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Mitteilungen der Residenzen-Kommission

 

der

 

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

 

Jahrgang 21 (2011) Nr. 2


 



 

 

Mitteilungen der Residenzen-Kommission

 

der

 

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

 

 

 

Jahrgang 21 (2011) Nr. 2

 

 

Residenzen-Kommission

 

Arbeitsstelle Kiel


 

ISSN 0941-0937

 

 

Titelvignette:

Fenix der edel einig fogel in der gantzen werlt

Hartmann Schedel, Liber chronicarum, Nürnberg: Koberger 1493, Bl. ciiiir

 



Inhalt

 

 

Vorwort ..................................................................................................................................7

Jörg Wettlaufer verabschiedet sich ....................................................................................9

Aus der Arbeit der Kommission .......................................................................................11

Kolloquien, Vorträge, Ausstellungen, Jubiläen .............................................................13

Kolloquiumsbericht ...........................................................................................................15

Religion Macht Politik.
Hofgeistlichkeit im Europa der Frühen Neuzeit 1500-1800,
Wolfenbüttel, 4. bis 7. Oktober 2011,
von Matthias Meinhardt, Wolfenbüttel .......................................................................15

Buchvorstellungen .............................................................................................................21

Peter,
Christian: Staatsbildung und Residenzausbau. Höfische Repräsentation, adlige
Netzwerke und zeremonielle Selbstbehauptung im geistlichen Fürstentum Fulda
(ca. 1760-1802), Fulda 2010 (Veröffentlichung des Fuldaer Geschichts­vereins,
69),
von Johannes Mötsch, Meiningen ...............................................................................21

Ziegler,
Hendrik: Der Sonnenkönig und seine Feinde. Die Bildpropaganda Ludwigs XIV. in
der Kritik, Petersberg 2010 (Studien zur internationalen Architektur- und
Kunstgeschichte, 79),
von Mark Hengerer, Bratislava ....................................................................................24

Thiele, Andrea:
Residenz auf Abruf? Hof und Stadtgesellschaft in Halle (Saale) unter dem
letzten Administrator des Erzstifts Magdeburg, August von Sachsen (1614-1680),
Halle 2011 (Forschungen zur hallischen Stadtgeschichte, 16),
von Christian Hagen, Kiel .............................................................................................28

Sittig, Claudius:
Kulturelle Konkurrenzen. Studien zur Semiotik und Ästhetik
adeligen Wetteifers um 1600, Berlin 2010 (Frühe Neuzeit. Studien und
Dokumente zur deutschen Literatur und Kultur im europäischen Kontext, 151),
von Harm von Seggern, Kiel .........................................................................................30

„Erbarmungslos ... aus dem Grab gezerrt“ ......................................................................35

Neuerscheinungen ..............................................................................................................39

Die Arbeitsstelle Kiel .........................................................................................................56

 


Vorwort

 

 

Lieber Leser,

 

dieses ist das letzte „Heft“ der Ihnen und uns vertraut gewordenen „Mitteilungen“. Recht­zeitig erreicht es Sie vor dem Weihnachtsfest und vor dem Jahresende, das zu­gleich das Erlöschen der alten Residenzen-Kommission nach 26 Jahren ihres Be­ste­hens bedeutet. 21 Jahre lang gab es zweimal im Jahr eine Lieferung, größeren und ge­rin­geren Umfangs, doch stets mit einem Vorwort meiner Hand versehen, zwei­und­vierzig Texte, zweiundvierzig Titelvignetten, die man noch einmal an sich vo­rü­ber­zie­hen lassen kann, wenn einem danach ist.

Mit der Arbeit sind wir fast ganz fertig geworden: Die Akten des Coburger Sym­po­siums des Jahres 2010 werden Mitte Januar ausgeliefert, im Januar wird das biblio­gra­phische „Sonderheft“ mit den Titeln der letzten sechs Jahre ins Netz gestellt. Der 4. Teil des Handbuchs „Grafen und Herren“, Gegenstand unendlicher Korrektur-, Än­de­rungs- und Ergänzungswünschen, folgt sogleich danach, im Februar/März. Dann ist alles erledigt – und bleibt im Netz verfügbar, bis auf das Handbuch Online, das uns noch eine Weile beschäftigen wird, bis wir auch damit zu Rande gekommen sind. Nur auf die Edition der Hof-, Regiments- und Ämterordnungen von Jülich-Kleve-Berg durch Brigitte Kasten und Margarete Bruckhaus warten wir noch.

Ein wenig verwundert schaut man zurück und freut sich, wie nach schwierigen An­fängen alles sich doch recht prächtig entfaltet hat und zu einiger Größe aufgewachsen ist, und gedenkt dankbar der verstorbenen Kommissions-Kollegen: Hans Patze, des Grün­ders, Josef Fleckenstein, Reinhard Wenskus, und denen die nach ihnen kamen und doch vorzeitig gehen mußten: Hartmut Boockmann und Ernst Schubert. Dank ist zu sagen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, die fordernd und fördernd uns begleitete, der Fritz Thyssen Stiftung, die Arbeit und Druck beharrlich finanziert hat, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die uns seit 1990 Gastrecht gewährte. Schließlich den gegenwärtigen Mitgliedern der Residenzen-Kommission selbst, die sich nun auflöst nach vollbrachter Arbeit: Uwe Albrecht, Enno Bünz, Gerhard Fouquet, Volker Honemann, Peter Johanek, Peter Moraw, Matthias Müller, Andreas Ranft, Karl-Heinz Spieß und Thomas Zotz. Die tägliche Arbeit aber haben verrichtet seit 1995 bzw. 1996 Jan Hirschbiegel und Jörg Wettlaufer, deren Namen, mal der eine, mal der andere, mal beide zusammen mit demjenigen des Unterzeichneten als Herausgeber auf den Titelblättern der Symposiumsbände erscheinen. Während Jan Hirschbiegel sich be­sonders der gedruckten Publikationen annahm, gestaltete und pflegte Jörg Wett­laufer die umfangreiche Internetseite der Kommission und or­ga­ni­sierte die immer wich­tiger werdende elektronische Kommunikation.

Jetzt wird er uns verlassen, geht nach Göttingen, wo die Akademie entdeckte, wie gut sie für die „Digital Humanities“ jemanden gebrauchen kann, der Geistes­wis­sen­schaftler und zugleich ein Fachmann für die Informationstechnologie ist. Er stellt sich einer neuen Herausforderung, hofft auch, seine eigenen evolutionär-anthropologisch in­spirierten rechtshistorischen For­schungen zum sozialen Gebrauch des Schamgefühls in der spätmittelalterlichen Gesellschaft, von denen hier nie die Rede war, voran­zu­bringen. Unsere guten Wünsche begleiten ihn und die Hoffnung, daß wir ihn weiter kon­sul­tie­ren können. Es war ihm ein Anliegen, sich von Ihnen, liebe Leser, persönlich zu ver­ab­schieden (siehe S. 9). Glücklicherweise bleibt uns Jan Hirschbiegel erhalten, der sich „übrigens“ soeben mit einer Arbeit zu „Nahbeziehungen bei Hof – Mani­fe­sta­ti­o­nen des Vertrauens? Karrieren in reichsfürstlichen Diensten am Ende des Mittelalter“ in Kiel habilitiert hat.

An der Reihe der letzten drei Titelvignetten konnten Kenner schon erraten, wie es um uns steht: Zunächst sah er ein verschlossenes Tor oder unsere Zukunftssorgen, dann eine geöffnete Tür oder unsere Zukunftshoffnung, schließlich jetzt den einzig­artigen Vogel Phoenix oder die Auferstehung aus der Asche: Am 31. Dezember stirbt die alte Residenzen-Kommission, am 1. Januar wird die neue geboren. Das Un­wahr­schein­liche ist am 7. November 2011 geschehen, nämlich daß unter den lediglich sie­ben bewilligten Neuanträgen von zweihundert der unsrige war. Es geht also weiter. Das Thema ist aber nicht mehr „Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Deut­schen Reich (1200-1600)“, sondern „Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800). Ur­ba­nität im integrativen und konkurrierenden Beziehungsgefüge von Herrschaft und Ge­meinde“. Der Schwerpunkt wurde vom Hof auf die Stadt verlagert, der Zeit­aus­schnitt erweitert bis hin in die Moderne. Die Leitungskommission ist neu zu­sam­men­gestellt, ihr gehören anfangs an Ute Daniel, Gerhard Fouquet, Stephan Hoppe, Olaf Mörke, Matthias Müller und der Unterzeichnete. Die Kieler Arbeitsstelle zusammen mit einem Mainzer Außenposten wächst von zwei auf vier Stellen, es gibt zwei Dok­to­randen und mehrere Hilfskräfte. Unter strenger Beobachtung begeben wir uns nun auf den Weg, auf eine Wanderschaft, die weitere 14 Jahre währen darf. Ob die Mit­tei­lungen in dieser Form fortbestehen werden, ist unsicher. Doch wenn es nicht diese ist, so wird es doch eine andere Weise geben, mit Ihnen, lieber Leser, in Verbindung zu bleiben. Jetzt aber schlägt erst einmal die Stunde des Abschieds. Nicht unzufrieden mit der Vergangenheit, hoffnungsvoll in die Zukunft schauend sagt „Adieu“, nicht ohne Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest gewünscht zu haben, zwischen den Jahren Einkehr und Beschaulichkeit, in 2012 dann neuen Schwung und neuen Erfolg,

 

Ihr

 

Werner Paravicini

 

P.S. Versäumen Sie vor lauter Trauer nicht, in diesem „Heft“ zu blättern. Wir bieten Fulda und Halle, die Hofgeistlichkeit, adliges Wetteifern, Ludwig XIV., geöffnete Gräber und viele Neuerscheinungen, von denen Sie sicher nicht schon alle kennen.

 

 


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

das Neuvorhaben der Residenzen-Kommission ist genehmigt und weitere 14 Jahre der Arbeit über nunmehr Stadt, Gemeinde und Residenz liegen vor einer neuen Kommission, aber ich habe mich entschieden, mit meiner Familie nach Göttingen zu wechseln und für die Akademie der Wissenschaften im Bereich der Digital Humanities weiterzuarbeiten. Nun möchte ich die Gelegenheit ergreifen und in der letzten Nummer der „alten“ MRK allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern der Hof- und Residenzenforschung für die gute Zusammenarbeit in 15 Jahren meiner Tätigkeit für die Arbeitsstelle Kiel der Residenzen-Kommission herzlich danken. Ohne die vielen Autorinnen und Autoren der Monographien und Handbücher der Reihe Residenzenforschung hätte sich das Unternehmen nicht erfolgreich bestreiten lassen, zumal, wenn wie in meinem Fall, der eigene wissenschaftliche Forschungsschwerpunkt immer abseits der Kernfragen des Unternehmens stand. Meine Arbeitsbereiche in der Arbeitsstelle waren vor allem die Organisation der Tagungen, die Online-Präsenz des Unternehmens und zusammen mit Jan Hirschbiegel die redaktionelle Bearbeitung der Handbücher. Gerade bei der zuletzt genannten Tätigkeit war ich manchmal gezwungen, zu Abgabeterminen für Beiträge zu drängen. Ich hoffe, Sie tragen mir diese freundlichen, aber manchmal auch etwas penetranten Ermahnungen und Bitten nicht nach, denn ich weiß selber nur zu gut, wie schwierig die termingerechte Abgabe von Beiträgen werden kann. Ich bzw. wir handelten dabei immer im Interesse der Fortführung des Projekts, der Weiterfinanzierung der damit verknüpften Stellen und daher möchte ich Ihnen ganz herzlich danken, daß Sie dies über viele Jahre durch Ihre exzellenten Beiträge, Texte und Forschungen für die Residenzen-Kommission ermöglicht haben. Auch wenn sich mein Arbeitsumfeld nun verändern wird, hoffe ich doch sehr, die Eine oder den Anderen auf Tagungen oder den kommenden neuen Symposien einmal wiederzusehen und wünsche in diesem Sinne dem Neuunternehmen und meinen langjährigen Kieler Mitstreitern viel Erfolg für die zukünftige Arbeit.

 

Mit herzlichem Dank und Grüßen zum Frohen Fest

 

Ihr

 

Jörg Wettlaufer



Aus der Arbeit der Kommission

 

 

1. Handbuch

Teil IV: Grafen und Herren

135 Mitarbeiter haben über 600 Artikel erstellt. Das über 2400 S. um­fas­sen­de Manuskript ist im Druck. Aufgrund teilweise umfangreicher Kor­rek­turen, Korrektur- und vor allem Ergänzungswünschen war der vor­ge­se­hene Er­schei­nungs­termin Ende 2011 nicht einzuhalten. Die Pub­li­ka­tion ist nunmehr aber abzusehen und der Doppelband wird Anfang des Jahres 2012 vorliegen.

Digitales Handbuch der Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Das digitale Handbuch soll über ein neu einzurichtendes digitales Portal der Akademie zur Verfügung gestellt werden. Inzwischen wurden dafür die Satzdaten der vier Handbücher vom Satzbüro angekauft. Eine Bereit­stellung der Handbücher in der Druckfassung (zunächst die Teile I-III) ist im kommenden Jahr durch Herrn Wettlaufer geplant.

 

2. Residenzenforschung

2.1. Das druckfertige Manuskript der Edition der 10 Regiments- und ca. 100 Hof- und Ämterordnungen von Jülich-Kleve-Berg durch Brigitte Kasten und Margarete Bruckhaus ist nun für März 2012 angekündigt. Wir wer­den uns darum bemühen, es als Bd. 26 der Reihe Residenzenforschung noch zum Druck zu bringen.

2.2. Die Beiträge des Coburger 12. Symposiums werden im Januar 2012 un­ter dem Titel „Städtisches Bürgertum und Hofgesellschaft. Kulturen in­te­gra­tiver und konkurrierender Beziehungen in Residenz- und Haupt­städten vom 14. bis ins 19. Jahrhundert“, hg. von Jan Hirschbiegel, Werner Paravicini und Jörg Wettlaufer, vorliegen.

 

3. MRK

3.1. Die MRK 21,2 liegen hiermit vor.

3.2. Ein letztes bibliographisches Sonderheft zu den in den MRK 16,1 bis 21,2 no­tierten Neuerscheinungen wird Anfang des nächsten Jahres online erscheinen.

 

4. Neuvorhaben

Das Neuvorhaben im Umfang von 5,8 Mio € über 14 Jahre wurde am 7. No­vem­ber 2011 endgültig bewilligt und beginnt am 1. Januar 2012.

 

5. Das Ende der Residenzen-Kommission

Am 31. Dezember 2011 erlischt die Residenzen-Kommission nach 14 Jahren Dauer und der Erledigung ihrer Aufgaben.

 

Werner Paravicini



Kolloquien, Vorträge, Ausstellungen, Jubiläen

 

 

 

 

Siehe online auf unserer Internetseite unter der Rubrik „Veranstaltungskalender“
bzw. unter

http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/kollanzeige.php

 

 

 



Kolloquiumsbericht

 

 

Religion Macht Politik
Hofgeistlichkeit im Europa der Frühen Neuzeit 1500-1800
Wolfenbüttel, 4. bis 7. Oktober 2011

 

 

Seit Oktober 2009 werden an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (HAB) und am Interdisziplinären Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit der Universität Osnabrück (IKFN) im Rahmen eines für vier Jahre vom Land Niedersachsen geförderten Kooperationsprojektes die politische Rolle der protestantischen Hofprediger im frühneuzeitlichen Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel durch drei Fallstudien erforscht und wich­tige Quellen des Themenfeldes digital erschlossen (siehe MRK 21,1 [2011] S. 41]. Zur Mitte der Projektlaufzeit lud man nun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Forschungskontexten zu einem internationalen Arbeitsgespräch in die Herzog August Bibliothek ein, um Zwischenresultate der regional an­gelegten eigenen Fallstudien zur Diskussion zu stellen und interkonfessionelle wie interterritoriale Vergleiche anzustellen.

Eingeleitet wurde das Arbeitsgespräch mit einem öffentlichen Abendvortrag, in dem Luise Schorn-Schütte (Frankfurt a. M.) die protestantischen Hofprediger zunächst sozial als Angehörige der städtisch-bürgerlichen Bildungseliten auswies, deren Rekrutierungsideal deutlich antiklientelistische Züge getragen und vor allem Bildung und eine integere Lebensweise in den Vordergrund gestellt habe. Damit hätte auch ein verbreitetes Amts- und Selbstverständnis korrespondiert, das von den Hofpredigern eine weitgehend unabhängige Stellung bei Hofe einforderte, aus der heraus sie wachend und mahnend politisches und soziales Geschehen begleiteten. Hier sah Schorn-Schütte eine Differenz zur Amtsethik katholischer Hofgeistlichkeit, in welcher Patro­nage eine weit weniger kritische Bewertung erfahren habe. Gleichwohl machte die Referentin auch Parallelen aus: Sowohl protestantische als auch katholische Hofgeistliche hätten den Anspruch erhoben, Hof- und Adelskritik formulieren zu dürfen; und in beiden konfessionellen Richtungen sei das Recht auf politische Beratung ein­gefordert worden.

Nachdem Ulrike Gleixner (Wolfenbüttel) und Siegrid Westphal (Osnabrück) zum Einstieg in das Arbeitsgespräch die Genese des gemeinsamen Projektes und dessen zentrale Frage kurz erläutert hatten, wurde das Themenfeld in den folgenden Tagen unter fünf Schwerpunktsetzungen behandelt. Zunächst standen die Beziehungen der Hofgeistlichen zu den „Fürsten, den Fürstinnen und zum Hof“ als Gesamtgefüge im Blickpunkt. Douglas H. Shantz (Calgary) betrachtete anhand der reformierten Gra­fen­höfe Johann Philipps II. von Isenburg-Offenbach und Casimirs von Sayn-Witt­gen­stein-Berleburg die Beziehungen zwischen den pietistisch orientierten Theologen Con­rad Bröske und Ludwig Christoph Schefer zu den regierenden Fürsten. Trotz Unter­schieden in der Vorgehensweise der beiden Prediger hätten beide einen erheb­lichen Einfluß insbesondere auf die Religionspolitik in den untersuchten Klein­terri­to­rien ausgeübt, der auf einem sehr engen persönlichen Austausch, auf Vertrauen und spi­ritueller Nähe beruht habe. Beide Theologen seien eher Berater als bloße Mahner ihrer Fürsten gewesen. Mit dem Herzogtum Württemberg wandte sich Wolfgang Schöll­kopf (Bad Urach) dann einem weitaus größeren Herrschaftsgebiet zu und steckte dabei einen komplexeren sozialen Handlungsrahmen ab, in dem sich die Hofprediger beweg­ten. Neben Fürsten, Fürstinnen und Mätressen stellten auch das Kollegium der Kon­sistorialräte sowie die Landstände wichtige Bezugspunkte für das politische Han­deln der Hofprediger dar. Am Neubau einer gleichermaßen von barocken Stil­e­le­men­ten und pietistischen Bildprogrammen geprägten evangelischen Schloßkirche wurde dann exemplarisch der Einfluß der Hofprediger Samuel Urlsperger und Eberhard Fried­rich Hiemer in dieser Rahmenkonstellation verdeutlicht. Dynastische Konflikte inner­halb ernestinischer Höfe des 17. und 18. Jahrhunderts dienten Stefanie Walther (Bremen) als Ausgangspunkte, den Einfluß von Hofpredigern auf die Beziehungen inner­halb fürstlicher Familien auszuloten. In den Auseinandersetzungen um die 1713 ge­schlossene, standesungleiche Ehe des Herzogs Anton Ulrich von Sachsen-Meiningen erwies sich der Hofprediger Adam Krebs als Vermittler zwischen den Konflikt­par­teien. Selbst zum Streitgegenstand wurde der französischsprachige und calvi­ni­sti­sche Hofprediger der Prinzessin Marie-Charlotte de la Trémoille, die 1662 eine Ehe mit Herzog Bernhard von Sachsen-Jena schloß und gegen den Widerstand des sich zum Luthertum bekennenden ernestinischen Gesamthauses auf den Beistand ihres geist­lichen Vertrauten beharrte. Diese beiden Fälle unterstrichen noch einmal, daß die Hand­lungsmöglichkeiten der Hof­prediger in hohem Maß von ihrer persönlichen Bin­dung an Fürsten oder/und Fürstinnen abhingen.

Einen zweiten Akzent setzte das Arbeitsgespräch auf „Netzwerk und Koalition“. Hier betonte der verlesene Vortrag von Alexander Schunka (Gotha) am Beispiel des re­for­mierten Theologen Daniel Ernst Jablonski, daß ein Hofprediger um 1700 nicht nur als Vermittler und Vertrauter am Hof und innerhalb der fürstlichen Familien agie­ren, sondern auch wichtiger Knotenpunkt in europäischen Netzwerkbeziehungen sein konnte. Jablonskis Aktionsradius erstreckte sich von Ostmitteleuropa bis nach Groß­britannien. Dabei verknüpfte er an ihn delegierte Aufgaben fürstlicher Diplomatie mit eigenen Zielen; insbesondere irenische Vorstellungen und die internationale Ver­einigung des Protestantismus waren ihm ein persönliches Anliegen. Der Stellung und den Aufgaben der orthodoxen Beichtväter russischer Zaren, Kaiser und Kaiserinnen des 17. und 18. Jahrhunderts ging Aleksandr Lavrov (Paris) nach. Innerhalb des kirch­lichen Machtgefüges erwiesen sich die Beichtväter häufig als Gegenspieler ande­rer geistlicher Würdenträger. Strikt getrennt waren am Hof das Amt des Predigers und jenes des Beichtvaters, neben die in einzelnen Fällen noch charismatische Vertreter des Mönchtums treten konnten. Der unterschiedlichen Rollenzuweisung entsprach auch eine Differenz der sozialen Herkunft und Vernetzung. In der petrinischen Zeit wuchsen den Hofgeistlichen neue Aufgaben zu: Sie begleiteten Vertreter des Zarenhauses auf Auslandsreisen und halfen umgekehrt den von außerhalb an den russischen Hof Kommenden bei der Integration, nicht zuletzt führten sie diese an die orthodoxe Religionspraxis heran. Sie wirkten damit als Vermittler in einem intensivierten euro­pä­ischen Kulturtransfer. In einem vergleichenden Ansatz untersuchte Martin Jung (Osnabrück) die Karriereprofile der lutherischen Hofprediger in Kursachsen und Württemberg. Anders als in der Zeit der Reformation, die von hoher Mobilität gekennzeichnet gewesen sei, ließe sich im 17. und 18. Jahrhundert eine auffällige terri­to­riale Fixierung der Werdegänge erkennen. Die zweifellos in beiden Un­ter­su­chungs­räumen bei den Hofpredigern zu beobachtende höhere akademische Bildung führte demzufolge nach der Reformationsphase nicht zu einer komplexen überregionalen Ver­flechtung. Über die Hofprediger seien überdies eher die akademische Theologie und Kirchenleitung verknüpft worden, weniger Kirche und Theologie mit der Politik.

Eine dritte Gruppe von Vorträgen untersuchte die Rolle der Hofgeistlichkeit in „Kon­flikt und Streitkultur“. Hier griff Robert von Friedeburg (Rotterdam) die alte, von der Forschung ganz unterschiedlich beantwortete Frage auf, ob den lutherischen Theologen eher Obrigkeitshörigkeit oder hingegen eine obrigkeitskritische Haltung zu bescheinigen sei. Anhand der Debatte über das Widerstandsrecht stellte der Referent die These auf, daß es vor 1620 zwar punktuell obrigkeitskritische Ansätze gegeben habe, doch erst mit den Verheerungserfahrungen des Dreißigjährigen Krieges eine Radikalisierung einsetzte, die bei Autoren wie Joachim Lütkemann in kom­promißlosen Angriffen auf die Fürsten gipfelte. Daß lutherische Hofprediger sich keineswegs auf die Rolle des Wächters und Mahners am Rande der Hofgesellschaft beschränkten, sondern auch als Akteure in säkularpolitischen Konflikten auftraten, er­läu­terte Matthias Meinhardt (Wolfenbüttel) am Beispiel des Hofpredigers und Kir­chen­rats Basilius Sattler, der sich im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert sowohl an den Konflikten der Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel mit der Stadt Braun­schweig als auch an der Opposition gegen die Regierung des Statthalters Streithorst beteiligte. Dabei ließ sich zeigen, daß der Theologe mit bestimmten Hofparteien und Interessengruppen im Land kooperierte, um seine politischen Ziele zu realisieren. Auf die gelehrte Streitkultur des 18. Jahrhunderts zielte der Vortrag von Frank Grunert (Halle a. d. S.), der Inhalte, Formen und politische Effekte der konfessionellen Aus­ein­andersetzungen des Predigers am dänischen Königshof, Hector Gottfried Masius, be­trachtete und dadurch die politischen und intellektuellen Positionen des Hof­geistlichen freilegte, dem insbesondere an der Wahrung der lutherischen Hegemonie in Dänemark gelegen war. Am Beispiel des Theologen Eberhard Finen und des Her­zogs Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel untersuchte Alexandra Faust (Osnabrück) das Problem der Fürstenkonversionen um 1700, das den Hofprediger in ein Dilemma zwischen Fürsten- oder Konfessionstreue brachte. Erstaunlicherweise kam es jedoch in diesem Fall nicht zum Bruch zwischen Fürst und Hofgeistlichem: trotz geübter Kritik am Herzog und Spannungen am Hof erwies sich die persönliche Bin­dung als stark genug, um die konfessionelle Divergenz auszuhalten.

Die vierte Sektion versuchte, die Voraussetzungen und die konkreten Formen von „Für­stenberatung und Herrschaftsbeteiligung“ der Hofgeistlichkeit noch weiter auszu­leuchten. Zunächst behandelte hier Johannes Wischmeyer (Mainz) in einem kom­parativen Ansatz die erste Generation von reformierten Hofpredigern in der Kurpfalz und in Brandenburg-Preußen, die politisch recht zurückhaltend auftraten und ihre Hof- und Herrscherkritik eher moderat vorgebracht hätten. Sodann sprach Christian Deuper (Osnabrück) über den lutherischen Hofprediger Joachim Lütkemann und dessen Beziehungen zu Herzog August d. J. von Braunschweig-Wolfenbüttel. Hier wurde sichtbar, daß der Hofgeistliche vom Fürsten in durchaus beachtlicher Weise ma­teriell privilegiert und persönlich unterstützt wurde, jedoch, insbesondere in seiner „Regentenpredigt“, deutliche Obrigkeitskritik übte. Anschließend wandte man sich den jesuitischen Hofbeichtvätern des französischen Königshofes zu, Ronnie Po-Chia Hsia (Pennsylvania) verglich diese mit ihren Amtsbrüdern in Bayern, Michael Müller (Mainz) mit jenen am kurfürstlichen Hof in Mainz. In allen drei behandelten Kon­fessionen war die Verflochtenheit von Hofgeistlichkeit und Herrschaftsausübung zu beobachten. Insbesondere in protestantischen Territorien, wo die Position des Hof­pre­digers oft mit der Kirchenleitung verknüpft wurde oder diese Geistlichen zu­min­dest Sitz und Stimme im Konsistorium besaßen, läßt sich eine Herrschaftsbeteiligung in­stitutionalisiert fassen. Doch gab es daneben einen informellen, daher angesichts der Quel­lenlage oft nur ungenau zu bemessenden Gestaltungsspielraum, der sich auch bei jesui­tischen Hofbeichtvätern nachweisen läßt und sich etwa in Beratungen, Gutachten oder der Einbindung in diplomatische Beziehungen zeigen konnte. Die Vorträge die­ser Sektion unterstrichen noch einmal, daß der Grad der politischen Einflußnahme sich weniger nach der Konfession und der konkreten Kirchenverfassung, sondern in erster Linie nach individuellen Dispositionen und der Qualität der persönlichen Be­zie­hungen zwischen Fürst und Geistlichem richtete. Besonders nachdrücklich plädierte Hsia dafür, die sich verändernde Beschaffenheit des Hofes und die Stellung der Hofgeistlichen in diesem Gesamtgefüge in den Fokus zu rücken, weil sich daran der Wan­del von Macht und Religion in Europa verfolgen ließe.

Die letzte Gruppe von Vorträgen widmete sich den Feldern „Sprache, Medien und Selbst­verständnis“. Von besonderem Gewicht ist hier freilich die Predigtanalyse, die Philip Hahn (Frankfurt a. M.) in das Zentrum seiner Ausführungen stellte. Anhand der Auswertung der gedruckten Predigten des homiletisch einflußreichen kursäch­si­schen Hofpredigers Matthias Hoë von Hoënegg skizzierte er Wege, auf denen Her­kunft, Gestalt und Weiterentwicklung der politischen Semantik in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erschlossen werden können. Wie tief die systematische Un­ter­suchung von Briefen in den Intimbereich höfischen Lebens und politischer Ent­schei­dungs­prozesse gelangen läßt, demonstrierte Gerrit Deutschländer (Hamburg). Über die dem Vortrag zugrunde gelegte Korrespondenz des humanistisch orientierten Theologen und Präzeptors Georg Helt mit den Fürstenbrüdern Joachim und Georg von An­halt sowie deren Mutter Margarethe erschlossen sich Zugänge ebenso zur höfi­schen Erziehung wie zur religiösen Unterweisung und kirchenpolitischen Beratung in der Reformationszeit, die eine erhebliche Wirkung auf die konfessionelle Ausrichtung des Territoriums entfalten sollten. Das vor allem über das Medium der Predigten formulierte Amts- und Selbstverständnis lutherischer Hofprediger thematisierte Wolf­gang Sommer (Neuendettelsau). Über Schlüsselpredigten der Dresdner Hofprediger Poly­carp Leyser d. Ä., Martin Geier und Walter Marperger arbeitete der Referent eine lange Tradition obrigkeitskritischer Haltungen und Selbstdeutungen heraus, die sich je­doch als überaus wandelbar im Detail erwiesen. Vor allem aus der Zwei­re­gi­men­ten­lehre hätten die ersten Generationen lutherischer Hofprediger ihr Recht und die Pflicht zur Herrscherkritik abgeleitet und diese auch nicht selten in sehr offener Form vor­ge­bracht. In einem gewissen Kontrast zu den Thesen Friedeburgs meinte Sommer jedoch erkennen zu können, daß das zum Teil recht schroffe Auftreten der Geistlichen in der Frühzeit des Luthertums im Laufe der Zeit weicheren Formen der Kritikerrolle gewichen sei, weil die Zweiregimentenlehre als Legitimationsquelle an Bedeutung verloren habe und pietistische Frömmigkeit und aufklärerisches Gedankengut zunehmend an Ein­fluß gewonnen hätten.

Die von einer pointierten Zusammenfassung der Tagung durch Irene Dingel (Mainz) eingeleitete Schlußdiskussion hob insbesondere auf Chancen und Probleme einer angemessenen Typologisierung angesichts der durch die Tagungsbeiträge aufge­zeigten unterschiedlichen Ausprägungen von Amtsverständnissen und Amtsausübungen inner­halb der frühneuzeitlichen Hofgeistlichkeit ab. Auch wurde methodologisch nach der Generalisierbarkeit der zumeist aus biographischen Studien gewon­nenen Erkennt­nisse gefragt, die trotz der Notwendigkeit zur regionalen, zeitlichen und kon­fessionellen Dif­ferenzierung das übergreifend Gültige herausstellt und somit allge­meinere Zugänge zum Verständnis frühneuzeitlicher Herrschaftspraxis und Hofkultur eröffnet.

Das Arbeitsgespräch gelangte durch den Konfessionen und Regionen ver­glei­chen­den Ansatz zu einem überaus facettenreichen Bild der politischen Hand­lungs­mög­lich­keiten von Hofgeistlichen. Nicht nur Mahnung und Kritik, sondern auch Beratung und Po­litikgestaltung konnten zu ihrem Aktionsraum gehören. In der Analyse von Medien, In­strumenten und Strategien sowie Leit- und Selbstbildern der an den Höfen tätigen Theo­logen wurden Standesspezifika ebenso deutlich wie Parallelen zu anderen Funk­ti­ons­eliten. Wer höfisch geprägte Politikprozesse der Frühen Neuzeit aufhellen möch­te, wird nach den Resultaten der Wolfenbütteler Tagung gut daran tun, die Hof­geist­lichen als wichtige Akteure der frühneuzeitlichen Politik in seine Betrachtungen ein­zu­beziehen.

Eine Dokumentation des Arbeitsgespräches wird vorbereitet und voraussichtlich in den „Wolfenbütteler Forschungen“ erscheinen.

 

 

Konferenzübersicht

 

Öffentlicher Abendvortrag

Schorn-Schütte, Luise (Frankfurt a. M.): Umstrittene Theologen. Die Rolle der Hof­prediger zwischen Herrscherkritik und Seelsorge im Europa der Frühen Neuzeit.

 

I. Fürst, Fürstin und Hof

 

Gleixner, Ulrike (Wolfenbüttel), Westphal, Siegrid (Osnabrück): Begrüßung und Ein­führung; Shantz, Douglas H. (Calgary): Pietist Court Preachers and the Wetterau Counts: Court Piety and Policy in Offenbach und Berleburg; Schöllkopf, Wolfgang (Bad Urach): Zwischen Fürst, Fürstin und Mätresse – Hofprediger im barocken Württem­berg; Walther, Stefanie (Bremen): Hofprediger an ernestinischen Fürstenhöfen und ihre Rolle in dynastischen Konflikten.

 

II. Netzwerk und Koalition

 

Schunka, Alexander (Gotha) (verlesen): Netzwerkbildung im europäischen Kontext – Das Beispiel Daniel Ernst Jablonski (1660-1741); Lavrov, Aleksandr (Paris): Die Beichtväter der russischen Zaren und Kaiserinnen, 1613-1796; Jung, Martin (Osnabrück): Karriereprofile evangelischer Hofprediger im Vergleich.

 

III. Konflikt und Streitkultur

 

Friedeburg, Robert von (Rotterdam): Die lutherische Orthodoxie und die Debatte um das Widerstandsrecht; Meinhardt, Matthias (Wolfenbüttel): Fürstentreue, Gruppeninteresse und Eigensinn – Der Hofprediger Basilius Sattler in politischen Kon­flikten im Für­stentum Braunschweig-Wolfenbüttel; Grunert, Frank (Halle a. d. S.): Kon­fessionelle Kon­kurrenz und politisches Kalkül. Die Kontroversen des dänischen Hofpredigers Hector Gottfried Masius; Faust, Alexandra (Osnabrück): Karriere und Karrie­rebrüche eines Hofpredigers zu Beginn des 18. Jahrhunderts – Eberhard Finen in Braun­schweig-Wolfenbüttel 1698-1726.

 

IV. Fürstenberatung und Herrschaftsbeteiligung

 

Wischmeyer, Johannes (Mainz): Selbstverständnis und theologischer Horizont der ersten Generation reformierter Hofprediger in der Kurpfalz und in Brandenburg-Preußen; Deuper, Christian (Osnabrück): Herzog August der Jüngere (1579–1666) und sein Generalissimus Joachim Lütkemann (1608–1655). Skizzen ihrer Beziehung; Po-chia Hsia, Ronnie (Pennsylvania): Jesuitische Hofprediger in Frankreich und Bayern im 17. Jahrhundert. Ein Vergleich; Müller, Michael (Mainz): Die politische Rolle jesuitischer Fürstenbeichtväter im 17. und 18. Jahrhundert – Frankreich und Kur­mainz im Vergleich.

 

V. Sprache, Medien und Selbstverständnis

 

Hahn, Philip (Frankfurt a. M.): Die politische Sprache des kursächsischen Ober­hof­pre­di­gers Matthias Hoë von Hoënegg im Kontext; Deutschländer, Gerrit (Ham­burg): Hof­geistlichkeit, Fürstenerziehung und Briefkultur; Sommer, Wolfgang (Neu­en­dettelsau): Zum Selbst- und Amtsverständnis lutherischer Hofprediger.

 

Dingel, Irene (Mainz): Zusammenfassender Kommentar.

 

Matthias Meinhardt, Wolfenbüttel*

 


Buchvorstellungen

 

 

Peter, Christian: Staatsbildung und Residenzausbau. Höfische Repräsentation, ad­lige Netzwerke und zeremonielle Selbstbehauptung im geistlichen Fürstentum Ful­da (ca. 1760-1802), Fulda 2010 (Veröffentlichung des Fuldaer Geschichts­ver­eins, 69) (Diss. Univ. Würzburg 2008/2009) [Parzeller, 501 S., kart., Ill., Kt. + Stamm­baum als Beil., 18,90 Euro].

 

Bei der zu besprechenden Arbeit handelt es sich um eine Würzburger Dissertation, die aus einer Magisterarbeit bzw. Zulassungsarbeit zum Staatsexamen hervorgegangen ist (S. 5).

Der Verfasser präsentiert nach einer Einleitung mit Vorstellung von Forschungs­stand und Fragestellung sowie einem kurzen Überblick zu den Quellen und der Lite­ratur in einem ersten Hauptkapitel „Das Fürstentum Fulda seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts: Territorium und Politik – Beziehungen zu Reich und Kirche“ (S. 37-123). Detailliert behandelt er die verfassungsrechtliche Stellung der Äbte, deren welt­liches Territorium und die bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts von vielen ge­sehene Säkularisationsgefahr, die 1802 in der Tat zur Säkularisation des Hochstifts führte. Aus dieser Bedrohung, die sich auch in kleineren militärischen Aus­ein­an­der­setzungen mit den Nachbarn (Hessen, Sachsen-Weimar) manifestierte, erwuchs das Be­mühen um politische Nähe zum Reichsoberhaupt, das sich auch im Gedenken an Kaiser und Kaiserin ausdrückte. Der Abt führte ab 1515 den Titel eines „Erzkanzlers der Kaiserin“. Zu den nach dem Tod eines Abtes bzw. Bischofs notwendigen Wahlen er­schienen regelmäßig kaiserliche Wahlgesandte.

Während des Untersuchungszeitraums kam es auch in Fulda zu einer Erweiterung und Differenzierung des Regierungsapparates. Die in der Regel aus dem Kapitel her­vor­ge­gangenen Äbte (seit 1752 Bischöfe) bevorzugten dennoch eine persönliche Re­gie­rungs­ausübung – dies auch dann, wenn sie sich außerhalb der Residenzstadt auf­hielten; wegen der geringen Größe des Territoriums war das problemlos möglich. Der Einfluß der Landstände ging seit der Mitte des 17. Jahrhunderts immer mehr zurück, da der Adel 1656 aus dem Territorialverband ausgeschieden war und sich der Reichs­rit­ter­schaft in Franken angeschlossen hatte; er bildete fortan das buchische Quartier des Kan­tons Rhön-Werra. Die Steuereinnahme wurde so zu einer landesfürstlichen Ein­richtung. Wichtigster Stand war ohnehin stets das aus adligen Benediktinern be­ste­hende Kapitel. Für die Aufnahme gefordert wurden eine Ahnenprobe (seit 1627 auf 16 adlige Ahnen) und die Profeß. Letzteres bewirkte, daß die Fuldaer Domherren fast nie an anderen Dom­stiften der Reichskirche bepfründet waren (die Ausnahme bildete der aus einer fürst­lichen Familie stammende Abt Bernhard Gustav Markgraf von Baden). Auf die Kon­sequenzen, die sich aus der sich daraus ergebenden Anwesenheit dieser geist­lichen Her­ren für den Ausbau Fuldas zur Residenzstadt ergaben, wird aus­drück­lich hinge­wiesen (S. 102). Der Dekan und die acht ältesten Kapitulare waren Inhaber der zum Teil in der Umgebung von Fulda, zum Teil weiter entfernt gelegenen Prop­steien; ihnen bot sich die Möglichkeit, dort ein adliges Landleben zu führen. Mit dem Aufstieg innerhalb der Kapitelshierarchie wuchs der Einfluß, dadurch eröffneten sich Ver­sor­gungs­mög­lich­keiten für Verwandte. Aus der Tatsache, daß der Abt ein „praelatus nullius doecesis“ war, ergab sich die Notwendigkeit einer engen Ver­bin­dung zur Kurie. Das Stiftsgebiet ge­hörte teils zur Erzdiözese Mainz, teils zur Diözese Würz­burg. Hieraus erwuchs ein wei­teres Konfliktfeld, aus dem letztlich erst die gegen Wider­stände aus Mainz und Würz­burg durchgesetzte Erhebung zum Bistum (1752) heraus­führte.

Das zweite Hauptkapitel ist überschrieben „Der Ausbau Fuldas zu[r] barocken Re­si­denz: Fürstliche Baupolitik und Repräsentation in der Stadt und auf dem Land“ (S. 125-174). Bereits 1678 hatte der neu gewählte Abt Placidus Droste zusagen müssen, die in schlechtem Zustand befindliche Stiftskirche renovieren zu lassen und bes­ser auszustatten. Dieses Versprechen mußte 1700 sein Nachfolger Adalbert von Schlei­fras erneuern. Er setzte die Zusage dann auch konsequent um: mit der kurz darauf erfolgten Berufung Johann Dientzenhofers begann der Ausbau von Fulda zur barocken Residenz. Im Territorium wurden zwischen 1678 und 1737 59 neue Kirchen, zwi­schen 1737 und 1756 19 weitere Kirchen und Kapellen errichtet (S. 126). Mehrere Pröpste folgten dem Beispiel der Äbte für ihre Kleinresidenzen. Die Umsetzung dieses Bau­programms, das den Charakter der Stadt Fulda bis heute prägt, hatte auch für die zeit­genössischen Chronistik eine zentrale Bedeutung. Ausführlicher behandelt werden die fürstlichen Schlösser in der Residenzstadt (S. 131ff.; S. 141ff. die Wahrnehmung in Reiseberichten), die Jagd- und Lustschlösser in der Umgebung (u.a. Bieberstein und Jo­hannisberg im Rheingau), die Orangerie in Fulda und die nahe gelegene Fasanerie sowie Amts- und Jagdsitze. Durch den Bau von Schloß und (Franziskaner-) Kloster im bis dahin protestantischen Dermbach, dessen Besitz erst in einer militärischen Aus­ein­andersetzung mit Sachsen-Weimar gesichert werden konnte, manifestierte Fulda dort seinen Herrschaftsanspruch. Umgestaltet wurde auch die Residenzstadt selbst (päpst­liches Seminar, Universität, Münze, Hauptwache, Hospital, öffentliche Biblio­thek, Waisenhaus, neue Stadtpfarrkirche). Daran beteiligten sich neben dem Lan­des­herrn auch die Amtsträger von Hof und Regierung sowie einzelne Bürger, denen der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt die nötigen Mittel verschafft hatte. So wurde der Rahmen für repräsentative Feste und für Besuche fremder Fürsten geschaffen.

Das dritte Hauptkapitel behandelt „Hofstaat und höfisches Leben“ (S. 175ff.), zu­nächst in einem ersten Kapitel anhand der Struktur des Hofes, dessen Entwicklung wäh­rend des Untersuchungszeitraums geschildert wird. Bis zum Ende des 17. Jahr­hun­derts hielt sich der repräsentative Aufwand in Grenzen, dann folgte ein merklicher Auf­schwung, belegt durch die steigenden Personalkosten und eine sich verfestigende Ämter­struktur. Anregungen dazu dürften einige Äbte auf ihren Reisen an andere Höfe erhalten haben. Die Funktionen der wichtigsten Amtsträger (Oberhofmarschall, Hof­mar­schall) werden ausführlich erläutert, die Inhaber dieser Ämter werden aufgezählt. Darunter befanden sich auch Männer aus protestantischen Familien, meist Lehnsleute des Abtes/Bischofs (dieser Aspekt wird nicht hier, aber an anderer Stelle kurz thema­tisiert). Unter Fürstabt Adolf von Dalberg kam es zu einer Wiederbelebung der Erb­ämter. Insbesondere obere Hofchargen konnten gleich mehrere Ämter am Hof, in der Re­gierung und im Militär in ihre Hand bringen – ein Phänomen, das auch an anderen, ver­gleichbaren Höfen zu beobachten ist.

Das eindrucksvolle zweite Kapitel (S. 211ff.) schildert den fürstlichen Nepotismus und die familiären Netzwerke, die die Hofgesellschaft miteinander verbanden. Nach dem Ausscheiden der Familien, die sich der Reformation angeschlossen hatten, konn­ten ein­zelne landsässige Geschlechter aus dem hessischen, thüringischen und sächsi­schen Raum, zeitweise auch Familien aus Westfalen und dem Rheinland „nach­rücken“ und Zu­gang zum Kapitel erlangen (Aufzählung der Familien S. 216); aus diesem Kreis stamm­ten u.a. die Äbte Droste und Dalberg. Dominierend waren im 18. Jahr­hundert je­doch die aus der Region stammenden Familien von Buseck, von Buttlar und von Bibra, die nicht nur in jeder Generation Angehörige im Kapitel unter­bringen konnten, sondern auch die Führungspositionen am Hof, in der Verwaltung und im Militär mit Fa­mi­lien­an­ge­hörigen oder nahen Verwandten besetzten. Der Ver­deut­lichung der so entstandenen fa­mi­liären Vernetzung dient eine beiliegende genea­lo­gische Tafel. Unter den nicht­ad­ligen Amtsträgern bestanden ähnliche Netzwerke (S. 232ff.). Drei Obermarschälle aus der Familie von der Tann werden ausführlich vor­gestellt. Als Protestanten waren sie al­ler­dings nur am Rande in die Netzwerke des zu­meist katholischen Hofadels ein­ge­bun­den. Derartige Beziehungen konnten ihre Grund­lage auch in gemeinsamer Ausbildung ha­ben. Entsprechend intensiv bemühten sich adlige Eltern für ihre Söhne um die (Pagen-) Stellen am Hof und an den geist­li­chen Ausbildungseinrichtungen.

Ein drittes Kapitel (S. 255ff.) beschreibt Hofzeremoniell und Herr­schafts­re­prä­sen­tation. Die Quellenlage erlaubt es, wenigstens für einzelne Zeiträume das Itinerar des Bi­schofs, seine Begleiter und Gäste sowie den Ablauf von Zeremonien und die dafür gel­tenden Regeln zu rekonstruieren (S. 255ff.). Der Wirkung nach außen dienten die Hul­digungsreisen der neuen Landesherren (1788 aus Kostengründen nicht mehr durch­geführt), die Begegnungen mit Fürsten und die Empfänge auswärtiger Ge­sandter. Dabei entstanden Konflikte (Rangstreitigkeiten) und wurden Mängel deutlich (oft solche aus der Sicht von Besuchern).

Das vierte Kapitel (S. 327ff.) ist der Hofkultur gewidmet. Am Hof eines geistlichen Fürsten spielten kirchliche Feste – an denen auch die protestantischen Angehörigen des Hofes teilnahmen – natürlich eine besondere Rolle. Daneben traten festliche Ge­lage und Theateraufführungen. Bei Wahl, Weihe und Huldigung sowie Tod und Be­stat­tung der Landesfürsten wurde ein besonders hoher Aufwand getrieben.

Das letzte Kapitel „Hofökonomie“ (S. 355ff.) rekonstruiert die wirtschaftlichen Grund­lagen: Einnahmen und Ausgaben der Hofkammer (Tabelle S. 356), Bestallung und Besoldung der Amtsträger und Hofbediensteten, die Kosten für die Hofhaltung und die – trotz der sparsamen Haushaltsführung einiger Äbte – immer weiter zu­neh­mende Verschuldung.

Die erzielten Ergebnisse werden in einem vierten Hauptkapitel zusammengefaßt: Politische, soziale und kulturelle Aspekte der Staatsbildung (S. 373ff.).

Ein Abkürzungsverzeichnis (S. 388), ein Quellen- und Literaturverzeichnis (S. 390) sowie ein Anhang (S. 458) schließen den Band ab. Zumindest in Einzelfällen passen die Angaben in den Fußnoten und im Literaturverzeichnis nicht zusammen: Zur An­gabe „Rübsam 1928“ (S. 35 Anm. 152) fehlt ein Titel mit diesem Erscheinungsdatum unter den Werken, die Autoren dieses Namens zuzuordnen sind (S. 444). S. 395 ist der Reihen­titel der Tagebücher des Herzogs Friedrich von Sachsen-Gotha ungenau wieder­gegeben. Derartige Kleinigkeiten beschädigen jedoch nicht den durchweg positiven Eindruck, den der Rezensent bei der Lektüre gewonnen hat.

 

Johannes Mötsch, Meiningen*

 

Ziegler, Hendrik: Der Sonnenkönig und seine Feinde. Die Bildpropaganda Lud­wigs XIV. in der Kritik, Petersberg 2010 (Studien zur internationalen Archi­tek­tur- und Kunstgeschichte, 79) [Michael Imhof, 320 S., geb., 26 farb. und 151 s/w-Abb., 49 Euro].

 

Daß Ludwig XIV. das landläufige Bild vom frühneuzeitlichen Herrscher beherrscht wie wohl kein anderer, liegt nicht allein an seiner durchgreifend-monarchischen Um­ge­staltung Frankreichs, nicht allein daran, daß er seine Nachbarn und Untertanen in einer bis heute erinnerten Weise mit Kriegen befaßte und nicht allein daran, daß er mit seinem Changieren zwischen rigider Exemplarität der Lebensführung und zarter Nach­sicht gegen sich selbst mannigfaltigen Stoff für romaneske Beschäftigung bot. Die Ursache für seine schon um 1800 als ungebrochen wahrgenommene Präsenz (Chateau­briand kommentierte einen Besuch im nachrevolutionären Versailles, Ludwig XIV. sei immer noch dort) liegt in einer intensiven Bildpropaganda, die ihn selbst als zen­trale Figur glorifizierte.

Das ist bekannt und so ist es Zieglers Ansatz auch nicht, diese Bildpropaganda en­zy­klo­pädisch Punkt für Punkt, Gattung für Gattung, Künstler für Künstler abzu­han­deln, son­dern ist geschickter gewählt: der Autor analysiert die Kritik an der ludo­vi­zi­a­ni­schen Bildproganda. Damit gewinnt Ziegler zum Nutzen seiner Leserschaft dreierlei: Erstens siedelt er seine Studie im ebenso wichtigen wie schwierigen Feld der Re­zep­tions­forschung an und trägt aus europaweit gestreuten Archiven und Biblio­theken viel Neues zusammen. Er macht damit deutlich, welche Rolle geäußerte Kritik und erwar­tete Kritik für die Dynamik der Gestaltung der Propaganda spielte; das reichte bis hin zur Abänderung von Plänen und Monumenten bis zur Adaptierung der „Dar­stel­lungs­stra­tegien“. Zweitens dient die Fokussierung auf die Kritik an der Bild­proganda der Ab­scheidung jener Propagandaelemente, welche zwar einen Katalog zu füllen hätten, wel­che aber keine Kontroversen hervorriefen. Ziegler kann sein ge­wich­tiges Werk auf diese Weise knapp sowie – in einer Textur aus Analyse, Zitat und Bild – sogar kurz­weilig gestalten. Drittens gerät statt einer auf die Spitze gesteigerten Selbst­ver­herr­li­chung des französischen Königs eine internationale Be­zie­hungs­ge­schichte in den Blick, die anhand der Repräsentationsformen Probleme gesamt­euro­pä­i­scher Politik er­ör­terte. Ziegler setzt Ludwig XIV. so in Beziehung zu Habsburgern, Nie­der­landen, zu Kur­brandenburg, dem Kirchenstaat, er spart englische und skan­di­na­vi­sche Stimmen nicht aus und läßt gewissermaßen das Rauschen im Blätterwald wieder hörbar wer­den. Die Arbeit be­sticht dadurch, daß die Nutzung pro­pa­gan­di­sti­scher Formen, der Kri­tik daran und deren Manifestationen vielfach an konkrete hi­sto­ri­sche, mitunter fast ta­ges­politische Situ­ationen (vom Zeremoniell bis zum Krieg) zu­rück­gebunden wer­den. Dies macht den Band für Historiker zu einer Fundgrube. Die drei Kapitel be­han­deln die Son­nen­i­ko­nographie einschließlich der königlichen Devise (nec pluribus impar) (I), Denk­mä­ler Ludwigs XIV. (II) und schließlich die Rezeption des Schlosses Versailles (III.).

Die markante königliche Sonnendevise bot Kritikern des Königs eine besonders große Fläche für Angriffe vor allem mit kritischen und satirischen Flugblättern, aber auch Münzprägungen, die daran erinnerten, daß Josua Sonne und Mond gebot still­zu­stehen, daß Phaëton und Ikarus in Vermessenheit auf dem Weg der bzw. zur Sonne in den Tod stürzten, und daß die Sonne sich selbst mehrfach in der Regierungszeit Lud­wigs XIV. verfinsterte. Letzteres rief in Anbetracht von militärischen Niederlagen in den ersten Regierungsjahrzehnten so viel Spott und Hohn hervor, daß die Sonnen­fin­ster­nis von 1706 im Lustschloß Marly mit professioneller astronomisch-aka­de­mischer Sach­kompetenz und ostentativer Gelassenheit als im Alltag bedeutungsloses ma­the­ma­tisches Schauspiel beobachtet wurde. Daß die (als Frösche deklarierten) Nieder­län­der die Idee nicht schätzten, ihre Sümpfe von der hochfliegenden Sonne aus­trocknen zu lassen, verstanden sie propagandistisch zu verdeutlichen. Vor diesem facetten­rei­chen Hintergrund würdigt Ziegler die Serie der fast 300 Medaillen, welche die of­fi­zi­öse Geschichte Ludwigs XIV. darbot und zumal durch ein weitverbreitetes Druck­werk europa­weite Verbreitung fand. Daß in dieser Serie das europaweit vehe­ment um­strit­tene Denkmal an der Place des Victoires nicht aufgenommen wurde, ist einer der vie­len Belege für die Rückkopplungseffekte zwischen Propaganda und Kritik. Der zweite Abschnitt ist bis ins aussagekräftige Detail hinein den Ver­wick­lungen gewidmet, die da­durch entstanden, daß mit Kaiser Leopold I. eine „andere Sonne“ regierte, daß auch dieser Herrscher die Sonnenikonographie für sich nutzte und – man denke an das noch habs­burgische Spanien – sagen konnte, sie leuchte über­all (fulget ubique). Die Reichs­publizistik nahm die antiludovizianische Devise gern auf und antiludovizianisch waren ob der ambivalenten Haltung Frankreichs zum Os­ma­nischen Reich auch Mün­zen, die den habsburgischen Erfolg der Einnahme von Buda 1686 rühmten: Kaiser Leo­pold habe mit der Eroberung von Buda nicht nur die Osmanen besiegt, sondern damit zugleich der Sonne (Ludwig XIV.) Einhalt geboten. Dies wiederum veranlaßte eine ebenso ambivalente französische Darstellung, die Frank­reich einen Anteil an der Be­freiung von den türkischen Besatzern beimaß.

Das zweite Kapitel ist von besonderem Interesse, zeigt es doch einen König, der um die Begrenzung des Schadens bemüht war, den ein Denkmal für ihn verursacht hat, das er selbst zwar genehmigt, das aber der Herzog von La Feuillade initiiert hatte. Zieg­ler skizziert den Enstehungsprozeß der Anlage (mit dem Denkmal entstand der Platz des Victoires) und kommt bezüglich der Frage nach der Rolle des Königs zum Er­gebnis, dieser habe ein „Entscheidungsmonopol“ (S. 82) gehabt. Bei der Ein­wie­hung des Denkmals, bei der sogleich die in der gesamten künstlerischen Propaganda äußerst wichtigen Medaillen mit der Darstellung des Denkmals ausgegeben wurden, war der König nicht zugegen, da die nur bei „Abwesenheit des Königs“ der Öffent­lich­keit „der Stellvertretungsanspruch des Bildnisses offenbar werden“ konnte (S. 83). Um­stritten waren besonders die Inschrift „VIRO IMMORTALI“ und das Sockel­pro­gramm mit den vier Sklaven und ihren Attributen, doch auch die Basreliefs (Friede von Nimwegen, Einnahme von Besançon, Rheinübergang, Anerkennung des fran­zö­si­schen Vorrangs durch Spanien) und den Medaillons an den zugehörigen Laternen. Auch war die vergoldete Bronzestatue des Königs für etwa anderthalb Jahrzehnte so­gar nachts beleuchtet. Die Kritik an diesem Denkmal gehört zu den spannendsten Teilen des Buches: Protest kam schon vor der Einweihung von einem Domherren, der die Vergöttlichung des Königs gegen die Aufgeklärtheit selbst des protestantischen schwe­dischen Königs Gustav Adolph stellte. Fénélon kritisierte, der König lasse sich von Schmeichlern regieren, die vor der Vergöttlichung seiner Person nicht zurück­schreckten (das meinte La Feuillade) und kritisierte in seiner Erziehungsschrift „Télémaque/Telemach“ [dieser war bis zum ersten Weltkrieg eines der am häufigsten ge­lesenen Bücher Frankreichs] nebst despotischer Regierung den Kult für eine Kö­nigs­statue. Auch Saint-Simons Kritik am königlichen Hochmut bezieht sich auf das Denk­mal. Die Rechtfertigungsschriften hoben denn auch hervor, die Un­sterb­lich­keits­in­schrift beziehe sich nur auf den Ruhm des Königs, das Standbild diene als mo­ra­li­sches Exempel, würdige Siege; die Verletzung des Denkmals, so der Staatsanwalt Leméee, sei Majestätsbeleidigung nicht wegen etwaiger Heiligkeit, sondern nur we­gen des Stellvertretercharakters der Statue. Zynischer („Louis le Grand“) und direkter konnte die im Ausland gedruckte Kritik exilierter Protestanten sein: die Sklaven am Fuße des Denkmals seien „toutes les nations du monde“, die exzessive Verehrung der Sta­tue sei Götzendienst (S. 97). Zahlreiche populäre Flugblätter und Spottlieder kri­ti­sier­ten die königliche Regierung mit Hilfe des Denkmals, was übel ausgehen konnte: so wurden ein Drucker und ein Buchbinderlehrling hingerichtet, die eine Graphik pro­du­ziert hatten, die anstelle der Sklaven die Mätressen des Königs zeigte. Schließlich wurde das Denkmal das „am häufigsten besungene bildkünstlerische Monument“, und immer „negativ konnotiert“ (S. 101). Im Ausland gab es „in Flugblättern, Pamphleten und Medaillen eine nicht mehr abreißende“ Kritik am Denkmal, dessen Formen viel­fach bei Spott über französische Niederlagen und aus Ärger über die Verbindung zum Os­manischen Reich („The Most Christian Turk“, S. 115) zitiert wurden. Schweden be­schwerte sich ebenso wie die Kurie über die Darstellung politischer Ereignisse, der Kai­ser nahm Anstoß. Bei Kurbrandenburg, dessen Gesandter vor der Einweihung er­folg­reich bei La Feuillade gegen die Anbringung eines Reliefs protestiert hatte, dürfte der Streit um den „aggressiven politischen Gehalt des Denkmals“ trotz der dann geän­der­ten Fassung (Abb. 90, 91) gar dazu beigetragen haben, die Bündnispolitik zu än­dern (S. 110). Ludwig XIV. zog aus dem – der Rezensent darf es wohl sagen – De­ba­kel die Konsequenz künftigen programmatischen Minimalismus und ließ Girardon ein Reiterstandbild (dessen Replik den Umschlag des Bandes ziert) auf der Place de Vendôme errichten. Dieses sollte alles vermeiden, was „auch nur entfernt an die Bas­reliefs, Sklaven und Inschriften“ (S. 120) jenes umstrittenen Denkmals erinnern moch­te: „allen tagespolitischen Bezügen enthobene, unverfängliche [...] Herrscher­iko­no­gra­phie“ (S. 117). Der lange Leistungskatalog der Inschrift ließ aus, was andere Staaten gede­mütigt hatte, selbst den Rheinübergang von 1672, und die vom König genehmigte Wid­mung hebt hervor, daß das Drängen der Untertanen zur Standbilderrichtung geführt habe. Außenpolitische Kritik blieb denn auch aus. Ziegler interpretiert von diesen beiden Denkmälern aus die Wiener Pestsäule mit dem Bildnis Leopolds I. als habs­burgischen Sonderweg und zeigt den Einfluß (besonders auf die Gestaltung der Skla­ven) auf das Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten. Fast gleichzeitig zur Ein­weihung des moderierten Denkmals auf der Place de Vendôme indes entstand (als eines mehrerer privat initiierter ausländischer Standbilder) in Rom vor dem Hinter­grund der nahenden Auseinandersetzung um das spanische Erbe im Auftrag eines fran­zö­sischen Parteigängers ein überlebensgroßes Standbild Ludwigs XIV. mit kai­ser­lichen Attributen und einer so aggressiven antispanischen Aussage, daß Ziegler dem von ihm geschilderten Gerücht einer Morddrohung gegen den Bildhauer Glaub­würdigkeit beimißt.

Das dritte Kapitel gibt einen Überblick über die Kritik am Schloß Versailles, die in den Berichten ausländischer Besucher schon vor 1700 einsetzt, und deren Bewun­derung vor allem den innovativen technischen Systemen galt, welche die Spring­brunnen betrieben, den Pumpen zumal. Das Kapitel hätte ein eigenes – spannendes – Buch füllen können und so will sich Ziegler auf die Kritik an der Deckenausmalung der Grande Galerie (des Spiegelsaals) konzentrieren, ohne aber ihm wichtige Vor­aus­setzungen, eine Skizze der Entstehung der Galerie, Ausführungen zur Zugänglichkeit des Schlosses, zu Reiseführern und Graphiken, wegzulassen. So entsteht die Ver­su­chung, das eigentlich zentrale Unterkapitel zu Struktur und Themen der Versailles-Kri­tik (Patriotismus der ausländischen Besucher in Form des Lobes eigener Archi­tek­tur und Gartenbaukunst, Technik, Wirtschaftskraft, Kriegswille, Ausschweifung) zu über­blättern, doch lohnt es sich, ihr zu widerstehen: Beachtlich ist, daß schon vor 1700 die Kritik den heruntergekommen schmutzig wirkenden Bauzustand des Neu­baus hervorhob, bemerkenswert das Material zum Vorwurf sexueller Aus­schwei­fungen vom derb-diffamierenden Gerücht bis hin zu sexuell konnotierten Spott­me­daillen. Ziegler hebt hervor, daß es für Kunsthistoriker überraschend sei, wie wenig Inter­esse die Gemäldeausstattung auf sich zog. Selbst dem schwedischen Architekt Nico­demus Tessin waren die Gemälde Le Bruns nur wenige Zeilen wert; er sah die Ori­ginalität im Zusammenspiel der bildenden Künste: Architektur, Skulptur, Malerei (S. 168). Andere fragten in ihren Publikationen, wie der König derartige Schmei­che­leien ertragen könne. In der Betrachtung des zentralen außenpolitisch-aggressiven Decken­gemäldes kam für Leonhard Christoph Sturm, so Ziegler der „hypertrophe Cha­rakter der gesamten Schloßanlage“ (173) zum Ausdruck. Anders als das Denkmal auf der Place des Victoires erregte die Ausmalung nur die Feststellung der Unge­bühr­lich­keit, keine außenpolitischen Kontroversen, vielmehr beschrieben Botschafter die dor­tigen zeremoniellen Anlässe. Dabei erfaßten Besucher architektonische Inno­va­tionen durchaus und nahmen sie als Anregungen, so etwa der kaiserliche Botschafter Harrach. Der englische Gesandte kommentierte: „The monuments of my masters’s actions are to be seen everywhere but in his own house“ (S. 179). Die Grande Galerie, Versailles insgesamt, so die communis opinio der ausländischen Besucher, war unan­gemessen.

Ein knapp 30seitiger Quellen-Anhang bietet besonders aussagekräftiges und bemer­kens­wertes Material. Zwei Indices (Personen, Abbildungen) erschließen den Band, der ob der hinreichend detaillierten Gliederung einen thematischen Index nicht benötigt. In Zeiten, in denen immer mehr Abiturientinnen und Abiturienten die Schulen ohne Kennt­nisse der französischen Sprache verlassen, wäre die Übersetzung der Zitate (auch der italienischen) vielleicht doch, trotz aller durchaus legitimen Einwände, ange­bracht: in einer zweiten Auflage vielleicht ... Gestaltung und Ausstattung des Ban­des sind sehr gelungen, wenn es mitunter auch schwerfällt, von der zum sofortigen Ver­gleich einladenden Betrachtung der sehr vielen Bilder wieder in die Argu­men­ta­tion zurückzufinden. Ziegler bietet zur Veranschaulichung seiner Analyse knapp über 150 Abbildungen in durchweg hoher Qualität und nach Möglichkeit angenehmer Di­men­sion. Im Verlag von Michael Imhof war dieser Band offenbar gut aufgehoben, die Druck­kostenzuschüsse der Gerda Henkel Stiftung, der Boehringer Ingelheim Stiftung und der DFG sind dort sehr gut angelegt; in Zeiten der austérité verdient auch das ganz besondere Anerkennung.

 

Mark Hengerer, Bratislava*

 

Thiele, Andrea: Residenz auf Abruf? Hof und Stadtgesellschaft in Halle (Saale) unter dem letzten Administrator des Erzstifts Magdeburg, August von Sachsen (1614-1680), Halle 2011 (Forschungen zur hallischen Stadtgeschichte 16) [Mittel­deutscher Verlag, 568 S., geb., 36 Euro].

 

Der sechzehnte Band der Forschungen zur hallischen Stadtgeschichte stellt einem brei­ten Publikum die überarbeitete Fassung der 2009 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg angenommenen Dissertation von Andrea Thiele zur Verfügung. Die Arbeit thematisiert die Zustände der Residenz und Stadt Halle im 17. Jahrhundert, spe­ziell zu Lebzeiten von August von Sachsen (1614-1680), dem letzten Ad­mi­ni­stra­tor des Erzstifts Magdeburg. Generell zielt die Studie darauf ab, Ver­fassung, To­po­gra­phie sowie soziale und wirtschaftliche Komponenten der Residenzstadt zu unter­su­chen. Der pointierte Titel („Residenz auf Abruf?“) präzisiert zugleich die Fra­ge­stel­lung, die sich aus den besonderen zeitgenössischen Umständen ergibt: An der Spitze des Erzstifts Magdeburg stand Herzog August von Sachsen formell seit 1638 als Erz­bischof, nach seiner Heirat führte er den Titel Administrator. Doch infolge des Dreißig­jährigen Krieges wurden die instabilen Verhältnisse im Erzstift Magdeburg durch die Bestimmungen des Westfälischen Friedens neu geordnet. Im Falle des Todes des letzten Administrators sollte es an Kurbrandenburg übergehen – ein An­spruch, den die Kurfürsten mit Nachdruck zu Lebzeiten Augusts wiederholt be­kräf­tigten. Dem­entsprechend fragt Thiele nach den damit verbundenen Auswirkungen auf die Residenz.

Diese hier nur gerafft wiedergegebene Vorgeschichte faßt die Verfasserin nach der Einleitung präzise zusammen (S. 29–58) und gibt anschließend einen Überblick über die Situation der Stadt zum Zeitpunkt der Amtsübernahme Augusts (S. 59-97). Nach Thiele führte der Administrator die Politik seiner Amtsvorgänger fort und beließ die Hallenser bei ihren bisherigen Rechten. Wo er finanziell davon profitieren konnte, war er sogar zu Zugeständnissen bei der Bestellung des Stadtrichteramts bereit. Die Ein­führung eines Schuldeninspektors, der die Stadtfinanzen überwachen sollte, betont einen ordnenden Anspruch Augusts, der jedoch nur begrenzt Wirkung zeitigte.

Im vierten Kapitel (S. 98-136) arbeitet Thiele die räumlichen Dimension des The­mas heraus und identifiziert zwei innerhalb der Mauern liegende Residenzbereiche. Diese bestanden überwiegend aus bereits bestehenden Elementen wie der Moritzburg oder ehemaligen Klostergebäuden, bei denen Kriegszerstörungen behoben wurden, um Wirtschafts- und Kanzleiräume zu beherbergen. Wenngleich die Bautätigkeit sich unter Berücksichtigung des absehbaren Herrschaftswechsels in Grenzen hielt, fehlten Gärten, Wildgehege und ein Comoedienhaus auch in Halle nicht. Wie die intensive Beschäftigung mit Musik und Literatur belegt (Herzog August war 1667-1680 das letzte Oberhaupt der Fruchtbringenden Gesellschaft), ist auch der höfischen Kultur nicht weniger Aufmerksamkeit geschenkt worden als an anderen Höfen der Zeit (S. 149–172).

In den Abschnitten zur Hoforganisation und zum Hofstaat (S. 173-216) und zu den lan­desherrlichen Behörden (S. 217-240) führt Thiele systematisch in die jeweiligen Ämter und Tätigkeitsbereiche ein, um in aller Kürze einige Biographien vorzustellen, die Aufschluß über das Verhältnis von Residenz, Regierung und Stadt bieten. Dies wirkt an einigen Stellen notgedrungen additiv, funktioniert hingegen bei einigen vor­ge­stellten Personen wie dem Oberforstmeister Hörnigk, der sich schon Jahre vor dem Ab­leben Augusts um ein gutes Verhältnis zu dem Kurbrandenburger bemühte, besonders gut (S. 196f.).

Unter Zuhilfenahme von Steuerlisten sowie Bürger- und Kirchenbüchern gelingt es der Verfasserin im achten Kapitel (S. 241-289), die Verflechtungen zwischen Hof­an­ge­hörigen, Amtsträgern und städtischer Oberschicht aufzuzeigen. Nur die wenigsten An­gehörigen des Hofs waren demnach als Hausbesitzer oder Inhaber des Bürgerrechts nach­weisbar, wenngleich viele der städtischen Kirchgemeinde angehörten. In wirt­schaft­licher Hinsicht macht Thiele Vor- wie Nachteile aus. Zwar profitierten die Händ­ler generell vom erhöhten Konsum, doch Steuer- und Zollbefreiungen für Hofan­ge­hörige boten regelmäßig Konfliktpotential. Darüber hinaus boten Fragen der Klei­der­ordnung oder juristischen Zuständigkeit wiederholt Anlaß zum Streit, die jedoch nie merklich das Verhältnis von Stadt und Herrscher beeinträchtigten.

Unter dem eingangs erläuterten Eindruck einer Residenz der „absehbaren End­lich­keit“ (S. 137) gelingt es Thiele, ein umfassendes Bild der hallischen Residenz zu zeichnen und darüber hinaus alte Sichtweisen preußischer Geschichtsschreibung ein­leuch­tend zu widerlegen: Das August häufig vorgeworfene hohe Maß an Versäum­nissen findet sie nicht belegt. Zwar habe bei dem letzten Administrator ein politischer An­spruch bestanden, der sich zwar in zahlreichen Verordnungen niederschlug, aber nur geringe Wirkung entfaltete, doch habe sich unter August auch eine lange Phase der Stabilität entwickelt, die der Stadt keineswegs geschadet habe.

Die Arbeit ist klar strukturiert und erfreut trotz des personengeschichtlichen Zu­gangs durch einen flüssigen Schreibstil. Der Balanceakt zwischen der Darstellung von spröden Personendaten und der Verfolgung der Fragestellung gelingt dank eines An­hangs, der zudem einen langanhaltenden Mehrwert für den Leser darstellt. In dieser fast 50 Seiten starken Amtsträgerprosopographie finden sich Informationen zu den Ver­tretern der Regierung, den Inhabern der Hofämter sowie den Hallenser Rats­meistern. Der dazugehörige Anmerkungsapparat macht diesen Personenkatalog auch für zukünftige Forschungen zur Stadt Halle zu einem sinnvollen und wichtigen Hilfs­mittel. Das ergänzende Personenregister erleichtert den Zugriff auf den Haupttext und den Anhang, einzig auf ein Ortsregister wurde verzichtet.

Christian Hagen, Kiel*

 

Sittig, Claudius: Kulturelle Konkurrenzen. Studien zur Semiotik und Ästhetik adeligen Wetteifers um 1600, Berlin: 2010 (Frühe Neuzeit. Studien und Doku­mente zur deutschen Literatur und Kultur im europäischen Kontext, 151) [de Gruyter, XIV+352 S., geb., 99,95 Euro].

 

Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um eine literaturwissenschaftliche Disser­tation, die sich in erster Linie der Rhetorik des Fürstenlobs im 16. und 17. Jahrhundert widmet. Der Rezensent muß bekennen, daß er von Hause aus Historiker ist, dabei aber großes Interesse für die Höfe als Institutionen der spätmittelalterlichen Gesellschaft und folglich auch für die Hofkultur mitbringt. Interdisziplinäre Rezensionen bergen eine gewisse Gefahr der Mißverständnisse, da die unterschiedlichen Disziplinen ihre je eigene Kultur haben. Mit Aufmerksamkeit und Aufrichtigkeit wird man dergleichen um­gehen können. Claudius Sittig macht es sich und seinen Lesern nämlich, wie ich fin­de, nicht leicht.

Konkurrenz ist ein zwischenmenschliches Verhältnis. In der Literaturwissenschaft geht es aber um Texte. Um Konkurrenz als Kategorie menschlichen Verhaltens und des­sen literarischen Niederschlag fassen zu können, geht Sittig in einer weit ausho­len­den Einleitung (S. 6-45) den Konzepten der modernen Wissenschaften wie der Sozio­lo­gie, der Psychologie, aber auch der Kulturwissenschaften allgemein bis hin zur Kunst­geschichte nach, wobei er feststellt, daß die bisherigen Ansätze unverwoben neben­einander stehen und es keine Theorie der Konkurrenz im eigentlichen Sinn gibt. In der Geschichtswissenschaft, wo man sowieso mit Kriegen, Fehden, Aufständen, Kri­minalität, Karrierestreben und ähnlichem zu tun hat[1], hätte man dessen in dieser Aus­führlichkeit nicht bedurft, zumal das Agieren auf Kosten anderer integraler Be­stand­teile des Geschichtsbildes der vergangenen wie der heutigen Gesellschaft ist. Den­noch ist es wichtig, sich der Konkurrenz bewußt zu werden, sind doch beispielsweise Fra­gen der Etikette und des Zeremoniells von Bedeutung für das Verständnis der höfi­schen Gesellschaft. Konkurrierendes Verhalten konnte sich im Verstoß gegen die Ord­nung äußern, Rangstreit und Vordrängeln kamen vor und gehören in das Blickfeld der For­schung. Die Hofkünste und überhaupt das Konzept des Musenhofs sind wichtig, bo­ten doch gerade die künstlerischen Felder eine vergleichsweise kostengünstige Mög­lichkeit der Selbststilisierung und Überbietung der Nachbarn. Auch (Hof-)Künst­ler befanden sich in Konkurrenzen. Die frühneuzeitliche Adelskultur war grund­sätzlich von Wettbewerb und Rivalitäten geprägt, andere sollten zum Staunen ge­bracht werden, Anerkennung und Ehre waren das Ziel, Neid nahm man in Kauf, Arro­ganz und gezielte Disrespektierung waren Mittel der Distanzierung.

Es folgen fünf, in ihrer Ausführlichkeit etwas ungleichgewichtige Studien zu ein­zel­nen Aspekten der Hofkultur.

Kap. 3 stellt so etwas wie eine zweite Einleitung dar, die näher zum Thema hin­führt, indem unter dem Titel „Politische Botschaften. Adelige Kultur und symbolische Konkurrenz“ die allgemeine Frage präzisiert und auf die Überlieferung zugespitzt wird. Wie äußert sich Konkurrenz in der Literatur (hier im weiten Sinn)? Im Prinzip geht es um das Beispiel der 1572 im August aus Anlaß „einer königlichen Hochzeit“ (S. 61) – welche, wird nicht gesagt, erst später erfährt man, daß es sich um diejenige Kö­nig Heinrichs IV. von Frankreich mit Margarethe von Navarra handelt – auf­ge­führten Divertissements, über die es keine gleichzeitige Festbeschreibung gibt, son­dern die man aus späteren Überlieferungen rekonstruieren muß. Turniere zwischen Katholiken und Hugenotten schlossen sich an, die in der Nacht vom 23. auf den 24. August in der Bartholomäusnacht endeten – ein berühmtes Beispiel, das verklausuliert prä­sentiert wird und in der Frage nach der Kausalität in der Geschichte mündet. Wie hän­gen Kunst und Realität zusammen? Die Antwort liegt in der ‚symbolischen Insze­nierung der Hierarchien‘, der ‚Theatralität und Performanz‘ der ‚Staatsaufführung‘, die es Sittig ermöglichen, vier Typen „symbolischer Rivalitäten“ zu unterscheiden (auf Englisch: Valuation contests, Proprietary contests, Innovation contests, Expan­sio­nary contests, S. 76-90), die, wie ihm bewußt ist, „idealtypische Unterscheidungen“ sind, deren „analytische Schärfe […] natürlich durch die Komplexität der realen symbolischen Auseinandersetzungen verwischt“ wird (S. 57-90, das Zitat S. 90). Das ‚Natürlich‘ verwundert als Ausdruck der eine Kausalität vorgaukelnden Evidenz, da es dem Autor doch justament um die Konstrukthaftigkeit der symbolischen Kom­mu­ni­ka­tion geht. Trotz allen Methodenbewußtseins rutscht dies manchmal in die Ab­hand­lung (besonders S. 156-158).

Kap. 4 besteht aus einem Vergleich der Leichenreden für Landgraf Moritz von Hessen-Kassel, mit 1052 Seiten die umfangreichste Schrift dieser Art, dem Monumentum Sepulcrale, und derjenigen für Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt, dem Ehren Gedechtnus. Das Konkurrenzverhältnis beruhte auf dem Streit beider hessischer Fürstenfamilien um das Marburger Erbe, wo 1604 der Regent ver­storben war. Dadurch, daß die Rivalität der beiden Fürsten in den Leichenreden thematisiert wurde, bot auch die Memoria ein Feld, die Konkurrenz darzustellen. Merk­würdigerweise wurde Moritz sogar als Gelehrter gerühmt, obwohl die Gelehr­samkeit wegen der ihr innewohnenden besserwisserischen Kleinkariertheit (Sittig: Pedanterie) bei den Fürsten eigentlich nicht gut angesehen war (S. 91-136, Kritik an der Gelehrsamkeit S. 114-125).

In Kap. 5 wird das Konzept des Musenhofs näher beleuchtet. In Kassel entstand mit dem 1605 gegründeten Ottoneanum der erste feststehende Bau eines Hoftheaters. Zu­sam­men mit den Sammlungen, der Sternwarte, den Festen konnte ein Hoftheater den besonderen Ruf eines Musenhofs begründen. In der Tat fanden die Hofkünste bei­spiels­weise Eingang in die Gesandtenberichte und Reisebeschreibungen, was zeigt, daß sie wahrgenommen und bewertet wurden; S. 155 gibt es einen versteckten Hin­weis auf das unedierte Reisetagebuch des Fürsten Moritz, der sich 1602 nach Frank­reich begeben hatte. Ausdruck der Konkurrenz ist nicht zuletzt die Fähigkeit, be­deu­tende Künstler anzuziehen; um den berühmten Musiker Heinrich Schütz gab es ein Tau­ziehen zwischen Kassel und Dresden, das für Kassel verlorenging (S. 137-174).

Kap. 6 fragt nach dem Ausdruck der Ehre als Grundlage des adligen Daseins. Sie basiert letztlich auf der von der höfischen Öffentlichkeit anerkannten Überbietung von Konkurrenten. Das Funktionieren dessen wird anhand der Verhaltenslehren, vor allem Baldassare Castigliones Hofmann und Cyriacus Spangenbergs Adelsspiegel, herge­leitet, wobei Sittig zeigen kann, daß die Lehren auch an den Kasseler Hof gelangten, wo bei­spielsweise der Französischlehrer Cathrin Le Doulx die Aemulatio, das Nach­eifern und Überbieten, ausdrücklich als Maxime den Kindern auf der 1618 gegrün­deten Ritter­akademie, dem Collegium Mauritianum, mit auf den Weg gab (S. 177-210).

Kap. 7 unter der Überschrift Comparatio gilt weniger dem Vergleich als vielmehr dem Vergleichsmaßstab – und der war historisch. Die Vergangenheit diente als Folie, vor der man sich aufführen konnte, weil die Alten Helden als Vorbild dienten, dem nach­zustreben war. Dieses spielte in der Erziehung der jungen Fürsten eine gewichtige Rolle, wie eine Anweisung des Landgrafen Wilhelm von Hessen an den Praeceptor To­bias Homberg 1584 zeigt. Die Konkurrenz kommt darin zum Ausdruck, daß ältere literarische Vorlagen wie Lukians 12. Totengespräch als Theaterstück umgeschrieben wurden (am Kasseler Hof von Hans Wilhelm Kirchof, S. 213 mit Anm. 10) und die zu erziehenden Fürsten in die Figuren der miteinander streitenden und sich argumentativ überbietenden antiken Helden schlüpften. Nebenbei kommt Sittig hier auch kurz auf die mittelalterlichen Neun Helden zu sprechen (S. 224f., 231). Entscheidend sei bei der Erziehung das Einprägen des Nacheiferns (S. 209-241).

In Kap. 8: geht es um Georg Rüxners berühmtes Turnierbuch von 1530, das hier jedoch in der lateinischen Übersetzung des Franziscus Modius (zu ihm S. 246 Anm. 13) von 1586 untersucht wird, weil sie in den ehrenden Epitheta von der deutschen Vorlage abweicht. Die sprachliche Überhöhung wird weiter getrieben. Dieses ist der Anlaß, nach der Rolle des Turniers um 1600 zu fragen. Streng ge­nom­men war es militärisch überholt, dennoch konnte nicht darauf verzichtet werden, da das Turnier die Möglichkeit zur kämpferischen Darstellung (auch im Kampf war Grazie zu beweisen) sowie zur Entgegennahme eines Preises bot – es ging um Ehrung und Vorrangstellung (S. 242-296).

Mit dieser Arbeit hat Sittig die Bedeutung des Wetteiferns und der Kon­kur­renz­verhältnisse für das adlige Dasein in der frühen Neuzeit umfassend herausgearbeitet, doch geschieht dies alles sehr (für meinen Geschmack: zu) breit. Im Mahlstrom der alles hinterfragenden Interpretation geht die Vorstellung der untersuchten Quellen unter. Implizit kommen die überlieferungs- und quellenkritischen Probleme sehr wohl zur Sprache, aber man muß genau lesen, um die einschlägigen Passagen zu finden. Hier­mit werden jedoch Fragen des Geschmacks und der unterschiedlichen Wissen­schafts­kulturen berührt. Überlieferungsfragen sind für die Rhetorikforschung, anders als für die Geschichte, nicht so wichtig, als daß man ihnen einen eigenen Stellenwert einräumen müßte.

Daß Rhetorik und Literatur auf den frühneuzeitlichen Adelsdiskurs einwirkten, sei abschließend kurz mit einem Zitat aus Henry Peachems (1578-1644 oder später) „Compleate Gentleman“ von 1622 auf den Punkt gebracht: Nobility stirreth vp emulation […] (S. 209, auch S. 240). In diesem Werk wird Landgraf Moritz von Hessen-Kassel als vorzüglicher Musiker vorgestellt sowie als „Paradebeispiel eines gelehrten Fürsten“ (S. 119f.) – der Schriftsteller wußte, anders als die konkurrierenden Potentaten, den gelehrten Fürsten sehr wohl zu schätzen.

Harm von Seggern, Kiel*

 



Erbarmungslos ... aus dem Grab gezerrt“

 

 

In meiner Besprechung des Werkes „Strategien der Macht. Hof und Residenz in Salz­burg um 1600 – Architektur, Repräsentation und Verwaltung unter Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau 1587-1611/12“, hg. von Gerhard [recte: Georg] Ammerer und Ingonda Hannesschläger, Salzburg 2011, hatte ich in den MRK 21,1 (2011) S. 13f. geschrieben: „Archäologen und Gerichtsmediziner (J. Cemper-Kiesslich u.a.) haben erbarmungslos Schädel und die Knochen des Fürsten aus dem Grab gezerrt, das Detail ist abgebildet (der Schädel, „vor [links] und nach [rechts] der Versiegelung mit OSTEOFIX“, S. 330). Mir mißfällt dieser pietätlose Umgang mit den Überresten. Wollen wir einmal so behandelt werden?“ Daraufhin erhielt ich unter dem Datum des 7. Oktober 2011 aus dem IFFB Gerichtsmedizin und Forensische Neuropsychiatrie der Universität Salzburg folgendes Schreiben:

 

 

Sehr geehrter Herr Professor Paravicini,

 

bezugnehmend auf Ihre Rezension in den Mitteilungen der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Jahrgang 21 (2011) Nr. 1, pp. 13 & 14 sehen wir uns zu folgender Gegendarstellung und Richtigstellung genötigt:

Ihre Ausführungen „Archäologen und Gerichtsmediziner (J. Cemper-Kiesslich u.a.) haben erbarmungslos Schädel und die Knochen des Fürsten aus dem Grab gezerrt ...“ weisen wir aufs Schärfste zurück.

 

·        Wie auf Seite 315 und 316 unseres Bandes zu lesen ist, wurde der IFFB Ge­richts­medizin der Universität Salzburg vom Magistrat Salzburg offiziell mit der Reini­gung, Restaurierung und Konservierung der fürsterzbischöflichen Über­reste beauftragt, welche sich aufgrund der Lagerung in einem Plastiksack in einem höchst bedauernswerten Zustand befanden.

·        Die von uns durchgeführten Maßnahmen und Untersuchungen sowie deren Publi­kation erfolgten ausdrücklich im Auftrag und nach Absprache mit den verant­wortlichen weltlichen (Magistrat Salzburg) und kirchlichen Autoritäten (Prälat Dr. Neuhardt).

 

Es entzieht sich weiters unserem Verständnis, was an anerkannten und wissen­schaftlich fundierten Untersuchungen aus dem Bereich der forensischen Anthro­pologie und Archäologie pietätlos sein soll!

 

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den historischen und den natur­wis­sen­schaftlich-medizinischen Disziplinen hat einen wissenschaftlichen Mehrwert, der über das Potential der Einzelwissenschaften signifikant hinausgeht.

 

Abschließend erlauben wir uns anzumerken, dass der Herausgeber Professor Ammerer mit Vornahmen Gerhard heißt – und nicht Georg.

 

Im Namen der Autoren und Herausgeber ersuchen wir nachdrücklich um die Ver­öf­fent­lichung einer Gegendarstellung in der nächsten Ausgabe der Mitteilungen der Re­si­denzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen!

 

[gez.] Dr. Jan Cemper-Kiesslich [gez.] O. Prof. Dr. Edith Tutsch-Bauer

Molekularbiologe am IFFB – Vorständin des IFFB

 

 

 

Am 25. Oktober 2011 habe ich in folgender Weise geantwortet:

 

 

Sehr geehrte Frau Tutsch-Bauer,

Sehr geehrter Herr Cemper-Kiesslich,

 

Ihren Brief vom 7. Oktober, der zu meiner Rezension in den Mitteilungen der Resi­denzen- Kommission, 21 (2011), Nr. 1, S. 13f., Stellung nimmt, habe ich am 24. Okto­ber erhalten, deshalb die späte Antwort.

 

Selbstverständlich werden wir Ihre Stellungnahme (d.h. Ihren Brief) im nächsten Online-Heft der MRK veröffentlichen, mit einem letzten Kommentar von mir, der sich in zweierlei Hinsicht schuldig bekennen wird: Herrn Ammerer den falschen Vornamen gegeben und außerdem angenommen zu haben, daß Sie das Grab eigens öffnen ließen, während doch, wenn ich recht verstehe, dies schon längst geschehen war und die sterblichen Überreste in einem Plastiksack aufbewahrt wurden, dessen man sich wohl annehmen konnte. Nur: wie kamen sie da hinein? Welches Recht haben wir, eine für die Ewigkeit errichtete Grabstätte zu öffnen (um nicht plündern zu sagen) und die vor Gott in Erwartung der Auferstehung bewahrten Reste wie ein beliebiges Untersu­chungs­objekt zu behandeln? Beschleicht Sie bzw. die dafür Verantwortlichen da nicht manch­mal ein gelinder Zweifel? Vorgeschichtliche Reihengräber sind etwas anderes als im Licht der Geschichte stehende, ewig gedachte Grabkapellen, geschweige denn Leichen, die untersucht werden müssen, um ein Verbrechen zu klären. Vermutlich sind Sie auch der falsche Adressat für meine Bedenken. Insofern nehme ich meine Kritik, die Ihren Namen nannte, Herr Cemper-Kiesslich, zurück (die Autorennamen sollten aber ja aufscheinen). Aber ich bin nicht davon überzeugt, daß, wer auch immer, be­fugt ist, eine solche Graböffnung und Knocheneinsammlung anzuordnen, es sei denn, es handele sich um Rettungsaktionen. Wollen Sie, daß man so einmal mit Ihren Resten umgeht? Daß die Zusammenarbeit von historischer Archäologie und natur­wis­sen­schaft­licher Untersuchung ansonsten selbstverständlich ist und unentbehrliche Ergeb­nisse zeitigt, steht auf einem anderen Blatt.

 

Letzten Endes ist dies eine Glaubens-, jedenfalls eine Geschmacksache. Ich habe meine Meinung dazu gesagt, Sie sagen die Ihre. Das soll uns auf gute englische Art (agree to disagree) nicht auf Dauer trennen.

 

Mit freundlichen Grüßen bin ich

Ihr

Werner Paravicini

 

 

 

Unter dem Datum des 31. Oktober 2011 erreichte mich folgende Antwort, die eben­falls wiedergegeben sei:

 

 

Sehr geehrter Herr Professor Paravicini!

 

im Namen von Frau Professor Tutsch-Bauer und meiner anderen Koautoren darf ich mich herzlich für Ihre ausführliche Stellungnahme bedanken! In Ihrem Sinne und aus meiner Sicht – we agree to disagree: es läßt sich trefflich streiten, ob die postmortale Befund­erhebung an historischem oder archäologischem menschlichem Knochen­ma­terial ethisch einwandfrei ist oder nicht; wenn es um die Wahrung der Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte der betreffenden Person geht, erlaube ich mir die (exem­pla­ri­sche) „Gegenfrage“ zu stellen: dürfen persönliche Aufzeichnungen wie z.B. Ta­ge­bücher für historische Forschungen herangezogen werden – oder verletzt man damit auch die Persönlichkeitsrechte?

 

Meinem Selbstverständnis nach betreiben wir hier historisch-archäologische For­schung mit alternativen Methoden der Quellenkritik – die Fragestellung bzw. das Er­kennt­nisinteresse ist ein historisches!

 

Der respektvolle Umgang mit sterblichen Überresten ist für uns (Forensiker) ein systemimmanenter und orientiert sich nicht an der tatsächlichen oder angenommenen sozialen oder historischen Bedeutung der betreffenden Person, sondern wird jedem unserer „Klienten“ in gleicher Weise zu Teil.

 

Es freut mich (uns) auch sehr, daß Sie unsere Gegendarstellung veröffentlichen – dies ist uns in der Tat ein Anliegen: das Fach der Forensik erscheint – nicht zuletzt durch die jüngst so sehr in Mode gekommenen einschlägigen Fernsehserien – in einem völlig inadäquaten Licht – wir repräsentieren beileibe kein Gruselfach und wir öffnen auch nicht gedanken- bzw. bedenkenlos Gräber um unsere wissenschaftliche Neugier zu befriedigen!

 

Noch ein wenig Hintergrundinformation: Wolf Dietrichs Gebeine wurden über die Jahrhunderte hinweg vielfach umgebettet und wiederbestattet – zuletzt in den Jahren 1967/68 wo ein neuer Sarkophag für die Gebeine gefertigt wurde – wir vermuten, man war aus damaliger Sicht der Meinung, die Aufbewahrung in einem Plastiksack wäre konservatorisch sinnvoll bzw. hat man sich vielleicht auch gar keine Gedanken gemacht, wonach ein Plastiksack der Erhaltung nicht zuträglich sein könnte.

 

Im April des Jahres 2004 versuchten bislang unbekannte Täter, den fürsterz­bi­schöf­lichen Sarkophag zu öffnen, nachdem sie in die Gruft hinabgestiegen waren, was – gottlob – nicht gelang – dieses Ereignis war Grund für die Nachschau im Sarkophag und Initial für die folgenden von uns referierten Untersuchungen ...

 

Noch eine persönliche Anmerkung: Ich habe mich im Laufe meiner Arbeit auch ein wenig mit der historischen Person Wolf Dietrichs beschäftigt – seinen eigenen Wün­schen nach wollte er in einem schlichten Kleid nur 2 Tage aufgebahrt und an­schließend ohne große Zeremonie beigesetzt werden – was von seinem Cousin und Nach­folger im Amt Marcus Sitticus ignoriert wurde – im Gegenteil, man hat W. D. in einem mehrere Tage dauernden öffentlichen “Schauspiel” mit großem Pomp zu Grabe getragen ...

 

Der historischen Person eingedenk - haben wir (d.h. alle Beteiligten) versucht, den Wünschen des hochehrwürdigen Wolf Dietrich Rechnung zu tragen und seine Über­reste in einer stillen, kleinen Zeremonie an seiner Grabstätte eingesegnet und wieder bestattet ...

 

Dies zu Ihrer geschätzten Kenntnisnahme,

 

nochmal vielen Dank für Ihre Antwort und für die Zusage der Veröffentlichung unseres Standpunktes!

 

Herzliche Grüße aus Salzburg

 

der Ihrige, Jan Cemper-Kiesslich

 

 

 

 

Damit sei es genug, die Argumente sind ausgetauscht. Es bleibt der gegenseitige Re­spekt, der Unterschied zwischen menschlichen Knochen und Tagebuchseiten, und mein Unbehagen.

 

Werner Paravicini

 


Neuerscheinungen

 

 

Adel im „langen“ 18. Jahrhundert, hg. von G. Haug-Moritz, H. P. Hye und M. Raff­ler, Wien 2009 (Österreichische Akademie der Wissenschaften. Phi­lo­so­phisch-Historische Klasse. Historische Kommission. Zentraleuropa-Studien, 14) [Ver­lag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 324 S., kart., 49 Euro].

Die Adelsfamilie von Schönberg in Sachsen, hg. vom Sächsischen Staatsarchiv. Red. B. Richter, Dresden 2011 [Sächsisches Staatsarchiv Leipzig, 109 S., 7 Euro].

Aus dem Inhalt:

Jäger, V.: Einführung, S. 5ff.; Voigt, H.-J.: Zur Genealogie der Familie von Schön­berg im Rahmen der Forschungen Friedrich Weckens, S. 7ff.; Donath, M.: Die Besitzungen der Familie von Schönberg in Sachsen, S. 12ff.; Bünz, E.: Geistliche Karrieren im Hause Schönberg vor der Reformation. Eine Fallstudie zur Aussagekraft der kurialen Quellen des Vatikanischen Archivs, S. 22ff.; Rothe, V.: Adeliges Selbstverständnis und Strategien des „Obenbleibens“ Ende des 17. Jahrhunderts. Das Beispiel der Familie von Schönberg auf Thammen­hain, S. 36ff.; Kunze, J.: Testament und väterliche Verordnung von Caspar von Schönberg (1674), S. 59ff.; Wiegand, P.: Zur Stiftertätigkeit der Familie von Schön­berg in der Neuzeit im Spiegel der Bestände des Hauptstaatsarchivs Dres­den (16.-20. Jahrhundert), S. 76ff.; Richter, B.: Vom Schloßarchiv zum Ar­chiv­bestand: Die Überlieferung des Ritterguts Thammenhain im Staatsarchiv Leip­zig, S. 99ff.; Richter, B., Schönberg, R. Freiherr von: Chronologische Über­sicht zu Schloß und Park Thammenhain, S. 106ff.

Die Ahnenprobe in der Vormoderne. Selektion – Initiation – Repräsentation, hg. von E. Harding und M. Hecht, Münster 2011 (Symbolische Kommunikation und ge­sell­schaftliche Wertesysteme, 37) [Rhena, 434 S., kart., 58 Euro].

Aus dem Inhalt:

Harding, E., Hecht, M.: Ahnenproben als soziale Phänomene des Spät­mit­tel­alters und der Frühen Neuzeit. Eine Einführung, S. 9ff.

DIE AHNENPROBE ALS REPRÄSENTATION VON VERWANDTSCHAFT

Teuscher, S.: Verwandtschaft in der Vormoderne. Zur politischen Karriere eines Beziehungskonzepts, S. 85ff.; Brinkmann, I.: Ahnenproben an Grab­denk­mälern des lutherischen Adels im späten 16. und beginnenden 17. Jahrhundert, S. 107ff.; Bauer, V.: Die gedruckte Ahnentafel als Ahnenformular. Zur In­ter­fe­renz von Herrschafts-, Wissens- und Medienordnung in der Universalgenealogie des 17. Jahrhunderts, S. 125ff.

DIE AHNENPROBE IN STÄDTEN, DOMKAPITELN UND DAMENSTIFTEN IM ALTEN REICH

Schulz, K.: Geburt, Herkunft und Integrität. Zur Handwerksehre vom 13. bis zum 16. Jahrhundert, S. 157ff.; Küppers-Braun, U.: „Allermaßen der teutsche Adel allezeit auf das mütterliche Geschlecht fürnehmlich [...] gesehen.“ Ahnenproben des hohen Adels in Dom- und kaiserlich-freiweltlichen Damen­stiften, S. 175ff.; Andermann, K.: Zur Praxis der Aufschwörung in süd­west­deut­schen Domstiften der Frühneuzeit, S. 191ff.

DIE AHNENPROBE IN RITTERSCHAFTEN IM ALTEN REICH

Schneider, J.: Die Ahnenprobe der Reichsburg und Ganerbschaft Friedberg in der Vormoderne. Überlieferung, Praxis und Funktion, S. 209ff.; Matzerath, J.: Die Einführung der Ahnenprobe in der kursächsischen Ritterschaft in der zwei­ten Hälfte des 17. Jahrhunderts, S. 233ff.; Müller, A.: Die Praxis der Ah­nen­pro­be im deutschen Adel des 18. Jahrhunderts. Das Beispiel der Ritterschaft des kur­kölnischen Herzogtums Westfalen, S. 247ff.

DIE AHNENPROBE AM WIENER HOF UND IN HABSBURGISCHEN TERRI­TORIEN

Venner, G.: Ahnenproben der Ritterschaft des geldrischen Oberquartiers im 17. Jahrhundert, S. 267ff.; Mertens, A.: Ahnenproben und Adelsdefinitionen in habs­burgischen Territorien des 17. und 18. Jahrhunderts, S. 287ff.; Godsey, W. D.: Adel, Ahnenprobe und Wiener Hof. Strukturen der Herrschaftspraxis Kai­se­rin Maria Theresias, S. 309ff.

DIE AHNENPROBE IN EUROPÄISCHER UND AUSSEREUROPÄISCHER PER­SPEKTIVE

Trebeljahr, M.: Adel in vier Vierteln. Die Ahnenprobe im Johanniterorden auf Malta in der Vormoderne, S. 333ff.; Horowski, L.: „Diese große Re­gel­haf­tig­keit muß Ihnen fremd erscheinen“. Versailles, Straßburg und die Kollision der Adels­proben, S. 351ff.; Böttcher, N.: Ahnenforschung in Hispanoamerika. „Bluts­reinheit“ und die Castas-Gesellschaft in Neu-Spanien im 18. Jahrhundert, S. 387ff.

Allirot, A.-H.: Filles de roy de France. Princesses royales, mémoire de saint Louis et conscience dynastique (de 1270 à la fin du XIVe siècle), Turnhout 2011 (Culture et société médiévales, 20) [Brepols, 630 S., kart. 55 farb. Abb., 90 Euro].

Arnold, U.: Hochmeistergräber im Dom zu Marienwerder gefunden?, in: Preußen­land 1 (2010) S. 16ff.

Artillerie et fortifications (1200-1600), hg. von N. Prouteau, E. De Crouy-Chanel und N. Faucherre, Rennes 2011 [Presses universitaires de Rennes, 236 S., kart., 64,90 Euro].

Bendikowski, T.: Friedrich der Große, München 2011 [Bertelsmann, 336 S., geb., 19,99 Euro].

Berland, F.: La cour de Bourgogne à Paris (1363-1422), unveröff. Thèse de doctorat, Univ. Lille III 2011.

Im Bett mit der Macht. Kulturgeschichtliche Blicke in die Schlafzimmer der Herr­schen­den, hg. von J. Giessauf, A. Penz und P. Wiesflecker, Wien 2011 [Böhlau, 206 S., kart., 29,90 Euro].

Birlouez, E.: Festins princiers et repas paysans à la Renaissance, Rennes 2011 [Ouest-France, 128 S., kart., 17,90 Euro].

Bisky, J.: Unser König. Friedrich der Große und seine Zeit – ein Lesebuch, Berlin 2011 [Rowohlt, 400 S., geb., 19,95 Euro].

Bollmann, H.: Schlösser und Burgen in Sachsen-Anhalt, Halle (Saale ) 2011 [Mit­tel­deutscher Verlag, 159 S., geb., 29,90 Euro].

Bourbon und Wittelsbach. Neuere Forschungen zur Dynastiegeschichte, hg. von R. Babel, G. Braun und T. Nicklas, Münster 2010 (Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte, 33) [Aschendorff, VII, 550 S., kart., 64 Euro].

Aus dem Inhalt:

1. LA SOCIÉTÉ DES PRINCES / DIE EUROPÄISCHE FÜRSTENGESELLSCHAFT

Bély, L.: Race des rois, monde des princes, société des souverains: pour une vision globale des maisons à l‘époque moderne, S. 21ff.; Weber, W. E. J.: Interne und externe Dynamiken der frühneuzeitlichen Herrscherdynastie: Ein Aufriß, S. 61ff.

2. LA MAISON / DAS HAUS

Haug-Moritz, G.: Ein dynastischer Konflikt in medialer Deutung – das Bei­spiel des Hauses Wettin in der Mitte des 16. Jahrhunderts, S. 81ff.; Brock­mann, T.: Gesamthaus und Partikularinteressen. Zum Verhältnis der habs­bur­gi­schen Teildynastien im Vorfeld und in der ersten Hälfte des Dreißigjährigen Krieges, S. 99ff.; Bérenger, J.: Les problèmes dynastiques dans la politique de l‘empereur Leopold Ier, S. 143ff.

3. FONDER LES DYNASTIES / DIE BEGRÜNDUNG DER DYNASTIEN

Kerautret, M.: Entre révolution et construction dynastique: les paradoxes de la monarchie napoléonienne, S. 165ff.; Wagner, W.: Kardinal Karl von Bourbon und die Auseinandersetzungen um dynastische Legitimität im Frankreich des 16. Jahr­hunderts, S. 183ff.; Kerautret, M.: Tradition et nouveauté dans les rela­tions dynastiques entre la France et la Bavière pendant l‘époque napoléonienne, S. 201ff.

4. MARIAGES PRINCIERS / FÜRSTENHOCHZEITEN

Braun, G.: Mariages dynastiques et négociations des traités de Westphalie, S. 219ff.; Nicklas, T.: France – Bavière – Savoie. Motifs d‘une politique dynastique au XVIIe siècle, S. 245ff.

5. DIPLOMATIE ET COMMUNICATION / DIPLOMATIE UND KOMMUNI­KATION

Pelizaeus, L.: Warum Mallorca nicht bayerisch wurde. Die Verhandlungen um ein Mittelmeerkönigreich für Kurfürst Max Emanuel von Bayern 1711 bis 1714, S. 263ff.; Schmid, A.: Die Gesandtschaft des Wiener Kaiserhofes in München 1746 bis 1756, S. 291ff.

6. L‘IMAGE DES PRINCES / DAS BILD VOM FÜRSTEN

Rummelt, S. W.: Repräsentationsstrategien des alten Fürsten um 1700: Ludwig XIV. und Max Emanuel, S. 313ff.; Heuser, P. A.: Bayern in der Pariser Gazette zur Zeit des Westfälischen Friedenskongresses, S. 327ff.

7. RÉSIDENCES, COURS, TITRES / RESIDENZEN, HÖFE UND TITEL

Chaline, O.: Val-de-Grâce et Théatins, S. 365ff.; Krems, E.-B.: Bourbon und Wittelsbach: Zu den Grenzen des Kulturtransfers und zum „Modell Frankreich“ um 1700, S. 387ff.; Saudraix, P.: Les Wettin à Dresde: une dynastie dans sa ville de résidence (1697-1756), S. 407ff.; May, N. F.: Auseinandersetzungen um den Majestätstitel für Frankreich während der westfälischen Friedens­ver­hand­lungen (1643-1648), S. 427ff.

8. POLITIQUES EUROPÉENNES / DYNASTIE UND POLITIK

Babel, R.: Das Haus Lothringen in der europäischen Politik, S. 449ff.; Immler, G.: Bayern und Lothringen. Chancen und Risiken mittelstaatlicher Politik zwi­schen Habsburg und Frankreich, S. 465ff.; Schmid, J. J.: „La crosse et la pourpre“. François Louis de Neubourg, Clément Auguste de Bavière: la „Reichs­kir­chen­politik“ des Wittelsbach et la relativité de l‘approche dynastique, S. 489ff.

Brendle, F.: Der Erzkanzler im Religionskrieg. Kurfürst Anselm Casimir von Mainz, die geistlichen Fürsten und das Reich 1629 bis 1647, Münster 2011 (Re­for­ma­tions­ge­schichtliche Studien und Texte, 156) [Aschendorff, 578 S., geb., 59 Euro].

Bunk, V.: Karlsruhe – Friedenstein. Family, cosmopolitanism and political culture at the courts of Baden and Sachsen-Gotha-Altenburg (1750-1790), Stuttgart 2011 (Frie­den­stein-Forschungen, 7) [Steiner, 259 S., geb., 8 farb., 11 sw-Abb., 50 Euro].

Bünz, E.: Neues zum Studium Laurentius Blumenaus in Leipzig, in: Preußenland 1 (2010) S. 20-33.

Bünz, E.: Sachsen und die Reichstage des 16. Jahrhunderts. Zu den Fortschritten bei der Edition der Deutschen Reichstagsakten, Jüngere Reihe, in: Neues Archiv für sächsische Geschichte 81 (2010) S. 235-247.

Bünz, E.: Die Leipziger Universitätsgründung – eine Folge des Kuttenberger Dekrets, in: Universitäten, Landesherren und Landeskirchen. Das Kuttenberger Dekret von 1409 im Kontext der Epoche von der Gründung der Karlsuniversität 1348 bis zum Augs­burger Religionsfrieden 1555, hg. von B. Zilynská, Prag 2010 (Acta Univer­si­tatis Carolinae. Historia Universitatis Carolinae Pragensis, 49,2), S. 55-64.

Burgdorf, W.: Friederich der Große. Ein biografisches Porträt, Freiburg 2011 [Her­der, 224 S., kart., 12,95 Euro].

Büttner, A.: Der Weg zur Krone. Rituale der Herrschererhebung im römisch-deut­schen Reich des Spätmittelalters, 2 Bde., Ostfildern 2011 (Mittelalter-Forschungen, 35) [Thorbecke, 928 S., geb., 10 Abb., 89 Euro].

Châteaux et Mesures. Actes des 17es journées de castellologie de Bourgogne, hg. von H. Mouillebouche, Chagny 2011 [Centre de Castellologie de Bourgogne, 206 S., kart., 25 Euro].

La Cour du Prince. Cour de France, cours d’Europe, XIIe-XVe siècle, hg. von M. Gaude-Ferragu, B. Laurioux und J. Paviot, Paris 2011 (Études d’histoire médiévale, 13) [Champion, 664 S., kart., 100 Euro].

La cour princière est un thème privilégié par les historiens depuis quelques années car il fait se rencontrer histoire politique, histoire sociale et histoire culturelle. Dans ce renouvellement des recherches et des approches, la cour de France au Moyen Âge est restée le parent pauvre. Or, à partir du XIIIe siècle, s’y sont mis en place des structures, comme celle de l’hôtel avec ses offices, mais aussi un cérémonial et des rituels concernant aussi bien le baptême et les noces que les funérailles. Dans quelle mesure les solutions qui ont alors été adoptées ont-elles rencontré des échos dans les autres cours européennes? Quelles ont été les adaptations que le modèle français a connues à mesure qu’il se diffusait, dans un jeu constant et complexe d’interactions? Telles sont les principales questions auxquelles ce volume entend répondre. L’approche est globale, puisqu’elle envisage la cour successivement comme un organisme, comme une société et comme une référence culturelle. Sont ainsi examinés aussi bien les ordonnances de l’hôtel que les traités dénonçant la vie de cour, les rites de passages que les pratiques alimentaires, la mise en ordre par des cérémonials que les bâtiments et la vie artistique. Et ceci sur une longue durée, du XIIe siècle au premier Âge moderne, et dans une démarche résolument pluridisciplinaire, associant historiens, spécialistes de la littérature, archéologues et historiens d’art.

Delhumeau, H.: Le Palais de la Cité .Du Palais des rois de France au Palais de Justice, Arles 2011 [Cité de l’Architecture et du Patrimoine, 127 S., kart., zahlr. Abb., 1 DVD-Video, 32 Euro].

Demmerle, E.: Das Haus Habsburg, Potsdam 2011 [Ullmann, 259 S., geb., 300 Abb., 39,99 Euro].

Denke, A.: Konrad Grünembergs Pilgerreise ins Heilige Land 1486. Untersuchung, Edi­tion und Kommentar, Köln u.a. 2011 (Stuttgarter Historische Forschungen, 11) [Böhlau, 599 S., geb., 16 farb. Abb., 74,90 Euro].

Depreter, M.: De Gavre à Nancy (1453-1477). L‘artillerie bourguignonne sur la voie de la ‚modernité‘, Turnhout 2011 (Burgundica, 18) [Brepols, 220 S., geb., 69 Euro].

Im Dialog mit Raubrittern und Schönen Madonnen. Die Mark Brandenburg im späten Mittelalter, hg. von C. Bergstedt, H.-D. Heimann, K. Kiesant, P. Knüvener, M. Müller und K. Winkler, Berlin 2001 [Lukas, 460 S., kart., 30 Euro].

Dimpel, F. M.: Die Zofe im Fokus. Perspektivierung und Sympathiesteuerung durch Ne­ben­figuren vom Typus der Confidente in der höfischen Epik des hohen Mit­tel­al­ters, Berlin 2011 (Philologische Studien und Quellen, 232) [Erich Schmidt, 446 S., kart., 59,80 Euro].

Dücker, J.: Reichsversammlungen im Spätmittelalter. Politische Willensbildung in Po­len, Ungarn und Deutschland, Ostfildern 2011 (Mittelalter-Forschungen, 37) [Thorbecke, 384 S., geb., 6 Abb., 49 Euro].

Ecrire et conserver. Album paléograpique et diplomatique de l'abbaye de Saint-Maurice d‘Agaune (VIe-XVIe s.), hg. von B. Andenmatten und L. Ripart, Cham­béry 2010 [Université de Savoie, Lausanne: Université de Lausanne, 71 S., kart., 32 Euro].

Eggendorfer, A.: Herrschafts- und Adelsarchive im Österreichischen Staatsarchiv, in: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 55 (2011) S. S. 125-147.

Ehlers, J.: Exil. Heinrich der Löwe und das Haus Plantagenêt 1182-1185, in: Christ­li­ches und jüdisches Europa im Mittelalter. Kolloquium zu Ehren von Alfred Haver­kamp, hg. von L. Clemens und S. Hirbodian, Red. M. Weiss, Trier 2011, S. 71-81.

Les élites et la richesse au Haut Moyen Âge, hg. von J.-P. Devroey, L. Feller und R. Le Jan, Turnhout 2011 (Haut Moyen Âge, 10) [Brepols, 543 S., kart., 75 Euro].

Erkens, F.-R.: Anmerkungen zu einer neuen Theorie über die Entstehung des Kur­für­sten­kollegs, in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Ge­schichtsforschung 119 (2011) S. 376-381.

Ernest De Bavière (1554-1612) et son temps. L‘automne flamboyant de la Re­naissance entre Meuse et Rhin, hg. von G. Xhayet und R. Halleux, Turnhout 2011 (De diversis artibus, 88) [Brepols, 450 S., geb., 70 Euro].

Filip, V. V.: Einführung in die Heraldik, 2., überarb. und erw. Aufl., Stuttgart 2011 (Hi­storische Grundwissenschaften in Einzeldarstellungen, 3) [Steiner, 173 S., kart., 1 farb., 208 sw-Abb., 19 Euro].

Frieden stiften. Vermittlung und Konfliktlösung vom Mittelalter bis heute, hg. von G. Althoff, Darmstadt 2011 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 308 S., kart., 49,90 Euro].

Die Fugger im Bild. Selbstdarstellung einer Familiendynastie der Renaissance. Begleitbuch zur Schatzkammerausstellung anläßlich der Erwerbung des Ehrenbuchs der Fugger (Cgm 9460) und der Fuggerorum et Fuggerarum ... imagines (Cod.icon. 380) [Bayerische Staatsbibliothek, 10. März bis 22. Mai 2010], Kat.-Red. C. Bubenik, Luzern 2010 (Patrimonia, 346; Bayerische Staatsbibliothek München. Ausstellungskataloge, 82) [Quaternio, 215 S., geb., 24,90 Euro].

Gąsior, A.: Eine Jagiellonin als Reichsfürstin in Franken. Zu den Stiftungen des Mark­grafen Friedrich d. Ä. von Brandenburg-Ansbach und der Sophie von Polen, Ostfildern 2012 (Studia Jagellonica Lipsiensia, 10) [Thorbecke, 272 S., geb., 250 z.T. farb. Abb., 49 Euro].

Geelen, I., Steyaert, D.: Imitation and Illusion. Applied Brocade in the Art of the Low Countries in the Fifteenth and Sixteenth Centuries, Turnhout 2011 (Scientia Artis, 6) [Brepols, 660 S., geb., 90 Euro].

Genese und Wirkung von Instruktionen im zeitlichen Längsschnitt vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert, hg. von A. Hipfinger, J. Löffler, J. P. Niederkorn, M. Scheutz, T. Win­kel­bauer und J. Wührer, München 2012 (Veröffentlichungen des Instituts für Öster­rei­chi­sche Geschichtsforschung, 60). [Oldenbourg, 440 S., kart., 59,80 Euro].

Geschenke erhalten die Freundschaft. Gabentausch und Netzwerkpflege im euro­pä­i­schen Mittelalter. Akten des internationalen Kolloquiums Münster, 19.-20. No­vem­ber 2009, hg. von M. Grünbart, Münster 2011 (Byzantinistische Studien und Texte, 1) [LIT, XXV+280 S., kart., 29,90 Euro].

Göttert, K.-H.: Die Ritter; Stuttgart 2011 [Reclam, 298 S., kart., 22,95 Euro].

Das Grabmal des Günstlings. Studien zur Memorialkultur frühneuzeitlicher Favoriten, hg. von A. Karsten, Berlin 2011 (Humboldt-Schriften zur Kunst- und Bild­ge­schich­te, 15) [Mann, 352 S., kart., 59 Euro].

Aus dem Inhalt:

Karsten, A.: 9 Zur Einführung. Der Günstling und sein Grab, S. 9ff.

FRANKREICH

Tauber, C.: Homo novus zwischen König und Kurie. Das Grabmal des Kardi­nals Jean de la Grange als legitimatorische Autobiographie post mortem, S. 21ff.; Reuss, G.: „Celui qui fixait le plus l‘attention“ Das Grabmal Antoine Duprats in der Kathedrale Saint-Etienne in Sens, S. 43ff.; Ruby, S.: Die Fa­vo­ri­tin und ihr Ehemann. Die Grabmäler von Diane de Poitiers, S. 65ff.; Blunk, J.: Das Grabmal des Guillaume Fouquet de la Varenne oder: Saint-Louis vs. Saint-Denis, S. 85ff.

DER KAISERHOF UND DAS REICH

Brinkmann, I.: Grabmonumente als Zeichen gegenreformatorischer Politik im Um­feld Julius Echters von Mespelbrunn, Fürstbischof zu Würzburg?, S. 107ff.; Zitzls­perger, P.: Die Grabmonumente des österreichischen Kardinals Melchior Khlesl, S. 123ff.; Hengerer, M.: AB OMNIBVS AMATVS ET AESTIMA­TVS. Kaiserliche Günstlinge und ihre Gräber im 17. Jahrhundert, S. 139ff.; Pop­per, T.: Familienbild mit papa. Zur mutmaßlich multimedialen Me­mo­ri­al­stra­te­gie Papst Alexanders VI., seiner Mätresse Vannozza Cattanei und ihrer Kinder in Santa Maria del Popólo, Rom, S. 169ff.; Stephan, P.: „Seht, mein Knecht, den ich erwählt habe, mein Geliebter, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ Der Papst als Gottes Günstling in der Grabkunst von Petrus bis Johannes Paul II., S. 189ff.; Klein, A.: Eine Krypta für Karl Borromäus (1538-1584). Ein histo­ri­sie­render Raumtypus im Mailänder Dom als Ausdruck von Karls Sakralität, S. 219ff.; Karsten, A.: Die Gräber der Nepoten. Beobachtungen zu den Grablegen der päpstlichen Verwandten in der Frühen Neuzeit, S. 235ff.

SPANIEN

Ostermann, J.: Aufstieg, Fall und politisches Erbe Alvaro de Lunas im Spiegel seines Grabmals, S. 253ff.; Thiessen, H. von: Cosa veramente regia. Die Grab­mals­figuren des Herzogs und der Herzogin von Lerma im Kontext der Selbst­dar­stel­lung des Günstling-Ministers als alter ego des Fürsten, S. 281ff.; Zim­mer­mann, K.: Das Grabmal des Grafen von Monterrey in Salamanca – ein Mitglied der Olivares-Familie behauptet seinen Machtanspruch, S. 195ff.

Emich, B.: Günstlinge, Gräber, Günstlingsgräber. Versuch einer Bilanz, S. 309ff.

Haberer, M.: Ohnmacht und Chance. Leonhard von Harrach (1514-1590) und die erb­ländische Machtelite, Köln u.a. 2011 (Mitteilungen des Instituts für öster­rei­chi­sche Geschichtsforschung. Ergänzungsbände, 56) [Böhlau, 301 S., kart., 3 sw-Abb., 39,80 Euro].

Hammes, B.: Ritterlicher Fürst und Ritterschaft. Konkurrierende Vergegenwärtigung rit­ter­lich-höfischer Tradition im Umkreis südwestdeutscher Fürstenhöfe 1350-1450, Stutt­gart 2011 (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Reihe B: Forschungen, 185) [Kohlhammer, XXXVIII+406 S., kart., 38 Euro].

Handbuch der politischen Ikonographie, hg. von U. Fleckner, M. Warnke und H. Ziegler, Bd. 1: Von Abdankung bis Huldigung, Bd. 2: Von Imperator bis Zwerg München 2011 (Historische Bibliothek der Gerda Henkel Stiftung) [Beck, 1137 S., Gewebe in Kassette, 1336 Abb., 128 Euro).

Hartmann, S.: Herzog Albrecht von Preußen und Livland 1525-1570. Analyse und Ergebnisse der Registrierung der Abt. D Livland des Herzoglichen Briefarchivs im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, in: Preußenland 1 (2010) S. 34ff.

Haumann, H.: Dracula. Leben und Legende, München 2011 [Beck, 128 S., kart., 8,95 Euro].

Heger, B.: Das Gröditzer Schloß und dessen Wiederaufbau durch Bodo Ebhardt. Re­stau­rierung – Rekonstruktion – Neubau?, in: Burgen und Schlösser 3 (2011) S. 97ff.

Herchert, G.: Einführung in den Minnesang, Darmstadt 1020 [Wissenschaftliche Buch­gesellschaft, 140 S., kart., 5 sw-Abb., 9,90 Euro].

Herrschaftsverdichtung, Staatsbildung, Bürokratisierung, hg. von M. Hochedlinger und T. Winkelbauer, Köln u.a. 2011 (Mitteilungen des Instituts für öster­rei­chi­sche Geschichtsforschung, 57) [Böhlau, 542 S., kart., 33 sw-Abb., 69,80 Euro].

Das Herzogtum Westfalen, Bd. 1: Das kurkölnische Herzogtum Westfalen von den Anfängen der kölnischen Herrschaft im südlichen Westfalen bis zur Säkularisation 1803, hg. von H. Klueting unter Mitarb. von J. Foken, Münster 2012 [Aschen­dorff, 927 S., Ln., 29,50 Euro].

Hesse, C.: Anspruch und Wirklichkeit. „Landesuniversitäten“ und ihre Anziehungs­kraft auf „Landeskinder“, in: Universitäten, Landesherren und Landeskirchen. Das Kuttenberger Dekret von 1409 im Kontext der Epoche von der Gründung der Karls­universität 1348 bis zum Augs­burger Religionsfrieden 1555, hg. von B. Zilynská, Prag 2010 (Acta Univer­si­tatis Carolinae. Historia Universitatis Carolinae Pragensis, 49,2), S. 219ff.

Hlaváček, I.: Zum universitären Mäzenatentum des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit (am Beispiel der Prager Universität), in: Universitäten, Landesherren und Landeskirchen. Das Kuttenberger Dekret von 1409 im Kontext der Epoche von der Gründung der Karlsuniversität 1348 bis zum Augs­burger Religionsfrieden 1555, hg. von B. Zilynská, Prag 2010 (Acta Univer­si­tatis Carolinae. Historia Universitatis Carolinae Pragensis, 49,2), S. 169ff.

Hlaváček, I.: Höfe – Residenzen – Itinerare; hg. von M. Holá, M. Jeránková und K. Woitschová, Prag 2011 [Karolinum, 304 S., kart., 350 Kč].

Howald, C.: Der Fall Nicolas Fouquet. Mäzenatentum als Mittel politischer Selbst­dar­stellung 1653 – 1661, München 2011 (Pariser Historische Studien, 96) [Olden­bourg, 283 S., geb., 49,80 Euro].

Hucker, B. U.: Der erste steinerne Burgenbau an der Mittelweser – die Grafenburg Hoya, erbaut 1213 mit Lösegeldern der Stedinger Bauern, in: Burgen und Schlösser 2 (2011) S. 68ff.

Hummel, A.: „Castrum Meldingun“ – eine lange Zeit vergessene Burg im Weimarer Land, in: Burgen und Schlösser 3 (2011) S. 146ff.

Igel, K.: Zwischen Bürgerhaus und Frauenhaus. Stadtgestalt, Grundbesitz und Sozial­struktur im spätmittelalterlichen Greifswald, Köln u.a. 2010 (Städteforschung. Reihe A: Darstellungen, 71) [Böhlau, 448 S., geb., 47 Pläne, 64 sw-Abb., CD-ROM, 52,90 Euro].

The Inventory of King Henry VIII. Textiles and Dress, hg. von M. Hayward und P. Ward, Turnhout 2012 (The Inventory of King Henry VIII, 2) [Brepols, 400 S., geb., 140 Euro].

Jähnig, B.: Verfassung und Verwaltung des Deutschen Ordens und seiner Herrschaft in Livland, Berlin 2011 (Schriften der Baltischen Historischen Kommission, 16) [LIT, 333 S., kart., 29,90 Euro].

Kaiser, J.: Herrinnen der Welt. Kaiserinnen des Hochmittelalters, Regensburg 2010 [Pustet, 256 S., geb., 22 Euro].

Kaiser, J.: Der Kampf um die Krone. Königsdynastien im Mittelalter, Stuttgart 2011 [Theiss, 192 S., geb., 130 farb. Abb., 5 Stammtafeln, 39,95 Euro].

Die Kaiserinnen des Mittelalters, hg. von A. Fössel, Regensburg 2011 [Pustet, 352 S., geb., 16 z.T. farb. Abb., 34,90 Euro].

Karl, S., Wrolli, G.: Der Alte Turm im Schloss Seggau zu Leibnitz. Historische Un­tersuchungen zum ältesten Bauteil der Burgenanlage Leibnitz in der Steiermark, Mün­ster 2011 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 55) [LIT, 351 S., kart., 39,90 Euro].

Karlson, O.: Schloß Harzgerode. Aktuelle Bauuntersuchungen in der schwarzen Kü­che, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 20 (2011) S. 180-199.

Katalog der Leichenpredigten und sonstiger Trauerschriften in der Uni­ver­si­täts­biblio­thek Leipzig, 5 Teilbde., bearb. von R. Lenz u.a., Stuttgart 2010 (Marburger Per­so­nal­schriften-Forschungen, 50) [Steiner, XXVIII+3154 S., kart., 3 farb. Karten­bei­lagen, 220 Euro].

Katalog der Leichenpredigten und sonstiger Trauerschriften in der Historischen Biblio­thek der Stadt Rudolstadt, 4 Teilbde., bearb. von E.-M. Dickhaut u.a., Stuttgart 2010 (Marburger Per­so­nal­schriften-Forschungen, 51) [Steiner, XXXIX+2544 S., kart., 2 Abb., 3 Tabellen, 190 Euro].

Katalog der Leichenpredigten und sonstiger Trauerschriften kleinerer Bestände in Rudolstadt, bearb. von E.-M. Dickhaut u.a., Stuttgart 2011 (Marburger Per­so­nal­schriften-Forschungen, 52) [Steiner,&xnbsp; XVI+230 S., kart., 1 Faltkarte, 36 Euro].

Kejr, J.: Die mittelalterlichen Städte in den böhmischen Ländern. Gründung – Ver­fas­sung – Entwicklung, Köln u.a. 2011 (Städteforschung. Reihe A: Darstellungen, 78) [Böhlau, 450 S., geb., 57,90 Euro].

Kessler, H. J., Kessler, K.: Schlösser, Burgen und Herrensitze in Sachsen, Halle (Saale) 2011 [Mitteldeutscher Verlag, 159 S., geb., 24 Euro].

Klefenz, M.: Die salierzeitliche Burg „Hundheim“. Ein Relikt der hoch­mit­tel­al­ter­li­chen Siedlungsgeschichte im Odenwald und am unteren Neckar, in: Burgen und Schlös­ser 3 (2011) S. 132ff.

Kleinlercher, H.: Das Habsburgerreich und der Kampf um die Monarchie in der Neuen Welt (1808-1889), in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Ge­schichtsforschung 119 (2011) S. 349-375.

Knöfel, A.-S.: Die Dresdner Hofapotheke und die Medikamentenbücher der Wet­ti­ner. Eine Entdeckung für Biographen, in: Neues Archiv für sächsische Geschichte 81 (2010) S. 205ff.

Koller, A.: Imperator und Pontifex. Forschungen zum Verhältnis von Kaiserhof und rö­mi­scher Kurie im Zeitalter der Konfessionalisierung (1555-1648) (Geschichte in der Epoche Karls V., 13) [Aschendorff, 560 S., kart., 69 Euro].

Kosuch, A.: Abbild und Stellvertreter Gottes. Der König in herrschaftstheoretischen Schrif­ten des späten Mittelalters, Köln u.a. 2010 (Passauer historische Forschungen, 17) [Böhlau, 377 S., geb., 47,90 Euro].

Krauskopf, C.: „Mein kurzweil, die ist mangerlai“ – Oswald von Wolkensteins Dichtung als Quelle für das spätmittelalterliche Alltagsleben, in: Burgen und Schlösser 3 (2011) S. 155ff.

Der Künstler in der Gesellschaft. Einführungen zur Künstlersozialgeschichte des Mit­tel­alters und der Frühen Neuzeit, hg. von A. Tacke und F. Irsigler in Zu­sam­men­arbeit mit M. Beck und S. Herberg, Darmstadt 2011 (Wissenschaftliche Buch­ge­sell­schaft, 384 S., geb., 35 sw-Abb., 39,90 Euro].

Law and Sovereignty in the Middle Ages and the Renaissance, hg. von R. S. Sturges, Turnhout 2011 (Arizona Studies in the Middle Ages, 28) [Brepols, XVIII+302 S., geb., 13 sw-Abb., 70 Euro].

Leenen, S.: Die Ruine der Ruine auf der Ruine. Burg Ringelstein in Büren-Harth – ein Zwischenbericht, in: Burgen und Schlösser 3 (2011) S. 75ff.

Das Lehnswesen im Hochmittelalter. Forschungskonstrukte – Quellenbefunde – Deu­tungs­relevanz, hg. von J. Dendorfer und R. Deutinger, Ostfildern 2011 (Mittel­alter-Forschungen, 34) [Thorbecke, 488 S., geb., 54 Euro].

Leibetseder, M.: Fürstliche Residenz und städtischer Raum. Überlegungen zur Kon­sti­tu­ierung von Schloßplätzen im 16. und 17. Jahrhundert am Beispiel der Berliner Stech­bahn, in: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte 20,2 (2010) S. 167ff.

Lieu de pouvoir, lieu de gestion. Le château aux XIIIe-XVIe: maîtres, terres et sujets, hg. von J.-M. Cauchies und J. Guisset, Turnhout 2011 [Brepols, IX+387 S., 14 farb. Abb., 79 Euro].

Luh, J.: „Der Große „. Friedrich II. von Preußen, München 2011 [Siedler, 288 S., geb., 19,99 Euro].

Lutter, C.: Zwischen Hof und Kloster. Kulturelle Gemeinschaften im mittel­al­ter­li­chen Österreich, Köln u.a. 2010 (Stabwechsel. Antrittsvorlesungen aus der hi­sto­risch-kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, 2) [Böhlau, 140 S., geb., 13 sw-Abb., 19,90 Euro].

Marina, J. A.: Die Passion der Macht. Theorie und Praxis der Herrschaft, Basel 2011 (Schwabe Reflexe, 12) [Schwabe, 189 S., kart., 14 Euro].

Matsche, F.: Caesar et Imperium. Die Fassadendekoration und das Deckenbild im Fest­saal der ehemaligen Reichskanzlei in der Wiener Hofburg, Wien 2011 (Ver­öf­fent­li­chungen der Kommission für Kunstgeschichte, 10) [Österreichische Akademie der Wissenschaften, 150 S., kart., 129 Abb., 71,92 Euro].

Miethke, J.: Landesherrliche Universitätsreform im 15. Jahrhundert. Das Beispiel Hei­delbergs, in: Universitäten, Landesherren und Landeskirchen. Das Kuttenberger De­kret von 1409 im Kontext der Epoche von der Gründung der Karlsuniversität 1348 bis zum Augs­burger Religionsfrieden 1555, hg. von B. Zilynská, Prag 2010 (Acta Univer­si­tatis Carolinae. Historia Universitatis Carolinae Pragensis, 49,2), S. 157ff.

Morsch, C.: Blickwendungen. Virtuelle Räume und Wahrnehmungserfahrungen in hö­fi­schen Erzählungen um 1200, Berlin 2011 (Philologische Studien und Quellen, 230) [Erich Schmidt, 303 S., kart., 49,80 Euro].

Müller, Dirk H. Adliges Eigentumsrecht und Landesverfassung. Die Aus­ein­an­der­setzun­gen um die eigentumsrechtlichen Privilegien des Adels im 18. und 19. Jahr­hun­dert am Beispiel Brandenburgs und Pommerns, Berlin 2011 (Elitenwandel in der Moderne, 11) [Akademie, 301 S., geb., 49,80 Euro].

Oschema, K.: Falsches Spiel mit wahren Körpern: Freundschaftsgesten und die Poli­tik der Authentizität im franko-burgundischen Spätmittelalter, in: Historische Zeit­schrift Bd. 293 (2011) S. 39-67.

Oschema, K., Thiessen, H. von: Freundschaft, Fürsten, Patronage. Personale Bezie­hungs­muster und die Organisation des Friedens im Ancien Régime, in: Jahrbuch für Europäische Geschichte 12 (2011) S. 23-51.

Oster, U. A.: „Sein Leben war das traurigste der Welt“. Friedrich II. und der Kampf mit seinem Vater, München u.a. 2011 [Piper, 293 S., geb., 19,99 Euro].

Oswald von Wolkenstein. Die Rezeption eines internationalen Liedrepertoires im deut­schen Sprachbereich um 1400 mit einer Edition 11 ausgewählter Lieder, hg. von C. Berger, Freiburg u.a. 2011(Voces. Freiburger Beiträge zur Musikwissenschaft, 14) [Rombach, 210 S., kart., 48 Euro].

Overhoff, J.: Friedrich der Große und George Washington. Zwei Wege der Auf­klärung, Stuttgart 2011 [Klett-Cotta, 365 S., geb., 22,95 Euro].

Paravicini, Werner: La cour de Bourgogne et l’Europe. Le rayonnement et les limites d’un modèle culturel. Unter Mitarbeit von T. Hiltmann und F. Viltar, Ostfildern 2012 (Beihefte der Francia, 73) [Thorbecke,832 S., Ln., 45 z.T. farb. Abb., 88 Euro].

Kultur und Kunst des burgundischen Hofes gelten als Modell für ritterlich-ade­liges Leben unter dem Ancien Régime. Historische Wahrheit oder „idée reçue“? Um dieser Frage nachzugehen, haben sich in Paris im Jahr 2007 Burgund-Spe­zia­listen aus neun Ländern zu einem internaionalen Kolloquium zu­sam­men­ge­fun­den. Der vorliegende Band vereint die Ergebnisse dieser Tagung.

Philipp, M.: Ehrenpforten für Kaiser Karl V. Festdekorationen als Medien politischer Kom­munikation, Münster 2011 (Kunstgeschichte, 90) [LIT, 336 S., kart., 34,90 Euro].

Philosophy and Theology in the Studia of the Religious Orders and at Papal and Royal Courts. Acts of the XVth International Colloquium of the Société Interna­tionale pour l’Étude de la Philosophie Médiévale, University of Notre Dame, 8-10 October 2008, hg. von K. Emery, Jr., W. J. Courtenay und S. M. Metzger, Turn­hout 2012 (Rencontres de Philosophie Médiévale, 15) [Brepols, XIX+764 S., kart., 70 Euro].

Princely Rank in Late Medieval Europe. Trodden Paths and Promising Avenues, hg. von T. Huthwelker, J. Peltzer und M. Wemhöner, Bd. 1: Politisch-soziale Ord­nun­gen im mittelalterlichen Europa, hg. von J. Peltzer, Ostfildern 2011 (Rank, 1) [Thor­becke, 360 S., geb., 46 z.T. farb. Abb., 54 Euro].

Aus dem Inhalt:

Spiess, K.-H.: Research on the Secular Princes of the Holy Roman Empire: State-of-the-Art and Perspectives, S. 27-47; Bihrer, A.: Research on the Eccle­sias­tical Princes in the Later Middle Ages: State-of-the-Art and Perspectives, S. 71-70; Auge, O.: Late Medieval German Princes and their Image: Written Re­cords and Avenues of Research, S. 71-96; Given-Wilson, C.: Rank and Status among the English Nobility, c. 1300-1500, S. 97-117; Vincent, N.: Sou­rces and Me­thods: Some Anglo-German Comparisons, S. 119-138; Ailes, A.: Research into Medieval English Rolls of Arms: Past, Present, Future, S. 139-155; Hiltmann, T.: Potentialities and Limitations of Medieval Armorials as Historical Source. The Repre­sentation of Hierarchy and Princely Rank in Late Medieval Collections of Arms in France and Germany, S. 157-198; Liddiard, R.: English Castle-Building, S. 199-225; Müller, M.: Architecture for a New Model of Princely Repre­sen­tation: Operative Factors Triggering the Para­dig­matic Shift in German Castle Construction around 1500, S. 227-258; Ubl, K.: The Concept of princeps in Late Me­die­val Political Thought: A Preliminary Survey, S. 259-280; Crouch, D.: The Warenne Family and its Status in the Kingdom of England, S. 281-307; Krieg, H.: Die Markgrafen von Baden: Eine Familie am unteren Rand des Fürstenstandes, S. 309-332; Aurell, M.: Des comtes devenues rois face au Capétien: maisons de Bar­celone et d’Anjou aux XIIe et XIIIe siècles, S. 333-346.

La prise de Rhodes par Soliman le Magnifique. Chroniques et textes turcs, français, italiens, anglais et espagnols (XVIe-XVIIe siècles), hg. von J.-L. Nardone, Cahors 2010 [La Louvre Éditions, 496 S., kart., 29 Euro].

Rath, S.: Schloß Maisons: Landsitz René de Longueils und königliche maison de plaisance, Diss. Univ. Bonn, siehe http://hss.ulb.uni-bonn.de/2011/2681/2681.htm

Rathäuser und andere kommunale Bauten. Bericht über die Tagung des Arbeitskreises für Hausforschung e.V. in Lüneburg vom 27. September bis 1. Oktober 2009, Red. U. Klein, Marburg 2010 (Jahrbuch für Hausforschung, 60; Beiträge zur Architektur- und Kulturgeschichte, 6) [Jonas, 412 S., kart., 30 Euro].

Die Regesten des Kaiserreiches unter Friedrich I. 1152 (1122)-1190, bearb. von F. Opll. 4. Lfg. 1181-1190, Köln u.a. 2011 (Regesta Imperii, IV: Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2,4) [Böhlau, 399 S., geb., 95 Euro].

Das Reichskammergericht. im Spiegel seiner Prozeßakten. Bilanz und Perspektiven der Forschung hg. von F. Battenberg, und B. Schildt, Köln u.a. 2010 (Quellen und Forschungen zur höchsten Reichsgerichtsbarkeit, 57) [Böhlau, 427 S., geb., 59,90 Euro].

Renaudeau, O., Reverseau, J.-P., Sage-Frenay, J.-P., Baptiste, C.: Armures des princes d’Europe. Sous l‘égide de Mars, Paris 2011 [Nicolas Chaudun, 320 S., geb., 55 Euro].

Die Ritteridee in der deutschen Literatur. Eine kommentierte Anthologie, hg. von J. Arentzen und U. Ruberg, 2., durchges. und bibliographisch erg. Aufl., Darmstadt 2011 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 344 S., kart., 3 sw-Abb., 14,90 Euro].

Royal Courts in Dynastic States and Empires. A Global Perpective, hg. von J. Duindam und T. Artan-Metin Kunt, Leiden 2011 (Rulers & Elites. Comparative studies in governance, 1) [Brill, XVI+444 S., geb., 129 Euro].

Rudolph, B.: Die Burgruine Greifenstein bei Großtöpfer im oberen Eichsfeld (Thüringen) – Geschichte und Bestand, in: Burgen und Schlösser 3 (2011) S. 87ff.

Rudolph, H.: Hercules saxonicus. Über die Attraktivität eines antiken Heros für die sym­bo­lische Absicherung einer fragilen Rangerhebung, in: Archiv für Kul­tur­ge­schichte 93 (2011) S. 57-94.

Rudolph, H.: Das Reich als Ereignis. Formen und Funktionen der Herrschafts­in­sze­nie­rung bei Kaisereinzügen (1558-1618), Köln u.a. 2011 (Norm und Struktur, 38) [Böhlau, 691 S., geb., 40 sw- und 26 farb. Abb., 89,90 Euro].

Sammeln, Lesen, Übersetzen als höfische Praxis der Frühen Neuzeit. Die böhmische Bi­blio­thek der Fürsten Eggenberg im Kontext der Fürsten- und Für­stin­nen­biblio­theken der Zeit, hg. von J. Bepler und H. Meise, Wiesbaden 2010 (Wolfenbütteler Forschungen, 126) [Harrassowitz, 412 S., geb., 66 sw- und 6 farb. Abb., 89 Euro].

Scheffler, I.: Schloß Bündorf - Seine Geschichte und Kunstgeschichte, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 20 (2011) S. 261-324.

Schlegelmilch, A. M.: Die Jugendjahre Karls V. Lebenswelt und Erziehung des bur­gun­dischen Prinzen, Köln u.a. 2011 (Beihefte zum Archiv für Kulturgeschichte, 67) [Böhlau, 664 S., geb., 12 farb. Abb., 54,90 Euro].

Schlotheuber, E.: Der Fall des gelehrten Rats Johannes Stauffmel und die Stellung der Gelehrten an den welfischen Fürstenhöfen im 15. und 16. Jahrhundert, in: Universitäten, Landesherren und Landeskirchen. Das Kuttenberger Dekret von 1409 im Kontext der Epoche von der Gründung der Karlsuniversität 1348 bis zum Augs­burger Religionsfrieden 1555, hg. von B. Zilynská, Prag 2010 (Acta Univer­si­tatis Carolinae. Historia Universitatis Carolinae Pragensis, 49,2), S. 185ff.

Schmitt, R.: Burg Querfurt um 1000 – Zum baulichen Lebensumfeld des hl. Brun von Querfurt, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 20 (2011) S. 98-131.

Schmitt, R.: Burg und Schloß Dreileben in der Börde. Ein Beitrag zur Baugeschichte an­hand archivalischer Quellen, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 20 (2011) S. 132-179.

Schmitt, R.: Die Schloßkirche in Goseck - Quellen zur Baugeschichte vom 17. bis zum späten 19. Jahrhundert, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 20 (2011) S. 325-366.

Schmitt, R.: Zur Baugeschichte des Schlosses in Burgliebenau bei Merseburg – ein nahe­zu vergessenes Bauwerk der Bischöfe von Merseburg. Mit einem Beitrag von Olaf Karlson zum Dachwerk des Schlosses, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 20 (2011) S. 200-260.

Scholz, B. W.: Das geistliche Fürstentum Neisse. Eine ländliche Elite unter der Herr­schaft des Bischofs (1300-1650), Köln u.a. 2011 (Forschungen und Quellen zur Kir­chen- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands, 42) [Böhlau, 498 S., geb., 34 sw- und 8 farb. Abb., 59,90 Euro].

Schreiner, K.: Rituale, Zeichen, Bilder. Formen und Funktionen symbolischer Kom­mu­nikation im Mittelalter, Köln u.a. 2011 (Norm und Struktur, 40) [Böhlau, 343 S., geb., 27 sw-Abb., 49,90 Euro].

Schwarze-Neuss, E.: Weltliche Herrschaft und Burgen der Erzbischöfe von Magde­burg. Teil 3 (1107-1152), in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 20 (2011) S. 7-97.

Selzer, S.: Blau. Ökonomie einer Farbe im spätmittelalterlichen Reich, Stuttgart 2010 (Monographien zur Geschichte des Mittelalters, 57) [Hiersemann, VIII+543 S., Ln., 178 Euro].

Sous l’égide de mars. Armures des Princes d’Europe [Ausstellungskatalog], hg. von A. de Neuville, Paris 2010 [Nicolas Chaudun, 381 S., kart., 55 Euro].

Städtisches Bürgertum und Hofgesellschaft. Kulturen integrativer und konkurrierender Be­ziehungen in Residenz- und Hauptstädten vom 14. bis ins 19. Jahrhundert. 12. Sym­posium der Residenzen-Kommission. Coburg, 25.-28. September 2010, hg. von J. Hirschbiegel, W. Paravicini und J. Wettlaufer, Ostfildern 2011 (Resi­den­zen­forschung, 25) [Thorbecke, 376 S., geb., 73 meist farb. Abb., 64 Euro].

Aus dem Inhalt:

Paravicini, W.: Getane Arbeit, künftige Arbeit: Fünfundzwanzig Jahre Resi­den­zen-Kommission, S. 11-22; Melville, G.: Johann Casimir (1564–1633) – ein Her­zog in Coburg. Zur pragmatischen und symbolischen Formung einer Resi­denz­stadt, S. 23-40.

I. STADTWIRTSCHAFT UND HOFWIRTSCHAFT

Fuhrmann, B.: Stadtfinanz und Hoffinanz – welches Verhältnis?, S. 43-69; Block­mans, W.: Court and City, a tense Relation in the Burgundian Nether­lands, S. 71-79; Eberle, M.: Von der höfischen Manufaktur zur autonomen Industrie: Hofkünstler, Hoflieferanten und wirtschaftliche Initiativen, S. 81-109; Win­kelbauer, T.: Kommentar zum Vortrag „Von der höfischen Manufaktur zur autonomen Industrie: Hofkünstler, Hoflieferanten und wirtschaftliche Initia­tiven“ von Martin Eberle, S. 111-119.

II. VISUALITÄT UND MEDIALITÄT

Müller, M.: Kunst als Medium herrschaftlicher Konflikte. Architektur, Bild und Raum in der Residenzstadt der Frühen Neuzeit, S. 123-139; Karner, H.: Der Kaiser und seine Stadt. Identität und stadträumliche Semantik im barocken Wien, S. 141-160; Albrecht, U.: Von der Fürstenresidenz zur Metropole. Be­ob­ach­tungen zum architektonischen, urbanistischen und sozialtopographischen Wandel im Stadtbild von Berlin, Potsdam und München, S. 161-178; De Jonge, K.: La Cour à la Ville, ou une capitale moderne en devenir. Le cas de Bruxelles, S. 179-193.

III. KONKURRENZ UND KOOPERATION

Deutschländer, G., Meinhardt.M.: Die fragmentierte Gesellschaft. Poli­ti­sche Gruppierungen in mitteldeutschen Residenzstädten des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit, S. 197-222; Staub, M.: Wanderjahre der Politik: Adel und Bürgertum zwischen Mobilität und Stabilität in der vormodernen Re­si­denz­stadt, S. 223-228; Bünz, E.: Die Universität zwischen Residenzstadt und Hof im späten Mittelalter. Wechselwirkung und Distanz, Integration und Konkurrenz, S. 229-253; Frijhoff, W.: Comments on Enno Bünz „Die Universität zwischen Residenzstadt und Hof im späten Mittelalter. Wechselwirkung und Distanz, Integration und Konkurrenz“, S. 255-268.

IV. KRISE UND NIEDERGANG DER HÖFISCHEN WELT

Daniel, U.: Stadt und Hof: wann erfolgte die Wende?, S. 271-280; Watanabe-O’Kelly, H.: Kommentar zu Ute Daniel „Stadt und Hof: wann erfolgt die Wende?“, S. 281-285; Johanek, P.: Spätes Nachleben oder neue Kraft? Hof, Bür­ger­tum und Stadt im langen 19. Jahrhundert, S. 287-312; Mansel, P.: Courts and cities: the Nineteenth-century Resurgence, S. 313-318.

Monnet, P.: Zusammenfassung, S. 319-335.

Staging the Court of Burgundy, hg. von A. Van Oosterwijk, Turnhout 2011 [Brepols, 400 S., geb., 200 sw- und 50 farb. Abb., 100 Euro].

Telesko, W.: Die Verherrlichung Kaiser Ferdinands II. (1578-1637) in einem Flug­blatt des Jahres 1636. Zur Bedeutung von Wort-Bild-Relationen in der Graphik des kon­fessionellen Zeitalters, in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Ge­schichtsforschung 119 (2011) S. 331-348.

Thiele, Andrea: Residenz auf Abruf? Hof und Stadtgesellschaft in Halle (Saale) unter dem letzten Administrator des Erzstifts Magdeburg, August von Sachsen (1614-1680), Halle 2011 (Forschungen zur hallischen Stadtgeschichte 16) [Mittel­deutscher Verlag, 568 S., geb., 36 Euro] – Besprechung oben S. 28.

Thiele, J.: Elisabeth - Kaiserin von Österreich, Königin von Ungarn. Ihr Leben. Ihre Seele. Ihre Welt, Wien 2011 [Brandstätter, 320 S., geb., 1000 Abb., 49,90 Euro].

Thronverzicht. Die Abdankung in Monarchien vom Mittelalter bis in die Neuzeit, hg. von S. Richter und D. Dirbach, Köln u.a. 2010 [Böhlau, 347 S., geb., 10 sw-Abb., 44,90 Euro].

Tlusty, B. A.: The Martial Ethic in Early Modern Germany. Civic Duty and the Right of Arms, Basingstoke 2011 (Early Modern History. Society and Culture) [Palgrave Macmillan, XV+371 S., geb., 79,47 Euro].

Töbelmann, P.: Dienst und Ehre. Wenn der Herzog dem Kaiser den Braten schnei­det, in: Zeitschrift für historische Forschung 37,4 (2010) S. 561-599.

Tönnissen, R.: Spielkarten – Herkunft, Motive und Herstellung, Weimar 2011 [Ver­lag und Datenbank für Geisteswissenschaften, 150 Seiten, eBook, 76 sw-Abb., 9,80 Euro für den download: http://dx.doi.org/10.1466/20110114.01].

Töpfer, T.: Universitäten und Herrschaftswechsel. Beobachtungen zum Zusammen­hang von dynastischer Konkurrenz, territorialer Politik und gelehrter Bildung in der Mitte des 16. Jahrhunderts, in: Universitäten, Landesherren und Landeskirchen. Das Kut­tenberger Dekret von 1409 im Kontext der Epoche von der Gründung der Karls­uni­versität 1348 bis zum Augs­burger Religionsfrieden 1555, hg. von B. Zilynská, Prag 2010 (Acta Univer­si­tatis Carolinae. Historia Universitatis Carolinae Pragensis, 49,2), S. 205ff.

Tschacher, W.: Königtum als lokale Praxis. Aachen als Feld der kulturellen Reali­sie­rung von Herrschaft. Eine Verfassungsgeschichte (ca. 800-1918), Stuttgart 2010 (Historische Mitteilungen. Beihefte, 80) [Steiner, 508 S., kart., 78 Euro].

Villes et Villages. Organisation et représentation de l’espace. Mélanges offerts à Jean-Marie Duvosquel à l’occasion de son soixante-cinquième anniversaire, 2 Bde., hg. von A. Dierkens, C. Loir, D. Morsa und G. Vanthemsche, Brüssel 2011 (Revue Belge de Philologie et d’Histoire, 89,1-2) [Tim­per­man, 976 S., 50 Euro].

Vocelka, K.: Die Familien Habsburg und Habsburg-Lothringen. Politik – Kultur – Mentalität, Köln u.a. 2010 [Böhlau, 243 S., geb., 1 Karte, 3 Stammbäume, 19,90 Euro].

Wagner, W. E.: Die liturgische Gegenwart des abwesenden Königs. Gebets­ver­brü­de­rung und Herrscherbild im frühen Mittelalter, Leiden 2010 (Brill‘s Series on the Early Middle Ages, 19) [Brill Academic Publishers, X+378 S., geb., 140 Euro].

Walther, S.: Die (Un-)Ordnung der Ehe. Normen und Praxis ernestinischer Fürstenehen in der Frühen Neuzeit, München 2011 (Ancien Régime, Aufklärung und Revolution, 39) [Oldenbourg, 424 S., kart., 69,80 Euro].

Was vom Alten Reiche blieb. Deutungen, Institutionen und Bilder des früh­neu­zeit­li­chen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im 19. und 20. Jahrhundert. Koord. M. Asche, T. Nicklas und M. Stickler, München 2011 (Bayerische Landeszentrale für Politi­sche Bildungsarbeit. A, 134) [Bayerische Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit, 446 S., kart., 6 Euro].

Aus dem Inhalt:

DEUTUNGEN

Kroll, F. L.: Kaisermythos und Reichsromantik- Bemerkungen zur Rezeption des Alten Reiches im 19. Jahrhundert, S. 19ff.; Kram, H.-C.: Die Spätzeit des Alten Reiches im Blick der deutschen Historiker des 19. Jahrhunderts, S. 33ff.; Becker, W.: Das Heilige Römische Reich der Neuzeit in der Historiographie des 20. Jahrhunderts, vornehmlich in Süddeutschland, S. 63ff.; Weiss, D. J.: Trans­formationen des Reichsgedankens bis ins 20. Jahrhundert, S. 89; Mazohl, B., Schneider, K.: „Translatio imperii“? Reichsidee und Kaisermythos in der Habs­burgermonarchie, S. 101ff.; Begert, A.: Das Heilige Römische Reich in der publizistischen und politischen Auseinandersetzung zwischen Tschechen und Deut­schen im 19. und 20. Jahrhundert, S. 129ff.; Nicklas, T.: „Cet échiquier d‘une partie classique.“ Frühneuzeitliches Heiliges Römisches Reich und fran­zö­si­sches Sicherheitsdenken im Zeitalter der Weltkriege, S. 147ff.

INSTITUTIONEN

Wiczlinski, V. von: Das Ringen um die staatliche Organisationsform Deutsch­lands nach dem Ende des Alten Reiches – Föderalismus als Tradition und Zu­kunft?, S. 159ff.; Pelizaeus, L.: Die kurfürstliche Dignität als überlebte Illusion in Kurhessen im 19. und 20. Jahrhundert, S. 185ff.; Burkard, D.: Erinnerungen an Kaiser und Reich bei Repräsentanten der säkularisierten „Germania Sacra“, S. 199ff.; Asche, M.: Reichsstadtmemoria im 19. und 20. Jahrhundert – Be­ob­ach­tungen zu Formen und Funktionen der Erinnerungskultur in ehemaligen Reichs­städten, S. 223ff.; Gerber, S.: Reichspatriotismus, Dynastie und Konsti­tu­tion – die thüringischen Staaten und das Alte Reich im langen 19. Jahrhundert, S. 261ff.; John, A.: Altes Reich und mecklenburgische Ständeordnung in den Ver­fassungskonflikten des 19. Jahrhunderts, S. 289ff.; Kleinehagenbrock, F.: Alte Rechte in neuen Staaten? Reichsrecht, Bundesrecht und die Standesherren im Süden und Nordwesten Deutschlands, S. 305ff.

BILDER

Stickler, M.: „Erneuerung der Deutschen Kaiserwürde“? – das Nachleben der früh­neuzeitlichen Reichssymbolik in Preußen-Deutschland im Spannungsfeld von Tradition und Konstruktion neuer Geschichtsbilder, S. 319ff.; Lehmann, D.: Die Rezeption des frühneuzeitlichen Alten Reiches in der Historienmalerei des 19. Jahrhunderts, S. 345ff.; Telesko, W.: Kaiser und Reich in der habs­bur­gi­schen Denkmalkultur des 19. Jahrhunderts, S. 373ff.; Fuchs, M.: Apercus zum Ende des Alten Reichs in Historischer Belletristik, S. 399ff.; Dittrich, R.: Die Idee des Reiches in Ernst Kreneks Bühnenwerk mit Musik „Karl V.“ op. 73 (1933), S. 421ff.

Weber, N.: Die Republik des Adels. Zum Begriff der Aristokratie in der politischen Spra­che der Frühen Neuzeit, in: Zeitschrift für Historische Forschung 38 (2011) S. 217ff.

Wetter, E.: Objekt, Überlieferung und Narrativ. Spätmittelalterliche Gold­schmie­de­kunst im historischen Königreich Ungarn, Ostfildern 2011 (Studia Jagellonica Lip­si­en­sia, 8) [Thorbecke, 312 S., geb., 228 z.T. farb. Abb., 54 Euro].

Wihoda, M.: Morava v době knížecí 906-1197 [Mähren im Zeitalter der Fürsten­herrschaft 906-1197], Prag 2010 (Česká historie, 21) [Nakladatelství Lidové Noviny, 467 S., kart., 369 Kč].

Wijsman, H.: History in Transition. Enguerrand de Monstrelet’s Chronique in Manus­cript and Print (c.1450-c.1600), in: The Book Triumphant. Print in Transition in the Six­teenth and Seventeenth Centuries, hg. von M. Walsby und G. Kemp, Leiden u.a. 2011, S.. 199-252.

Wijsman, H.: Good Morals for a Couple at the Burgundian Court: Contents and Con­text of Harley 1310, Le Livre des bonnes meurs of Jacques Legrand, in: The Elec­tro­nic British Library Journal 10 (2011), article 6.

Winter, C.: Evangelischer Adel – altgläubiger Landesherr. Anhänger der Refor­ma­tion im albertinischen Adel vor 1539 und ihr Konflikt mit Herzog Georg von Sach­sen, in: Neues Archiv für sächsische Geschichte 81 (2010) S. 249ff.

Women at the Burgundian Court: Presence and Influence. Femmes à la Cour de Bourgogne: Présence et influence, hg. von D. Eichberger, A.-M. Legaré und W. Hüsken, Turnhout 2011 (Burgundica, 17) [Brepols, XXI+182 S., geb., 39 sw- und 26 farb. Abb., 65 Euro].

Writing Royal Entries in Early Modern Europe, hg. von M.-C. Canova-Green, J. Andrews und M.-F. Wagner, Turnhout 2012 (Early European Research, 3) [Brepols, X+450 S., geb., 27 sw- und 4 farb. Abb., 135 Euro].

Zehetmayer, R.: Urkunde und Adel. Ein Beitrag zur Geschichte der Schriftlichkeit im Südosten des Reichs vom 11. bis zum 14. Jahrhundert, Köln u.a. 2009 (Ver­öf­fent­li­chungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, 53) [Böhlau, 388 S., kart., 11 sw-Abb., 54,80 Euro].

Zimmer, J., Meyer, W., Boscardin, M.-L.: Krak des Chevaliers in Syrien. Archäo­lo­gie und Bauforschung 2003-2007, Braubach 2011 [Deutsche Burgenvereinigung, 400 S., kart., 550 meist farb. Abb., 31 Faltpläne, 84 Euro].

Zimmermann, H.: Der Deutsche Orden in Siebenbürgen. Eine diplomatische Un­ter­su­chung, 2., durchges. Aufl., Köln u.a. (Studia Transylvanica, 26) [Böhlau, 261 S., geb., 10 Abb., 1 Karte, 29,90 Euro].

Zvereva, A., Garnier-Pelle, N.: Le cabinet des Clouet au château de Chantilly. Renaissance et portrait de cour en France, Paris 2011 [Chaudun, 166 S., kart., 38 Euro].

Zwischen Pragmatik und Performanz. Dimensionen mittelalterlicher Schriftkultur, hg. von C. Dartmann, T. Scharff und C. F. Weber, Turnhout 2011 (Utrecht studies in medieval literacy, 18) [Brepols, VIII+489 S., geb., 17 sw-Abb., 90 Euro].

 

 


Die Arbeitsstelle Kiel

 

 

 

 

 

Prof. Dr. Werner Paravicini

 

 

Dr. Jan Hirschbiegel
(Mitteilungen der Residenzen-Kommission, Residenzenforschung,

Handbuch IV: Grafen und Herren)

Dr. Jörg Wettlaufer
(Symposien, Internetangebot, Handbuch IV: Grafen und Herren)

 

 

 

 

 

 

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Residenzen-Kommission

Arbeitsstelle Kiel

c/o Historisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

 

(Besuchsadresse) Leibnizstr. 8

 

(postalisch) Olshausenstr. 40

 

D-24098 Kiel (für Briefe)

D-24118 Kiel (für Päckchen und Pakete)

 

Tel./Fax/AB: [D] 04 31 – 8 80-14 84 (Hirschbiegel)

Tel./AB [D] 04 31 – 8 80-22 96 (Wettlaufer)

 

 

 

E-Mail: resikom@email.uni-kiel.de

 

 

Adresse im Internet: http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de

 

 

 



*Dr. Matthias Meinhardt, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Abteilung 4: For­schungs­planung und Forschungsprojekte, Lessingplatz 1, 38304 Wolfenbüttel, E-Mail: meinhardt@hab.de.

*Dr. Johannes Mötsch, Archivdirektor, Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Schloß Bibrabau, 98617 Meiningen, E-Mail: Johannes.Moetsch@staatsarchive.thueringen.de.

*Dr. Mark Henger, Ulica 29. augusta 36/C, SK-81109 Braislava, E-Mail: Mark.Hengerer@uni-konstanz.de.

*Christian Hagen, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Philosophische Fakultät, Pro­fessur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Olshausenstr. 40, 24098 Kiel, E-Mail: chagen@email.uni-kiel.de.

[1]Vgl. Guerre et concurrence entre les états européens de XIVe au XVIIIe siècle, hg. von Philippe Contamine, Paris 1998 (Les origines de l‘Etat moderne). – Jüngst Hammes, Barbara: Ritterlicher Fürst und Ritterschaft. Konkurrierende Vergegenwärtigung ritterschaftlich-höfischer Tradition im Um­kreis südwestdeutscher Fürstenhöfe, Stuttgart 2011 (Veröffentlichungen der Kommission für ge­schichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Reihe B: Forschungen, 185).

*Prof. Dr. Harm von Seggern, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Philosophische Fakultät, Pro­fessur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Olshausenstr. 40, 24098 Kiel, E-Mail: hvonseggern@email.uni-kiel.de.