu besprechen, in Potsdam nicht angenommen wurde, wird beschlossen, die nächste Kommissionssitzung in Göttingen mit einem Werkstattgespräch zu verbinden. Es soll sich um eine halbtägige Veranstaltung handeln. Kommissionssitzung 11 h (so spät der Anreise wegen), Werkstattgespräch 15 h. Termin etwa Mittwoch, der 27. September 1995.

2.3. "Hof- und Hofordnungen" 1996.

Als Tagungsort wird u.a. angesichts des Interesses des Thorbecke-Verlags das Schloß in Sigmaringen vorgesehen. Der Termin müßte Ende September vor den Historikertag und die Reichenautagung gelegt werden.

Das vorläufige Programm soll im Frühjahrsheft der "Mitteilungen" 1995 veröffentlicht werden. Erste Anmeldungen liegen vor: Kerscher, Mallorca; Militzer, Kurköln; Paravicini/Kruse, Burgund; Flink, Kleve; Kästner, Jülich; Wüst, Augsburg.

2.4. "Das Frauenzimmer" 1998.

Als Tagungsort käme evtl. Celle in Frage. Frau Streich, dort jetzt Archivarin, wäre interessiert. Die Tagung gäbe Gelegenheit, das wichtige Problem der Frau bei Hofe zu behandeln. Herr Moraw bietet einen Vortrag mit dem Titel "Der Harem des Kurfürsten Albrecht Achilles von Brandenburg" an, und zwar nach dessen Korrespondenz, was von der Kommission freudig begrüßt wird. J. Fried zeigte sich in Leipzig daran interessiert, daß die Kommission das Thema (auch) als Sektion auf dem Historikertag des Jahres 1998 vorstelle.

3. Reihe "Residenzenforschung":

3.1. Dieter Kerber, "Herrschaftsmittelpunkte im Erzstift Trier. Hof und Residenz im späten Mittelalter". Die 1. Korrektur wird demnächst abgeschlossen sein.

3.2. Kolloquium "Alltag bei Hofe". Die Druckerlaubnis der Akademie wurde erst am 29. August 1994 erteilt. Das Ms. ging daraufhin unverzüglich an den Verlag. Die ersten Fahnen werden erwartet. Künftig sollen die Akten jeweils zum nächsten Kolloquium vorliegen.

3.3. Kolloquium "Zeremoniell und Raum". Die Mss. sollen zum 1. Januar 1995 eingereicht werden.

3.4. Die Diss. M. Mersiowsky (Münster), "Die Anfänge der landesherrlichen Rechnungslegung im norddeutschen Raum" ist weiterhin in Bearbeitung und und soll im Spätherbst als Ms. vorliegen.

3.5. Johann Kolb, "Heidelberg. Die Entstehung einer landesherrlichen Residenz im 14. Jahrhundert", Diss. beim Vors. Der Vf. wird um Kürzung und Überarbeitung seines Ms. gebeten.

3.6. Michael Scholz, "Die Magdeburgische Residenz Halle 1503-1541", Diss. bei H. Boockmann. Die Kommission erwartet das Angebot des Ms.

3.7. Buchprojekt von Frau Dr. Liliane Châtelet-Lange (Mudolsheim/Elsaß) über "Die Katharinenburg in Birlenbach (Unterelsaß), ein Schloß des Pfalzgrafen Johann Casimir von Zweibrücken" (Anfang 17. Jh.). Frau Châtelet-Lange soll ermutigt werden, ein Ms. über die in Stockholm aufgefundenen, z.T. fürstlich eigenhändigen Pläne mit Funktionsbezeichnungen vorzulegen.
 

4. Mitteilungen der Residenzen-Kommission:

Heft 3/2 und 4/1 sind erschienen; 4/2 wird noch in diesem Jahr ausgeliefert.
 

5. Das Projekt "Europäische Reiseberichte des späten Mittelalters. Eine analytische Bibliographie":

Teil 1: Deutsche Reiseberichte, bearb. v. Chr. Halm, ist im September 1994 im Peter Lang Verlag erschienen. Umfang: 527 S., 154 Nrr. Vors. dankt noch einmal den Kommissionsmitgliedern, insbes. Honemann, für die gewährte Unterstützung.

Teil 2: Niederländische Reiseberichte, bearb. v. D. Kraack, hat Fortschritte gemacht, bedarf aber noch eines guten Jahres. Ein vorläufiger Ausdruck von 120 S., 110 Nrr. wird vorgelegt.

Teil 3: Französische Reiseberichte, bearb. v. Chr. Halm/S. Baus, ist in Arbeit, aber nicht viel weiter gekommen, da der Abschluß an Band 1 aufwendiger war, als noch vor einem Jahr angenommen. Für die Fertigstellung dieses Bandes sollten sicherheitshalber zwei weitere Jahre vorgesehen werden. Susanne Baus, die sich gegenwärtig in Paris aufhält, wird dort die Materialaufnahme fördern.

Für weitere Teile: England, Italien, Spanien, Ostmitteleuropa ist noch kein Bearbeiter in Aussicht genommen.
 

6. Projekt "Hof- und Verwaltungsordnungen", hier: Niedersächsischer Reichskreis (P. Johanek, Münster):

Zu Magdeburg und Halberstadt sind neue Verzeichnisse gefertigt worden. Die Vorarbeiten sollen Ende WS 1994/95 abgeschlossen sein.
 

7. Internationale Initiativen auf dem Gebiet der Hof- und Residenzenforschung:

Es ist auf eine Fülle von neuen internationalen Initiativen auf dem Gebiet der Hof- und Residenzenforschung hinzuweisen: M. Vale, Oxford (England, Nordfrankreich, Niederlande vor den Burgunderherzögen); A. Renoux, Le Mans (Frankreich; Zotz hat die Kommission auf dem Kolloquium Anfang Okt. in Le Mans vertreten); das Berliner Unternehmen "Die ostmitteleuropäischen Metropolen" (Engel/Eberhard, s. unten S. 24-39); Projekt "L'Europe de Cours" (15.-18. Jh.), durch Prof. Chantal Grell (Versailles) u.a. (s. unten S. 21), beantragt bei der European Science Foundation. Seit längerem blüht schon, trotz dem Namen auf Italien beschränkt, das Unternehmen "Europa delle Corti", über das im nächsten Heft eingehender berichtet werden wird (vgl. jetzt schon unten S. 56f. und S. 58f.). Die schlecht ausgestattete Kommission, mit all diesen Unternehmungen in freundlichem Kontakt, wird sich rappeln müssen.
 

8. Stellensituation:

Die Stellensituation ist unverändert, d.h. unverändert schlecht. Es wird jedoch möglich sein, neben Chr. Halm und D. Kraack zeitweilig auch S. Baus unter Werkvertrag zu nehmen.
 

9. Hinweis:

U. Albrecht macht auf die Initiative einer Gruppe von Architekten und Laienhistorikern aufmerksam, die das im 17. Jh. erbaute, leerstehende Schloß Weißenfels in Sachsen-Anhalt (vgl. unten Neuerscheinungen, "Weißenfels") retten wollen und Unterstützung brauchen. Der Gruppe wird angeboten, in den "Mitteilungen" für ihre Sache zu werben.

Werner Paravicini, Paris

 



 

4. Symposium: Zeremoniell und Raum (1200-1600)

Potsdam, 25.-27. September 1994
 

Nachdem man sich zwei Jahre zuvor in dem doch eher bescheidenen und überschaubaren Residenzstädtchen Ansbach getroffen hatte, versammelten sich in diesem Herbst über 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Potsdam, um sich mit dem Thema "Zeremoniell und Raum" zu beschäftigen. In den Räumlichkeiten der Universität Potsdam (Communs des Neuen Palais) und im Schloß Cecilienhof tagte man an wahrhaft historischer Stätte und ließ sich zwei Tage lang von der Atmosphäre des Ortes inspirieren. Auf dem gemeinsam von der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, vom Deutschen Historischen Institut zu Paris und vom Historischen Institut der Universität Potsdam veranstalteten und durch großzügige Zuschüsse der Gerda-Henkel-Stiftung unterstützten Tagung wurden in drei thematischen Blöcken und einer abendlichen "Werkstatt" unter Einbeziehung von Einführung und Zusammenfassung insgesamt 18 Vorträge gehalten.

In seinem Einleitungsreferat konnte Werner Paravicini (DHI Paris) deutlich machen, welch thematisch und konzeptionell reiches Thema man sich für das Kolloquium gewählt hatte: Ausgehend von der Tatsache, daß sich im Spätmittelalter die Erfassung, das Erlebnis und die Organisation von Raum und Räumlichkeiten änderten, bietet die Betrachtung des Zeremoniells bei Hofe und insbesondere der Veränderungen, denen dieses im Laufe der Zeit unterworfen war, der Residenzenforschung in Zusammenarbeit mit Soziologen und Anthropologen interessante Perspektiven für die Zukunft. Wie sind etwa Tendenzen der zunehmenden Zeremonialisierung, der Miniaturisierung und der Ritualisierung innerhalb des Zeremoniells zu verstehen? Inwieweit spiegeln sich hierin die realen Machtverhältnisse bei Hofe und die Bedeutung oder Schwäche eines Hofes wider? Warum kommt es bisweilen zu einem bewußten Verzicht auf Zeremonialisierung? Welche Rolle spielen Distanz und Nähe innerhalb des zeremoniellen Rahmens bei Hofe? Denn: Nähe kann auszeichnen, sichert aber gleichzeitig eine höhere Kontrolle und schränkt Freiräume ein. Da in diesem Zusammenhang "nichts zufällig ist", kommt den Gesten, der "Etikette" und dem Rituellen eine große Bedeutung zu. Die Anrede, das Sprechen miteinander, die Sitzordnung (links und rechts), die Aufteilung zwischen öffentlicher und "privater" Sphäre - ablesbar in der Entwicklung des Vorzimmers, des Studiolo und einer zunehmenden räumlichen Diversifizierung der Palastarchitektur. Hier wirken heilige und profane, reale und phantastische Elemente ineinander. Das Leben wird zum Bühnenstück, der reale Raum zum Theater. Auf dem Höhepunkt absolutistisch-barocker Prachtentfaltung und höfischer Zeremonialisierung im 17. Jahrhundert können wir dann auf einmal ganz andere Tendenzen beobachten: der Adel selbst hegt verstärkt Zweifel und wird sich bewußt, daß die zeremonialisierte Welt der Fassade und des schönen Scheins bei Hofe sich zu weit von der Realität entfernt hat.

Aus der Warte des Residenzenforschers gilt es insbesondere die Nachahmung und Verbreitung neuer Elemente zu beachten. Dabei ist kritisch zu prüfen, ob es wirklich die vertrauten Wege und Modelle sind, auf und mit denen wir die Entwicklungen und Veränderungen beschreiben können; etwa die Übernahme neuer Formen in Zeremoniell und Architektur von Westen nach Osten, von Frankreich und Burgund ins Reich, oder innerhalb der sozialen und adligen Hierarchie von oben nach unten, von der Ebene des Kaiser- und Königshofes auf diejenige der Fürstenhöfe. Als Betätigungsfelder für zukünftige interdisziplinäre Forschungen nannte Paravicini weiterhin die Topographie der Geschlechtertrennung und die Frage nach der Bedeutung ephemerer Architektur etwa bei Festen und Einzügen.

Die Einführung hatte damit den Rahmen abgesteckt und den Maßstab vorgegeben, an dem die folgenden Beiträge sich würden messen lassen müssen. Diesem hohen Anspruch an das Thema und seine Durchführung in den verschiedensten Variationen wurden die Vortragenden durchaus gerecht. In einer ausgewogenen Kombination von Referaten ganz unterschiedlicher Art behandelten sie zum einen spezielle Residenzorte (etwa die verschiedenen Papstresidenzen, die Paläste Karls V. von Frankreich und das Hôtel Jacques Coeur in Bourges sowie die Residenz der Johanniter auf Rhodos) oder Dynastien (etwa die Herzöge von Burgund oder die Habsburger im Reich), zum anderen aber auch generelle Fragestellungen und Definitionsprobleme (etwa den Streit um Sitzordnung und Rang, die Bedeutung der Schwelle, die Kriterien, nach denen man einen Residenzort wählte, oder die Frage danach, was das "Zeremoniell", was "das Zeremonielle" ausmacht, und ob es zu Recht im Zentrum unserer Betrachtungen steht).

Generell gilt es den Vortragenden Lob dafür zu zollen, daß sie es einerseits trotz der Ausrichtung ihrer Fragen auf einen bestimmten Residenzort oder eine bestimmte zeremonielle Handlung nicht versäumten, die von ihnen präsentierten Einzelheiten in übergreifende Zusammenhänge einzuordnen, und daß sie andererseits über ihrem Bemühen um konzeptionelle Fragestellung die Arbeit mit und an den Quellen nicht vergaßen.
 

I. Zeremoniell und sozialer Raum: Hierarchie in Distanz und Nähe

Unter dem Vorsitz von Josef Fleckenstein (Göttingen) sprach zunächst Karl-Heinz Spieß (Greifswald) zum Thema Rangdenken und Rangstreit im Mittelalter. Ausgehend von der Tatsache, daß Rang und Rangdenken in allen hierarchisch aufgebauten Gesellschaften eine hervorragende Bedeutung zukommt, konnte der Vortragende anhand des Streites, der etwa zwischen den Teilnehmern auf Reichstagen, Konzilien und Hoffesten um Sitz-, Abstimmungs- und damit Rangordnung entstand, zeigen, wie für die Regelung dieser Konfliktsituationen nicht etwa schriftlich fixierte, sondern gewohnheitsrechtliche Regeln und Konventionen maßgeblich waren. Nachdem er zunächst Rangsymbole und Rangkriterien behandelt hatte, wandte er sich den Konfrontationsmechanismen und schließlich der Schlichtung von Rangstreitigkeiten zu. Dabei wurde einerseits deutlich, daß der Streit um den Rang unmittelbar mit der Frage nach dem einer Person zustehenden Maß an Ehre verbunden war. Ein Spielraum für Kompromisse existierte im Grunde nicht, und den "runden Tisch" gab es bestenfalls in Ausnahmefällen und in der epischen Fiktion der arturischen "Table ronde". Konfliktverschärfend kam hinzu, daß man im Fall eines Nachgebens oder einer Niederlage um seinen Einfluß und die eigene Gefolgschaft fürchten mußte. Andererseits haben wir es mit einem Bereich zu tun, in dem Streitigkeiten zumeist unterhalb der Gewaltebene gelöst wurden und in dem soziale Schlichtungs- und Konfliktregelungsmechanismen wirkten.

In seinem Vortrag Verhaltensformen und zeremonielle Aspekte des deutschen Herrscherhofes am Ausgang des Mittelalters beschäftigte sich Paul-Joachim Heinig (Mainz) mit dem Zeremoniell und dessen Entwicklung am deutschen Königs- und Kaiserhof. Dabei teilte er die Entwicklung in drei Phasen ein: bis etwa 1486/1493 können wir von einem "ungeschriebenen mittelalterlichen Gewohnheitszeremoniell" sprechen, das sich über eine "maximilianeische Übergangszeit" (1486/93-1519) zum "schriftlich fixierten Zeremoniell" entwickelt, wie wir es in den Hofordnungen Ferdinands (1527 und 1537) fassen. War es seit der Blüte unter dem Luxemburger Karl IV. zu einer wahren "Destruktion des Hofes" gekommen, und können wir unter Friedrich III. bisweilen gar von einer "zeremoniellen Unordnung" sprechen, so wird der Rückstand des deutschen Herrscherhofes gegenüber der westeuropäischen Entwicklung insbesondere dann deutlich, wenn es zu Kontakten mit west- und vor allem südeuropäischen Herrschern und Dynastien kommt. Davon zeichnet die literarische (und damit sicher oft topische) Hofkritik ein lebhaftes Bild, und so ist etwa bei der Beschreibung von Einzügen Friedrichs III. die Rede davon, daß diese eben "nach deutscher Art" vonstatten gegangen seinen. Sowohl bei den zeremoniellen Akten im Zusammenhang der Hochzeit mit seiner Braut Eleonore am neapolitanischen Hof (u.a. zeremonielles Beilager) als auch beim Zusammentreffen mit dem Burgunderherzog Karl dem Kühnen 1473 in Trier werden Unterschiede deutlich, die bisweilen in groben Mißverständnissen zeremonieller Situationen zum Ausdruck kommen.

Im zweiten Teil des Vormittagsprogrammes sprach sodann unter dem Vorsitz von Peter Johanek (Münster) zunächst Malcolm Vale (Oxford) über Courtly ritual and ceremony: some pre-Burgundian evidence from England and the Netherlands, XIIIth-XVth centuries. Er konnte zeigen, daß sich die Wurzeln, aus denen sich später der Burgundische Hof mit seinem bis in alle Einzelheiten geregelten Zeremoniell entwikeln sollte, bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Anhand einer seit dem dritten Viertel des 13. Jahrhunderts erhaltenen Rechnungsüberlieferung (household accounts/comptes d'hôtel) konnte der Vortragende belegen, wie sich in England, in Flandern, in Artois, in Brabant und im Hennegau ein fein strukturiertes System von Hierarchien bei Hofe ausbildet. Die Differenzierung nach außen mittels der Kleidung und insbesondere der dafür verwendeten Farben zeigt, welche Bedeutung den zeremoniellen Formen zu bestimmten Anlässen und Festlichkeiten zukam. Gleichsam als Gegenbild zu den in der mittelalterliche Welt geltenden höfischen Konventionen ließ es sich der Vortragende zur Erheiterung des Auditoriums nicht nehmen, einen kurzen Exkurs ins frühe 20. Jahrhundert zu unternehmen. Auf einer Photographie, die Herrscher und Hofstaat im Potsdam des wilhelminischen Deutschland zeigte, verkehrte sich die gewohnte Perspektive: demonstrativ stehend und damit herausgehoben das Herrscherpaar, sitzend der Hofstaat.

Im Anschluß daran hielt Jacques Paviot (Paris) sein Referat zum Thema Les marques de distance à la cour de Bourgogne d'après les "Honneurs de la Cour" d'Aliénor de Poitiers (XVe siècle). Er zeigte, wie exakt das System der "marques de distance" im Zeremoniell des burgundischen Hofes definiert war. Nicht nur durch die Reihenfolge und durch die Position zur Rechten oder zur Linken wurde ein ausgeprägtes Rangsystem deutlich, auch Gesten wie das "bei der Hand Nehmen" oder der "zeremonielle Kuß", die Reihenfolge oder Wiederholung von Gesten sowie die feine Terminologie, derer man sich bei Hofe bediente, um einander in der richtigen Weise anzusprechen, bildeten ein fein verästeltes Zeichensystem und spielten im Zeremoniell eine entscheidende Rolle.

Zum Abschluß des Vormittags sprach Thomas Behrmann (Münster) über Hansische Gesandte an Herrscherhöfen: Beobachtungen zum Zeremoniell. Er konnte zeigen, daß das Empfangszeremoniell für hansische Gesandte am Hofe des Dänenkönigs seit der Mitte des 14. Jahrhunderts entscheidenden Veränderungen unterworfen war. Als sich im Jahre 1360 eine Gesandtschaft der wendischen Städte an den Hof König Waldemars IV. von Dänemark begab, wurde diese noch vom dänischen König selbst empfangen. Im Gegensatz dazu war der Zugang zum Herrscher an den westeuropäischen Höfen zu dieser Zeit schon stark eingeschränkt. Als Beispiele nannte der Vortragende eine Gesandtschaft von Ratssendboten aus Lübeck und Thorn an Richard II. im Jahre 1379, die nur ganz kurz und nach dem Kontakt zu anderen Großen mit dem König zusammentreffen konnte (ähnlich war es auch zwei Jahre später). Eine Ausnahme bildeten lediglich Abgesandte des Deutschen Ordens, denen gegenüber sich Heinrich IV. als sehr zugänglich erwies (dies mag seinen Grund darin haben, daß der englische Herrscher vor seiner Thronbesteigung noch als Henry, Earl of Derby, nach Preußen gereist war). Im folgenden ist nicht nur in Westeuropa, sondern auch in Dänemark zu beobachten, wie der Herrscher systematisch von den hansischen Gesandtschaften abgeschirmt wird, diese nur mittelbar über seine Räte mit ihm in Kontakt treten können und ihn bisweilen nicht einmal zu Gesicht bekommen. Als Ursachen für diese Entwicklung können wir den zunehmenden Einfluß des dänischen Reichsrates, das Anwachsen des Hofes mit einer Diversifizierung der Aufgabenbereiche und einer steigenden Rätedichte um den König festhalten. Peter Moraw stellte in seiner Zusammenfassung die These zur Diskussion, ob man denn den dänischen Herrscher im 14. Jahrhundert überhaupt als einen "König" bezeichnen könne, oder ob die vom Vortragenden beschriebene Entwicklung im 15. Jahrhundert nicht gerade darauf hindeute, daß sich erst in dieser Zeit etwas wie ein zeremoniell und höfisch verdichteter Königshof herauskristallisiert habe, an dem natürlicherweise der Zugang für Außenstehende erschwert wurde.
 

II. Zeremoniell und naher Raum: Veränderung in Adelssitz, Burg und Schloß

Unter dem Vorsitz von Heinz-Dieter Heimann (Potsdam) präsentierte Michael Bojcov (Moskau) den Zuhörern mit seinem Beitrag Qualitäten des Raumes in zeremoniellen Situationen: das Hl. Römische Reich, 14.-15. Jahrhundert einen Vortrag, der neue konzeptionelle Ideen enthielt, darüber hinaus aber auch eine wahre Fülle von Beispielen aus zeitgenössischen Quellen bot. Der Referent ging zunächst auf die Begrifflichkeit ein. Statt von dem "Zeremoniell", das man "nicht verstehen und erforschen, sondern lediglich beschreiben" könne, sollte man seiner Meinung nach eher von "zeremoniellen Situationen" sprechen. Ausgehend von Beispielen für feierliche Einzüge, etwa in der Reichsstadt Nürnberg, zeigte er, wie es sich bei der Untersuchung "zeremonieller Situationen" geradezu anbietet, die zeremoniellen Handlungen in verschiedene Abschnitte einzuteilen. Und bisweilen schien sich im Hintergrund der von ihm vorgeschlagenen "Knotenpunkte" und "Zwischenzonen" schon beinahe etwas wie ein Konzept unterschiedlicher "zeremonieller Dichte" abzuzeichnen (am Beispiel des feierlichen Einzuges in Nürnberg manifestierte sich eine solche "Verdichtung" durch das Mittel der Heraldik in einer Art "visuellem Crescendo"). Weiterhin sprach der Vortragende über die Bedeutung von Ordnung und Harmonie, die sich als geradezu konstitutiv für zeremonielle Handlungen in Innenräumen erwiesen. Als stark kontrastierender Hintergrund zu der Ruhe und Harmonie während der zeremoniellen Handlung wirkte bisweilen die durch Verteilung von Brot und Geldgeschenken an das gemeine Volk erzeugte und regelrecht inszenierte Unordnung.

Im Anschluß an diesen eher auf den Gesamtzusammenhang des Themas zielenden Vortrag sprach Gottfried Kerscher (München) über Die Perspektive des Potentaten: Differenzierung von "Privattrakt" und Zeremonialräumen im spätmittelalterlichen Palastbau. Damit eröffnete er die Reihe von Referaten, die sich mit der Architektur der päpstlichen Residenzen in Avignon, in Rom und im Kirchenstaat beschäftigten. Während sich Bernhard Schimmelpfennig und Andreas Sohn am folgenden Tag der spätere Entwicklung der Palastarchitektur und der Urbanistik der Päpste widmeten, machte sich der Vortragende daran, die Entwicklung bis an ihre Anfänge zurückzuverfolgen. Auch wenn die Ursprünge des höfischen Zeremoniells sicher sehr viel älter sind und wahrscheinlich auf ibero-islamische oder noch ältere orientalische Vorbilder zurückgehen, ist das Phänomen des zeremoniell organisierten Hofes für uns in der abendländischen Welt erstmals in den Leges Palatinae des mallorquinischen Königshofes aus dem 14. Jahrhundert faßbar. Parallel zu den detaillierten Informationen über das Hofzeremoniell, die wir aus dieser einzigartigen Quelle gewinnen, zeigt die Architektur der Paläste von Palma de Mallorca und Perpignan im Bereich der "privaten" Sphäre des Herrschers ein ganz charakteristisches, sich auch in der späteren päpstlichen Architektur Avignons und Roms widerspiegelndes Ensemble von vier Räumen. Dabei liegen zwischen der camera regis, der camera secreta und den größeren Zeremonialräumen die camera paramenti und eine weitere anticamera, denen der Referent den Charakter einer "Pufferzone" zusprach und durch die der Herrscher Distanz gewann. Er konnte zeigen, wie mit den vergleichenden und analysierenden Methoden der Kunst- und Architekturgeschichte auf den Gebieten der Residenzenforschung, für die wir keine oder nur sehr lückenhafte schriftliche Überlieferungen besitzen, fruchtbare Erkenntnisse gewonnen werden können.

Unter dem Vorsitz von Marc Girouard (London) behandelte Mary Whiteley (Emsworth) im folgenden das Thema Ceremonial and Space in the Palaces of Charles V, King of France. Dabei erläuterte sie anhand der Lebensbeschreibung Karls V. von Christine de Pisan (1363-1430) und anhand der architektonischen Überlieferung den Tagesablauf am Hof des französischen Herrschers. Ausgehend von der morgendlichen "levée" zeigte sie, wo und in welchen Momenten sich der König seinen Untertanen öffentlich zeigte und für sie zugänglich war. Die meiste Zeit verbrachte der Herrscher jedoch in der salle du roi und in einer Anzahl kleinerer Räume. So wahrte er Distanz und war für Außenstehende nicht mehr direkt zu erreichen.

Im Anschluß daran sprach Christian de Mérindol (Paris) über Le cérémonial et l'espace. L'exemple de l'Hôtel Jacques Coeur à Bourges. Dabei stellte er den Palast des Argentiers des französischen Königs in aller Ausführlichkeit vor, und oft waren es gerade architektonische oder künstlerische Details, wie etwa zierender Reliefschmuck oder die Symbolik in Fresco und Skulptur, sowie die bewußte Imitation herrscherlicher Architektur, an denen der Vortragende das Selbstverständnis des Bauherren und sein Verhältnis zum König darstellen konnte.

Wie schon in Ansbach, so gab es auch in Potsdam eine "Werkstatt". Unter dem Vorsitz von Werner Paravicini wurde drei Vortragenden die Gelegenheit geboten, von ihnen bearbeitete Projekte vorzustellen, Anregungen zur Beschäftigung mit neuen Themen zu geben und über die Vorbereitungen einer Ausstellung zum Thema Residenz zu berichten.

Zunächst stellte Klaus Neitmann (Potsdam) unter dem Titel Riga oder Fellin: Faktoren der Residenzenauswahl im 15. Jahrhundert einen Streitfall innerhalb des Deutschen Ordens in Livland vor. Dort hatte der Ordensmeister Johann von Herse (1470-1471) versucht, seine Residenz von Riga in das militärisch und wirtschaftlich attraktivere Fellin zu verlegen, hatte sich damit über das althergebrachte System von Vogteien und Komtureien hinweggesetzt und den am Ende erfolgreichen Widerstand der Gebietiger heraufbeschworen.

Im Anschluß daran zeigte Detlev Kraack (Kiel) in seinem Beitrag Rhodos als Residenz: Heidenkampf in ritterlich-höfischem Ambiente, daß der Johanniterorden und insbesondere dessen Herrschaft im östlichen Mittelmeer ein interessantes Betätigungsfeld für die Residenzenforschung darstellen. Am Beispiel des osmanischen Sultanssohnes Zyzymus (Djem), der im Jahre 1482 vor seinem Bruder Bayazid II. nach Rhodos und von dort aus weiter nach Westeuropa fliehen mußte, beschäftigte sich der Vortragende anhand von chronikalischen und ikonographischen Quellen mit dem feierlichen Empfangszeremoniell für diesen fürstlichen Gast auf der Insel.

Abschließend erhielt Siegfried Müller (Oldenburg) die Gelegenheit, aus der laufenden Arbeit an den Vorbereitungen einer für das kommende Jahr in Oldenburg geplanten Ausstellung zu berichten. Unter dem Titel Wie stellt man eine Residenz aus? Der Plan zu einer Ausstellung "Stadt und Residenz. Die Beziehungen der Stadt Oldenburg und der Landesherrschaft 1345-1918" in Oldenburg 1995 wurde den Zuhörern dann jedoch weit mehr als ein "Werkstattbericht" geboten. Wie die sehr angeregte Diskussion über Fragen speziell zur Konzeption dieser Ausstellung, aber auch generell zur Aufgabe, Funktion und Möglichkeit des Museums für die Umsetzung von Ergebnissen der Forschung zu Hof und Residenz zeigte, bietet sich hier ein bisher doch eher wenig beachtetes Betätigungsfeld für die Residenzenforschung.
 

III. Zeremoniell und ferner Raum: die neue Residenz, die neue Stadt

Unter dem Vorsitz von Heinz Duchhardt (Münster) knüpfte Bernhard Schimmelpfennig (Augsburg) in seinem Beitrag Der Palast als Stadtersatz. Funktionale und zeremonielle Bedeutung der Papstpaläste in Avignon und im Vatikan zeitlich an die Ausführungen Gottfried Kerschers über die mallorquinische Palastarchitektur an. Er zeigte, wie sich das zeremonielle und liturgische Leben am Hofe der Päpste während der avignonesischen Zeit zunehmend auf den unmittelbaren Bereich des Palastes beschränkte. Diese Entwicklung setzte sich nach der Rückkehr der Päpste in die ewige Stadt und vor allem unter den auf Nikolaus V. (1447-1455) folgenden Renaissancepäpsten fort.

Ein gelungene Ergänzung fand der Vortrag in dem Referat von Andreas Sohn (Unna) über Die "neue" Vatikanresidenz und die "neue" Stadt. Papst, Kurie, Topographie und Urbanismus im Rom der beginnenden Frührenaissance. Neben der von Bernhard Schimmelpfennig beschriebenen Entwicklung ist gerade unter Nikolaus V. und unter seinen Nachfolgern eine zunehmende urbanistische Aktivität zu beobachten. Insbesondere der Ausbau des Borgo und der Achse zwischen der Engelsburg und dem Vatikan machen ebenso wie die beginnende Bautätigkeit innerhalb des Tiberknies deutlich, daß es hier ganz neue administrative und repräsentative Probleme zu lösen galt. Neben der "neuen" Residenz mit den von Andreas Sohns Vorredner herausgestrichenen charakteristischen Zügen sollte man auch die Entwicklung der "neuen" Stadt stets im Auge behalten, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil hier architektonische und urbanistische Akzente gesetzt wurden, die bis heute spürbar sind.

Unter dem Vorsitz von Uwe Albrecht (Kiel) sprach im Anschluß daran Marc Boone (Gent) über Gand, ville à residences: cérémonial et espace géographique (XIIe-XVIe siècles). Ausgehend von der geographisch wie strategisch günstigen Lage und dem wirtschaftlichen und politischen Gewicht Gents beschrieb der Vortragende die Entwicklung der Stadt im Verhältnis zu ihren jeweiligen Stadtherrn seit dem 12. Jahrhundert: 1128-1384 unter den Grafen von Flandern, im Anschluß daran unter den Herzögen von Burgund und später unter den Habsburgern. Da Gent die führende Stadt Flanderns war, mußte der Stadtherr stets darum bemüht sein, seinen Einfluß in der Stadt geltend zu machen und seine beileibe nicht immer unumstrittene Autorität gegenüber den Einwohnern durch repräsentative Präsenz zu sichern. So sind, was die urbanistische Entwicklung und die obrigkeitliche Präsenz im Stadtbild angeht, auffällige Entwicklungen zu beobachten: ausgehend von einem befestigten Donjon des 12. Jahrhunderts über die Residenz der burgundischen Herzöge und die sich im Stadtbild widerspiegelnde Präsenz burgundischer Würdenträger bis zur Errichtung des rein militärischen Zwecken dienenden Château des Espagnols im 16. Jahrhundert.

Im letzten Referat des Tages behandelte Ulrich Schütte (Marburg) das Thema Stadttor und Hausschwelle. Zur rituellen Bedeutung architektonischer Grenzen. Mauern und Wände wirken als trennende und strukturierende architektonische Elemente von Räumen, in denen zeremonielle Handlungen vollzogen werden. In diesem Sinne bilden Tore und Türen die Verbindungen zwischen verschiedenen Räumlichkeiten und die Orte für "architektonische Durch- bzw. Übergangssituationen"; ihr Durchschreiten und das Übertreten von Schwellen und räumlichen Grenzen stellen entscheidende Momente zeremonieller Handlungen dar. Ausgehend von dem Phänomen der "architektonischen Durchgangssituation" verschloß sich der Vortragende bei der Behandlung dieses für die Gesamtfragestellung der Tagung so ungemein wichtigen Themas weder den anthropologischen und magisch-religiösen noch den zeichentheoretischen und wahrnehmungstechnischen Dimensionen von "Stadttor und Hausschwelle".

In seiner Zusammenfassung strich Peter Moraw (Gießen) die große Quellennähe der einzelnen Beiträge heraus und betonte sowohl deren weite geographische Streuung als auch deren zeitliche Geschlossenheit. Als Kernzone, in der die für die Entwicklung der Residenz entscheidenden Weichen gestellt worden seien, nannte Moraw das 14. Jahrhundert und betonte die für die Entwicklung im Reich so wichtige Phase unter den Herrschern aus der internationalen Dynastie der Luxemburger. Unter diesem Blickwinkel sei es durchaus wünschenswert gewesen, auch einen Referenten zu diesem Thema zu hören, da sich etwa unter Karl IV. Entwicklungen beobachten lassen, die den Vergleich mit den Ländern im Westen Europas nicht zu scheuen brauchten. In dieser Hinsicht verdienten auch die deutschen Fürstenhöfe eine verstärkte Beachtung, da sie "ein Reservoir für die Spitzenentwicklung im Reich" darstellten. Daneben gelte es, den Blick vor und zurück nicht zu scheuen und stets die Einbettung des von den Tagungsteilnehmern behandelten Themas in die allgemeine Geschichte im Auge zu behalten. Am Ende verwies Moraw noch einmal mit Nachdruck darauf, daß der Residenzbegriff zwar durchaus unscharf definiert sei, daß sich aber gerade dadurch die Möglichkeit eines freien Umgangs mit ihm biete, die es auch in Zukunft zu nutzen gelte.

In der von Bernhard Schimmelpfennig moderierten abschließenden Diskussion wurde festgehalten, daß sich die interdisziplinäre Zusammenarbeit insbesondere mit der Kunstgeschichte und der Architektur sehr positiv auf das Gesamtergebnis der Tagung ausgewirkt hatte. An thematischen Fragen wurde u.a. erörtert, ob denn das aus Westeuropa ins Reich übernommene "Modell der Residenz" wirklich einen Fortschritt gegenüber der herkömmlichen Reiseherrschaft darstellte, wenn die konstante Anwesenheit von Herrscher und Hof an einem bestimmten Ort eine erschwerte Zugänglichkeit der Herrscher mit sich brachte. Zwar konnten an diesem Punkt noch einmal zentrale Fragen dieser ja in der Tat doppelgesichtigen Entwicklung erörtert werden, doch mußte man sich am Ende eingestehen, daß die Frage nach Vor- und Nachteil doch recht konstruiert ist und auf geradezu nostalgischen Vorstellungen beruht. Denn die Zeremonialisierung des Hofes wurde von den Zeitgenossen zumeist als Fortschritt verstanden, und die Frage nach Übernahme oder Nichtübernahme stellte sich in der Praxis überhaupt nicht. Weit wichtiger scheint die Frage nach dem Maß zu sein, in dem das Zeremonielle Eingang in die höfische Sphäre fand bzw. in dem man sich dieser Entwicklung entgegenstellen oder entziehen konnte. Vieles von dem, was die Herzöge von Burgund zur Repräsentation und zur Legitimierung ihrer Stellung einsetzten, hatte etwa Ludwig XI. von Frankreich schlichtweg "nicht mehr nötig". Ähnlich verhält es sich mit den Hofordnungen. Liegen für größere Höfe meist lediglich Finanzordnungen vor, so besitzen wir gerade für kleine - offensichtlich unter Legitimierungsdruck stehende - Höfe ausgeprägte Zeremonialordnungen. Eine weiterer Punkt bestand in der Frage nach dem "Alter der beobachteten Phänomene". Gerade was "Zeremoniell und Raum" angeht, scheinen doch viele Entwicklungen ältere und weit über den von den Kolloquiumsteilnehmern hinaus behandelten Zeitraum in die Vergangenheit weisende Wurzeln etwa im ibero-islamischen, im antiken oder im orientalischen Bereich zu haben. So stellte Werner Paravicini am Ende ganz und gar nicht ernüchtert fest, daß es sich doch "um ein ganz normales Kolloquium gehandelt hatte, daß man hinterher genau so schlau sei wie zuvor - allerdings auf einem sehr viel höheren Niveau".

Das Programm wurde durch einen festlichen Empfang am Sonntagabend, durch ein dem Thema der Tagung wahrhaft angemessenes Mittagsmahl im Schloß Cecilienhof am Dienstag und durch eine Führung durch Schloß und Garten von Sanssouci nach der Abschlußdiskussion abgerundet.

Detlev Kraack, Kiel

 
Insgesamt nahmen an der Tagung in Potsdam teil:

H.-Dozent Dr. Uwe Albrecht (Kiel)

H.-Dozent Dr. Ronald Asch (Münster)

Prof. Dr. Helmut Assig (Potsdam)

Dr. Rainer Babel (DHI Paris)

Dr. Thomas Behrmann (Münster)

Dr. Marc Boone (Gent)

Prof. Michael Bojcov (Moskau)

Prof. Dr. Michael Borgolte (Berlin)

Prof. Dr. Albert Chatelet (Straßburg)

Dr. Liliane Chatelet-Lange (Straßburg)

Prof. Dr. Heinz Duchhardt (Münster)

Klaus van Eickels (Bamberg)

Prof. Dr. Evamaria Engel (Berlin)

Prof. Dr. Josef Fleckenstein (Göttingen)

Antje Flüchter (Köln)

Birgit Franke M.A. (Marburg)

Marc Girouard (London)

Dr. Gudrun Gleba (Oldenburg)

Prof. Dr. Manfred Görtemaker (Potsdam)

Prof. Dr. Klaus Grubmüller (Göttingen)

Prof. Dr. Peter-Michael Hahn (Potsdam)

Prof. Dr. Heinz-Dieter Heimann (Potsdam)

Dr. Paul-Joachim Heinig (Mainz)

Prof. Dr. Peter Johanek (Münster)

Krista de Jonge (Löwen)

Dr. Hermann Kamp (Gießen)

Dr. Katrin Keller (Leipzig)

Dr. Gottfried Kerscher (München)

Dr. Martin Kintzinger (Berlin)

Prof. Dr. Christoph Kleßmann (Potsdam)

Prof. Dr. Dagmar Klose (Potsdam)

Evelyne Korsch (Bonn)

Dr. des. Detlev Kraack (Kiel)

Dr. Holger Kruse (DHI Paris)

Dr. Karen Lambrecht (Berlin)

Dr. Hans Lange (München)

Pascal Lejeune (Köln)

Pauline Liesen (Bonn)

Margarete Martaguet (DHI Paris)

Christian de Mérindol (Paris)

Prof. Dr. Peter Moraw (Gießen)

Dr. Siegfried Müller (Oldenburg)

Dr. Klaus Neitmann (Potsdam)

Dr. Hanna Nogossek (Berlin)

Jacques Paviot (Paris)

Prof. Dr. Werner Paravicini (DHI Paris)

Dr. Anke Paravicini (Kiel/Paris)

PD Dr. Andreas Ranft (Kiel)

PD Dr. Werner Roesener (Göttingen)

Prof. Dr. Bernhard Schimmelpfennig (Augsburg)

Prof. Dr. Julius Schoeps (Potsdam)

Dr. des. Michael Schoolz (Potsdam)

Prof. Dr. Luise Schorn-Schütte (Potsdam)

Prof. Dr. Ernst Schubert (Göttingen)

Dr. Beate Schuster (Paris)

Prof. Dr. Ulrich Schütte (Marburg)

Dr. Antje Sander-Berke (Schwerin)

Michaela Sleegers (Marburg)

Dr. Andreas Sohn (Unna)

Prof. Dr. Karl-Heinz Spieß (Greifswald)

Dr. Brigitte Streich (Celle)

Dr. Birgit Studt (Münster)

Dr. Malcolm Vale (Oxford)

Milos Vec (Frankfurt/Main)

Dr. Mary Whiteley (Emsworth)

Dr. Armin Wolf (Frankfurt/Main)

Dr. Wolfgang Wüst (Augsburg)

 


Die Arbeit der anderen

Das riesige Burgschloß im Osten von Paris, lange nur ein schwarzbrauer Koloß, von dem die Erinnerung an die berühmte Miniatur im Stundenbuch des Herzogs von Berry noch das Schönste war, ist durch Reinigung und Restauration in den letzten Jahren geradezu wiederauferstanden. Es bietet ein überaus seltenes Ensemble der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts (nur die Waldseite wurde im 17. Jh. aufgebrochen und umgebaut), dazu einen Wohnturm als Burg in der Burg, die Residenz eines der aufregendsten Herrscher des späten Mittelalters, Karl V., über den Françoise Autrand soeben eine umfangreiche Biographie veröffentlicht hat (Charles V, Paris, Fayard, 1994). Eine Gruppe um Jean Chapelot untersucht nun dieses mittelalterliche "Versailles" (vgl. auch unten die Kolloquiumsanzeige S. 47ff., und Neuerscheinungen, unter "Blin", "Burg/Dengler", "Chapelot").

Werner Paravicini, Paris

 

L'Equipe de Recherche sur le Château de Vincennes et la Banlieue Est

Auszug aus dem Bulletin NE 6, April 1994, S. 1:
 

Le Programme d'Etude Architecturale du Château par Jean Chapelot

Une part du travail de l'Equipe de Recherche sur le Château de Vincennes et la Banlieue Est consacrée à l'étude architecturale du château, un édifice construit à grands frais et très rapidement entre 1361 et 1380 (si l'on ne tient pas compte de la Sainte Chapelle, entreprise après cette date et achevée seulement au milieu du XVIe siècle).

L'Equipe de Recherche sur le Château de Vincennes et la Banlieue Est est rattachée au Centre de recherches historiques, laboratoire mixte Ecole des hautes études en sciences sociales - C.N.R.S. Elle est financée par le ministère de la Culture et de la Francophonie et le ministère de la Défense.

Publication: Bulletin de liaison de L'Equipe de Recherche sur Vincennes et la Banlieue Est. Publication périodique gratuite expédiée à la demande, ISSN 1164 - 9003. Pour toute information complémentaire: Château de Vincennes, Pavillon X, 94300 Vincennes, Tel. 43651251.
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Wenn, wie zu hoffen steht, das folgende Projekt Wirklichkeit wird, dann wird es in den nächsten zehn Jahren eine intensive, internationale Hofforschung zur Frühen Neuzeit geben, mit zahlreichen Kolloquien in vielen europäischen Ländern, wie es bei den von der European Science Foundation geförderten Unternehmungen üblich ist (vgl. schon unten S. 50: "The Stuart Courts"). Im jedem Land soll sich eine nationale Equipe bilden. Da das Projekt noch im Entstehen ist, kann man sich noch anschließen. Frau Prof. Grell würde sich über Ihre Zuschrift freuen.

Werner Paravicini, Paris

 

Université de Versailles-Saint-Quentin
Les Cours à l'Époque Moderne en Europe aux XVIe, XVIIe et XVIIIe Siècles
 

L'Université de Versailles-Saint-Quentin et le Château de Versailles s'associent pour favoriser le développement des études sur les cours à l'époque moderne en Europe aux XVIe, XVIIe et XVIIIe siècles et souhaitent voir renforcés, en cette occasion, les échanges entre les chercheurs des universités et musées.

Dans cette perspective, un projet de programme sera proposé cet été à l'European Science Foundation (Strasbourg), qui pourrait donner lieu à un financement à partir de 1997. Deux réunions ont déjà été organisées à Versailles le 11 juin 1993 et le 27 mai 1994, au siège de la présidence de l'Université, pour élaborer une première grille thématique. Dans le cadre de ce projet, un colloque est organisé à Londres les 6, 7 et 8 septembre 1994 - The Stuart Courts in the Reigns of James I, Charles I, Charles II and James II - sous l'égide de l'Institute of Historical Research (Prof. E. Cruickshanks). Un autre est prévu à Moscou en octobre 1995, dans le cadre du Centre d'Education Humanitaire Pierre le Grand: *L'historiographie de la cour en Russie et les méthodes d'analyse lexicographiques+ (Prof. V. Nazarov).

Les deux années à venir seront consacrées à l'élargissement du réseau initial et à la mise en place de collaborations institutionelles, à l'échelle européenne, entre les centres de recherche. Dans un premier temps, il serait souhaitable d'élaborer un annuaire des chercheurs et des étudiants travaillant sur ce sujet et de prendre connaissance des travaux en cours. Tous les chercheurs et toutes les équipes qui souhaitent être associés à cette initiative sont les bienvenus et un dossier de présentation du projet leur sera envoyé sur simple demande.

Chantal Grell, Paris

Pour toute information complémentaire, écrire au Prof. Dr. Chantal Grell, 95 Bd. Beaumarchais, 75 003 Paris, qui assure, à titre provisoire, la coordination.


Kolloquiumsberichte

 

Il Tempo Libero, Economia e Società, secc. XIII-XVIII
Prato, 18.-23. April 1994

Unter dem übergreifenden Thema "Il Tempo Libero. Economia e Società" wurde in Prato vom 18.-23. April 1994 die 26. Studienwoche des Istituto Internazionale di Storia Economica Francesco Datini abgehalten. Neben Referaten, die sich einleitend eher grundsätzlichen Beobachtungen und vorsichtiger Interpretation widmeten (Peter Burke, The Invention of Leisure in Early Modern Europe; Gherardo Ortalli, Il tempo libero nel Medio Evo; Laurence Stone, Leisure in Eighteenth Century England), boten vier weitere Sektionen Gelegenheit, sich interessanten Einzelaspekten von Freizeit (Loisirs, Leisure, Tiempo libre) zuzuwenden oder nur eine Region zu fokussieren.

Neben der leitenden Frage nach dem Zusammenhang von "Ökonomie und Freizeit", welche die Mehrzahl aller Vorträge vereinte (13 in dieser Sektion, u.a. Wirtschaft und Gesellschaft 13.-18. Jh.; die fiskalische Erfassung der Freizeit; Time for Work, Time for Play: Relations between Work an Leisure in the early modern Period; the Commercialization of Leisure: Gardening and the Birth of Consumer Society; La taverna; Aspetti della prostituzione 13.-14. Jh.), beschäftigte man sich aber auch mit der "Freizeit als Kulturphänomen" (u.a. Jean-Michel Mehl, Entre culture et réalité: la perception des jeux, sports et divertissements au Moyen Age et à la Renaissance; Enrico Castelnuovo, La rappresentazione del gioco e della festa gotica nel XIV e XV secolo; Pier Giorgio Gerosa, Gli spazi urbani di svago; Jan Verberkmoes, Vanité ou vertu sociale? Le rire et les facéties dans les Pays-Bas espagnols (XVIe-XVIIe siècles); Jeremy Black, The Grand Tour). Die beiden übrigen Sektionen waren den "sozialen Gruppen / Trägerschaften" gewidmet (u.a. Paul Janssens, Les loisiers aristocratiques dans l'Europe; Yuri L. Bessmertny, Les loisirs de la chevalerie médiévale; Stefan Bielanski, Il "tempo libero" della nobilità polacca alla luce delle relazioni e descrizioni degli autori italiani dei secc.XVI-XVIII) sowie schließlich dem "Fest" (u.a. Miguel Angel Ladero Queseda, La fiesta y el "tiempo libre colectivo" en Europa del Sur. Edad Media; Rolf Sprandel, Temps libre. Reflet d'un terme moderne dans la vie urbaine du Bas Moyen Age; W. Th. Fryhoff, La fête dans l'Europe du Nord-ouest aux Temps Modernes) zugewandt.

In der "Fest-Sektion" widmete sich der Verfasser den mittelalterlichen "Feste(n) des deutschen Adels" und zeigte nach einem Überblick über die Elemente höfischer Festlichkeit, die sich am Beispiel des Fürstenhofs je nach Gelegenheit unterschiedlich gewichtet und in verschiedenen Kombinationen beinahe idealtypisch beobachten lassen, daß diese spätestens im 15. Jahrhundert sozial mobilisiert werden, d.h. in das Milieu des niederen Adels wandern zur Ausübung eines ebenfalls herrschaftslegitimierenden Lebensgestus, unabhängig vom Fürsten und seinem Hof.

Materieller Aufwand, Bedeutung des Zeremoniells, Teilnahme der Damen, festlich-repräsentative Tafel mit erlesenen Speisen, Öffentlichkeit und Turnier etc. finden sich hier ebenso bedeutsam gewichtet. Dieser saisonale Hof / Turnierhof des - vornehmlich reichsunmittelbaren - Niederadels "residierte" regelmäßig in der Stadt.

Frantisek Smahel, Les fêtes royales de Bohème du XIIIe au XVe siècles, untersuchte für dieselbe Sektion die königlichen Festordines (Krönung, Einzug, Hochzeit, Begräbnis etc.) und deren Praxis anhand einer breit gestreuten Überlieferung, die er zugleich vorstellte und kritisch gewichtete. Zugleich wies er auf die (west-)europäischen Einflüsse des Zeremoniells hin.

Maurice Keen schließlich zeigte in der "Gruppen-Sektion" mit seinem Beitrag über "Nobles' Leisure: Jousting, Hunting and Hawking" u.a., daß der Adel in der Verfolgung derart standestypischer Aktivitäten nicht etwa "privat" agiert, sondern bei solchen Gelegenheiten unter Mobilisierung etlichen Personals immer auch öffentlich handelt, ja sogar - wie bei der Jagd - Öffentlichkeit aktiv mit einbezieht. Die Präsenz des Hofes erfährt auf diese Weise, so könnte man sagen, eine räumlich-zeitliche Ausdehnung.

Die insgesamt 45 Beiträge werden veröffentlicht in: Simonetta Cavaciocchi (Bearb.), Il Tempo libero. Economia e Società secc. XIII-XVIII (Serie II - Atti delle "Settimane di Studi" e altri Convegni 26, Istituto internazionale di Storia Economica F. Datini, Prato), Prato 1995.

Andreas Ranft, Kiel

 

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Die ostmitteleuropäischen Metropolen im Zeitalter des Humanismus
und der Renaissance (ca. 1450-1600)
Zentralität als politische und kulturelle Integration

 
Vom 8. bis 10. Juni 1994 fand in Berlin das bereits in den vorausgehenden Mitteilungen der Residenzen-Kommission angekündigte Kolloquium des neu eingerichteten Forschungsschwerpunktes Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas zu den Metropolen dieses Raumes an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit statt. Unter Leitung von Evamaria Engel (Berlin) und Winfried Eberhard (Berlin) befaßten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Polen, Tschechien, der Slowakei, Österreich, Ungarn, Israel und den Vereinigten Staaten von Amerika drei Tage lang mit den - wie sich im Verlauf der Tagung immer wieder herausstellte - so äußerst verschiedenen und mit jeweils ganz eigenen Entwicklungen aufwartenden Kulturräumen Ostmitteleuropas. Ausgehend von großen städtischen Zentren wie Prag, Buda, Krakau und Warschau beschäftigte man sich mit weit mehr als herkömmlicher Kunst-, Kultur- und Stadtgeschichte in Böhmen, Ungarn und Polen. In einer wohl abgewogenen Kombination von Referaten kamen Vertreter aus den verschiedenen Räumen selbst zu Wort und konnten an "ihren" jeweiligen Metropolen ganz spezifische Problemfelder für die weitere Forschung aufzeigen.

Daß man durch die Wahl des Metropolenthemas mit methodischen Schwierigkeiten zu kämpfen haben würde, war von vornherein klar, hatte doch das "Phänomen Metropole", der mehr als großen Stadt (Maria Bogucka [Warschau] sprach sehr treffend von einer "Elefantiasis in jeglicher Hinsicht"), von der Antike bis in unsere Tage Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der verschiedensten Disziplinen beschäftigt. So war es sehr hilfreich, daß sich Evamaria Engel (Berlin) in ihrem einleitenden Vortrag "Zentraler Ort - Hauptstadt - Residenz - Metropole. Versuch einer Forschungsbilanz" zunächst daran machte, den Rahmen für das Kolloquium abzustecken, eine vorsichtige Definition dessen gab, womit man sich beschäftigen wollte, und den Stand der bisherigen Forschungen zu diesem Themenkomplex umriß. Sie zeigte verschiedene Ansätze auf, nach denen man das "Phänomen Metropole" untersuchen könne: als Stichworte seien an dieser Stelle nur kurz die Beziehungen zwischen einer Metropole und ihrem Umland sowie ihre Einbindung in Netze von Städten und Handelswegen genannt, daneben das gerade in bezug auf das Reich so interessante Spannungsverhältnis zwischen Hauptstadt und Residenzstadt (Residenzstädten). Weiterhin sollte es innerhalb einer Landschaft um die Fragen nach Zentrum und Peripherie, nach Mono- und Multizentralität als den klassischen idealtypischen Entwicklungsmustern gehen. Im Verlauf des Kolloquiums stellte sich insbesondere in den äußerst fruchtbaren und lebhaften Diskussionen immer wieder heraus, daß es sich bei diesen beiden Modellen wirklich um Idealtypen handelt, denn selbst in Frankreich, dem immer wieder apostrophierten Beispiel zentraler Stukturen, kann man mit der Aufteilung hauptstädtischer Funktionen zwischen Paris als Haupt- und Residenzstadt (dazu in der Neuzeit Versailles als Residenz), St. Denis (Grablege) und Reims (Krönungsort) multizentrale Elemente finden. Und eben dies gilt in einem noch viel höheren Maße für Böhmen, Polen und Ungarn.

Gerade was die Bewertung einer Metropole in ihrer Qualität als Residenzstadt und Herrschaftsmittelpunkt angeht, ist für die Zukunft ein reger Austausch zwischen den Forschern um Evamaria Engel und Winfried Eberhard und den Residenzenforschern zu erwünschen und zu erwarten, da man - wenngleich aus unterschiedlichen Perspektiven - an sehr nahe verwandten Problemen arbeitet. So war es denn auch nicht verwunderlich, daß häufig Thesen und Konzepte angesprochen wurden, die von Moraw, Patze und Paravicini in der Auseinandersetzung mit mittelalterlicher Verfaßtheit sowie mit Fragen des Hofes und der Residenz entwickelt worden sind.

In Fortsetzung von Gedanken des Einführungsreferates beschäftigte sich auch Karen Lambrecht (Berlin) mit dem Begriff der Metropole. Ausgehend von dem in Zedlers Universallexikon um die Mitte des 18. Jahrhunderts gegebenen Definition als der Bezeichnung für die Mutterstadt griechischer Kolonien und als dem kirchenrechtlichen Terminus für den Sitz eines Erzbischofs wurde belegt, wie die Begrifflichkeit vom 14. Jahrhundert an an Eindeutigkeit verliert und kirchenrechtliche und weltliche Kategorien nicht mehr klar voneinander geschieden werden. In dem von den in Berlin versammelten Wissenschaftlern ins Auge gefaßten Zeitraum lebten in Mitteleuropa erstmals mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Von diesem insofern als Peripetie zu begreifenden Moment an gewinnen Begriffe wie Zentralität und das von der modernen Geographie und Raumplanung (nach Walter Christaller) geprägte Modell einer "Hierarchie der Orte" an Bedeutung, wenngleich ein Transfer dieser modernen Konzepte auf vergangene Wirklichkeiten problematisch bleibt. Ausgehend von der Spannung zwischen Region und Nation bietet es sich in dem kulturell so bunt und vielfältig schillernden Ostmitteleuropa für den Zeitraum von 1450 bis 1650 geradezu an, die dortigen Metropolen als "singuläre Zusammenballungen von Mensch, Kultur und Wirtschaft an einem Ort" zu beschreiben und an ihnen - gleichsam als Spiegelbildern der sie umgebenden Kulturräume - die in diesen auftretenden kulturellen Wechselwirkungen zu untersuchen. Damit umriß Karen Lambrecht ihren zukünftigen Arbeitsschwerpunkt und strich insbesondere die kulturvermittelnde Funktion der Metropolen heraus. Oftmals waren die wirtschaftlich, politisch und kulturell überregionalen Zentren Sitz einer Universität, doch war dies keinesfalls zwangsläufig der Fall, wie das Beispiel Buda verdeutlicht, das auch ohne Hochschule den Rang einer Metropole beanspruchen konnte. Insgesamt postulierte die Vortragende für Ostmitteleuropa - in Parallele zu Italien - einen aus einem gewissen Konkurrenzverhältnis sich ergebenden "dynamischen Metropolentyp".

In einem Beitrag aus dem Bereich der Kunstgeschichte zeigte Thomas DaCosta Kaufmann (Princeton/Berlin), daß der Begriff der "Kunstmetropole" in dieser Disziplin sehr geläufig ist. Ein wenig überspitzt formulierte er in seinem Vortrag "Das Problem der Kunstmetropolen im frühneuzeitlichen Ostmitteleuropa", daß es etwa möglich sei, die Geschichte der Kunst als eine Abfolge und damit Geschichte der Kunstmetropolen zu charakterisieren. So trafen etwa im "goldenen Zeitalter" der Niederlande in Antwerpen Qualität und Quantität in jeglicher Hinsicht zusammen. Parallel zu einer enormen Dichte von schöpferischen Geistern und genialem Ideenreichtum waren hier gleichzeitig große Konsumentenschichten, viel Geld und die Bereitschaft zu einer geradezu wetteifernden "conspicous consumption" an einem Ort vereint. Mäzenatentum auf der einen und Massenproduktion auf der anderen Seite ließen die Kunstmetropole Antwerpen zur Weltmetropole werden. Ähnlich wie in bescheidenerem Maßstab Nürnberg und Danzig strahlte sie als Zentrum weit aus und lebte gleichzeitig durch die zentripetalen Kräfte ihres näheren und ferneren Umlandes. Der Vortragende räumte ein, daß man "die großen Städte Ostmitteleuropas" sicher nicht mit der Weltmetropole Antwerpen messen könne, doch sei es durchaus nicht so, daß man in jeder Hinsicht von einem stetigen West-Ost-Kulturgefälle sprechen sollte. Zwar war etwa Prag in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts sicher keine Kunstmetropole. Doch änderte sich dies schlagartig unter Rudolph II., als die Stadt insbesondere durch die erhöhte Kupferstichproduktion auch im Westen und vor allem in den Niederlanden zu wirken begann. Auch Buda und Krakau wirkten als Kunstzentren. Ihre Bedeutung als Brücken und Vermittler in den ostmitteleuropäischen Raum hinein und als Träger des kulturellen und künstlerischen Austausches in Mitteleuropa kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das gilt auch für ihre Mittlerfunktion gegenüber den regionalen Zentren und dem "flachen Land" sowie den verschieden dicht vernetzten Städtelandschaften dieses Raumes.

Nach diesen drei Beiträgen ergriff Winfried Eberhard (Berlin) das Wort. Er erläuterte noch einmal, worum es den Forschern des Berliner Projektes eigentlich ging und aus welcher Motivation heraus sie die "Metropolen Ostmitteleuropas" zum Thema ihrer Tagung gemacht hatten. Sie seien nicht an "kulturhistorischen nostalgischen Reminiszenzen" interessiert. Vielmehr ginge es um die vitale Rolle der forcierten, pluralistischen Kulturentwicklung in diesem Raum, die sich vor allem in seinen städtischen Zentren spiegelte. Bei der Frage nach der Stabilität des Metropolencharakters bei den verschiedenen Städten kam Eberhard in einem vergleichenden Exkurs auf Rom, Brügge, Amsterdam und Paris zu sprechen und konnte zeigen, daß sich auch diese "klassischen Metropolen" keineswegs während ihrer gesamten Geschichte auf Metropolenniveau bewegt hätten. Weiterhin rief er den Teilnehmern des Kolloquiums ins Gedächtnis zurück, daß man über aller Beschäftigung mit Ostmitteleuropa die östlich sich anschließenden Gebiete nicht aus dem Blick verlieren dürfe. So stellten z.B. die größeren Städte Litauens und der Ukraine durchaus überregionale Zentren dar, in denen die über Ostmitteleuropa vermittelten Impulse deutlich zu spüren waren, die aber ihrerseits auch wichtig für die von ihnen nach Westen ausgehenden Handelswege waren.

Daß man die "Metropolen Ostmitteleuropas" nicht an den Dimensionen der westeuropäischen großen Zentren wie etwa Antwerpen oder Paris messen dürfe, sondern die Eigenheiten der jeweils regionalen Entwicklungen beachten müsse und nur so die Rolle von Städten wie Prag, Buda und Krakau richtig einschätzen könne, machte Hanna Nogossek (Berlin) in ihrem Referat "Zur Problematik der Übernahme und Aneignung neuer Kunstströmungen am Beispiel von Buda, Krakau und Prag" deutlich. Ihr kurzer Ausblick auf die Problemfelder, mit denen sie sich in Zukunft zu beschäftigen gedenkt, ließ ahnen, daß hier über die Region hinausweisende Forschungsergebnisse zu erwarten sind. Als sehr fruchtbar dürfte sich dabei erweisen, daß die Vortragende bei ihrer Beschäftigung mit Kunst und Kultur Ostmitteleuropas von der Betrachtung der unterschiedlichen Höfe ausgeht. Hier bietet sich ihr ein Ansatzpunkt, der eine exakte Erfassung des jeweils spezifischen historischen und kulturellen Umfeldes erlaubt. Matthias Corvinus für Ungarn, Sigismund I. für Polen und Wladislaw II. für Prag dienten dabei in ihrer kurzen Skizze als Beispiele dafür, welche Erkenntnismöglichkeiten das Ausgehen vom Hof - mit dem jeweiligen Herrscher als Mittelpunkt sowie mit den ihn umgebenden Personengruppen und den von dort ausstrahlenden Kräften - bietet. Es wurde deutlich, wie sehr die Persönlichkeit eines Matthias Corvinus einerseits Architekten, Künstler und Humanisten nach Ungarn zog, andererseits aber auch als Vorbild für die Magnaten als Multiplikatoren und in deren Mäzenatentum über seinen Tod hinaus ins Land hinein wirken konnte. Wie genau verliefen die Wege, auf denen Kulturrezeption und -adaption, aber auch die Übernahme etwa von moderner italienischer Architektur und Städteplanung vor sich gingen? Wann und von wem wurde dabei die Schwelle von der Rezeption der Theorie zur Ausführung in der Praxis überschritten? Welche Personen und Personenkreise spielten dabei die entscheidende Rolle? Welchen Beitrag zur kulturellen Entwicklung leisteten dabei die Zentren Buda und Visegrád und was unterschied die Entwicklung in Ungarn etwa von der in Böhmen oder in Polen? Wo haben wir schließlich die tieferen Gründe dafür zu suchen und wie können wir uns die kulturellen Wechselwirkungen innerhalb der Region Ostmitteleuropas vorstellen? Wir dürfen gespannt sein, zu welchen Ergebnissen Hanna Noggosek auf dem von ihr bewußt weit und offen skizzierten Feld kommen wird.
 

Mit dem Vortrag "Bürgerliche und höfische Kunstrepräsentation in den Zentren Krakau und Danzig" von Jan Harasimowicz (Breslau) begann die Reihe der Beiträge, die anhand von Beispielen aus den einzelnen Regionen spezifische Probleme und Spannungsfelder in der kulturellen und kunsthistorischen Entwicklung Ostmitteleuropas aufzeigten. Dabei stellte sich der Vergleich zwischen den Metropolen Krakau und Danzig als durchaus gelungener Ansatz heraus. Mit dem pointiert im Titel des Referates genannten und bewußt provokativen Gegensatz zwischen "bürgerlicher" und "höfischer" Kunstrepräsentation fand Harasimowicz den Ausgangspunkt für einen Vortrag, in dem er an zahlreichen Punkten zeigen konnte, daß es gerade in einer Region der Vielfalt sinnvoll ist, mit ordnenden idealtypischen Mustern zu arbeiten. Gleichzeitig wurde jedoch immer wieder deutlich, daß sich ein solches Vorgehen immer dann als sehr problematisch erweist, wenn es darum geht, seine Thesen an einer eben nicht auf Idealtypen reduzierbaren Wirklichkeit zu prüfen. So können wir etwa auf der Wawelburg in Krakau das Zusammentreffen byzantinischer und gotischer Elemente mit solchen der italienischen Renaissance beobachten, wobei die einzelnen Stilarten - mit Bedacht verwandt - am Ende doch im Dienste einer ganz eigenen Geisteshaltung standen und Harasimowicz hier von einer "Kunstlandschaft mit einer eigenen Identität" sprechen ließen. Beispielsweise beobachten wir in der Kreuzkapelle in der Wawel-Kathedrale (Waweldom), wie der durch gotische Architektur gezeichnete Rahmen von byzantinisch beeinflußter Malerei ausgefüllt wird. Gleichzeitig sind in den Hofarkaden des Elisabethflügels Anklänge an italienische Vorbilder zu erkennen. Weiterhin wird bei der Betrachtung etwa der Metallgitter der Sigismund-Kapelle, von Monumenten der Sepulkralarchitektur oder auch bei Altarbildern deutlich, daß die enge Verbindung zwischen Krakau und Nürnberg unverkennbare Spuren hinterlassen hat. Dem "höfisch" geprägten Zentrum Krakau mit der königlichen Grablege und seiner Funktion als geistlicher Metropole steht die "bürgerliche" Welt Danzigs diametral entgegen. Daß die Kunst dieser "Wirtschaftsmetropole", die in den gesamten Ostseeraum, aber auch weit in den polnisch-litauischen Bereich hinein ausstrahlte, jedoch beileibe nicht immer nur in "bürgerlichen" Formen ihre Ausprägung fand, konnte der Vortragende an zahlreichen Beispielen belegen. So sind etwa die Tradition der Artushöfe in Danzig und Thorn oder auch die Ausstattung des Danziger Rathauses mit einer repräsentativen Turmhaube im Jahre 1561 klare Zeichen für das kollektive Selbstverständnis der wohlhabenden Bürgergemeinde. Der Vortragende konnte aufzeigen, wie sich in Danzig die Linien verschiedener, für Polen so charakteristischer Spannungsfelder überlagerten. Neben dem traditionellen Antagonismus zwischen dem in Polen generell mächtigen Adel und dem König finden wir die für die jeweiligen Schichten typischen konfessionellen Bindungen, die sich auch in der Architektur und in der Verwendung unterschiedlicher Kunststile widerspiegeln. So standen dem kalvinistisch reformierten Patriziat das katholisch gebliebene "gemeine Volk" und der katholische König gegenüber. Architektonisch fand diese Mehrkonfessionalität - in der anschließenden Diskussion wurde geradezu von "Danzig als einem Labor für Konfessionalisierung" gesprochen - ihren Ausdruck etwa darin, daß die katholische Kapelle des Jan Sobieski im Jahre 1678 mit einer Kuppel "im welschen Stil" an die ansonsten rein gotische und eben evangelische Danziger Marienkirche angebaut wurde. Ob man bei dieser Tendenz zur Durchdringung bürgerlicher und höfischer Elemente und bei der Zusammenwirkung verschiedener Stilrichtungen (insbesondere Einflüsse der italienischen Renaissance) jedoch von einer "Italienisierung Polens" oder etwa von einer "Polonisierung der (aus Italien übernommenen) Kunst" spricht, hängt allein von der Perspektive des Betrachters ab. Interessant war in diesem Zusammenhang eine von Jakob Goldberg (Jerusalem) in die Diskussion eingebrachte Beobachtung zum Baustil der im polnisch-litauischen Raum errichteten Synagogen, der in sehr hohem Maße davon abhing, woher die für den Bau verantwortlichen Gemeinden und Architekten stammten. Als ein besonders augenfälliges Beispiel nannte Goldberg die von sephardischen Juden errichtete Synagoge der stark italienisch geprägten Idealstadt Zamosc. Generell verwies er darauf, daß es ansonsten gerade die miteinander konkurrierenden Magnatenstädte gewesen seien, die die schönsten Synagogen beherbergten.

In seinem Beitrag "Kunsthistorische Überlegungen zu: Hauptstadt - Kunstzentrum - Regionalzentrum - Kunstproduktion" sprach Ernö Marosi (Budapest) über die Entwicklung der Kunst in Ungarn und ging dabei von "zentrifugalen Kräften als einem zentripetalen Deutungsschema" aus. Die bewegte historische Entwicklung Ungarns hat sich insbesondere auch auf die Realienüberlieferung sehr negativ ausgewirkt, so daß wir bei der Rekonstruktion regionaler und überregionaler Strömungen in der kunsthistorischen Entwicklung des Landes heute oftmals auf wenige verstreute Zeugnisse zurückgreifen müssen. Mit den wechselnden Dynastien kamen jeweils neue Künstler ins Land, und so lassen sich etwa unter den Herrschern des Hauses Anjou und vor allem unter Matthias Corvinus starke italienische Impulse nachweisen. Neben dem königlichen Hof nahmen jedoch ab der Mitte des 14. Jahrhunderts die Städte eine herausragende Rolle ein, wobei bisweilen nicht zwischen "Hofkunst" und "Bürgerkunst" unterschieden werden kann. Eine gewisse Mittlerfunktion kam dabei Österreich (Wiener Neustadt) und insbesondere Böhmen (Prag) zu. Wie auch sonst zu beobachten, gingen Wirtschaftsentwicklung und Ausbreitung von Kunststilen Hand in Hand miteinander. Entlang der Handelsrouten kam es zum Austausch von Handwerkern und Künstlern unter den Handelsstädten. Als Beispiel dafür können etwa Bronzegießer dienen, die Taufen und Glocken herstellten. Diese Tendenzen sind auch für andere Bereiche der Kunstproduktion zu vermuten, doch verstellt uns in diesem Bereich die besonders prekäre Überlieferungslage Ungarns, die nur so wenige Zeugnisse auf uns hat kommen lassen, den Blick.

Als dritter der im Forschungsschwerpunkt zum Thema der Metropolen arbeitenden Nachwuchswissenschaftler stellte Leszek Belzyt (Berlin) sein zukünftiges Forschungsprojekt vor. Mit der "Demographischen Entwicklung und ethnischen Pluralität in den größten Städten Ostmitteleuropas von 1400 bis 1600" hat er sich wahrhaft viel vorgenommen. In Handbüchern und Monographien zur Geschichte einzelner dieser Städte erscheinen oftmals recht weit voneinander abweichende Angaben zur Bevölkerungszahl und -entwicklung. Es besteht keinesfalls Einigkeit darüber, welche Quellen man zur Klärung dieses Problems heranziehen soll und darf (für manche Städte besitzen wir gar keine Quellen aus dieser Zeit und sind auf eine vergleichende und extrapolierende Berechnung aus jüngerem Material angewiesen). Im Anschluß an die Sichtung und Sammlung der so verschiedenen für dieses Problemfeld relevanten Quellen stellt sich dem Forscher dann die schwierige Fragen nach der Bewertung und Interpretation des vorliegenden (oder auch nicht vorliegenden) Quellenmaterials. Mit welchen Faktoren muß/darf man etwa die Anzahl von Wohnungen/Häusern/männlichen Vollbürgern multiplizieren? Welche Bevölkerung darf man für die "Vorstädte" veranschlagen (dies dürfte gerade für die uns interessierenden Metropolen eine wichtige Fragestellung sein)? Welche Veränderungen müssen wir in diesen Punkten beim Gang durch die für uns relevanten Jahrhunderte berücksichtigen? - Ein wahrhaft großes Thema, das gerade im Hinblick auf die Ergebnisse der wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Bemühungen der letzten Jahre einer grundlegenden und systematischen Klärung dringend bedarf. Wie problematisch die Angabe konkreter Zahlen in vielen Fällen ist, wurde deutlich, als man anhand des von Belzyt vorgelegten Zahlenmaterials (eine Auflistung der betreffenden Städte über 10000 Einwohner, wobei als Beobachtungsintervall jeweils 50 Jahre gewählt worden waren) zu einer lebhaften Diskussion überging. Das betraf in erster Linie die Frage nach den Quellen, wobei Antoni Czacharowski (Thorn) in einem Kurzreferat die hervorragende Überlieferungslage für Thorn (Schoßbücher) und Elbing (Wiesenbücher) erläuterte und zeigen konnte, daß etwa die von Belzyt für das Jahr 1400 mit "bis 10000" angegebene Bevölkerungszahl von Thorn zu dieser Zeit wohl schon um 15000 gelegen haben dürfte. Neben den von den jeweiligen Spezialisten für die einzelnen Regionen - in Anbetracht der schwierigen Problematik jedoch immer mit Bedacht und vorsichtig sowie durchweg voller Anerkennung für die Arbeit des Vortragenden - vorgetragenen Änderungsvorschlägen zu den einzelnen Zahlen fielen zwei generelle Problemfelder ins Auge. Zum einen wird die Rolle Nowgorods, für das man doch wohl sehr viel mehr als die von Belzyt für die Jahre 1400 und 1500 angegebenen 20000 Einwohner annehmen darf, noch immer stark unterschätzt, und zum anderen wurde deutlich, wie problematisch die Bewertung der zwar einwohnerreichen, aber doch sehr konjunkturabhängigen und einseitig ausgerichteten Bergbaustädte wie Kuttenberg und Joachims-thal in diesem Zusammenhang ist.

Ihrem Referat über die polnischen Metropolen "Krakau - Warschau - Danzig. Funktionen und Wandel von Metropolen (1450-1650)" schickte Maria Bogucka (Warschau) zunächst einige methodische Überlegungen voraus. Um eine Stadt als "Metropole" beschreiben zu können, muß es sich ihren Worten nach um "eine Elefantiasis in jeglicher Hinsicht" handeln. Zur Kennzeichnung dieser über die normalen Städte hinausragenden Großzentren stellte sie sieben charakteristische Merkmale heraus: Es handelt sich dabei um (1) eine besonders große Stadt mit (2) einem großen "Hinterland", einer (3) vorteilhaften verkehrstechnischen Einbindung, die einerseits (4) eine überdurchschnittliche Sogkraft entwickelt und (5) andererseits in ihre Umgebung ausstrahlt. Schließlich ist sie gekennzeichnet durch (6) Multifunktionalität und (7) einen "metropolitan way of life". Mit Bezug auf Ost- und in Ostmitteleuropa hält die Vortragende fest, daß sich der Verstädterungsprozeß in dieser Region generell mit einiger zeitlicher Verzögerung und langsamer vollzogen habe als im Westen des Kontinents. Ähnlich wie in Deutschland ist es speziell in Polen zu einer Entwicklung nach einem polizentrischen Schema gekommen. Dabei wurde Krakau, eine "Metropole hoher Multifunktionalität", durch Verschiebungen im politischen Bereich mit der Verlagerung der königlichen Residenz nach Warschau in eine relative Randlage gerückt. Trotz dieser Mißgunst der Lage blieb Krakau Krönungs- und Salbungsort, und hier ließen sich die Könige beisetzen. Auch für die wichtigsten kirchlichen Institutionen blieb Krakau der zentrale Ort in Polen und konnte diese Stellung sogar noch ausbauen. Als eine Stadt großer sozialer und wirtschaftlicher Gegensätze und Sitz der königlichen Residenz wurde Warschau dagegen insbesondere vom polnischen Adel sehr mißtrauisch betrachtet, und bezeichnenderweise brachte man das höchste Appellationsgericht und auch den Staatsschatz in kleineren Städten unter. Danzig dagegen, Wirtschaftsmetropole für Polen und für den gesamten Ostseeraum, war nicht nur der zentrale Getreideexporthafen für den Handel nach Westeuropa, sondern auch ein Zentrum der handwerklichen Produktion (den ca. 7000 Danziger Werkstätten stehen in Krakau 700 vergleichbare gegenüber). Über die Wirtschaft ist Danzig mit dem näheren und ferneren Umland fest verbunden, was zum Beispiel die Entwicklung von Preisen oder die Migration von Bevölkerungsgruppen angeht. Ob man jedoch von einem generell "parasitären Zug" Danzigs gegenüber seinem "Hinterland" ausgehen kann, wie er im Rahmen allgemeiner Stadtkritik auch in Teilen der stadtfeindlichen Adelsliteratur des 17. und 18. Jahrhunderts zum Ausdruck kommt, muß doch sehr in Frage gestellt werden. Und man wird der Vortragenden nur zustimmen können, die vorschlug, bei der Beschreibung der Beziehungen einer Metropole zu ihrem Umland eher ein symbiotisches System zugrunde zu legen.

Bevor Antoni Czacharowski (Thorn) mit seinem Vortrag begann, nutzte er die Gelegenheit, den von ihm herausgegebenen Band des polnischen Städteatlas über Elbing vorzustellen. Auf der Grundlage von zeitgenössischen und modernen Karten und Plänen orientiert das generell zweisprachig (polnisch/deutsch) geschriebene und mit umfangreichem Kommentar und Register ausgestattete Werk en détail über die Entwicklung der Stadt Elbing von ihren Anfängen an.

In seinem Vortrag über "Untergang und Aufstieg von Metropolen im polnischen Königreich im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit" stellte Czacharowski dann zunächst das System der Polen zumeist in Ost-West-Richtung durchziehenden Handelswege und deren Bedeutung für die einzelnen in der Region liegenden städtischen Zentren dar, um von dieser durch anschauliches Kartenmaterial verdeutlichten Grundlage aus u.a. auch auf das Phänomen der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen "Jahrmärkte" einzugehen, ein Thema, mit dem sich zur Zeit auch die Internationale Kommission für Stadtgeschichte beschäftigt. Dabei konnte er zeigen, wie der polnische König versuchte, dem Verlust der privilegierten Stellung Thorns als "eines Tores zur Ostsee" im Jahre 1466 und dem dadurch bedingten Ausscheiden der Stadt aus dem Fernhandel entgegenzuwirken, indem er in der Stadt drei Jahrmärkte stiftete. Am Beispiel Posens machte er deutlich, wie diese Stadt ihr Umland (ca. 40 km) mit administrativer Struktur durchdrang. Dabei gilt es immer im Auge zu behalten, daß Posens unmittelbare Nachbarschaft zu Gnesen und die generelle Städtedichte (35 % der Bevölkerung leben in städtischen Siedlungen) im unteren Weichselraum eine ständige Konkurrenzsituation und damit eine hohe Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung bewirkten. Ein spezielles Problem bildeten die Zentren und Städte des Ordenslandes, wo wohl zunächst Kulm als einer "regionalen Metropole" eine gewisse Vorrangstellung zugedacht worden war, die dann im folgenden Elbing eingenommen hatte. Unabhängig davon spielte auch die Marienburg als Hochmeisterresidenz eine besondere Rolle, die der Ort jedoch unmittelbar nach der Verlegung der Hochmeisterresidenz wieder verlor.

Mit den Auswirkungen der Umwandlung des Ordensstaates zu einem weltlichen Herzogtum auf die Haupt- und Residenzstadt Königsberg befaßte sich Janusz Mallek (Thorn). In seinem Beitrag "Königsberg - Von der Hauptstadt des Deutschen Ordens zur Residenz des Herzogtums" zeigte er auf, wie sich seit der Besetzung der Marienburg durch die Polen im Jahre 1457 und dem Umzug des Hochmeisters nach Königsberg diese Stadt zunächst zur Hauptstadt des Ordens und dann in einem allmählichen, evolutionären Prozeß zur Residenz des Herzogtums entwickelt hat. In Königsberg trat das Generalkapitel des Ordens zusammen. Hier versammelten sich die Stände, und schließlich residierte hier auch das Kapitel des Bistums Samland. Lediglich in kultureller Hinsicht fällt es schwer, Königsberg den Charakter einer überregional bedeutenden Hauptstadt zuzubilligen. Bereits unter Friedrich von Sachsen waren Elemente des Wandels unverkennbar. Unter ihm wurden die bislang geltenden Ordensregeln durch eine neue Hofordnung ersetzt, das Königsberger Schloß nahm den Charakter einer Residenz an, und es kam zur Gründung eines Humanistenkreises bei Hofe. Diese Entwicklung setzte sich unter Albrecht von Ansbach-Brandenburg fort, mit dessen Übertritt auf die Seite der Reformation der erste lutherische Staat in Europa entstand. In seinem Umkreis tauchten verstärkt weltliche Berater auf, und in den 40er Jahren des 16. Jahrhunderts wurde Königsberg Universitätsstadt.

In seinem weit über den Rahmen des angekündigten "Kurzreferates" hinausgehenden Beitrag "Überlegungen zu Zentren der Judenschaft in Polen" konnte Jakob Goldberg (Jerusalem) zeigen, daß man bei der Betrachtung der "ostmitteleuropäischen Metropolen" aus der Perspektive der jüdischen Bevölkerung ganz besondere Maßstäbe anlegen sollte. Er gab zunächst zu bedenken, daß es in dem multikulturell geprägten Polen neben den Juden zahlreiche andere ethnische Minderheiten gab; etwa war Lemberg für seine armenischen Bewohner bekannt. Die Tatsache, daß einerseits die jüdischen Bewohner im 17. Jahrhundert bis zu 50 % der städtischen Bevölkerung insgesamt ausmachten, in Folge der Vertreibungen aus Westeuropa aber andererseits etwa 80 % aller Juden überhaupt in Polen und Litauen lebten, zeigt zum einen, wie wichtig dieser Raum für das Judentum insgesamt gewesen ist, macht aber zum anderen auch deutlich, wie stark die Impulse gewesen sein mögen, die von den Juden in den Städten dieser Region auf das gesamte Judentum ausgingen. Der Vortragende konnte zeigen, daß etwa der Begriff des "Hinterlandes" für die in erster Linie auf ihre Gemeindestruktur konzentrierten jüdischen Gruppen eine völlig andere Bedeutung hatte als für die anderen ethnischen Gruppen. So waren etwa die Talmud-Hochschulen von universellerer Bedeutung für das gesamte Judentum als manch bekannte westeuropäische Hochschule für die abendländische Kulturentwicklung. Die hier geübte Auslegung des Talmud fand Anerkennung in der ganzen Welt, hierhin wandte man sich im Zweifel um Rat, und aus diesen Zentren bezog man Literatur und Druckerzeugnisse (besonders bedeutend waren die jüdischen Druckereien in Krakau). Die verkehrstechnische Anbindung scheint dagegen für die jüdischen Bevölkerungsgruppen nicht so entscheidend gewesen zu sein wie etwa die Vergabe großzügiger Privilegien oder die Androhung von Repressalien und Vertreibung. Im Falle von Lublin bietet es sich geradezu an, von einer "jüdischen Metropole" zu sprechen. Hier versammelte sich der jüdische Sjem für Polen, hier saß das zentrale Gericht. Daß die übrige Bevölkerung die Juden immer wieder als Konkurrenz in Handel und Handwerk ansah, mag der Hauptgrund für deren sukzessive Vertreibung zunächst aus Krakau, dann weiter nach Osten und schließlich nach Lemberg und Brest-Litowsk gewesen sein. In diesem Zusammenhang sprach Goldberg geradezu von einem Prozeß der "Demetropolisierung".

Ein Block von drei Referaten widmete sich der böhmischen Metropole Prag. Dabei ergänzten sich die Beiträge von Frantisek Smahel (Prag), der mit den Entwicklungen im 15. Jahrhundert begann, Jiri Pesek (Prag), der sich der kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung der Stadt im Verlauf des 16. Jahrhunderts widmete, und Zdenek Hojda (Prag), der sich schwerpunktmäßig mit dem Ausbau Prags zu einer Metropole von europäischem Rang unter Rudolph II. beschäftigte.

Zunächst zeigte Frantisek Smahel (Prag) in seinem Vortrag "Prag unter Georg Podiebrad (bis 1500)", wie negativ sich die unmittelbaren, aber auch die mittelbaren Folgen der Hussitenkriege auf Böhmen und sein Zentrum Prag auswirkten. Güterkonfiskationen zur Kriegsfinanzierung, vor allem aber die Verlagerung des Ost-West-Handels nach Norden über Sachsen und die Lausitz nach Polen ließen Prag doch zeitweise ins Abseits rücken. Auch die unter Karl IV. gegründete Universität hatte unter den bisweilen militant ausufernden konfessionellen Auseinandersetzungen sehr zu leiden und verzeichnete stark rückläufige Studentenzahlen. Hatte Prag bereits in den 30er Jahren des 15. Jahrhunderts eine erste öffentliche Bibliothek erhalten und sich in der Folgezeit an die Spitze der böhmischen Reformbemühungen gesetzt, so kam es doch im Vergleich zur Epoche Karls IV. zur Stagnation der Entwicklung und zu Rückschritten, und der Humanismus unter Georg Podiebrad trug eher die Zeichen eines "Juristenhumanismus". Wirtschaftlich und kunsthandwerklich gesehen war Prag das unbestrittene Zentrum für Böhmen. Die Werkstätten produzierten auf hohem Niveau, jedoch in erster Linie für das Domkapitel und für den regionalen Markt.

Wie sehr die Metropole an der Moldau in die konfessionellen Wirren des 16. Jahrhunderts hineingezogen wurde, machte Jiri Pesek (Prag) in seinem Vortrag "Die kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung Prags zur Metropole im 16. Jahrhundert" deutlich. Als Zentrum des traditionell aufrührerischen Böhmens (Aufstände in Prag 1483 und 1547) bestimmte Prag dessen Entwicklung maßgeblich und wirkte als prima inter pares als Vorbild auf die anderen freien Königsstädte der Region. Der traditionelle Antagonismus zwischen der bis zum 30jährigen Krieg durchweg protestantischen Bürgerschaft mit dem von den Habsburgern investierten Erzbischof und dem Adel führte zu einem Zustand des "kalten politischen Bürgerkrieges" in der Stadt. Und erst im Verlauf dieser Auseinandersetzungen kam es 1513/1517 zur Verschmelzung der vormals eigenständigen Stadtteile rechts und links der Moldau. Eine wichtige Rolle spielte generell die An- und Abwesenheit des königlichen Hofes. So bevorzugten etwa die Jagiellonen das ruhigere Buda, und auch nach dem in der Wahlkapitulation Ferdinands gegebenen Versprechen dauerte es noch knapp 60 Jahre, bis der Hof unter Rudolph II. im Jahre 1583 nach Prag umsiedelte. Damit wurde die Moldaumetropole zur größten Stadt Mitteleuropas und zu einem Zentrum, das auch den Vergleich mit westeuropäischen Metropolen nicht zu scheuen brauchte (vgl. etwa Referat von Thomas DaCosta Kaufmann). Doch war die Stadt, die im 16. Jahrhundert 16 Lateinschulen beherbergte, schon mehr als hundert Jahre zuvor ein Zentrum der Publizistik und der Buchproduktion gewesen (zunächst durch ihre Skriptorien, später durch die zahlreichen Druckwerkstätten). Unabhängig von der An- bzw. Abwesenheit des Kaiserhofes kam es im 16. Jahrhundert zu einer hohen Blüte auch der bürgerlichen Kultur, wobei der Wettstreit innerhalb der Bürgergemeinde und das Nacheifern adliger Lebensformen eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben mögen. Das bezeugt eine nicht unbedeutende Zahl erhaltener Nachlaßverzeichnisse auf eindrucksvolle Weise. Insgesamt ist für diese Epoche ein intensives Miteinander in hoher kultureller Vielfalt zu verzeichnen, wobei in der anschließenden Diskussion deutlich wurde, wie problematisch es gerade im Falle Prags ist, die Zeit vom Ausgang des 15. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts in einer übergreifenden Epoche zusammenzufassen.

Mit dem grundlegenden Wandel der Stadt unter Rudolph II. ab 1583 beschäftigte sich Zdenek Hojda (Prag) in seinem Vortrag "Prag um 1600 als multikulturelle Stadt: Hof - Adel - Bürgertum - Kirche". Der Herrscher selbst, der kaiserliche Hof und die wachsende Verwaltung sowie die der Repräsentation nach außen dienenden Einrichtungen wie etwa die "Wunderkammer" wollten entsprechend untergebracht sein. Doch hatte schon der Stadtbrand von 1541 eine umfangreiche Bautätigkeit vor allem des Adels nach sich gezogen und sich in der Errichtung repräsentativer Adelspalais niedergeschlagen. Parellel zu der damit verbundenen Umgestaltung des äußeren Erscheinungsbildes der Stadt kam es auch zu inneren und strukturellen Veränderungen. So waren seit 1556 die Jesuiten in Prag tätig, und im Jahre 1599 wurden katholische Räte eingesetzt. Dieser aktiven Rekatholisierungspolitik stand die protestantische Mehrheit der Bürger mit der Universität und einem ausgeprägten publizistischen Gewerbe entgegen. Was die Einwohner der Stadt angeht, so kann man zunächst einen generellen Bevölkerungsanstieg verzeichnen. Der Zuzug von Neubürgern ließ die Kleinseite auf 250%, die Altstadt auf 200% und die Neustadt auf 170% ihrer vormaligen Größe anwachsen (nach dem Quartierbuch von 1608), und im Durchschnitt erhöhte sich die Geschoßhöhe der Häuser um ein bis zwei Stockwerke. Neben den Neubürgern gab es auch zahlreiche neue Einwohner, die kein Bürgerrecht besaßen. So verdoppelte sich unter Rudolph II. die Zahl der Beamten bei Hofe, und es strömten zahlreiche ausländische Händler und Künstler (etwa aus Italien) in die Stadt. Für den Adel können wir zwei Tendenzen festhalten. Zum einen kam es zu der bereits erwähnten Aristokratisierung bestimmter Wohnlagen durch reiche Adlige, die ihre Palais großartig ausbauten und mit architektonischem Schmuck versahen. Zum anderen bildete sich eine Schicht verarmter Adliger aus, die vom Geld des Hofes abhängig war und die der Vortragende treffend als "adliges Proletariat" bezeichnete. Durch diesen in kürzester Zeit bewirkten dynamischen Aufschwung kam es jedoch auch zu einem Anwachsen der Vorstädte. Wurde die innerstädtische Infrastruktur etwa durch die Pflasterung der Wege und Straßen modernisiert, so wird man sich die sozialen und hygienischen Zustände in den Vorstädten doch sehr primitiv vorzustellen haben. Obwohl die Blüte Prags in die Regierungszeit Rudolphs II. fällt, sind gewisse Elemente des Aufschwungs bereits vor der Verlagerung der Residenz und des Hofes in die Stadt zu verzeichnen, und es ist nicht nur der Kaiserhof, von dem Impulse ausgehen. Auf verschiedenen Ebenen und in produktiver Konkurrenz zueinander bauten und verschönerten Geistlichkeit, Adel und Bürgerschaft die Stadt. In einem weiteren Rahmen betrachtet wird ein sehr dynamischer Prozeß erkennbar, denn bereits unter Maximilian und Ferdinand von Tirol diente die Moldaumetropole als Nebenresidenz. Der Vortragende verstand es, anschaulich darzustellen, wie sich der Schritt von deren traditioneller Reiseherrschaft zur permanenten Herrschaft Rudolphs II. eben in Prag auf Stadt und Gesellschaft auswirkte.

Im Anschluß an die Prag gewidmeten Vorträge behandelte Jaroslav Pánek (Prag) in seinem bemerkenswerten Beitrag "Olmütz als Bischofs- und Landesmetropole an der Schwelle zur Neuzeit" das nur unter Vorbehalt als "Metropole" zu bezeichnende mährische Olmütz. Dabei machte er den (wenig hilfreichen) Vorschlag, in diesem Fall von einer "Metropole eines niedrigeren Typus" zu sprechen. In Mähren ist ein interessanter Dualismus zwischen den zwei Zentren Olmütz und Brünn zu beobachten. Stand ersterem als Bischofs- und Universitätsstadt (seit dem 18. Jahrhundert Sitz eines Erzbischofs) seit jeher ein Ehrenvorrang zu, so lag die Residenz der mährischen Markgrafen in Brünn, das auch verkehrstechnisch weit günstiger gelegen war. Zwar können wir im Falle von Olmütz nicht von einer "Großstadt" reden, doch wirkte die Universität weit ins Umland hinein, und die Stadt war Appellationsinstanz für die nach Magdeburger Recht gegründeten mährischen Städte sowie ab Mitte des 15. Jahrhunderts ein strategisch wichtiger Platz im Kampf gegen die Türken. Im Wettkampf der beiden Städte spielten konfessionelle Gesichtspunkte eine nicht unbedeutende Rolle. Um nicht dem Einfluß des (Erz-)Bischofs und des ebenfalls in Olmütz residierenden Domkapitels ausgesetzt zu sein, wurden Ständeversammlungen seltener in Olmütz (37) als in Brünn (55) abgehalten, das auch generell vom evangelischen Adel bevorzugt wurde. Olmütz kristallisierte sich dagegen mehr und mehr als ein Zentrum des (Reform-)Katholizismus heraus und setzte sich an die Spitze der habsburgischen Rekatholisierungsbestrebungen (1566 Jesuitenkolleg; 1573 Universität). Daneben traten Tendenzen, mit Hilfe antiker Ursprungslegenden (etwa Gründung durch Julius Caesar) den Anspruch auf die Vorrangstellung gegenüber Brünn zu bekräftigen. Im Verlauf dieser Entwicklung kam es mehr und mehr zu einer Trennung zwischen dem weltlichen Zentrum Brünn und dem geistlichen Zentrum Olmütz, das im Gegensatz zu Brünn im Dreißigjährigen Krieg schwer unter der schwedischen Besatzung zu leiden hatte. In der Diskussion wurde noch einmal unterstrichen, daß die Rolle von Olmütz in der heutigen Forschung meist unterschätzt wird. Dabei wirkte die Stadt über ihre Funktion als Bischofssitz kulturell bis nach Oberschlesien hinein. Generell war die Kulturpolitik der Olmützer Bischöfe nicht so sehr mährische "Landes-" als vielmehr "Kronpolitik", was dazu führte, daß auch zahlreiche böhmische Adlige am Bischofshof wirkten, ein reger kultureller Austausch mit Böhmen stattfand und es Künstler und Musiker aus Olmütz an den Prager Hof Rudolphs II. zog.

Bei der Betrachtung von "Breslaus Zentralität im ostmitteleuropäischen Raum um 1500" hatte Hugo Weczerka (Marburg) die Jahre zwischen 1420 (Reichstag von König Sigismund in der Stadt) und 1620 (Huldigung der schlesischen Stände für Friedrich von der Pfalz) ins Auge gefaßt. Mit einer Fläche von 130 ha und 20000 Einwohnern zählte Breslau um 1450 zu den größten Zentren Mitteleuropas. Vergleichbare Städte im Umkreis von 250 km waren Prag, Krakau und Posen, im Umkreis von 500 km Nürnberg, Leipzig, Danzig, Lemberg und Wien. In dem von ihm ausgewählten Zeitraum behandelte der Referent Kontinuität und Wandel auf den Gebieten Politik und Verfassung, Handel und Gewerbe, Bildung und Konfession sowie Selbsteinschätzung und Außenbetrachtung. Auch wenn Breslau geistliches Zentrum der Diözese Schlesien war und eine wachsende Unabhängigkeit von Gnesen gewann, bildete das Bürgertum die bestimmende Kraft in der Stadt. Der Bischof selbst residierte meist in Neisse. Rat und Kaufmannschaft waren die eigentlichen Herren der Stadt, die bis ins 18. Jahrhundert als Oberhof für Magdeburger (Magdeburg-Breslauer) Recht wirkte. Das wurde durch die Erwerbung zahlreicher Privilegien deutlich und nach außen hin unter anderem dadurch unterstrichen, daß der König bei Anwesenheit in der Stadt nicht mehr in der Burg, sondern in den Häusern reicher Bürger wohnte und daß die Huldigung an ihn unter freiem Himmel und direkt neben dem Rathaus stattfand. Als Handelszentrum lag die Hansestadt Breslau am Schnittpunkt verschiedener Fernhandelsstraßen. Da war zum einen die "Hohe Straße", die von Leipzig und Görlitz über Breslau und weiter nach Lemberg führte, und zum anderen der Hansehandel, der die Stadt über Thorn mit der Ostsee verband. Durch den Fall Konstantinopels 1453 wurde der Handel über Warschau und Wilnius nach Nordosten und Osten in Richtung Nowgorod und später Moskau belebt (bis zum Fall von Kaffa 1475). Durch diesen Handel blühte die heimische Handwerksproduktion, und die "Breslauer Statuten" erlangten als Handelsrecht eine beachtliche Fernwirkung. Die Reformation hielt früh Einzug in Breslau, und schon 1522 wurden Schul- und Kirchenordnung erlassen. Die humanistischen Schulen der Stadt erlangten im folgenden eine nicht zu unterschätzende überregionale Bedeutung. Was nun die bildliche Darstellung der Stadt angeht, so besitzen wir in der Schedelschen Weltchronik von 1493 eine erste, im Gegensatz zu anderen Stadtdarstellungen realistische Wiedergabe Breslaus. Daneben existiert die Descriptio Bratislaviae, eine Beschreibung der Metropole Breslau aus dem Jahre 1512. Auffallend im Stadtbild wirkte im weiteren vor allem das Rathaus (1471-1504), und im Jahre 1480 machte man sich gar daran, den Wiener Stephansdom zu übertreffen. Bei einer Vermessung der Stadt im Jahre 1561 stellte man dann von seiten der Breslauer fest, daß die eigene Stadt die Donaumetropole an Größe übertroffen habe.

Daß man Wien im Kanon der Metropolen Ostmitteleuropas keinesfalls vergessen darf, darauf machte Karl Vocelka (Wien) in seinem Referat "'Du bist die port und zir alzeit, befestigung der christenheit' - Wien zwischen Grenzfestung und Residenzstadt im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit" mit Nachdruck aufmerksam. In der Stadt, die 1485 von Matthias Corvinus erobert und als Zentrum für den von ihm erstrebten mitteleuropäischen Herrschaftbereich ins Auge gefaßt worden war, machte sich seit der Schlacht von Mohács in Jahre 1526 eine wachsende Türkenangst bemerkbar. Als es dann im Jahre 1529 gelang, die bis vor die Tore der Stadt vorgerückten Osmanenheere zurückzuwerfen, erlangte Wien seinen Ruf als "Hauptbollwerk der Christenheit gegen die Türkengefahr", der das Image der Stadt als "Grenzfestung" weit über die reale Belagerungsphase hinaus prägte und sich bis ans Ende des 16. Jahrhunderts hielt, als Wien seine Residenzfunktion zunächst mit Prag teilen und später an letzteres abtreten mußte (Verlegung des Hofes 1583). Hatte die Wiener Universität unter Friedrich III. und insbesondere unter Maximilian I. eine wahre Blüte erlebt und mit Enea Silvio Piccolomini, Regiomontanus, Johannes von Gmünden und Konrad Celtis (dieser kam 1497 aus Ingolstadt nach Wien) einige der großen Kapazitäten der Zeit in ihren Bann gezogen, so ebbte der Zustrom der Studenten nach 1520 doch merklich ab. Kann man für das 15. Jahrhundert unter der weitblickenden Führung von Matthias Corvinus eine regelrechte Blüte der Artistenfakultät verzeichnen, so diente die Universität im 16. Jahrhundert meist als Stätte der Ausbildung für die "Funktionseliten" bei Hofe. Trotz des relativen Niederganges durch die Wirren der Reformation und die Türkengefahr war Wien eine anerkannt gute Universität für Mediziner und Naturkundler. Die eigentliche Gelehrsamkeit fand man dagegen bei Hofe und nicht an der Universität.

In seinem Vortrag "Der königliche Hof als Integrationszentrum Ungarns von der Mitte des 15. bis zum ersten Drittel des 16. Jahrhunderts und sein Einfluß auf die städtische Entwicklung Budas" beleuchtete András Kubinyi (Budapest) die komplizierte Entwicklung der ungarischen Städte im 15. und 16. Jahrhundert. Generell war das Städtewesen in Ungarn nicht so stark ausgeprägt wie in anderen Regionen, und man kann davon ausgehen, daß ingesamt ca. 100000 Einwohner in städtischen Siedlungen lebten. Davon entfielen etwa 25000 auf die hauptstädtische Agglomeration (die heutige Hauptstadt Budapest ist Ergebnis der Vereinigung von Buda/Ofen und Pest, die bis 1873 eigenständige Städte waren). Obwohl Visegrád für lange Zeit (vor allem im 15. Jahrhundert) Residenz und Königssitz mit Königshof, Kanzlei und Gericht war, galt Buda/Ofen weiterhin als die eigentliche Hauptstadt Ungarns (unter Karl I. wird sie im Jahre 1308 als "civitas principalis" erwähnt). In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts bestand die Bürgerschaft dieser Stadt - im Gegensatz zu Pest mit ungarischer Oberschicht - vornehmlich aus Deutschen. Obgleich die Gesellschaft multikulturell war, gab es kaum gemischte Ehen, und erst langsam entwickelte sich auch eine ungarische Oberschicht. Für die von dem Vortragenden skizzierte ungarische Entwicklung sind einige charakteristische Besonderheiten herauszustellen. Buda erfreute sich dank der Kaufkraft der Magnaten, der reichen Bürgerschaft und des Königshofes einer hohen Prosperität. In der Stadt waren venezianische und florentinische Kaufleute präsent, und man genoß steuerliche Vergünstigungen, wie z.B. die Befreiung von Steuern auf Haus- und Grundbesitz. Die Blüte Budas überdauerte auch die Verlegung des Königshofes nach Visegrád. Eben dadurch erwies sich die Stadt als wahre Metropole des Landes und zeigte bis 1541 eine ständig positive Entwicklung. Wie in anderen europäischen Regionen (etwa in Böhmen, Polen, im Reich, aber auch in Frankreich in der Ile-de-France) zeigt sich in Ungarn eine Entwicklung nach einem poli- bzw. multizentrischen Modell. Die Hauptstadt (Buda), Residenz und Königshof (Visegrád), Grablege und Krönungsort sowie der geistliche Mittelpunkt des Landes (Gran) und die Universität (gegr. 1467 in Preßburg) waren auf verschiedene Orte verteilt.

Mit der besonderen Rolle der ungarischen Universitätsstadt Preßburg vor und nach der für das Land so schicksalhaften Schlacht von Mohács im Jahre 1526 beschäftigte sich Ernö Deák (Wien) in seinem Vortrag "Preßburgs politische Zentralfunktionen im 15./16. Jahrhundert". Preßburg erhielt unter König Sigismund 1403 das Stapelrecht und 1436 Wappen und Siegel sowie 1459 durch Matthias Corvinus das Recht, mit rotem Wachs zu siegeln. Er war es auch, der im Jahre 1467 die Gründung der Universität bewirkte, die dann jedoch die Wirren nach dem Tod des Herrschers 1490 nicht überstand. Nach der Niederlage gegen die Osmanen bei Mohács 1526 und dem Schlachtentod des jungen Königs Ludwig flüchtete die Königin zunächst nach Preßburg, das ihr bereitwillig die Tore öffnete. Im folgenden erlangte die Stadt, die nach dem Fall Budas für über zwei Jahrhunderte zur Hauptstadt "Rumpfungarns" wurde, alle wichtigen Funktionen der Donaumetropole. Das führte zunächst zu erheblichen Problemen etwa bei der Versorgung und der Beherbergung des königlichen Hofes. Da sich insbesondere das königliche Schloß, das unter Sigismund nach dem Hussitensturm wieder aufgebaut worden war, in keinem guten Zustand befand, mußte man sich zunächst oft mit Provisorien behelfen. Als besonders interessant erwiesen sich im Zusammenhang mit der Hofhaltung die Angaben, die der Vortragende zu den Festlichkeiten anläßlich von Krönungen und Landtagen machte. Zu diesen Gelegenheiten war die gesamte Stadtgemeinde gefordert und wurde in die Ausgestaltung von zeremoniellen Einzügen oder Festmählern einbezogen. Daß die dabei aufgebotenen Leistungen und Dienste auch entsprechend honoriert wurden und der Bedarf des Hofes den Handel belebte, brachte der Stadt einen nicht unbedeutenden Wohlstand ein. Insgesamt konnte Ernö Deák zeigen, wie sich die "Notlösung Preßburg" im 17. Jahrhundert zu einem Ort von hoher Zentralität entwickelte, der im 18. und 19. Jahrhundert eine wahrhafte Blüte erleben sollte.
 

Hatte Evamaria Engel den Rahmen vorgezeichnet, den es durch die Beiträge des Kolloquiums mit Leben zu erfüllen galt, so war es an Winfried Eberhard, Bilanz zu ziehen und die Ergebnisse der Vorträge zusammenzutragen. Er nutzte diese Gelegenheit dazu, noch einmal konzeptionelle Gedanken vorzutragen, die in eine übergreifende Synthese einmündeten und einige mögliche Wege für zukünftige Forschungen auf dem Feld der ostmitteleuropäischen Metropolen andeuteten. Die für das Kolloquium gewählte Epoche von 1400 bis 1600 hatte sich als sehr gutes Beobachtungsfeld bewiesen. Kontinuität und Wandel, verharrende und vorwärtsdrängende Kräfte, Stabilität und Verfall, divergierende und integrierende Kräfte konnten klar voneinander abgegrenzt und dargestellt werden. Wie spezifisch und individuell die einzelnen während des Kolloquiums behandelten Räume in bezug auf diese Kräfte zu bewerten sind, hatten die Vortragenden in ihren Referaten deutlich gezeigt. Um die chronologischen Entwicklungen innerhalb der verschiedenen Landschaften und Städtenetze besser verstehen zu können, regte Eberhard für die Zukunft eine Darstellung in karthographischer Form an. Wünschenswert sei ein Ansatz, bei dem Zäsuren jeweils 1400, 1500 und 1600 gesetzt würden. Weiterhin müsse man sich darum bemühen, die Fragen nach dem Mit- und Gegeneinander verschiedener ethnischer Bevölkerungsgruppen und Konfessionen, nach Bedeutung und Entwicklung von Rechts- und insbesondere Verwaltungsstrukturen, nach den Auswirkungen von Herrscher- und Dynastienwechseln sowie nach dem Transfer von Ideen und den Wegen der kulturellen, wirtschaftlichen und geistigen Strömungen weiter zu vertiefen. Diese Phänomene gelte es auf verschiedenen Ebenen zu untersuchen, wobei am Ende ein besseres Verständnis des Zusammenwirkens von Metropolen, Städten, Städtenetzen und Residenzen mit ihrem jeweiligen Umfeld aber auch untereinander stehen sollte. Dabei sei dann auch genau auf quantitative, aber auch auf qualitative Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen und ihren Zentren einzugehen.

Insgesamt können sich alle Teilnehmer des Kolloquiums bei den Veranstaltern für eine rundum gelungene und hochinteressante Tagung bedanken. Das gilt ohne Abstriche für die Wahl des Gegenstandes und für die zeitliche Eingrenzung, aber auch für die Art, in der Referate kombiniert, Diskussionen geleitet und Synthesen gestiftet wurden. Darüber hinaus waren es auch die Teilnehmer, die die gebotenen Vorträge durch ihre Diskussionsbeiträge bereicherten und sich zu einem äußerst lebhaften Gedankenaustausch anregen ließen. Dies wurde nicht zuletzt durch die angenehme Atmosphäre ermöglicht, die während der drei arbeits- und ertragreichen Tage in Berlin herrschte.

Detlev Kraack, Kiel

 

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Die Hochzeit im Ostseeraum seit dem 13. Jahrhundert
Kiel, 3.-4. Oktober 1994

Am 3. und 4. Oktober 1994 fand unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Riis, dem neuen Ordinarius für Landesgeschichte an der Christiana Albertina zu Kiel, ein interdisziplinäres Kolloquium mit dem Titel "Die Hochzeit im Ostseeraum seit dem 13. Jahrhundert" statt. In insgesamt 12 Referaten behandelten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus nahezu allen Ländern rund um das "Mare Balticum" das gestellte Thema in drei großen Abschnitten. Zunächst ging es um die soziale, rechtliche und politische Bedeutung der Hochzeit, in einem zweiten Block um die Hochzeit als kulturhistorisches Phänomen und in einer weiteren Gruppe von Beiträgen mit kulturanthropologischer Ausrichtung um die Hochzeit im finnisch-baltischen Raum. Dabei gelang es, die Hochzeit als Phänomen durch die verschiedenen Kulturstufen von den Jäger- und Fischergesellschaften Ostfinnlands über die verschiedenen Formen agrarischer Gesellschaften bis zur bürgerlichen Hochzeit der Hansestädte und zur fürstlichen Hochzeit am dänischen Königshof zu verfolgen und in den einzelnen Beiträgen nahezu den gesamten Ostseeraum flächendeckend zu erfassen.

Daß das Thema der Tagung auch für die Residenzenforschung von größtem Interesse ist, braucht hier nicht extra betont zu werden. Wenn es um das Hochzeitszeremoniell, um die rechtlichen und kirchenrechtlichen Aspekte der Hochzeit und vor allem der fürstlich-dynastischen Hochzeit, wenn es um die verschiedenen Formen ehelicher und nichtehelicher Bindungen etwa Christians IV. geht (z.B. seine "Ehe zur linken Hand" mit Christine Munk oder seine zahlreichen Mätressen), um die Abfindung und Versorgung von unehelichen oder nicht standesgemäßen Nachkommen aus diesen Verbindungen, darf die Residenzenforschung nicht weghören, denn dies sind auch für sie zentrale Themen.

Ein weiterer Aspekt, der dem Kolloquium sehr positive Impulse gab, war die Einbindung von Volkskundlern, Musikwissenschaftlern und Anthropologen, die sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Instrumentarien auch an die Beantwortung von Fragen machen können, vor denen der Historiker kapitulieren muß. So war es äußerst interessant, gerade in den "archaischen" Hochzeitsbräuchen und -zeremonien immer wieder Motive zu entdecken, die sich durch die verschiedenen Kulturstufen und Epochen bis zur Hochzeit an den Höfen der europäischen Fürsten verfolgen lassen. Das gilt nicht nur für die verschiedenen Formen der Hochzeitsmusik und für die Umsetzung des Themas "Hochzeit" in der Musik und auf der Bühne, sondern auch für das den Hochzeitsritus selbst und dessen zeremoniellen Aspekte wie z.B. das

öffentliche Beilager oder die verschiedenen Stufen des Überganges der Braut aus dem elterlichen Familienverband in den ihres Bräutigams. Insofern boten die Beiträge der Kieler Tagung eine durchaus interessante interdisziplinäre Ergänzung zu dem Potsdamer Kolloquium der Residenzenkommission über "Zeremoniell und Raum".

Im einzelnen wurden auf dem Kolloquium, das mit einem festlichen, von einigen Teilnehmern des Kolloquiums mit musikalischen Einlagen aufgelockerten Abendessen im "Kieler Kaufmann" gekrönt wurde und das mit einem gemütlichen Beisammensein bei Bier und Spanferkel in der "Kieler Klosterbrauerei" ausklang, in drei Blöcken folgende Vorträge gehalten:

 
I. die soziale, rechtliche und politische Bedeutung der Hochzeit

Prof. Dr. Klaus Friedland (Kiel), Die bürgerliche Ehe als Strukturelement der Stadtgesellschaft.

Prof. Dr. Thomas Riis (Kiel), Die Hochzeit in Dänemark und ihre gesellschaftlichen und politischen Aspekte.

Prof. Dr. H. Langer (Greifswald), Ehe und Hochzeit in pommerschen Städten im Spiegel von Justizakten des 16. und 17. Jahrhunderts.

 

II. die kulturhistorischen Aspekte der Hochzeit.

Cathrin Alisch, M.A. (Hamburg), Die Zeichenstruktur des sorbischen Hochzeitsbrauchtums.

Prof. Dr. Hubertus Menke (Kiel), Gelegenheit schafft Dichtung. Überlegungen zu den niederdeutschen Hochzeitscarmina.

Dr. L. Baskauskas (Vilnius/Santa Monica), Process of Ethnicity within the structure of the Lithuanian wedding.

Prof. Dr. H. Schwab (Kiel), Von Hochzeitsfeiern auf der Singspielbühne.

H. Repetzky (Kiel), Die Hochzeitsbräuche in Schweden anhand der ikonographischen Überlieferung.

Dr. J. Drees (Schleswig), Hochzeitliche Bildmotive der Frühen Neuzeit.

 

III. Die Hochzeit im finnisch-baltischen Raum

PD Dr. O. Tuomi-Nikula (Kiel), Die finnische Hochzeit als Soziodram.

Prof. Dr. A. Nenola (Turku), "Weep, weep. young maiden" - Or why did the bride lament at the Ingrian wedding?

V. Stikane, M.A. (Riga), Die Hochzeit in der Bauerngesellschaft Lettlands vom 13.-16. Jahrhundert.

Der Beitrag von Herrn Dozenten Dr. G. Andersson (Lund) zum Thema "Der Stadtmusikant als Hochzeitsmusicus" wurde von Herrn Joachim Kremer (Kiel) anhand der von Herrn Andersson übersandten Materialien ("ausgewählte Dokumente") kurz resümiert. Der angekündigte Vortrag von Frau Prof. Dr. Maria Bogucka (Warschau) zum Thema "Marriage in the city of Gdansk in the Early Modern Times" konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht gehalten werden, wird aber ebenso wie der Beitrag von Herrn Andersson in den Sammelband der Tagung aufgenommen werden.

Detlev Kraack, Kiel

 

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Burg - Burgstadt - Stadt. Zur Genese mittelalterlicher nichtagrarer Zentren
(Berlin, 23.-25. November 1993)
Hauptstadt: Historische Perspektiven eines deutschen Themas
(München, 10.-12. Januar 1994)

Zu den beiden Kolloquien "Burg - Burgstadt - Stadt. Zur Genese mittelalterlicher nichtagrarer Zentren" (Berlin, 23.-25. November 1993) und "Hauptstadt: Historische Perspektiven eines deutschen Themas" (München, 10.-12. Januar 1994) sind Kolloquiumsberichte von Hansjürgen Brachmann bzw. Katharina Weigand als Nr. 12 (16.3. 1994) und Nr. 13 (18.3. 1994) der Informationen der Arbeitsgemeinschaft außeruniversitärer historischer Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland e.V. erschienen. Sie sind über die Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft, Nußbaumstr. 8, München (Tel. 089/598197) zu beziehen.

 

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Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen
Dumbarton Oaks, 22.-24. Januar 1994
Dumbarton Oaks Byzantine Center
Annual Byzantine Symposium:
Byzantine Court Culture from 829 to 1204

Weitere Informationen über: Dumbarton Oaks, Byzantine Center, 1703 32nd St., NW, Washington, DC, 20007 USA.

 

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Eichstätt, März 1994
Kath. Universität Eichstätt / Universität Augsburg /
Schwabenakademie Irsee
Tagung: Bilder des Reiches

 
Programm:

F. Matsche (Bamberg), Kaisersäle als politische Manifestationen und ihre Programme.

Roydt (Prag), Der Kaisersaal von Schloß Butschowitz.

Preis (Prag), Der Kaisersaal in Schloß Troja.

U. Lindgren (Bayreuth), Die Grenzen des Reiches (aus Kartenmaterial).

B. Roeck (Bonn), Reichsstädtische Rathäuser und ihre Bildungsprogramme.

R. Koch (Frankfurt), Königswahl und Kaisererhebung in Frankfurt in der Druckgraphik des 18. Jahrhunderts.

N. Hammerstein (Frankfurt), Der Reichstitel als "politisches Programm".

R. Kießling (Eichstätt), Schwäbisches Judentum und seine Stellung zum Reich.

W. Wüst (Augsburg), Die Reichsidee in der Ikonographie der Suevia Sacra.

R. A. Müller (Eichstätt), Metaphern des Reiches.

R. Aulinger (Wien), Ikonographie des Reichstages.

Kohler (Wien), Kaiserikonographie und Reichsemblematik.

J. Burckhardt (Augsburg), Reichskriege und Flugblattliteratur.

W. Hess (München), Ikonographie des Reiches auf Münzen der FNZ.

W. Liebhart (Augsburg), Kloster Irsee und das Reich.

J. Berenger (Paris), Das Heilige Römische Reich in der Sicht Bodins.

R. Dufraisse (Caen), Das Reich in der Sicht der französischen "Encyclopädisten".

 

Weitere Informationen über: Prof. Dr. Rainer A. Müller, Longinusstr. 7, D-81247 München.
 
 

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Wien, Mai bis Oktober 1994
Österreichische Nationalbibliothek, Prunksaal
Ausstellung: Matthias Corvinus und die Bildung der Renaissance
 
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Tours, 1.-4. Juni 1994
Centre d'Etudes Supérieures de la Renaissance
XXIIe colloque d'histoire de l'architecture:
Les débuts de la Renaissance dans l'Architecture Européenne
 
Programm:

Mittwoch, d. 1. Juni

Christoph-Luitpold Frommel (Rom, Hertziana), Gotico e Antico a Roma alla metà del Quattrocento.

Manuela Morresi (Venedig), Primo Rinascimento e tradizione romanica di organismi a quincunx nell'Italia centrale.

Debrorath Howard (Cambridge), Venise et la Dalmatie: San Michele in Isola.

Matteo Ceriana (Milano), La decorazione architettonica a Venezia nella seconda metà del Quattrocento.

Donnerstag, d. 2. Juni

Howard Burns (Ferrara), Beginnings of the architecture of the Renaissance in Vicenza.

Luisa Giordano (Pavia), La ricezione del Rinascimento in una provincia gotica: la Lombardia.

Péter Fabraky (Budapest), Tardo gotico e primo Rinascimento nell'architettura ungherese alla fine del Quattrocento.

Vicente Lleo Canal (Sevilla), El impacto de los mármoles italianos en la Sevilla del Quinientos.

Joaquín Berchez (Valencia), Capiteles y ornamento en el mundo valenciano.

Fernando Marias (Madrid), El ornato en el ámbito del arzobospado de Toledo.

Alfonso de Ceballos/Felipe Pereda (Madrid), Desarrollo y evolución del grutesco y el capitel en Salamanca.

 
Freitag, d. 3. Juni

Volker Hoffmann (Bern), Le modèle du palais de Giuliano da Sangallo offert à Charles VIII a-t-il influencé l'architecture française?

Jean Guillaume (Paris/Tours), Naissance d'un style: le temps des expériences.

Claude Mignot (Tours), La travée française à l'épreuve des ordres.

Evelyne Thomas (Tours), Le rinceau en France.

Marie-Geneviève Bresc (Paris, Louvre), Structure et décor des retables au début de la Renaissance dans l'ouest de la France.

Krista de Jonge (Löwen), Le premier langage de la Renaissance dans les Pays-Bas méridionaux.

Maurice Howard (U. of Sussex), The first Renaissance in England? Terracotta in the early sixteenth century.
 

Samstag, d. 4. Juni

Uwe Albrecht (Kiel), Les débuts de la Renaissance au Nord de l'Allemagne et au Danemark.

Dimitry Chuidkovsky (Moskau), La réception des formes italiennes en Russie.

Hubertus Günther (Zürich), "Melior excepta fide ille status moderno". Pensieri sugli inizii del Rinascimento nell'Europa.

 
 

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Vincennes, 8.-10. Juni 1994
Centre Cuturel Georges Pompidou, 142, Rue de Fontenay
Commission Interministérielle du Château de Vincennes /
Equipe de Recherche sur le Château de Vincennes et
la Banlieue Est
Les Capétiens et Vincennes au Moyen Age
 

Programm:

Mittwoch, d. 8. Juni 1994

I. Le manoir et le château de Vincennes et leur environnement

Josiane Barbier-Morelle (Conservateur aux Archives nationales), Le palais de Nogent-sur-Marne et les résidences royales mérovingiennes de l'Est parisien.

Jean-Pascal Foucher (Elève de l'Ecole nationale des chartes), Le Bois de Vincennes du XIe au XVe siècle.

Jean Chapelot (Directeur de recherche au C.N.R.S.), La résidence royale de Vincennes du XIIe au XVe siècle: le manoir, le château et les manoirs de périphérie.
 

Donnerstag, d. 9. Juni

II. Les souverains à Vincennes, du XIIe au milieu du XIVe siècle

Olivier Guyotjeannin (Professeur à l'Ecole nationale des chartes), Les résidences des cinq premiers Capétiens en Ile-de-France (d'Hugues Capet à Louis VI).

Dom Jean Becquet, O.S.B. (Abbaye de Ligugé), Les Grandmontains de Vincennes: signification d'une fondation.

Xavier de la Selle (Directeur des Archives départementales de l'Aube), L'aumonerie royale aux XIIIe-XIVe siècles.

Elisabeth Lalou (Ingénieur de recherche à l'Institut de recherche et d'histoire des textes, C.N.R.S.), Le fonctionnement de l'Hôtel royal (milieu XIIIe-milieu XIVe siècle).

Jean Richard (Membre de l'Institut, Prof. émérite à l'Université de Dijon), Les itinéraires de saint Louis en Ile-de-France.

Claudine Billot (Directeur de recherche au C.N.R.S.), Les Saintes Chapelles de saint Louis: conditions et significations de ces fondations.

Elisabeth Lalou (Ingénieur de recherche à l'Institut de recherche et d'histoire des textes, C.N.R.S.), Vincennes dans les itinéraires de Philippe le Bel et de ses trois fils.

Guy-Michel Leproux (Chargé de recherche au C.N.R.S.), Les écuries royales de Conflans à Charenton.

Robert-Henri Bautier (Membre de l'Institut, Prof. honoraire à l'Ecole nationale des chartes), La chancellerie et le gouvernement royal, de Philippe le Bel à Philippe VI, et la signification de Vincennes pour les Capétiens.
 

Freitag, d. 10. Juni 1994

III. La signification du Vincennes de Jean II et Charles V

Jean Guérout (Conservateur en chef honoraire aux Archives nationales), Le palais de la Cité sous Jean II et Charles V.

Mary Whiteley, La distribution de l'espace dans les résidences princières de la fin du XIVe et du début du XVe siècle.

Philippe Contamine (Membre de l'Institut, Prof. à l'Université de Paris IV), Vincennes dans les itinéraires de Charles VII.

Jean Favier (Membre de l'Institut, Président de la Bibliothèque Nationale de France), Conjoncture politique et chantiers de construction dans le Paris de Jean II et Charles V.

Philippe Henwood (Conservateur des archives historiques de la marine à Brest), L'administration de l'orfévrerie royale sous Charles V et Charles VI.

François Avril (Conservateur général à la Bibliothèque Nationale de France), Le bibliothèque de Charles V à Vincennes.

Françoise Autrand (Prof. à l'Ecole normale supérieure), Administration centrale, familiers, proches et collaborateurs du roi à l'époche de Charles V.

Jean Chapelot (Directeur de recherche au C.N.R.S.), Le Vincennes de Jean II et Charles V: logis du roi, logement des proches, hébergement de l'Hôtel.

Bernard Guénée (Membre de l'Institut, Prof. à l'Université de Paris IV), Conclusion: Vincennes et la mise en place de l'État moderne au XIVe siècle.

Weitere Informationen über: Equipe de recherche sur le château de Vincennes et la banlieu est, bâtiment X, Avenue de Paris, 94300 Vincennes, Tel. 43 65 12 51; oder Service culturel, mairie de Vincennes, 53 bis, Rue de Fontenay, 94300 Vincennes, Tel. 43 74 12 35.

 

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Krems, 4.-10. September 1994
Tagung: Die Vielfalt der Dinge.
Neue Wege zur Analyse mittelalterlicher Sachkultur
 

Aus dem Programm:

Sektion II, Öffentlicher und privater Raum

David Austin (Lampeter), Public and Private Space in the Middle Ages: The Contribution of Medieval Archaeology.

Hans-Georg Lippert (Köln), Das Haus als öffentlicher und privater Raum.

Peter Jezler (Zürich), Mittelalterliche "Kunst" und der öffentliche und private Raum.
 

Sektion III, Soziale Struktur

József Laszlovszjy (Budapest), Archaeological Research into the Social Structure of the Late Middle Ages.

Christopher Dyer (Birmingham), Social Aspects of the Late Medieval Standards of Living.

Göran Dahlbäck (Stockholm), Sozialgeschichtliche Aspekte der materiellen Kultur (des spätmittelalterlichen Ostseeraums).

 

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London, 6.-8. September 1994,
Institute of Historical Research, Senate House, London WC1E 7HU.
The Stuart Courts
in the reigns of James I,
Charles I, Charles II and James II
 

Veranstalter: Université des Versailles-Saint-Quentin und Institute of Historical Research, London.

Aus der Liste der Themen:

- The composition and organisation of the Court and Household;

- The Court's patronage and its influence on national life;

- Etiquette and ceremonial;

- The royal palaces;

- Patronage and arts including painting, music and images of the Court both laudatory and hostile;

- The royal parks and stables.

Aus der Liste der Teilnehmer: John Adamson; Gerald Aylmer; T. C. Barnard; Edward Chaney; Edward Corp; Stephen Gleissner; Lynn Hulse; Susan Jenkins; Bruce Lenman; Arthur MacGregor; Murray Pittock; David Starkey; Simon Thurley; Andrew Walking; Sonya Wynne.

Weitere Informationen bei: Eveline Cruickshanks, University of London, Institute of Historical Research, Senate House, London WC1E 7HU.

 
 

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Löwen, 12.-14. Oktober 1994
Kath. Universität Löwen
Erasmushuis, Blijde-Inkomtstraat 21, B - 3000 Löwen/Leuven
De Familie Granvelle en de Nederlanden /
Les Granvelle et les Anciens Pays-Bas
 

Programm:

M. Van Durme, Les Granvelle: une esquisse biographique.

 
I. De Familie Granvelle, Politiek en Godsdienst in de Nederlanden (16de eeuw) / Les Granville et les affaires politiques et religieuses aux Pays-Bas (XVIe siècle)

M.J. Rodriguez-Salgado (London School of Economics and Political Sciences), Philip II and Cardinal Granvelle during the 1550s and 1560s.

R. Tamalio (Mantua), Il carteggio politico dell'Archivio Gonzaga di Mantova tra i cardinali Ercole Gonzaga e Antoine de Granvelle (1544-1563).

G. Janssens (Archief van het Koninklijk Paleis), Kardinal Granvelle en de opstand in de Nederlanden (1566-1585).

F. Postma (R.U. Groningen), De relatie Viglius-Granvelle (1555-1567).

V. Hendrik (K.U. Leuven), Maximiliaan Morillon, vicaris-generaal van het aartsbisdom Mechelen en vertrouwensman van kardinaal Granvelle (1561-1582).

H. de Schepper (K.U. Nijmwegen), Frederik Perrenot, heer van Champagney.

 

II. Het Mecenaat van de Familie Granvelle: Geestesleven, Kunst en Wetenschap in de Nederlanden (16de eeuw) / Le mecenat des Granvelle: vie intellectuelle, arts et sciences aux Pays-Bas (XVIe siècle)

G. Demarcel (K.U. Leuven), Le cardinal Granvelle comme collectionneur de tapisseries.

I. Bossuyt (K.U. Leuven), Granvelle et Adriaen Willaert.

J. Woodall (Courtauld Institute of Art), The relationship between Anthonis Mor and Granvelle.

C. Van de Welde (Nationaal Centrum van de Plastische Kunsten van de 16de en de 17de eeuw), Vlaamse schilderijen in de collectie van de Granvelle.

K. De Jonge (K.U. Leuven), Le palais Granvelle à Bruxelles: l'introduction de la Renaissance romaine dans les Pays-Bas?

L. Smolderen (Société Royale de Numismatique), Les médailles de Granvelle.

T.M.A. Koerten (U. Amsterdam), Kardinaal Granvelle als mecenas.

C. Banz (F.U. Berlin), "Magnificenza" und "Grandezza": die Bedeutung von Granvelles Mäzenatentum im kulturellen Kontext der Niederlande.

 

III. Beeldvorming rond Granvelle / L'image des Granvelle

J. Ijsewijn (K.U. Leuven), L'image des Granvelle. Famianus Strada.

K. Porteman (K.U. Leuven), Het imago van Granvelle.

 

Weitere Informationen über: Postfach 33, B - 3000 Löwen/Leuven; Tel. 016/285050, Fax 016/285015.

 

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Poitiers, 11.-13. November 1994
Université de Poitiers, Faculté des Sciences Humaines et des
Arts, Centre d'Etudes Supérieures de Civilisation Médiévale
(C.E.S.C.M.)
Colloque International:
Les Fortifications dans les Domaines Plantagenêt de France,
XIIème-XIVème siècles
 

Aus dem Programm:

Gabriel Bianciotto, Discours d'ouverture.

André Debord, La politique de fortification des Plantagenêt dans la seconde moitié du XIIème siècle.

Marie-Pierre Parthenay-Baudry, Les fortifications d'Henri II Plantagenêt en France, le point sur les recherches.

Christian Corvisier, Les châteaux de Richard-Coeur-de-Lion en France.

Derek Renn, Les châteaux des Plantagenêt en Angleterre dans la seconde moitié du XIIème siècle.

Jean Mesqui, Les tours à archères dans les châteaux royaux Plantagenêt, 1160-1205.

Philippe Durand, Les fortifications de Poitiers.

Jacques Gardelles, Le roi d'Angleterre et les fortifications gasconnes dans la seconde moitié du XIIIème siècle et le premier tiers du XIVème siècle.

Alain Labbé, L'image du château dans les chansons de geste.

Nicolas Faucherre, La fortification des ports anglais en France, XIIème-XIVème siècles.

Jacques Miquel, L'armement dans les fortifications des Plantagenêt.

Bérangère Lecain, Les fortifications d'Harfleur au XIVème siècle.

 

Weitere informationen über: Secrétariat du C.E.S.C.M., 24, Rue de la Chaîne, F-86022 Poitiers.
 
 

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Tagung und Ausstellung in Ellwangen (Jagst)
 
Ausstellung im Schloßmuseum Ellwangen (Schloß ob Ellwangen):
"Ellwangen um 1900. Eine württembergische Oberamtsstadt
in der Tradition einer geistlichen Residenz."

 
Ausstellungseröffnung, Freitag, d. 18. November 1994, 20.00 Uhr, in feierlichem Rahmen mit Musik und Begrüßung durch den Bürgermeister Dr. Hans-Heinrich Dieterich.

Einführungsvortrag: Ute Richter-Eberl, Die Gründung historischer Museen um 1900 am Beispiel Ellwangens.

 

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Tagung: Ellwangen (Palais Adelmann), 19.-20. November 1994
Wissenschaftliche Tagung der Volkshochschule Ellwangen und des
Geschichts- und Altertumsvereins Ellwangen e.V. in Zusammenarbeit mit dem
Stadtarchiv Ellwangen:
Die geistliche Residenz in Geschichte und Gegenwart.

 

Tagungsort: Palais Adelmann, Obere Straße 6, 73479 Ellwangen (Jagst).

Aus dem Programm:

Samstag, d. 19. Nov. 1994

9.00 Uhr Prof. Dr. Immo Eberl, Eröffnung und Begrüßung.

9.30 Uhr Dr. Wolfgang Wüst (Augsburg), Residenz und Stadt: Der fürstbischöfliche Hof zu Augsburg und Dillingen als Konstante im kulturellen und politischen Umfeld der Bürgerschaften?

10.00 Uhr Priv. Doz. Dr. Helmut Flachenecker (Eichstätt), Von der bischöflichen Residenz zur Schulstadt. Stadtgeschichte Eichstätts im Wandel der Zeiten.

11.00 Uhr Dr. Ernst Günter Krenig (Würzburg), Würzburg - einstige geistliche Residenz, nunmehr Sitz eines bayerischen Regierungsbezirks.

11.30 Uhr Ernst-Günther Prühs (Eutin), Eutin - Residenz des evangelischen Bischofs von Lübeck. Entstehung - Wandlung - Nachwirkung.

15.00 Uhr Joachim Schymalla (Quedlinburg), Quedlinburg. Von der ottonischen Metropolis zur preußischen Provinz.

15.30 Uhr Dr. Michael Scholz (Luckenwalde-Marburg), Reichsfreies Stift und herzogliche Landstadt. Gandersheim als geistliche Residenz und seine Entwicklung zur modernen Stadt.

16.30 Uhr Dr. Gregor Stasch (Fulda), Kloster, Residenz, Stadt - die geschichtliche Entwicklung von Fulda.

17.00 Uhr Holger Rabe M.A. (Höxter), Ein Streifzug durch die Geschichte der Fürstabtei Corvey unter besonderer Berücksichtigung ihrer Säkularisation (822-1803).

19.00 Uhr Empfang der Stadt Ellwangen (Jagst) im Palais Adelmann.

Sonntag, d. 20. Nov. 1994 9.00 Uhr Dr. Gerhard Immler (Augsburg), Die Fürstabtei Kempten - Benediktinerkloster und geistlicher Hof.

9.30 Uhr Prälat Dr. Walter Brugger (Berchtesgaden), Vom Augustiner-Chorherrenstift über die Fürstprobstei zur Sommerresidenz der bayerischen Könige in Berchtesgaden.

10.30 Uhr Dr. Hans Pfeifer (Ellwangen), Ellwangen. Residenz der Fürstprobstei und ihr Weg zum Mittelzentrum des 20. Jahrhunderts.

11.00 Uhr Prof. Dr. P. Ulrich Faust (Hildesheim), Hildesheim als Residenz zweier Fürstbischöfe 1763-1825.

12.00 Uhr Prof. Dr. Immo Eberl, Die geistliche Residenz in Geschichte und Gegenwart. Das Nachwirken historischer Bedeutung.

 
 

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Piacenza, 24.-26. November 1994
Europa delle Corti
I Farnese. Corti, Guerre e Nobiltà in Antico Regime

 
Aus dem Programm (vorläufig):

I. Corte, guerre e dinastia

I. Tocci (Università di Chieti), I Farnese nella politica europea.

P. Del Negro (Università di Padova), Tra Italia ed Europa: la guerra nello specchio della lingua.

C. Mozzarelli (Università Cattolica di Milano), Il principe farnesiano, tra consiglio e grazia.
 

II. I Farnese e l'esercizio delle armi

I. Martinez Millan (Università Autonoma, Madrid), Alessandro Farnese, la corte di Madrid e la monarchia cattolica.

G.L. Podestà (Università Bocconi, Milano), I Farnese o il mestiere di principe (1545-1611).

B. Garcia Garcia (Università Complutense, Madrid), Ranuccio Farnese e la gloria del principe.

R. Oresko (Università di Londra), Esercizio militare e continuità dinastica: decadenza e fine della casa Farnese.

R. Stradling (Università di Cardiff), Alessandro Farnese e la guerra di Fiandra.

L Duerloo (Università di Lovanio), Gli emblemi di casa Farnese e la guerra.
 

III. Guerra e cultura aristocratica

R. Antonelli (Biblioteca del Quirinale, Roma), Giostre, tornei e accademie: formazione e rappresentazione del valore cavalleresco.

M. Fantoni (Georgetown University, Firenze), L'idea di vittoria e il perfetto capitano.

M. Beer (Università La Sapienza, Roma), La tradizione letteraria del cavaliere.

I. Botteri (Centro Studi Europa delle Corti), Ufficiale e gentiluomo. Etica ed etichetta.

F. Angiolini (Università di Pisa), Tra reputazione e pratica militare: gli ordini cavallereschi.

M. Infelise (Università di Venezia), Notizia e immagine del conflitto: gli "avvisi di guerra".
 

IV. L'Italia e il "mercato" della guerra tra 500 e 600

W. Barberis (Centro Studi Europa delle Corti), Nobiltà e ufficialità negli eserciti del seicento.

G. Signorotto (Università di Urbino), Guerre spagnole e ufficiali lombardi.

P. Pezzolo (Università di Venezia), I patriziati veneti e la carriera delle armi.

C. Belfanti (Università di Siena), I Gonzaga e la via delle armi nel Seicento.

G. Brunelli (Sc. Normale, Pisa), L'esercizio delle armi nello stato della Chiesa.

A. Spagnoletti (Università di Bari), Dalle guerre europee alla repressione dei moti popolari: l'aristocrazia napoletana alle armi tra XVI e XVII secolo.

C. Rosso (Università di Alessandria), Scambi tra corti: famiglie emiliane al servizio militare dei Savoia.
 

V. Piacenza, i Farnese, lo Stato

N.N., Piacenza farnesiana: gli aspetti militari.

N.N., Piacenza farnesiana: strutture sociali e urbane.

D. Parrot (New College, Oxford), Le fortificazioni farnesiane.

A. Bilotto (Università Cattolica, Milano), Alla periferia dello stato: Novara farnesiana tra Madrid e Milano.

G. Pagano (Università di Parma), Conclusioni.

 
 

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Ferrara, Dezember 1994
Istituto di studi rinascimentali di Ferrara /
Europa delle Corti /
Soprintendenza Archivistica per l'Emilia Romagna
Poteri Signorili, Patriziati e Centri Urbani Minori
nell'Area Estense in Antico Regime
 

Aus dem vorläufigen Programm (in alphabetischer Folge):

Bruno Andreolli, Il ducato della Mirandola tra Estensi e Gonzaga.

Stefano Arieti, Forme di organizzazione sanitaria.

Ugo Baldini, Una forma di presenza della scienza a corte: pedagoghi e confessori gesuiti nelle piccole corti emiliane nella prima metà del Seicento.

Albano Biondi, Storici ed ideologi dei piccoli principi.

Giampaolo Brizzi, Collegi nobiliari e istituzioni educative.

Marina Calore, Il sistema teatrale nei territori estensi tra controllo centrale e autonomia organizzativa.

Paolo Carpeggiani, La città del piccolo principe: modelli urbanistici delle corti padane.

Marco Cattini, Economia e società nei piccoli ducati.

Franco Cazzola, Acque di frontiera. Il governo idraulico nei ducati padani minori.

M. Rosaria Celli, Attenzione e conservazione della memoria storica: gli archivi pubblici dei piccoli ducati.

Claudia Cieri, Gli artisti delle piccole corti: temi e produzione.

Gabriele Fabbrici, I Gonzaga di Novellara.

Marcello Fantoni, Sviluppo architettonico e cerimoniale del castello dei Pio do Carpi.

Marco Folin, Gli officiali estensi tra autorità ducale e poteri territoriali (secc. XVI-XVII).

Gigliola Fragnito, I piccoli principi alla corte di Roma.

Euride Fregni, Assetti istituzionali e organizzazione amministrativa dei piccoli ducati.

Daniela Frigo, La diplommazia dei piccoli principi.

Alberto Ghidini, I Da Correggio.

Manuela Ghizzoni, Le fortificazioni dei piccoli ducati.

Daniela Grana, La rappresentazione della società: la beneficenza nei ducati minori.

Alberto Liva, La produzione statutaria.

Lino Marini, Conclusioni.

Cesare Mozzarelli, Piccoli stati e piccoli principi nell'Europa di antico regime (introduzione).

Maria Parente, Vignola: dai Contrari ai Buoncompagni.

Chiara Pulini, Mirandola dopo il Pico.

Giovanni Ricci, Centro e pereferia nel rituale funebre estense.

Luca Roggiani, Un marchesato e una contea nel Frignano del Sei-/ Settecento.

Amedeo Quondam, Accademie e organizzazione della cultura nei ducati padani minori.

Flavio Rurale, I consiglieri politici dei piccoli principi.

Giovanni Santini, Giurisdizioni locali, magistrature cittadine e territorio.

Gian Vittorio Signorotto, Piccoli principi padani e grandi monarchie europee nelle guerre seicentesche.

Tullio Sorrentino, I Pio di Sassuolo.

Angelo Spaggiari, Collegi notarili e ruolo sociale dei notai nei ducati minori.

Giovanni Tocci, Riflessioni sulla ricerca storiografica sullo stato estense.

Gilberto Zacchè, Autonomie comunitative in area estense.

Gabriella Zarri, Istituzioni ecclesiastiche femminili nei piccoli ducati di area estense.
 

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Jubiläumsausstellung zum vierhundertsten Todesjahr von Orlando di Lasso
Bayerische Staatsbibliothek München

 
Ausstellung zu den Werken des großen Meisters der niederländischen Polyphonik mit Handschriften und seltenen Drucken aus seinem Oeuvre.

(vgl. auch FAZ vom 11. August 1994, S. 24)

 

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Stadtjubiläum
800 Jahre Bayreuth

 
Das im Jahre 1194 erstmals in einer Urkunde Bischof Ottos IV. von Bamberg erwähnte "Baierrute" gelangte 1248 in den Besitz der fränkischen Hohenzollern. Als dann 1603 die Residenz der Markgrafschaft von Kulmbach nach Bayreuth verlegt wurde, begann der großangelegte Ausbau der Stadt zur Residenzstadt.

 

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Schleswig, "Schloß" Annettenhöhe, 24.-26. März 1995
3. Tagung der Wartburg-Gesellschaft
zur Erforschung von Burgen und Schlössern:
"Früher Schloßbau im 16. Jahrhundert und seine mittelalterlichen Vorstufen."

 
Geplant sind Exkursionen nach Gelting, Roest und Glücksburg.

Kontakt und weitere Informationen über die Wartburg-Gesellschaft, Auf der Wartburg, 99817 Eisenach.

 

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Universität Leiden, Department of History,
Congress 21.-22. April 1995 - Master Class 24.-25. April 1995
"The North Sea and Culture in Early Modern History (1550-1800)"

 
In Anlehnung an die Studien Fernand Braudels zum Mittelmeerraum und parallel zu dem, was u.a. Thomas Riis für den Ostseeraum plant (vgl. z.B. den Bericht vom Kolloquium über die "Hochzeit im Ostseeraum"), wird im kommenden April im holländischen Leiden eine Tagung stattfinden, die sich in ähnlicher Weise mit der Nordsee und ihren Anrainern beschäftigt.

Dem Organisationskomitee gehören Dr. J.G. Roding von der Universität Leiden sowie Dr. R. Dettingmeijer und Dr. L. Heerma van Voss von der Universität Utrecht an.

Kontakt und weitere Informationen über: Leiden University, Department of History/RENT, Dr. J.G. Roding or Ms. L. Witkam-v.d. Hoek (office manager), P.O. Box 9515, 2300 RA Leiden - The Netherlands, Tel. 071.27.27.61, Fax 071.27.26.15.

 


Buchvorstellungen

 
Das Leben am Hof und in den Residenzen der letzten Rosenberger (Zivot na dvore a v rezidencních mistech posledních Rozmberkich), hg. v. Vázlav Buzek (Opera historica, 3 / Editio Universitatis Bohemiae Meridionalis), Ceské Budejovice [Budweis] 1993 (409 Seiten).

 
Dem Bericht des Veranstalters Václav Buzek über das Symposium "Das Leben am Hof und in den Residenzstädten der letzten Rosenberger" im 1. Heft des vorigen Jahrganges dieser Zeitschrift (1993, Nr. 1, S. 35f.) konnte man entnehmen, daß die neu gegründete Südböhmische Universität in Budweis ein wohl gelungenes und gut besuchtes Zusammentreffen von Spezialisten realisiert hat. Nach überraschend kurzer Zeit ist dann wirklich auch der Tagungsband unter dem gleichen Namen, d.h. "Zivot na dvore a v rezidencních mistech posledních Rozmberkich", erschienen, der in Wirklichkeit weit mehr bringt, als in Buzeks obenerwähntem Bericht angezeigt ist. Man hat sich nämlich entschlossen, nachträglich noch etliche weitere Materialien zu publizieren, so daß in gedruckter Form statt der 22 Referate stolze 34 Beiträge zu finden sind, die sich alle der frühen Neuzeit widmen und die das ursprüngliche Programm bedeutend erweitern, abrunden und vertiefen. Denn nicht nur die Rosenberger allein standen auf dem Programm der Tagung - und eigentlich auch nicht nur die Höfe und Residenzstädte. In dem so entstandenen bunten Kaleidoskop sind materialreiche Beiträge zu zahlreichen Detailfragen auch zum kulturellen Leben zu finden, ebenfalls Versuche um gewisse vorläufige breitere Zusammenfassungen, Typologisierungen und Systematisierungen, jedoch stets aufgrund des intensiven Studiums der archivalischen Quellen. So hätte das Buch eher einen etwas breiter gefaßten Titel verdient. Es erübrigt sich, die schon angezeigten Themen zu wiederholen, nur eines soll hier richtiggestellt werden: daß nämlich Hausenblasová/Hoja nicht über die Kultur am Rudolfinischen Hof sprachen, sondern eine ziemlich detaillierte Analyse einer einzigartigen Quelle über den Hof Rudolfs II. boten, indem sie das Quartierbuch der Höflinge Rudolfs sozialgeschichtlich und topographisch musterten (S. 115-136). Petr Vorel beschäftigte sich mit den Aristokratenhöfen in Renaissance-Böhmen (S. 137-153), andere neu aufgenommene Beiträge sind jedoch ganz speziellen, meist baugeschichtlichen Charakters aus dem Umkreis der Rosenberger. Insgesamt bringt der Sammelband nicht nur viel Neues für die böhmische Kulturgeschichte im breiten Sinne des Wortes, sondern auch eine Menge von Informationen für die vergleichende Geschichte der Phänomene Hof und Residenz.

Während die Referate der ausländischen Teilnehmer stets deutsch publiziert wurden, ist dies bei den tschechischen Teilnehmern zwar nur sehr selten der Fall, jedoch sind alle ihre Beiträge mit fremdsprachigen, meist deutschen Zusammenfassungen versehen, so daß sich auch der fremde Spezialist eine gute Vorstellung von dem Behandelten machen kann. Und das um so eher, als daß alle Texte grundsätzlich mit einem umfangreichen Anmerkungsapparat versehen sind, über den leicht weitere Literatur zu den einzelnen Themen zu erschließen ist. Alles in allem handelt es sich bei dem von Buzek herausgegebenen Sammelband in der Tat um ein Werk, das wirklich gelungen ist. Nur ist bedauerlicherweise zu befürchten, daß diese interessante Aufsatzsammlung wegen ihrer bescheidenen Auflage von lediglich 300 Exemplaren einen hohen Seltenheitswert besitzen wird.

Ivan Hlavácek, Prag

 

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Bei den beiden im folgenden angezeigten Bänden aus der Reihe der von Klaus Flink herausgegebenen Schriften des Stadtarchivs Kleve handelt es sich um zwei wichtige Beiträge zur Hof- und Residenzenforschung. Sie sollen deshalb an dieser Stelle etwas ausführlicher vorgestellt werden.

 
Dieter Scheler, Die Goldene Rose des Herzogs Johann von Kleve (Klever Archiv, Schriftenreihe des Stadtarchivs Kleve, 13), Kleve 1992 (112 S., 2 Abb., brosch., Preis: 18,- DM).

 
In seiner mit einer Einleitung und einer Übersetzung versehenen Edition des Berichtes Arnold Heymericks (1424-1491) von der Überreichung der Goldenen Rose an den Herzog Johann II. von Kleve im Jahre 1489 informiert der Herausgeber zunächst über den Autor der Schrift, gibt nähere Informationen zum Werk selbst und erhellt ausführlich die Hintergründe der Verleihung der Kleinodie durch Papst Innocenz VIII. Weit davon entfernt, den niederrheinischen Frühhumanisten als oberflächlich abzustempeln, zeigt der Herausgeber auf, wie sehr sich Arnold Heymerick für die Person seines Fürsten, für das feierliche Zeremoniell und für die Gesellschaft bei Hofe interessiert. Nicht nur in diesem Punkt erweist sich Arnold als geprägt durch das große Vorbild Enea Silvio Piccolomini, mit dem er wohl auch persönlich bekannt war, und seine Gedanken über das "Elend des Hofes" erinnern doch stark an das, was sich in den Commentarii des großen Sieneser Papstes zu diesem Thema findet.

In dem in Form eines panegyrischen Dialoges gestalteten Bericht über die Goldene Rose tritt die christliche Ausdeutung des Motivs eher in den Hintergrund. Nicht mehr die Rose, sondern vielmehr der klevische Herzog als deren Empfänger und die ihn umgebende Hofgesellschaft stehen im Mittelpunkt der Schilderung. Doch bietet Arnolds Bericht weit mehr als höfische Panegyrik und pointierte Zeremonialbeschreibung. Der eigentlichen Erzählung von der Überreichung der Rose schließt sich eine Reihe von Personencharakteristiken in Form eines Kataloges an. Hier ergeben sich interessante Einblicke in die klevische Gesellschaft, die bisweilen ironische Spitzen gegen einzelne Personen oder Familien enthalten und stark subjektiv eingefärbt sind. An diesem Punkt wird deutlich, daß es sich bei dem Autor in der Tat um einen Humanisten von internationalem Format gehandelt hat, der aber zugleich sehr gut über den Hof und die Personengruppen um den klevischen Herzog informiert war und dies auch literarisch umzusetzen vermochte.

Mehrmals geht Dieter Scheler in seinem Vorwort auch auf Punkte ein, die Arnold Heymerick in seiner panegyrischen Darstellung bewußt ausgeklammert hatte. Ausführlich werden die Motive und Beweggründe für das Bemühen des klevischen Herzogshauses um die Verleihung der Kleinodie durch den Papst diskutiert und anhand der hochgerechneten Kosten die offensichtliche Bedeutung dieses nur vordergründig rein symbolischen Aktes dargestellt.

Die in einer einzigen Handschrift (heute UB Leiden) auf uns gekommene Schrift hat der Herausgeber sorgfältig transkribiert und mit einer deutschen Übersetzung versehen. Eine farbige Photoreproduktion der ersten Seite des Traktates veranschaulicht die vorausgeschickte Beschreibung der Handschrift und gibt gleichzeitig die Möglichkeit, sich von der Umsicht bei der Transskription zu überzeugen (lediglich am Rande sei bemerkt, daß man in der ersten Zeile statt des ersten "tum" vielleicht eher ein "cum" lesen sollte, da es sich hier um die klassische Gliederungskonstruktion "cum ... tum ...", "sowohl ... als auch besonders ..." handelt). Weiterhin findet der Leser eine Abbildung der Goldenen Rose aus Ulrich von Richentals Konstanzer Konzilschronik (überreicht von Papst Johann XXIII. an König Sigismund) und darüber hinaus zwei ergänzende Texte zur Überreichung der Goldenen Rose an die Könige Jakob III. (Breve Innocenz' VIII., 1486 März 12) und Jakob IV. von Schottland (aus den Instruktionen für die Überreichung, 1491). Das außerordentlich lesenswerte Büchlein wird durch ein Quellen- und Literaturverzeichnis, durch ein Register der Quellenedition und ein Siglenverzeichnis abgerundet.

Detlev Kraack, Kiel

 

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Territorium und Residenz am Niederrhein. Referate der 7. Niederrhein-Tagung des Arbeitskreises niederrheinischer Kommunalarchivare für Regionalgeschichte, 25.-26. September 1992 in Kleve, hgg. von Klaus Flink/Wilhelm Janssen (Klever Archiv, Schriftenreihe des Stadtarchivs Kleve, 14), Kleve 1993 (236 S., 4 Abb., brosch., Preis: 27,- DM).

 
Ausgehend von dem Begriffspaar "Territorium und Residenz" bietet dieser Tagungsband weit mehr als die im Vorwort angekündigte Bestandsaufnahme "dessen, was sich der unvoreingenommene Landeshistoriker unter einer Residenz und ihrem Kontext vorstellt". Vielmehr findet der Leser eine detaillierte Übersicht über Quellen- und Archivbestände (das schließt insbesondere die so wichtige Überlieferung von Rechnungen und Hofordnungen ein) der wichtigsten niederrheinischen Territorien (Geldern, Jülich, Kleve, Kurköln und Berg) mit ihren Haupt- und Nebenresidenzen. Dabei geht es zunächst um die Herausbildung der Residenzen am Niederrhein, um die Entwicklung von der Pfalz zur Residenz, und um die in diesem Zusammenhang zentrale Frage danach, was sich bei dem Schritt vom mobilen Hof der Reiseherrschaft zur "festen Verortung von Herrschaftselementen und Herrschaftsfunktionen" eigentlich ändert. Schließlich enthält der Band einige Beiträge, die sich mit den wechselseitigen Beziehungen zwischen Residenz und Stadt beschäftigen. Gerade auf diesem Gebiet eröffnen sich zahlreiche Perspektiven für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Stadtgeschichts- und Residenzenforschung.

Insgesamt enthält der Band, der mit Karten und Stadtplänen sowie Tabellen zu Herrscheritineraren ausgestattet ist, folgende Einzelbeiträge:

Dietmar Flach, Pfalz und Reichsgut. Frühformen der Territorienbildung am Niederrhein (S. 9-32); Bert Thissen, Die Pfalz Nimwegen zwischen Reichs- und Territorialgewalt (1247-1371) (S. 33-66); Klaus Flink, Territorialbildung und Residenzentwicklung in Kleve (S. 67-96); Severin Corsten, Die Residenz des Herzogtums Jülich (S. 97-118); Gerard Nijsten, De ontwikkeling van residenties in het hertogdom Gelre ten tijde van de vorsten uit het huis Gulik en Egmond (S. 119-150); Wilhelm Janssen, Regierungsform und Residenzbildung in Kurköln und anderen niederrheinischen Territorien des 14. und 15. Jahrhunderts (S. 151-170); Brigitte Kasten, Die Hofhaltung in Jülich und Berg im 15. und beginnenden 16. Jahrhundert (S. 171-188); Clemens von Looz-Corswarem, Wo residierte der Fürst? Überlegungen zu den Aufenthaltsorten der Herzöge von Jülich-Berg bzw. Jülich-Kleve-Berg und ihres Hofes im 15. und 16. Jahrhundert (S. 189-210); Knut Schulz, Residenzstadt und Gesellschaft vom Hoch- zum Spätmittelalter (S. 211-228); Peter Johanek, Zusammenfassung der Referat- und Diskussionsbeiträge (S. 229-234).

Detlev Kraack, Kiel

 


Neuerscheinungen

Althoff, G., Demonstration und Inszenierung. Spielregeln der Kommunikation in mittelalterlicher Öffentlichkeit, in: Spielregeln mittelalterlicher Öffentlichkeit. Frühmittelalterliche Studien 27 (1993), S. 26-50.

Architecture et vie sociale. L'organisation intérieure des grandes demeures de la fin du Moyen Age à la Renaissance. Ouvrage collectif publié sous la direction de Jean Guillaume (Collection de Architectura/Colloque du Centre d'Études Supérieures de la Renaissance de Tours), Paris 1994 (280 S., 200 Abb.; Preis: 320,- FF).

Inhalt: Jean Guillaume, Du logis à l'appartement (S. 7-10). Palais des Papes: Gary M. Radke, Form and Function in Thirteenth-Century Papal Palaces (S. 11-24); Bernhard Schimmelpfennig, "Ad maiorem Pape gloriam", La fonction des pièces dans le palais des Papes d'Avignon (S. 25-46); Demeures Royales: Mary Whiteley, Royal and Ducal Palaces in France in the Fourteenth and Fifteenth Centuries: Interior, Ceremony and Function S. 47-63); Françoise Boudon/Monique Chatenet, Les logis du roi de France au XVIe siècle (S. 65-82); Anne-Marie Lecoq, Les résidences royales à l'épreuve des fêtes: les courts-circuits du charpentier (S. 83-95); Simon Thurley, The Palaces of Henry VIII (S. 97-106); Krista De Jonge, Le palais de Charles-Quint à Bruxelles: ses dispositions intérieures aux XVe et XVIe siècles et le cérémonial de Bourgogne (S. 107-125); Catherine Wilkinson Zerner, Women's Quarters in Spanish Royal Palaces (S. 127-136); Palais d'Italie et d'Espagne: Andreas Tönnesmann, Le palais ducal d'Urbino: humanisme et réalité sociale (S. 137-153); Patricia Waddy, The Roman Apartment from the Sixteenth to the Seventeenth Century (S. 155-166); Fernando Marías, Arquitectura y vida cotidiana en los palacios nobiliarios españoles del siglo XVI (S. 167-180); Lleó Cañal, La casa de Pilatos [Sevilla] (S. 181-192); Châteaux de France et d'Angleterre: Uwe Albrecht, Le petit château en France et dans l'Europe du Nord aux XVe et XVIe siècles (S. 193-205); Myra Nan Rosenfeld, La distribution des palais et des hôtels à Paris du XIVe au XVIe siècle (S. 207-220); David Thomson, France's Earliest Illustrated Architectural Pattern Book: Designs for Living "à la française" of the 1540's (S. 221-234); Jean-Marie Pérouse de Montclos, Logis et appartements jumelés dans l'architecture française (S. 235-243); Rosalys Coope, The Gallery in England and its Relationship to the Principal Rooms (1520-1600) (S. 245-255); Maurice Howard, Hospitality and Lodging in Sixteenth-Century England: the Evidence of the Drawings of John Thorpe (S. 257-267); Paula Henderson, Escape from Formality in the Sixteenth-Century English Country House (S. 269-277).

Bastert, Bernd, Der Münchner Hof und Fuetrers "Buch der Abenteuer", Literarische Kontinuität im Spätmittelalter (Mikrokosmos, 33), Frankfurt/M. 1993.

Benevolo, L., Fixierte Unendlichkeit. Die Erfindung der Perspektive in der Architektur, Frankfurt/M. 1993.

Blin, O./Carrierre-Desbois, C./Chapelot, J.u.O., u.a.: Le Manoir capétien de Vincennes: rapport de fouille (années 1992-1993 / Rapport scientifique, NE 7), Vincennes Febr. 1994 (300 S., Abb.).

Braun, R./Gugerli, D., Macht des Tanzes - Tanz der Mächtigen. Hoffeste und Herrschaftszeremoniell 1550-1914, München 1993.

Burckhardt, M., Metamorphosen von Raum und Zeit. Eine Geschichte der Wahrnehmung, Frankfurt/M. 1994.

Die Burg - ein kulturgeschichtliches Phänomen, hg. v. Hartmut Hofrichter (Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung e.V., Reihe B: Schriften, Bd. 2 / Burgen und Schlösser, Sonderheft), Stuttgart 1994.

Inhalt: Hartmut Hofrichter, Vorwort (S. 1-2); Burkhard Kling, Zum Ronneburg-Kolloquium am 17. November 1992 (S. 3-4); Claudia Stühler, Hessische Burgen und ihre Gründungsnamen - Zur Motivik herrschaftlicher Namengebung im Mittelalter (S. 5-11); Peter Wiesinger, Die Rolle der Burg in der mittelhochdeutschen Literatur (S. 12-17); Franziska Franke, Der Stein mit den Flügelpferden im Mittelrheinischen Landesmuseum Mainz - ein möglicher Überrest der plastischen Ausgestaltung der Kaiserpfalz in Ingelheim (S. 18-26); Joachim Zeune, Die Burg als zeitgemäßes Statussymbol: drei Fallstudien aus Oberkärnten (S. 27-39); Horst Becker, Der mittelalterliche Burggarten (S. 40-54); Burkhard Kling, Der Kapellenerker der Ronneburg (S. 55-59); Dieter Kerber, Landesherrliche Residenzburgen im späten Mittelalter (S. 60-74); Frank Dengler, Karlstein und Vincennes - zwei spätmittelalterliche Burgen als Herrschaftssymbole im Vergleich (S. 75-85); Klaus Peter Deker, Die Burgen der Grafschaft Ysenburg-Büdingen im Spätmittelalter - Ihr politischer, rechtlicher und wirtschaftlicher Stellenwert (S. 86-96); Christian Renfer, Zur Typologie des privaten Herrschaftsbaus in der schweizerischen Eidgenossenschaft von 1450-1700 (S. 97-109); Wolfgang Metternich, Schloß Chambord an der Loire - Elemente des Burgenbaus in einem Schloß der Renaissance (S. 110-118); Dorothee Trouet, Die "Wasserburg der Äbte" in Seligenstadt (S. 119-124); Dieter Bartetzko, Burg zwischen Klischee und Zeugnis - Ein Appell an die Burgenkunde (S. 125).

Burg und Schloß als Lebensort in Mittelalter und Renaissance, hg. v. W.G. Busse (Studia Humaniora, Düsseldorfer Studien zu Mittelalter und Renaissance, 26), Düsseldorf 1994.

Burke, P., The art of conversation, Oxford 1993.

Buschmann, Arno, Kaiser und Reich. Verfassungsgeschichte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation vom Beginn des 12. Jahrhunderts bis zum Jahre 1806 in Dokumenten. Teil I: Vom Wormser Konkordat 1122 bis zum Augsburger Reichsabschied von 1555. Teil II: Vom Westfälischen Frieden 1648 bis zum Ende des Reiches 1806, Baden-Baden 1994 (zus. 664 S.; Preis: 68,- DM).

Chapelot, J., Le château de Vincennes. Une résidence royale au Moyen Age (Patrimoine au présent), Paris 1994.

Chapelot, J. u. O./Hebard, V., L'Enceinte du donjon de Vincennes: évolution du XIVe siècle à nos jours, l'aménagement des lieux et la couverture; les matériaux de couverture en Ile-de-France. Etude préalable à la restauration des couvertures du chemin de ronde du donjon. (Rapport scientifique, NE 6), Vincennes Febr. 1994 (201 S., Abb.).

The Culture of Clothing. Dress and fashion in the Ancient Regime, hg. v. Daniel Roche (Past and Present Publications), Cambridge 1994 (500 S.; Preis: , 50,00).

Demouy, P., Le banquet du sacre des rois de France. Du symbole au simulacre, in: Fêtes et politique en Champagne à travers les siècles, Nancy 1992, S. 119-129.

Favière, J., L'hôtel de Jacques Coeur à Bourges (Monuments en perspective), Paris 1992.

Feld, István, Residenzen der Aristokratie der Sigismund-Zeit in Ungarn. Ein archäologischer Forschungsbericht, in: Sigismund von Luxemburg (s. dort) 1994, S. 235-253.

Fêtes et cérémonies aux XIVe - XVIe siècles (Publications du Centre européen d'études bourguignonnes 34), Neuchâtel 1994.

Inhalt: A. Paravicini-Bagliani, Félix V et le cérémonial pontifical (S. 11-18); J.-M. Cauchies, La signification politique des entrées princières dans les Pays-Bas: Maximilien d'Autriche et Philippe le Beau (S. 19-35); W. Blockmans, Le dialogue imaginaire entre princes et sujets: les Joyeuses Entrées en Brabant en 1494 et en 1496 (S. 37-53); D. Quéruel, Olivier de La Marche ou "l'espace de l'artifice" (S. 55-70); M. Cheyns-Condé, L'adaption des "Travaux d'Hercule" pour les fêtes du mariage de Maguerite d'York et de Charles le Hardi à Bruges en 1468 (S. 71-85); M. Sommé, Le cérémonial de la naissance et de la mort de l'enfant princier à la cour de Bourgogne au XVe siècle (S. 87-103); B. Schnerb, Un service funèbre célébré pour Jean sans Peur à Saint-Vaast d'Arras le 22 octobre 1419 (S. 105-122); E. Bousmar, La place des hommes et des femmes dans les fêtes de cour bourguignonnes (Philippe le Bon - Charles le Hardi) (S. 123-143); R. De Smedt, A propos des études et commentaires relatifs aux chapitres de la Toison d'Or (S. 145-151); F. de Gruben, Fêtes et cérémonies de la Toison d'Or: le chapitre de 1468 à Bruges (S. 153-165); A. de Mandach, Fidélité ou trahison? Guillaume de la Baume, ses "Tapisseries de César" et l'Ordre de la Toison d'Or (S. 167-174); A. Chevalier, Le Brabant à l'aube du XVe siècle: fêtes et solennités à la cour des ducs de la branche cadette de Bourgogne-Valois (1406-1430). Le mariage d'Antoine de Bourgogne et d'Elisabeth de Goerlitz (S. 175-186); Ch. de Mérindol, Les joutes de Nancy, le Pas de Saumur et le Pas de Tarascon, fêtes de chevalerie à la cour du roi René (1445-1449) (S. 187-202); P. Racine, Fêtes à la cour de Ludovic le More (S. 203-220); M. de Roos, Le monde à l'invers. Fêtes de carnaval dans les Pays-Bas bourguignons (XIVe-XVIe siècles) (S. 221-232); Ch. ten Raa, Le village, l'autel, la kermesse en Hollande (S. 233-239).

Framing medieval bodies. Hg. v. Sarah Kay u.a., Manchester 1994 (240 S.; Preis: , 35.00).

Die Frau in der Renaissance. Vorträge gehalten anläßlich eines Arbeitsgespräches des Wolfenbütteler Arbeitskreises für Renaissanceforschung in der Herzog-August-Bibliothek vom Oktober 1990. Hg. von P.G. Schmidt (Wolfenbütteler Abhandlungen zur Renaissanceforschung, 14), Wiesbaden 1994 (ca. 262 S., geb.; Preis: 98,- DM).

Die Fürstenberger. 800 Jahre Herrschaft und Kultur in Mitteleuropa. Niederösterreichische Landesausstellung, Schloß Weitra 1994 (Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums, N.F. 342), hgg. v. Erwein H. Eltz u. Arno Strohmeyer, Korneuburg 1994.

Aus dem Inhalt: Einleitung: Albrecht P. Luttenberger, Das Haus Fürstenberg vom frühen Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert (S. 1-38); Thomas Fröschl, "Das organisierte Chaos". Lehnswesen und Feudalsystem als Ordnungsprinzipien im Heiligen Römischen Reich (S. 39-44); Georg Goerlipp, Das Wappen der Fürstenberger - Heraldik am Beispiel eines alten Adelsgeschlechtes (S. 45-64); Die Fürstenberger in Schwaben: Arno Strohmeyer, "Aller Rebellionen Ausgang ist der Rebellen Untergang". Der Flugschriftenstreit um die Entführung von Wilhelm Egon zu Fürstenberg im Jahr 1674 (S. 65-77); Monica Kurzel-Runtscheiner, Ein Leben zwischen Politik und Liebe - Fürstin Elisabeth von Fürstenberg als Frau und als Kämpferin für die Rechte ihres mediatisierten Hauses (S. 78-89); Arno Strohmeyer, Adelige Überlebensstrategien im 19. Jahrhundert am Beispiel der Bildungspolitik Karl Egons III. (S. 90-100); Wolfgang Hilpert, Der Verein für Geschichte der Naturgeschichte der Baar (S. 101-107); Georg Goerlipp, Das Fürstlich Fürstenbergische Archiv und die Hofbibliothek in Donaueschingen (S. 108-114); Ernst Wilhelm Graf zu Lynar, Die Fürstenberg-Sammlungen in Donaueschingen (S. 115-119); Renate Küppers-Fiebig, Die Entstehung und Entwicklung der Fürstlich Fürstenbergischen Naturkundesammlungen in Donaueschingen (S. 120-129); Bernd Konrad, Die Fürstenbergischen Tafelbilder (S. 130-142); Ernst Wilhelm Graf zu Lynar, Schloß Heiligenberg (S. 143-146); Barbara Giesicke, Die Kabinettscheibensammlung auf Schloß Heiligenberg (S. 147-149); Manfred Schuler, Die Fürstenberger und die Musik (S. 150-161); Eva Luschinsky, Das Fürstlich Fürstenbergische Hoftheater in Donaueschingen (S. 162-166); Andreas Stephani, Die Jagd als Phänomen adligen Selbstverständnisses (S. 167-176); Karl Kwasnitschka, Die Geschichte des Fürstenbergischen Forstwesens in Schwaben (S. 177-188); Ulrich Klein, Die fürstenbergischen Münzen und Medaillen (S. 189-195); Werner Hohloch, Die Geschichte der Fürstlich Fürstenbergischen Brauerei in Donaueschingen (S. 196-199); Die Fürstenberger in Niederösterreich: Herbert Knittler, "Mehrers ein Fürstenthumb als Herrschaft zu titulieren". Weitra als fürstenbergisches Dominium 1606/07-1848 (S. 200-217); Gabriele Stöger, "Hoc anno obstinatis civibus istius urbis cornua fracta". Die Beziehungen zwischen Stadt und Herrschaft Weitra (S. 218-226); Susanne Hayder, "... wie das alt Schloß steet und das neu werden soll". Die Geschichte von Schloß Weitra (S. 227-230); Wolfgang Katzenschlager, Die Schloßbibliothek Weitra (S. 231-234); Friedrich Edelmayer, "Manus manum lavat". Freiherr Wolf Rumpf zum Wielroß und Spanien (S. 235-252); Robert Lindell, Freiherr Wolf Rumpf zum Wielroß als Musikliebhaber (S. 253-256); Werner Filek-Wittinghausen, Die Landgrafen Fürstenberg und das k.k. Hofburgtheater zu Wien (S. 257-261); Wolfgang Katzenschlager, Kardinal Friedrich Landgraf zu Fürstenberg - ein Kirchenfürst an einer Zeitenwende (S. 262-267); Werner Filek-Wittinghausen, Grundherren und Unternehmer - wirtschaftliche und soziale Initiativen der Landgrafen von Fürstenberg zu Weitra im 19. Jahrhundert (S. 268-279); Rolf Bernot/Friedrich Harrer, Die wirtschaftlichen Grundlagen der Landgräflich Fürstenbergischen Besitzungen in Weitra (S. 280-282); Die Fürstenberger in Böhmen: Ernst Waldstein, Die Fürstenberger und die Familie der Grafen von Waldstein (S. 283-289); Eduard Maur, Karl Egon I. als Oberstburggraf in Prag (S. 290-296); Karl Schulz, Der Münzschatz von Podmokly (S. 297-299); Tomás Durdik, Die Burg Krivoklát und weitere Burgen auf der ehemaligen Fürstenbergischen Herrschaft Krivoklát (S. 300-306); Tomás Bednatik, Das Fürstlich Fürstenbergische Archiv in Krivoklát (S. 307-312); Petr Masek, Die Fürstenberg-Bibliothek auf Burg Krivoklát (S. 313-322); Petr Macek/Pavel Vlcek/Pavel Zahradnik, Die baulichen Aktivitäten der Fürstenberger in Böhmen (S. 323-328); Anna Matousková, Die Fürstenbergische Herrschaft Krivoklát im Prozeß der kapitalistischen Modernisierung (S. 329-341); Josef Fencl, Die Fürstenbergischen Brauereien in Böhmen (S. 342-350); Jiri Sousa, Das Fürstenbergische Forstwesen auf der Herrschaft Krivoklát 1735-1929 (S. 351-357); Gustav Hofmann, Die Fürstenbergische Eisenproduktion in Böhmen (S. 357-364); Ausblick: Lothar Höbelt, Adel und Politik seit 1848 (S. 365-377); Ausstellungsteil: I. Macht und Ohnmacht (S. 385-400); II. Diener und Herrscher (S. 401-406); III. Von der Donau an die Moldau (S. 407-433); IV. Von der Fron zur Lohnarbeit (S. 434-438); V. Prunk und Leidenschaft (S. 439-470); VI. Die Sammlungen im Karlsbau (S. 471-516).

Fuhrmann, H., "Willkommen und Abschied". Über Begrüßungs- und Abschiedsrituale im Mittelalter, in: Mittelalter. Annäherungen an eine fremde Zeit, ed. W. Hartmann (Schriftenreihe der Universität Regensburg, 19), Regensburg 1994, S. 111-139.

Gries, Christian, Erzherzog Ferdinand II. von Tirol und die Sammlungen auf Schloß Ambras, in: Frühneuzeit-Info 5 (1994), H. 1, S. 7-37.

Guillaume, J., La galerie dans le château français: place et fonction, in: Revue de l'art Nr. 102 (1993), S. 32-42.

Hemann, F.-W., Das Rietberger Stadtbuch. Edition - Einleitung - Typologie (Beiträge und Quellen zur Stadtgeschichte Niederdeutschlands, Bd. 3), Warendorf 1994 (513 S. 4 Karten, 16 Abb.; Preis: 120,- DM).

Höflichkeit. Tugend oder schöner Schein, ed. R. Stäblein, Darmstadt 1993.

Hoffman, Ph.T./Norberg, K., Fiscal crisis, liberty and representative government, 1450-1789, Cambridge 1994 (408 S.; Preis: , 30,00).

Idées de ville, villes idéales, edd. T. Bonzon u.a. (Cahiers de Fontenay, 69-70), Paris 1993.

Jones, Michael/G. Meirion-Jones, Seigneurie et résidence dans la Bretagne médiévale: un bilan de recherches récentes, in: 117e Congrès national des Sociétés Savantes, Clermont-Ferrand, 1992, Histoire médiéval, Paris 1993, S. 437-460.

Keller, H., Die Investitur. Ein Beitrag zum Problem der 'Staatssymbolik' im Hochmittelalter, in: Spielregeln mittelalterlicher Öffentlichkeit. Frühmittelalterliche Studien 27 (1993), S. 51-86.

Kerscher, G., Palazzi "prerenascimentali": la "rocca" di Spoleto e il Collegio di Spagna a Bologna. Architettura del cardinale Aegidius Albornoz, in: Annali di architettura Nr. 3 (1991), S. 14-25.

Kirchgässner, Bernhard/Becht, Hans-Peter (Hgg.), Residenzen des Rechtes (Stadt in der Geschichte, Veröffentlichungen des Südwestdeutschen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung, 19), Sigmaringen 1994 (140 S.; broschiert; Preis: 38.- DM).

Aus dem Inhalt: Pirmin Spieß, Das Speyerer Monatsgericht. Von der satzungsrechtlichen Rüge zur Inquisition am Beispiel der Sanktionen. - Adolf Laufs, Die Reichsstadt Rottweil und das Kaiserliche Hofgericht. - Friedrich Battenberg, Gerichtsbarkeit und Recht im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Worms. - Karl Czok, Leipzig und das Reichsgericht. - Otto Rudolf Kissel, Geschichte der obersten Arbeitsgerichtsbarkeit in Deutschland. - Gerd Pfeiffer, Karlsruhe - Auf dem Weg zur Residenz des Rechts. - Weiterhin enthält der Band Diskussionsbeiträge zu den einzelnen Referaten und aus der Schlußdiskussion, ein Verzeichnis der Verfasser und der Diskussionsteilnehmer sowie ein Register der Orts- und Personennamen.

"Klar und lichtvoll wie eine Regel". Planstädte der Neuzeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, [Kat.] ed. V. Himmelein, Karlsruhe 1990.

Klingensmith, S.J., The utility of splendor. Ceremony, social life, and architecture at the court of Bavaria, 1600-1800, Chicago 1993.

Kostof, S., Die Anatomie der Stadt. Geschichte städtischer Strukturen, Frankfurt/M. 1993.

Das Leben am Hof und in den Residenzen der letzten Rosenberger (Zivot na dvore a v rezidencních mistech posledních Rozmberkich), hg. v. Vázlav Buzek (Opera historica, 3 / Editio Universitatis Bohemiae Meridionalis), Ceské Budejovice [Budweis] 1993 (409 Seiten) [siehe auch unter Buchvorstellungen, S. 62f.].

Liebenwein, W., Die "Privatisierung" des Wunders. Piero de' Medici in SS. Annunciata und San Miniato, in: Piero de' Medici "il Gottoso" (1416-1469). Kunst im Dienste der Mediceer, edd. A. Beyer/B. Boucher, Berlin 1993, S. 251-290.

Literary aspects of courtly culture. Hg. von Donald Maddox, Cambridge 1994 (320 S.; Preis: ca. , 39,50).

Lyndon Reynolds, Philip: Marriage in the Western Church. The christianization of marriage during the patristic and early medieval period (Vigiliae Christianae Supplements, 24), Leiden 1994 (Preis: ca. 190,- ndl.fl.).

Memoria in der Gesellschaft des Mittelalters. Hgg. von D. Geuenich und O.G. Oexle (Veröffentl. d. Max-Planck-Instituts f. Gesch., 111), Göttingen 1994 (371 S.; Preis: 78,- DM).

Mesqui, Jean u.a., Le palais des comtes de Champagne à Provins (XIIe-XIIIe siècles), in: Bulletin Monumental 151 (1993), S. 321-355.

Mesqui, Jean, Châteaux et enceintes de la France médiévale. 2. La Résidence - Les éléments d'architecture, Paris 1993.

Aus dem Inhalt: 1. Palais et résidence castrales, les programmes: Le programme palatial - La résidence castrale - Palais, résidences et jardins; 2. De la "grande salle" aux cuisines: Les quatre éléments constitutifs: "Grande salle", chapelle, appartements, cuisine - La communication entre les éléments de la résidence; 3. L'architecture de confort et du luxe: L'hygiène - L'éclairage - La décoration; 4. Eléments architecturaux de la défense: Les archières - Les cannonières - Hourdis et machicoulis.

Müller, Jan-Dirk, Wissen für den Hof. Der spätmittelalterliche Verschriftlichungsprozeß am Beispiel Heidelbergs im 15. Jahrhundert (Münstersche Mittelalter-Schriften, 67), München 1993.

Inhalt: Jan-Dirk Müller, Einleitung (S. 7-28); Ute von Bloh, Hostis Oblivisionis et Fundamentum Memoriae. Buchbesitz und Schriftgebrauch des Mathias von Kemnat (S. 29-120); Jan-Dirk Müller, Naturkunde für den Hof. Die Albertus-Magnus-Übersetzungen des Werner Ernesti und Heinrich Münsinger (S. 121-168); Theresia Berg/Udo Friedrich, Wissenstradierung in spätmittelalterlichen Schriften zur Kriegskunst: Der "Bellifortis" des Konrad Kyeser und das anonyme "Feuerwerksbuch (S. 169-232); Ute von Bloh/Theresia Berg, Vom Gebetbuch zum alltagspraktischen Wissenskompendium für den fürstlichen Laien. Die Expansion einer spätmittelalterlichen Handschrift am Beispiel eines Manuskripts in Wien, ÖNB, Cod. Vat. Pal. 13428 (S. 233-288); Jan-Dirk Müller, Rede und Schrift. Peter Luders Panegyrikus auf Friedrich d. S., die Chronik des Mathias von Kemnat und die Pfälzer Reimchronik des Michel Beheim (S. 289-322); Wolfgang Rohe, Zur Kommunikationsstruktur einiger Heidelberger Regimina sanitatis: Heinrich Münsinger, Erhard Knab, Conrad Schelling (S. 323-354); Jan-Dirk Müller, Hans Lecküchners Messerfechtlehre und die Tradition. Schriftliche Anweisungen für eine praktische Disziplin (S: 355-384).

Nagy, Emete, Sach- und technische Kultur am Hofe Sigismunds, in: Sigismund von Luxemburg (s. dort) 1994, S. 227-234.

Nieto Soria, J.M., Ceremonias de la realeza. Propaganda y legitimación en la Castilla Trastámara, Madrid 1993.

Personenbezeichnungen in der mittelalterlichen Literatur. Hg. von H. Brall u.a. (Studia Humaniora, Düsseldorfer Studien zu Mittelalter und Renaissance, 25), Düsseldorf 1994 (ca. 320 S., pb.; Preis: ca. 49,80 DM).

Reallexikon für Antike und Christentum. Bd. 16, Fasz. 121, Stuttgart 1992, Art. "Hofzeremoniell".

Reulos, Michel, Château, manoir: recherches sur l'emploi de ces termes et leur portée juridique [Resumé], in: Annales de Normandie 43 (1993), S. 253.

Scheler, Dieter, Die Goldene Rose des Herzogs Johann von Kleve (Klever Archiv, Schriftenreihe des Stadtarchivs Kleve, 13), Kleve 1992 [siehe auch unter Buchvorstellungen, S. 63f.].

Schütte, Ulrich, Das Schloß als Wehranlage. Befestigte Schloßbauten der frühen Neuzeit im alten Reich, Darmstadt 1994 (512 Seiten, 216 s/w Abb., geb.; Preis: 78,- DM / ab 1.4. 1995: 98,- DM).

Soziale Kommunikation im Spannungsfeld von Recht und Ritual, edd. H. Duchhardt/G. Melville. International School of Ius Commune. 10th Workshop, Erice 16.-20. März 1994 (im Druck).

Süssmilch, Johann P.: Die königliche Residenz Berlin und die Mark Brandenburg im 18. Jahrhundert. Schriften und Briefe. Hg. von J. Wilke, Berlin 1994 (ca. 372 S., pb.; ca. 158,- DM).

Sigismund von Luxemburg. Kaiser und König in Mitteleuropa 1387-1437, hgg. v. J. Macek, E. Marosi u. F. Seibt, Warendorf 1994.

Sleiderink, R.H., Dichters aan het Brabantse Hof (1356-1406), in: De nieuwe taalgids 86 (1993), S. 1-16.

Smith, Pamela H., The business of alchemy. Science and culture in the Holy Roman Empire, Lawrenceville 1994 (336 S.; Preis: US-$ 45,00).

Stein, R., Politiek en Historiografie. Het ontstaan van Brabantse Chronieken in de eerste helft van de vijftiende eeuw, Diss. Leiden 1994, Löwen 1994 (372 S.).

Stievermann, D., Lucas Cranach und der kursächsische Hof, in: Lucas Cranach [Kat.], Regensburg 1994, S. 66-77.

Territorium und Residenz am Niederrhein. Referate der 7. Niederrhein-Tagung des Arbeitskreises niederrheinischer Kommunalarchive für Regionsgeschichte, hg. v. Klaus Flink u. Wilhelm Hansen (Schriftenreihe des Stadtarchivs Kleve, 14), Kleve 1993 [siehe auch unter Buchvorstellungen, S. 64f.].

Thomas, E., Les logis royaux d'Amboise, in: Revue de l'art Nr. 100 (1993), S. 44-57.

Thurley, S., The Royal palaces of Tudor England. Architecture and court life 1460-1547, New Haven/London 1993.

Tönnesmann, A., Zwischen Bürgerhaus und Residenz. Zur sozialen Typik des Palazzo Medici, in: Piero de' Medici "il Gottoso" (1416-1469). Kunst im Dienste der Mediceer, edd. A. Beyer/B. Boucher, Berlin 1993, S. 71-88.

Urkundenregesten zur Tätigkeit des deutschen Königs- und Hofgerichts bis 1451. Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, hg. v. B. Diestelkamp,

Bd. 7: Die Zeit Karls IV.: (1355 April - 1359), bearb. v. Fr. Battenberg (Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im alten Reich, Sonderreihe), Köln/Weimar/Wien 1994 (409 S.; Preis: 148,- DM).

Veldtrup, Dieter, Prosopographische Studien zur Geschichte Oppelns als herzogliche Residenzstadt im Mittelalter (Schriften der Stiftung Haus Oberschlesien, Landeskundliche Reihe, Bd. 7), Berlin 1994 (ca. 560 S.; Preis: 108,- DM).

Verschlemmte Welt. Essen und Trinken historisch-anthropologisch. Hgg. von A. Schuller und J.A. Kleber, Göttingen 1994 (ca. 300 S., pb.; Preis: 38,- DM).

Vom ewigen Zwang zu gefallen. Etikette und äußere Erscheinung, edd. O. Burglin/P. Perrot (Reclam Bibliothek, 1502), Leipzig 1994.

Waddy, P., Seventeenth-Century Roman Palaces. Use and the art of the plan, New York 1990.

Weißenfels als Ort literarischer und künstlerischer Kultur im Barockzeitalter. Vorträge eines interdisziplinären Kolloquiums. Hg. von R. Jacobsen (Chloe, 18), Amsterdam 1994 (333 S.; Preis: ca. 140 ndl.fl.).

Wirth, Hermann, Thüringische Residenzen. Die kulturelle Vielfalt Mitteldeutschlands im Spiegel seiner Schloßbauten, in: Burgen und Schlösser 35 (1994), H. 1, S. 24-33.

Wolff, Ph., Les sociétés allemandes et le vouvoiement au moyen âge, in: FS Georges Duby, Aix-en-Provence 1992, Bd. 2, S. 157-175.

Wood, Neal, Foundations of political economy. Some early Tudor views on state and society, Berkely 1994 (348 S.; Preis: US-$ 62,50).

Wortmann, R.S., Scenarios of power: myth and ceremony in Russian monarchy. Vol. I: From Peter the Great to the death of Nicholas I., Lawrenceville 1995.

Wünsch, Thomas (Hg.), Oberschlesien im späten Mittelalter. Eine Region im Spannungsfeld zwischen Polen, Böhmen-Mähren und dem Reich vom 13. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts (Tagungsreihe der Stiftung Haus Oberschlesien, hg. v. Thomas Wünsch, Bd. 1), Berlin 1994.

Wüst, Wolfgang, Alltag an einem süddeutschen Fürstenhof. Augsburger und Dillinger Hofleben im Spiegel der Rechnungsbücher, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 85 (1994), S. 101-132.

Wunderli, Peter (Hg.), Herkunft und Ursprung. Historische und mythische Formen der Legitimation. Akten des Gerda-Henkel-Kolloquiums, veranstaltet vom Forschungsinstitut für Mittelalter und Renaissance der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, 13. bis 15. Oktober 1991, Sigmaringen 1994.

Zum Wandel von Zeremoniell und Gesellschaftsritualen in der Zeit der Aufklärung, ed. K. Gerteis = Aufklärung Jg. 6, Heft 2 (1992).
 



 
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