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Mitteilungen der Residenzen-Kommission
der
Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
 
 
Jahrgang 3 (1993) Nr. 1

 

 

 

 

Residenzen-Kommission
Arbeitsstelle Kiel

 

 

 

 

ISSN 0941-0937

 

Herstellung:
Vervielfältigungsstelle
der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
 
Titelvignette:
Passau, Darstellung aus der Schedelschen Weltchronik von 1493
(Ausschnitt)
 


Inhalt

 

Von Passau nach Potsdam S. 5

Zeremoniell und Raum (1200-1600). Planung und Aufruf S. 6

Aus der Arbeit der Kommission S. 9

Aus der Werkstatt

Jan Hirschbiegel, Der Hof als soziales System S. 11 Arbeitsberichte Gottfried Kerscher, Hofordnung, Rangordnung, Raumordnung.
Das Zeremoniell im spätmittelalterlichen Königs- und Papstpalast S. 26

Sönke Lorenz, Die Residenzen Stuttgart, Tübingen und Urach S. 27

Buchvorstellungen S. 28

Kolloquiumsberichte S. 35

Kolloquien S. 37

Neuerscheinungen S. 50

Personalia S. 59

Die Arbeitsstelle Kiel S. 60



 

Von Passau nach Potsdam

Nicht zufällig schmückt der auch heute noch herrliche Blick auf die alte Bischofsstadt Passau den Umschlag dieser Nummer: Band 3 der Reihe "Residenzenforschung" mit dem Titel "Die landesherrliche Residenzstadt Passau im spätmittelalterlichen Deutschen Reich" ist endlich erschienen; das Werk Konrad Amanns wird auf S. 28 kurz vorgestellt (nicht besprochen, das sei anderen vorbehalten).

Zu vermelden ist weiter das Erscheinen einer gänzlich anders gearteten Monographie, nicht über eine Residenz, sondern über einen Hof: G. Nijstens Buch über "Het Hof van Gelre", den niederrheinischen Hof der Herzöge von Geldern 1371-1473. Dieses Werk konnten wir ausführlich besprechen. Zwei monographische Modelle stehen somit zur Auswahl nebeneinander. Welchem ist der Vorzug zu geben?

Wir müssen indessen den Blick nach vorne richten, auf das Herbstkolloquium 1994, auf Potsdam. Die Programmskizze mit dem Aufruf, Vorträge und Beteiligung anzumelden, steht in diesem Heft.

Weiters (auch Österreicher gehören unserem Kreise an) habe ich zwei dringende Bitten: (1) Denken Sie daran, der Redaktion Arbeitsberichte, Mitteilungen, Sonderdrucke und vor allem auch Adressenänderungen zuzusenden. Niemand macht sie so schnell bekannt wie wir! (2) Dieses erste Heft des Jahres enthält nicht wie üblich die Mitglieder- und Korrespondentenliste. Sie ahnen weshalb: Bitte senden sie uns unverzüglich Ihre neue Postleitzahl zu - sie brauchen nur das beiliegende Blatt auszufüllen und abzuschicken.

Zuletzt noch ein Wort zur eigenen Person. Am 1. Oktober 1993 werde ich die Leitung des Deutschen Historischen Instituts in Paris übernehmen. Obwohl ich damit die Christiana Albertina verlasse und alle Rechte an ihr verliere, hat sich die Leitung des Kieler Historischen Seminars dankenswerter Weise bereiterklärt, die Arbeitsstelle der Residenzenkommission bis auf weiteres zu beherbergen. Da ich der Familie wegen regelmäßig nach Kiel kommen werde, kann die Arbeit in gewohnter Weise weitergehen.

Nächster Redaktionsschluß: 1. Oktober 1993.

Kiel, am 1. Mai 1993 Werner Paravicini


Zeremoniell und Raum (1200-1600)
4. Symposium
der
Residenzenkommission
der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
Potsdam, 30. September - 3. Oktober 1994
 

1. Die Veranstalter:

Die Residenzenkommission wird dieses Kolloquium nicht alleine ausrichten, sondern in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Historischen Institut Paris und mit dem Fachbereich Geschichtswissenschaften der Universität Potsdam. Beide werden bei der Planung und der Organisation helfen. Herr Prof. Dr. Julius H. Schoeps und Herr Privatdozent Dr. Heinz-Dieter Heimann haben ihre hilfreichen Hände ausgestreckt (manus adiutrices porrigentes), stellen Rat und Räume zur Verfügung und wünschen sich ausdrücklich, "daß ich in meinem Programmaufruf die Tagungsteilnehmer sehr herzlich nach Potsdam an die Universität einlade". Dem komme ich gerne nach. Die Beteiligung des Pariser Instituts hat zur Folge, daß mit nenneswerter westeuropäischer Beteiligung zu rechnen ist, was uns allen nur gut tun kann.

2. Ort und Zeit:

Tagungsort wird die Universität Potsdam sein, in alten den Gebäuden des Neuen Palais, nahe dem Park von Sanssouci, in durchaus residentieller Umgebung. Das Kolloquium wird dauern von Freitag, dem 30. September, mittags (Ankunft), bis Montag, 3. Oktober, morgens (Abreise).

3. Das Thema:

"Zeremoniell und Raum" ist, was wir vor zwei Jahren, als die Planung begann (supra, Heft I, 2, 1991, S. 5 ), noch gar nicht wußten, überaus aktuell. Das gerade beendeten Kolloquium der Marburger Kunsthistoriker über "Zeremoniell als höfische Ästhetik" (das Programm s. unten S. 44-46) zeigt dies deutlich an. Aber wir wollen nicht genau dasselbe.

Im Verlauf unseres Kolloquiums soll ermittelt werden, in welcher Weise neue Formen sozialer Distanz im Raum sichtbar, wie ältere Formen der Raumappropriation durch neue ersetzt werden - oder auch nicht. Die Beobachtung reicht von der Konstellation lebendiger Körpern in Sprache und Gestik bis zur Strukturierung von Städten und Landschaften durch Bauten und Perspektive. Dabei ist zu bedenken, daß jede Distanzierung auf der einen Seite Annäherung in anderer Form auf der anderen zur Folge hat, Distanz und Nähe also dialektisch aufeinander bezogen sind. Sozialer Raum, lokaler Raum, regionaler Raum sind zu unterscheiden.

Demnach ist die Tagung in drei Abteilungen gegliedert. Einige Stichworte mögen erläutern und vorschlagen:

I. Zeremoniell und sozialer Raum: Hierarchie in Distanz und Nähe

Nähe als Auszeichnung, Distanz als Strafe.

Du, Ihr, Sie: Distanz und Nähe im Sprechen.

Die Konstruktion eines sozialen Raums durch fiktive Verwandtschaftsbezeichnungen.

Nebeneinander, Voreinander, Nacheinander, Übereinander: Gehen und Grüßen, Sprechen und Schweigen, Sitzen und Stehen, Essen und Trinken im Zeremoniell bei Hofe.

Hierarchie beim Gottesdienst.

Sozialer Raum und Ämterhierarchie: Der Befund der Hofordnungen.

Prozessionen als Organisationsformen des sozialen Raumes.

II. Zeremoniell und realer Raum: Veränderungen in Adelssitz, Burg und Schloß

Die Geburt der perspektivischen Distanz: Treppe, Galerie, Enfilade.

Die Differenzierung der Geschlechter.

Zur Entstehung der Privatsphäre (retrait, chambre privée).

Die Differenzierung der Bereiche (piano nobile, les communs, la basse cour)

Hoch und Niedrig, sozial und lokal.

Die Entstehung des Ehrenhofs.

III. Zeremoniell und geographischer Raum: die neue Stadt, die neue Residenz

Der Umritt als geographische Zeremonie.

Die Stadt als zeremonieller Raum: Platz, Markt, Straße.

Residenzlandschaften: Hauptresidenz, Nebenresidenz, Jagdschloß, Lusthaus.

Jagdreserve, Tiergarten, Park.

Der Beginn geplanter Stadt- und Residenzbauten im Reich und in Frankreich: Residenz-, Festungs-, Garnisonsstadt.

 

4. Verlauf: (1) Ankunft am Freitag (30. Sept.) mittags oder am frühen Nachmittag.

(2) Nachmittags ist zur Einstimmung eine Besichtigung des Neuen Palais, von Sanssouci und des Parks vorgesehen, geführt durch einen Vertreter der "Stiftung Schlösser und Gärten, Potsdam-Sanssouci".

(3) An diesem oder dem folgenden Abend wäre Gelegenheit zu einem "Workshop" mit den Mitarbeitern, Betreuern und Autoren der Residenzen-Kommission. Programmvorschläge erwarte ich aus diesem Kreise.

(4) Am Samstag und Sonntag (1. und 2. Oktober) fände das eigentliche Symposium statt, mit Einleitung, drei bis vier Sitzungen (12 bis 16 Vorträge), Zusammenfassung bzw. Rundgespräch und Schlußdiskussion.

(5) Festessen im "Cecilienhof", voraussichtlich am Sonntagabend (2. Oktober).

(6) Abreise am Montag früh (3. Oktober).

 

5. Organisation: Kiel: Arbeitsstelle der Residenzen-Kommission (Anschrift am Ende des Heftes).

Potsdam: Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Privatdozent Dr. Heinz-Dieter Heimann. Universität Potsdam, Fachbereich Geschichtswissenschaften (Haus 11), Am Neuen Palais 10, O -1571 Potsdam. Tel. und Fax: (0331) 9710-770.

Paris: Dr. Hartmut Atsma; ab 1. Oktober 1993 Prof. Dr. Werner Paravicini. Adresse: (bis 31. Dez. 1993:) 9, rue Maspéro, F - 75116 Paris; Tel.: (0033) 1 - 45 20 25 55, Fax: 45 24 64 80; ab dem 1. Jan. 1994: 8, rue du Parc Royal, F - 75003 Paris.

Die Unterbringung organisiert der örtliche Frenmdenverkehrsverein: "Potsdam Inofrmation, Friedrich-Ebert-Str. 5, Potsdam, Tel.: (0331) 2 11 00.

 

6. Aufruf:

(1) Bitte melden Sie alsbald, spätestens aber zum 1. August 1993 Referate, Mitteilungen, Diskussionsthemen für den Workshop an.

(2) Bitte melden Sie zum selben Zeitpunkt Vorträge (30 Minuten) zur oben erläuterten Thematik an. Fügen Sie Ihrer Anmeldung bitte ein knappes Résumé oder einen Vortragsplan bei.

(3) Bitte bereichern Sie die Programmplanung durch Addenda & Corrigenda aller Art.
 



 

Aus der Arbeit der Kommission
 

      1. Kommissionssitzungen.
Die nächste Sitzung der Residenzen-Kommission wird voraussichtlich Donnerstag, den 28. Oktober 1993, 11 h, am Sitz der Akademie in Göttingen stattfinden. Die übernächste im Zusammenhang mit dem 4. Symposium in Potsdam, am Abend des 30. September oder des 1. Oktober 1994.

2. Symposien.

4. Symposium "Zeremoniell und Raum 1200-1600": Planung und Aufruf sind oben mitgeteilt.

5. Symposium "Hof und Hofordnungen 1200-1600": ist weiterhin für 1996 vorgesehen.

3. Reihe "Residenzenforschung".

Dieter Kerber, "Herrschaftsmittelpunkte im Erzstift Trier. Hof und Residenz im späten Mittelalter" ist zur Kalkulation beim Verlag (vgl. unten die Rubrik "Buchvorstellungen").

Die Akten des 3. Symposiums "Alltag bei Hofe" gehen im Mai zur Kalkulation an den Verlag.

Mark Mersiowsky, "Die Anfänge territorialer Rechnungslegung. Hof-, Landes- und Amtsrechnungen des 13.-15. Jahrhunderts im deutschen Nordwesten", Diss. phil. Münster i. W. 1992 (Johanek), wird auf Beschluß der Kommission in der Reihe veröffentlicht werden. Der Autor arbeitetet das Ms. gegenwärtig um.

Johann Kolb, "Die Entstehung der Residenz Heidelberg", Diss. phil. Kiel (Paravicini) wird voraussichtlich Anfang 1994 kalkuliert werden können.

Michael Scholz, "Die Magdeburgische Residenz Halle 1503-1541", Diss. phil. Göttingen (Boockmann) wird für dieselbe Zeit erwartet.
 

4. Projekt "Bibliographie der spätmittelalterlichen Reiseberichte".

Bd. 1 (Deutschland) ist in der letzten Revisionsphase. Viel Mühe macht die notwendige Überprüfung der Angaben zur handschriftlichen Überlieferung. Herr Honemann (Münster) ist dabei behilflich.

Bd. 2 (Frankreich) und Bd. 3 (Niederlande) machen Fortschritte.

5. Projekt "Repertorium der deutschen Hof- und Verwaltungsordnungen".

Herr Johanek (Münster) wird im nächsten Heft über den Fortgang der Arbeiten am "Niedersächsischen Reichskreis" berichten.

6. Projekt "Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich (1200-1600)".

Die personellen Voraussetzungen sind trotz entsprechender Anträge der Akademie und Zustimmung des Landes Schleswig-Holstein weiterhin nicht gegeben.

Werner Paravicini, Kiel



 

Aus der Werkstatt

Der folgende Text wird dem Liebhaber des konkreten Details ein Greuel sein. Selbst der Gutwillige wird ihn schwer verdaulich finden. Natürlich, Niklas Luhmann, wird er sagen - und recht haben. Auch ich lese lieber gelebte Lebensläufe und verabscheue jedweden Jargon. Aber hier spricht ein junger Forscher, der aufs Ganze geht. Er will den Hof auf den Begriff bringen. Und diesen (oder einen) Begriff des Hofes, einen Vergleichsmaßstab, ein Ordnungsprinzip der so sehr verschiedenen Phänomene brauchen wir dringend. Jan Hirschbiegel macht ein Angebot. Nur das Gerippe, kein Fleisch. Machen Sie sich die Mühe und lesen Sie zweimal, dreimal. Und schreiben Sie dann empörte, kopfschüttelnde, begeisterte Briefe. Wir warten darauf, damit eine notwendige Diskussion in Gang kommt.

Werner Paravicini, Kiel

 

Jan Hirschbiegel
Der Hof als soziales System

In meiner Magisterarbeit mit dem Titel "Der Hof als soziales System. Vergleichende Untersuchung von Kaiser- und Königshöfen beim Übergang von der Antike zum Mittelalter", angefertigt unter Leitung von Prof. Dr. Werner Paravicini, Kiel 1992, habe ich den Versuch unternommen, auf der Grundlage der funktional-strukturellen Systemtheorie des Soziologen Niklas Luhmann ein Instrument zu erarbeiten, welches einen Vergleich der verschiedenen historischen Ausprägungen des Phänomens "Hof" ermöglicht. Dies besagt, daß über eine historische Betrachtungsebene hinaus, die nur das jeweilige Individualgebilde "Hof" bzw. bestimmte Einzelaspekte in den Vordergrund stellt - wie bei Norbert Elias' Werk "Die höfische Gesellschaft" entgegen seiner Ankündigung, ein Vergleichsmodell zu präsentieren, geschehen -, ein allgemein gültiges abstrakt-theoretisches Systemmodell entwickelt werden sollte, welches erlaubt, diese historischen Individualitäten nicht nur in ihrer jeweiligen Einmaligkeit zu beschreiben, sondern auch in ihren allgemeinen Formen zu begreifen und somit die geschichtlichen Erscheinungsformen von Höfen als Ganzes oder einzelne Teilbereiche in ihrer Gleichartigkeit und Unterschiedlichkeit zu veranschaulichen. In diesem Sinn kann die Systemtheorie ihre Qualität als "Ordnungsmacht" für die in Quellen und Literatur verstreuten Angaben über Höfe unter Beweis stellen. Im Zentrum systemtheoretischer Konzepte steht die Verbindung der Begriffe "Struktur" und "Funktion", wie sie auch den theoretischen Ansätzen der strukturell-funktionalen Theorie nach Talcott Parsons zugrundeliegt. Durch den Zugriff auf diese systemtheoretischen Konzepte ist es möglich, über Elias' Ansatz hinaus zu gelangen, wobei mein Hofmodell aus der Zusammenführung von historisch-idealtypischer Wirklichkeit und soziologisch-abstrakter Systemtheorie besteht.

Das historische Gebilde "Hof", wie es in den Quellen und der Literatur dargestellt wird, ist immer eine konzentrisch und hierarchisch organisierte Herrschaftsinstitution. Sie ist durch die untrennbar miteinander verbundenen spezifischen Herrschafts-, Staats-, Prestige- und Nutzfunktionen sowohl des Hofes selbst als auch seiner einzelnen Strukturelemente strukturiert. Darüber hinaus ist sie auf eine über ein oder mehrere Gebiete und Personen oder auch lediglich Personen Herrschaft ausübende zentrale Mittelpunktsfigur hin orientiert. Diese vereinigt als Machtzentrum sämtliche Machtchancen in sich und entscheidet über alle politischen, sozialen, materiellen und gegebenenfalls kulturellen Chancen; dabei verfügt sie über ein Gewaltmonopol und ein monopolisiertes administratives und finanzielles Potential, das durch sakrale, rechtliche und ideelle Elemente abgesichert ist. Damit dient der Hof in erster Linie dem Herrschaftszentrum selbst zur Erlangung, Konservierung, Dokumentation und Ausübung von Macht. Die jeweilige Individualität eines historischen Hofes, die als eine von der Alltagswelt abgehobene mehr oder weniger geschlossene politische, soziale, ökonomische und kulturelle Einheit erscheint, welche sich durch spezifische Abzeichen und Handlungen selbst symbolisiert, ist als Reflex auf einen konkreten historischen Kontext und die individuelle Persönlichkeit des Herrschers zu verstehen. Sie kann charakterisiert werden durch die nach Max Weber soziologisch faßbare Legitimation des jeweiligen Herrschers als traditionale, charismatische oder rationale Herrschaftsorganisation. Typisch für den historischen Hof erscheint die Verquickung von privaten und öffentlichen Bereichen und Zuständigkeiten, von herrschaftlicher Haus- und staatlicher Zentralverwaltung.

Der historische Hof könnte nach dem Schema der Abbildung 1 graphisch veranschaulicht werden. Die Überschneidungen der einzelnen Bereiche und deren nur durch gestrichelte Linien vorgenommene Abgrenzungen sollen auf deren Multifunktionalität und gegenseitige Einflußmöglichkeiten hindeuten. Die Verwendung nur einer geometrischen Form weist auf die herrschenden Abhängigkeiten aller Bereiche voneinander hin.

Ein soziales System oder ein soziales Teilsystem innerhalb eines sozialen Systems besteht aus Systemelementen und -strukturen und aus deren Relationierungen und weist eine gegenüber seiner jeweiligen Umwelt niedrigere Komplexität auf. Die Komplexität der Umwelt, Bezugspunkt eines Systems, wird vermittels kommunikativer Selektionsprozesse reduziert auf Strukturen zur Verarbeitung dieser Umweltkomplexität, wobei Umweltkomplexität, Reduktion und Selektion gleichzeitig für ein System konstitutiv sind. Das entstehende Komplexitätsgefälle wird durch die reduktiv-kommunikativen Selektionsprozesse sachlich (Reduktion von Komplexität), sozial (Ausschaltung von Kontingenz, d.h. Erwartungsunsicherheiten) und zeitlich (Bestandserhaltung des Systems) stabilisiert zu einer System-Umwelt-Differenz, die anhand der Konstituierung von Systemgrenzen indentifiziert werden kann, die lediglich System- und Umweltelemente, nicht aber deren Relationierungen trennen. Die Bezüge - siehe Abbildung 2 -, die sich dabei zwischen den allgemeinen systemtheoretischen Aussagen und dem historischen Hof auch graphisch feststellen lassen, sind allerdings inhaltlich noch zu allgemein gehalten und können unsere oben dargelegten Beobachtungen deshalb nur geringfügig ergänzen.

Abb. 1

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Es läßt sich feststellen, daß ein System entsprechend seiner spezifischen Umwelt nach systemimmanenten Sinnkriterien nicht nur strukturelle in Symbolsystemen verankerte Präferenzen ausbildet, sondern ebenso versucht, durch die Generalisierung von Verhaltenserwartungen der das System verunsichernden Umweltkomplexität begegnen zu können. "Umwelt" bzw. "Umweltkomplexität" ist die systemtheoretische Kategorie, von der in letzter Instanz nicht nur die Konstituierung, sondern auch der Bestand eines sozialen Systems abhängt, wobei das generell offene soziale System in seinem Kern selbstreferentiell - autopoietisch - geschlossen ist. Ein zentrales Problem ist die Steuerung sozialer Systeme, die durch spezifische Kommunikationsmedien gehandhabt wird.

 

Abb. 2

 [Abbildung zur Zeit nicht verfügbar]
 

 
Das soziale System "Hof", soziologisch gesehen zweifelsfrei entstanden aus einem Bedarf an sozialen Mechanismen, die Komplexität reduzieren und regulieren, läßt sich nun natürlich anhand der mit dem Problem der Reduktion von Komplexität zusammenhängenden Kategorien beschreiben, aber eben mit der erheblichen Einschränkung, daß diese Kategorien für sich allein in ihrer allgemeinen Fassung noch zuviele Interpretationsmöglichkeiten bieten, wenn man sie mit der historischen Realität verbindet. Der Versuch, eine Antwort auf die Frage nach der Ausgestaltung der genannten Kategorien durch die historische Wirklichkeit zu bekommen, würde noch scheitern, weil es in diesem allgemeinen Bereich der Systemtheorie noch an den diese generellen systemtheoretischen Aussagen konkretisierenden Begriffen mangelt. Zu deren Verständnis es notwendig ist, die Grundbegriffe der Systemtheorie zu kennen. Diese Begriffe sollen in dem nächsten Abschnitt vorgestellt werden. Gleichzeitig soll damit das Verständnis von Hof als Institution und Organisation inhaltlich weitergeführt werden.

Ein soziales System, welches sich konstituiert, um kontingenten Handlungszusammenhängen begegnen zu können, unternimmt also aufgrund der Komplexität seiner jeweils spezifischen Umwelt bestimmte Anstrengungen zu seiner Selbsterhaltung, die über Reduktions- und Selektionsmechanismen zur Bewältigung von Kontingenz und Komplexität zu entsprechend spezifisch segmentär, stratifikatorisch und funktional ausdifferenzierten Systemstrukturen führen, welche durch Emergenz, Multifunktionalität und Äquivalenzfunktionalismus gekennzeichnet sind. Als ausgebildetes soziales System weist dieses einen autopoietisch-selbstreferentiellen Kern der Reproduktion der Selbstkonstitution durch stete Reproduktion systemeigener Elemente auf.

Diese Mechanismen als kommunikative Prozesse selektiven Verhaltens folgen sachlich, zeitlich und sozial kongruenten Sinnkriterien entsprechend einer an systemimmanenten Präferenzen orientierten Systemidentität, die ihren Ausdruck in wiederum spezifischen Symbolsystemen findet. Der kommunikative Charakter dieser Selektionsprozesse entsteht durch die als systemisches Handeln zu verstehenden Synthese der Dreiheit von Information, Mitteilung und Verstehen und bedingt die Ausbildung von auf das jeweilige System abgestimmten Kommunikationsmedien.

Die Anstrengungen des Systems zu seiner Selbsterhaltung liegen letztlich in der Koordination von Verhaltenserwartungen zur sachlichen, zeitlichen und sozialen Absorption von Unsicherheit, mithin in der kongruenten Generalisierung von Verhaltenserwartungen, die Institutionalisierung und Strukturierung dieser Verhaltenserwartungen nach sich ziehen, bestimmt und gesteuert durch systemadäquate Kommunikationsmedien.

Dies ist der sich bietende Ansatzpunkt zur Umsetzung systemtheoretischer Grundprinzipien in anwendbare Begriffe auf der Grundlage eines Verständnisses des historischen Phänomens "Hof" als einer auf Macht gegründeten Herrschaftsorganisation und -institution. Die dieser Umsetzung hilfreichen Kategorien stellen die die allgemeine Systemtheorie ergänzenden und konkretisierenden Ausführungen über Institutionalisierung, Organisation, politisches System und Macht als Kommunikationsmedium zur Verfügung. In einer ersten Annäherung von theoretischer Erkenntnis und historischer Realität kann "Hof" demzufolge als Orientierungsgröße durch die Institutionalisierung und Strukturierung von Verhaltenserwartungen verstanden werden. Es ist demnach zunächst Aufgabe der Institution "Hof", Verhaltenssicherheit zu bieten, und dies nicht nur den ihr zugehörigen Personen in der Weise, daß - in der Terminologie der Systemtheorie - Erwartungen auf unterstellbare Erwartungserwartungen Dritter gestützt werden können. Dies geschieht dadurch, daß die Institution "Hof" als ein Macht organisierendes politisches System auftritt und in all seinen Bereichen systemrational, also politisch, und damit letzten Endes "höfisch" handelt.

In diesem Sinn dient eine systemtheoretisch definierte Organisation "Hof" der kongruenten Generalisierung von Verhaltenserwartungen durch die Festlegung von Mitgliedschaften (und damit auch von Nichtmitgliedschaften) und deren Bedingungen; der Verknüpfung von systemischen Verhaltensanforderungen und Verhaltensmotiven der Mitglieder, also der Generalisierung der Motivlage über Mitgliedschaft; der Aufstellung von Mitgliedschaftsregeln in Form dauerhafter Reproduktion künstlicher, systemischer Verhaltensweisen und deren Anerkennung und Ausbildung von hierarchisch geordneten Ämtern und Strukturen mit je spezifischen Kompetenzen, die sich als Stellen bezeichnen lassen, welche ihre Identität über ein eigenes Programm, spezifisch begrenzte Kommunikationsmöglichkeiten und die Bindung an eine Person gewinnen; der Erstellung von Leistungen auch für Nichtmitglieder, die diese Leistungen akzeptieren, annehmen und schätzen und mit Prestigezuweisungen honorieren, und schließlich der Produktion von Entscheidungen.

Zu einem politischen System wird die Organisation "Hof", weil sie sich funktional nicht nur auf die Herstellung von bloßen Entscheidungen, sondern auf die Herstellung von bindenden Entscheidungen spezifiziert hat, die durch Einsatz von Macht- und Zwangsmitteln zur Befolgung gebracht werden können. Diese Entscheidungen erhalten ihren bindenden Charakter dadurch, daß es gelingt, die Erwartungen derer, die von Entscheidungen betroffen sind, effektiv dahingehend umzustrukturieren, daß sie zur Voraussetzung werden für ein sich anschließendes weiteres systemkonformes Verhalten.

Die systemische Leistung des politischen Systems besteht in der Erzeugung, Verwaltung und Kontrolle von Macht. Macht ist definiert als Möglichkeit, durch eigene Entscheidung für andere eine Alternative auszuwählen, als Kombination von Einfluß, Autorität und Führung und als anwendbar auf unterschiedlichste Inhalte. Macht als Kommunikationsmedium des politischen Systems "Hof" wird Träger der Entscheidungsleistungen, legitimiert durch die Institutionalisierung ihrer kritiklosen Anerkennung. Die Herstellung bindender Entscheidungen und die Erzeugung von Macht gelingt dem politischen System durch Ausdifferenzierung auf der Ebene der Stellen und durch zeitlich-, sachlich- und sozial-autonome Selbstsetzung der selektiven Kriterien für den Umgang mit der Umwelt des Systems.

In logischer Konsequenz bietet sich Macht als ein Mittel zur Lösung von Problemen an, die sich dem System stellen: Gewährung gegenwärtiger Sicherheit und Bewältigung künftiger, noch unbekannter Schwierigkeiten. So erscheint Macht als die Codierung von Präferenzen zur Regelung von Sonderproblemen, in diesem Fall politischer Probleme, und zum demgemäßen Aufbau eines funktionsspezifischen Sozialsystems, in diesem Fall eben des politischen Systems, und bildet zum Zweck der Orientierung regelgebundene Symbole.

Als theoretische Voraussetzungen von Macht sind sowohl die Kombination von Orientierungsgemeinsamkeit und Nichtidentität der Teilnehmer des Kommunikationsgeschehens als auch die zukunftsgerichtete Unsicherheit in bezug auf die Selektion des jeweiligen Machthabers zu nennen. Hier liegt nicht nur die Übertragungsleistung von Macht zur Beeinflussung der Selektion von Handlungen begründet, sondern auch der Mechanismus der Macht, der darin besteht, daß der Machthaber über mehr Handlungsalternativen verfügt als die Machtunterworfenen.

Macht in Organisationen ist somit eine Kommunikationsart, die den Machthaber aufgrund seines Amtes bzw. seiner Stelle befähigt, Handlungsprämissen zu setzen, nach denen die Machtunterworfenen zu handeln haben, wodurch die Organisation selbst, also das politische System, also der Hof, durch Zentralisierung der Machtgrundlagen zum Machtmittel der politisch-administrativen Zentralgewalt "Hof" wird, in der sich Macht in Form von bindenden Entscheidungen äußert.

Die sich bietenden Anwendungsmöglichkeiten von Macht in Organisationen bestehen darin, daß dieses Medium einerseits Personalmacht, andererseits Organisationsmacht begründet, die durch das Prinzip der Hierarchie verbunden sind, und darauf unter Zuhilfenahme von positiven und negativen Sanktionen die Einflußnahme auf Karrieren zumindest innerhalb der Organisation und die Kompetenz zu dienstlichen Weisungen beruhen.

Wie eine wechselseitige Zuordnung der Kategorien des historischen Hofstrukturmodells einerseits und des systemtheoretischen Modells des organisierten politischen Systems andererseits aussehen könnte, will ich nun anhand einer die historischen und die systemtheoretischen Ausführungen zusammenfassenden Definiton von "Hof" zur Diskussion stellen.

Demnach ist das historische System "Hof" als ein soziales System zu sehen, dessen Aufgabe es zunächst ist, als Institution dauerhaft Orientierungs- und Verhaltenssicherheit auch gegenüber Dritten zu bieten, um der kontingenten Komplexität der Umwelt begegnen zu können. Diese Aufgabe wird gelöst durch die spezifische organisatorische Ausformung des Systems, durch die segmentäre, stratifikatorische und funktionale Ausdifferenzierung von Strukturen und Strukturelementen zum Zweck der Reduktion und Selektion von Umweltkomplexität mit dem Ziel der kongruenten Generalisierung von Verhaltenserwartungen. Diesem Ziel gemäß erhält die Institution "Hof" ihre spezifische organisatorische Gestalt dadurch, daß die ihr eigenen Funktionsbereiche (Nutzen, Prestige, Staat und Herrschaft) und Teilsysteme (herrschaftlicher Privathaushalt, Repräsentation und Zeremoniell, Zentralverwaltung mit hierarchisch angeordneten Ämtern und zentrale, politische Herrschaft ausübende Mittelpunktsfigur mit der immanenten Möglichkeit aller Teilsysteme zu weiterer Ausdifferenzierung) sowohl in der zeitlichen als auch in der sachlichen und sozialen Dimension durch das Kommunikationsmedium "Macht" zusammengehalten werden. Dies deutet auf den Umstand, daß insbesondere das durch das Kommunikationsmedium "Macht" konkret als politisches System ausgewiesene Gebilde "Hof" als ein emergentes, multifunktionales und äquivalenzfunktionalistisches soziales System erscheint, weil es nicht allein durch die Summe seiner Teile zu charakterisieren ist, sondern durch das vielfältige Zusammenwirken der Funktionen, Funktionsbereiche und Teilsysteme, beispielsweise durch die Verquickung von privaten und öffentlichen Bereichen und Zuständigkeiten wie herrschaftlicher Haus- und staatlicher Zentralverwaltung.

Die Kategorie "Macht" verweist auf das allgemeine systemtheoretische Prinzip der Autopoiesis, denn der historische Hof besteht in dreifacher Hinsicht aus autopoietisch-selbstreferentiellen Komponenten. Im System "Hof" werden durch das Aufstellen und Bestehen von spezifischen Mitgliedschaftsregeln dauerhaft künstliche, systemrationale, "höfische" Verhaltensweisen reproduziert. Ebenso konstituiert sich Macht auf Dauer immer wieder selbst in Form des Autorität, Einfluß und Führungsqualitäten aufweisenden Machthabers als Machtzentrum, unter anderem auf dynastische Weise. Der diesem Machtzentrum dienende Hof sorgt erst in zweiter Linie durch die Bereitstellung von organisatorischen Leistungen vor allem durch den Bereich der Administration für die gesellschaftliche (Über-)Lebensfähigkeit, was dann seitens der machtunterworfenen Umwelt mit Prestigezuweisungen belohnt wird. Dies ist auch der Sinn des Hofes: dauerhafte Stabilisierung des Systems durch eine nach herrschaftssoziologischen Kriterien legitimierte Herrschaftsausübung. Hierdurch, durch korrelativen Bezug von höfischem System und Umwelt und durch die konkrete Herrscherpersönlichkeit gewinnt das System seine Identität und seine personalen und territorialen Grenzen, durch eigens für diesen Zweck geschaffene Symbolsysteme hebt es sich wiederum von seiner Umwelt ab. Schließlich setzt das dahingehend als autonom zu bezeichnende System seine selektiven Kriterien für den Umgang mit seiner Umwelt vor allem durch die Erzeugung, Verwaltung und Kontrolle von Macht selbst. Herrschaft heißt für das politische System "Hof" Herstellung von bindenden Entscheidungen in sämtlichen relevanten politischen, sozialen, administrativen, militärischen, ökonomischen, finanziellen, sakralen oder kulturellen Fragen und weist damit über eine Charakterisierung von "Hof" als bloßes Organisationssystem hinaus. Die Herstellung von bindenden Entscheidungen gelingt dem System "Hof" formal durch die zentralisierte Anwendung von hierarchisch strukturierter Organisations- und Personalmacht über die mit je spezifischen Programmen, Kompetenzen und Kommunikationsbeschränkungen versehenen personengebunden Stellen, den Ämtern und administrativen Strukturen. Zur Veranschaulichung der genannten Zusammenhänge siehe Abbildung 3.

Weil der Bezugspunkt des Systems "Hof" seine spezifische kontingente Umwelt ist, hat man bei der Überprüfung anhand von Beispielhöfen (wie ich es detailliert am Beispiel des spätrömischen Hofes der Kaiserzeit nachvollzogen habe, dem ich den Hof der Merowinger und den Hof Karls des Großen zum Vergleich an die Seite stellte) zunächst von dieser Kategorie auszugehen. Erst die Darstellung von Umweltkomplexität macht die sich daraus ergebende Systemkomplexität verständlich und trägt zur Begründung der Aussage bei, daß das individuelle Gebilde "Hof" als Antwort auf die jeweilige historische Situation zu verstehen ist.

Abb. 3

[Abbildung zur Zeit nicht verfügbar] 
 

Der spätrömische Hof der Kaiserzeit ist in diesem Sinn zum einen das Ergebnis eines längeren Prozesses der historischen Entwicklung, der allmählichen Änderung von Umweltkomplexität und -kontingenz seit Beginn der römischen Kaiserzeit, und zum anderen das Ergebnis eines kürzeren Prozesses der Anpassung von Systemkomplexität als Antwort auf die konkret gegebene Komplexität und Kontingenz der Systemumwelt. Innerhalb dieses kürzeren Prozesses lassen sich drei Phasen unterscheiden. Die erste Phase ist die Umbruchszeit des 3. Jahrhunderts, die Zeit der allgemeinen Reichskrise, in welcher das Heer als "Kaisermacher" entscheidenden Anteil an der Inflation der Kaiser" hat. Der Hof ist in diesen unruhigen Zeiten "unterwegs" und in der Nähe der strategisch wichtigen Punkte zu finden. Die zweite Phase wird durch die Reformen der Zeit des Kaisers Diokletian bestimmt, der versucht, der zunehmend kontingenten Umwelt mit geeignet scheinenden Maßnahmen Herr zu werden. Stichworte sind Tetrarchie und Verwaltungsausbau, also steigende Systemdifferenzierung und Sicherung der Herrschaft, Zwangswirtschaft zur besseren Kontrolle der ökonomischen Subsysteme, Ausgestaltung und Institutionalisierung der monarchischen Repräsentation zum Wiedergewinn der verlorengegangenen kaiserlichen Autorität zur Beseitigung von Orientierungsunsicherheiten durch Generalisierung von Verhaltenserwartungen mit dem Ziel einer dauerhaften Konservierung von Macht. Diokletian als zentrale, politische Herrschaft ausübende Mittelpunktsfigur hat wesentlichen Anteil an der organisatorischen Ausgestaltung des Hofes. Die dritte und letzte Phase ist die Zeit der Konsolidierung unter Kaiser Konstantin und seinen Nachfolgern, die die diokletianischen Ansätze vollenden, ausbauen und weiterentwickeln, das Christentum in die Herrschaft integrieren und mit Konstantinopel eine neue feste Residenz schaffen.

Der Sinn des höfischen Systems liegt in der Ausübung von Macht und Macht ist hier nicht nur das Prinzip der Reduktion von Umweltkomplexität, die "Brille" dieses Systems, durch die es seine Umwelt betrachtet, sondern auch das Prinzip der Stabilisierung der System-Umwelt-Differenz und damit auch die Regel der sich entsprechend systemimmanenter Sinnkriterien bildenden Grenzen des Systems.

Die Grenzen des sozialen Systems "Hof" werden , da es sich - und dies ist generell zu beachten - um ein Handlungs- und damit um ein Kommunikationssystem handelt, über die Generalisierung von Verhaltenserwartungen bestimmt. Träger von Handlung sind die Mitglieder des Hofes und wenn sich die Frage stellt, wer überhaupt einem Hof angehört und wo somit die Unterschiede zu den Nichtmitgliedern liegen, so stellt sich damit auch die Frage nach den Bedingungen und Regeln der Mitgliedschaft, der dahinterstehenden Motivstruktur, den systemisch-höfischen Karrieremöglichkeiten, über die das soziale System "Hof" dauerhaft systemrationale, "höfische", Verhaltensweisen reproduziert.

Am spätrömischen Hof ist die allgemeine formale Mitgliedschaft gekennzeichnet durch den die Gesamtheit der Mitglieder umfassenden Begriff palatini, deren Dienst als militia gilt, symbolisiert durch das cingulum. Davon herausgehoben sind die Mitglieder des consistorium, die comites consistoriani, alle Angehörigen der Palastverwaltung, die cubicularii, die kaiserlichen Leibwachen und selbstverständlich der Kaiser selbst. Die in dem Begriff palatini als Sammelbezeichnung für alle Hofämter zum Ausdruck kommende Nähe zum Herrscher ist ein erstes Abgrenzungskriterium des Hofes von seiner Umwelt. Gemeinsame Aufgabe der palatini in ihren jeweiligen Ämtern ist die Aufrechterhaltung der Hoffunktionen. Letztlich tragen sie dadurch alle zur Stabilisierung des Systems bei, woran sie aufgrund ihrer Privilegierung ein besonderes Interesse haben. Weil das System "Hof" seinen Bestand vor allem auch in der zeitlichen Dimension sichern muß, ist die Reproduktion der formalen Mitgliedschaften von besonderer Bedeutung.

Zum Erhalt seines Mitgliederbestandes hat der spätrömische Hof verschiedene Möglichkeiten, die allgemein danach unterschieden werden können, ob es sich um den Bereich des herrschaftlichen Haushalts handelt oder um den Bereich der Zentralverwaltung.

Weil die Positionen am Hof in direktem und täglichem Kontakt zum Kaiser zu einem großen Einfluß der Höflinge des Palastes führen, erfordern diese Vertrauensstellungen die Besetzung mit besonders ausgewähltem Personal. Zu diesem Zweck werden fast ausschließlich Eunuchen benutzt, die als Sklaven importiert werden, eine Ausbildung erhalten und dann in den Hofdienst gelangen, wobei sie im Verlauf ihres Dienstes den Sklavenstatus verlieren können. Eunuchen, weitgehend identisch mit den cubicularii, begegnen als Leibwächter, Schatzmeister, Garderobeverwalter oder Kammerdiener, und dienen im Unterschied zu den übrigen Beamten auf Lebenszeit. Auch der Vorsteher der Palastverwaltung, der praepositus sacri cubiculi, ist ein Eunuche und ehemaliger Sklave, der aber in dieser Position zum consistorium zählt, Senatorenrang besitzt und mit an der Spitze der höfischen Hierarchie steht.

Die formalen Mitglieder des Staatsrates werden vom jeweiligen Kaiser wie überhaupt alle höheren Posten durch Überreichung eines codicillus ernannt, wobei die Kaiser in diesen überschaubaren Zusammenhängen Männer ihrer eigenen Herkunft bevorzugen. Bei den in der Hierarchie folgenden Ämtern folgt die Besetzung dem Prinzip, die Privilegierung auf möglichst viele zu verteilen und dadurch die Integration zu fördern. Die Aufblähung des spätantiken Verwaltungsapparates führt gerade im mittleren und unteren bis untersten Bereich der Verwaltung zu dem Problem, daß loyales Verhalten nicht mehr durch patrimoniale Rekrutierung des Verwaltungsstabes zu erreichen ist. Deshalb eben wird der Dienst als militia definiert, um die nicht mehr bestehende persönliche Bindung an den Herrscher durch eine den Soldaten ähnliche Treuepflicht wiederherzustellen.

Bei den nicht formalen Mitgliedern des Hofes handelt es sich zum einen um die kaiserliche Familie, insbesondere um die im Einzelfall an Entscheidungen beteiligte Kaiserin, dann um den engsten, wesentliche Fragen beratenden Kreis um den Kaiser, bestehend aus den proximi und den kaiserlichen amici, die als außerordentliche comites neben die ordentlichen treten, und schließlich um am Hof vertretene Gesandte und Bittsteller sowie Vertreter anderer Organisationen wie der Kirche.

Vielfältige Privilegien machen die Mitgliedschaft im System "Hof" zum erstrebenswerten Ziel. Die palatini, auch ehemalige, sind befreit von allen Steuerzahlungen und müssen auch keine Rekruten stellen. Zudem sind alle am Hof Dienenden von der Pflicht befreit, Pferde für Dienstreisen zur Verfügung zu halten und dürfen nicht gefoltert werden außer bei Fälschung der kaiserlichen Unterschrift. Die Funktion der Unterscheidung und Trennung der Mitglieder von Nichtmitgliedern und der dadurch erfolgten Grenzbildung zeigt sich deutlich.

Die Frage nach der Systemdifferenzierung ist die Frage nach dem "Wie" der höfischen Organisation, nach der funktionalen, segmentären und stratifikatorischen Differenzierung, also die Frage nach den jeweils real-historischen Teilsystemen, nach Rängen und Hierarchie und nach möglicherweise vorhandenen höfischen Verbänden und Interessengruppen. Welche Stellen lassen sich benennen, welches sind ihre Programme, Kompetenzen und Kommunikationsbeschränkungen und welche personalen Bindungen bestehen? Eine besondere Stelle ist dabei die der zentralen, politische Herrschaft ausübenden Mittelpunktsfigur.

Die Innendifferenzierung des Systems "spätrömischer Hof" ist die eigentliche Antwort des Systems auf seine spezifische Umwelt: einerseits kompensiert Systemkomplexität Umweltkomplexität, andererseits dient das differenzierte System "Hof" entsprechend seinem systemischen Sinn als Instrument der Umweltbeherrschung.

Das spätantike Rangordnungssystem ist das stratifikatorische Differenzierungs- und Abgrenzungsinstrumentarium, welches aber nicht nur eine Funktion der hierarchisch geordneten Verwaltung ist, von Distinktion, Abgrenzung und Differenzierung, sondern auch der Integration und Herrschaftssicherung. Titel und Würden mit den damit verbundenen Privilegien nehmen in dem Maß zu, wie das Kaisertum seine Herrschaft dadurch abzusichern sucht, daß es den in seinen Diensten stehenden Personenkreisen zu Ehre und sozialem Prestige verhilft und damit zur Teilhabe am eigenen Ansehen und an der Macht des Systems. Seinen Ausdruck findet das Rangordnungssystem in den verschiedensten Titeln, Würden und Rangklassen, in Kleider-, Gruß- und Vortrittsvorschriften. Neben der internen formalen Rangordnung, der Klärung von Kompetenzen und der Disziplinierung der Mitglieder dient die stratifikatorische Innendifferenzierung des Systems als Mittel, Funktionen, Ränge und Würden zueinander in Beziehung zu setzen. Es entspricht den Formalisierungsbestrebungen und -maßnahmen des zunehmend arbeitsteiliger funktionierenden spätrömischen Staates und ist damit letztlich auch das Herrschaftsinstrument zur Kontrolle, Ordnung und Rekrutierung der Führungsschicht. Dennoch bleiben trotz aller Formalisierungsbemühungen Segmente bestehen, die von der stratifikatorischen und funktionalen Innendifferenzierung nicht erfaßt werden.

Unter Segmenten sind mit Luhmann "Interaktionskonzentrate" zu verstehen, die sich weitgehend unabhängig von stratifikatorischen und funktionalen Differenzierungen bilden und quer durch die stratifikatorische und funktionale Differenzierung eines Systems laufen: Familien, Gruppen, Interessenverbände, Landsmannschaften, Religionsgemeinschaften, Gefolgschaften. Als eine große Gruppe am spätrömischen Hof erscheinen beispielhaft neben der kaiserlichen Familie die Eunuchen. Zeitlich begrenzte Segmente entstehen am Hof auch durch die Anwesenheit von Gesandtschaften oder durch Gemeinschaften, die sich zu Festen zusammenfinden.

Der spätrömische Hof ist durch seine bis ins einzelne gehende funktionale Innendifferenzierung ein spezifisches Beispiel für eine Hochkultur, die sich aus systemtheoretischer Sicht dann bildet, wenn "der Durchbruch von segmentärer zu funktionaler Primärdifferenzierung gelungen ist, wennn also mindetens eines der primären Teilsysteme sich nicht mehr dem alten Muster der Siedlungen und Geschlechter fügt, sondern auf der Basis einer besonderen Funktion gebildet wird". Auf ein detailliertes Verzeichnis der einzelnen Ämter und Stellen muß hier verzichtet werden. Es mag der Hinweis genügen, daß anhand der Systemdifferenzierung ein gravierender Umschlag von einem hochfunktional organisierten spätrömischen Hof zu einem schwerpunktmäßig segmentär differenzierten merowingischen Hof sichtbar wurde. Der Hof Karls des Großen blieb dieser Tendenz treu, zeigte aber eine im Vergleich zum Merowingerhof bereits wieder erhöhte funktionale Differenzierung. Aus der Betrachtung der Systemdifferenzierung lassen sich somit Erkenntnisse über den Entwicklungsstand, den Organisationsgrad und den herrschaftssoziologischen Charakter eines Hofes gewinnen.

Im Zusammenhang mit Macht als theoretischer Kategorie ist die praktische Ausübung und Anwendung von Macht zu behandeln. Welche konkreten Machtmittel lassen sich feststellen, wie ist das Herrschaftszentrum abgesichert, wie wird Macht erlangt, dokumentiert, konserviert, legitimiert, symbolisiert und reproduziert? Wie, von wem und in welchen Bereichen werden bindende Entscheidungen hergestellt, wie äußern sie sich und wie werden sie kontrolliert?

Am spätrömischen Hof manifestiert sich die Machtausübung und -fülle in der Privilegierung und den Aufstiegs- und Mobilitätschancen seiner Mitglieder, im Gebrauch der Instrumente adlectio und codicillus, im Einsatz der durch die stratifikatorische und funktionale Differenzierung gegebenen Möglichkeiten, in der Fällung und Umsetzung verbindlicher Entscheidungen bzw. kaiserlicher Willensbekundungen mit Hilfe der Verwaltungsorganisation und insbesondere des consistorium, in der Beschäftigung von Architekten, Bildhauern und Kunsthandwerkern, in Zeremoniell und Repräsentation.
 

Das höfische System der Spätantike hat sich im Austausch mit seiner Umwelt unter dem prägenden Einfluß vor allem Diokletians und Konstantins etabliert und klare Systemgrenzen durch die Definition von systemspezifischen Mitgliedschaften herausgebildet. Es läßt sich feststellen, daß auch die Systemdifferenzierung selbst immer wieder durch den Code Mitgliedschaft/Nichtmitgliedschaft bestimmt wird. Alle Teilsysteme gewinnen ihre Identität über Mitgliedschaft, kenntlich an verschiedenen Bezeichnungen, Kompetenzen, Funktionen, Privilegien, Rekrutierungsarten, Würden, Symbolen, Insignien etc. Diese Identität der einzelnen Teilsysteme ist allerdings eine abgeleitete, denn es gibt nur den einen gesellschaftlichen und höfisch-systemischen Orientierungspunkt in der Institution und Person des Herrschers. Dadurch ist das gleichwohl funktional äußerst spezialisierte System in erster Linie durch seine stratifikatorische Differenzierung bestimmt, denn die Hierarchien sind auf Dauer gestellt, längerkettig und abstrakt und es existiert dauerhaft neben dem spätrömischen Hof-system kein anderes gesellschaftliches Teilsystem, kein anderes gesamtgesellschaftlich bedeutendes Zentrum, weder ökonomisch, noch kulturell, weder sozial, noch politisch, weder religiös (mit Ausnahme der sich entwickelnden Kirche), noch militärisch (mit Ausnahme des Westens, wo das militärische System das politische absorbiert hat). Die den Hof umgebende Gesellschaft weist also keine funktionale Differenzierung in Teilsysteme auf, denn alle relevanten Teilsysteme wie auch die verschiedenen Funktionsbereiche sind am Hof vertreten und erscheinen in der Person des Herrschers gebündelt. Zugespitzt ließe sich deshalb behaupten, daß sich das System "Hof" oder ein höfisches System so lange immer wieder selbst reproduzieren kann, als keine konkurrierenden Teilsysteme zum Beispiel aus den vier Funktionsbereichen entstehen. Gerade diese Bündelung verdeutlicht noch einmal die systemtheoretischen Kategorien Emergenz und Äquivalenzfunktionalismus und die höfische Besonderheit der Multifunktionalität.

Die Position des Herrschers stellt sich deshalb dar als ein in jeglicher Hinsicht festumrissenes Steuerungszentrum, überdeutlich abgesetzt von seiner Umwelt, und beweist damit die Effizienz von Zentralisation in stratifikatorischen Systemen.

An der je nach Einzelfall unterschiedlichen Bestellung eines Herrscher läßt sich individuell feststellen, ob es sich tendenziell um ein charismatisch, traditional oder rational legitimiertes System handelt. Die je unterschiedlich gestaltete Binnenstruktur eines Hofes gibt Auskunft darüber, ob es sich in Analogie der Weberschen Kategorien zu den drei Prinzipien der Systemdifferenzierung um ein segmentär-(archaisch)-charismatisches, stratifikatorisch-(ständisch)-traditionales oder funktional-(modern)-rationales System handelt. Der spätrömische Hof der Kaiserzeit ließe sich demnach aufgrund der Systemdiferenzierung als ein funktional-rational ausdifferenziertes stratifikatorisch-traditionales System mit segmentär-archaischen Rudimenten charakterisieren, aufgrund der Konstruktion des Kaisertums legitimiert durch die Veralltäglichung des Charisma.

In ihrer Reichweite enthält die Systemtheorie allerdings Interpretationsmöglichkeiten, die ich nur annähernd berücksichtigen konnte, so daß mein Experiment freilich noch nicht vollkommen befriedigen kann. Aber ich glaube, daß ich das Prinzip meines Ansatzes deutlich machen und auch zeigen konnte, daß dieses Modell nicht nur geeignet ist für eine vergleichende Untersuchung von Höfen als Ganzes, sondern auch die Möglichkeit bietet, Teilbereiche herauszulösen und gesondert darzustellen.


Arbeitsberichte

Dr. Gottfried Kerscher teilt mit, daß er über den Zusammenhang von Zeremoniell und Architektur am päpstlichen Hof in Südfrankreich (Avignon etc.) und in Italien (Residenzen, die nach dem Verlassen des Lateran und vor dem Umbau des Vatikan errichtet wurden) sowie - vergleichend - über dieses Thema in Südfrankreich und Ostspanien (mallorquinischer Hof, Aragon) arbeitet. Seine Habilitationsschrift wird Ende 1993 abgeschlossen sein.

Adresse: Dr. Gottfried Kerscher, Samlandstr. 16, 8000 München 82

 

Hofordnung, Rangordnung, Raumordnung.
Das Zeremoniell im spätmittelalterlichen Königs- und Papstpalast

 ch gehe in der Arbeit von der Voraussetzung aus, daß eine Bautengruppe durch Autraggeber definiert sein kann und nicht unbedingt durch geographische oder sonstige Grenzen. Schwerpunkt des Projektes und hauptsächliche Auftraggeberschaft ist das Papsttum in Avignon und seine Stellvertreter in Italien. Eine Zeitgrenze ergibt sich für das mittlere Drittel des 14. Jh. Die Bautengruppe - Avignon, Spoleto, Viterbo, Montefiascone, Bologna, Ancona - ist dadurch gut überschaubar und einigermaßen homogen.

Zweites Interesse ist die Nutzung der Bauten, vor allem im Zeremoniell und in allen Nutzungskomponenten, die davon direkt oder indirekt abhängig sind. Um einen Vergleich über das Innovationspotential und die Herkunft der spezifischen Nutzung zu ermöglichen, ist das Avignon naheliegende Königtum Mallorca ausgewählt. Weiterhin ausschlaggebend für diese Wahl war das Vorhandensein eines umfangreichen Zeremoniells, ein ähnlich gesteigertes Repräsentationsbedürfnis wie am päpstlichen Hof und die Tatsache, daß die Besitzungen des Königtums bis Montpellier reichten und zahlreiche Städte des heutigen Südfrankreich einschlossen.

Hauptwerk der Palastbaukunst ist der Papstpalast von Avignon, der komplett mit allen bekannten und publizierten Quellen und einem Bericht über den aktuellen Baubestand aufgenommen wird. Angeschlossen wird ein ausführlicher Quellenanhang.

Das Königreich Mallorca hinterließ neben rekonstruierbaren Bauwerken in Südfrankreich die Hauptwerke Castillo Bellver und Almudaina in Palma sowie den Palast der mallorquinischen Könige in Perpignan.

 
Die italienischen Werke sind durch den Kardinal Albornoz erbaut worden. Sie umfassen die Paläste in Ancona, Montefiascone, Viterbo, Spoleto und Bologna (Collegio di Spagna). In einem weiteren Kapitel werde ich mich mit Matteo Gattapone befassen.

Ausgegliedert ist wegen des Umfangs des zu bewältigenden Stoffes eine ausführliche Würdigung des mallorquinischen Zeremoniells sowie eine Edition des Textes der Prachthandschrift der Leges Palatine und die Herausgabe einer Übersetzung. Diese Arbeit wird vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt vorgelegt werden. Die Vorarbeiten sind bereits im Gange.

Gottfried Kerscher, München

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Prof. Dr. Sönke Lorenz berichtet (Brief vom 12. Januar 1993), daß sich bei der Bearbeitung der Residenzen Stuttgart, Tübingen und Urach eine kleine Gruppe von Residenzenforschern herauskristallisiert hat, die ihre Arbeit mit einer Magister- bzw. Doktorarbeit abschließen möchte. Herr Deigendesch bearbeitet die Residenz Urach, Herr Sackenreuther beschäftigt sich bereits seit längerem mit der Residenz Stuttgart, Frau Reuter geht der Struktur des Amtes Stuttgart nach, um so die Genese der württembergischen Zentralbehörden aufzuhellen. Prof. Lorentz arbeitet seit längerem über Tübingen, wobei er sich insbesondere der Geschichte der Pfalzgrafen von Tübingen widmet, durch welche die Siedlung zahlreiche zentralörtliche Funktionen erhielt, die nach dem Erwerb Tübingens durch Württemberg ausgebaut wurden. Ein erstes kleines Ergebnis wird in den Blättern für deutsche Landesgeschichte Jg. 1992 erscheinen.

Adresse: Prof. Dr. Sönke Lorenz, Institut für Geschichtliche Landeskunde der Universität, Wilhelmstr. 36, 7400 Tübingen.

 


Buchvorstellungen

Konrad Amann, Die landesherrliche Residenzstadt Passau im spätmittelalterlichen Deutschen Reich (Residenzenforschung, Bd. 3), Sigmaringen 1992 (312 S., 2 Abb. und 8 Karten).

Mit seinem Werk über "die landesherrliche Residenzstadt Passau im spätmittelalterlichen Deutschen Reich" bietet Konrad Amman weit mehr, als der Titel verspricht. Unter Rückgriff auf die Anfänge des Bistums Passau im Frühen Mittelalter beschreibt er Entstehung und Entwicklung des Ortes am Zusammenfluß von Inn und Donau bis zum Beginn der Neuzeit. Dabei löst er das Problem der Darstellung von Verflechtung und Überlagerung verschiedener Organisations- und Herrschaftsstrukturen weltlicher und geistlicher Macht, indem er zunächst die Geschichte des Hochstifts und im Anschluß daran diejenige der Residenzstadt Passau beschreibt. So werden die Wechselwirkungen und Verwerfungen zwischen dem Bischof mit seinen territorialen Interessen, dem Domkapitel und den Stadtbürgern sowie von außen wirkenden Mächten im Reich deutlich. Es zeigt sich, daß die Residenz dieses kirchlichen Würdenträgers sehr viel weiter ausstrahlte, als man heute allgemein vermutet.

Im zweiten Teil des Werkes geht es vor allem um den Residenzort selbst, um seine (verkehrs-)geographische Lage und um Stadttopographie, aber auch um Kunst und Geistesleben bei Hofe, das prägend auf Stadt und Einwohner wirkte. Am Ende des Buches findet sich ein Anhang mit Darstellungen und Kartenmaterial, der die Orientierung erleichtert und das Werk abrundet.

Detlev Kraack, Kiel
 

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Birgit Studt, Fürstenhof und Geschichte: Legitimation durch Überlieferung (Norm und Struktur. Studien zum sozialen Wandel in Mittelalter und Früher Neuzeit, 2), Köln/ Weimar/Wien 1992.

Was Birgit Studt im Titel ihrer Doktorarbeit ankündigt, macht die Residenzenforschung neugierig und läßt neue Erkenntnisse über die Kräfte erwarten, die im Spannungsfeld von Hof und Fürst gewirkt haben. Dabei wäre es wichtig gewesen, Klarheit darüber zu schaffen, wie eine Person, die intellektuell, informell und normativ im Personen- und Organisationsverband des Hofes tätig war, sich zwischen persönlichem Interesse und "offizieller" Funktion als Literat, Chronist (und im Fall des Matthias von Kemnat als Hofkaplan) in das gesellschaftliche Mit- und das räumliche Nebeneinander bei Hofe einpaßte. Gerade für ein so bedeutendes Zentrum des frühen Humanismus, wie es der Heidelberger Kurfürstenhof im deutschen Sprachraum war, wären sicher ein paar Worte mehr zu Wesen und Funktion von Literatur im Rahmen eines Fürstenhofes zu erhoffen gewesen.

Die Autorin wählt, und das ist legitim und methodisch sauber, für ihre Untersuchung zu "Fürstenhof und Geschichte" ein Beispiel: die Chronik des Matthias von Kemnat, der am Heidelberger Hof Friedrichs des Siegreichen von der Pfalz (reg. 1449-1476) als Hofkaplan wirkte. Nach einem einleitenden Abschnitt zur Person des Chronisten bettet sie Matthias von Kemnat und dessen Werk in einen größeren Zusammenhang ein und stellt einige Betrachtungen zu Literatentum und Chronistik im Umfeld eines Fürstenhofes an. Leider bleibt sie dabei recht allgemein, so daß man für die Bewertung der Rolle der Literatur im Wirkungsfeld der Residenz eigentlich keine neuen Erkenntnisse gewinnt. Danach nimmt Frau Studt ihr Untersuchungsobjekt wieder auf. Souverän behandelt sie Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Chronik und stützt sich dabei auf die ganze Breite der handschriftlichen Überlieferung. Wichtig scheint mir, daß sich die Autorin hier nicht nur um die erhaltenen und in der ganzen Welt verstreuten, sondern auch um die heute verlorenen Handschriften kümmert. Ein jeder, der sich einmal mit der Darlegung der handschriftlichen Überlieferung eines weit verbreiteten Textes befaßt hat, wird ermessen können, was an Mühe und Aufwand mit diesem Teil der Arbeit verbunden ist. Er wird darüber hinaus mit der Autorin darin übeinstimmen, daß die Früchte der Editionstechnik des 19. Jahrhunderts, der es vornehmlich um die "harten Fakten" der chronikalischen Überlieferung ging, kein brauchbares Instrumentarium für die Beantwortung der Fragen darstellen, um die es der Hof- und Residenzforschung heute geht.

Mit Sorgfalt und Scharfsinn versteht es Frau Studt, den literarischen Motiven und oft subtilen Intentionen des Matthias von Kemnat nachzuspüren. So wird am Ende deutlich, daß es sich bei dem Werk nicht etwa um ein "schlecht geordnetes Sammelsurium von Lesefrüchten und Kuriositäten, die fast alle aus den Büchern anderer zusammengestohlen sind", handelt, wie es noch die Forschung des 19. Jahrhunderts postulierte. Vielmehr lassen sich Gehalt und Ratio der Chronik erst aus dem Wirkungszusammenhang des Fürstenhofes erklären. Daß es dabei nicht nur um platte Panegyrik gegenüber Friedrich dem Siegreichen von der Pfalz gehen kann, zeigt sich darin, daß in verschiedenen Passagen des Werkes die Intention des Chronisten deutlich wird, "hofrelevantes Wissen zu vermitteln", und seinen Lesern die Möglichkeit zu geben, sich "über Einzelheiten der höfischen Etikette [zu] informieren und Orientierungshilfen für die richtige Einschätzung seiner eigenen Stellung und seinem daraus abzuleitenden Verhalten und Auftreten bei Hofe [zu] gewinnen." In der Erörterung dieser "Orientierungs- und Identifikationsmuster" wird es dann zum Ende des Buches hin noch einmal richtig spannend, und es ist schade, daß das Buch in dem Abschnitt über die "Funktionen der Chronik" nicht weiter ins Detail geht, da die Früchte, die auf diesem Feld für das Verständnis des Phänomens "Residenz und Hof" geerntet werden können, für die Zukunft noch einiges an Süße und Aroma versprechen.
 

Es wäre nicht fair, einige Fehler in Satz und Druck der Autorin anzulasten. Sie muß sich hingegen den Vorwurf gefallen lassen, den literarhistorischen Akzent ihres Werkes gegenüber dem historischen zu stark betont zu haben. Ihre glänzende Darstellung der Zusammenhänge um die Chronik des Matthias von Kemnat kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß - ohne Horaz mit seinem Dictum von Bergen und Mäusen zu bemühen - der in der Wahl des Titels erhobene Anspruch nicht ganz erfüllt wird.

Detlev Kraack, Kiel
 

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Dieter Kerber, Die Anfänge der Residenz der Trierer Erzbischöfe, in: Ingrid Bátori/ Dieter Kerber/Hans Josef Schmidt (Hgg.), Geschichte der Stadt Koblenz, 2 Bde., Stuttgart 1992-1993, Bd. I, S. 121-136.

(Die Vorankündigung mit Inhaltsübersicht des Gesamtwerkes s. bereits in: Mitteilungen der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 2 (1992), Heft 2, S. 43f.)

Dieter Kerber beschreibt in einem seiner Beiträge zur Geschichte der Stadt Koblenz "die Anfänge der Residenz der Trierer Erzbischöfe" (seine dem Gegenstand gewidmete Dissertation wird in der Reihe "Residenzenforschung" erscheinen, s.o. S. 9). Dabei geht er zum einen auf generelle und konzeptionelle Probleme der Residenzenforschung für die Epoche des Mittelalters ein und zeigt andererseits die für Koblenz und die Erzbischöfe von Trier geltenden Besonderheiten auf. Ansätze zu interessanten Fragen der Darstellung liefern verschiedene Widersprüche, die sich aus Theorie und täglicher Lebenspraxis eines geistlichen Territorialfürsten ergaben. War dieser als geistlicher Herr eigentlich an den Ort seiner Bischofskirche gebunden, so mußte er schon aus materiellen Überlegungen heraus eine regionale Reiseherrschaft ausüben, um seinen Hof ernähren und dessen Versorgung sicherstellen zu können. Dagegen stand das Bedürfnis, repräsentativ zu leben und herrscherlich Hof zu halten, was nur in Bereichen konzentrierter Herrschaft möglich war. Zum Ende des Mittelalters hin wurde diese Tendenz, sich an bevorzugten Orten aufzuhalten, zudem durch die beginnende Entwicklung zentraler Verwaltungen verstärkt. Für die Erzbischöfe von Trier kam ein geographisches, ja territorialpolitisches Moment hinzu. Denn während die alte Römermetropole und Bischofsstadt aus Reichssicht eher abseits lag, boten sich in Koblenz Kontrolle über und Anbindung an einen der wichtigsten Verkehrswege der Zeit und darüber hinaus die unmittelbare Nähe zu einer der Kernlandschaften des Reiches. Daß daneben auch familiäre Traditionen und individuelle Vorlieben der einzelnen Amtsinhaber für diesen Ort eine wichtige Rolle gespielt haben, kann Dieter Kerber anhand der Itinerare der Trierer Erzbischöfe in allen Einzelheiten nachweisen (vgl. seinen unten unter den Neuerscheinungen genannten Aufsatz). Ausgehend von einer Schenkung Heinrichs II. über den dortigen Hof des Königs mit Markt, Münze und Zoll, entwikelte sich das Verhältnis der Erzbischöfe zu ihrem östlichen Vorposten im Reich eher schleppend, und die Itinerare des 13. und frühen 14. Jahrhunderts lassen auf keine besonderen Aktivitäten der geistlichen Herren im Bezug auf Koblenz schließen. Dies änderte sich während der Regierung der Falkensteiner Erzbischöfe Kuno II. (1362-1388) und Werner (1388-1418), unter denen sich der Schwerpunkt der Herrschaft mehr und mehr an den Rhein, und damit nach Koblenz verlagerte.

Insbesondere in Verbindung mit der Burg Ehrenbreitstein übte Koblenz damals eine hohe Attraktivität auf die geistlichen Fürsten aus, was sich auch in zahlreichen Bauten im Stadtgebiet, sowie in einem zunehmenden Engagement auf dem spirituellem Sektor auswirkte. Dieses fand seinen Höhepunkt in der Übertragung von Reliquien nach Koblenz und insbesondere in der Grablege der Falkensteiner Erzbischöfe in der dortigen St.-Kastor-Kirche.

Detlev Kraack, Kiel
 

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Gerard Nijsten, Het Hof van Gelre. Cultuur ten tijde van de hertogen uit het Gulikse en Egmondse huis (1371-1473), Kampen 1992 (zugleich Diss. phil. Nijmegen; 502 S.).

Das anzuzeigende Werk beschäftigt sich mit dem als "bäuerisch" geltenden Hof der Herzöge von Geldern (S. 13), der - anders als derjenige der Grafen von Holland - bisher das Interesse der Historiker nicht auf sich zu ziehen vermochte. Die niederländische Geschichtsschreibung erfährt hiermit eine wichtige Ergänzung. Die Grundfrage für den Vf. ist die enge Beziehung zwischen der noch wenig erforschten Hofkultur und der Politik, also nach der Instrumentalisiertung der kulturellen Aktivitäten durch die Herzöge für ihre Politik.

Ausgehend von der Kulturanthropologie C. Geertz', die Kultur als ein Netz sozialer Bedeutungen versteht, kommt der Vf. zu einer sehr weiten Kulturdefinition: "Cultuur is een systeem van symbolische vormen" (S. 15). Er zwingt sich aber, um sich nicht in Spekulationen zu verlieren, zu einer Untersuchung des - wieder nach Geertz - konkreten sozialen Handelns (S. 16). Wie aber ist dieses konkrete soziale Handeln überliefert?

Erzählende Quellen gibt es kaum, Beschreibungen von Hofzeremonien und Festen, wie man sie vom burgundischen Hof kennt, fehlen ganz; Kunstgegenstände - wie z.B. der berühmte, heute im Bayerischen Nationalmuseum in München aufbewahrte Meßkelch der Katharina von Kleve - sind nur wenige erhalten geblieben. Der "Dornröschenschlaf" des geldrischen Hofs kommt nicht von ungefähr.

Der Vf. ist deswegen auf die beachtliche Reihe fürstlicher Rechnungen, die mit im Laufe des 14. Jahrhunderts nachlassender Präzision die Ausgaben für den Hof verzeichnen, und die fast vollständig erhaltenen Stadtrechnungsreihen von Arnheim, Zutphen, Venlo, Grave, Geldern, sowie die nur teilweise erhaltenen von Nimwegen, Hattem und Doesburg angewiesen (Hofordnungen sind nicht überliefert), außerdem auf einige äußerst interessante und aufschlußreiche Briefe und Urkunden, die auch im Anhang als Text gedruckt werden, wie z.B. der Vertrag von 1453, mit dem Willem van Egmond seinem Bruder, Herzog Arnold, einen Teil des väterlichen Erbes abtritt, und der eine umfangreiche Liste von Reliquien und Büchern aufführt (Druck: Beilage 18, Erwähnungen S. 178, 216, 233). Das durch die Quellenlage bedingte Verfahren intensiver Auswertung von Rechnungen zwang dazu, viele Ergebnisse in Tabellenform im Anhang wiederzugeben (15 von 19 Beilagen), auf die oft vom Text verwiesen wird, was, da auch die nach Kapiteln durchgezählten Anmerkungen sich als Anhang hinter dem Text befinden, mehrere Lesezeichen erfordert.

Der Vf. geht systematisch vor: Zunächst analysiert er den Hof in sozialer, organisatorischer und finanzieller Hinsicht, führt dann eine Bestandsaufnahme von fünf Bereichen der Hofkunst, nämlich Musik, Literatur, Buchmalerei, Malerei und Kunsthandwerk durch und beschreibt schließlich die Bedeutung der Hofkünste für die herzogliche Herrschaft. Dieser dritte und letze Hauptabschnitt ist der spannendste des Buches.

So entsteht ein differenziertes Bild des geldrisches Hofes, dessen Konturen hier kurz wiedergegeben werden sollen: Die Größe ist nicht genau zu erkennen, Angaben gibt es lediglich für das Gefolge auf Reisen (1390 nach England: 117 Personen, 1392 nach Preußen: ca. 111, 1388/89 für das Gefolge der Herzogin: 21), für Verpflegung (1427 auf Burg Roosendaal: 127, 1442/43: 280) und für Kleidungsausgaben (1395/96 der Herzogin: 58 Personen). Bemerkenswert ist eine Kontinuität vieler adliger Familien bei dem Übergang Gelderns von den Jülichern zu den Egmondern 1423 (S. 36) im halbjährlich wechselnden Hofdienst (S. 34). Ende des 14. Jahrunderts, unter Willem I., war der Hof ein internationales Zentrum für Sprecher, Dichter, Herolde und Musikanten, während er später nur noch die der umliegenden Städte und der benachbarten Fürsten anzuziehen vermochte (S. 124, 153, 156f.). Ferner gehörten auch ein Tiergarten (S. 248f.) und eine Büchersammlung - die Bezeichnung Hofbibliothek möchte der Vf. lieber vermeiden (S. 158) - zum Hof.

Die Bedeutung des Hofes als Integrationsinstrument der Herzöge zeigt sich darin, daß die Herzöge durch Geschenke und Patenschaften ihre Familia an sich banden (S. 241-245); einige adlige Höflinge erhielten die Erlaubnis, quasi privat mit dem Herzog oder der Herzogin zu verkehren (S. 239). Herzog Adolf stiftete 1469 nach dem Sieg über Kleve den St. Marien-Ritterorden, der aber wegen Adolfs Gefangennahme 1471-77 durch Karl den Kühnen nicht weiter geführt wurde (S. 239-241). Weiterhin bot der Hof die Möglichkeit, mit den Untertanen, wie der Vf. mehrmals sagt, in Verbindung zu treten, insbesondere, wenn der Herzog mit seinem prächtigen Gefolge in die Stadt einzieht.
 

So gewannen die Städte im Laufe des 15. Jahrhunderts als Orte höfischer Feste an Bedeutung. Der Vf. nennt insbesondere den festlichen Einzug (een massamedium bij uitstek, S. 261) und die öffentliche Huldigung. Diese wird ausführlicher am Beispiel Herzog Arnolds 1423 dargestellt, bei der vorher Briefe an alle Amtmänner verschickt wurden, um für Prozessionen in den Städten zu sorgen, damit allen Einwohnern der Regierungsantritt des neuen Landesfürsten verkündet werde (S. 263). Daneben sind weitere dynastische Ereignisse wie Geburt, Taufe, Hochzeit und Tod zu nennen (S. 268f.). Andererseits nahm der Fürst mit seinem Gefolge an den städtischen Fastnachtsfeierlichkeiten teil und hielt dabei in der Stadt ein Turnier ab. Auch am Maifeiertag und an St. Johanns-Enthauptung (in Arnheim am 29. August als Erntedank gefeiert) sahen Städte den Hof in ihren Mauern. Die Burg verlor in dem ersten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts als Ort für Feierlichkeiten aller Art an Bedeutung, weil die Herzöge sich zum Publikum wandten und in den Städten ihre Macht demonstrierten.

Ein spezifisches Kennzeichen zur Verbreitung ihrer Machtsymbole stand den Herzögen mit den Herolden (über Herkunft und Funktion S. 130-133) zur Verfügung: Als Heraldik-Spezialisten beaufsichtigten sie das Anfertigen von Wimpeln und Wappen, verherrlichten in Lobreden und -gedichten die ritterlichen Taten der Fürsten und dienten als Botschafter in der Diplomatie. Im Zentrum der Untersuchung steht der Herold Gelre, Claes Heynenzoon, mit seinem berühmten Wapppenbuch, wobei der Vf. seine Biographie in van Anrooij's umfangreichen Werk aus geldrischen Quellen ergänzen kann (S. 133-139). Nachdem Claes in gräflich-holländischen Dienst übergegangen war, erschienen nach einer kurzen Unterbrechung noch zwei weitere Herolde unter dem Amtsnamen "Gelre" (S. 141, siehe auch Beilage 10, S. 403f.: geldrische Herolde; Beilage 12, S. 409f.: fremde Herolde in Geldern).

Zum Schluß lenkt der Vf. den Blick auf den dynastischen Symbolismus. Die geldrische Dynastie führte eine (Mispel-)Blume als Symbol, bis Graf Otto III. (1229-1271) den Löwen als Wappentier einführte. Die Blume blieb jedoch Zeichen Gelderns: 1273 erschien sie u.a. im ältesten Stadtsiegel Gochs wie auch im neuen von ca. 1400. 1413 ließ die Stadt Geldern die Blume am Stadttor anbringen, 1445 ebenso Grave, 1470 beschaffte die Stadt Geldern ein Botenabzeichen mit der geldrischen Mispel, und Mitte des 15. Jahrhunderts wurde Willem III. noch in einer Handschriftenminiatur mit einem Mantel gezeigt, der die Blumen trägt. Das herzogliche Wappen mit dem Löwen erschien auf städtischen Botenabzeichen (Arnheim 1441) und auf einer Fahne, die 1465 die Stadt Geldern für den Rathausturm anschaffte. Es gab mithin einen Unterschied zwischen Wappen und Zeichen, wobei erstere neu geschöpft wurden und ältere Zeichen fortlebten und weiterverwendet wurden. Ihre Sammlung und Ordnung sollte systematisch betrieben werden, sind sie doch Indikatoren für die Identifizierung mit der Herrschaft, mit dem Territorium. Von daher sind die Kunsthandwerker und (Wappen-)Maler (darunter die Maelwels aus Nimwegen) wichtig, die eine Menge von Wappen, Wimpeln, Briefbüchsen und Bannern anfertigten, von denen eines sogar bei Ausgraben auf der Burg Hattem gefunden wurde, so daß zur schriftlichen die reale Überlieferung tritt (S. 188, 195-198, Beilage 14, S. 413f.). Weiter beauftragten die Herzöge eine Reihe von Glasern, Fenster mit ihrem Wappen anzufertigen (Beilage 15, S. 415), die an Kirchen und andere geistliche Einrichtungen verschenkt wurden. Der Frage, wo überall und warum die Herzöge ihr Wappen und Zeichen anbringen ließen (Beilage 16, S. 417f.), sollte nachgegangen werden. Das Material scheint vorhanden zu sein.

Weiter übten die verschiedenen Herzogspersönlichkeiten auf das Leben am Hofe einen nicht zu unterschätzenden Einfluß aus. Unter Willem I., dem ersten kontinentalen Mitglied des englischen Hosenbandordens (S. 215) und einem großen Kavalier vor dem Herrn (Turniere, Bastarde), besaß der Hof internationale Anziehungskraft, während er unter dem christlich-demütigen und schwachen Arnold an Ansehen verlor. Auch verdient die Einrichtung des "Hofs" (S. 188 und S. 256 mit Anm. 28 auf S. 361), eines bestimmten Festtypus, erneut Aufmerksamkeit.

Vorbildlich ist, daß bei der Angabe der benutzten Quellen zu den jeweiligen Archiven auch die Inventare genannt werden; bei Köln und Nimwegen wird jedoch nicht deutlich genug, was benutzt worden ist. Eine Häufung kleinerer Fehler (S. 131), oder auch etwas gröber (S. 85: Philipp der Gute, Hz. von Burgund, starb nicht schon 1466, sondern erst am 15. Juni 1467, so daß auch seine Witwe Isabella von Portugal nicht im Namen ihres Sohnes Karls des Kühnen die Regierung führte [der Vf. folgte Eugen Ewig, Die Anschauungen des Kartäusers Dionysius von Roermond über den christlichen Ordo in Staat und Kirche, Bonn 1936, S. 8]), ändert nichts an der Bedeutung dieses materialreichen Buches, das zum ersten Mal an dem Beispiel eines kleineren niederrheinischen Hofes die materielle und ideele Hofkultur vorführt und in ihrer Relevanz für die Landesherrschaft würdigt, und dabei eine Fülle von Fragen anreißt, denen die Forschung nachgehen sollte.

Harm von Seggern, Kiel

  


Kolloquiumsberichte
 

Bericht über das Internationale Symposium "Das Leben am Hof und in den Residenzstädten der letzten Rosenberger", Cesky Krumlov/Krumau, 14. - 16. Oktober 1992
 

Das internationale Symposium "Das Leben am Hof und in den Residenzstädten der letzten Rosenberger" veranstalteten in der ehemaligen rosenbergischen Residenz in Cesky Krumlov (Krumau) die Südböhmische Universität Ceské Budejovice (Budweis) (Lehrstuhl für Geschichte - Václav Buzek) und das Historische Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften Prag (Abteilung für die frühneuzeitliche Geschichte - Jaroslav Pánek) anläßlich des 400. Todestags des Wilhelm von Rosenberg (1535 - 1592). An diesem Symposium nahmen 80 Wissenschaftler aus den böhmischen und mährischen Universitäten, akademischen Instituten, Museen, Archiven (unter ihnen Literatur-, Kunst-, Naturwissenschafts-, Musik-, Schulhistoriker) und auch 20 Wissenschaftler aus den Niederlanden, aus Deutschland, Österreich, Polen, Ungarn, Italien und den USA teil. Während der dreitägigen Verhandlungen wurden 24 Referate vorgetragen; an die Hauptreferate knüpften reiche Diskussionen an.

Das Symposiumsprogramm wurde in vier Themenbereiche geteilt. Der erste Kreis wurde den Höfen und Residenzen des europäischen Adels im 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts gewidmet. Hier traten mit Beiträgen auf: J. Pánek (Prag), Die Auslandsreisen der letzten Rosenberger und ihre Kontakte zum europäischen Hofmilieu; V. Press (Tübingen), Die Höfe und Residenzen des Adels im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts; K. Vocelka (Wien), Höfe und Residenzen des Adels in österreichischen Ländern; N. Mout (Leiden), Adeliges Leben in den Niederlanden im 16. und am Anfang des 17. Jahrhunderts; M. Bellabarba (Trient), Adeliges Leben und Territorialstaaten in Norditalien am Übergang vom 16. zum 17. Jahrhundert; E. Opalinski (Warschau), Die Rolle der Adelshöfe und Residenzen im Polnisch-Litauischen Reich in den Jahren 1587-1648; H. Gmiterek (Lublin), Die Adelsresidenzen auf den polnischen Reisen von Wilhelm von Rosenberg.

In der zweiten thematischen Gruppe wurde über die Adelsresidenzen im böhmischen Staat in der Zeit vor der Schlacht am Weißen Berg (1526-1620) gesprochen: J. Válka (Brünn) über den manieristischen Hof des mährischen Magnaten Karl des Älteren von Zerotin; J. Pánek (Prag) über den Hof des Olmützer Bischofs Stanislav Pavlovsky; T. Winkelbauer (Wien) über die mährischen Höfe der Fürsten zu Liechtenstein am Anfang des 17. Jahrhunderts; V. Ledvinka (Prag) über den Hof der mährischen Linie der Herren von Neuhaus in Telc; Z. Hojda und J. Hausenblasová (beide Prag) über die Kultur am Rudolfinischen Hof in Prag; A. Stejskal (Budweis) über die Veränderung der Funktionen des frühneuzeitlichen Hofes der letzten Rosenberger.

Die Verhandlungen der dritten Sektion betrafen die Hofkultur und das Mäzenatentum im höfischen Milieu der letzten Rosenberger; J. Hejnic (Prag) referierte über die literarischen und bibliophilen Interessen beider letzten Rosenberger; V. Bok (Budweis) über den Dichter Theobald Hock von Zweibrücken; M. Novotny (Budweis) über das südböhmische Schulwesen zur Zeit der letzten Herren von Rosenberg; M. Horyna (Budweis) über die Musik am rosenbergischen Hof; P. Vágner (Znaim) über die Bedeutung der Alchemie bei den rosenbergischen Magnaten.

Der vierte Bereich der Mitteilungen befaßte sich mit dem Leben in den Residenzorten der letzten Rosenberger. Über den Klientelismus und die frühneuzeitlichen Haushalte der Ritter, Bürger und kirchlichen Würdenträger in Diensten der Rosenberger informierte V. Buzek (Budweis); über die Architektur der rosenbergischen Sitze J. Muk (Prag); über die Umbauten des Rosenbergischen Palais auf der Prager Hradschin I. Muchka (Prag); A. Kubiková (Krumau) behandelte die Umbauten der Renaissanceinterieurs des Schlosses in Krumau und J. Müller (Krumau) sprach über die Renaissancewandmalerei im rosenbergischen Hofmilieu.

Alle Beiträge werden in der Schriftenreihe Opera historica (Editio Universitatis Bohemiae Meridionalis) veröffentlicht werden.

Václav Buzek

(Südböhmische Universität

Ceské Budejovice/Budweis)



 

Kolloquien und Ausstellungen

 

Tours, 1.-4. Juni 1992
20e Colloque international d'Histoire de l'Architecture
"L'environnement du château et de la ville
aux XVe et XVIe siècles:
dépendances, jardin, paysage."

 

Kontakt: Prof. Jean Guillaume, Tours, Centre d'Etudes Supérieures de la Renaissance. BP 1328, F-37013 Tours Cedex.

- Veröffentlichung in Vorbereitung -

 

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Ausstellung in Koblenz im Ausstellungsraum
der Alten Burg (Stadtbibliothek),
21. Juli - 25. Oktober 1992:
Buch und Bild.
Kostbarkeiten der Stadtbibliothek aus sieben Jahrhunderten

 
Hinweis: Zur Ausstellung ist zum Preis von 15.- DM eine Dokumentation erschienen (Walther Gose/Dieter Kerber, Buch und Bild. Kostbarkeiten der Stadtbibliothek aus sieben Jahrhunderten, Koblenz 1992; 120 S./27 Abb.).
 

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Wolfram von Eschenbach-Gesellschaft, Schweinfurt.
Colloquium, 30.9.-3.10. 1992:
Literatur im Umkreis des Prager Hofs der Luxemburger.
 

Aus dem Programm:

Friedrich Kobler (München): Kunst am Hof - höfische Kunst? Skulptur und Malerei in Böhmen in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Václav Bok (Budweis): Zur literarischen Situation im Böhmen des 14. Jahrhunderts.

René Wetzel (Genf): Die südostmitteldeutsche Überlieferungsinsel von Gottfrieds "Tristan" und dessen Fortsetzung durch Heinrich von Freiberg im Umkreis der Premysliden und Luxemburger.

Danielle Buschinger (Amiens)/Wolfgang Spiewok (Greifswald): Der Tristan-Stoff in Böhmen.

Kontaktadresse: Dr. Gisela Vollmann-Profe, Pflanzgarten 7, D-8078 Eichstätt-Rebdorf.

 

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Arbeitsgemeinschaft für Geschichtliche Landeskunde
am Oberrhein, Ettlingen.
Tagung, 9.-11.10. 1992:
Landesherrliche Städte in Südwestdeutschland.
 

Aus dem Programm:

Sigrid Schmitt (Mainz): Landesherr, Stadt und Bürgertum in der Kurpfalz des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit.

Kurt Andermann (Karlsruhe): Die Städte der Bischöfe von Speyer um die Wende vom Mittelalter zur Neuzeit.

Peter Johanek (Münster): Landesherrliche Städte, kleine Städte. Umrisse eines europäischen Phänomens.

Volker Trugenberger (Stuttgart): Ob den portten drey hirschhorn in gelbem veld. Die württembergische Amtsstadt im 15. und 16. Jahrhundert.

Rüdiger Stenzel (Ettlingen): Landesherrliche Städte des Markgrafen von Baden.

Jürgen Treffeisen (Karlsruhe): Mittelalterliche Breisgaustädte unter den Habsburgern.

Benoît Jordan (Colmar): Landesherrliche Städte im Oberelsaß während des späten Mittelalters.

Meinrad Schaab (Heidelberg): Landesherrliche Städte in Südwestdeutschland.
 
 
 

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Kolloquium in Nantes, Ecole Nationale Vétérinaire de Nantes,
22.-24. Oktober 1992:
L'homme, l'animal domestique et l'environnement
du Moyen Age au XVIII- siècle
(d'Isidore de Séville à Linné)

Jean-Pierre Digard, Perspectives anthropologiques sur la relation homme-animal domestique et sur son évolution.

Luisella Battaglia, Droits des animaux et progrès social dans la Philosophie des Lumières. Prophéties, pamphlets, utopies.

Le statut social de l'animal domestique:

Valentin Pelosse, De Montaigne à Buffon, problématique des modes de proximité avec l'animal domestique.

Eric Baratay, Animaux domestiques et animaux sauvages dans le discours clérical français des XVIIe-XVIIIe siècles.

Jacques Voisenet, L'espace domestique chez les auteurs du Moyen Age, d'Isidore de Séville à Brunetto Latini.

Michel Pastoureau, Héraldique, emblématique et symbolique des animaux domestiques en Europe occidentale (XIIe-XVIIe s.).

Laurence Bobis, L'évolution de la place du chat dans l'espace social et dans l'imaginaire occidental, du Moyen Age au XVIIIe siècle.

Bernard Ribemont, Les oiseaux domestiques dans les encyclopédies du Moyen Age.

Claude Rivals, L'Ane dans le folklore d'après la Faune populaire d'Eugène Rolland.

L'exploitation des animaux domestiques:

Sandor Bokonyi, Des premières formes de garde des animaux à un élevage raisonné en Hongrie: témoignages biologiques, textuels et artistiques.

Claude Olive, Elevage et chasse entre le XIe et le XVIIIe siècle dans le pays rhodano-alpin.

Frédérique Audoin, Les modifications du bétail et de sa consommation en Europe médiévale: le témoignage des ossements animaux archéologiques.

Bernard Denis, Le mouton en France avant l'introduction des mérinos.

André Grenouilloux/Philippe Migaud, Sauvage, apprivoisé ou domestique, l'animal dans l'économie alimentaire d'un castrum de l'an Mille.

Claude Guintard, Les bovins de l'île d'Amsterdam, population de réference d'un type primitif (étude ostéologique).

Marie Grezes-Bakchine, L'Abeille selon La Maison Rustique.

Protection et soins:

Olivier Gerrbaud, Le besoin de vétérinaires et la création d'Ecoles Vétérinaires Secondaires dans la France rurale à la fin du XVIIIe siècle.

Franck Bourdy, L'hippiatrique arabe au Moyen Age.

Béatrice Lijour, Vicq d'Azyr et l'épizootie de 1774.

Brigitte Prevot, Le dressage du cheval au Moyen Age: techniques et outils.

Philippe Contamine, "Q(ueue), c(ringne), j(ambes)". Considérations et interrogations sur les robes des chevaux d'armes en France au XIVe siècle.

Pierre Tucoo-Chala, Les chiens de chasse dans les traités de vénerie du XIVe au XVIe siècle.

Corinne Beck, Parcs et ménageries.

Baudouin van den Abeele, La fauconnerie médiévale.

Animaux domestiques et environnement:

Carlos Alberto Medeiros, Environnement, agriculture et élevage au Portugal à l'époque des Découvertes maritimes.

Pedro Garcia Martin, Transhumance et environnement en Espagne à l'époque moderne.

Alain Croixm, Le familier et le sauvage: hommes et animaux dans l'environnement au XVIIe siècle.

Annie Renoux/Alain Noël, Toponymie et animaux domestiques.

Michel le Mené, Les viviers médiévaux dans l'Ouest de France.

Henri Bresc, Mûrier et ver à soie en Italie aux XIe-XVe siècles.

Vincent Lagardère, Le ver à soie en Andalus à l'époque musulmane (VIIIe-XVe siècles).

 

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Wittenberg, 1993
Stadtjubiläum: 700 Jahre Wittenberg

Die alte Luther-, Melanchthon- und nicht zuletzt auch Residenzstadt bietet das ganze Jahr über ein abwechslungsreiches Jubiläumsprogramm mit Festen, Ausstellungen und Kongressen.

21.-22. Juni 1993 Stadtgeschichtliches Kolloquium - "700 Jahre Wittenberg - lokale Entwicklungen und internationale Wirkungen". Kontakt und nähere Informationen: Fremdenverkehrsbüro WITTENBERG-INFORMATION, Collegienstraße 29, O-4600 Lutherstadt Wittenberg, Tel.: (03491) 2239 / Fax: (03491) 2537.

 
 

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Münster, 1993
Stadtjubiläum: 1200 Jahre Münster

Die westfälische Hanse-, Bischofs- und Residenzstadt feiert ihr Stadtjubiläum mit einem bunten Ausstellungs- und Festprogramm.

Kontakt und nähere Informationen: Stadt Münster - Projektgruppe Stadtjubiläum, Postfach 5909, 4400 Münster.

 
 

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Stettin, 1993
Stadtjubiläum: 750 Jahre Stettin

Die Stadt der Pommerschen Fürsten feiert ihr Jubiläum mit einem bunten Programm von Ausstellungen, Konzerten und Festivals.

(vgl. den Artikel im Reiseblatt der FAZ vom 7. April 1993)

 
 

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Wartburg (Eisenach), 6. - 7. März 1993
Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern
 

Programm:

Elmar Altwasser (Freies Institut für Bauforschung, Marburg): Baubefunde auf der Wartburg.

Ernst Badstübner: Die Schaffung einer Denkmallandschaft - Die Baukomposition der Wartburg in der Landschaft (zum Bauwesen des 19. Jahrhunderts).

Thomas Biller: Burgenforschung heute - Gedanken aus der Praxis.

Dieter Großmann: Schwarzrheindorf und die Wartburg - ein Kapitellvergleich.

Thomas Stolle: Der Forschungsstand der Untersuchungen zur Runneburg.

Reinhard Schmitt/Clemens Kosch: Künstlerische Wechselbeziehungen zwischen dem Rhein-Maas-Gebiet und Mitteldeutschland im repräsentativen Pfalzen- und Burgenbau des Hochmittelalters (Vorstellung eines Arbeitsprojektes).

G. Ulrich Großmann: Die Fresken von Moritz von Schwind in der Wartburg, ein Beispiel historischer Innenraumdekoration.

Dankwart Leistikow: Julius Naeher, Burgenforscher des 19. Jahrhunderts.

Hartmut Hofrichter: Paul Camille von Denis: Burg und Ludwigsbahn - (k)ein vorprogrammierter Konflikt mit der Denkmalpflege?

Udo Liessem: Die königliche Regierung in Koblenz und ihr Verhältnis zur Wartburg.

Peter Petersen: Das spätmittelalterliche Dachwerk des Wohnturmes der Burg Kriebstein/Sachsen.

Irene Roch: Spätgotische Schloßkapellen in Mitteldeutschland.

Kontakt: Dr. Ernst Badstübner, Wartburg, O-5900 Eisenach.

(vgl. den Artikel von G. Ulrich Großmann unter den Neuerscheinungen)

 
 

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Münster, 22.-24. März 1993
Institut für vergleichende Städtegeschichte
an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
Kolloquium: Stadt und Universität

 

Programm:

Prof. Dr. Roderich Schmidt, Marburg: "Die Rolle des Bürgertums bei den mittel- und norddeutschen Universitätsgründungen des 14./15. Jahrhunderts (Erfurt - Leipzig - Rostock - Greifswald)".

Dr. Frank Rexroth, Berlin: "Städtisches Bürgertum und Universitätsgründungen im süddeutschen Raum".

Prof. Dr. Karl Hengst, Paderborn: "Kritik von Stadt und Ständen an den Universitätsprivilegien für Münster 1629 und 1631".

Prof. Dr. Heinz Durchhardt, Münster (öffentlicher Vortrag): "Städte und "Minder-Universitäten". Ein Beitrag zur westfälisch-rheinischen Institutionen- und Bildungsgeschichte des 19. Jahrhunderts".

Dr. Götz Rüdiger Tewes, Köln/Rom: "Stadt und Bursen: das Beispiel Köln".

Priv.-Doz. Dr. Michael Kiene, Köln/Jena: "Der italienische Universitätspalast vom 14.-18. Jahrhundert als Mittel der Politik".

Prof. Dr. Klaus Wriedt, Osnabrück: "Bürgerliche und städtische Studienstiftungen im Hanseraum (15.-16. Jahrhundert)".

Prof. Dr. Rainer A. Müller, Eichstätt: "Jesuitenstudium und Stadt. Fallbeispiele München und Ingolstadt".

Prof. Dr. Helmut Mathy, Mainz: "Universitäre und städtische Gerichtsbarkeit".

Prof. Dr. Notker Hammerstein, Frankfurt: "Die städtischen Universitätsgründungen des 20. Jahrhunderts".

Kontakt: Institut für vergleichende Städtegeschichte, Syndikatplatz 4/5, 4400 Münster, Tel.: 0251 - 83 4851 / 4852.

 
 

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Insel Reichenau, 30.3.-2.4. 1993
Konstanzer Arbeitskreis für Mittelalterliche Geschichte, e.V.
"Deutscher Königshof, Hoftag und Reichstag im späteren Mittelalter
(12.-15. Jahrhundert)"
II. Königshof, Hoftag und Reichstag.

 

Programm

Prof. Dr. Gert Melville, Münster: "Die Herolde im europäischen Spätmittelalter".

Priv.-Doz. Dr. Werner Rösner, Göttingen: "Der Hof Barbarossas und die Reichsfürsten".

Prof. Dr. Egon Boshof, Passau: "Rudolf von Habsburg und seine Hoftage".

Prof. Dr. Alois Schmid, Eichstätt: "Die großen Hoftage Ludwigs des Bayern".

Priv.-Doz. Dr. B.-U. Hergemöller, Münster: "Die "curia" als Element der Herrschaftsausübung im letzten Lebensabschnitt Kals IV.".

Priv.-Doz. Dr. Johannes Helmrath, Köln: "Konzilien und Tage in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts".

Priv.-Doz. Dr. Reinhard Seyboth, Regensburg: "Die Reichstage der 1480er Jahre".

Prof. Dr. Eberhard Isenmann, Tübingen: "Die Städte auf den Reichstagen im ausgehenden Mittelalter".

Prof. Dr. Dieter Mertens, Freiburg: "Die deutschen Humanisten und der institutionalisierte Dualismus im Reich um 1500".

Prof. Dr. Bernd Schneidmüller, Braunschweig: "Zusammenfassung".

Kontakt: Konstanzer Arbeitskreis für Mittelalterliche Geschichte e.V., Benediktinerplatz 5, Konstanz.

 
 

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Marburg, 31. März bis 3. April 1993
Interdisziplinäres Symposion des
Graduiertenkollegs "Kunst im Kontext"
an der
Philipps-Universität Marburg:
"Zeremoniell als höfische Ästhetik im Europa des 15. bis 18. Jahrhunderts."
 

Programm:

Wolfgang Weber: Zeremoniell und Disziplin. Bemerkungen zur Bedeutung des Zeremoniells für Sozialdisziplinierung und Herrschaft.

Edgar Zieser: Zeremoniell und Zeichen. Zeichentheorien des 17. und 18. Jahrhunderts und deren Bedeutung für das höfische Zeremoniell.

Andreas Gestrich: Der Topos von der Dummheit des Volkes. Zur psychologischen Axiomatik der Sinnesaffizierung im Hofzeremoniell.

Thomas Rahn: Affekttheoretische Positionen der deutschen Zeremoniellwissenschaft des 18. Jahrhunderts.

Markus Bauer: Resignation und Zeremoniell. Zur Begründung höfischer Interaktionsregeln als melancholisches Rückzugsverhalten.

Gottfried Kerscher: Comederunt cum papa ... rex Maioricarum. Ein hypothetisches Arbeitsessen mit dem Papst.

Christina Hofmann-Randall: Die Herkunft und Tradierung des Burgundischen Hofzeremoniells.

Jörg Jochen Berns: Luthers Papstkritik als Zeremoniellkritik.

Paulette Choné: "L'enterrement d'un duc de Loraine à Nancy". Présence, présentation et représentation dans les planches de la "Pompe funèbre de Charles III" (1608) et leurs légendes.

Jill Bepler: Diarien als Quellen zeremonieller Praxis.

Georg Braungart: Die höfische Rede im zeremoniellen Ablauf: Fremdkörper oder Kern.

Jörn Bockmann: Zeremoniell und Antizeremoniell in der Neidhartiana (13.-16. Jahrhundert).

Wolfgang Neuber: Zeremonielldarstellungen in Kaspar Stielers "Rudolstädter Festspielen".

Wilhelm Seidel: Zeremonielle Gesten und Szenen in französischen Opern des 17. Jahrhunderts.

Uta Löwenstein: Tafelzeremoniell und Zeremonielltafel.

Claudia Schnitzer: Königreiche - Wirtschaften - Bauernhochzeiten. Zeremoniellstützende und -unterwandernde Spielformen höfischer Maskerade.

Birgit Franke: Alttestamentliche Bildteppiche und Zeremoniell am burgundischen Hof.

Wolfgang Brassat: Die Geburt der modernen Historienmalerei aus dem Geist des Zeremoniells. Charles Le Bruns "Histoire du Roi".

Friedrich Polleroß: "Des abwesenden Printzen Porträt" - Zeremonielldarstellung im Bildnis und Bildnisgebrauch im Zeremoniell.

Ulrich Schütte: Schloß und Kirche - höfisches Zeremoniell und sakraler Kult in der deutschen Architektur des 17. und 18. Jahrhunderts. Ansätze zu einem strukturellen Vergleich.

Ursula Brossette: Die Einholung Gottes und der Heiligen. Die Zeremonialisierung des transzendenten Geschehens bei Konsekrationen und Translationen des 17. und 18. Jahrhunderts.

Cornelia Jöchner: Die Choreographie der Gartenlust. Gartenorte und höfisches Divertissement in ihren zeremoniellsystematischen Zusammenhängen.

Wolfgang Wüst: "Von Rang und Gang". Titulatur- und Zeremonienstreit im reichsstädtisch-fürstenstaatlichen Umfeld Augsburgs.

Andrea Sommer-Mathis: Rang- und Sitzordnungen bei theatralischen Veranstaltungen am Wiener Kaiserhof im 17. und 18. Jahrhundert.

Joachim Ott: Krönungszeremoniell und Krönungsbild als Ausdruck sakraler Symbolik im frühen und hohen Mittelalter.

Manfred Beetz: Überlebtes Welttheater. Goethes autobiographische Darstellung der Wahl und Krönung Josefs II. in Frankfurt/M. 1764.

Rolf Haaser/Günter Oesterle: Altes und Neues? Das Zeremoniell der letzten Kaiserkrönungen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (Leopold II. und Franz II.) und das postrevolutionäre Zeremoniell Napoleons.

 

Kontakt: Prof. Dr. J.J. Berns und Thomas Rahn, M.A., Graduiertenkolleg "Kunst im Kontext", Kunsthistorisches Institut der Philipps-Universität Marburg, Biegenstr. 11, 3550 Marburg, Tel.: 04621/28-2195.

 
 

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Stuttgart, 30. April - 9. Mai 1993
7. Internationale Festtage Alter Musik Stuttgart:
"Ausländische Musiker an europäischen Höfen."

1./2. Mai Symposium zu Jommelli, der am Hofe Herzog Karl Eugens von Württemberg wirkte.
Weiterhin: 10 Konzerte mit (Hof-)Musik des 16.-18. Jahrhunderts.

(Vgl. den Artikel in der FAZ vom 22. März 1993)
 

 

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Le Mans, Octobre 1994
GDR 94 du CNRS et Département d'Histoire
de l'Université du Maine:
Palais et Séjours Princiers et Royaux au Moyen Age

Ce colloque se propose, face au retard français en la matière, de confronter documentations historique et archéologique pour essayer d'aboutir à une meilleure définition et compréhension du sujet. Cinq thèmes ont été retenu.

THEME I: Concept et vocabulaire

La définition palatiale telle qu'on peut l'entrevoir dans la documentation écrite. THEME II: Les manifestations concrètes du pouvoir La définition archéologique (topographie, architecture). Iconographie. THEME III: Fonctions et modes de fonctionnement Evocations des problèmes à l'échelle d'un royaume, d'une principauté ou d'un cas type. Rubriques: palais et églises; aspects socioculturels; palais et économie; palais, parcs, jardins; palais et villes; exercice de la fonction publique (mode de fonctionnement en réseaux, incidences du système au niveau typologique ... ). THEME IV: Monographies archéologiques Fouilles récentes francaises. THEME V: Expériences étrangères Problématique, état de la question.

 

Organisateur:

Annie Renoux, Responsable du Groupe 5 du GDR 94, Professeur d'histoire du Moyen Age à l'Université, Avenue Olivier Messiaen, BP 535, F - 72017 Le Mans Cedex. Tel.: 43833-164; Fax.: 43833-144.

Comité d'organisation:

Josiane Barbier-Morelle, Conservateur aux Archives Nationales, Paris,

Jöelle Burnouf, Maître de Conférences, Université de Bordeaux III,

Jean Chapelot, Directeur d'Archimbaud, Professeur, Université d'Aix-en-Provence, Directeur du GDR 94,

Pierre Demolon, Conservateur du Musée de Douai,

Yves-Marie Pesez, Directeur d'Etudes à l'EHESS, Paris.

 
 

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Nyköping/Schweden, 3. - 9. September 1993
"Castelli Maris Baltici", Tagung:
"The functions of Fortified Sites around the Baltic 900-1500".

Vorgängertagung: "Die Burg als Machtzentrum und innovativer Faktor im östlichen Ostseeraum (Baltikum) 1000-1400", im September 1991 in Turku/Finnland.

(vgl. den Beitrag von G. Ulrich Großmann unter den Neuerscheiungen)
 


Neuerscheinungen

Actes des Journeées internationales Claus Sluter (Dijon 1990), Dijon 1992 [1993], in-4o, 343 S.

Darin einschlägig: Dirk. E.H. de Boer, Sculpture funéraire entre Bavière et Bourgogne. A la recherche des racines et des fonds artistiques de Claus Sluter dans les Pays du Nord, S. 37-51; J.A.M.Y. Bos-Rops, Guillaume VI, comte de Hollande, à Paris. Histoire de ses résidences (1314-1418), S. 59-67 [betr. das Hôtel d'Osteriche und das Hôtel du Porc Epic]; U. Heinrichs-Schreiber, La sculpture de la Sainte-Chapelle de Vincennes et sa place dans l'art parisien à l'époque de Claus Sluter, S. 97-114; A. McGee Morganstern, Le tombeau de Philippe le Hardi et ses antécédents, S. 175-191; Chr. Norton, Le mécénat du duc Philippe le Hardi et de ses frères dans le domaine des carrelages, S. 211-232; J.-Y. Ribault, André Beauneveu et la construction de la Sainte-Chapelle de Bourges, S. 239-247; St.K. Scher, Bourges et Dijon. Observations sur les relations entre André Beauneveu, Jean de Cambrai et Claus Sluter, S. 277-293; J.-P. Sosson, L'impact socio-économique du "mécénat" ducal. Quelques réflexions à propos des anciens Pays-Bas Bourguignons, S. 305-309; A. Uyttebrouck, La cour de Brabant sous les ducs de la branche cadette de Bourgogne-Valois (1406-1430), S. 311-335.

Ahrens, Karl-Heinz, Residenz und Herrschaft. Studien zu Herrschaftsorganisation, Herrschaftspraxis und Residenzbildung der Markgrafen von Brandenburg im späten Mittelalter (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 3: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften 427), Frankfurt/Bern 1990.

Amman, Konrad, Die landesherrliche Residenzstadt Passau im spätmittelalterlichen Deutschen Reich (Residenzenforschung, Bd. 3), Sigmaringen 1992 (312 S., 2 Abb. und 8 Karten). Vgl. Anzeige oben S. 28.

Andermann, Kurt, Die Hofämter der Bischöfe von Speyer, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 140 (N.F. 101) (1992), S. 127-187.

Andermann, Kurt (Hg.), Residenzen - Aspekte hauptstädtischer Zentralität von der frühen Neuzeit bis zum Ende der Monarchie (= Oberrheinische Studien, 10), Sigmaringen 1992.

Inhalt: M. Stürmer, "Wir fürchten uns vor einer Hauptstadt." Das Hauptstadtproblem in der deutschen Geschichte, S. 11-24; E. Reinhard, Die Residenz in der Kulturlandschaft Südwestdeutschlands. Ihre Topographie und ihr Umland, S. 25-46; V. Himmelein, Die Selbstdarstellung von Dynastie und Staat in ihren Bauten, Architektur und Kunst in den Residenzen Südwestdeutschlands, S. 47-58; W. Rößling, Architektur für Residenzstädte, Programm und Stil um 1900, S. 59-72; P.C. Hartmann, Monarch, Hofgesellschaft und höfische Ökonomie. Wirtschaft und Gesellschaft in neuzeitlichen Residenzen, S. 73-82; W.G. Rödel, Die Bevölkerung der Residenzstadt, S. 83-112; B. Wunder, Von der Kanzlei zu Kasernen und Ministerien. Das Werden der modernen Residenzmetropole, S. 113-126; P. Fuchs, Der Musenhof. Geistesleben und Kultur in den Residenzen der Neuzeit, S. 127-158; K. Andermann, Kirche und Grablege. Zur sakralen Dimension von Residenzen, S. 159-188; E. Ennen, Residenzen. Gegenstand und Aufgabe neuzeitlicher Städteforschung, S. 189-198; E.O. Bräunche, Vom markgräflichen "Lust-Hauß" zur großherzoglichen "Haupt- und Residenzstadt". Die Entwicklung der Residenz Karlsruhe zwischen 1715 und 1918, S. 199-222; R. Babel, Nancy. Residenz der Herzöge von Lothringen (14.-17. Jahrhundert), S. 223-250; A. Matt, Buchsweiler - Bouxwiller. Eine kleine Residenz am Oberrhein, S. 251-278; O.B. Roegele, Bruchsal. Residenz im Herbst des Alten Reiches, S. 279-296; H. Ehmer, Heidelberg - Residenz der Pfälzer Kurfürsten bis 1720, S. 297-322; J. Voss, Mannheim. Residenz der Kurfürsten von der Pfalz im 18. Jahrhundert, S. 323-336; H. Ammerich, Zweibrüken und Karlsberg. Residenzen des Herzogtums Pfalz-Zweibrüken, S. 337-364; J.R. Wolf, Darmstadt. Residenz der Landgrafen und Großherzöge von Hessen, S. 365-396; M. Bleymehl-Eiler, Wiesbaden 1690-1866. Von der Nebenresidenz zur Haupt- und Residenzstadt, S. 397-440.

Avonds, P., Brabant tijdens de regering van Hertog Jan III (1312-1356). Land en Instellingen (Verhandelingen van de Koninklijke Academie voor Wetenschappen, Letteren en Schone Kunsten van België, Kl. d. Letteren, Jg. 53 Nr. 136). Brüssel 1991, 312 S.

Hier bes. Teil II: Het Centrum van de Macht (S. 63-189): (1) De hofhouding van de hertog, (2) De hertogelijke raad, (3) De kanseliers en de zegelaers van Brabant, (4) Hoofdstad en residentie [insbes. Brüssel und Tervuren].

Babelon, J.-P., Châteaux de France au siècle de la Renaissance, Paris 1992.

Bates, Catherine, The Rhetoric of Courtship in Elisabethan Language and Literature. Cambridge 1992.

Bátori, Ingrid/ Dieter Kerber/Hans Josef Schmidt (Hgg.), Geschichte der Stadt Koblenz, 2 Bde., Stuttgart 1992-1993. Vgl. Anzeige oben S. 30f.

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Biller, Thomas, Die Adelsburg in Deutschland - Entstehung, Form und Bedeutung, München 1993.

Boockmann, Hartmut (Hg.), Die Anfänge der ständischen Vertretung in Preußen und seinen Nachbarländern (Schriften des Historischen Kollegs: Kolloquien, 16), München 1992.

Inhalt: Peter Moraw, Zu Stand und Perspektiven der Ständeforschung im spätmittelalterlichen Reich, S. 1-33; Peter Blickle, Perspektiven ständegeschichtlicher Forschung. Ein Diskussionsbeitrag, S. 34-38; Hartmut Boockmann, Bemerkungen zur frühen Geschichte ständischer Vertretungen in Preußen, S. 39-51; Zenon Hubert Nowak, Koreferat: Bemerkungen zur frühen Geschichte der Stände in Preußen, S. 52-54; Marian Biskup, Diskussionsbeitrag, S. 55-58; Klaus Neitmann, Die Landesordnungen des Deutschen Ordens in Preußen im Spannungsfeld zwischen Landesherrschaft und Ständen, S. 59-82; Marian Biskup, Die Stände im Preußischen Königlichen Anteil 1466-1526, S. 83-100; Janusz Mattek, Die Ständerepräsentation im Deutschordensstaat (1466-1525) und im Herzogtum Preußen (1525-1566/68), s. 101-115; Ernst Manfred Wermter, Diskussionsbeitrag, S. 116-120; Rudolf Benl, Anfänge und Entwicklung des Ständewesens im spätmittelalterlichen Pommern, S. 121-136; Gerd Heinrich, Die ,Freien Herren` und das Land. Markgrafenherrschaft und landständische Einflußnahme in Brandenburg während des Spätmittelalters, S. 137-150; Jan Kostrzak, Die Ständeprobleme in Altlivland im 15. Jahrhundert, S. 151-158; Henryk Samsonowicz, Die Stände in Polen, S. 159-168; Stanislaw Russoki, Gesellschaft und Ständestaat im Polen des ausgehenden Mittelalters. Einige strittige Probleme, S. 169-176; Jirí Kejr, Anfänge der ständischen Verfassung in Böhmen, S. 177-218; Frantisek Smahel, Das böhmische Ständewesen im hussitischen Zeitalter: Machtfrage, Glaubensspaltung und strukturelle Umwandlungen, S. 219-246; Bernhard Demel, Stände in den Deutschordensbesitzungen im Reich?, S. 247-258.

Borst, Otto, 'Burg' und 'Stadt', in: FS für August Nitschke, Köln 1991, S. 295-308.

Bulst, Wolfgang, Uso e trasformazione del Palazzo Mediceo fino ai Riccardi, in: Il Palazzo Mediceo Riccardi di Firenze, hg. von G. Cherubini et G. Fanelli, Florenz 1990, S. 98-129.

Caballo, Juan (Hg.), Die Burgen im Spätmittelalter (Castrum Bene, 2/1990), Budapest 1992.

Das Sammelwerk enthält allgemeine burgenkundliche Beiträgen sowie Aufsätzen zu Burgen in Ungarn, Böhmen, Mähren, Rumänien und Deutschland bestehende Werk ist durchgängig zweisprachig. Die Aufsätze zum deutschen Burgenbau stammen von Stefan Uhl und Fedja Anzelewsky.

Cherubini, Giovanni/Fanelli, Giovanni (Hgg.), Il Palazzo Medici Riccardi di Firenze, Florenz 1990.

Crawford, Anne (Hg.), The household books of John Howard, Duke of Norfolk, 1462-1471 / 1481-1483, Wolfeboro Falls (Sutton) 1992.

Cremer, Albert, Der Strukturwandel des Hofes in der Frühen Neuzeit, in: Frühe Zeit - Frühe Moderne? Forschungen zur Vielschichtigkeit von Übergangsprozessen, hg. v. Rudolf Vierhaus u.a., Göttingen 1992, S. 75-89.

De l'utilité du patrimoine. Entretiens du patrimoine (Actes des Colloques de la Direction du Patrimoine, Vol. 11), Paris 1993.

Inhalt: Présentation et gestion des monuments ouverts au public: Christian Ost, Les dimensions économiques du patrimoine architectural. - Éric Boulte, L'entreprise privée au service du patrimoine. - Radu Popa, De Vlad l'Emperateur à Dracula: étique professionelle et mise en valeur du patrimoine. - Rodney Melville, Warwick Castle: l'inspiration du passé pour sauvegarder l'avenir. - Patrice Fustier, Le domaine de Courson: restauration et animation d'un parc historique. - Hubert Aynard, L'abbaye de Fontenay: 170 ans d'ouverture au public. - Jean-Pierre Babelon, Le problème de Versailles: comment accueillir le public sans mettre le patrimoine en péril? - Denis Grandjean, Le parc national du Mercantour: trois lois pour une merveille. - Jordi Bonet i Armengol, La Sagrada Familia de Barcelone: l'accueil du public pendant les Jeux Olimpiques de 1992. - Marcel Stefanaggi, La conservation des peintures murales et l'ouverture au public des monuments et des sites. - Alain Charles Perrot, Les remparts de Saint-Malo. - Iskra Penkova, Les Monuments historiques, mémoire de Sofia: rôle de l'architecture lors de leur réhabilitation. - François Jeanneau, Les ruines gallo-romaines de Sanxay: projet de création d'un abri sur les thermes. - Gabor Mester de Parajd, L'aménagement de la crypte archéologique de la collégiale Saint-Martin de Brive. - Benjamin Mouton, La mise en valeur du Cairn de Barnenez: construction d'un bâtiment d'accueil et de surveillance. - Jean-Gabriel Mortamet, Un projet contemporain pour les salines royales d'Arc et Senans. - Marie-Chantal Frère-Sautot, L'archéodrome: une idée du patrimoine. Ouverture au public et choix des partis de restauration: Pierre-André Lablaude, Le Mont-Saint-Michel ou la fabrication d'un Monument historique. - David de Haan, Ironbridge: priorité au visiteur. - Geneviève Le Louarn, Carnac: sauvegarde et decouverte d'un site. - Fernando Real, La conservation des ruines antiques de Conimbriga face aux contraintes de l'environnement et aux attentes du public. - Jean-Michel Musso, Le château du Grand Jardin à Joinville. - Gabor Mester de Parajd, La réaffectation en musée de l'hôtel Labenche à Brives. - Mike Jackson, La restauration de la maison Dana-Thomas de Frank Lloyd Wright: concilier la présentation au public et la conservation architecturale. - Pierre Prunet, La réutilisation de l'abbaye de Fontevraud: une double vocation. - Francesco Flavigny, L'église de Cruas: mise en valeur architecturale et respect de la fonction cultuelle. - Michel Jantzen, Aménagement du site de la partie occidentale de l'ancienne église abbatiale de Cluny. - James Murray Howard, La gestion du village académique Thomas Jefferson à l'université de Virgine. - Dominique Larpin, Le pavillon de chasse du Roi René. - Étienne Poncelet, Ouvrir un palais sur la Scarpe. - Christiane Schmuckle Mollard, La chapelle du couvent des calvariennes de Mayenne et le retable de René Biardeau: projet de restauration et de réutilisation. - Jean-Louis Taupin, L'ancien palais épiscopal de Belley: restauration et reutilisation. - Margarita S. Stieglitz/Serguei V. Sémentsov, La réhabilitation du patrimoine industriel de Saint-Pétersbourg: la Nouvelle Hollande.

Ehmer, Hermann, Graf Asmus von Wertheim (1453-1509), in: Beiträge zur Erforschung des Odenwaldes und seiner Randlandschaften 5 (1992).

Erlande-Brandenburg, A./Jestaz, B. (Hgg.), Le château de Vincennes. Paris 1992.

Favière, Jean, L'Hôtel de Jacques Coeur à Bourges (Collection Monuments en Perspective), Paris 1992.

Inhalt: Jacques Coeur: Fortune et destin, cinq siècles d'histoire: 1443-1938 [L'emplacement; L'entreprise; Après Jacques Coeur; Restaurations]; La "Grant Maison" [Les façades extérieures; La façade occidentale; La façade orientale; La cour et ses galeries; Au pavillon d'entrée; Les galeries; Le logis; La façade; Les cuisines; Les salles d'apparat; Les appartements du midi; L'appartement septentrional; Les étuves; La chambre du trésor; Combles et charpentes; Les galeries hautes; La chapelle]; L'Art et l'Argentier.

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"Der Landgrafenpsalter". Faksimile-Ausgabe. Codices Selecti Vol. XCIII. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz/Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 1992. 384 S., 5560.- DM (Faksimile, Kommentar und Dokumentationsmappe) - Dokumentationsmappe einzeln 80.- (Rez. M. Grosse in der FAZ vom 27.2. 1993).

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Maddalena, Aldo de/Kellenbenz, Hermann, Finanzen und Staatsräson in Italien und Deutschland in der frühen Neuzeit (= Schriften des Italienisch-Deutschen Historischen Instituts in Trient, 4), Berlin 1992.

Inhalt: Aldo de Maddalena, Prolog zu einem Seminar, S. 9-14; Hermann Kellenbenz, Finanzen und Staatsräson in der frühen Neuzeit Europas, S. 15-20; Michael Stolleis, "Pecunia nervus rerum" - Die Finanzfrage in der deutschen Staatsräsonliteratur des 17. Jahrhunderts, S. 21-36; Guiseppe Galasso, Wirtschaft und Finanzen im Mezzogiorno im 16. und 17. Jahrhundert, S. 37-68; Carla Penuti, Der Landesfürst und die abhängigen Gemeinschaften. Die Steuerhandhabung von den "Herrschaftsverträgen" bis zum "Buongoverno", S. 69-78; Fritz Blaich, Die Bedeutung der Reichstage auf dem Gebiet der öffentlichen Finanzen im Spannungsfeld zwischen Kaiser, Territorialstaaten und Reichsstädten (1495-1670), S. 79-112, Giovanni Muto, Zur Entwicklung des Konzepts der "Hacienda" im spanischen Reich, S. 113-170; Enrico Stumpo, Finanzen und Staatsräson in Kursachsen zu Beginn der Neuzeit, S. 171-180; Rodolfo Savelli, Machiavelli und S. Giorgio. Rechtspolitische Kultur und institutionelle Debatte in Genua im 16. und 17. Jahrhundert, S. 181-248; Heinz Dollinger, Staatsräson und Staatsfinanzen in Bayern im 16. und frühen 17. Jahrhundert, S. 249-268; Wolfgang Reinhard, Papstfinanzen und Kirchenstaat im 16. und 17. Jahrhundert, S. 269.

Martin, Thomas M., Auf dem Weg zum Reichstag. Studien zum Wandel der deutschen Zentralgewalt 1314-1410 (Schriftenreihe der Historischen Kommmission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 44). Göttingen 1992.

Meirion-Jones, Gwynn/Jones, Michael, La résidence seigneuriale en Bretagne à la fin du Moyen Age et au début de la Renaissance, in: 1491. La Bretagne, terre d'Europe, hg. von Jean Kerhervé/Daniel Tanguy , Brest/Quimper 1992, S. 337-353.

Melville, Gerd, Hérauts et héros, in: European Monarchy. Its Evolution and Practice from Roman Antiquity to Modern Times, hg. v. Heinz Duchhardt/ Richard A. Jackson/David Sturdy, Stuttgart 1992, S. 81-97. [Grundlegend zu Funktion und Bedeutung der Figur des Herolds].

Mérindol, Chr. de, Essai sur l'emblématique et la thématique de la maison de Bretagne. Mise au point, nouvelles lectures, nouvelles perspectives, in: 1491. La Bretagne, terre d'Europe, hg. v. Jean Kerhervé/Tanguy Daniel, Brest/Quimper 1992, S. 265-294.

Milis, L., Travellers of the southern Low Countries and their views on Italy and the Italians, in: Bull. de l'Inst. Hist. Belge de Rome 61 (1991).

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Inhalt: Werner Oechslin, Fest und Öffentlichkeit. Die Wahrnehmung des öffentlichen Raumes, S. 9-50; Lars Olof Larson, Versailles als Schauplatz. Die bildende Kunst im Dienste der Repräsentation in Schloß und Garten von Versailles, S. 51-70; Fritz Reckow, Der inszenierte Fürst. Situationsbezug und Stilprägung der Oper im absolutistischen Frankreich, S. 71-104; Volker Kapp, Spielen und Mitspielen. Literatur und höfische Repräsentation zur Zeit Ludwigs XIV., S. 105-140; Inke Anders, Charles LeBruns Zelt des Darius und die Konferenz über die "expression générale et particulière", S. 141-151.

Reinbold, Michael, Fürstlicher Hof und Landesverwaltung in Dannenberg 1570-1636. Hof- und Kanzleiordnungen als Spiegel herrscherlichen Selbstverständnisses am Beispiel einer welfischen Sekondogenitur, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 64 (1992), S. 53-70.

Renoux, A., Fécamp du palais ducal au palais de Dieu. Bilan historique et archéologique des recherches menées sur le site du château des ducs de Normandie (IIe s. A.C. - XVIIIe s. P.C.). Avec la collab. de P. Duchène, M.-F. Huault et V. Juhel, Paris 1991 (4E, 734 S., 220 Abb., 350 F.).

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Starn, Randolph, Arts of Power: Three Halls of State in Italy 1300-1600 (The New Historicism: Studies in Cultural Poetics, 19). Berkeley 1992.

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Weiß, U. (Hg.), Erfurt 742-1992. Stadtgeschichte / Universitätsgeschichte, Weimar 1992, 684 S., 69 z.T. farb. Abb., 88.- DM.

Wolff, Ph., Les sociétés allemandes et le vouvoiement au Moyen Age, in: FS Georges Duby, Aix-en-Provence 1992 [1993], Bd. 1, S. 157-175.

Wüst, Wolfgang, Alltag an einem süddeutschen Fürstenhof. Augsburger und Dillinger Hofleben im Spiegel der Rechnungsbücher, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 85 (1992), S. 101-132.

Zahlten, Johannes, Schloß Wolfsburg. Ein Baudenkmal der Weserrenaissance. Fotografien von Jutta Brüdern (Texte zur Geschichte Wolfsburgs, 23), Braunschweig 1991.
 


Personalia
 

Prof. Dr. Hartmut Boockmann, bisher an der Universität Göttingen, ist für drei Jahre einem Ruf an die Humboldt-Universität in Berlin gefolgt.
Adresse: Humboldt-Universität Berlin, Unter den Linden 6, O-1086 Berlin.

Prof. Dr. Volker Honeman, bisher an der Universität Göttingen, ist einem Ruf an die Westfälische Wilhelms-Universität nach Münster gefolgt.
Adresse: Westfälische Wilhelms-Universität, Germanistisches Institut, Johannisstr. 1-4, 4400 Münster, Tel.: (0251) 83-44 10, Telex: 8 92 529 UNIMS d, Fax.: (0251) 83-20 90.

Dr. Dieter Kerber wird vom 1. Mai 1993 an als Referendar am Landeshauptarchiv Koblenz tätig sein.
Adresse: Landeshauptarchiv Koblenz, Karmeliterstr. 1-3, 5400 Koblenz.

Dr. Klaus Neitmann, bisher im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin tätig, ist neuer Leiter des Brandenburgischen Landeshauptarchivs in Potsdam (vgl. die Notiz in der FAZ vom 13. Februar 1993).

Prof. Dr. Werner Paravicini, bisher an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wird ab dem 1. Oktober 1993 das Deutsche Historische Institut in Paris leiten. Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen hat ihn am 5. Februar 1993 zum korrespondierenden Mitglied ihrer Philologisch-Historischen Klasse gewählt. Den Vorsitz der Residenzen-Kommission wird er weiter wahrnehmen (s. o. am Anfang des Hefts).



 
Die Arbeitsstelle Kiel
Susanne Baus
Christian Halm
Detlev Kraack
Prof. Dr. Werner Paravicini
Adresse:
Historisches Seminar
der Christian-Albrechts-Universität
(Besuchsadresse:) Leibnizstr. 8
(postalisch:) Olshausenstr. 40
bis zum 30. Juni 1993:
2300 Kiel 1
ab dem 1. Juli 1993:
24098 Kiel (für Briefe)
24118 Kiel (für Päckchen und Pakete)
Tel.: 0431/880-3639, -2282, -3401, -1484, -2280.
Fax: 0431/880-1524
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