Akademie der Wissenschaften zu GöttingenResidenzen-
Kommission
Arbeitsstelle Kiel
Akademie der
Wissenschaften
zu Göttingen
Tres riches heures, Duc de Berry, SeptemberbildKleine Schriften UB Kiel (©)Karlsruher virtueller Katalog (KvK)Kleine Schriften UB Kiel (©)Tres riches heures, Duc de Berry, Septemberbild
Login      Hilfe Aktuelles | Publikationen | Handbuch | Symposien | Home | Kontakt | Suchen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

__________________________________________________

 

 

Mitteilungen der Residenzen-Kommission

 

der

 

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

 

 

 

Jahrgang 16 (2006) Nr. 2


 

 

 

Mitteilungen der Residenzen-Kommission

 

der

 

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

 

 

 

Jahrgang 16 (2006) Nr. 2

 

 

Residenzen-Kommission

 

Arbeitsstelle Kiel


 

ISSN 0941-0937

 

 

Herstellung:

Vervielfältigungsstelle

der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

 

 

 

Titelvignette:

Theatinerkloster mit Kirche
Kupferstich von Michael Wening um 1700

Photo: Stadtmuseum München

Gestiftetet von Kurfürst Ferdinand Maria und seiner Gemahlin Henriette Adelaide von Savoyen aus Anlaß der Geburt von Erbprinz Max I. Emanuel 1662, hierzu unten S. 11-14

 

 



Inhalt

 

Vorwort...................................................................................................................................... 7

Aus der Arbeit der Kommission................................................................................................ 9

22. Sitzung der Residenzen-Kommission am 25. September 2006....................................... 9

Die Arbeit der anderen............................................................................................................ 11

Die Stellung der Frau am Münchner Hof (1651/52-1799),
von Britta Kägler, München................................................................................................ 11

Kolloquiumsberichte................................................................................................................ 15

Hofwirtschaft / L’économie de la cour. Ein ökonomischer Blick auf Hof und
Residenz in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. 10. Symposium der
Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen,
Schleswig, 23.-26. September 2006,
von Torsten Hiltmann, Paris................................................................................................. 15

Symbolische Interaktion in der Residenzstadt des späten Mittelalters.
Wissenschaftliche Tagung,
Halle, 23.-25. November 2006,
von Jörg Wettlaufer, Kiel.....................................................................................................
23

Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen........................................................................................ 29

Buchvorstellungen................................................................................................................... 39

Der Innsbrucker Hof. Residenz und höfische Gesellschaft in Tirol vom
15. bis 19. Jahrhundert
, hg. von Heinz Noflatscher und Jan Paul Niederkorn,
Wien 2005 (Archiv für Österreichische Geschichte, 138),
von Mark Hengerer, Konstanz............................................................................................. 39

Hassmann, Elisabeth: Von Katterburg zu Schönbrunn. Die Geschichte Schönbrunns
bis Kaiser Leopold I., Wien 2005
von Jörg Matthies, Kiel........................................................................................................ 46

Antonia Visconti († 1405). Ein Schatz im Hause Württemberg.
Begleitbuch und Katalog zur Ausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg –
Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Bearbeitet von Peter Rückert, Stuttgart 2005,
von Brigitte Streich, Wiesbaden.......................................................................................... 48

Neuerscheinungen.................................................................................................................... 51

Der Hof und die Stadt. Konfrontation, Koexistenz und Integration in Spätmittelalter und
Früher Neuzeit. 9. Symposium der Residenzen-Kommission, Halle an der Saale,
25.-28. September 2004, hg. von W. Paravicini und J. Wettlaufer,
Ostfildern 2006 (Residenzenforschung, 20)............................................................................................................................................ 63


Die Arbeitsstelle Kiel............................................................................................................... 64

 

*****

 

Wenn Sie den Mitteilungen einen Text zusenden wollen (bitte, tun Sie es: nächster Redaktionsschluß ist der 1. April 2007), dann schicken Sie ihn bitte an mich über die Redaktion in Kiel oder direkt nach Paris. Die jeweiligen Adressen sind, wie stets, auf der letzten Seite angegeben.

                                                                                                                                                                                                 W.P.

 


 


Vorwort

 

 

Eilig noch vor Weihnachten das neue Heft der MRK – wir haben es gerade noch geschafft, denn ausnahmsweise eilten die Nachrichten zwischen Kiel und Paris nicht zuverlässig hin und zurück. In einem Jahr wird es dann kürzere Wege geben. Der Bericht über unser 10. Symposium ist gleichwohl schon auf S. 15-23 nachzulesen; derart von der September-Sonne verwöhnt war es, daß unseren französischen Gästen das Herz aufging und Deutschlands Norden und Dänemarks Süden auch ihnen unvergeßlich bleiben werden. Die Drucklegung ist derweil schon längst begonnen, so daß die Akten ebenso pünktlich erscheinen werden wie die Vorträge des 9. Symposiums über „Hof und Stadt“ erschienen sind (und nun erworben werden können, siehe unten S. 63). Natürlich hat auch die Vorbereitung des 11. Symposiums 2008 in Wien bereits begonnen: Es verspricht, auch angesichts der erfreulichen Zusammenarbeit mit den österreichischen Kollegen, wiederum glanzvoll, ja kaiserlich zu werden. Der Aufruf zum Thema „Vorbild, Austausch, Konkurrenz. Höfe und Residenzen in der gegenseitigen Wahrnehmung“ wird im nächsten Heft erscheinen.

 

Fix waren wir auch (d.h. Jörg Wettlaufer war es) hinsichtlich jener Tagung, die unser „Hof und Stadt“ mit der Frage nach der symbolischen Interaktion unter Leitung unseres Kommissionsmitglieds Andreas Ranft in Halle fortsetzte und vertiefte: am 23.-25. November veranstaltet, ist im Dezember schon darüber bei uns nachzulesen, auf S. 23-28. Das soll uns einer erst einmal nachmachen.

 

Ernst Schuberts letztes Buch über Essen und Trinken im Mittelalter ist nun erschienen, ebenso lesbar wie gründlich recherchiert, unten in unserer Bibliographie angezeigt. In der Nachfolge hat die Kommission Enno Bünz (Leipzig) und Matthias Müller (Mainz) zu neuen Mitgliedern gewählt. Da aber die Ernennung Sache der Akademie ist, werden sie erst in der nächsten Nummer vorgestellt werden, in einem Heft, das um einiges umfangreicher werden wird als das gegenwärtige. Dieses ist indes durch ausführliche Besprechungen und Berichte geschmückt und bringt, wie stets, soviel an Literatur und Ideen, daß der Leser ähnlich oft zum Bleistift greifen wird wie ich beim Korrekturlesen, um sich das Neueste zu notieren. Außerdem gibt es Mitte nächsten Jahres wieder – alles gratis! – ein Sonderheft, diesmal mit den Referaten des Gottorfer Ateliers.

 

 

Freude beim Lesen

wünscht künftig und jetzt

 

 

Werner Paravicini

 

 

 

 

 

 

 

 



Aus der Arbeit der Kommission

 

 

Protokoll der 22. Sitzung der Residenzen-Kommission in Schleswig 25. September 2006, 21:00-24:00 Uhr

 

Die Kommission gedenkt ihres verstorbenen Mitglieds Ernst Schubert.

 

1.         Handbuch

1.1.      Bilder und Begriffe Vors. verweist auf die positive Resonanz, u.a. aus Celle (Schreiben von Juliane Schmieglitz-Otten, Bomann-Museum Celle) und aus Konstanz (Gespräche auf dem Historikertag).

1.2.      Hof und Schrift – Die Erstellung eines druckfähigen Manuskripts wird mit leichter Verzögerung Anfang 2007 abgeschlossen sein (geplant war Ende 2006), so daß die Publikation im nächsten Jahr wie erwünscht vorliegen wird.

1.3.      Grafen und Herren – Die Einwerbung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch die Arbeitsstelle wird bis zum Jahresende planmäßig abgeschlossen sein.

2.         Residenzenforschung

2.1.      Der Hof und die Stadt. Konfrontation, Koexistenz und Integration in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. 9. Symposium der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, dem Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dem Deutschen Historischen Institut Paris, Halle an der Saale, 25.-28. September 2004, hg. von Werner Paravicini und Jörg Wettlaufer, Ostfildern 2006 (Residenzenforschung, 20) ist pünktlich zum Symposium erschienen.

2.2.      Hofwirtschaft. Ein ökonomischer Blick auf Hof und Residenz in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. 10. Symposium der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Veranstaltet in Zusammenarbeit mit den Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen Schloß Gottorf, dem Landesarchiv Schleswig-Holstein, dem Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und dem Deutschen Historischen Institut Paris, Schleswig, 23.-26. September 2006, hg. von Jan Hirschbiegel und Werner Paravicini, Ostfildern 2008 (Residenzenforschung, 21) – Abgabe der Manuskripte bis spätestens 5. Mai 2007, so daß auch dieser Band wieder wie gewohnt zum nächsten Symposium vorliegen wird. Die Beiträge des Ateliers werden als Sonderheft 9 der Mitteilungen der Residenzen-Kommission publiziert, hierzu unten unter 4.2.

2.3.      Ingrid Kasten, Edition der Hofordnungen von Jülich-Kleve-Berg – das Manuskript der Edition wird Anfang 2007 vorliegen.

2.4.      Ellen Widder, Mittelalterliche deutsche Hofordnungen – der Antrag bei der DFG ist, da zu weitgefaßt, abgelehnt worden. Die Kommission erwägt, die Edition der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hofordnungen und evtl. ein Repertorium der Rechnungsbestände zum Gegenstand eines Folgeantrags für die Kommissionsarbeit nach 2010 zu machen.

3.         Symposien

3.1.      Gottorf/Schleswig 2006: Hofwirtschaft. Ein ökonomischer Blick auf Hof und Residenz in Spätmittelalter und Früher Neuzeit – eine erste Bilanz fällt positiv aus, lediglich eine Reduzierung der Zahl der Beiträge und ein weniger dichtes, der Diskussion mehr Raum lassendes Programm werden erwogen. Bericht siehe unten S. 15ff.

3.2.      Wien 2008: Vorbild. Austausch. Konkurrenz. Höfe und Residenzen in der gegenseitigen Wahrnehmung DDr. Niederkorn berichtet als Vertreter der Historischen Kommission (Obmann: Prof. Arnold Suppan) und der Kommission für Kunstgeschichte (Obmann: Prof. Artur Rosenauer) an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften über Fortschritt und erfreulichen Stand der Vorbereitungen.

3.3.      Coburg 2010: Zwischenbilanz – Residenz und Hof in Europa – wird in Zusammenarbeit mit Prof. Melville, Dresden/Coburg durchgeführt.

4.         MRK

4.1.      Klaus Schreiner, Der Hoftraktat des Ulrich von Hutten in zweisprachiger Ausgabe (MRK, Sonderhefte) – die Kommission hält an einer Veröffentlichung als Sonderheft der Mitteilungen der Residenzen-Kommission fest. Das Manuskript wird im Laufe des Jahres 2007 erwartet.

4.2.      Die Kommission beschließt, die Beiträge des Ateliers des 10. Symposiums „Hofwirtschaft“ als Sonderheft 9 der Mitteilungen der Residenzen-Kommission zu publizieren, das zeitgleich mit den Mitteilungen der Residenzen-Kommission 17,1 Mitte des nächsten Jahres vorliegen wird.

5.         Nachfolge Prof. Schubert

Gewählt wurden Porf. Dr. Enno Bünz (Leipzig) und Prof. Dr. Matthias Müller (Mainz), ein Historiker und ein Kunsthistoriker.

6.         Stellensituation

Die Kommission setzt sich gemeinsam mit der Akademie dafür ein, daß ab 2009 auch die zweite Mitarbeiterstelle in das Akademieprogramm aufgenommen und verstetigt wird.

7.         Verschiedenes

Beteiligung Historikertag 2008 – die Kommission wird sich mit dieser Angelegenheit befassen, sobald der genaue Termin und das Thema des nächsten Historikertages in Dresden feststehen.

8.         Termin der nächste Sitzung

Montag, 1. Oktober 2007, 11:00 Uhr in den Räumen der Göttinger Akademie.

 

 

Werner Paravicini

 


Die Arbeit der anderen

 

 

Ja, Frauen sollen es sein, dazu die „Kommunikationsnetzwerke“, die „Handlungsspielräume“ und „»Koordinatensysteme“; auch wird „verortet“ und „vernetzt“, natürlich gibt es den „sozialen Raum“ und den „realen Raum“, die miteinander in Beziehung gesetzt werden, auch wird „Fremdheitscharakter“ an den Hof gebracht und der „Normanspruch“ gegen die „höfische Realität“ abgewogen, bei beträchtlichem „Konflikpotential“. Angesichts solchen Stichwortglanzes bin ich ganz betrübt, daß unser „Frauenzimmer“ von 2000 (Residenzenforschung, 11), auf das wir doch beträchtlich stolz sind, im folgenden gar nicht Erwähnung findet. Doch wer zeigen will, wie wenig bisher getan wurde und wie groß der Bedarf ist, der darf auch flunkern. Es wartet indes tatsächlich viel Arbeit und mit den Besoldungsbüchern steht reiches Material zur Verfügung. Aber – Hand aufs Herz – hat jemand ernstlich geglaubt, Frauen bei Hofe seien einflußlos? Vielleicht sind wir nur noch nicht weit genug in die informellen Sphären von Liebe und Reproduktion, Machtmakelei und Standesbewußtsein eingedrungen, um zu verstehen, was eigentlich gespielt wurde. Man sollte einmal wieder die „Princesse de Clèves“ lesen. Schließlich empfehle ich Anm. 10 der Aufmerksamkeit des geneigten Lesers, sie weist schon in Richtung unseres 11. Symposiums in Wien anno 2008.                                                                                                                                                                             W.P.

 

Die Stellung der Frau am Münchner Hof (1651/52-1799)

Dissertationsprojekt, Universität München

 

Neben dem Kaiserhof in Wien leisteten sich die Wittelsbacher im 17. und 18. Jahrhundert einen der bedeutendsten katholischen Höfe im Alten Reich. So belief sich der Etat des Münchner Kurfürstenhofs beispielsweise im Jahre 1701 auf ca. 750 000 fl. und beanspruchte damit mehr als 50% der Gesamtstaatsausgaben[1]. Für die Stellung der Frau und die damit verbundene gesellschaftliche Relevanz des Themas bietet Bayern somit ein günstiges Untersuchungsfeld. Dabei werden die Fragen berührt, inwiefern sich frühneuzeitliche Frauengestalten an den Schaltstellen von Macht verorten lassen, welche Rechte und Pflichten ihnen am Fürstenhof zukamen und ob einzelne sogar aus ihrer Frauenrolle heraustraten.

Frauen am Hof gelten schon lange nicht mehr als reine Luxuskonsumentinnen oder Intrigantinnen. Auch die „Zierde des Hofes“, die noch in Baldassare Castigliones „Cortegiano“[2] hervorgehoben wird, ist im Bayern des Ancien Régime keineswegs vorrangige Aufgabe der adeligen Frauen: sie übten vielmehr regelrechte Ämter aus und wurden dafür besoldet. Im Hofstaat der Kurfürstin standen verschiedene Hofdamen, Hoffräulein sowie je eine Obersthofmeisterin und eine Fräuleinhofmeisterin in Diensten. Ihre Gehälter – gemessen an aufwendiger Hofgarderobe und Lebenshaltung eher eine Aufwandsentschädigung – entsprachen in Bayern etwa einer Hofratsbesoldung; sie lagen zwischen 100 bis 400 fl. und konnten durch nicht unerhebliche Geldgeschenke (z.B. als gewohnliche Nicolai Verehrung) zusätzlich aufgestockt werden. Der eigentliche Mehrwert eines solchen Hofamtes wird jedoch vor allem in den Kommunikationsnetzwerken und in der Nähe zur Kurfürstin bzw. zum Kurfürsten gesehen.

Für den Münchner Hof gibt es bislang nur vereinzelte Forschungsergebnisse, teilweise in Herrscherbiographien eingebunden. Forschungen zum Hofstaat sind bisher nur unzusammenhängend und vor allem für die Zeit Maximilians I. erfolgt. Systematische Untersuchungen zur Bedeutung des Hofstaates fehlen ebenso wie Studien zur Bedeutung des Hofes an sich. Lediglich die kurfürstliche Kunstförderung, das bayerische Hofzeremoniell sowie die Residenz waren Untersuchungsfelder[3]. Alles in allem läßt sich festhalten, daß die Studien zum Münchner Hof trotz seines europäischen Formats im Zeitalter des Absolutismus’ noch ein Forschungsdesiderat darstellen. Ähnlich präsentiert sich das Bild von Studien zu Frauen an frühneuzeitlichen Höfen. Die Hofgeschichtsforschung hat sich in den letzten Jahren vorrangig auf Zeremoniell, Hofverwaltung und höfische Öffentlichkeit konzentriert. Die Rolle von adeligen Frauen am Hof wurde bislang nur in einzelnen Arbeiten zur englischen Geschichte in den Mittelpunkt gestellt[4]. Einige Aufsätze zur französischen Hofgeschichte geben ebenfalls Einblicke in den Frauenhofstaat und die Rolle von Frauen im französischen Kommunikationsnetzwerk – wurden aber auch von angelsächsischer Seite untersucht[5]. In der jüngsten deutschen Geschichtsforschung wurde das Thema „Frauen und frühneuzeitlicher Hof“ zwar immer wieder angeschnitten, es fehlen jedoch systematische und über den Einzelfall hinausreichende Arbeiten, die verschiedene am Hof lebende Frauen zum Untersuchungsgegenstand machen. Die Geschichtswissenschaft hat wiederholt darauf hingewiesen, daß es wichtig sei, Koordinatensysteme zur Erschließung politischer Handlungsspielräume für Frauen zu entwickeln[6]. Damit könnte dann zwischen institutionalisierter Herrschaftsausübung und Einflußmöglichkeiten auf politische Entscheidungsprozesse unterschieden werden. Besonders die eben erwähnten angelsächsischen Studien haben mittlerweile gezeigt, daß sich für Frauen adeliger Herkunft zahlreiche solcher Handlungsspielräume finden lassen. Basis dieser Entfaltungsmöglichkeiten war dabei v.a. ihre Einbindung in familiäre Netzwerke sowie ihre Einbettung in den frühneuzeitlichen Herrschaftsstand. Die einzigen aktuellen Forschungsergebnisse zum deutschsprachigen Raum gelten Wiener Hofdamen des 17. und Kurpfälzer Hofdamen des 18. Jahrhunderts[7]. Für andere Residenzen im deutschsprachigen Raum fehlen vergleichbare Studien. Weitere Zugänge mit Blick auf den Münchner Hof erschließen sich nur über Studien zur bayerischen Verwaltungsstruktur aus der Schule von Hans Rall.

Im folgenden sollen Zeit und Raum sowie Thematik der Untersuchung konkretisiert werden. Der Untersuchungszeitraum von 1651/52 bis 1799 umfaßt knapp 150 Jahre bayerischer Geschichte und ungefähr die zeitlichen Grenzen des Kurfürstentums. Die Zeitgrenzen orientieren sich am Regierungsbeginn Ferdinand Marias und seiner einflußreichen Frau Henriette Adelaide von Savoyen, die jedoch – bereits per procuram verheiratet – erst am 22. Juni 1652 in München eingezogen war[8] Mit dem Regierungsende Karl Theodors und seiner zweiten Frau Marie Leopoldine von Österreich-Este schließt sich der Rahmen. Da bis 1790 auch die politisch überaus interessierte und aktive Herzogin Maria Anna Charlotte[9] am Münchner Hof lebte, stehen sowohl am Anfang als auch am Ende des Untersuchungszeitraums jeweils Frauen mit starker Persönlichkeit.

Die räumlichen Grenzen sind mit dem Münchner Hof, in erster Linie den Münchner Frauenhofstaaten, schnell umrissen. Durch die Herkunft der Bediensteten weitet sich dieser Untersuchungsraum jedoch bis auf die angrenzenden Territorien Süddeutschlands und des heutigen Österreichs aus. Eine genaue räumliche Untergliederung ergibt sich also aus der Quellenlage. Vorläufig zeigen Pensionsstatuten, Besoldungsbücher und Hofkalender, daß Hofdamen und Kammerfräulein vorrangig aus Altbayern, Schwaben sowie aus Baden, Österreich und der Pfalz kamen; fränkischer Adel läßt sich seltener nachweisen. Im Hofstaat der Kurfürstin finden sich ferner Adelige aus den Stammlanden der jeweiligen Kurfürstin.

Exemplarisch sollen einzelne Frauen der Hofgesellschaft herausgegriffen werden; dabei wird sowohl ihr familiärer Hintergrund, die soziale Vernetzung (am Hof), als auch ihre räumliche Herkunft weiterverfolgt. Der soziale Raum des Adels läßt sich so mit den realen Räumen in Beziehung setzen.

Am Münchner Hof begegnen Frauen unterschiedlichster Herkunft in verschiedenen Rollen und Wirkungskreisen. Hieraus ergeben sich folgende Kategorien:

1)    Kurfürstinnen (regierende, verwitwete)

2)    Wittelsbacher Prinzessinnen

3)    Mätressen der Kurfürsten

4)    Bedienstete (Obersthofmeisterin bis Mundküchengehilfin) sowie

5)    Gattinnen von hohen Amtsträgern, denen Zugang zum Frauenzimmer gewährt wurde.

Viele dieser Frauen lassen sich vor allem über ihre „amtlichen“ Handlungen und die Wahrnehmung ihrer Rolle greifen. Den Kurfürstinnen kommt aufgrund ihrer exponierten Stellung im öffentlichen Leben damit auch eine Vorrangstellung innerhalb des überlieferten Quellenmaterials zu. Außerdem sind es diese Fürstinnen, die stets einen Fremdheitscharakter an den Münchner Hof bringen. Diese Internationalität des Münchner Hofes wirft nicht zuletzt die Frage nach Kontinuität in der Dynastie auf. Besonderes Augenmerk gilt hierbei Henriette Adelaide und Therese Kunigunde. Beide Kurfürstinnen stammen nicht aus dem deutschsprachigen Raum. Wieviele Hofdamen brachten sie aus Savoyen bzw. Polen mit? Blieben ihre Begleiter aus der Heimat nur wenige Monate, Jahre oder gar „lebenslänglich“? Lassen sich in den bayerischen Hofinstruktionen Anregungen aus Turin oder Warschau entdecken?

Innerhalb dieses Rahmens und vor dem Hintergrund der sozial- und kulturhistorischen Forschung sollen auch Aufgaben und Rechte der übrigen Frauen am Hof näher betrachtet werden. Wie sah die Einflußnahme von adeligen Frauen auf (Familien-)Politik und gesellschaftliches Leben aus? Warum traten junge Frauen in die Dienste der bayerischen Kurfürstin? Spielten Karrierechancen für Brüder und Ehemänner eine Rolle? Wie gestaltete sich die Nähe zur Kurfürstin? Und wie läßt sich das Verhältnis von Normanspruch und höfischer Realität auflösen?

Die Quellen- und Literaturlage zu Frauen an frühneuzeitlichen Höfen gestaltet sich schwierig. Adelige Frauen sind in schriftlichen Zeugnissen zwar besser zu fassen als bürgerliche, die Überlieferungschance ist jedoch geringer als bei adeligen Männern. So kommt es, daß die Quellennachweise über Frauen mitunter beispielhaft für Kulturwandel und Traditionsverlust stehen, für die Einseitigkeit der Überlieferung. In München liegt allerdings mit den Besoldungsbüchern des kurbayerischen Hofzahlamtes ein Aktenbestand vor, in dem alle Amtsträgerinnen des Hofs verzeichnet sind. Für den Untersuchungszeitraum des 17. und 18. Jahrhunderts ist dieses Korpus lückenlos erhalten und bietet so die Möglichkeit, ein diachrones Datengerüst zu erstellen, das die genaue Anzahl von Frauen am kurfürstlichen Hof sowie das Verhältnis männlicher Amtsträger und Beamter zu weiblichen Hofangestellten zeigt. Die Schwierigkeit einer Abgrenzung, welche Beschäftigten zum Hofstaat gehören, welche Staatsbeamte sind, stellt sich nur bei männlichen Amtsträgern, die oft Doppelfunktionen ausübten. Bis hinein ins 18. Jahrhundert kennt der Münchner Hof keine Trennung von „privat“ und „öffentlich“. Das vorliegende Verwaltungsmaterial erlaubt außerdem, anhand einer solchen prosopographischen Quantifizierung des Hofes Karrieren von Hofdamen und Kammerfräulein zu verfolgen. Hofkalender, Besoldungsbücher und Hofinstruktionen ermöglichen es also, den Stand und den Rang einer Person sowie die Prestigefunktion eines Hofamtes abzuleiten; trotzdem bieten diese Quellen weit mehr als nur Verwaltung in Reinkultur: sie enthalten Hinweise auf Konfliktpotentiale am Hof, auf das Selbstverständnis der Herrscherfamilie, auf die Orientierung am Wiener Vorbild[10] und fokussieren auf Personen mit Entscheidungsbefugnissen. Und sie zeigen deutlich, daß es nicht Max Emanuels europäische Pläne waren, die eine Erweiterung des Frauenzimmers mit sich brachten. Unter quantitativem Aspekt erreicht die Anzahl von am Münchner Hof beschäftigten Frauen erst mit dem Regierungsantritt Karl Albrechts 1727 einen anhaltenden Höhepunkt, das kurfürstliche Frauenzimmer mit seiner Kaiserwahl gar erst 1742. Maria Amalia behält als verwitwete Kaiserin ihren eigenen kaiserlichen Hofstaat sogar noch bis zu ihrem Tod im Jahre 1756 bei.

Der Arbeitstitel „Die Stellung der Frau am Münchner Hof“ enthält zwei Ansätze. Zum einen stehen die Einfluß- und Entfaltungsmöglichkeiten sowie Hindernisse und Ziele verschiedener Frauengruppen am Münchner Hof im Vordergrund, die anhand einzelner Biographien exemplarisch veranschaulicht werden sollen. Zum anderen wird der Kulturtransfer in den Blick genommen und gefragt, welcher Anteil den Frauen des Hofes zukommt. Weitere Quellen, die herangezogen werden müssen, sind daher Heiratsverträge, Testamente sowie Korrespondenzen aus dem Geheimen Hausarchiv der Wittelsbacher und verschiedenen Familienarchiven des süddeutschen Raums. Zielsetzung der Arbeit ist damit ein pointierter Zugriff auf den Münchner Kurfürstenhof unter maßgeblicher Berücksichtung der Frauen.

 

Britta Kägler, München*

 

 


Kolloquiumsberichte

 

 

Hofwirtschaft / L’économie de la cour

Ein ökonomischer Blick auf Hof und Residenz in Spätmittelalter und Früher Neuzeit

10. Symposium der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen in Zusammenarbeit mit den Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen Schloß Gottorf, dem Landesarchiv Schleswig-Holstein, Schleswig, dem Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und dem Deutschen Historischen Institut Paris

Schleswig, 23.-26. September 2006

 

Fürstliche Höfe wurden bisher vorwiegend unter kultur- und politikgeschichtlichen Fragestellungen untersucht. Ihre ökonomische Seite blieb derweil in der Forschung weitgehend ausgespart. Ziel des 10. Symposiums der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen war es, dem abzuhelfen und den Hof nun schließlich auch als wirtschaftliches Zentrum zu würdigen, bildet doch die Ökonomie die wesentliche Grundlage jeder höfischen Machtentfaltung.

Wenn es bei den vorangehenden Symposien um Frauenhöfe, Hofordnungen, Günstlinge oder um das Verhältnis von Hof und Stadt ging, so klang das Thema Hofwirtschaft immer schon an. Diesmal nun sollte die Ökonomie ganz im Zentrum des Interesses stehen.

 

In vier Sektionen über zwei Tage verteilt, wandte sich das Symposium folgenden Fragen zu: I. Ist Verschwendung Notwendigkeit? II. Wie ist der Hof ökonomisch organisiert? III. Woher kommt das Geld? und letztlich IV. Wohin geht das Geld? Der Tagung voran ging eine feierliche Abendveranstaltung mit einem Festvortrag von Arnold Esch (Rom). Doch vor allem war dem Symposium der Residenzen-Kommission in diesem Jahr erstmals auch ein Atelier vorgeschaltet, mit welchem jungen Nachwuchswissenschaftlern im Sinne von Werkstattgesprächen die Möglichkeit geboten wurde, im Rahmen eines 15minütigen Beitrages aus ihren laufenden Arbeiten zum Thema zu berichten.

 

Samstag, 23.September 2006

 

Atelier

 

Als erstes trug Matthias Steinbrink (München) aus seinem Habilitationsprojekt vor, in welchem er sich mit der finanziellen Organisation und Ausstattung von adeligen Haushalten in der Frühen Neuzeit befaßt. Mit seinem Beitrag zur „Adeligen Ökonomie in der Frühen Neuzeit zwischen Idealbild und Realität“ konnte er vor dem Hintergrund der Ende des 17. Jahrhunderts sehr beliebten Hausväterliteratur zeigen, daß die in der Literatur immer wieder postulierten Autarkiebestrebungen in der Realität keinen Widerhall fanden, wie auch die Aufforderungen zur Sparsamkeit und kluger Gestaltung der Ausgaben, zwei weitere zentrale Elemente der Haushaltsliteratur, tatsächlich wenig beachtet wurden. Vielmehr waren sich die Adeligen ihrer Marktabhängigkeit bewußt und akzeptierten diese auch als solche.

Aus seinem Dissertationsvorhaben zu herrschaftlichen Machtmöglichkeiten und Handlungsspielräume im Spiegel deutscher Hofordnungen des späten Mittelalters berichtete Volker Ohlenschläger (Tübingen). Entgegen dem Programm allein vortragend, da seine angekündigte Korreferentin Nicola Nortmeyer verhindert war, widmete er sich unter dem Thema „Spätmittelalterliche Hofwirtschaft im Spiegel von Hofordnungen“ der ersten brandenburgischen Hofordnung von 1470, wie sie für den sich neu konstituierenden Hof Markgraf Johann Ciceros von Brandenburg verfaßt wurde. Dabei bot er in Abgrenzung zur bisherigen Forschung eine Neuinterpretation des Textes an, wonach dieser nicht als Finanzdokument oder Sparsamkeitserlaß, sondern schlicht als Erlaß zur Organisation des täglichen Lebens am Hof zu verstehen ist. Wirtschaftlich war es das wichtigste Ziel der Hofordnung, Überblick zu erlangen.

In einem vor allem methodologisch orientierten Vortrag berichtete dann Jürgen Jablinski (Bielefeld) aus seinen laufenden Arbeiten zu seiner Dissertation über die Finanzen der Grafen von Ravensberg im 16. Jahrhundert (1535-1556). Im Mittelpunkt der Arbeit steht dabei ein Urbar der Grafschaft Ravensberg, in welchem die einzelnen Höfe eine detaillierte Beschreibung finden und damit interessante Einblicke in die wirtschaftlichen Verhältnisse der Zeit erlauben. Im Atelier berichtete er vorrangig über die von ihm gefundene edv-technische Lösung zur inhaltlichen Erschließung des Textes.

Der Versorgung des Hofes aus den Domänen am Beispiel der Landgrafschaft Hessen-Kassel in der Frühen Neuzeit stand bei Jochen Ebert (Kassel) im Mittelpunkt, der ebenfalls an seiner Dissertation arbeitet. Dabei ging es vor allem um die Frage, welche Rolle die Domäne für die Versorgung des Hofes noch spielte und wie sie sich gegenüber dem Markt verhielt. Dabei kam er zu dem Ergebnis, daß trotz des Übergangs zum Pachtsystem Ende des 17. Jahrhunderts und der allmählichen Ablösung der Naturallieferungen durch Geldzahlungen diese auch noch Ende des 18. Jahrhunderts für die Versorgung des Hofes von wesentlicher Bedeutung waren, auch wenn dies von Produkt zu Produkt variierte.

Der letzte Beitrag des Ateliers schließlich beschäftigte sich mit der Hofhaltung eines deutlich kleineren Fürstentums in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Andrea Brill (München), die zur Zeit eine Biographie zu Kraft Ernst Fürst von Oettingen-Wallerstein (reg. 1773-1802) verfaßt, berichtete dabei äußerst faktenreich zu dessen Hofhaltung. Der detaillierte Vergleich seiner Ausgaben für Kleidung, Essen, Kunst und Bildung in den Jahren 1773 und 1778, als seine Einnahmen um das Dreifache, seine Ausgaben hingegen um das Fünffache stiegen, stellte Kraft Ernst als beredtes Beispiel eines kleinen Fürsten dar, der sich trotz der geringen Größe seines Territoriums und seiner Einnahmen vehement um eine standesgemäße Repräsentation bemühte.

 

Abendvortrag

 

Die offizielle Eröffnung der Tagung fand anschließend im Rahmen einer Abendveranstaltung im Hirschsaal des Schlosses Gottorf statt. Arnold Esch (Rom) kam es dabei zu, den öffentlichen Abendvortrag zu halten, der ebenso inspirierend auf die nächsten Tage einstimmte wie er die Tagung angemessen nach außen vertrat: „Die römische Kurie in der Frührenaissance: Der Hof als Antriebskraft und meßbarer Faktor der Wirtschaft“. Seinen Ausführungen lagen dabei die römischen Zollregister aus den Jahren ca. 1445-1485 zugrunde, welche einen weiten Überblick über die römischen Güterimporte zu Schiff wie zu Lande erlauben. Dabei konnte er zeigen, wie deutlich sich An- oder Abwesenheit des Papstes auf das Importvolumen wie auch auf die Preise in der Stadt auswirkten, aber auch, daß der päpstliche Hof weit mehr Güter anzog, als er selbst verbrauchte. Denn neben den Einfuhren für die Kurie an sich finden sich in den Registern zugleich die Importe für die Kardinäle mit ihren teils bedeutenden familiae verzeichnet. Auch bemerkte er mit Verweis auf die Register, daß die Renaissance anfänglich nicht Sache der Römer selbst war.

 

Montag, 25. September 2006

 

Einführung

 

Nachdem die Tagungsteilnehmer am Sonntag eine Exkursion zu den schleswig-holsteinischen Residenzen Glücksburg, Gravenstein und Sonderburg unternahmen, begann mit der Einführung des Vorsitzenden der Residenzen-Kommission am Montagmorgen das eigentliche Arbeiten. Unter dem Titel: „Unökonomisch? Die Wirtschaft der Höfe in Alteuropa“ führte Werner Paravicini noch einmal genauer in die Problematik der Tagung ein und verortete den Hof als wirtschaftliches Gebilde in seiner Umwelt, den es aus dem Schatten der Städte zu holen gelte. Er fragte danach, wie wirtschaftlich eigentlich die organisierte Verschwendung war. Denn am Hof seien nicht nur Gold und Silber, sondern auch Ehre, Treue, Posten und Ansehen getauscht wurden, verschiedene Währungen, die letztlich, so Paravicini, doch konvertierbar seien. Auch nähme der Hof nicht einfach nur ein oder gebe aus, er verteilt um, womit die höfische Verschwendung möglicherweise auch als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung gedient haben könnte. Mit seinen Angestellten, die selbst immer auch potentielle Kreditgeber waren, war der Hof letztlich auf seine ganz eigene Weise wirtschaftlich.

 

I. Ist Verschwendung Notwendigkeit?

 

Die erste Sektion der Tagung war dann auch der Verschwendung gewidmet und der Frage, ob es sich hierbei um eine Notwendigkeit handelte. Als erstes sprach dazu Torsten Fried (Schwerin/Greifswald) über „Fürstliche Herrschaft, Geld und Repräsentation in der politischen Theorie des Mittelalters und der Frühen Neuzeit“. Grundlage seiner Ausführungen waren die finanzpolitischen Abhandlungen von Richard von Ely und Nikolaus von Oresme sowie die Fürstenspiegel bzw. staatstheoretischen Traktate von Niccolò Machiavelli und Erasmus von Rotterdam. Im Vordergrund stand dabei die Frage, wie die Autoren Herrschaftsrepräsentation und Geld aufeinander bezogen. Der Fürst, so seine Schlußfolgerungen, wurde hier zwar nicht über das Geld definiert und sollte nach diesem auch nicht streben. Jedoch, wie Oresme schrieb, gäbe es ohne Geld keine Macht und keine Herrlichkeit, und damit auch keine Repräsentation, von der wiederum die Legitimation des Fürsten abhinge. Torsten Fried formulierte dies zu der knappen Formel: Geld für Repräsentation ja, für Verschwendung nein. Dabei spielte auch die Freigebigkeit eine wichtige Rolle, welche sie erst bei Machiavelli verliert.

Am Beispiel des Wettiners Friedrich von Sachsen, der 1498 mit 25 Jahren in Königsberg zum Hochmeister des Deutschen Ordens gewählt wurde, zeichnete hiernach Stephan Selzer (Halle a.d. Saale) die Bemühungen eines jungen mitteldeutschen Fürsten nach, eine fürstliche Hofhaltung an der Peripherie des höfischen Europa zu etablieren. Anhand sieben ungedruckter Einnahme- und Ausgaberegister im Archiv des Deutschen Ordens läßt sich insbesondere hinsichtlich von Kleidung und Essen der Versuch nachverfolgen, in Königsberg bestimmte höfische Standards einzuführen. Deren Grundlage wären dabei weniger in der besonderen Hofhaltung der Wettiner zu suchen, denn im allgemeinen Muster der europäischen Höfe als solchem. Zugleich machte Selzer auch auf die logistischen bzw. infrastrukturellen Schwierigkeiten aufmerksam, die sich der angemessenen Versorgung dieses weit abgelegenen Hofes mit den entsprechenden Gütern entgegenstellten.

Und doch führte Klaus Neitmann (Potsdam) die Tagungsteilnehmer in damals noch abgelegenere Gebiete, zur Residenz des erzbischöflich rigischen Koadjutors Wilhelm von Brandenburg (1529-1539). Da er weder als Person noch als Fürst selbständig war, lag es vor allem in den Händen seines Bruders Herzog Albrecht von Preußen, diesen mit Rat und Personal zu versorgen. Der Briefwechsel zwischen den Brüdern, aber auch zwischen den entsandten Räten und Albrecht gibt dabei wichtigen Aufschluß über die finanziellen wie personellen Probleme, denen sich Wilhelm bei der Etablierung und Aufrechterhaltung einer angemessenen Hofhaltung in unattraktiver Randlage gegenübersah. Von den stetig steigenden Schulden, die vor allem von Wilhelms Wunsch nach einer repräsentativen Hofhaltung herrührten, war ebenso die Rede wie von den Versuchen, ebendiese einzudämmen, die Verwaltung zu reorganisieren, wie überhaupt fähiges Personal an den Hof zu binden. So ließ sich beispielsweise über längere Zeit niemand finden, der dem erzbischöflichen Koadjutor mit Lateinkenntnissen zur Verfügung stand, um ihm die Briefe des Papstes zu übersetzen.

Jean-Francois Lassalmonie (Paris) schilderte mit Ludwig XI. von Frankreich (1461-1483) zum Schluß den Gegenentwurf zu einer repräsentativen, verschwenderischen Hofhaltung. Er stellte die Frage „Braucht ein Fürst einen Hof?“. Denn obgleich Ludwig bewußt auf eine repräsentative Hofhaltung verzichtete, meist nur in kleinen Jagddomänen oder bei seinen Hofleuten logierte, den hohen Adel mied und stets nur ein sehr kleines Gefolge um sich hielt, gelang es ihm dennoch, Herrschaft auszuüben und seine Macht erfolgreich zu stabilisieren. Eine Erklärung hierfür gibt die Auswertung seiner Ausgaben: Während der Anteil für die Hofhaltung immer mehr sank, waren die Ausgaben für Armee, Geschenke und Pensionen die wichtigsten Posten seiner Finanzen. Es gab also letztlich einen Hof, und es gab auch Würdenträger, nur war dieser Hof dezentral organisiert, bestand nicht als physisches, sondern als fiktives Gebilde, ein „cour à distance“ sozusagen. Ludwigs Interesse galt mehr dem Praktischen der Macht, nicht dem Symbolischen. Sein Hof blieb damit ohne die ihm ansonsten eigene repräsentative Funktion und vor der Nachwelt ohne Glanz.

 

II. Wie ist der Hof ökonomisch organisiert?

 

Die Zweite Sektion der Tagung war der ökonomischen Organisation der Höfe gewidmet. Als erstes betrachtete hierbei Ulf Christian Ewert (Chemnitz) aus betriebswirtschaftlicher Sicht den Fürsten als Unternehmer. Die Grundlage der Ausführungen bildeten die Förderung, die Beteiligung und der Profit der portugiesischen Krone an den Entdeckungsfahrten des 15. Jahrhunderts entlang der afrikanischen Küste. In Anwendung der ökonomischen Vertragstheorie wurde danach gefragt, wie diese Erkundungsfahrten in Gang gesetzt und wie sie durchgeführt wurden. Dabei wurden die Optionen Selbstkosten- und Festpreisvertrag verglichen und die jeweiligen Risikofaktoren erläutert wie auch die Maßnahmen, diese zu minimieren, so wie sie aus den Quellen herauszulesen sind. Dabei konnte deutlich gemacht werden, wie sich das Handeln der Verantwortlichen mit der Zeit wandelte und sich den verändernden Bedingungen anpaßte.

Mark Mersiowsky (München) sprach danach zu „Finanzverwaltung und Finanzkontrolle am Hofe“, wobei er nicht die Inhalte der Rechnungen in den Fokus seiner Betrachtungen nahm, sondern diese selbst. Im Zentrum stand dabei der von ihm eingeführte Begriff des „Verwaltungswollens“, hier also die Frage, aus welchem Anlaß und zu welchem Zweck Rechnungen eigentlich geführt wurden. Der Frage, ob die mittelalterlichen Höfe zu einer rationalen Finanzverwaltung überhaupt fähig waren, stellte er die Frage entgegen, ob hierzu denn überhaupt die Absicht bestand. Daraufhin erläuterte er die Entwicklung des Rechungswesens von den ersten Bemühungen, in bestimmten Situationen einen Überblick zu gewinnen, über dessen punktuelle Verwendung als Kontrollinstrument bis hin zum späteren Verwaltungsinstrument.

Die Entwicklung der kaiserlichen Hofbuchhaltung vom 16. bis zum frühen 18. Jahrhundert nahm danach Mark Hengerer (Konstanz) in den Blick und fragte, was die Buchhaltung für den Hof, für die Finanzverwaltung des Hofes wie für die Staatsbildung hatte leisten können. Dabei zeichnete er zuerst die Wege von Finanzentscheidungen nach, die tatsächlich von den untersten Stellen und damit nach Sachstand entschieden oder zumindest vorbereitet wurden. Nichtsdestotrotz existierte innerhalb der Hofkammer eine weitreichende Korruption, deren technische Mittel er ebenso erläuterte wie die Versuche, diesen entgegenzuwirken durch die Erhöhung des Personals und der Kontrollen sowie durch die Einführung der doppelten Buchhaltung. Letztere scheiterte jedoch an der Hierarchie, die sich gegen jede Transparenz wehrte und ihre jeweiligen Wissensmonopole zu bewahren suchte. Abschließend wurde noch einmal der Anteil der Hofbuchhaltung an der Staatenbildung gewürdigt.

Um die Reform des Hofes eines hochverschuldeten Fürsten ging es dann im Beitrag von Harriet von Natzmer (Lüneburg). Joachim II., Kurfürst zu Brandenburg (1535-1571), wurde seitens der Stände gedrängt, im Gegenzug zur etwaigen Übernahme seiner Schulden eine Hofordnung zur besseren Verwaltung seines Hofes anzunehmen. In dem 1542/46 erlassenen Text ging es dabei vor allem darum, Überblick über Art, Ort und Umfang der Ausgaben zu erlangen und mit ausgearbeiteten Regeln zu einer besseren und vor allem sparsameren Versorgung des Hofes zu gelangen. Diese brandenburgische Hofordnung ist dabei vor allem als ein Finanzdokument zu verstehen, das zur Stellung und Kontrolle eines Budgets diente und dazu beitragen sollte, bestimmte wirtschaftliche und finanzpolitische Reformen durchzusetzen.

Von Höfen in ganz anderer Situation, nämlich im Zustand ausnehmender Prosperität, handelten schließlich die letzten beiden Beiträge dieser Sektion. Zunächst berichtete Uwe Schirmer (Leipzig) von der „Hofhaltung und Hofwirtschaft der Kurfürsten von Sachsen (1486-1547)“, nachdem diese durch die Neuentdeckung großer Silbervorkommen zu ungeahntem Reichtum gekommen waren. Wie wurde dieser enorme Geldfluß organisiert? Nachdem die Herkunft des Geldes erläutert worden war, wobei neben die Einnahmen aus dem Bergbau später auch Steuereinnahmen und Kredite traten, ging es darum, darzulegen, wie diese verwaltet wurden, um daraufhin sofort wieder bedenkenlos ausgegeben zu werden. Was alles damit bezahlt wurde, illustrierten Übersichten über die Ausgaben der wettinischen Fürsten, insbesondere für die Leipziger Hochzeit von 1496 und die Gesamtausgaben der Hofhaltung im Jahre 1540. Auch auf die Veränderungen innerhalb der Finanzverwaltung wurde eingegangen, in welcher mit der Zeit immer mehr Adelige Fuß fassen konnten.

Im zweiten Beispiel erläuterte Walter Ziegler (München) den „Hof- und Staatshaushalt am Beispiel des Herzogtums Niederbayern“, das in seiner Zeit ebenfalls für seinen großen Reichtum bekannt war, wie u.a. die berühmte Landshuter Hochzeit zeigt. Im Mittelpunkt stand dabei der Unterhalt der beiden Hauptresidenzen Landshut und Burghausen, deren Finanzierung und Verwaltung näher zu erläutern waren. Da Niederbayern seinen Reichtum vor allem aus seiner fruchtbaren Getreideproduktion zog, nahmen die Getreidespeicher (Kasten) hierbei eine wesentliche Rolle ein. So gab es in Landshut auch einen Hofkasten, der für die gesamte Versorgung des Hofes zuständig war, wofür er wiederum vom Hof selbst bezuschußt wurde. In Burghausen hingegen speisten sich die Einnahmen zum Unterhalt des Hofes vielmehr aus dem Zoll in Burghausen, der die entsprechenden Beträge, auch hier mit Zuzahlungen aus der Zentrale, direkt an den rechnungsführenden Küchenmeister weitergab. Beide Höfe waren hinsichtlich ihrer Einnahmen also unterschiedlich organisiert, je nach den regionalen Bedingungen, wobei von einer Präferenz für die einfacher zu handhabenden direkten Geldeinnahmen auszugehen ist.

 

Dienstag, 26. September 2006

 

III. Woher kommt das Geld?

 

Die dritte Sektion war dem Einkommen der Höfe zugeordnet. Dabei stellte Werner Rösener (Gießen) als erster die Frage, in welcher Weise sich die Versorgung der Höfe und damit deren Einnahmestruktur im Spätmittelalter veränderte. Dabei ging es vor allem um die Entwicklung von der Domänenwirtschaft zum Steuerstaat und die Frage, ob und wie die Bedeutung der Kammergüter zurückging. Sich bei seinen Ausführungen auf die Beispiele der geistlichen Fürstenhöfe des Erzbischofs von Köln und des Bischofs von Basel sowie der weltlichen Herrschaften des Pfalzgrafen bei Rhein und des hessischen Landgrafen stützend, kam er dabei zu dem Ergebnis, daß die Entwicklung der Finanzgrundlagen von den jeweils unterschiedlichen wirtschaftlichen Strukturen der einzelnen Territorien abhing. So besaßen für größere Territorien die Einkünfte aus Regalien und Zöllen ein überragendes Gewicht, während für mittlere Fürstenhöfe die Einnahmen aus der Gutswirtschaft und der Eigenbewirtschaftung weiterhin eine große Rolle spielten. Mit dem steigenden Finanzbedarf im 16. Jahrhundert gewannen jedoch die landständischen Steuern immer mehr an Einfluß und entwickelten sich letztlich zu einem wichtigen Bestandteil der Finanzierung frühneuzeitlicher Fürstentümer.

Die Diskussion um die steuerliche Finanzierung des Königshofs in Frankreich zeichnete daraufhin hin Lydwine Scordia (Rouen) nach. Während sich dieser im Jahre 1202/03 noch zu 80 % aus der königlichen Domäne finanzierte, lag deren Anteil 1483 gerade einmal bei 2 %, eine Entwicklung, die sich v.a. aus dem erhöhten Finanzbedarf während des Hundertjährigen Krieges ergab. Die Frage, ob der König von seinem Eigen leben sollte (le roi doit vivre du sien), oder ob er das Recht hatte, kontinuierlich Steuern zu erheben, wurde von den Zeitgenossen angeregt diskutiert. Die Gegner zogen in ihrer Argumentation unter anderem die trojanische Abstammungslegende heran, wonach sie von jeglichen Steuern befreit wären. Die Befürworter hingegen argumentierten, daß der König tatsächlich seinen Stand und seine Stellung zur Schau stellen muß, da erst Glanz und Würde auch zu Gehorsam führten. Die königliche Repräsentation sei daher vielmehr Notwendigkeit des Amtes als Zeichen der persönlichen Eitelkeit des Herrschers. Die Prachtentfaltung war damit in Frankreich gerade eine wesentliche Legitimation für die Erhebung von Steuern. Das Ideal des „le roi doit vivre du sien“ selbst bestand dessenungeachtet bis ins 18. Jahrhundert hinein ungebrochen fort.

Dem kreditfinanzierten Wirtschaften wandte sich dann Bernd Fuhrmann (Siegen) am Beispiel des Konrad von Weinsberg (ca. 1370-1448) zu. Dieser hatte es als Reichskämmerer zwar zu hoher Stellung im Reichsdienst geschafft, doch gelang es ihm nicht, daraus auch wirtschaftlich Profit zu ziehen. Seine Kreditaufnahmen, die Zinssätze, Zahlungsbedingungen und Sicherheiten sind in den überlieferten Rechnungen, Kredit- und Pfandbriefen dokumentiert. Was die verschiedenen Geldgeber anbelangt, so waren es für den kurzfristigen Bargeldbedarf zumeist Nürnberger Kaufleute, an die er sich wandte, während für längere Kredite meist Adelige die Mittel zur Verfügung stellten. Deren Rolle wurde daraufhin näher erläutert. Was nun die Gründe der Kreditaufnahmen anbelangt, so sind diese bei Konrad von Weinsberg nicht in einer Fehlwirtschaft, sondern in ererbten Schulden, in Außenständen aus dem Reichsdienst, in Aufwendungen zu bestimmten Anlässen sowie in der Tilgung bereits bestehender Verpflichtungen zu suchen. Auch wenn seine Einnahmen sich zu 18 % bis teilweise 91 % aus Krediten speisten und er jährlich zwischen 40 % und 92 % seiner Ausgaben zur Kredittilgung aufwendete, blieb er dennoch zeitlebens kreditwürdig.

Ein weiteres Beispiel für kreditwirtschaftliche Finanzierung lieferte Josef Hrdlička (Budweis) mit den südböhmischen Herren von Neuhaus, deren Residenz in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu einem wichtigen regionalen Machtzentrum emporwuchs. Auch hier geben neben Rechnungen eine größere Zahl von Schuldverschreibungen, Quittungen und Korrespondenzen über die Hintergründe der Schuldwirtschaft Auskunft. Nach einem kurzen Abriß zur Entwicklung des Kreditwesens in Böhmen schilderte Hrdlička in einem ersten Schritt die finanzielle Organisation des Hofes und die für lange Zeit sehr unsystematischen Verwaltung der Kreditrückzahlungen. Daraufhin beschrieb er die Modalitäten der Kreditbeschaffung, für welche vor allem ritterliche Bedienstete als Vermittler eintraten. Interessant ist dabei, daß auch 60 % der Kreditgeber aus demselben Milieu stammten und mit den Vermittlern öfters auch verwandt waren. Sie dienten den Kreditgebern damit zugleich als Garanten und traten erst viel später auch selbst als Geldgeber ihrer Herren auf. Ihren Kredit verstanden die niederen Adeligen dabei meist als eine Art „Dienst“, der ihnen den Kontakt zum Hof garantierte und gegebenenfalls auch die Unterstützung des Schuldners beim Königshof sicherte. Dieses Verhältnis konnte bis zu einem ausgeprägten Klientelismus führen, wenn die Gläubiger ihren Herren im Gegenzug baten, ihre Söhne zum Studium nach Wien zu senden oder diese aus seiner Position heraus mit bestimmten Ämtern am königlichen Hof zu versehen.

An den größten und wichtigsten Hof des Reiches, an den Kaiserhof, führte dann der Beitrag von Peter Rauscher (Wien), der für die Zeit von Ferdinand I. bis zum Regierungsbeginn Karls VI. (1558-1714) über die Herkunft und Zusammensetzung der Einnahmen des Hofzahlmeisters wie über die Verwendung dieser Mittel berichtete. Grundlage seiner Analyse bildeten die jährlichen Rechnungsbücher des Hofzahlamtes, die, für die Zeit von 1542/43 bis 1714 fast vollständig überliefert, in ausgewählten Stichproben ausgewertet wurden. Dabei wurde deutlich, daß sich die kaiserlichen Finanzen vor allem aus Amtseinnahmen speisten, aber auch das Kreditwesen eine immer auffälligere Rolle spielte. Was die regionale Gewichtung angeht, so stammte der größte Teil der Einnahmen lange Zeit aus dem Königreich Böhmen, weshalb der böhmische Ständekrieg Anfang der 1620er Jahre auch zu einer Krise der kaiserlichen Finanzen führte. Die spätere Eroberung Ungarns hingegen erschloß dem Habsburgerhof weitere Einnahmequellen. Doch ist gleichwohl darauf zu verweisen, daß Teile der Einnahmen direkt an die Kriegskasse weitergeleitet wurden wie denn insgesamt – vor dem Hintergrund der Türkenkriege – das Militärwesen eine wesentliche Rolle in den kaiserlichen Finanzen spielte. In diesem Zusammenhang verwies Rauscher auch darauf, daß die Frage der Finanzierung des Dreißigjährigen Krieges noch immer ein bedauerliches Desiderat der Forschung bildet.

Mit dem eigentlich noch für den Vormittag geplanten Beitrag von Detlev Kraack (Plön) begann dann die Nachmittagssitzung. Dabei standen drei Generationen der Familie Rantzau im Mittelpunkt, die als einflußreiche Geldgeber des dänischen Königs, als dessen Statthalter in Schleswig-Holstein sowie als herausragende Mäzene das 16. Jahrhundert ebendort zum „Rantzauschen Zeitalter“ machten. Dabei wurden als erstes die unterschiedlichen Persönlichkeiten der beiden wichtigsten Rantzau Johann (1492-1565) und Heinrich (1526-1598) in den Blick genommen, um daraufhin von den Grundlagen ihres Reichtums zu sprechen, der vorrangig auf einer florierenden Landwirtschaft, insbesondere der Viehzucht beruhte, im Falle Heinrichs noch durch eine äußerst vorteilhafte Heirat ergänzt. Näher beschrieben wurde daraufhin die soziale Gruppe der Rantzau, innerhalb derer man sich gegenseitig bei Kreditgeschäften als Bürge zur Verfügung stand und die durch ihr Geld gemeinsam politischen Einfluß ausübte. Dergleichen erinnerte Kraack daran, daß auch Frauen in die Forschung mit einbezogen werden sollten, konnten diese doch ebenso als Kreditgeber wie als Kreditnehmer auftreten wie beispielsweise die Mutter von Johann Rantzau, die nach dem Tode ihres Mannes dessen Rolle einnahm und Kredite an den dänischen König vergab.

 

IV. Wohin geht das Geld?

 

Um die Frage, wofür das Geld ausgegeben wurde, ging es schließlich in der letzten der vier Sektionen. Elisabeth Lalou (Rouen) berichtete zunächst über das Verhältnis von Alltag und Fest am Hofe des französischen Königs im 13. und 14 Jahrhundert. Sich auf die überlieferten Wachstafeln aus der Regierungszeit Philipps des Schönen stützend, verglich sie für das Jahr 1301 bzw. 1303 die alltäglichen Ausgaben mit jenen der vier großen liturgischen Festtage, erläuterte die jeweiligen Kosten und stellte fest, daß diese Tage in genau derselben Weise abgerechnet wurden wie jeder andere Tag. Auch in den normalen Provisionen waren sie mit eingerechnet. Der Ort, an welchem der König die jeweiligen Festtage beging, war dabei nicht ohne Interesse. Hielt er sich nämlich außerhalb auf, so fielen die Kosten für den Hof deutlich geringer aus. In einem weiteren Schritt analysierte Lalou dann die Kosten für eine nichtliturgische Feier, nämlich das Fest zur Ritterweihe Philipps Sohnes im Jahre 1313, das sich in der Anwesenheit mehrerer Könige über mehrere Tage hinzog. Dabei ging sie auch auf das Vorbild Ludwigs des Heiligen ein, an dessen Hof ebenfalls große Feste gefeiert wurden und wo Freigebigkeit und largesse in gleicher Weise eine große Rolle spielten. Lalou stellte abschließend fest, daß der französische König an sich bescheiden und sparsam war, außer für Gott, die Heilige Jungfrau und die kapetingische Familie.

Um die gefahrvolle und risikoreiche Fürstenwallfahrt nach Jerusalem ging es im Beitrag von Carola Fey (Gießen), die nach dem Verhältnis von Aufwand und Ertrag dieser Reisen fragte. Als Hauptquelle diente ein Kostenverzeichnis zur Jerusalemreise von Herzog Wilhelm von Thüringen vom Jahre 1461. Finanziert wurden diese Reisen vorrangig über Steuern, Anleihen und Pfandgaben sowie die Einlagen der Mitreisenden. Abgesehen von der kostspieligen Seereise unterschieden sich hinsichtlich des Aufwands derweil kaum von anderen Fürstenfahrten. Besondere Aufmerksamkeit kam dann den prospektiven Aufwendungen zu, die während der Fahrt getätigt wurden. Dabei ging es vor allem um den Kauf von Luxusgütern und Erinnerungsobjekten, für deren Anschaffung vor allem die besondere Kaufsituation ausschlaggebend war. Dies galt nicht weniger für Objekte religiöser Natur wie Pilgerzeichen und Rosenkränze. Und vor allem diesen kam nach der Rückkehr auch eine wichtige integrative Funktion zu, halfen sie doch die sozialen Bindungen zum Fürsten zu stärken. Durch dererlei Geschenke usw. gewann der Fürst eine religiöse Komponente, nämlich die des Vermittlers mit den Heiligen Stätten. Zumal, wenn er sich um die Beschaffung der jeweiligen Objekte selbst bemühte bzw. diese ihre religiöse Kraft aus seinem Handeln erst gewannen, wie beispielsweise Berührungsreliquien.

Der Nahrungsmittelversorgung des Heidelberger Hofes im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts galt dann der letzte Beitrag des Kolloquiums. Gabriel Zeilinger (Kiel) nahm das Essen dabei nicht als Statussymbol in den Fokus, wie dies in den letzten Jahrzehnten des öfteren geschah. Vielmehr legte er seinen Blick auf die damit verbundenen logistischen und (haus-)wirtschaftlichen Probleme. Nach einer kurzen Einführung in den Diskurs zu Essen und Ernährung am kurpfälzischen Hof stellte er daraufhin eine 1500 von Pfalzgraf Philipp erlassene Küchenordnung für den Haushofmeister und deren Inhalt vor. Detailliert und umfangreich regelte diese sowohl die Kompetenzen als auch die Organisation bei der Beschaffung und Lagerung von Lebensmitteln. Gleichzeitig entwarf sie aber auch Bestimmungen ganz praktischer Natur zu diesen Tätigkeiten. Offenbar wird dabei das Bemühen, zu einer quantitativ wie qualitativ optimierten Versorgung des Hofes zu gelangen. Diesen normativen Darstellungen stellte der Referent dann die Überschlagsrechnung des Küchenschreibers aus dem Jahre 1508/09 gegenüber, in denen die Gefälle an die Küche wie auch deren monetäre Ausgaben festgehalten wurden und die somit Einblick in das tatsächliche Wirtschaften gewährt, bevor er die Ergebnisse abschließend summarisch mit anderen Fürstenhöfen verglich.

 

Zusammenfassung

 

Die Aufgabe, die einzelnen Beiträge und damit die Tagung zusammenzufassen, kam Enno Bünz (Leipzig) zu. Er ließ die territoriale und chronologische Breite der verschiedenen Beiträge noch einmal Revue passieren und stellte unter anderem fest, daß die Perspektive der Residenzen-Kommission sich gewandelt und nach unten hin erweitert habe, neben großen Reichsfürsten nun auch kleinere Herrschaften mit in den Blick genommen würden. Viele Antworten wären gegeben, aber auch viele Fragen aufgeworfen worden. So hob er unter anderem jene nach der Rolle der Fürstenspiegel hervor, inwieweit diese tatsächlich auch zur ökonomischen Führung geeignet waren oder ob sie doch nur allgemeine Ausführungen und Appelle wiedergäben. Daraufhin ging er näher auf die verschiedenen verwendeten Quellengruppen ein (Hofordnungen, Küchenordnungen, Rechnungen, Briefwechsel, Urbare) und wies auf den jeweiligen Zusammenhang von Quellentyp und Themenstellung hin. Dabei regte er an, ein Repertorium der spätmittelalterlichen Hofordnungen zu erstellen, sowie, ähnlich wie es in Frankreich mit den „Sources de l’histoire économique du Moyen Age“ von Robert-Henri Bautier bereits besteht, ein zentrales Quelleninventar für Rechnungen, v.a. für die in Serie überlieferte Bestände, zu schaffen. Das sich wandelnde Wirtschaftsverständnis im Spiegel der Entwicklung von Rechungen und Urbaren diskutierend, konstatierte er im Rahmen der Tagung gleichfalls die fehlende Auseinandersetzung mit dem Wandel der Funktionseliten in der ökonomischen Verwaltung. Die unterschiedlichen Einzelstudien sollten seiner Meinung nach regional erweitert und im Ansatz systematisiert werden. Dabei betonte er noch einmal die Erkenntnis, daß die Domänen wider Erwarten auch in Spätmittelalter und Frühneuzeit noch immer eine wichtige Rolle spielten und daß mit dem fürstlichen Unternehmertum (Entdeckungsfahrten, Bergwerke, Viehherden, Finanzen) ein interessantes, bisher kaum erschlossenes Thema angesprochen wurde. In einem abschließenden Ausblick führte er die Kontroverse zur Wandlung der Hofökonomiken bis ins 19. Jahrhundert, als die stetig anhaltende Frage nach der Beschneidung der fürstlichen Ausgaben endlich eine passende Lösung erfuhr, nämlich in der Beschränkung der Einnahmen des fürstlichen Haushaltes durch die Zivilliste.

 

Die Beiträge zur Tagung werden in der Reihe „Residenzenforschung“ (Jan Thorbecke Verlag) der Residenzen-Kommission veröffentlicht, die Beiträge zum Atelier in einem Sonderheft der Mitteilungen der Residenzen-Kommission. Das nächste Symposium wird 2008 in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien stattfinden, dann zum Thema „Vorbild, Austausch, Konkurrenz. Höfe und Residenzen in der gegenseitigen Wahrnehmung“.

 

Torsten Hiltmann, Paris*

 

 

Symbolische Interaktion in der Residenzstadt des späten Mittelalters

Wissenschaftliche Tagung

Halle, 23.-25. November 2006

 

Vom Donnerstag 23. bis Samstag 25. November 2006 fand in Halle an der Martin-Luther Universität eine Tagung zur symbolischen Interaktion in der Residenzstadt des späten Mittelalters statt. Sie wurde von Andreas Ranft und seinen Mitarbeitern Gerrit Deutschländer, Verena Grave und Marc von der Höh in Halle konzipiert und organisiert und ist eingebunden in das Forschungsprojekt „Stadt und Residenz im Mitteldeutschen Raum“. Die Finanzierung dieses Forschungsprojekts (siehe am Ende) läuft Ende 2006 aus und die hallische Tagung bot somit ein erstes Resümée der Arbeiten, die entstanden sind. Darüber hinaus konnten aber auch eine Reihe weiterer Vorträge gewonnen werden, die über Mitteldeutschland hinaus eine nationale Perspektive aufspannten.

Am Donnerstag wurde die Tagung, die im Gebäude der Universitäts- und Landesbibliothek in Halle stattfand, mit einem öffentlichen Abendvortrag von Matthias Müller (Mainz) eröffnet. Er sprach zu dem Thema „Die Bildwerdung des Fürsten. Das Verhältnis von Realpräsenz und medialer Fiktion als Aufgabe symbolischer Kommunikation in den höfischen Bau- und Bildkünsten des 15. und 16. Jahrhunderts“. Dabei spannte er provokant einen weiten chronologischen Bogen und verglich zunächst ein Wahlkampfplakat für Gerhard Schröder vom September 2005 mit dem sogenannten Kurfürstentriptychon, das die drei ernestinischen Kurfürsten Friedrich den Weisen, Johann den Beständigen und Johann Friedrich den Großmütigen zeigt und vermutlich um 1535 bei Lukas Cranach entstanden ist. In der Tat konnte er eine Reihe von Analogien im Bildaufbau bis hin zu den im unteren Teil der Tafeln angebrachten bedruckten und beschrieben Blättern, auf denen sich das Regierungsprogramm der Kurfürsten findet, belegen. Nur die rechte Tafel, die Johann Friedrich den Großmütigen zeigt, kommt ohne Schrift aus. Dafür setzt diese Tafel umso mehr auf eine heraldische Botschaft, die die noch nicht oder gerade erst übertragene Kurwürde thematisiert. Die Ikonographie des Bildes transportierte somit in vielerlei Hinsicht eine politische Botschaft.

 

 

Diese Botschaft fürstlicher Repräsentationsbildnisse im öffentlichen Raum stellte Müller im Folgenden anhand der mit Herrscherporträts, allegorischen und heraldischen Bildwerken sowie Inschriften geschmückten Schloß- und Rathauserker vornehmlich im mitteldeutschen Raum dar. An den Erkern sächsischer und thüringischer Rathäuser aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts – so in Torgau oder Altenburg – wurden z.B. Porträtbildnisse des Fürsten und seiner Gemahlin sowie weiterer verstorbener und lebender Mitglieder des regierenden Herrscherhauses gezeigt. Schließlich wies Müller auf vergleichbare Funktionen der Wappen als Sinnbild des Herrschers an Stadt- und Schloßtoren hin. Hier wie auch schon in Cranachs Kurfürstentriptychon vertraten und verkörperten die Wappen des Fürsten diesen selbst und ließen ihn in diesem Medium auch am Tor, d.h. an der empfindsamen Grenze von Stadt oder Schloß, quasi in effigie gegenwärtig sein. All dies sind Beispiele für die tatsächliche und zeichenhafte Aneignung des städtischen Raums durch den Stadt- und Landesherren und die symbolische Interaktion zwischen diesen beiden Sphären.

Nach der Begrüßung durch Andreas Ranft (Halle) führte Marc von der Höh (Bochum, früher Halle) am Freitagmorgen in die Thematik der Tagung ein. Sie steht in der Tradition eines Arbeitsgesprächs, das 2003 in Wittenberg stattfand[11], sowie des 9. Symposiums der Residenzen-Kommission, das 2004 ebenfalls zum Thema Hof und Stadt in Halle abgehalten wurde[12]. Im Zentrum der Tagung siedelte von der Höh die Residenzbildung im städtischen Umfeld und der Interaktion von Hof und Stadt mit ihren vorprogrammierten Konflikten und ökonomischen Verflechtungen an. Aus Sicht der Stadt sei die Residenzbildung oftmals eine Bedrohung gewesen. Die Tagung stehe methodisch unter dem Vorzeichen der Suche nach und der Erprobung von neuen Zugängen, die insbesondere die neuere Kulturgeschichte biete. Dabei stellte er die symbolische Interaktion als Schlüsselbegriff für die Analyse und das Verständnis der Beziehung zwischen Hof und Stadt vor und unterschied zwischen direkter und indirekter Kommunikation – einem hier synonym zu Interaktion gebrauchten Begriff. Indirekte Kommunikation über Wappen, Architektur etc. besitze insgesamt eine größere Überlieferungschance als die direkte Begegnung z.B. auf dem Marktplatz der Stadt, die meist – wenn überhaupt – nur über Konflikte greifbar werde. In der indirekten Kommunikation machte sich der Stadtherr durch verschiedene Medien z.B. in der Stadt optisch präsent. Wie präsentierte sich demgegenüber die Stadt? Welche medialen Mittel standen im Vordergrund der symbolischen Repräsentation und Interaktion? Hof und Stadt hatten eine gemeinsame, residenzstädtische Öffentlichkeit. Dem entgegen stand die Residenz der Stadt nicht offen. Zentrale Orte öffentlicher Interaktion seien daher eher in der Stadt zu suchen als in der Residenz.

Vor dem Hintergrund dieser methodischen und inhaltlichen Vorüberlegungen sprach anschließend Andreas Bihrer (Freiburg i.Br.) über „Einzug, Weihe und erste Messe. Symbolische Interaktion zwischen Konstanzer Bischof, Hof und Stadt im Spätmittelalter. Ergänzungen zu den Ergebnissen der aktuellen Adventusfoschung“. Er lenkte dabei die Aufmerksamkeit auf die symbolische Kommunikation zwischen Bischof und Diözesanklerus, also seinen Hof, anläßlich der Einzüge neuer Ordinarien. In der bisherigen, inzwischen stark angewachsenen Literatur zu Herrschereinzügen, wurde vor allem die rituelle Interaktion zwischen Fürst und Stadt in den Blick genommen. Dem entgegen fehlen bislang Untersuchungen über z.B. die Bedeutung eines Bischofsadventus für die Domherren und den Hofklerus. Allein Hartmut Boockmann hat in einem frühen Aufsatz über den Einzug des Bischofs von Riga 1449 auf diese andere Öffentlichkeit hingewiesen, die auch Gegenstand und Ziel symbolischer Interaktion werden konnte. Bihrer untersuchte im Folgenden die Einzüge der Bischöfe von Konstanz in ihre Stadt zwischen 1334 und 1466. Sein Augenmerk richtete sich dabei vor allem auf die damit verbundene inszenierte Vorstellung des Herrschaftsprogramms, sozusagen die Regierungserklärung der neuen Ordinarien und ihre Aussagen zum Verhältnis zu ihrem Hof. Als Quelle dienten dabei vor allem chronikalische Berichte von Domherren und Mönchen über die Einzüge, ersten Messen und andere Handlungen, die zu Beginn der Herrschaftszeit stattfanden.

Im Ergebnis konnte Bihrer zunächst die vielfältigen Formen der Interaktion bei den Einzügen der Bischöfe feststellen, die im festgelegten Korsett des Rituals nicht zu erwarten gewesen waren. Chronologisch gewendet stand bei den Einzügen des 14. Jahrhunderts die Formulierung von politischen Programmen im Vordergrund. Um 1400 war es dann die Legitimitätsproblematik, die die rituelle Interaktion der Einzüge bestimmte. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts nutzten zwei Ordinarien ihren Einritt, um ihr geistlich geprägtes Bischofsideal zu propagieren. Erst ab der Mitte des 15. Jahrhunderts stand der Konflikt mit dem Rat der Stadt Konstanz im Vordergrund. Dabei zog jeweils mit dem neuen Bischof nicht nur ein neuer Stadtherr sondern auch der neue Herrscher, das neue Zentrum des Hofes, in die Stadt ein. In der Diskussion wurde anschließend u.a. die Frage nach den zeitlichen Abständen der chronikalischen Überlieferung zum Ereignis selber aufgeworfen, die eventuell bei der Interpretation der Aussagen berücksichtigt werden muß.

Arend Mindermann (Hannover) sprach zur „Präsenz des Stadtherrn und des niederen Adel im spätmittelalterlichen Göttingen“. In leichter Abwandlung des im Programm angekündigten Titels stellte Mindermann die „symbolische“ Topographie Göttingens vom 12. bis zur ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts vor. Diese spannte sich seit dem 14. Jahrhundert zwischen stadtherrlicher Burg, den nahen Burgmannenhöfen, der angrenzenden Jakobikirche sowie dem mit Wehrarchitektur verzierten Göttinger Rathaus auf. Kleinere, aber dennoch sehr bedeutende Fixpunkte der symbolischen Interaktion waren z.B. das Löwenbild auf dem Rathausplatz, dem später ein kleiner Roland entgegengesetzt wurde. Otto der Quade intensivierte Mitte des 14. Jahrhunderts sein Engagement in Göttingen. So gab es schon seit 1351 bzw. 1355 Konflikte um das Münzrecht. In der Phase des aufkeimenden Konflikts verließen 1364 die Adeligen ihre Höfe in der Stadt. Dabei nutzte die Stadt offensiv die finanzielle Notlage einiger Adeliger aus, um diese aus der Stadt auszukaufen. Auch versuchte der Herzog, die innerstädtischen Fraktionen im Konflikt gegeneinander auszuspielen und so die Oberhand zu behalten. Daß auch im Konflikt die symbolische Interaktion keineswegs beendet war, zeigen z.B. eine Reihe von glanzvollen Turnieren, die ab 1368 in der Stadt abgehalten wurden und deren Kosten die Stadt tragen mußte. Auch der Versuch des Herzogs, in Göttingen ein Residenzstift anzulegen, scheiterte 1372. In dieser Phase fällt auch der Bau des Göttinger Rathauses (1369-1371). 1387 eskalierten die Konflikte und eine Fehde führte zur Zerstörung der Stadtburg, des sog. Bolruz. Von da ab könne man mit Olaf Mörke Göttingen als eine autonome Landstadt bezeichnen, die 1521 fast Reichsunmittelbarkeit erreichen konnte. Dabei wandelte sich die Jakobikirche z.B. von der Burgkirche zur Bürgerkirche. Die Zeichenhaftigkeit der Kommunikation läßt sich schließlich besonders gut an den jeweils von Stadt (Jakobialtar) und Herzog (Barfüßeraltar) gestifteten Altären darstellen.

Ebenfalls aus der Perspektive der städtischen Topographie berichtete anschließend Kilian Heck (Potsdam) über „Der Wappenhimmel der Ysenburgs. Stadt und Stadtherr in Büdingen im späten 15. Jahrhundert.“ 1442 wurde die Familie von Ysenburg-Büdingen in den Grafenstand erhoben. Sie hatte das Amt eines Reichsforstmeisters inne. Die Stadt wurde ab 1480 von Graf Ludwig II. stark befestigt. Die Präsenz der Grafenfamilie in der Stadt wurde durch die Anbringung von Wappen an den Befestigungsanlagen, den Toren und an der Fassade des Rathauses sichtbar gemacht. Auch ein städtisches Wappen wurde zwar in Richtung der Burg am Rathaus befestigt, doch steht es neben der Vielfalt stadtherrlicher Heraldik allein auf weiter Flur. Neben der Burg finden sich ein Oberhof und ein sogenanntes steinernes Haus als „dynastische Satelliten“ in der Stadt. Schließlich erläuterte Heck auch den Wappenhimmel in der Schloßkapelle sowie der Marienkirche. Es handelt sich um Ahnenproben Ludwigs II. und seiner Frau. In einem komplizierten Kreuzrippensystem sind insgesamt 115 Wappenschlußsteine eingearbeitet. 59 davon sind heraldischer Natur. Diese Ahnenprobe, so Heck, greife räumlich auf die Stadt aus und bekräftige somit die Stadtherrschaft der Stadtherren. Die Grafenfamilie legte Wert auf sichtbare Zeichen ihrer Dynastie an exponierten Orten der Residenzstadt. Die Marienkirche mit dem Wappenhimmel läßt sich somit als zentraler Ort der symbolischen Interaktion zwischen Stadt und Stadtherr in Büdingen fassen.

Joachim Schneider (Würzburg) sprach über „Zeichenhafte Elemente in der Konfliktaustragung zwischen Hof und Stadt: Zeugnisse der Chronistik aus dem 14. bis 16. Jahrhundert“. Sein Beitrag war in drei thematische Abschnitte gegliedert: 1. Verdrängung des Herrn aus der Residenz; 2. Wiedereinzug des Stadtherrn am Ende eines Konflikts; 3. Täuschungen durch den Stadtherrn bei Konflikten. Für den ersten Punkt konnte er Beispiele aus Göttingen und Frankenberg beibringen, die sich auf Baumaßnahmen bzw. Abbruch herrschaftlicher Gebäude und Türme durch die Bürger bezogen. Paradebeispiel einer chronikalischen Überlieferung zu herrschaftlichen Wiedereinzügen in eine Stadt nach einem Konflikt ist die Chronik des hallischen Ratsmeisters Markus Spittendorf zum Adventus des Magdeburger Erzbischofs im September 1478. Als weiteres Beispiel führte Schneider Amberg an, wo sich in einer Chronik aus den Jahren 1493/95 ein Bericht über Friedrich den Siegreichen findet, der einem feierlichen Einzug in die Stadt auswich, um nicht zu diesem Anlaß den aufständischen Bürgern gnädig vergeben zu müssen. Schließlich konnte Schneider einige interessante chronikalische Belege für Täuschungsversuche beibringen, bei denen der Stadtherr in Konfliktsituationen mit seiner Stadt Ratsmitglieder unter der Zusage von Immunität auf seine Burg einlud, um sie alsdann gefangen zu setzen (z.B. in Würzburg und Bamberg). Wenn man dieses Verhalten heute als unehrenhaft bezeichnen würde, so muß man doch wohl konstatieren, daß die bürgerlichen Stadträte nicht als gleichrangige Gesprächspartner anerkannt wurden und so nach adeligem Selbstverständnis gar kein ehrenrühriges Verhalten vorlag.

Einer anderen Quellengattung, nämlich den Inschriften, wandte sich Andreas Zajic (Wien) in seinem Beitrag über „Repräsentation durch Inschriftenträger – Symbolische Kommunikation und Integration des Adels zwischen Hof und Grundherrschaft in den habsburgischen Erbländern des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit“ zu. Vornehmlich am Beispiel der Grabinschriften konnte er zeigen, wie es erst allmählich ab ca. 1500 bei österreichischen Adeligen üblich wird, Hofämter auf den Grabplatten und Epitaphien zu erwähnen, obwohl schon vereinzelt Beispiele aus der Mitte des 15. Jahrhunderts zu finden sind. Erst um 1600 sei eine verstärkte Ansiedlung des Adels in Wien, so eine Hauptthese Zajics, festzustellen. Im 17. Jahrhundert lagen Augustinerkirche und Michaelerkirche dem Hof am nächsten und waren der bevorzugte Bestattungsort der am Hofe tätigen Adeligen. Aufgrund des begrenzten Platzes für adelige Grablegen am Kaiserhof in Wien läßt sich aber zugleich ein Ausweichen in die Pfarrkirchen auf dem Lande, z.B. Purgstall an der Erlauf, beobachten.

Matthias Meinhardt (Halle) beschloß den Tag mit einem Vortrag zu „Von Zeichen und Leichen. Die Residenzstadt Dresden als Darstellungsraum von Fürsten und Höfen im 16. Jahrhundert.“ Anhand dreier Beispiele, den Großbauten im Stadtraum, der Selbstdarstellung durch installierte Zeichen sowie den sogenannten performativen Akten, stellte Meinhardt sodann die symbolische Interaktion zwischen Stadt und Residenz in Dresden dar. In der Stadt sichtbare Zeichen fürstlichen Bauens und Herrschens waren z.B. das Zeughaus. Auch die Lage innerhalb der Stadt war von zeichenhafter Bedeutung und eine Form der Raumaneignung. Zum zweiten ging er auf die installierten Zeichen und Symbole ein, und zwar vor allem am Beispiel der Stadttore. Im Laufe des 16. Jahrhundert prägten herrschaftliche Bildprogramme die Zugänge zur Stadt. In Dresden wie auch andernorts wurde an diesen markanten Stellen eindeutig klargestellt, daß man eine fürstliche Residenz betrat oder verließ. In diesen Kontext ordnete er auch das Moritzmonument in Dresden aus den Jahren 1553-55 ein. Zuletzt zeigte er anhand der Begräbnisfeierlichkeiten der Kurfürstin Anna im Jahre 1585 Formen der herrschaftlichen Aneignung der Stadt durch performative Akte auf. In diesem Trauerkondukt war die Position der Bürgerschaft im Trauerzug bezeichnenderweise weit hinten angesiedelt.

Am folgenden Samstag wurden zwei Referate präsentiert, die inhaltlich eng zusammenhingen und sich gegenseitig gut ergänzten. Zunächst sprach Arnd Reitemeier (Kiel) über „Pfarrkirchen und Hofkirchen“ und ihr Verhältnis in der Residenzstadt des späten Mittelalters. In dem klar strukturierten Vortrag, in dem sich Reitemeier auf Beispiele von Residenzstädten weltlicher Fürsten beschränkte, wandte er sich zunächst der Definition beider Begriffe zu. Während die Pfarrkirche relativ einfach als Zentrum der Pfarrei zu definieren ist, so fällt die Definition des Typus Hofkirche schwerer. Reitemeier machte sie schließlich an drei Kriterien fest: der Nutzung als Grablege, der Funktion als Herrschaftszeichen und schließlich aufgrund der räumlichen Nähe zum Hof. Diese drei Kriterien wurden im Folgenden von Reitemeier mit Beispielen belegt, die auch eine chronologische Entwicklung von der Pfarr- zur Hofkirche nahelegen. So sei für das 13. und 14. Jahrhundert eine Erhebung von Pfarr- zu Hofkirchen zu beobachten, während danach die Umwandlung der Pfarr- zur Stiftskirche typisch gewesen sei. Gründe für die Verlagerung der Grablege in die Pfarrkirche, die sich damit kontinuierlich zur Hofkirche wandelte, waren wiederum räumliche Nähe, religiöse Gründe (Memorialprobleme in den Klöstern), die Einbeziehung der Mitglieder der Gemeinde in die Memoria und die zunehmende Bedeutung der Fürbitten der Gemeinde, politische Gründe in Hinblick auf die Legitimation fürstlicher Herrschaft sowie schließlich repräsentative Gründe. Die Stiftung von Benefizien zur Sicherstellung der Anniversalien, der Seelenmessen, war schließlich ein weiterer wichtiger Grund bei der Erhebung von Pfarr- zu Stiftskirchen. Erstaunlich wenige Beispiele für Auseinandersetzungen in diesen Wandlungsprozessen konnte Reitemeier in seinen Quellen finden. Wenn die Pfarrkirche erst einmal zur Stiftskirche umgewandelt war, scheint die Zusammenarbeit zwischen Stift und Pfarrei in der Regel problemlos verlaufen zu sein. Konflikte konnte es insbesondere zwischen Stiftskapitel und Stadtrat geben, aber diese blieben meist nur Episode. Gerade an dieser letzteren Feststellung entzündete sich eine lebhafte Diskussion über die Gründe dieser unerwartet friedlichen Koexistenz, für die sich in geistlichen Residenzstädten entsprechender Größe nur wenige Beispiele finden ließen.

Abschließend berichtete Gerrit Deutschländer (Halle) über „Die Stadt- und Hofkirche zu Dessau als Ort symbolischer Interaktion.“ Das Referat schloß sich, wie schon angedeutet, nahtlos an den vorhergehenden Vortrag an, in dem es nun an einem konkreten Beispiel den Stadt- und Kirchenraum Dessaus als Raum symbolischer Interaktion beschrieb. Dessau war ab 1471 Residenz und die Marienkirche ab 1474 Grablege der Fürsten von Anhalt-Dessau. Auf fürstliche Initiative geht auch der Neubau der Dessauer Marienkirche zurück, die 1523 geweiht werden konnte. Vor 1470 finden sich in der Kirche nur selten Stiftungen. Ab 1500 ist jedoch eine stärkere Bestiftung durch die fürstliche Familie zu beobachten. Erst nach Beendigung des Neubaus aber wurde die Kirche zum Symbol der fürstlichen Herrschaft in Dessau und es findet sich eine Reihe von Gegenständen, die vom Fürsten oder seinen Hofleuten für die Kirche gestiftet wurde. Dazu gehört das bekannte Abendmahlsbild von Lukas Cranach (1565), das den Fürsten und Personen seines Hofstaats vor dem Hintergrund des Fürstensaals des Dessauer Schlosses abbildet. Dieses Bild hing ursprünglich in der Marienkirche. Auch weitere Gegenstände der Kirche stammten aus dem Umkreis des Hofes. So stiftete Kanzler Paulus von Berge (1539 gestorben) ein Taufbecken. Auch er fand in der Marienkirche die letzte Ruhestätte. Der Dessauer Rat trat dagegen kaum stifterisch in Erscheinung. Bezeichnend ist, daß nur ein einziger Bürgermeister im 16. Jahrhundert ein Epitaph in dieser Kirche anbringen ließ. Ein Stadtwappen wurde erst 1540 der Stadt vom Fürsten verliehen.

Die Tagung wurde durch eine Zusammenfassung der Beiträge von Stephan Selzer (Halle) beschlossen. Er wies auf die lange Zeitspanne von ca. 400 Jahren wie auch die breite räumliche Streuung der Beiträge hin. Sowohl geistliche wie weltliche Fürsten als auch Grafen und Herren waren Gegenstand der Betrachtung. Allein, so Selzer, internationale Vergleichsbeispiele wie Rom oder Paris hätte man sich im Rahmen der Tagung wünschen können, die aber bewußt einen nationalen Vergleichsrahmen gewählt hatte. Vielfältige Formen der symbolischen Kommunikation seien in den Beiträgen thematisiert worden: Porträts, Feste und Turniere, Einzüge, Leichenbegängnisse, Siegel und viele andere mehr. Wappen als Quellen mit einem besonderen kommunikativen Status waren, das fiel auf, fast in jedem Beitrag präsent. Neben der „Wappenlandschaft Büdingen“ fanden sie sich in Sakralräumen, an Toren, Befestigungsanlagen und auch Rathäusern. Selzer regte in diesem Zusammenhang an, sich einmal intensiver mit Toren als Orten der Kommunikation thematisch, vielleicht im Rahmen einer Tagung, auseinander zu setzen.

Die Beiträge der Tagung wurden durchweg angeregt diskutiert und zusammenfassend sei auch die Originalität der behandelten Themen und Quellen noch einmal hervorgehoben. Es ist vorgesehen, die Beiträge im Rahmen eines Tagungsbandes zu veröffentlichen. Zu hoffen bleibt, daß die vielversprechenden hallischen Forschungen zur Interaktion von Hof und Stadt auch in Zukunft im Rahmen einer neuen Finanzierung weitergeführt oder sogar ausgebaut werden können.

Jörg Wettlaufer, Kiel

 


Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen*

 

 

Siehe auch online auf unserer homepage unter der Rubrik „Veranstaltungskalender“
bzw. unter

http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/kollanzeige.php

 

 

Projekt

Handlungsspielräume und Grenzen adeliger Herrschaftsausübung zwischen Weser und Ems vom 17. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts

Osnabrück, 1. Juni 2005 bis 31. Mai 2007

 

Kontaktadresse:          Dr. Heike Düselder

Universität Osnabrück

FB 2: Geschichte der Frühen Neuzeit

Neuer Graben 19/21

D-49069 Osnabrück

Tel. [D] 05 41 - 9 69 49 05 oder 05 41 - 9 89 58 98

E-Mail: projektadel.museumsdorf@ewetel.net

Internet: www.museumsdorf.de

 

Im Zentrum des Projektes steht der landsässige Adel im ehemaligen Fürstbistum Osnabrück, im Niederstift Münster und in der ehemaligen Grafschaft Ostfriesland. Der Schwerpunkt dieses Projektes richtet sich auf die komplexen Kommunikationsstrukturen und- prozesse zwischen Herrschaft und Untertanen und fragt u.a.:

-  Wie vollzog sich Herrschaft im lokalen Rahmen und welche Handlungsspielräume und Grenzen adeliger Herrschaftsausübung konnten zutage treten?

-  Wie wurde adelige Herrschaft aus der Perspektive der Untertanen wahrgenommen und welchen Einfluß konnten diese auf die Herrschaftspraxis ausüben?

-  In welchem Verhältnis standen grundherrschaftlicher Paternalismus und bäuerliche Strategien der Lebensführung und Risikominimierung zueinander?

-  Welcher Art war das Zugehörigkeitgefühl zur Herrschaft in den ostfriesischen „Herrlichkeiten“, den kleinen Territorien, in denen einzelne Adelige herrschaftliche Befugnisse über freie Bauern besaßen, und in den adeligen Grundherrschaften mit ihren eigenbehörigen Bauern in den münsterischen Territorien?

Gerade die Besonderheit der Adelslandschaft Ostfriesland, in der die Strukturen von Lehnsabhängigkeit und Leibeigenschaft fremd sind, läßt in dem Kontext von Herrschaftspraxis und der Wahrnehmung von Herrschaft die Erforschung dieses Raumes als besonders lohnenswert erscheinen.

Das Forschungsprojekt ist ein gemeinsames Unternehmen der Universität Osnabrück und des Museumsdorfs Cloppenburg. Die Leitung liegt bei Frau Dr. Siegrid Westphal und Prof. Dr. Thomas Vogtherr, Lehrstuhlinhaber Frühe Neuzeit bzw. Mittelalter an der Universität Osnabrück. Bearbeiterinnen sind Dr. Heike Düselder sowie eine weitere Doktorandin. Das Projekt stellt die Fortsetzung eines bereits vom Oktober 2002 bis September 2004 geförderten gemeinsamen Forschungs- und Ausstellungsprojektes dar, dessen erste Ergebnisse seit September 2004 im Rahmen der Dauerausstellung „Adel auf dem Lande“ im Museumsdorf zu sehen sind.

*****

Ausstellung zum Stadtjubiläum

Dresden 8000 – Eine archäologische Zeitreise

Dresden, 25. Mai bis 30. Dezember 2006

 

Kontaktadresse:          Dr. Christoph Heinemann

Landesamt für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte

Zur Wetterwarte 7

D-01109 Dresden

Tel. [D] 03 51 - 89 26-603 – Fax [D] 03 51 - 89 26-604

E-Mail: info@archsax.smwk.sachsen.de

Internet: http://www.archsax.sachsen.de

*****

Seminar

Les ducs Valois de Bourgogne: leur cour, leurs hommes, leur espace
La Face noire de la Splendeur
crimes, violences, malheurs et trahisons à la cour de Bourgogne (II)

Paris, 24. Oktober 2006 bis 19. Juni 2007

 

Kontaktadresse:          Deutsches Historisches Institut Paris

8, rue du Parc-Royal

F-75003 Paris

Tel. [F] 01 - 42 71 56 16 – Fax [F] 01 - 42 71 56 43

E-Mail: direktor@dhi-paris.fr

Internet: www.dhi-paris.fr

 

Aus dem Programm:

Dienstag, 24. Oktober

PARAVICINI, W. (Paris), SCHNERB, B. (Lille), Regard en arrière, regard en avant.

Dienstag, 28. November

SCHNERB, B. (Lille), Une source impitoyable: les Mémoires de Jacques du Clercq.

PARAVICINI, W. (Paris), Un suicide à la cour de Bourgogne: Roland Pippe.

Dienstag, 23. Januar

BUBENICEK, M. (Besançon), Jean de Bourgogne (gest. 1373), héritier décu.

Dienstag, 13. Februar

MARCHANDISSE, A. (Liège), Guillaume de la Marck, le Sanglier des Ardennes.

Dienstag, 20. März

COCKSHAW, P. (Brüssel), La concussion à la cour de Bourgogne: le cas de Jean Aubert.

Dienstag, 24. April

DAMEN, M. (Leiden), Ennemis à la cour. Le bannissement et la réintégration des adversaires politiques aux cours de Bavière, de Brabant et de Bourgogne.

Dienstag, 29. Mai

SANTAMARIA, J.-B. (Lille), Un maitre de comptes prévaricateur: Roland Dubois.

Dienstag, 19. Juni

PAVIOT, J. (Paris), Factions de cour autour des projets de croisade de Philippe le Bon.

*****

Vortrag

Martin Krummholz
Kavaliersreisen und Mäzenatentum der Grafen Gallas

Wien, 27. Januar 2007

 

Kontaktadresse:          Institut für die Erforschung der Frühen Neuzeit

Rechte Wienzelle 37

A-1040 Wien

Tel. [A] 14 02 47 68 – Fax [A] 14 02 47 68

Internet: www.univie.ac/iefn

*****

Adel und Umwelt
Horizonte, Erfahrungen und Wahrnehmungen adeliger Existenz in der Frühen Neuzeit (1650-1850)

Börstel, 8. bis 10. März 2007

 

Kontaktadresse:          Dr. Heike Düselder

Olga Sommerfeld M.A.

Universität Osnabrück

FB 2: Geschichte der Frühen Neuzeit

Neuer Graben 19/21

D-49069 Osnabrück

Tel. [D] 05 41 - 96 94 90 5 – Fax [D]05 41 - 96 94 89 8

E-Mail: projektadel.museumsdorf@ewetel.net

 

Den Lebensformen des Adels in den Städten und auf dem Lande, seiner politischen Rolle und sozialen Bedeutung sowie den Insignien seiner Kultur ist in den neueren Studien zur Frühen Neuzeit umfassend Rechnung getragen worden. Die Welt des Adels hat durch die vielfältigen Bemühungen der Forschung, diesen Stand und seine Lebensweise zu erklären, etwas von ihrer Fremdheit verloren. Dabei ist nicht nur die unübersehbare Präsenz des Adels als „Meister der Sichtbarkeit“ (H. Reif) evident geworden, sondern auch sein politischer Einfluß und seine gesellschaftliche Relevanz in Räumen und Kulturlandschaften. Der Adel spielte in der Frühen Neuzeit für seine Umwelt eine maßgebliche Rolle, denn das Adelshaus war Mittelpunkt, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum seines Herrschaftsgebietes. Mit der geplanten Konferenz wird das Verhältnis des Adels zu seiner Umwelt, der naturräumlichen wie der sozialen, in den Blick genommen.

Mit dem Begriff der Umwelt als erkenntnisleitender Kategorie kann die Mehrdimensionalität adeligen Wirkens und Handelns erfaßt und zu einem ganzheitlichen Gefüge verknüpft werden. Damit ist eine Synthese von sozial- und kulturgeschichtlichen Perspektiven und den Fragen und Methoden der Umweltgeschichte angestrebt, die sich den Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur und dem Umgang mit wichtigen Ressourcen wie Wasser, Boden und Wald, die im Kontext von Macht und Herrschaftsausübung einen wichtigen Stellenwert einnahmen, widmet.

Mit dem Fokus auf der natürlichen und sozialen Umwelt sollen einerseits die engen Verflechtungen der adeligen Lebensweise mit seiner natürlichen Umgebung und die Ambivalenzen, die in diesem Zusammenhang zutage treten, beleuchtet werden. Andererseits können die wechselseitigen Beziehungen des Adels zu den Menschen, die ihn umgeben, untersucht werden. Im Sinne von Alfred Schütz, der in seiner Einleitung in die verstehende Soziologie grundlegende Erklärungsansätze zur Strukturanalyse der Sozialwelt und Umwelt gibt, umfaßt die soziale Umwelt die räumliche und zeitliche Koexistenz von Personen, die dadurch in einer Beziehung stehen. Dieser Ansatz ist auch für die Erforschung der adeligen Lebenswelten relevant. Die Beziehungen des Adels in seiner sozialen Umwelt waren häufig durch räumliche Nähe und soziale Distanz geprägt und bildeten vielfach ein Spannungsverhältnis. Dieses wies auf der Seite des Adels sowohl autoritäre als auch paternalistische Handlungsmuster und auf der Seite seiner Untergebenen passiv-fügsame ebenso wie eigenmächtige Verhaltensweisen auf. Die bisherigen Forschungen, die die Beziehungen zwischen Herrschaft und Untertanen thematisierten, basieren zum überwiegenden Teil auf konflikttheoretischen Ansätzen. Der weitgehend konfliktfreie Alltag zwischen Adeligen und den ihnen untergebenen Bewohnern in der ländlichen Welt ist bislang nur unzureichend erforscht worden. Und nicht nur das Herrscher-Untertanen-Verhältnis prägte die soziale Umwelt des Adels, sondern auch das allgemeine Gesellschaftsleben sowohl in seiner unmittelbaren Umgebung als auch im ganzen Europa. Einerseits lebte der Adel in einem Familienverband mit allen dazugehörigen Verwandten und Freunden, in dem ein reger Informationsaustausch stattfand und für den die Generationen- und Geschlechterbeziehungen eine konstituierende Bedeutung hatten. Andererseits nahmen die Adeligen aktiv am Gesellschaftsleben der Zeit teil. Sie korrespondierten mit bedeutenden Persönlichkeiten, reisten weit über die Grenzen ihres Landes hinaus und beteiligten sich an aktuellen Diskussionen.

Darüber hinaus bewegte sich der Adel in der Natur, lebte mit ihr und von ihr und herrschte über ihre Ressourcen. Von jeher zeichnete ihn ein besonderes Verhältnis zu seiner natürlichen Umwelt aus. Es bestand zunächst in dem Besitz von Land und einer weitgehenden Verfügungsgewalt über alles, was auf diesem eigentümlichen Besitz vorhanden war: Menschen, Tiere, aber auch die Ressourcen der Natur wie Holz, Wasser, Ernteerträge. Die Felder, Wiesen, Äcker und Wälder waren häufig Schauplätze von Auseinandersetzungen zwischen Grundherrn und Bauern um Nutzungsrechte und -ansprüche und Orte, an denen Herrschaftsverhältnisse in Zweifel gestellt und bestätigt wurden. Während der Adel einen Eigentumsanspruch an der Natur mit überkommenen Herrschaftsrechten legitimierte, leiteten die Bauern ihre Ansprüche aus der Nutzung und Bearbeitung des Landes ab. In diesem Kontext der Herrschaftsauffassung ist auch die besondere Affinität des Adels zur Natur und sein Interesse an den Entwicklungen der Gartenarchitektur im 17. und 18. Jahrhundert, die Anlage von Barock- oder später Landschaftsgärten, zu interpretieren. Seinem herrschaftlichen Selbstverständnis entsprach eben auch die Beherrschung der Natur, die in der Gestaltung und Nutzbarmachung der natürlichen Ressourcen ihren sichtbaren Ausdruck fand.

Auf der Grundlage obiger Überlegungen soll folgenden Fragen nachgegangen werden, die sich 1.) dem Adel in seiner sozialen Umwelt und 2.) in seiner natürlichen Umwelt widmen. Angestrebt wird eine Synthese dieser beiden Betrachtungsebenen der Umwelt und die Zusammenstellung der vielfältigen und divergierenden Umwelterfahrungen des Adels zu einem ganzheitlichen Gefüge.

1.) Der Adel in seiner sozialen Umwelt

-  In welchem Netzwerk von sozialen Beziehungen bewegte sich der Adel und welche Kommunikationsstrukturen lassen sich in den unterschiedlichen Beziehungen, zum Beispiel zwischen Grundherrn und bäuerlichen Untertanen oder zwischen Adeligen und ihren Bediensteten, erkennen? Wo und in welchen Formen fand das Spannungsverhältnis von räumlicher Nähe und sozialer Distanz seinen Ausdruck?

-  Wie sah der Alltag im Adelshaus aus? Welche Normen und Verhaltensmuster prägten das Verhältnis zwischen Generationen und Geschlechtern? Wie zeigte sich das Adelshaus als gesellschaftlicher Treffpunkt und Schnittpunkt von Personen, Ideen und Informationen?

-  Mit welchem politischen Selbstverständnis agierte der Adel in seiner sozialen Umwelt? Welches kulturelle Kapital brachte er hier ein, um seinem politischen Selbstverständnis und den damit verbundenen Ansprüchen nachzukommen?

2.) Der Adel in seiner natürlichen Umwelt

-  Welches Herrschaftsverständnis des Adels kommt in seinem Umgang mit der Natur und den Ressourcen der Natur zum Tragen? Die Grundherrschaft bzw. der Landbesitz bildete die wesentliche Existenzgrundlage des landsässigen Adels. Was tat er, um diese Ressourcen zu erhalten, zu pflegen, auszubauen und auszuschöpfen?

-  Sind die adeligen Gartenanlagen, in denen die Natur gebändigt wird, das Spiegelbild seiner Auffassung von einer universalen höheren Ordnung? Zeigt sich hier ein „selbst gesponnenes Bedeutungsgewebe“ (C. Geertz), das von bestimmten Interessen geleitet wird?

-  Inwiefern steht die Ausübung der adeligen Privilegien wie beispielsweise Jagd und Fischfang im Zusammenhang mit dem adeligen Herrschaftsverständnis und seiner Haltung gegenüber der Natur?

Die Tagung soll als Arbeitstagung der Vorstellung und Diskussion von neuen Ansätzen zur Erforschung des adeligen Lebens und seiner Kultur dienen. Wichtig ist der interdisziplinäre Dialog: Es können sowohl Arbeitsvorhaben aus der Kulturgeschichte, der Sozialgeschichte, Politikgeschichte, Rechtsgeschichte (Eigentumsbegriff), der Volkskunde/Ethnologie und ausdrücklich auch aus der Historischen Geographie, der Umweltgeschichte, der Ökologischen Anthropologie und weiteren Fachdisziplinen vorgestellt werden, sofern sie den Adel als soziale Gruppe berücksichtigen.

*****

Call for Papers

Alexander the Great in Medieval and Early Modern Culture

Toronto, 8. bis 10. März 2007

 

Kontaktadressen:        Markus Stock

University of Toronto

50 St. Joseph St.

C-Toronto ON M5S 1J4

Tel. [C] 4 16 - 9 26 23 27 – Fax [C] 4 16 - 9 26 23 29

E-Mail: markus.stock@utoronto.ca

 


Stefanie Schmitt

Universität Frankfurt am Main

Grüneburgplatz 1

D-60629 Frankfurt

Tel. [D] 0 69 - 7 98 32-6 87 – Fax [D] 0 69 - 7 98 32-689

E-Mail: schmitt@lingua.uni- frankfurt.de

*****

12. Symposion des Mediävistenverbandes

Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft

Soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter

Trier, 19. bis 22. März 2007

 

Kontaktadresse:          Prof. Dr. Gerhard Krieger

Universität Trier

Lehrstuhl für Philosophie I

Theologische Fakultät Trier

D-54296 Trier

E-Mail: mvb-symp@uni-trier.de

 

Leitender Gesichtspunkt der Tagung ist die Frage nach der Dynamik und der Bedeutung sozialer Lebens- und Kommunikationsformen, für die beispielhaft Verwandtschaft, Freundschaft und Bruderschaft, aber auch Herrschaft stehen.

Zugleich sollen derartige soziale Beziehungsgeflechte, ihre Deutung und Kritik in ihrem wechselseitigen Verhältnis in den Blick genommen werden. Unter dem Aspekt der Kommunikation geht es nicht nur um Mitteilungen in mündlicher und schriftlicher Form, sondern darüber hinaus auch um körperliche, visuelle. affektive, symbolische u.ä. Artikulationen, Darstellungen und Erscheinungen.

Der Mediävistenverband wird sich beim 12. Symposion seinem Thema wiederum interdisziplinär widmen. Die Beiträge sollen zu einer fächerübergreifenden Diskussion motivieren und sich in die vier vorgeschlagenen Sektionen einfügen. Die folgenden Stichworte verstehen sich dazu als Denkanstöße und Anregungen. Dementsprechend können durchaus Themen behandelt werden, die über die angeführten Aspekte hinausgehen. Vorschläge insbesondere für die interdisziplinäre Panelbildungen sind willkommen.

1. Soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Zusammenhang mit

- persönlichen Beziehungen („Der fremde Freund“)

- ökonomischen Aspekten („Die Familie als Wirtschaftsfaktor“)

- naturalen Gesichtspunkten („Natur und Sexualität“)

- dem Verhältnis zur Transzendenz („Basiselemente sozialer Beziehung jenseits religiöser Differenzen“)

2. Praxis und soziale Lebens- und Kommunikationsformen

- Typen, Formen, Medien, Zeiten und Räume

- Ge- und Mißlingen, Erfolg und Mißerfolg, Scheitern und Tragik

- Kriterien und Normen

- Fehlen und Verweigerung („Schweigen“)

3. Deutung und Kritik sozialer Lebens- und Kommunikationsformen

- im Religiösen

- in Visualisierungen

- in Sprache, Literatur und Musik

- Wissenschaft und Philosophie

- in Politik, Recht und Wirtschaft

4. Herrschaft und soziale Lebens- und Kommunikationsformen

- Herrschaft und Dienst

- Herrschaft und Genossenschaft

- Veränderung von Herrschaft durch soziale Lebens- und Kommunikationsformen, vice versa

- „Herrschaftsfreie“ Lebens- und Kommunikationsformen

- Deutung und Kritik des Verhältnisses von Herrschaft und sozialen Lebens- und Kommunikations- formen

*****

Tagung

15. Jahrestagung der Wartburg-Gesellschaft

Coburg/Heldburg, 10. bis 13. Mai 2007

 

Kontaktadresse:          Prof. Dr. G. Ulrich Großmann

Germanisches Nationalmuseum

Kartäusergasse 1

D-90402 Nürnberg

E-Mail: info@gnm.de

Internet: www.gnm.de

 

Vom 10. bis 13. Mai 2007 findet in Coburg und auf der Heldburg die 15. Jahrestagung der Wartburg-Gesellschaft statt. Tagungsort ist das Rathaus in Coburg, ein Tag (Freitag, 11. Mai) ist der Heldburg gewidmet; die Vorträge werden auf der Heldburg gehalten und der Tag schließt eine ausführliche Besichtigung der Burg mit ein.

Themenbereiche

1. Raumnutzung in Burgen vor der Renaissance.

Ab dem 16. Jh. sind wir durch Inventare leidlich gut informiert, welche Räume es in Burgen bzw. Schlössern gegeben hat, wie sie grundsätzlich genutzt waren und mitunter sogar, welche Ausstattung sie enthalten haben. Je weiter wir vor diese Epoche zurückgehen, umso weniger klar sind Räume und Raumfunktionen. In dieser Tagungssektion sollen daher Vorträge zusammengefaßt werden, die über einzelne Raumtypen in mehreren Burgen oder über die gesicherte Raumaufteilung in einer einzelnen Burg berichten können. Vortragsangebote hierzu sollten bitte möglichst bald, spätestens bis zum 30. September 2006, mit einer Texterläuterung von einer halben bis maximal einer ganzen Seite an den Vorsitzenden der Wartburg-Gesellschaft gesandt werden.

2. Museen in Burgen – Burgenmuseen.

Die Sektion soll lediglich aus vier bis sechs Referaten bestehen, für die der Saal der Heldburg als Vortragsraum zur Verfügung steht (möglichst: Power-Point). Der Vorstand der Wartburg-Gesellschaft will diese Sektion allerdings nicht breit ausschreiben, da die Berücksichtigung kleiner musealer Präsentationen in Burgen nicht das Thema sein soll. Wir wollen vielmehr an einigen ausgewählten grundsätzlichen Beispielen Chancen und Probleme eines Museums in der Burg und speziell eines Burgenmuseums behandeln. Der Vorstand hat dazu mehrere Kollegen inzwischen angesprochen.

3. Burgenregionen – Grundlagen einer Übersicht zum Burgenbau?

Das Thema „Burgenregion“ wird im Zusammenhang mit dem regionalen Überblick zum Burgenbau immer wieder gerne verwendet. Doch was sind Burgenregionen? Landschaften wie das Mittelrheintal? Bundesländer wie Brandenburg? Wie kann man – z.B. im deutschen Burgenmuseum – den Burgenbau in den deutschsprachigen Regionen so erfassen, daß alle wichtigen Regionen und Burgen berücksichtigt sind? Wie grenzen wir die Regionen ab und welche Ansätze zu ihrer Erforschung gibt es ?

4. Neue Forschungen, insbesondere in Thüringen und Franken.

Wie bei allen Tagungen, ist auch eine regionale Sektion geplant, in der neue Forschungen unabhängig mit der thematischen Schwerpunktsetzung dargestellt werden können.

*****

Call for papers

Second international Jheronimus Bosch Conference

The sources of Bosch

's-Hertogenbosch, 23. bis 25. Mai 2007

 

Kontaktadresse:          Jheronimus Bosch Center

PB 1380

NL-5200 BK ‘s-Hertogenbosch

Tel. [NL] 0 73-6 12 68 90 – Fax [NL] 0 73-6 14 82 90

E-Mail: congress@Jheronimusbosch-artcenter.nl

Internet: www.Jheronimusbosch-artcenter.nl

*****

Konferenz

Gärten und Parks als Lebens- und Erlebnisraum

Sozialgeschichtliche Aspekte der Gartenkunst in Früher Neuzeit und Moderne

Düsseldorf, 25. bis 27. Februar 2007

 

Kontaktadresse:          Jun. Prof. Dr. Stefan Schweizer

Seminar für Kunstgeschichte

Heinrich-Heine-Universität

Universitätsstraße 1

D-40225 Düsseldorf

Tel. [D] 02 11 - 81 145 118 120 80 – Fax [D] 02 11 - 8 11 27-01

Internet: www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/kunst

 

Das Thema des Kolloquiums widmet sich einem wiederholt als Forschungsdesiderat anerkannten Aspekt der Gartenkunstgeschichte, einer fächerübergreifenden Verknüpfung von kunstgeschichtlichen und sozialgeschichtlichen Fragestellungen zur Gartenkunst in der Frühen Neuzeit und Moderne. Im Mittelpunkt steht die Diskussion um die sozialen Dimensionen gartenkünstlerischer Anlagen. Dies schließt den Blick auf den Garten als Lebens- und Erlebnisraum, als Ort von Geselligkeit und Alltagskultur ebenso ein, wie Fragen nach Gärten als Orten sozialer sowie politischer Kommunikation und Repräsentation.

Soziale Aneignungspraktiken für Gärten und später öffentliche Parks wurden beständig reflektiert: Seit Johann Peschel (1597) und Joseph Furttenbach d. Ä. (1628/1640) differenzieren Künstler ihre Gartenentwürfe nach der sozialen Stellung von Auftraggebern. König Ludwig XIV. verfaßte eine Beschreibung des Gartens in Versailles (1689), in der königliche Verhaltenskonventionen zur verbindlichen Handlungs- und Wahrnehmungspraxis erklärt wurden. Der Kieler Philosoph und Gartentheoretiker Christian Cay Laurenz Hirschfeld empfahl am Ende des 18. Jahrhunderts ein volkspädagogisches Programm für Landschaftsgärten. Diese ‘Volksgärten’, wie sie auch Friedrich Ludwig Sckell (1818) diskutierte, verdankten sich teilweise sozialdisziplinatorischen Motiven, ehe sie sich funktionsgeschichtlich zum Ursprung moderner Vergnügungsparks entwickelten. Frederick Law Olmstedt entwarf in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ‘Erholungs- und Geselligkeitstypen’ wie ‘exertive’, ‘gregarious’ und ‘neighborly recreation’, an denen er seine Gestaltungskonzepte ausrichtete.

Diese wenigen Beispiele sollen lediglich den Facettenreichtum der Themenstellung verdeutlichen, die man exemplarisch unter folgenden Fragestellungen analysieren könnte: Wie privat oder wie öffentlich waren Gärten? In welcher Weise bildeten sie soziale Hierarchien ab oder unterliefen diese? Wie steuerten ikonographische Programme, Skulpturen und Architektur das Erleben von Parks und Gärten? Welche normativen Ansprüche äußerten sich in den Schriften zur Gartenkunsttheorie? Wie spiegeln sich Verhaltenskonventionen in visuellen und literarischen Darstellungen von Gärten wider?

*****

Call for Papers

Spargentes semina verbi – Hochmittelalterliche Bischofssitze als geistige Zentren und Orte der Verkündigung des Evangeliums

Bamberg, 23. bis 27. Juli

 

Kontaktadresse:          Prof. Dr. Peter Bruns

PD Dr. Georg Gresser

Lehrstuhl für Kirchengeschichte

An der Universität 2

D-96045 Bamberg

E-Mail: georg.gresser@ktheo.uni-bamberg.de

Internet: uni-bamberg.de/ktheo/kg

 

Der halbe Hexameter stammt aus dem Widmungsgedicht Gerhards von Seeon anläßlich der Gründung des Bistums Bamberg im Jahre 1007. Dieses Jubiläum möchte der Lehrstuhl für Kirchengeschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät der Bamberger Universität zusammen mit der Internationalen Gesellschaft für Theologische Mediävistik zum Anlaß nehmen, einen internationalen Kongreß zu veranstalten, der in multidisziplinärem Ansatz die Ergebnisse aller mit dem Mittelalter beschäftigten Fach- und Forschungsrichtungen fruchtbar machen soll.

Die Internationale Gesellschaft für theologische Mediävistik pflegt den wissenschaftlichen Austausch zum Zweck der Förderung von Forschung und Lehre im Bereich der theologischen Mediävistik. Sie bemüht sich um die Förderung der Kooperation zwischen den Forschenden der Kirchen- und Theologiegeschichte und ihrer Teildisziplinen (insbesondere der Exegesegeschichte, der Spiritualitäts- und Frömmigkeitsgeschichte, der Liturgiegeschichte, der Historischen Kanonistik und der Sermonesforschung) und fördert den interdisziplinären Austausch mit den Forschenden der anderen mediävistischen Disziplinen, insbesondere der Geschichtswissenschaft, der Historischen Hilfswissenschaften, der Philosophiegeschichte, der Kunstgeschichte, der Musikgeschichte und der historischen Sprach- und Literaturwissenschaften. (Nähere Informationen finden Sie auf der Homepage der Gesellschaft: http://www.sankt-georgen.de/igtm/ )

Der Kongreß steht unter dem Thema „Hochmittelalterliche Bischofssitze als geistige Zentren und Orte der Verkündigung des Evangeliums“. Sein Ziel ist es, hochmittelalterliche Bistumsgründungen und Bischofssitze, vor allem die Ecclesia Bambergensis, aber auch andere zeitgenössische europäische sedes episcopales, zum einen in ihrem pastoralen und missionarischen Wirken zu erfassen und untereinander zu vergleichen, zum anderen die Institution Bischofssitz unter den Aspekten „Bildungsstätte“, „Herrschaftssitz“ und „Kulturträger“ zu bewerten.

Es bieten sich hierbei folgende Themenbereiche an (weitere Themenvorschäge sind willkommen):

- Bistumsgründungen als Strukturelemente von Kirchenpolitik

- Lernen und lehren: Bischofssitze als geistige Zentren

- Bischofssitze als Zentren von Philosophie und Theologie

- Die Ecclesia Bambergensis als geistig-kulturelles Zentrum: Kunst und Literatur

- Bischofssitze als Orte byzantinisch-, jüdisch-, muslimisch-lateinischen Kulturtransfers

- Der Bischof als Prediger

- Der Umgang mit den „Anderen“: Juden, Ketzer und Heiden als Objekte bischöflicher Politik und Pa-storal

- Liturgische Traditionen der ecclesia cathedralis

Die Abstracts zu den Vorträgen sollten 2000 Zeichen nicht überschreiten. Die Vortragsdauer beträgt 30 Minuten. Als Kongreßsprachen sind deutsch, englisch, französisch, italienisch und spanisch vorgesehen. Die Beiträge sollen bis spätestens 15. Februar 2007 eingesandt werden (schriftlich oder via e-mail) an: PD Dr. Georg Gresser, An der Universität 2, 96045 Bamberg, oder: georg.gresser@ktheo.uni-bamberg.de. Neben dem Titel werden Angaben wie Name, Anschrift und Institution erbeten.

 

*****

Internationaler Kongress der Universitäten Genf und Lausanne

Mythen am Hof, Mythen für den Hof

Lausanne, Genf, 29.Juli bis 4. August 2007

 

Kontaktadresse:          Barbara Wahlen

Faculté des Lettres

Section de Francais

Bureau 3021.1

CH-1015 Lausanne-Dorigny

Tel. [CH] +41 21 69 22 95 8

E-Mail: icls2007@unil.ch

Internet: www.unil.ch/icls2007

*****

Tagung

De amicitia
Social Networks and Relationship
Passages from Antiquity to the Middle Ages III

Tampere, 17. bis 19. August 2007

 

Kontaktadresse:          Katariina Mustakallio

Department of History

FIN-33014 Tampere

E-Mail: passages@uta.fi

Internet: www.uta.fi/laitokset/historia/cedam/f_activities.htm

*****

Interdisziplinäres Symposion der Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft in Verbindung mit dem Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters an der Universität Augsburg

Kaiser Maximilian I. (1459-1519) und die Hofkultur seiner Zeit

Brixen, Südtirol, 26. bis 30. September 2007

 

Kontaktadresse:          Prof. Dr. Sieglinde Hartmann

Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft e.V.

Myliusstraße 25

D-60323 Frankfurt

Tel. [D] 0 69 - 72 66 61 – Fax [D] 0 69 - 17 44 16

E-Mail: Wolkenstein.Gesellschaft@t-online.de

*****

Colloque CEHVI

Le beau dans la ville, approche diachronique

Paris, 23. bis 24. November 2007

 

Kontaktadresse:          Camille Prieux

CEHVI

Université de Tours

Dept. d’histoire

3, rue des Tanneurs

F-37000 Tours

E-Mail: cehvi@hinv-tours.fr

 

Le CEHVI se propose d’organiser un colloque consacré à la place du „Beau“ dans la ville, dans les villes, sur une longue période chronologique qui pourrait s’étendre du Moyen Âge à la période contemporaine et dans un espace géographique qui n’est, a priori, pas délimité de façon contraignante. Il va de soi que la priorité sera donnée, lors de la sélection des contributions, à celles qui permettent de constituer des ateliers, ou parties d’ateliers, cohérentes. De même ne sera-t-on pas non plus trop directif en ce qui concerne la définition du „Beau“: le recours à la substantivation permettra d’aborder les questions de définition du „Beau urbain“, du rapport métaphysique entre Beauté et Urbanité (au sens de: „ce qui fonde la ville“). Qu’est-ce qu’une „belle“ ville? Vaste question, à laquelle les réponses des philosophes, plasticiens, architectes, urbanistes …, apportées au cours des périodes successives, peuvent être analysées aussi bien de façon individuelle, en soulignant l’originalité de tel ou tel auteur aujourd’hui méconnu, ou, peut-être, de façon collective, en recherchant variants et invariants socio-culturels …

On peut évoquer quelques grandes directions de réflexion, bien évidemment non limitatives:

les variations du rapport au Beau en fonction des époques; également en fonction des échelles d’application („beau monument“, „beau quartier“, „belle ville“ …);

à quel moment, dans la genèse de l’urbain, se situe la réflexion esthétique? Se fait-elle a priori, ou a posteriori? Quid de la pertinence réelle des modèles souvent évoqués, telles les villes du Nouveau Monde, ou outre-mer, pré-pensées, où le Beau est directement intégré au projet urbain (et participe d’une intention sociale, ou ethnique), par opposition des villes „anciennes“ où le Beau se rajoute au projet urbain, pour le modifier, en rectifier les erreurs?

la conservation et la patrimonialisation du beau, du réemploi de l’architecture antique au Moyen Âge aux colonnes de Buren dans le Palais Royal dans les années 1980;

les modalités de la „mise en esthétique“, la place des différents acteurs (pouvoirs, institutions, individus ; marché[s], État[s]; rapports entre esthétique et fonctionnalisme;

les usages du Beau dans la ville: usages privés, voire cachés, et publics ; usages sociaux;

l’esthétique du projet d’urbanisme, en tant qu’instrument de conviction des habitants;

la place des producteurs de Beau dans la ville; les „consommateurs“ du Beau;

les rapports entre le Beau et l’identité urbaine …

 


Buchvorstellungen

 

 

Der Innsbrucker Hof. Residenz und höfische Gesellschaft in Tirol vom 15. bis 19. Jahrhundert, hg. von Heinz Noflatscher und Jan Paul Niederkorn, Wien 2005 (Archiv für Österreichische Geschichte, 138) [Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 441 S. brosch., Ill., Notenbeisp., 39 Euro].

 

Der von Heinz Noflatscher und Jan Paul Niederkorn herausgegebene Band ist aus einem im Juni 2002 vom Arbeitskreis „Höfe des Hauses Habsburg“ und anderen Institutionen veranstalteten Workshop hervorgegangen. Er versammelt neben einem Vorwort von Grete Klingenstein und der Einleitung von Heinz Noflatscher zwölf Beiträge, die sich überwiegend der Geschichte sowie der Musik- und Kunstgeschichte der frühen Neuzeit widmen. Das Interesse an Innsbruck rührt aus dem Umstand, daß die Stadt den Habsburgern vieles war: seit 1420 Residenz, seit 1514 Ort der Landtage, bevorzugte Residenz Kaiser Maximilians I., und mit Ausnahme weniger Jahre (1595-1602) etwa 100 Jahre lang Residenz der Tiroler Nebenlinie des Hauses Habsburg (1564-1665). Später war Innsbruck Sitz verschiedener Gubernatoren (1678-1690/97 und 1705/7-1717), danach „eine virtuelle Residenzstadt“ (S. 17), Hauptort Tirols, Verwaltungssitz, Versammlungsort der Stände und bis ins 19. Jahrhundert hinein ein nicht selten von den Habsburgern zum Aufenthalt genutzter Ort; besonders hervorzuheben ist, daß 1765 Kaiser Franz Stefan I. in dieser Stadt kurz nach der dort gefeierten Hochzeit seines Sohnes und späteren Kaisers Leopold II. verstarb, was zu zwei bis heute prägenden städtebaulichen Akzenten führte, nämlich dem Umbau der Hofburg und der Errichtung der Triumphpforte am Ende der Maria-Theresien-Straße.

In seinem einleitenden Beitrag weist Noflatscher darauf hin, daß der Forschungsstand hinsichtlich des Innsbrucker Hofes in beträchtlichem Maße defizitär ist. So soll in dem Band „ein erster Überblick versucht und ein Anstoß für weitere Forschungen gegeben werden“ (S. 9f.). Es ist Noflatscher zu danken, daß er zahlreiche Desiderate der Forschung eigens heraushebt: die Rolle des Innsbrucker Hofes in der Habsburgermonarchie, die Formen dynastischer Repräsentation, das Verhältnis von Stadt und Hof auch in wirtschaftlicher Hinsicht, den „Konnex zur Umwelt, der Gebirgslandschaft“ (S. 25) und die Frage nach der politischen Aktivität des Hofes, nach seiner Funktion im transalpinen Kulturtransfer. Die dort ohne bibliographische Angaben erwähnten ungedruckten Dissertationen (S. 10, Anm. 6) sind: Albert Erlacher: Beamtenschematismus der drei Oberösterreichischen Wesen in den Jahren 1632-1646, Innsbruck 1973; Raimund Tasser: Beamtenschematismus der drei oberösterreichischen Wesen in den Jahren 1619-1632, Innsbruck 1973; Siegfried Seeber: Beamtenschematismus der drei oberösterreichischen Wesen in den Jahren 1646-1665, Innsbruck 1977.

Noflatscher gibt in seiner Zusammenfassung zu bedenken, daß „mehr Fragen nur angerissen als beantwortet werden“ konnten (S. 25), und daß die Beiträge „den alten Topos der Stadt als Vermittler von Kulturen […] gerade durch den Hof bestätigen und präzisieren [konnten], wenn auch diesbezügliche Entwicklungsphasen derzeit als eher vage erscheinen“ (S. 29) Dies könnte auch daran liegen, daß im Sammelband konzeptionelle Positionen zu Hof und Stadt nicht stets in einer Weise augenscheinlich gemacht werden, die zu einer klaren Perspektive auf den „Hof“ (Titel) oder die „höfische Gesellschaft“ (Untertitel) führten. Noflatscher bezieht sich zwar auf Reinhards Begriff der „Mehrzweck-Quasi-Institution“ (S. 10), doch wird dieser Gedanke in den Beiträgen nicht weiter verfolgt. Einige Beiträge sind eher von den Herrschern und Herrscherinnen her konzipiert, von wo aus dann Aspekte des Hofes beschrieben werden. Der Band ist in vier Abschnitte unterteilt: „Normen und Repräsentation“, „Höfische Feste“, „Die Frau am Hof“, und „Adel, Region und Politik“.

Der postum veröffentlichte Beitrag „Der (deutsche) Fürstenhof als Thema der Fürstenspiegelliteratur der Renaissance (1450-1570)“ von Rainer A. Müller (nach dem Tode von dritter Hand zum Manuskript überarbeitet[13]) skizziert die Entwicklungs- und Traditionslinien von Werken, die für die zeitgenössische Theorie des Hofes von besonderer Bedeutung waren. Er hebt an bei dem Thomasschüler Aegidius Romanus († 1316) und Konrad von Megenberg († 1374), die für die Charakterisierung des Hofes als Personenverband bedeutsam waren, und wendet sich dann den etwa 50 im Deutschen Reich entstandenen bzw. publizierten humanistischen Fürstenspiegeln zu, die zwar zeitgenössische Debatten reflektierten, aber „nur bedingt einer direkten Verwertungslogik“ (S. 35) unterlagen. Sie boten keine Alternativen zum Fürstenstaat, sondern in (auch formal) überaus vielfältiger Weise Handlungsmodelle im christlich-humanistischen Sinne und wendeten sich v.a. gegen „Mißstände und Mißwirtschaften“ (S. 35). Müller greift knapp einzelne Beispiele heraus und analysiert vornehmlich Zitierwelten und Ziele. Etwas ausführlicher geht er auf den Fürstenspiegel von Erasmus ein, den er als „Zenit“ der Gattung bezeichnet (S. 41). In der Gesamtheit stehen pragmatische, panegyrische und Fürstenspiegel mit harscher Fürstenkritik nebeneinander. Dennoch zeugen alle Aussagen zum Hof, zum Personal und zum Fürsten, der noch als Hausvater verstanden wird, von strengen moralischen Anforderungen (S. 47). Die geforderten Tugenden sind nicht hofspezifisch, sondern allgemein. Hofspezifisch sind vor allem die Sätze zum Hofpersonal. Hinsichtlich der Typisierung und Idealisierung der Höflinge betont Müller die epochale Bedeutung des Werks von Castiglione.

Der Beitrag „Nur ein Blick ‚durch ein verborgenes fenster?’ Repräsentation und Wandel am Innsbrucker Hof (1648-1800)“ von Astrid von Schlachta will mit einem „Überblick über die höfischen Ereignisse die Entwicklung am Innsbrucker Hof […] verdeutlichen“ (S. 54). Dazu formuliert sie eine Epocheneinteilung: bis 1665 die Zeit des prachtvollen, an Italien orientierten Hofes eigenständiger Landesherren, ab 1665 mit dem Aussterben der Tiroler Linie eine hoflose Zeit, 1678-1717: die Zeit der Gubernatoren, die eigene Höfe hatten („Die Hofhaltung ging vom Landesfürsten auf die Gubernatoren über“, S. 55), 1717-1765: sporadische Herberge der Landesfürsten bei größeren Festen, nach 1765: höfisch-gesellschaftliches Leben am Adeligen Theresianischen Damenstift. Diese Epocheneinteilung macht deutlich, warum die Formulierung „die Entwicklung am Innsbrucker Hof“ keine Spezifizierung hat: Es gab – außer der Einheit des Ortes – keine Kontinuität des Hofes. Als Höhe- und Schlußpunkt der prunkvollen Hofhaltung bis 1665 wird das öffentliche Bekenntnis der Konversion zum Katholizismus durch die schwedische Königin Christine in Innsbruck vorgestellt. Es folgt eine Schilderung der Umstände der Erbhuldigung der Tiroler Stände für Leopold I. (1665) und eine Skizzierung des neuen, von Wien aus gesteuerten Behördenapparats. Ausführlich wird die Zeit der Gubernatoren dargestellt; der Hofstaat Karls V. von Lothringen hatte über 130 Personen und damit etwa die Größe eines Reichsgrafenhofes. Der zum Vergleich herangezogene Kurfürst Friedrich III. wurde allerdings nicht zum „König von Preußen“, sondern zum König in Preußen gekrönt (S. 66, Anm. 53). Das Zusammenleben der Bürger und Höflinge war unter Karl von Lothringen nicht konfliktfrei, das Theater hingegen nahm einen erheblichen Aufschwung, ein Höfling stiftete das Ursulinenkloster und leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Mädchenbildung in der Stadt. Die Witwe Karls von Lothringen führte eine Hofhaltung bis zu ihrem Tod 1697 weiter. 1705 bis 1717 (seit 1707 in Innsbruck) war Karl Philipp von Pfalz-Neuburg Gubernator, was mit Grenzsicherungsabsichten des Kaisers erklärt wird. Es folgten Instandsetzungsarbeiten an repräsentativen Gebäuden, wiederum wurden Theater und Musik gepflegt, Besuche auswärtiger Dynasten und dynastische Eheschließungen wurden repräsentativ und auch mit neuen Opern gefeiert. Über die Frage, was für eine Art von „Gesellschaft“ Karl Philipp von Pfalz-Neuburg einführte (S. 72), hätte der Leser gern mehr erfahren. Der Plan, nach 1717 Erzherzogin Maria Elisabeth als Nachfolgerin einzusetzen, zerschlug sich trotz weit gediehener Vorbereitungen aus finanziellen Gründen. Aus der Zeit Karl Philipps wird als Fest die Erbhuldigung für Karl VI. (1711) herausgegriffen und auch anhand von Tabellen und Listen überwiegend positivistisch referiert. Aus der hoflosen Zeit wird die Präsenz des Wiener Hofes anläßlich der Hochzeit Erzherzog Leopolds mit Maria Ludovica in Innsbruck 1765 gewählt und in vielen Details dargestellt. Nach dem Tod des Kaisers in Innsbruck gedachte Maria Theresia in der Hofburg Wohnungen bauen zu lassen, da sie sich allenfalls noch eine Nutzung als Niederlassung einer „alten frau oder princesse vom haus“ (S. 85) vorstellte. Mit dem Adeligen Damenstift mit Erzherzogin Maria Elisabeth als Äbtissin zog nochmals ein (kleiner) Hofstaat ein.

Vladan Antonovic stellt „Die graphische Sammlung von Anton Roschmann (1694-1760)“ vor. Roschmann war erster Innsbrucker Universitätsbibliothekar und sehr aktiver Publizist, Mitbegründer und wichtiger Vortragender der gelehrten Gesellschaft „Societas academica literaria“. Seine in Innsbruck erhaltene Sammlung – eine der „wichtigsten graphischen Kollektionen in Österreich“ (S. 106) – umfaßt 6400 Graphiken; ihm selbst war sie eine „Geschichte der Graphik von den Anfängen bis zu seiner Zeit“ mit Stücken aus den meisten europäischen Kunstregionen (S. 89). Antonovic skizziert knapp Roschmanns Biographie und verweist auf seine Rolle bei der Gründung der Universitätsbibliothek, welche Bestände der Bibliothek von Schloß Ambras übernahm. Im folgenden rekonstruiert der Autor die Geschichte der Sammlung (einschließlich der Erhaltung und Überlieferungssituation), die ebenfalls Bestände aus Ambras birgt, welche dort übel untergebracht gewesen zu sein scheinen. Die Sammlung war systematisch gegliedert, die der Autor ihrer Ordnung nach und ergänzt um Diskussionen einzelner Werke oder Werkgruppen vorstellt. Sie umfaßt Werke von Schongauer, Cranach d.Ä., Altdorfer, Huber, Hirschvogel, Dürer, Burgkmair („Genealogia“) u.v.a.m. Der siebte Band enthält eine „umfassendere Kollektion“ des Werks von Wenzel Hollar. Einige Bände enthalten auch Thesenblätter und politische Satiren. Die Sammlung enthält zudem italienische Werke, auch annähernd 100 Blätter von Callot sowie Graphiken aus dem Umkreis des Hofes Ludwigs XIV. Eine Tabelle (S. 102f.) gibt die Gliederung und Systematik der Sammlung wieder. Danach erläutert Antonovic die Symstematik der einzelnen Bände sowie des Registerbandes: Seine Systematik stellt in der Entwicklung der Gliederungssystematik „einen wichtigen Meilenstein“ dar.

Lieselotte Hanzl-Wachter geht der „Ausstattung und Einrichtung der Hofburg zu Wien zu Innsbruck im späten 18. und 19. Jahrhundert“ nach. In dieser Phase wurden für die Aufenthalte von Mitgliedern der Dynastie, deren Geschmack und den Erfordernissen der Repräsention Rechnung tragend, immer wieder neue Interieurs geschaffen. Die Autorin rekonstruiert zunächst die Geschichte des Kaiserappartements, das Maria Theresia ab 1766 durch ihren Wiener Hofbaudirektor gestalten ließ; die Möbel wurden teils in Wien, teils in Innsbruck gefertigt. Dort wohnte die Äbtissin des Adeligen Damenstifts, Erzherzogin Maria Elisabeth († 1808), ließ aber nur geringfügige Änderungen vornehmen. Später diente Innsbruck als bayerische Nebenresidenz, einige Zeit wohnte dort der bayerische Kronprinz; umsichtig rekonstruiert Hanzl-Wachter den späteren Verbleib von Teilen des Interieurs in Bayern. Für die Erbhuldigung Kaiser Franz’ I. wurde das Appartement neu möbliert, ein weiteres wurde für den neuen Landesgouverneur eingerichtet. Dabei angeschaffte (wohl Wiener) Möbel haben sich teils bis heute erhalten. 1838 hingegen wurden bei der Neuausstattung anläßlich der Erbhuldigung für Kaiser Ferdinand, der sich später öfter und gern in Innsbruck aufhielt, die Möbel in Innsbruck von Johann Geyr gefertigt, zu dessen großem Erfolg auch für Furniere wichtige sägetechnische Innovationen beitrugen. Die Beschaffung zahlreicher Ausstattungselemente auf dem lokalen Markt führte zu erheblichen Abweichungen von den sonst bei Hof üblichen Gepflogenheiten (S. 117). Erst 1855 (Franz I. bedeutete keine Zäsur) mit der Statthalterschaft von Erzherzog Karl Ludwig wurde das Kaiserappartement unter Leitung des Wiener Hofbildhauers August La Vigne umgestaltet. Die Qualität der Ausstattung in Innsbruck entsprach in der ganzen Phase derjenigen in Wien, wohingegen Parallelen zwischen dem Wiener und dem Münchener Hof differenzierter zu betrachten seien.

Inge Wiesflecker-Friedhuber bezieht sich in ihrem klar strukturierten Beitrag „Kaiser Maximilian I. und die Stadt Innsbruck“ auf ein sehr gut erforschtes Thema und konzentriert sich daher explizit darauf, „aus der Arbeit an den Regesten Maximilians I. das eine oder andere neue Detail beizubringen.“ (S. 125, Anm. 1) Maximilan I. hielt sich viel und – auch wegen der sehr guten Jagdmöglichkeiten – gern in der für ihn wichtigen Stadt auf, die durch ihn, seinen Hof und seine Verwaltung eine entscheidende Prägung erfuhr. 1489 war er erstmals dort und konnte dort 1490 Erzherzog Sigmund zur Abtretung seiner Länder bewegen. In der Folge wählte Maximilian Innsbruck zu seiner ersten Residenzstadt in den österreichischen Erblanden und zum „zentralen Ort seiner Erbländer und auch des Reiches“ (S. 126). Seine Hochzeit mit Bianca Sforza wurde 1494 hier gefeiert. Die Autorin hebt sodann Aspekte der Baugeschichte von Residenz und Stadt heraus, die das persönliche Engagement des Kaisers dokumentieren, den Wappenturm, den Kapellenneubau, das „Goldene Dacherl“; auch durch seine Bauvorschriften erhielten um 1500 wichtige Teile der Innenstadt das typische Bild mit von Laubengängen, Erkern und Fassaden geprägten Häusern; den Friedhof ließ er in die Neustadt verlegen. Auch die Sauberkeit der Straßen war ihm ein Anliegen. Die Stadt begabte er mit wichtigen Privilegien. Zudem gründete er das Hofspital. Die Verwaltung hatte soziale Implikationen: Innsbruck war gewissermaßen eine Beamtenstadt, eine Archivstadt, eine Musikstadt, die durch die Stellen und Stäbe des Hofstaates – auch die der Kaiserin und anderen Dynastinnen – charaktierisiert war; dazu gehörte auch die Anwesenheit von besonderen Gruppen wie Gesandten oder den Mailänder Exulanten. Die Autorin verweist unter Bezug auf die Festkultur auf die von Maximilian I. so geschätzten Turniere, die vor dem Goldenen Dachl ausgerichtet wurden, und die mit Tanz- und Masken- sowie Jagdveranstaltungen abgerundet wurden. Maximilan förderte in Innsbruck die Plattnerei und die Artillerieherstellung, darüber hinaus – auch im Kontext seines Grabmalprojektes – die Metallgießerei.

Veronika Sandbichler widmet sich in ihrem beziehungsreichen Beitrag der „Festkultur am Hof Erzherzog Ferdinands II.“ Der Sohn Ferdinands I. war von 1547 bis 1564/67 Statthalter in Prag und residierte nach einer hoflosen Zeit von 1567 bis 1595 in Innsbruck. Die Autorin stellt die Ferdinandeische Festkultur in diesen beiden Städten in einen Zusammenhang und vertritt die These, daß eine Weiterentwicklung der Repräsentationsstrategien stattfand hin zu einem Bild, das „Ferdinand als Initiator und Protagonist von höfischen Festen“ zeigt (S. 159). Die Autorin diskutiert zunächst den sozialen Sinn des höfischen Fests im Kontext von Propaganda, Memoria und Verstehensmöglichkeiten der Teilnehmer. Erzherzog Ferdinand machte Prag zu einer kulturellen Metropole und bewies sein künstlerisches Engagement mit dem sechsstrahligen Schloß Stern bei Prag. Wert legte er auf die Eigenständigkeit des künstlerischen Gedankens, was auch bei der Konzeption des höfischen Festes von Bedeutung war. Das Turnier erfuhr von daher eine Theatralisierung, welche die politisch-militärische Lage (Türkenkriege) reflektierte – belegt wird dies mit einer Skizze von Festen in Prag (1558) und Wien (1560, veranstaltet von Maximilian II.). Erzherzog Ferdinand – er kannte große Feste auch aus München, Ferrara und Florenz – arrangierte in Prag auch später (1570 und 1585) Feste zu Ehren seiner engen Verwandten. In seiner Statthalterschaft baute er Ambras als Wohnschloß für seine nicht standesgemäße Gattin Philippine Welser aus, aber auch als „Gesamtkunstwerk fürstlicher Repräsentation“ (S. 168); es enthielt die Kunst- und Wunderkammer sowie seine bedeutende Sammlung von Turnierrüstungen. Auch geringere Anlässe (Höflingshochzeiten) nutzte er zur Ausrichtung großer Feste mit mythologisch-antikisierenden Triumphzügen, die ihn als Jupiter inszenierten. Festgehalten wurden solche Feste in Bildcodices, die auch den nicht voll erbberechtigten Söhnen (Karl als Herkules) einen Platz gaben. Die zweite (standesgemäße) Eheschließung Ferdinands II. mit Anna Caterina Gonzaga wurde 1582 in ähnlicher Weise gefeiert und dokumentiert. Ein Vergleich zwischen den Prager und Innsbrucker Festen schließt den Beitrag ab.

Theopil Antonicek geht in seinem Beitrag „Spiel und Fest. Opern am Hof Erzherzog Ferdinand Karls“ wiederum „Aspekten“ der gut erforschten Opernpflege in ihrer Blütezeit am Innsbrucker Hof nach. Prägend war der vom Erzherzog geschätzte und geförderte Komponist Antonio Cesti, der als Kammerkapellmeister für das Musiktheater zuständig war, welches ab 1652/53 über einen venezianischen Theaterneubau verfügte. Der Autor stellt zur Veranschaulichung der Musikpflege die Faschingsoper von 1656 („Orontea“), und die Huldigungsopern für Christine von Schweden, „L’Argia“ (1655) und „La Magnanimità d’Alessandro“ (1662) mit ausführlichen Angaben zum komplizierten Inhalt sowie einigen Notenbeispielen vor und betont die Ausgelassenheit der Opern, in denen besonders Höflingsfiguren gern persifliert wurden.

Im Abschnitt zur „Frau am Hof“ skizziert Michail A. Bojcov in seinem Aufsatz „Zum Frauenzimmer am Innsbrucker Hof Erzherzogs Sigmunds“ die personelle Entwicklung des Frauenzimmers von dessen Gattin Katharina und diskutiert danach eine Instruktion für das weibliche Personal von 1483 (HHStA, Handschriften, B 390, fol. 85-93). Die Gehorsamspflicht in den Grenzen der Ziemlich- und Ehrbarkeit stellt Bojcov in den Zusammenhang der zahlreichen außerehelichen Sexualbeziehungen des Erzherzogs. Die Situation der durch Nachstellung betroffenen Frauen wird indes verharmlost: auch andere Fürsten „pflegten die Hofdamen gern mit ihrer Aufmerksamkeit zu beschenken“ (S. 205). Bojcov diskutiert die Vorschriften zu Kirchgang, Präsenz bei den Fürsten, Verhalten bei Tisch, Arbeit, Kurzweil, zum Schlafengehen, zur Isolierung der Kammerjungfrauen von der Außenwelt auch hinsichtlich des Schriftverkehrs, zur Mitsprache des Hofmeisters bei Ausnahmegenehmigungen durch die Fürstin, zum Verhalten der Damen untereinander, zu Sanktionen, zur regelmäßigen Verlesung der Instruktion. Nicht alle Interpretationen wirken überzeugend; die in einem Satz mit dem Gebot des Tischgebets stehende Aufforderung, dem Fürsten ehrerbietig Dank zu erweisen, bewegt den Autor zu der Formulierung: „Ob unser Verfasser wirklich glaubte, daß der Fürst der zweite nach dem lieben Gott sei, ist natürlich schwer zu überprüfen, er suggerierte aber diese Vorstellung dem Leser (oder Zuhörer) des Dokuments, und zwar nicht geradlinig, sondern eher auf dem Niveau der Assoziationen. Gerade das spricht eher dafür, daß die Gegenüberstellung von Gott und Fürst auch in seinem Bewußtsein tief verwurzelt war.“ Für die Behauptung, „natürlich nichts anderes als das Nonnenkloster“ sei die soziale Einrichtung, welche als Muster für die Frauenzimmerordnung „gegolten haben muß“, hätte man sich einen Beleg gewünscht, auch ein Eingehen auf Fragestellungen der gender-Forschung.

Elena Taddei thematisiert in ihrem Beitrag „Anna Caterina Gonzaga und ihre Zeit: der italienische Einfluß am Innsbrucker Hof“ Aspekte der Biographie der zweiten Ehefrau (1566-1621) Erzherzog Ferdinands II. († 1606). Auch weil dessen Kinder mit Philippine Welser nicht erbberechtigt waren, wurde nun eine standesgemäße Ehe, der drei Töchter entsprossen, geschlossen und die bereits bestehende dynastische Beziehung zu den Gonzaga verstärkt: die Eheleute waren Onkel und Nichte. 1582 kam Anna Caterina Gonzaga nach Innsbruck und wohnte mit Ferdinand II. im Schloß Ruhelust. Während der Erzherzog italienische Hofdamen nicht akzeptierte, waren ihm andere Aspekte der Italienorientierung seiner Frau sehr willkommen, so in den Bereichen Dekor und Architektur, Gartenanlage, Lebensmittel und Kostbarkeiten. Dies galt auch für die Bühnenstücke. Italienische Komödianten und Sänger wurden häufig engagiert. Anna Caterina Gonzaga förderte die Musik bei Hof und behielt auch als Witwe eine sehr große Kapelle. Reisen führten sie zurück nach Italien, in Kurbäder (sie litt unter Adipositas), zu Wallfahrtsorten und auch zum Wallfahrtsort Loreto. Die Fürstin war von großer Frömmigkeit, stiftete zahlreiche Kirchen und führte neue Orden in Tirol ein. Insbesondere gründete sie das Servitinnenkloster, in dessen Regelhaus sie im letzten Jahrzehnt ihres Lebens lebte. 1612 trat sie in den Orden ein und fand dort ihre erste Grablege.

Der Beitrag von Sabine Weiss – „Der Innsbrucker Hof unter Leopld V. und Claudia de’ Medici (1619-1632). Glanzvolles Leben nach Florentiner Art“ – umfaßt 118 Seiten mit 556 Fußnoten und ist damit gleichsam ein Buch im Buche. Die Autorin hebt mit der Darlegung der Vorbildhaftigkeit des florentinischen Hofes der Medici an, dem die Fürstin (1604-1648) entstammte. In erster Ehe war sie bis 1621 mit einem Fürsten von Urbino verheiratet und hatte aus dieser Ehe eine Tochter. Auch ihr zweiter Eheman, Erzherzog Leopold, war zuvor Bischof. Er erreichte von seinem Bruder, Kaiser Ferdinand II., eine Landesteilung und konnte nach der Niederlegung der Kirchenämter als Tiroler Landesfürst 1626 heiraten. Das Paar orientierte sich in seiner Festkultur, im Theater- und Musikgeschmack am florentinischen Modell. Weiß schildert den Innsbrucker Hof sowie sehr detailliert große Festivitäten: den Besuch des Großherzogs von Toskana, die Taufe des Erbprinzen und die Aufnahme Leopolds V. in den Orden vom Goldenen Vlies, die in enger Abstimmung mit dem Kaiser getroffenen Vorbereitungen für den (dann aber nicht stattfindenden) Empfang der spanischen Braut (Maria Anna) König Ferdinands III. (die Erwartung dieses Ereignisses sorgte 1629 für die Erstellung einer Hofordnung) und die zahlreichen Darbietungen, die sie in Wien anläßlich deren Hochzeit gaben und kommt zum Ergebnis: „Innsbruck hatte sich als Drehscheibe zur Vermittlung von Kulturgut aus Florenz nach Österreich profiliert“ (S. 337). Nach dem Tod des Erzherzogs 1632 endete einstweilen die florentinische Festkultur des Hofes. Der Beitrag ist eine großartige Fundgrube für Details und Einzelheiten (drei Anhänge mit einer Edition des Fragenkatalogs zur Vorbereitung des Empfangs der Infantin ergänzen den Text), die sonst in Darstellungen zumeist wegfallen, und sind ein wichtiger und vielschichtiger dokumentarischer Beitrag zur Kulturgeschichte. Die Argumentation ist indes mitunter etwas affirmativ. Manches wird als „selbstverständlich“ (S. 284) oder als „natürlich“ (S. 245, 269) bezeichnet, was sehr spezielle Voraussetzungen hat, häufig wird bei (meist durchaus plausiblen) Vermutungen die Affirmation „sicher“ verwendet (u.a. S. 249, 273, 278, 289, 302, 321; diese findet sich häufiger auch im Beitrag über Anna Caterina Gonzaga (u.a. S. 233, 234, 238). Dazu fügen sich einige verkürzt erscheinende Begründungen: Das Ende der aufwendigen Festkultur nach dem Tod des Erzherzogs wird mit Geldmangel (S. 339) begründet; der Witwenstatus bleibt außer Betracht (vgl. aber S. 244). Ein Prinz habe bei seiner Taufe „wegen des eiskalten Wassers“ geschrien (am 18. Juni, nicht in der eiskalten Jahreszeit), und sei deshalb von der Amme in der Sakristei gestillt worden. Hunger bzw. Durst oder Aufregung werden nicht als Grund in Betracht gezogen (S. 289) – Quisquilien, die man überlesen würde, würde ein anderer Autor nicht so harsch („ohne Kenntnis der Zusammenhänge“, S. 313, Anm. 394) kritisiert. Über die Fürstin und ihre genuine Stellung als Frau erfährt man recht wenig. Vielleicht aufgrund der Detailfülle wird im Text gegen Ende zwecks Heraushebung wichtiger Punkte zum Fettdruck gegriffen (S. 339, 341).

M.A. Chisholm (der Vorname wird nicht mitgeteilt) schlägt in seinem/ihrem Beitrag „A Question of Power: Count, Aristocracy and Bishop of Trent. The Progress of Archduke Ferdinand II into the Tyrol in 1567“ eine solide Brücke von der Analyse symbolischer Kommunikation zur Analyse der Machtverhältnisse in Tirol. Ausgangspunkt der Argumentation sind die ersten Schritte des neuen Landesfürsten Ferdinand II. (1567) in seinem Fürstentum, v.a. der Einzug und der erste Landtag. Chisholm zeigt, daß es sich bei diesen Ereignissen nicht um eine „joyfull celebration“ (S. 419) handelte, sondern schwerwiegende konstitutionelle und politische Fragen bzw. Verwerfungen sichtbar wurden. Das erste Problemfeld war der Status des Fürstbischofs von Trient, dessen Reichsunmittelbarkeit vom Landesfürsten bestritten wurde (Temporalienstreit). Ferdinand II. wollte die Anerkennung seiner Landesherrschaft durch den Fürstbischof, die dieser verweigerte. Er kam daher nicht zur Eidesleistung auf dem Landtag (S. 397). Auch beim Einzug vermied er eine Anerkennung: Während Ferdinand II. das Absteigen des Vertreters des Kardinals Madruzzo vom Pferd als Anerkennung deutete, erkannte Kaiser Maximilian II. den Irrtum: Der Jüngere hatte dem Älteren lediglich die Ehre gegeben (S. 399, Anm. 150). Das zweite Problem war der Status des Adels in den Ständen. Ferdinand II. lud zum Empfang nicht alle Stände und operierte überdies mit Kommissionen. Der Adel sah hierin eine Gefährdung der alten Rechte des Landes und seiner selbst. Die Ehren, die Ferdinand II. für sich beanspruchte (Baldachin) machten ihn suspekt, zumal er den darin liegenden Anspruch machtpolitisch nicht durchsetzen konnte. Ein Gegensatz zwischen Ständen und Fürsten lag vor dem Hintergrund des problematischen Libells von 1511 auch in der Besteuerung, die in Tirol traditionell weit geringer war als etwa in Niederösterreich. Der steuerpflichtige Adel hatte sich zudem die Möglichkeit geschaffen, nominelle Steuerzusagen, welche für die Zahlungen der anderen Stände maßgeblich waren, tatsächlich nur unvollkommen zu erfüllen[14]. Ein weiterer Angriff des Erzherzogs auf den Status des Erzbischofs verstimmte den größten Teil des Adels. Innsbruck war in der Mitte des 16. Jahrhunderts nicht das Zentrum des Adels, sondern Trient mit seinem bischöflichen Hof und dem Domkapitel. Das Kapitel war vom – von Chisholm differenziert analysierten – Tiroler Adel dominiert, der in den Interessen des Bistums seine eigenen Versorgungschancen, Lehen, Ämter u.a. verteidigte. Diese waren um so wichtiger, als Ferdinand II. versuchte, einst an Adelige vergebene Pfandherrschaften zurückzuerwerben und auch im Domkapitel Einfluß geltend zu machen. Der Konflikt mit dem Erzbischof Kardinal Madruzzo eskalierte soweit, daß dieser und fast das gesamte Domkapitel flüchteten; der Widerstand des Adels gegen den neuen Grafen von Tirol aber trug mit dazu bei, daß Ferdinand II. sich mit der Forderung der Anerkennung der Landesherrschaft nicht durchsetzen konnte. Der Tiroler Adel, so kann man die These zuspitzen, war in dieser Zeit – ein spannender Kontrapunkt im Band – eben nicht hochgradig als Hofgesellschaft in Innsbruck integriert.

Der stringent gehaltene Beitrag von Václav Bůžek „Der böhmische und mährische Adel am Hof Ferdinands von Tirol in Innsbruck und Ambras“ trägt zur Klärung des Grundes für diese nicht gelingende Integration des Tiroler Adels durch Ferdinand II. bei. Der Erzherzog hatte zuvor als Statthalter in Böhmen (1547-1567) bereits sehr enge Kontakte – besonders zum katholischen – böhmisch-mährischen Adel aufgebaut, die er als Landesfürst weiter pflegte. So suchte er aus konfessionellen Gründen eine Hochzeit zwischen den in Böhmen außerordentlich einflußreichen Rosenbergern und der katholischen Anna Maria Markgräfin von Baden zu vermitteln und hatte sogar Wilhelm von Rosenberg, den Oberstburggrafen des Königreiches Böhmen, zu Gast in Innsbruck. In Prag hatte er wichtige Adelige als Mitglieder seines Hofstaates gewinnen können, hinzu kam eine beträchtliche Ausstrahlung seines Hofes vermittels von Festen, Turnieren und dergleichen. In seinem Hofstaat zu Innsbruck behielten viele Adelige aus Prager Zeiten ihre Stellen, so Angehörige der Familien Sternberg, Lobkowicz, Kolowrat, Lokschan und Thurn; intensiviert wurden diese Beziehungen durch vom Erzherzog vermittelte Heiratsallianzen böhmischer Adeliger bzw. Höflinge mit Hofdamen. Ein weiteres Element der politischen Integration des Adels des ehemaligen Wirkungsgebietes waren Aufenthalte am Innsbrucker Hof, den zahlreiche junge Adelige aus Böhmen und Mähren auf ihren Kavalierreisen kennenlernten. Die Alpen fanden bei den böhmischen Adeligen oft kein Gefallen, galten als „widerliche Berge“ (S. 435). Um so beliebter waren Trinkunterhaltungen auf Ambras, die mit der Eintragung in Trinkbücher und der Aufnahme in die „Bacchusgemeinschaft der erfolgreichen Weintrinker“ einherging. 1567 bis 1595 lassen sich für 149 Adelige (davon vier Frauen) aus 26 Herren- und 78 Ritterfamilien (teils wiederholt) angenommene Einladungen zu diesen Trinkunterhalten nachweisen (S. 436). Es entstanden so dichte Kommunikationsnetze zwischen Innsbruck und Böhmen: Adelige, Berichte und Geschenke gingen hin und her.

 

Mark Hengerer, Konstanz*

 

 

Hassmann, Elisabeth: Von Katterburg zu Schönbrunn. Die Geschichte Schönbrunns bis Kaiser Leopold I., Wien 2005 [Böhlau, 662 S., geb., 156 sw- und 24 farbige Abb., 69 Euro].

 

Um es vorwegzunehmen: Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um die umfangreichste und am besten recherchierte Abhandlung zu den Vorgängerbauten des bekanntesten Wiener Schloßbaus. Die Autorin ist Kunsthistorikerin mit Schwerpunkt auf der Architekturgeschichte der frühen Neuzeit und hat schon 2002 einen ebenso umfangreichen Band über „Meister Michael“, den „Hofarchitekten“ der österreichischen Herzöge in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts vorgelegt (Hassmann, Elisabeth: Meister Michael. Baumeister der Herzoge von Österreich, Wien u.a. 2002). Mit diesen beiden Publikationen hat sie sich als eine der besten Kennerinnen der frühneuzeitlichen Architekturgeschichte Österreichs etabliert. Inzwischen arbeitet Hassmann als Kuratorin der Kutschensammlung des Kunsthistorischen Museums Wien, der „Wagenburg“, in Schloß Schönbrunn.

Schloß Schönbrunn, seit zehn Jahren auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes, ist als bedeutendstes kaiserliches Schloß der Barockzeit in Österreich im allgemeinen Bewußtsein verankert. Die imposante Anlage wurde ab 1695 von Johann Bernhard Fischer von Erlach in mehreren Phasen geplant und erbaut, bis Schloß und Garten schließlich unter Kaiserin Maria Theresia ab 1743 so erweitert und ausgebaut worden sind, wie man sie heute erleben kann. Weniger bekannt ist die Baugeschichte der Katterburg, wie der kaiserliche Besitz bis 1642 genannt wurde, vor dieser Zeit. Hassmanns ausführliche Untersuchung basiert auf intensivem Quellenstudium in zahlreichen Archiven in Klosterneuburg, Wien, St. Pölten und Bratislava. Man hat den Eindruck, daß hier wirklich alles zur Verfügung stehende Archivmaterial erfaßt und auch im Detail bearbeitet worden ist.

Die uns heute kaum geläufige Bezeichnung Katterburg für den spätmittelalterlichen Vorgängerbau von Schönbrunn ist bislang trotz mehrfacher Deutungsversuche nicht geklärt. Die etymologischen Erklärungsansätze reichen von „Katerberg“, wegen der Ähnlichkeit des Hügelrückens mit einem Katzenbuckel, bis zur Definition des Wortteils „kat“ bzw. „quat“, was soviel wie Bachschutt meint und sich auf den abgelagerten Geröllschutt des Wienflusses beziehen könnte.

Die Publikation geht zurück auf zwei vom österreichischen „Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung“ im Zusammenhang mit der Restaurierung von Schloß Schönbrunn nach 1994 finanzierte Projekte unter der Leitung von Artur Rosenauer, Ordinarius für Österreichische Kunstgeschichte an der Universität Wien, und der Autorin als wissenschaftlicher Bearbeiterin. Die letzten umfangreichen Forschungen zur Katterburg datieren in die Jahre vor 1956. Der Auslöser, sich eingehend mit der Geschichte Schönbrunns vor der Zeit der zweiten Belagerung Wiens durch die Türken 1683 und den folgenden barocken Neubauplanungen zu beschäftigen, war ein überraschender Fund von bislang unbekannten, überbauten Grundmauern im Bereich des Vestibüls. Ein Vorgängerbau des Schlosses, eben jene Katterburg, war zwar bekannt und auch durch einen Kupferstich von 1672 überliefert, doch wurde dieses alte Schloßgebäude mit einem 16achsigen, frühbarocken Anbau, dem 1640-1645 errichteten sogenannten Gonzagaflügel, etwa 300 Meter weiter östlich im Bereich des heutigen Orangerieparterres lokalisiert. Grabungen an dieser Stelle vor fast 20 Jahren ergaben keine Befunde und man änderte lediglich die Vermutung dahingehend, daß mit dem Orangerieflügel die Fundamente der Burg überbaut worden sind. Die 1995 entdeckten Fundamente sind eindeutig der Katterburg zuzuordnen. Damit konnte ihre Lage nun im Zentrum des heutigen Schloßbaus ausfindig gemacht und der Geschichte Schönbrunns ein ganz neuer Akzent verliehen werden. Das Ergebnis zeigt, wie wichtig es ist, die Verbindung von bauarchäologischer Forschung mit peniblem Quellenstudium zu verbinden.

Die Autorin teilt das Werk in zwei Abschnitte auf. Zuerst wird die Geschichte von der frühesten Nennung der Katterburg um 1170 bis zum Tod von Eleonora II. Gonzaga von Mantua, der dritten Gemahlin von Kaiser Ferdinand III., 1686 dokumentiert (S. 15-498). Der zweite Abschnitt widmet sich dem Zeitraum von 1686 bis 1705 unter den Kaisern Leopold I. sowie Joseph I. und bietet sogar noch einen Ausblick auf den Aus- und Umbau zur Sommerresidenz Maria Theresias (S. 499-550). Zusammenfassung, Farbtafeln und Anhang runden die Publikation ab (S. 551-662).

Im ersten Abschnitt beleuchtet Hassmann nach einer einleitenden, wertvollen Forschungsübersicht (S. 17-29), die gute und weniger gute Literatur zum Thema deutlich voneinander scheidet, chronologisch die Besitzgeschichte (S. 31-110). Zuerst landesfürstliches Lehen und ab etwa 1185 unter der Herrschaft des Stiftes Klosterneuburg wurde die Katterburg 1569 von Kaiser Maximilian II. eingezogen und war nun Eigentum der österreichischen Landesfürsten. Danach werden die Benennungen (S. 111-130) sowie Lage und Größe (S. 131-169) des Anwesens nach Quellenlage ausführlich erörtert. Die Entwicklung durch sukzessive Arrondierung wird anhand von Karten anschaulich deutlich gemacht. Auf das Kapitel Verwaltung und Pflege (S. 171-203) folgt die Schilderung der Bewirtschaftung (S. 205-241) mit Mühlenbetrieb, Land- und Viehwirtschaft. Die Untersuchung der Gartenanlagen (S. 243-291) legt die Aktenfunde zu den Baum-, Lust- und Tiergärten mit dem Pflanzen- und Tierbestand offen. Maximilian II. hatte 1569 in erster Linie Interesse an der Erschließung eines neuen Jagdgebietes und damit verbunden auch an der Schaffung eines Lustgartens. Etwa zur gleichen Zeit ließ er den Lustgarten des Neugebäudes in Simmering anlegen und sammelte für die Ausstattung fremdländische botanische Kostbarkeiten. In den Jahren um 1648 muß es bei der Katterburg auch eine Orangerie mit einer nennenswerten Sammlung von Zitruspflanzen gegeben haben.

Das umfangreichste Kapitel benennt die Baulichkeiten (S. 293-451) und wird von der Architekturhistorikerin souverän bewältigt. Hier werden nicht nur die Mühlen, Haupt- und Nebengebäude ausführlich untersucht und in ihrer Entwicklung beschrieben, sondern auch die Umfassungsmauern sowie alles, was die Wasserversorgung betrifft (Wasserkunst, Brunnen, Kanäle, Brücken, Teiche, Wehre). Der neunte und letzte Teil des ersten Abschnitts analysiert die unmittelbare Nutzung durch die Besitzer und stellt einen Vergleich mit weiteren Jagdquartieren, Lust- und Wohnbauten her (S. 453-498). Das schon erwähnte Neugebäude, Schloß Ebersdorf, das Lusthaus im Prater, die Laxenburg, Schloß Hadersdorf und die Favorita auf der Wieden sind nur einige der in diesem Kontext erwähnten fürstlichen Anlagen. Eingeleitet wird dieser Teil mit der Anführung sämtlicher archivalischer Nachweise aus den Jahren zwischen 1573-1685, die einen Aufenthalt der Fürstin oder des Fürsten belegen.

Der zweite Abschnitt beginnt wiederum mit der Vorstellung des Forschungsstandes (S. 501-504). Analog zum ersten Abschnitt werden in kürzester Form die Besitzgeschichte und die Verwaltung beschrieben (S. 505-511). Die Nutzung durch Leopold I. und Joseph I., ebenfalls erörtert mit Hilfe von Quellen, sowie der gewaltige Neubau Fischer von Erlachs (S. 513-538) führen weit über die im Titel genannte Zeit hinaus. Das letzte Kapitel schildert die Übernahme des Besitzes durch Maria Theresia und ihren Entschluß des Jahres 1742, Schönbrunn zur Sommerresidenz zu machen (S. 539-550). Damit einher ging auch die Entscheidung der Vergrößerung und repräsentativen Ausweitung des Gartens, so daß ein barockes Gesamtkunstwerk entstehen konnte.

Obwohl Bilder zu den Gebäuden im Untersuchungszeitraum, zumindest bis ins späte 17. Jahrhundert, rar sind, ist es der Autorin gelungen, ihr Buch geschickt zu illustrieren. Neben den Dokumenten, Karten und Gemälden zur Katterburg und ihren Besitzern hat sie aus zeitgenössischen Publikationen wie Wolf Helmhard von Hohenbergs „Georgica curiosa […]“ (1682/1716) oder Georg Andreas Böcklers „Theatrum Machinarum […]“ (1661) anschauliche Kupferstiche zur Bebilderung verwendet. Die auch verlegerisch vorbildliche Publikation läßt auf ein kenntnisreiches Lektorat schließen, sie ist anspruchsvoll gedruckt und ausgestattet. Die Abbildungen sind von hervorragender Qualität, aber leider in vielen Fällen zu klein wiedergegeben.

Sehr nützlich ist neben den lexikalischen Angaben von Maßen und Geldeinheiten (S. 609-611) ein Personenverzeichnis mit wichtigen Daten und Quellenangaben zu Dienstpersonen am Hofe wie Kammerdiener, Gärtner, Fischmeister, Vogeljäger, Fasanwärter, Forstknecht und anderen (S. 585-602). Außer dem obligatorischen Personen- und Ortsregister gibt es ein Sachregister, das allerdings große Lücken aufweist. Der gesamte Text ist trotz manch langer Passagen verständlich und lesbar geschrieben und zeugt von einer enormen Detailkenntnis von Bauforschung, Literatur und Archivalien. Sehr gewöhnungsbedürftig und wahrscheinlich der PC-gestützten Anwendung in Tabellen geschuldet ist das Prinzip der Autorin, fast immer die Datumsangaben in umgekehrter, modern-amerikanischer Reihenfolge, nämlich Jahr-Monat-Tag, zu schreiben. Doch diese letztgenannten Kritikpunkte schmälern nicht die Qualität der umfangreichen Publikation. Für Jahrzehnte wird sie das gründlichste Quellenstudium zur Baugeschichte Schönbrunns bis zum Ende des 17. Jahrhunderts darstellen.

 

Jörg Matthies, Kiel*

 

 

Antonia Visconti († 1405). Ein Schatz im Hause Württemberg. Antonia Visconti († 1405). Un tesoro in casa Württemberg. Begleitbuch und Katalog zur Ausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg – Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Libro e catalogo sulla mostra del Landesarchiv Baden-Württemberg – Hauptstaatsarchiv Stoccarda. Bearbeitet von/Redazione Peter Rückert. Übersetzung/Traduzione Franca Janowski, Stuttgart 2005 [Landesarchiv Baden-Württemberg, 240 S., zahlr. farbige und sw-Abb., Karten, Stammtafeln, 19 Euro].

 

„Liber iocalium“ – Buch der Kostbarkeiten: Das bislang nicht edierte Aussteuerverzeichnis der Antonia Visconti, die im Jahr 1380 Graf Eberhard III. von Württemberg heiratete, stand im Zentrum einer Ausstellung, die vom 14. September bis 16. Dezember 2005 im Hauptstaatsarchiv Stuttgart gezeigt wurde. Unter dem Titel „Antonia Visconti († 1405) – Ein Schatz im Hause Württemberg“ war diese Schau der reichen Italienerin, einer Tochter des Bernabò Visconti aus Mailand, gewidmet, die ihrem Mann eine Mitgift von 70 000 Goldgulden und die Kenntnis einer verfeinerten Lebensart mitbrachte. In sieben Abteilungen gliederte sich die Ausstellung: Nach einer Einführung, die die Beziehungen zwischen dem Reich und Oberitalien illustrierte, und einer Darstellung der beiden Dynastien, ihrer Besitzungen und ihres Einflusses werden anhand einer anschaulichen Karte die ganz Europa umspannenden Heiratsbeziehungen der Visconti erläutert und unter dem Motto „Kostbare Bräute“ auch die Schwestern Antonias porträtiert, die ihren Männern wertvolle Stundenbücher, Stoffe und Pretiosen mitbrachten, ihrem Vater Bernabò jedoch nicht den erwünschten politischen Spielraum verschaffen konnten: Bereits wenige Jahre nach der Hochzeit Antonias wurde er von seinem Neffen Gian Galeazzo entmachtet und gefangen gesetzt und starb wenig später in der Haft. Antonia Visconti selbst, ihrer Brautfahrt, ihrer Rolle als Gräfin von Württemberg und ihrem Nachleben wurde naturgemäß der größte Raum der Ausstellung eingeräumt. Als Ziel des Projektes formuliert Sönke Lorenz im Begleitbuch zur Ausstellung, diese adelige Dame, die, ebenso wie ihre Vorgängerinnen, in den überkommenen Quellen kaum zu fassen ist, „vor dem Hintergrund der zeitgenössischen politischen und dynastischen Verhältnisse zu profilieren“ (S. 15).

In dem durchweg zweisprachig, deutsch und italienisch, gehaltenen Begleitband vertiefen zunächst 13 Aufsätze das Thema, stellen Antonia Visconti und ihre Ehe mit Eberhard III. von Württemberg in einen größeren Zusammenhang und vergleichen „die Häuser Württemberg und Visconti in Hinblick auf Dynastie, Herrschaft und höfische Kultur“ (S. 116). Daran schließt sich auf 100 Seiten ein Katalog an, der die wichtigsten Ausstellungsexponate beschreibt und anschaulich illustriert. – Die Ursprünge, die ständische Qualität, die Heiratskreise und die Gründe für die eheliche Verbindung der Häuser Württemberg und Visconti untersucht Sönke Lorenz im ersten Beitrag, in dem er auch auf die durch diese Heirat herbeigeführte Verschwägerung der Württemberger mit etlichen berühmt-berüchtigten Söldnerführern der Zeit eingeht. Den mailändischen Hof von Antonias Herkunftsfamilie, den Aufstieg der Visconti seit dem späten 13. Jahrhundert und ihr Mäzenatentum beleuchtet Barbara Bayer in ihrem Beitrag. Nach den Hintergründen des in einer Novelle und von späteren Historiographen gezeichneten Idealbildes von Bernabò als gerechtem Herrscher fragt Andrea Gamberini. Den in Oberitalien anzutreffenden Brauch, einer Wöchnerin einen bemalten Holzteller zu überreichen, erläutert Monika Stockert. Dem Münzumlauf in Württemberg um 1400, der sich anhand von zwei bedeutenden Münzfunden aus Marbach und Tübingen rekonstruieren läßt, widmet sich der Aufsatz von Ulrich Klein. Auch Prägungen aus Oberitalien und Münzen der Visconti waren darin vertreten. Antonia Visconti selbst und die wenigen schriftlichen Äußerungen, die von ihr überliefert blieben, sind Gegenstand des Beitrages von Julia Lauxmann, die auch das einzige – vermutete – Porträt der Mailänderin, eine bemalte Konsolbüste im Chor der Stadtkirche von Bietigheim, näher charakterisiert. Babette Lang untersucht Antonia Viscontis Rolle als Gartengestalterin: Im heimatlichen Mailand dürfte sie eine hoch entwickelte Gartenkultur kennengelernt und diese Anregungen nach ihrer Eheschließung umgesetzt haben – die Autorin jedenfalls plädiert dafür, daß die „außergewöhnlich frühe Ziergartenkultur in Stuttgart“ auf ihren Einfluß zurückzuführen ist (S. 60). Mit dem Aussteuerverzeichnis und den dadurch ermöglichten Rückschlüssen auf Kleidung und Mode befassen sich zwei Beiträge: Die lombardische Mode der Zeit um 1400 ist Gegenstand einer Untersuchung von Stefanie Schwarzenbek. Claudia Sandtner beschreibt die im Buch der Kostbarkeiten erfaßte und beschriebene Kleidung, die verwendeten Stoffe und den Schmuck, den Antonia Visconti mit nach Württemberg brachte, von dem sich jedoch kaum etwas erhalten hat. Dem höfisch-repräsentativen Aspekt widmet sich auch der Aufsatz von Andreas Traub zu „Antonia Visconti und die Musik“. Franz Maier erläutert die Heiratsprojekte der Visconti mit den Herzögen von Bayern aus dem Hause Wittelsbach. Anglesia und Lucia, zwei Schwestern Antonias, deren projektierte Heiraten mit den Hohenzollern und den Wettinern nicht zustande kamen, porträtiert Joachim Schneider, der anhand der Schilderung dieser exemplarischen Frauenschicksale zu dem Schluß kommt: „Sicher genossen diese hochadeligen Frauen im Maßstab der Zeit einen hohen Lebensstandard. Doch standen sie zunächst stets unter dem Primat des Willens ihrer Eltern und mächtiger Verwandter und unter dem Diktat materieller und politischer Interessen“ (S. 105) – ein Urteil, das man sicherlich auch auf Antonia Visconti anwenden kann. Mit dem Nachleben der Mailänderin und der Förderung ihres Witwensitzes Bietigheim befaßt sich Stefan Benning. Peter Rückert, in dessen Händen die Redaktion des Kataloges lag und der die Ausstellung wesentlich konzipiert und durch Seminare an der Universität Tübingen vorbereitet hat, führt in einem abschließenden Beitrag in das Ausstellungsprojekt ein und betont die deutsch-italienische Kooperation von Archiven, Bibliotheken und Museen, die die Ausstellung überhaupt erst ermöglicht hat.

Ein wesentlicher Aspekt der Ausstellung wie der im Katalog versammelten Aufsätze war der Versuch, den italienisch-deutschen Kulturtransfer am Beispiel eines Heiratsprojektes sichtbar zu machen. Auf vielen Gebieten der schönen Künste ist der Einfluß Antonia Viscontis zu erkennen: Sie gab die Veranlassung zum Einbau von Orgeln in der Stuttgarter Stiftskirche und in der Stadtkirche von Bietigheim, ihrem Witwensitz; auf ihre Initiative hin entstand südlich des alten Stuttgarter Schlosses ein Ziergarten, den zeitgenössische Quellen als frow von Mailant garten bezeichnen; auch Einflüsse auf die Literatur am Stuttgarter Hof und auf die Bildende Kunst werden ihr nachgesagt. So konkretisiert sich in der Person der Mailänderin die frühe Verbindung Württembergs nach Italien und die Vermittlung italienischer Hochkultur über die Alpen. Nicht zuletzt ist das im Hauptstaatsarchiv Stuttgart aufbewahrte „Buch der Kostbarkeiten“, das bislang nur sporadisch und fehlerhaft ausgewertet wurde, ins Zentrum des Interesses gerückt worden, das „einen überwältigenden Blick in die Truhen und Schränke der Dame aus Mailand, auf ihre Kleidung, Mode und ihren Schmuck, auf ihren Reichtum und Luxus [gestattet]“ (S. 117) und hoffentlich bald umfassend ediert werden wird.

Der Katalog enthält qualitätvolle Abbildungen zur höfischen Kultur sowie aufschlußreiche Karten und genealogische Tafeln.

 

Brigitte Streich, Wiesbaden*

 

 


Neuerscheinungen

 

 

L’archivio storico dell’armeria reale di Torino, hg. von R. Cosentino, Turin 2005 [Allemandi, 255 S., kart., 1 CD-Rom mit Abb., 32,50 Euro].

Bartsch, C., Schmidt, D.: Schloß Seeburg am Süßen See. Baugeschichte und Bauforschung am Rittersaalgebäude, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 15 (2006) S. 151-186.

Behrens, H. A.: Die Holzkonstruktionen im Westflügel der Wasserburg Zilly, Landkreis Halberstadt, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 15 (2006) S. 57-98.

Bennassar, B.: Le lit, le pouvoir et la mort. Reines et princesses d’Europe de la Renaissance aux Lumières, Paris 2006 [De Fallois, 272 S., brosch., 20,90 Euro].

Die Berichte der Generalprokuratoren des Deutschen Ordens an der Kurie. Personen- und Ortsindex sowie Ergänzungen zum 4. Band, hg. von B. Jähnig, Personen- und Ortsindex bearb. von J.-E. Beutel, Köln 2005 (Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz, 58) [Böhlau, 172 S., geb., 24,90 Euro].

Bertelli, S.: La corte come problema storiografico. A proposito di alcuni libri (più o meno) recenti, in: Archivio storico italiano 164 (2006) S. 129-163.

Bogen, S.: Repräsentierte Medialität. Gemalte und bemalte Fahnen in Venedig 1100-1500, in: Das Mittelalter 11,2 (2006) S. 121-146.

Bölling, J.: Das Papstzeremoniell der Renaissance. Texte – Musik – Performanz, Frankfurt am Main u.a. 2006 (Tradition – Reform – Innovation. Studien zur Modernität des Mittelalters, 12) [Peter Lang, 330 S., geb., 56,50 Euro].

Bombek, M.: Kleider der Vernunft. Die Vorgeschichte bürgerlicher Präsentation und Repräsentation in der Kleidung, Münster 2005 [Lit, 448 S., brosch., 39,90 Euro].

Brachmann, C.: Memoria – Fama – Historia. Schlachtengedenken und Identitätsstiftung am lothringischen Hof (177-1525) nach dem Sieg über Karl den Kühnen, München 2006 [Deutscher Kunstverlag, 416 S., geb., 232 Abb., 20 Farbtafeln, 98 Euro].

Briefe der Fruchtbringenden Gesellschaft und Beilagen. Die Zeit Fürst Ludwigs von Anhalt-Köthen 1617-1650, Bd. 4: 1637-1638, hg. von K. Conermann unter Mitarb. von G. Ball und A. Herz, Tübingen 2006 (Die deutsche Akademie des 17. Jahrhunderts: Fruchtbringende Gesellschaft, Reihe I, Abt. A: Köthen, 4). [Max Niemeyer, 813 S., Abb., 146 Euro].

Building the Past. Konstruktion der eigenen Vergangenheit, hg. von R. Suntrup und J. R. Veenstra, Frankfurt a. M. 2006 (Medieval to Early Modern Culture. Kultureller Wandel vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit, 7) [Peter Lang, 312 S., brosch., 56,50 Euro].

Aus dem Inhalt:

Suntrup, R., Veenstra, J. R.: Introduction, S. IX-XX; Pyle, C. M.: The Renaissance Rediscovery of the Classical Approaches to the World: Reflections on History and Science, Then and Now, S. 1-50; Busch, J. W.: Von der Rückprojektion zur Tatsachenermittlung. Die Wiederentdeckung der Vergangenheit in den oberitalienischen Kommunen des 13. und frühen 14. Jahrhunderts, S. 33-51; Mason, R.: From Chronicle to History: Recovering the Past in Renaissance Scotland, S. 53-66; Scattergood, J.: Thomas Wyatt’s Epistolary Satires and the Consolations of Intertextuality, S. 67-83; Miedema, N.: Das „Ambraser Heldenbuch“ und der Theuerdank. Mittelalterliche Epik und ihre Wiederverwendung am Hof Maximilians I., S. 85-106; Hagby, M.: Die Königstochter von Frankreich des Hans von Brühel. Ein Beispiel nichtgelehrter Vermittlung historischen Wissens im Spätmittelalter, S. 107-121; Ploeg, K. van der: Transformations of Meaning in Medieval Architecture, S. 123-164; Swanson, A.: Re-Inventing the Goths: The Trajectory of an Idea, S. 167-185; Dekker, K.: Ancient Laws and Early Modern Identities: The Myth of Lex Salica, S. 187-211; Bekkum, W. J. van: The Creation of the Myth of Creation in Modern Judaism, S. 213-227; Small, G.: Local Elites and „National“ Mythologies in the Burgundian Dominions in the Fifteenth Century, S. 229-245; Teszelszky, K.: A Holy Crown for a Nation. The Symbolic Meaning of the Holy Crown of Hungary and the Construction of the Idea of a Nation, S. 247-259. Britnell, J.: Conflict of Image? The Most Christian King makes War on the Pope, S. 261-271; Honemann, V.: Johannes Cincinnius, Van der niderlage drijer legionen (1539). Die Varusschlacht in der Sicht eines westfälischen Humanisten. Mit einem Faksimile des Textes, S. 273-298.

Burg Lauf a. d. Pegnitz. Ein Bauwerk Kaiser Karls IV., hg. von U. Grossmann und H.-H. Häffner, Red. D. Burger, Regensburg 2006 [Schnell & Steiner, 148 S., brosch., 2 farb. Abb., 94 sw-Abb., 29,90 Euro].

Büschel, H.: Untertanenliebe. Der Kult um deutsche Monarchen 1770-1830, Göttingen 2006 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 220) [Vandenhoeck & Ruprecht, 419 S., geb., 7 Abb., 69 Euro].

Bussmann, B.: Die Historisierung der Herrscherbilder (ca. 1000-1200), Köln 2006 (Europäische Geschichtsdarstellungen, 13) [Böhlau, X+394 S., geb., 56 sw-Abb., 54,90 Euro].

Châtelet-Lange, L.: Biographische Nachlese zu den beiden Straßburger Baumeistern Hans Schoch und Georg Ridinger, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 151 (2003) S. 149-174.

Le château et la nature. Actes des Rencontres d’Archéologie et d’Histoire en Périgord les 24, 25 et 26 septembre 2004, hg. von A.-M. Cocula und M. Combet, Bordeaux 2005 (Scripta Varia, 11) [Ausonius, 372 S., kart., 145 Abb., 30 Euro].

Coester, C.: Schön wie Venus, mutig wie Mars. Anna d’Este, Herzogin von Guise und von Nemours (1531-1607), München 2006 (Pariser Historische Studien, 77) [Oldenbourg, 384 S., geb., 49,80 Euro].

Corte y monarquía en España, hg. von D. M. Sánchez González, Madrid 2003 [LinkEditorial Centro de Estudios Ramón, 376 S., geb., 21,80 Euro].

Cosandey, F.: „La maîtresse de nos siens“: Pouvoir féminin et puissance dynastique dans la monarchie française d’Ancien Régime, in Historical Reflections 32,2 (2006) S. 381-401.

Cozzo, P.: La geografia celeste dei duchi di Savoia: religione, devozioni e sacralità in uno stato di età moderna (secoli XVI-XVII), Bologna 2006 (Annali dell’Istituto Storico Italo-Germanico in Trento. Monografie, 43) [Il Mulino, 384 S., kart., 22 Euro].

Czerny, H.: Der Tod der bayerischen Herzöge im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit 1347-1579. Vorbereitungen – Sterben – Trauerfeierlichkeiten – Grablegen – Memoria, München 2005 [Beck, 847 S., geb., graph. Darst., 48 Euro].

Deutsche Fachliteratur der Artes in Mittelalter und Früher Neuzeit, unter Mitarb. von G. Keil hg. von H. Haage-Naber, Berlin 2006 (Grundlagen der Germanistik, 43) [Erich Schmidt, 450 S., brosch., 10 Abb., 29,80 Euro].

Eisenbeiss, A.: Wappen und Bilder im Diskurs – Das Beispiel der Habsburger, in: Das Mittelalter 11,2 (2006) S. 98-120.

Les élites au haut Moyen Âge. Crises et renouvellements, hg. von F. Bougard, L. Feller und R. Le Jan, Turnhout 2006 [Brepols, 512 S., geb., 78 Euro].

Fonder les savoirs, fonder les pouvoirs XVe–XVIIe siècle. Actes de la journée d’étude organisée par l’École nationale des chartes (Paris, 8 avril 1999), hg. von D. de Courcelles, Paris 2000 (Etudes et rencontres de l’Ecole des Chartes, 6) [École des chartes, 141 S., brosch., 16,50 Euro].

Forschungen zu Kurmainz und dem Reichserzkanzler, hg. von P. C. Hartmann, L. Pelizaeus, Frankfurt am Main 2005 (Mainzer Studien zur neueren Geschichte, 17) [Peter Lang, 197 S., kart., Abb., 39 Euro].

Frankewitz, S.: Adel und Territorialisierung in der Grafschaft Geldern im 13. Jh., in: Rheinische Vierteljahrsblätter 70 (2006) S. 105-133.

Friedhoff, J.: Die Burgen Alt- und Neu-Windeck – Zwei Burggründungen der Landgrafen von Thüringen am Mittellauf der Sieg, in: Burgen und Schlösser 47,2 (2006) S. 66-76.

Fritzsche, C.: Inferiorum Castrum Lobdeburg und das heutige Schloß in Lobeda, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 15 (2006) S. 222-229.

Fuhrmann, B.: Die Stadt im Mittelalter, Darmstadt 2006 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 128 S., geb., zahlr. farb. Abb., 19,90 Euro]

Giersberg, H.-J., Ibbeken, H.: Schloß Sanssouci. Die Sommerresidenz Friedrichs des Großen, Berlin 2005 [Nicolai’sche Verlagsbuchhandlung, 398 S., geb., 19 Euro].

Gleixner, S.: Sprachrohr kaiserlichen Willens. Die Kanzlei Kaiser Friedrichs II. (1226-1236), Köln 2006 (Beihefte zum Archiv für Diplomatik, Schriftgeschichte, Siegel- und Wappenkunde, 11) [Böhlau, XII+580 S., geb., zahlr. sw-Abb., 69,90 Euro].

Green. K.: Isabeau de Bavière and the Political Philosophy of Christine de Pizan, in: Historical Reflections 32,2 (2006) S. 247-272.

Gringore, P.: Les Entrées royales à Paris de Marie d’Angleterre (1515) et de Claude de France (1517), Paris 2005 (Textes littéraires français, 577) [Droz, 360S., brosch., 38,05 Euro].

Grossmann, U.: Château-Gaillard. Le siège de 1204 et l’évolution du bâti sous Richard Ier et Philippe Auguste, in: Francia 33,1 (2006) S. 119-126 mit 13 Abb. auf 8 Tafeln.

Die Habsburgermonarchie 1620 bis 1740. Leistungen und Grenzen des Absolutismusparadigmas, hg. von P. Mat’a und T. Winkelbauer, Stuttgart 2006 (Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa, 24) [Franz Steiner, 474 S., geb., 2 Abb., 5 Tab., 59 Euro].

Handbuch der britischen Kulturgeschichte. Daten, Fakten, Hintergründe von der römischen Eroberung bis heute, hg. von R. Beck und K. Schröder, Paderborn 2006 [W. Fink, 419 S., geb., 39 Abb., 29,90 Euro].

Hanke, R.: Brühl und das Renversement des alliances. Die antipreußische Außenpolitik des Dresdener Hofes 1744-1756, Münster 2006 [Lit, 400 S., geb., 39,90 Euro].

Hanley, S.: Configuring the Authority of Queens in the French Monarchy, 1600s-1840s, in: Historical Reflections 32,2 (2006) S. 453-464.

Hartmann, H.: Grundformen literarischer Heraldik im Mittelalter am Beispiel der „Krone“ Heinrichs von dem Türlin, in: Das Mittelalter 11,2 (2006) S. 28-52.

Hechberger, W.: Adel und Herrschaft. Überlegungen zu Voraussetzungen adeliger Herrschaftsbildung im hohen Mittelalter, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 70 (2006) S. 55-76.

Hecht, M.: Die Erfindung der Askanier. Dynastische Erinnerungsstiftung der Fürsten von Anhalt an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, in: Zeitschrift für Historische Forschung 33,1 (2006) S. 1-31.

Heidrich, I.: Wissenstransfer längs des Rheins im 11. Jh., in: Rheinische Vierteljahrsblätter 70 (2006) S. 36-54.

Hennrich, C. C.: Schloß Stolberg. Neue Erkenntnisse zur Baugeschichte, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 15 (2006) S. 187-221.

Herrmann, D.: Schloß Zerbst in Anhalt: Geschichte und Beschreibung einer vernichteten Residenz, Regensburg 2005 [Schnell & Steiner, 396 S., geb, 59 Euro].

Der Hof und die Stadt. Konfrontation, Koexistenz und Integration in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. 9. Symposium der Residenzen-Kommission, Halle an der Saale, 25.-28. September 2004, hg. von W. Paravicini und J. Wettlaufer, Ostfildern 2006 (Residenzenforschung, 20) [Thorbecke, 634 Seiten, geb., 39 Abb., 79 Euro].

Aus dem Inhalt:

Paravicini, W., Ranft, A.: Über Hof und Stadt, S. 13-17; Wettlaufer, J.: Zwischen Konflikt und Symbiose. Überregionale Aspekte der spannungsreichen Beziehung zwischen Hof und Stadt im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit, S. 19-33.

I. Nach dem Sieg: Stadt und Hof als Gewinner und Verlierer

Meinhardt, M.: Chancengewinn durch Autonomieverlust. Sächsische und anhaltische Residenzstädte zwischen bürgerlicher Selbstbestimmung und fürstlichem Gestaltungswillen, S. 37-62; Scholz, M.: ... da zoge mein herre mit macht hinein ... Die Stadt Halle nach der Unterwerfung durch den Erzbischof von Magdeburg 1478, S. 63-87; Schneider, J.: Nach dem Sieg des Bischofs: Soziale Verflechtungen der Würzburger Ratsfamilien mit dem bischöflichen Hof um 1500, S. 89-109; Monnet, P.: Eine Reichs-„Haupt“stadt ohne Hof im Spätmittelalter. Das Beispiel der Stadt Frankfurt, S. 111-128.

II. „Krieg der Zeichen“? Die symbolische Besetzung des öffentlichen Raumes durch Stadt und Hof

Schütte, U.: Militär, Hof und urbane Topographie – Albrecht Dürers Entwurf einer königlichen Stadt aus dem Jahre 1527, S. 131-154; Lass, H.: Die Etablierung der Residenzen in Dresden und Coburg 1540-1630. Überlegung zur Struktur früher Residenzstädte im Alten Reich, S. 155-173; Reitemeier, A.: Hof und Pfarrkirche der Stadt des späten Mittelalters, S. 175-182; Kohn, R.: Stadtpfarrkirche und landesfürstlicher Dom. Der Interpretationsdualismus der Wiener Stephanskirche im 14. Jahrhundert, S. 183-203; Merz, J. M.: Öffentliche Denkmäler zwischen städtischer und höfischer Repräsentation. Augsburg und die Fugger, S. 205-228; Boucheron, P.: Hof, Stadt und öffentlicher Raum: Krieg der Zeichen und Streit um die Orte im Mailand des 15. Jahrhunderts, S. 229-248; Büren, G. von: Der Ausbau Jülichs zu einer Residenzstadt des Herzogtums Jülich-Kleve-Berg in der Mitte des 16. Jahrhunderts, S. 249-260; Rudolph, H.: Stadtliche gemeinde und gewohnlich hofflager. Zum Verhältnis zwischen Stadt und Hof bei Herrscherbesuchen in der kursächsischen Residenz Dresden, S. 261-280; Müller, M.: Ihr wollet solche Gebäude fürstlichst ins Werk richten! Das Rathaus der Residenzstadt als Repräsentationsbau des Fürsten, S. 281-295; Uppenkamp, B.: Die Wolfenbüttler Ratswaage im Jahre 1602: Ein Streit um das Nützliche und das Schädliche, über Schönheit, Neuerung und Tradition, S. 297-306; Wüst, W.: Tituli, gradūs et caeremoniae. Höfisch-urbane Schnittstellen aus reichsstädtischer Perspektive, S. 307-325; Krischer, A.: Ceremonialia Coloniense. Zur symbolischen Konstitution kurfürstlicher Herrschafts- und reichsstädtischer Autonomieansprüche in Köln, S. 327-346.

III. Stadtgesellschaft – Hofgesellschaft: Spannungen und Verflechtungen

Schröder, S.: Luxusgüter aus London. Die Stadt und ihr Einfluß auf die materielle Kultur am Hof Heinrichs II. von England, S. 349-369; Sohn, A.: Paris als Festung. König, Hof, Topographie und Urbanismus in der französischen Hauptstadt des hohen Mittelalters, S. 371-385; Gauvard, C.: Die Stadt Paris und die Königs- und Fürstenhöfe im Spätmittelalter: Ursprung von Konflikten?, S. 387-412; Rüther, A.: Schlesiens spätmittelalterliche Hauptstädte als bischöfliche, herzogliche und königliche Residenzen, S. 413-428; Ewert, U. C.: Fürstliche Standortpolitik und städtische Wirtschaftsförderung. Eine ökonomische Analyse des Verhältnisses von Hof und Stadt im vormodernen Europa, S. 429-447; Schneider, C.: Eliten des Hofes – Eliten der Stadt. Ständische Verhaltenskonzepte und gesellschaftliche Identitätsbildung im Reflex der Literatur um Herzog Albrecht III. von Habsburg (1365-1395), S. 449-470; Hesse, C.: Städtisch-bürgerliche Eliten am Hof. Die Einbindung der Residenzstadt in die fürstliche Herrschaft, S. 471-486; Höh, M. von der: Stadt und Grafenhof in Stolberg/Harz im 15. Jahrhundert, S. 487-511.

Ranft, A.: Zusammenfassung, S. 513-522.

Hoffmann, H.: Notare, Kanzler und Bischöfe am ottonischen Hof, in: Deutsches Archiv zur Erforschung des Mittelalters 61 (2005) S. 435-480.

Holladay, J. A.: Fourteenth-century French queens as collectors and readers of books: Jeanne d’Evreux and her contemporaries, in: Journal of Medieval History 32,3 (2006) S. 69-100.

L’image du roi de François Ier à Louis XIV, hg. von T. W. Gaehtgens et N. Hochner, Paris 2006 [Éd. de la Maison des Sciences de l’Homme, 449 S., 98 Abb., 48 Euro].

Aus dem Inhalt:

Hochner, N.: Réflexion sur la multiplicité des images royales: incohérence ou quête d’ identité?, S. 19-32; Polleross, F.: „Majesté“ contre „Sainteté“ dans les portraits des Habsbourg au début du XVIIe siècle, S. 33-56; Wachenheim, P.: La Pyramide du Palais ou Henri IV représenté malgré lui. Un épisode de la genèse de l’image du roi à l’aube du XVIIe siècle, S. 57-76; Gaehtgens, B.: Gouverner avec des images. L’image du roi présentée par la reine régente, de Catherine de Médicis à Anne d’Autriche, S. 77-112; Leydi, S.: Visum sum oculis insipientium mori. Funérailles ducales à Milan (1515-1598), S. 113-130; Reumann, O.: L’exemplum humaniste comme moyen de légitimation dans la galerie François Ier à Fontainebleau. Imitation, continuité ou questionnement de l’Antiquité, S. 131-148; Capodieci, L.: Légitimation prophétique de l’identité du roi: Auguste et la sibylle de Tibur d’Antoine Caron, S. 149-168; Mazel, C.: Ils ont „préféré la croix au trône“. Les monuments funéraires des premiers Bourbons, S.169-190; Bayard, M.: Le roi au cœur du théâtre: Richelieu met en scène l’Autorité, S. 191-208; Sabatier, G.: „Le portrait de César, c’est César“. Lieux et mise en scène du portrait du roi dans la France de Louis XIV, S. 209-244; Janzing, G.: Le pouvoir en main. Le bâton de commandement dans l’image du souverain à l’aube des Temps modernes, S.245-282; Bodart, D. H.: De Mühlberg à Lérida. Le portrait militaire et la présence du roi en guerre dans l’Espagne des Habsbourg, S. 283-306; Zitzlsperger, P.: L’audience comme légitimation du souverain. Portrait par Titien de Charles Quint en trône, S. 307-342; Jollet, É.: L’œil du prince: le regard dans les portraits royaux par Jean et François Clouet, S. 343-358; Oger, I.: Genèse des portraits gravés d’Henri III, roi de France et de Pologne (1574-1589). L’image du roi très chrétien pendant les guerres de religion, S. 359-382; Blanc, J.: Charles Ier à cheval avec Monsieur de Saint-Antoine. La genèse d’un portrait royal d’Anton van Dyck, S. 383-403; Henry, C.: Le roi, le peintre et le chef-d’œuvre. Le rôle de l’imitation des maîtres dans l’invention de l’image de Louis XIII, S. 404-432.

Investitur- und Krönungsrituale. Herrschaftseinsetzungen im kulturellen Vergleich, hg. von M. Steinicke und S. Weinfurter, Köln 2005 [Böhlau, VII+496 S., geb., 20 sw-Abb., 54,90 Euro].

Impelluso, L.: Gärten, Parks und Labyrinthe, Darmstadt 2006 (Bildlexikon der Kunst, 11) [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 384 S., kart., zahlr. farb. Abb., 24,80 Euro].

Jablonowski, U.: Frühe Renaissanceschlösser der Fürsten von Anhalt, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 15 (2006) S. 278-321.

Jager, M.: Der Berliner Lustgarten. Gartenkunst und Stadtgestalt in Preußens Mitte, München 2005 (Kunstwissenschaftliche Studien, 120) [Deutscher Kunstverlag, 365 S., geb., 40 Farbtaf., 260 sw-Abb., 88 Euro].

Kaiser. T. E.: Scandal in the Royal Nursery: Marie-Antoinette and the Gouvernantes des Enfants de France, in: Historical Reflections 32,2 (2006) S. 403-420.

Keay, J.: The Celestial Court, in: The Court Historian 11,1 (2006) S. 70-76.

Kleidung und Repräsentation in Antike und Mittelalter, hg. von A. Köb und P. Riedel, München 2005 [W. Fink, 137 S., brosch., farb. und sw-Abb., 29,90 Euro].

Kos, D.: In Burg und Stadt. Spätmittelalterlicher Adel in Krain und Untersteiermark, München 2006 (Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, 45) [Oldenbourg, 626 S., brosch., 94,80 Euro].

Krell, H.: Das Verfahren gegen den 1601 hingerichteten kursächsischen Kanzler Dr. Nicolaus Krell, Frankfurt am Main u.a. 2006 (Europäische Hochschulschriften. Reihe 2: Rechtswissenschaft, 4362) [Peter Lang, 565 S., brosch., zahlr. Abb. und Tab., 86 Euro].

Krischer, A.: Reichsstädte in der Fürstengesellschaft. Politischer Zeichengebrauch in der Frühen Neuzeit, Darmstadt 2006 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 460 S., geb., 14 sw-Abb., 49,90 Euro].

Kulturtransfer und Hofgesellschaft im Mittelalter. Wissenskultur am sizilianischen und kastilischen Hof im 13. Jahrhundert, hg. von G. Grebner und J. Fried, Berlin 2006 (Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel, 15) [Akademie, 390 S., geb., 12 farb. Abb., 25 sw-Abb., 69,80 Euro].

Laurioux, B.: Une histoire culinaire du Moyen Âge, Paris 2005 [Champion, 476 S., geb., 65 Euro].

Laurioux, B.: Gastronomie, Humanisme et Société à Rome au milieu du XVe siècle. Autour du De honesta de Platina, Florenz 2006 (Collection Micrologus’ Library, 14) [Edizioni del Galluzzo, 653 S., kart., 77 Euro].

Lesebuch Altes Reich, hg. von S. Wendehorst und S. Westphal, München 2006 [Oldenbourg, 280 S., brosch., 19 Abb., 29,80 Euro].

Löhr, W.: Uns geht’s gut! Studien- und Erziehungsreisen niederrheinischer Adliger im 17./18. Jh., in: Rheinische Vierteljahrsblätter 70 (2006) S. 215-235.

Machträume der frühneuzeitlichen Stadt, hg. von C. Hochmuth und S. Rau, Konstanz 2006 (Konflikte und Kultur – Historische Perspektiven, 13) [UVK, 432 S., brosch., 49 Euro].

Maisons des champs dans l’Europe de la Renaissance. Actes des premières rencontres d’architecture européenne, Château de Maison, 10-13 juin 2003, hg. von M. Chatenet, Paris 2006 (De architectura, 11) [Picard, 336 S., brosch., zahlr. Abb., graph. Darst., 56 Euro].

Aus dem Inhalt:

Fontaine, M. M.: Plaisirs, hospitalité et profit: la maison des champs dans la littérature de la Renaissance française, S. 9-50; Frommel, S.: De la casa del povero contadino à la casa del ricco cittadino: maisons rurales et maisons des champs dans le Sixième Livre de Sebastiano Serlio, S. 51-68; Chatenet, M.: Les maisons de papier de Jacques Androuet du Cerceau: Le Livre d’architecture de 1582 pour „bâtir aux champs“, S. 69-86; Hoppe, S.: Paper Villas: The Drawings by the Landgrave Moritz von Hessen (1572-1632) for some Lustschlösser in the Countryside, S. 87-98; Whiteley, M.: Late Medieval Royal Maisons des Champs in France, S. 99-104; Belluzzi, A.: Le residenze di campagna di Isabella d’Este, S. 105-116; Scimemi, M.: Le residenze di Alessandro Farnese sul Lago di Bolsena, S. 117-124; Mignot, C.: La villégiature cardinalice en France au XVIe siècle: continuités, ruptures et avatars, S. 125-144; Grujic, N.: Maisons de plaisance sur les îles dalmates, S. 283-290; Guillaume, J.: Un prélat aux champs: Denis Briçonnet à Coussay, S. 145-150; Bardati, F.: Cardinaux aux champs: Georges d’Amboise à Déville-lès-Rouen et Antoine Du Prat à Vanves, S. 151-158; Hoppe, S.: Anatomy of an Warly Villa in Central Europe. The Schloß and Garden of the Saxon Elector Frederick the Wise in Lochau (Annaburg) according to the 1519 Report of Hans Herzheimer, S. 159-170; McKean, C.: Quelques maisons de campagne écossaises des courtisans de Jacques VI, S. 171-180; Albrecht, U.: Princes et bourgeois à la campagne dans l’Allemagne du Sud: les cas de Grünau et de Nuremberg, S. 181-190; Ottenheym, K.: Les maisons de campagne de la bourgeoisie hollandaise au XVIIe siècle, S. 191-202; Pagazani, X.: Maisons des champs autour de Rouen à la fin du XVe et au début du XVIe siècle, S. 203-218; Martinuzzi, F., Mathian, N.: Les „maisons de plaisir“ lyonnaises, S. 219-234; Ducouret, B.: La maison de plaisance de Pierre Sala et de ses descendants, S. 235-244; Rioult, J.-J.: Les „retenues“ des bourgeois de Rennes aux XVIe et XVIIe siècles, S. 245-256; Cooper, N.: Houses of the London Countryside, 1570-1650. The first English Villas, S. 257-268; DeJonge, K.: Images inédites de la villégiature dans la périphérie de Bruxelles, XVIe-XVIIIe siècles. Maisons des champs et maisons de plaisance, S. 269-282; Howard, M.: The Hunting Lodge in England, 1500-1650, S. 291-298; Lippmann, W.: Dal castello di caccia al Lusthaus cinquecentesco: La Maison des Champs nell’ambiente austro-germanico, S. 299-316; Mossakowski, S.: Le residenze nobiliari di campagna nella Polonia del Cinque e Seicento, S. 317-328.

Mansel, P.: Paris, Court City of the Nineteenth Century, in: The Court Historian 11,1 (2006) S.15-28.

Margadant, J. B.: Representing Queen Marie-Amélie in a „Bourgeois“ Monarchy, in: Historical Reflections 32,2 (2006) S. 421-451.

Materialität auf Reisen. Zur kulturellen Transformation der Dinge, hg. von P. Bracher, F. Hertweck und S. Schröder, Münster 2006 [Lit, 304 S., brosch., 29,90 Euro].

McKean, C.: A scottish problem with castles, in: Historical Research 79 (2006) S. 166-198.

Merz, Johannes: Bistümer und weltliche Herrschaftsbildung im Westen und Süden des spätmittelalterlichen Reiches, in: Historisches Jahrbuch 126 (2006) S. 65-89.

Meusser, A.: Für Kaiser und Reich. Politische Kommunikation in der frühen Neuzeit: Johann Ulrich Zasius (1521-1570) als Rat und Gesandter der Kaiser Ferdinand I. und Maximilian II., Husum 2006 (Historische Studien, 477) [Matthiesen, 533 S., geb., 69 Euro].

Meuthen, E.: Das 15. Jahrhundert, 4. Aufl. überarb. von C. Märtl, München 2006 (Oldenbourg Grundriß der Geschichte, 9) [Oldenbourg, 343 S., brosch., 24,80 Euro].

Mötsch, J.: Die Grafen von Henneberg-Römhild, in: Genealogisches Jahrbuch 44 (2004) S. 27-42.

Mutschler, T.: Adel und Erziehung. Die Erziehungsinstruktion des Grafen Wolfgang Ernst von Ysenburg-Büdingen aus dem Jahr 1604, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 5 (2005) S. 21-46.

Negociar en la Edad Media/Négocier au Moyen Âge. Actas del coloquio celebrado en Barcelona los dias 12, 13 y 14 Octubre del 2004, hg. von M. T. Ferrer Mallol, J.-M. Moeglin, S. Pequignot und M. Sanchez Martinez, Paris 2005 (Anejos del Anuario de Estudios Medievales, 61) [Consejo superior de investigaciones científicias, 594 S., brosch., 41 Euro].

Aus dem Inhalt:

Montagut, T. de: Pactar i transaccionar a Catalunya: l’Usatge de Barcelona „Communie et convenientiae“, S. 29-44; Alfonso, I.: Lenguaje y prácticas de negociar en la resolución de conflictos en la sociedad castellano-leonesa medieval, S. 45-65; Speed, J.: Emotion and Negotiation during the Reign of Jaume I, S. 65-86; Ferrer Mallol, M. T.: Negociacions per a una conquesta i rituals per a un canvi de sobirania: la conquesta del regne de Múrcia per Jaume II, S.87-122; Sánchez Martínez, M.: Negociación y fiscalidad en Cataluña a mediados del siglo XIV: las cortes de Barcelona de 1365, S.123-164; Redondo García, E.: Negociar un maridaje en Cataluña: el matrimonio de la infanta Leonor con Eduardo de Portugal, S. 165-184; Verdés Pijuan, P.: „Car vuy en la cort no s’i fa res sens diners“. En torno a la negociación entre la villa de Cervera y el rey durante la Baja Edad Media, S. 185-214; Monnet, P.: Villes, ligues, princes et royauté: négociations et négociateurs dans l’Empire tardo-médiéval, S. 215-240; Correao, P.: Forme della negoziazione politica nel regno di Sicilia fra Trecento e Quattrocento, S. 241-262; Péquignot, S.: „Enantar a tractar“: l’entrée en négociation comme objet d’histoire. L’exemple de la diplomatie de Jacques II d’Aragon (1291-1327), S. 265-302; Autrand, F.: L’écrit et l’oral dans les négociations diplomatiques entre France et Angleterre, XIVe-XVe siècles, S. 303-320; Contamine, P.: 1445: Charles VII et l’art de la négociation, S. 321-348; Offenstadt, N.: De la joie et des larmes. Émotions, négociations et paix pendant la Guerre de Cent Ans, S. 349-368; Schaub, M.-K.: Se comprendre avec difficulté: les pratiques russes de négociation à l’époque moscovite, S. 369-388; Waquet, J.-C.: Arnaud d’Ossat, ou l’art de négocier, S. 389-408; Salicrú i Lluch, R.: Más allá de la mediación de la palabra: negociación con los infieles y mediación cultural en la Baja Edad Media, S. 409-440; Galán Sánchez, Á.: Cristianos y musulmanes en el reino de Granada: las prácticas de negociación a través de un reexamen de las capitulaciones de la rendición y de la conversión, S. 441-472; Petti Balbi, G.: Un sistema di negoziazioni politico-commerciali: i consolati genovesi nel basso medioevo, S. 475-488; Duran Duelt, D.: Teoría y práctica de la negociación comercial bajomedieval en la corona de Aragón, S. 489-502; Coulon, D.: Négocier avec les sultans de Méditerranée orientale à la fin du moyen âge. Un domaine privilegié pour les hommes d’affaires?, S. 503-526; Mutgé Vives, J.: Dos ejemplos de negociación de la época del rey catalanoaragonés Alfonso el Benigno (1327-1336), S. 527-552; Vela i Aulesa, C.: Cobrar o no cobrar. La negociación en el comercio al por menor, S. 553-570; Genet, J.-P.: Conclusion: Négocier. Vers la constitution du normes, S. 571-590.

Neugebauer, A.: Andreas Günther – Hofbaumeister Kardinal Albrechts von Brandenburg, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 15 (2006) S. 230-260.

Oldenbourg Geschichte Lehrbuch – OGL. Mittelalter, hg. von M. Meinhardt, A. Ranft und S. Selzer, München 2006 [Oldenbourg, ca. 500 S., geb., 34,80 Euro].

Oschema, K.: Freundschaft und Nähe im spätmittelalterlichen Burgund. Studien zum Spannungsfeld von Emotion und Institution, Köln 2006 (Norm und Struktur, 26) [Böhlau, 697 S., geb., 39 sw-Abb., 4 Tab. auf 24 Tafeln, 64,90 Euro].

Oschema, K.: Blood-brothers: A Ritual of Friendship and the Construction of the Imagined Barbarian in the Middle Ages, in: Journal of Medieval History 32,3 (2006) S. 275-301.

Otto, A.: Die russische Hofgesellschaft in der Zeit Katharinas II., Tübingen 2005, elektronische Veröffentlichung, URL >http://w210.ub.uni-tuebingen.de/dbt/volltexte/2005/ 1730/pdf/Dissertation_Otto.pdf< [14.11.2006].

Papstregesten 1024-1058, Lfg. 1: 1024-1046, erarb. von K. A. Frech, Köln 2006 (Regesta Imperii III. 5. Abt. Tl. 1) [Böhlau, XXII+361 S., geb., 94 Euro].

Papstregesten 1124-1198, Tl. 4: 1181-1198, Lfg. 2: 1184-1185, erarb. von K. Baaken und U. Schmidt, Köln 2006 (Regesta Imperii IV. 4. Abt. Tl. 4,2) [Böhlau, XVI+824 S., geb., 145 Euro].

Paviot, J.: La croisade bourgignonne aux XIVe et XVe siècles: un idéal chevaleresque?, in: Francia 33,1 (2006) S. 33-68.

Pernis, M. G., Schneider, L.: Lucrezia Tornabuoni de’ Medici and The Medici Family in the Fifteenth Century, New York u.a. 2006 [Peter Lang, 181 S., geb., 59,70 Euro].

Perry, C.: Literature and Favoritism in Early Modern England, Cambridge 2006 [Cambridge University Press, 344 S., geb., 81 Euro].

Pichotka, T.: Die Residenzkapelle und der Gang zum Dom in Halle an der Saale, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 15 (2006) S. 261-277.

Pitz, M.: Der Frühbesitz der Abtei Prüm im lothringischen Salzgebiet. Philologisch-onomastische Überlegungen zu den Brevia 41-43 des Prümer Urbars, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 70 (2006) S. 1-35.

Prochno, R.: Materialwert – Geldwert – Kunstwert im späten Mittelalter. Beispiele aus Burgund, in: Geld- und Kreditwesen im Spiegel der Wissenschaft, hg. von U. Aichhorn, Wien u.a. 2005, S. 177-216.

Raumkunst in Burg und Schloß. Zeugnis und Gesamtkunstwerk. (Jahrbuch der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten 8), Regensburg 2005 [Verlag Schnell & Steiner, 262 S., brosch., zahlr. meist farb. Abb., 34,90 Euro].

Regesten des Archivs der Grafen von Henneberg-Römhild, hg. von J. Mötsch, 2 Bde., Köln 2006 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen. Große Reihe, 13) [Böhlau, insg. 1717 S., geb. 115 Euro].

Die Regesten Heinrichs VII. 1273-1313, 4. Abt.: 1309-1313, 1. Lfg.: 1288/1308-August 1309, bearb. von K.-U. Jäschke und P. Thorau, Köln 2006 (Regesta Imperii VI. 4. Abt. 1. Lfg.) [Böhlau, XIV+369 S., geb., 96 Euro].

Das Regnum Italiae vom Regierungsantritt Hugos von Vienne bis zur Kaiserkrönung Ottos des Großen (926-962), Köln 2006 (Die Regesten des Kaiserreichs unter den Karolingern 751-918 [926/962], 3,3) [Böhlau, XI+503 S., geb., 115 Euro].

Reiche und Territorien in Ostmitteleuropa. Historische Beziehungen und politische Herrschaftslegitimation, hg. von D. Willoweit und H. Lemberg, München 2006 (Völker, Staaten und Kulturen in Ostmitteleuropa, 2) [Oldenbourg, 449 S., geb., 5 Karten, 44,80 Euro].

Reinicke, C.: Kirchenbücher im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen. Personenstandsarchiv Brühl. Neue Auswertungs- und Erschließungsmethoden, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 70 (2006) S. 261-288.

Reinle, C.: Herrschaft durch Performanz? Zum Einsatz und zur Beurteilung performativer Akte im Verhältnis zwischen Fürsten und Untertanen im Spätmittelalter, in: Historisches Jahrbuch 126 (2006) S. 25-64.

Rittertum und höfische Kultur der Stauferzeit, hg. von J. Laudage und Y. Leiverkus, Köln 2006 (Europäische Geschichtsdarstellungen, 12) [Böhlau, 326 S., geb., 8 farb. Abb auf 16 Tafeln, 29,90 Euro].

Rödel, V.: Pfalzgrafen, Grafen und Reichsministerialen am Mittelrhein im 12. und beginnenden 13. Jahrhundert, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 70 (2006) S. 77-104.

Rudolph, B., Hilfenhaus, A.: Die Kontinuität des Unsteten – Die Ruine Ebersburg (Rhön) zwischen Ruinierung und Wiederherstellung, in: Burgen und Schlösser 47,2 (2006) S. 77-90.

Säckl, J.: Wieder wandeln im alten Schloß. Wahrnehmung, Innenarchitektur sowie Ausstattung des albertinischen Residenzschlosses Neu-Augustusburg in Weißenfels im Spiegel schriftlicher Quellen, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 15 (2006) S. 363-425.

Säckl, J., Schmitt, R.: Zur Geschichte des Adelssitzes in Nißmitz, Burgenlandkreis, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 15 (2006) S. 99-150.

Scheibelreiter, G.: Höfisches Geschichtsverständnis. Neuf Preux und Neuf Preuses als Sinnbilder adeliger Weltsicht, in: Mitteilungenden des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 114 (2006) S. 251-288.

Scheibelreiter, G.: Wappen und adeliges Selbstverständnis im Mittelalter, in: Das Mittelalter 11,2 (2006) S. 7-27.

Schenk, G. J.: Enter the emperor. Charles IV and Siena between politics, diplomacy, and ritual (1355 and 1368), in: Beyond the Palio. Urbanism and Ritual in Renaissance Siena, hg. von P. Jackson und F. Nevola, Oxford 2006 (Renaissance Studies, 20,2), S. 161-179.

Scheuer, H. J.: Wahrnehmen – Blasonieren – Dichten. Das Heraldisch-Imaginäre als poetische Denkform in der Literatur des Mittelalters, in: Das Mittelalter 11,2 (2006) S. 53-70.

Schirmer, U.: Kursächsische Staatfinanzen (1456-1656). Strukturen – Verfassung – Funktionseliten, 2 Bde., Stuttgart 2006 (Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte, 28) [Franz Steiner, XXXII+1254 S., geb., 35 Abb. und Photos, 129 Euro].

Schmid, B.: Schreiben für Status und Herrschaft. Deutsche Autobiographik in Spätmittelalter und früher Neuzeit, Zürich 2006 [Chronos, 255 S., 32 Euro].

Schmid, W.: Wallfahrt und Memoria. Die Luxemburger und das spätmittelalterliche Rheinland, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 70 (2006) S. 155-214.

Schmitt, R.: Burg Saaleck, Burgenlandkreis. Zur Geschichte und Baugeschichte, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 15 (2006) S. 6-56.

Schubert, E.: Essen und Trinken im Mittelalter, Darmstadt 2006 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 448 S., geb., 20 sw-Abb., 29,90 Euro].

Schwarze-Neuss, E.: Schloßbau im Barockzeitalter. Eine Sozialgeschichte der Herrschaftsbauten in Mitteldeutschland von der Mitte des 17. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Teil II, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 15 (2006) S. 322-362.

Sépulture, mort et représentation du pouvoir au moyen âge. Tod, Grabmal und Herrschaftsrepräsentation im Mittelalter. Actes des 11es Journées Lotharingiennes, 26-9 septembre 2000, hg. von M. Margue, Luxemburg 2006 (Publications de la Section historique de l’Institut Grand-Ducal, 118; Publications du CLUDEM, 18) [Imprimérie de la Cour, 805 S., kart., Ill., graph. Darstellungen, 45 Euro].

Aus dem Inhalt:

Lehners, J.-P.: Historische Annäherung an den Tod, S. 13-28; Polfer, M.: Le rituel funéraire mérovingien et la próblématique des sépultures „aristocratiques“ des 5e-7e siècles ap. J.-C., S. 29-66; Treffort, C.: Autour de quelques exemples lotharingiens: réflexions générales sur les enjeux de la sépulture entre le IXe et le XIIe siècles, S. 67-94; Dierkens, A.: Sépultures et aménagements architecturaux à l’époque carolingienne, S. 95-132; Meriaux, C.: Sépultures, reliques et mémoire des évêques d’Arras/Cambrai (VIe-XIe siècles), S. 133-170; Gaillard, M.: Dans ou hors la cité: quelques réflexions sur les lieux de sépultures des évêques de Metz, Toul et Verdun, au IXe siècle et au début de Xe siècle, S. 171-184; Kupper, J.-L.: Les sépultures des évêques de Tongres – Maastricht – Liège, depuis les origines jusqu’en 1200, S. 185-196; Marchandisse, A.: Prélude à l’éternité ... Mort, funérailles et sépultures des évêques de Liège au crépuscule du Moyen Âge (XIIIe –XVe siècles), S. 197-240; Fuchs, M., Heinz, S., Rothbrust, B., Schmid, W.: Topographie umd Memoria. Die Grablegen der Erzbischöfe von Trier, Köln und Mainz vom 13. bis ins 16. Jahrhundert, S. 241-286; Margue, M.: Avant-propos, S. 9-12; Margue, M.: Mort et pouvoir: le choix du lieu de sépulture (espace Meuse-Moselle, XIe-XIIe siècles), S. 287-320; Declercq, G.: Entre mémoire dynastique et représentation politique. Les sépultures des comtes et comtesses de Flandre (879-1128), S. 321-372; Bijsterveld, A.-J. A.: Les sépultures des comtes de la Meuse inférieure: les cas des Régnier et des Baldéric (Xe siècle), des comtes de Looz (XIe siècle) et des comtes de Gueldre (XIIe-XIVe siècles), S. 373-404; Verkerk, C. L.: Die Begräbnisstätten der Grafen aus dem holländischen Haus, S. 405-422; Waha, M. de, Dugnoille, J.: Mort et sépulture des comtes de Hainaut jusqu’en 1195, S. 423-470; Dugnoille, J., Waha, M. de: Valenciennes et les tombes des comtes de Hainaut (1304-1417), S. 471-490; Guilardian, D.: Les sépultures des comtes de Louvain et des ducs de Brabant (XIe s.-1430), S. 491-540; Parisse, M.: Les sépultures comtales en Lorraine au Moyen Âge (Bar, Salm, Vaudémont), S. 541-550; Fray, J.-L.: Du „désert“ cistercien au cœur de la capitale, les sépultures des ducs de Lorraine (XIe-XIVe siècles), S. 551-568; Fey, C.: Kontinuität und Wandel der Begräbnisse der Grafen von Sponheim im Spätmittelalter, S. 569-590; Cejnkovà, D., Loskotová, I., Maráz, K.: Die Erforschung der Grablegen der mährischen Luxemburger Jobst und Prokop in Brünn, S. 591-612; Babendererde, C.: Uns zu Gedechtnus – Vergegenwärtigung des toten Fürsten bei Begräbnis und Begängnis, S. 613-636; Pauly, M.: Sépultures princière et capitale, S. 637-682; Coomans, T.: Cistercian Nuns and Princely Memorials: Dynastic Burial Churches in the Cistercian Abbeys of the Medieval Low Countries, S. 683-734; Lebecq, S.: Sur la mort des grands et leur sépulture au Moyen Âge. Conclusions du colloque, S. 735-744.

Sigismund von Luxemburg, ein Kaiser in Europa: Tagungsband des internationalen historischen und kunsthistorischen Kongresses in Luxemburg, 8.-10. Juni 2005, hg. von M. Pauly und F. Reinert, Mainz 2006 [Zabern, 376 S., geb., 140 farb. und 86 sw-Abb., 45 Euro].

Skodock, C.: Barock in Russland. Zum Œuvre des Hofarchitekten Francesco Bartolomeo Rastrelli, Wiesbaden 2006 (Veröffentlichungen des Osteuropa-Instituts München. Reihe Geschichte, 70) [Harrassowitz, 298 S., mit Werkkatalog auf CD-ROM, 48 Euro].

In Spuren reisen. Vor-Bilder und Vor-Schriften in der Reiseliteratur, hg. von G. Ecker und S. Röhl, Münster 2006 [Lit, 240 S., brosch., 29,90 Euro].

Stercken, M.: Kartographien von Herrschaft im Mittelalter, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 70 (2006) S. 134-154.

Stercken, M.: Städte der Herrschaft. Kleinstadtgenese im habsburgischen Herrschaftsraum in der Überlieferung des 13. und 14. Jahrhunderts, Köln 2006 (Städteforschung. Reihe A: Darstellungen, 68) [Böhlau, 264 S., geb., 29,90 Euro].

Tabbagh, V.: Gens d’Église, gens de pouvoir (France, XIIIe-XVe siècle), Dijon 2006 [Éditions universitaires de Dijon, 212 S., brosch., 20 Euro].

Wappen als Zeichen. Mittelalterliche Heraldik aus kommunikations- und zeichentheoretischer Perspektive, hg. von W. Achnitz, Berlin 2006 (Das Mittelalter, 11,2) [Akademie, 209 S., brosch., 34,50 Euro].

Ward, J. P.: Guillaume de Clugny, Guillaume de Bische and Jean Gros: mediators between Charles the Bold of Burgundy and the cities of Holland (1460–1477), in: Francia 33,1 (2006) S. 69-99.

Wassenhoven, D.: Skandinavier unterwegs in Europa (1000-1250). Untersuchungen zu Mobilität und Kulturtransfer auf prosopographischer Grundlage, Berlin 2006 (Europa im Mittelalter, 8) [Akademie, ca. 462 S., geb., 4 Abb., 79,80 Euro].

Weber, C. F.: Exempla im Schilde führen. Zur Funktionalität „redender Wappen“ in der kommunalen Geschichtsschreibung des Trecento, in: Das Mittelalter 11,2 (2006) S. 147-166.

Auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Der Jakobsweg – Kulturstraße Europas, hg. von J. M. Häussling, Münster 2005 [Lit Verlag, 256 S., brosch., 19,90 Euro].

Wienfort, M.: Der Adel in der Moderne. Eine Einführung, Göttingen 2006 [Vandenhoeck & Ruprecht, 192 S., brosch., 14,90 Euro].

Winterer, C.: Leere Gesichter und Wappen. Zur Welt der Zeichen in „Kaiser Heinrichs Romfahrt“, in: Das Mittelalter 11,2 (2006) S. 71-97.

Wittmann, H.: Im Schatten der Landgrafen. Studien zur adeligen Herrschaftsbildung im spätmittelalterlichen Thüringen, Köln 2006 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen. Kleine Reihe, 17) [Böhlau, 576 S., geb., 59,90 Euro].

Wode, Nathalie: Reisen französischer Pilger zwischen Venedig und Korfu im 15. Jahrhundert, in: Hortus Artium Medievalium 12 (2006) S. 243-251.

Wolf, S.: Erfurt im 13. Jahrhundert. Städtische Gesellschaft zwischen Mainzer Erzbischof, Adel und Reich, Köln 2006 (Städteforschung. Reihe A: Darstellungen, 67) [Böhlau, XLVIII+310 S., geb., 1 Karte auf Vorsatz, 39,90 Euro].

Women of Distinction: Margaret of York and Margaret of Austria, hg. von D. Eichberger, Löwen 2005 [Davidsfonds, 367 S., geb., zahlr. Abb., 66 Euro].

... wurfen hin in steine/grôze und niht kleine ... Belagerung und Belagerungsanlagen im Mittelalter, hg. von O. Wagner und H. Lass, Frankfurt am Main 2006 (Beihefte zur Mediaevistik. Monographien, Editionen, Sammelbände, 7) [Peter Lang, 410 S., brosch., über 100 Abb., 68,50 Euro].

Aus dem Inhalt:

Himmelsbach, G.: Kriegführung im späten Mittelalter – Belagerung am Beispiel der Burgunderkriege 1474-77, S. 235ff.; Losse, M.: „histori von der belegnus so der türkisch kaiser gehabt hat vor Rhodis“ – Die Belagerung der Stadt Rhódos (Griechenland) durch die Türken 1480 im Spiegel der Chronik des Guillaume Caoursin, eines Zeitzeugen, S. 205ff.; Metzdorf, J.: „Bedrängnis, Angst und große Mühsal“ – Die Belagerung von Neuss durch Karl den Kühnen 1474/75, S. 167ff.

Wüst, W.: Netzwerke in Franken. Zwischenstaatliche Kommunikation in Spätmittelalter und Früher Neuzeit, in: Nachdenken über fränkische Geschichte. Vorträge aus Anlaß des 100. Gründungsjubiläums der Gesellschaft für fränkische Geschichte vom 16.-19. September 2004, hg. von E. Schneider, Neustadt a.d. Aisch 2005 (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte, 9), S. 107-128.

Wüst, W.: Regionaler Aufbruch oder Provinzialisierung? Identitätsverluste durch Säkularisation und Mediatisierung im neuen Bayern, in: Bayerische Geschichte – Landesgeschichte in Bayern. Festgabe für Alois Schmid zum 60. Geburtstag, hg. von K. Ackermann und H. Rumschöttel, 2 Bde., München 2005 (Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, 68), hier Bd. 2, S. 781-815.

Zimmermann, M.: Salon der Autorinnen. Französische „dames de lettres“ vom Mittelalter bis zum 17. Jahrhundert, Berlin 2005 [Erich Schmidt, 295 S., brosch., 32 Abb., 49,80 Euro].

 


Werner Paravicini,
Jörg Wettlaufer (Hg.)

 

Der Hof und die Stadt
Konfrontation, Koexistenz und Integration in Spätmittelalter
und Früher Neuzeit

 

Residenzenforschung, Bd. 20
Herausgegeben von der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften in Göttingen

530 S., 40 Abb.
Leinen mit SU
17 x 23,5 cm 2006 lieferbar

ISBN: 3-7995-4521-2

€ 79,00 sFr 132,0

 

 

 

Hof und Stadt – zwei miteinander konkurrierende, aber auch kooperierende Organisationsformen von Macht und Herrschaft – stellen ein Leitthema der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte dar. Dem Hof mit einem zentralen Mittelpunkt, dem Herrscher, steht die Stadt mit dem mehrköpfigen Rat gegenüber. Gleichsam als Beispiel für die unterschiedlichen Möglichkeiten der politischen Organisation von Macht weisen beide Gebilde besonders im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit viele Berührungspunkte auf, die zu einem komplexen Wechselspiel von Konfrontation, Koexistenz und Integration führten.

 

 

DIE HERAUSGEBER

Professor Dr. Werner Paravicini leitet seit 1993 das Deutsche Historische Institut Paris. Er arbeitet über Hof und Adel im späten Mittelalter

Dr. Jörg Wettlaufer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.


Das Buch ist zu bestellen bei:

 

 

Jan Thorbecke Verlag
 Postfach 4201, D-73745 Ostfildern
Telefon: (07 11) 44 06-0 / Telefax: (07 11) 44 06-199
E-Mail: online@thorbecke.de
www: http://www.thorbecke.de

Die Arbeitsstelle Kiel

 

 

Prof. Dr. Werner Paravicini

 

Dr. Jan Hirschbiegel
(Mitteilungen der Residenzen-Kommission, Reihe Residenzenforschung,
Handbuch III: Hof und Schrift, Handbuch IV: Grafen und Herren)

Dr. Jörg Wettlaufer
(Symposien, Internetangebot, Handbuch IV: Grafen und Herren)

 

Silke Meier

Rudolph-Philipp Sohn

 

 

Adresse:

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Residenzen-Kommission

Arbeitsstelle Kiel

c/o Historisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

 

(Besuchsadresse) Leibnizstr. 8

 

(postalisch) Olshausenstr. 40

 

D-24098 Kiel (für Briefe)

D-24118 Kiel (für Päckchen und Pakete)

 

Tel./Fax/AB: [D] 04 31 - 8 80-14 84 (Hirschbiegel)

Tel./AB [D] 04 31 - 8 80-22 96 (Wettlaufer)

 

 

 

E-Mail: resikom@email.uni-kiel.de

 

 

Adresse im Internet: http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de

 

 

*****

Prof. Dr. Werner Paravicini

Deutsches Historisches Institut Paris

Hôtel Duret de Chevry

8, rue du Parc-Royal

F-75003 Paris

Tel. [F] 01 - 42 71 56 16 – Fax [F] 01 - 44 54 24 15

 

E-Mail: direktor@dhi-paris.fr

 

Adresse im Internet: www.dhi-paris.fr



[1]       Vgl. Müller, Rainer A.: Der frühneuzeitliche Fürstenhof. München 1995 (Enzyklopädie deutscher Geschichte, 33), S. 31.

[2]       „So wie nie ein Hof, so groß er auch sei, Prunk und Glanz an sich haben kann und anmutslos bleibt ohne Damen“, Beyer, Andreas: Baldassare Castiglione. Der Hofmann. Lebensart in der Renaissance. Berlin 1996, S. 88.

[3]       Vgl. Graf, Henriette: Die Residenz in München. Hof-Zeremoniell, Innenräume und Möblierung von Kurfürst Maximilian I. bis Kaiser Karl VII. München 2002 (Forschungen zur Kunst und Kulturgeschichte, 8); Schmid, Alois: Der Hof als Mäzen. Aspekte der Kunst- und Wissenschaftspflege der Münchner Kurfürsten, in: Rationalität und Sentiment, hg. von Venanz Schubert, St. Ottilien 1987, S. 185-268.

[4]       Vgl. Women and Politics in Early Modern England. 1450-1700, hg. von James Daybell, Aldershot 2004; Harris, Barbara: English Aristocratic Women. 1450-1550. Marriage and Family, Property and Careers, Oxford/New York 2002; Harris, Barbara: Women and Politics in Early Tudor England, in: Historical Journal 33,2 (1990) S. 259-281; Wiesner, Merry E.: Women’s Defense of their Public Role, in: Gender, Church, and State in Early Modern Germany, hg. von Merry E. Wiesner, London/New York 1998, S. 6-29; Wiesner, Merry E.: Women and Gender in Early Modern Europe, Cambridge 1993.

[5]       Chapman, Sara: Patronage as Family Economy. The Role of Women in the Patron-Client Network of the Phélypeaux de Pontchartrain Family. 1670-1715, in: French Historical Studies 24 (2001) S. 11-35; Kleinman, Ruth: Social Dynamics at the French Court. The Household of Anne of Austria, in: French Historical Studies 16 (1990) S. 517-535.

[6]       Vgl. Wiesner, Merry E.: Women and Gender in Early Modern Europe, Cambridge 1993, S. 239f; Frauen bei Hof. Handlungsspielräume und Gestaltungsmöglichkeiten in Südwestdeutschland, hg. von Otto Borst, Tübingen 1998.

[7]       Keller, Katrin: Hofdamen. Amtsträgerinnen im Wiener Hofstaat des 17. Jahrhunderts, Wien u.a. 2005; Richter, Susan: Hofdame – ein Beruf für Frauenzimmer? Betätigungsfelder adeliger Damen am Beispiel des kurpfälzischen Hofes im 18. Jahrhundert, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 153 (2005) S. 441-480.

[8]       „Vnderthänigister Bericht, was bey der Piemontesischen hinein- und herauß Reiß von Tag zu Tag vorgangen“: Den 22. Junij. München. [...] Als man nun in jetztgemeldter ordnung sich der Statt [München] genähert, vnd selbige auff dem Jserberg ins Gesicht gebracht, ist die Churfürstl. Princessin auff gegebenes Zeichen von allen Pasteyen, Thürnen vnd der gantzen fortification mit 170 doppelten, einfachen, halben vnd gantzen Carthaunen, auch allerhand andern grossen Stucken empfangen worden, vnd ob gleichwoln es eben vmb selbige zeit starck gewittert, hat doch solches disen Einzug weder in der Ordnung, noch sonsten, im wenigisten nichts gehindert, Riedenauer, Erwin: Die Turiner Mission des Grafen Kurz 1652. Instruktion und Reisebericht als Beitrag zur Verkehrsgeschichte und Landeskunde, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 52 (1989) S. 291-352, hier S. 352.

[9]       Herzogin Maria Anna Charlotte von Bayern (1722-1790) Ehefrau bzw. Witwe des Herzogs Clemens Franz von Paula, Neffe des Kurfürsten und Kaisers Carl (Albrecht) VII. und Cousin des Kurprinzen Max III. Joseph.

[10]     Münchner Hofordnungen entsprechen den Texten in Wien z.T. wörtlich.

*       Britta Kägler, Aindorferstraße 91A, D-80689 München.

*       Dr. Torsten Hiltmann, Deutsches Historisches Institut Paris, 8, rue du Parc-Royal, F-75003 Paris.

[11]       Siehe Meinhardt, Matthias, Ranft, Andreas: Das Verhältnis von Stadt und Residenz im mitteldeutschen Raum. Vorstellung eines Forschungsprojektes der Historischen Kommission für Sachsen- Anhalt, in: Sachsen und Anhalt 24 (2002/2003) S. 391-405.

[12]       Siehe zur Veröffentlichung unten S. 53 und S. 63.

*       Wir nennen nur Kolloquien, Tagungen, Jubiläen, Ausstellungen, die ab Erscheinen der aktuellen Mitteilungen noch stattfinden oder künftig stattfinden werden, siehe ansonsten unsere Internetseite unter der oben angegebenen Adresse.

[13]       Das „sic“ im Zitat in der letzten Zeile des Beitrags (S. 51), das vermutlich nicht vom Autor stammt, ist überflüssig. In der Wendung „zu bessern und zu ärgern [!]“ meint „ärgern“: „zum Argen wenden“.

[14]       Vgl. hierzu jetzt auch die Monographie Bonazza, Marcello: Il fisco in una statualità divisa. Impero, principi e ceti in area trentino-tirolese nella prima età moderna, Bologna 2001.

*       Dr. Mark Hengerer, Universität Konstanz, Fachgruppe Geschichte. Fach D5, D-78457 Konstanz.

*       Jörg Matthies, M.A., Waitzstr. 101, D-24118 Kiel.

*       Dr. Brigitte Streich, Stadtarchiv Wiesbaden, Im Rad 20, D- 65197 Wiesbaden.

Menue von:
Milonic Web Menus
© Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen