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Mitteilungen der Residenzen-Kommission

 

der

 

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

 

 

 

Jahrgang 20 (2010) Nr. 2


 

 

 

Mitteilungen der Residenzen-Kommission

 

der

 

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

 

 

 

Jahrgang 20 (2010) Nr. 2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Residenzen-Kommission

 

Arbeitsstelle Kiel


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ISSN 0941-0937

 

 

Herstellung:

Universitätsdruckerei

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Titelvignette:

Tor des Gymnasiums Casimirianum in Coburg

Abb. entnommen aus:

Musarum Sedes 1605-2005. Festschrift zum 400-jährigen Bestehen des
Gymnasiums Casimirianum Coburg,
hg. vom Gymnasium Casimirianum Coburg durch
Joachim Goslar und Wolfgang Tasler, Coburg 2005
(Schriftenreihe der Historischen Gesellschaft Coburg e.V., 18), S. 312

 



Inhalt

 

Vorwort ...................................................................................................................................  7

Aus der Arbeit der Kommission ...........................................................................................  9

Die Arbeit der anderen ........................................................................................................  11

Demonstrativer Konsum auf Reisen. Eß- und Trinkgewohnheiten einer
spätmittelalterlichen Gesandtschaft,
von Steffen Münster, Norderstedt ..................................................................................  11

Das Ernestinische Wittenberg: Stadt und Universität 1486-1547.
Zu einem laufenden Forschungsvorhaben,
von Thomas Lang, Halle an der Saale .............................................................................  49

Das Wawel-Schloß in Krakau (1504-1537) im Licht neuerer Forschungen,
von Tomasz Torbus, Leipzig ...........................................................................................  71

Kolloquien, Vorträge, Ausstellungen, Jubiläen .................................................................  79

Kolloquiumsbericht .............................................................................................................  85

Städtisches Bürgertum und Hofgesellschaft. Kulturen integrativer und kon
kurrierender Beziehungen in Residenz- und Hauptstädten vom 14. bis ins
19. Jahrhundert. 12. Symposium der Residenzen-Kommission der Akademie
der Wissenschaften zu Göttingen veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Historischen Gesellschaft Coburg e.V., Coburg, 25.-28. September 2010,
von Sven Rabeler, Kiel..................................................................................................... 85

Buchvorstellungen ...............................................................................................................  91

Der Achämenidenhof. The Achaemenid Court. Akten des 2. Internationalen
Kolloquiums zum Thema „Vorderasien im Spannungsfeld klassischer und
altorientalischer Überlieferungen“, Landgut Castelen bei Basel, 23.-25. Mai 2007,
hg. von Bruno Jacobs und Robert Rollinger, Wiesbaden 2010 (Classica et
orientalia, 2),
von Ulf Christian Ewert, Hamburg .................................................................................  91

Auge, Oliver: Handlungsspielräume fürstlicher Politik im Mittelalter.
Der südliche Ostseeraum von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis in die frühe
Reformationszeit, Ostfildern 2009 (Mittelalter-Forschungen 28),
von Jörg Rogge, Mainz ....................................................................................................  94

Diplomatisches Zeremoniell in Europa und im Mittleren Osten in der frühen
Neuzeit, hg. von Ralph Kauz, Giorgio Rota und Jan Paul Niederkorn, Wien
2009 (Österreichische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische
Klasse. Sitzungsberichte, 796; Archiv für österreichische Geschichte, 141;
Veröffentlichungen zur Iranistik, 52),
von Felix Konrad, Kiel ....................................................................................................  98


Kayserlich – frey – weltlich. Das Reichsstift Quedlinburg im Spätmittelalter
und in der Frühen Neuzeit, hg. von Clemens Bley, Halle (Saale) 2009
(Studien zur Landesgeschichte 21),
von Wolfgang Wüst, Erlangen ......................................................................................  105

Oesterle, Jenny Rahel: Kalifat und Königtum. Herrschaftsrepräsentation
der Fatimiden, Ottonen und frühen Salier an religiösen Hochfesten,
Darmstadt 2009,
von Kristina Rzehak, Münster ......................................................................................  108

Zur Sozial- und Kulturgeschichte der mittelalterlichen Burg. Archäologie
und Geschichte, hg. von Lukas Clemens und Sigrid Schmitt, Trier 2009
(Interdisziplinärer Dialog zwischen Archäologie und Geschichte, 1),
von Gabriel Zeilinger, Kiel ...........................................................................................  110

Neuerscheinungen .............................................................................................................  113

Sonstiges ............................................................................................................................  143

Monumenta Ducum Pomeranorum – Denkmale der Greifenherzöge ......................  143

Court Residences as Places of Exchange in Late Medieval and
Early Modern Europe (1400-1700)
PALATIUM ....................................................................................................................  144

Hinweis zu einem Beitrag von Stefanie Krause zur Ausstattung repräsentativer
Räume des Mannheimer Schlosses in Sonderheft 12 der Mitteilungen der
Residenzen-Kommission ..............................................................................................  145

Fürstinnenkorrespondenzen in der Reformationszeit: Edition der Briefe der
Herzogin Elisabeth von Sachsen ..................................................................................  146

Die Arbeitsstelle Kiel .......................................................................................................  148

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Vorwort

 

 

Sie wundern sich, lieber Leser, daß Ihnen auf dem Umschlag ein verschlossenes Tor präsentiert wird? Nun, es ist dasjenige des Gymnasiums Casimirianum, das Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg in seiner Residenz anno 1605 gegründet hat. Noch heute blüht es, seines Stifters durchaus eingedenk, wie die Festschrift zum 400jährigen Bestehen zeigt, die unter dem Titel „Musarum Sedes“ im Jahre 2005 erschienen und der dieses Bild entnommen ist. Es erinnert noch einmal an das überaus prächtige (Pfeifer, Trompeter, Festmähler, Schlösser) und ertragreiche (siehe unten S. 87-91) Symposium, das wir im vergangenen September eben dort gefeiert haben. Es steht aber auch im Bezug zu dem Thema, dem wir uns in Zukunft widmen wollen: Stadt, Residenz, Universität (die das Casimirianum fast geworden wäre). Mit einem weiteren Jahr in Mindestausstattung werden wir wohl rechnen dürfen, wenn die Förderung der „alten“ Residenzen-Kommission zum 31. Dezember 2010 eingestellt wird. „Mindestausstattung“ heißt hier, daß wir nicht mehr die Mittel haben werden, wie bisher und 20 Jahre lang diese „Mitteilungen“ zu drucken und zu versenden. Aber wir werden sie herstellen und im Internet zugänglich machen. Jeder kann sie sich dann ausdrucken, wenn er es denn möchte.

Jetzt aber und zum letzten Mal haben wir sogar zwei gedruckte Hefte hergestellt. Der vorliegende Jahrgang 20,2 ist dabei der umfangreichste Faszikel der MRK, den wir in all den Jahren hervorbrachten. Daneben erhält der geneigte Leser noch das 13. Sonderheft, in dem alles verzeichnet und indexiert ist, was unter der Fahne der Residenzen-Kommission je veröffentlicht wurde. Schließlich brauchen wir uns ja nicht zu verstecken, nach den 25 Jahren erfolgreicher Arbeit, die darin zur Anschauung kommen. Es ist auch noch einiges im Rohr: Nachdem drei Bände unlängst erschienen sind (siehe die Bestellzettel am Ende des Hefts), werden im Jahre 2011 nicht weniger als vier weitere ans Licht treten, enthaltend das Coburger Symposium (Bd. 25 [!] der Reihe „Residenzenforschung“), die Jülich-Kleve-Bergischen Hof-, Regiments- und Ämterordnungen und die beiden Bände des Handbuchs, Teil IV: Grafen und Herren. Die „Abschlußfinanzierung“ können wir also gut gebrauchen, um all dies durch den Druck zu bringen. Die Fünfjahresbibliographie wird es ebenfalls noch geben, online. Und wir gehen in Richtung des „digitalen Handbuchs“, damit auch in Zukunft das ganze große Repertorium im Netz präsent bleibt und elektronisch genutzt werden kann.

Das dickste Heft aller Zeiten also, 148 S. stark. Daran „schuld“ sind zunächst zwei recht umfangreiche Abhandlungen, die eine zur Ernährung auf Gesandtschaftsreise, die andere über das Projekt zur Erforschung jener Stadt, die schon etwas war, bevor die Reformation und ihre Universität sie berühmt machten, nämlich die Residenz Wittenberg (womit wir wieder beim Thema wären). Und der Neubau des Wawel-Schlosses über Krakau vom Anfang des 16. Jahrhunderts wird neu interpretiert (siehe dazu auch den neuesten Titel von Tomasz Torbus unter den Neuerscheinungen). Was all diese Studien gemeinsam haben? Die Tatsache, daß Neues vor allem aus Rechnungen kommt, denen auch wir uns widmen woll(t)en, jener unerschöpflichen, geradezu unverdächtigen Quelle, die uns näher als jede andere an die Realität vergangener Gegenwart heranführt. Oder es kommt aus Korrespondenzen, jenem Spiegel der Alltäglichkeit, von denen wir nicht genug haben können (siehe S. 143). Willentliche Zeugnisse sind jedoch nicht weniger aussagekräftig, man muß sie nur sammeln und recht verstehen (siehe S. 140).

Ansonsten zieht wieder die breite Masse der Kolloquien und Neuerscheinungen an Ihnen vorüber, die Sie träge das Angebot mustern läßt, bis Sie plötzlich hellwach werden, weil Sie gebrauchen können, was da notiert ist. Aufmerksam war auch jener Leser, dem ein vertauschtes Bild auffiel und der uns deshalb schrieb (siehe S. 142). Wir bieten aber nicht nur Titel und Inhaltsverzeichnisse, sondern auch richtige Besprechungen, wohlerzogene, die gleichwohl zuweilen sagen, was ihnen fehlt oder nicht gefällt oder gefällt, z.B. die Wiedereinführung des Zufalls und der Reaktion anstatt der gezielten Aktion im Fürstenleben (Jörg Rogge zu Oliver Auge). Mehrere Werke betreffen ganz oder zum Teil außereuropäische Kulturen, so der Band über den Achämenidenhof, in dem der darauf nicht vorbereitete Leser am Anfang und am Ende Beiträge eines Mitarbeiters der Residenzen-Kommission finden wird, der mit Hilfe der Alexanderverehrung Karls des Kühnen sogar die Herzöge von Burgund hineingeschmuggelt hat. Aber das ist schon richtig und wichtig: Wer nur betrachtet, was er kennt, sieht schließlich gar nichts mehr. Das hat die Forschung und wir mit ihr längst begriffen und schaut in den Mittleren Osten, vergleicht Kalifat und Königtum und einander mißverstehendes diplomatisches Zeremoniell.

Noch ist das Tor geschlossen, ob es sich für uns wieder öffnet, wissen wir nicht. Drücken Sie uns die Daumen, daß es im Frühling aufgeht und den Blick freigibt auf jene gelb blühenden Rapsfelder, die uns hier in Schleswig-Holstein so sehr beglücken.

 

 

Kronshagen, am 9. November 2010                                                           Werner Paravicini

 

 

 


Aus der Arbeit der Kommission

 

 

1.         Handbuch

134 Mitarbeiter haben über 600 Artikel erstellt. Die redaktionellen Arbeiten sind bis auf eine letzte Durchsicht abgeschlossen. Am Erscheinungstermin Ende 2011 wird festgehalten. Weitere Informationen im Internet unter der Adresse:

http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/projekt.php#Grafen

Digitales Handbuch der Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Die Kommission hat die Beantragung der zur Digitalisierung benötigten Mittel auf Grundlage der noch ausstehenden Informationen nach Rücksprache mit der Akademie unter Inanspruchnahme der entsprechenden Kompetenz der Akademie beschlossen. Das digitale Handbuch soll über ein neu einzurichtendes digitales Portal der Akademie zur Verfügung gestellt werden.

 

2.         Residenzenforschung

            2.1.     Der Tagungsband zum Wiener Symposium der Residenzen-Kommission „Vorbild, Austausch, Konkurrenz. Höfe und Residenzen in der gegenseitigen Wahrnehmung“, hg. von Werner Paravicini und Jörg Wettlaufer ist als Band 23 der Reihe zum Coburger Symposium im September 2010 vorgelegt worden, siehe auch unten S. 130 und S. 137.

            2.2.     Band 24 der Reihe, der die Beiträge der Salzburger Tagung „Höfe und Residenzen geistlicher Fürsten“, die vom 19. bis 22. Februar 2009 in der Salzburger Residenz stattfand, ist unter dem Titel „Höfe und Residenzen geistlicher Fürsten. Strukturen, Regionen und Salzburgs Beispiel in Mittelalter und Neuzeit“, hg. von Gerhard Ammerer, Ingonda Hannesschläger, Jan Paul Niederkorn und Wolfgang Wüst, erschienen, siehe auch unten S. 121 und S. 139.

            2.3.     Das Manuskript der Edition der Hof-, Regiments- und Ämterordnungen von Jülich-Kleve-Berg durch Brigitte Kasten und Margarete Bruckhaus ist zum Ende dieses Jahres abgeschlossen. Mit der Publikation ist zum Jahresende 2011 zu rechnen.

            2.4.     Die Beiträge des Coburger 12. Symposiums werden nach Sicherstellung der Fortführung der Arbeit der Residenzen-Kommission in 2011 unter dem Titel „Städtisches Bürgertum und Hofgesellschaft. Kulturen integrativer und konkurrierender Beziehungen in Residenz- und Hauptstädten vom 14. bis ins 19. Jahrhundert“, hg. von Jan Hirschbiegel, Werner Paravicini und Jörg Wettlaufer, erscheinen.

 

3.         MRK

4.1.     Die MRK 20,2 liegen vor.

            4.2.     Ein Sonderheft, das sämtliche Publikationen seit Bestehen der Residenzen-Kommission im Jahre 1985 verzeichnet, liegt vor.

            4.3.     Ein letztes bibliographisches Sonderheft zu den in den MRK 16,1 bis 20,2 notierten Neuerscheinungen wird im Jahr 2011 in einer Online-Version erscheinen.

 

4.         Neuvorhaben

            Der Neuantrag ist nach der Stellungnahme zweier externer Gutachter von der Göttinger Akademie an die Union der Akademien weitergereicht worden. Es ist zu erwarten, daß, wenn dieses Heft erscheint, der Schleswig-Holsteinische Landtag Anfang Dezember den Doppelhaushalt für 2011 und 2012 verabschiedet haben wird, darunter auch die der Forschung zugedachten Mittel. Die Union der Akademien entscheidet in mehreren Stufen zwischen März und Juni 2010. Dann erst werden wir wissen, ob es künftig eine neue „Residenzen-Kommission“ gibt.

 

5.         Bis sich nach Bewilligung des beantragten Neuvorhabens eine neue Kommission konstituieren kann, besteht die Residenzen-Kommission weiter.

 

Werner Paravicini

 


Die Arbeit der anderen

 

 

Johann Steffen Münster*

Demonstrativer Konsum auf Reisen
Eß- und Trinkgewohnheiten einer spätmittelalterlichen Gesandtschaft**

 

 

Am 21. Juli 1453 begann für den Propst des Augustiner Chorherrenstiftes zu Klosterneuburg Simon Heindl[1] eine äußerst beschwerliche Fernreise[2]. Er brach an Samcztag vor Jocobi[3] aus Wien auf, um im Namen des böhmischen und ungarischen Königs Ladislaus V. Posthumus[4] eine Gruppe von Gesandten zu Papst Nikolaus V.[5] nach Rom zu führen. Die Reisegemeinschaft war offensichtlich nach Rom gesandt worden, um die Aufhebung eines Bannes – ausgeschrieben anscheinend von der päpstlichen Kanzlei, veröffentlicht bzw. verbreitet jedoch wohl von Kaiser Friedrich III. – zu erwirken[6]. Bei den Exkommunizierten handelte es sich um die Mitglieder des am 14. Oktober 1451 gegründeten Mailberger Bundes. Dieser Zusammenschluß zahlreicher österreichischer Herren und Ritter leistete Widerstand gegen die Vormundschaft Friedrichs III. über Ladislaus, den nachgeborenen Sohn Albrechts II. Hauptanliegen des Mailberger Bundes war es, daß kunig Lasslaw in sein erbleich lanndt gen Osterreich kom und in seinem furstlichen geseß, der stat ze Wienn, sicze und wanhafft sey, unczt das sein kunikleich gnad zu seinen vogtperen jarn kom [...][7]. Nach gescheiterten Verhandlungen verschärfte sich gegen Ende des Jahres 1451 die Lage. Die Aufständischen besetzten die Wiener Burg: „Aus der Opposition war eine Revolte geworden.“[8] Dennoch trat Friedrich III. am 21. Dezember 1451 eine Reise zum Papst an. Der Zug nach Italien war für Friedrich ein voller Erfolg. Am 19. März 1452 wurde er von Papst Nikolaus V. zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt. Der Pontifex nahm außerdem in den „österreichischen Angelegenheiten“[9] unmißverständlich Partei für Friedrich. Am 4. April 1452 wurde eine päpstliche Bulle gegen die Mailberger Verbündeten erlassen[10]: Die Widerständigen sollten Friedrich III. als Vormund Ladislaus’ anerkennen und die Regierung in Österreich binnen 40 Tagen an den Habsburger zurückgeben, ansonsten drohe ihnen der Kirchenbann[11].

Nach der Rückkehr Friedrichs III. aus Italien zeigte sich schnell, daß eine militärische Auseinandersetzung mit den revoltierenden Österreichern um die Herausgabe Ladislaus’ nicht mehr abzuwenden war. Am 27. August begann die Belagerung Wiener Neustadts durch die verbündeten Vertreter der österreichischen Stände[12]. Am Ende der bis zum 30. August anhaltenden kriegerischen Konfrontation stand die Niederlage des Kaisers. Nach anschließenden Verhandlungen wurde am 1. September ein Friedensvertrag geschlossen[13]. Man vereinbarte, die Vormundschaftsfrage auf einem Landtag, gesetzt auf den 11. November 1452, abschließend zu regeln. Die Belagerung wurde beendet, Ladislaus am 4. September 1452 an die Aufständischen übergeben. Die Freude über den militärischen Erfolg und die erzwungene Herausgabe Ladislaus’ wurde zumindest auf Seiten der Mitglieder des Mailberger Bundes getrübt: Da die verbündeten österreichischen Landstände den Forderungen der Bulle Nikolaus’ V. vom 4. April 1452 nicht innerhalb von 40 Tagen Folge geleistet hatten, war der Kirchenbann in Kraft getreten. Die Hoffnung, Papst Nikolaus V. zur Aufhebung des Banns zu bewegen, war Anlaß für die Aussendung der Gesandtschaft[14]. So zogen die Bevollmächtigten und ihr Gefolge zwar im Namen von König Ladislaus, wohl aber hauptsächlich im Interesse der verschiedenen gebannten österreichischen Parteien nach Rom.

Von dieser Reise wissen wir durch einen Brief. Der Text enthält eine komprimierte Beschreibung des Verlaufs der Gesandtschaft durch den genannten Propst Simon Heindl, Adressat ist ein Funktionsträger des österreichischen Hofes[15]. Dem Schreiben ist zudem eine detaillierte Reiserechnung nachgestellt. Eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung dieser Überlieferung fehlt bislang, einzig aus dem Jahr 1853 liegt eine Edition durch Hartmann Zeibig vor[16].

Im vorliegenden Beitrag soll zunächst die personelle Zusammensetzung der Reisegemeinschaft erläutert werden (I.). Anschließend wird am Beispiel des Nahrungskonsums (II.) ein wesentlicher Teil des Reisealltags[17] der spätmittelalterlichen Reisenden untersucht. Verschiedene Passagen des vorgelagerten Berichts werden hierbei nutzbar gemacht: Ergebnisse der Rechnungsanalyse können durch Kombination oder Vergleich mit den reisebeschreibenden Ausführungen ergänzt, relativiert oder auch falsifiziert werden. Im Zentrum der Untersuchung steht vor allem der demonstrative Konsum[18] der Reisenden (III.): Quantitativ und qualitativ soll gezeigt werden, daß der ohnehin hohe alltägliche Speisestandard der Gesandten zu bestimmten Anlässen in einer Art „veräußerlichte[m] Speiseluxus“[19] gipfelte. Abschließend soll geprüft werden, ob die Eßgewohnheiten innerhalb der Reisegruppe differierten: Aßen die Herren dasselbe wie ihre Diener? Oder bestätigen die Aufzeichnungen des anonymen Rechnungsschreibers der Gesandtschaft König Ladislaus’ die in der historischen Forschung vielfach postulierte These vom spätmittelalterlichen Essen als Schichtmerkmal[20]?

 

I.

 

Über die personelle Zusammensetzung der Gesandtschaft gibt sowohl die Auswertung der Reisekostenrechnung als auch die Analyse der komprimierten Reisebeschreibung Aufschluß.

Eine kurze Notiz zum Führungspersonal der Gesandtschaft bringt der Rechnungsschreiber gleich zu Beginn seiner Kostenaufstellung[21]. Eine sehr viel genauere Beschreibung des Gesandtschaftspersonals erfolgt indessen am Ende der Reiserechnung. Dort finden sich (quantitative) Angaben zum Gefolge einzelner namentlich genannter Persönlichkeiten, die offenbar verschiedenen Teilnehmerverbänden der Gesandtschaft vorstanden. Die Reisegemeinschaft war also augenscheinlich in kleinere Subgruppen mit eigenen Abhängigkeitsverhältnissen segmentiert. In diesem Zusammenhang sei auch auf die Untergliederung des Gesandtschaftspersonals in einen geistlichen und einen weltlichen Teil hingewiesen[22]. Im Anhang der Rechnung wird für die verschiedenen Reisestationen[23] aufgelistet, wie viele Personen und Pferde jeweils zu verköstigen und unterzubringen waren. Anhand dieses Itinerars läßt sich die von Etappe zu Etappe teils deutlich differierende Zusammensetzung der Reisegemeinschaft stets exakt rekonstruieren.

Berücksichtigt man allerdings den schriftlichen Bericht Simon Heindls zum Gesandtschaftsverlauf, so muß das eben aufgezeigte Erkenntnispotential der vorliegenden Überlieferung relativiert werden. Die (exakte) Rekonstruktion der qualitativen und quantitativen Beschaffenheit des Gesandtschaftspersonals kann sich ausschließlich auf Reiseteilnehmer beziehen, deren Versorgung in der Rechnung verzeichnet wurde, die also auf Kosten der Gesandtschaftsfinanziers[24] an der Romfahrt partizipierten.

Nun weisen aber die Inhalte der komprimierten Reisebeschreibung darauf hin, daß sich die Vertreter König Ladislaus’ bereits am sechsten Tag nach ihrem Aufbruch aus Wien mit einer weiteren Gesandtschaft anderer Provenienz zusammenschlossen. Auf Schloß Ebelsberg[25] nahe Linz trafen die Wiener Abgesandten den erwählten Passauer Bischof Ulrich Nußdorfer[26]. Von diesem erbelten von passaw wurden Simon und seine Begleiter genediklich abgevertigt mit zuschaffung syner gnaden treflicher potschafft [...][27]. Es darf folglich angenommen werden, daß die Gesandtschaft König Ladislaus’ ab Ebelsberg gemeinsam mit Vertretern des Passauer Bischofs gen Rom reiste. Gestützt wird diese These zusätzlich durch Simons Erläuterungen zum Verhandlungsverlauf an der römischen Kurie. Mehrfach schreibt der Propst von Klosterneuburg in seinem Bericht von des erbelten von Passaw potschaft[28] oder von den Gesandten von der kirichen wegen ze Passaw vnd des erbelten[29]. Folgt man den Heindlschen Ausführungen, sind diese Passauer Vertreter anscheinend stets nach den Wiener Unterhändlern bei Papst Nikolaus V. vorgelassen worden, um über ihr Anliegen – die Bestätigung Ulrich Nußdorfers als neuen Passauer Bischof[30] – zu verhandeln[31].

Ein Verbund von Reisegruppen mit identischem räumlichen Ziel war im Spätmittelalter durchaus üblich, stieg mit der Größe der Reisegemeinschaft doch auch die Sicherheit unterwegs[32]. Da der wechselseitige Nutzen eines solchen Zusammenschlusses hoch war, wurde die Aufstockung des Reisekollektivs wahrscheinlich schon im Vorwege geplant[33]. Dennoch blieb die Wiener Gesandtschaft prinzipiell eine eigenständige und unabhängige Unternehmung. Kein Eintrag in der Reiserechnung weist auf die Anwesenheit der Passauer Abgesandten hin. Gemeinsame Ausgaben gab es offenbar nicht. Auch das Itinerar am Ende der Rechnung führt keine Interessenvertreter Ulrich Nußdorfers auf. Des erbelten von Passaw potschaft wird vom Bischof selbst finanziert worden sein und eine eigene Abrechnung geführt haben.

Für die Rekonstruktion der Reisegemeinschaft ergeben sich somit mehrere Variablen. Nähere Angaben (Anzahl, Namen, Herkunft, Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen etc.) zu den Gesandten des Bistums Passau, die ab Ebelsberg die Reisegemeinschaft aus Wien ergänzten, müssen aufgrund fehlender Hinweise in der untersuchten Rechnungsquelle unterbleiben. Die Erläuterungen zur personellen Zusammensetzung der Reisegemeinschaft bleiben daher notwendigerweise unvollständig, da sich die Untersuchung nur auf einen Teil der Reisegruppe beziehen kann.

Die Gesandtschaft König Ladislaus’ umfaßte etwa 29 Personen. Wenn für die Vertretung des Passauer Bistums zehn bis 20 Gesandte angesetzt werden[34], der Zusammenschluß beider Gesandtschaften also auf 40 bis 50 Teilnehmer geschätzt wird, ist die Größe der Reisegemeinschaft lediglich als durchschnittlich zu bezeichnen. „Repräsentationsgesandtschaft[en]“ von Herzogen oder Königen konnten im Spätmittelalter (weit) mehr als 100 Gesandte umfassen[35]. Das Gefolge von Kaisern, Königen oder Reichsfürsten schwoll bei manchen Hof- und Festreisen[36] auf über 500, teils sogar auf über 1000 Personen an[37]. Bei einem Vergleich mit Kaiser-, Königs- oder Fürstenreisen ist aber nachdrücklich zu betonen, daß König Ladislaus nicht persönlich an der Gesandtschaft zu Nikolaus V. teilnahm. Durch die Partizipation des jungen ungarischen Königs und österreichischen Herzogs an der Romfahrt wäre die Reiseentourage wahrscheinlich erheblich erweitert worden[38].

Der Gesandtschaft stand jedoch ein Mann mit weit geringeren (repräsentativen) Ansprüchen vor: Simon Heindl. Zwar bezeichnet der Rechnungsschreiber den Propst durchgängig als seinen Herrn[39], aber diese Anrede wurde eben auch für Kleriker, insbesondere für Prälaten verwendet und nach Ansicht von Karl Gutkas ist ohnehin nicht gesichert, daß jener Klosterneuburger Propst ein Adliger war[40].

Verschiedene Anhaltspunkte weisen Simon Heindl als gesamtverantwortlichen Gesandten aus. Zunächst ist erneut festzuhalten, daß der Propst seinen eigenen Ausführungen zufolge nicht nur an den Unterredungen mit dem Papst maßgeblich beteiligt war, sondern auch die abschließend ausgefertigten Antwortschreiben des Papstes an König Ladislaus V. und Ulrich von Cilli[41] an sich nahm und nach Wien brachte. Des weiteren war er zuständig für eine (zusätzliche) Übermittlung der Verhandlungsresultate an den König und rechnete sogar mit Repressalien gegen seine Person[42]. Auch die Auswertung der Reiserechnung stützt die These von Simon Heindl als gesandtschaftsleitender Person. Der Rechnungsschreiber nennt seinen Herrn, den probst zw newnburg, sowohl in seiner Einleitung als auch im abschließenden Reiseteilnehmerverzeichnis stets zuerst[43]. Die beiden nachgenannten geistlichen Führungspersonen, ein Lektor sowie ein Pfarrer, bekleideten nur niedere kirchliche Ämter[44]. Es ist anzunehmen, daß die Auflistungen der Gesandtschaftsmitglieder die soziale Hierarchie innerhalb des klerikalen Parts der Reisegruppe widerspiegelt. Simon Heindl war also innerhalb der Reisegemeinschaft mit den höchsten geistlichen Würden ausgestattet – allein dies scheint ihn für die Gesamtleitung (des geistlichen Teils) der Gesandtschaft qualifiziert zu haben. Dem Propst von Klosterneuburg oblag weiterhin nachweislich die Gesamtverantwortlichkeit für die zentrale Reisekasse, aus der die Versorgung aller im Namen des Königs Reisenden finanziert wurde. Der Rechnungsführer erhielt von seinem genadigen herrn Brobst von newnburckh an 22 verschiedenen Orten insgesamt 31 größere Beträge und wirtschaftete anschließend offenbar mit dem erhaltenen Geld[45]. Der Propst verantwortete folglich auch die Versorgung der weltlichen Gesandtschaftsmitglieder – ein möglicher Hinweis auf eine Weisungskompetenz, die mithin für sämtliche Mitglieder der (Wiener) Reisegemeinschaft Geltung hatte.

Simon Heindl eignete sich außerdem in ganz besonderem Maße als Leiter und Vorsteher einer Gesandtschaft, deren Hauptaufgabe darin bestand, die Aufhebung des päpstlichen Banns vom 4. April 1452 zu erwirken. Als Propst des Augustiner Chorherrenstiftes zu Klosterneuburg war er Mitglied des Mailberger Bundes[46], hatte die zweite Fassung der Bündnisurkunde gesiegelt[47] und war dementsprechend auch in der Bulle vom 4. April 1452 mit der Exkommunikation bedroht[48]. Heindl hatte daher sicher auch ein ganz persönliches Interesse, Nikolaus V. zur Rücknahme des Banns zu bewegen.

Als (wahrscheinlichem) Gesamtverantwortlichen der Gesandtschaft König Ladislaus’ unterstand dem Propst von Klosterneuburg auch das quantitativ größte persönliche Gefolge: It. mein herr der probst ix person vnd x pferd[49]. Aus den neun Personen tritt jedoch nur eine einzige hervor: der Rechnungsschreiber selbst. Auch über diesen lassen sich jedoch nur wenige gesicherte Angaben machen, zumal sein Name und seine Herkunft nicht geklärt werden konnten. Ebenso wenig kann der Rechnungsschreiber einer sozialen Gruppe zugeordnet werden. Wahrscheinlich handelte es sich um einen nieder- oder nichtadeligen Funktionsträger des Stifts Klosterneuburg[50]. Sicher ist lediglich sein direktes Abhängigkeitsverhältnis zu Simon Heindl, den er, wie bereits erwähnt, durchgängig als seinen Herrn bezeichnet. Zu den anderen acht Individuen aus dem direkten Anhang des Propstes können ausschließlich Vermutungen angestellt werden. Sicher wird Simon Heindl neben dem Rechnungsschreiber weitere Bedienstete, also vielleicht Boten, geistliche Gehilfen oder Knechte, mitgeführt haben[51]. Der Rechnungsführer schreibt an verschiedenen Stellen von Dienern oder Gesellen, allerdings ohne diese allgemeinen Umschreibungen zu präzisieren[52]. Möglich ist wohl außerdem, daß Freunde oder Verwandte Simons an der Reise teilnahmen[53].

An zweiter Stelle seiner einleitenden Auflistung des Gesandtschaftspersonals führt der Rechnungsschreiber maister Simon von Tervis, lector zw Gran auf[54]. Nähere Angaben zu seinem direkten Gefolge, v person vnd vi pherd[55], sind in der untersuchten Rechnungsquelle nicht enthalten. Anscheinend war er Lektor an einer Kirche in Gran, der Residenzstadt des ungarischen Erzbischofs[56]. Die Beteiligung einer in Ungarn ansässigen Person – eines potentiellen Vertreters der ungarischen Stände – an der Gesandtschaft läßt zunächst verwundern, waren die ungarischen Gegner Friedrichs III. doch gar nicht vom Bann Nikolaus’ V. betroffen[57]. Ob die Teilnahme an der Romfahrt dennoch ein (wie auch immer begründetes) persönliches Anliegen Simons von Treviso war, bleibt völlig unklar. Da die Gesandtschaft im Namen des ungarischen Königs Ladislaus agierte, ist es hingegen durchaus möglich, daß die Initiatoren und Planer der Reise auch geeignetes Fachpersonal italienisch-ungarischer Herkunft rekrutierten.

Die namentliche Nennung in der Einleitung ausgenommen, wird Simon von Treviso vom Rechnungsschreiber im abschließenden Itinerar sowie auch in der eigentlichen Reiserechnung stets unspezifiziert als doctor bezeichnet[58]. Diese Auffälligkeit legt nahe, daß der Magister weniger als Repräsentant und Interessenvertreter der ungarischen Landstände auftrat, sondern in erster Linie in seiner Funktion als Gelehrter die Gesandtschaft bereichern sollte[59]. Auch wenn die Reiserechnung keine Hinweise auf seine akademische Ausbildung gibt, ist es wahrscheinlich, daß Doktor Simon von Treviso in den Rechtswissenschaften bewandert war. Juristisches Fachpersonal mit guten Lateinkenntnissen war häufig fester Bestandteil einer spätmittelalterlichen Gesandtschaft[60] und in den Verhandlungen mit Papst Nikolaus V. um die Aufhebung des Banns hätte ein Experte für Kirchenrecht sicherlich weitergeholfen[61].

Die dritte klerikale Führungskraft der Romfahrer war Maister petter pharrer zw Krems[62]. Der Reisegemeinschaft wurde mit diesem Magister folglich ein weiterer Gelehrter an die Seite gestellt. Ob er über Spezialwissen (z.B. in der Jurisprudenz) verfügte, das bei den anstehenden Verhandlungen mit dem Pontifex nutzbar gemacht werden konnte, bleibt ungewiß. Zumindest eine Vermutung zum Motiv für seine Rekrutierung kann dagegen begründet vertreten werden. Als Pfarrer von Krems nahm er möglicherweise die Interessen der in der Bannbulle vom 4. April 1452 aufgeführten Städte wahr. Krems gehörte zu einer Gruppe von zwölf Städten, welche die zweite Ausfertigung der Mailberger Bündnisurkunde gesiegelt hatten[63], und kann folglich durchaus zu den österreichischen Aufrührern gezählt werden. Ein zusätzlicher Absagebrief an Friedrich III. vom 17. Dezember 1451 tat sicherlich sein Übriges, daß auch Krems in der Bulle Nikolaus’ V. mit dem Bann bedroht wurde[64].

Nähere Erkenntnisse zur Zusammensetzung seines persönlichen Anhangs von fünf Personen und sechs Pferden[65] lassen sich aus der Rechnungsanalyse nicht ableiten. Lediglich eine Eintragung im Rechnungsbuch weist mindestens eine Person seines Gefolges als Bediensteten aus[66].

Das Führungspersonal der Gesandtschaft umfaßte weiterhin zwei in der Einleitung genannte Männer, die keine kirchlichen Ämter innehatten. Einer von ihnen war her Niclas der drucksacz[67]. Es handelt sich bei diesem Adeligen[68] keineswegs um den Truchseß der Reisegemeinschaft, sondern um den Ritter Niklas von Truchseß. Als eine der Führungspersönlichkeiten der österreichischen Aufstandsbewegung gegen Friedrich III. wurde er zum Hubmeister[69] der ständischen Verweserregierung ernannt, die nach den Absagen an den damaligen römisch-deutschen König installiert wurde[70]. Er gehörte nach der Übergabe von Ladislaus an die verbündeten Belagerer Wiener Neustadts zu den einflußreichen Räten des Knaben[71] und wurde spätestens 1455 zu dessen Hofmarschall[72]. Niklas von Truchseß hatte – quasi als Siegler erster Stunde – bereits die frühe Fassung der Mailberger Bündnisurkunde an neunter Stelle unterzeichnet[73]. Zum Kern der Verschwörer gehörig, war er also eine Schlüsselfigur im Konflikt mit Friedrich III. und wird daher auch namentlich in der Bulle Nikolaus’ V. genannt[74]. Seine persönliche Betroffenheit machte ihn zum idealen Vertreter der Interessen aller in der Bannbulle Aufgeführten und somit von der Exkommunikation Bedrohten[75].

Angaben zu den diplomatischen Aufgaben des Niklas von Truchseß an der römischen Kurie können nur aus seiner Biographie abgeleitet werden und unterliegen damit bei aller Plausibilität zu einem gewissen Anteil der Spekulation. Im Gegensatz dazu läßt sich sein Fungieren als leitender Logistiker der Reisegemeinschaft anhand vieler Einträge des Rechnungsschreibers belegen. Er befehligte eine Mannschaft von sieben Gefolgsleuten und reiste mit insgesamt acht Pferden[76]. In der Reiserechnung finden sich neben unregelmäßigen und verstreuten Angaben zur Funktion einzelner Anhänger des drucksaczen auch einige ihrer Namen[77]: kolman[78] und hanns pretham posch[79]. Die Bediensteten sind immer dann namentlich in der Rechnung aufgeführt, wenn sie entweder als fuerreiter Geld erhielten[80] oder aber wenn man deren Pferde neu beschlagen ließ[81]. Zwei weitere Personen wurden der Gesandtschaft von Zeit zu Zeit vorausgeschickt. Für Jenco[82] und herrn micheln[83] kann die Zugehörigkeit zum Gefolge des Niklas von Truchseß nicht anhand von Hinweisen aus der Reiserechnung belegt werden[84]. Ausgewählte Personen der Reisegemeinschaft agierten also abwechselnd als eine Art Vorhut und erfüllten sämtliche Aufgaben, die dieses Vorausreiten mit sich brachte: Die Beschaffung von Lebensmitteln und Tierfutter sowie die Anmietung, Herrichtung respektive Reinigung von Unterkünften und Stallungen[85]. Auch Besorgungsfahrten gehörten zu den Tätigkeiten einiger Bediensteter[86]. Des Weiteren befand sich unter den Männern des Niklas von Truchseß ein Koch: maister hans[87], der die fuerreiter teilweise unterstützte[88]. Weitere Angaben zur Gefolgschaft des österreichischen Adeligen führt die Rechnungsquelle nicht. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß den Romfahrern eine wie auch immer beschaffene Schutztruppe zugeordnet war. Bewaffnete Bedienstete sind durch die Rechnungsanalyse nicht nachzuweisen. Rainer Scharf zufolge zog eine spätmittelalterliche Gesandtschaft in Anbetracht der unterwegs lauernden Gefahren jedoch nie ohne „Trabanten“ umher[89]. Als ausgewiesener Ritter könnte Niklas von Truchseß (mit Hilfe seines Gefolges) für den Schutz der Reisegruppe gesorgt haben.

Der abschließend im Prolog des Rechnungsbuches vorgestellte Reisende ist Marchart der Kersperger[90]. Die Anzahl an Gefolgsleuten (drei) und Pferden (drei) sind die einzigen in der Rechnung enthaltenen Informationen zu seiner Person[91]. Der Adlige Marquard Kersberger war bereits 1430 und 1434 Kämmerer am Hof des Herzogs von Österreich und amtierte 1438 commissio domini regis Albrechts II. bei einer Gerichtsverhandlung[92]. 1442-1445 trat er als Anwalt der Stadt Wien in Erscheinung und war somit in dieser Zeit Ratsmitglied[93]. Im Jahr 1454 fungierte Kersberger dann als Interessenvertreter Ladislaus’ in Verhandlungen mit Friedrich III.[94] Diese wenigen biographischen Hinweise lassen nur vage Schlüsse auf seine Funktion innerhalb der Reisegemeinschaft zu. Da Marquard Kersberger offensichtlich in Rechtsangelegenheiten bewandert war und Verhandlungserfahrung vorwies, könnte er als Konferenzbeistand eingesetzt worden sein. Ebenso möglich erscheint eine gezielte Interessenvertretung z.B. der vom Bann Nikolaus’ V. betroffenen Stadt Wien.

Im Itinerar wird außerdem (einmalig und separat) der schaffer aufgeführt – wahrscheinlich ein (untergeordneter)[95] Aufseher, der gewisse Organisations- und Verwaltungsaufgaben übernahm[96].

Zusammenfassend kann festgehalten werden, daß die Führungsriege der Gesandtschaft König Ladislaus’ wohl mit Bedacht ausgewählt wurde. Simon Heindl war als persönlich betroffener Propst von Klosterneuburg sicher ein geeigneter Interessenvertreter der in der Bannbulle aufgeführten geistlichen Personen und Institutionen. Niklas von Truchseß – namentlich gebannt – sollte vermutlich garantieren, daß auch die Exkommunizierten des weltlichen Standes gebührend repräsentiert werden. Mit Meister Peter aus Krems und Marquard Kersberger partizipierten an der Reise zwei weitere im weitesten Sinne konferenzfähige Personen, die eventuell auch Spezialinteressen (einzelner oder aller gebannter Städte) vertraten. Als gesamtverantwortlicher Gesandter hatte Simon Heindl sicher auch in den Verhandlungen mit Papst Nikolaus eine leitende Funktion. Unterstützung erfuhr der Propst von Klosterneuburg in den Audienzen beim Pontifex von einem ausgewiesenen Gelehrten: Simon von Treviso, dem doctor. Im Anhang der namentlich genannten Reiseteilnehmer werden sich weiterhin niedere Geistliche, (untergeordnetes) juristisches Fachpersonal, Hilfsgelehrte etc. befunden haben, die ihrerseits zum Erfolg der Verhandlungen beizutragen hatten.

Auch in reiselogistischer Hinsicht war die Reisegemeinschaft personell zweckmäßig aufgestellt. Ein Schaffner, mehrere Vorausreiter, ein Koch sowie weitere Dienstleute unterschiedlicher Profession sollten einen reibungslosen Reiseablauf ermöglichen. Niklas von Truchseß sticht als leitender Logistiker der Reisegruppe hervor. Ihm unterstand zumindest ein Teil der für die Versorgung der Gesandtschaft zuständigen Bediensteten.

Der frühe Zusammenschluß mit den Vertretern des Passauer Bischofs vergrößerte die Reisegemeinschaft und somit auch die Sicherheit auf der Fahrt nach Rom, einer Fahrt von ausgesprochen langer Dauer: xiii woch minns i tags[97].

 

II.

 

Rechnungen sind für die Rekonstruktion spätmittelalterlicher Ernährungsgewohnheiten von hohem Wert. Nicht umsonst werden Rechnungsbücher als „die wahrscheinlich alltagsbezogenste Quellengattung zum adeligen Nahrungswesen“ bezeichnet[98].

Der vorliegenden Reiserechnung kann hinsichtlich der Untersuchung des Nahrungskonsums der spätmittelalterlichen Gesandtschaft König Ladislaus’ ein besonders hoher Quellenwert zugesprochen werden. Die Analyse der regelmäßigen und meist äußerst ausführlichen Einträge der erworbenen Lebensmittel ermöglicht es, die Ernährungsgewohnheiten der Reisenden relativ genau nachzuzeichnen. Der vorwiegend detaillierten Verzeichnung der Ausgaben für Nahrungsmittel stehen allerdings die nahezu undifferenzierten Angaben zu den Verpflegungskosten eines Tages oder Mahles gegenüber. Die Aussagekraft der Reiserechnung ist daher in Teilbereichen durchaus begrenzt. So lassen sich etwa hinsichtlich der genauen Speisefolgen lediglich Vermutungen anstellen. Eine genaue Rekonstruktion von Menüs, wie sie sich in einigen Reisetagebüchern finden[99], ist nicht möglich. Des Weiteren können Vergleiche von Preisen unterschiedlicher Waren aufgrund der uneinheitlichen Verwendung von Maßen und Gewichten nicht angestellt werden[100]. Die größten methodischen Probleme bei der Analyse der Eßgewohnheiten der Wiener Reisegemeinschaft bereiten jedoch Einladungen, da fremdfinanzierte Mahlzeiten nicht in der Reiserechnung auftauchen. Und mit Gastmahlofferten[101] muß durchaus gerechnet werden, berichtet Simon Heindl doch in seiner komprimierten Reisebeschreibung, daß der Gesandtschaft durch des genadigisten herren K.L. willen gross Zucht vnd ere seyn erpotten [...][102].

Der prozentuale Anteil der finanziellen Aufwendungen für Nahrungsmittel liegt bei ca. 41,6% der gesamten Reisekosten und entspricht somit etwa 415 ungarischen Gulden. Die Ausgaben für Nahrungsmittel liegen damit 2,6 Prozentpunkte unter dem zweiten großen Ausgabenbereich: der Versorgung der Pferde. Mit etwa 44,2% oder ca. 441 ungarischen Gulden beanspruchten die Reit- und Lasttiere den größten Ausgabenanteil. Mit etwa 14,2% bzw. ca. 142 ung. fl. ist der Anteil der anderweitigen Ausgaben an den Gesamtkosten eher gering[103].

Die in der Reiserechnung für viele Reisetage vorgenommene Unterscheidung von Ausgaben für ein Früh- und ein Nachtmahl deuten darauf hin, daß die von König Ladislaus Gesandten die für das Spätmittelalter übliche Einnahme zweier Hauptmahlzeiten auf der Reise beibehielten[104]. Auch Zwischenmahlzeiten lassen sich entweder vermuten oder sind gar direkt aus verschiedenen Rechnungseinträgen zu belegen. So erscheint es wahrscheinlich, daß die Reisenden vor der frühmorgendlichen Abfahrt zumindest einen kleinen Imbiß zu sich nahmen, da die zurückgelegte Reisestrecke vor der ersten Rast von durchaus beträchtlicher Länge sein konnte[105]. Das Erreichen des ersten Etappenziels eines Reisetages ging meist einher mit der Einnahme des Frühmahls, wohlgemerkt des damaligen Mittagessens, zu dem man im Spätmittelalter gewöhnlich schon am (späten) Vormittag, zwischen 9.00 und 10.30 Uhr, zusammenkam[106]. Die Umstände auf einer Reise mögen jedoch des Öfteren zu Abweichungen von den üblichen spätmittelalterlichen Essenszeiten geführt haben. War die Zeit zwischen der ersten Rast respektive dem Frühmahl und dem Abendessen sehr lang, so wurde mitunter ein Zwischenstopp eingelegt. Diese wohl kürzeren Reisepausen nutzten die Gesandten oft für ain collaczn[107], also ein frugales Mahl, einen Imbiß[108]. Nur zwei derartige Rechnungseinträge lassen zusätzlich die Zusammensetzung des Zwischenmahles erkennen[109]. Es war nur eine Kleinigkeit, die man auch schon mal kurz vor dem Aufbruch einnahm: It. als wir reitten woltten ain collaczen[110]. Die „cena“[111] erfolgte nach Bezug des Nachtlagers und lag zeitlich folglich in den überwiegenden Fällen nach Einbruch der Dunkelheit[112]. Vereinzelt ist in der Reiserechnung eine weitere, den Tag abschließende Nahrungsaufnahme verzeichnet: das slaff trinken[113]. Nur in einem Fall sind die Bestandteile eines solchen Schlaftrunks expliziert: It. prott vnd wein den gesellen zw schlafftrinken [...][114]. Es gilt allerdings zu beachten, daß hier ein Mahl für Bedienstete verzeichnet wurde. Der „Schlummertrunk“ für die Herren könnte freilich außer Brot und Wein noch Obst, Käse etc. umfaßt haben.

Betrachtet man den Fleischkonsum der Reisenden, so fällt zunächst die Häufigkeit des Erwerbs dieser tierischen Nahrungsmittel auf. Wie für Teile der oberen Gesellschaftsschicht des Spätmittelalters nicht unüblich, verzehrten die Wiener Gesandten an fünf Tagen der Woche Fleisch[115]. So machen die Ausgaben für Fleisch mit ca. 27,9% (etwa 116 ungarische Gulden) einen bedeutenden Anteil an den Gesamtaufwendungen für Nahrung aus[116].

Der Anteil des Fleisches an der spätmittelalterlichen Ernährung war generell höher als im Früh- oder Hochmittelalter[117]. Gerade in den Städten, mit Einschränkung aber auch auf dem Lande, konsumierte man respektable Mengen an fleischhaltigen Speisen. Fleisch kann folglich neben Getreide als eines der spätmittelalterlichen Grundnahrungsmittel bezeichnet werden[118]. Der im Spätmittelalter zunehmende Konsum höherwertiger tierischer Nahrungsmittel läßt sich (unter anderem) durch die für diese Zeit feststellbare Veränderung der Boden-Mensch-Relation erklären[119]. Zu beachten sind aber die teils großen Quantitäts- und Qualitätsunterschiede hinsichtlich des Fleischverzehrs von Angehörigen verschiedener spätmittelalterlicher Gesellschaftsschichten. So konsumierten (einfache) Bauern in der Regel gekochtes und mit Kohlgemüse gemischtes minderwertiges Fleisch ihres eigenen Schlachtviehs[120].

Die untersuchte Reiserechnung läßt aber neben einer hohen Quantität auch eine hohe Qualität sowie eine auffallende Variationsbreite bzgl. des erworbenen Fleisches erkennen[121]. Geflügel – im Spätmittelalter eindeutig ein Herrenessen[122] – war das bevorzugte tierische Nahrungsmittel. Besonders häufig wurden junge huener (an 34 Tagen), Kapaune und Tauben[123] (an jeweils 13 Tagen) sowie alt hennen[124] (an elf Tagen) erworben. Auch Rebhühner, Wachteln und Enten standen auf dem Speiseplan. Bemerkenswert ist weiterhin das an 22 Tagen eingekaufte und somit relativ regelmäßig verzehrte Hammelfleisch. Schaf- und Lamm- bzw. Hammelfleisch war für die Ernährung des spätmittelalterlichen Mitteleuropas generell von geringerer Bedeutung[125]. Der Kauf von Rind- bzw. Kalbfleisch wurde an 21 bzw. 17 Tagen in der Rechnung verzeichnet. Letzteres kann ähnlich wie Geflügel zu den spätmittelalterlichen Luxusnahrungsmitteln gezählt werden[126]. Das im Spätmittelalter wegen seines meist hohen Fettgehalts sehr geschätzte Schweinefleisch[127] wird nur zu einem einzigen Mahl explizit aufgeführt[128]. Es ist jedoch möglich, daß Fleisch vom Schwein teilweise die Grundlage für das an 16 Tagen erworbene Krautfleisch war[129].

Die Häufigkeit des Erwerbs von Geflügel oder Kalbfleisch läßt darauf schließen, daß der Konsum dieser spätmittelalterlichen Delikatessen für die Gesandten König Ladislaus’ keine einem Festmahl vorbehaltene Ausnahme darstellte. Ein elementarer Bestandteil der Ernährung der untersuchten Reisegruppe waren folglich hochwertige Fleischprodukte, auf die nicht einmal während einer beschwerlichen Reise verzichtet wurde.

Die Untersuchung des Erwerbs von Fleischprodukten weist auf eine weitere Besonderheit hin. Der an vielen Tagen verzeichnete Kauf von tierischen Nahrungsmitteln ganz unterschiedlicher Art deutet an, daß die Mahlzeiten der Reisenden nicht selten in mehrere Gänge aufgegliedert waren. Oft sind drei oder vier verschiedene Fleischsorten zu einem Mahl aufgelistet, gelegentlich sogar noch um Fisch ergänzt[130]. Auch wenn nicht ausgeschlossen werden kann, daß verschiedene Produkte nur von einzelnen Mitreisenden genossen wurden, erscheint der gemeinsame Verzehr mehrerer Gänge plausibler. Das Konsumieren (vieler) unterschiedlicher, aufeinanderfolgender Speisen war im Spätmittelalter gerade in den oberen sozialen Schichten die Regel[131].

Der Fischkonsum der Reisenden konzentrierte sich auf Freitage und Samstage. Fisch fungierte somit vorwiegend, aber keineswegs ausschließlich als Surrogat für Fleisch an Fastentagen[132]. Insbesondere auf der Hinreise von Wien nach Rom wurde an manchen Tagen, an denen keine Fastengebote eingehalten werden mußten, sowohl Fleisch als auch Fisch erworben[133].

Die Kosten für Fisch erscheinen mit einem Anteil von insgesamt ca. 8,5% an den Gesamtaufwendungen für Nahrung (etwa 35 ungarische Gulden) auf den ersten Blick eher gering. Dabei muß jedoch bedacht werden, daß die Reisenden lediglich an zwei Tagen in der Woche (neben anderen in der Fastenzeit zulässigen Lebensmitteln) ausschließlich Fisch aßen. Aufgrund des für die vorliegende Quelle nicht möglichen Preisvergleichs können über das Verhältnis der Kosten für einzelne Fleisch- und Fischprodukte keine Aussagen gemacht werden[134].

Wie schon für den Bereich ‚Fleisch‘ dargelegt, kann auch hinsichtlich des Fischkonsums eine enorme Variationsvielfalt konstatiert werden. So werden in der analysierten Rechnung 23 verschiedene Termini für erworbene Fischsorten verzeichnet[135]. Rechnet der Schreiber der Gesandtschaft oft (an zwölf Tagen) undifferenziert visch ab, so wird er andererseits in vielen Teilabrechnungen seiner Kostenaufstellung konkreter. An elf Tagen kauften die Reisenden kreussen, wahrscheinlich Flußkrebse[136], deren Verzehr im Spätmittelalter durchaus üblich war[137]. Teure und wertvolle Forellen und Störe wurden ebenfalls relativ häufig konsumiert. Sie sind an fünf bzw. vier Tagen auf dem Speisezettel vermerkt. Andere Luxusfische wie Aal (an drei Tagen), Hecht (an zwei Tagen) oder Lachse/Salme (einmal) wurden seltener gekauft[138]. Häufig kam Frischfisch[139] auf den Tisch und solch gruener visch[140] lag preislich generell deutlich über konservierter Ware[141].

Der Konsum von Süßwasserfisch nahm mit Beginn des 14. Jahrhunderts zu[142], und auch Meerestiere wurden zu einer weit verbreiteten, von allen Gesellschaftsschichten verzehrten Speise[143]. Gerade der sehr häufige Verzehr von teurem Frischfisch der edleren Sorte bestätigt aber die schon bezüglich des Fleischkonsums nachgewiesene hochwertige und somit standesgemäße Ernährung (von Teilen) der Gesandtschaft.

Die Kombination von Brot und Wein war die Basis fast jedes Mahles der Gesandten[144]. Den Gepflogenheiten der gehobenen spätmittelalterlichen Ernährung entsprechend, fehlten Brot und Wein bei nahezu keinem auf der Reise eingenommenen Früh- oder Spätmahl[145]. Bis auf wenige Ausnahmen wird das erworbene Brot vom Rechnungsführer nicht weiter differenziert. Es läßt sich folglich nicht feststellen, ob die Reisenden in der Regel teures Weißbrot oder kostengünstigeres dunkles Brot verzehrt haben[146]. Unabhängig davon verifiziert die Analyse der Reiserechnung die These von der Getreidenahrung als einem der wichtigsten Kalorienlieferanten im Westeuropa des 14.-16. Jahrhunderts[147].

Ebenso bestätigt wird die Forschungsannahme von der Verstetigung des Weinkonsums im Spätmittelalter[148]. Der erworbene Wein wurde aber wahrscheinlich nicht ausschließlich getrunken, sondern vermutlich auch zum Kochen verwendet[149]. In der Regel werden keine näheren Angaben zur Art des gekauften Weins gemacht. Zu einzelnen Mahlzeiten finden sich jedoch neben dem Rechnungseintrag wein zusätzlich auch einzelne Spezialbezeichnungen. Außer Malvasier[150], einem kostbaren, süßen Importwein aus Griechenland[151], erwähnt der Rechnungsführer auch den Kauf anderer Spitzenkreszenzen, wie walisch wein[152], also oberitalienischen (welschen) Wein[153], Reinval (Raifell) und Traminer Wein (tromynner)[154] oder auch (weniger genau) süssen wein[155]. Des Weiteren erwarb die Gesandtschaft einmalig sog. Osterwein[156], eine spätmittelalterliche Spezialität aus Österreich[157], sowie wein fornacza vnd korss[158], also Weine aus dem heutigen Vernazza (nahe Genua) und aus Frankreich[159]. In der Auflistung der vielen verschiedenen Sorten zeigen sich sowohl der bewußte Konsum und die Wertschätzung spätmittelalterlicher Edelweine als auch eine ausdrückliche Unterscheidung von Alltags- und Festtagsgetränken resp. von Lebensmitteln für Bedienstete und Herren.

Brot und Wein, die beiden dominierenden Grundnahrungsmittel der Gesandten, machten mit zusammen ca. 46,7% (etwa 194 ungarischen Gulden) knapp die Hälfte der Gesamtkosten für Nahrungsmittel aus. Vor allem die hohen Ausgaben für Wein (ca. 35,8% der Gesamtkosten für Nahrung oder etwa 149 ungarische Gulden) sind auffällig. Allein diese enormen finanziellen Aufwendungen unterstreichen den hohen Standard der Ernährungsgewohnheiten der Gesandten, welcher sich bereits in der Untersuchung des Fleisch- und Fischkonsums herauskristallisierte[160].

Der regelmäßige Verzehr von Brot und Wein wurde ergänzt durch eine beeindruckende Vielfalt an erworbenen Nahrungsmitteln aus den Bereichen Obst, Gemüse, Milchprodukte etc.[161] Viele dieser Produkte wurden aber nur an wenigen Tagen erworben. Der Kauf dieser Nahrungsmittel war mitunter lediglich eine Reaktion auf das an der jeweiligen Reisestation bestehende Angebot[162]. Andere Artikel, deren Einkauf der Rechnungsschreiber zu zahlreichen Mahlen dokumentierte, gehörten wohl zu den Grundnahrungsmitteln der Reisenden.

Eier sind die am häufigsten aufgeführten ‚anderen Lebensmittel‘. Schon allein die Stetigkeit des Erwerbs dieses tierischen Nahrungsmittels markiert wiederum den hohen Standard der Eßgewohnheiten der Gesandten. Unterstrichen wird diese These vom Stellenwert der Ovula innerhalb eines Mahles. Sie wurden fast immer zusätzlich zu anderen tierischen Nahrungsmitteln erworben, fungierten somit als Beiessen oder bisweilen gar als Bindemittel für hochwertige Speisezubereitungen wie etwa Pasteten[163]. Während Eier für die untere Bevölkerungsschicht im spätmittelalterlichen Europa mitunter den Hauptbestandteil einer Mahlzeit darstellten konnten, waren sie für ein Herrenessen oft nur Ergänzung[164].

Obst, eine in allen Bevölkerungskreisen des Spätmittelalters geschätzte Nahrungsergänzung[165], wurde von den Abgesandten ebenfalls regelmäßig erworben. Generell wurden Früchte im Mittelalter in großer Variationsbreite konsumiert[166]. Dennoch bestätigen sowohl Quantität als auch Qualität des verzehrten Obstes die gehobenen Ernährungsansprüche der Wiener Gesandtschaft. Birnen, Pfirsiche, Äpfel, Weichselkirschen, Melonen und Kirschen wurden regelmäßig genossen; Schlehenfrucht, Feigen, Erdbeeren, Marillen und Pomeranzen seltener bzw. einmalig gekauft[167]. An 26 Tagen, also auffallend häufig, verzehrten die Gesandten Rosinen (weinper). Diese teuren Trockenfrüchte aus Nordafrika oder Spanien fungierten insbesondere in Kombination mit den ebenfalls meist importierten und somit kostbaren Mandeln (von den Reisenden an zehn Tagen erworben) als ein für das Spätmittelalter typisches, prestigeträchtiges Fastenessen der gehobenen Art[168]. Die Häufigkeit des Erwerbs von teuren Rosinen und edlen Mandeln läßt darauf schließen, daß die von Teilen der historischen Forschung postulierte These von der Steigerung der Kosten für Nahrungsmittel in Fastenzeiten[169] auch für die Gesandten König Ladislaus’ zutraf. Aufgrund der dargelegten Preisvergleichsproblematik bleibt diese Vermutung allerdings unbelegt.

Das die Ernährung der Gesandtschaft dominierende Gemüse ist das sog. Kraut in verschiedenen Variationen. Der Rechnungsschreiber verzeichnet einerseits undifferenziert den Erwerb von chraut oder kraut. An anderen Stellen wird er präziser und schreibt von weis krautt oder von gruens kraut. Als spätmittelalterliches Massennahrungsmittel war dieses Kohlgemüse[170] gerade für die Ernährung der Bauern von großer Bedeutung[171]. Die ebenfalls häufig verzeichneten Zwiebeln und Petersilie dienten wohl neben Salz und Essig sowie den nicht näher bezeichneten Gewürzen und dem Honig zur Verfeinerung der Speisen[172]. Die Ausgaben für die nicht näher erläuterten Gewürze sind bis auf eine Ausnahme[173] lediglich am Ende der Gesamtrechnung aufgeführt. Die Kosten für die Würzmittel betrugen insgesamt acht ungarische Gulden, vier Schilling und elf Pfennige[174].

Während Milch in Rohform für die Ernährung der Reisenden keine Rolle spielte[175], wurde Käse (erworben an 38 Tagen) sehr oft konsumiert. Hierbei ist wie schon bzgl. der Eier zu beachten, daß die Gesandten Käse stets als Beiessen verzehrten. Er wurde immer zusätzlich zu anderen tierischen Nahrungsmitteln erworben. Gemäß den diätetischen Grundprinzipien des Spätmittelalters, markierte sein Verzehr vermutlich meist das Ende eines Mahles[176]. Schmalz (an 23 Tagen erworben) war aufgrund seiner guten Haltbarkeit als Reisekost ideal geeignet und wurde wahrscheinlich deswegen der Butter (an drei Tagen erworben) vorgezogen[177]. Der vereinzelte oder auch mehrmalige Erwerb anderer qualitativ hochwertiger und/oder kostbarer Nahrungsmittel unterstreicht nachdrücklich den hohen Ernährungsstandard der Gesandtschaft. Reis[178] (an elf Tagen erworben), Olivenöl[179] (an mindestens acht Tagen erworben)[180] und das zweimal erworbene Konfekt[181] sind diesbezüglich hervorzuheben.

Die Rekonstruktion des Nahrungskonsums der Gesandten bestätigt die von der historischen Forschung längst herausgearbeitete Relativierung des unzutreffenden Pauschalurteils von der eintönigen und gleichförmigen spätmittelalterlichen Ernährung (der Oberschicht)[182]. Aus heutiger ernährungswissenschaftlicher Sicht kann man die Eßgewohnheiten der Wiener Abgesandten sogar durchaus als ausgewogen bezeichnen. Tierische Proteine sowie essentielle Amino- und Fettsäuren (Fleisch, Omega-3-Fettsäuren aus verzehrten Fischen), Ballaststoffe (Obst, Gemüse und Getreide), Vitamine bzw. sekundäre Pflanzenstoffe (Obst, Gemüse) und Mineralstoffe (Obst, Gemüse und Wein) wurden zur Genüge aufgenommen[183].

Zusammenfassend könnte man den Nahrungskonsum der Gesandtschaft König Ladislaus’ wohl in die Kategorie ‚gehobener Standard‘ einordnen.

 

III.

 

Diese „alltägliche[ ] Herrenspeise“[184] wurde jedoch an manchen Tagen noch überboten.

Die Gesandten trafen auf ihrer Reise nachweislich diverse lokale resp. regionale Würdenträger[185]. Nach einer Begrüßung mit wirdiklichem enphahen[186] sei man auch während eines längeren Aufenthalts in den Genuß so mancher Ehrerweisungen gekommen. So schreibt Propst Simon Heindl, daß die Gesandtschaft von verschiedenen jeweils ortsansässigen Autoritäten besucht und beschenkt wurde[187]. Vermutlich kam man an vielen Orten zum Dinieren zusammen: „Gemeinsames Essen und Trinken zählte [im Spätmittelalter] zu den wichtigsten Ritualen der Soziabilität.“[188] Häufig weist auch eine in der Reiserechnung ausgewiesene Bezahlung von Musikern auf Zusammenkünfte zu gemeinsamen Mahlen und/oder Festlichkeiten hin[189]. Vielleicht wurde das Führungspersonal der Gesandtschaft mitunter zu Gastmählern eingeladen oder richtete in der jeweils bezogenen Herberge gar selbst solche Gemeinschaftsessen aus. Weder die komprimierte Reisebeschreibung des Propstes noch die Kostenrechnung geben darüber Aufschluß. Sicher ist indes: Zu vielen Reisestationen, an denen die Gesandtschaft mit verschiedenen Persönlichkeiten zusammentraf, verzeichnet der Rechnungsschreiber den Erwerb extrem hochwertiger, kostbarer und somit prestigeträchtiger Nahrungsmittel.

So kaufte man in Salzburg, dem Ort der Zusammenkunft mit dem Erzbischof, am 29. und am 30. Juli lungelpratten[190] und ruckpratten[191], also Braten aus dem Lenden-[192] bzw. Rückenstück[193] eines Tieres, eine spätmittelalterliche Herrenspeise[194]. In Verona und Bologna traf man auf Vertreter der Städte. Für Propst Simon Heindl und seine Mitreisenden standen dort edle Rebhühner und Wachteln auf dem Speiseplan[195]. Zur Abrundung der Mahlzeiten wurde gar sehr teures Konfekt erworben[196]. Eine weitere Auffälligkeit stellt der häufige Erwerb von Wildbret im Rahmen des längeren Aufenthalts in Rom dar. Das an sechs verschiedenen Tagen in der Rechnung aufgeführte hirssens wilpratt oder sweines wilpratt[197] war im 14. und 15. Jahrhundert selbst in adeligen Kreisen eine äußerst selten verzehrte Delikatesse[198]. Eine mögliche Erklärung für diesen auffallend regelmäßigen Erwerb/Verzehr von Wild in Rom ergibt sich aus den vielen Empfängen von lokalen Prälaten respektive deren Hofleuten. Eine solche wesuchung an dy herwerig[199] wurde sicherlich bisweilen von einem Gemeinschaftsmahl eingeleitet und/oder abgeschlossen. Da die Wiener Gesandten besucht wurden, hatten sie wohl auch für das Essen zu sorgen und ließen anscheinend u.a. die Adelsspeise Wildbret auftafeln[200]. Auch die nur an bestimmten Orten erworbenen teuren Edelweine deuten auf einen ostentativen Verzehr von Luxuslebensmitteln hin[201]. So kaufte man auffälligerweise gerade in Salzburg, Verona, Bologna und Florenz jeweils geringe Mengen an Malvasier ein[202].

Für keine Reisestation kann allerdings nachgewiesen werden, daß die Gesandtschaft König Ladislaus’ tatsächlich gemeinsam mit lokalen oder regionalen Würdenträgern dinierte, oder die empfangenen Persönlichkeiten gar zu einem Mahl einlud. Dennoch ist die augenfällige Steigerung der Aufwendungen für Konsumgüter an bestimmten Orten letztlich ein deutlicher Hinweis auf einen demonstrativen Nahrungskonsum der Wiener Reisegemeinschaft. Die Gesandten um Propst Simon Heindl zogen im Namen eines Königs nach Rom und dementsprechend tafelten sie gerade in Gesellschaft anderer Großer nahezu königlich, war doch die selbst konsumierte bzw. einem Gast angebotene Nahrung im Spätmittelalter ein äußerst wichtiger Indikator für die gesellschaftliche Stellung.

Die Gesandtschaft setzte sich aus Personen verschiedener sozialer Gruppen zusammen und daher differierte innerhalb der Reisegemeinschaft anscheinend auch der Nahrungskonsum. Explizit zeigt sich diese „Binnendifferenzierung“ an einzelnen Einträgen des Rechnungsschreibers.

So nahmen herren und geselln beispielsweise am 27. Juli eine Zwischenmahlzeit an verschiedenen Orten ein. Weiterhin auffällig ist der große preisliche Unterschied dieser beiden frugalen Mahle. Während das collaczn der Herren – am 27. Juli wohl etwa 5-7 Personen[203] – 85 Pfennige kostete, investierte man für einen Imbiß der ca. 23-25 Bediensteten am selben Tag lediglich 33 Pfennige[204]. Ein Einzelfall war diese Differenzierung nicht: In vielen Teilabrechnungen werden die Zwischenmahlzeiten entweder dem gesandtschaftlichen Führungspersonal oder den Gesellen zugeordnet[205]. Auch das häufig erworbene Krautfleisch könnte auf eine unterschiedliche Verköstigung von Herren und Bediensteten hinweisen. Zu keinem Mahl wird ausschließlich chrautfleisch eingekauft. Entweder die Herren verzehrten neben den fast immer erworbenen hochwertigen Fleischprodukten auch die eher minderwertigen oder es erfolgte eine Aufteilung der Nahrungsmittel: Besseres Fleisch konsumierten die Herren, Massenware die Gesellen. Letzteres erscheint wahrscheinlich, da die Kombination aus gekochtem Schweinefleisch und Kohlgemüse im Spätmittelalter eher die bäuerliche/einfachere Küche bestimmte[206]. Ebenso verhielt es sich mit dem an 30 Tagen erworbenen chraut[207]. Der relativ regelmäßige Konsum des Kohlgemüses kann als weiterer Hinweis auf mögliche Differenzierungen bei der Verköstigung von gesandten Herren auf der einen und mitreisenden Bediensteten auf der anderen Seite gedeutet werden. Es scheint möglich, daß dieses eher minderwertige Nahrungsmittel zumindest in erster Linie für das gesandtschaftliche Dienstpersonal eingekauft wurde[208]. Auch die häufig erworbenen, aber eher gering geachteten Flußkrebse[209] wurden vielleicht von den herren eher verschmäht. Die Rechnung beinhaltet weitere Indizien für eine bewußte Unterscheidung von Herren- und Bedienstetennahrung. Zum Frühmahl in Padua am Samstag, den 6. Oktober, veranschlagte der Schreiber für frucht auf der herrn tisch iv mark[210]. Der Eintrag impliziert zum einen, daß zu dieser Mahlzeit wohl ausschließlich die Herren Früchte genossen. Zum anderen grenzte sich das Führungspersonal der Gesandtschaft auch (für jedermann) sichtbar von ihren Bediensteten ab: Man dinierte an einem separaten Tisch. Am 29. September erwarb die Gesandtschaft kes zw kesprue den gesellen[211], und zwar ausschließlich. Die Herausstellung der Käsebrühe als Nahrung für die Bediensteten weist darauf hin, daß die Herren Käse in dieser Zubereitungsform eben nicht zu sich nahmen, sondern an diesem Tag wohl einer Einladung gefolgt waren. Als abschließende Belege für eine Differenzierung des Nahrungskonsums innerhalb der Reisegruppe seien Auffälligkeiten bzgl. des Wein- und Gewürzverbrauchs dargestellt. Eigens aufgeführte Spitzenweine wie Malvasier, Rainfal oder Traminer Wein wurden stets in sehr geringen Mengen[212] und zusätzlich zum unspezifizierten Wein erworben. Sie wurden folglich mit großer Wahrscheinlichkeit nur von den Herren (und deren Gästen) getrunken[213]. Auch im Umgang mit Gewürzen deuten sich unterschiedliche Eßgewohnheiten von herren und geselln an. Der explizit dem Propst zugewiesene Verbrauch dieser Würzmittel[214] läßt erahnen, daß keineswegs alle Mitreisenden in den Genuß dieser Luxuskonsumgüter kamen.

Eine generelle Differenzierung von Herren- und Bedienstetenkost ist aus der untersuchten Rechnungsquelle nicht abzuleiten. Es konnte indes gezeigt werden, daß sich die Führungspersönlichkeiten der Gesandtschaft des Königs zumindest partiell durch einen qualitativ herausragenden Nahrungskonsum von ihrem Gefolge absonderten. Der Verzehr hochwertiger und exklusiver Lebensmittel war also durchaus ein Mittel zur Distinktion. Auch für die Wiener Reisegruppe galt folglich: „Die Sozialhierarchie fand eben ihren Ausdruck im ‚raffinement de la table‘“[215].


IV. Anhang

 

IV.1. Tab. 1: Reiseroute der Gesandtschaft[216]

 

Datum

Abfahrtsort

Ankunfts- bzw. Aufenthaltsort

Verpflegung am Ankunfts- bzw. Aufenthaltsort

Frühmahl

Nachtmahl und Übernachtung

21.07.1453

Wien

Anzbach

 

x

22.07.1453

Anzbach

St. Pölten

x

 

St. Pölten

Melk

 

x

23.07.1453

Melk

Neumarkt a.d. Ybbs

x

 

Neumarkt a.d. Ybbs

Amstetten

 

x

24.07.1453

Amstetten

Enns

x

 

Enns

Ebelsberg

 

x

25.07.1453

Ebelsberg

x

x

26.07.1453

Ebelsberg

Wels

x

 

Wels

Lambach

 

x

27.07.1453

Lambach

Vöcklabruck

x

 

Vöcklabruck

Straßwalchen

 

x

28.07.1453

Straßwalchen

Salzburg

x

x

29.07.1453

Salzburg

x

x

30.07.1453

Salzburg

x

 

Salzburg

Bad Reichenhall

 

x

31.07.1453

-

Bad Reichenhall

x

 

Bad Reichenhall

Lofer

 

x

01.08.1453

Lofer

St. Johann
(in Tirol)

x

 

St. Johann
(in Tirol)

Wörgl

 

x

02.08.1453

Wörgl

Schwaz

 

x

03.08.1453

Schwaz

Hall (in Tirol)

 

x

04.08.1453

Hall (in Tirol)

x

 

Hall (in Tirol)

Mantrei
(am Brenner)

 

x

05.08.1453

Mantrei
(am Brenner)

x

 

Mantrei
(am Brenner)

Sterzing

 

x

06.08.1453

Sterzing

Brixen

x

 

Brixen

Klausen

 

x

07.08.1453

Klausen

Bozen

x

x

08.08.1453

Bozen

St. Michael

x

x

09.08.1453

St. Michael

Trient

x

 

Trient

Rovereto

 

x

 

 

 

 

 

10.08.1453

Rovereto

Borghetto

x

 

Borghetto

Volgarne

 

x

11.08.1453

Volgarne

Verona

x

x

12.08.1453

Verona

x

 

Verona

Ostiglia

 

x

13.08.1453

Ostiglia

Mirandula

x

 

Mirandula

San Giovanni
(in Persiceto)

 

x

14.08.1453

S. Giovanni
(in Persiceto)

Bologna

x

x

15.08.1453

Bologna

x

 

Bologna

Pianoro

 

x

16.08.1453

Pianoro

Loiano

x

 

Loiano

Firenzola

 

x

17.08.1453

Firenzola

Ponzalla (ponte)

x

 

Ponzalla (ponte)

Florenz

 

x

18.08.1453

Florenz

x

x

19.08.1453

Florenz

Incisa
(Val d’Arno)

x

 

Incisa
(Val d’Arno)

Montevarchi

 

x

20.08.1453

Montevarchi

Arezzo

x

 

Arezzo

Castiglion Fiorentino

 

x

21.08.1453

Castiglion Fiorentino

Passignano
(sul Trasimeno)

x

 

Passignano
(sul Transimeno)

Perugia

 

x

22.08.1453

Perugia

x

x

23.08.1453

Perugia

Deruta

x

 

Deruta

Todi

 

x

24.08.1453

Todi

Narni

x

x

25.08.1453

Narni

Borghetto

x

 

Borghetto

Rigano Flaminio

 

x

26.08.1453

Rigano Flaminio

Castelnuovo di Porto

x

 

Castelnuovo di Porto

Rom

 

x

27.08.1453 – 24.09.1453

Rom

x

x

24.09.1453

Rom

Castelnuovo di Porto

x

 

24.09.1453

Castelnuovo di Porto

Rigano Flaminio

 

x

25.09.1453

Rigano Flaminio

Otricoli

x

 

Otricoli

San Gemini

 

x

26.09.1453

San Gemini

Todi

x

 

26.09.1453

Todi

monte wiano[217]

 

x

27.09.1453

monte wiano

Castiglione (Logo di Trasimino)

x

 

Castiglione (Logo di Trasimino)

Cortona

 

x

28.09.1453

Cortona

Arezzo

x

 

Arezzo

Montevarchi

 

x

29.09.1453

Montevarchi

Incisa
(Val d’Arno)

x

 

Incisa
(Val d’Arno)

Florenz

 

x

30.09.1453

Florenz

x

 

Florenz

Scarperia

 

x

01.10.1453

Scarperia

Firenzola

x

 

Firenzola

Loiano

 

x

02.10.1453

Loiano

Bologna

x

x

03.10.1453

Bologna

x

 

Bologna

San Prospero (sand prosper)

 

x

04.10.1453

San Prospero (sand prosper)

Francolino

x

 

Francolino

arqua[218] / La Salvadega (casa salvadiga)

 

x

05.10.1453

arqua [219] / La Salvadega (casa salvadiga)

Anguillara

x

 

Anguillara

Padua

 

x

06.10.1453

Padua

x

 

Padua

Treviso

 

x

07.10.1453

Treviso

x

 

Treviso

Conegliano

 

x

08.10.1453

Conegliano

Sacile

x

 

Sacile

Spilimbergo

 

x

09.10.1453

Spilimbergo

x

 

Spilimbergo

Peuscheldorf

 

x

10.10.1453

Peuscheldorf

klausen
Im ganall
[220]

x

 

klausen Im ganall

Malborghetto

 

x

11.10.1453

Malborghetto

törlein[221]

x

 

törlein

Villach

 

x

12.10.1453

Villach

Feldkirchen

x

 

Feldkirchen

St. Veit

 

x

13.10.1453

St. Veit

x

 

St. Veit

Friesach

 

x

14.10.1453

Friesach

Scheifling

x

 

Scheifling

Judenburg

 

x

15.10.1453

Judenburg

Knittelfeld

x

 

Knittelfeld

Loeben

 

x

16.10.1453

Loeben

Kapfenberg

x

 

Kapfenberg

Krieglach

 

x

17.10.1453

Krieglach

x

 

Krieglach

Neunkirchen

 

x

18.10.1453

Neunkirchen

Baden

x

x

19.10.1453

Baden

Wien

-

-

 


IV.2. Tab. 2: Quantitative Aufstellung des verzeichneten Erwerbs bestimmter Nahrungsmittel[222]

 

 

Nahrungsmittel

 

Häufigkeit des verzeichneten

Erwerbs (in Tagen)

 

Fleisch

 

49

Junge Hühner (junge huener)

34

Hammelfleisch (castrawn[es])

22

Rindfleisch (rindfleisch)

21

Kalbfleisch (kalbfleisch)

17

Krautfleisch (chrautfleisch)

16

Kapaune (capawn)

13

Tauben (tauben)

13

Alte Hennen (alt hennen)

11

Lammfleisch (lembres fleisch)

5

Speck (speck)

5

Geräuchertes Fleisch/Schinken (pacheis fleisch)

3

Wildbret vom Wildschwein (sweines wilprat)

3

Wildbret vom Hirsch (hirsseins wilprat)

3

Rebhühner (rephuener)

3

Wachteln (wachtln)

3

Kochfleisch/gekochtes Fleisch (siedfleisch, gesotten fleisch)

3

Lendenbraten (lungelpratten)

2

Rückenbraten (ruckpratten)

2

Wildbret vom Gamswild (gemsseins wildprat)

2

Schinken (hamen)

2

Fleisch (undifferenziert) (fleisch)

2

Rinderbraten (rindren pratten)

1

Gedörrtes Fleisch (dursfleisch)

1

Gemischtes Fleisch (?) (halbfleisch)

1

Schweinefleisch (sweines)

1

Enten (entten)

1

 

Fisch

 

32

Fisch (undifferenziert) (visch)

12

Flusskrebse (kreussen)

11

Forelle (vorhen)

5

Stör (stürn)

4

Kleine Fische (chlain visch)

4

Bachfisch (pachvisch)

2

eschling (?)

2

Frischer/ungeräucherter Hecht (gruener hecht)

2

Hecht (hecht)

2

Frischer/ungeräucherter Aal (gruen alen)

2

Weißer Fisch (weisser visch)

2

Barben (?) (parmben)

1

junge, kleine Fische (sängel)

1

Salme (salmling)

1

Bratfisch (prattvisch)

1

Schleie (slein)

1

gedörrter Fisch (dür fisch)

1

Karpfen (kerphen)

1

Frische Karpfen (gruen kerphen)

1

Frische Schleie (gruen slein)

1

Thunfisch (tunina)

1

Frischfisch (undifferenziert) (gruener visch)

1

Aal (alln)

1

Gesottener Fisch (gesottn visch)

1

 

Anderes

 

an allen Tagen

Brot & Wein (prott vnd wein)

an allen Tagen

Eier (ayr)

39

Käse (kes, kas)

38

Salz (salcz)

37

Kraut (chraut)

30

Rosinen (weinper)

26

Schmalz (smalcz)

23

Essig (essich)

21

Zwiebeln (zwifall)

19

Birnen (pirn)

17

Pfirsiche (phersich, pherser)

17

Äpfel (ophel)

13

Reis (reis)

11

Öl (oll)

11

Mandeln (mandl)

10

Olivenöl (pamöll)

8

Weichselkirsche (weixel)

8

Petersilie (petersill)

8

Milch (milich)

6

Melone (milaun)

6

Frucht (undifferenziert) (frucht)

6

Milchrahm (milichram)

5

Grünes Kraut (gruens kraut)

5

Kirschen (kerssen)

5

Mehl (mel)

4

Weißes Kraut (weis krautt)

4

Butter (reinanken)

3

Semmelmehl (semlmel)

3

Senf (sempf)

3

Nüsse (nuss)

3

Erbsen (zisern)

3

Kürbis (kurbis)

3

Schlehenfrucht (kriehen)

3

Honig (honig)

2

Konfekt (confekt)

2

Brei (?) (prein)

2

Frische Feigen (gruen feigen)

2

Rüben (rueben)

2

Hafermehl (habermell)

1

Haselnüsse (haselnüs)

1

Gewürze (gewurcz)

1

Erdbeeren (erper)

1

Marillen (Marillen)

1

Pomeranzen (Pomiranczen)

1

Salat (undifferenziert) (salat)

1

 


IV.3.1. Grafik 1: Prozentuale Anteile verschiedener Kostenbereiche an den finanziellen Gesamtaufwendungen für die Gesandtschaftsreise[223]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IV.3.2. Grafik 2: Prozentuale Anteile der Aufwendungen für verschiedene Nahrungsmittel an den Gesamtkosten für Lebensmittel[224]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


V. Quellen- und Literaturverzeichnis

 

V.1. Quellenverzeichnis

 

Böhmer, Johann Friedrich: Regesta Imperii XII. Albrecht II. 1438-1439. Bearbeitet von Günther Hödl. Wien u.a. 1975 (im Internet unter www.regesta-imperii.de).

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Herold, Paul/Holzner-Tobisch, Kornelia (Bearb.): Regesten Kaiser Friedrich III. (1440-1493). Nach Archiven und Bibliotheken geordnet. H 13: Die Urkunden und Briefe des Österreichischen Staatsarchivs in Wien, Abt. Haus-, Hof- und Staatsarchiv: Allgemeine Urkundenreihe, Familienurkunde und Abschriften-sammlung (1447-1457). Wien u.A. 2001 (im Internet unter www.regesta-imperii.de).

Zeibig, Hartmann (Hrsg.): Zur Geschichte der Gesandtschaft des Königs Ladislaus P. nach Rom im Jahre 1453. In: Notizenblatt. Beilage zum Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen. Hrsg. v. der historischen Commision der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. Wien 1853, S. 337-440.

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V.2. Literaturverzeichnis

 

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Chmel, Joseph: Habsburgische Exkurse IV. Wien 1852.

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Denecke, Dietrich: Straßen, Reiserouten und Routenbücher (Itinerare) im späten Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. In: von Ertzdorff, Xenja/Neukirch, Dieter (Hrsg.): Reisen und Reiseliteratur im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit (Chloe. Beihefte zum Daphnis 13). Amsterdam/Atlanta 1992, S. 227-253.

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Dirlmeier, Ulf: Die Kosten des Aufgebots der Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber im Schweizerkrieg von 1499. In: Kirchgässner, Bernd/Scholz, Günter (Hrsg.): Stadt und Krieg. 25. Arbeitstagung in Böblingen 1986 (Stadt in der Geschichte 15). Sigmaringen 1989, S. 27-39.

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Dirlmeier, Ulf/Fouquet, Gerhard: Ernährung und Konsumgewohnheiten im spätmittelalterlichen Deutschland. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 44 (1993), S. 504-526.

Dirlmeier, Ulf: Art. Ernährung. In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 3. Stuttgart/Weimar 1999, Sp. 2161-2169.

Dopsch, Heinz: Die Grafen von Cilli – ein Forschungsproblem? In: Südostdeutsches Archiv 17/18 (1974/1975), S. 9-49.

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Fouquet, Gerhard: Adel und Zahl – es sy umb klein oder groß. Bemerkungen zu einem Forschungsgebiet vornehmlich im Reich des Spätmittelalters. In: Von Seggern, Harm/Fouquet, Gerhard (Hrsg.): Adel und Zahl. Studien zum adligen Rechnen und Haushalten in Spätmittelalter und früher Neuzeit (Pforzheimer Gespräche zur Sozial-, Wirtschafts- und Stadtgeschichte 1). Ubstadt-Weiher 2000, S. 3-24.

Fouquet, Gerhard: Von Apfelmus bis Zuckerfladen – das Kochbuch des Augsburgers Ulrich Schwarz und die Speisegewohnheiten im Spätmittelalter. In: Fouquet, Gerhard (Hrsg.): Goldene Speisen in den Maien – das Kochbuch des Augsburger Zunftbürgermeisters Ulrich Schwarz. St. Katharinen 2000, S. 150-175.

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thomas lang*

Das Ernestinische Wittenberg: Stadt und Universität 1486-1547.
Zu einem laufenden Forschungsvorhaben

 

Interdisziplinäres Forschungsvorhaben an der Stiftung LEUCOREA
unter Beteiligung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der
Technischen Universität Berlin und der Universität Leipzig
Projektleitung Univ. Prof. Dr. Heiner Lück

 

 

[…] das elend arm, kotticht stätlyn Wittenberg, gegen Prag kaum ein statt dryer heller wertt, ja nit wert, das sie söl in teütschem landt ein statt genannt werden, welche vor zwantzig jaren gelerten und ungelerten unbekant was, ein ungesunt, unlieblich erd, on wyngarte, on baumgarten, on fruchtbar baum, ein bierische kamer, rauch, frosthalb, on freid, ganz kotticht, waz ist doch Wittenberg, wenn das schloß, stifft und schul nit weren[225].

 

Angesichts dieser polemischen Beschreibung des Reformationsgegners Johannes Cochläeus aus dem Jahr 1524 kann man sich fragen, ob eine gesonderte Erforschung Wittenbergs und der dortigen Residenz überhaupt sinnvoll und somit eine Vorstellung des Projektes in diesem Heft der Residenzen-Kommission überhaupt gerechtfertigt erscheint. Zu provinziell erschien Luthers Zeitgenossen die Stadt, zu unbedeutend Bürger und Handel. Der Ort war tatsächlich nicht zu vergleichen mit der Reichsstadt Nürnberg, mit Residenzstädten wie Prag unter Karl IV. oder den burgundischen Residenzen Kaiser Maximilians. Der Ruhm Wittenbergs indes, der laut Blaschke das „Landstädtchen zur Weltgeltung“[226] erhob, scheint auf das engste mit dem reformatorischen und reformerischen Wirken Martin Luthers und Philipp Melanchthons verbunden. Die in den 1530er Jahren erfolgten Reformen und der Ruhm des Reformators machten Wittenbergs Hohe Schule bis in die 1580er Jahre hinein zur besucherstärksten Universität des Reiches und sorgten damit erst für die Bedeutung, die Wittenberg heute gemeinhin zuerkannt wird. Die rasanten Entwicklungen dieser Zeit prägen das Stadtbild bis heute.

Offensichtlich beschäftigte schon Luthers Zeitgenossen die Frage: Ist die Beschäftigung mit einer solchen Stadt, die ohne die Größen der Reformation gänzlich gewöhnlich geblieben wäre, tatsächlich sinnvoll?

 


Forschungsbedarf und Forschungslücke

 

Das Reformationsjubiläum mag ein Anlaß für neue Forschungsvorhaben sein, allerdings muß man dabei die zahlreichen und zum Teil seit über hundert Jahren bestehenden Projekte beachten, die sich mit der Erforschung der Reformation beschäftigen. Diese Forschungsansätze haben eines fast nie getan – sie haben äußerst selten als Ausgangspunkt der neuen Bewegung die Stadt Wittenberg in ihrem kirchlichen, wirtschaftlichen, sozialen und herrschaftlichen Kontext insgesamt in den Blick genommen. Das Wirkungsumfeld Luthers schien immer nur dann interessant, wenn Luther als treibende Kraft abwesend war („Wittenberger Bewegung“[227]) oder andere bedeutende Persönlichkeiten der Reformation in den Blick gerieten wie Melanchthon[228], Spalatin[229] oder Cranach[230]. Mit den Luthergedenkstätten, dem Evangelischen Predigerseminar, der Cranachforschung, der Universität Halle-Wittenberg, dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und vielen anderen größeren und kleineren Initiativen der Evangelischen Kirche, des Landes Sachsen-Anhalt und der ‚Luther-Städte‘, die zum Teil die Erforschung der Reformation befördern, zum Teil aber auch das Lutherjahr touristisch zu vermarkten suchen, existieren zahlreiche Institutionen, die Wittenberg in den Blick nehmen[231]. Allein der bisherige Zugang ist – von den Bestrebungen des Landesdenkmalamtes einmal abgesehen[232] – oft theologisch motiviert und auf die eine oder andere Weise auf Luther und Melanchthon, deren Wirken und die Reformation beschränkt[233]. Betrachtet man jedoch die Erforschung des Wirkungsumfeldes von Luther und Melanchthon, also die Stadt, stößt man sowohl im Wissensstand als auch in der Erschließung der Quellen schnell auf Lücken. Die aktuellste und umfangreichste Stadtgeschichte wurde durch den 2010 verstorbenen Helmar Junghans 1979 verfaßt. Sie wurde 1996 erweitert und erneut herausgegeben, eine verbesserte Neuauflage war bereits geplant[234]. Die diesem Werk zu Grunde liegenden Titel waren jedoch schon zum Zeitpunkt der Erstauflage erstaunlich alt[235]. Zugleich mußte Junghans mit eigenen Forschungen erhebliche Quellenlücken schließen, so sucht man bis heute ein Urkundenbuch der Stadt vergebens, auch eine Edition der ältesten Quellen wie bspw. der Stadtbücher war bis vor kurzem nicht geplant[236]. Selbst aktuellere Publikationen müssen mit dieser Editionslage arbeiten und können den Erkenntnisstand nur in Spezialbereichen erweitern[237]. So verwundert es nicht, daß einzelne Aspekte der Wirtschafts- und Sozialgeschichte auf Grundlage intensiver Quellenarbeit immer wieder aufgegriffen wurden, jedoch nie eine moderne Stadtgeschichte ersetzen konnten[238]. Selbst der Aufsatzband von 1995 im Nachgang des 700jährigen Jubiläums Wittenbergs, der Artikel mit aktuellerem Forschungsstand zu verschiedenen Themenbereichen bietet, tut dies ausdrücklich ohne eine geschlossene Stadtgeschichte anzustreben[239]. Erstaunlich ertragreich erscheint hingegen die Bauforschung in Wittenberg. Das Denkmalsinventar aus dem Jahr 1979 bietet bis heute eine der besten Einführungen in die Literatur und die Quellenlage vieler Wittenberger Institutionen[240]. Zudem erschließt es zahlreiche Quellenbestände, ohne diese selbstredend vollends ausschöpfen zu können. Damit nicht genug, aktuelle bauhistorische Einzeluntersuchungen[241] und archäologische Grabungen fördern stetig neue Erkenntnisse zu Tage[242]. Es sei hier auf das unerwartete Auffinden des Grabes Herzog Rudolfs II. († 1370) in den Resten der Franziskanerkirche verwiesen, dessen Gebeine eigentlich seit dem 19. Jh. in der Schloßkirche ruhen sollten[243].

Dies ist nur ein Indiz für ein grundsätzliches Problem. Selbst in Belangen, die mit städtischen Schriftquellen leicht zu überprüfen wären, bewegt man sich nicht auf sicherem Terrain. Bereits die Fragen nach einer vollständigen, modernen Ratsliste, den Bewohnern des Marktviertels oder auch nach dem ausführenden Baumeister am Rathaus können bisher nicht mit zufriedenstellender Sicherheit beantwortet werden. Dies gibt zu denken, da in Wittenberg offensichtlich die umfangreiche, touristische Vermarktung oft in starkem Gegensatz zur Zuverlässigkeit diesbezüglicher, sicher geglaubter Annahmen steht[244].

Bei der bisherigen Konzentration auf die Reformation und das Wirken Luthers sollten die kirchlichen Belange in der Stadt Wittenberg gut erforscht sein. Dies trifft tatsächlich für die Zeit ab dem Auftreten Luthers zu, nicht jedoch für die Zeit vor 1517[245]. Von zahlreichen, die Quellen erschließenden, aber niemals vollständigen Überblickswerken abgesehen[246], haben sich die Forschungen zur Zeit vor 1517 auf den Orden Martin Luthers, die Augustiner-Eremiten[247], und – als Gegenfolie zu Luthers Ablaßkritik – das Allerheiligenstift in der Schloßkirche[248] mit der Reliquiensammlung[249] Friedrichs des Weisen konzentriert. Zudem sind wir durch Studien des Franziskanerordens über das Kloster vor allem zur Zeit der Reformation informiert[250]. Vieles können auch hier Bauforschung und Archäologie beisteuern (siehe oben). Jedoch sind diese Darstellungen alles andere als vollständig. So erfahren wir nur wenig über die für den Kurfürsten offensichtlich bedeutenden Antoniterpräzeptoren in Lichtenburg, die immerhin zu Kanzlern der Universität wurden, und nur etwas mehr über deren Terminei in Wittenberg[251].Fast nichts wissen wir über die Alltagsreligiosität auf dem Land um Wittenberg und nur wenig mehr vom geistlich-sozialen Leben vor der Reformation in der Stadt, von der Pfarrkirche, den bürgerlichen Stiftungen und den Gebetsbruderschaften. So existieren abweichende Angaben über die Zahl der Altäre an St. Marien, ist die Gründungszeit der an die Pfarre gebundenen Wittenberger Schule deutlich früher anzusetzen als bisher angenommen, und wäre selbst zum Hospitalwesen trotz aktueller Publikationen noch viel zu sagen[252]. Selbst das vergleichsweise gut erforschte Allerheiligenstift mit der Reliquiensammlung läßt noch viele Fragen offen. Bei der Einschätzung der Bedeutung der Reliquienweisung und deren Annahme durch die Bevölkerung trifft man hier nur auf zufällige Momentaufnahmen und weniger auf eine breite Wissensbasis[253].

Wie steht es nun um die Erforschung der Leucorea, auf der die Bedeutung Wittenbergs im 16. und noch im 17. Jahrhundert beruhte? Die aktuellste, zusammenfassende Abhandlung zu dieser Institution entstand im Jahr 1917 und kann als Einzelleistung keine moderne Universitätsgeschichte bieten[254]. Die Beschäftigung mit der Universität vor 1900 stand im Licht der Humanismusforschung und der Auseinandersetzung zwischen der Leipziger (gegr. 1409) und der Wittenberger Lehranstalt[255]. Die Editionslage der Überlieferung zur Universität Wittenberg ist zwar besser als jene für die Stadt, trotzdem genügen die zentralen Werke kaum modernen Anforderungen[256]. Ähnlich der Erforschung der Stadt hat auch die Wittenberger Universität vom 500jährigen Jubiläum 2002 profitiert[257]. Eine moderne Universitätsgeschichte steht nach wie vor aus und wird gerade, was ihre Anbindung an die Stadt und die Residenz angeht, auf erhebliche Probleme mit der Editionslage der Quellen stoßen. So konnte vor kurzer Zeit Uwe Schirmer den frühesten Beleg zur Bezahlung der Lehrkräfte an der Universität aus der fürstlichen Kasse im Rahmen seiner Arbeit zu den landesherrlichen Finanzen beisteuern[258]. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man sich mit einer Liste aus dem Jahr 1507 begnügen oder unsichere Ableitungen aus der Matrikel treffen müssen. Es ist bezeichnend für die Forschungslage, wenn der genaue Ort in Wittenberg, wo bis 1519 jene für die wettinischen Landesherren so bedeutenden Juristen ausgebildet wurden, bisher unbekannt ist.

Wir können also feststellen, daß sowohl die Editionslage als auch die Erforschung von Stadt, Universität und Kirche noch erhebliche Lücken aufweisen, es somit noch umfangreicher Grundlagenarbeit bedarf.

Es verbleibt die Frage nach der Residenz in Wittenberg und ihrer Erforschung. Diese wurde von verschiedenen Seiten angeschnitten, doch stand der Ort als solcher lediglich bei bau- und kunsthistorischen Forschungen im engeren Fokus[259].

Durch die Verbindung mit der Reformation fand die Persönlichkeit Friedrichs des Weisen (1486-1525) – als ‚Förderer‘ oder zumindest ‚Dulder‘ Luthers – schon länger das Interesse der Reformationsforschung. Seit den Arbeiten von Ingetraut Ludolphy[260] und den weniger rezipierten Beiträgen von Stephan Bernd[261] gilt dieser Fürst als gut erforscht. Zudem haben sich zahlreiche ältere Werke streitbar mit Kurfürst Friedrich, seiner Haltung zu Luther, zur Reformation und zum Humanismus auseinandergesetzt[262]. Während dessen Bruder und Nachfolger Kurfürst Johann der Beständige (1525-1532) bislang einer modernen Erforschung entbehrt[263], ist die Literaturlage zu Johann Friedrich dem Großmütigen (1532-1547/1554) seit dem Jahr 2003 stetig besser geworden[264]. In diesen Abhandlungen finden sich einige Anmerkungen zu den Lieblingsresidenzen der Fürsten und ihrer Repräsentationsstrategie. Doch besteht gerade bei Kurfürst Johann noch viel grundsätzlicher Forschungsbedarf, sei es zu seiner Haltung zur Wittenberger Residenz oder zu seiner Kirchenpolitik[265]. Es ist auffällig, daß selbst die biografischen Werke zu Kurfürst Friedrich III. um spezifische Aussagen zur Residenznutzung einen Bogen machen[266]. Die Hofhaltungen und Schlösser werden aufgezählt, aber selten gewichtet[267]. Jüngere Studien weisen vor allem auf eine hohe Mobilität des Hofes und der Fürsten[268] hin und bestätigen damit u.a. die Aussagen von Spalatin über die Mobilität von Friedrich dem Weisen[269].

Von einer anderen Richtung nähert sich die aktuelle Residenzenforschung Wittenberg an. Seit einiger Zeit wird erneut der Zusammenhang zwischen der Konkurrenz der Höfe und der Entwicklung des höfischen Humanismus[270] sowie der künstlerischen Ausgestaltung von Residenzen[271] diskutiert. Dabei stieß man bereits auf zahlreiche Verbindungen und Wechselwirkungen zwischen den mitteldeutschen Dynastengeschlechtern und deren Residenzen. Leider sind unlängst angestrebte Projekte, die diese Beziehungen und das Verhältnis von Stadt und Residenz in den Blick nahmen[272], nicht über die Anlaufzeit hinaus finanziert worden, so daß auch in dieser Hinsicht nach wie vor Forschungsbedarf besteht.

Daher fassen Handbuchartikel zur Wittenberger Residenz nur die zentralen Entwicklungsschritte von der Burg (1174) über das Schloß (1489) zur Kaserne (1813) zusammen, und handeln ansonsten die Bauabfolge und Ausstattung des Schloßneubaus unter Friedrich dem Weisen ab[273].

Diese Prägung des Wissens zu Wittenberg liegt auch darin begründet, daß die Forschung zur Residenz vor allem von der Kunst- und Baugeschichte getragen wurde[274], welche den Neubau des Wittenberger Schlosses ab 1489 näher beleuchtete und in den Kontext der mitteldeutschen Baugeschichte einordnete[275]. Allerdings wurde nur in geringem Umfang auf den Aspekt der faktischen Nutzung[276], den repräsentativen Zweck oder die symbolische Bedeutung des ‚Gehäuses der Macht‘ eingegangen[277]. Als bisher zentraler Bezugspunkt galt dazu die Werbeschrift des Andreas Meinhard für Wittenberg[278], obwohl diese Schrift deutlich den Charakter eines humanistischen Städtelobes trägt und eine Vermischung von realen und gewünschten Zuständen wahrscheinlich ist. So wurden auch für die Frage nach der Bau- und Kunstgeschichte bisher immer wieder ältere Quellenzusammenstellungen herangezogen[279] – jüngere Quellenarbeiten blieben – von den eben genannten abgesehen – die Ausnahme. So verwundert es kaum, daß neben der Nutzungsgeschichte auch in der Baugeschichte nach wie vor Lücken und Irrtümer existieren. Vor allem fehlen quellenbasierte Nachrichten über die bauliche Gestalt der askanischen Burg- und Schloßanlage, obwohl u.a. die Wirtschaftsgebäude bis zur Errichtung des neuen ernestinischen Vorschlosses (ab 1515) weiter genutzt wurden[280]. Auch von den Erforschern der Baugeschichte des ernestinischen Schlosses ist bisher nur ein Bruchteil der Quelleninformationen beachtet worden[281]. Dies fällt besonders bei der Frage nach der Ausstattung des Schlosses ins Auge[282]. Über einige Bauphasen wissen wir bisher nur, daß sie existiert haben, so ist z.B. über den Umbau und die Nutzung des Schlosses unter dem Albertiner Kurfürst August (1553-1586) fast nichts bekannt.

Diese bau- und kunsthistorische Forschungsprägung sorgte auch dafür, daß das praktische Verhältnis zu den anderen ernestinischen Residenzen wie Weimar, Torgau, Coburg, Lochau (heute Annaburg), Altenburg, Colditz, Osterstein (bei Zwickau) und Schweinitz etc. bisher unterbelichtet blieb. Gab es eine besondere, wie auch immer geartete Ausformung der Wittenberger Residenz? Wie wurde die Residenz im Verhältnis zu den anderen wettinischen Schlössern genutzt? Nahm die Elbestadt eine besondere Rolle in der Konkurrenz zwischen albertinischer und ernestinischer Linie der Wettiner ein[283]? Solche Fragen können auch für die Reformationsgeschichte eine gewisse Bedeutung haben. So kann man, ohne sie beantwortet zu haben, ebenso wenig bestätigen wie widerlegen, daß Friedrich der Weise bei der Promotion Luthers im Dezember 1512 anwesend war[284]! Es fehlt für die Zeit des „Ernestinischen Wittenberg“ ein Fürstenitinerar, das die Bedeutung Wittenberger und anderer Residenzen beleuchten könnte[285]. Hier bemerkt man zudem das Fehlen von solch verdienstvollen Korrespondenzeditionen für die Ernestiner wie diese für verschiedene Albertiner bereits vorhanden oder im Entstehen begriffen sind[286].

Mit der Residenzfunktion hängt ebenfalls zusammen, wie sich die Herrschaftsausübung in Wittenberg gestaltete oder welche festen Institutionen dort ansässig wurden. Auf Grundlage von älteren Studien[287] hat die Erforschung der Herrschaftseliten unter den Wettinern zwar begonnen[288], jedoch sind auch hier weitere Detailstudien nötig, die den regionalen Adel und die städtischen Größen einbinden[289]. Die Entwicklung vom Zentrum des Kurlandes zur Residenz der ernestinischen Lande bleibt daher noch im Dunkeln. So kann man bisher nicht mit Sicherheit sagen, wann und wie oft die Kanzlei oder die Räte tatsächlich in Wittenberg saßen oder der Hof sein Hauptlager in Wittenberg aufschlug.

Der kirchliche Aspekt der Residenz ist einer der wenigen, der als gut erforscht gelten kann[290]. Die Frömmigkeit Friedrichs des Weisen und dessen Eingriff in die Struktur des Allerheiligenstifts scheinen hier zentral. Nach dem institutionellen und wirtschaftlichen Ausbau der Schloßkirche von 1508[291] besaß diese „Stellen für Domherren, Vikare, und Chorschüler in so reicher Zahl, daß mit einem Male Wittenberg dem albertinisch gewordenen Meißen ebenbürtig gegenüberstand“[292]. Der allmählichen Verschiebung der Stiftungsschwerpunkte von Torgau nach Wittenberg folgte im Testament Friedrichs von 1517 der Schlußpunkt: die Verlegung seiner Grablege von der Torgauer Pfarrkirche in die Wittenberger Schloßkirche[293]. Offensichtlich entstand durch die Verbindung des Allerheiligenstiftes in der Schloßkirche und der Universität ein geistig-geistliches Zentrum in Konkurrenz zum Meißener Dom und zur Leipziger Universität.

Diese Verbindung zwischen Universität und Residenz ist, obwohl jüngst erneut als wichtiger Aspekt angesprochen, noch nicht im vollen Umfang erfaßt worden[294]. So geht nicht nur die Nutzung der Schloßkirche und der Schloßbibliothek für die Universität damit einher[295], das Schloß wurde für die Unterbringung und vermutlich auch für Privatstunden von adeligen Studenten verwendet[296]. Haben wir es in Wittenberg mit einer von den Wettinern geförderten „Adelsziehschule“ zu tun? Erklärt sich vielleicht auch dadurch ein Teil der Wirkung der reformatorischen Entwicklungen in Wittenberg?

Wir halten fest: Zwar hat man sich verschiedenen Seiten der ‚Residenzstadt‘ Wittenberg angenähert, jedoch sind weder die Prägung der Residenz noch ihr Status als solche sicher.

 

Quellen und Möglichkeiten

 

Die Quellenlage ist für eine Stadt des mitteldeutschen Raums einmalig. Offensichtlich hat das Wissen um die Bedeutung Wittenbergs dazu geführt, daß zahlreiche Bestände, die in anderen Städten kassiert worden wären, für Wittenberg erhalten geblieben sind. Dies beginnt bei der städtischen Überlieferung, die im Ratsarchiv der Städtischen Sammlungen im alten Wittenberger Schloß lagert[297]. Wie die jüngste Entdeckung des Leiters der Sammlungen Andreas Wurda und von Heiner Lück zeigt, kann man dort auch bisher unbekannte und für die Reformationsgeschichte bedeutende Quellen finden[298]. Das älteste Stadtbuch[299], das 1332 einsetzt, ist für die Region ebenso einmalig wie die dichte Überlieferung von Kämmereirechnungen (Beginn 1410)[300] und Schoßbüchern. Gerichtsbücher, die auch über soziale und familiäre Beziehungen umfangreiche Aussagen ermöglichen, sind ebenfalls erhalten geblieben. Weiterhin bietet das Pfarrarchiv von St. Marien eine bisher unterschätzte Überlieferung und birgt sicher noch einige Überraschungen[301]. So sind hiermit erstmals nicht nur quellenbasierte, umfassende Aussagen bezüglich der zu erwartenden einzigen städtischen Pfarrkirche sondern auch Aussagen zu den Klöstern und zum sozialen Leben in der Stadt möglich[302].

Für die Universität sind neben dem Universitätsarchiv Halle-Wittenberg, das bisher unterschätzte Quellenbestände zur Versorgung und personellen Gestalt der Universität bietet[303], weitere Bestände in der herrschaftlichen Überlieferung der Ernestiner und Albertiner in Weimar, Magdeburg und Dresden heranzuziehen. Dort finden sich unter anderem die Rechnungen zum Bau der Collegien, zum Kauf von Büchern, verstreute Angaben für einmalige Stipendien und zu Zahlungen an die Professoren, ganz zu schweigen von zahlreichen Akten zu Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Universitätsangehörigen (siehe unten)[304].

Noch umfangreicher als die städtische und universitäre Überlieferung erweist sich diejenige der wettinischen Landesherren. Die meisten, das Ernestinische Wittenberg betreffenden Akten sind mit den Landesherren nach 1547 ins Thüringische ‚emigriert‘ und heute als „Ernestinisches Gesamtarchiv“ im Hauptstaatsarchiv in Weimar zu finden[305]. Neben diesem zentralen Archiv sind das Hauptstaatsarchiv Magdeburg (u.a. Inventare und Amtserbbücher), das Sächsische Hauptstaatsarchiv Dresden (u.a. „Wittenberger Archiv“) und weitere Zweigarchive für kleinere Bestände zu aufzusuchen, so z.B. auch das Staatsarchiv Werningerode. Nun werden im Projekt zahlreiche seriell erstellte Quellen umfassend ausgewertet. Reisebücher, Lagerbücher, Schatullenrechnungen und vor allem die im Amt Wittenberg entstandenen Rechnungen der Amtsverwaltung bieten zahlreiche Informationen, die bisher nur sporadisch für die Erforschung der Stadt und Residenz, umfangreicher jedoch für die Vorgänge der Wittenberger Bewegung und Reformation herangezogen wurden[306].

 

Neues im Projekt „Ernestinisches Wittenberg: Stadt und Universität 1486–1547“

 

All diese Fragen, die Forschungslücken und die exzellente Quellenlage waren der Kunsthistorikerin Dr. Insa Christiane Hennen (Wittenberg) bestens bekannt, als sie 2006 versuchte, eine Gruppe von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen für ein größeres Forschungsprojekt zu Gunsten von Wittenberg zu gewinnen.

Mit Unterstützung der Stiftung LEUCOREA (gegr. 1994) fand sich eine Forschergruppe um Prof. Dr. Heiner Lück (Halle a.d. Saale) zusammen, die einen Forschungsantrag bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig einreichte. Das Projekt wurde im Jahr 2008 von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften auf Grund externer Gutachten für förderungswürdig befunden, erreichte aber auf Grund des zur Verfügung stehenden Haushaltsvolumens nicht die Akademieförderung. Das Land Sachsen-Anhalt und die LEUCOREA sprangen als Finanziers ein und stellten von März 2009 an für drei Jahre eine Anschubfinanzierung zur Verfügung.

 

Was bietet diese Projekt nun Neues im Vergleich mit den bisherigen Bestrebungen?

 

1. Es konzentriert sich nicht auf die Größen der Reformation, sondern auf das Neben-, Mit- und Gegeneinander von Stadt, Kirche, Universität und Residenz, die als jeweils eigene soziale Einheiten mit eigenen Rechten, Verhaltensnormen und Symbolen zu verstehen sind. Dabei werden die Reformation und ihre Akteure als Ereignis in den Kontext der entsprechenden historischen Entwicklungen gestellt. Das soziale Geflecht der Stadt, die wirtschaftlichen Vernetzungen und herrschaftlichen Einflüsse stehen ebenso im Fokus wie die mit dem Ausbau von Universität, Residenz und kirchlichen Einrichtungen entstehenden Reibungsflächen und Konflikte.

 

2. Nicht nur die reformatorische Idee, sondern auch der Ausgangsort der Reformation als solcher soll im Mittelpunkt des Interesses stehen. So wird im Kontakt mit den etablierten Institutionen (Städtische Sammlungen etc.) vor Ort und den aktuellen Projekten der Archäologie, Bau- und Regionalgeschichte zusammengearbeitet und so ein steter Ergebnisaustausch angestrebt. Die Stiftung LEUCOREA als Dach des Projektes wird so wieder Träger universitärer Forschung in Wittenberg. Dadurch haben auch weitere mit dem Projekt assoziierte Forschungsvorhaben, die sich nur am Rande mit Wittenberg auseinandersetzen können, einen zentralen Ansprechpartner.

 

3. Hier arbeiten aufgrund des beschriebenen Ansatzes verschiedene Disziplinen und Forschungsrichtungen zusammen – interne Kommunikation und Multidisziplinarität der Projektmitarbeiter bilden jenseits von jeglicher Floskelhaftigkeit das Rückgrat des Projektes. Regelmäßiger Erfahrungsaustausch und ergebnisorientierte gemeinsame Forschung verschiedener Disziplinen an einem Objekt sind selbstverständlich. Daher fanden neben der Universitätsgeschichte, Stadt- und Kirchengeschichte auch und gerade die an Sachquellen orientierten Bereiche der Kunstgeschichte, der Bauforschung und der Archäologie Eingang in das Projekt. Die Rechts- und Verfassungsgeschichte sowie die Landesgeschichte sollen zugleich bindende Elemente dieser Konzeption sein, um Wittenberg im Kontext betrachten zu können. Bei der Auswahl der beteiligten Fachbereiche und Mitarbeiter waren daher weniger die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Institution als vielmehr die Erfordernisse des Forschungsvorhabens entscheidend.

 

Für das Projekt wissenschaftlich verantwortlich sind Professoren aus drei Universitäten in drei Bundesländern. Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg stellt den Juristen und Rechtshistoriker Prof. Dr. Heiner Lück[307], den Mittelalter- und Neuzeitarchäologen Prof. Dr. Hans-Georg Stephan[308] und den Kunsthistoriker Prof. Dr. Leonhard Helten[309]. Für die technische Universität Berlin sind die historische Bauforscherin Prof. Dr. Ing. Dorothée Sack[310] und für die Universität Leipzig der Landeshistoriker Prof. Dr. Enno Bünz[311] im Projekt vertreten.

Dr. Insa Christiane Hennen (Wittenberg) als Initiatorin bearbeitet einen zentralen Anker für die anderen Projektbereiche. Der Kern ihrer Arbeit ist es, die städtische Überlieferung (Kämmereirechnungen, Schoßbücher, Verträge etc.) zusammenzuführen, und aus den dort gewonnenen Informationen ein zuverlässiges Häuserbuch zu schaffen. Auf dieser Grundlage sollen dann zentrale Fragen der Sozial- und Wirtschaftstopographie beantwortet werden können.

Dr. Elgin von Gaisberg (Berlin) befaßt sich mit den Plänen und bildlichen Darstellungen der Stadt und Festung Wittenberg. Unter ihrer Ägide werden diese historischen Dokumente mit dem aktuellen und historischen Baubestand vergleichend übereingebracht und somit die Grundlage für das Häuserbuch und kartographische Darstellungen gelegt. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt bei aktuell anstehenden Gebäudeaufnahmen, wie sie u.a. für die Stadtkirche und das Schloß geplant sind und an anderen, teilweise vom Abriß bedrohten Objekten bereits durchgeführt wurden.

Dipl. Ing. Antonia Brauchle M. Sc. (Berlin) ist mit der Erstellung eines Kellerkatasters befaßt, in dem flächendeckend die unterirdischen Baustrukturen der Stadt aufgenommen werden. Diese Strukturen sind nicht selten älter als der aufgehende Bestand an Gebäuden, unterscheiden sich oft in Bauform, Lage und Funktion von diesen und machen damit Aussagen zu den einzelnen Baulichkeiten und der Gebäudenutzung wie zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt früherer Zeiten möglich.

Von Dr. Ralf Altmann-Kluttig (Halle a.d. Saale) werden die in den Depots lagernden archäologischen Funde und Befundbeschreibungen, die Wittenberg betreffen, nach Zeitschichten und Herkunftsparzellen sortiert und ausgewertet. Dadurch wird ein Zugang zur Alltagskultur und ihrer Veränderung in Wittenberg eröffnet, zugleich können so Funde und Bauten – im Abgleich mit dem entstehenden Häuserbuch – historischen Persönlichkeiten zugewiesen werden, so daß deren alltägliches Leben anschaulich und greifbar wird.

Dr. Ulrike Ludwig (Leipzig/Wittenberg) konzentriert sich auf Grundlage der schriftlichen universitären und herrschaftlichen Überlieferung auf den Ausbau der Universität und die daraus entstehenden Verflechtungen und Streitigkeiten zwischen Universitätsangehörigen und Bürgern. Hierbei liegt der Fokus nicht nur auf den reinen Universitätsbauten, sondern auch auf der Verdichtung der Stadtstruktur durch Hinterhof- und Lückenbebauung sowie anderweitigen Ausbauten, die notwendig wurden, um die zahlreichen Studenten unterzubringen.

Antje J. Gornig M.A. (Leipzig) befaßt sich anhand von schriftlichen Quellen aus städtischer, herrschaftlicher und kirchlicher Überlieferung mit der Gestalt des geistlichen Lebens in der Stadt. Neben dem Franziskanerkloster und dem Kloster der Augustinereremiten umfaßte dies auch diverse Termineien anderer Orden sowie die Stadtpfarrkirche St. Marien mit den dazu gehörigen Altären, Stiftungen und Bruderschaften. Das Allerheiligenstift in der Schloßkirche, die städtische Festkultur sowie die vorreformatorische Schul- und Hospitallandschaft bilden, ohne daß diese Bereiche ganz von der Kirche zu trennen wären, Überschneidungspunkte, die zusammen mit anderen Projektbereichen in den Blick genommen werden.

Dr. des. Anke Neugebauer (Halle a.d. Saale) befaßt sich schwerpunktmäßig mit den kunst- und bauhistorischen Aspekten des Ausbaus von Wittenberg unter Friedrich dem Weisen. Der Neubau des Residenzschlosses mit der prunkvoll ausgestatteten Schloßkirche ist hier nur der Ausgangspunkt. Es folgten nicht nur Universitäts- und Amtsgebäude, die z.T. von denselben Handwerkern im Auftrag des Kurfürsten errichtet wurden, sondern ein von Bürgern und Universitätsangehörigen getragener Modernisierungsschub. Das Vorbild der fürstlichen Bauten wirkte sich auch auf rein städtisch-bürgerliche Gebäude wie auf den Neubau des Rathauses (ab 1523) aus. Das Schloß, das Allerheiligenstift und die hohe Schule bzw. Universität sparte Cochläus ausdrücklich in seiner Polemik aus: „wenn das schloß, stifft und schul nit weren“. Somit sah selbst der Kritiker in der Residenz und den ihr folgenden Bauten im Auftrag des Kurfürsten die Ursache für die rasante Entwicklung in der Stadt.

Neben diesem Einfluß des Schlosses auf die Stadt sollen die überregionalen Vorbilder und Nachahmer des Wittenberger Baus untersucht werden. Die dynastischen Verbindungen und die Konkurrenz zwischen den im mitteldeutschen Raum agierenden Mächten spielen hier eine genau so große Rolle wie die Kenntnisse und Fertigkeiten der angeworbenen Hofhandwerker. Hier steht allerdings manche kritische Prüfung noch aus. Ein Baumeister meister Cunz oder Conradt Baumeister ist kaum eindeutig zuzuordnen, jedoch sind deren Aufenthalte in Wittenberg und andernorts in den wettinischen Landen oft wochengenau nachzuweisen. Weitere Poliere, Steinmetze, Tischler, Maler, Orgelbauer und andere Kunsthandwerker lassen sich mit den von ihnen gefertigten Werken und zeitgenössischen Raumbezeichnungen in den Quellen finden. Ihre Herkunft und ihr Weg lassen sich oft nachvollziehen und somit die Verbindungen zwischen den Schloßbauten und Bauhütten deutlich hervortreten. Derartige Ableitungen sind auf Grund der günstigen Quellenlage Wittenbergs bis hin zu den Steinmetzzeichen möglich und erlauben so eine Übertragung auf den existierenden Baubestand. Einzelne Bauhandwerker treten dabei gegenüber den oft nur mit der Bauverwaltung befaßten und zwischen verschiedenen Großprojekten reisenden Baumeistern hervor und sind im Gegensatz zu letztgenannten ständig mit umfangreichem Aufgabenbereich am Bau in Wittenberg tätig.

Die militärische Zentrumsfunktion Wittenbergs wird, was die Ausbauten der Befestigung (1489, 1509, 1520 etc.) und des Zeughauses angeht, im Projekt von Anke Neugebauer in den Blick genommen. Zusätzlich muß hier die gezielte Ansiedlung von Waffenhandwerkern in Wittenberg und die Belieferung bzw. der Verkauf von Waffen an die Stadt und das Umland Beachtung finden.

Thomas Lang M.A. (Leipzig) befaßt sich mit der oben angesprochenen Frage nach der Nutzung und Ausprägung der Residenz. So kann ein vorerst für Wittenberg angefertigtes Aufenthaltsregister der Fürsten und ihrer hochadeligen Gäste zusammengestellt werden, das durch Kalender und Personenregister zu erschließen ist. Dem Beispiel von Brigitte Streich und zahlreichen Anregungen folgend wurden hierzu Lager-, Reise- und Küchenbücher sowie die Amts-, Rentamts- und Schatullenrechnungen herangezogen. Anhand dieser Quellen kann man bisher für die Zeit bis 1515 die Aufenthalte der Fürsten in der Elbestadt fast lückenlos erfassen und so die Entwicklung des Residenzortes nachvollziehen. Die Repräsentation und symbolische Inszenierung der Fürsten im Rahmen von Turnieren, geistlichen Festen oder höfischen Empfängen für adelige Gäste können jenseits aller panegyrischen Schilderungen von Hofhumanisten dadurch erfaßt werden, weil die anfallenden Kosten irgendwann fällig wurden und abzurechnen waren. So kann man anhand der Quellen z.B. aussagen, daß Friedrich der Weise über 70% seines Etats für die Hofhaltung verwendete[312].

Hier stellt sich zugleich die Frage nach der Versorgung und der Organisation dieser Festlichkeiten. War Wittenberg tatsächlich ein unlieblich erd, on wyngarte, on baumgarten? Hier gilt es, die Ausbauten der Amtswirtschaft in Wittenberg ebenso zu beachteten, wie jene erstaunliche Organisations- und Transferleistung, die eine Stadt mit 3000 Einwohnern befähigte bis zu 500 Gäste mehrere Tage oder Wochen zu beherbergen. In diesem Zusammenhang sind auch die Zuwanderung von spezialisierten Handwerkern für Luxusgüter und der Ausbau der Gastwirtschaft zu erwarten.

Um den Fokus nicht nur auf die Fürsten, sondern auch auf die – für die Reformation nicht unbedeutenden – Räte, Künstler und Hofangehörigen (wie z.B. Spalatin) zu richten, muß auch deren Anwesenheit im Schloß und – wo möglich – deren Tätigkeit in Stadt und Residenz nachvollzogen werden. In dieser Hinsicht gilt es, auch die Einrichtung bzw. Verstetigung von zentralen Institutionen in Wittenberg wie dem Hofgericht (Umbau ab 1502), dem Spruchkollegium der Juristenfakultät (ab 1502), dem Schöffenstuhl (ab 1529), dem Kurarchiv (1533) und dem Konsistorium zu untersuchen. Es sollte jedoch immer nach deren Stetigkeit und Außenwirkung gefragt und zwischen Wittenberg als Zentrum des Kurkreises und als Zentrum des Ernestinischen Landes unterschieden werden.

Viele Fragen zu Wittenberg als Stadt, Universitätsort, Kirchengemeinde und als Residenz können, so ist die Hoffnung der Projektteilnehmer, nicht nur erstmals zuverlässig beantwortet werden, sondern sie werden zum ersten Mal überhaupt gestellt.

 

Ein Beispiel – die Elbbrücke

 

Es bietet sich an, das Dilemma der Erforschung Wittenbergs und die Möglichkeiten der Herangehensweise durch das Projekt an einem Beispiel durchzuexerzieren. Für die Bedeutung Wittenbergs als Handels- und als Residenzstadt ist die Anbindung an die umliegenden Regionen von zentraler Bedeutung. Dazu zählt natürlich auch die Frage, ob die Elbe zu jeder Zeit durch die wettinischen Landesherren zu überqueren war oder ob ein Hochwasser schon einmal Wittenberg und große Teile des Kurkreises von den südlich gelegenen wettinischen Territorien abtrennen konnte.

Friedrich der Weise gilt den Nachschlagewerken hier als Wegbereiter. Wer sonst außer dem ‚Reformationsförderer‘ sollte den Brückenschlag über die Elbe verwirklicht haben[313]? Dies meinte man aus chronikalischen Überlieferungen, Turmknaufschriften und nicht zuletzt aus selektiven Angaben bei Robert Bruck schließen zu können[314]. Letzterer meinte, bei der Errichtung der Brücke ab 1487 sogar Steinmetze nachweisen zu können[315]. Recherchen in den Amtsrechnungen ergaben, was bereits Manfred Straube vermutete[316], daß die Brücke bereits 1449-1451 erbaut[317] und von Friedrich dem Weisen lediglich nach der Zerstörung durch ein Hochwasser 1488 repariert wurde[318]. Anhand der entsprechenden Rechnungen können nicht nur die Kosten der Ersterrichtung (470-500 ß gr) und der Reparatur (160 ß gr), sondern auch bis ins Detail einzelne Bauvorgänge und das Zusammenspiel von ortsfremden Experten nachvollzogen werden. So wurde beispielsweise Meister Curdt von Molhusen (Mühlhausen in Thüringen) mit dem Bau der Ramme 1449 beauftragt, während man 1489 bereits auf einen Wittenberger Rotgießer zurückgreifen konnte. Hier zeigt sich der Vorteil von seriellen Quellen, denn diese haben – neben ihrem Auftrag (hier der Begründung von Kosten) – kein unüberschaubares Interesse an der Verfälschung von Informationen. Diesen Ergebnissen zufolge fällt der Brückenbau in die Zeit des letzten bedeutenden Hoflagers in Wittenberg vor 1500, das im Winter 1448/1449 stattfand[319]. Im Zusammenhang mit dem Sächsischen Bruderkrieg (1446-1451) schien Wittenberg wieder interessant geworden zu sein, so daß eine engere Anbindung des Kurlandes, wohl auch um Truppen jederzeit verlegen zu können, sinnvoll erschien[320]. Das Innovator-Image Friedrich des Weisen, das aus der Duldung Luthers herrührte, und die Konzentration auf die Stadtgeschichte in der Zeit Luthers haben den Blick auf die tatsächlichen historischen Entwicklungen verstellt.

Diese und ähnliche erste Ergebnisse zu Stadt, Universität, Kirche und Residenz Wittenberg werden im ersten Kolloquiumsband des Projektes, der im Frühjahr 2011 erscheinen wird, dargestellt.

 

Schluß

 

Somit stellt sich zum Abschluß nicht die Frage, ob es einen Sinn hat, eine solche Mittelstadt wie Wittenberg zu untersuchen, sondern ob man es sich leisten kann, die Stadt, von der so Weltbewegendes wie die Reformation ausgegangen ist, trotz hervorragender Quellenlage in der Forschung weiterhin so auszuklammern wie bisher geschehen.

 


tomasz torbus*

Das Wawel-Schloß in Krakau (1504-1537) im Licht neuerer Forschungen

 

 

So bedeutend war der König, daß er auch darin seine Vorgänger übertrumpft und das Schloß mit neuen Bauten hat verschönern lassen [...] Das Ganze ist merkwürdig und in ganz eigener Art durchdacht, so daß es schwer fällt zu entscheiden, was mehr Bewunderung verdient, die königliche Herrlichkeit des Architekten oder der architektonische und künstlerische Feinsinn des Herrschers[321]. Diese Zeilen schrieb 1518 der Elsässer Jost Dietz, oder, wie er sich lieber nannte, Justus Decius (ca. 1485-1545), der königliche Sekretär des polnisch-litauischen Herrschers Sigismunds I. des sogenannten Alten über das Königschloß auf dem Wawel-Hügel in Krakau, das in den Jahren zwischen 1504 und 1537 umfassende Ausbaumaßnahmen erfuhr. Dieses Lob des Zeitgenossen ist bis heute zu teilen, da wir es hinsichtlich der Chronologie in der Übernahme von Renaissanceformen, des Innovationscharakters der Architektur, ihrer Monumentalität und nicht zuletzt hinsichtlich des Erhaltungszustandes mit dem Referenzbau für die Profanarchitektur der Renaissance in Mitteleuropa zu tun haben.

Trotz dieser Grandezza ist das Wawel-Schloß in der kunstgeschichtlichen Literatur Westeuropas wenig präsent. Diese Tatsache steht in einem scharfen Gegensatz zur Bedeutung des Wawel als nationalem Denkmal schlechthin, auch wenn bisher nie eine ausführliche Baumonographie darüber entstanden ist[322]. In einer 2010 in Leipzig verteidigten Habilitationsschrift[323] nahm der Verfasser eine – zum Teil neue – Zuschreibung, Bauphasengliederung, Funktionsanalyse und ikonographische Deutung sowie eine Einbettung in die gesamteuropäische Entwicklung der neuzeitlichen Architektur vor. Bevor das Buch gedruckt erscheint, sollen daher an dieser Stelle einige der in der Arbeit diskutierten Fragestellungen vorgestellt werden[324].


Grundriß des zweiten Obergeschosses des Wawel-Schlosses nach: Tomkowicz, Stanisław: Atlas planów, widoków i zdjęć architektonicznych z XVII, XVIII i XIX wieku do tomu I dzieła Wawel [Atlas mit Plänen, Ansichten und Architekturaufnahmen aus dem 17., 18. und 19. Jh. als Ergänzung zu Bd. 1 über den Wawel], Kraków 1908 (Teka Grona Konserwatorów Galicyi Zachodniej 4/1), Taf. 41

 

Die revidierte Baugeschichte beruht auf einer neuen Interpretation der Baurechnungen für das Wawel-Schloß, die für die Jahre 1507-1511 sowie ab 1520 vorliegen, auch wenn dort gelegentlich Lücken auftreten, sowie auf dem Versuch, die Formen des Schlosses in Hinblick auf Vorbilder und Interferenzen neu zu lesen. 1499 brannte das gotische Königsschloß auf dem Wawel-Hügel teilweise ab. Daraufhin wurde die Residenz zwischen 1504 und 1537 in weitgehend neuer Form wiederhergestellt. Der älteste Teil des Wawels sind die noch unter König Alexander I. 1504 begonnenen West- und Nordflügel; vermutlich war ein gewisser Eberhard von Koblenz der Architekt. Er kommt in den Stadtakten Krakaus als Mauerer häufig vor, auf den Wawel nur einmal – als er 1508 eine Entlohnung in Naturalien für seine Arbeit bekommt[325]. Die Anbringung der kupfernen Kugeln im Jahr 1507, die man üblicherweise nach Abschluß der Bauarbeiten als Zierde auf dem Dach eines „neuen Hauses“ angebracht hat[326], läßt den Baubeginn etwa um zwei Jahre zurückdatieren. Anders als die bisherige Forschung es postulierte[327], war der alexandrinische Bau noch traditionell gotisch.

Den unfertigen Bau übernahm 1506 König Sigismund I. und ließ ihn nach neuen Plänen seines Baumeisters Franciscus Italus bis 1516 ausbauen. Bis 1510 war es ein Zweiflügelbau, der auf der Hofseite mit einem Erker in toskanischen Dekorformen aufgelockert wurde. Danach setzte sich der Entwurf mit Loggien durch, was Nachrichten von Säulenvorbereitungen in einem schlesischen Steinbruch bestätigen; sehr wahrscheinlich bewilligte der König zu diesem Zeitpunkt das Konzept eines Kastells mit einem geschlossenen Arkadenhof.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Loggien vor dem Nordflügel

Photo: Tomasz Torbus 2007

 

Der Entwurf stammt ebenfalls von Franciscus Italus, was in seiner Todesnachricht 1516 bestätigt wird: In diesem Jahr, am sechsten Oktober, gab Franciscus Italus, ein hervorragender Baumeister, seinen Geist auf, nachdem er seit vielen Jahren von der französischen Krankheit geplagt wurde. Er war es, der alles, was in italienischer Kunst bis zu diesem Tag auf der Krakauer Burg errichtet wurde, von jeder Seite, die auf die Stadt herabschaut und auch das, was die Kirche des heiligen Wenzel umgibt, mit seinem Genius zur Vollkommenheit geführt hat[328].

Bereits 1518, anläßlich der Hochzeit Sigismunds mit Bona Sforza, einer Nichte Lodovico il Moros, gibt es eine Nachricht von der Existenz der Loggien vor dem West- und Nordflügel: [...] der dritte Gang ist mit hohen und aufstrebenden Säulen versehen, ebenfalls oben mit verstreuten goldenen Rosetten verziert[329]. Dieser Text ist auch deshalb interessant, weil er als terminus ante quem für die Loggien in der überlieferten Form gelten kann – sogar mit expliziter Nennung der hochaufragenden einzigartigen Säulen des zweiten Obergeschosses. Diese etwa acht Meter langen, doppelschäftigen Säulen verbinden sonderbare Schaftringe („przewiązki“). Über die Kapitelle setzte der Baumeister manieristisch anmutende grazile Formen, „Krüglein“ („dzbanuszki“) genannt; sie setzen die Zone des steilen, „unitalienisch“ wirkenden Daches von der Zone der Loggien ab. Vergeblich sucht man nach Parallelen für diese Lösung, die sowohl statisch als auch ästhetisch bedingt war. Der Tod des Franciscus fällt zusammen mit der Ankunft des toskanischen Architekten Bartholomeus Berrecci in Krakau, der für den Bau der Grabeskapelle der Jagiellonen, der späteren Sigismundkapelle, vermutlich in Rom angeheuert wurde. Es ist anzunehmen, daß er vom Anfang an am königlichen Schloß tätig war – als erfahrener Statiker wohl bei der Errichtung des oberen Geschosses der Loggien. Da keine Quellen für die Zeit vorliegen, ist dies nur eine Vermutung, die aber durch verschiedene stilistische und historische Argumente gestützt wird. Berrecci arbeitete vor 1516 wohl in der Werkstätte des Julius-Grabmals von Antonio da Pontasieve, aus der er die Idee wohl der ellipsoiden Kuppel Michelangelos „abgeschaut“ hat, die er dann später, immerhin als erste mathematisch genau errechnete ellipsoide Kuppel der europäischen Architektur, in der Sigismund-Kapelle realisierte.

Die nächste Bauetappe setzt 1520 mit dem größten Flügel des Schlosses im Osten ein. Da Berrecci sich nun ausschließlich der Sigismund-Kapelle widmet, tritt ein neuer Architekt ein – Meister Benedikt, möglicherweise aus Oberungarn Alamanus. Zu seinem Erkennungszeichen wurden etwa 25 synkretistische Portale, in denen Renaissance-Gesimse mit Türsturzen aus Stabwerk zusammengesetzt sind. Sie zeugen von einer heterogenen Zusammensetzung der Steinmetzen auf dem Wawel – neben Italienern sind es häufig Oberungarn unterschiedlicher Zunge, die noch in den Formen der Spätgotik denken. Bevor Benedikt Ende der 1520er wegen Bigamie und Abfalls vom Glauben (er konvertierte wohl zum Luthertum) in Ungnade fällt, arbeitet er mit Berrecci zusammen, der nach der Fertigstellung des Rohbaus der Sigismund-Kapelle an den Schloßbau zurückkehrt. Danach, in den 1530er Jahren, setzt er sich vollständig durch und stellt vor den Ostflügel eine Loggia, die eine Kopie der 15 Jahre zuvor errichteten Arkadengänge vor den älteren Flügeln darstellt, im Süden eine Schauwand – ebenfalls mit einer Loggia – und schließlich baut er grundlegend das Eingangstor um. Als 1536 das beinahe fertiggestellte Schloß abbrannte, leitet Berrecci den Wiederaufbau, bei dem er gemäß Vertrag nicht nur der entwerfende und ausführende Architekt ist, sondern als Firmenbesitzer, z.B. auch das gesamte Material für die Bauarbeiten liefert. Diese Monopolstellung weckte Neid. Als Berrecci 1537 von einem Landsmann erdolcht wurde, werden zwar noch die restlichen Brandschäden beseitigt und kleinere Arbeiten rund um das Schloß ausgeführt, aber das große Umbauprogramm des neuzeitlichen Königsschlosses ist abgeschlossen. Was später folgte, ist der Umbau unter der Vasa-Dynastie, der anschließende Zerfall des Schlosses, seine Zweckentfremdung im 19. Jahrhundert und die Stilisierung zum polnischen Nationaldenkmal. Nach dem Loskauf vom österreichischen Heer erfolgte ein mal historisierender, mal den historischen Quellen und Baubefunden folgender Wiederaufbau, an dessen Sinn und Zweck sich die Geister, einschließlich Max Dvořák, schieden[330].

Der geschilderte Bauablauf, in dem einige Phasen noch als Hypothesen zu werten sind, läßt freilich eine Anzahl von Fragen offen. Da sind beispielsweise Aspekte der Raumplanung mit einem piano nobile im zweiten Obergeschoß und zwei großen repräsentativen Sälen, die wohl multifunktional waren und ihre heutigen Bezeichnungen (Senatoren-, Abgeordnetensaal) aus späterer Nutzung beziehen. Neben der vorgeschlagenen Händescheidung geht es um den Anteil weiterer Entscheidungsträger auf dem Wawel. König Sigismund I. trug sicherlich maßgeblich zur Form des Schlosses bei. Das ist für die Sigismund-Kapelle und eine weitere Residenz in Sandomierz belegt. Vieles spricht dafür, daß er die modischen Renaissance-Formen als ideelle Botschaft nach außen propagierte, und zwar dort, wo es um die Memoria des eigenen Geschlechts (Sigismund-Kapelle) oder der Eindruck der magnificentia in den Loggien des Hofes ging. Dagegen bevorzugte er in den privaten Räumen die synkretistischen Lösungen der „Wawel-Portale“, eine Formenwelt, in der er als junger Prinz in Ungarn sozialisiert worden war. Auch Bona Sforza nahm wohl Einfluß auf die Ausgestaltung des Schlosses, auch wenn man es hier bei einer generellen Aussage belassen muß. Von ihrem Interesse und Geschmack zeugen unter anderem ihre Bemühungen, Sebastiano Serlio an den Krakauer Hof zu holen. Leider vermerken die Quellen aber weder Baustiftungen Bonas noch einen direkten Eingriff der Königin in das Baugeschehen. Schließlich gab es noch die Burggrafen Johann und Severin Boner, denen die Finanzen der Baustelle oblagen, die auch als Kunstmäzene tätig waren, was an Quellen für den Nürnberger Hauptaltar der Sigismund-Kapelle festzumachen ist. Im Schloßbau kann nur vermutet werden, daß sie diejenigen waren, die die Kontakte zu den nordalpinen Künstlern knüpften und sie an den Hof verpflichteten, so Hans Dürer oder Michael Lantz aus Kitzingen.

Neuerer Theorie zufolge entstand die Idee einer Vierflügelanlage mit Loggien um 1510. Sie ist Teil einer im gesamten Staat durchgeführten Baukampagne, die der Herrscher selbst initiiert hatte (Wilna/Vilnius, ab 1507, Piotrków, 1512-1519, Sandomierz, 1513-1527, Radom, 1510-1515, Lublin, vor 1530, Przemyśl, ab 1511, und die Festung Kamieniec Podolski/Kamjanec’ Podil’s’kij, 1503-1517). Die Orte, an denen Sigismund I. sich neue Sitze erbauen oder erneuern ließ, wurden von ihm bewußt gewählt. Es ging um die Stärkung der königlichen Majestät – was in einer Adelsrepublik mit einer schwachen königlichen Macht von Bedeutung war – und zwar an jenen zentralen Orten, an denen der König mit Vertretern der Ständegesellschaft bei Reichs- und Landtagen in Interaktion trat.

Ebenso klar zeichnet sich die außenpolitische Funktion dieser Baukampagne ab, deren Höhepunkt der Ausbau des Wawel-Schlosses darstellte. Das Schloß wurde zum Vorzeigeobjekt einer Dynastie, die – obwohl erst in der dritten Generation – ehrgeizig sowohl ihre Vergangenheit als auch ihre Zukunft gestaltete. Sie konstruierte für ihr Geschlecht eine ehrwürdige, antike Abstammung und schmiedete gleichzeitig imperiale Pläne. Dies wurde durch die Tatsache begünstigt, daß die Könige Polens, Böhmens und Ungarns alle Söhne von Kasimir IV. von Polen und Litauen und seiner Frau Elisabeth von Habsburg waren. Sie war Tochter des deutschen Königs Albrecht II. von Habsburg und Elisabeth von Luxemburg und Enkelin von Kaiser Sigismund.

Wie der hier vorgestellte Versuch belegt, das Wawel-Schloß neu zu deuten und zu datieren und die ausführenden Entwerfer voneinander zu scheiden, beginnt der wesentliche Schloßbau erst mit der Thronbesteigung Sigismunds I. im Jahr 1506, als monumentaler, mit einem cortile ausgestatteter Kastellbau gar erst um 1511. Es ist ungemein verlockend, in der Form des 1510-1511 begonnenen Wawel-Kastells den Ausdruck eines gesteigerten Dynastie- und Staatsprestiges zu sehen. Die hohen Loggien des zweiten Obergeschosses am Wawel und ihre Dekoration mit den Medaillons der römischen Kaiser wurden bereits in der älteren Literatur als Anknüpfung an die römische Tradition verstanden[331]. Elemente all’antica sollten an das kaiserliche Erbe der Jagiellonen erinnern und die Ambitionen der Jagiellonen unterstreichen, in Ostmitteleuropa die Vormachtstellung ausüben zu wollen[332]. Das ikonographische Programm des Königssitzes betonte in der Tat die den Kaisern gleichrangige Stellung, die machtpolitischen Ambitionen und die antike Herkunft der Jagiellonen. Bereits zur Hochzeit Sigismunds I. mit Bona Sforza 1518 hatten die Gäste den Neubau des königlichen Schlosses als ästhetische und technische Leistung gepriesen – was sicherlich gewünscht und gesteuert war. Die panegyrische Dichtung anläßlich seines Todes im Jahr 1548 betont für Sigismund den Nachruhm, nicht etwa seine Rolle als heldenhafter Krieger, sondern als großer Bauherr.

Der Baubeginn fällt zudem in die Zeit, als die politische Rivalität zwischen den Jagiellonen und den Habsburgern um die Vorherrschaft in Ostmitteleuropa ihren Höhepunkt erreichte. Das etwa um 1454 beginnende Großmachtstreben Polens war 1510 primär gegen Habsburg gerichtet: in dem Ringen um die Lösung der Preußenfrage, in der Vermählung Sigismunds I. mit der antihabsburgischen Barbara Zápolya 1512 und der Auseinandersetzung mit Moskau, das wiederum von Habsburg zu Aktionen gegen Polen-Litauen animiert wurde. Daher ist der Bau stark im Sinne der politischen Ikonographie zu deuten – als Machtsymbol, Teil einer Propagandaaktion, in der die Residenzen eine politische Botschaft von Stärke, Majestät und Kunstliebe des Herrschers an die ausländischen Höfe (auch an die Stände im eigenen Land) aussenden sollten Hier sprengt eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Habsburg-Jagiellonen-Komplex in der Kunst den Rahmen dieser Annäherung an das ungemein reiche Forschungsfeld. Der unzureichende Stand der Architekturforschung zu Bauten Friedrichs III., Maximilians I. und Ferdinands I. (Wiener Neustadt, Burg; Innsbruck, Hofburg) erschwert zudem ie komparatistische Herangehensweise[333]. Aber auch ohne solche Forschungen und ohne expliziten Quellennachweis zeichnet sich deutlich ab, daß für das Kunstschaffen der Jagiellonen die Habsburger einen zentralen Bezugspunkt bildeten[334]. Eckdaten der jagiellonisch-habsburgischen Beziehungen bilden stets zugleich die Eckpfeiler der Stiftertätigkeit Sigismunds I.

Von dem hohen Selbstbewußtsein, das das Wawel-Schloß ausstrahlt, zeugt einprägsam die Inschrift „Si Deus nobiscum, quis contra nos“, die Berrecci 1534 auf der Friesplatte über dem Gebälk des Triumphbogens am Wawel-Tor anbrachte. Selbst wenn das zur Schau getragene Selbstbewußtsein zu diesem Zeitpunkt, nach dem Wiener Ausgleich 1515 und der Schlacht von Mohács 1526, bereits ein Abgesang war[335], so zeugt doch das zuvor entwickelte ambitionierte Konzept eines königlichen Kastells mit dem größten Arkadenhof nördlich der Alpen von dem Anspruch, die wichtigste Dynastie in diesem Teil Europas zu sein und diesen Anspruch auch mittels der Kunst und Architektur zur Schau zu stellen.



Kolloquien, Vorträge, Ausstellungen, Jubiläen*

 

 

Siehe auch online auf unserer Internetseite unter der Rubrik „Veranstaltungskalender“
bzw. unter

http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/kollanzeige.php

 

 

Ausstellung

Renaissance am Rhein

Bonn, LVR-Landesmuseum Bonn, 16. September 2010 bis 6. Februar 2011

 

Kontaktadresse:        LVR-LandesMuseum Bonn

Colmantstr. 14-16

D-53115 Bonn

Tel. [D] 02 28 - 20 70-0 – Fax [D] 02 28 - 20 70-299

E-Mail: info.landesmuseum-bonn@lvr.de

Internet: www.landesmuseum-bonn.lvr.de/ausstellungen/                                              sonderausstellungen/index.htm

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Ausstellung

Die Staufer und Italien

Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, 19. September 2010 bis 20. Februar 2011

 

Kontaktadresse:        Reiss-Engelhorn-Museen

Museum Weltkulturen D5

D-68159 Mannheim

Tel. [D] 06 21 - 2 93-31 50 – Fax [D] 06 21 - 2 93-95 39

E-Mail: reiss-engelhorn-museen@mannheim.de

Internet: www.staufer2010.de/

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Ausstellung

Ivories from Ceylon

Luxury Goods from the Renaissance

Zürich, 28. November 2010 bis 13. März 2011

 

Kontaktadresse:        Museum Rietberg Zürich

Gablerstrasse 15

CH-8002 Zürich

Tel. [CH] 0 44 - 20 63 1-31 – Fax: [CH] 0 44 - 20 63 1-32

E-Mail: museum.rietberg@zuerich.ch

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Ausstellung

Johann Evangelist Holzer

Maler des Lichts

Innsbruck, 3. Dezember 2010 bis 13. März 2011

 

Kontaktadresse:        Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum

Museumsstraße

A-6020 Innsbruck

Tel. [A] 05 12 - 5 94-89 – Fax: [A] 05 12 - 5 94 89-109

E-Mail: sekretariat@tiroler-landesmuseen.at

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Kolloquium

Cardinaux et évêques de cour (XIVe-XVIe s.)

Tournai und Lille, 18. und 19. März 2011

 

Kontaktadressen:      Prof. Dr. Alain Marchandisse

Université de Liège

Département des sciences historiques / Histoire du moyen âge

Quai Roosevelt 1B

B-4000 Liège

Tel. [B] 04 - 3 66 54 11– Fax [B] 04 - 3 66 57 68

E-Mail: Alain.Marchandisse@ulg.ac.be

 

Prof. Dr. Bertrand Schnerb

Université Charles-de-Gaulle – Lille 3

Rue du Barreau – BP 60149

F-59653 Villeneuve d’Ascq Cedex

E-Mail: abc.schnerb@wanadoo.fr

 

Monique Maillard-Luypaert

Conservateur-archiviste

Bibliothèque du Grand Séminaire – Tournai

Rue des Jésuites, 28

B-75000 Tournai

Tel. [B] 0 69 - 36 25 05 – Fax Tel. [B] 0 69 - 22 63 98

E-Mail: monique.maillard@euronet.be

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42. Congrès de la SHMESP

Expertise et conseil au Moyen Âge

Oxford, Ende März bis Anfang April 2011

 

Kontaktadresse:        Société des Historiens Médiévistes de l’Enseignement Supérieur                                           Public

Bibliothèque Halphen

17, rue de la Sorbonne

F-75005 Paris

E-Mail: shmesp@free.fr

 

TEXTE D’ORIENTATION DU COMITÉ SCIENTIFIQUE

Le thème proposé pour notre congrès, „Expertise et conseil au Moyen Âge“, se situe dans un courant de recherches en plein renouvellement depuis quelques années. L’ampleur et la polysémie des termes nécessitent toutefois quelques précisions préalables pour éviter de dériver vers des communications relatives à la seule littérature technique, aux conseils généraux adressés à telle ou telle catégorie sociale ou fonction. Ce sujet implique de considérer d’abord les lieux, les moments, les hommes qui produisent une expertise, les documents qui la consignent et l’usage qui en est fait (ou qui n’en est pas fait). On veillera donc toujours à faire la part entre l’expertise à proprement parler et la décision ou le jugement rendu. Le thème du congrès suppose de s’intéresser à la place de l’expert et de l’expertise tout au long d’un processus pré- ou para-décisionnel. Il n’est pas rare en effet qu’une expertise soit sollicitée à titre dilatoire, voire pour éviter de prendre une décision. En somme, les contributions chercheront à dégager le lien entre l’expertise et l’autorité qui la suscite ou qui la reçoit. Elles prendront appui sur toutes les aires géographiques (Occident, Byzance, monde musulman) et chronologiques, du Ve au XVe siècle.

Il ne sera pas question d’envisager séparément les deux termes du sujet. On ne présentera pas en tant que telle la place des experts et des techniciens dans la société. De la même manière, la littérature d’expertise (traités d’agronomie, conseils moraux dispensés dans les miroirs aux princes et tout autre type de littérature normative et descriptive) ne sera pas envisagée pour elle-même, mais seulement si un rapport direct avec la pratique de l’expertise est avéré. Est aussi exclu du sujet le fonctionnement des conseils en tant qu’instances délibératives. Ne seront prises en compte que les situations qui mettent en scène l’intervention d’un (ou de plusieurs) expert(s). En d’autres termes, les conseils municipaux, les conseils royaux en tant qu’institutions sont hors du champ d’étude, sauf si les délibérations font apparaître des recours à des personnalités qualifiées ex officio pour éclairer la prise de décision. À titre d’exemples, on évoquera ci-après quelques thèmes succincts au sein desquels les communications pourraient prendre place:

1. Le recours à l’expertise. – Quels sont les éléments, de fait et de droit, qui la motivent? Pourquoi ses promoteurs font-ils le choix (souvent coûteux) de ne pas s’en tenir au savoir commun? On s’attardera sur la manière dont l’expertise est requise et sur l’autorité reconnue à l’expert. De quelle reconnaissance préalable bénéficie-t-il? Le recours à l’expert est-il unique, ponctuel ou régulier? Est-il obligatoire dans le cadre de certaines procédures? Les consultations mettent-elles seulement en jeu des individus ou peut-on observer des expertises collégiales? Ces questions peuvent induire une réflexion sur la compétition entre experts (voir infra). Enfin, sous quelle forme l’expertise est-elle sollicitée? Il y aura lieu par exemple de s’interroger sur les enquêtes, royales ou seigneuriales, qui ne nécessitent pas systématiquement la participation d’experts, mais peuvent faire appel à leurs services.

2. Le statut de l’expert. – La production de l’expertise participe à la définition d’une position et d’un statut dont l’expert tire forcément parti. Quels sont les mots employés pour le nommer? Dans quelles conditions observe-t-on la constitution d’un véritable groupe professionnel? Une reconnaissance académique ou professionnelle préalable constitue-t-elle un élément indispensable pour la désignation d’un expert? Quelles rémunérations les experts tirent-ils de leurs consultations? Quels liens et quelles obligations les lient à ceux qui les sollicitent? Y-a-t-il une déontologie propre aux experts? Dans quelles conditions engagent-ils leur responsabilité professionnelle?

3. Les champs de l’expertise. – Ils sont multiples. On songe en premier lieu à la médecine et au droit, mais cela concerne aussi le domaine militaire – particulièrement à la fin du Moyen Âge –, artistique, astrologique ou théologique (avec la part prise par l’Université). Bornages et arpentages figurent parmi les activités les plus courantes. L’expertise des écritures, comme lors du procès de Robert d’Artois, peut aussi donner lieu à des contributions de nature à enrichir la réflexion. On pourra s’interroger sur le genre de l’expert(e) et l’existence d’une expertise proprement féminine (exercée par les matrones: que l’on songe au procès de Jeanne d’Arc). Le domaine artisanal et économique ne devrait pas rester à l’écart: contrôle des poids, des mesures, des monnaies, des procédés de fabrication, litiges sur la qualité ou la quantité des produits …

4. Production et outils, savoir-faire et auctoritas. – De quelle manière l’expertise est-elle menée ? Sous quelle forme et dans quels documents est-elle consignée? De quels outils les experts se servent-ils ? Quels sont les liens entre l’exégèse savante et la production des avis d’experts? L’expertise est-elle toujours publique ou revêt-elle parfois la forme du secret?

5. Les usages de l’expertise. – Se pose aussi le problème de la validité et de la valeur de l’expertise, de son usage dans la prise de décision finale, voire aussi par la suite. Quelle est sa portée ? Purement indicative ? Réellement contraignante ? Les cas de remise en cause et de contestation de l’expertise et de l’expert ne sont pas rares. Les conflits d’experts sont au coeur de la réflexion. La postérité d’une expertise et son réemploi en d’autres circonstances pourront aussi être examinés.

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Konferenz

Adel, Burg und Herrschaft an der „Grenze“

Österreich und Böhmen

Freistadt, 26. bis 28. Mai 2011

 

Kontaktadresse:        Klaus Birngruber

Institut für Österreichische Geschichtsforschung

Dr. Karl Lueger-Ring 1

A-1010 Wien

E-Mail: klaus.birngruber@univie.ac.at

 

Die interdisziplinäre Tagung soll Referate von Historikerinnern und Historikern sowie Archäologinnen und Archäologen bieten, die sich mit folgenden Themenbereichen auseinandersetzen und nach Möglichkeit auch methodische Probleme im Spannungsfeld Geschichtswissenschaft – Archäologie im Fokus „Burg“ ansprechen:

·         Charakterisierung und Struktur einzelner Adels- und Burgenlandschaften, besonders in „Grenz“gebieten des böhmisch-bayerisch-österreichischen Raumes.

·         Qualität und Struktur von Herrschaft, Herrschaftsbildung und Herrschaftspraktiken in diesem Raum mit Berücksichtigung der Art und Reichweite von klientelhaften Netzwerken.

·         Funktionen, Baugestalt und Rechtsverhältnisse von Burgen und Sitzen besonders des Niederadels.

·         Rolle von Burgen im Landes- und Herrschaftsausbau.

·         Adel und Adelssitze im Bereich der Stadt und dessen Umland.

·         Angestrebt sind gemeinsame Beiträge von Historikerinnen und Historikern sowie Archäologinnen und Archäologen. Der zeitliche Rahmen ist mit dem Hoch- und Spätmittelalter (11.-15. Jh.) abgesteckt. An zwei Nachmittagen sind Exkursionen ins österreichisch-böhmische Grenzgebiet geplant.

Veranstaltet wird die Tagung vom FWF-Projekt „Adel, Burg und Herrschaft im Unteren Mühlviertel (11.-14. Jahrhundert)“, das am Institut für Österreichische Geschichtsforschung Wien durchgeführt wird. Kooperationspartner sind das Institut für Realienkunde Krems und die Oberösterreichischen Landesmuseen.

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Tagung

Ansitz – Freihaus – corte franca

Bauliche und rechtsgeschichtliche Aspekte adligen Wohnens in der Vormoderne

Brixen, 7. bis 10. September 2011

 

Kontaktadresse:        Dr. Gustav Pfeifer

Südtiroler Landesarchiv

Armando-Diaz-Straße 8

I-39100 Bozen

Tel. [I] 04 71 - 41 19-50 – Fax [I] 04 71 - 41 19-69

E-Mail: gustav.pfeifer@provinz.bz.it

 

Vorläufiges Programm

Mittwoch, 7. September 2011

Loose, Rainer (Mössingen), Kulturlandschaftliche und politische Voraussetzungen zur Verbreitung der Ansitze in Südtirol.

Donnerstag, 8. September 2011

Bünz, Enno (Leipzig), Burg, Schloß, Adelssitz. Verfassungsgeschichtliche Fragen; Hohenbühel, Alexander Frh. von (Eppan), Die Ansitze des Überetschs im Lichte frühneuzeitlicher landesherrlicher Nobilitierungspolitik; Kustatscher, Erika (Bozen), Adelssitz und Stadt anhand von Tiroler Beispielen; Pfeifer, Gustav (Bozen), Freisassen- und Schildhöfe im spätmittelalterlichen Tirol; Andergassen, Leo (Bozen), Formaltypologische Genese der suburbanen Adelssitze in der Frühen Neuzeit in Tirol; Stamper, Helmut (Völs am Schlern), Zwischen Repräsentation und Zurückgezogenheit – Räume in Südtiroler Ansitzen.

Freitag, 9. September 2011

Dopsch, Heinz (Salzburg), Mittelalterliche und frühneuzeitliche Adelssitze in Altbayern und Salzburg; Kos, Dusan (Laibach/Ljubljana), Sitze des Kleinadels im Herzogtum Krain; Zajic, Andreas (Wien), Sitz – Haus – Freihaus: Niederadeliges Wohnen in den Erzherzogtümern Österreich ob und unter der Enns; Novotný, Robert (Prag), Der Wandel des Niederadelssitzes im spätmittelalterlichen Böhmen; Andermann, Kurt (Karlsruhe/Freiburg i.Br.), Schlösser ohne Herrschaft. Zur Typologie von Adelssitzen in Südwestdeutschland; Niederhäuser, Peter (Winterthur), Freisitze in der Ostschweiz – ein Rückzugsort des Adels?; Heiss, Hans (Brixen), Der Tiroler Ansitz im Fin de siècle.

Samstag, 10. September 2011

Schneidmüller, Bernd (Heidelberg): Zusammenfassung.

Exkursion zu ausgewählten Ansitzen im Raum Brixen.

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Tagung

Adelssitze – Adelsherrschaft – Adelsrepräsentation

Schloß Sinning, 8. bis 10. September 2011

 

Kontaktadresse:        Prof. Dr. Wolfgang Wüst

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Department Geschichte

Lehrstuhl für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte

Kochstr. 4

D-91054 Erlangen

E-Mail: beplatze@phil.uni-erlangen.de

 

Vorläufiges Program:

www.regionenforschung.uni-erlangen.de/wir-ueber-uns/struktur/franken/tagungen/dokumente/ Tagung%20Adelssitze2011.pdf

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Ausstellung

Flemish miniatures

Brüssel, BibliothèqueRoyale de Belgique, 30. September bis 31. Dezember 2011

Paris, Bibliothèque Natonale de France, 27. März 2012 bis 1. Juli 2012

 

Kontaktadressen:      Bernard Bousmanne

Bibliothèque Royale de Belgique

Galerie Houyoux et Chapelle de Nassau

Mont des Arts

B-1000 Brüssel

Tel. [B] 02 - 5 19 57 93

E-Mail: bernard.bousmanne@kbr.be

 

                                    Ilona Hans-Collas

Bibliothèque Nationale de France – Site François Mitterrand

Galerie François Ier

Quai François Mauriac

F-75013 Paris

Tel. [F] 01 - 53 79 39 33

E-Mail: ilona.hans-collas@bnf.fr

 

Internet: http://www.kbr.be/actualites/expos/dossiers/miniatures/dossier_fr.pdf

 


Kolloquiumsbericht

 

 

Städtisches Bürgertum und Hofgesellschaft
Kulturen integrativer und konkurrierender Beziehungen in
Residenz- und Hauptstädten vom 14. bis ins 19. Jahrhundert
12. Symposium der Residenzen-Kommission der
Akademie der Wissenschaften zu Göttingen veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Historischen Gesellschaft Coburg e.V.

Coburg, 25.-28. September 2010

 

Mit dem Coburger Symposium der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen ging im September 2010 eine Tagungsreihe zu Ende, die über ein Vierteljahrhundert hin immer wieder aufs neue Impulse setzte, Themen benannte und Diskussionen beförderte. Dieses letzte, zwölfte Symposium bildete einen würdigen Schlußpunkt, sowohl hinsichtlich der organisatorischen Gestaltung und des feierlichen Rahmens, was auch der Zusammenarbeit mit der Historischen Gesellschaft Coburg unter Vorsitz von Gert Melville zu verdanken war, als auch – und vor allem! – mit Blick auf die behandelten Inhalte. Das Tagungsprogramm verhieß eine dreifache konzeptionelle Öffnung: Dies betraf zum einen die chronologische Komponente, da der Schwerpunkt diesmal auf der Neuzeit zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert lag, während das Spätmittelalter ausnahmsweise etwas zurücktrat. Zum anderen wurden – dem Tagungstitel entsprechend – die Beziehungen zwischen Stadtbürgertum und Hofgesellschaft in den Mittelpunkt gerückt, womit einige thematische Stränge des 9. Symposiums zum Thema „Der Hof und die Stadt“ (Halle, 2004) erneut aufgegriffen, nun aber hinsichtlich sozialer Konfigurationen und kultureller Manifestationen weiterentwickelt wurden. Und zum dritten sah das Tagungskonzept eine internationale Perspektive vor, indem jedem deutschen Referenten jeweils ein kürzerer Vortrag eines ausländischen Kollegen an die Seite gestellt wurde. Die Verbindung zwischen beiden Vorträgen war teils eng, teils locker, meist eher ergänzend, zuweilen aber auch opponierend – stets aber erwies sich die Gegenüberstellung als Gewinn.

An einem regionalen, dem Veranstaltungsort verbundenen Exemplum gab der von Gert Melville (Dresden/Coburg) gehaltene Abendvortrag über „Johann Casimir (1564-1633) – ein Herzog in Coburg“ einen ersten Vorgeschmack auf die Tagungsthematik. Melville zeigte auf, wie sich Coburg während der Herrschaft Johann Casimirs zu einer „echte[n] Residenzstadt“ entwickelte – oder entwickelt wurde, denn auf verschiedenen Ebenen machte der Referent Elemente einer „Casimirianischen Aufbaupolitik“ aus. Mit der Formierung von Behörden, Beamtentum und Bildungswesen, mit der Normierung im Sinne religiös fundierter landesväterlicher Fürsorge und mit dem Wandel des äußeren Erscheinungsbildes der Stadt sah Melville in der „Kombination von praktisch-instrumenteller und symbolischer Politik“ das wesentliche Merkmal dieses Entwicklungsprozesses.

Das an zwei Tagen folgende Symposium, das Werner Paravicini (Kiel) mit einem Rück- und Ausblick auf „Getane Arbeit, künftige Arbeit: Fünfundzwanzig Jahre Residenzen-Kommission“ eröffnete, war in vier Sektionen mit je zwei Referaten und zwei Korreferaten geteilt. Deren erste stand unter der Überschrift „Stadtwirtschaft und Hofwirtschaft“ (Moderation: Karl-Heinz Spieß, Greifswald). Zunächst sprach Bernd Fuhrmann (Köln) über die finanziellen Beziehungen zwischen Städten und Fürstenhöfen im Alten Reich („Stadtfinanz und Hoffinanz: welches Verhältnis?“). Einleitend hob er die nach wie vor durchaus problematische Forschungslage auf diesem Gebiet hervor, um dann die Entwicklung der Hoffinanzen, verstanden als Gesamtheit von Einkünften und Besitz mit ihren drei Säulen Domänen, Kredite und Steuereinnahmen, bis zum 18. Jahrhundert zu skizzieren. An verschiedenen Beispielen zeigte er die Verbindungen zwischen Hof- und Stadtfinanzen auf, wobei Residenzstädte als konkrete Demonstrationsobjekte dienten. In der frühen Neuzeit habe der Hof oftmals große Teile der städtischen Finanzkraft abgeschöpft. Dieser partiellen Absorption der Stadtfinanzen durch die Hof- und Staatsfinanzen stellte Wim Blockmans (Wassenaar) das Beispiel der burgundischen Niederlande gegenüber („Die Herzöge von Burgund und die Finanzen ihrer bonnes villes“). Von Karl dem Kühnen bis zu Philipp II. sei es den Fürsten nicht gelungen, die finanzielle Autonomie insbesondere der großen Städte zu brechen – ein direkter Zugriff auf die Stadtfinanzen, wie es Bernd Fuhrmann für andere Territorien dargelegt hatte, sei insgesamt nicht gelungen. In den Großstädten der Niederlande habe der Aufenthalt des Hofes nur vergleichsweise kurze ökonomische Impulse gesetzt und allein selektive Wirkungen entfaltet.

Der zweite Abschnitt der Sektion wandte sich dem produzierenden Gewerbe zu. Martin Eberle (Gotha) konzentrierte sich in seinem Vortrag „Von der höfischen Manufaktur zur autonomen Industrie: Hofkünstler, Hoflieferanten und wirtschaftliche Initiativen“ auf das Luxuskunsthandwerk während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Aus dem Wunsch heraus, von Importen unabhängig zu sein, sei in deutschen Residenzstädten die Ansiedlung entsprechender hofbefreiter Handwerker gefördert worden. Das weitgehend gleiche Vorgehen in verschiedenen Territorien habe freilich wiederum den eigenen Export erschwert, so daß die Binnennachfrage für die Absatzmöglichkeiten entscheidend gewesen sei. Um 1750 habe sich die Situation – auch infolge des Siebenjährigen Krieges – zugespitzt, und am Beispiel Braunschweig zeigte Eberle verschiedene Verhaltensmuster angesichts dieser Krise auf: das teils entgegengesetzte, teils miteinander verbundene Handeln von Zünften auf der einen, Staat und Hof auf der anderen Seite, die herzogliche Förderung von Manufakturen, die Steigerung der Nachfrage durch den Einsatz von Marketinginstrumenten, die zunehmende Formung des Käufergeschmacks durch die Produzenten. Während in Braunschweig so gerade die Öffnung des Angebotes von Luxus- und Manufakturwaren für stadtbürgerliche Käuferschichten zu konstatieren ist, sei in Wien – so Thomas Winkelbauer (Wien) in seinem Korreferat – auch im 17. und 18. Jahrhundert der Hochadel als Abnehmerkreis besonders wichtig geblieben. Zusätzlich regte Winkelbauer die intensivere Beschäftigung mit dem Themenfeld „Hof und Wissenschaft“ an, was er selbst an der in das zeitgenössische Wissenschaftsverständnis integrierten Alchemie skizzierte.

Die zweite, kunsthistorisch orientierte Sektion – „Visualität und Medialität“ (Moderation: Stephan Hoppe, München) – eröffnete der Vortrag von Matthias Müller (Mainz): „Kunst als Medium herrschaftlicher Konflikte. Architektur, Bild und Raum in der Residenzstadt der Frühen Neuzeit“. Thematisiert wurden die Inbesitznahme der Stadt durch den Fürsten und in Verbindung damit die Frage, inwieweit die Komplexität des Stadtraumes rivalisierende Herrschaftsinteressen spiegele. Exemplarisch behandelt wurde dies zum einen anhand der Umwandlung des Florentiner Palazzo Vecchio in den Herzogspalast unter Cosimo I. de’ Medici: Damit sei gerade das Gebäude, das die alte republikanische Herrschaft am symbolträchtigsten verkörpert habe, seitens des Fürsten okkupiert worden. Zum anderen zeigte Müller an Beispielen aus dem Reich nördlich der Alpen (Dresden, Saalfeld, Leipzig) auf, daß auch hier städtisch-fürstliche Reibungsflächen bestehen konnten, auch wenn weniger Rücksichtnahme erforderlich war. Herrschaftsarchitektur konnte aber sogar integrierende Wirkungen entfalten, und in der Neuzeit geschah es zuweilen auch, daß fürstliche Stadtplanungen unter städtischer Einflußnahme aufgegeben oder verändert wurden (Dresden, Schwerin). Herbert Karner (Wien) beklagte für Wien, daß die Forschung noch zu einseitig auf die Kunstproduktion des Hofes ausgerichtet sei, während das städtische Gegenüber bislang zu kurz komme. Unter anderem betonte er, wie die Habsburger in der Neuzeit versucht hätten, wesentliche Teile der Wiener Stadterweiterung durch den Rückgriff auf die Namen von Familienheiligen und Monarchen dynastisch-herrschaftlich zu personalisieren (Leopoldstadt, Josephstadt). Auch die im Stadtraum verteilten Denkmäler seien dabei einzubeziehen.

Thematisch leitete dies bereits zum Referat von Uwe Albrecht (Kiel) über, das unter dem Titel „Stadtplanung und Sozialtopographie: vom höfischen zum industriellen Zeitalter“ stand. Albrecht gab einen Abriß zur Baugeschichte von Berlin/Potsdam und von München. In Berlin sei früher als in München die gezielte Umgestaltung der Stadt festzustellen. In München, wo fürstliche und höfische Einflüsse auf die Gestaltung des Stadtraumes außerhalb des Residenzbereiches – von punktuellen Ausnahmen abgesehen – lange Zeit kaum erkennbar seien, habe sich dies erst im 19. Jahrhundert geändert. Ähnlich wie München – so führte Krista de Jonge (Leuven) anschließend aus – sei auch Brüssel nur langsam gewachsen. Erst im 19. Jahrhundert sei die Stadt demographisch wie räumlich enormen Expansionsprozessen unterworfen gewesen, und so seien auf einzelne höfische Initiativen des 17. und 18. Jahrhunderts durchgreifende städtebauliche Veränderungen des Zentrums erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, in der Zeit König Leopolds II., gefolgt (Boulevards, Eisenbahn).

Die dritte Sektion stand unter den Stichworten „Konkurrenz und Kooperation“ (Moderation: Matthias Meinhardt, Wolfenbüttel). Der Vortrag über „Gemeinschaft und Gemeinde: politische Gruppierungen in den residenzstädtisch-höfischen Zentren“ von Andreas Ranft mußte bedauerlicherweise entfallen. So blieb es allein Martial Staub (Sheffield) überlassen, zu dem damit angesprochenen Thema einige Anmerkungen zu machen. Den Schwerpunkt legte er dabei auf die Aspekte „Migration“ und „Mobilität“. Städtische Oligarchien wie fürstliche Höfe seien gleichermaßen mobil gewesen – ein Moment, das gerade auch in die stadtgeschichtliche Forschung einbezogen werden müsse. Neben der tatsächlichen regionalen wie sozialen Mobilität ging es dem Referenten aber auch um die Imagination von Mobilität.

In Präzisierung des im Tagungsprogramm vorgegebenen Titels stellte Enno Bünz (Leipzig) seine Ausführungen unter die Überschrift: „Die Universität zwischen Residenzstadt und Hof im späten Mittelalter: Wechselwirkung und Distanz, Integration und Konkurrenz“. Wie manche Referenten vor ihm begann Bünz mit der Markierung eines Forschungsdesiderates: Im Vergleich zum Verhältnis zwischen Universität und Stadt sei dasjenige zwischen Universität und Hof bzw. Residenz bislang kaum aufgearbeitet. Vor allem die Entwicklung der Universität Leipzig verfolgte Bünz während des 15. Jahrhunderts hinsichtlich der Rekrutierung des Personals, der versuchten Reformen sowie des Zeremoniells, Tübingen und Heidelberg wurden zum ergänzenden Vergleich herangezogen. Von zentraler Bedeutung für die Erforschung des Themas sei die Prosopographie, die in den genannten wie auch in anderen Fällen erst noch zu leisten sei. In zeitlicher Verschiebung schloß sich ein Überblick zu frühneuzeitlichen Universitäten in ihrer Typenvielfalt an, den Willem Frijhoff (Amsterdam) präsentierte. In den Beziehungen zwischen Fürst und Hof auf der einen, der Universität auf der anderen Seite seien vier Phasen erkennbar: Zunächst seien die persönlichen Interessen des Fürsten ausschlaggebend gewesen, die Verbindung zum Hof habe sich vor allem auf zeremonieller oder symbolischer Ebene bewegt. Im frühen 16. Jahrhundert aber habe der Fürst begonnen, die Universität als Territorialherr anzusprechen und immer mehr Dienste einzufordern, was sich beispielsweise auf die Formen der Lehre ausgewirkt habe. Im engeren Sinne politikspezifische Disziplinen seien mit dem 18. Jahrhundert in der Jurisprudenz, der Nationalökonomie und der Kameralwissenschaft aufgekommen. Die Rolle des Hofes sei in diesem Zusammenhang zurückgegangen, diejenige der fürstlichen Verwaltung angewachsen. Schließlich sei der Fürst zum „pure representative of a real nation-state“ geworden, der seine Sicht der Zielorientierung von Wissenschaft durchgesetzt habe.

Die abschließende Sektion thematisierte „Krise und Niedergang der höfischen Welt“ (Moderation: Wolfgang Wüst, Erlangen). Den Anfang machte Peter Johanek (Münster), der über „Spätes Nachleben oder neue Kraft? Hof und Stadt im langen 19. Jahrhundert“ sprach. Zumindest um 1800 sei im Sinne von Thomas Nipperdey eine Verbürgerlichung höfisch-monarchischen Lebens festzustellen, auch wenn die damit vorgezeichneten Konturen danach eher verwischen würden. Dennoch seien Monarch und Hof weiterhin zentrale Bezugspunkte des Adels geblieben, der Hof habe die Bühne für die Distinktion vom Bürgertum gebildet. In der urbanen Gestaltung ergebe sich im 19. Jahrhundert eine Akzentverschiebung vom Residenzcharakter zum Hauptstadtcharakter. Stärker als Johanek äußerte sich Philip Mansel (London) skeptisch gegenüber der Annahmen eines „bourgeois lifestyle“, in dem möglicherweise eher eine Mode zu sehen sei. Viele Monarchen des 19. Jahrhunderts, des „golden age of monarchy“, hätten dem jedenfalls nicht entsprochen. Den eigentlichen Bruch in der Geschichte der Monarchie sah Mansel im Jahr 1918; für die Zeit bis dahin betonte er die kontinuierliche Rolle der Höfe.

Ute Daniel (Braunschweig) ging in ihrem Vortrag zu „Stadt und Hof: wann erfolgte die Wende?“ von zwei Hypothesen aus: Zum einen sei „die Wende“ von der Hof- zur Stadtgesellschaft nie erfolgt. Die häufig anzutreffenden Daten für eine entsprechende Zäsur – um 1750 oder um 1800 – im Zeichen von „Aufklärung“ und „Verbürgerlichung“ seien Fehldeutungen der Forschung. Zum anderen seien zwischen dem Siebenjährigen Krieg und dem Ersten Weltkrieg immer wieder „Wenden“ „mit örtlich dauerhaften Folgen“ zu erkennen. Innerhalb dieser Zeitspanne seien Wendepunkte nach Ort, Zeit und Gründen zu unterscheiden, wobei Höfe durch die sich wandelnden Kontexte eine Relativierung erfahren hätten: Dem ökonomischen Bedeutungsverlust und dem Verlust der Rolle als kultureller „Trendsetter“ stehe allein die relative Kontinuität der politischen Rolle gegenüber. Diese Thesen exemplifizierte Helen Watanabe-O’Kelly (Oxford) an der Entwicklung Dresdens im 18. und 19. Jahrhundert. Hier seien am ehesten die Unruhen des Jahres 1830 als Wende zu bezeichnen.

Den Abschluß der Tagung bildete die Zusammenfassung von Pierre Monnet (Paris/Saarbrücken). Einleitend machte er einen „alten Feind“ in den Köpfen aus: den Antagonismus zwischen „bürgerlich“ und „adlig“ bzw. „höfisch“, der teilweise bereits auf spätmittelalterliche Diskursschemata zurückzuführen sei. Angesichts dessen forderte er für die Erforschung der städtisch-höfischen Verflechtung in europäischer Perspektive einen Paradigmenwechsel sowie die Zusammenführung von Hofgeschichte und Stadtgeschichte. Für die Beschreibung der Begegnung von Stadt und Hof machte er neun Aufgaben aus, vor welche die zukünftige Forschung gestellt sei: 1. das Anstreben einer Systematik in der Analyse städtisch-höfischer Beziehungen; 2. die Entwicklung einschlägiger Fragestellungsraster; 3. die Beachtung der Typologie (große und kleine Städte, geistliche und weltliche Herrschaften, Haupt- und Nebenresidenz usw.); 4. die differenzierte Chronologie und regionale Periodisierung im Zeitraum von 1300 bis 1900; 5. die Einbeziehung der Prosopographie; 6. die Interdisziplinarität; 7. das Bemühen um eine treffende Terminologie (quellen- und praxisnah, zugleich theoretisch reflektiert); 8. den Einsatz der Kartographie zur Visualisierung von Beziehungen; 9. die Internationalität und den europäischen Vergleich.

Sven Rabeler, Kiel*

 

 

 

 

 



Buchvorstellungen

 

 

Der Achämenidenhof. The Achaemenid Court. Akten des 2. Internationalen Kolloquiums zum Thema „Vorderasien im Spannungsfeld klassischer und altorientalischer Überlieferungen“, Landgut Castelen bei Basel, 23.-25. Mai 2007, hg. von Bruno Jacobs und Robert Rollinger, Wiesbaden 2010 (Classica et orientalia, 2) [Harrassowitz, XI+941 S., geb., 118 Euro].

 

Am Anfang eine Frage: Was verbindet das altpersische Reich mit der insbesondere auf Spätmittelalter und Frühe Neuzeit blickenden Hofforschung? Was haben also die Achämeniden mit der höfischen Gesellschaft Alteuropas zu tun?

Sehr viel, wie dem Leser des Bandes klar werden wird, auf welchen hier in der gebotenen Kürze aufmerksam gemacht werden soll. Versammelt werden dabei von Bruno Jacobs (Basel) und Bernd Rollinger (Innsbruck) die Tagungsakten des Internationalen Kolloquiums „Griechische Geschichtsschreibung und Altvorderasien: Der Achämenidenhof“, das im Mai 2007 in Augst bei Basel stattgefunden hat. Geworden ist daraus ein stattliches Buch von über 900 Seiten und ein, wie ich meine, für die Hofforschung durchaus gewichtiges obendrein.

Verbindungen zwischen dem Perserreich des 6. bis 4. vorchristlichen Jahrhunderts und den mittelalterlichen Königreichen und Fürstentümern lassen sich in der Tat einige herstellen, hervorzuheben wären an dieser Stelle nur zwei: Eine erste Linie verläuft entlang der verschiedenen historischen Traditionen, etwa in der allgegenwärtigen Präsenz des Perserreichs, wie es im Alten Testament beschrieben wird, in der Wahrnehmung der christlich geprägten mittelalterlichen Gesellschaft, darüber hinaus in seiner Bedeutungszuschreibung als Weltreich, und damit Vorläufer des Heiligen Römischen Reichs, in der mittelalterlichen Weltalterlehre, ebenso im Fortwirken des Achämenidenhofs als Inbegriff des von den griechischen Historikern der klassischen Zeit geschaffenen Konzepts vom Orient, welches sich im Mittelalter in der Sichtweise auf den byzantinischen Hof wiederfindet, oder schließlich in der Bewunderung spätmittelalterlicher Fürsten für den Makedonen Alexander, der dieses altpersische Reich schließlich besiegte und eroberte. Eine zweite Verbindungslinie erschließt sich über den wissenschaftlichen Konsens darüber, daß „Hof“ als eine spezifische, um einen Herrscher gruppierte Vergesellschaftungsform, durchaus überzeitliche sowie raum- und zivilisationsübergreifende Strukturelemente, wie etwa äquivalente Regeln und Ordnungsformen, aufzuweisen scheint. Damit geraten automatisch auch die Höfe der Antike ins Blickfeld der Hofforschung, und dieses Betätigungsfeld bzw. der Dialog mit Althistorikern hat sich in der Vergangenheit ja bereits als äußerst fruchtbar für die Hof- und Residenzenforschung erwiesen. Das zeigen verschiedene Publikationen zu antiken Höfen oder zum Hof in diachroner Perspektive, zu nennen wären hier nur die Bände „Zwischen ‚Haus‘ und ‚Staat‘. Antike Höfe im Vergleich“ (hg. von Aloys Winterling, München 1997), „Hof und Theorie. Annäherungen an ein historisches Phänomen“ (hg. von Reinhart Butz, Jan Hirschbiegel und Dietmar Willoweit, Köln 2004) oder „Das Gehäuse der Macht. Der Raum der Herrschaft im interkulturellen Vergleich – Antike, Mittelalter, Frühe Neuzeit“ (hg. von Werner Paravicini, Kiel 2005).

Und um genau diese zweite Verbindungslinie ging es bei der Konzeption von Tagung und Publikation. Das Konzept vom Hof, so wie es vor allem für die Herrschaftszusammenhänge Alteuropas auf der Grundlage einer Vielzahl von Quelleninformationen entwickelt worden ist, wurde von vornherein als Ausgangspunkt für die Analyse des Achämenidenhofs gewählt, es soll, so die Herausgeber in ihrer Einleitung, „als Folie dienen, vor der die weitaus lückenhaftere Überlieferung zur Achämenidenzeit besser verstanden und in allgemeinen Zügen ergänzt werden kann.“ (S. 3) Unterstrichen wird diese ganz bewußte Orientierung am bereits etablierten Hofkonzept durch die beiden Beiträge Jan Hirschbiegels, einmal seine theoretische Einführung in die Konzeption der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hof- und Residenzenforschung und einmal seine Anmerkungen zu den Ergebnissen des Kolloquiums aus der Perspektive des mediävistischen Hofforschers, die, jeweils an den Anfang und das Ende des Bandes gestellt, als eine hoftheoretische Klammer für die thematischen Studien des Bandes dienen. Ebenso findet die theoretische Orientierung ihren sichtbaren Ausdruck im Aufbau des Bandes, der die für die Hof- und Residenzenforschung typischen Themenfelder aufgreift und die insgesamt 22 Einzelbeiträge sechs Abschnitten zuordnet. Gefragt wird dabei nämlich:

In welchem historischen Kontext bzw. in welcher Tradition stand der Achämenidenhof? Hierzu finden sich in Abschnitt I („Vergleichsperpektiven und systemtheoretischer Ansatz“) neben der Skizze der modernen Hoftheorie durch Jan Hirschbiegel Beiträge zu den Vorläufern des Achämenidenhofs, den assyrischen Hof (Giovanni B. Lanfranchi), den neubabylonischen Hof (Michael Jursa) und die neuelamitischen Höfe (Daniel T. Potts) sowie den ihm direkt nachfolgenden Hof Alexanders (Alessandra Coppola).

Anhand welcher Quellen läßt sich ein Bild von diesem Hof entwerfen? In Abschnitt II („Der Achämenidenhof im Spiegel ausgewählter Quellen und Quellengruppen“) untersuchen Reinhold Bichler (Herodot), Christopher Tuplin (Xenophon) und Hans-Peter Mathys (Altes Testament) insbesondere zeitgenössische Außenansichten auf den Hof der Achämeniden.

Wie residierten die Achämeniden? In diesem Zusammenhang beleuchtet Dietrich Huff in Abschnitt III („Die achämenidischen Residenzen und ihre Architektur“) die Residenzen Pasargadai, Persepolis und Susa genauer und kann dabei zeigen, daß die heute durch Ausgrabungen in ihrem Fundament sichtbaren, repräsentativen Palastbauten nur ein Teil der tatsächlich vorhandenen Baulichkeit in den Residenzen waren.

Wie setzte sich die Hofgesellschaft zusammen und nach welchen Regeln spielte sich höfisches Leben ab? Diesen Fragen sind in den Abschnitten IV („Hofgesellschaft und Hofzeremoniell“) und VI („Der Achämenidenhof als Machtzentrum und Paradigma“) Beiträge zu höfischem Lebensstil, höfischem Zeremoniell und materieller Prachtentfaltung (Bruno Jacobs, Erich Kistler, Maria Brosius), zum Krönungszeremoniell und zur Rolle des Königs (Carsten Binder, Arthur Keaveney), zum Günstlingswesen (Josef Wiesehöfer), zur Regierungspraxis mittels königlicher Direktiven (Matt Waters), zum Verhältnis von Königshof und Provinzhöfen (Deniz Kaptan) und zur Bedeutung des häufig verschenkten persischen Tafelgeschirrs für das höfische Sozialgefüge (Margaret Miller) zugeordnet.

Welche Bedeutung für Wirtschaft, Religion und Recht hatte schließlich die Institution Hof im Perserreich? Hierzu finden sich in Abschnitt V („Der Achämenidenhof als religions-, rechts- und wirtschaftspolitische Instanz“) die Beiträge Albert de Jongs zur Religion am Achämenidenhof, Robert Rollingers zur Praxis extremer Gewalt als Strafinstrument, Wouter F. M. Henkelmans zur Erschließung des Festungsarchivs von Persepolis als Quelle für die Wirtschaftsorganisation am Achämenidenhof und Caroline Waerzeggers zu den Reisen babylonischer Kaufleute in die Residenz Susa zum Zwecke der Aushandlung der zu leistenden Steuer.

Abgerundet wird die Aufsatzsammlung mit einem weiteren kommentierenden Referat aus althistorischer Sicht durch Amélie Kuhrt, das der bereits erwähnten mediävistischen Kommentierung Jan Hirschbiegels zur Seite gestellt ist. Einen kurzen, aber dennoch sehr präzisen thematischen Überblick über die einzelnen Beiträge gibt außerdem die Einleitung der beiden Herausgeber, weshalb es hier bei einer kurzen Aufzählung belassen worden ist. Sehr viel wichtiger scheint mir an dieser Stelle zu sein, auf die Bedeutung der im Band publizierten Forschungen zu einem der bedeutendsten antiken Höfe für die allgemeine Hof- und Residenzenforschung hinzuweisen. Dies insbesondere deshalb, weil dem an mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Beispielen entwickelten Hofparadigma hier explizit eine forschungsleitende Rolle zugewiesen worden ist. Am Ende also eine Antwort? Nicht eine, sondern drei mögliche Antworten möchte ich in diesem Zusammenhang herausstellen:

Erstens, die Tragfähigkeit eines theoretisch fundierten Konzepts erweist sich immer dann, wenn es mit der Empirie konfrontiert wird. Für die mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte hat sich, gemessen an den Informationen einer Fülle ganz unterschiedlicher und häufig sehr reichhaltiger Quellen „Hof“ als recht schlüssiges Konzept erwiesen, Herrschaftsmechanismen in einer vormodernen Gesellschaft zu erklären. Die nun anderen, überaus dürren und dann häufig auch noch verzerrten Quellen für die Achämenidenzeit sind quasi eine „Nagelprobe“ für das Konzept vom Hof und den damit verbundenen Anspruch auf überzeitliche Geltung, welche nach Ausweis des Bandes im großen und ganzen wohl ganz gut bestanden worden ist. Der Wert des Achämenidenbeispiels besteht also darin, grundlegende Prinzipien der höfischen Herrschaftsausübung wie Gunstzuweisung, zeremoniale Repräsentation oder Luxuskonsum in einem ganz anderen historischen Zusammenhang, mit einer ganz anderen historischen Tradition und anhand anderer Quellen aufzuzeigen und damit der allgemeinen Hofforschung die Sicherheit zu geben, daß offenbar tatsächlich überzeitliche Strukturelemente in der Art und Weise existieren, wie Menschen in der Vergangenheit Herrschaftsbeziehungen organisiert haben.

Zweitens zeigt die Beschäftigung mit dem Achämenidenhof allerdings auch Unterschiede auf. Amélie Kuhrt und auch Jan Hirschbiegel weisen in ihren Zusammenfassungen darauf hin, daß der persische Hof in seiner Zeit ohne Konkurrenz war. Demgegenüber erklären sich aus Sicht der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte scheinbar viele der höfischen Prinzipien aus der Konkurrenz um Gunst, Macht und Prestige zu anderen Höflingen, zu anderen gesellschaftlichen Institutionen, zu anderen Höfen. Dies gilt vor allem für das späte Mittelalter in West- und Mitteleuropa, und selbst der französische Hof im Absolutismus, auch wenn er innerhalb Frankreichs recht konkurrenzlos gewesen sein mag, sah sich bedingt doch der Konkurrenz durch die Höfe anderer Pentarchiemächte gegenüber. Wenn also Herrschaftsmechanismen und Hoforganisation unter den Achämeniden ähnlich waren, ohne daß eine vergleichbare Intensität der Konkurrenz bestanden hat, müßte also von Seiten der Hof- und Residenzenforschung vielleicht noch einmal genauer hingesehen werden, um herauszufinden, welchen systembildenden Effekt Konkurrenz tatsächlich für die Struktur und das Regelwerk des vormodernen Hofes hatten.

Drittens berührt die Herrschaftsorganisation der Achämeniden, die Aufteilung des Herrschaftsgebiets in Satrapien und ihre Verwaltung durch Satrapen, die durch den König und seinen Hof kontrolliert werden, einen Punkt, der auch für die mittelalterliche Geschichte von Belang ist, zuletzt aber zunehmend ein wenig aus dem Blickfeld der Hof- und Residenzenforschung geraten zu sein scheint. Es geht nämlich um die Frage, wie ein mittelalterlicher Fürst Herrschaft in der Fläche ausübt, wie er also all jene beherrschen kann, die in der gedachten Anwesenheitsgesellschaft „Hof“ abwesend sind. Den Fürstenhof als die zentrale politische und wirtschaftliche Schaltstelle der alteuropäischen Gesellschaft anzusehen, ihn damit, beginnend mit Norbert Elias, nicht mehr nur lediglich auf seine kulturhistorische Bedeutung als Ort des Festes und des ostentativen Luxus zu reduzieren, ist eine nicht häufig genug zu würdigende Leistung der modernen Hof- und Residenzenforschung in den zurückliegenden 25 Jahren. Daß aber in der Hinwendung zur Organisation des Hofes und dessen politischer Funktion so manches Mal die praktische Verwaltung von Herrschaftsgebieten und die Verknüpfung des Hofs mit dieser Verwaltung vielleicht etwas zu kurz gekommen ist, wird deutlich am Beispiel des Achämenidenhofs, bei dem schon der akute Quellenmangel die Forschung auf die Untersuchung der Satrapien und ihrer Steuerung durch Satrapen und den König führen mußte.

Alles in allem handelt es sich hierbei um ein äußerst lesenswertes Buch, welches, ganz abgesehen von seiner hohen fachwissenschaftlichen Qualität, die Hof- und Residenzenforschung in ihrem Bemühen, allgemeine überzeitliche und zivilisationsübergreifende Strukturprinzipien der Herrschaftsausübung in vormodernen Gesellschaften herauszuarbeiten tatkräftig unterstützt und darüberhinaus den Mediävisten und Frühneuzeithistoriker zu manch weiterführender Idee im Umgang mit dem Gegenstand „Hof“ anzuregen vermag.

Ulf Christian Ewert, Hamburg*

 

 

Auge, Oliver: Handlungsspielräume fürstlicher Politik im Mittelalter. Der südliche Ostseeraum von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis in die frühe Reformationszeit, Ostfildern 2009 (Mittelalter-Forschungen 28) [Thorbecke, 544 S. mit 30 zum Teil farb. Abb. und Karten, 79 Euro].

 

Oliver Auge hat mit diesem Buch einen wichtigen landesgeschichtlichen Beitrag zur Herrschaft von Fürsten im südlichen Ostseeraum geleistet. Am Beispiel der Fürsten und Herren von Mecklenburg und Werle, Wenden, von Pommern und Rügen untersucht er dazu von ihm definierte Handlungsspielräume. Darunter versteht er die Möglichkeiten der Fürsten, auf Herausforderungen zu reagieren, die sich ihnen im Verlauf des Untersuchungszeitraumes in einem „Koordinatensystem“ aus unterschiedlichen Aspekten stellten. Fünf Koordinaten – der geographische Raum, die Finanzen und die Wirtschaft, die Dynastie und die Familie mit ihren biologischen Kontingenzen, die verfassungsrechtliche Stellung und der Rang des Fürsten im Reich sowie ihr Rangbewußtsein und ihre dynastische Repräsentation (S. 8) – führt Auge in sogenannten „Konstellationsanalysen“ zusammen, um die Handlungsspielräume seiner fürstlichen Akteure ausloten zu können. Die Koordinaten sind zugleich Grundlage für die Gliederung des Buches: (I) Raum, seine Kräfte und seine Herausforderungen, (II) Fürstliche Finanzen, (III) Fürst, Familie, Dynastie, (IV) Verfassungsrechtliche Stellung, (V) Fürstliches Rangbewußtsein und dynastische Repräsentation.

Im ersten Abschnitt untersucht Auge die Mittel der Fürsten im Ringen um innere Stabilität und äußere Sicherheit. Das Lehenswesen, die Bündnispolitik und der Versuch, regionale Vormachtstellungen zu gewinnen, werden dargestellt. Die andere Seite der fürstlichen Politik betraf die Durchdringung und Sicherung des eigenen Herrschaftsbereiches. Es galt – wie auch in anderen Territorien – den geistlichen und weltlichen Adel (die Kirche hat nach Auge den wenigsten Widerstand geleistet), die Städte (die Autonomie der Hansestädte konnte kaum gebrochen werden) unter fürstliche Herrschaft zu zwingen. Den Auf- und Ausbau der Residenzen – vor allem am Beispiel von Stettin – und der Universitäten Rostock und Greifswald erklärt Auge zu Infrastrukturmaßnahmen mit der Absicht, fürstliche Handlungsspielräume zu erweitern. Im zweiten Abschnitt bietet Auge einen Abriß der Geld- und Finanzgeschichte, die zunächst durch den Ausverkauf von Herrschafts- und Besitzrechten gekennzeichnet ist, bis gegen Ende des 15. Jahrhunderts auch in Mecklenburg und Pommern Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung ergriffen wurden. Im dritten Abschnitt widmet sich Auge der Bedeutung der Verwandten für das fürstliche Handeln, dem Konnubium und der Heiratspolitik. Wie bei anderen Dynastien auch galt es, mit Landesteilungen als Krisen dynastischer Einheit umzugehen, und wie andere Fürsten waren Verwandte sowohl Helfer und Vermittler als auch Gegner von Fürsten. Auge rekurriert auf die Erbverbrüderungen und Teilungsverträge als zentrale Mittel, um die durch Teilungen gefährdete Einheit zu sichern. Erstaunlich ist, daß er auf die Familienkommunikation, die für andere Dynastien als wesentliches Element für die Familienorganisation und die Entwicklung eines die einzelnen Mitglieder disziplinierenden Hausdenkens nicht eingeht[336]. Ob tatsächlich nur „der Wille des einzelnen“ im Kontext einer „Gesamtkonstellation“ (S. 353) als Erklärung für das Funktionieren der verwandtschaftlichen Solidarität ausreicht, ist wenigstens diskussionswürdig. Die Heiratspolitik der nordostdeutschen Fürsten verlief weitgehend in den Bahnen ihrer Standesgenossen und hatte ähnliche Ziele (Frieden, Bündnis, Erbschaft). Die Heiratsverbindungen wurden bis zum Ende des 15. Jahrhunderts weitgehend auf gleichem sozialständischen Niveau – „am unteren Ende des Reichsfürstenstandes“ (S. 353) – geschlossen. Die Ehefrauen der Fürsten sind interessanterweise für Auge vor allem im Kontext des adeligen Heiratsabgabensystems von Bedeutung. Jedenfalls treten sie hier als Partner(innen) der Fürsten – Stichwort: Regierendes Paar – nicht auf. Im vierten Teil geht es um die Verortung der Fürsten in der Reichsverfassung einerseits sowie die durch den Besuch von Reichstagen (!), Königsdienst und Beziehungspflege zwischen den Reichsfürsten gewonnenen Spielräume. Um 1480 hatten die Fürsten verstetigten Kontakt zum Königshof, was „für die damals zunehmende Integration der Fürsten des Nordostens in das Reich spricht“ (S. 354). Insgesamt ist auch erkennbar, daß sich die Kontakte der Fürsten zu Standesgenossen im Süden und Westen des Reiches verdichteten zugunsten der bis dahin überwiegenden Orientierung nach Skandinavien und Polen. Im fünften Abschnitt schließlich behandelt Auge das fürstliche Rangbewußtsein und Formen der dynastischen Repräsentation im Nordosten des Reiches mit dem zeitlichen Schwerpunkt um 1500. Als „Bausteine“ des Rangbewußtseins identifiziert Auge Gewaltbereitschaft, Freigebigkeit (largitas), die Propagierung und Praxis einer christlichen Herrschaft (Stiftungen, Pilgerfahrten, Familienmemoria) und eines ehrwürdigen Alters der Dynastie (antiquitas), die durch Genealogien, Architektur und Hofgeschichtsschreibung – z. B. durch Ernst von Kirchberg und Nikolaus Marschalk für die Mecklenburger – beschworen und herbeigeschrieben wurde. Daß die mecklenburgischen Herzöge gegen Ende des 15. Jahrhunderts ihre besondere Dignität betonten, hat seine Ursache in ihrer Hinwendung zum Kernreich und die damit verbundene zunehmende Konkurrenzsituation mit anderen Reichsfürsten (S. 325). Betont haben sie die Zugehörigkeit zum Reichsfürstenstand – was auch mit der Verwendung der hochdeutschen Sprache anstatt des Niederdeutschen signalisiert wurde – und die Einheit von Dynastie, Land und Volk (S. 331-332). Als pater patriae verstanden sich schließlich explizit sowohl Magnus II. von Mecklenburg wie auch Bogislaw X. von Pommern. Auge konstatiert zudem eine „spürbare Entfaltung einer transpersonalen dynastischen Idee“ (S. 355).

Der Zuschnitt seines Themas und der Zugriff auf die Quellen erfolgt mit der Absicht, „einen neuerlichen Perspektivwechsel in der Geschichtswissenschaft vorzunehmen, die seit dem socio-cultural turn ihren Schwerpunkt unbestritten im gesellschafts- und kulturwissenschaftlichen Bereich sucht und demgegenüber politik-, rechts-, ja sogar wirtschaftsgeschichtliche Fragestellungen eher vernachlässigt“ (S. 347). Da staunt man doch, denn in der Landesgeschichte insgesamt ist kaum eine echte kulturgeschichtliche Wende zu erkennen und bei den Forschungen zum hohen und fürstlichen Adel hat man gerade an den vorliegenden guten Arbeiten zur Politik- und Verfassungsgeschichte (z.B. Habsburger, Wittelsbacher, Welfen, Hohenzollern in Brandenburg) angeknüpft und in kulturwissenschaftlicher Perspektive erweitert. Es wurde z.B. danach gefragt, wie die Familien und Dynastien es trotz der rechtlichen Vorgaben und Konflikte (Recht auf Herrschaft im Prinzip für jeden legitimen Sohn) im 14. und 15. Jahrhundert erreicht haben, eine verbindliche Familienstrategie zu entwickeln und auch durchzusetzen (z.B. die Wettiner). Denn das generationsübergreifende Gelingen dieses Handelns wird als wichtige Voraussetzung für politischen Erfolg im Sinne von Herrschaftssicherung, Herrschaftsausbau, Mehrung von Ruhm und Ehre eingeschätzt. Wenn vor diesem Befund dann bei Auge zu lesen ist, daß für die Einheit der Dynastie der biologische Zufall wirksamer war als die „Hausobservanz“ (S. 352), dann fragt man sich, ob das ein Spezifikum der von Auge untersuchten Dynastien war – was wahrscheinlich ist, denn die für eine kulturgeschichtliche Perspektive nötigen Vorarbeiten lagen für Auges Fürsten nicht vor – oder ob das eine allgemeingültige Schlußfolgerung ist. Eine Einordnung seiner Lesarten in den Forschungskontext bietet Auge seinen Lesern nicht an.

Aufgrund der Forschungslage zum fürstlichen Adel in seiner Untersuchungsregion – Auge verweist selber auf den „vergleichsweise rudimentären Forschungsstand“ (S. 10) – lag es nahe, zunächst die wichtigen Aspekte aufzuarbeiten. Das ist ihm gut gelungen. Der ausgerufene „political return innerhalb des cultural turns“ (S. 6) wirkt dabei allerdings aufgesetzt. In methodischer Hinsicht ist mittlerweile unbestritten, daß Wirtschaft, Politik wie soziale Verhältnisse weder getrennte noch komplementäre Felder der Kultur, sondern genuine Felder der kulturellen Praxis sind. Auge überrascht auch mit dem Postulat, daß in dem „damaligen politischen System“ im Prinzip nur der eigene „Vorteil als Handlungsmaxime“ bekannt war (S. 357). Die Wirkung von herrschaftseinhegenden und politisches Handeln begrenzenden Normen und Werten wie das bonum commune (Gemeiner Nutzen) auf die Handlungsspielräume veranschlagt Auge offensichtlich als gering. Wiewohl er als Merkmal des fürstlichen Rangbewußtseins das christliche Herrscherideal als Fluchtpunkt des fürstlichen politischen Handelns erwähnt (S. 318).

Im Sinne der Vorstellung der Untersuchungsregion und der dort politisch handelnden Fürsten wäre die Behandlung und Reflexion über die Überlieferungslage und das historische Material nützlich gewesen. Nicht nur über die Quellengrundlage zur Untersuchung des fürstlichen Rangbewußtseins (wie auf S. 303 bis 310 zur Historiographie) würde man gerne näher informiert, sondern überhaupt über Möglichkeiten und Grenzen des Erkenntnisgewinns, den die zur Verfügung stehende Überlieferung zuläßt.

Zu würdigen ist aber auf jeden Fall Auges Beitrag zum Verständnis des politischen Handelns von Fürsten. Er unterstreicht mit seinen Ergebnissen einen Perspektivenwechsel auf dieser Ebene, nämlich daß vieles im Handeln der Fürsten nicht Plan war, sondern Entwicklung, nicht geplante Aktion, sondern – im besten Fall durchdachte – Reaktion (S. 7). Damit unterstützt er zu Recht eine Lesart, die in den letzten Jahren im Bereich der landesgeschichtlichen Forschung zwar auch verfolgt wurde, sich aber noch nicht richtig durchsetzen konnte. Aus dem historischen Material wird dabei nicht mehr eine wie auch immer rational geplante fürstliche Politik, die konsequent auf den Ausbau der inneren und äußeren Herrschaft ausgerichtet war, herausgelesen. Vielmehr werden auch die Beschränkungen der Herrschaft erkannt und der Einfluß von kontingenten Faktoren auf den politischen Entscheidungs- und Handlungsspielraum gewürdigt. Auges Buch wird hoffentlich dazu beitragen, diese Bewertung des politischen Handelns von Fürsten weiter zu verbreiten.

Jörg Rogge, Mainz*

 


Diplomatisches Zeremoniell in Europa und im Mittleren Osten in der frühen Neuzeit, hg. von Ralph Kauz, Giorgio Rota und Jan Paul Niederkorn, Wien 2009 (Österreichische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse. Sitzungsberichte, 796; Archiv für österreichische Geschichte, 141; Veröffentlichungen zur Iranistik, 52) [Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, 412 S., brosch., 34 farb. und sw.-Abb., Karten, 63,20 Euro].

 

Der mit zahlreichen Tafeln in Farbe und schwarz-weiß, Plänen und Karten ausgestattete Sammelband umfaßt zwölf deutsche, zwei englische und einen französischen Beitrag. Sie sind aus einer Tagung hervorgegangen, die am 28. und 29. November 2005 in Wien als 2. Symposium „Iranisch geprägte Kulturen zwischen Tradition und Modernität“ des Instituts für Iranistik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und als 11. Workshop des Arbeitskreises „Höfe des Hauses Österreich“ der Historischen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften abgehalten wurde1. Wie die Herausgeber Ralph Kauz, Giorgio Rota und Jan Paul Niederkorn in ihrem sehr knappen Vorwort (S. VII-IX) formulieren, will der Sammelband einen Beitrag zur Analyse von Zeremoniell und diplomatischer Praxis in der Frühen Neuzeit leisten sowie soziale und kulturelle Aspekte der zwischenstaatlichen Kommunikation und Interaktion in deren Prozeßhaftigkeit und im internationalen Vergleich faßbar machen. Der Schwerpunkt der Aufsätze ist dem Kaiserhof in Wien und habsburgischen Gesandtschaften gewidmet (fünf bzw. zwei Beiträge). Weitere Schwerpunkte bilden der osmanische Hof in Istanbul und die osmanische Diplomatie sowie venezianische Gesandtschaften beziehungsweise diplomatisches Zeremoniell in Venedig (je drei Beiträge) und persische Gesandtschaften (zwei Beiträge).

Der Sammelband verfügt über keine eigentliche Einführung. Der Aufsatz von André Krischer, „Souveränität als sozialer Status: Zur Funktion des diplomatischen Zeremoniells in der Frühen Neuzeit“ (S. 1-32), kann laut den Herausgebern jedoch „als Einleitung und Auftakt zur Problematik verstanden werden“ (S. VIII). André Krischer etabliert aus kulturgeschichtlicher Sicht die Zusammenhänge von Zeremoniell und Diplomatie sowie von symbolischer Interaktion und frühneuzeitlicher Politik. Er diskutiert ausführlich die Bedeutung des Zeremoniells als eine Art der symbolischen Kommunikation, den Stellenwert des diplomatischen Zeremoniells in der Ständegesellschaft sowie die Bedeutung diplomatischer Rangstufen. Daneben geht er auch auf die Pluralität des diplomatischen Zeremoniells und auf Gesandtschaftsberichte als Quellen für die Zeremonialforschung ein. In seinen Ausführungen wird diplomatisches Zeremoniell als ein wichtiges Merkmal der politischen Kommunikation in ständischen Gesellschaften faßbar, die idealtypischerweise von Angesicht zu Angesicht stattfand. Die Fähigkeit der zeremoniellen Zeichensprache, die Ansprüche auf soziale Schätzung und Anerkennung sozialer Geltung kommunizieren kann, macht deutlich, wie stark politische und soziale Ordnung im frühneuzeitlichen Europa verschränkt waren. Krischer kann in seiner Darstellung auf die äußerst reichen Erkenntnisse zu europäischen Höfen und Diplomatie rekurrieren, die – wie auch die ihnen zugrundeliegenden theoretischen Ansätze – grundsätzlich auch auf zeremonielle Formen im Nahen und Mittleren Osten anwendbar sind. An Krischers Fokus auf europäische Zusammenhänge läßt sich auch ablesen, daß die Forschung zum Zeremoniell an nahöstlichen Höfen noch sehr viel weniger weit fortgeschritten ist.

Leopold Auers Beitrag „Diplomatisches Zeremoniell am Kaiserhof der Frühen Neuzeit: Perspektiven eines Forschungsthemas“ (S. 33-53) zielt darauf ab, den Forschungsstand in Bezug auf diplomatisches Zeremoniell im Allgemeinen und jenes am Wiener Hof im Besonderen kritisch zu reflektieren und Forschungsdefizite aufzuzeigen. In seiner Bestandsaufnahme zu Rolle und Bedeutung von zeremoniellen Akten eruiert Auer einerseits praktische Zwecke – das Zeremoniell sollte für einen geordneten Ablauf höfischer Ereignisse sorgen – andererseits symbolische, da das Zeremoniell die Bedeutung des Geschehens sichtbar macht. Leopold Auer macht die Besonderheiten des Zeremoniells am Kaiserhof anhand von Stichproben im verfügbaren Quellenmaterial fest. Trotz Veränderungen im Stellenwert des Zeremoniells, die mit der Wechselwirkung von Macht und deren Repräsentation zusammenhängen, ist am Kaiserhof eine konservative Tendenz festzustellen; Anpassungen an neue Umstände fanden nur in geringem Ausmaß statt. Veränderungen und Umbrüche sind laut Auer zwar erkennbar, aber noch nicht ausreichend erforscht.

Herbert Karner beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Zeremoniell, Raumabfolgen und Raumgestaltung am Wiener Hof („Raum und Zeremoniell in der Wiener Hofburg des 17. Jahrhunderts“, S. 55-78). Während sich die Abfolge von Räumen bei zeremoniellen Ereignissen anhand von Zeremonialprotokollen, Augenzeugenberichten und Illustrationen gut rekonstruieren läßt, geben dieselben Quellen nur wenig Aufschluß über das Aussehen der Räumlichkeiten und die Abhängigkeit der Ausstattung vom jeweiligen zeremoniellen Geschehen. Die von Herbert Karner rekonstruierten Audienzen lassen ihn zum Schluß kommen, daß es in den Residenzen der Habsburger einen ziemlich verbindlichen Raumkanon gegeben hat, der als „Teil der kaiserlichen Identität“ zu verstehen ist (S. 71). Möglicherweise gab es auch eine hierarchische Stufung der kaiserlichen Residenzen in Wien. Eine Bestätigung aber, daß die Qualität der Raumausstattung mit dem Stellenwert der Räume in den Residenzen zunimmt, läßt sich in den Quellen des 17. Jahrhunderts nicht finden.

Der Beitrag „Das Zeremoniell der Einzüge und Antrittsaudienzen der venezianischen Botschafter am Kaiserhof“ (S. 79-96) von Jan Paul Niederkorn setzt sich mit dem Zeremoniell als Medium auseinander, über das politische Geltungsansprüche angebracht, anerkannt oder zurückgewiesen wurden. Niederkorn untersucht dazu die Berichte, die venezianische Botschafter über ihre Einholung und ihre Antrittsaudienz in Wien erstellten. Der von der Republik Venedig beanspruchte Rang eines Königreiches wurde Mitte des 17. Jahrhunderts nicht mehr von allen Reichsfürsten anerkannt („venezianischer Präzedenzstreit“). Deswegen richteten die Botschafter ein besonderes Augenmerk auf diese Zeremonien, da der feierliche Einzug von Gesandten und die anschließende Antrittsaudienz beim Kaiser als „königliches Tractament“ dazu dienten, den königlichen Rang des durch den Gesandten repräsentierten Potentaten zu demonstrieren. Das Interesse der Venezianer am Ablauf dieser zeremoniellen Akte nahm mit deren Normierung im 18. Jahrhundert ab. Die feierlichen Einzüge verloren auch allmählich an Häufigkeit und Bedeutung, so sind nach 1770 neben den Einzügen der päpstlichen Nuntien nur noch jene von osmanischen und marokkanischen Gesandten überliefert; 1801 wurden sie ganz aufgegeben.

In Elisabeth Garms-Cornides’ Aufsatz geht es um die Stellung des päpstlichen Nuntius in der kaiserlichen Hofliturgie („‚Per sostenere il decoro‘: Beobachtungen zum Zeremoniell des päpstlichen Nuntius in Wien im Spannungsfeld von Diplomatie und Liturgie“, S. 97-129). Die Nuntien erlebten in den 1620er Jahren einen einzigartigen Aufstieg „zu einer Art Hofbischof“ (S. 102). Sie dominierten nicht nur das liturgische Geschehen am Hof, sondern hatten dank ihres freien Zugangs zur Herrscherfamilie auch großen politischen Einfluß. Diese Vorrangstellung des Nuntius wurde bereits Ende des 17. Jahrhunderts von Reichsfürsten in Frage gestellt, die mit dem Kaiserhaus verbunden waren und sich am Hof aufhielten, was sich in Präzedenzstreitigkeiten äußerte. Zu größeren Veränderungen der Stellung des päpstlichen Repräsentanten kam es mit der Einrichtung des Erzbistums Wien im Jahre 1722, als er dem Kardinal-Erzbischof den Vortritt in liturgischen Angelegenheiten gewähren mußte. Diese Entwicklung fand in josephinischer Zeit ihren Abschluß, als der Nuntius aus der Hofliturgie ausgegrenzt wurde. Die Präzedenzstreitigkeiten wurden aber erst mit dem Wiener Kongreß obsolet, als der Nuntius dank des Anciennitätsprinzips als ständiger Doyen anerkannt wurde, aber gleichzeitig seine alte liturgische Stellung und damit den politischen Einfluß, den sie implizierte, verlor. Elisabeth Garms-Cornides befaßt sich auch mit der Weitergabe von zeremoniellem Wissen durch die Nuntien und die päpstlichen Behörden, deren Akten Vergleiche zwischen zeremoniellen Formen einzelner Staaten erlauben. Es waren gerade die zeremoniellen Dispute um das unklare Verhältnis zwischen Nuntius und nichtregierenden Mitgliedern des Kaiserhauses, die dieses reiche Quellenmaterial an Nuntiaturberichten, Zeremonialmemorialien und -instruktionen generierten.

Der letzte Beitrag, der sich mit dem Zeremoniell am Kaiserhof beschäftigt, öffnet gleichzeitig das Fenster zum Nahen Osten: „Besuch aus Persien: Die Gesandtschaft von 1819 an den Wiener Hof“ von Sibylle Wentker (S. 131-153). Im Jahre 1819 nahm eine Delegation des persischen Königs Fath Ali Schah nach England ihren Weg über Wien. Diese Gesandtschaft sorgte in Wien für einige Verwirrung und Mißverständnisse, über die das Tagebuch und die Autobiographie des Orientalisten Joseph von Hammer, damals Hofdolmetscher in der Staatskanzlei, Auskunft geben. Zweck des Aufenthalts der persischen Gesandtschaft waren Audienzen bei Kaiser und Kaiserin, bei denen Briefe und Geschenke des Königs zu übergeben waren, sowie ein Treffen mit Fürst von Metternich. Da der Empfang einer persischen Gesandtschaft in Wien etwas Ungewöhnliches war, war die Klärung zeremonieller Fragen erforderlich, wobei man sich an einer außerordentlichen Gesandtschaft des Osmanischen Reiches von 1792 orientieren konnte. Trotz langer Verhandlungen über das Protokoll hielt sich Abu l-Hasan Khan, der für London vorgesehene Botschafter, bei den Audienzen beim Kaiser und seiner Gemahlin nicht an die Abmachungen, sondern verstieß mit einer Reihe gezielter Provokationen gegen das Protokoll. Hier zeigt sich, wie unterschiedliche Erwartungshaltungen und Einschätzungen, die an diplomatisches Zeremoniell herangetragen werden, kollidierten und zu Konflikten führen konnten.

Dorothee Linnemann analysiert in ihrem reich illustrierten Aufsatz „Die Bildlichkeit von Friedenskongressen des 17. und frühen 18. Jahrhunderts im Kontext zeitgenössischer Zeremonialdarstellung und diplomatischer Praxis“ (S. 155-186). Sie verwendet bildliche Darstellungen von Friedensschlüssen und Reichstagen als historische Quellen, die den Strukturwandel des europäischen Staatensystems seit dem Dreißigjährigen Krieg ikonographisch reflektieren. Dabei stellt sie die Frage, ob sich im ikonographischen Bildtypus der Darstellungen zeremonieller diplomatischer Praxis eine Verschiebung vom Zeremoniell hin zu sachlich-technischen Verfahren feststellen läßt. Dazu analysiert Dorothee Linnemann zuerst die Darstellungstypen diplomatischer Praxis auf Friedenskongressen und verfolgt deren Entwicklung von der Mitte des 17. bis ins frühe 18. Jahrhundert, um sie anschließend mit den Bilddarstellungen von Reichstagen in Beziehung zu setzen. Sie argumentiert sehr schlüssig, daß die Darstellungen von Friedenskongressen der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts „trotz ihrer unterschiedlichen kompositorischen Herangehensweisen als funktionales Äquivalent zur zeremoniellen Praxis anzusehen“ sind (S. 169). Sie legt dar, daß sich um 1700 herum eine signifikante Veränderung in der druckgraphischen Darstellung von Friedenskongressen einstellte: Neutral-technische Verfahren – vor allem die Verhandlungen selbst – rückten in den Vordergrund, während die vorher prominent dargestellten Solennitäten (etwa die Beeidung des Friedens) und die prunkvolle Ausstattung der Räume kaum mehr gezeigt wurden. Bei Darstellungen der Reichstage zeigen sich parallele Verschiebungen: Im 17. Jahrhundert reflektieren sie Auseinandersetzungen von Fürsten und Ständen um Status, die um 1700 einem schematischen Darstellungsprinzip wichen, das die Momenthaftigkeit des Ereignisses auflöst und statt personalen Beziehungen unpersönliche Rangkonstellationen von Korporationen darstellt.

In seinem Aufsatz „Les itinéraires des ambassadeurs pour les audiences à Versailles au temps de Louis XIV“ (S. 187-211) verfolgt Gérard Sabatier einen ähnlichen raumbezogenen Ansatz wie Herbert Karner. Sabatier bietet eine detailreiche Rekonstruktion der Wege, die Diplomaten in Versailles zu ihren Empfängen bei Ludwig XIV. zurückzulegen hatten, und beschreibt die Zusammensetzung des Hof- und Wachpersonals, das an den Gesandtschaftsempfängen beteiligt war, wie auch die Ausstattung der Räume, die bei diesen Ereignissen durchschritten wurden. Die bei den gewählten Wegen und dem eingesetzten Personal festzustellenden Besonderheiten sind zum Teil an die hierarchische Position der jeweils empfangenen Gesandten beziehungsweise der Potentaten, die sie repräsentierten, geknüpft. Eine Neuheit am Hof Ludwigs XIV. waren die Gesandtschaften aus fernen Ländern (aus Rußland, dem Osmanischen Reich, Marokko, Persien, Siam). Für diese wurden oft längere Wege gewählt und prächtigere Einzüge mit zahlreicheren Teilnehmern veranstaltet als für Gesandtschaften europäischer Fürsten. Der größere Aufwand sollte vor allem dazu dienen, die Delegationen aus den fernen Ländern zu beeindrucken und die Macht des französischen Königs in Szene zu setzen.

Giorgio Rotas Beitrag basiert auf venezianischen Quellen, die über den Empfang von Gesandten des safawidischen Persiens in der Serenissima Auskunft geben („Safavid Envoys in Venice“, S. 213-249). Aus venezianischer Sicht lassen sich die diplomatischen Beziehungen zu den Safawiden in zwei Perioden einteilen: Im 16. Jahrhundert war Persien als potentieller Verbündeter gegen das Osmanische Reich von Bedeutung. Im 17. Jahrhundert traten Handelsbeziehungen in den Vordergrund, während Politik zunehmend an Relevanz verlor. So bemühte sich Venedig seit dem Kretakrieg (1645-1669) und dem Krieg der Heiligen Liga (1684-1699) gegen das Osmanenreich kaum mehr um ein Bündnis mit den Persern, zumal die Safawiden 1639 im Frieden von Kasr-ı Şirin einen Modus vivendi mit den Osmanen gefunden hatten. Das politische Interesse ließ auch von safawidischer Seite nach, deren Gesandtschaften im frühen 17. Jahrhundert oft von Kaufleuten geleitet wurden, die als Überbringer von Briefen und Geschenken ihres Königs agierten, aber keine politischen Verhandlungen zu führen hatten. Die Besonderheiten im Empfangsprotokoll der persischen Gesandten sind auf spezifische Gründe, in erster Linie auf ihren Stand und in zweiter Linie auf die geringe politische Signifikanz ihres Auftrags, zurückzuführen. Als Kaufleute wurden sie als weniger wichtig eingestuft als adelige Diplomaten, daher – und weil sie kaum je mit wichtigen Verhandlungen beauftragt waren – wurde die venezianische Aristokratie nicht zu ihrem Empfang aufgeboten. Auf der anderen Seite genossen sie aber mehr Bewegungsfreiheit als osmanische Gesandte und konnten anders als diese ihre Residenz frei wählen.

Gisela Procházka-Eisl und Claudia Römer setzen sich mit der diplomatischen Tätigkeit der osmanischen Gouverneure (Beglerbege) von Buda (Ungarn) im mittleren 16. Jahrhundert auseinander („Raub, Mord und Übergriffe an der habsburgisch-osmanischen Grenze: Der diplomatische Alltag der Beglerbege von Buda abseits von Zeremonien“, S. 251-264). Die in Wien aufbewahrten Briefe der Gouverneure an habsburgische Stellen präsentieren sich als ein sehr heterogenes Material, das vor allem über den Alltag an der habsburgisch-osmanischen Grenze Aufschluß gibt. Die beiden Autorinnen analysieren dieses Material nach Inhalt und Stil wie auch nach der Funktion des Gouverneurs als Ordner an der Grenze, als Vermittler und Informationsdrehscheibe zwischen Istanbul und Wien. Wichtige Themen der Korrespondenz sind Tributzahlungen, die Zustände an der Grenze (Grenzverletzungen, Übergriffe, Klagen etc.) und die Abfertigung von Gesandten. In den Schreiben der Gouverneure dominieren alltägliche Angelegenheiten, zeremonielle Angelegenheiten sind nicht faßbar; die Briefschaften weisen jedoch in Sprache und Stil Eigenheiten einer zeremoniellen Sprache auf.

Thema des Aufsatzes von Iskra Schwarcz sind „Die kaiserlichen Gesandten und das diplomatische Zeremoniell am Moskauer Hof in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts“ (S. 265-286). Ein zentrales Problem in den diplomatischen Beziehungen zwischen Wien und Moskau waren die Statusansprüche des Zaren. Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts versuchten die Zaren, durch ihre Diplomaten eine angemessene Repräsentation ihrer Macht und Stellung an den europäischen Höfen durchzusetzen. Verbunden damit waren auch Modifikationen in der Titulatur des Zaren, insbesondere die Annahme des Kaisertitels durch Peter den Großen 1721. Die Gleichwertigkeit von Römisch-deutschem und Russischem Kaiser blieb jedoch lange Zeit hoch umstritten, weswegen die Russen versuchten, die eigene Stellung durch protokollarische Maßnahmen abzusichern, bedeuteten doch zeremonielle Änderungen im diplomatischen Protokoll immer auch eine Veränderung des Ranges eines Herrschers in der Fürstengemeinschaft. Auch Geschenke dienen der Abbildung und Durchsetzung von Status- und Rangansprüchen. Sie transportierten politische Aussagen und wirkten „imagewerbend“ für den jeweiligen Monarchen. Die russischen Geschenke wie auch die diplomatischen Formen weisen eine hohe Varianz auf, da das diplomatische Zeremoniell am Moskauer Hof Elemente aus „westlichen und östlichen Traditionen“ (S. 286) vereinigte und dem jeweiligen Gegenüber angepaßt werden konnte. Auf habsburgischer Seite führten unvertraute zeremonielle Praktiken aber gelegentlich zu Mißverständnissen und Fehlinterpretationen.

Maria Pia Pedani („The Sultan and the Venetian Bailo: Ceremonial Diplomatic Protocol in Istanbul“, S. 287-299) und Ernst D. Petritsch („Zeremoniell bei Empfängen habsburgischer Gesandtschaften in Konstantinopel“, S. 301-322) setzen sich mit der europäischen Sicht auf das osmanische Zeremoniell am Hof des Sultans im Topkapı-Palast in Istanbul auseinander. Viel stärker noch als in der Untersuchung von Iskra Schwarcz wird aus Maria Pia Pedanis Ausführungen über die Empfänge venezianischer Gesandter (baili) das Hauptproblem ersichtlich, das sich aus unterschiedlichen zeremoniellen Sprachen ergab: Die Venezianer waren nicht in der Lage, die osmanischen Audienzzeremonien richtig zu verstehen. Sie empfanden einzelne Rituale, vor allem jenes, bei dem die Gesandten von zwei Höflingen an den Armen gefaßt und vor den Sultan geführt wurden, um ihm die Hand oder gar den Boden vor ihm zu küssen, als erniedrigend. Auch andere zeremonielle Formen, wie das Schweigen des Sultans bei der Audienz und der Umstand, daß er sich nicht erhob, wenn die Gesandten vor ihn geführt wurden, ja selbst die Tischsitten bei Hofe konnten die Europäer kaum adäquat interpretieren. Die Osmanen auf der anderen Seite empfanden das Verhalten europäischer Diplomaten oft als befremdlich oder gar ungehobelt. In den Berichten aus dem Umfeld habsburgischer Gesandtschaften und ständiger Residenten in Istanbul, die Ernst D. Petritsch bearbeitet, taucht die gleiche Problematik des Mißverständnisses auf. Die Position der habsburgischen Diplomaten in Istanbul wandelte sich im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts sehr stark. Die Habsburger hatten sich im Friedensschluß von 1547 verpflichtet, dem Sultan für den ihnen verbliebenen Teil Ungarns Zahlungen zu leisten, was die Habsburger als „Geschenke“, die Osmanen aber als „Tribut“ verstanden. Die Osmanen betrachteten den Römisch-deutschen Kaiser nur als „König von Österreich“ oder „König von Wien“ (Nemçe Kıralı bzw. Beç Kıralı). Die habsburgischen Gesandten agierten also aus einer klar untergeordneten Position ihres Monarchen heraus. Erst der Friede von Zsitvatorok 1606 brachte die Anerkennung der Gleichrangigkeit der beiden Herrscher und das Ende der als lästig empfundenen „Tributpflicht“. Von nun an sandten Habsburger und Osmanen gleichermaßen Gesandtschaften mit gleichwertigen Geschenken in die Hauptstadt der jeweils anderen Seite (sog. Großbotschaften). Dabei wurde auf das Zeremoniell bei der „Auswechslung“ der Gesandten an der Grenze besonders großer Wert gelegt. Nach dem für die Habsburger sehr günstigen Friedensschluß von Karlowitz im Jahre 1699 befanden sich die kaiserlichen Gesandten in einer sehr starken Position, die sich deutlich in einem Wandel des Zeremoniells am Sultanshof widerspiegelte. Das als demütigend empfundene Handkußritual bei der Antrittsaudienz wurde fallengelassen. Das diplomatische Zeremoniell in Istanbul war also stark von der außenpolitischen Stellung des Kaiser beziehungsweise des Sultans abhängig.

Das Thema des Beitrags von Roman Siebertz ist Pieter van den Broecke (1585-1640), der als Vertreter der niederländischen Vereinigten Ostindischen Compagnie (VOC) im Jemen und in Indien agierte („Ein Kaufmann als Diplomat: Pieter van den Broecke als Vertreter der Niederländischen Ostindiengesellschaft in Arabien und Indien 1615-1629“, S. 323-348). Siebertz charakterisiert van den Broecke als einen Kaufmann, der als geschickter und pragmatischer Machtpolitiker auftrat und dem es immer wieder gelang, sich an protokollarische und zeremonielle Formen anzupassen, um die Interessen der VOC bei Vertretern der osmanischen Herrschaft im Jemen und bei indisch-muslimischen Herrschaftsträgern durchsetzen. Dabei hielt er sich an die Strategie, Konflikte durch Vermittlung und gute persönliche Beziehungen beizulegen. Laut Siebertz war van den Broecke kein Diplomat im engeren Sinne, dennoch könne er „als ein Beispiel früher europäischer Diplomatie in Asien“ gesehen werden (S  348).

Der letzte Beitrag des Bandes von Ralph Kauz fokussiert auf die diplomatischen Beziehungen zwischen dem zentralasiatischen Timuridenreich und China im frühen 15. Jahrhundert („Hofzeremoniell und Politik bei den Timuriden: Die Gesandtschaften aus China“, S. 349-365). Ralph Kauz bietet einen kurzen Überblick über den Verlauf chinesischer Gesandtschaften und über die timuridische Außenpolitik, in der Gesandtschaften vier Funktionen zu übernehmen hatten: außenpolitische Vermittlung, Nachrichtenübermittlung, Sammeln von (militärisch relevanten) Informationen sowie Repräsentation nach innen und außen. Anschließend untersucht er die Widerspiegelung dieser Funktionen im Zeremoniell an den timuridischen Höfen von Samarkand und Herat im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts. Die Quellen, die Kauz für die Gesandtschaft nach Herat unter Chen Cheng (1413-1415) zur Verfügung stehen, erlauben lediglich eine Skizzierung des Gesandtschaftszeremoniells. Dabei sind im timuridischen Zeremoniell Einflüsse des mongolischen auszumachen, das seinerseits aus Zentralasien und China beeinflußt war. Besonders auffällig ist dabei, daß die Frauen des Herrschers an den offiziellen Zeremonien teilnahmen. Kauz charakterisiert das diplomatische Zeremoniell an den timuridischen Höfen als „Ausdruck eienr aktiven politischen Kommunikation zwischen Zentral- und Ostasien“ (S. 363), weist aber auch darauf hin, daß dieses Thema trotz des verfügbaren Quellenmaterials noch kaum erforscht ist.


Die Beiträge dieses Sammelbandes bieten facettenreiche Einblicke in die zeremonielle Praxis frühneuzeitlicher Diplomatie. Dabei ist die Nutzung des Zeremoniells für Verhandlungen über die Anerkennung von Rang und Status eine Gemeinsamkeit, die sich in den meisten der Beiträge wiederfinden läßt. Die analytische Tiefe und theoretische Abstützung der einzelnen Aufsätze ist jedoch sehr unterschiedlich, einige erschöpfen sich in einer detaillierten Deskription zeremonieller Praktiken, wobei die Interpretation und Analyse der dargestellten Zusammenhänge zu kurz kommt. Die Hoffnung der Herausgeber, daß die Beiträge nicht nur zur Gegenüberstellung zeremonieller Praxis verschiedener Länder genutzt werden können, sondern Zeremonialfragen und diplomatische Praxis in der Interaktion verschiedener Kulturen und politischer Systeme vergleichbar machen, erfüllt sich nur bedingt. Natürlich bieten alle Beiträge hinreichend Material, das solche Vergleiche ermöglicht, es ist aber bedauerlich, daß der Band keinerlei Synthese enthält, die die doch recht heterogenen Erkenntnisse zusammenführt und einen Versuch in Richtung des sehr wünschenswerten Vergleichs unternimmt. Des Weiteren zeigt sich in dem Sammelband sehr deutlich, daß die auf den Mittleren Osten bezogene Zeremonial- und Hofforschung sehr viel weniger fortgeschritten ist als jene in Bezug auf Europa. Hier besteht ein dringendes Forschungsdesiderat und der vorliegende Sammelband ist sicher ein erfreulicher Schritt in die richtige Richtung. Es ist zu hoffen, daß er zu weiteren Untersuchungen anregen wird.

Felix Konrad, Kiel*

 

 

Kayserlich – frey – weltlich. Das Reichsstift Quedlinburg im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit, hg. von Clemens Bley, Halle (Saale) 2009 (Studien zur Landesgeschichte 21) [Mitteldeutscher Verlag, 272 S., geb., sw-Abb., 26 Euro].

 

Geistliche Staaten prägten bis zur Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts wie kaum eine andere Herrschaftsgruppe die politische, kulturelle und auch die ökonomisch-soziale Landkarte in weiten Teilen Deutschlands. Neben Süd- und Südwestdeutschland galt das für die Rheinlande und auch, wie uns am Beispiel Paderborns Frank Göttmann, Bettina Braun und Michael Ströhmer zeigten[337], für den Nordwesten des Alten Reiches. Weniger deutlich wurde ihre Stellung dagegen für den Norden markiert, wo wir in der Tat mit dem hier vorzustellenden Reichsstift Quedlinburg – es lag im nordöstlichen Vorland des Harzes – einen der wenigen geistlichen Reichsstände finden, der bis zum Ende der Reichsinstitutionen fortbestand. Endgültig aufgelöst wurde die Abtei Quedlinburg erst, als die Region im Königreich Westphalen in den Jahren 1807 bis 1813 gänzlich neu formiert wurde.

Geistliche Staaten standen im Modernisierungsdiskurs und bei den Parametern für eine frühmoderne Staatenbildung deutlich im Schatten weltlicher Territorien. Den „Alleinvertretungsanspruch“ weltlich-politischer Ordnungsmodelle zu brechen, ist daher ein berechtigtes Anliegen neuerer Geschichtsschreibung, wenn es darum geht, etablierte Forschungsansätze wie die Sozialdisziplinierung, Bürokratisierung, Konfessionalisierung, rechtliche und staatliche Verdichtung, administrative Professionalisierung und Kapitalisierung für die Stifts- und Klosterstaaten fruchtbar zu machen. Die desolaten Zustandsbeschreibungen der Aufklärung, daß die Abts- oder Bischofsmütze – auch Äbtissinnen durften Hirtenstab und Mitra als Zeichen ihrer Lehr- und Rechtsprechungsgewalt tragen – allenfalls eine Schlafmütze sei und daß unter dem Krummstab nicht nur gut leben, sondern vor allem gut ruhen sei, sorgten für eine zögerliche Rezeption innerhalb europäischer Staatenbildungsprozesse. Clemens Bley nimmt diesem Diskurs den Wind aus den Segeln, wenn er die Zuschreibung Quedlinburgs als geistlichen Reichsstand mehr negiert als bejaht. Für ihn scheint es gerade für die nachreformatorische Zeit angebracht zu sein, „statt von ‚geistlicher‘ von einer hochadeligen Herrschaft zu sprechen, die es Frauen [weiterhin] ermöglichte, Herrschaft kraft eigenen Rechtes auszuüben“ (S. 11). Die spannende, aber verkürzt wiedergegebene Diskussion zum Thema weltlicher oder geistlicher Standortbestimmung muß sich dann für Quedlinburg der geneigte Leser allerdings mühsam über die Fußnoten erschließen. Diese Diskussion gehörte in den Haupttext einer problemorientierten Einleitung, wohin denn sonst!

 

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Geistlichen Staaten war auch die doppelte Verpflichtung im Kirchen- und Staatsamt zu eigen. Thomas Hölz[338] titulierte in seiner Tübinger Dissertation zur Rolle geistlicher Reichsstände Schwabens in der Katholischen Liga 1609-1635 mit den Symbolen der wesensbestimmenden Duplizität von „Krummstab und Schwert“. In Quedlinburg standen und stehen dafür symbolträchtig Schloß und Stift, wobei sich letzteres seit ca. 1540 als ein kayserliches freyes weltliches Stift Quedlinburg bezeichnete – eine Engführung stiftischer Aufgaben, die im Buchtitel unglücklich aufgegriffen wurde. Kirchenkritiker der Aufklärungs- und Säkularisationszeit erkannten aber gerade in den geistlichen und weltlichen Doppelämtern der Regenten ein typisches, durchgängig negativ besetztes Bild der zwei Seelen, die in der Brust der Prälaten und Bischöfe ruhen. Und als Systemkritiker notierte der Jenenser Hofrat Andreas Josef Schnaubert[339] 1787 dazu einige der sich daraus ergebenden Gegensätze: „Der Bischof soll die Hungrigen speisen, die Dürftigen unterstützen, und als Regent übt er, oft mit gewaltiger Hand, das Besteuerungsrecht auch wider solche aus, die sich und den ihrigen das Brod kümmerlich brechen müssen. Der Bischof soll seine Gemeinheiten visitiren, und der Fürst seine Soldaten mustern; der Bischof soll auf dem Lehr- und im Beichtstuhl, der Fürst aber in den Regierungskollegien sitzen; der Bischof soll auf den Kirchenversammlungen [...], der Fürst aber auf den Reichstagen und im Felde erscheinen“[340]. Das alles galt cum grano salis auch für die Frauenwelt der Quedlinburger Äbtissinnen und Stiftsdamen.

 

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Anläßlich des 1070. Jahrestages der Gründung des Reichstifts Quedlinburg und des 200. Jahrestages der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches fand vom 16. bis 17. September 2006 an einem denkbar passenden Ort, im „Blauen Saal“ des Quedlinburger Stiftsschlosses, jenes Symposium statt, dessen Beiträge drei Jahre später im Mitteldeutschen Verlag insgesamt ansprechend gedruckt wurden. Zwar fehlen Orts- und Namensregister, eine Zusammenführung der Abbildungsnachweise und vor allem eine Zusammenfassung der Einzelbeiträge, aber der Leser wird entschädigt durch kenntnisreiche Detailstudien. Sie stammen zum Teil aus der Feder renommierter, auf dem Feld der Germania-Sacra-Forschung ausgewiesener Historiker. Ein wirklich interdisziplinärer Themenzugriff fehlt aber. Es handelt sich ausschließlich um landes-, bildungs- oder kunsthistorische Betrachtungen, die da und dort gepaart sind mit denkmalschützerischen und musealen Hinweisen und Fragestellungen. Im einzelnen setzt sich der Band nach der Einführung (S. 7-13) des Herausgebers aus folgenden Beiträgen zusammen: Heinz-Dieter Heimann: „Geschätzter Krämpel“: Über Ansprüche der Memorialkultur und ihre Traditionsbrüche in der Geschichte des Quedlinburger Servatiusstiftes, S. 14-29, Ute Küppers-Braun: Kanonissin, Dechantin, Pröpstin und Äbtissin – Quedlinburger Stiftsdamen nach der Reformation, S. 30-104, Michael Vollmuth-Lindenthal: Die Äbtissin von Quedlinburg als Stadt- und Landesherrin im Spätmittelalter, S. 105-119, Jochen Vötsch: Die Äbtissin von Quedlinburg als Reichs- und Kreisstand, S. 120-129, Frank Göse: Beschränkte Souveränität: Das Verhältnis zwischen Stift und Schutzherrschaft im 17. und 18. Jahrhundert, S. 130-150, Vinzenz Czech: Quedlinburg und die Höfe des Harzraumes, S. 151-166, Marc von der Höh: Der Hof der Äbtissinnen von Quedlinburg im Spätmittelalter, S. 167-188, Arwed Arnulf: Barockisierung, inszenierende Umdeutung und stiftische Tradition. Ausstattung und Nutzung der Quedlinburger Stiftskirche in der Frühen Neuzeit, S. 189-208, Michael Scholz: Die Verwaltung des Stiftes Quedlinburg in der Frühen Neuzeit, S. 209-242, und last but not least Jens Bruning: Zwischen Stadt und Stift – Das Fürstliche Gymnasium zu Quedlinburg in der Frühen Neuzeit, S. 243-261. Die unterschiedliche Länge der Beiträge zeigt schon äußerlich an, daß die Autoren von einem ganz unterschiedlichen Forschungsstand ausgehen mußten. Auch stehen Quantität und Qualität nicht immer in Einklang. Schade ist, daß ganz zentrale Themen, wie der Auf- und Ausbau der Quedlinburger Reichs- und Kreisstandschaft (Beitrag: Jochen Vötsch), kurz gehandelt, und andere, wie der nachreformatorische Werdegang der Stiftsdamen, in extenso vorgeführt wurden.

 

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Die Geschichte von Abtei und Kanonissenstift Quedlinburg, dessen Ursprünge auf die Ottonenzeit – am 31. Juli 936 gründete die Königswitwe Mathilde am Grab ihres Mannes in der Quedlinburger Pfalz das Stift – zurückgehen, wurde in diesem Sammelband für das 15. bis 18. Jahrhundert zum Teil gänzlich überarbeitet und für weitere Forschungen meist zuverlässig aufbereitet. Es bleiben als Desiderata aber vor allem die religiösen und geistlichen Aspekte der Quedlinburger Geschichte am Rande der Untersuchung bestehen. Für Fragen nach dem geistlichen Amt der Äbtissinnen, dem Kirchenregiment der Stiftsdamen und den unmittelbaren Auswirkungen der Reformation in der stiftischen Stadtherrschaft – 1477 wurde seitens des Stifts der städtische Versuch vereitelt, reichsunmittelbar zu werden – werden wir auch in Zukunft auf andere Werke zurückgreifen müssen.

Wolfgang Wüst, Erlangen*

 


Oesterle, Jenny Rahel: Kalifat und Königtum. Herrschaftsrepräsentation der Fatimiden, Ottonen und frühen Salier an religiösen Hochfesten, Darmstadt 2009 (Symbolische Kommunikation in der Vormoderne) [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 407S., geb., 79,90 Euro].

 

Mit der mediävistischen Ritualforschung und dem transkulturellen Vergleich verbindet Oesterle zwei aktuelle methodische Ansätze der Geschichtswissenschaft. In innovativer Weise wendet sie diese auf ihre Untersuchung von Ritualen der Herrschaftsrepräsentation der islamischen Dynastie der Fatimiden und der christlichen Dynastien der Ottonen und frühen Salier an. Das Interesse Oesterles gilt religiösen Ritualen im Zeitraum von 950 bis 1100, die sie anhand zeitnaher und zeitferner historiographischer Quellen untersucht. Als Ausgangspunkt dient ihr der Befund, daß sich in beiden Kulturen „eine Intensivierung von Ritualformen der Herrschaftsrepräsentation“ (S. 24/25) feststellen läßt, die sich in Aufschwung, Beförderung, Anreicherung und Ausdifferenzierung der Rituale äußert. Da die beiden fokussierten Dynastien in keinem nennenswerten Kontakt zueinander standen, sind vor allem ihre zeitliche Koexistenz und die „Bezugsgröße“ (S. 20) Byzanz als „argumentative Ermutigung“ (S. 19) zu einem Vergleich zu sehen, der zu einem Verständnis der spezifischen Entwicklungen der Kulturen beitragen soll. Ihre Untersuchung sieht Oesterle als Teil von „Feinvermessungen“ (S. 30) der Prozesse, die „im Falle des christlichen Königtums zu einer weitgehenden Trennung von religiöser und weltlicher Sphäre führten, im islamischen Kalifat dagegen zu ihrer Untrennbarkeit über das Kalifat hinaus“ (S. 30).

In ihrer Einleitung (S. 15-73) zeigt Oesterle anhand eines zeitgenössischen Berichts des Bischofs von Akko auf, welche Schwierigkeiten bei einem Vergleich dieser Art prinzipiell bestehen. Darüber hinaus stellt sie heraus, daß die vom Bischof vorgenommene Gegenüberstellung des Papstes mit dem Kalifen zwar nicht grundsätzlich abzulehnen sei, daß jedoch die historischen Bedingungen – die sie im nächsten Schritt herausarbeitet – eher einen Vergleich der ‚politischen‘ Seite des Kalifats mit dem Königtum sinnvoll erscheinen lassen, ohne daß jedoch deren religiöse Bedeutung vernachlässigt werden dürfe. Sie stellt daher den Vergleich der Herrschaftsrepräsentation als „Segment beider Herrschaftsformen“ (S. 64) in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen.

Im ersten Analysekapitel (S. 74-249) verengt Oesterle ihren Fokus auf das Ritual der Herrscherprozession zur Kirche und Moschee, dessen Analyse ihr Aufschlüsse über das „Selbstverständnis der Herrscher, das Konzept und die Legimitation ihrer Herrschaft, über religiöse und politische Umschichtungsprozesse [...] sowie über jeweilige Konfliktlatenzen“ (S. 75) geben soll. Indem sie die Untersuchungen der Prozessionen isoliert durchführt und zunächst nicht zum Gegenstand eines Vergleichs macht, zeichnet sie ein sehr differenziertes Bild beider Entwicklungen. Es gelingt ihr, gleichermaßen Ähnlichkeiten wie Unterschiede deutlich zu machen, die sie etwa im Vollzug der Prozessionen, bei den mitgeführten Zeichen und Symbolen oder bei mitprozessierenden Personen und Personengruppen ausmacht. Auch die Ausrichtung der Prozessionen auf die Liturgie des Festtags bzw. auf den Herrscher und seine Repräsentation oder ihre Orientierung auf eine bedeutende Person bzw. die Beteiligung einer größeren Menschenmenge sind Differenzierungsmerkmale.

Auf Seiten der Fatimiden bedeutete die Sichtbarwerdung des ansonsten meist in der Öffentlichkeit nicht präsenten Kalifen während der Prozession eine Demonstration der Autorität und Machtfülle seiner Herrschaft, die auf alle Untertanen des multiethnischen und multireligiösen Herrschaftsraumes abzielte. Durch das Tragen von religiösen Herrschaftsinsignien verdeutlichte sich auf einer weiteren Wahrnehmungsschicht der Anspruch des Herrschers, der religiöse wie politische Führer aller Muslime zu sein. Schließlich wurde die herrscherliche Erscheinung auf der Prozession auf einer dritten Wahrnehmungsschicht speziell für die Ismailiten inszeniert.

Der Schwerpunkt der ottonisch-salischen Prozessionen lag auf der Ausbalancierung von weltlicher und geistlicher Macht; die rituelle Einbindung der Großen wurde erinnernd wiederholt. Die Sonderstellung des Königs sollte durch die Betonung der sakralen Züge der Herrschaft dargestellt werden. Dies geschah, indem Formen der Herrschaftsrepräsentation mit Formen der Liturgie verknüpft wurden. Letzteres wurde auch von Seiten der Kirche vorangetrieben, die wiederum die königliche Verpflichtung ihr gegenüber zu betonen suchte.

Im zweiten Teil der Arbeit (S. 250-311) widmet sich Oesterle mit einem Strukturvergleich den unterschiedlichen Rollen, Funktionen und Bedeutungen bestimmter Räume (Herrscherpaläste und -gemächer, Moscheen, Kirchen, Gebetsplätze) der Herrschaftsrepräsentation, bevor sie im dritten Teil (S. 312-355) bestimmte Zeiten (religiöse Hochfeste) näher betrachtet. Dies geschieht unter der Maßgabe, daß Rituale innerhalb von „Rahmen“ (S. 28) stattfinden, die durch Räume und Zeiten gebildet werden, die wiederum „Strukturen für die herrscherliche Festbegehung“ (S. 28) bieten. Als wichtige Kategorien für die Analyse des Raums führt Oesterle die Unterscheidungen in sakrale und profane Orte sowie arkane und öffentliche Räume an und betont die Bedeutung von Schwellenübertritten. Im Hintergrund ihrer Raumüberlegungen steht ihre Einteilung der beiden Herrschaftsformen in eine „peripatetische“ (S. 250) auf Seiten der Ottonen und frühen Salier und eine „zentralistische“ (S. 73) auf Seiten der Fatimiden.

Religiöse Feste bilden für Oesterle „‚Scharniere‘ zwischen Religiösem und Weltlichem“ (S. 320) und waren daher für einen sich sakral repräsentierenden Herrscher von zentraler Wichtigkeit. In ihnen konnten sich Konfliktlatenzen entladen, aber sie boten auch die Möglichkeit, Differenzen zu überbrücken.

Oesterle gelingt es in ihrer Arbeit, die Herrschaftsrepräsentation bei den Fatimiden, Ottonen und frühen Saliern differenziert darzustellen. Dabei kann sie nicht nur auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Kulturen verweisen, ihre Art des Zugriffs ermöglicht es ihr außerdem, diachrone und damit auch innerkulturelle Entwicklungen zu beschreiben. Konfliktlinien innerhalb einer Dynastie, wie etwa die entlang der religiösen Bekenntnisse der Sunniten und Schiiten bei den Fatimiden, können auf diese Weise besonders eindrücklich aufgezeigt werden.

Lediglich die Einleitung ist etwas lang geraten (S. 15-73) und die Verwendung einer Qasīda aus der Ayyubidenzeit als Referenz für die Pracht fatimidischer Prozessionen (S. 95ff.) erscheint fragwürdig, zumindest wäre eine ausführlichere Kontextualisierung wünschenswert gewesen. Ebenso hätte eine kurze Definition des ‚transkulturellen Vergleichs‘ zur Klärung der methodischen Herangehensweise beigetragen.

Arbeiten wie die von Oesterle tragen zu einem besseren Verständnis für die historischen Entwicklungen der islamischen und christlichen Dynastien bei und lenken die Aufmerksamkeit auch auf innerkulturelle Spezifika. Sie sind in dieser hohen Qualität noch viel zu selten vorhanden.

Kristina Rzehak, Münster*

 

 

Zur Sozial- und Kulturgeschichte der mittelalterlichen Burg. Archäologie und Geschichte, hg. von Lukas Clemens und Sigrid Schmitt, Trier 2009 (Interdisziplinärer Dialog zwischen Archäologie und Geschichte, 1), [Kliomedia, 232 S., kart., zahlr. Abb., 42,00 EUR].

 

Die wissenschaftliche wie populäre Beschäftigung mit den Burgen und Schlössern Alteuropas ist sozusagen steinalt und dementsprechend ist die Reihe der Veröffentlichungen zum Thema lang. Die Publikationslandschaft zu mittelalterlichen Burgen war neben den vielen Einzelvorstellungen von Burgplätzen lange Zeit geprägt von verfassungsgeschichtlichen, bau- und kunsthistorischen Studien sowie von Überblickswerken zu bestimmten Epochen oder Regionen. Einen bedeutenden Fortschritt stellen die in den letzten Jahren erschienenen, methodisch anspruchsvollen Burgenbücher und -lexika etwa über den Breisgau, das Elsaß und die Pfalz dar. Zudem zeigten die jüngeren Tagungen nicht nur der „Deutschen Burgenvereinigung“ und der „Wartburg-Gesellschaft“, daß die Burgengeschichtsforschung mit Themen wie Sachkultur, Alltag, Wirtschaften, Stadtburgen, Burgimaginationen und vielem mehr inzwischen eine große Bandbreite aufweist. Der vorzustellende Band, der zugleich eine neue Trierer Schriftenreihe eröffnet, die dem fachübergeifenden Gespräch zwischen Archäologie und Geschichte gewidmet ist, fußt auf einer Tagung auf Schloß Dhaun im Jahr 2005, bei der mit räumlich wie thematisch weitem Bogen mehrere dieser neuen Fäden in der Burgenforschung aufgenommen wurden.

Nach der Einleitung der Herausgeber stellen Wolf-Rüdiger Teegen und Michael Schultz mit der slawischen Burg in Starigard/Oldenburg gleich den vom Kernraum des Bandes entferntesten, freilich sehr prominenten Burgplatz des 10. Jahrhunderts aus archäologisch-paläopathologischer Perspektive vor. Vom „archäologischen Fundstoff aus mittelalterlichen Burgen“ schließt Norbert Gossler anhand vieler Beispiele aus verschiedenen Regionen des nordalpinen Reiches auf „Materielle Kultur und soziale Differenz“, die sich sowohl im Geamtbild der Anlagen und ihrer Fundvarianz als auch innerhalb der Burgplätze – vor allem der größeren dynastischen – zeigt. Den „Burgen im Mittelrheingebiet unter siedlungsgeschichtlichen Aspekten“ widmet sich Reinhard Friedrich, Sigrid Schmitt stellt „Beobachtungen zum Burgenbau von Ministerialen im Hochmittelalter“ an, wobei Herrschaftsbildung und soziale Distinkition als Motive und Prozesse in den Vordergrund treten. Regina Schäfer präsentiert für Rheinhessen „Burgen in Dörfern“, geordnet nach Erbauern, Bautypen und Funkitionen, während Kurt Andermann Ministerialen- und Ritteradelssitze des Spätmittelalters vornehmlich in Franken und Südwestdeutschland als „Architektur zwischen Nicht-Adel und Adel“ verortet. Lukas Clemens analysiert die „nahezu ausschließlich aus wiederverwendetem antiken Abbruchmaterial erbaut[en]“ (S. 79) hochmittelalterlichen Turmhäuser in Trier, an denen sich hervorragend Antikenrezeption und mittelalterliche Stadtentwicklung ablesen lassen. Der unterschiedlichen sozialen Herkunft der „Amtleute in Kurtrier“ in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts geht Friedhelm Burgard nach. Die Beiträge von Michel Margue und Volker Rödel handeln von Burgfriedensverträgen als Zeugnisse adliger Vergemeinschaftungsformen, letztgenannter mit einem Verzeichnis von 80 Burgfriedensverträgen aus dem weiteren pfälzischen Einflußgebiet. Cordula Nolte schließlich stellt „Burgen als Aufenthaltsorte von Frauen im Sätmittelalter“ vor.

Insgesamt ist neben dem imposanten Überblick und den vielen bemerkenswerten Details insbesondere hervorzuheben, daß die meisten Beiträge tatsächlich einen dezidiert fachübergreifenden Blickwinkel einnehmen – ein seltenes Gut! Der Band ist aber auch in der Qualität der graphischen Gestaltung ein Gewinn.

Gabriel Zeilinger, Kiel*

 

 



Neuerscheinungen

 

 

Der Achämenidenhof. The Achaemenid Court: Akten des 2. Internationalen Kolloquiums zum Thema „Vorderasien im Spannungsfeld klassischer und altorientalischer Überlieferungen“. Landgut Castelen bei Basel, 23.-25. Mai 2007, hg. von B. Jacobs und R. Rollinger, Wiesbaden 2010 (Classica et Orientalia, 2) [Harrassowitz, 1040 S., geb., 118 Euro]. – siehe die Besprechung oben S. 91.

Aus dem Inhalt:

Jacobs, B., Rollinger, R.: Einleitende Bemerkungen zu den Achämeniden und ihrem Hof, S. 1-10; Hirschbiegel, J.: Hof. Zur Überzeitlichkeit eines zeitgebundenen Phänomens, S. 13-37; Lanfranchi, G. B.: Greek Historians and the Memory of the Assyrian Court, S. 39-65; Jursa, M.: Der neubabylonische Hof, S. 67-106; Potts, D. T.: Monarchy, Factionalism and Warlordism: Reflections on Neo-Elamite Courts, S. 107-137; Coppola, A.: Alexander’s Court, S. 139-152; Bichler, R.: Der Hof der Achaimeniden in den Augen Herodots, S. 155-187; Tuplin, C.: Xenophon and Achaemenid Courts: A Survey of Evidence, S. 189-230; Huff, D.: Überlegungen zu Funktion, Genese und Nachfolge des Apadana, S. 311-274; Jacobs, B.: Höfischer Lebensstil und materielle Prachtentfaltung, S. 377-409; Kistler, E.: Achämenidische Becher und die Logik kommensaler Politik im Reich der Achämeniden, S. 411-457; Brosius, M.: Das Hofzeremoniell, S. 459-471; Binder, C.: Das Krönungszeremoniell der Achaimeniden, S. 473-497; Keaveney, A.: The Chiliarch and the Person of the King, S. 499-508; Jong, A. de: Religion at the Achaemenid Court, S. 533-558; Rollinger, R.: Extreme Gewalt und Strafgericht. Ktesias und Herodot als Zeugnisse für den Achaimenidenhof, S. 559-666; Henkelman, W. F. M.: „Consumed before the King“. The Table of Darius, that of Irdabama and Irtaštuna, and that of his Satrap, Karkiš, S. 667-775; Waerzeggers, C.: Babylonians in Susa. The Travels of Babylonian Buisnessmen to Susa Reconsidered, S. 777-813; Waters, M.: Applied Royal Directive: Pissouthnes and Samos, S. 817-828; Kaptan, D.: From Xenophon to Kritoboulos: Notes on Daskyleion and the Satrapal Court, S. 829-852; Miller, C. M.: Luxury Toreutic in the Western Satrapies: Court-Inspired Gift-Exchange Diffusion, S. 853-897; Kuhrt, A.: Der Hof der Achämeniden: Concluding Remarks, S. 901-912; Hirschbiegel, J.: Achämeniden und Burgunder. Bemerkungen am Rande, S. 913-924.

Adel und Wirtschaft. Lebensunterhalt der Adeligen in der Moderne, hg. von I. Cerman und L. Velek, München 2009 (Sudien zum Mitteleuropäischen Adel, 2) [Meidenbauer, 302 S., kart., 44 Euro].

Adel verbindet – Adel verbindt. Elitenbildung und Standeskultur in Nordwestdeutschland und den Niederlanden vom 15. bis 20. Jahrhundert, hg. von M. van Driel, M. Pohl und B. Walter, Paderborn 2010 (Forschungen zur Regionalgeschichte, 64) [Schöningh, 330 S., geb., 38 Euro].

Aus dem Inhalt:

Walter, B.: Adelsforschung in interregionaler und internationaler Perspektive, S. 1-20; Frijhoff, W.: Adelslandschaften: Ambitionen und Realität der Adelskultur im frühneuzeitlichen Europa, S. 21-38; Berkvens, L: Adellijke concurrentie tegenover de landsregering, S. 39-56; Scheler, D.: Adel und Amt am Niederrhein im 15. und 16. Jahrhundert, S. 57-68; Tervooren, H.: Buch und Literatur als Medium adeliger Repräsentation und Geselligkeit im Raum von Rhein, Maas und Ijssel im 15. und 16. Jahrhundert, S. 69-84; Venner, G.: Landstände und Adel. Die Ritterschaft des geldrischen Oberquartiers im 17. Jahrhundert, S. 85-96; Löhr, W.: Bylandt vs. Bylandt – Die Auseinandersetzungen verschiedener Linien der niederländisch-deutschen Adelsfamilie Bylandt um Rheydt, S. 97-114; Meierink, B. O.: Adellijk bouwen ‚dies- und jenseits‘ van de Duits-Nederlandse grens in de zeventiende en achttiende eeuw, S. 115-154; Düselder, H.: Von den Menschen und den Dingen in den „hochadelichen häusern“ – das Adelshaus als Ort europäischer Geschichte, S. 155-178; Rasch, M.: Kohle – Stahl – Chemie – Dienstleistung. Westfälische Adlige als Unternehmer im 18. und 19. Jahrhundert, S. 179-216; Marburg, S.: Adlige Binnenkommunikation. Moderne in Nordwestdeutschland und Sachsen, S. 217-228; Kuiper, Y.: Adel, Nation und Staat in den Niederlanden im 19. und 20. Jahrhundert, S. 229-250; Dronkers, J.: Rückgang der Homogamie im deutschen und österreichischen Adel im 20. Jahrhundert? – Ein Vergleich mit dem niederländischen Adel, S. 251-274; Conze, E.: Adel, Staat und Gesellschaft im 20. Jahrhundert, S. 275-292.

Adelige Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen der Frühen Neuzeit, hg. von G. Gersmann und H.-W. Langbrandtner, Köln u.a. 2009 (Vereinigte Adelsarchive im Rheinland e.V. Schriften, 3) [Böhlau, 446 S., geb., 16 farb. Abb., 44,90 Euro].

Ahrens, C.: „Zu Gotha ist eine gute Kapelle ...“ Aus dem Innenleben einer thüringischen Hofkapelle des 18. Jahrhunderts, Stuttgart 2009 (Friedenstein-Forschungen, 4) [Steiner, 374 S., geb., 48 Euro].

Ahrens, C.: Ein Weimarer Herzog als „privilegierter“ Trompeter. Die Freisprechnung Ernst August I. von Sachsen-Weimar am 24. April 1730, in: Weimar-Jena, die große Stadt 3,3 (2010) S. 209-222.

Allirot, A.-H.: Filles de roy de France. Princesses royales, mémoire de saint Louis et conscience dynastique (de 1270 à la fin du XIVe siecle), Turnhout 2010 [Brepols, 600 S., kart., 55 farb. Abb., 60 Euro].

Die Anatomie frühneuzeitlicher Imperien. Herrschaftsmanagement jenseits von Staat und Nation, hg. von S. Wendehorst, München 2010 (Bibliothek Altes Reich, 5) [Oldenbourg, 200 S., geb., 39,80 Euro].

Architektural Space in Eighteenth-Century Europe. Constructing Identities and Interiors, hg. von D. A. Baxter und M. Martin, Farnham u.a. 2010 [Ashgate, 284 S., geb., 51 sw-Abb., 60 ₤].

Architecture, Liturgy and Identity, hg. von Z. Opačić und A. Timmerman, Turnhout 2010 [Brepols, 250 S., kart., 75 sw-Abb., 100 Euro].

Aus dem Inhalt:

Binski P.: The Piscina in Saint-Urbain at Troyes and Château d’Amour; Bork, R.: Ars Sine Historia Nihil Est: How the „story deficit“ doomed Gothic; Brachmann, C.: „Te bene dotavit …“: Heinrich of Finstingen, Archbishop of Trier (1260-1286), as Patron; Coomans, T.: Architectural Competition in a University Town: The Mendicant Friaries in Late-Medieval Louvain; Benešovska, K., Opačić, Z.: Wenceslas IV and the Chapel of Corpus Christi in the New Town of Prague; Davis, M. T.: „Fitting to the Requirements of the Place“: The Franciscan Church of Sainte-Marie-Madeleine in Paris; Draper, P.: Cell Vaults in the Architecture of Islam and the West; Elsner, J.: The „Golden Age“ of Gothic; Fergusson, P.: Abbot Anslem’s Gate Tower at Bury St Edmunds; Fernie, E.: Systems of Length in the Eastern Mediterranean in the Hellenistic and Roman Periods; Freigang, C.: Imitatio in Gothic Architecture: Forms vs. Procedures; Gajewski, A.: The Choir of the Abbey Church at Vezelay and the Cult of Mary Magdalene; Gallet, Y.: A Medieval Ground-Plan of the Wernerkapelle at Bacharach: Plan n° 6 verso in the Musée de l’Œuvre Notre-Dame at Strasbourg; Goodall, J.: The Lodgings of Henry Percy, 4th Earl of Northumberland (c 1449-1489), Warkworth Castle, Northumberland; Heslop, T. A.: The Nave of Attleborough, Norfolk, and the Architecture of Unknowing; Jansen, V.: Displacements at Medieval Salisbury, Old Sarum, and Wilton; Juckes, T.: The Košice Burghers and their Blood. Cult Management, Plan Change and Church-building in Late Medieval Hungary; Kurmann, P.: From a Restoration to a Peculiar Design: The Form of the Piers in the Nave of the Collegiate Church at Saint-Quentin (First Third of the 14th Century); Monckton, L.: Orthodoxy, Religion and Architecture in the Early Sixteenth Century: the Patronage of Bishop Fox at Winchester Cathedral; Murray, S.: Stories of Saint-Denis. The Rhetoric of Persuasion; Nussbaum, N.: Planning and Building without Writing: Questions of Communication in Gothic Masons’ Lodges; Schenkluhn, W.: The Drawings in the Lodge Book of Villard de Honnecourt; Schurr, M. C.: The Liebfrauenkirche in Trier – Form and Meaning at the Dawn of Gothic Architecture in the Holy Roman Empire; Spath, M.: Architectural Representation and Monastic Identity: the Medieval Seal Images of Christchurch Canterbury; Torbus, T.: The King and his Patronage: Sigismund I the Elder and the Royal Castle on Wawel Hill in Krakow; Wilson, C.: Why did Peter Parler come to South-West England?; Węclawowicz, T.: The Fourteenth-Century Gothic Churches in Krakow: the Question of Iconography.

Artistic and Cultural Exchanges between Europe and Asia. 1400-1900. Rethinking markets, workshops and collections, hg. von M. North, Farnham u.a. 2010 [Ashgate, 216 S., geb., 60 ₤].

Arthur Tudor, Prince of Wales. Life, death and commemoration, hg. von S. Gunn und L. Monckton, Woodbridge 2009 [Boydell & Brewer, XII+193 S., geb., 10 farb. Abb., 60 sw-Abb., 95 $].

Auf dem Weg zur politischen Partizipation? Landstände und Herrschaft im deutschen Südwesten, hg. von S. Lorenz und P. Rückert, Stuttgart 2010 (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Reihe B: Forschungen, 182) [Kohlhammer, 180 S., geb., 14 farb. Abb., 22 Euro].

Aufbruch im Mittelalter. Innovationen in Gesellschaften der Vormoderne. Studien zu Ehren von Rainer C. Schwinges, hg. von C. Hesse und K. Oschema, Ostfildern 2010 [Thorbecke, 304 S., geb., 36 Abb., 39,80 Euro].

Augustae. Machtbewußte Frauen am römischen Kaiserhof? Akten der Tagung in Zürich 18.-20.9.2008, hg. von A. Kolb, München 2010 (Herrschaftsstrukturen und Herrschaftspraxis, 2) [Oldenbourg, 394 S., geb., 1 farb. Abb., 33 sw-Abb., 69,80 Euro].

Les ‚autres‘ rois. Études sur la royauté comme notion hiérarchique dans la société au bas Moyen Âge et au début de l’époque moderne, hg. von T. Hiltmann, München 2010 (Ateliers des Deutschen Historischen Instituts Paris, 5) [Oldenbourg, 174 S., kart., 5 sw-Abb., 19,80 Euro].

Bak, J. M.: Studying Medieval Rulers and Their Subjects Central Europe and Beyond, hg. von B. Nagy and G. Klaniczay, Aldershot u.a. 2010 (Variorum collected studies series, 956) [Ashgate, 324 S., geb., 75 £].

Bande, A.: Le Cœur du roi: les Capétiens et les sépultures multiples, XIIIe-XVe siècle, Paris 2009 [Tallandier, 256 S., kart., 21 Euro].

Banner, L. A.: The Religious Patronage of the Duke of Lerma, 1598-1621, Aldershot u.a. 2009 [Ashgate, 270 S., geb., 55 ₤].

Barta, I., Lammerhuber, L., Parenzan, P.: Wiener Hofburg, Wien 2010 [Edition Lammerhuber, 256 S., geb., 155 Abb., 55 Euro].

Beiträge zur Kulturgeschichte der Gelehrten im späten Mittelalter, hg. von F. Rexroth, Ostfildern 2010 (Vorträge und Forschungen, 73) [Thorbecke, 399 S., geb., 54 Euro].

Bernardi, P.: Maître, valet et apprenti au Moyen Âge. Essai sur une production bien ordonnée, Toulouse 2009 [CNRS-Université Toulouse Le Mirail, 214 S., kart., 20 Euro].

Bild und Text im Mittelalter, hg. von K. Krause und B. Schellewald, Köln u.a. 2010 (Sensus. Studien zur mittelalterlichen Kunst, 2) [Böhlau, 312 S., geb., 224 sw-Abb., 41 farb. Abb., 44,90 Euro].

Bild und Wahrnehmung der Stadt, hg. von P. Johanek, Köln u.a. 2010 (Städteforschung. Reihe A: Darstellungen, 63) [Böhlau, 224 S., geb., zahlr. sw-Abb., 34,90 Euro].

Blondeau, C.: Un conquérant pour quatre ducs: Alexandre le Grand à la cour de Bourgogne, Paris 2009 [Comité des travaux historiques et scientifiques, 382 S., kart., 45 Euro].

Blow, D.: From Islamic Small Town to Westernised Metropolis: The Development of Teheran under the Quajars and the Pahlavis, in: The Court Historian 15,1 (2010) S. 1-17.

Bock, N.: Herolde im Reich des späten Mittelalters. Forschungsstand und Perspektiven, in: Francia 37 (2010) S. 259-282.

Böcker, H.: Die Stadtbücher von Haldensleben (ca. 1255-1486). Analysen und Register, Hamburg 2010 (Studien zur Geschichtsforschung des Mittelalters, 26) [Kovač, 411 S., kart., 98 Euro].

Booton, D. E.: Manuscripts, Market and the Transition to Print in Late Medieval Brittany, Farnham u.a. 2010 [Ashgate, 420 S., geb., 65 ₤].

Brinkmann, I.: Grabdenkmäler, Grablegen und Begräbniswesen des lutherischen Adels. Adelige Funeralrepräsentationen im Spannungsfeld von Kontinuität und Wandel im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert, Berlin u.a. 2010 [Deutscher Kunstverlag, 432 S., geb., 432 S., 321 sw-Abb., 58 Euro].

Brockmann, T.: Vorbild, Lehrer, Prophet der letzten Zeit. Luthermemoria und Lutherrezeption 1546-1617, in: Historisches Jahrbuch 129 (2009) S. 35-64.

Bucek, V.: Ferdinand von Tirol zwischen Prag und Innsbruck. Der Adel aus den böhmischen Ländern auf dem Weg zu den Höfen der ersten Habsburger, Wien u.a. 2009 [Böhlau, 378 S., geb., 35 Euro].

Bünz, E., Rudersdorf, M., Döring, D.: Geschichte der Universität Leipzig 1409-2009, Bd. 1: Spätes Mittelalter und Frühe Neuzeit 1409-1830/31, Leipzig 2009 [Leipziger Universitätsverlag, 840S., kart., zahlr. Abb., 49 Euro].

Burbulla, J.: Allumfassende Ordnung. Gartenkunst und Wissenschaft in Gotha unter Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772-1804), Frankfurt a.M. u.a. 2010 (natur, wissenschaft und die künste, 1) [Lang, 288 S., kart., 31,70 Euro].

Die Burg. Wissenschaftlicher Begleitband zu den Ausstellungen „Burg und Herrschaft“ und „Mythos Burg“, hg. von G. U. Grossmann und H. Ottomeyer, Dresden 2010 [Sandstein, 340 S., geb., 280 Abb., 38 Euro].

Aus dem Inhalt:

Grossmann, G. U., Ottomeyer, H.: Die Burg – Einführung zum Begleitband, S. 8-15; Meyer, W.: Burg und Herrschaft – Beherrschter Raum und Herrschaftsanspruch, S. 16-25; Biermann, F.: Burg und Herrschaft bei den nördlichen Westslawen, S. 26-33; Ettel, P.: Burgenbau unter den Franken, Karolingern und Ottonen, S. 34-49; Frey, C.: Burgen König Heinrichs I. „Urbes ad salutem regni“, S. 50-55; Heine, H.-W.: Burg und Recht – Zum Burgenbaurecht im „Sachsenspiegel“, S. 56-63; Rödel, V.: Burg und Recht – Ein Bereich vielfältiger Gestaltungs- und Wirkungsmöglichkeiten, S. 64-71; Burger, D.: Burgen als Orte der Justiz und Verwaltung – Zum Funktionstypus der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Amtsburg, S. 72-85; Kluge, B.: Burg und Münze – Burgen als Münzstätten im hohen Mittelalter, S. 86-93; Bergstedt, C., Müller, M.: Geistliche Residenzen im spätmittelalterlichen Heiligen Römischen Reich, S. 94-101; Jendorff, A.: Die Ganerbenburg – Zur politisch-sozialen Funktion eines Burgentyps für Herrschaftsgemeinschaften, S. 102-109; Müller, J. R.: Juden und Burgen im Mittelalter – Eine nur scheinbar marginale Beziehung, S. 110-125; Mersiowsky, M.: Burg und Herrschaft – Ein Blick in die spätmittelalterliche Praxis, S. 126-133; Buszello, H.: Adel, Burg und Bauernkrieg – Adel und adlige Herrschaft im Denken der Aufständischen 1525, S. 134-143; Ehlert, T.: Die Burgküche des Hoch- und Spätmittelalters im Spiegel literarischer Quellen, S. 144-157; Schmitt, R.: Der Bergfried – Ein wehrhaftes Statussymbol des Burgherren, S. 158-167; Krauskopf, C.: Alltag auf Burgen im Mittelalter – Ideen zu einem komplexen Modell, S. 168-175; Grossmann, G. U.: Wohnräume im Burgenbau des 12. und 13. Jahrhunderts, S. 176-187; Friedhoff, J.: Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Burginventare, S. 188-195; Hoppe, S.: Hofstube und Tafelstube – Funktionale Raumdifferenzierungen auf mitteleuropäischen Adelssitzen seit dem Hochmittelalter, S. 196-207; Büren, G. von: Burgen am Ende des Mittelalters –Die Baugestalt im Spannungsfeld von Residenz- und Wehrfunktion, S. 208-217; Wagener, O.: Die Vielseitigkeit der Belagerungsanlagen – Neue Erkenntnisse zu einem Phänomen der mittelalterlichen Kriegführung, S. 218-225; Hanna, G.-W.: Frowin von Hutten – Das Leben eines Ritters, S. 226-235; Grebe, A.: Mythos Burg – Zu den Ursprüngen des modernen Burgenbildes in Mittelalter und Früher Neuzeit, S. 236-253; Lieb, S.: Der „Mythos Wartburg“ im 19. und 20. Jahrhundert – Mechanismen der Inszenierung und Instrumentalisierung und ihre Auswirkungen auf die bauliche Gestaltung der Burg, S. 254-263; Baumeister, M.: Ritterlicher Kampf und Turnier – Erscheinungsformen von Gewalt im Mittelalter, S. 264-273; Klein, U.: Die Erforschung der Burgen in Deutschland bis 1870, S. 274-291; Crettaz-Stürzel, E.: Romantik oder Herrschaftsanspruch – Burgenrenaissance und Burgenforschung zwischen 1870-1918, S. 292-301; Link, F.: Der Mythos Burg im Nationalsozialismus, S. 302-311; Häffner, H.-H.: Von der Adelsburg zur Hüpfburg? – Burgen in der modernen Freizeitgesellschaft, S. 312-323; Biller, T.: Perspektiven der Burgenforschung – Objektstudie, regionale Analyse und versuchte Gesamtschau, S. 324-335.

Burg und Herrschaft. Ausstellungskatalog, hg. von R. Atzbach, S. Lüken und H. Ottomeyer, Dresden 2010 [Sandstein, 320 S., geb., 48 Euro].

Burgen im Breisgau. Aspekte von Burg und Herrschaft im überregionalen Vergleich, hg. von E. Beck, E.-M. Butz, M. Strotz, A. Zettler und T. Zotz, Ostfilder 2010 (Archäologie und Geschichte – Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland, 18) [Thorbecke, 448 S., geb., 250 Abb., 74 Euro].

Buttinger, S., Keupp, J.: Die Ritter, Stuttgart 2011 [Theiss, 176 S., geb., 120 Abb., 24,90 Euro].

Carl, H.: Epochenjahr 1806? Neue Forschungen zum Ende des Alten Reiches, in: Zeitschrift für historische Forschung 37 (2010) S. 249-261.

Du castrum au registre et vice-versa. L´enquête générale en Provence angevine, fin XIIIe-fin XIVe s., hg. von T. Pécout (dir.), Aix-en-Provence 2010 (Rives méditerranéennes, 37) [Sodis, 106 S., kart., 13 Euro].

Château et représentations. Études de castellogie médiévale. Actes du colloque international de Stirling (Ecosse) 30 août - 5 septembre 2008. hg. von P. Ettel, A.-M. Flambart Hericher und T. E. McNeill, Caen 2010 (Château Gaillard, 24) [CRAHM, 276 S., kart., 47 Euro].

Chatenet, M., Girault, P.-G.: Fastes de cour. Les enjeux d’un voyage princier à Blois en 1501. Mit einem Vorwort von C. Beaune, Rennes 2010 [Presses universitaires de Rennes, 176 S., kart., 32 Farbtaf., 20 Euro].

Chronik des Konstanzer Konzils 1414-1418 von Ulrich Richental, hg. von M. Buck, Ostfildern 2010 (Konstanzer Geschichts- und Rechtsquellen, 41) [Thorbecke, 272 S., geb., 29,90 Euro].

Clemen, G.: Schmalkalden – Biberach – Ravensburg. Städtische Entwicklungen vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit, Stuttgart 2009 (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Beihefte, 203) [Steiner, 393 S., kart, 59 Euro].

Coester, C.: Crossing Boundaries and Traversing Space. The Voyage of the Bride in Early Modern Europe, in: Moving Elites. Women and Cultural Transfers in the European Court System, hg. von G. Calvi und I. Chabot, Florenz 2010, S. 9-20.

Collectionner la musique. L’Histoire d’une passion, hg. von C. Massip, D. Herlin, D. Fabris und J. Duron, Turnhout 2010 [Brepols, 300 S., kart., 30 sw-Abb., 60 Euro]

Aus dem Inhalt:

Fabris, D.: Les voyages des livres de musique; Vendrix, P.: L’érudit et l’amateur; Fenlon, I.: Hernando Colón, Heinrich Glarean and Others: Early Sixteenth-Century Collections of Printed Music; Brito, C. de: Jean IV du Portugal: collectionneur mélomane ou mélomane et collectionneur?; Duron, J.: Collectionner la musique? Désirs ou nécessités? L’exemple des XVIIe et XVIIIe siècles; Pasquini, E.: A ‚vast suite of such various and singular events‘: Padre Giambattista Martini as Music Collector; Guillo, L.: La bibliothèque de musique de Jérôme-Pelagie Masson de Meslay, président en la Chambre des Comptes de Paris; Fuchs, I.: Aloys Fuchs (1799-1853): A Private Collector as a Public Institution; Biba, O.: The Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien: a Private Collection Open to the Public; Herlin, D.: La collection François Lang; Massip, C., Getreau, F.: Les collections Henry Prunières et Geneviève Thibault de Chambure: formation, composition, interaction, valorisation; Cornaz, M.: La bibliothèque musicale du pianist Charles Scharrès: histoire d’un fonds; Giroux, V.: La collection Frederick R. Koch à Yale; Roe, S.: The Collection of Music Autographs of Robert O. Lehmann: an Introduction; Bodin, T.: Itinéraire musical d’un collectionneur amateur de mélodies.

Conrads, N.: Schlesien in der Frühmoderne. Zur politischen und geistigen Kultur eines habsburgischen Landes, Köln u.a. 2010 (Neue Forschungen zur Schlesischen Geschichte, 16) [Böhlau, XV+436 S., geb., 49,90 Euro].

Corney P.: Klíce ke Karlstejnu (Keys to the Karlstein Castle), in: Studia Mediaevalia Bohemica 1 (2009), 1-2, S. 37-73.

Corp, E.: The Location of the Stuart Court in Rome: The Palazzo Del’ Re’, in: Loyalty and Identity: Jacobites at Home and Abroad, hg. von P. Monod, M. Pittock und D. Szechi, Basingstoke 2010, S. 180-205.

Een cronike van den greven van Benthem. Edition und Übersetzung einer spätmittelalterlichen Chronik über die Grafen von Bentheim, hg. von F. H. Roolfs, H. Riedel-Bierschwale und V. Honemann, Bielefeld 2010 (Westfälische Beiträge zur niederdeutschen Philologie, 12) [Verlag für Regionalgeschichte, S. 96, kart., 14 Euro].

Curry, A.: The Battle of Agincourt: Sources and Interpretations, Woodbridge 2009 (Boydell Press, 498 S., kart., 47,95 $].

Czech, P.: Der Kaiser ist ein Lump und Spitzbube. Majestätsbeleidigung unter Kaiser Franz Joseph, Wien u.a. 2010 [Böhlau, 392 S., kart., 45 Euro].

Denke, A.: Konrad Grünembergs Pilgerreise ins Heilige Land 1486. Untersuchung, Edition und Kommentar, Köln u.a. 2010 (Stuttgarter historische Forschungen, 11) [Böhlau, 528 S., geb., 16 farb. Abb., 66,90 Euro].

Die deutsche Nation im frühneuzeitlichen Europa. Politische Ordnung und kulturelle Identität?, hg. von G. Schmidt, München 2010 (Schriften des Historischen Kollegs, 80) [Oldenbourg, XIV+354 S., geb., 64,80 Euro].

Die Diarien und Tagzettel des Kardinals Ernst Adalbert von Harrach (1598-1667), hg. von K. Keller und A. Catalano, 7 Bde., Wien u.a. 2010 (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs, 104/1-7) [Böhlau, 5872 S., 16 S. farb. Abb., 890 Euro].

La Dignité de roi. Regards sur la royauté au premier XIXe siècle, hg. von H. Becquet und B. Frederking, Rennes 2009 [Presses Universitaires de Rennes, 205 S., kart., 18 Euro].

Dilba, C.: Memoriae Reginae. Das Memorialprogramm für Eleonore von Kastilien, Hildesheim 2009 (Studien zur Kunstgeschichte, 180) [Olms, 606 S., geb., 78 Euro].

Distinction et supériorité sociale (Moyen âge et époque moderne). Colloque de Cerisy-la-Salle (27 - 30 septembre 2007), hg. von J.-M. Laurence und C. Maneuvrier, Turnhout 2010 [Centre de Recherches Archéologiques et Historiques Médiévales, 312 S., kart., 34,90 Euro].

Dross, J.: Voir la philosophie. Les représentations de la philosophie à Rome. Rhétorique et philosophie, de Cicéron à Marc Aurèle, Paris 2010 [Les Belles Lettres, 416 S., kart., 55 Euro].

Eckhart, P.: Die Herren von Krautheim in der späten Stauferzeit und ihre Burganlage im Jagsttal, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 69 (2010) S. 125-170.

Egan, G.: The Medieval Household. Daily Living c.1150-c.1450, Woodbridge 2010 [Boydell Press, 364 S., geb., 8 farb. Abb., 1059 sw-Abb., 60 $].

Entdeckungen und neue Ordnungen. 1200 bis 1800, hg. von W. Demel, Darmstadt 2010 (Weltgeschichte, 4) [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 511 S., geb., 12 sw-Abb., 9 Karten, 49,85 Euro].

Les entrées royales et impériales. Histoire, représentation et diffusion d’une cérémonie publique, de l’Orient ancien à Byzance, hg. von A. Bérenger und É. Perrin-Saminadayar, Paris 2009 [Boccard, 292 S., kart., 27 Euro].

Entstehung der Moderne. 1700 bis 1914, hg. von W. Demel und H.-D. Thamer, Darmstadt 2010 (Weltgeschichte, 5) [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 512 S., geb., 10 sw-Abb., 20 Karten, 49,80 Euro].

Enzyklopädistik 1550-1650. Typen und Transformationen von Wissensspeichern und Medialisierungen des Wissens, hg. von M. Schierbaum, Münster u.a. 2009 (Pluralismus & Autorität, 18) [LIT, 544 S., geb., 59,90 Euro].

Épreuves de noblesse. Les expériences nobiliaires de la robe parisienne (XVIe-XVIIIe siècle), hg. von R. Descimon und É. Haddad, Paris 2010 (Les Belles Lettres, 464 S., kart., 35 Euro].

Erotic Cultures of Renaissance Italy, hg. von S. F. Matthews-Grieco, Farnham u.a. 2010 [Ashgate, 302 S., geb., 67 sw-Abb., 28 farb. Abb., 60 ₤].

Aus dem Inhalt:

Guerzoni, A.: From roosters to cocks: Italian Renaissance fowl and sexuality, S. 61-68.

Ertl, T.: Alle Wege führten nach Rom. Italien als Zentrum der mittelalterlichen Welt, Ostfildern 2010 [Thorbecke, 304 S., geb., 24,90 Euro].

Erwin, H.: Machtsprüche. Das herrscherliche Gestaltungsrecht „ex plenitudine potestatis“ in der Frühen Neuzeit, Wien u.a 2009 [Böhlau, 333 S., kart., 49,90 Euro].

De l’espace aux territoires. La territorialité des processus sociaux et culturels au Moyen Âge, hg. von S. Boissellier, Turnhout 2010 [Brepols, VI+417 S., kart., 65 Euro].

Ettel, P, Werther, L.: Ungarnbauten und Herrschaftszentren des 10. Jahrhunderts in Bayern, in: Burgen und Schlösser. Zeitschrift für Burgenforschung und Denkmalpflege 51 (2010) S. 144-161.

Europäische Städte im Mittelalter, hg. von F. Opll und C. Sonnlechner, Innsbruck u.a. 2010 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 52) [Studien-Verlag, 407 S, kart, 44,90 Euro].

Fashion and Clothing in Late Medieval Europe – Mode und Kleidung im Europa des späten Mittelalters, hg. von R. C. Schwinges und R. Schorta unter Mitwirkung von K. Oschema, Basel 2010 [Schwabe, 243 S., geb., 54,50 Euro].

Aus dem Inhalt:

Schwinges, R. C., Schorta, R.: Fashion and Clothing. A Short Introduction, S. 9-13.

INDIVIDUAL PIECES OF CLOTHING – EINZELNE GEWANDELEMENTE

Swann, J.: English and European Shoes from 1200 to 1520, S. 15-24; Schwinges, R. C.: Between Gown and Fashion: a Students’s Clothing in the Late Fifteenth Century, S. 25-36; Zander-Seidel, J.: „Haubendämmerung“. Frauenkopfbedeckungen zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit, S. 37-44; Simon-Muscheid, K.: Les couvre-chefs au Bas Moyen Âge: marqueurs culturels et insignes politiques, S. 45-60; Tarrant, N. E. A.: „Cut your Coat ti Suit your Cloth“: How a Textile Affects the Cut of a Garment, S. 61-68; Schulz, K.: Produktion und Vertrieb von Textilien. Voraussetzungen, Impulse und Innovationen, S. 69-85.

CLOTHING AND FASHION FROM DIFFERENT SOCIAL LEVELS – SOZIALE SCHICHTUNG UND STÄNDISCHE DIFFERENZIERUNG

Keupp, J.: Success through Persistence. The Distinctive Role of Royal Dress in the Moddle Ages, S. 87-96; Descalzo Lorenzo, A.: Les vêtements royaux du monastère Santa María la Real de Huelgas, S. 97-106; Nockert, M.: Clothing Found in Scandinavia and Greenland, S. 107-114; Selzer, S.: Adel auf dem Laufsteg. Das Hofgewand um 1500 gezeigt am Beispiel des landgräflich-hessischen Hofes, S. 115-130; Pritchard, F.: Clothing Worn in Fourteenth-Century London Based on Archaeological Evidence, S. 131-137.

SYMBOLIC ASPECTS OF CLOTHING AND FASHION – SYMBOLISCHE ASPEKTE VON KLEIDUNG UND MODE

Schlotheuber, E.: Best Clothes and Everyday Attire of Late Medieval Nuns, S. 139-154; Hayward, M.: Continuity or Change? The Influence of the Liturgical Year on the Wardrobe of Henry VIII, S. 155-168; Pietsch, J.: Das Wechselspiel von Körper und Kleidung. Unterschiedliche Konzepte der Formung der menschlichen Gestalt durch die Kleidung in Mittelalter und früher Neuzeit, S. 169-180; Oschema, K.: Amis, favoris, sociés. Le vêtement comme miroir des relations personnelles au Bas Moyen Âge, S. 181-192; Orsi Landini, R.: The Influence of the Medici Style on European Fashion, S. 193-208; Bartholeyns, G.: Pour une histoire explicative du vêtement. L’historiographie, le XIIIe siècle social et le XVIe siècle moral, S. 209-230.

Feller, C.: Briefe nach Mantua. Spätmittelalterliche Dokumente der Herzoge und Herzoginnen von Österreich aus dem Archivio Gonzaga, in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 118 (2010) S. 377-394.

Feller, C.: Item von erst han ich kawft 18 lerchen flecken – Bauausgaben für die Burg Rodenegg im 15. Jahrhundert, in: Burgen und Schlösser. Zeitschrift für Burgenforschung und Denkmalpflege 51 (2010) S. 181-189.

Feller, C.: Das Rechnungsbuch Heinrichs von Rottenburg. Ein Zeugnis adeliger Herrschaft und Wirtschaftsführung im spätmittelalterlichen Tirol. Edition und Kommentar, Wien u.a. 2010 (Quelleneditionen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, 4) [Böhlau, 412 S., kart., 12 sw-Abb., 54,80 Euro].

Feudalism. New Landscapes of Debate, hg. von S. Bagge, M. H. Gelting und T. Lindkvist, Turnhout 2010 (The medieval countryside; 5) [Brepols, 223 S., geb.,79,44 Euro].

Fleck, C. A.: The Clement Bible at the Medieval Courts of Naples and Avignon. A story of Papel Power, Royal Prestige, and Patronage, Farham 2010 [Ashgate, 340 S., geb., 65 ₤].

Fouquet, G.: Zur öffentlichen Finanzverwaltung im späten Mittelalter, in: Aufbruch im Mittelalter – Innovationen in Gesellschaften der Vormoderne. Studien zu Ehren von Rainer C. Schwinges, hg. von C. Hesse und K. Oschema, Ostfildern 2010, S. 69-86.

Frenz, T.: Das Papsttum im Mittelalter, Köln u.a. 2010 [Böhlau, 239 S., kart., 21 sw-Abb., 14,90 Euro].

Frey, C.: Burgen und symbolische Kommunikation. Werla und Harzburg, in: Burgen und Schlösser. Zeitschrift für Burgenforschung und Denkmalpflege 51 (2010) S. 162-167.

Fürsten an der Zeitenwende zwischen Gruppenbild und Individualität. Formen fürstlicher Selbstdarstellung und ihre Rezeption (1450-1550). Wissenschaftliche Tagung, Landeskulturzentrum Schloß Salzau, 27.-29. März 2008, hg. von O. Auge, R.-G. Werlich und G. Zeilinger, Ostfildern 2009 (Residenzenforschung, 22) [Thorbecke, 444 S., geb., 60 Abb., 64 Euro]. Siehe auch unten S. 136.

Aus dem Inhalt:

Selzer, S.: Fürsten an der Zeitenwende? Zugeschriebene Größe, Durchschnittshandeln und gesuchter Nachruhm bei weltlichen Reichsfürsten um 1500, S. 11-34.

MEDIEN UND STRATEGIEN FÜRSTLICHER REPRÄSENTATION UM 1500

Studt, B.: Neue Fürsten – neue Geschichte? Zum Wandel höfischer Geschichtsschreibung, S. 35-54; Butz, R.: Fürstenlob und Fürstenkritik durch die Zeitgenossen, S. 55-76; Auge, O.: Der Fürst als „pater patriae“ – Zur Wiederbelebung eines Herrschertitels an der Wende vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit, S. 77-102; Müller, M.: Die Individualität des Fürsten als Illusion der Malerei. Zum Verhältnis von Individualität, Typus und Schemain Regentenporträts der beginnenden Frühen Neuzeit, S. 103-128; Seggern, H. von: Gedruckte Urkunden – Ein neues Propagandainstrument in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts?, S. 129-144; Werlich, R.-G.: Altes Medium in neuer Zeit – Beobachtungen zum Formenwandel reichsfürstlicher Wappen an der Wende vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit, S. 145-206.; Westphal, S.: Fürstliche Politik und Selbstdarstellung im Spiegel der Münzen Friedrichs des Weisen, S. 207-220; Krieg, H.: Kaiser Maximilian I. und das Rittertum, S. 221-240.

KONZEPTIONEN UND REZEPTIONEN FÜRSTLCIHER HERRSCHAFT AN DER ZEITENWENDE

Steinbrink, M.: Pracht und Sparsamkeit – Fürstliche Finanzen um 1500 und die Anforderungen des Hofes, S. 241-262; Schwarz, J.: Pfalzgraf Friedrich der Siegreiche, der Regensburger Christentag 1471 und die Konzepte der Konfrontation, der Kooperation und der Kompensation, S. 263-290; Zeilinger, G.: Gruppenbild mit Markgraf. Albrecht „Achilles“ von Brandenburg (1414-1486), die Reichsfürsten seiner Zeit und die Frage nach zeitgenössischer und historiographischer Prominenz, S. 291-308; Lang, S.: Eberhard im Bart von Württemberg (1445-1496) – Selbstverständnis und Außenwirkung eines „großen“ Fürsten des Spätmittelalters, S. 309-338; Rüther, A.: Familiensinn, Glaubensfrage, Machtprobe: Philipp I. der Großmütige, Landgraf von Hessen, S. 339-366; Rudolph, H.: Moritz von Sachsen – Formen und Funktionen der Herrschaftsrepräsentation eines Fürsten an der Zeitenwende, S. 367-394; Schlotheuber, E.: „Wenn wir dermal rechnung von unser hausshaltung fur Gott thun sollen“. Die Regentin und Reformatorin Elisabeth von Calenberg (1510-1558), S. 395426.

Hirschbiegel, J.: Die Nase des Fürsten – Größenprobleme. Anmerkungen am Schluß, S. 427-436.

Gemeiner, C. T.: Geschichte der öffentlichen Verhandlungen des zu Regensburg noch fortwährenden Reichstags von dessen Anfang bis auf neuere Zeiten, 3 Bde., ND der Ausg. Nürnberg 1794-1796, mit einer Einl. hg. von S. Friedrich, Hildesheim 2010 [Olms, XXXII+752 S., Ln., 354 Euro].

Goldthwaite, R. A.: The Economy of Renaissance Florence, Baltimore u.a. 2009 [Johns Hopkins University Press, XVIII+649 S., geb. 29 £].

Grummitt, D.: Household, Politics and Political Morality in the Reign of Henry VII, in: Historical Research 82 (2009) S. 393-411.

Guillaume, M. J.: Jaques Androuet du Cerceau, un des plus grands architectes qui se soient jamais trouvé en France, Paris 2010 [Picard, 352 S., geb., 54,18 ₤].

Hamilton, T.: Pleasure and Politics at the Court of France. The Artistic Patronage of Queen Marie de Brabant (1260-1321), Turnhout 2010 (Studies in Medieval and Early Renaissance Art History, 64) [Brepols, 300 S., geb., 150 sw-Abb., 32 farb Abb., 110 Euro].

Harding, L.: Das Königreich Benin. Geschichte – Kultur – Wirtschaft, München 2010 [Oldenbourg, 261 S., geb., 19 sw-Abb., 4 Karten, Cd-Rom, 34,80 Euro].

Harer, C.: Italienische Musiker am Hofe Johann Friedrichs in Hannover, in: Jahrbuch für Europäische Geschichte, 11 (2010) S. 55-77.

Harter, H.: Rotwilo im Gründungsbericht des Klosters Alpirsbach. Anmerkungen zur Geschichte Rottweils im Hochmittelalter, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 69 (2010), S. 91ff.

Hechberger, W.: Adel, Ministerialität und Rittertum im Mittelalter, 2. Aufl., München 2010 (Enzyklopädie deutscher Geschichte, 72) [Oldenbourg, XII+168 S., kart., 19,80 Euro].

Hecht, M.: Patriziatsbildung als kommunikativer Prozeß. Die Salzstädte Lüneburg, Halle und Werl in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Köln u.a. 2010 (Städteforschung. Reihe A: Darstellungen, 79) [Böhlau, VIII+377 S., geb., 52,90 Euro].

Hennebelle, D.: De Lully à Mozart. Aristocratie, musique et musiciens à Paris, XVIIe-XVIIIe siècle, Seyssel 2009 [Champ Vallon, 441 S., kart., 28 Euro].

The Herald in Late Medieval Europe, hg. von K. Stevenson, Woodbridge 2009 [Boydell, 222 S., geb., 4 farb. und 12 sw-Abb., 95 $].

The Heralds Memoir 1486-1490. Court Ceremony, Royal Progress and Rebellion, hg. von E. Cavell, Donnington 2009 [Shaun Tyas, 242 S., geb., 34,99 Euro].

Herbers, K., Neuhaus, H.: Das Heilige Römische Reich. Ein Überblick, Köln u.a. 2010 [Böhlau, 371 S., kart., 17,90 Euro].

Herrschaftsverdichtung, Staatsbildung, Bürokratisierung. Verfassungs-, Verwaltungs- und Behördengeschichte der Frühen Neuzeit, hg. von M. Hochedlinger und T. Winkelbauer, München 2010 (Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, 57) [Oldenbourg, 464 S., kart., 59,80 Euro].

Hirschmann, F.: Formen adliger Existenz im 18. Jahrhundert. Adel zwischen Kritik und Reformen, München 2009 [Meidenbauer, 146 S., kart., 34,90 Euro].

Historiographie an europäischen Höfen (16.-18. Jahrhundert). Studien zum Hof als Produktionsort von Geschichtsschreibung und historischer Repräsentation, hg. von M. Völkel und A. Strohmeyer, Berlin 2009 (Zeitschrift für Historische Forschung. Beiheft 43 [Duncker & Humblot, 382 S., kart., 56 Euro].

Aus dem Inhalt:

Völkel, M.: Clio bei Hofe. Einleitende Überlegungen zum Hof als Produktionsstätte von Geschichtsschreibung, S. 9-35; Duindam, J.: Early Modern Court Studies: An Overview and a Proposal, S. 37-60; Strohmeyer, A.: Nur Lorbeerkränze und Pietas? Herrschaft in der höfischen Geschichtsschreibung unter Leopold I, S. 61-95; Benz, S.: Leopold der Große? Diskurse, Autoren, Gattungen und die Rolle der Hofhistoriographie, S. 97-137; Neugebauer, W.: Staatshistoriographen und Staatshistoriographie in Brandenburg und Preußen seit der Mitte des 17. Jahrhunderts, S. 139-154; Kersken, N.: Hofhistoriographen im frühneuzeitlichen Ungarn: Höfe-Historiker-Texte, S. 155-176; Donański, D.: Monarchen und Historiographen in Polen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, S. 177-191; Bömelburg, H.-J.: Historiographie und Königshof in Polen-Litauen, S. 193-230; Kagan, R. L.: Pictures, Politics, and Pictorialised History at the Court of Philip IV of Spain: Re-thinking the Hall of Realms, S. 231-246; Bauer, S.: Humanisten und Klienten. Grundlinien der Papstbiographik im 16. und 17. Jahrhundert, S. 247-253; Grell, C, da Vinha, M.: Les Généalogistes, les roi et la cour en France, XVIIe-XVIIIe siècle, S. 275-294; Cosandey, F.: La mémoire du rang, S. 275-294; Barclay, A.: Amateurs and Professionals: British Courtier-Historians at the Late Stuart Court, S. 295-309; Skovgaard-Petersen, K.: Historiography at the Danish and Swedish Courts in the First Half of the Seventeenth century, S. 311-321; Schippan, M.: Die Reichshistoriographie in Rußland im Zeitalter der Aufklärung, S. 323-352; Oesterle, J. R.: Geschichte und Geschichten im abbasidischen Hofzeremonienbuch Hill as-bis, S. 353-365.

Historisch-topographischer Atlas schlesischer Städte. Heft 1: Görlitz/Zgorzelec, hg. Von P. Haslinger, W. Kreft, G. Strauchold und R. Żerelik, Marburg 2010 [Herder-Institut, 48 S., kart., 29 Karten, 41 Abb., 15 Euro].

Höfe und Residenzen geistlicher Fürsten. Strukturen, Regionen und Salzburgs Beispiel in Mittelalter und Neuzeit, hg. von Gerhard Ammerer, Ingonda Hannesschläger, Jan Paul Niederkorn und Wolfgang Wüst. Red. Tobias Riedl und Jutta Baumgartner, Ostfildern 2010 (Residenzenforschung, 24) [Thorbecke, 552 S., geb., 44 farb. Bildtafeln, 70 Euro]. – Siehe auch unten S. 140.

Aus dem Inhalt:

Wüst, W.: Höfe und Residenzen geistlicher Fürsten. Eine Themeneinführung, S. 13-23.

DER FÜRST UND DER HOF: MEDIALE, ZEREMONIELLE, POLITISCHE UND KIRCHLICH-SAKRALE INSZENIERUNGEN

Weber, W. E. J.: Politica christiana. Der Beitrag Salzburgs zur europäischen politischen Ideengeschichte der Frühen Neuzeit, S. 27-37; Sohn, A.: Grundzüge der mittelalterlichen Gedenkkultur in Europa. Mit Anmerkungen zur Memoria von Päpsten, Kardinälen, Bischöfen, Äbten und geistlichen Gemeinschaften, S. 39-55; Freitag, W.: Symbolische Kommunikation und Amtscharisma. Zur Legitimität und Legitimation geistlicher Fürsten in den Bischofsstädten der Frühen Neuzeit, S. 57-73; Römmelt, S. W.: Literarische Bischofsspiegel? Die Inszenierung der Fürstbischöfe von Würzburg in der frühneuzeitlichen Panegyrik, S. 75-90.

MACHTFRAGEN INNERHALB DES HOFES

Brendle, F.: Die Domkapitel als Conregentes der Fürstbischöfe in den geistlichen Staaten, S. 93-107; Wüst, W.: Macht, Ökonomie und das Phänomen stiftischer „Vielregiererei“. Typen geistlicher Hof- und Regierungsprogramme, S. 109-133; Streich, B.: Wettinische Kirchenfürsten im Spannungsfeld zwischen Amt und Familienräson: Bischof Sigmund von Würzburg und Erzbischof Ernst von Magdeburg, Administrator zu Halberstadt, S. 135-153.

GEBÄUDE UND AUSSTATTUNG GEISTLICHER RESIDENZEN

Dellantonio, G.: La costellazione delle residenze dei principi vescovi di Trento e di loro dignitari nell’età del Concilio: arte, architettura, cultura dell’antico (mit deutscher Synopse), S. 157-169; Leuschner, E.: Omnem lapidem movere. Modelle und Motivationen der Architektur- und Kunstpolitik Wolf Dietrich von Raitenaus, S. 171-189; Slavíček, L.: [...] dieweilen meine Curiosität meistens in Mallerey bestehen. Die Sammlungen des Olmützer Bischofs Karl Graf von Liechtenstein-Castelcorn (1623-1695), S. 191-204; Fey, C.: Identifikation geistlicher Fürsten im Medium der sakralen Schatzkunst, S. 205-223.

MUSIK AN GEISTLICHEN HÖFEN / DER GEISTLICHE MUSENHOF

Niederkorn-Bruck, M.: Ordinarium missaeproprium missae – Fest am geistlichen Hof, S. 227-251.

REGIONEN

Marx, B.: Konkurrenz der Heiligkeit. Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen (1463-1525) und Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490-1545), S. 255-272; Schraut, S.: Reichskirchliche Karrieren, Adelstypus und regionale Verankerung:die katholische Reichsritterschaft, S. 273-283; Brandstätter, K.: Reichskirche zwischen Nord und Süd: Die habsburgische Politik gegenüber Brixen und Trient, S. 285-302; Buchholz, W.: Die Residenzen geistlicher Reichsfürsten im Norden des Sacrum Imperium Romanum zwischen Ausbau und Gefährdung 1500-1806, S. 303-343; Muller, C.: Saverne, „le Versailles rhénan“ des Rohan, princes-évêques de Strasbourg au XVIIIe siècle (mit deutscher Synopse), S. 345-357; Göttmann, F.: Der Hof und die Stadt und der staatlich-gesellschaftliche Transformationsprozeß im geistlichen Fürstentum. Das Beispiel des frühneuzeitlichen Paderborn, S. 359-379.

SALZBURG

Schicht, P.: Profane Residenzen der Salzburger Erzbischöfe im Hochmittelalter, S. 383-406; Ammerer, G., Mühlbacher, K. K.: Auf dem Weg zum Steuer- und Verwaltungsstaat. Geldbedarf, Abgabenerhöhung, Personalzuwachs – und Abgeltung von Reallohnverlusten? Notizen zum Salzburger Hofstaat um 1600, S. 407-427; Roemer, L.: Die Landkartengalerie des Fürsterzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau in der Salzburger Residenz, S. 429-443; Seeger, U.: Das Salzburger Appartement des Fürsterzbischofs Franz Anton Graf Harrach zwischen Familienanspruch und Amtstradition, S. 445-459;Grillitsch, N. M., Juffinger, R., Schlegel, W., Walderdorff, I.: Teilergebnisse zum Residenzforschungsprojekt: „Bau-, Ausstattungs- und Kulturgeschichte der ehemaligen fürsterzbischöflichen Residenz in Salzburg vom 16. Jahrhundert bis 1803, S. 461-486; Brandhuber, C.: Sic transit gloria mundi. Sterben, Tod und Begräbnis der Salzburger Barockfürsten, S. 487-502; Hannesschläger, I.: Die Hauskapelle von Erzbischof Friedrich Fürst zu Schwarzenberg (1809-1885) in der Salzburger Residenz. Ein Beitrag zum Schicksal der Residenz und der Erzbischöfe nach der Säkularisation, S. 503-522.

Hofkultur der Jagiellonendynastie und verwandter Fürstenhäuser, hg. von U. Borkowska und M. Hörsch, Ostfildern 2010 (Studia Jagellonica Lipsiensia, 6) [Thorbecke, 388 S., geb., 140 Abb., 64 Euro].

Hofkultur um 1600. Die Hofmusik Herzog Friedrichs I. von Württemberg und ihr kulturelles Umfeld, hg. von J. Kremer, S. Lorenz, und P. Rückert, Ostfildern 2010 (Tübinger Bausteine zur Landesgeschichte, 15) [Thorbecke, 424 S., geb., 135 Abb., Musik-CD, 39,80 Euro].

Hornback, R.: The English Clown Tradition from the Middle Ages to Shakespeare, Woodbridge 2009 [Brewer, 256 S., geb., 6 sw-Abb., 95 $].

Howald, C.: Der Fall Nicolas Fouquet. Mäzenatentum als Mittel politischer Selbstdarstellung 1653-1661, München 2010 (Pariser Historische Studien, 96) [Oldenbourg, 320 S., geb., 49 sw-Abb., 49,80 Euro].

Hübner, H., Regtmeier, E.: Maria de’ Medici. Eine Fremde. Florenz – Paris – Brüssel – London – Köln, Frankfurt a. M. 2010 (Dialoghi/Dialogues, 14) [Peter Lang, 257 S., geb., 8 Abb., 46,80 Euro].

Image, Memory and Devotion, hg. von Z. Opacic und A. Timmerman, Turnhout 2010 [Brepols, 250 S., kart., 75 sw-Abb., 100 Euro].

Aus dem Inhalt:

Alexander, J.: Homeless and Marginalised: a Leaf from the ‚Ghistelles Hours‘; Ayers, T.: Collegiate Identity and the Art of Lancastrian Reform: The Stained Glass of Merton College, Oxford in the Early Fifteenth Century; Baxter, R.: Speech and Writing in the Gospels of Matilda of Canossa; Buran, D.: The Crucifix in Kežmarok – a Little Known Masterpiece by Master Paul of Levoča ; Cannon, J.: An Enigmatic Italian Panel Painting of the Crucifixion in Narodni Galerie, Prague; Coldstream, N.: Eleanor of Castile and the New Jerusalem; Doyle, K.: Bernard of Clairvaux’s Apologia as a Work of Medieval Rhetoric; Grant, L.: Gold Bezants on the Altar: Coronation Imagery in the Bibles Moralisées;. Hamburger, J. F.: Bloody Mary: Traces of the peplum cruentatum in Prague and in Strasbourg; Kauffmann, M.: The Meaning of Biblical Imagery in Churches: Is the Liturgy the Answer?; Kidson, P.: Recollections of a Maverick; Maniura, R.: Image, Space and Holy Place in the Cult of Our Lady of Częstochowa; Lowden, J.: Inventing Biblical Narrative: The Kiss of Cain in the Bible moralisees; Marks, R.: To the Honour and the Pleasure of Almighty God, and to the Comfort of the Parishioners: the Rood and Remembrance; Park, D.: Repairing ‚that Vision by which Christ May be Seen‘: the St Swithun Cycle at Corhampton, and the Depiction of Patronal Saints in English Romanesque Wall Painting; Robson, J.: Assisi, Rome and the Miracle of the Crib at Greccio; Rożnowska-Sadraei, A.: Jagiellonians and the Internationalisation of National Saints; Studničková, M.: Archbishop Jan of Jenstein and a new Iconography of the Visitation of St Elizabeth to the Virgin Mary: Mystic Vision and its Visualization as an Instrument of Church Policy; Suckale, R.: A Statuette of the Saviour in the Style of the Virgins on Lions; Theisen, M.: Picturing Frana; Achim Timmermann, Astwerk and ars moriendi: Reflections on a Poor Sinner’s Cross in Heilbronn (1514); Walker, R.: Sisters and Suburbs: Some Reflections on Berengaria of Navarre and her Cistercian Foundation outside Le Mans; Williamson, B.: „The Ordered Exercise of Intellection“: the Manipulation of Devotional Technologies; Wetter, E.: Issues of Negotiation: Church Treasures and Sovereign Claims in the Mark Brandenburg.

Jagdschloß Letzlingen I. 1559-1861, Dößel 2010 (Schriftenreihe der Stiftung Schlösser, Burgen und Gärten des Landes Sachsen-Anhalt, Band 2/1) [Stekovics, 280 S., geb., 96 teilw. farb. Abb., 19,80 Euro]. Jagdschloß Letzlingen II. 1861-2001, Dößel 2010 Schriftenreihe der Stiftung Schlösser, Burgen und Gärten des Landes Sachsen-Anhalt, Band 2/2 [Stekovics, 360 S., geb., 96 Abb., 28,80 Euro].

Januszek-Sieradzka, A.: Artykuly luksusowe na stole krolewskim w poznosredniowiecznej Polsce [Luxury Products on the Royal Table in Late Medieval Poland], in: Studia Mediaevalia Bohemica 1 (2009) S. 259-273.

Jaspert, N.: El perfil trascendental de los reyes aragoneses, siglos XIII al XV: santitad, franciscanismo y profecías, in: La Corona de Aragón en el centre de su historia 1208-1458. La Monarquía aragonesa y los reinos de la Corona, hg. von J. Angel Sesma Muñoz, Saragossa 2010, S. 185-219.

Jones, M.: Dukes, Nobles and the Court in Late Medieval Brittany, in: Noblesse et États princiers en Italie et en France au XVe siècle, hg von M. Gentile und P. Savy, Rom 2009 (Coll. de l’EFR, 416) S. 253-289.

Kaiser, J.: Herrinnen der Welt. Kaiserinnern des Hochmittelalters, Regensburg 2010 [Pustet, 256 S., geb., 8 Bildtaf., 22 Euro].

Kaiser, J.: Der Kampf um die Krone. Deutsche Königsdynastien des Mittelalters – Von den Saliern bis zu den Habsburgern, Stuttgart 2010 [Theiss, 160 S., geb., zahlr. farb. Abb., Karten, 19,90 Euro].

Kampmann, C.: Herrschermemoria und politische Norm. Geschichtliche Persönlichkeiten als Leitbild vom Mittelalter bis zur Moderne, in: Historisches Jahrbuch 129 (2009) S. 3-17.

Keupp, J.: Die Wahl des Gewandes. Mode, Macht und Möglichkeitssinn in Gesellschaft und Politik des Mittelalters, Ostfildern 2010 (Mittelalter-Forschungen, 33) [Thorbecke, 352 S, geb., 19 Abb., 52 Euro].

Kharibian, L.: Passionate Patrons: Victoria &Albert and the Arts, London 2010 [Royal Collection Publications, 192 S., kart., 200 Abb., 9,95 Euro].

Konrad von Megenberg. Lacrima ecclesie, hg. von K. Colberg, Hannover 2010 (Monumenta Germaniae Historica. Quellen zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 26) [Hahn, 135 S., kart., 25 Euro].

Die Korrespondenz der Herzogin Elisabeth von Sachsen und ergänzende Quellen. Bd. 1: Die Jahre 1505 bis 1532, hg. von A. Thieme, Leipzig 2010 (Quellen und Materialien zur sächsischen Geschichte und Volkskunde, 3,1) [Leipziger Universitätsverlag, 434 S., geb., 80 Euro].

Krak des Chevaliers in Syrien. Archäologie und Bauforschung 2003-2008, hg. von J. Zimmer, W. Meyer und L. Boscardin, 2 Bde., Turnhout 2010 [Brepols, 700 S., 572 meist farb. Abb., 89 Euro].

Krüger, R.: Czech, German, and Noble: Status and National Identity in Habsburg Bohemia, Oxford 2009 [Oxford University Press, 336 S., geb., 34,99 ₤].

Kunst als Herrschaftsinstrument. Böhmen und das Heilige Römische Reich unter den Luxemburgern im europäischen Kontext, hg. von J. Fajt und A. Langer, München u.a. 2009 [Deutscher Kunstverlag, 607 S., Ln., zahlr. teils farb. Abb. und Taf., 78 Euro].

Laudage, J.: Friedrich Barbarossa. Eine Biografie, Regensburg 2009 [Verlag Friedrich Pustet, 384 S., geb., 16 Abb., 34,90 Euro].

Lemberg, M.: god erbarme dich über mich/bruder des begere ouch ich. Die Grablegen des hessischen Fürstenhauses, Marburg 2010 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, 71) [Historische Kommission für Hessen, 270 S., geb., 24 Euro].

Leschhorn, K.: Die Städte der Markgrafen von Baden. Städtewesen und landesherrliche Städtepolitik in der Frühen Neuzeit, Stuttgart 2010 (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Reihe B: Forschungen, 183) [Kohlhammer, 203 S., geb., 8 sw-Abb., Stammtafel, Karten, 22 Euro].

Linklater, A., Mennell, S.: Norbert Elias, The Civilizing Process: Sociogenetic and Psychogenetic Investigations – an Overview and Assessment, in: History and Theory 49 (2010) S. 384-411

Lorenz, S.: König Philipp und Pfalzgraf Rudolf von Tübingen. Zu einem Helfer im Thronstreit und verwandten Dynasten, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 69 (2010) S. 37-70.

Ludwig, U.: Jakob Andreä und die Universitätsreform in Kursachsen (1576 bis 1580), in: Historisches Jahrbuch 129 (2009) S. 179-200.

Lutter, C.: Zwischen Hof und Kloster. Kulturelle Gemeinschaften im mittelalterlichen Österreich, Wien u.a. 2010 (Stabwechsel. Antrittsvorlesungen aus der historisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, 2) [Böhlau, 144 S., geb., 20 sw-Abb., 19,90 Euro].

MacDonogh, G.: The Slow Death of Royal Dresden, in: The Court Historian 15,1 (2010) S. 37-53.

Marek, K.: Die Körper des Königs. Effigies, Bildpolitik und Heiligkeit, München 2009 [Wilhelm Fink, 310 S., geb. 22,90 Euro].

Maurer, M.: Festkulturen im Vergleich. Inszenierungen des Religiösen und Politischen, Köln u.a. 2010 [Böhlau, 344 S., geb., 42,90 Euro].

Meckseper, C.: Das Piano nobile. Eine abendländische Raumkategorie, in: Jahrbuch der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft (2009) S. 169-195.

Mehl, J.-M.: Des jeux et des hommes dans la société médiévale, Paris 2010 (Nouvelle bibliothèque du Moyen Âge, 97) [Champion, 366 S., kart., 75 Euro].

Melzer, C.: Von der Kunstkammer zum Kupferstich-Kabinett. Zur Frühgeschichte des Graphiksammelns in Dresden (1560-1738), Hildesheim u.a. 2010 (Studien zur Kunstgeschichte, 184) [Olms, 872 S., geb., 32 farb. und 37 sw-Abb., 74,80 Euro].

Merz, J.: Julius Echter als „Typus der Gegenreformation“, in: Historisches Jahrbuch 129 (2009) S. 65-82.

Mierau, H. J.: Kaiser und Papst im Mittelalter, Köln u.a. 2010 [Böhlau, 322 S., geb., 20 sw-Abb., 24,90 Euro].

Mundt, B.: Der Pommersche Kunstschrank des Augsburger Unternehmers Philipp Hainhofer für den gelehrten Herzog Philipp II. von Pommern, München 2009 [Hirmer, 448 S., geb., 7 Farbtaf., 196 farb. und 214 sw-Abb., 98 Euro].

Muray, P.: Essais, Paris 2010 (Les Belles Lettres, 1824 S., kart., 33 Euro].

Museum, Bibliothek, Stadtraum. Kontingenz und Kontrolle in räumlichen Wissensordnungen 1600-1800, hg. von R. Felfe und K. Wagner, Münster u.a. 2010 (Kultur: Forschung und Wissenschaft, 12) [LIT-Verlag, 176 S., kart., 19,90 Euro].

Mythos Burg. Ausstellungskatalog, hg. von G. U. Grossmann, Dresden 2010 [Sandstein, 456 S., geb., 48 Euro].

Mythos Burg – Bauen und leben, belagern und verteidigen, Leinfelden-Echterdingen 2010 (Damals, 42/7) [Konradin-Verlag, 82 S., kart., 6,90 Euro].

Aus dem Inhalt:

Meyer, W.: Die Burg als Herrschafts- und Wirtschaftszentrum: „Kühe und Schweine, so der Junker auf dem Schloß hat“, S. 16ff.; Atzbach, R.: Burgenlandschaften: Wo gibt es Burgen?, S. 22ff.; Grebe, A.: Mythos Burg – die Ursprünge des modernen Burgenbildes: Von Gralsburg bis Hogwarts, S. 25ff.; Krauskopf, C.: Das Leben auf der Burg: Mehr als Qual und Mühsal?, S. 28ff.; Heine, H.-W.: Burgenbau im „Sachsenspiegel“: Wie hoch man eine Mauer bauen darf, S. 34ff.; Grossmann, G. U.: Burgenbau im Wandel der Zeiten: Eine Erfolgsgeschichte, S. 36ff.; Grossmann, G. U.: Glossar: Von Barbakane bis Zwinger, S. 42ff.; Wagener, O.: Befestigungstechnik, Waffen, Belagerung: Die Burg im Kampf, S. 54ff.; Keupp, J.: Das ritterliche Turnier: Das hohe Bad der Ehre, S. 60ff.; Niehoff, F.: Die „Landshuter Hochzeit 1475“: Verkörperung städtischer Geschichtskultur, S. 64ff.; Lieb, S.: „Burgendämmerung“ oder Kontinuität in der Neuzeit: „Im echten Stil der alten deutschen Ritterburgen“, S. 72ff.; Zotz, T.: Burgen im Zähringerland, S. 43ff.

Navire, F.: Torino come centro di sviluppo culturale. Un contributo agli studi della civiltà italiana, Frankfurt a.M. u.a. 2009 [Lang, 628 S., geb., 96,80 Euro].

Neumann, C., Werlich, R.-G.: Der Greifenstammbaum des Cornelius Krommeny, in: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte 47 (2009) S. 27-33.

Niggemann, U.: Normative Modelle für die amerikanische Präsidentschaft: George Washington in der Funeralliteratur von 1799 und 1800, in: Historisches Jahrbuch 129 (2009) S. 131-144.

Nowosadtko, J.: Stehendes Heer im Ständestaat. Das Zusammenleben von Militär- und Zivilbevölkerung im Fürstbistum Münster 1650-1803, Paderborn 2010 (Forschungen zur Regionalgeschichte, 59) [Schöningh, 400 S., geb., 44,90 Euro].

Otto, H.-D.: Nach uns die Sintflut. Höfisches Leben im absolutistischen Zeitalter, Ostfildern 2010 [Thorbecke, 224 S., geb., 24,90 Euro].

Pardo, V. F.: Die Geburt der europäischen Stadt, Darmstadt 2010 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 240 S., geb., 435 Abb., 34,90 Euro].

Patronage and Italian Renaissance Sculpture, hg. von K. Christian und D. Drogin, Farnham u.a. 2010 [Ashgate, 265 S.,geb., 41 sw-Abb., 55 $].

Paul, M.: Der Ludwigsberg. Fürstliche Gartenkunst in Saarbrücken (1769-1793), Saarbrücken 2009 (Echolot. Historische Beiträge des Landesarchivs Saarbrücken, 8) [Vereinigung zur Förderung des Landesarchivs Saarbrücken, 388 S., kart., 162 sw-Abb., 49 farb. Abb., 36,80 Euro].

Paulus, H.-E.: Die wehrhafte Residenz. Zeughaus, Marstall, Militär, Regensburg 2009 (Jahrbuch der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, 12) [Schnell & Steiner, 224 S., kart., 34,90 Euro].

Penth, S.: Die Reise nach Jerusalem. Pilgerfahrten ins Heilige Land, Darmstadt 2010 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 144 S., geb., 15 Abb., 1 Karte, 12,90 Euro].

Petersohn, J.: Kaisertum und Rom in spätsalischer und staufischer Zeit. Romidee und Rompolitik von Heinrich V. bis Friedrich II., Hannover 2010 (Monumenta Germaniae Historica. Schriften, 62) [Hahn, LVI+424 S., geb., 8 teils. farb. Abb., 60 Euro].

The Poetry of Charles d’Orleans and his Circle. An Edition of his Personal Manuscript (BNF ms. fr. 25458), hg. von M.-J. Arn und J. Fox, Turnhout 2010 [Brepols, 1000 S., geb., 100 Euro].

The Politics of Space: European Courts, c. 1500-1750, hg. von M. Fantoni, G. Gorse und M. Smuts, Rom 2009 [Bulzoni, 381 S., kart., 55 $].

Polleross, F.: Die Kunst der Diplomatie. Auf den Spuren des kaiserlichen Botschafters Leopold Joseph Graf von Lamberg (1653-1706), Petersberg 2010 [Imhof, 608 S., geb., 516 Abb., 69 Euro].

Power and Persuasion. Essays on the Art of State Building in Honour of W. P. Blockmans, hg. von P. C. M. Hoppenbrouwers, A. Janse und R. Stein, Turnhout 2010 (Brepols, 320 S., kart., 30 Abb., 69 Euro].

Prietzel, M.: Das Heilige Römische Reich im Spätmittelalter, 2. Aufl., Darmstadt 2010 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 166 S., kart., 9,90 Euro].

Le Prince et les Arts – France, Italie – XIVe-XVIIIe siècles, hg. von P. Boucheron, P. Brioist, D. Carrangeot und M. Traversier, Paris 2010 [Atlande, 384 S., kart. 25 Euro].

La Prise de décision en France (1525-1559). Recherche sur réalité du pouvoir royal ou princier à la Renaissance, hg. von R. Claerr und O. Poncet, Paris 2009 (Etudes et rencontres de l’Ecole des Chartes, 27) [Ecole Nationale des Chartes, IV+208 S., kart., garph. Darst., 27 Euro].

La Provence et Fréjus sous la première maison d’Anjou (1246-1382), hg. von J.-P. Boyer und T. Pécout, Aix-en-Provence 2010 [Presses universitaires de Provence, 214 S., kart., 22 Euro].

Quand gouverner, c’est enquêter. Les pratiques politiques de l’enquête princière, Occident, XIIIe-XIVe siècles. Actes du colloque d’Aix-en-Provence et Marseille, 19-21 mars 2009, hg. von T. Pécout, Paris 2010 [Boccard, 627 S., kart., 30 Euro].

Queenship in Britain 1660-1837: Royal Patronage, Court Culture and Dynastic Politics, hg. von C. Campbell Orr, Manchester 2009 [Manchester University Press, XII+312 S., kart., 16,99 ₤].

Remón Menéndez, J. F.: Madrid from the Ancien Regime to the Bourgeois Restoration: The Parque del Oeste and the Augmentation of the Capital, in: The Court Historian 15,1 (2010) S. 55-69.

Risch, H. G.: Der holsteinische Adel im Hochmittelalter. Eine quantitative Untersuchung, Frankfurt am Main u.a. 2010 (Kieler Werkstücke, Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 30) [Lang, 481 S., geb., 26 Abb., 174 Tab., 31 Graphiken, 76,80 Euro].

Rode-Breymann, S.: Musiktheater eines Kaiserpaars – Wien 1677 bis 1705, Hildesheim u.a. 2010 [Olms, 450 S., kart., 107 Abb., Notenbeispiele, 58 Euro].

Roeck, B.: Lebenswelt und Kultur des Bürgertums in der Frühen Neuzeit, 2. Aufl., München 2010 (Enzyklopädie deutscher Geschichte, 9) [Oldenbourg, XII+170 S., kart., 19,80 Euro].

Rogge, J.: Die deutschen Könige im Mittelalter – Wahl und Krönung, 2. Aufl., Darmstadt 2010 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 135 S., kart., 9,90 Euro].

Rohrschneider, M.: Das französische Präzedenzstreben im Zeitalter Ludwigs XIV. Diplomatische Praxis – zeitgenössische französische Publizistik – Rezeption in der frühen deutschen Zeremonialwissenschaft, in: Francia 36 (2009) S. 135-179.

Rohrschneider, M.: Reputation als Leitfaktor in den internationalen Beziehungen der Frühen Neuzeit, in: Historische Zeitschrift 291 (2010) S. 331-352.

Le roi René dans tous ses États (1409-1480), hg. von J.-M. Matz und E. Verry, Paris 2009 [Éditions du patrimoine, 248 S., kart., 32 Euro].

Ruby, S.: Mit Macht verbunden. Bilder der Favoritin im Frankreich der Renaissance, Freiburg 2010 [Fördergemeinschaft wissenschaftlicher Publikationen von Frauen e.V., 501 S., geb., 59,90 Euro].

Samerski, S.: Die Landespatrone der böhmischen Länder. Funktionswandel religiöser Erinnerungsfiguren seit dem Mittelalter, in: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde (2010) S. 105-113.

Sammler, I.: Höfische Festkultur im Zeitalter Ludwigs XIV., Frankfurt am Main u.a. 2009 [Lang, 141 S., kart., 27,50 Euro].

Schäfer, K.: Der Fürstenaufstand gegen Karl V. im Jahr 1552. Entstehung, Verlauf und Ergebnis – vom Schmalkaldischen Krieg bis zum Passauer Vertrag, Taunusstein 2009 (Driesen, 224 S., kart., 29 Euro].

Scheffold, J.: Jagdmethoden im 18. Jahrhundert, in: Die Jagd der Markgrafen zu Brandenburg-Ansbach in der Frühmoderne, Triesdorf 2010 (Triesdorfer Heft, 9), S. 37-66.

Scheibelreiter, G.: Die Babenberger. Reichsfürsten und Landesherren, Wien u.a. 2010 [Böhlau, 360 S., geb., 20 sw-Abb., 29,90 Euro].

Schennach, M. P.: Gesetz und Herrschaft. Die Entstehung des Gesetzgebungsstaates am Beispiel Tirols, Köln u.a. 2010 (Forschungen zur deutschen Rechtsgeschichte, 28) [Böhlau, 1056 S., geb., 98 Euro].

Schimmelpfennig, B.: Könige und Fürsten, Kaiser und Papst im 12. Jahrhundert, 2. Aufl., München 2010 (Enzyklopädie deutscher Geschichte, 37) [Oldenbourg, XII+161 S., kart., 19,80 Euro].

Schlecking, K.: Adelige Unternehmer im geistlichen Staat. Die Hütten- und Hammerwerke der Freiherren von Dücker zu Menden-Rödinghausen im 18. Jahrhundert Münster 2010 (Westfalen in der Vormoderne. Studien zur mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Landesgeschichte, 6) [Aschendorff, 219 S., geb., 35 Euro].

Schlegelmilch, M.: Die Jugendjahre Karls V. Erziehung und Lebenswelt des burgundischen Prinzen, Köln u.a. 2010 [Böhlau, 672 S., geb., 15 farb. Abb., 54,90 Euro].

Schloß Leitzkau, hg. von B. E. Schmuhl, Dößel 2010 (Schriftenreihe der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt, 3) [Stekovics, 480 S., Ln., 185 Abb, 34 Euro].

Schlüter, M.: Musikgeschichte Wittenbergs im 16. Jahrhundert. Quellenkundliche und sozialgeschichtliche Untersuchungen, Göttingen 2010 (Abhandlungen zur Musikgeschichte, 18) [V&R unipress, 375 S., geb, 49,90 Euro].

Scholz, B.: Das geistliche Fürstentum Neisse. Eine ländliche Elite unter der Herrschaft des Bischofs (1300-1650), Köln u.a. 2010 (Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands, 42) [Böhlau, 440 S., geb., 30 sw-Abb., 54,90 Euro].

Schütz, F.: Stadtforschung und Geoinformatik. Beispiele Rom und Regensburg, in: Kunstchronik 63 (2010) S. 473-478.

Schwarz, J.: Herrscher- und Reichstitel bei Kaisertum und Papsttum im 12. und 13. Jahrhundert, Köln u.a. 2003 [Böhlau, 510 S., geb., 69 Euro].

Schwarze-Neuss, E.: Adelssitze in Sachsen-Anhalt. Gesammelte Beiträge, Halle / Saale 2010 (Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt. Mitteilungen der Landesgruppe Sachsen-Anhalt der Deutschen Burgenvereinigung e.V. Sonderheft) [Landesgruppe Sachsen-Anhalt der Deutschen Burgenvereinigung e.V., 256 S., kart., nicht verkäuflich]

Aus dem Inhalt:

Alte Gutshöfe, Domänen und Herrenhäuser im Stadtgebiet von Halle (erstmals veröffentlicht in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt Heft 8 [1999], S. 143-184), S. 7-48; Schloßbau im Industriezeitalter in Mitteldeutschland (erstmals veröffentlicht in: Heft 13 [2004], S. 317-351), S. 49-83; Schloßbau im Barockzeitalter. Eine Sozialgeschichte der Herrschaftsbauten in Mitteldeutschland von der Mitte des 17. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.Teil 1: Die Schlösser der Fürsten (erstmals veröffentlicht in: Heft 14 [2005], S. 253-297), S. 85-129; Schloßbau im Barockzeitalter. Eine Sozialgeschichte der Herrschaftsbauten in Mitteldeutschland von der Mitte des 17. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Teil 2: Die Schlösser des Landadels (erstmals veröffentlicht in: Heft 15 [2006], S. 322-362), S. 130-170; Schloßbau im Barockzeitalter. Eine Sozialgeschichte der Herrschaftsbauten in Mitteldeutschland von der Mitte des 17. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.Teil 3: Die Schlösser und Herrenhäuser der großen Familien. (erstmals veröffentlicht in: Heft 16 [2007], S. 368-452), S. 172-256.

Schwarzmaier, H.: Der Tod Philipps von Schwaben und die Folgen. Zu einem bisher unbekannten Annalenfragment aus St. Gallen, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 69 (2010) S. 71-90.

Scott, J.: The Royal Portrait: Image and Impact, London 2010 [Royal Collection Publications, 200 S., kart., 175 Abb., 24,95 ₤].

Siddons, M. P.: Heraldic Badges in England and Wales, Woodbridge 2009 [Boydell, 1320 S., geb., 17 farb. Abb., 47 sw-Abb., 695 $].

Simunek, R.: Hrad jako symbol v myslení ceské stredoveké slechty [The Castle as a Symbol in the Consciousness of Czech Medieval Aristocracy], in: Ceský casopis historický 108 (2010) S. 185-219.

Das Soldbuch des Deutschen Ordens 1410/1411. Teil 2: Indices mit personengeschichtlichen Kommentaren, bearb. von S. Ekdahl, Köln u.a. 2010 (Veröffentlichungen aus den Archiven Preussischer Kulturbesitz, 23,2) [Böhlau, 392 S., geb., 49,90 Euro].

Speitkamp, W.: Ohrfeige, Duell und Ehrenmord. Eine Geschichte der Ehre, Stuttgart 2010 [Reclam, 366 S., kart., 24,95 Euro].

Spies, B.: Das Tagebuch der Caroline von Lindenfels, geb. von Flotow (1774-1850). Leben und Erleben einer oberfränkischen Adeligen am Ende der ständischen Gesellschaft, Münster 2009 (Internationale Hochschulschriften, 531) [Waxmann, 435 S., geb., 29,90 Euro].

Stadtgestalt und Öffentlichkeit. Die Entstehung politischer Räume in der Stadt der Vormoderne, hg. von S. Albrecht, Köln u.a. 2010 (Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München, 24) [Böhlau 349 S., geb., Abb., graph. Darst., 44,90 Euro].

Aus dem Inhalt:

Mersiowsky, M.: Wege zur Öffentlichkeit, S. 13-57; Untermann, M.: Plätze und Straßen, S. 59-71; Widder, E.: Der Herrscher in der Stadt, S. 73-100; Wanke, H.: Zum Zusammenhang zwischen Rathaus, Verfassung und Beurkundung in Speyer, Straßburg und Worms, S. 101-120; Pataki, Z. Á.: Ein Bürger blickt auf seine Stadt, S. 121-146; Behrer, C.: Platz und Obrigkeit im mittelalterlichen München, S. 147-160; Igel, K.: Ratsherrschaft und Öffentlichkeit im spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Osnabrück, S. 161-176; Bönnen, G.: Stadt und Öffentlichkeit am Beispiel mittelrheinischer Bischofsstädte im späten Mittelalter, S. 177-190; Jachmann, J.: Öffentlichkeit und Raum in der Reichsstadt, S. 191-209; Hubert, H. W.: Stadtgestaltung – Stadtverwüstung, S. 211-232; Albrecht, S.: Zeremonialräume in den mittelalterlichen Städten des Alten Reiches, S. 233-252; Horsch, N.: Die Nordflanke des mittelalterlichen Lateranpalastes als Bühne des Papstes, S. 253-273; Gramaccini, N.: Antike Statuen auf mittelalterlichen Plätzen, S. 275-286; Brückle, W.: Paris als Denkmal guter Herrschaft unter Karl V. von Valois, S. 287-309; Tönnesmann, A.: Idealstadt und Öffentlichkeit, S. 311-331; Hipp, Hermann: Die öffentliche Ordnung der Deutschen Renaissance, S. 333-349.

Staufer und Welfen. Zwei rivalisierende Dynastien im Hochmittelalter, hg. von W. Hechberger und F. Schuller, Regensburg 2009 [Prustet, 280 S., geb., 32 Abb., 24,90 Euro].

Stephan, P.: Der vergessene Raum. Die dritte Dimension in der Fassadenarchitektur der frühen Neuzeit, Regensburg 2009 (Eikoniká, 1) [Schnell & Steiner, 6626 S., geb., 86 Euro].

Stieldorf, A.: Reiseherrschaft und Residenz im frühen und hohen Mittelalter, in: Historisches Jahrbuch 129 (2009) S. 147-177.

Stolberg 1210-2010. Zur achthundertjährigen Geschichte des Geschlechts, hg. von P. Fürst zu Stolberg-Wernigerode und J.-C. Fürst zu Stolberg-Stolberg, Dößel 2010 [Stekovics, 320 S., geb., 245 farb. Abb., 23 Musterblätter und Stammbaum, 38 Euro].

Ulrich von Hutten, Expostulatio, hg. von M. Samuel-Scheyder, Turnhout 2010 [Brepols, 250 S., kart., 65 Euro].

De Van Dijk à Bellotto. Splendeurs à la cour de Savoie, hg. von C. E. Spantigati u.a., Turin 2009 [Allemadi, 251 S., kart., 35 Euro].

Vassiadis, G.: Athens: The Creation of a Royal Capital, 1834-1914, in: The Court Historian 15,1 (2010) S. 19-35.

Vercelloni, V., Vercelloni, M.: Geschichte der Gartenkultur. Von der Antike bis heute, Darmstadt 2010 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 280 S., geb., 464 farb. Abb., 34,90 Euro].

Victoria & Albert. Art & Love, hg. von J. Marsden, London 2010 [Royal Collection Publications, 480 S., kart., 476 Abb., ₤ 35].

Vie de Charles IV de Luxembourg. Présentation, édition et traduction par P. Monnet et J.-C. Schmitt, Paris 2010 [Les Belles Lettres, XCVII+190 S., kart., 31 Euro].

Des villes à l’ombre des châteaux. Naissance et essor des agglomérations castrales en France au Moyen Age (Actes du colloque de Vitré, octobre 2008), hg. von A. Chedeville und D. Pichot, Rennes 2010 [Presses Universitaires de Rennes, 239 S., kart., 24 Euro].

Villiers, J.: „It is the sovereign who makes the palace, as a stone in the field may become an altar“: Bucharest under Carol I and the Building of Peleş, in: The Court Historian 15,1 (2010) S. 71-88.

Vocelka, K.: Die Familien Habsburg und Habsburg-Lothringen, Politik – Kultur – Mentalität, Wien u.a. 2010 [Böhlau, 200 S., geb., 19,90 Euro].

Völkel, M.: Vom Körperbild zum Erinnerungsbild. Zum Bildgebrauch im fürstlichen Trauerzeremoniell der Frühen Neuzeit, in: Die Bildlichkeit symbolischer Akte, hg. von B. Stollberg-Rilinger und T. Weissbrich (Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme, 28), Münster 2010, S. 223-251.

Von der Ordnung zur Norm: Statuten in Mittelalter und Früher Neuzeit, hg. von G. Drossbach, Paderborn 2010 [Schöningh, 385 S., geb., 5 sw-Abb., 6 farb. Abb., 78 Euro].

Vorbild – Austausch – Konkurrenz. Höfe und Residenzen in der gegenseitigen Wahrnehmung, Wien, 20.-24. September 2008. 11. Symposium der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, hg. von W. Paravicini und J. Wettlaufer, Ostfildern 2010 (Residenzenforschung, 23) [Thorbecke, 464 S., geb., 69 Euro]. – Siehe auch unten S. 138.

Aus dem Inhalt:

Paravicini, W.: Zwischen Nachahmung und Abgrenzung. Höfe und Residenzen im gegenseitigen Blick: Einleitung, S. 15-25; Lorenz, H.: „Vienna Gloriosa“ – Eine Residenz im Zentrum Europas, S. 27-36.

DAS WISSEN VOM ANDEREN: INFORMATIONEN UND INFORMATIONSBESCHAFFUNG

Hiltmann, T.: Herolde und die Kommunikation zwischen den Höfen in Europa (14. bis 16. Jahrhundert), S. 39-62; Radek, T.: Nachrichtenübermittlung zwischen ungarischen und „deutschen“ Höfen – untersucht anhand ausgewählter Texte deutschsprachiger Chroniken des Mittelalters, S. 63-88; Bauer, V.: Der Zeichencharakter von Schloßnamen in der höfischen Gesellschaft des frühneuzeitlichen Alten Reichs: Zur Kommunikation von Herrschaftsverständnis und dynastischen Ansprüchen, S. 89-114; Wüst, W.: Hof und Policey. Deutsche Hofordnungen als Medien politisch-kulturellen Normenaustausches vom 15. bis zum 17. Jahrhundert, S. 115-134.

WAS MAN HABEN MUSS ODER ENTBEHREN KANN: KONKURRENZ UND ANPASSUNG

Keller, K.: Alhier an dem kayserlichen hofe ist wenig newes vorgefallen, welches zu berichten der importanz were … Verbindungen zwischen den Residenzen Wien und Dresden im 17. Jahrhundert, S. 137-155; Rösener, W.: Hofleben und Hoforganisation im Wandel. Fürstenhöfe des Spätmittelalters in Konkurrenz und Anpassung, S. 157-172; Müller, M.: Im Wettstreit mit Apelles. Hofkünstler als Akteure und Rezepteure im Austausch- und Konkurrenzverhältnis europäischer Höfe zu Beginn der Frühen Neuzeit, S. 173-191; Lass, H.: Die Selbstdarstellung des Erzjägermeisters im 16. Jahrhundert, S. 193-220; Merz, J. M.: Konkurrenzen. Die Louvre-Konkurrenz und andere Architekturwettbewerbe an europäischen Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts, S. 221-233.

DIE WIENER HOFBURG IN DER EUROPÄISCHEN WAHRNEHMUNG

Schwarz, M.: Als Residenz geplant? Zu den Anfängen der Wiener Hofburg, S. 237-243; Mitchell, P.: Eine Baugeschichte der Hofburg im Mittelalter als Beitrag zu einer umfassenden Geschichte der Wiener Residenz, S. 245-255; Holzschuh-Hofer, R.: Radikal elitär oder schlicht bescheiden? Zur Ikonologie der Wiener Hofburg im 16. Jahrhundert unter Ferdinand I. S. 257-273; Karner, H.: Raumordnung und Identität – Spanisches in Wien?, S. 275-288; Weinberger, M.: L’architecture à la française. Die Hofburg zu Beginn des 18. Jahrhunderts, S. 289-300.

WELCHE VORBILDER?

Berger, C., Tomasek, T.: Oswald von Wolkenstein als schöpferischer Mittler im spätmittelalterlichen Kulturtransfer. Zu den Liedern „Es ist ain altgesprochner rat“ (Kl. 19) und „Wer die ougen wil verschüren“ (Kl. 103), S. 303-315; Büren, G. von: „Abitus principis in Galliam“. Die Reise Herzog Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg nach Frankreich im Jahre 1541, S. 317-330; Collet, D.: (Aus-)Handlungsraum Kunstkammer. Fürstliche Sammlungen zwischen Distinktion und Kanon, S. 331-343; Fey, C.: König Ludwig I. von Ungarn und das Tischtuch vom Letzten Abendmahl. Reliquiengeschenke als Zeugnisse des höfischen Austauschs im religiösen Bereich, S. 345-361; Hausenblasová, J.: Ein modifiziertes Vorbild oder ein eigenes Modell? Der Aufbau des Hofes Ferdinands I. in Mitteleuropa in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, S. 363-390.

Hahn, P.-M.: Dynastische Rivalitäten und höfische Konkurrenzen: Die Wahrnehmung der Residenzen durch die Fürstenhäuser (Zusammenfassung), S. 363-409.

Vries, J. de: Caterina Sforza and the Art of Appearances. Gender, Art and Culture in Early Modern Italy, Farnham u.a. 2010 [Ashgate, 322 S., geb., 65 ₤].

Walbecker Forschungen, hg. von B. Heinecke und C. Schuffels, Petersberg 2010 [Imhof, 224 S., kart., 19,95 Euro].

Aus dem Inhalt:

Schulze, H. K.: Der Harz-Elbe-Saale-Unstrutraum als Historische Landschaft. Königtum, Adel und Kirche im Zeitalter der Ottonen, S. 13-54; Krieger, G.: „Divisio" und „Causa Philosophiae". Zum Verständnis von Philosophie in der Ottonenzeit (Richer von St. Rémi, Gerbert von Aurillac), S. 55-68; Binding, G.: Stiftskirche St. Marien in Walbeck. Die Bauabfolge, S. 69-82; Schuffels, C.: Zu einer Bauform der Ottonischen Stiftskirche Sankt Marien in Walbeck, S. 83-98; Lobbedey, U.: Die Stiftskirche St. Marien zu Walbeck. Baubefund und Baugeschichte, S. 99-138; Siedler, G., Sacher, G.: Anwendungen der Architektur-Photogrammetrie für Restaurierung, Bauforschung und Denkmalpflege am Beispiel der Ruine der Stiftskirche in Walbeck, S. 139-148; Schmitt, R.: Die Ottonische Klosterkirche in Memleben – Forschungsstand und Ausblick, S. 149-171; Winterer, C.: Das Evangeliar der Walbecker Kanoniker sus dem 11. Jahrhundert, Latin Ms 88 der John Rylands University Library, und die Handschriften seines künstlerischen Umfeldes, S. 173-207.

Walther, S.: Die (Un-)Ordnung der Ehe. Normen und Praxis ernestinischer Fürstenehen in der Frühen Neuzeit, München 2010 (Ancien Régime, Aufklärung und Revolution, 39) [Oldenbourg, 512 S., geb., 8 sw-Abb., 69,80 Euro].

Watts, J.: The Making of Polities. Europe, 1300-1500, New York 2009 (Cambridge Medieval Textbooks) [Cambridge University Press, 466 S., geb., 32,99 $].

Weber, C.: Episcopus et Princeps. Italienische Bischöfe als Fürsten, Grafen und Barone vom 17. bis zum 20. Jahrhundert, Frankfurt a. M. 2010 (Beiträge zur Kirchen- und Kulturgeschichte, 20) [Lang, 218 S., geb., 59 Abb., 44,80 Euro].

Weiand, K.: Hessen-Kassel und die Reichsverfassung. Ziele und Prioritäten landgräflicher Politik im Dreißigjährigen Krieg, Marburg 2009 (Untersuchungen und Materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte, 24) [Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde, IX+196 S., geb., 22 Euro].

Weinfurter, S.: Eichstätt im Mittelalter. Kloster – Bistum – Fürstentum, Regensburg, Eichstätt 2010 (Pustet, 256 S., geb., 16 farb. Abb., 24,90 Euro].

Weiss, D. J.: Maximilian I. von Bayern: Herrschererinnerung und politische Norm im dynastischen Staat des 17. Jahrhunderts, in: Historisches Jahrbuch 129 (2009) S. 83-100.

Werden, A.: Tanz vernetzt. Das „balet comique de la royne“ in der höfischen Kunst der Valois (1581/1582), Köln u.a. 2010 [Böhlau, 464 S., geb., 46 sw-Abb., 66,80 Euro].

Werlich, R.-G., Fassbinder, S.: Ein neunfeldiges pommersches Herzogswappen aus dem 16. Jahrhundert. Bemerkungen zu einem Neuzugang in der ständigen Ausstellung zur Landesgeschichte im Pommerschen Landesmuseum Greifswald, in: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte 48 (2010) S. 2-8.

Die Wiener Hofburg und der Residenzbau in Mitteleuropa im 19. Jahrhundert. Monarchische Repräsentation zwischen Ideal und Wirklichkeit, hg. von W. Telesko, R. Kurdiovsky und A. Nierhaus, Wien u.a. 2010 [Böhlau, 394 S., kart., 115 sw-Abb., 39 Euro].

Die Wiener Hofmusikkapelle, Bd 3: Gibt es einen Stil der Hofmusikkapelle?, hg. von H. Krones, T. Antonicek und E. T. Fritz-Hilscher, Köln 2010 [Böhlau, 256 S., kart., 39 Euro].

Winkel, H.: Herrschaft und Memoria. Die Wettiner und ihre Hausklöster im Mittelalter, Leipzig 2010 (Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde, 32) [Leipziger Universitätsverlag, 386 S., geb., 59 Euro].

Women at the Burgundian Court. Presence and Influence. Femmes a la Cour de Bourgogne: Presence et Influence, hg. von D. Eichberger, A.-M. Legare und W. Husken, Turnhout 2010 [Brepols, 200 S., geb., 39 sw-Abb., 26 farb. Abb., 125 $].

Wünsch, T.: König Stephan I. von Ungarn: Herrschermemoria und politische Norm seit dem Mittelalter, in: Historisches Jahrbuch 129 (2009) S. 19-33.

Wüst, W.: Ein frühmodernes Land im Jagdfieber – Das „ius venandi“ der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, in: Die Jagd der Markgrafen zu Brandenburg-Ansbach in der Frühmoderne, Triesdorf 2010 (Triesdorfer Heft, 9), S. 5-36.

Záruba, F.: Der Welsche Hof in Kuttenberg, in: Burgen und Schlösser. Zeitschrift für Burgenforschung und Denkmalpflege 51 (2010) S. 177-181.

Die Zeit Fürst Ludwigs von Anhalt-Köthen 1617-1650. Bd. 5: 1639-1640, hg. von K. Conermann, Leipzig 2010 (Die deutsche Akademie des 17. Jahrhunderts: Fruchtbringende Gesellschaft. Kritische Ausgabe der Briefe. Reihe 1: Beilagen und Akademiearbeiten. Abt. A: Köthen. Briefe der Fruchtbringenden Gesellschaft und Beilagen, 5) [De Gruyter, 712 S., geb., 129,95 Euro].

Zieg, M.: Gelnhäuser Regesten – zur Geschichte der Reichsstadt in den Jahren 1400 bis 1500, Hamburg 2010 (Studien zur Geschichtsforschung des Mittelalters, 25) [Kovač, 716 S., kart., 138 Euro].

Zotz, T.: Werra magna et dissensio nimis timenda oritur inter principes Theutonicos de imperio. Der Thronstreit zwischen Philipp von Schwaben und Otto von Braunschweig 1198-1208, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 69 (2010) S. 17-36.

 

 


Salzau



Wien



Salzburg



Sonstiges

 

 

Monumenta Ducum Pomeranorum – Denkmale der Greifenherzöge

 

Die Historische Kommission für Pommern begeht am 13. und 14. Mai 2011 in Greifswald mit einer Festveranstaltung ihr 100jähriges Gründungsjubiläum. Zu diesem Anlaß wird von drei Mitgliedern der Kommission, Norbert Buske, Joachim Krüger und Ralf-Gunnar Werlich, die Herausgabe des Bandes „Die Herzöge von Pommern – Zeug-nisse der Herrschaft des Greifenhauses“ vorbereitet, der im Kern Beiträge enthält, die unter dem Thema „Monumenta Ducum Pomeranorum“ in Zusammenarbeit mit der Historischen Kommission für Pommern auf den Jahrestagungen der Gesellschaft für pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst als Vorträge gehalten wurden. Zwei der Aufsätze entstanden im Zusammenhang mit einer Wolgaster Tagung anläßlich der Restaurierung der Grablege der pommerschen Herzöge in der Petrikirche in Wolgast, die auch international eine breite Aufmerksamkeit erhalten hat und im Juni 2010 mit dem höchsten Preis der Europäischen Union in der Denkmalpflege, dem „European Union Prize for Cultural Heritage – Europa Nostra Award“, in der Kategorie 1 „Konservierung/Restaurierung“ ausgezeichnet wurde.

 

Im einzelnen wird der Band, der innerhalb der „Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern“ erscheint, folgende Aufsätze beinhalten:

 

Ralf-Gunnar Werlich: Herrschaftszentren und Residenzen der Greifen.

Arthur Behn: Grablegen der Greifenherzöge.

Regina Ströbl: Die Bestattungen der pommerschen Herzöge in der Wolgaster Petrikirche – Grabinhalte und Rekonstruktion.

Klaus Winands: Die Neugestaltung der Grablege der pommerschen Herzöge in der Wolgaster Petrikirche.

Hellmut Hannes: Bildnisse der pommerschen Herzöge.

Hellmut Hannes: Bildnisse der pommerschen Herzoginnen.

Joachim Zdrenka: Inschriften der pommerschen Herzöge.

Joachim Krüger: Die Münzprägung der pommerschen Herzöge.

Ralf-Gunnar Werlich: Die Siegel der pommerschen Greifenherzöge.

Ralf-Gunnar Werlich: „… welches den Greifen führt …“ – Das Geschlecht der Herzöge von Pommern und seine heraldischen Herrschaftssymbole.

 

Das Buch soll zum Jahrestag der Kommission übergeben werden.

 

Kontaktadresse:        Dr. Ralf-Gunnar Werlich

Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Historisches Institut

Domstr. 9a

D-17487 Greifswald

E-Mail: werlich@uni-greifswald.de

 

Court Residences as Places of Exchange in Late Medieval and Early Modern Europe (1400-1700)

PALATIUM

 

PALATIUM is a Research Networking Programme financed by the European Science Foundation (ESF). It brings together scholars from different fields across Europe to promote trans-disciplinary and trans-national research on Court Residences as Places of Exchange in Late Medieval and Early Modern Europe (1400-1700). During its five-year running period, from June 2010 to May 2015, PALATIUM will stimulate exchanges of knowledge and experience on this topic between historians, architectural historians, art historians and researchers from related disciplines in various meetings, workshops, conferences, and a summer school.

Text: www.courtresidences.eu/index.php/home/

 

 

Steering Committee

Krista De Jonge (Chair) – Belgium

Bernardo García García (co-Chair) – Spain

Uwe Albrecht – Germany

Monique Chatenet – France

Ingrid Ciulisová – Slovak Republic

Birgitte Bøggild Johannsen – Denmark

Herbert Karner – Austria

Ivan Prokop Muchka – Czech Republic

Konrad Ottenheym – The Netherlands

Fabian Persson – Sweden

Nuno Senos – Portugal

 

 

Kontaktadresse:        Dr. Pieter Martens

Katholieke Universiteit Leuven

Faculty of Engineering – Dept. ASRO

Kasteelpark Arenberg 1

B-3001 Heverlee

Tel. [B] (0) 16 32 13 61

Fax [B] (0) 16 32 19 84

Internet: www.courtresidences.eu/index.php/home/

E-Mail: pieter.martens@asro.kuleuven.be

 


Krause, Stefanie: Die Ausstattung repräsentativer Räume des Mannheimer Schlosses durch Cosmas Damian Asam und Johann Paul Egell. Spiegelungen und Brechungen in der Rezeption künstlerischer Modelle zwischen Rom und Paris sowie Rom, Paris und Mannheim in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: ATELIER. Vorbild, Austausch, Konkurrenz. Höfe und Residenzen in der gegenseitigen Wahrnehmung, hg. von Anna Paulina Orlowska, Werner Paravicini und Jörg Wettlaufer, Kiel 2009 (Mitteilungen der Residenzen-Kommission. Sonderheft 12), S. 161-200.

 

 

Dr. Jürgen Rainer Wolf vom Sächsischen Staatsarchiv Dresden weist in einem Schreiben vom 21. September an den Vors. darauf hin, daß Abb. 1 S. 188 im o.g. Beitrag nicht den Entwurf Marots für das Mannheimer Schloß von 1672 zeige, sondern einen Stich von Heinrich Jonas Ostertag und Bartolomäus Anton Cöntgen von 1725 des von Jean-Clemens Froimon ausgeführten Baus und verweist dazu auf seinen Aufsatz „Jean Clemens Froimon (um 1686-1741) und der Bau des Mannheimer Schlosses für Kurfürst Karl Philipp von der Pfalz. Ein unbekannter Rechenschaftsbericht“, in: Mannheimer Geschichtsblätter 1 (1994) S. 109-180, hier Abb.5 S. 168.

 

Stefanie Krause hat dies in einem Schreiben an die Arbeitsstelle vom 26. September bestätigt. Tatsächlich zeige die fehlerhaft beschriftete Abbildung nicht den Stich von Jean Marot, sondern eine große Vogelschauansicht der neuen Residenz Mannheim. Es handele sich um eine Radierung von Heinrich Jonas Hesse und Bartholomäus Coentgen, Mainz, um 1725, Reiss-Engelhorn-Museum Mannheim.

 

Kontaktadresse:        Dr. des. Stefanie Krause

Kunsthistorikerin

Goßlerstraße 19

D-12161 Berlin

E-Mail: stefanie.krause3@freenet.de

 


Fürstinnenkorrespondenzen in der Reformationszeit
Edition der Briefe der Herzogin Elisabeth von Sachsen

 

Elisabeth von Sachsen gilt zu Recht als eine der politisch und geistig einflußreichsten Reformationsfürstinnen. Als ältere Schwester Landgraf Philipps von Hessen, als Vertraute Kurfürst Johann Friedrichs des Großmütigen, als ältere Freundin des jungen Moritz von Sachsen und schließlich in ihrer Rolle als lutherische „Vorkämpferin“ am katholischen Hof ihres Schwiegervaters, Herzog Georgs des Bärtigen, stand Elisabeth durchaus einflußreich an den politischen und kommunikativen Schnittstellen der Reformationszeit. Ihre Korrespondenz läßt daher tiefe Einblicke in das Geschehen und seine Hintergründe zu, belegt zugleich aber auch ein außergewöhnliches Frauenschicksal.

Das Corpus des überkommenen Briefwechsels der Elisabeth umfaßt schätzungsweise 2000 Briefe. Es wird aufgrund von Handschrift und Diktat als schwierig eingeschätzt und ist deshalb trotz seiner hohen Bedeutung bislang selten für historische Forschungen genutzt worden. Die geplante Edition kann sich auf Vorarbeiten der Elisabeth-Biografin Elisabeth Werl stützen und soll zunächst die Briefe bis zum Ende der Rochlitzer Herrschaft (1547) erfassen und im Volltext bieten.

Text: http://web.isgv.de/index.php?page=767

 

Kontaktadresse:        Dr. André Thieme

Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.

Zellescher Weg 17

D-01069 Dresden

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Die Arbeitsstelle Kiel

 

 

 

 

 

Prof. Dr. Werner Paravicini

 

 

Dr. Jan Hirschbiegel
(Mitteilungen der Residenzen-Kommission, Residenzenforschung,

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Dr. Jörg Wettlaufer
(Symposien, Internetangebot, Handbuch IV: Grafen und Herren)

 

Melanie Greinert

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Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Residenzen-Kommission

Arbeitsstelle Kiel

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*     Johann Steffen Münster, Amandastr. 18, D-25335 Elmshorn, E-Mail: Steffen_Muenster@gmx.de.

**    Gekürzte und leicht überarbeitete Version der schriftlichen Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien in Schleswig-Holstein, vorgelegt im Sommersemester 2007 an der Philosophischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel unter dem Titel „Reisealltag im Spätmittelalter. Die Reiserechnung der Gesandtschaft des Ladislaus V. Postumus nach Rom im Jahre 1453“.

[1]     Simon II. Heindl war vom 28. Juli 1451 bis zum Jahre 1456 (Monat und Tag der Resignation des Amtes sind unklar) Propst des Augustiner Chorherrenstiftes zu Klosterneuburg. Vgl. Klosterneuburg (1992), S. 680.

[2]     Zur Definition des Begriffs ‚Fernreise‘ (besondere Vorbereitung, mehrere Übernachtungen, das Verlassen des eigenen Territoriums, die Überschreitung von Grenzen der eigenen Kultur) sowie zur Abgrenzung der Fernreise von anderen Reisetypen vgl. Reichert, Fernreisen (1998), S. 5; Spiess, Reisen (2005), S. 34f.

[3]     Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 341.

[4]     Ladislaus V. Posthumus war zum Zeitpunkt der Abreise Simon Heindls offiziell sowohl ungarischer König als auch Herzog von Österreich. Die Krönung zum König von Böhmen fand erst am 28. Oktober 1453 statt. Vgl. Nehring, Art. Ladislaus V. Posthumus (1999), Sp. 1611f. Bemerkenswert ist die Betitelung des Ladislaus als König von Dalmatien/Kroatien (dalmaczn, Graczn Kunig), da bereits 1409 der damalige ungarische König Ladislaus I. von Anjou-Durazzo seine Rechte auf Dalmatien und Kroatien an die Republik Venedig verpfändet hatte. Vgl. Ferluga, Art. Dalmatien (1999), Sp. 452f.; Goldstein, Art. Kroatien (1999), Sp. 1538-1540.

[5]     Tommaso Parentucelli wurde 1447 zum Papst gewählt. Als Nikolaus V. hielt er das Pontifikat bis 1455. Vgl. Nehring, Art. Nikolaus V. (1999), Sp. 1171f.

[6]     Nikolaus V. hatte nach eigener Aussage die Ausfertigung des Bannschreibens an zwei Bischöfe übertragen. So schreibt Simon Heindl in seinem Gesandtschaftsbericht, der Papst hiet auch die dye sachen des panns nach solicher swerrer vnd encziger erfordrung des Kaysser enpholichen zwain wischofn, also das er sicherlichen selbs nicht Ingedächtig were, wye er stund, vnd auf wes lawt [...]. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 339.

[7]     Vgl. Buttlar, Belagerung (1986), S. 5f.; Gutkas, Mailberger (1966), S. 67f.; Haller, Friedrich III. (1973), S. 111; Koller, Kaiser (2005), S. 122; Niederstätter, Jahrhundert (1996), S. 248. Das Zitat entstammt der zweiten Fassung der in Mailberg ausgefertigten Urkunde, abgedruckt bei Gutkas, Mailberger (1966), S. 390f.

[8]     Vgl. Buttlar, Belagerung (1986), S. 7; Gutkas, Mailberger (1966), S. 74-78; Hödl, Habsburg (1988), S. 208; Koller, Kaiser (2005), S. 122f. Das Zitat bei Koller, Kaiser (2005), S. 123. Zu den Mitgliedern des Mailberger Bundes im Dezember 1451 vgl. Gutkas, Mailberger (1966), S. 356-382. Neben verschiedenen Persönlichkeiten aus dem österreichischen Prälaten-, Herren und Ritterstand kündigten u.a. auch die Städte Wien, Krems, Stein, Korneuburg, Klosterneuburg und Tulln dem König die Gefolgschaft. Vgl. Gutkas, Mailberger (1966), S. 78.

[9]     Gutkas, Mailberger (1966), S. 87.

[10]    In diesem Bannschreiben werden die Führer des österreichischen Aufstandes namentlich genannt und besonders herausgehoben. Weiterhin werden die an der Erhebung lediglich beteiligten Personen und Städte aufgeführt. Vgl. Chmel, Exkurse IV., S. 23-25; Gutkas, Mailberger (1966), S. 88. Vgl. auch die Edition der Bannbulle bei Chmel, Materialien, Bd. 2 (1837/1838), S. 4f., Nr. 4.

[11]    Vgl. Buttlar, Belagerung (1986), S. 8f.; Gutkas, Mailberger (1966), S. 87f.; Koller, Kaiser (2005), S. 127.

[12]    Vgl. Buttlar, Belagerung (1986), S. 8f.; Gutkas, Mailberger (1966), S. 92-94; Koller, Kaiser (2005), S. 128, der den Belagerungsbeginn auf den 29. August datiert.

[13]    Vgl. die schriftliche „Uebereinkunft zwischen Kaiser Friedrich und seinen Widersachern, unter Vermittlung einiger Reichsfürsten“ bei Chmel, Materialien, Bd. 2 (1837/1838), S. 27, Nr. 25.

[14]    Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 337-340. Das Unterfangen der Gesandten war nicht von Erfolg gekrönt: Der Pontifex wollte die Bannbulle vom 4. April 1452 nicht ohne Zustimmung von Friedrich III. aufheben. Zwar setzte sich Nikolaus V. tatsächlich für die Aufhebung der Exkommunikation der Mailberger Verbündeten ein, Friedrich III. aber blieb hart. In einem amtlichen Schreiben an die römische Kurie aus der Feder Enea Silvio Piccolominis, des damaligen Sekretärs der kaiserlichen Kanzlei, vgl. Esch, Art. Pius II. (1999), Sp. 2190, äußerte der Kaiser seinen Unmut über die Lösung des Bannes, hätten ihm die österreichischen Rebellen doch keineswegs Genugtuung geleistet: spoliaverunt nos Australes juribus nostris, perseverant adhuc in spolio neque cogitant, ut nobis quovis pacto satisfaciant. que ratio tales suaserit absolvendos?, Wolkan, Briefwechsel (1918), S. 590f.

[15]    Empfänger des Briefes ist der Jneristen Rat seiner Gnaden [S]einer Gnaden (König Ladislaus V. Posthumus). Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 337. Der nicht namentlich angeschriebene ‚Innere Rat‘ des jungen österreichischen Herzogs und ungarischen Königs konnte bislang nicht identifiziert werden. Es handelt sich wahrscheinlich um einen am Hofe des Herzogtums Österreich weilenden Funktionsträger, der vermutlich der zwölfköpfigen Vormundschaftsregierung des Ladislaus angehörte. Vgl. hierzu auch Hödl, Habsburg (1988), S. 209; Niederstätter, Jahrhundert (1996), S. 249.

[16]    Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853). In einigen Forschungsbeiträgen wird zudem detailvergleichend auf die Reiserechnung rekurriert. Vgl. Fouquet, Weinkonsum (2004), S. 151; Hundsbichler, Gasthäuser (1983), S. 191, Anm. 9.

[17]    Reisen gehörte im Spätmittelalter für Herrschaft ausübende Personen und deren Stellvertreter zum „Ereignisbereich des täglichen Lebens“, Elias, Begriff (1978), S. 26f., und kann somit als alltägliche Handlung bezeichnet werden. Vgl. hierzu: Boockmann, Kaiser (1998), S. 567f.; Schmidt/ Dirlmeier, Geschichte (1998), S. 327f.; Peyer, Gastfreundschaft (1987), S. 147; Schulz, Unterwegssein (1985), S. 11-14; Spiess, Reisen (2005), S. 34; Wiedmann, Nürnberger (2005), S. 105.

[18]    Zum Begriff ‚demonstrativer Konsum‘ vgl. Fouquet, Festmahl (1992), S. 122 und Anm. 142; Ders., Nahrungskonsum (1999), S. 31 und Anm. 4; Ders., Weinkonsum (2004), S. 141 und Anm. 34; Veblen, Theorie (1986), S. 79-118.

[19]    Fouquet, Apfelmus (2000), S. 151.

[20]    Zur These vom Essen als Schichtmerkmal im Spätmittealter vgl. Dirlmeier, Determinante (1987), S. 152; Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 507 und S. 515-524; Ehlert, Kochbuch (2000), S. 15f.; Fouquet, Festmahl (1992), S. 86f.; Ders., Apfelmus (2000), S. 155; Ders., Weinkonsum (2004), S. 143; Grieco, Lebensmittel (2003), S. 40f.; Hundsbichler/Jaritz/Vavra, Tradition? (1980), S. 61f.; Laurioux, Tafelfreuden (1992), S. 28-30; Märtl, Kochkunst (2001), S. 47; Rippmann, Schloßherrn (1994), S. 3; Schubert, Essen (2006), S. 249f.

[21]    Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 340.

[22]    Vgl. ebd., S. 340 und S. 439. Sowohl in den einleitenden Ausführungen als auch im Anhang der Kostenaufstellung werden die klerikalen Reisenden vor den profanen Gesandten genannt.

[23]    Vgl. die Rekonstruktion der genauen Reiseroute in Tabelle 1.

[24]    Wer die Finanziers der Reise waren, geht weder aus der Reiserechnung noch aus der vorgelagerten Reisebeschreibung eindeutig hervor. Wahrscheinlich hat Ladislaus V. Posthumus als offizieller Auftraggeber der Gesandtschaft resp. der herzogliche Hof die Finanzierung der Reise übernommen. Da sich die Reiserechnung in dem von Hartmann Zeibig untersuchten Kartular mit den Missiv-Briefen („Registrum literarum missilium“) befand, vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 337, ist anzunehmen, daß diese Kostenabrechnung ebenfalls an den Rat König Ladislaus’ geschickt wurde. Dies wiederum würde die These von der Finanzierung der Reise durch den österreichischen Hof des Ladislaus stützen.

[25]    Ebelsberg gehörte im Jahre 1453 zum Bistum Passau. Das Kastell selbst war der Sitz des Passauer Bischofs. Vgl. Lechner, Handbuch (1970), S. 72.

[26]    Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 337. Zur Wahl des Passauer Bischofs Ulrich Nußdorfer im Juli des Jahres 1451 vgl. Chmel, Excurse VI., I. Abt. (1858), S. 39; Kristanz, Kaiser (1983), S. 86-89. Die Zusammenkunft auf dem Schloß läßt sich aus der Reisekostenrechnung erschließen. Am 25. Juli 1453 – einem Ruhetag – verzeichnet der Rechnungsschreiber It. lecz auf dem gslos iii s. den., Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 344. Die drei Schilling Trinkgeld werden dem Dienstpersonal des Bischofs zugegangen sein. Zum mhd. Substantiv ‚letze‘ (entspricht u.a. dem nhd. Abschiedsgeschenk) vgl. Lexer, Taschenwörterbuch (1992), S. 125. Zur Vergabe von letzgelt oder leczgelt als Schenkung vgl. u.a. Dirlmeier/Fouquet, Venningen (1992), S. 120.

[27]    Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 337.

[28]    Ebd., S. 338.

[29]    Ebd., S. 339.

[30]    Das Anliegen der Passauer Gesandten läßt sich ebenfalls aus dem Gesandtschaftsbericht Simon Heindls ableiten. Nach der dritten Audienz versprach Nikolaus V. den Wiener Gesandten den Versuch zu unternehmen, die Aufhebung des Bannes vom 4. April 1452 bis zum St. Andreas-Tag zu erwirken. Des Weiteren saczt er [der Papst] zeyt auff sannd Andres tag [...] auch den erbelten zu bestetten. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 340.

[31]    Vgl. ebd., S. 338-340.

[32]    Vgl. bspw. Denecke, Straßen (1992), S. 247; Reichert, Hof (2006), S. 110; Scharf, Unterwegs (2003), S. 89.

[33]    Auch das gute Verhältnis des Passauer Bistums zu den österreichischen Ständen – das Passauer Domkapitel hatte die Veröffentlichung der päpstlichen Bannbulle vom 4. April 1452 untersagt – läßt eine vorherige Verabredung des Zusammenschlusses der Abgesandten beider Parteien wahrscheinlich erscheinen.

[34]    Schätzungen zur Anzahl der Passauer Gesandten fallen schwer. Zwar könnte man vermuten, daß eine bischöfliche Gesandtschaft eine (deutlich) geringere Teilnehmerzahl aufweist als eine im Namen des ungarischen und böhmischen Königs reisende Personengemeinschaft. Johannes von Vennigen, der als Baseler Bischof von 1458-1478 eher einem kleinen Hof mit wenigen Bediensteten vorstand, führte jedoch gerade auf Reisen in fremde Territorien einen Troß von 20-40 Pferden mit sich. Vgl. Dirlmeier/Fouquet, Venningen (1992), S. 115, S. 122f. und S. 140-142. Auch wenn eine Gleichsetzung von Pferde- und Menschenzahl nicht zulässig ist, deutet die Masse an mitgeführten Tieren doch auf ein relativ zahlreiches Personengefolge hin. Der Passauer Bischof nahm zwar nicht persönlich an der Romfahrt teil, dennoch ist nicht auszuschließen, daß er aus Gründen der Repräsentation eine große Zahl an Bediensteten, Lehnsleuten, Verwandten, Vertrauten oder auch Freunden nach Rom schickte.

[35]    Vgl. Reitemeier, Alltag (2003), S. 145-147.

[36]    Zur Definition der Begriffe ‚Hof- und Festreise‘ vgl. Spiess, Reisen (2005), S. 35-37.

[37]    Vgl. Boockmann, Kaiser (1998), S. 570; Dirlmeier/Fouquet, Venningen (1992), S. 141; Spiess, Reisen (2005), S. 42.

[38]    Zum generell großen Gefolge reisender Kaiser, Könige oder Fürsten, begründet u.a. durch das Vorherrschen von „Repräsentationsdruck“ im Spätmittelalter, vgl. Reichert, Hof (2006), S. 109f.; Spiess, Kommunikationsformen (2001), S. 289.

[39]    Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), u.a. S. 340f., S. 374, S. 402, S. 439f. Zur Semantik des Begriffs ‚Herr‘ im Spätmittelalter vgl. Kluge, Wörterbuch (2002), S. 409; Lexer, Taschenwörterbuch (1992), S. 87.

[40]    Vgl. Gutkas, Mailberger (1966), S. 380.

[41]    Graf Ulrich von Cilli avancierte im Laufe des Jahres 1452 zu einer der führenden Persönlichkeiten im Kampf um die Herausgabe des Ladislaus. Zum 5. März 1452 arrangierte er ein Treffen zwischen ständischen Abordnungen aus Österreich und Ungarn. Resultat dieser Zusammenkunft war ein Bündnis zwischen großen Teilen der österreichischen und ungarischen Stände sowie den Grafen von Cilli. Von böhmischer Seite konnte man die Herren von Rosenberg gewinnen. Als gemeinsames Ziel wurde die Befreiung Ladislaus’ und dessen Einsetzung in die ihm erbrechtlich zustehenden Herrschaften festgesetzt. Vgl. Buttlar, Belagerung (1986), S. 8; Gutkas, Mailberger (1966), S. 89f. Zu den Grafen von Cilli i.A. vgl. Dopsch, Grafen (1974/1975).

[42]    Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 340: [...] de geschrifft von vnserm heiligen vater an vnsern herren K. L. vnd den von Cily lauttund hab ich pey mir, vnd hab sew in disen lawffen nicht tuern hin eyn geschikken, noch mich selber zu vnserm genadigisten herren ze fuegen, als doch wol pillich wer, dadurch mir icht schaden, oder aber seyn K. G. an der pabstlichen geschrifft icht mangl vnderwegen auferstund, Wesunder, lieber herr, pitt ich euch mir ze ratten, wie ich mich mit dem brieff, dem von Cily lauttund, halden schul.

[43]    Vgl. Ebd., S. 340 und S. 439.

[44]    Vgl. Ebd., S. 340: [...] maister Simon von Tervis, lector zw Gran, Maister petter pharrer zw Krems [...].

[45]    Die Sonderausgaben (entweder Lohn oder frei einsetzbare monetäre Mittel) für vier Führungsmitglieder der Gesandtschaft ausgenommen, schwankte die Höhe der Auszahlungen an den Rechnungsschreiber zwischen 17 ungarischen Gulden (erhalten in Arezzo) und 50 ungarischen Gulden (erhalten z.B. in Verona, Bologna, Perugia, Rom, Florenz und Padua). Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 340f.

[46]    Vgl. Chmel, Excurse VI., II. Abt. (1858), S. 13; Gutkas, Mailberger (1966), S. 379f.

[47]    Vgl. ebd., S. 379, Anm. 100.

[48]    Vgl. ebd., S. 88. Die Bannandrohung richtete sich allerdings nicht namentlich an Simon Heindl, sondern – allgemeiner – an den Propst von Klosterneuburg. Vgl. Chmel, Materialien, Bd. II (1837/1838), S. 5: [...] in Newinburga claustrali [...] monasteriorum prepositos [...].

[49]    Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 439.

[50]    Nieder- oder nichtadelige Funktionsträger übernahmen im Spätmittelalter zumeist die Rechnungsführung für die Adeligen. Vgl. Fouquet, Adel (2000), S. 20.

[51]    Adelige und/oder gesellschaftlich hochgestellte Reisende hatten meist ihre eigenen Diener bei sich. Vgl. Spiess, Reisen (2005), S. 43.

[52]    Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 439: It. am mantag nach mathai erhueb sich mein herr der Probst [...] mit ettlichen dienern [...] wider haim zw reitten mit xxii pherten vnd xviii person. Zu den als gesellen bezeichneten Gefolgsleuten vgl. ebd., u.a. S. 343, S. 345. Zur Vieldeutigkeit des (spät)mittelalterlichen Begriffs ‚geselle‘ (nhd. Genosse, Gefährte, Freund, Standesgenosse, Handwerksgeselle, Hilfsgeistlicher, Bursche, junger Mann etc.) vgl. Lexer, Taschenwörterbuch (1992), S. 65.

[53]    Vgl. Dirlmeier/Fouquet, Venningen (1992), S. 122.

[54]    Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 340.

[55]    Ebd., S. 439.

[56]    Vgl. Adriányi, Art. Gran (1995), Sp. 978f.

[57]    In einem Schreiben an Johann Hunyady vom 1. Juli 1452 drohte Friedrich III. zwar indirekt mit Konsequenzen, würden die ungarischen Stände die gebannten österreichischen Aufrührer (weiterhin) unterstützen. Eine Bannung hatten die Ungarn faktisch jedoch wohl nicht zu fürchten. Vgl. Buttlar, Belagerung (1986), S. 10f.

[58]    Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), u.a. S. 341, S. 343, S. 346, S. 349, das Zitat aus dem Itinerar auf S. 439. Im Wesentlichen sprechen zwei Argumente für die Annahme, daß es sich bei maister Simon von Tervis und dem doctor um ein und dieselbe Person handelt. Im Itinerar wird kein weiterer Reiseteilnehmer genannt, dem Simon von Treviso sonst entsprechen könnte. In der Einleitung wiederum wird keine (weitere) Person als Doktor ausgewiesen. Dem abschließenden Teilnehmerverzeichnis zufolge kaufte der doctor in Treviso (!) mer i phard, vnd nam auff seins prueders sun [...]. Ebd., S. 440. Der Neffe des als ‚Doktor‘ bezeichneten Gesandtschaftsteilnehmers weilte also in Treviso. Es erscheint zumindest wahrscheinlich, daß es Simon von Treviso war, der den Sohn seines Bruders in dieser Stadt Venetiens unter seine Aufsicht nahm und nach Wien führte.

[59]    Zur Semantik des spätmittelalterlichen Begriffs ‚doctor‘ (nhd. Lehrer bzw. Gelehrter, der einer Lehrtätigkeit nachging; mit Einrichtung anderer akademischer Lehrberechtigungen entwickelt sich der Terminus zum reinen Titel) vgl. Kluge, Wörterbuch (2002), S. 208; Verger, Art. Doctor (1999), Sp. 1155f. Des Weiteren attestiert auch der Maister-Titel die Gelehrsamkeit des Mannes aus Treviso. Zur Semantik des spätmittelalterlichen Begriffs ‚meister‘, ‚maister‘ bzw. ‚magister‘ (nhd. Gelehrter und/oder einflußreiche Persönlichkeit eines bestimmten Einzugsgebiets) vgl. Kluge, Wörterbuch (2002), S. 589 und S. 611; Lexer, Taschenwörterbuch (1992), S. 137.

[60]    Vgl. Reitemeier, Alltag (2003), S. 156. Lateinkenntnisse waren die Grundlage zur Prüfung von Dokumenten.

[61]    Die verhandlungsführenden Gesandten versuchten bei ihrer dritten Audienz tatsächlich, dem Heiligen Vater die Unrechtmäßigkeit seiner Bannbulle zu erläutern. Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 339: Nachmalln sagten wir syner heilikeit durich was vrsach solicher pann nicht muglichen chrafft solt haben, noch pinden mugen, mit vil worten, vnd warumb er vnpillich vnd vnrechtlich were von seyner heilikait ervordert vnd ausbracht.

[62]    Ebd., S. 340.

[63]    Neben Krems siegelten auch Wien, Stein, Korneuburg, Klosterneuburg, Tulln, Laa, Zwettl, Linz, Enns, Vöcklabruck und Wels. Vgl. Gutkas, Mailberger (1966), S. 381.

[64]    Neben Krems werden in der Bulle vom 4. April 1452 folgende Städte mit dem Bann bedroht: Wien, Klosterneuburg, Korneuburg, Stein, Linz, Ybbs, Gmunden, Wels, Eggenburg und Laa. Vgl. Chmel, Materialien, Bd. II (1837/1838), S. 5; Gutkas, Mailberger (1966), S. 88.

[65]    Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 439: It. zw lambach cham maister peter zw vns v person vi pherd.

[66]    Vgl. ebd., S. 377: It. maister peter diener ain par schuech vii wol.

[67]    Ebd., S. 340.

[68]    Allein die vom Rechnungsschreiber durchgängig verwandte Auszeichnung als her(r) zeichnet diesen Gesandtschaftsteilnehmer als Adeligen aus. Vgl. ebd., u.a. S. 340, S. 343, S. 346. Zu seiner adeligen Abstammung vgl. auch Gutkas, Mailberger (1966), S. 368.

[69]    Der Hubmeister Österreichs war Vorsteher des Hubamtes, der zentralen Finanzbehörde des Herzogtums. Vgl. Perger, Ratsbürger (1988), S. 26.

[70]    Vgl. Chmel, Excurse VI., I. Abt. (1856), S. 6-13; ebd., II. Abt. (1858), S. 43; Gutkas, Mailberger (1966), S. 78 und S. 368.

[71]    Vgl. Gutkas, Mailberger (1966), S. 368.

[72]    Am 12. Dezember 1455 bestätigte König Ladislaus dem strengen Ritter Niclas Truchseß, seinem Hofmarschall, für sich und seine Erben das Schloß Steintz im Markgrafthume Mähren [...]. Vgl. Chmel, Urkunden (1850), S. 81. Wahrscheinlich war Niklas schon früher Marschall am österreichischen Hofe. Vgl. hierzu auch Gutkas, Mailberger (1966), S. 53.

[73]    Vgl. ebd., S. 72 und S. 357.

[74]    Vgl. Chmel, Materialien, Bd. II (1837/1838), S. 5; Gutkas, Mailberger (1966), S. 88.

[75]    Neben Niklas von Truchseß wurden in der Bulle vom 4. April 1452 folgende Personen als Rädelsführer ausgewiesen und in persona mit dem Kirchenbann bedroht: Ulrich von Eyczing, Johann, Wilhelm und Heinrich von Lichtenstein, Friedrich von Hohenberg, Wolfgang Ruckendorfer, Georg von Kuenring, Georg von Eckartsau, Kadoldt von Wehingen, Konrad Sweinwarter und Sigmund Fritzensdorfer. Vgl. Chmel, Materialien, Bd. II (1837/1838), S. 5; Gutkas, Mailberger (1966), S. 88.

[76]    Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 439: It. herr niclas der drucksacz vii person vnd viii pherd.

[77]    Die Zugehörigkeit der beiden genannten Personen zum Gefolge Niklas’ von Truchseß kann mit Gewißheit angenommen werden. Der posch und der kolman werden explizit als herrn niclasen diener bezeichnet. Vgl. ebd., S. 438.

[78]    Vgl. ebd., S. 343f., S. 348, S. 438.

[79]    Vgl. ebd., S. 402, S. 433f., S. 438.

[80]    Vgl. ebd., u.a. S. 402.

[81]    Vgl. ebd., u.a. S. 348.

[82]    Vgl. ebd., S. 343, S. 348-351, S. 394.

[83]    Vgl. ebd., S. 374, S. 394.

[84]    Die beiden genannten Personen können keiner der in der Einleitung genannten Führungspersönlichkeiten der Gesandtschaft zugeordnet werden.

[85]    Vgl. hierzu Hundsbichler, Gasthäuser (1983), S. 197; Militzer, Versorgung (1995), S. 53; Ohler, Reisen (2004), S. 164; Peyer, Gastfreundschaft (1987), S. 261.

[86]    Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 433: Am samcztag wart maister hanns pretham posch vnd ich geschicht von padaw gen venedig vmb gelt vnd ander notdurfft [...].

[87]    Vgl. ebd., S. 349. Er stand wahrscheinlich in direktem Abhängigkeitsverhältnis zu Niklas. Der Rechnungsführer bezeichnet ihn als herrn niclasen trucksaczen koch. Edb., S. 402.

[88]    Vgl. ebd., S. 349: It. maister hans koch vnd Jennko furgeschicht verczert xiv kr.

[89]    Vgl. Scharf, Unterwegs (2003), S. 89.

[90]    Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 340.

[91]    Vgl. ebd., S. 439: It zw ebersperg kam der kersperger zw vns iii person iii pherd.

[92]    Vgl. Böhmer, Regesta (1975), S. 109, Nr. 439, hier auch das Zitat; Perger, Ratsbürger (1988), S. 178.

[93]    Vgl. ebd., S. 74-77 und S. 178.

[94]    Vgl. Herold/Holzner-Tobisch, Regesten (2001), S. 215, Nr. 316.

[95]    Ein direktes Abhängigkeitsverhältnis zu einer der Führungspersönlichkeiten der Gesandtschaft ist aufgrund der separaten Auflistung unwahrscheinlich.

[96]    Zur Semantik des (spät)mittelalterlichen Begriffs ‚schaff(n)er‘ (nhd. Aufseher, Verwalter, Anordner) vgl. Kluge, Wörterbuch (2002), S. 791; Lexer, Taschenwörterbuch (1992), S. 178. Daß der Rechnungsschreiber sich selbst als der schaffer ausgewiesen hat, ist nicht wahrscheinlich, da er zum persönlichen Gefolge Simon Heindls gehörte und somit im zuvor aufgelisteten Anhang des Propstes bereits indirekt als Teilnehmer der Gesandtschaft verzeichnet wurde.

[97]    Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 440.

[98]    Hundsbichler/Jaritz/Vavra, Tradition? (1980), S. 70.

[99]    Vgl. die Beispiele bei Hundsbichler, Reise (1979); aufgeführt auch bei Hundsbichler/Jaritz/Vavra, Tradition? (1980), S. 60-64.

[100]  Die Problematik sei an einem willkürlich ausgewählten Beispiel verdeutlicht. Am Sonntag, dem 22. Juli 1453, verzeichnet der Rechnungsführer u.a. folgende Ausgaben: It. Rindfleisch liv den. It. xviii Junger huener liv den. It. ayr vnd reys xxiv den. It. Petersill, Gruens Kraut, weixel xv den. Aussagen zum preislichen Verhältnis der aufgeführten Waren verbieten sich, da, das Geflügel ausgenommen, nicht verzeichnet ist, welche Mengen der jeweiligen Lebensmittel erworben wurden. Zudem verhindert die Zusammenfassung der Ausgaben für Eier und Reis sowie für Petersilie, Grünkraut bzw. -kohl und Weichselkirschen eine Festlegung der Einzelkosten für bestimmte Nahrungsmittel. Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 342.

[101]  Als ‚Gastmahl‘ sei in dieser Arbeit ein freundschaftsbekundendes, friedensförderndes und mitunter vertragssicherndes Gemeinschaftsessen verstanden. Vgl. Schubert, Essen (2006), S. 268f.

[102]  Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 337.

[103]  Unter anderweitigen Kosten seien hier diverse Ausgabeposten zusammengefaßt: Almosen, Wegführung/Geleit, Trinkgelder, Schenkungen, Bezahlung verschiedenster Dienstleistungen (z.B. von Musikern, Kopisten, etc.), Körperpflege, Unterkunft (vornehmlich zu Rom) u.a.

[104]  Vgl. Dirlmeier, Art. Ernährung (1999), Sp. 2166; Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 509f.; Fouquet, Apfelmus (2000), S. 161f.; Hundsbichler, Nahrung (1984), S. 218; Kubinyi, König (1998), S. 216; Schubert, Essen (2006), S. 245-247.

[105]  Ein Morgenimbiß war im Spätmittelalter durchaus üblich. Ein solche morgendliche Mahlzeit, das „ientaculum“, wird aus einer dünnen Suppe, einem Becher Wein o.Ä. bestanden haben. Vgl. Ehlert, Kochbuch (2000), S. 19; Fouquet, Apfelmus (2000), S. 163 sowie den Rechnungseintrag vom 24. September bei Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 401: It. ee dy herrn auff sassen vnd von don woltten gefruestukcht vmb wein xxxii we. Unwahrscheinlich erscheint, daß die Reisenden ohne Nahrungs- bzw. Flüssigkeitsaufnahme losritten. Auch ohne genaue Entfernungsberechnungen kann allein durch einen Blick auf eine handelsübliche Straßenkarte festgestellt werden, daß die zurückgelegten Strecken bis zum Frühmahl teilweise von beachtlichem Ausmaß waren. Als Beispiel könnte (neben vielen anderen) die vor dem Frühmahl bewältigte Strecke von Anzbach nach St. Pölten herhalten (ca. 30 km). Vgl. auch Tabelle 1.

[106]  Vgl. Fouquet, Apfelmus (2000), S. 161f.; Schubert, Essen (2006), S. 245.

[107]  Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), u.a. S. 343, S. 345, S. 369, S. 371, S. 433.

[108]  Der Begriff collaczn ist eine entstellte Form des lateinischen Substantivs ‚collatio‘, welches unter anderem mit ‚Imbiß‘ übersetzt werden kann. Vgl. Hau, PONS (2001), S. 171.

[109]  Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 345: It. zw strasbalhen zw der nacht den geselln ain collaczn chlain fisch vnd kreussen xxiii den. sowie ebd., S. 376: It. idem vnder kurtuna abgestanden vnd daselb vmb prott, wein, air, xx wol.

[110]  Ebd., S. 346.

[111]  Vgl. z.B. Dirlmeier, Art. Ernährung (1999), Sp. 2166.

[112]  Vgl. Fouquet, Apfelmus (2000), S. 161f.

[113]  Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), u.a. S. 344, S. 369, S. 435.

[114]  Ebd., S. 369.

[115]  Vgl. Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 516; Fouquet, Apfelmus (2000), S. 164. Es wird hier davon ausgegangen, daß ein erworbenes Fleischprodukt in der Regel am Tag des Kaufs verzehrt wurde. Generell besteht aber die Möglichkeit, daß die Reisenden Reste von erworbenen Lebensmittel mitführten und an anderen Tagen verzehrten. Ein solches nachträglich konsumiertes Nahrungsmittel wäre nicht in der Rechnung verzeichnet. Konsum und Erwerb von Lebensmitteln sind also keineswegs gleichzusetzen. Eine Berechnung der verzehrten Fleischmenge pro Kopf und Tag kann aufgrund der häufig fehlenden Mengenangaben an erworbenen Lebensmitteln nicht erfolgen. Dies gilt ebenso für alle anderen Nahrungsmittelgruppen.

[116]  Der Rechnungsschreiber untergliedert die Ausgaben für die verschiedenen Nahrungsmittelgruppen in den meisten Fällen. Aufgrund dieser differenzierten Rechnungsführung ist es möglich, die prozentualen Anteile der Ausgaben für Fleisch, Fisch, Brot, Wein und andere Lebensmittel anzugeben. Die Ausgabenanteile für die anderweitigen Lebensmittel lassen sich nicht weiter differenzieren, da die jeweiligen Kosten für Obst, Gemüse, Milchprodukte etc. oft zusammengefaßt werden. Vgl. z.B. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 342: It. Chrautfleisch, smalcz, ayr, chraut, milichram, opphel, honig vnd kees xxxviii den. Die wenigen Fälle, in denen der Rechnungsschreiber viele verschiedene Ausgabenbereiche zusammenfaßt, wurden bei der Berechnung der prozentualen Anteile ebenso berücksichtigt wie die undifferenziert verzeichneten Ausgaben für ein gesamtes Mahl. Die derart aufgelisteten finanziellen Aufwendungen wurden summiert und anschließend von den Gesamtausgaben subtrahiert. Durch dieses Verfahren entstand eine neue Rechnungsbasis. Die um die undifferenzierten Ausgaben bereinigten Gesamtkosten der Reise ermöglichten es in der Folge, die prozentualen Anteile der Ausgaben für die aufgeführten Lebensmittelgruppen trotz der uneinheitlichen Rechnungsführung relativ genau zu berechnen. Vgl. hierzu auch Grafik 2.

[117]  Vgl. Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 508f.

[118]  Vgl. Abel, Stufen (1981), S. 10f.; Dirlmeier, Determinante (1987), S. 151; Märtl, Kochkunst (2001), S. 61. Zu beachten ist allerdings der deutlich größere Anteil vegetabiler Nahrung an der Ernährung der Menschen aus den unteren sozialen Schichten. Vgl. Ehlert, Kochbuch (2000), S. 12.

[119]  Vgl. Dirlmeier, Determinante (1987), S. 151; Ders., Art. Ernährung (1999), Sp. 2165; Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 509.

[120]  Vgl. Fouquet, Apfelmus (2000), S. 157f.

[121]  Eine Übersicht bietet Tabelle 2.

[122]  Vgl. Fouquet, Festmahl  (1992), S. 94; Kubinyi, König (1998), S. 220; Schubert, Essen (2006), S. 121.

[123]  Der Verzehr von Tauben war im Spätmittelalter keine Besonderheit. Vgl. Schubert, Essen (2006), S. 123.

[124]  Als ‚alte Hennen‘ wurden ausgewachsene, besonders fleischhaltige Tiere bezeichnet. Sie waren teurer als die sog. ‚jungen Hühner‘. Vgl. z.B. Fouquet, Festmahl (1992), S. 103.

[125]  Vgl. Dirlmeier, Art. Ernährung (1999), Sp. 2165; Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 508. Ernst Schubert spricht indessen von einer großen Bedeutung von Schaffleisch für die Ernährung der mittelalterlichen Menschen. Vgl. Schubert, Essen (2006), S. 102.

[126]  Vgl. z.B. Fouquet, Festmahl (1992), S. 94.

[127]  Zum Konsum, zu Preisen und zur Qualität von Schweinefleisch im Mittelalter vgl. Schubert, Essen (2006), S. 99-101.

[128]  Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 404.

[129]  Zum Schweinefleisch als Grundlage für Krautfleisch vgl. Fouquet, Apfelmus (2000), S. 157. In einer Rechnungspassage zeigt sich jedoch, daß auch Rindfleisch für die Zubereitung von Krautfleisch verwandt wurde. Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 397: It. vaist rindfleisch vnders kraut iv be. Auch andere Erklärungen für den Nichterwerb von Schweinefleisch sind indes denkbar: Möglicherweise hatten es die lokalen Metzger nicht (mehr) im Angebot. Hauptschlachtzeit für Rinder, Schweine und Schafe war schließlich von Oktober bis November. Vgl. Ehlert, Kochbuch (2000), S. 17. So erklärt Ulf Dirlmeier das Fehlen von abgerechnetem Schweinefleisch in der von ihm untersuchten Reiserechnung des Aufgebots der Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber im Schweizerkrieg (1499) mit der Reisezeit (April-Oktober), freilich ohne diese Begründung näher zu erläutern. Vgl. Dirlmeier, Kosten (1989), S. 31.

[130]  Exemplarisch sei hier nur auf das Nachtmahl am 23. Juli in Amstetten verwiesen. Dort erwarben die Gesandten bspw. kastrawn, Rindfleisch, alt hennen, Junge huener sowie i essen visch. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 343. In der Reiserechnung finden sich zahlreiche Einträge ähnlicher Art.

[131]  Vgl. Fouquet, Apfelmus (2000), S. 162; Hundsbichler/Jaritz/Vavra, Tradition? (1980), S. 60-62.

[132]  Im spätmittelalterlichen Westeuropa wurde gemäß kirchlicher Vorschriften freitags und samstags sowie in einigen Regionen auch mittwochs auf den Verzehr von Fleisch verzichtet. Zu besonderen Fastenzeiten, wie z.B. den vorösterlichen Fastenwochen, war auch der Verzehr von Eiern und Butter untersagt. Vgl. Dirlmeier, Art. Ernährung (1999), Sp. 2166.

[133]  So z.B. am 23., 26. und 31. Juli sowie am 1., 6., 12., 13. und 21. August. Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 342-376.

[134]  Wilhelm Abel ist der Ansicht, daß, regionale Ausnahmen ausgenommen, Fisch im Spätmittelalter insgesamt teurer war als Fleisch. Vgl. Abel, Stufen (1981), S. 18f. Auch nach Ernst Schubert war im Mittelalter Fisch im Verhältnis zu seinem Nährwert resp. seinem Kaloriengehalt ziemlich teuer. Schubert, Essen (2006), S. 126.

[135]  Vgl. Tabelle 2.

[136]  Im Mittelhochdeutschen meint „kriuz“, „kreuz“ oder „kreuze“ schlicht „Krebs“. Vgl. Lexer, Taschenwörterbuch (1992), S. 115. Die in einigen Teilkostenrechnungen verzeichnete Masse an erworbenen kreussen legt ebenfalls den Schluß nahe, daß es sich um kleine Flußtiere handelt. Vgl. z.B. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 352: It. cc kreussen viii kr oder ebd., S. 397: It. iii c kreussen xv be.

[137]  Vgl. die Fischpreistaxe aus Eger (1465) bei Abel, Stufen (1981), S. 14; Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 513.

[138]  Zu teuren und begehrten Luxusfischarten vgl. Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 513 und S. 519f.; Ehlert, Kochbuch (2000), S. 13; Fouquet, Festmahl (1992), S. 94 und S. 120; Fouquet, Apfelmus (2000), S. 164 und S. 173; Schubert, Essen (2006), S. 128.

[139]  Des Öfteren wird durch Verwendung des Adjektivs „grün“ direkt auf die „Frische“ des Fisches verwiesen. Das mittelhochdeutsche „grüene“ steht für die Frische bzw. den Rohzustand eines Produkts. Vgl. Lexer, Taschenwörterbuch (1992), S. 77.

[140]  Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 429.

[141]  Vgl. Abel, Stufen (1981), S. 14; Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 521.

[142]  Vgl. Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 508f.

[143]  Vgl. Abel, Stufen (1981), S. 18.

[144]  Die Tagesabrechnungen, in welchen die Ausgaben für Brot und Wein nicht explizit verzeichnet wurden, sind aufgrund ihrer sehr geringen Anzahl zu vernachlässigen.

[145]  Vgl. Dirlmeier, Determinante (1987), S. 151-154. Es gilt jedoch zu beachten, daß für viele Angehörige der spätmittelalterlichen Unterschicht, z.B. für Bauern, das Mus bzw. die Grütze, Getreidebrei also, die sättigende Ernährungsgrundlage darstellte. Insbesondere Brot aus hellem Weizenmehl war für diese Menschen bereits nicht zu bezahlender Luxus. Vgl. Fouquet, Apfelmus (2000), S. 154-157; Schubert, Essen (2006), S. 11.

[146]  Zu teurem Weißbrot und kostengünstigerem Schwarzbrot im Spätmittelalter vgl. Ehlert, Kochbuch (2000), S. 12; Fouquet, Apfelmus (2000), S. 156f.; Schubert, Essen (2006), S. 75f. und S. 84.

[147]  Vgl. Dirlmeier, Untersuchungen (1978), S. 294; Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 506; Fouquet, Apfelmus (2000), S. 154; Laurioux, Tafelfreuden (1992), S. 16f.; Märtl, Kochkunst (2001), S. 61; Schubert, Essen (2006), S. 72.

[148]  Vgl. Abel, Stufen (1981), S. 20; Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 509. Zum Wein als spätmittelalterlichem Grundnahrungsmittel vgl. Fouquet, Weinkonsum (2004), S. 133; Märtl, Kochkunst (2001), S. 61; Schubert, Essen (2006), S. 171.

[149]  Gerade in gutsituierten Haushalten des Spätmittelalters war die Verwendung von Wein zum Kochen durchaus üblich. Vgl. Schubert, Essen (2006), S. 170.

[150]  Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 346, S. 349f., S. 370-372, S. 374, S. 433-435, S. 436.

[151]  Vgl. Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 518; Fouquet, Festmahl (1992), S. 90; Fouquet, Weinkonsum (2004), S. 141; Sprandel, Malvasia (1998), S. 25f. In einigen Regionen des spätmittelalterlichen Europas wurde ‚Malvasier‘ zum allgemeinen Sammelbegriff für schwere Südweine. Vgl. Schubert, Essen (2006), S. 202.

[152]  Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), u.a. S. 345f.

[153]  Vgl. Sprandel, Malvasia (1998), S. 27.

[154]  Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 347. Zum spätmittelalterlichen Reinval vgl. Sprandel, Malvasia (1998), S. 27. Zum spätmittelalterlichen Traminer Wein vgl. ebd., S. 26-28.

[155]  Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 438.

[156]  Vgl. ebd., S. 345.

[157]  Vgl. Fouquet, Weinkonsum (2004), S. 173; Sprandel, Malvasia (1998), S. 45.

[158]  Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 399.

[159]  Vgl. Sprandel, Malvasia (1998), S. 23-25 und S. 52.

[160]  Zu Ausgaben für Wein als Indikator für den Lebensstandard vgl. Dirlmeier/Fouquet, Venningen (1992), S. 142.

[161]  Vgl. Tabelle 2. Ca. 16,9% (etwa 70 ung. fl.) aller Ausgaben für Lebensmittel fielen auf ‚andere Nahrungsmittel‘, also Gemüse, Obst, Milchprodukte, Gewürze, Nüsse, Öl, Honig etc.

[162]  Vgl. hierzu Ehlert, Kochbuch (2000), S. 10 und S. 17f.

[163]  Zur Funktion von Eiern als natürlichem Bindemittel für spätmittelalterliche Speisezubereitungen vgl. Ehlert, Kochbuch (2000), S. 13.

[164]  Vgl. Hundsbichler/Jaritz/Vavra, Tradition? (1980), S. 61f.

[165]  Vgl. Hundsbichler, Nahrung (1984), S. 201.

[166]  Vgl. Abel, Stufen (1981), S. 26f.; Ehlert, Kochbuch (2000), S. 12-14.

[167]  Vgl. Tabelle 2.

[168]  Zur Herkunft und zum Wert von Mandeln und Rosinen vgl. Van Winter, Kochkultur (1982), S. 329f.; Fouquet, Festmahl (1992), S. 95; Ders., Apfelmus (2000), S. 151. Zu Rosinen und Mandeln als edle Fastenspeisen vgl. Dirlmeier, Art. Ernährung (1999), Sp. 2166; Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 511; Ehlert, Kochbuch (2000), S. 13; Hundsbichler, Nahrung (1984), S. 204f.; Hundsbichler/Jaritz/Vavra, Tradition? (1980), S. 64.

[169]  Vgl. Hundsbichler/Jaritz/Vavra, Tradition? (1980), S. 65; Van Winter, Kochkultur (1982), S. 337.

[170]  Vgl. Kluge, Wörterbuch (2002), S. 536; Lexer, Taschenwörterbuch (1992), S. 117.

[171]  Vgl. Fouquet, Apfelmus (2000), S. 159; Hundsbichler, Nahrung (1984), S. 203; Schubert, Essen (2006), S. 159.

[172]  Zu den mittelalterlichen Gewürzen Zwiebeln und Petersilie vgl. Abel, Stufen (1981), S 26. Zur Bedeutung des Salzes für die spätmittelalterliche Ernährung vgl. Schubert, Essen (2006), S. 45f. Zum Essig als Würz- aber auch Heilmittel oder als Präventivarznei gegen Nachwirkungen des Konsums verdorbener Speisen vgl. Hundsbichler, Nahrung (1984), S. 203; Bitsch, Ernährung (1992), S. 498. Zum Honig als gebräuchlichstem Süßungsmittel im Spätmittelalter vgl. Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 523; Ehlert, Kochbuch (2000), S. 15; Fouquet, Apfelmus (2000), S. 151; Ders., Festmahl (1992), S. 96; Schubert, Essen (2006), S. 164f.

[173]  Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 431.

[174]  Vgl. ebd., S. 438. Zu teuren und kostbaren Gewürzen im Spätmittelalter vgl. u.a. Ehlert, Kochbuch (2000), S. 13f.; Schubert, Essen (2006), S. 162-165.

[175]  Milch in Rohform wurde im Mittelalter generell sparsam konsumiert. Sie diente eher als Grundlage für (gehobene) Breinahrung. Vgl. Abel, Stufen (1981), S. 20; Schubert, Essen (2006), S. 113 und S. 170.

[176]  Vgl. Fouquet, Festmahl (1992), S. 96f.; Märtl, Kochkunst (2001), S. 68.

[177]  Vgl. Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 521.

[178]  Zum Reis als spätmittelalterlichem Luxusessen vgl. Hundsbichler, Nahrung (1984), S. 206. Zum mit Milch angerührten Reismus, das mit Mandeln zu einer Herrenspeise veredelt werden konnte vgl. Schubert, Essen (2006), S. 83, Anm. 119. Zum Reis als Bindemittel und somit als Grundlage für höherwertige Speisezubereitungen vgl. Ehlert, Kochbuch (2000), S. 12.

[179]  Zum hohen Wert von Olivenöl im Spätmittelalter vgl. Fouquet, Apfelmus (2000), S. 151.

[180]  Der Rechnungsschreiber verzeichnet an acht Tagen explizit den Erwerb von pämöll. Das an elf weiteren Tagen undifferenziert aufgeführte Öl (oll) wird in vielen Fällen Olivenöl gewesen sein.

[181]  Konfekt bezeichnet im Spätmittelalter eine Zubereitung von Früchten, die zu Heilzwecken verzehrt wurde. Vgl. Kluge, Wörterbuch (2002), S. 518. Dieses Arzneimittel gehörte zur gehobenen Ernährung des Spätmittelalters. Vgl. Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 521; Schubert, Essen (2006), S. 165.

[182]  Vgl. Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 510.

[183]  Vgl. hierzu auch die Ausführungen der Ernährungswissenschaftlerin Irmgard Bitsch zur mittelalterlichen Ernährung auf Reisen. Ihre Analyse der von Hundsbichler, Reise (1979) herausgearbeiteten Ernährungsweise einer Reisegemeinschaft um Paolo Santonino und den Bischof Pietro Carlo von Caorle ergab einen (nach modernen Maßstäben) weitgehend nährstoffbedarfsdeckenden Nahrungskonsum. Vgl. Bitsch, Ernährung (1992), S. 499-503. Die Eßgewohnheiten der Reisegruppe um Santonino gleichen der Ernährung der Gesandten König Ladislaus’ weitgehend.

[184]  Zur (methodisch sinnvollen) dreifachen Differenzierung von Nahrungskonsumstandards (Festspeise, alltägliche Herrenspeise und gemeine Speise) vgl. Fouquet, Weinkonsum (2004), S. 143.

[185]  Nachweisliche Treffen in: St. Pölten, Salzburg, Reichenhall, Trient, Verona, Bologna, Florenz und Rom.

[186]  Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 337.

[187]  Vgl. ebd., S. 337.

[188]  Simon-Muscheid, Dinge (2004), S. 243.

[189]  So für die Aufenthalte in Salzburg, Verona, Bologna und Florenz. Zu auftretenden Musikern als Indikatoren für ein festliches (Abschieds-) Mahl oder für Festlichkeiten im Allgemeinen vgl. Boockmann, Spielleute (1991), S. 226; Driever, Konsum (2003), S. 73; Fouquet, Festmahl (1992), S. 91 und S. 97; Fouquet, Apfelmus (2000), S. 161; Hundsbichler, Gasthäuser (1983), S. 203; Laurioux, Tafelfreuden (1992), S. 132; Ohler, Reisen (2004), S. 170; Schubert, Volk (1995), S. 183; Zak, Musik (1979), S. 115-119.

[190]  Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 346.

[191]  Ebd.

[192]  Der erste Teil des österreichischen Kompositums ‚Lungenbraten‘ ist eine sekundäre Umbildung aus dem Substantiv ‚Lummel‘, welches das Lendenstück eines Tieres bezeichnet. Vgl. Kluge, Wörterbuch (2002), S. 584f. Im Mittelhochdeutschen wurde das Lendenfleisch auch als ‚lumbel‘ bezeichnet. Vgl. Lexer, Taschenwörterbuch (1992), S. 131.

[193]  Ein ruckpratten oder ‚rückebrâte‘ ist eine spätmittelalterliche Bezeichnung für Bratenfleisch vom Rückenstück eines Tieres. Vgl. Lexer, Taschenwörterbuch (1992), S. 172.

[194]  Vgl. Dirlmeier, Determinante (1987), S. 151; Fouquet, Apfelmus (2000), S. 162.

[195]  Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 370 und S. 372.

[196]  In Bologna bezahlte man vmb confect i fl. v. wol. Ebd., S. 372.

[197]  Ebd., S. 394, S. 396, S. 398f., S. 401.

[198]  Vgl. Ehlert, Kochbuch (2000), S. 12; Fouquet, Festmahl (1992), S. 95; Fouquet, Apfelmus (2000), S. 151; Hundsbichler, Nahrung (1984), S. 200f.; Kubinyi, König (1998), S. 220. Ernst Schubert ist hingegen der Auffassung, daß Wildfleisch als adelige Ernährungskomponente unterschätzt wird. Fehlende Knochenfunde seien durch Hunde und den Verzehr der erlegten Tiere noch im Wald zu erklären. Schubert, Essen (2006), S. 103. Dessen ungeachtet, bleibt Wild dennoch eine ausgewiesene Herrenspeise, dessen Konsum nur einer kleinen Oberschicht zukam.

[199]  Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 337.

[200]  Belegen läßt sich diese These freilich nicht, da weder die Reisebeschreibung noch die Reiserechnung erkennen lassen, zu welchem genauen Zeitpunkt die römischen Geistlichen (nebst Dienstpersonal) empfangen wurden.

[201]  Zum repräsentativen Wert (des Konsums) von Luxuskreszenzen im Spätmittelalter vgl. Fouquet, Weinkonsum (2004), S. 175-177.

[202]  Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 346, S. 370, S. 372 und S. 374.

[203]  Zu den herren gehörten mit Sicherheit Simon Heindl, Niklas von Truchseß, Simon von Treviso, Meister Peter und Marquard Kersberger. Daß der Rechnungsschreiber neben diesen noch (wenige) weitere Personen zu den Herren (der Gesandtschaft) zählte (z.B. herrn micheln), ist nicht ausgeschlossen.

[204]  Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 345: It. zwm franchenmarck [in Straßwalchen] abgestanden tetten dy herren ain collaczn lxxxv den. It. zw strasbalhen zw der nacht den geselln ain collaczn chlain visch vnd kreussen xxxiii den.

[205]  Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), u.a. S. 343, S. 345, S. 369, S. 371.

[206]  Vgl. Fouquet, Apfelmus (2000), S. 157f.

[207]  Trude Ehlert betont allerdings, daß auch Herren Sauerkraut verzehrten. Vgl. Ehlert, Kochbuch (2000), S. 12. Kohlgemüse wurde im Spätmittelalter außerdem gesundheitsfördernde und heilkräftige Eigenschaften zugewiesen. Vgl. Bitsch, Ernährung (1992), S. 503.

[208]  Andererseits war der eingesäuerte Kohl aufgrund seiner Haltbarkeit sicherlich eine geeignete Reisekost. Möglicherweise fungierte dieses Lebensmittel folglich (sekundär) als eine Art Reiseproviant für unterwegs.

[209]  Vgl. Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 513.

[210]  Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 433.

[211]  Ebd., S. 429.

[212]  An manchen Tagen führte der Schreiber Mengenangaben auf. So kaufte man am 28. Juli lxii kandell wein per x aber nur i kandel malmasier xxviii. Ebd., S. 346. Am 12. Oktober erwarben die Reisenden neben xvii virtal wein per viii den lediglich i virtal malmasier xxiv den. Ebd., S. 435.

[213]  Zum Zusammenhang des Konsums qualitativ hochwertiger Weine und der Zugehörigkeit zur sozialen Oberschicht des Spätmittelalters vgl. Grieco, Lebensmittel (2003), S. 40f.

[214]  Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 438: So ist auf der vorgeschriben Rais verczert worden gwürcz, an das mein herr der Brobst gehabt vnd verczert hat bringtt viii fl. iv ss. xi den.

[215]  Dirlmeier/Fouquet, Konsumgewohnheiten (1993), S. 524.

[216]  Die Tabelle wurde zusammengestellt aus den Angaben zur Reiseroute, die der jeweiligen Ausgabenaufstellung stets vorgelagert sind. Vgl. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 341-438. Bei der Rekonstruktion der einzelnen Reiseetappen waren die in Klammern gehaltenen Erläuterungen Hartmann Zeibigs teils eine Hilfe. In einigen Fällen ist es jedoch wahrscheinlich oder gar offensichtlich, daß der Editor die Einträge des Rechnungsschreibers fehlinterpretierte.

[217]  Die vom Rechnungsschreiber mit monte wiano bezeichnete Reisestation konnte nicht identifiziert werden.

[218]  Die vom Rechnungsschreiber mit arqua bezeichnete Reisestation könnte dem heutigen Arquà Palsine oder Arquà Petrarca entsprechen.

[219]  In der Nacht zum 5. Oktober 1453 trennte sich die Gesandtschaft und übernachtete an verschiedenen Orten. Zeibig, Geschichte der Gesandtschaft (1853), S. 432.

[220]  Die vom Rechnungsschreiber mit klausen im ganall bezeichnete Reisestation konnte nicht identifiziert werden.

[221]  Die vom Rechnungsschreiber mit törlein bezeichnete Reisestation könnte dem heutigen Unterthörl entsprechen.

[222]  Die in Klammern gehaltenen Quellenzitate stellen stets die am häufigsten verwandten Bezeichnungen für ein bestimmtes Produkt dar. Häufig bezeichnet der Rechnungsschreiber dasselbe Produkt an anderer Stelle mit einem (leicht) vom ausgewählten Quellenauszug abweichenden Begriff. Aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit wurden nicht alle Begriffsvariationen in die Tabelle aufgenommen. Die Übertragung ins Neuhochdeutsche erfolgte mit Hilfe von Grimm, Wörterbuch (1854-1969); Lexer, Handwörterbuch (1872-1878); Lexer, Taschenwörterbuch (1992); Kluge, Wörterbuch (2002); Hau, PONS (2001).

[223]  Die angegebenen Werte sind auf- bzw. abgerundet.

[224]  Die angegebenen Werte sind auf- bzw. abgerundet.

*     Thomas Lang, Projektmitarbeiter, LEUCOREA, Projekt „Ernestinisches Wittenberg“, Collegienstraße 62, D-06886 Lutherstadt Wittenberg, E-Mail: thomas.lang@leucorea.de.

[225]     Cochläus, Johannes: Eine christliche Vermahnung der heiligen Stadt Rom an Deutschland, verdeutscht durch J. Dietenberger (1524) hier nach Laube, Adolf/Weiss, Ulman (Hgg.): Flugschriften gegen die Reformation (1518-1524), Berlin 1997, S. 614-645, hier S. 629.

[226]     So auch der Titel des Aufsatzes Blaschke, Karlheinz: Wittenberg vor 1547. Vom Landstädtchen zur Weltgeltung, in: Oehmig, Stefan (Hg.): 700 Jahre Wittenberg, Stadt – Universität – Reformation. Weimar 1995, S. 29-38.

[227]     Vgl. Müller, Nikolaus: Die Wittenberger Bewegung 1521 und 1522. Die Vorgänge in und um Wittenberg während Luthers Wartburgaufenthalt; Briefe, Akten u. dgl. und Personalien, 2. Aufl., Leipzig 1911.

[228]     Wartenberg, Günther: Werk und Rezeption Philipp Melanchthons in Universität und Schule bis ins 18. Jh. Tagung anläßlich seines 500. Geburtstages an der Universität Leipzig (Herbergen der Christenheit, Sonderbd. 2), Leipzig 1999. Beyer, Michael/Wartenberg, Günther (Hgg.), Humanismus und Wittenberger Reformation: Festgabe anläßlich des 500. Geburtstages d. Praeceptor Germaniae Philipp Melanchthon am 16. Febr. 1997, Leipzig 1996.

[229]     Für Wittenberg erschließt die ältere Literatur Höss, Irmgard: Georg Spalatin 1484-1545. Ein Leben in der Zeit des Humanismus und der Reformation, Weimar 1956 (2. Aufl. 1989); vgl. auch jüngst zur Altenburger Zeit Spalatins Schmalz, Björn: Georg Spalatin und sein Wirken in Altenburg (1525–1545), Beucha 2009.

[230]     Die Forschung zu Cranach und seinem Wirken ist inzwischen sehr breit vertreten, daher folgen hier nur einige zentrale Sammelbände: Feist, Peter H. (Hg.): Lucas Cranach. Künstler und Gesellschaft. Referate des Colloquiums mit internationaler Beteiligung zum 500. Geburtstag Lucas Cranach d.Ä., Wittenberg 1973; Grimm, Claus/Erichsen, Johannes/Brockhoff, Evamaria (Hgg.): Lucas Cranach. Ein Maler-Unternehmer aus Franken (Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 26), Leipzig/Augsburg 1994; Schade, Werner (Hg.): Lucas Cranach. Glaube, Mythologie und Moderne. Ausstellungskatalog Bucerius Kunst Forum-Hamburg, Ostflidern-Ruit 2003; Tacke, Andreas (Hg.): Lucas Cranach 1553/2003. Wittenberger Tagungsbeiträge anläßlich des 450. Todesjahres Lucas Cranachs des Älteren (Schriften der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt 7), Leipzig 2007; von der Wittenberger Cranachforschung ist neben den kunsthistorischen Abhandlungen von Bedeutung Lücke, Monika: Die Wittenberger Archivalien zum Leben und Wirken von Lucas Cranach d.Ä., in: Lucas Cranach d.Ä. und die Cranachhöfe in Wittenberg, hg. von der Cranach-Stiftung, Halle 1998, S. 10-59.

[231]     Zur Vernetzung der regionalen Institutionen vgl. Pasternack, Peer: Wissensnetze. Bildung und Wissenschaft in Wittenberg seit 1990, in: Hüttmann, Jens/Pasternack, Peer (Hgg.), Wissensspuren. Bildung und Wissenschaft in Wittenberg nach 1945, Wittenberg 2004, S.383-408.

[232]     Hier ist u.a. der Tagungsband Meller, Harald et. al. (Hgg.): Luthers Lebenswelten (Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 1), Halle (Saale): 2008 zu nennen, in dem zum ersten Mal (!) viele Aspekte des Alltagslebens in der Reformationszeit durch anerkannte Forscher breitenwirksam angesprochen wurden. Die Archäologie muß durch das breite Zeitspektrum, das bei Grabungen zu Tage tritt, einen größeren Themenkreis beachten, als die deduktiv auf bestimmte Zeiten und Themen zugeschnittene historische Forschung.

[233]     Einen guten Literatur-, Quellen- und Forschungsüberblick zu Stadt und Universität Wittenberg bieten vor allem Lück, Heiner: Die Universität Halle als Verwaltungs- und Wirtschaftsfaktor. Zur Ausstrahlung der LEUCOREA auf die Stadt Wittenberg und deren Umland – Ausgewählte Beispiele, in: Donnert, Erich (Hg.): Europa in der Frühen Neuzeit: Festschrift für Günter Mühlpfordt, Bd. 7: Unbekannte Quellen, Aufsätze zu Entwicklung, Vorstufen, Grenzen und Fortwirken der Frühneuzeit in und um Europa, Inhaltsverzeichnisse der Bände 1-6, Personenregister der Bände 1-7, Köln u.a. 2008, S. 95-111. Nach wie vor äußerst ertragreich Töpfer, Thomas: Die Leucorea am Scheideweg. Der Übergang von Universität und Stadt Wittenberg an das albertinische Kursachsen 1547/48. Eine Studie zur Entstehung der mitteldeutschen Bildungslandschaft, Leipzig 2004, bes. S. 24-27 (zur Universität) und S. 53-60 (zu Stadt und Residenz).

[234]    Junghans, Helmar: Wittenberg als Lutherstadt, Berlin 1979; Ders.: Martin Luther und Wittenberg, München/Berlin 1996; noch 2001 Ders.: „Wittenberg, die kleine Stadt, einen großen Namen itzund hat …“ Wittenberg als Umwelt für Luthers Alltag, in: Freybe, Peter (Hg.): „Gott hat noch nicht genug Wittenbergisch Bier getrunken“: Alltagsleben zur Zeit Martin Luthers, hrsg. vom Evangelischen Predigerseminar (Wittenberger Sonntagsvorlesungen), Wittenberg 2001, S. 9-30. Wesentlich knapper und was die Vorgeschichte der ‚Lutherstadt‘ angeht fast zu kurz Blaschke, Karlheinz: Wittenberg – die Lutherstadt, 2. Aufl., Berlin 1979; und u.a. in diversen Nachschlagewerken Ders.: Art. Wittenberg, in: Schwineköper, Berent (Hg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands 11, Provinz Sachsen-Anhalt (Kröners Taschenbuchausgabe 314), Stuttgart 1987, S. 504-511.

[235]    Eschenhagen, Edith: Beiträge zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt Wittenberg in der Reformationszeit (Diss. phil. Halle-Wittenberg), Wittenberg 1927; Dies.: Wittenberger Studien. Beiträge zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt Wittenberg in der Reformationszeit, in: Jahrbuch der Luthergesellschaft 9 (1927) S. 9-118; Kettner, Paul Gottlieb: Historische Nachricht von dem Raths-Collegio Der Chur-Stadt Wittenberg, […], Wolfenbüttel 1734; Gerber, Christian: Die Unerkannten Wohlthaten Gottes. In dem Chur-Fürstenthum Sachsen, Und desselben vornehmsten Städten, darinnen zugleich der Schul- und Kirchen-Staat enthalten, Dresden [u.a.] 1717; hier wären auch zahlreiche und nicht immer zuverlässige ältere Titel zu nennen, an dieser Stelle soll ein Hinweis auf die Zusammenstellungen von Heiner Lück und Thomas Töpfer (vgl. Anm. 9) genügen.

[236]    Für zahlreiche ältere Urkunden zu Wittenberg stellt nach wie vor die aktuellste Edition das aus dem 18. Jh. stammende Quellenwerk Schöttgen, Christian/Kreysig, Georg C.: Codex diplomaticus circulum electoralem Saxonicum illustrans ab anno 1174 ad finem seculi XVI, in: Dies.: Diplomataria et Scriptores Historiae Germanicae Medii Aevi cum sigillis aeri incisis, Bd. 3, Altenburg 1760, S. 391-524. Für einige Institutionen sind zudem Quellensammlungen angefertigt worden, die sogar noch weiter in die Vergangenheit weisen. So bietet für die Schloßkirche Meissner, Johannes: Descriptio ecclesiae collegiatae omnium sanctorum Wittenbergensis, eiusque fundatio, jura, privilegia et ornatus, quae adhuc extant, Wittenberg 1668, den aktuellsten Quellenüberblick.

[237]    Ältere Publikationen des Stadtgeschichtlichen Museums bieten erste Grundlagen, vgl. u.a. Mrusek, Hans-Joachim: Das Stadtbild von Wittenberg zur Zeit der Universität und der Reformation (Schriftenreihe des Stadtgeschichtlichen Museums Wittenberg 1), Wittenberg 1977; Schwarz, Hilmar (Hg.): Chronik der Stadt Wittenberg, hrsg. vom Stadtgeschichtlichen Museum Lutherstadt Wittenberg (Schriftenreihe des Stadtgeschichtlichen Museums Wittenberg 10), Wittenberg 1985. In jüngster Zeit gibt es erste Versuche der Städtischen Sammlungen, diese Lücken zu schließen; vgl. unlängst Böhmer, Wolfgang/Wurda, Andreas (Hgg.), Das heilkundige Wittenberg. Zur Geschichte des Wittenberger Gesundheits- und Sozialwesens von der Stadtfrühzeit bis zur Neuzeit (Veröffentlichungen der städtischen Sammlungen der Lutherstadt Wittenberg 15), Wittenberg 2009.

[238]    Hier wären u.a. die Forschungen von Manfred Straube zu nennen, die u.a. in den oben (Anm. 4) genannten Jubiläumsband eingeflossen sind; vgl. zusätzlich Straube, Manfred: Soziale Struktur und Besitzverhältnisse in Wittenberg zur Lutherzeit, in: Jahrbuch für Geschichte des Feudalismus 9 (1985) S. 145-188; Ders.: Zur wirtschaftlichen Stellung Wittenbergs in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts, in: Jahrbuch für Regionalgeschichte 10 (1983) S. 49-69. Vgl. die diversen Studien von Monika Lücke, Stefan Oehmig und vielen anderen: Lücke, Monika: Versuch einer Vermögenstopographie für die Stadt Wittenberg in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in: Meinhardt, Matthias (Hg.): Die Sozialstruktur und Sozialtopographie vorindustrieller Städte. Beiträge eines Workshops am Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg am 27. und 28. Januar 2000 (Hallische Beiträge zur Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit 1), Berlin 2005, S. 247-262; Oehmig, Stefan: Studien zum Armen- und Fürsorgewesen der Lutherstadt Wittenberg am Ausgang des Mittelalters und in der Reformationszeit, (Diss. phil.), Berlin 1990; Kühne, Heinrich: Wittenberg als Festung: das Schicksal der Stadt als stärkste Festung an der mittleren Elbe (1227-1873), hrsg. zur Erinnerung an die Schleifung der Festung Wittenberg vor 120 Jahren, Göttingen 1991.

[239]    Vgl. die durchaus weiterführenden Beiträge in Oehmig, 700 Jahre (wie Anm. 2); Treu, Martin: Die Ausstrahlung der Universität Wittenberg nach Nordeuropa im 16. Jahrhundert: Ausstellung vom 15. April bis 20. November 1993 in der Lutherhalle anläßlich des 700. Jubiläums der Stadt Wittenberg, Wittenberg 1993; ebenfalls 1993 erschienen in einem Sonderdruck die Vorträge anläßlich der Festwoche, vgl. Autorenkollektiv (Hgg.): Vorträge (zur lokalen Entwicklung anläßlich der Festwoche) „700 Jahre Wittenberg“, Juni 1993 (Sonderdruck), [Wittenberg 1993].

[240]    Bellmann, Fritz/Harksen, Marie-Luise/Werner, Roland (Bearb.): Die Denkmale der Lutherstadt Wittenberg, Weimar 1979.

[241]    Hier sei als Beispiel Ludwig, Ulrike (Bearb.): Die Akte der vormaligen Probstey und Canzley zu Wittenberg, hrsg. vom Gesundheits- und Tagungszentrum Wittenberg, sowie die im ersten Kolloquiumsband des Projektes im Jahr 2011 veröffentlichten Untersuchungen zum Gebäude Markt 3 und der Schloßstraße 10 hingewiesen.

[242]    Vgl. zu neuen Erkenntnissen u.a. Meller, Harald (Hg.), Fundsache Luther. Archäologen auf den Spuren des Reformators. Ausstellungsbegleitband, Halle 2008.

[243]    Die zahlreichen Boulevardartikel ignorierend sei hier auf die Nachrichtenplattform Archäologie-online und einen Artikel vom 27. Februar 2009 verwiesen: www.archaeologie-online.de/magazin/ nachrichten/view/grab-von-kurfuerst-rudolf-ii-in-lutherstadt-wittenberg-entdeckt/ [24.10.2010].

[244]    Hierzu wird der erste Kolloquiumsband zum Ernestinischen Wittenberg, der 2011 erscheinen wird, und darin vor allem die Aufsätze von Insa Christiane Hennen (Wittenberg) und Anke Neugebauer (Halle a.d. Saale) einen Problemabriß und erste neue Erkenntnisse bieten. Hier muß eine kritische Anmerkung zu den Größen der Wittenberger Heimatforschung erlaubt sein. Lediglich Heinrich Kühne verfährt mit der nötigen Nachweisdichte, viele ältere Forschungen wie die Stadtgeschichte von Richard Erfurth etc. entbehren der Zitierbarkeit, da sie – wenn überhaupt – nur ungenügend Quellen nachweisen.

[245]    Ein gutes Beispiel hierfür sind die biographischen Werke von Johannes Christian Erdmann, die erst mit dem 16. Jahrhundert einsetzen. Vgl. u.a. Erdmann, Johann Chr.: Biographie sämmtlicher Pastoren und Prediger an der Stadt- und Pfarrkirche zu Wittenberg vom Anfange des XVI. Jahrhunderts bis auf gegenwaertige zeit aus glaubwuerdigen urkunden gesammelt. Ein Beitrag zur Chursaechs. Reformations- und Kirchengeschichte, Wittenberg 1801.

[246]    Vor allem: Bünger, Fritz/Wentz, Gottfried: Das Bistum Brandenburg, Teil 2 (Germania Sacra, 1. Abteilung, 3,2), Berlin 1941, S. 75-164; Abb, Gustav/Wentz, Gottfried: Das Bistum Brandenburg, Teil 1 (Germania Sacra, 1. Abteilung: Die Bistümer der Kirchenprovinz Magdeburg 1), Berlin 1929 (ND 1963).

[247]    Hier seien nur als Beispiele für die aktuellsten vor allem bauhistorischen Forschungen genannt Schmitt, Reinhard: Zur Baugeschichte des Augustiner-Eremitenklosters in Wittenberg, in: Meller et al. (Hgg.): Lebenswelten (wie Anm. 8) S. 177-192; Schmitt, Reinhard/Gutjahr, Mirko: Das „Schwarze Kloster“ in Wittenberg. Bauforschung und Archäologie im und am Kloster der Augustiner-Eremiten und Wohnhaus Martin Luthers, in: Meller (Hg.), Fundsache Luther (wie Anm. 18) S. 132-141; Treu, Martin: Waschhaus – Küche – Priorat. Die neuen archäologischen Funde am Wittenberger Lutherhaus, in: Luther 76 (Zeitschrift der Luther-Gesellschaft 2005) S.132-140. Hinzu kommen zahlreiche Abhandlungen, die sich auf Luther als Mönch konzentrieren, u.a. Burger, Christoph: Der Augustinereremit Martin Luther in Kloster und Universität bis zum Jahre 1512, in: Ruhbach, Gerhard/Schmidt-Clausen, Kurt (Hgg.): Kloster Amelungsborn 1135-1985, Hermannsburg 1985, S.161-186; Köpf, Ulrich: Martin Luther als Mönch, in: Luther 55 (Zeitschrift der Luther-Gesellschaft 1984) S. 66-84 etc., und wenige Studien, die sich darüber hinaus mit dem Vermächtnis der Klöster befassen: Schulz, Erika: Bücher aus den beiden Wittenberger Klosterbibliotheken in der Bibliothek des Evangelischen Predigerseminars Wittenberg, in: Autorenkollektiv, Vorträge (wie Anm. 15) S. 32-36, oder mit dem Alltagsleben: Bräuer, Siegfried: „Iß, was gar ist, trink’, was klar ist, red’, was war ist“. Am Tisch im Schwarzen Kloster, in: Freybe, Peter (Hg.): „Gott hat nicht genug Wittenbergisch Bier getrunken“ Alltagsleben zur Zeit Martin Luthers, hrsg. vom Evangelischen Predigerseminar (Wittenberger Sonntagsvorlesungen), Wittenberg 2001, S. 116-137.

[248]    Steffens, Martin/Hennen, Insa Christiane (Hgg.): Von der Kapelle zum Nationaldenkmal. Die Wittenberger Schloßkirche, Wittenberg 1998; Harksen, Sybille: Schloßkirche Wittenberg (Schnell, Kunstführer 1910/Das christliche Denkmal 70), Regensburg 1997; Adler, Friedrich: Die Schloßkirche in Wittenberg. Ihre Baugeschichte und Wiederherstellung, Berlin 1895; Köstlin, Julius: Friedrich der Weise und die Schloßkirche zu Wittenberg: Festschrift zur Einweihung der Wittenberger Schloßkirche am Tage des Reformationsfestes, den 31. Oktober 1892, Wittenberg 1892; vgl. Meissner, Descriptio (wie Anm. 12) aus dem Jahr 1668.

[249]    Zum Wittenberger Heiltum Kühne, Hartmut: Ostensio reliquiarum. Untersuchungen über Entstehung, Ausbreitung, Gestalt und Funktion der Heiltumsweisungen im römisch-deutschen Regnum (Arbeiten zur Kirchengeschichte 75), Berlin u.a. 2000, S. 400-423; Bünz, Enno: Zur Geschichte des Wittenberger Heiltums. Johannes Nuhn als Reliquienjäger in Helmarshausen und Hersfeld, in: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte 52 (1998) S. 135-158; eine tabellarische Zusammenfassung des Reliquienbestandes findet sich bei Bellmann/Harksen/Werner, Denkmale (wie Anm. 16) S. 261-264; von der älteren Literatur sind von zentraler Bedeutung Flemming, Paul: Zur Geschichte der Reliquiensammlung der Wittenberger Schloßkirche, in: Zeitschrift des Vereins für Kirchengeschichte in der Provinz Sachsen 14 (1917) S. 87-92; Kalkoff, Paul: Ablaß und Reliquienverehrung an der Schloßkirche zu Wittenberg unter Friedrich dem Weisen, Gotha 1907; hier ist durch den Druck des Wittenberger Heiltumsbuches von 1509/1510 die Quellenlage als relativ gut zu bezeichnen. Zu aktuellen Tendenzen s.u. den Abschnitt zur Residenz.

[250]    Schlageter, Johannes: Das Franziskanerkloster in Wittenberg bei der Gründung der Universität (1502) und im Beginn der Reformation (1517/25), in: Wissenschaft und Weisheit. Franziskanische Studien zu Theologie, Philosophie und Geschichte 65 (2002) S. 82-111; Doelle, F.: Das Wittenberger Franziskanerkloster und die Reformation, in: Franziskanische Studien 10 (1923) S. 279-307; Hammer, Gerhard: Militia Franciscana seu militia Christi. Das neu aufgefundene Protokoll einer Disputation der sächsischen Franziskaner mit Vertretern der Wittenberger theologischen Fakultät am 3. und 4. Oktober 1519, in: Archiv für Reformationsgeschichte 69 (1978) S. 51-81; 70 (1979) S. 59-105; Hildebrandt, T. W.: Einiges über die beyden Klöster der Stadt Wittenberg (Archiv für Parochialgeschichte der einzelnen Kirchen und Schulen des deutschen Vaterlandes 5), Zwickau 1836; Köhler, J. Friedrich: Fragmente zur Geschichte der Wittenbergischen Klöster (Magazin der Sächsischen Geschichte 5), Dresden 1788; Kühne, Heinrich: Der Wittenberger Arsenalplatz im Wandel der Jahrhunderte, Wittenberg 1992.

[251]    Vgl. Vossberg, Herbert: Luther rät Reißenbusch zur Heirat – Aufstieg und Untergang der Antoniter in Deutschland, Ein reformationsgeschichtlicher Beitrag, Berlin 1968; Timpe, Steffan: Zur ehemaligen Antoniterkapelle in Wittenberg, in: Antoniter-Forum 6 (1998) S. 39-48; Sames, Arno: Zur Geschichte der Antoniter in Prettin. Der Kontext der Entstehung des Antoniusordens/der Antoniter, in: Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt 1 (1993) S. 120-128.

[252]    Näheres zu diesen und weiteren Fragen bietet Antje J. Gornig in ihrem Aufsatz in dem in Vorbereitung befindlichen ersten Kolloquiumsband des Projektes „Ernestinisches Wittenberg“.

[253]    Siehe Buchwald, Wittenbergisches (wie Anm. 82) S. 59; vgl. zum Forschungsstand Kühne, ostensio reliquiarum (wie Anm. 25) S. 414 f.

[254]    Friedensburg, Walter: Geschichte der Universität Wittenberg, Halle 1917.

[255]    Von den älteren Werken sind u.a. zu nennen Thomasius, Christian: Ein kleiner Versuch von analibus von anno 1409, biß 1629: eine etwas genauere Einsicht in die Historie von Ursprung und Fortgang der Universitäten in Deutschland, sonderlich der Universität Leipzig und Wittenberg und der in denenselben entstandenen Zänckereyen untschiedener Facultäten […] 1555 verfertigten und 1556 übergebenen Rechtlichen Bedenckens. Halle a.d. Saale: 1717; Gess, Felician: Leipzig und Wittenberg. Ein Beitrag zur sächsischen Reformationsgeschichte, in: Neues Archiv für sächsische Geschichte und Altertumskunde 16 (1895) S. 43-93; Bruchmüller, Wilhelm: Die Verwaltung und Organisation der Universitäten Leipzig und Wittenberg nach dem Codex Augusteus, in: Beiträge zur Geschichte der Universitäten Leipzig und Wittenberg, hg. von Dems., Leipzig 1898, S. 15-51.

[256]    Israel, Friedrich: Das Wittenberger Universitätsarchiv, seine Geschichte und seine Bestände. Nebst den Regesten der Urkunden des Allerheiligenstiftes und den Fundationsurkunden der Universität Wittenberg, Halle 1913; Friedensburg, Walter: Urkundenbuch der Universität Wittenberg, Bd. 1: 1502-1610 (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und des Freistaates Anhalt, Neue Reihe 3), Magdeburg 1926; ders.: Urkundenbuch der Universität Wittenberg, Bd. 2: 1611-1813 (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und des Freistaates Anhalt, Neue Reihe 4), Magdeburg 1927; Förstemann, Karl Eduard (Hg.): Album Academiae Vitebergensis. Ältere Reihe in 3 Bänden. 1502-1602. Bd .I: 1502-1560, Leipzig 1841 (Neudruck Aalen 1976); Hartwig, Otto (Hg.): Bd. II: 1560-1602, Halle 1894 (Neudruck Aalen 1976); Gerhard, Karl (Hg.)/Naetebus, G. (Bearb.): Bd. III: Indices, Halle 1905 (Neudruck Aalen 1976). Eine geografische Auswertung der Matrikel erfolgte im Kartenwerk Langer, Gottfried/Prokert, Charlotte/Schmidt, Walther (Bearb.): Vom Einzugsbereich der Universität Wittenberg. Kartographische Darstellung und Ortsregister. Teil 1 (1502–1648), nach Gedanken von Heinz Prokert, Halle 1967; Köstlin, Julius: Die Baccalaurei und Magistri der Wittenberg Philosophischen Fakultät und die öffentlichen Disputationen derselben Jahre aus der Facultätsmatrikel veröffentlicht: 1503-1560, 4 Bde., Halle a.d. Saale 1887-1891.

[257]    Von den neueren Jubiläumspublikationen sind zentral Kathe, Heinz: Die Wittenberger Philosophische Fakultät 1502-1817 (Mitteldeutsche Forschungen 117), Köln u.a. 2002; Lück, Heiner: Wittenberg und die europäische Rechtswissenschaft. Forschungsstand und -perspektiven am Vorabend des 500. Gründungsjubiläums der Universität Wittenberg, in: Lück, Heiner/Schildt, Bernd (Hg.) Recht – Idee – Geschichte. Beiträge zur Rechts- und Ideengeschichte für Rolf Lieberwirth anläßlich seines 80. Geburtstags. Köln/Weimar/Wien: 2000, S. 301-320; Sames, Arno (Hg.): 500 Jahre Theologie in Wittenberg und Halle 1502 bis 2002: Beiträge aus der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zum Universitätsjubiläum 2002 (Leucorea-Studien zur Geschichte der Reformation und der lutherischen Orthodoxie 6), Leipzig 2003; Freybe, Peter (Hg.): Wittenberg als Bildungszentrum 1502-2002. Lernen und leben auf Luthers Grund und Boden. „Recht lehren ist nicht die geringste Wohltat“ (Wittenberger Sonntagsvorlesungen), Wittenberg 2002. In diese Gruppe ist einzureihen bspw. Scheible, Heinz: Gründung und Ausbau der Universität Wittenberg, in: Baumgart, Peter/Hammerstein, Notker (Hgg.): Beiträge zu Problemen deutscher Universitätsgründungen der frühen Neuzeit, Nendeln/Liechtenstein 1978, S. 131-147; Ders.: Die Philosophische Fakultät der Universität Wittenberg von der Gründung bis zur Vertreibung der Philippisten, in: Archiv für Reformationsgeschichte 98 (2007) S. 7-43; Heinrich, Gerd: Frankfurt und Wittenberg. Zwei Universitätsgründungen im Vorfeld der Reformation, in: Baumgart/Hammerstein, Beiträge (wie oben) S. 111-129; Asche, Matthias: Frequenzeinbrüche und Reformen – Die deutschen Universitäten in den 1520er bis 1560er Jahren zwischen Reformation und humanistischem Neuanfang, in: Ludwig, Walther (Hg.): Die Musen im Reformationszeitalter, Leipzig 2001, S. 53-96; Töpfer, Leucorea am Scheideweg (wie Anm. 9), etc.

[258]    Schirmer, Kursächsische Staatsfinanzen (1456–1656). Strukturen – Verfassung – Funktionseliten (Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte 28), Stuttgart 2006, S. 916.

[259]    Vgl. zur Forschungslage Bünz, Enno: „am Rande der Zivilisation ...“? Residenz und Hof des Kurfürsten von Sachsen in Wittenberg zur Zeit Lucas Cranachs d.Ä., in: Freybe, Peter (Hg.): Die Reformation und die Künste, hrsg. vom Evangelischen Predigerseminar Wittenberg (Wittenberger Sonntagsvorlesungen), Wittenberg 2003, S. 9-36, und Stievermann, Dieter: Lucas Cranach und der kursächsische Hof, in: Grimm/Erichsen/Brockhoff: Lucas Cranach (wie Anm. 6) S. 66-77.

[260]    Ludolphy, Ingetraut: Friedrich der Weise, Kurfürst von Sachsen 1463-1525, Göttingen 1984 (ND Leipzig 2007).

[261]    Stephan, Bernd: Beiträge zu einer Biographie Kurfürst Friedrichs III. von Sachsen, des Weisen (1463 bis 1525), 3 Teile, Diss. phil. Leipzig 1980.

[262]    Schmidt, Karl: Wittenberg unter Kurfürst Friedrich dem Weisen, Erlangen 1877; Gurlitt, Cornelius: Die Kunst unter Kurfürst Friedrich dem Weisen (Archivalische Forschungen 2), Dresden 1897; Bruck, Robert: Friedrich der Weise als Förderer der Kunst (Studien zur deutschen Kunstgeschichte 45), Straßburg 1903; Kalkoff, Paul: Ablaß und Reliquienverehrung an der Schloßkirche zu Wittenberg unter Friedrich dem Weisen, Gotha 1907; Kirn, Paul: Friedrich der Weise und die Kirche. Seine Kirchenpolitik vor und nach Luthers Hervortreten im Jahre 1517. Dargestellt nach den Akten im Thüringischen Staatsarchiv zu Weimar (Beiträge zur Kulturgeschichte des Mittelalters und der Renaissance 30), Leipzig u.a. 1926; Buchwald, Georg: Zur mittelalterlichen Frömmigkeit am Kursächsischen Hofe kurz vor der Reformation, in: Archiv für Reformationsgeschichte 27 (1930) S. 62-110.

[263]    Einige moderne Überblickswerke erfassen die ältere, meist aus dem 18. und 19. Jh. stammende Literatur: Haug-Moritz, Gabriele: Dynastie, Region, Religion. Kurfürst Johann Friedrich, die Herzöge Heinrich und Moritz von Sachsen und der Schmalkaldische Bund von seiner Gründung bis zum Ausbruch des Schmalkaldischen Krieges (1530-1546) in: Marx, Harald/Hollberg, Cecilie (Hgg.): Glaube & Macht. Sachsen im Europa der Reformationszeit. Aufsatzband zur 2. Sächsischen Landesausstellung Torgau im Schloß Hartenfels 2004, Dresden 2004, S.112-123; Schirmer, Uwe: Die ernestinischen Kurfürsten (1485-1547), in: Kroll, Frank-Lothar (Hg.): Die Herrscher Sachsens, München 2004, S. 65-70.

[264]    Leppin, Volker (Hg.): Johann Friedrich I. – der lutherische Kurfürst (Verein für Reformationsgeschichte: Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte 204), Gütersloh 2006; Bauer, Joachim/Hellmann, Birgit (Hgg.): Verlust und Gewinn. Johann Friedrich I., Kurfürst von Sachsen (Bausteine zur Jenaer Stadtgeschichte 8), Weimar 2003; Mentz, Georg: Johann Friedrich der Großmütige 1503–1554. Festschrift zum 400jährigen Geburtstage des Kurfürsten (Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens 1.1-1.3), 3 Bde., Jena 1903-1908.

[265]    Schirmer, Uwe: Quellen aus dem Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar zur Kirchenpolitik der ernestinischen Kurfürsten und Herzöge Friedrich und Johann (1517-1532), in: Beyer, Michael et. al. (Hgg.): Zur Kirche gehört mehr als ein Kruzifix: Studien zur mitteldeutschen Kirchen- und Frömmigkeitsgeschichte. Festgabe für Gerhard Graf zum 65. Geburtstag (Herbergen der Christenheit, Sonderband 13), Leipzig 2008, S. 77-87. Ein Problemabriß wird in den Aufsätzen des Sammelbandes Bünz, Enno/Rhein, Stefan/Wartenberg, Günther (Hgg.): Glaube und Macht: Theologie, Politik und Kunst im Jahrhundert der Reformation (Schriften der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt 5), Leipzig 2005, geboten.

[266]    Vgl. Ludolphy, Friedrich (wie Anm. 36) S. 121, 128, 286. Die Aussagen bei Ludolphy zu Lochau beruhen offensichtlich auf den Studien von Stoy, Fritz: Friedrichs des Weisen Hoflager in Lochau in seinen letzten Lebensjahren, in: Forschung und Leben. Heimatblätter des Schönburgbundes. Arbeitsgemeinschaft für Heimatpflege im Regierungsbezirk Merseburg 2 (1928) S. 276-290.

[267]    Stephan, Beiträge (wie Anm. 37) S. 22, zu den Festen an anderen Residenzorten ebd., S. 155 und 459, 486. Er weist der  Wittenberger Residenz den Rang eines Repräsentationsortes zu, der nur aufgesucht wurde, galt es vor hohen Gästen mit der kunstfertigen Schloß- und Schloßkirchenausstattung aufzutrumpfen, vgl. ebd., S. 154.

[268]    Eine Zusammenstellung der Kosten für die Reisen zu den Reichstagen findet sich bei Schirmer, Staatsfinanzen (wie Anm. 34) S. 304-309; vgl. Bünz, Am Rande (wie Anm. 35).

[269]    Neben Spalatins Äußerungen ist auf das Itinerar Kfs. Friedrichs III. in seinem letzten Lebensjahr zu verweisen; vgl. Stoy, Hoflager (wie Anm. 42) S. 277. Lochau, Colditz, Schweinitz und das Jagdschloß am Gorrenberg waren in diesem Jahr Ziel des Fürsten.

[270]    Vgl. u.a. Stievermann, Dieter: Friedrich der Weise und seine Universität Wittenberg, in: Lorenz, Sönke (Hg.): Attempto – oder wie stiftet man eine Universität. Die Universitätsgründungen der sogenannten zweiten Gründungswelle im Vergleich, Stuttgart 1999, S. 175-207; Rudersdorf, Manfred/Töpfer, Thomas: Fürstenhof, Universität und Territorialstaat. Der Wittenberger Humanismus, seine Wirkungsräume und Funktionsfelder im Zeichen der Reformation, in: Maissen, Thomas/Walther, Gerrit (Hgg.): Funktionen des Humanismus. Studien zum Nutzen des Neuen in der humanistischen Kultur, Göttingen 2006, S. 214-261.

[271]    Cárdenas, Livia: Friedrich der Weise und das Wittenberger Heiltumsbuch: Mediale Repräsentation zwischen Mittelalter und Neuzeit (Mag. HU Berlin 1999), Berlin 2002; vgl. zur Schloßkirche auch Fey, Carola: Wallfahrtserinnerungen an spätmittelalterlichen Fürstenhöfen, in: Bild und Kult, in: Fey, Carola/Krieb, Steffen/Rösener, Werner (Hgg.): Mittelalterliche Fürstenhöfe und ihre Erinnerungskulturen (Formen der Erinnerung 27), Göttingen 2007, S. 141-165; und zur Bildausstattung des Schlosses Müller, Mathias: Der historische Ort und das mythologische Bild Historienmalerei und Schloßbaukunst als visuelle Medien reichsfürstlicher Erinnerungskultur um 1500, in: Ebd., S. 221-247; vgl. auch Borggrefe, Heiner: Die Bildausstattung des Wittenberger Schlosses. Friedrich der Weise, Albrecht Dürer und die Entstehung einer mythologisch-höfischen Malerei nach italienischem Vorbild, in: Ders./Uppenkamp, Barbara (Hgg.): Kunst und Repräsentation. Studien zur europäischen Hofkultur im 16. Jahrhundert, Bamberg 2002, S. 9-68; zur Reliquiensammlung vgl. diverse Aufsätze in: Tacke, Andreas (Hg.): „Ich armer sundiger mensch“. Heiligen- und Reliquienkult am Übergang zum konfessionellen Zeitalter, (Schriftenreihe der Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt 2), Göttingen 2006.

[272]    Vgl. dazu Meinhardt, Matthias/Ranft, Andreas: Verhältnis von Stadt und Residenz im mitteldeutschen Raum, in: Sachsen und Anhalt. Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt 24 (2002/2003) S. 391-405.

[273]    Butz, Reinhardt: Art. „Wittenberg“, in: Paravicini, Werner (Hg.): Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Ein dynastisch-topographisches Handbuch, Teilbd. 2: Residenzen (Residenzenforschung 15.I, 2), Stuttgart 2003, S. 634-637.

[274]    An älteren Studien sind vor allem zu nennen Heubner, Friedrich: Der Bau des kurfürstlichen Schlosses und die Neubefestigung Wittenbergs durch die Kurfürsten Friedrich den Weisen, Johann den Beständigen und Johann Friedrich den Großmütigen, Wittenberg 1936; Stier, Heinrich Christoph Gottlieb (Hg.): Die Schloßkirche zu Wittenberg: Uebersicht ihrer Geschichte bis auf die Gegenwart; zur Säcularerinnerung an die beiden Jahre 1560 und 1760, Wittenberg 1860.

[275]    Vgl. Harksen, Sibylle: Das Schloß zu Wittenberg (Schriftenreihe des stadtgeschichtlichen Museums Wittenberg 1), Wittenberg 1977, S. 25-46; dies.: Die Gemäldeausstattung des Wittenberger Schlosses beim Einzug Lucas Cranachs, in: Feist, Lucas Cranach (wie Anm. 6) S. 111-114; Dies.: Schloß und Schloßkirche in Wittenberg, in: Stern, Leo/Steinmetz, Max (Hgg.): 450 Jahre Reformation. Berlin 1967, S. 341-365; Hoppe, Stephan: Die funktionale und räumliche Struktur des frühen Schloßbaus in Mitteldeutschland. Untersucht an Beispielen landesherrlicher Bauten der Zeit zwischen 1470 und 1570 (Veröffentlichungen der Abteilung Architekturgeschichte des Kunsthistorischen Instituts der Universität Köln 62), Köln 1996, S. 79-129.

[276]    Harksen, Schloß (wie Anm. 51) S. 36 f; Hoppe, Struktur (wie Anm. 51) S. 81, 440.

[277]    Vgl. zur Einordnung Paravicini, Werner (Hg.): Das Gehäuse der Macht. Der Raum der Herrschaft im interkulturellen Vergleich: Antike, Mittelalter, Frühe Neuzeit (Mitteilungen der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Sonderheft 7), Kiel 2005.

[278]    Meinhardi, Andreas: Dialogus illustrate ac Augustissime urbis Albiorene vulgo Vittenberg dicte, Situm, Amenitatem ac Illustrationem docens, Leipzig 1508 (VD16 M 2251); dazu Treu, Martin: Alltagsgeschichte und Theologie. Der Dialog des Andreas Meinhardi über die hochberühmte Stadt Wittenberg von 1508, in: Kerner, Hanns (Hg.): Humanismus und Theologie in der frühen Neuzeit (Pirckheimer-Jahrbuch 8), Nürnberg 1993, S. 91-106.

[279]    Förstemann, Hofstaatsrechnung (wie Anm. 82); Ders., Kämmereirechnungen (wie Anm. 76); Gurlitt, Kunst (wie Anm. 38); Bruck, Förderer der Kunst (wie Anm. 38); Buchwald, Wittenbergisches (wie Anm. 82) und weitere Titel in derselben Anmerkung.

[280]    Vgl. zur askanischen Vorgeschichte Mohrmann, Wolf-Dieter: Lauenburg oder Wittenberg? Zum Problem des sächsischen Kurstreites bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts (Veröffentlichungen des Institutes für Historische Landesforschung der Universität Göttingen 8), Hildesheim 1975; Beck, Lorenz Friedrich: Herrschaft und Territorium der Herzöge von Sachsen-Wittenberg (1212-1422) (Bibliothek der Brandenburgischen und Preußischen Geschichte 6), Potsdam 2000.

[281]    Allein in den Amtsrechnungen befinden sich pro Jahr etwa 20 Blatt zum Schloßneubau (nach 1500 erheblich mehr), von denen nur wenige Auszüge in den entsprechenden Werken zu finden sind.

[282]    So wird oft mißachtet, daß Mobiliar mobil war! So äußert sich zum Fehlen von Silbergeschirr in Lochau verwundert Stoy, Hoflager (wie Anm. 42) S. 282; vgl. zum Mobiliar des Fürsten auf Reisen Bünz, Am Rande (wie Anm. 35) S. 13.

[283]    Vgl. zu Konkurrenz und Zusammenarbeit der Linien Rogge, Jörg: Konfliktregulierung und Familienorganisation im fürstlichen Hochadel: Das Beispiel der Wettiner von der Mitte des 13. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, Stuttgart 2002, bes. S. 213-303; ein interessanter Ansatz findet sich bei Cárdenas, Friedrich (wie Anm. 47) S. 16f.

[284]    Zum Streit, ob Friedrich der Weise Luther jemals persönlich gesehen hat, vgl. Ludolphy, Friedrich (wie Anm. 36) S. 384-386 – hier würden Belege aus Rechnungsquellen jeden Sekundärbeleg aus tradierten Lutherreden und Streitschriften schlagen – vgl. Stoy, Hoflager (wie Anm. 42) S. 283, 285.

[285]    Vgl. für die Zeit von 1442-1484 Streich, Brigitte: Zwischen Reiseherrschaft und Residenzbildung. Der wettinische Hof im späten Mittelalter (Mitteldeutsche Forschungen 101), Köln/Wien, 1989; weiteres im Aufsatz von Thomas Lang im ersten Kolloquiumsband des Projekts, der 2011 erscheinen wird.

[286]    Vgl. Brandenburg, Erich et. al. (Hgg./Bearb.): Politische Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen, hrsg. von der Historischen Kommission der Sächsischen Akademie der Wissenschaften (Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Philologisch-Historische Klasse 68,3/ 72), 6 Bde., Leipzig/Berlin 1900-2006; Thieme, André: Die Korrespondenz der Herzogin Elisabeth von Sachsen und ergänzende Quellen 1: Die Jahre 1505 bis 1532 (Quellen und Materialien zur sächsischen Geschichte und Volkskunde 3,1), Leipzig 2010; Jadatz, Heiko/Winter, Christian et. al. (Bearb.): Akten und Briefe zur Kirchenpolitik Herzog Georgs von Sachsen (Aus den Schriften der Königlich-Sächsischen Commission für Geschichte, Bde. 10, 22/ Quellen und Darstellungen in Nachdrucken 6), 3 Bde., Leipzig/Köln 1905/1917/2010 (ND der ersten beiden Bände Köln 1985).

[287]    Vgl. die älteren Studien zur Verfassungsgeschichte Müller, Ernst: Die Ernestinischen Landtage in der Zeit von 1485 bis 1572 unter besonderer Berücksichtigung des Steuerrechts, in: Forschungen zur thüringischen Landesgeschichte. Friedrich Schneider zum 70. Geburtstag am 14. Oktober 1957 (Veröffentlichungen des Thüringischen Landeshauptarchivs Weimar 1), Weimar 1958, S. 188-228; Burkhardt, Carl August Hugo: Ernestinische Landtagsakten 1: 1487-1532 (Thüringische Geschichtsquellen NF 5), Jena 1902; Emminghaus, Gustav: Die Hofraths-Ordnung des Kurfürsten Friedrich des Weisen und Herzogs Johanns von Sachsen von 1499, in: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Alterthumskunde 2 (1855/57) S. 97-106; vgl. auch Blaschke, Karlheinz: Die Anfänge der kursächsischen Zentralverwaltung im 16. Jahrhundert, in: Baier, Anita (Red.): Das Kurfürstliche Kanzleihaus in Torgau: Erkenntnisse zur Bau- und Nutzungsgeschichte (Schriften des Torgauer Geschichtsvereins 2), Torgau 2001, S. 39-46 und zahlreiche kleinere, auch germanistische Studien. Vgl. zudem für die Wirkung einzelner Räte auch Fabian, Ekkehart: Dr. Gregor Brück 1557-1957. Lebensbild und Schriftwechselverzeichnis des Reformationskanzlers I. U. D. Gregor Heinze-Brück zu seinem 400. Todestag, Tübingen 1957.

[288]    Schirmer, Uwe: Untersuchungen zur Herrschaftspraxis der Kurfürsten und Herzöge von Sachsen (1485-1513). Institutionen und Funktionseliten, in: Rogge, Jörg/Schirmer, Uwe: Hochadelige Herrschaft im mitteldeutschen Raum (1200 bis 1600) (Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte 23), Leipzig 2003, S. 305-378; Hesse, Christian: Amtsträger der Fürsten im spätmittelalterlichen Reich. Die Funktionseliten der lokalen Verwaltung in Bayern-Landshut, Hessen, Sachsen und Württemberg 1350-1515 (Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayrischen Akademie der Wissenschaften 70), Göttingen 2005; vgl. auch zahlreiche Entwicklungen bei Schirmer, Staatsfinanzen (wie Anm. 34); Molzahn, Ulf: Adel und frühmoderne Staatlichkeit in Kursachsen. Eine prosopographische Untersuchung zum politischen Wirken einer territorialen Führungsschicht in der frühen Neuzeit (1539-1622) (Diss. phil. Leipzig), Leipzig 2005. Zur Gerichtsbarkeit vgl. stellvertretend für andere Titel Lück, Heiner: Wittenberg als Zentrum kursächsischer Rechtspflege. Hofgericht – Juristenfakultät – Schöffenstuhl – Konsistorium, in: Oehmig, 700 Jahre (wie Anm. 2) S. 231-248.

[289]    Vgl. dazu Kramm, Heinrich: Studien über Oberschichten der mitteldeutschen Städte im 16. Jahrhundert. Sachsen – Thüringen – Anhalt. 2 Bde. Köln/Wien: 1981.

[290]    Vgl. dazu Bünz, Am Rande (wie Anm. 35) S. 18f.

[291]    Zur baulichen Erweiterung vgl. Bischoff, Franz: Die Einrichtung des sogenannten Kleinen Chores an der Wittenberger Schloßkirche durch Kurfürst Friedrich den Weisen – Auftrag und Ausführung, in: Sachsen und Anhalt, Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen Anhalt 25 (2007) S. 147-208.

[292]    Aber, Adolf: Die Pflege der Musik unter den Wettinern und wettinischen Ernestinern. Von den Anfängen bis zur Auflösung der Weimarer Hofkapelle 1662, Leipzig 1921, S. 45; vgl. zur Zahl Köstlin, Friedrich (wie Anm. 24) S. 15f.

[293]    Vgl. Ludolphy, Friedrich (wie Anm. 36) S. 384 mit Literatur und Quellen.

[294]    Vgl. Töpfer, Thomas: Landesherrschaft – fürstliche Autorität – korporative Universitätsautonomie. Die Anfänge der Universität Wittenberg 1502–1525, in: Blaschke, Karlheinz/Döring, Detlef (Hgg.): Universitäten und Wissenschaften im mitteldeutschen Raum in der Frühen Neuzeit (Festschrift für Günter Mühlpfordt), Stuttgart 2005, S. 27-54, mit weiterer Literatur und von der älteren Literatur vor allem Hildebrandt, Ernst: Die kurfürstliche Schloß- und Universitätsbibliothek zu Wittenberg 1512-1547 (Diss. phil. Leipzig 1924), in: Zeitschrift für Buchkunde 2 (1925) S. 34-42, 109-129 und 157-188.

[295]    Ein von der DFG gefördertes Projekt an der Thüringischen Universitäts- und Landesbibliothek Jena ist inzwischen mit der Erschließung der Digitalisierung der Bestände der „Bibliotheca Electoralis“ befaßt. Eine Projektbeschreibung und ein Link zum OPAC finden sich unter www.urmel-dl.de/Projekt/BibliothecaElectoralis/Projekt-p-100.html [25.10.2010].

[296]    So waren die Bibliothekare Spalatin und Edenberger gleichzeitig als Präzeptoren für den ernestinischen Nachwuchs und andere hochadelige Studenten tätig, vgl. Höss, Spalatin (wie Anm. 7), bes. S. 61-78 und Schirmer, Staatsfinanzen (wie Anm. 34) S. 466f; demnächst weitere Publikationen des Projektes.

[297]    Vgl. die kurze Abhandlung zu der Eingliederung des Ratsarchivs in die Städtischen Sammlungen Pasternack, Peer: Stadtgeschichtliches Museum – Städtische Sammlungen, in: Hüttmann/Pasternack, Wissensspuren (wie Anm. 7) S. 209-221; vgl. auch die Zusammenstellung und Einschätzung der Quellenlage bei Lücke, Vermögenstopographie (wie Anm. 14) S. 247-250.

[298]    Zum Fund des Urfehdebuchs der Stadt Wittenberg 1559-1689 u.a. mit Einträgen zu Melanchthon: vgl. den Artikel auf der Internetpräsentation des MDR vom 27.04.2010 unter  www2.mdr.de/sachsen-anhalt/dessau/7282385.html [25.10.2010].

[299]    Bisher nur in geringem Umfang erschlossen in: Luther, Saskia/Föllner, Ursula: Das älteste Wittenberger Stadtbuch. Einblicke in den Personennamenbestand des 14. und 15. Jahrhunderts, in: Lehmberg, Maik: Sprache, Sprechen, Sprichwörter. Festschrift für Dieter Stellmacher zum 65. Geburtstag (Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik, Beiheft 126), Stuttgart 2004, S. 275-290.

[300]    Ein älterer Überblick findet sich bei Schild, Theodor: Wittenbergische Stadtrechnungen, in: Neue Mitteilungen aus dem Gebiete historisch antiquarischer Forschungen Bd. 15 (1882) S. 379-402; vgl. die Auszüge bei Förstemann, Karl-Eduard: Einige Mitteilungen aus den Wittenberger Kämmereirechnungen in der ersten Hälfte des 16. Jh., in: Neue Mitteilungen aus dem Gebiete historisch-antiquarischer Forschungen 3,1 (1836) S. 103-119.

[301]    Eine Einführung in die Bestände mit Hinweisen auf den z.T. sehr alten Urkundenbestand bietet Hüttmann, Jens: Das Wittenberger Stadtkirchenarchiv, in: Hüttmann/Pasternack, Wissensspuren (wie Anm. 7) S. 106-108.

[302]    Genaueres zur Archivlage im Artikel von Antje J. Gornig im künftigen Kolloquiumsband.

[303]    Israel, Wittenberger Universitätsarchiv (wie Anm. 32); eine Findbuchabschrift wurde für die Arbeit von Ulrike Ludwig angefertigt, siehe auch unten – dort sind u.a. Bestände wie das „Abrechnungsbuch des Rektors, der Dekane und Kollegienvorsteher über Einkünfte und Auslagen“, UnivA Halle-Wittenberg, Rep. 1, 2231 mit zahlreichen Angaben zu Lehrkräften etc. zu finden.

[304]    Momentaufnahmen bieten außerdem bereits edierte Briefsammlungen, siehe u.a. Soden, Franz von (Hg.): Christoph Scheurl’s Briefbuch. Ein Beitrag zur Geschichte der Reformation und ihrer Zeit, 2 Bde. Briefe von 1505-1516 und Briefe von 1517-1540, Potsdam 1867 und 1872; Metzler, Regine (Hg.): Stephan Roth 1492-1546: Stadtschreiber in Zwickau und Bildungsbürger der Reformationszeit; Biographie; Edition der Briefe seiner Freunde Franz Pehem, Altenburg und Nicolaus Günther, Torgau (Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte 32), Leipzig/Stuttgart 2008.

[305]    Zur Geschichte der Bestände Kobuch, Manfred: Die Anfänge des meißnisch-thüringischen landesherrlichen Archivs, in: Gross, Reiner/Kobuch, Manfred (Hgg.): Beiträge zur Archivwissenschaft und Geschichtsforschung (Schriftenreihe des Staatsarchivs Dresden 10), Weimar 1977, S. 101-132; vgl. auch zum Wittenberger Archiv Schmidt-Ewald, Walter: Die drei sächsischen Archive zu Wittenberg, in: Beschorner, Hans (Hg.): Archivstudien. Zum siebzigsten Geburtstag von Woldemar Lippert. Dresden: 1931, S. 210-224.

[306]    Als Beispiel für die auf die Reformation fixierte Forschung seien genannt Eberhardt, Hans/ Schlechte, Horst et. al. (Hgg.): Die Reformation in Dokumenten. Aus den Staatsarchiven Dresden und Weimar und aus dem Historischen Staatsarchiv Oranienbaum, Weimar 1967; Gross, Reiner/Kobuch, Manfred/Müller, Ernst et al. (Red.): Martin Luther (1483-1546). Dokumente seines Lebens und Wirkens, hrsg. von der Staatlichen Archivverwaltung der DDR, Weimar 1983. Vgl. dazu jüngst die Anmerkungen von Uwe Schirmer, in: Unerschlossene Quellen zur Reformationsgeschichte: Kirchenrechnungen aus dem ernestinischen Kursachsen (1514-1547), in: Müller, Winfried (Hg.): Perspektiven der Reformationsforschung in Sachsen. Ehrenkolloquium zum 80. Geburtstag von Karlheinz Blaschke (Bausteine aus dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde 10), Dresden 2008, S. 107-124. Ältere Forschungen haben zuvor einen Grundstein gelegt, waren aber meist im Fokus auf Luther und die Reformation beschränkt; vgl. Förstemann, Karl Eduard: Auszüge aus den Hofstaatsrechnungen des Herzogs Johann zu Sachsen von 1513-1518, in: Neue Mitteilungen aus dem Gebiet historisch-antiquarischer Forschungen 5,4 (1841) S. 33-76; Buchwald, Georg: Allerlei Wittenbergisches aus der Reformationszeit. Aus Rechnungsbüchern des Thüringischen Staatsarchives in Weimar, Teil 1-6, in: Luther. Zeitschrift der Luthergesellschaft 10 (1928) S. 107-112; 11 (1929) S. 29-31, 54-62, 82-92; 13 (1931) S. 56-61; 14 (1932) S. 75-84; Ders.: Lutherana. Notizen aus Rechnungsbüchern des Thüringischen Staatsarchivs zu Weimar, in: Archiv für Reformationsgeschichte 25 (1928) S. 1-98; Ders.: Lutherana und Melanchthoniana aus Rechnungsbüchern des Thüringischen Staatsarchivs zu Weimar, in: Archiv für Reformationsgeschichte 28 (1931) S. 265-274; Ders.: Kleine Notizen aus Rechnungsbüchern des Thüringischen Staatsarchivs I, in: Archiv für Reformationsgeschichte 30 (1933) S. 82-100; Ders.: Kleine Notizen aus Rechnungsbüchern des Thüringischen Staatsarchivs (Weimar) II, in: Archiv für Reformationsgeschichte 31 (1934) S. 192-218.

[307]    Prof. Dr. Heiner Lück ist Professor am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Europäische, Deutsche und Sächsische Rechtsgeschichte an der Juristischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

[308]    Prof. Dr. Hans-Georg Stephan ist Professor für die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit am Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

[309]    Prof. Dr. Leonhard Helten ist am Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg tätig.

[310]    Prof. Dr. Ing. Dorothée Sack ist Professorin für Historische Bauforschung an der Fakultät VI der Technischen Universität Berlin.

[311]    Prof. Dr. Enno Bünz ist Professor für Sächsische Landesgeschichte am Historischen Seminar der Fakultät für Geschichte, Kunst und Orientwissenschaften an der Universität Leipzig.

[312]    Vgl. die Zusammenstellung bei Schirmer, Staatsfinanzen (wie Anm. 34) S. 316.

[313]    Vgl. u.a. die unspezifische Formulierung, der Kurfürst ließ „die Elbbrücke aufführen“ bei Blaschke, Art. „Wittenberg“, in: Schwineköper, Historische Stätten (wie Anm. 12) S. 506; vgl. auch Bellmann/Harksen/Werner, Denkmale (wie Anm. 16) S. 57.

[314]    Vgl. zu den Quellen Köhler, Johann Friedrich: Über die Augustusbrücke bey Wittenberg, in: Magazin der Sächsischen Geschichte 5 (1788) S. 653-666, hier S. 654f. Die neueren Werke wie Bellmann/Harksen/Werner, Denkmale (wie Anm. 16) S. 57, gehen im wesentlichen zurück auf die Angaben von Tietz, Johann Daniel: Nachricht von der vormaligen und der neu erbaueten Elbbrücke bey Wittenberg nebst einigen Beylagen mitgetheilet; mit drey Kupfertafeln, Leipzig 1788. Weiterhin siehe die Auszüge von Bruck, Förderer der Kunst (wie Anm. 38) S. 261. Dieser hat von den umfangreichen Baurechnungen, die in den Amtsrechnungen enthalten sind und die jeweils mehrere Folioblätter pro Jahr umfassen, lediglich ein bis zwei Einträge z.T. aus der Küchenrechnung, z.T. aus dem Botenlohn gezogen.

[315]    Das Nachvollziehen der Hinweise bei Bruck fällt nicht leicht, da dort Blattangaben fehlen. Die Steinmetze arbeiteten an einer Brücke über den Stadtgraben – vermutlich jene am Coswiger Tor. Im Rechnungsjahr 1486 hatte man begonnen, am Stadtgraben zu bauen und dafür auch Stein herangeführt. Im Jahr 1486 und 1487 werden zwar Zimmerleute dafür bezahlt, daß sie aus Pfählen ein „Brückenschild“ rammten, jedoch werden Maurer, Baumeister und Steine nur in der Rechnung zum Stadtgraben geführt; vgl. ThürHStA Weimar, EGA, Reg. Bb 2726, Bl. 64v-66v (Stadtgraben); ebd., Bl. 63v-64r (Brücke).

[316]    Straube, Manfred: Der Warenverkehr auf dem Ober- und Mittellauf der Elbe zwischen Pirna und Wittenberg zu Beginn der frühen Neuzeit, in: Hardach, Karl (Hg.): Wirtschaftshistorische Studien – Festgabe für Othmar Pickl, Frankfurt a.M. [u.a.] 2007, S. 221-260, S. 237f. Weniger Neues, aber einen Überblick über die urkundliche Überlieferung bietet Blüthken, Otto: Die ersten urkundlichen Nachweise über eine Elbfähre bzw. Elbbrücke bei Wittenberg, in: Autorenkollektiv, Vorträge (wie Anm. 15) S. 1-2.

[317]    Vgl. Thür HStA Weimar, EGA, Bb 2709, Bl. 66r-72v (Amtsrechnung 1449-1451); ebd., Bb 2712, Bl. 39r-40r, 62r (Amtsrechnung 1451f.); ebd., Bb 2711, Bl. 77r-78r (noch Bau des Brückenhauses; Amtsrechnung 1452f).

[318]    Vgl. ThürHStA Weimar, EGA, Reg. Bb 2728, Bl. 64v-68r, 53v, 55v-r.

[319]    Vgl. Angaben bei Streich, Reiseherrschaft (wie Anm. 57) S. 554f; mit genaueren Angaben in den Rechnungsbüchern ThürHStA Weimar, EGA, Reg. Bb 2708, Bl. 92v-93r; ebd. Bb 2707, Bl. 138v, 154r, 155r etc.

[320]    Geschütze und Truppen hatte man noch wenige Jahre zuvor aufwendig einschiffen müssen, wozu auch Flösse heranbestellt wurden; vgl. ThürHStA Weimar, EGA, Reg. Bb 2707, Bl. 42v (Geschütz); ThürHStA Weimar, EGA, Reg. Bb 2707, Bl. 113r (Leihe von Flößen für die Truppenverlegung).

*     Prof. Dr. Tomasz Torbus, Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e.V. an der Universität Leipzig (GWZO), Grimmaische Straße 13-15, D-04109 Leipzig, E-Mail: torbus@rz.uni-leipzig.de.

[321]     Descriptio Diarii in nuptiis Serenisseme Bone, Regine Polonie. Per Jodocum Jostum Decium. In: Acta Tomiciana. Epistolae, legationes, responsa, actiones, res geste, Serenissimi Principis Sigismundi eius nominis primi, regis Poloniae […]. Hg. von Wojciech Pociecha. Bd. 1-18, Posnaniae/Vratislaviae/Cracoviae 1852-1999, hier Bd. 4, S. 320-321. Übers. des Verf.

[322]     Zwei der wichtigsten Arbeiten weisen Lücken auf: Tomkowicz, Stanisław: Wawel. Bd. 1: Zabudowania Wawelu i ich dzieje [Die Bauten auf dem Wawel und ihre Geschichte]. Kraków 1908 (Teka Grona Konserwatorów Galicyi Zachodniej 4/4) – Fischinger, Andrzej: Dzieje budowy renesansowego zamku na Wawelu około 1504-1548 [Geschichte des Renaissance-Schlosses auf dem Wawel, ca. 1504-1548]. Kraków 2009.

[323]     Torbus, Tomasz: Das Königsschloß in Krakau und die Residenzarchitektur unter den Jagiellonen in Polen und Litauen (1499-1548). Baugeschichte, Funktion, Rezeption. Habilitationsschrift eingereicht an der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften der Universität Leipzig 2009. Druckfassung für 2011 im Thorbecke Verlag (vermutlich Studia Jagellonica 10) geplant.

[324]     Ich verfaßte in den letzten Jahren einige Aufsätze zu dem Thema, die allerdings in den Deutungen eine Art von „work in progress“ darstellen, d.h. erst jetzt werden die neuen Schlußfolgerungen explizit genannt (u.a. Torbus, Tomasz: Italien in Krakau. Der Bau des Königsschlosses auf dem Wawel und der Sigismund-Kapelle [ca. 1504-1537]. In: Brinckmann, Bodo/Schmid, Wolfgang [Hg.]: Hans Holbein und der Wandel in der Kunst des frühen 16. Jahrhunderts. Johann David Passavant-Colloquium. Städelsches Kunstinstitut 22.-23. November 2003. Turnhout 2005, S. 267-283).

[325]     Materyały archiwalne do budowy zamku [Archivmaterial zum Bau des Schlosses]. Hg. von Adam Chmiel. Bd. 2: Wawel. Kraków 1913 (Teka Grona Konserwatorów Galicji Zachodniej 5), S. 14.

[326]     Materyały archiwalne, S. 10.

[327]     Fischinger, Andrzej: Pałac Króla Aleksandra na Wawelu [Der Palast König Alexanders auf dem Wawel]. In: Rocznik Krakowski 56 (1990), S. 79-93.

[328]     Wörtlich suo ingenio ad integrum perfecit. Jodoci Lodovici Decii de Sigismundi regis temporibus liber 1521. Hg. von Wiktor Czermak. Kraków 1901 (Biblioteka piśmiennictwa polskiego 39), S. 130, Übers. des Verf.

[329]     Descriptio Diarii in nuptiis Serenisseme Bone. Per Jodocum Jostum Decium. In: Acta Tomiciana 4, 298-327. Der 1520 gedruckte Text wurde früher verfaßt. Er bezieht sich auf die Hochzeitsgäste, die Turniere von den Loggien aus beobachteten.

[330]    Dvořák, Max: Restaurierungsfragen II. Das Königsschloß am Wawel. In: Kunstgeschichtliches Jahrbuch der K.K. Zentralkommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst und historischen Denkmale. Beiblatt zum Band II, Beiblatt für Denkmalpflege 4, Wien 1908, S. 105-112.

[331]    Frey-Stecowa, Beata: Znaczenie wzorów graficznych dla identyfikacji wizerunków na fryzie w krużgankach zamku wawelskiego [Die Bedeutung graphischer Vorlagen für die Identifizierung der Bildnisse auf dem Fries in den Laubengängen des Wawel-Schlosses]. In: Studia Waweliana 4 (1995), S. 47-69.

[332]    Vgl. ähnliche Meinungen bei Fischinger, Andrzej: Rzymskie odniesienia renesansowego Zamku Królewskiego na Wawelu [Die Bezüge zu Rom im neuzeitlichen Königsschloß auf dem Wawel]. In: Foliae Historiae Artium, Seria Nowa 4 (1998), S. 225-230.

[333]    Vgl. Dreger, Moritz: Zur ältesten Geschichte der Innsbrucker Hofburg. In: Kunst und Kunsthandwerk 24 (1921) S. 133-201; Kühnel, Harry: Die Hofburg zu Wien. Wien/Hamburg 21971 (Wiener Geschichtsbücher 5) (11964); Müller, Matthias: Der Anachronismus als Modernität. Die Wiener Hofburg als programmatisches Leitbild für den frühneuzeitlichen Residenzbau im Alten Reich. In: Dmitrieva/Lambrecht 2000, S. 313-329; Polleross, Friedrich B.: Tradition und Recreation. Die Residenzen der österreichischen Habsburger in der frühen Neuzeit (1490-1780). In: Majestas 6 (1998), S. 91-148; Polleross, Friedrich: „Romanitas“ in der habsburgischen Repräsentation von Karl V. bis Maximilian II. In: Bösel/Klingenstein/Koller 2006, S. 207-233. Neuerdings auch die Beiträge im Abschnitt zu „Die Wiener Hofburg in der Europäischen Wahrnehmung im Tagungsband Paravicini, Werner/Wettlaufer, Jörg (Hg.): Vorbild – Austausch – Konkurrenz. Höfe und Residenzen in der gegenseitigen Wahrnehmung. Ostfildern 2010 (Residenzenforschung 23), S. 237-300.

[334]    Diese Feststellung machte schon Morka, Mieczysław: Mecenat artystyczny króla Zygmunta I [Das künstlerische Mäzenatentum König Sigismunds I.]. Warszawa 2007, S. 89-113.

[335]    Das Zurückfallen in das ursprüngliche Kräfteverhältnis bewirkte der Verlust von Smolensk an Moskau im Jahr 1514. Geschwächt entscheidet sich Sigismund 1515 für den Paradigmenwechsel in der jagiellonischen Politik, d.h. für den Ausgleich mit den Habsburgern. Die sog. Wiener Doppelhochzeit wurde mit einem Vertrag, in dem die Erbfolgeregelung im Fall eines kinderlosen Aussterbens einer der beiden beteiligten Dynastien vereinbart wurde, begleitet. Bereits nach einer Dekade trat mit dem Tod Ludwigs II. in der Mohács-Schlacht gegen die Türken dieser Fall ein. Das hegemoniale Streben der Jagiellonen endete mit dem Verlust Ungarns und Böhmens.

*     Wir nennen in der Regel nur die uns bekannt gewordenen Kolloquien, Vorträge, Ausstellungen, Jubiläen, die ab Erscheinen der aktuellen Mitteilungen noch stattfinden oder künftig stattfinden werden, siehe ansonsten unsere Internetseite unter der oben angegebenen Adresse.

*     Dr. Sven Rabeler, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Philosophische Fakultät, Historisches Seminar, Abt. für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Olshausenstr. 40, D-24098 Kiel, E-Mail: rabeler@histosem.uni-kiel.de.

*     PD Dr. Ulf Christian Ewert, Helmut-Schmidt-Universität, Universität der Bundeswehr Hamburg, Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften, Mittelalterliche Geschichte, Holstenhofweg 85, D-22043 Hamburg, E-Mail: ulf-christian.ewert@hsu-hh.de .

[336]     Obwohl die Arbeiten von Werner Freitag und Michael Hecht zu den Fürsten von Anhalt und von Jörg Rogge zur Herrschaftsweitergabe und Familienorganisation der Wettiner in der Bibliographie aufgeführt sind.

*     Prof. Dr. Jörg Rogge, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Historisches Seminar, Mittelalterliche Geschichte, Saarstr. 21, D-55099 Mainz, E-Mail: rogge@uni-mainz.de.

1     Ein Bericht über die Tagung von Matthias Köhler ist bei H-Soz-u-Kult abrufbar: Tagungsbericht „Diplomatische Praxis und Zeremoniell in Europa und dem Mittleren Osten in der Frühen Neuzeit“, Wien, 28.11.2005-29.11.2005, in: H-Soz-u-Kult, 11.01.2006, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=1026> [01.09.2010].

*     Prof. Dr. Felix Konrad, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Philosophische Fakultät, Historisches Seminar, Juniorprofessur für außereuropäische Geschichte, Olshausenstr. 40, D-24098 Kiel, E-Mail: fkonrad@histosem.uni-kiel.de.

[337]     Geistliche Staaten im Nordwesten des Alten Reiches. Forschungen zum Problem frühmoderner Staatlichkeit, hg. von Bettina Braun, Frank Göttmann und Michael Ströhmer, Paderborn 2003 (Paderborner Beiträge zur Geschichte, 13).

[338]     Hölz, Thomas: Krummstab und Schwert. Die Liga und die geistlichen Reichsstände Schwabens 1609-1635. Zugleich ein Beitrag zur strukturgeschichtlichen Erforschung des deutschen Südwestens in der Frühen Neuzeit, Leinfelden-Echterdingen 2001 (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, 31).

[339]     Schnaubert, Andreas Josef: Ueber des Frhn. v. Mosers Vorschläge zur Verbesserung der geistlichen Staaten in Deutschland, Jena 1788.

[340]     Ebd., S. 93f.

*     Prof. Dr. Wolfgang Wüst, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Department Geschichte, Lehrstuhl für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte, Kochstr. 4, D-91054 Erlangen, E-Mail: wgwuest@phil.uni-erlangen.de .

*     Kristina Rzehak, M. A., Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Exzellenzcluster „Religion und Politik“, Johannisstr. 1-4, D-48143 Münster, E-Mail: kristina.rzehak@uni-muenster.de .

*     Dr. Gabriel Zeilinger, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Philosophische Fakultät, Historisches Seminar, Abt. für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Olshausenstr. 40, D-24098 Kiel, E-Mail: zeilinger@histosem.uni-kiel.de.

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