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Mitteilungen der Residenzen-Kommission

 

der

 

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

 

 

 

Jahrgang 16 (2006) Nr. 1


 

 

 

Mitteilungen der Residenzen-Kommission

 

der

 

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

 

 

 

Jahrgang 16 (2006) Nr. 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Residenzen-Kommission

 

Arbeitsstelle Kiel


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ISSN 0941-0937

 

 

Herstellung:

Vervielfältigungsstelle

der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

 

 

 

Titelvignette:

Ausschnitt der Miniatur „Largesse“ aus „The Hastings Hours“ (British Library Add. MS 54782, fol. 43r, Vorlage für das Plakat zum 10. Symposium der Residenzen-Kommission in Gottorf/Schleswig, 23.-26. September 2006, siehe unten S. 50-52), nach der Faksimile-Edition: The Hastings hours. A 15th-century Flemish book of hours made for William, Lord Hastings now in the British Library. Preface and commentary by D. H. Turner, London 1982

 

 



Inhalt

 

 

Vorwort...................................................................................................................................... 7

Ernst Schubert (23. Mai 1941 bis 18. März 2006)....................................................................... 9

Aus der Arbeit der Kommission................................................................................................. 13

Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich: Grafen und Herren................................... 15

                        Konzept und Fragestellung............................................................................. 15

                        Forschungslage.............................................................................................. 15

                        Veröffentlichungen zum Thema in Auswahl..................................................... 16

                        Anlage des Doppelbandes............................................................................. 19

                        Gestaltung der Artikel: Bearbeitungsmasken – Formalia.................................. 19

                        Liste der Grafen und Herren........................................................................... 23

                        Beispielartikel................................................................................................ 25

                        Anmeldeformular........................................................................................... 49

10. Symposium der Residenzen-Kommission.............................................................................. 50

Die Arbeit der anderen............................................................................................................... 53

Der Hochmeisterpalast des Deutschen Ordens in der Marienburg (Malbork)
und die französische Architektur,
von Kazimierz Pospieszny, Malbork....................................................................................... 53

Kolloquiumsberichte.................................................................................................................. 67

Residenzen und Verwaltungszentren in den Ländern der
Böhmischen Krone im 14. bis 17. Jahrhundert,
von
Ivan Hlaváček, Prag........................................................................................................ 67

Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen............................................................................................ 71

Buchvorstellungen...................................................................................................................... 87

Das Sichtbare und das Unsichtbare der Macht. Institutionelle Prozesse in Antike, Mittelalter und Neuzeit, hg. von Gert Melville, Köln u.a. 2005,
von Ulf Christian Ewert, Chemnitz.......................................................................................... 87

Macht und Memoria. Begräbniskultur europäischer Oberschichten in der
Frühen Neuzeit, hg. von Mark Hengerer, Köln u.a. 2005,
von Carola Fey, Gießen......................................................................................................... 89

In fürstlichem Glanz. Der Dresdner Hof um 1600, hg. von Dirk Syndram und
Antje Scherner, Mailand 2004,
von Evelyn Korsch, Venedig.................................................................................................. 94

Ein zweigeteilter Ort? Hof und Stadt in der Frühen Neuzeit, hg. von Susanne Pils
und Jan Paul Niederkorn, Innsbruck u.a. 2005 (Forschungen und Beiträge zur
Wiener Geschichte, 44),
von Matthias Meinhardt, Halle.............................................................................................. 100

Nolte, Cordula: Familie, Hof und Herrschaft. Das verwandtschaftliche Beziehungs-
und Kommunikationsnetz der Reichsfürsten am Beispiel der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach (1440–1530), Ostfildern 2005 (Mittelalter-Forschungen, 11),
von Sven Rabeler, Kiel........................................................................................................ 103

Neuerscheinungen.................................................................................................................... 107

Die Arbeitsstelle Kiel............................................................................................................... 131

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Wenn Sie den Mitteilungen einen Text zusenden wollen (bitte, tun Sie es: nächster Redaktionsschluß ist der 1. Oktober 2006), dann schicken Sie ihn bitte an mich über die Redaktion in Kiel oder direkt nach Paris. Die jeweiligen Adressen sind, wie stets, auf der letzten Seite angegeben.

                                                                                                                                                                                                 W.P.

 


 


Vorwort

 

 

Heiter gießt auf dem Umschlag der Höfling einen Sack von Goldstücken aus, Gleichnis der freigebig verteilten Schätze, die dieses Heft reichlich enthält (Preußen, Böhmen, Wien, Dres-den, Ansbach, Berlin!), darunter die Ankündigung des Gottorfer Symposiums zur Hofwirt-schaft, das uns im September erwartet. Gleichnis schließlich auch für die Fülle des Lebens, deren sich mancher erfreut.

Aber nicht jeder. Wir haben eingangs unseres Kommissionsmitglieds Ernst Schubert zu gedenken, der aus unserer Mitte gerissen uns plötzlich entrückt ist. Dies soll nicht hier ge-schehen, sondern eigens hernach. Nur dieses Wort. Dann verlangen Amt und Arbeit ihr Recht. Wir werden alle gehen. Sehen wir zu, daß wir bis dahin einen guten Weg gegangen.

Also Gottorf. Nur wenig ist noch offen, einiges Organisatorische und Finanzielle, auch wenn wiederum die Gerda Henkel Stiftung sich großzügig erwiesen hat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft beiträgt, ebenso wie die schleswig-holsteinischen Landesmuseen und das Landesarchiv und die Landesuniversität Kiel und das Deutsche Historische Institut in Paris, das wiederum dafür sorgt, daß es „welsche“ Beiträge geben wird. Wissenschaftlich steht das Programm, diesmal vermehrt durch ein Atelier oder Werkstattgespräch mit jungen Leuten, schon am frühen Nachmittag des Samstags, der in feierlicher Eröffnung fortgesetzt wird, wo dann vom größten Hof überhaupt die Rede sein wird, von der päpstlichen Kurie, vorgestellt von einem, der sich dort wahrlich auskennt, in Inhalt und Form: Arnold Esch. Am Sonntag erfreut eine Exkursion diesseits und jenseits der Landesgrenze. Erst am Montag, wenn alles sich kennt und miteinander warm geworden ist, beginnt das eigentliche Sympo-sium, zu dem jeder Interessent sich auch jetzt noch anmelden kann (siehe unten S. 50-52).

Derweil geht brausend die Arbeit weiter. Nachdem Teil II des Handbuchs erschienen ist, drängt schon Teil III (Hof & Schrift) mächtig nach. Ende des Jahres wollen wir damit fertig sein, können der Drucklegung bzw. der folgenden Rechnung auch wohlgemut entgegensehen, denn die Fritz Thyssen Stiftung hat erneut den wesentlichen Teil der Kosten zugesagt, uns zu großem Dank verpflichtend. Der neue Teil IV, „Grafen und Herren“ verläßt unterdessen die interne Planung und steigt in die externe auf: Unten auf S. 15 bis 49 ist das Konzept nachzu-lesen, eine knappe Bibliographie zum Thema entgegen zu nehmen, die erste Liste der zu erfassenden Familien zu prüfen, der erste Set von Probeartikeln zu studieren, den Grafen von Bentheim und denjenigen von Sponheim gewidmet, flink verfaßt von Frau Stephanie Marra (Dortmund) und Johannes Mötsch (Meiningen): Schön, daß es solche frische Bereitwilligkeit und abrufbare Sachkunde gibt. Nun sind alle Kenner aufgerufen, dazu Stellung zu nehmen, uns auf die Sprünge zu helfen (welche Familien müssen, sollten, könnten wir noch aufnehmen, auch wenn sie nicht in der Reichsmatrikel von 1521 begegnen?), vor allem aber: sich einzuschreiben, aus lokaler Kenntnis und bewährter Einsatzbereitschaft einen Artikel oder deren mehrere zu übernehmen, deren es wiederum drei Arten gibt: Geschlechter, Herrschaften, Residenzen. Das Anmeldeformular wird (auf S. 49) gleich mitgeliefert.

Doch haben wir nicht nur Künftiges aufzuweisen (darunter noch die Acta des letzten Symposiums „Der Hof und die Stadt“, die pünktlich in Gottorf vorliegen werden), sondern auch Gegenwärtiges: Bd. 19 der Reihe „Residenzenforschung“ ist erschienen, Cornell Baben-dererdes Greifswalder Dissertation zum Thema „Sterben, Tod, Begräbnis und liturgisches Gedächtnis bei weltlichen Reichsfürsten des Spätmittelalters“, dargestellt an den vier Bei-spielen der Wettiner, der Landgrafen von Hessen, der Württemberger und der Grafen von Henneberg-Schleusingen (Bestellschein auf S. 129): nun wird niemand mehr Begräbnis und Begängnis in eins werfen (zum Thema siehe auch S. 89-94). Daneben, unscheinbarer, aber ebenso unentbehrlich, erhalten Sie das 8. Sonderheft dieser Mitteilungen, von Jan Hirsch-biegel und Silke Meier bearbeitet, wiederum ein Jahrfünft palatino-kurialer Bibliographie enthaltend mit nicht weniger als 3463 Titeln. Schrecklich, so viele Bücher, Aufsätze, Tagungen, Vorträge? Ja, natürlich, aber wir müssen schon wissen was passiert. Und die Fürsten-, Hof- und Adelsforschung ist jetzt erst so recht in Schwung gekommen. Lesen Sie einmal die Titel der Neuerscheinungen in diesem Hefte nach (die im Sonderheft noch nicht erfaßt sind). Nun nimmt man den Adel sogar im 19. und 20. Jahrhundert wahr. Welche Über-raschung, es gab (und gibt) ihn wirklich, und nicht zu knapp. Gleich zwei Autoren zitieren (S. 74 und 82) Heinz Reifs Formel von den Edelleuten als den „Meistern der Sichtbarkeit“ – das macht den Heutigen Eindruck, denn das ist ihnen wichtig. Von wegen, „mehr Sein als Scheinen“! Also: von den Alten lernen, so tumb waren die gar nicht.

Auch wir werden bekannt und wahrgenommen. Der erfreuliche Deutschlandhistoriker Pierre Monnet, jetzt an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris lehrend, Redner auf dem letzten Symposium in Halle, hat wohlwollend über uns im „Bulletin d’Information“ der Mission Historique Française en Allemagne geschrieben (Bd. 41, 2005, S. 168-173), jener Zeitschrift der französischen Forschungsstelle in Göttingen, deren Direktor er unlängst noch war – und die nun nicht weiß, ob sie sich weiter um das ranken kann, was einmal das Max-Planck-Institut für Geschichte gewesen ist. Wie töricht, dieses Ende, wie peinlich, wie unnötig. Nun wird dort über „heterogene Gesellschaften“ geforscht werden – als ob es jemals etwas anderes gegeben hätte. Wir sind zwar auch Göttinger, aber Akademien haben einen längeren Atem als Max-Planck-Institute und werden nicht von jedem Mode-wechsel umgeblasen. Ad multos annos also und unseren französischen Partnern Kraft und Eigenständigkeit.

 

Das wünscht ihnen, aber auch Ihnen und uns

 

Werner Paravicini

 


Ernst Schubert

23. Mai 1941 bis 18. März 2006

 

 

Wir haben schon manche verloren. Früh Hans Patze, unseren Gründer, dann plötzlich Hartmut Boockmann, unlängst im hohen Alter Josef Fleckenstein und nun, gänzlich überraschend, aber wohl nicht für die, die ihm nahestanden, Ernst Schubert. An der Kommissionssitzung in Göttingen am 10. Oktober des letzten Jahres konnte er schon nicht mehr teilnehmen. In Halle haben wir ihn aber noch erlebt, eindrucksvoll in Wort, Gestik und dem, was man wohl Weisheit nennen muß. Ein freier Mann, mit den Untiefen des Lebens und den Schwächen der Menschen wohl vertraut. Von größter Höflichkeit und doch ganz eigen-sinnig. Ein einsamer Wolf, so wollte es scheinen, der den Betrieb und die vermeintlichen Zwänge der Zunft verabscheute und doch ein ungemein geselliger Mann war. Der seinem Laster, der Zigarette, nicht entsagen konnte und dabei das Bild höchster Konzentration bot. Und einer, der ungemein fleißig war. Nicht im Sinne schlichter Kärrnerarbeit. Dazu war er viel zu originell, selbst denkend, keiner Schule angehörend. Aber wenn er sich in ein Thema verbissen hatte, dann blieb er dran und schrieb auch einmal tausend Seiten (so in der Ge-schichte Niedersachsens, 1997 erschienen[1]). Wenn andere sich auf Kolloquien und Sitzungen von Kommissionen und Beiräten herumtrieben, saß er in der Studierstube und schrieb. Den sich wandelnden Jargon hat er nie mitgemacht. Äußerliche Ehren waren ihm, offensichtlich, gänzlich gleichgültig. Wenn sie sich einstellten, hieß er sie willkommen, aber sich dafür zu verbiegen, kam ihm nicht in den Sinn. So ist er 1999 Mitglied der Göttinger Akademie geworden, und was er dann in deren Jahrbuch über diese Gesellschaft in der Zeit des Natio-nalsozialismus schrieb, war von rarer Qualität[2]. Das Land, in dem er lebte, wußte, was es an ihm hatte, und verlieh ihm, dem Vorsitzenden der Historischen Kommission für Nieder-sachsen und Bremen, im selben Jahr den Niedersachsenpreis für Wissenschaft.

Früher Tod macht betroffen: Wo sieht man schon, daß so viele Schüler und Mitarbeiter (48) und Göttinger Historikerkollegen (27) je eine Anzeige widmeten, wie in der F.A.Z. am 24. März geschehen? Einer von ihnen, Frank Rexroth, hat schon am 22. März in derselben Zeitung einen Nachruf veröffentlicht, der zeigt, wie sehr Ernst Schubert in Göttingen ange-sehen war. Dabei sind nahe Kollegen in der Regel die übelsten Neider. Hier keine Spur davon. Nach allem, was man hört, muß er ein begnadeter Lehrer gewesen sein[3]. Also keiner von denen, die nur außerhalb ihrer Universität geschätzt werden und mit der Zeit, die sie den Studenten stehlen, sich Renommée und Ehrendoktorate erwerben. Seine Schüler, Freunde, Kollegen hatten ihm eine Festschrift zum 65. Geburtstag vorbereitet; nun ist sie zur Gedenkschrift geworden[4].

Ernst Schubert war Direktor des Instituts für Historische Landesforschung der Georgia-Augusta, war einer jener Landeshistoriker, die wie Walter Schlesinger, Hans Patze (der Vor-gänger) oder Peter Moraw im Lokalen wurzeln, aber sich nie davon haben einfangen lassen, auch nicht von vermeintlichen Epochengrenzen, etwa der um 1500. Ernst Schubert hat viel zur Frühen Neuzeit, ja zur Zeitgeschichte publiziert, und natürlich auch zu einem so nieder-sächsischen Thema wie der Schlacht bei Langensalza[5], deren Memoria wir mit ihm im Bo-mann-Museum in Celle hatten besichtigen können. Aus Hannover stammte er, dort ist er gestorben. Seine akademischen Stationen aber heißen Würzburg (wo er 1965 bei Hanns Hubert Hoffmann promoviert wurde[6]), Erlangen (wo er 1968 bei Gerhard Pfeiffer und dann bei Alfred Wendehorst Assistent wurde und sich habilitierte), Konstanz (das ihm 1980 die erste Professur bot), und seit 1985 Göttingen.

Gegen Modisches unempfindlich (und wie aramselig ist doch das Tanzen nach der Pfeife des gerade Gängigen) hat er vielmehr sehr früh Themen gefunden, Quellen erschlossen und Fragen gestellt, die höchst originell waren und schließlich Standard wurden: (Un-)Staat-lichkeit des späten Mittelalters, Bettler und Gauner[7], Spielleute und Vaganten[8], Fremde[9], Alltag[10], Schauspiel[11], Umwelt[12], Essen und Trinken[13] und was der interessanten Themen mehr sind. Die einschlägigen Bücher erschienen zumeist bei der Wissenschaftlichen Buch-gesellschaft in Darmstadt, waren preiswert und somit weit verbreitet. Dabei ist er aber immer auch auf höchster Ebene der Frage der Verfassung von „König und Reich“ nachgegangen, wie seine Habilitationsschrift von 1974 hieß[14], wie sein Beitrag zur Enzyklopädie deutscher Geschichte bewies[15], wie zuletzt noch die umfangreiche Studie über die Königsabsetzungen im Reich belegt[16]. Liest man seine Veröffentlichungsliste noch einmal nach, dann begegnen darüber hinaus solche Juwelen wie die maßgebliche Abhandlung über den Versuch, das Reich in jeweils vier „Ständen“ abzubilden[17], eine Untersuchung über den gerichtlichen Zweikampf bei Kleist[18], eine Auseinandersetzung mit der feministischen Geschichts-wissenschaft[19], eine Geschichte der (fast abgeschafften) Habilitation[20] oder überraschende Beobachtungen zur Entstehung der innerdeutschen Grenze nach 1945[21].

Das war nicht der angepaßte Macher, der geschätzte Drittmittelzauberer, der vielgebetene Evaluationsgänger. Sondern ein eigenwilliger, hochintelligenter, fruchtbarer Historiker in vielfach gesichtsloser Zeit. Er wird uns in seiner scharfsinnigen Bedächtigkeit fehlen. Und doch wissen wir, daß die Zeit über alles hinweggeht. Nur das Werk bleibt, und die Erinne-rung, bis alle verstorben sind, die ihn gekannt haben. Wir jedenfalls grüßen ihn ein letztes Mal, verneigen uns achtungsvoll, der Witwe Mut und Einsicht wünschend, und gehen den Weg einsamer weiter.

 

Paris, am 27. Mai 2006                                                                                        Werner Paravicini

Aus der Arbeit der Kommission

 

 

1.         Handbuch

1.1.      Dynastisch-topographischer Band – folgende Rezensionen liegen inzwischen vor: Thomas, Heinz, in: F.A.Z., 14. Januar 2004 – Hillen, Christian, in: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2004-2-116 – Irgang, Win-fried, in: Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 53,2 (2004) S. 270f. – Andermann, Kurt, in: Historische Zeitschrift 279 (2004) S. 733-735 – Tebruck, Stefan, in: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte 58 (2004) S. 257-262 – Vogtherr, Thomas, in: Das Mittelalter 92, (2004) S. 193f. – Krüger, Matthias, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 53,3 (2005) S. 270f. – Römer, Christof, in: Mitteldeutsches Jahrbuch 12 (2005) S. 340-343 – Moeglin, Jean-Marie, in: Bulletin de la Mission Historique Française en Allemagne 41 (2005) S. 171f. – Neininger, Falko, in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 51 (2005) S. 249-251.

1.2.      Bilder und Begriffe – grundlegende Informationen im Internet unter der URL >http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/projekt.php#Bildband<. Wir weisen vor allem hin auf die Datenbankabfrage unter der URL >http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/abfragebegriffe.php< Dort finden sich u.a. zusätzliche Ab-bildungen, die bei der Publikation keine Berücksichtigung finden konnten.

1.3.      Hof und Schrift – zum Zeitpunkt des Erscheinens der vorliegenden MRK liegen die Beiträge für den geplanten Band vor und werden redaktionell über-arbeitet. Es gilt weiterhin der mit dem 31. Dezember 2006 avisierte Termin der Drucklegung.

1.4.      Grafen und Herren – siehe zum Konzept unten S. 15ff.

2.         Residenzenforschung

2.1.      Cornell Babendererde: Sterben, Tod, Begräbnis und liturgisches Gedächtnis bei weltlichen Reichsfürsten des Spätmittelalters (Residenzenforschung, 19) – ist erschienen, Bestellmöglichkeit unten S. 129.

2.2.      Der Hof und die Stadt. Konfrontation, Koexistenz und Integration im Verhältnis von Hof und Stadt in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. 9. Sym-posium der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, dem Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dem Deutschen Historischen Institut Paris, Halle an der Saale, 25.-28. September 2004, hg. von Werner Paravicini und Jörg Wettlaufer (Residenzenforschung, 20) der Band befindet sich in der Vorbereitung zum Druck und wird zum Symposium 2006 in Schleswig vorliegen – Bestell-möglichkeit unten S. 130.

            2.4.      Ingrid Kasten, Edition der Hofordnungen von Jülich-Kleve-Berg der Band befindet sich weiterhin in Vorbereitung, die Edition wird voraussichtlich Anfang 2007 im Manuskript abgeschlossen sein.

            2.6.      Ellen Widder, Mittelalterliche deutsche Hofordnungen die Finanzierung der Arbeiten ist noich nicht gesichert.

3.         Symposien

3.1.      Gottorf/Schleswig 2006: Hofwirtschaft. Ein ökonomischer Blick auf Hof und Residenz in Spätmittelalter und Früher Neuzeit zum Programm siehe unten S. 50-52.

3.2.      Wien 2008: Vorbild, Austausch, Konkurrenz. Höfe und Residenzen in der gegenseitigen Wahrnehmung in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

3.3.      Coburg 2010: Zwischenbilanz – Residenz und Hof in Europa – in Zusammen-arbeit mit Prof. Dr. Gert Melville, Dresden/Coburg.

4.         MRK – MRK 16,1 liegt vor. Gleichzeitig erscheint hiermit Sonderheft 8: „Auswahlbibliographie von Neuerscheinungen zu Residenz und Hof 2001-2005“.

5.         Stellensituation – Zwar hoffen wir auf die notwendige Etatisierung der 2. Kieler Stelle im Akademienprogramm ab dem 1. Januar 2007. Weil die Beschlüsse aber gänzlich unvorhersehbar sind, haben wir parallel einen Fortsetzungsantrag für zwei Jahre Bearbeitung des 4. Bandes des Handbuchs bei der bislang immer hilfreichen Fritz Thyssen Stiftung gestellt und hoffen nun, daß wir nicht schließlich doch durch das Netz fallen werden. Die Zeiten sind hart. Aber: „es is immer noch jott jejange“.

6.         Termin der nächste Sitzung der Residenzen-Kommission ist der Montagabend des Schleswiger Symposiums, 25. September 2006, 20:30 Uhr.

 

Werner Paravicini

 


Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Grafen und Herren

von

Jan Hirschbiegel und Jörg Wettlaufer

 

 

Konzept und Fragestellung

 

Auf Grundlage der Handbuchreihe „Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich“, die die fürstliche und königliche Herrschaft in der Zeit zwischen 1200 und 1650 erfaßt, soll nunmehr ein weiterführendes und ergänzendes Handbuch entstehen, das Grafen und Herren zum Gegenstand hat, also diejenige Schicht des Hochadels, die sich direkt an den Fürsten-stand anschloß und eine nicht unerhebliche Zahl von Territorien des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation besetzte. Das auf einen Umfang von zwei Bänden angelegte Projekt füllt damit eine seit langem bestehende Forschungslücke, denn es fehlt bis heute ein wissen-schaftliches Hilfsmittel für die Erforschung von Hof und Residenz dieser Gruppe des hohen Adels im spätmittelalterlichen Reich, das den gesamten geographischen Bereich abdeckt.

Mit Blick auf gräfliche und herrschaftliche Höfe und Residenzen sollen Grundlagen für eine bessere Kenntnis des Grafen und Herrenstandes im spätmittelalterlichen und früh-neuzeitlichen Reich geschaffen werden. Gerade die Hofhaltung vieler Grafen- und Herren-häuser ist bislang nur in Ansätzen und nie vergleichend untersucht worden. Es wird gefragt, inwieweit sich Grafen- und Herrenhäuser an fürstlichen Hofhaltungen orientierten, welche Geschlechter überhaupt dauerhaft einen Hof oder eine Residenz ausbilden konnten, welche Rolle Grafen und Herren in der fürstlichen Hofhaltung ihres Lehnsherrn bzw. der benachbar-ter Fürsten spielten, was als unabdingbar galt, welche Parallelen zur fürstlichen Repräsenta-tion sich feststellen lassen, welche Überschreitungen des Zugestandenen erkennbar sind, wie sich im Laufe der Zeit die Normen verschieben, Schrumpfformen aussehen, wie Grafen und Herren sich von der Ritterschaft unterscheiden. Für die Beantwortung dieser Fragen soll das vorhandene Wissen durch ein Handbuch der gräflichen und herrschaftlichen Höfe und Resi-denzen gebündelt und auf diese Weise für die weitere Forschung verfügbar gemacht werden.

 

Forschungslage

 

Der letzte Versuch einer überregionalen monographischen Betrachtung des Reichsgra-fenstandes von M[ax] Bendiner stammt aus dem Jahre 1888 und ist ausschließlich verfas-sungsgeschichtlich ausgerichtet. Die Anfang des 20. Jahrhunderts erschienen Arbeiten von Otto von Dungern, Aloys Schulte und Otto Forst de Battaglia haben die Grundlage für eine wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Hochadel des späten Mittelalters gelegt, indem sie die ständische Abschließung dieser Gruppe gegenüber dem Niederadel untersuchen. Ein Konsens konnte damals jedoch nicht erzielt werden. Die Erforschung von Grafen und Herren ist seitdem nur im regionalen Kontext vorangetrieben worden. Vorhandene Einzelstudien sind meist älteren Datums oder rein genealogisch bzw. regionalgeschichtlich orientiert. Fragen zur Hof- und Residenzbildung wurden bislang nur in Ausnahmefällen und nie systematisch thematisiert. Die Vernachlässigung reichsgräflicher Geschichte hat verschiedene Ursachen, die in den älteren Traditionen der deutschen Verfassungsgeschichtsschreibung wurzeln. Dort konzentrierte man sich auf den Prozeß der Staatswerdung. Erst mit den Habilitationsschriften von Georg Schmidt zum Wetterauer Grafenverein (1989) sowie von Karl-Heinz Spieß zum gräflichen Konnubium (1993) hat sich die Forschung erneut unter übergreifenden Frage-stellungen den Grafen und Herren zugewandt. Einen regionalen Fokus hat der vor kurzem zur hochadeligen Herrschaft im mitteldeutschen Raum erschienene Sammelband von Jörg Rogge und Uwe Schirmer (2003). Doch damit ist auch schon der aktuelle Forschungsstand benannt (vgl. die im Anschluß gegebene Literaturliste): „Der nichtfürstliche hohe Adel ist, sieht man von zahlreichen, eher an der Genealogie und an der Besitzgeschichte interessierten Arbeiten über einzelne Geschlechter ab, insgesamt weniger gut untersucht“, schreibt Werner Hech-berger in seiner vor kurzem erschienen Habilitationsschrift zum Adel im fränkisch-deutschen Mittelalter (Hechberger 2005, S. 484). Zu Recht stellte Volker Press 1989 ein Forschungs-defizit auch in Bezug auf den Reichsgrafenstand in der Neuzeit fest (Press 1989, S. 4). Trotz verschiedener Einzelstudien – die Habilitationsschrift von Heinz Schilling beschäftigt sich z.B. mit den Grafen von der Lippe in der Neuzeit – hat sich diese Situation bislang nicht grundlegend geändert. Ein Handbuch gräflicher und herrschaftlicher Höfe und Residenzen wird deshalb nicht nur die Grundlagen für eine bessere Kenntnis des Grafen- und Herren-standes im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Reich schaffen, sondern auch sowohl regionalgeschichtliche wie vergleichende und übergreifende Fragestellungen bzw. Untersu-chungen ermöglichen.

 

Veröffentlichungen zum Thema in Auswahl

 

Albrecht, Uwe: Der Adelssitz im Mittelalter. Studien zum Verhältnis von Architektur und Lebensform in Nord- und Westeuropa, München, Berlin 1995.

Bendiner, M[ax]: Die Reichsgrafen. Eine verfassungsgeschichtliche Studie, München 1888.

Böhme, Ernst. Das Fränkische Reichsgrafenkollegium im 16. und 17. Jahrhundert: Unter-suchungen zu den Möglichkeiten und Grenzen der Korporativen Politik mindermächtiger Reichsstände, Stuttgart 1989 (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz. Abteilung Universalgeschichte, 132; Beiträge zur Sozial- und Verfassungs-geschichte des Alten Reiches, 8).

Borgolte, Michael: Art. „Grafschaft, Grafschaftsverfassung“, in: LexMA IV, 1989, Sp. 1635f.

Bosl, Karl: Hochadel in Mittelalter und Neuzeit, in: Zeitschrift für Bayerische Landes-geschichte 22 (1959) S. 319-330.

Christ, Dorothea A.: Zwischen Kooperation und Konkurrenz. Die Grafen von Thierstein, ihre Standesgenossen und die Eidgenossenschaft im Spätmittelalter, Zürich 1998.

Czech, V.: Legitimation und Repräsentation: Zum Selbstverständnis sächsischer Reichsgrafen in der Frühen Neuzeit, Berlin 2003 (Schriften zur Residenzenkultur, 2)

Demandt, Karl Ernst: Kultur und Leben am Hofe der Katzenelnbogener Grafen, in: Nassauische Annalen 61 (1950) S. 149-180.

Demandt, Karl Ernst: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen 1060-1486, Wiesbaden 1953-1957 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau, 11).

Dungern, Otto von: Das Problem der Ebenbürtigkeit. Eine rechtsgeschichtliche und genea-logische Studie. Eine sozialpolitische und rechtsgeschichtliche Untersuchung, München und Leipzig 1905.

Dungern, Otto von: Der Herrenstand im Mittelalter. Eine sozialpolitische und rechts-geschichtliche Untersuchung, Bd. 1, Papiermühle S.A. 1908.

Fürstliche Residenzen im spätmittelalterlichen Europa, hg. von Hans Patze und Werner Paravicini, Sigmaringen 1991 (Vorträge und Forschungen, 36).

Glawischnig, Rolf: Niederlande, Kalvinismus und Reichsgrafenstand 1559-1584. Nassau-Dillenburg unter Graf Johann VI., Marburg 1973 (Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde, 36).

Hatzfeld, Lutz: Zur Geschichte des Reichsgrafenstandes, in: Nassauische Annalen 70 (1959) S. 41-54.

Hechberger, Werner: Adel im fränkisch-deutschen Mittelalter. Zur Anatomie eines Forschungsproblems, Ostfildern 2005 (Mittelalter-Forschungen, 17).

Hochadelige Herrschaft im Mitteldeutschen Raum (1200-1600). Formen – Legitimation – Repräsentation, hg. von Jörg Rogge und Uwe Schirmer, Stuttgart 2003 (Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte, 23).

Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Ein dynastisch-topographisches Hand-buch, hg. von Werner Paravicini, bearb. von Jan Hirschbiegel und Jörg Wettlaufer, Teilbd. 1: Dynastien und Höfe. Teilbd. 2: Residenzen, Ostfildern 2003 (Residen-zenforschung 15,I, 1-2). Bilder und Begriffe, hg. von Werner Paravicini, bearb. von Jan Hirschbiegel und Jörg Wettlaufer, Teilbd. 1: Begriffe. Teilbd. 2: Bilder, Ostfildern 2005 (Residenzenforschung, 15/II, 1-2).

Hucker, Bernd Ulrich: Die Grafen von Hoya: ihre Geschichte in Lebensbildern, Hoya 1993 (Schriften des Instituts für Geschichte und Historische Landesforschung, 2).

Johanek, Peter: Höfe und Residenzen, Herrschaft und Repräsentation, in: Mittelalterliche Literatur im Lebenszusammenhang. Ergebnisse des Troisième Cycle Romand 1994, hg. von Eckart Conrad Lutz, Freiburg 1997 (Scrinium Friburgense, 8), S. 45-78.

Krieger, Karl-Friedrich: Die Lehnshoheit der deutschen Könige im Spätmittelalter (ca. 1200-1437), Aalen 1979 (Untersuchungen zur deutschen Staats- und Rechtsgeschichte. NF, 23).

Krieger, Karl-Friedrich: Reich und Reichsreform im Spätmittelalter, München 1992 (Enzyklopädie deutscher Geschichte, 14).

Kulenkampff, Angelika: Einungen mindermächtiger Stände zur Handhabung Friedens und Rechtens 1422-1565. Ein Beitrag zur Reichsgeschichte im Zeitalter der Reichsreform, Diss. Univ. Frankfurt a. M. 1967.

Magen, Ferdinand: Reichsgräfliche Politik in Franken: zur Reichspolitik der Grafen von Hohenlohe am Vorabend und zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges, Schwäbisch-Hall 1975 (Forschungen aus Württembergisch Franken, 10).

Maurer, Helmut: Zwischen Selbständigkeit und politischer Integration. Begräbniskultur und Residenzbildung im hohen Adel des deutschen Südwestens am Beispiel der Grafen von Zimmern, in: Macht und Memoria. Begräbniskultur europäischer Oberschichten in der Frühen Neuzeit, hg. von Mark Hengerer, Köln u.a. 2005, S. 163-186.

Mitsch, Ralph: Art. „Reichsgrafschaft“, in: LexMA VII, 1995, Sp. 618f.

Moraw, Peter: Fürstentum, Königtum und Reichsreform im deutschen Spätmittelalter, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 122 (1986) S. 117-136.

Moraw, Peter: Von offener Verfassung zu verdichteter Gestaltung. Das Reich im späten Mittelalter 1250 bis 1490, Berlin 1985 (Propyläen Geschichte Deutschlands, 3).

Moraw, Peter: Was war eine Residenz im deutschen Spätmittelalter?, in: Zeitschrift für Historische Forschung 18 (1991) S. 461-468.

Neugebauer, W.: Konfessionelle Klientelpolitik im 17. Jahrhundert. Das Beispiel der Reichsgrafen von Sayn-Wittgenstein, in: Selbstverständnis – Selbstdarstellung – Selbstbe-hauptung, München 2005 (Zeitenblicke, 4,3): http://www.dipp.zeitenblicke.de/2005/3/ Neugebauer [17.03.2006].

Paravicini, Werner: Les cours et les résidences du Moyen Age tardif. Un quart de siècle de recherches allemandes, in: Les tendances actuelles de l’histoire du Moyen Âge en France et en Allemagne. Actes des colloques de Sèvres (1997) et Göttingen (1998), hg. von Jean-Claude Schmitt und Otto Gerhard Oexle, Paris 2002 (Histoire ancienne et médiévale, 66), S. 327-350.

Paravicini, Werner: The Court of the Dukes of Burgundy. A Model for Europe?, in: Princes, Patronage, and the Nobility. The Court at the Beginning of the Modern Age c. 1450-1650, hg. von Ronald G. Asch und Adolf M. Birke, Oxford 1991, S. 69-102.

Paravicini, Werner: Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters, München 1994, 2. Aufl. München 1998 (Enzyklopädie deutscher Geschichte, 32).

Patze, Hans, Streich, Gerhard: Die landesherrlichen Residenzen im spätmittelalterlichen Deutschen Reich, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 118 (1982) S. 205-220.

Pöhlmann, Karl: Geschichte der Grafen von Zweibrücken aus der Zweibrücker Linie, München 1938 (ND Aalen 1974).

Pöhlmann, Karl: Regesten der Grafen von Zweibrücken aus der Linie Zweibrücken, eingel., bearb. und erg. durch Anton Doll, Speyer 1962 (Veröffentlichungen der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, 42).

Press, Volker: Reichsgrafenstand und Reich. Zur Sozial- und Verfassungsgeschichte des deutschen Hochadels in der frühen Neuzeit, in: Wege in die Zeitgeschichte. Festschrift für Gerhard Schulz, hg. von Jürgen Heideking u.a., Berlin u.a. 1989, S. 3-29.

Rössler, Hellmuth (Hg.): Deutscher Adel 1430-1555. Büdinger Vorträge 1963, Darmstadt 1965 (Schriften zur Problematik der Deutschen Führungsschichten in der Neuzeit, 1).

Sablonier, Roger: Adel im Wandel. Eine Untersuchung zur sozialen Situation des ostschweizerischen Adels um 1300, Göttingen 1979.

Schmidt, Georg: Der Wetterauer Grafenverein. Organisation und Politik einer Reichs-korporation zwischen Reformation und Westfälischem Frieden, Marburg 1989 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, 52).

Schmidt, Georg: Die politische Bedeutung der kleineren Reichsstände im 16. Jahrhundert, in: Jahrbuch für Geschichte des Feudalismus 12 (1988) S. 185-206.

Schmidt, Georg: Die zweite Reformation in den Reichsgrafschaften. Konfessionswechsel aus Glaubensüberzeugung und aus politischem Kalkül? in: Territorialstaat und Calvinismus, hg. von Meinrad Schaab, Stuttgart 1993, S. 97-136.

Schubert, Ernst: König und Reich. Studien zur spätmittelalterlichen Verfassungsgeschichte, Göttingen 1979 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 63).

Schulte, Aloys: Zur Geschichte des hohen Adels, in: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichte 34 (1913) S. 43-81.

Spiess, Karl-Heinz: Aufstieg in den Adel und Kriterien der Adelszugehörigkeit im Spätmittelalter, in: Zwischen Nicht-Adel und Adel, hg. von Kurt Andermann und Peter Johanek (Vorträge und Forschungen, 53), Stuttgart 2001, S. 1-26.

Spiess, Karl-Heinz: Burg und Herrschaft im 15. und 16. Jahrhundert, in: Landesgeschichte und Reichsgeschichte. Festschrift für Alois Gerlich zum 70. Geburtstag, hg. von Winfried Dotzauer u.a., Stuttgart 1995 (Geschichtliche Landeskunde, 42), S. 195-212.

Spiess, Karl-Heinz: Familie und Verwandtschaft im deutschen Hochadel des Spätmittelalters, Stuttgart 1993 (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Beihefte, 111).

Spiess, Karl-Heinz: Grafen und Herren aus dem Rhein-Main-Gebiet zwischen Königtum und fürstlicher Hegemonie im Spätmittelalter, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 136 (2000) S. 135-163.

Spiess, Karl-Heinz: Zwischen König und Fürsten. Das politische Beziehungssystem südwest-deutscher Grafen und Herren im späten Mittelalter, demnächst in: Zwischen König und Fürsten. Das politische Beziehungssystem südwestdeutscher Grafen und Herren im späten Mittelalter, hg. von Kurt Andermann, Tübingen 2006.

Spiess, Karl-Heinz: Ständische Abgrenzung und soziale Differenzierung zwischen Hochadel und Ritteradel im Spätmittelalter, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 56 (1992) S. 181-205.

Wadle, Elmar: Art. „Graf, Grafschaft. V. Gf. und Gft. von der Mitte des 11. bis zum aus-gehenden 13. Jh.“ und v.a. „VI. Gf. als Stand und Titel in SpätMA. und Neuzeit“, in: Handwörterbuch zur Rechtsgeschichte I, 1971, Sp. 1785-1795.

Zotz, Thomas: Der Fürstenhof in der mittelalterlichen Gesellschaft: Identitätsfindung und Fremdwahrnehmung, in: MRK 8,1 (1998) S. 15-21.

Anlage des Doppelbandes

 

Ausgangspunkt des geplanten Handbuchs sind die in der Wormser Reichsmatrikel von 1521 verzeichneten reichsgräflichen und reichsherrlichen Herrschaften. Eine erste darauf aufbauende Liste wurde um einige bedeutende Geschlechter ergänzt, die vor allem aus genealogischen Gründen (Erlöschen des Hauses aufgrund fehlendem männlichen Nachwuchses) nicht in der Matrikel notiert sind. Andererseits wurden Einträge gestrichen, bei denen die Bezeichnung der Territorien nicht auf eigenständige Geschlechter zurückzuführen ist. Diese Liste ist ein erster Überblick, der im Einzelfall noch zu korrigieren sein wird. Wir bitten ausdrücklich um Kritik! Nicht notiert sind die zahlreichen Residenzen, Sitze und zentralen Orte. Es ist schlechterdings unmöglich, hier im Vorfeld eine kompetente Auswahl zu treffen. So bitten wir die jeweiligen Bearbeiterinnen und Bearbeiter, die sich zur Übernahme eines Dynastie- oder Hofartikels ent-schließen, die in Frage kommenden Orte zu bestimmen und kundigen Autorinnen und Autoren zu überantworten.

 

Ziel des Vorhabens ist die Drucklegung eines Handbuchs mit dem Titel: „Höfe und Resi-denzen im spätmittelalterlichen Reich. Grafen und Herren.“ Das Handbuch wird erneut auf zwei Bände von zusammen ca. 1600 Seiten angelegt sein. Register sind aufgrund der vorge-sehenen Online-Veröffentlichung nicht vorgesehen. Die redaktionelle Bearbeitung der einzelnen Artikel erfolgt in der Kieler Arbeitsstelle der Residenzen-Kommission.

 

Die formale Anlage des Bandes soll wie folgt aussehen:

- Vorwort (Erläuterung des Konzepts etc.)

- Einleitende Artikel:

1. Über den Unterschied von Fürstenrang und hohem Adel

2. Grafeneinungen des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit

3. Die Entstehung der Grafenkurie auf dem Reichstag

4. Lebenswelten von Grafen und Herren

- Dynastien, Höfe und Residenzen

A. Grafen- und Herrengeschlechter

B. Grafschaften und Herrschaften – gräfliche und herrschaftliche Höfe

C. Residenzen

 

Die Struktur des Handbuchs wird sich an der bewährte Form der vorliegenden Bände orientieren. Die vorgesehenen Residenzartikel sollen zeigen, welche Herrschafts- und Ver-waltungssmittelpunkte sich in den teilweise sehr kleinen Territorien der Grafen und Herren ausgebildet haben. In den Artikeln zu den jeweiligen Grafschaften bzw. Herrschaften sollen die zusammenfassend zu behandelnden Höfe die jeweils prägenden Persönlichkeiten her-vorheben und einen vergleichenden Überblick der unterschiedlichen Organisationen der Hofhaltungen und Verwaltungsapparate geben. Durch die Artikel zu den verschiedenen Dynastien bzw. Grafengeschlechtern und Familien soll schließlich die Verbindungslinie zwi-schen den Einzelpersönlichkeiten hergestellt und die innere Verflechtung von Herrschaft und Geschlecht verdeutlicht werden.

 

Gestaltung der Artikel: Bearbeitungsmasken – Formalia

 

Auch hier orientieren wir uns nicht zuletzt wegen der inneren Stringenz der Handbuchreihe und wegen der dadurch bedingten Möglichkeit der besseren Vergleichbarkeit der Phänomene an dem Aufbau der entsprechenden Artikel des dynastisch-topographischen Bandes. Selbstverständlich wird es aufgrund der Forschungslage und der Überlieferung nicht möglich sein, jeden einzelnen der angebenen Punkte zu bearbeiten. Auch sollen die den numerierten Abschnitten beigegebenen Stichworte als Anregung verstanden werden, nicht als notwen-digerweise darzustellende Einheiten. Primär wichtig ist die Behandlung des Vorhandenen und die Darstellung des Forschungsstandes sowie die Markierung von Forschungslücken als Grundlage für die weitere Forschung.

 

A. Dynastien

I.                     Bezeichnung

Etymologie – Personale, geographische, mythische Abkunft (Spitzenahn, Stammsitz und Stammlande, Gründungsmythos, erste Erwähnung)

II.                   Verfassungsrechtliche Stellung

Inhaberschaft reichsrechtlich-politisch relevanter Positionen, prominente Vertreter; Lehen, Eigengut

III.                 Repräsentation

Wappen, Bauten, Darstellungen, Abbildungen

IV.                 Genealogisch-geographische Entwicklung

(reale/fiktive) Genealogie; chronologischer Abriß – Belehnung, Entwicklung der Macht-entfaltung, Linienbildung (Gesamthaus und Nebenlinien) – Verbindung zu anderen Dynastien (Konnubien)

Verweise ® Höfe, Residenzen – Quellen – Literatur

 

B. Grafschaften und Herrschaften – gräfliche und herrschaftliche Höfe und Haushalte

I.                     Allgemeine Angaben

Bezeichnung – Herrschaftsgebiet (Umfang, Lage) – Chronologischer Abriß der Entwicklung bzw. der verfassungsrechtlichen Stellung – Lehnsabhängigkeiten – Zugehörigkeit zu einem Grafenverein

II.                   Hof

1.           Chronologischer Abriß der Entwicklung des Hofes

Erste Erwähnung, Blüte, Niedergang des Hofes – Ausstrahlung, Größe, (inter)na-tionale (historische, politische etc.) Bedeutung – Mögliche Ortsveränderungen – Aufenthaltsorte des Hofes (Mobilität) – Filialhöfe

2.           Organisation/Aufbau

Hofverwaltung (Regierung, Verwaltung, Justiz, Finanzen etc.) – Kanzlei – Hofämter, Ehrendienste – Verwaltung, Justiz, Hofgerichtsbarkeit – Haus- und Wachdienste – Bauwesen, Bauhütte

3.      Wirtschaft

Handel, Kunsthandwerk, Luxusartikel – Geld/Münzprägung, Finanzierung, Hofjuden – Grundbesitz, Domänen – Wasserversorgung, Nahrungsmittelversorgung, Ver-brauchsgüter – Versorgung der Bediensteten

4.           Prosopographisches

Bemerkenswerte Persönlichkeiten am Hof – Wissenschaftler, Künstler – Hofnarren, Herolde, Musiker – Leibärzte, Apotheker – Kapläne, Beichtväter, Erzieher – Frauen am Hof – adelige Hofdamen, Mätressen – Militär am Hof – Rekrutierung des Personals

5.           Feste, Vergnügungen, Repräsentation des Hofes

Wappen – Hofzeremoniell – Ordensstiftungen – Feste, Feiern – Kirchliche und kulturelle Übungen (Turniere) – Jagdwesen – Kultur, Schöne Künste

Verweise ® Dynastien, Residenzen – Quellen – Literatur

 

C. Residenzen

I.                     Name und erste Charakterisierung der Residenz

Unterschiedliche Schreibweisen (Etymologie – Tradierungen, frühere und spätere Be-zeichnungen) – Kurzangaben zur Lage – Bezeichnung der zugehörigen/innehabenden Herrschaft(en) – Nähere Bezeichnung der Residenz: Schloß, Höhen-, Stadt-, Stadtrand-, Niederungsburg, Geschlechtersitz, Witwensitz, Haupt- oder Nebenresidenz – Zeitraum (Residenz von/bis)

II.                   Historisch-geographische Lagebeschreibung des Residenzortes (Beschreibung des [zugehörigen oder eigentlichen] Residenzortes nach landschaftlichen, verkehrstechnischen, wirtschaftlichen, politischen und kirchlichen Gesichtspunkten und Erfassung – Darstellung zugehöriger Herrschaftsgebiete)

1.                    Geographische Beschreibung

Lage in der Landschaft, Verkehrslage: Flüsse, Straßen, Brücken, Furten. Naturräumliche Voraussetzungen (z.B. Höhenlage, Bodenschätze, Eignung für Ackerbau, Eignung für Jagd)

2.                    Siedlungsgeschichte, Wirtschaftsgeographie, kirchliche Geographie

Markt, Münze, Zoll – Handwerk, Bergbau, Kaufleute – Gau, Grafschaft, Landtagsort – Diözese, Archidiakonat, Erzpriestersitze

3.                    Stadtgeschichte/Stadtentwicklung bzw. Geschichte des zugehörigen Ortes oder der           zugehörigen Siedlung

Chronologischer Abriß der Stadtgeschichte, erste Erwähnung – Stadtrecht, städt. Selbstorganisation – Verbindung zwischen Residenz und Stadt – Soziale und wirtschaftliche Verbindungen zwischen Residenz und Stadt (nicht Funktionsträger, sondern allgemein)

4.                    Verhältnis/Spannungen zwischen Stadt und Residenz

Chronologischer Abriß; Ursache für mögliche Spannungen – Herrschaftliche „Beamte“ oder Bedienstete aus der Bürgerschaft

III.                 Beschreibung der Residenzarchitektur

1.                    Bezeichnung/Erfassung der zur Residenz gehörenden Gebäude und ihrer Architektur

2.                    Architekten, Baumeister, Künstler (Ausstattung)

3.                    Baugeschichte (erste Erwähnung von Herrschaftsarchitektur, Vorgängerbauten,   heutige Bausituation)

4.                    Sachliche Beschreibung von Architektur und Ausstattung der Residenz (im           Untersuchungszeitraum)

-                     Innenräume, Außenräume; Ausstattung

-                     Raumaufteilung: Repräsentationsräume, Wohnräume, Wirtschaftsräume, Regierungsräume, Schatz-, Kunst und Raritätenkammern, Personal- und Gästeunterbringung, Jagdkammer, Frauenzimmer – Männerzimmer

-                     (Außen)Anlagen: Vorburgen, Plätze, Wirtschaftshöfe, Vorwerke, Mühlen,        Versorgungseinrichtungen, Gärten, Turnierplätze, Rennbahn, Fasanerie

-                     Wehr- und Befestigungsanlagen der Residenz (Zusammenhang mit den    Anlagen des Residenzortes?)

-                     Versorgungsgebäude: Frucht-, Salz-, Back-, Brauhaus

-                     Kult- und Kulturgebäude innerhalb und außerhalb der eigentlichen Residenz:         Theater, Bibliothek, Archiv, Schule, Denkmäler, Kirche und Kapellen,       Grablegen

5.                    Funktionale Aspekte der Architektur (evtl. zusammen mit der Sachbeschreibung)

-                     Herrschaftsfunktionen der Architektur, Repräsentationsarchitektur (Treppen,        Portale, Fassaden – Möbel, Zimmerfolgen, Heizung)

-                     Zentrale Verwaltungsinstitutionen und ihr Niederschlag in der Architektur             (baulicher Zusammenhang mit der Residenz?) (Regierungs-, Verwaltungs-          und Behördengebäude – Kanzlei-, Gerichts- und Finanzgebäude –          Wehrarchitektur versus Komfort)

Verweise ® Dynastien, Residenzen – Quellen – Literatur

 


Allgemeines

Alle Artikel erscheinen in deutscher Sprache, anderssprachige Texte werden übersetzt. Die redaktionelle Überarbeitung der Texte (Formatierung, Spaltensatz etc.) erfolgt durch die Kie-ler Arbeitsstelle. Wir bitten daher um sparsamen Gebrauch von Formatierungszuweisungen und um Vermeidung unterschiedlicher Formatvorlagen für einzelne Textteile.

Wir bitten um Zusendung der Texte als „attatched document“ per E-Mail an die Adresse: resikom@email.uni-kiel.de. Benutzen Sie bitte die Dateiformate MS Word für Windows oder alternativ das Rich-Text-Format (RTF), das von den meisten Textverabeitungsprogrammen als Speicheroption angeboten wird.

Falls Sie Fragen zur Formatierung oder zum Datenformat der Dateien haben, können Sie sich jederzeit an die Arbeitsstelle in Kiel wenden.

 

Wir bitten um Beachtung einiger Regeln für die Manuskripterstellung:

-         keine doppelten oder mehrfachen Leerzeichen im Text

-         Absätze werden mit einem „Wagenrücklauf“ abgeschlossen (Zeichen: ¶), Worte sollen am Zeilenende im Fließtext ungehindert in die nächste Zeilen umbrechen können

-         vor Satzzeichen und am Anfang eines Absatzes stehen keine Leerzeichen oder Tabu-latoren

-         Überschriften sollen linksbündig erfolgen und durch eine Leerzeile vom Text abgetrennt sein

-         Kursivschriften sollen im Text zusätzlich durch Unterstreichungen markiert werden. An-dere Hervorhebungen (Sperrungen oder Fettungen) bitte nur sehr sparsam verwenden

-         Autorennamen sollen stets in der Formatierung Kapitälchen (nicht GROSSBUCH-STABEN) stehen und Vornamen ausgeschrieben sind (Beispiel: Paravicini, Werner).

 

Umfang

Aufgrund der zu erwartenden Anzahl von Einzelartikeln wird nur wenig Platz für den jeweiligen Beitrag zur Verfügung stehen, weshalb wir – selbstverständlich mit Verständnis für eine gewisse Flexibilität – für die Dynastieartikel und für die Artikel zu den Höfen einen Umfang von jeweils vier bis maximal acht Seiten vorgesehen haben, für die Artikel zu den einzelnen Residenzen ein bis zwei Seiten. Dies entspricht Anschlagszahlen (inkl. Leer-zeichen) von etwa 14 000 bis maximal 30 000 für die Dynastie- und Hofartikel bzw. 3500 bis 7000 für die Residenzartikel bei einer Schriftgröße von 12 Punkten, einfachem Zeilenabstand und Rändern von jeweils 2,54 cm zu jeder Seite.

 

Abkürzungen

Die Verwendung allgemeiner und fachspezifischer Abkürzungen orientiert sich neben dem Duden v.a. am Abkürzungsverzeichnis im Lexikon des Mittelalters I, 1980, S. XVII-XXI. Zeitschriftensiglen entsprechen in der Regel denjenigen, die in der Historischen Zeitschrift Verwendung finden, Reihentitel werden bis auf wenige Ausnahmen ausgeschrieben.

 

Anführung von Quellen und Literatur im laufenden Text

Grundsätzlich bitten wir um sparsame Verwendung von Quellen- und Literaturangaben im Text. Fuß- oder Endnoten sind nicht vorgesehen, notwendige Anmerkungen stehen in mög-lichst abgekürzter Form im laufenden Text in Klammern, z.B. (Paravicini, Kultur, S. 11). Bitte vermeiden Sie Abkürzungen wie „ebd.“ oder „ibid.“, „a.a.O.“, „op. cit.“ oder „l.c.“. Wenn Sie Anführungsstriche verwenden, achten Sie bitte darauf, „typographische“ Zeichen zu benutzen.

Bitte geben Sie kalendarische Daten so genau wie möglich an.

Quellen- und Literaturangaben

Jede vollständige Quellen- und Literaturangabe in den Verzeichnissen am Ende des einzelnen Artikels steht jeweils in einem eigenen Absatz (Wagenrücklaufzeichen). Bitte vermeiden Sie den Gebrauch von „Dies.“ oder „Ders.“ bei Angaben mit sich wiederholenden Autoren-namen. Ansonsten bitten wir darum, daß

-         die Schreibweise der Namen von Autoren wie oben angegeben erfolgt, bei mehreren Verfassern werden die Namen durch ein Komma getrennt. Bei Sachtitel stehen die Herausgeber nach dem jeweiligen Titel. Nach jedem Titel steht die Orts- und Jahres-angabe, ggf. gefolgt von einem Reihentitel mit Bandangabe, letztere in arabisch ohne das Kürzel „Bd.“ und durch ein Komma vom Reihentitel getrennt: Paravicini, Werner: Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters, München 1994 (Enzyklopädie deutscher Geschichte, 32).

-         Buch- oder Aufsatztitel werden nicht durch Kursive hervorgehoben.

-         Für das Zitieren von Aufsätzen in Zeitschriften gilt beispielhaft die Regel: Meier, Heinz: Aufsatz, in: HZ 223 (1975) S. 33.

 

 

(Vorläufige) Liste der Grafen und Herren

 

kursiv stehende Familien sind bereits als Artikel vergeben
(siehe auch die Beispielartikel unten)

 


Aarberg (Aarburg) (Grafen von)

Abensberg (Grafen von)

Annenberg (Freiherren und Grafen von)

Barby und Mühlingen (Grafen von)

Beichlingen [Beuchlingen] (Grafen von)

Bentheim (Grafen von)

Bergen (s’-Herrenberg, Gft. Zutphen) (Herren von)

Bergen op Zoom und Walhain (Glymes) (Herren von)

Berka (Grafen von)

Bickenbach (Herren von)

Bitsch (Zweibrücken-Bitsch) (Grafen von)

Blankenberg (Blâmont, Lothr.) (Grafen von)

Blankenburg (Grafen von)

Blankenheim (Herren und Grafen von)

Brandis (Freiherren von)

Bron[c]khorst ( von)

Castell (Grafen von)

Criechingen (Créhange, Lothr.) (Grafen von)

Dassel (Grafen von)

Degenberg (Herren von)

Diepholz (Herren von)

Dietrichstein (Grafen von)

Dießen (Grafen von)

Donin (Dohna) (Burggrafen von)

Eberstein (Grafen von)

Eggenberg (Herren von)

Egmont (Grafen von)

Erbach (Grafen von)

Everstein (Grafen von)

Falkenstein (Münzenberg / Hessen) (Grafen von)

Finstingen (Fénétrange, Lothr.) (Herren von)

Frauenberg (Haag) (Herren und Grafen von)

Freiburg (Grafen von)

Fugger (Grafen von)

Fürstenberg (Grafen von)

Gemen (Herren von)

Gera (Herren von)

Gleichen (Grafen von)

Greyerz (Gruyère) (Grafen von)

Gundelfingen (Herren von)

Görz (Grafen von)

Habsburg-Laufenburg (Grafen von)

Hanau-Lichtenberg (Grafen von)

Hanau-Münzenberg (Grafen von)

Hardeck (Hardegg) (Grafen von)

Heben (= Hohenhewen) (Herren von)

Heideck (Herren von)

Helfenstein (Grafen von)

Hohenfels und Reipoltskirchen (Herren von)

Hohengeroldseck (und Kronberg) (Herren und Grafen von)

Hohenlohe (Herren von)

Hohenstein (Grafen von)

Hohenzollern (schwäbische Linie) (Grafen von)

Homberg (Grafen von)

Hoorn (Grafen von)

Hoya (Grafen von)

Iselstein [Ijsselstein] (Grafen von)

Isenburg [Ysenburg] [und Nieder-Isenburg] (Grafen von)

Katzenelnbogen (Grafen von)

Kirchberg (Herren von)

Kraig (Herren von)

Krawarn (Herren von)

Königsegg zu Aulendorf (Grafen von)

Königstein und Eppstein (Herren von)

Landsberg (Schenken von)

Leiningen (Grafen von)

Leiningen-Westerburg (Grafen von)

Leisnig [Leißnigk] (Burggrafen von)

Limburg (Isenberg-) (Grafen von)

Limburg-Styrum (Stirum) (Grafen von)

Limpurg (Schenken von)

Lippe (Edelherren und Grafen von)

Lobkowitz (Popel) (Herren von)

Looz (Loon) (Grafen von)

Losenstein (Herren von)

Lupfen (Herren und Grafen von)

Löwenstein (Grafen von)

Manderscheid (Herren und Grafen von)

Mansfeld (Grafen von)

Matsch (Vögte von)

Meersburg (Grafen von)

Moers [Möhrs] (Grafen von)

Montfort (Grafen von)

Nassau (Grafen von)

Neuenahr (Grafen von)

Neuenburg (Neuchâtel) (Grafen von)

Oldenburg (Grafen von)

Ortenburg (Grafen von)

Ottingen [Oettingen] (Grafen von)

Pernstein (Herren von)

Plesse (Herren von)

Polheim (Herren von)

Pyrmont (Herren und Grafen von)

Rappoltstein (Herren von)

Regenstein (Grafen von)

Reichenstein (Herren von)

Reifferscheid (Herren von)

Reuß von Plauen (Vögte und Grafen von)

Rheineck (Burggrafen von)

R[h]ieneck (Vögte und Grafen von)

Rietberg (Grafen von)

Rodemack (Rodenmachern) (Herren von)

Roggendorf (Rogendorf) (Freiherren von)

Rosenberg (Herren von)

Rožmitál (Burggrafen von)

Ruppin (Grafen von)

Saarwerden und Lahr (Grafen von)

Salm (Grafen von)

Salm-Reifferscheid (Grafen von)

Sargans [Werdenberg-Sargans] (Grafen von)

Sayn (Grafen von)

Schaumberg (Oberösterrreich) (Herren von)

Schaumburg und Gemen (Grafen von)

Schwarzburg (Grafen von)

Schwarzenberg (Grafen von)

Schönburg (Herren und Grafen von)

Solms (Herren und Grafen von)

Spiegelberg (Grafen von)

Sponheim(-Kreuznach) (Grafen von)

Staufen [i.Br.] (Herren von)

Stauf[f]-Ehrenfels (Freiherren von)

Steinfurt (Herren und Grafen von)

Sternberg (Herren von)

Stolberg (Grafen von)

Stubenberg (Herren von)

Stöffeln und Justingen (Herren von)

Sulz (und im Klettgau) (Grafen von)

Tecklenburg (Grafen von)

Tengen (Herren von)

Thurn und Taxis (Reichsfreiherren von)

Truhe[n]dingen (Edelherren und Grafen von)

Tübingen (Pfalzgrafen von)

T[h]ierstein und Hohenkönigsberg [Hohkönigsburg] (Grafen von)

Ungnade von Weißenwolf (Freiherren und Grafen von)

Vianden (Grafen von)

Virneburg (Grafen von)

Waldburg[-Sonnenberg] ([Reichserb-]Truch-sessen und Grafen von)

Waldeck (Grafen von)

Weinsberg (Herren von)

Werdenberg (und Heiligenberg) (Grafen von)

Wertheim (Grafen von)

Wied und Runkel (Grafen von)

Wild- und Rheingrafen

Wildenburg[-Reifferscheid] (Grafen von)

Wildenfels (Herren von)

Winneburg(-Beilstein) (Herren von)

Wittgenstein (Grafen von)

Wolckenstein [Wolkenstein] (Herren von)

Wunstorf (Grafen von)

Wöltingerrode-Wohldenberg (Grafen von)

Üsenberg (Herren von)

Zimmern (Freiherren und Grafen von)


Beispielartikel

 

Nur mit Hilfe von zahlreichen Autorinnen und Autoren, die unsere Projekte bislang freiwillig unterstützten, konnten die vorliegenden und in Arbeit befindlichen Hand-bücher erstellt werden. Für die Abfassung von Beispielartikeln für das Grafen und Herren-Projekt danken wir ausdrücklich Frau Dr. Stephanie Marra und Herrn Dr. Jo-hannes Mötsch.

 

Dynastieartikel

 

A. Bentheim, Gf.en von

 

I. Die jüngere Linie des westfäl. Grafengeschlechts B. entstammte den 1191 erstmalig urkundl. erwähnten niederrhein. Herren von Götterswick, benannt nach ihrem Stammsitz auf der Wasserbg. Götterswick bei Dinslaken, Hzm. Kleve (heute Gem. Götterswickerhamm).

Bg. B., der spätere Stammsitz des gleichnamigen Geschlechts, gelegen in der Stadtmitte des heutigen Bad B. (Lkr. Gft. B., Niedersachsen), fand bereits 1116 anläßl. ihrer Eroberung und Zerstörung durch den sächs. Hzg. Lothar von Süpplingenburg in der Auseinandersetzung mit Kg. Heinrich V. eine erste Erwähnung. Die Anlage wurde in der Folgezeit u.a. von Lothars Schwägerin Gertrud von Nordheim, Witwe des 1150 verstorbenen Gf.en Otto von Salm-Rhieneck, als Witwensitz genutzt. Die Witwe wird in einer Urk. des Bf.s von Münster von 1154 erstmals als comitissa de Benetheim bezeichnet. Hierbei handelt es sich zugleich um die Ersterwähnung des B.er Geschlechts. In den Bereich der Ursprungslegenden sind hingegen Behauptungen der älteren Landesgeschichte zu verweisen, die eine Ersterwähnung B.er Gf.en bereits in fränk. Zeit vermuten oder konkret den um 900 lebenden Gf.en Ricfridus von B., Sohn eines Gf.en von Kleve, als „Spitzenahn“ benennen.

Über die aus der Ehe zwischen Gertrud von Nordheim und Otto von Salm-Rhieneck stammende Erbin Sophia, die mit Gf. Dietrich VI. von Holland vermählt wurde, gelangte Bg. B. im Jahre 1154 bzw. 1165 an das Haus Holland. Begründer des Grafenenhauses B.-Holland war allerdings erst deren beider Sohn Otto d.J., der in einer 1171 ausgestellten Urk. Heinrichs des Löwen erstmalig als comes de Binetheim erwähnt wird. 1347 erfolgte die Vermählung des am Niederrhein ansässigen Everwin IV. von Götterswick mit der Erbtochter Hedwig von B.-Holland. Durch diese strateg. Verbindung verlagerten die Herren von Götterswick ihren Schwerpunkt nicht nur nach Westfalen, wohin bereits seit dem 13. Jh. familiäre Beziehungen bestanden, sondern erbten nach dem Aussterben des Grafengeschlechts B.-Holland 1421 die Gft. und Bg. B. 1468 wurde Gf. Everwin II. von Ks. Friedrich III. mit B. belehnt. Damit war die Gft. B. erstmalig als Reichslehen anerkannt.

 

II. Everwin V. († 1454), ein Enkel Everwins IV. und Hedwigs von B.-Holland, wurde 1404 in erster Ehe mit Eva, Erbin der Gft. Steinfurt verheiratet. Steinfurt, ab 1495 durch Auftragung Ks. Maximilians Reichsgft., war allerdings zur Hälfte Teil des Hochstifts Münster. Um die Steinfurter Reichsunmittelbarkeit kam es in den Jahren 1547 bis 1716 vor dem Reichskammergericht zum Prozeß. Danach wurde die Reichsunmittelbarkeit auf Stadt und Kirchspiel Steinfurt beschränkt, das Gericht Borghorst und das Gogericht Rüschau verblieben dem Hochstift Münster als Unterherrlichkeiten. In den Besitz der im heutigen Niedersachsen gelegenen Gft. Tecklenburg und der zugehörigen westfäl. Herrschaft Rheda (heute Kr. Gütersloh) kam das Haus B. durch die 1553 erfolgte Vermählung Everwins III. von B. (1536-1562) mit der Erbin Anna von Tecklenburg (1532-1582). Auch die Herrschaft Rheda war ein Lehen des Hochstifts Münster. Die im S der Reichsstadt Dortmund gelegene westfäl. Gft. Limburg war seit 1242 ein berg. Lehen der Gf.en von Limburg aus dem Hause Altena-Isenberg. Mit Aussterben dieses Geschlechts im Mannesstamm (1511) gelangte die Gft. Limburg mit allem Zubehör 1542 im Erbgang über die nur wenige Jahre regierenden Gf.en von Daun-Falkenstein in den Besitz der niederrhein. Gf.en von Neuenahr-Alpen. 1575 erhielt Gf. Arnold IV. von B. durch seine Heirat mit der Erbin Magdalena von Neuenahr-Alpen die Anwartschaft auf das kleine Territorium. Zu der Gft. Limburg gehörten die niederrhein. Unterherrschaften Alpen, Helpenstein und Linnep, die kurköln. Erbvogtei, Einkünfte aus dem Amt Wülfrath und von Hofstellen im Raum Dortmund. Um 1600 verfügte das auch für die Reformation in Westfalen bedeutsame Regentenpaar Arnold IV. und Magdalena von B. als Stammeltern der bis heute verbliebenen, 1817 gefürsteten Linien B.-Tecklenburg und B.-Steinfurt über den größten territorialen Streubesitz im NW des Alten Reiches.

 

III. Die im späten 15. Jh. von einem unbekannten Verfasser erstellte Chronik der Gf.en von B. („Een cronike van den greuen van benthem“) gibt eine erste annalistische Übersicht seit dem Tode des Gf.en Otto von Salm-Rhieneck 1150 bis zum Regierungsbeginn Everwins II. von B. aus dem Hause Götterswick (1473-1530). Erst 1646 folgte eine anonym verfaßte „Chronik der Grafen von Bentheim vom Jahr 1122 bis 1613“.

Besondere Zeugnisse der architekton. oder künstler. Repräsentation der Dynastie sind nur vereinzelt in der Forschung überliefert. So befindet sich noch heute auf Bg. B. der „Herrgott von Bentheim“, ein romanisches Steinkruzifix, das zugleich als eines der ältesten christlichen Zeugnisse der Region angesprochen werden kann. Die auf dem sog. Drususfelsen gelegene Höhenbg. B. stellte vor allem im 17. Jh. ein prominentes Sujet dar, bspw. in den Werken der niederländ. Maler Jacob van Ruisdael und Nicolaas van Berchem.

 

IV. Bereits 50 Jahre nach dem Tode Everwins V. (†1454) führte eine erste Erbteilung unter seinen beiden Söhnen zur Herausbildung der Linien B. und B.-Steinfurt. 1487 schlossen beider Söhne, die Gf.en Everwin II. von B. und Everwin II. von B.-Steinfurt, eine Erbvereinigung, die für künftige Generationen in beiden Linien den Ausschluß der weibl. Erbfolge vorsah. Infolge ausbleibender männl. Nachkommenschaft in der Linie B. fiel das entsprechende Territorium 1530 an Arnold II. von B.-Steinfurt (1497-1553), dessen beide Söhne aus zweiter Ehe mit Walburga von Brederode das nur kurze Zeit vereinigte Erbe nach seinem Tode erneut in zwei Linien teilten. Nach dem Tod des B.-Steinfurter Regenten ohne Erbfolger in direkter Linie fielen die Gft.en B. u. Steinfurt an die Stammlinie zurück, die durch Erbfolge 1556 bereits die Gft. Tecklenburg sowie die Herrschaft Rheda erhalten hatte. Das Haus B. vereinigte in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s, bis zu einer neuerlichen Erbteilung (1606/09), die drei Reichsgft.en B., Steinfurt und Tecklenburg sowie die dazu gehörigen Herrschaften, Rechte, Titel und Ämter. Die Gft. Limburg hingegen blieb im Zuge des Kölnischen Krieges von 1584 bis 1610 von Truppen des Ebm.s Köln besetzt.

Der verstreute Territorialbesitz des reformierten Gf.en Arnold IV. von B. wurde nach seinem Tode 1606 gemäß seinem Testament (1591) auf die fünf Söhne aufgeteilt, die über den Gesamtbesitz bis 1609 gemeinsam regierten. Mit der anschließenden Erbteilung bildeten sich die Linien B.-B., B.-Tecklenburg, B.-Steinfurt und B.-Limburg aus. Als ältester Sohn erhielt Adolf (1577-1623) die Gft. Tecklenburg mit der Herrschaft Rheda zugesprochen und begründete mit Margarete von Nassau-Wiesbaden-Idstein (1589-1660) die Linie B.-Tecklenburg. Die Gft. B. wurde Arnold Jobst (1580-1643) zugewiesen, der 1608 mit Anna Amalia von Ysenburg-Büdingen (1591-1667) die Linie B.-B. stiftete. Wilhelm Heinrich (1584-1632) erbte die Gft. Steinfurt und vermählte sich 1617 mit Anna Elisabeth von Anhalt-Dessau (1598-1660). Konrad Gumprecht (1585-1618) erhielt 1610 bzw. 1612 die Gft. Limburg zugesprochen und begründete mit Johannetta Elisabeth von Nassau-Dillenburg (1593-1654) die bereits 1626 erloschene Linie B.-Limburg. Der jüngstgeborene Friedrich Ludolf (1587-1629) erhielt die Herrschaften Alpen und Helpenstein am Niederrhein, sowie kurzzeitig (1626-1629) auch die Regentschaft über die Gft. Limburg. Nach seinem kinderlosen Tod gelangten die Herrschaften Alpen und Helpenstein an B.-Steinfurt und die Gft. Limburg an die Linie B.-Tecklenburg. Mit der Erbteilung von 1606/09, der bis zur Einführung der Primogeniturordnung (1746) noch weitere Teilungen folgen sollten, wurde der polit. Abstieg des Hauses B. eingeleitet.

Keinem männl. Vertreter aus einer der übrig gebliebenen vier B.er Linien erreichte eine herausragende bzw. einflußreiche polit., konfessionelle, wirtschaftl. oder milit. Bedeutung. Im ausgehenden 17. Jh. sind als kaiserl. Kämmerer Ernst Wilhelm von B.-B. (1623-1693) und als kurpfälz. Großkämmerer sein Neffe Arnold Moritz Wilhelm von B.-Steinfurt (1663-1701) bekannt. Eine größere kulturelle Bedeutung erlangten nur noch die mehr mus.-künstler. als polit. begabten Landesherren Moritz Casimir I. von B.-Tecklenburg (1701-1768, reg. seit 1710), Karl von B.-Steinfurt (1729-1780, reg. seit 1750) und sein Sohn Ludwig Wilhelm Geldricus Ernst von B.-Steinfurt (1756-1817, reg. 1803-1817, gefürstet 1817). Auch die Frauen der Familie treten hauptsächl. auf kultureller Ebene hervor, wenn von einigen vormundschaftl. Regentinnen (z.B. Johannetta Elisabeth von B.-Limburg in der Gft. Limburg) abgesehen wird. Zusammenhängend mit der Einrichtung der überregional bedeutsamen barocken Sprachsozietät „Fruchtbringende Gesellschaft“ (1617) stiftete Anna von B., seit 1595 Gemahlin des Fs.en Christian I. von Anhalt-Bernburg, eine nur aus weibl. Mitgliedern bestehende „Getreue Gesellschaft“. 1619 stiftete Amöna Amalia von B., die 1606 mit Ludwig I. von Anhalt-Köthen vermählt wurde, gemeinsam mit ihrer Schwägerin Anna Sophia von Schwarzburg-Rudolstadt die „Tugendliche Gesellschaft“, die mit Frauen und Männern aus Fürsten- und Grafenhäusern besetzt war.

Zum Heiratskreis der Gf. von B. gehörten im 15. und 16. Jh. die westfäl.-rhein. Geschlechter Sayn, Solms, Reifferscheidt, Hoya, Neuenahr und Wied. Hochrangigere, überregional und konfessionspolit. ausgerichtete Eheverbindungen mit den Dynastien Holstein, Mecklenburg, Hessen und Braunschweig erfolgten erst nach der Vereinigung der Gft.en B., Steinfurt und Tecklenburg Mitte des 16. Jh.s. Bis zur Mitte des 17. Jh.s erlangten auch die verschiedenen Linien des Fürstenhauses Anhalt und der Reichsgf.en von Nassau eine große Bedeutung für mehrfache Heiratsverbindungen mit dem Hause B.

Die Gft. B. wurde im 17. u. 18. Jh. aufgrund ihrer exponierten Lage zwischen den Niederlanden und dem Münsterland verstärkt zum Spielball auswärtiger Interessen: Das Fbm. Münster unter Christoph Bernhard von Galen nutzte die Gft. B. als Aufmarschgebiet gegen die Niederlande. Überdies wurde Gf. Ernst Wilhelm von B.-B. und seine Familie mitsamt seinem Territorium in die umfangreichen Rekatholisierungsmaßnahmen des Fbm.s Münster eingebunden. Die Gft. B. blieb bis zur Mitte des 18. Jh.s ein unabhängiges Territorium der Gf.en von B.-B. bzw. der Gf.en von B.-Steinfurt. Durch die Überschuldung des Territoriums verpfändete Karl von B.-Steinfurt die Gft. B. 1752/1753 an Hannover, 1806 wurde das Territorium Teil des Ghzt.s Berg., 1810 des Kaiserreichs Frankreich. Zur Kompensation für die verlorene Regierungsgewalt wurden die Gf.en. von B.-Steinfurt 1817 in den Reichsfürstenstand erhoben.

 

→ A. Isenberg-Limburg, Gf.en von; Neuenahr, Gf.en von; Steinfurt, Gf.en von; Tecklenburg, Gf.en von – B. Bentheim; Limburg; Steinfurt; Tecklenburg

 

Q.        Döhmann, Karl Georg: Das Leben des Grafen Arnold von Bentheim, 1554-1606. Nach den Handschriften herausgegeben, Burgsteinfurt 1903. – Veddeler, Peter: Das Testament des Grafen Arnold von Bentheim vom Jahr 1591, in: Das Bentheimer Land 76 (1973) S. 71-88.

 

L.         Klueting, Harm: Das Fürstliche Haus Bentheim-Tecklenburg. Eine Familien-geschichte in Bildern, Münster 1993 [Privatdruck]. – Veddeler, Peter: Die territoriale Entwicklung der Grafschaft Bentheim bis zum Ende des Mittelalters, Göttingen 1970 (Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsen, 25). – Veddeler, Peter: Politische Geschichte der Grafschaft Bentheim von 1471-1701, in: Reformiertes Bekenntnis in der Grafschaft Bentheim 1588-1988, red. Heinrich Voort, Bad Bentheim 1988 (Das Bent-heimer Land, 114), S. 9-60. – Veddeler, Peter: Die Grafschaft Bentheim im Dreißigjährigen Krieg, in: Krieg, Konfessionalisierung, Westfälischer Frieden. Das Emsland und die Graf-schaft Bentheim in der Zeit des spanisch-niederländischen und des Dreißigjährigen Krieges, hg. von Gerd Steinwascher, Sögel 1998 (Emsland/Bentheim. Beiträge zur Geschichte, 14), S. 19-132. – 250 Jahre Bentheim-Hannover. Die Folgen einer Pfandschaft 1752-2002, hg. von Heinrich Voort, Bad Bentheim 2002 (Das Bentheimer Land, 156).

 

Stephanie Marra, Dortmund

 

A. Sponheim, Gf.en von

 

I. Namengebend ist S. (Schreibweise im Mittelalter stets:Spanheim/-heym) in einem Nebental der Nahe oberhalb von (Bad) Kreuznach. Zu unterscheiden sind das Dorf unterhalb der Stammburg des Hauses (heute Burgsponheim) und das Dorf unterhalb des 1124 von Angehörigen des Hauses gegründeten Benediktinerkl.s (heute S.). Erster Träger des Namens und wohl Besitzer (vielleicht auch Erbauer) der Burg bei Burgsponheim ist ein Edelfreier namens Stephan, der nach Ausweis seines im Rheinland seltenen Vornamens aus dem lothring. Raum gestammt haben könnte (in der Vita der 1136 gestorbenen Jutta von S. heißt es, ihre Familie stamme aus „Gallien“). Da keine chronikal. Quellen zur Geschichte des Hauses erhalten sind, ist eine Aussage, ob es einen Abstammungs- oder Gründungsmythos gegeben hat, nicht mögl. „Sagenhaft“ (und nachweisbar falsch) sind die Aussagen des Johannes Trithemius, von 1483 bis 1506 Abt von S., zur Gründung seines Kl.s, die er auf das Jahr 1044 datiert und einem Gf.en Eberhard von S. zuschreibt. Bei diesem angebl. Gründern handelt es sich um einen Gf.en von Nellenburg, der 1044 mit seiner Mutter das Stift Pfaffen-Schwabenheim gründete. Eine Erbtochter des Hauses Nellenburg war 1124 gemeinsam mit ihrem Ehemann Meinhard, einem Sohn oder Enkel des ersten Namensträgers, Gründerin des Kl.s S., zu dessen Ausstattung auch nahe Verwandte beitrugen (die von Trithemius fälschl. dem Hause S. zugeordnet werden).

 

II. Bei Aufstellung der Reichsmatrikel 1521 waren die Anteile der Gft. S. bereits seit etlichen Jahrzehnten im Besitz fsl. Häuser. Diese haben auf den Reichstagen keine aus dem Besitz der Gft. hergeleiteten Stimmen geführt. Die 1521 festgelegten „Römermonate“ waren Teil der von diesen Fs.en für ihren Gesamtbesitz zu erbringenden Leistungen. Der auf die Gft.en entfallende Anteil ist daher nicht bezifferbar.

Gf. Heinrich (aus der Linie Bolanden) ist 1309 und 1310 als Hofrichter des röm. Kg.s Heinrich VII belegt. Die gleiche Funktion übte Johann aus der Linie Starkenburg zw. 1387 und 1394 für Kg. Wenzel aus; er ist seit 1381 als Rat dieses Kg.s belegt. Gf. Johann war abkömml., da die Gft. zu diesem Zeitpunkt von seinem hochbetagten Vater regiert wurde. Gf. Johann (gest. 1324) wird 1309 als „Landvogt“ bezeichnet. Gf. Walram (gest. 1380) war von 1345 bis 1347 Landvogt Ks. Ludwigs in der Wetterau.

Der Erwerb eines Reichsbm.s ist wohl keinem Angehörigen des Hauses gelungen. Heinrich aus der Linie Starkenburg, Propst zu Aachen und Maastricht, unterlag 1317 bei der Bischofswahl in Utrecht; Emich aus der Linie Kreuznach, der in Bologna studiert hatte, war 1305 einer von zwei Kandidaten bei einer zwiespältigen Wahl in Mainz; der Papst ernannte 1306 jedoch den Bf. von Basel, Peter von Aspelt, zum Ebf.  Mitglieder beider Linien haben häufig Kanonikate, gelegentl. auch Dignitäten an den Domkapiteln in Köln, Mainz und Trier, einzelne auch in Lüttich, Straßburg und Verdun innegehabt. Diese Männer haben ihre geistl. Karriere vielfach in jugendl. Alter als Inhaber von Pfarreien begonnen, deren Patronat die Familie besaß (vor allem in Kirchberg). Weibl. Mitglieder des Hauses, die in den geistl. Stand eintraten, wurden Nonnen in Klöstern der Region.

Lehen hatten die Gf.en von S. vom Reich, von den Erzstiften Mainz und Trier, von den Hochstiften Speyer und Worms sowie von den Reichsabteien Klingenmünster und Corvey. 1329 bzw. 1335 wurde die Stammburg S. dem Abt von S. zu Lehen aufgetragen, vermutl., um sie territorialpolit. Bestrebungen der Ebf.e von Mainz oder Trier zu entziehen. Bedeu-tendster Lehnsherr beider Linien des Hauses war der Pfgf bei Rhein. Weltl. Lehnsherren waren daneben der Hzg. von Lothringen sowie die Gf.en (später Hzg.e) von Luxemburg, Gel-dern und Kleve.

Reichslehen der Linie Starkenburg waren die Pfandschaft Kröv („Kröver Reich“, seit 1274) und ein Burglehen zu Selz im Elsaß. Die Linie Kreuznach hatte vom Reich das Gut Monzingen (1278 an das Erzstift Mainz verkauft); das Gut Sohren, zu dem zehn Dörfer ge-hörten (1301); das Dorf Bundenthal (in der Pfalz, 1342); das Geleit von Kreuznach bis Gen-singen, die jährl. Messe zu Kreuznach, die Münze und die dort lebenden Juden (1417). Die Erlaubnis, in Kreuznach Juden anzusiedeln, hatte man 1336 von Kaiser Ludwig erhalten.

Die große Masse des auf dem Hunsrück zwischen Mosel und Nahe konzentrierten Besitzes aber war und blieb Eigengut des Hauses S.

 

III. Im Wappen führten die Gf.en von S. das Schach (erster Beleg: Siegel aus dem Jahr 1225), die Linie Starkenburg rot-silber (Beleg: Bilderzyklus von Kaiser Heinrichs Romfahrt, vor 1341), die Linie Kreuznach blau-gold. Das Wappen wurde in die großen Staatswappen der Erben und Rechtsnachfolger (Baden, Pfalz-Simmern, Pfalz-Zweibrücken) übernommen, ebenso in die Wappen der heutigen Landkreise, die Anteil am ehemaligen sponheim. Territorium haben.

Von den Gf.en sind folgende heute noch – meist als Ruinen – vorhandene Burgen errichtet oder ausgebaut worden: Argenschwang (1332), Birkenfeld (1269 durch Kauf erworben), Dill (vor 1125 ererbt), Ebernburg (vor 1347 erworben), Frauenburg (1327), Gemünden/Hunsrück (vor 1417), Grevenburg oberhalb Trarbach (1352), Gutenberg (1334 angekauft), Herrstein (1279), Kastellaun (1226), Koppenstein (kurz nach 1325), Kreuznach (kurz vor 1205), S. (1075), Starkenburg (um 1197), Winterburg (kurz vor 1324); an Stelle der Burg Allenbach (1265) wurde später ein Amtshaus (das heutige „Schloß“ errichtet. Zum sonstigen Burgen-besitz vgl. Grafschaften und Herrschaften.

Grabdenkmäler von Angehörigen der Linie Kreuznach befanden sich Kastellaun (Stadt-kirche), Kreuznach (Pfarrkirche, Karmeliterkl.), Pfaffen-Schwabenheim (Stiftskirche) und Vianden (Trinitarierkl.). Die Angehörigen der Linie Starkenburg waren zumeist im Zister-zienserkl. Himmerod begraben. Ihre Grabdenkmäler sind nicht erhalten geblieben, von eini-gen existieren Zeichnungen des 18. Jh.s. Das Messing-Grabmal des letzten Gf.en aus der Pfarrkirche zu Trarbach wurde im 19. Jahrhundert eingeschmolzen.

Gf. Johann II. von S.-Starkenburg (gest. 1324) und sein Bruder Heinrich waren Teil-nehmer am Romzug Kg. Heinrichs VII. und sind, identifizierbar an ihren Wappen, mehrfach im Bilderzyklus von Ks. Heinrichs Romfahrt abgebildet.

 

IV. Zum Jahr 1075 ist erstmals eine Person belegt, die den Familiennamen S. führte. Von diesem Stephan von S., der wohl seit 1052 urkundl. belegt ist (zunächst ohne Familiennamen) stammt die rhein. Linie des Hauses ab. Nahe mit ihm verwandt war Siegfried (belegt seit 1035, gest. 1065), Mgf. der Ungarnmark, Stammvater der Hzg.e von Kärnten aus dem Hause S. (Spanheim) und der noch blühenden Gf.en von Ortenburg. Die Angehörigen der Kärntner Linie haben ihre wenigen, im Rheinland gelegenen Besitzungen in der ersten Hälfte des 12. Jh.s zur Ausstattung von Kl.n (S., Rupertsberg) verwendet. Stephan von S. (gest. 1094/96), wohl ein Sohn des ersten Namensträgers, hatte mit einer Dame aus bayer. Adel eine Tochter Jutta (gest. 1136), später Inkluse auf dem Disibodenberg und Lehrerin der Hildegard von Bingen, einen Sohn Meinhard und vermutl. noch einen weiteren Sohn Hugo, Gründer des Prämonstratenserstifts Knechtsteden, gestorben 1137 als Ebf. von Köln. Meinhard war mit der Erbtochter des Gf.en Adalbert von Mörsberg (bei Winterthur in der Schweiz) verheiratet. Adalbert gehörte seinerseits zu den Erben der Gf.en von Nellenburg; seine Tochter brachte dem Ehemann vormals nellenburg. Besitz im Nahetal (Pfaffen-Schwabenheim, Kreuznach), auf dem Hunsrück (Dill) und an der Mosel (Enkirch, wohl auch Trarbach) sowie die Vogtei über das Allerheiligenkl. in Schaffhausen zu. Meinhard (belegt 1124 bis 1132) nahm nach dem Tod des Schwiegervaters den Grafentitel an, der künftig von seinen Nachkommen geführt wurde. Die Generationenfolge in den nächsten Jahrzehnten ist nicht eindeutig. Neben mehreren Trägern des Namens Gottfried, die den Grafentitel führten und den Besitz des Hauses verwalteten, ist Albert (Adalbert), Propst zu Aachen und zweiter Gründer von Knechtsteden zu nennen. Zum Jahr 1184 werden in der Chronik des Giselbert von Mons sechs Brüder von S. erwähnt, zu denen Simon gehörte, der 1184 Ks. Friedrich I. nach Italien begleitete und 1189 auf dem Weg ins Hl. Land in Adrianopel (Edirne) starb; sein Bruder Albert gehörte zur engerem Umgebung Ks. Heinrichs VI. Mit ihm ist diese Linie zu Beginn des 13. Jh.s erloschen. Den gesamten Besitz vereinigte Gottfried, der 1218 zum Kreuzzug aufbrach und nicht mehr zurückkehrte. Von seiner aus dem Hause Sayn stammenden Ehefrau hatte er mehrere Söhne, von denen die drei im weltl. Stand gebliebenen das väterl. Territorium teilten. Als den Brüdern nach dem Tod des Mutterbruders Gf. Heinrich von Sayn ein großer Teil von dessen Erbe zufiel, wurde auch dieses aufgeteilt. Nach einem Austausch von Teilen dieser beiden Erbmassen besaß Johann ein Drittel der Gft. S. und die Gft. Sayn (unterhalb Koblenz auf dem rechten Rheinufer). Er ist der Stammvater der Linie S.-Starkenburg (Hintere Gft. S., künftig: HG); sein Bruder Simon, der die beiden übrigen Drittel der Gft. S. erhielt, ist der Stammvater der Gf.en von S.-Kreuznach (Vordere Gft., künftig: VG). Der dritte Bruder erhielt sayn. Besitzungen am Niederrhein; er ist der Stammvater der 1469 erloschenen Herren von Heinsberg.

Von den beiden im weltl. Stand verbliebenen Söhnen des Gf.en Johann I. (gest. 1266) aus dessen Ehe mit einer Dame aus dem Hause Isenberg-Limburg erhielt Heinrich (gest. 1289) den Anteil an der Gft. S., Gottfried erbte die Gft. Sayn. Er nannte sich fortan nach diesem Territorium; seine Nachkommen, die Gf.en und Fürsten von Sayn (-Wittgenstein) blühen noch. Von den Söhnen Heinrichs und seiner Ehefrau Blancheflor von Jülich folgte Johann (II.) in der Herrschaft; Heinrich (gest. 1344 oder kurz darauf) war unter anderem Propst des Aachener Marienstifts. Kg. Rudolf von Habsburg, der eine systematische Heiratspolitik trieb, um wichtige Fürsten und Gf.en an sich und sein Haus zu binden, vermittelte eine Ehe des Gf.en Johann II. (gest. 1324) mit seiner Schwestertochter Katharina von Ochsenstein. Aus dieser Ehe starb der ältere Sohn, Heinrich, kurz vor dem Vater unter Hinterlassung von drei kleinen Söhnen, für die nach Johanns Tod Heinrichs Witwe Loretta, geborene von Salm, die Regentschaft führte. Sie hatte sich mit ihrem Schwager Pantaleon, vor allem aber mit dem Trierer Ebf. Balduin von Luxemburg auseinanderzusetzen, den ihre Getreuen im Juni 1328 gefangennahmen, als er zu Schiff die Mosel herabfuhr. Dies hat Loretta eine Kirchenstrafe eingebracht, jedoch das Territorium künftig vor dem Zugriff dieses erfolgreichen Territo-rialpolitikers geschützt. Das Ansehen, das Loretta für sich und ihre Familie erreicht hatte, zeigt die Eheschließung des in der Regierung folgenden Sohnes Johann III. (gest. 1398) mit Mechtild, einziger Schwester der Pfgf.en Rudolf und Ruprecht, Enkelin des Kg.s Adolf von Nassau und Urenkelin des Kg.s Rudolf von Habsburg. Aus der Ehe gingen ein Sohn und zwei Töchter hervor, die fortan in der Familienpolitik des Pfgf.en Ruprecht eine wichtige Rolle spielten. Der Sohn Johann IV. (gest. 1413/14) heiratete eine Verwandte aus der Kreuznacher Linie des Hauses S., die Töchter wurden im Sinne der kurpfälz. Klientelpolitik mit dem Mgf.en von Baden und dem Gf.en von Veldenz verheiratet. Aus der Ehe des Gf.en Johann IV. ging nur ein Sohn hervor, der 1417 große Teile der Vorderen Gft. S. erbte und mit dem das Haus im Oktober 1437 erlosch. Das Erbe fiel an die Nachkommen der Vatersschwestern, den Mgf.en von Baden und den Gf.en von Veldenz (der seinerseits von seinem aus dem pfalzgräfl. Haus stammenden Schwiegersohn beerbt wurde).

Der Gründer der Linie Kreuznach, Gf. Simon (gest. 1264), war mit einer Dame aus dem Hause Heimbach (Gf.en von Jülich) verheiratet. Der älteste Sohn Johann (gest. 1290), der in der Herrschaft folgte, hatte zwei jüngere Brüder abzufinden. Heinrich, der die Bg. Böckel-heim erhalten hatte, verkaufte diese entgegen seinen Zusagen an den Ebf. von Mainz. Der Versuch, die Bg. milit. zurückzugewinnen, scheiterte 1279 (Schlacht von Gensingen). Hein-rich, verheiratet mit einer Erbtochter des Hauses Bolanden, konnte in der Pfalz um Kirch-heimbolanden eine kleine Herrschaft aufbauen, die nach dem Tod seines gleichnamigen Enkels 1393 an die Gf.en von Nassau-Saarbrücken fiel; auf dieses Territorium wird in der Folge nicht weiter eingegangen. Eberhard, zunächst Geistlicher, erhielt das Reichslehen Sohren auf dem Hunsrück, das er verkaufte, und Neef an der Mosel, das nach dem Tod seiner Söhne an einen Enkel aus dem Haus Scharfeneck fiel; die Nebenlinie Neef führte nicht den Grafentitel.

Nach dem Tod des Gf.en Johann von S.-Kreuznach (1290) teilten die aus der Ehe mit von Adelheid Leiningen hervorgegangenen Söhne Simon und Johann 1301 das Territorium; Simon baute Kastellaun zur Res. aus; Johann hatte den Schwerpunkt seiner Besitzungen an der Nahe (Kreuznach). Beide waren im Thronstreit Anhänger des Hzg.s Friedrich von Öster-reich. Simon war mit Elisabeth von Valkenburg (Nebenlinie der Gf.en von Kleve) ver-heiratet. Da Johann keine Ehe einging, konnte Simons Sohn Walram 1337 bzw. 1340 die Nachfolge von Vater und Oheim antreten. Er war mit Elisabeth von Katzenelnbogen verheiratet, hat in den folgenden Jahrzehnten eine – auch milit. – aggressive Territorialpolitik betrieben und dabei die Auseinandersetzung mit den Pfgf.en nicht gescheut. Die Ehefrau seines einzigen Sohnes Simon III. (gest. 1414) war Erbin der Gft. von Vianden (im heutigen Großhzm. Luxemburg) und etlicher zugehöriger Herrschaften im heutigen Belgien. Da der einzige Sohn Simons vor dem Vater gestorben war, erbte die Tochter Elisabeth die Gft.en S. und Vianden. Nach dem Tode ihres ersten Ehemannes Gf. Engelbert von der Mark ging sie eine zweite Ehe mit Ruprecht, ältestem Sohn des Pfgf.en Ruprecht (des späteren Kg.s) ein, der für die Nachfolge in der Kurwürde vorgesehen war. Beide Ehen Elisabeths blieben kinderlos; der zweite Ehemann starb 1397 vor seinem Vater. Elisabeth, die auch während ihrer kurzen Regierungszeit gelegentlich am kurpfälz. Hof in Heidelberg lebte, hat testa-mentar. ihrem Schwager Kurfürst Ludwig ein Fünftel an bestimmten Städten und Ämtern der Vorderen Gft. S. vermacht. Nach ihrem Tod fielen die übrigen vier Fünftel und der von der Schenkung nicht betroffene Besitz (Kastellaun, Winterburg und Dill) an den Vetter Johann aus der Linie Starkenburg, die Gft. Vianden mit Zubehör an das Haus Nassau, das so seine Besitzungen im niederländ. Raum ausbauen konnte. Mit Gf. Johann V. ist im Oktober 1437 das Haus S. erloschen. Als Vordere Gft. wurde fortan der Teil von Elisabeths Besitzungen bezeichnet, an dem Kurpfalz ein Fünftel besaß; Kastellaun, Winterburg und Dill wurden künftig der Hinteren Gft. zugerechnet. Von der komplizierten Geschichte der Anteile an bei-den Teilgft.en ist hier nicht mehr zu handeln.

 

→ B. Sponheim – C. Grevenburg; Kastellaun; (Bad) Kreuznach

 

Q. Die Archivalien aus den Archiven der Gf.en von S. wurden nach dem Tod des letzten Gf.en (1437) und erneut bei der Aufteilung der Vorderen (1707) und der Hinteren Gft. (1778) unter die Teilhaber (Kurpfalz/Baden-Baden bzw. Pfalz-Zweibrücken/Baden) aufgeteilt. Nach 1815 erhielten die Rechtsnachfolger in den Territorien (Preußen, Hessen-Darmstadt, Nassau) Teile dieser Urk.en und Akten. Diese werden daher heute in den staatl. Archiven in Darmstadt, Karlsruhe, Koblenz, München, Speyer, Straßburg und Wiesbaden aufbewahrt. Das Material wurde auf dem Papier in den „Regesten des Archivs der Grafen von Sponheim“ zusammengeführt. Drucke und Regesten dieser Urk.en finden sich auch in den übrigen hier aufgelisteten regionalen Quellenwerken. Daneben sind die „Regesta Imperii“ heranzuziehen.

Codex Diplomaticus Rheno-Mosellanus. Urkundensammlung zur Geschichte der Rhein- und Mosellande, der Nahe- und Ahrgegend und des Hundsrückes, des Meinfeldes und der Eifel, bearb. von Wilhelm Günther, 5 Tl.e, Coblenz 1822-1826. – Hessische Urkunden, bearb. von Ludwig Baur, 5 Bde., Darmstadt 1860-1873. – Regesten der Markgrafen von Baden und Hachberg 1010-1515, hg. von der Badischen Historischen Kommission. Bd. 1: Markgrafen von Baden 1050-1431, Markgrafen von Hachberg 1218-1428, bearb. von Richard Fester, Innsbruck 1900. Bd. 3: Markgrafen von Baden 1431 (1420)-1453, bearb. von Heinrich Witte, Innsbruck 1907. – Regesten der Grafen von Katzenelnbogen 1060-1486, bearb. von Karl E. Demandt, 4 Bde., Wiesbaden 1953-1957 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau, 11). – Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter. Bd. 2: 1100-1205, bearb. von Richard Knipping, Bonn 1901; Bd. 3: 1205-1304, bearb. von Richard Knipping, Bonn 1909-1913; Bd. 4: 1304-1332, bearb. von Wilhelm Kisky, Bonn 1915; Bd. 5: 1332-1349 (Walram von Jülich), bearb. von Wilhelm Janssen, Köln u.a. 1973; Bd. 6: 1349-1362 (Wilhelm von Gennep), bearb. von Wilhelm Janssen, Köln u.a. 1977; Bd. 7: 1362-1370 (Adolf von der Mark, Engelbert von der Mark, Kuno von Falkenstein), bearb. von Wilhelm Janssen, Düsseldorf 1982; Bd. 8: 1371-1380, bearb. von Norbert Andernach, Düsseldorf 1981; Bd. 9: 1381-1390, bearb. von Norbert Andernach, Düsseldorf 1983; Bd. 10: 1391-1400, bearb. von Norbert Andernach, Düsseldorf 1987; Bd. 11: 1401-1410, bearb. von Norbert Andernach, Düsseldorf 1992; Bd. 12: 1411-1414, bearb. von Norbert Andernach, 2 Tl.e, Düsseldorf 1995, 2001 (Publikationen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde 21). – Regesta Archiepiscoporum Maguntinensium. Regesten zur Geschich-te der Mainzer Erzbischöfe von Bonifatius bis Uriel von Gemmingen 742?-1514, hg. von Johann Friedrich Böhmer, bearb. von Cornelius Will. Bd. 1: 742?-1160, Innsbruck 1877; Bd. 2: 1161-1288, Innsbruck 1886. – Regesten der Erzbischöfe von Mainz 1289-1396. 1. Abt. Bd. 1: 1289-1328, bearb. von Ernst Vogt, Leipzig 1913; Bd. 2: 1328-1353, bearb. von Heinrich Otto, Darmstadt 1932ff.; 2. Abt. Bd. 1: 1354-1396, bearb. von Fritz Vigener, Leipzig 1908ff. – Mittelrheinische Regesten oder chronologische Zusammenstellung des Quellen-Materials für die Geschichte der Territorien der beiden Regierungsbezirke Coblenz und Trier, bearb. von Adam Goerz, 4 Bde., Coblenz 1876-1886. – Regesten der Pfalzgrafen am Rhein 1214-1508, hg. von der Badischen Historischen Kommission. Bd. 1: 1214-1400, bearb. von Adolf Koch und Jakob Wille, Innsbruck 1894; Bd. 2: Regesten König Ruprechts, bearb. von L. Graf von Oberndorff; Nachträge, Ergänzungen und Berich-tigungen zum 1. und 2. Band, bearb. von Manfred Krebs, Innsbruck 1939. – Regesten des Archivs der Grafen von Sponheim, bearb. von Johannes Mötsch, 5 Bde., Koblenz 1987-1991 (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, 41-45). – Regesten der Erzbischöfe von Trier von Hetti bis Johann II. 814-1503, bearb. von Adam Goerz, Trier 1861, ND Aalen 1969. – Urkunden- und Quellenbuch zur Geschichte der altluxemburgischen Territorien, bearb. von Camille Wampach, 10 Bde., Luxemburg 1935-1955; Bd. 11, hg. von Aloyse Estgen, Michel Pauly und Jean Schroeder, Luxemburg 1997. – Mainzer Urkundenbuch. Bd. 1: Die Urkunden bis zum Tode Erzbischof Adalberts I. (1137), bearb. von Manfred Stimming, Darmstadt 1932; Bd. 2, bearb. von Peter Acht, Tl. 1: 1137-1175, Tl. 2: 1176-1200, Darmstadt 1971 (Arbeiten der Historischen Kommission für Hessen). – Urkundenbuch der Grafschaft Sponheim, bearb. von Karl Graf von Reisach, in: Archiv für Rheinische Geschichte 2 (1835) S. 235-287. – Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die Preußischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden mittelrheinischen Territorien, bearb. von Heinrich Beyer, Leopold Eltester und Adam Goerz, 3 Bde., Coblenz 1860-1874. – Urkundenbuch für die Geschichte des gräflichen und freiherrlichen Hauses der Vögte von Hunolstein, hg. von Friedrich Toepfer, 3 Bde., Nürnberg 1866-1872.

 

L. Baldes, Heinrich: Geschichtliche Heimatkunde der Birkenfelder Landschaft von der Urzeit bis 1817, Birkenfeld 1929. – Büttner, Heinrich: Die Anfänge der Stadt Kreuznach und die Grafen von Sponheim, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. NF 61 (1952) S. 433-444. – Disselnkötter, Heinrich: Auf den ältesten Spuren der Spanheimer Grafenfamilie an der Mosel, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 6 (1936) S. 1-27. – Disselnkötter, Heinrich: Gräfin Loretta von Spanheim geborene von Salm. Ein Lebens- und Zeitbild aus dem 14. Jahrhundert, Bonn 1940 (Rheinisches Archiv, 37). – Dopsch, Heinz: Die Gründer kamen vom Rhein. Die Spanheimer als Stifter von St. Paul, in: Schatz-haus Kärntens. 900 Jahre Benediktinerstift (Ausstellungskatalog), Klagenfurt 1991, Bd. 2: Beiträge, S. 43-67. – Dotzauer, Winfried: Die Vordere Grafschaft Sponheim als pfälzisch-badisches Kondominium 1437-1707/08, Bad Kreuznach 1963. – Dotzauer, Winfried: Geschichte des Nahe-Hunsrück-Raumes von den Anfängen bis zur Französischen Revo-lution, Stuttgart 2001. – Fey, Carola: Die Begräbnisse der Grafen von Sponheim, Mainz 2003 (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte, 107). – Halbekann, Joachim J.: Die älteren Grafen von Sayn. Personen-, Verfassungs- und Besitzgeschichte eines Grafengeschlechtes 1189-1246/47, Wiesbaden 1997 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau, 61). – Hausmann, Friedrich: Siegfried Markgraf der Ungarnmark und die Anfänge der Sponheimer in Kärnten und im Rheinland, in: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich. NF 40 (1977) S. 115-168. – Heinzelmann, Josef: Spanheimer-Späne: Schachwappen und Konradiner-Erbe, in: Jahrbuch für Westdeutsche Landesgeschichte 25 (1999) S. 7-67. – Heyen, Franz-Josef: Kaiser Heinrichs Romfahrt. Die Bilderchronik von Kaiser Heinrich VII. und Kurfürst Balduin von Luxemburg 1308-1313, München 1978. – Lehmann, Johann Georg: Die Grafschaft und die Grafen von Spanheim der beiden Linien Kreuznach und Starkenburg bis zu ihrem Erlöschen im 15. Jahrhundert, Kreuznach 1869 (ND Walluf 1973). – Mötsch, Johannes, Genealogie der Grafen von Sponheim, in: Jahrbuch für Westdeutsche Landesgeschichte 13 (1987) S. 63-179. – Mötsch, Johannes: Die Grafschaften Sponheim, in: Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, hg. von Franz Irsigler und Günther Löffler, Köln 1992 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, 12,1 b. Beiheft V/4). – Mötsch, Johannes: Die Siegel der Grafen von Sponheim, in: Archiv für Diplomatik 33 (1987) S. 459-498. – Naumann-Humbeck, Anneliese: Studien zur Geschich-te der Grafen von Sponheim vom 11. bis 13. Jahrhundert, Bad Kreuznach 1983 (Heimatkund-liche Schriftenreihe des Landkreises Bad Kreuznach, 14). – Nikisch, Eberhard J.: Die In-schriften des Landkreises Bad Kreuznach, Wiesbaden 1993 (Die Deutschen Inschriften, 34: Mainzer Reihe, 3). – Spiess, Karl-Heinz: Familie und Verwandtschaft im deutschen Hoch-adel des Spätmittelalters. 13. bis Anfang 16. Jahrhundert, Stuttgart 1993 (Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Beiheft 111). – Spiess, Karl-Heinz: Grafen und Herren aus dem Rhein-Main-Gebiet zwischen Königtum und fürstlicher Hegemonie im Spätmittelalter, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 136 (2000) S. 135-163. – Spon-heim, in: Die Männer- und Frauenklöster der Benediktiner in Rheinland-Pfalz und Saarland, bearb. von Friedhelm Jürgensmeier, St. Ottilien 1999 (Germania Benedictina, 9), S. 801-827. – Staab, Franz: Reform und Reformgruppen im Erzbistum Mainz. Vom „Libellus de Willigisi consuetudinibus“ zur „Vita domnae Juttae inclusae“, in: Reformidee und Reform-politik im spätsalisch-frühstaufischen Reich, hg. von Stefan Weinfurter, Mainz 1992 (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte, 68), S. 119-187. – Weydmann, Ernst: Geschichte der ehemaligen gräflich-sponheimischen Gebiete. Ein Beitrag zur deutschen Territorialgeschichte, Konstanz 1899. – Witte, Heinrich: Über die ältesten Grafen von Spanheim und verwandte Geschlechter, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. NF 11 (1896) S. 161-229.

 

Johannes Mötsch, Meiningen

 

B. Sponheim, Gft.

 

I. 1239 verbietet Kg. Konrad den Zuzug aus „Vogtei und Gerichtsbarkeit“ des Grafen Simon von S. (-Kreuznach) nach Oppenheim. Bei der Aufteilung des Erbes im Jahr 1248 ist von „Burgen, Befestigungen und anderen, vom Vater ererbten Besitzungen“ die Rede. Gf. Johann bezeichnet im gleichen Jahr seine Ministerialen als dinstliche ritterschafft von Spanheim. Bei der Teilung zwischen den Brüdern Heinrich und Gottfried wird 1265 für beide Erbteile (S./Sayn) der Begriff „Grafschaft“ (comicia) verwendet.

Die Herrschaftsgebiete der beiden Linien des Hauses lagen zum größten Teil auf dem Hunsrück (heutige Lkr.e Bad Kreuznach, Bernkastel-Wittlich, Birkenfeld und Rhein-Huns-rück-Kreis). Der Besitz der Linie Kreuznach wird als Vordere, der der Linie Starkenburg als Hintere Gft. S. bezeichnet – wohl von Mainz aus gesehen. Güter und Rechte im heutigen Großhzm. Luxemburg, aus denen sich eine gemeinsame Herkunft mit den Gf.en von Vianden und den Herren von Clervaux herleiten läßt, sind im 13. Jh. belegt. In diesen Raum ist die Linie Kreuznach durch den Erwerb der Gft. Vianden später zurückgekehrt.

Amtssitze (1437): Hintere Gft.: Allenbach, Birkenfeld, Dill, Herrstein, Kastellaun (bis 1417 Vordere Gft.), Trarbach, Winterburg (bis 1417 Vordere Gft.); Vordere Gft.: Kirchberg, Koppenstein, Kreuznach und Naumburg.

Bg.en: Die Stammbg.en Dill und S., an deren Besitz auch die Vogtei über das Stift Pfaffen-Schwabenheim bzw. das Kl. S. gekoppelt war, blieben bis 1417 im gemeinsamen Besitz beider Linien; danach gehörten sie ganz dem letzten Gf.en. Nach 1437 wurden sie zur Hinteren Gft. gerechnet.

Hintere Gft.: Allenbach, Birkenfeld, Frauenburg, Grevenburg, Herrstein, Starkenburg; Wolfstein (bei Kaiserslautern) als Pfand.

Vordere Gft.: Altleiningen (Anteil), Argenschwang, Böckelheim (1278 an das Erzstift Mainz verkauft), Dahn (Grafendahn), Ebernburg, Gemünden/Hunsrück, Gutenberg, Kastellaun, Kirchberg, Koppenstein, Kreuznach, Megelsheim (heute St. Johann), Naumburg, Neef (seit Ende 13. Jh. Sitz einer bis 1351 belegten Nebenlinie), Neu-Bamberg (Pfand), Stadecken (Anteil), Winterburg.

Die Nebenlinie Bolanden besaß die aus dem Erbe der Reichsministerialen von Bolanden stammenden Bg.en Altenbamberg, Alt- und Neu-Bolanden, Dannenfels, Kirchheim, Stauf und Wöllstein (alle Rheinhessen-Pfalz) sowie ab 1325 die Burg Lichtenberg (Odenwald) als Erbe der Ehefrau des Grafen Philipp (gest. 1337/38).

Nach dem Tod des letzten Grafen wurde im November 1437 ein Verzeichnis der künftig auf den Bg.en vorzuhaltenden Lebensmittel, Waffen und sonstigen Ausrüstungsgegenstände erstellt. Dazu zählten Büchsen und das nötige Pulver, aber auch Armbrüste in großer Menge. Erhaltene Diensturkunden von Armbrustern zeigen, daß diese auch aus entfernt gelegenen Regionen (Aussig, Zürich) angeworben wurden. Graf Heinrich aus der Linie Bolanden hatte 1382 einen Büchsenmeister in Dienst genommen.

Dill, Enkirch, Kreuznach und Pfaffen-Schwabenheim waren zu Beginn des 12. Jh.s in Händen des Gf.en Adalbert von Mörsberg, der sich zeitweise nach Dill benannte und einer der Erben der Gf.en von Nellenburg (Kreis Konstanz) war. Gf. Eberhard von Nellenburg hatte mit seiner Mutter 1044 das Stift Pfaffen-Schwabenheim gegründet. Adalberts Tochter Mechtild brachte diese Güter und Rechte ihrem Ehemann Meinhard von S. zu, der nach dem Tod des Schwiegervaters den Grafentitel führte. Dieser durch Heirat erworbene Besitz dürfte Meinhards Erbgut erheblich übertroffen haben. Die Schwerpunkte des sich daraus entwickelnden sponheim. Territoriums (Hunsrück, Positionen an Mosel und Nahe) lagen somit bereits fest. Die Erwerbspolitik läßt sich erst seit der Mitte des 13. Jh.s (sayn. Erb-schaft, 1246/47) verfolgen. Daneben dürften die Gf.en auf dem Hunsrück einen intensiven Landesausbau betrieben haben. Viele der am Ende des 13. oder zu Beginn des 14. Jh.s erstmals urkundl. belegten Dörfer fielen allerdings in der zweiten Hälfte des 14. Jh.s wieder wüst. Ursache war die nach 1320, noch stärker nach der Pestepidemie von 1349 einsetzende Landflucht.

Größere Erwerbungen: Hintere Gft.: Birkenfeld und umliegende Dörfer, Kauf 1269; Reichsgut Kröv, Pfandschaft 1274; Burg Wolfstein bei Kaiserslautern mit Zubehör (Reichsgut), Pfand 1312-1323 u. 1378 bis 1437; Püttlingen (Puttelange-aux-Lacs, Dep. Moselle/Frankreich), Pfandschaft nach 1315 bis 1356; Bg. Hohenfels/Pfalz mit Zubehör, Lehen von Kurpfalz 1355; halbe Herrschaft Landstuhl bei Kaiserslautern, Kauf 1347 (z.T. später verpfändet); halbe Herrschaft Grumbach (Kreis Kusel), Pfand 1363 bis vor 1421; Bg. und Herrschaft Gräfenstein (bei Pirmasens), Pfand 1371; Burg Elmstein (bei Lambrecht/Pfalz), 1376; Lehen und Mannen der Bg.en Altbolanden und Falkenstein/Pfalz, Heiratsgut der Ehefrau des letzten Gf.en 1415. Auffällig ist die Massierung dieser Erwer-bungen in der heutigen Pfalz. Sie ist vor allem auf die Begünstigung des Junggf.en Johann durch seinen Oheim Pfgf. Ruprecht zurückzuführen.

Vordere Gft.: Anteil an der Bg. Altleiningen, Erbe 1301; Laubach/Horn auf dem Hunsrück, Reichspfandschaft 1301, im Thronstreit nach 1314 wieder verloren; Megelsheim (heute St. Johann, bei Bad Kreuznach), vor 1313; Bg. Stromberg, Pfand vom Pfgf.en 1311 bis 1322; Koppenstein mit Zubehör, u.a. zu Gemünden, Kauf 1325; Bg. Gutenberg mit Dorf Weitersheim, Kauf 1334; Bg. Imsweiler (Donnersbergkreis), Pfand 1336 bis vor 1409; Anteil an der Vogtei Strimmig (Hunsrück), Kauf 1337; (Grafen-) Bg. Dahn (bei Pirmasens), Kauf 1339, 1421 verpfändet; Bg. Breitenstein (bei Neustadt/Weinstraße), Lehen von der Pfgft. 1339; Dörfer Pferdsfeld und Eckweiler (nahe Bad Kreuznach), Kauf 1341; Dorf Bundenthal (Kreis Pirmasens), Kauf 1342; Dorf Birkenhördt (Kreis südl. Weinstraße), Kauf 1345; Herrschaft Ebernburg, Kauf 1347; Anteil an der Vogtei Senheim (Mosel), Kauf 1347; Gft. Vianden (Luxemburg) mit der Herrschaft Dasburg (Kreis Bitburg-Prüm) und den Herrschaften Grimbergen, Londerzeel, Corroy und Frasnes (im heutigen Belgien), 1348 als Erbe der Ehefrau des Junggf.en Simon; Naumburg bei Kirn/Nahe, Kauf in mehreren Teilen 1349 und 1377; Bg. Stein (gegenüber Worms an der Mündung der Wäschnitz in den Rhein), 1354 als Pfand, von dort Ausgriff auf die Stadt Ladenburg, Auseinandersetzung mit dem Pfgf.en, zwischen 1356 und 1363 Rückzug aus diesem Raum; Eich am Altrhein (bei Worms), Kauf 1351, verpfändet 1357; Herrschaften St. Vith und Bütgenbach (im O von Belgien), nach 1357 milit. Durchsetzung eines Erbanspruchs, 1380 vertragl. abgesichert; Anteil am Beltheimer Gericht (Hunsrück), Kauf 1366; Anteil an Bg. Neu-Bamberg und am Gericht Wöllstein, Pfand 1367; Bg. Stadecken (Rheinhessen), vor 1387; Vogtei Fankel (Mosel), Lehen von Kurpfalz 1393; Anteil am Gericht Kellenbach, Kauf 1403. Neben den Erwerbungen, die an die Gft. angrenzen und deren Territorium erweitern (Pferdsfeld, Ebernburg, Strimmig, Senheim, Beltheim) liegt auch hier ein Schwerpunkt im pfälz. Raum. Allerdings erfolgten diese Erwerbungen nur zum geringen Teil im Einvernehmen mit, eher im Gegensatz zu den Interessen der Pfgf.en. Gf. Walram, den die Mehrzahl dieser Erwer-bungen zuzuschreiben sind, hat dabei häufig zur Gewalt gegriffen.

Wie die Lage der von beiden Linien des Grafenhauses erworbenen Güter und Rechte zeigt, war eine Ausdehnung des Kernterritoriums, die sich in erster Linie gegen die Erzstifte Mainz und Trier hätte richten müssen, im 14. Jh. kaum noch möglich. Die Kreuznacher Linie hat zwar versucht, der Ausdehnungspolitik des Ebf.s von Mainz entgegenzutreten, ist dabei aber milit. gescheiter (Schlacht von Gensingen, 1279). Offenbar haben beide Linien daraus die beschriebenen Konsequenzen gezogen.

Lehen hatten die Gf.en von S. vom Reich, von den Erzstiften Mainz und Trier (1338 erheblich erweitert), von den Hochstiften Speyer und Worms sowie von den Reichsabteien Klingenmünster und Corvey. 1329 bzw. 1335 wurde die Stammburg S. dem Abt von S. zu Lehen aufgetragen, vermutl., um sie territorialpolit. Bestrebungen der Ebf.e von Mainz oder Trier zu entziehen. Bedeutendster weltl. Lehnsherr beider Linien des Hauses war der Pfgf. bei Rhein. Daneben sind zu nennen der Hzg. von Lothringen sowie die Gf.en (später Hzg.e) von Luxemburg, Geldern und Kleve. Zu den Reichslehen Art. A. Sponheim.

Nach einer Aufstellung aus dem Jahr 1390 hielt die pfgfl. Kanzlei beide Gft.en S. für lehnsrührig. Die Urk.en im gfl. Archiv liefern dazu keine Belege, sie bestätigen vielmehr die im ältesten pfgfl. Lehnsbuch von 1401 enthaltenen Einträge zu den Lehnsobjekten, die die Pfgf.en zu den bedeutendsten Lehnsherren beider Linien machten.

Die beiden Linien des Hauses hatten ihrerseits einen umfangreichen Lehnshof, dessen Umfang anläßl. einer Teilung 1286 deutlich wird. Zu den aus dem Erbe der Gf.en von Sayn stammenden Lehen gehörte die Gft. Virneburg (ihrerseits Lehen von den Pfgf.en bei Rhein, so deren Lehnsbuch von 1401). Deren Besitzer, die Gf.en von Virneburg, haben in Besorgnis um ihren sozialen Status dieses Lehen erst 1372 nach erhebl. Druck empfangen; die Gf.en von Homburg und die Wildgf.en hatten ebenfalls Lehen von der Gft. S. Edelfreier Herkunft waren unter den Lehnsleuten die Herren von Blankenheim, Bolchen, Braunshorn, Brohl, Bruch, Daun, Dudeldorf, Eppstein, Fels (La Rochette), Hatzfeldt, Heinzenberg, Isenburg, Kriechingen, Kronenburg, Manderscheid, Pyrmont, Rennenberg, Rodemachern, Saffenberg, Schwarzenberg, Tomberg, Wiltz, Winneburg-Beilstein und Zolver. Von den Familien, die ursprünglich der Ministerialität des Reiches, der Erzstifte Mainz und Trier, der Pfgf.en sowie der Gf.en von S. angehörten, seien nur die bedeutenderen genannt, die, soweit nicht zuvor erloschen, später eine Rolle in der Reichsritterschaft gespielt haben und aus denen (Erz-) Bf.e hervorgegangen sind: (Truchseß von) Alzey, Bicken, Bayer von Boppard, Dalberg (Kämme-rer von Worms), Daun, Ehrenburg, Eltz, Fleckenstein, Flörsheim, Greiffenklau zu Volrads, Hagen, Helfenstein, Hohenecken, (Vogt von) Hunolstein, Ingelheim, Layen, Lewenstein, (von der) Leyen, Metzenhausen, Montfort, Oberstein, Randeck, Reifenberg, Rüdesheim, Scharfeneck, Schmidtburg, Schönburg (zu Oberwesel), Schöneck, (Flach von) Schwar-zenberg, Sötern, Steinkallenfels, (Boos, Marschall, Stump von) Waldeck, Walpoden (Wald-bott von Bassenheim), Wildburg und Winnenberg (bei Alzey). Mit Lehen ausgestattet wurden auch die unehel. Abkömmlinge des Gf.en Johann II. von S.-Kreuznach (gest. 1340), die von Argenschwang, Koppenstein und Wolf von S., sowie die der Geistlichen Rainald (ermordet 1352) aus der Linie Kreuznach (zweites Geschlecht Wolf von S.) und Gottfried (gest. 1395) aus der Linie Starkenburg (von Allenbach, erloschen 1603).

Die Gf.en von S. verfügten über eine eigene Ministerialität (1248: dinstliche ritterschafft von Spanheim)  Die zugehörigen Familien führten im Wappen häufig das Schach des Grafenhauses, ergänzt durch Beizeichen. Sie führten Familiennamen, die sich vielfach aus dem Besitz von Burglehen auf den Landesbg.en Birkenfeld, Dill, Kastellaun, Kreuznach, S. und Starkenburg herleiteten. Untersuchungen zu dieser Ministerialität fehlen allerdings.

Die 1437 ausgestorbenen Gf.en von S. haben keinem der erst später entstandenen Grafenvereine angehört. Die Erben der Gf.en und Besitzer von Anteilen an den beiden Gft.en gehörten dem Fürstenstand an (Kurpfalz, Pfalz-Simmern, Pfalz-Zweibrücken, Baden).

 

II. Zum Hof der beiden Linien sind nur Einzelnachrichten erhalten, die keine Beschreibung einer Entwicklung zulassen.

Wichtigste Stadt in der Vorderen Gft. war Kreuznach. Dort hat sich der Hof bis zum Er-löschen der Linie (1417) besonders häufig aufgehalten. Daneben bestand zwischen 1301 und 1340 (während das Territorium geteilt war) eine zweite Res. in Kastellaun, das in dieser Zeit intensiv gefördert wurde und später wohl noch einmal Witwensitz war.

Sitz der die Hintere Gft. regierenden Gf.en war zunächst die Starkenburg; dies hatte Aus-wirkungen auf das unterhalb am Moselufer gelegene Enkirch, das 1248 eine Freiheitsurk. nach lothring. Vorbild erhielt; 1338 ist hier ein Spital belegt. Später verlegte man den bevor-zugten Wohnsitz auf die Grevenburg und förderte das unter der Bg. gelegene Trarbach.

Nach Ende der Regentschaft für den zunächst unmündigen Sohn (1331) lebte die Gf.in Loretta auf der von ihr errichteten Bg. Frauenberg. Elisabeth, der Ehefrau des Junggf.en Johann, wurde 1356 die halbe Bg. Birkenfeld mit Zubehör als Wittum verschrieben; sie lebte später – getrennt vom Ehemann - auf der Bg. Dill; ihre Einkünfte waren 1382 durch einen vom Sohn vermittelten Vergleich geregelt worden. Sitz der Witwe des letzten Gf.en war nach 1437 Herrstein, das 1428 eine Freiheitsurk. erhalten hatte.

Nach einer Zusammenfassung der in diesem Jahr gelegten Rechnungen gab es 1436 in bei-den Gft.en folgende rechnungspflichtigen Beamten: einen Amtmann (Kreuznach), zwei Truchsessen (Kreuznach, Kirchberg), einen Ungelter und Zinsmeister (Kreuznach), etliche Kellner (Kreuznach, Starkenburg, Kastellaun, Kirchberg, Trarbach, Herrstein, Allenbach, Birkefeld, Wolfstein, Neues Haus zu Trarbach), mehrere Schultheißen (in den größeren, z.T. mit städt. Privilegien versehenen Siedlungen Winterburg, Kastellaun, Herrstein, Kübelberg, Birkenfeld, Wolfstein, Irmenach), einen Vogt (Winningen) und einen Bürgermeister (Trar-bach) sowie den Koch, den Weinmeister, den Marsteller (zu Allenbach) und einen Fischer (zu Litzig). Die Mehrzahl der Amtleute hatte das jeweilige Amt ohne Verpflichtung zur Rechnungslegung inne. Über die größten Summen hatte der oberste Schreiber Rechnung zu legen. Auf ihn waren wohl die Aufgaben übergegangen, die zuvor von dem 1400 für die Hin-tere Gft. belegten Rentmeister wahrgenommen worden waren.

Diese Beamten hatten gegenüber einer aus Niederadligen, Geistlichen und mehreren Schreibern bestehenden Kommission Rechnung zu legen. In dieser Gruppe wird man die engeren Vertrauten des Gf.en zu sehen haben, die ohne feste Kompetenzaufteilung die Re-gierungs- und Verwaltungsaufgaben wahrnahmen. Inhaber fester Funktionen am Hof waren der Koch und der Weinmeister, die den Gf.en regelmäßig begleitet haben dürften, sowie der Marsteller und der Fischer, die lokal gebunden waren.

Männer mit den oben genannten Titeln sind z.T. bereits wesentlich früher belegt (Kellner 1324, Hintere Gft.; Truchseß Vordere Gft., in Kreuznach 1270, in Kirchberg 1338). Angaben zu dem vor Ort von den jeweiligen Amtleuten unterhaltenen Personal sind zu 1437 / 38 erhalten (leider nicht für die Res. Trarbach).

Im 14. Jh. sind regelmäßig Schreiber der einzelnen Gf.en belegt, die zumeist geistl. Pfründen besaßen, insbesondere solche, deren Patronat in den Händen der Gf.en war. Daneben verfügten die Amtleute über eigene Schreiber. Oberster Schreiber des letzten Gf.en war ein Laie, dem 1437/38 die Erben der Gft. die Durchsicht und Ordnung des übernom-menen Schriftguts anvertrauten.

Inhaber von Hofämtern mit einem Schwerpunkt im wirtschaftl. Bereich waren Ingebrand, Truchseß zu Kreuznach (1270, Vordere Gft.), und Karl, Truchseß des Gf.en Heinrich (1281, Hintere Gft.) sowie Albrecht, Küchenmeister zu Kreuznach (1294, Vordere Gft.).

Das Marschallamt der Hinteren Gft. war zu Lehen ausgegeben. Der 1368 belegte Inhaber und dessen Vorgänger gehörten Familien an, die ursprüngl. der Reichsministerialität entstamm-ten. Zum Amtslehen gehörte ein Dorf auf dem Hunsrück.

Eine Aufteilung der Kompetenzen am Hof gab es bis 1437 offenbar nicht. Vertreter des Gf.en vor Ort in Justiz und Verwaltung waren die Amtleute. Streitigkeiten über Lehen wurden vor einem vom Gf.en bestellten Richter und einem aus Lehnsmannen bestehenden Gremium von Urteilern ausgetragen (Manngericht, 1401 Vordere Gft. und Hintere Gft.).

1404 wird erstmals ein Adliger als „Rat“ des Gf.en Johann (Hintere Gft.) bezeichnet; dieser Gf. war seinerseits ab 1381 Rat des röm. Kg.s Wenzel gewesen. Gf. Simon (Vordere Gft.) hatte 1391 einen in Mainz wohnhaften, bereits in den Diensten dieser Stadt stehenden Juristen (Dr. decretorum) als „geschworenen Pfaffen“ und Kaplan in Dienst genommen. Dabei dürfte von Bedeutung gewesen sein, daß dieser Mann nicht in Abhängigkeit vom Ebf. stand (dafür spricht der Dienst bei der Stadt Mainz, die ebenfalls auf die Distanz dieses Mannes zur geistl. – und weltl. – Obrigkeit Wert gelegt haben dürfte). Bedarf in kirchen-rechtlichen Fragen bestand für die Gf.en wohl in erster Linie dann, wenn man sich gegen Zumutungen des Diözesanbf.s wehren wollte.

In der Auseinandersetzung mit dem Pfgf.en wurde 1429 ein Jurist zum Prokurator am Hofgericht des Kg.s Sigmund bestellt und 1431 ein Gutachten der Juristenfakultät zu Köln eingeholt.

Die Nähe zu Frankfurt macht es wahrscheinl., daß Luxusart. direkt oder indirekt (über Mainz oder Koblenz) von dort bezogen worden sind. Dafür sprechen auch gelegentl. Nen-nungen von Frankfurter Bürgern in den Quellen. Die Gf.in Elisabeth (gest. 1417, Vordere Gft.) besaß nach Ausweis ihres Testamentes zahlreiche Luxusart.

Die Münze zu Kreuznach, ursprüngl. Besitz des Hochstifts Speyer, haben die Gf.en vor 1248 erworben; das Münzrecht wird 1417 als Reichslehen bezeichnet. Erhalten sind Münzen der Gf.en Johann (gest. 1340; unsicher), Walram (gest. 1380) und Johann (gest. 1437); die Zuweisungen der Literatur (Grote) zu diesen Regenten sind wegen der Verwendung einer überholten Stammtafel in Teilen falsch. Gf. Simon (gest. 1414) warb 1384 für seine Münze in Kreuznach einen aus Neuss stammenden Münzmeister an.

1409 überließ dieser Gf. drei Goldschmieden aus Frankfurt ein Gelände bei Altlay (Huns-rück) zur Anlegung eines Metallbergwerks, auch auf Gold und Silber (wohl zur Münz-prägung).

Eberhard von S., Gründer der Nebenlinie Neef, mußte 1303 das Reichslehen Sohren mit Zubehör einem im nahen Kirchberg lebenden Juden verpfänden. In Kreuznach lebte seit 1382 der Jude Gottschalk von Katzenelnbogen, der über enge Beziehungen nach Frankfurt ver-fügte, von denen wohl auch der Gf. profitiert hat. 1403 sah sich Gottschalk erpresserischen Maßnahmen des Gf.en Simon ausgesetzt, die zu seinem Wegzug führten; seine in Kreuznach gebliebene Wwe. war 1421 erneut Opfer der Willkür des Gf.en von S.

Große Teile des Territoriums waren im Besitz des Gf.en und gegen Zins an Eigenleute zur Bewirtschaftung verliehen. Davon kamen Geld- und Naturalzinse ein. Den Bg.en (und Amts-sitzen) waren in Eigenwirtschaft betriebene Bauhöfe zugeordnet, deren Erträge direkt dem Hof und den Beamten zuflossen. Die Einkünfte daraus schwanden aber, da auf dem Hunsrück gelegenen Gebiete der Hinteren Gft. seit den 1320er Jahren einer starken Landflucht aus-gesetzt waren, die sich nach 1385 auch auf die Orte an der Mosel ausbreitete. Der letzte Gf. hat offenbar versucht, dem durch Maßnahmen gegenzusteuern, die man heute als Wirt-schaftsförderung bezeichnen würde. 1422 verpflichtete er einen Mann, zwei Knaben das Drechseln zu lehren. 1435 einigte er sich mit einem Glaser aus Bern, für den er Gebäude hatte errichten lassen, der aber seine Zusagen nicht eingehalten hatte und deshalb ins Ge-fängnis gelegt worden war. In den Bereich der Wirtschaftsförderung gehört wohl auch die Existenz von Steinschleifern in Trarbach (1437).

Nahrungsmittel (Getreide, Vieh, Wild, Fisch sowie Weine von z.T. guter Qualität) wurden im eigenen Territorium produziert. Verbrauchsgüter waren in den eigenen Städten (vor allem Kreuznach) und in denen der näheren Umgebung (Mainz, Koblenz, Trier) zu beschaffen.

Die ältere Geschichtsschreibung hat, gestützt auf Aussagen des sonst wenig glaub-würdigen Johannes Trithemius, dem letzten Gf.en vorgeworfen, an seinem Hof „Alchimisten, […] Schwarzkünstler und Wahrsager“ unterhalten zu haben. In der Tat finden sich in den Quellen einige wenige Belege aus diesem Bereich, die aber wohl eher in den Bereich einer – allerdings fehlgeschlagenen – Wirtschaftsförderung zu rechnen sind (Herstellung von Glas durch einen Mann aus Bern, vor 1435).

Die dem Gf.en Johann (Vordere Gft., gest. 1340) in literar. Zeugnissen zugeschriebene Lebensweise macht die Anwesenheit von (Unterhaltungs-) Künstlern am Hof wahrscheinl.; urkundl. Belege fehlen allerdings. 1435 notiert der Truchseß zu Kreuznach Ausgaben für „Gauckelei“ während der Anwesenheit des Gf.en und seiner Freunde.

Im Dienst des letzten Gf.en stand u.a. ein Apotheker, der im Juli 1424 aus dem Dienst aus-schied.

Ein besonderes Vertrauensverhältnis verband die Gf.en und ihre Beichtväter. 1339 war der Pfarrer zu Kreuznach Beichtvater des am Ort residierenden Gf.en Johann (gest. 1340); 1396 übte dessen Nachfolger die gleiche Funktion beim Gf.en Simon (gest. 1414) aus. Nikolaus von Sohrschied, ehemaliger Guardian des Minoritenklosters in Merl/Mosel und Beichtvater des Gf.en, bezeugte 1428 das Testament seines Herrn. Gobelin nach 1432 Abt des Hauskl.s S., soll nach einem Bericht des sonst wenig zuverlässigen Johannes Trithemius zuvor Mönch des Zisterzienserkl.s Disibodenberg und Beichtvater des letzten Gf.en gewesen sein.

Die Gf.in Loretta (Hintere Gft., geb. von Salm) und ihre Schwiegertochter Mechtild (geb.e Pfgf.in) haben nach Ausweis ihrer Siegel und Grabdenkmäler großen Wert auf ihre Herkunft aus dem französ. Kulturraum bzw. aus kfsl. Familie gelegt.

Die Gf.in Elisabeth, in zweiter Ehe mit einem Sohn des späteren Kg.s Ruprecht ver-heiratet, hat auch als Wwe. zeitweise am Hof in Heidelberg gelebt. In ihrem Testament bedachte sie im Juni 1417 vier niederadlige Jungfern und drei Mägde mit Legaten.

Gf. Johann (Vordere Gft., gest. 1340) war nicht verheiratet, hatte aber mehrere Söhne, die mit Lehen ausgestattet wurden. Die Mutter der Brüder von Koppenstein hieß Jutta; aus Verwandtschaftsbezeichnungen ist zu erschließen, daß sie niederadliger Herkunft war.

Eine Trennung in „zivile“ und „militärische“ Aufgaben am Hof ist nicht möglich. Die am Hof und in den Ämtern tätigen Adligen konnten wohl ausnahmslos mit Waffen umgehen.

Die seit den 1340er Jahren in den Urk.en auftretenden Amtleute entstammen zum größten Teil den Familien, die von den Gf.en Lehen hatten. Seit dem Ende des 14. Jh.s wurden einzelne Ämter auch an Niederadlige aus der heutigen Pfalz übertragen – eine Folge der terri-torialen Erwerbungen in diesem Raum. Der letzte Gf. nahm auch Leute aus weiter entfernt liegenden Gegenden in Dienst.

Offenbar haben die Gf.en gezielt junge Männer aus abhängigen Familien ausbilden lassen, dann in Dienst genommen und mit Pfründen ausgestattet. Dies läßt sich in Einzelfällen detailliert belegen: Ein Geistlicher, der vor 1412 Feinden des Gf.en angeboten hatte, ihnen die Bg. Grumbach in die Hände zu spielen, stammte nach Aussage von Zeugen von Eigen-leuten des Gf.en ab, der ihn erzogen, von Jugend auf zur Schule geschickt und schließlich zu seinem Schreiber gemacht hatte. Wohl vergleichbarer Herkunft war der seit 1402 in Diensten der beiden letzten Gf.en aus der Linie Starkenburg belegte Johann von Dienstweiler. Er führte seit 1410 ein Siegel, gehörte im Sommer 1429 neben Adligen zu den Verwaltern der Gft., solange der Gf. außer Landes war, und hielt sich in dessen Gnade auch, als seine Mit-verwalter aus dem Dienst ausschieden oder gar ins Gefängnis wanderten. Nach dem Tod des letzten Gf.en war er der beste Kenner der Urk.en und Akten. Die Erben setzten ihn daher zu Sichtung und Ordnung der Dokumente ein. 1436 hatte Johann für sich, Ehefrau und Kinder eine Memorie gestiftet. Er ist demnach im weltl. Stand geblieben und durch den Dienst beim Gf.en sozial aufgestiegen.

Zu den im Januar 1429 vom Gf.en für die Zeit seiner Abwesenheit eingesetzten Ver-waltern gehörte auch der aus der heutigen Pfalz stammende Niederadlige Jakob von Lachen, der im April 1429 zur Durchsetzung von Rechtsansprüchen des Gf.en an den Hof Kg. Sigmunds nach Ungarn ging und nach der Rückkehr des Gf.en im Herbst 1429 aus den Urk.en verschwand. Ende 1437 holten ihn die Erben des letzten Gf.en aus dem Gefängnis heraus.

Das Wappen (Schach) ist erstmals 1225 und von da ab regelmäßig in den Siegeln der Fa-milienmitglieder belegt. Die Linien Starkenburg und Kreuznach führten es in unterschiedl. Farben.

Zum Hofzeremoniell sind keine Quellen erhalten geblieben.

Für Ordensstiftungen gibt es keine Belege. Ordensstiftungen von Familien mit vergleich-barem Status erfolgten erst zu einem Zeitpunkt, als die Gf.en von S. bereits erloschen waren.

Der Truchseß zu Kreuznach notierte 1435 unter anderem Ausgaben für „Gaukelei“, die angefallen waren, als der Gf. und seine Freunde am Ort weilten.

Gf. Simon, der Ks. Friedrich Barbarossa 1184 nach Italien gefolgt war, begleitete den Ks. zusammen mit seinem Bruder Heinrich auf dem Kreuzzug; er starb 1189 in Adrianopel (Edirne). Sein Vetter Gottfried gehörte 1218 zu den Teilnehmern des Kreuzzugs; er kehrte von dort nicht zurück.

Gf. Simon (VG, gest. 1414) ist 1362 in Elbing belegt; er dürfte an einer Preußenreise teilgenommen haben. Das Ziel einer 1396 von ihm unternommenen Wallfahrt ist nicht be-kannt; er setzte aus diesem Anlaß sechs Adlige und seinen Beichtvater als Vertreter während der Zeit seiner Abwesenheit ein. Gf. Johann (HG, gest. 1437) brach im Mai 1407 ins Hl. Land auf, im Juli war er in Rom; die Gft. wurde damals noch von seinem Vater regiert. Im Spätsommer/Herbst 1421 zog er gegen die Hussiten in Böhmen (von Trithemius falsch zu 1422 berichtet). Im Januar 1429 brach der Gf. erneut zu einer Pilgerreise ins Hl. Land auf, von der er im Oktober 1429 zurück war (Trithemius setzt die Pilgerreise in das Jahr 1426 und macht den Gf.en zum Begleiter des Pfälzer Kfs.en Ludwig, mit dem der Gf. erbittert ver-feindet war). Der Gf. bestellte neben seinen nächsten Erben mehrere Niederadlige und seinen obersten Schreiber als Vertreter.

Belege zu Turnieren finden sich nicht. Die in mehreren erhaltenen Texten dem Gf.en Johann (VG, gest. 1340) zugeschriebenen ritterl. Tugenden dürften ihren Ausdruck wohl auch in der Teilnahme an Turnieren, möglicherweise auch durch deren Veranstaltung gefunden haben.

Das Territorium der Gf.en von S. lag in einer bis heute waldreichen Region. Die Jagd konnte in der nächsten Umgebung fast aller Bg.en betrieben werden. Im Dienste der Gf.en stehende Jäger, auch Enten- und Otterfänger, kommen gelegentlich in den Urk.en vor; 1437 wurden in Herrstein Wolfshunde und wilde Pferde gehalten.

Die Brüder Simon und Emich (Vordere Gft.) sind 1290 als Studenten in Bologna belegt; Emich war später Geistlicher, Simon zusammen mit seinem Bruder Johann Regent der Vor-deren Gft. Letzterer (gest. 1340) war nach Ausweis von Dichtungen der Zeit ein angesehener Repräsentant der ritterl. Lebensweise.

Einen Überblick über die im Besitz der Gf.in Elisabeth (Vordere Gft.) befindl. – vielfach mit Wappen versehenen –Wertgegenstände (vor allem Eßgeschirr und Schmuck, darunter ein Straußenei und Kokosnüsse) bietet deren Testament vom Juni 1417.

 

→ A. Sponheim, Gf.en von – C. Grevenburg; Kastellaun, (Bad) Kreuznach

 

Q. Siehe auch Art. A. Sponheim, Gf.en von – Minne und Gesellschaft, hg. von Kurt Matthaei, in: Mittelhochdeutsche Minnereden I, Berlin 1913 (Deutsche Texte des Mittel-alters, 24), S. 65-73. – Die Schule der Ehre, hg. von Wilhelm Brauns und Gerhard Thiele, in: Mittelhochdeutsche Minnereden II, Berlin 1938 (Deutsche Texte des Mittelalters, 41), S. 171-184.

 

L. Siehe auch Art. A. Sponheim, Gf.en von – Bach, Adolf, Berger, Dieter: Vom Publikum rheinischer Gelegenheitsdichtungen des ritterlichen Lebenskreises, in: Rheinische Viertel-jahrsblätter 22 (1957) S. 82-100. – Fabricius, Wilhelm: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz. Bd. 2: Die Karte von 1789, Bonn 1898 (Publikationen der Gesell-schaft für Rheinische Geschichtskunde, 12,2) (ND Bonn 1965), S. 435-462. – Mötsch, Jo-hannes: Sponheimische Nichtabzugsverpflichtungen. Landflucht in der Grafschaft Sponheim und ihre Bekämpfung 1324-1435, in: Jahrbuch für Westdeutsche Landesgeschichte 9 (1983) S. 99-157. – Mötsch, Johannes: Graf gegen Kurfürst. Die Auseinandersetzungen zwischen Johann Grafen von Sponheim und dem Pfälzer Kurfürsten Ludwig III., 1416-1436, in: Jahr-buch für westdeutsche Landesgeschichte 16 (1990) S. 199-237. – Mötsch, Johannes: Johann von Dienstweiler, ein enger Vertrauter des letzten Grafen von Sponheim, in: Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde im Landkreis Birkenfeld 65 (1991) S. 25-36. – Mötsch, Johannes: Jakob von Lachen. Aufstieg und Fall eines Pfälzer Adligen im Dienste des Grafen Johann V. von Sponheim, in: Palatia Historica. Festschrift für Ludwig Anton Doll zum 75. Geburtstag, hg. von Pirmin Spiess, Mainz 1994 (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte, 75), S. 227-235. – Spiess, Karl-Heinz: Das älteste Lehnbuch der Pfalz-grafen bei Rhein vom Jahr 1401, Stuttgart 1981 (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. A, 30).

 

Johannes Mötsch, Meiningen

 

C. Grevenburg bei Trarbach

 

I. Gravenberg (1352); Grevenburg (1359) [Grafenburg]/Travendrebach (1144) [Siedlung am Bach des Travo]; Dravenebach (1239); an der Mittelmosel auf dem rechten Moselufer ge-legen. Die Bg. war von der Mitte des 14. Jh.s bis 1437 (Erlöschen des Grafenhauses) Sitz der Regenten der Hinteren Gft. Sponheim, die die darunter gelegene Siedlung Trarbach ent-sprechend ausbauten.

 

II. In Trarbach münden zwei steil vom Hunsrück herabfließende Bäche (Schott- und Kau-tenbach) in die Mosel; der Ort zwängt sich in die schmalen Bachtäler. Gegenüber auf dem flacheren, linken Moselufer liegt Traben (Travena, Erstbeleg 820), dessen Gemarkung sich im MA auch auf das rechte Moselufer erstreckte. Unmittelbar östl. Trarbach liegt steil über der Mosel die G. (140 m über dem Ort).

Das Moseltal war seit der Antike kontinuierl. besiedelt. Die Gf.en von Sponheim kamen als Erben der Gf.en von Nellenburg, letztl. der von diesen beerbten Hzg.e von (Ober-) Lo-thringen, in den hier interessierenden Raum (Enkirch, 1125). Nach der Teilung zw. den Brüder Johann und Simon war zunächst die zw. Enkirch und Trarbach hoch über der Mosel gelegene Starkenburg der Sitz Johanns und seiner Nachkommen. 1274 erwarb Johanns Sohn Heinrich die Reichspfandschaft Kröv (oberhalb Trarbach auf beiden Seiten der Mosel), die später auch gegen den Trierer Ebf. Balduin von Luxemburg (gest. 1354), einen erfolgreichen Territorialpolitiker, behauptet werden konnte. Die Nähe zu diesem Besitzkomplex, aber auch gewachsene Ansprüche an den Wohnkomfort einer Bg. haben wohl den Ausschlag dafür ge-geben, daß Gf. Johann III. (gest. 1398) in den 1350er Jahren die G. errichten ließ. Sie wurde durch eine gemeinsame Befestigung mit dem darunter liegenden Trarbach verbunden.

Der Raum um Trarbach lag in der Nähe einer wichtigen Straße, die, von Wittlich kommend, bei Bernkastel die Mosel querte und auf dem Hunsrück über Kirchberg und Simmern nach Bingen und Mainz führte. Trarbach und die G. kontrollierten einen Zugang aus dem Moseltal zu dieser Straße.

Ein noch wichtigerer Verkehrsweg aber war die Mosel, die einen leichten Zugang zu den Städten am Rhein und somit einen reibungslosen Absatz der am Ort angebauten Weine er-möglichte. Weinbau und Weinhandel waren über Jahrhunderte die wichtigsten Wirt-schaftszweige in Trarbach und Traben.

Trarbach und Traben lagen im Maifeldgau und gehörten kirchl. zum Ebm. Trier, Archidiakonat St. Kastor zu Karden, Landkapitel Kaimt-Zell, Pfarrei Traben.

Ks. Ludwig der Fromme (gest. 840) hatte dem Aachener Marienstift u.a. Traben ge-schenkt. Aus späteren Quellen ist zu erschließen, daß Gegenstand dieser Schenkung Pfarrei und Zehnt (von Korn und Wein) sowie Gerichtsrechte waren. 1183 ist der Gf. von Sponheim als Vogt dieser Besitzungen des Marienstifts belegt. Er konnte diese Rechte in der Folge zur Landesherrschaft ausbauen; Patronat und Zehnt sind allerdings bis 1579 im Besitz des Marienstifts geblieben. Die innerhalb dieser Pfarrei gelegenen Gemeinden Trarbach und Traben waren daher stets eng miteinander verbunden und besaßen bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jh.s ein von den Geschworenen geführtes, gemeinsames Siegel.

Mit der Errichtung der G. und der mit dieser verbundenen Befestigung (Ersterwähnung der Mauern August 1358) gewann Trarbach erheblich an Bedeutung. Der Gf. förderte dies durch den Erwerb einer im Privatbesitz befindlichen (1345, Mühle am Kautenbach) und einer weiteren, bis dahin dem Kl. Springiersbach gehörenden Mühle (1358), durch die Zuweisung von Häusern an Burgmannen, durch den Neubau einer Kirche an der Stelle eines wohl schon im 13. Jh. vorhandenen, sicher um 1330 belegten Vorgängerbaus (finanzielle Absicherung im Dezember 1378, zugehöriger Ablaß vom September 1379) und schließlich durch die Stiftung eines ewigen Almosens (im Jan. 1394 vom Sohn bestätigt, im April 1395 erweitert zum täg-lichen Unterhalt von 13 Armen). Eine formelle Verleihung von Stadtrechten ist nicht belegt; in einer von ihm selbst ausgestellten Urk. vom Oktober 1359 verwandte der Gf. jedoch den Begriff „Stadt“. Ungeachtet dessen ergriff die seit den 1320er Jahren für den Hunsrück aus den Quellen zu erschließende Landflucht seit etwa 1385 auch Trarbach und die Nachbarorte.

Sitz des für die Verwaltung der gfl. Einkünfte und die Versorgung des gfl. Haushalts zu-ständigen Kellners war zunächst die G. (1362, noch im Mai 1392), später das „Neue Haus“ auf der Schottbach.

Zu 1437 lassen die Quellen erstmals einen Überblick zu den Verhältnissen vor Ort, zu Rechten und Pflichten der Bevölkerung zu. Damals stammten von den vier Geschworenen der Gesamtgemeinde je zwei aus Trarbach bzw. aus Traben/Litzig/Rißbach. In Trarbach gab es 80 Haushalte, in Traben, Litzig und Rißbach zusammen 64. Die Moselfähre war zur Hälfte in Händen des Marienstifts zu Aachen, zu einem Viertel in denen des Gf.en (vormals des Kl.s Corvey) und zu je einem Achtel im Besitz der Kl. Himmerod und Springiersbach.

Nach dem Erlöschen des Grafenhauses wurde Trarbach 1437 Sitz des für die Hintere Gft. Sponheim zuständigen Oberamtmanns. Die neuen Landesherren haben 1463 und danach regelmäßig die Rechte und Privilegien Trarbachs bestätigt.

Die große Mehrzahl der Einwohner von Trarbach war rechtl. und wirtschaftl. von den Gf.en abhängig. Spannungen sind aus den erhaltenen Quellen nicht zu belegen.

 

III. Ausgangspunkt der Entwicklung Trarbachs zur Res. ist die Errichtung der G. Der Bauherr hat, wie beschrieben, gleichzeitig den Ausbau der darunter gelegenen Siedlung gefördert, zu-nächst durch die Errichtung einer mit der Bg. verbundenen Befestigung, später durch den Neubau einer Kirche, in der sich 1437 sein Enkel beisetzen ließ (das Grabdenkmal aus Messing wurde nach 1835 eingeschmolzen); der Sitz des Pfarrers blieb allerdings in Traben. In diesen Zusammenhang gehört wohl auch die Errichtung von Bauten, in denen Teile der Verwaltung untergebracht waren („Neues Haus“, Sitz des Kellners). In der Folge machte der Gf. in Trarbach gelegene Häuser zum Zubehör von Burglehen zu G. Frühe einschlägige Belege stammen aus den Jahren 1361 (Verpflichtung, 100 Gulden in Trarbach zu verbauen), 1367 (Pflicht, neun Wochen am Ort wohnen) und 1368 (Bau eines Hauses in Trarbach). Diese Burgmannen haben demnach Häuser errichtet oder ihren Bedürfnissen angepaßt und so zum Ausbau der Siedlung im Tal beigetragen.

Über Architekten, Baumeister, Künstler (Ausstattung) sind keine Nachrichten erhalten geblieben.

Die G. ist in den 1350er Jahren von Gf. Johann III. (gest. 1398) errichtet worden. Die erste Erwähnung datiert vom Februar 1352. Die Stiftung eines Altars und einer ewigen Messe auf der Bg. im Okt. 1359 dürfte das Ende der Bauarbeiten dokumentieren. Die Bg. war von Anfang an für den Angriff durch Feuerwaffen gerüstet und wurde auch durch Feuerwaffen verteidigt. Im Nov. 1437 befanden sich auf der Burg 20 Handbüchsen, je zwei Kammer- und Schirmbüchsen sowie zwei Tonnen Pulver, dazu 12 Armbrüste und 4000 Armbrustpfeile. Damals lagerte auf der Bg. – wohl in einem besonders gut abgesicherten Raum – auch das Archiv der Gf.en von Sponheim.

Die Bg. wurde nach 1687 (Anlage der Festung Mont Royal über Traben, Teil der 1687ff. von Vauban zur Sicherung der durch die Reunionen an der Mittelmosel gewonnenen Gebiete errichteten Festungskette) nach den Maßstäben der Zeit neu befestigt. Diesen Zustand dokumentiert ein Grundriß aus dem Jahr 1704. 1734 oder 1735 (beide Daten erscheinen in der Literatur) wurde die G. gesprengt.

Von der ma. Bg. sind nach der Sprengung nur Teile der Fundamente erhalten geblieben, von der Stadtbefestigung existieren nur noch wenige Reste (u.a. ein Turm). Zur Ausstattung der Res.z gehörte neben der Kirche (Baubeginn 1378/79) auch die am Schottbach in einem wohl um 1364 errichteten Gebäude ansässige Kellerei (1409 als „Neues Haus“ bezeichnet), in der der Gf. vor Mai 1397 einen Altar stiftete. Dieses Gebäude (mit zweischiffigem Gewöl-bekeller und Chörlein an der Ostseite) ist bis heute erhalten geblieben.

Da aus der Zeit, als die G. und Trarbach Residenzfunktion hatten, fast nichts erhalten ist, sind hierzu keine Aussagen möglich.

 

→ A. Sponheim, Gf.en von – B. Sponheim, Gft.

 

Q./L. siehe C. (Bad) Kreuznach

 

Johannes Mötsch, Meiningen

 

C. Kastellaun

 

I. 1226 (Kestilun); 1248 (Kestelun). In der Literatur ist umstritten, ob es sich um eine Neu-gründung oder um eine Umbenennung handelt; namengebend war wohl die französ. Adelsfamilie der Châtillon, die im Kreuzzug von 1219 eine führende Rolle spielte; von diesem Kreuzzug war der Vater der ersten Besitzer, Gf. Gottfried von Sponheim, nicht zu-rückgekehrt. Für eine derartige Neu-/Umbenennung von Bg.en gibt es in der Region mehrere Beispiele. Die Bg. K. war von 1301 bis 1340 (Teilung im Grafenhaus) eine der beiden Res.en in der Vorderen Gft. Sponheim. Von 1595 bis zu seinem Tod im Juni 1600 residierte in K. Mgf. Eduard Fortunat von Baden-Baden, Mitherr der Hinteren Gft. Sponheim.

 

II. K. liegt auf dem Hunsrück etwa 35 km südwestl. von Koblenz an (oder in der Nähe) der Straße von Boppard (am Rhein) über den Hunsrück nach Trier. Bei K. zweigt eine Straße nach Treis (Mosel) ab. Die Bg. liegt auf einem in einer Talmulde gelegenen, auf drei Seiten steil aufragenden Schieferfelsen. Darunter entstand in der Folge die gleichnamige Siedlung.

Der Hunsrück war in Antike und FrühMA nur dünn besiedelt. Archäolog. Funde kon-zentrieren sich entlang der Straße von Mainz über Bingen und den Hunsrück nach Trier. Das Fundmaterial in K. setzt erst um die Wende vom 12. zum 13. Jh. ein. Älter dürfte das (aller-dings erst 1220 erstmals erwähnte) südwestl. von K. gelegene Bell sein, Sitz der auch für K. zuständigen Pfarrei. Zahlreiche Orte der Umgebung zeigen durch ihre Namensform (-roth), daß sie erst in einer späten Phase des Landesausbaus entstanden sind. Wichtigste Stützpunkte der Gf.en von Sponheim in diesem Raum waren Dill (1107) und Kirchberg (1127). Kirchberg erhielt 1259 und erneut vor 1264 von den Gf.en Freiheitsurk.en. Es war zudem Sitz einer großen Pfarrei, deren Patronat in Händen der Gf.en von Sponheim war. Die Motive dafür, daß bei der Wahl der Residenz die Entscheidung zugunsten von K. fiel, müssen daher im milit. Bereich gesucht werden: die Bg. K. lag günstig auf einem nur von N zugängl. Felsen, die Bg. in Kirchberg war Teil der auf fast ebenem Gelände gelegenen Stadt.

Die Region gehörte zum Trechirgau, kirchl. zum Ebm. Trier, Archidiakonat St. Kastor in Karden, Landkapitel Kaimt-Zell; Sitz der für Kastellaun zuständigen Pfarrei war Bell (3 km südwestl. gelegen).

Im Mai 1301 teilten die Brüder Simon und Johann Gf.en von Sponheim das 1290 vom Vater ererbte Territorium (Vordere G Sponheim) untereinander auf. Die einschlägigen Urk.en sind in K. ausgestellt, wo die beiden Gf.en und ihre Umgebung wohl schon angemessen untergebracht werden konnten. Gf. Simon hatte bei der Eheschließung (1300) seine Bg. K. (vom Ort ist noch keine Rede) und die Leute in der Pflege Bell der Ehefrau als Wittum ver-schrieben. Offenbar ist zwischen 1290 und 1300 die Entscheidung zum Ausbau der Bg. und zur Anlage einer zugehörigen Siedlung gefallen, für die sich aus den Folgejahren zahlreiche Belege finden: im Dezember 1305 freiten Gf. und Gf.in die „Bürger“ zu K. von bestimmten, für die Bewohner der umliegenden Dörfer übl. Diensten und Abgaben. Vertreter des Gf.en war fortan der von ihm eingesetzte Schultheiß als Vorsitzender des Gerichts; Urteiler waren die Schöffen; Mannen und Burgmannen des Gf.en unterlagen nicht der Gerichtsbarkeit des Schultheißen. Im Nov. 1309 verlieh Kg. Heinrich VII. auf Bitten des Gf.en Simon der Stadt Kastellaun einen Wochenmarkt. Im Mai 1310 traf der Gf. Vorsorge für sein Seelenheil; unter anderem stiftete er drei Messen in K. Daraus kann wohl die Existenz einer Kirche am Ort erschlossen werden, die freilich nicht Sitz eines Pfarrers war (der saß weiterhin in Bell); 1318 ist eine Burgkapelle belegt (ein Kaplan gehörte schon 1310 zur Umgebung des Gf.en). In dieser Zeit entstand wahrscheinl. auch die Stadtbefestigung.

1340 erbte Gf. Walram, Sohn der Eheleute Simon und Elisabeth, auch den Anteil seines Onkels Gf. Johann; er residierte fortan bevorzugt in Kreuznach. K. wurde Sitz eines Amt-manns und 1363 Wittum der Gf.in Elisabeth, die nach dem Tod des Ehemannes (1380) vielleicht noch einmal für wenige Jahre auf der Burg wohnte. Im April 1392 haben Gf. Simon und seine Ehefrau Maria die Freiheiten der Stadt K. bestätigt und erneuert. Mit dem Tod der Gf.in Elisabeth im Juli 1417 kamen Stadt und Amt K. an den letzten Gf.en aus der Linie Starkenburg; sie wurden fortan zur Hinteren Gft. Sponheim gerechnet. Gf. Johann hat im Aug. 1417 gegenüber Schultheiß, Bürgermeister, Schöffen und Bürgern der Stadt K. die hergebrachten Freiheiten bestätigt. Dem 1437/38 nach dem Tod dieses Gf.en erstellten „Gült-buch“ ist zu entnehmen, daß auf der Bg. K. 45 Personen in der Kost des Gf.en standen; in der Stadt gab es damals 207 Bürger (d.h. Haushaltungsvorstände).

Wichtige Faktoren für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt waren die Burgmannen, zu deren Burglehen unter anderem Häuser in der Stadt gehörten, in denen diese Adligen wäh-rend der Ableistung ihrer Residenzpflicht wohnten. Sie dürften auch von anderen Familien-angehörigen genutzt worden sein; andernorts läßt sich belegen, daß vor allem ältere adlige Damen die Bequemlichkeiten der Stadtlebens zu schätzen wußten.

Über das Verhältnis zur Stadt bzw. zu Spannungen zwischen Stadt und Residenz sind aus den wenigen Jahrzehnten, in denen K. sponheim. Res. war, keine Nachrichten erhalten ge-blieben. Die Einwohner der Stadt dürften in hohem Maße vom Gf.en und seiner Umgebung rechtl. und wirtschaftl. abhängig gewesen sein.

 

III. Erhalten sind heute ledigl. noch die Ruinen der 1689 zerstörten Bg. und die darunter gele-gene Kirche mit den Grabdenkmälern der am Ort residierenden Gf.en (Simon, Ehefrau Elisa-beth von Valkenburg und der vor den Eltern gestorbene älteste Sohn Simon). Nach der Zer-störung diente die Bg. als Steinbruch. Angaben zur inneren Struktur und zur Nutzung der Räume sind nicht mehr möglich.

Über Architekten, Baumeister, Künstler (Ausstattung) sind keine Nachrichten erhalten ge-blieben.

Die Oberburg ist nach Ausweis von Bauuntersuchungen in der ersten Hälfte des 13. Jh.s (also zeitnah zur ersten Erwähnung) errichtet worden. Aus der ersten Bauphase sind der Bergfried, ein Rundturm und mehrere Mauerzüge erhalten. In der zweiten Hälfte des 13. und zu Beginn des 14. Jh.s wurden ein gewölbter Keller und weite Teile des Mauerberings errichtet. Hiermit beginnt der Ausbau zur Res., der auch in der zweiten Hälfte des 14. und zu Beginn des 15. Jh.s (Bau von Palas und Viereckturm) fortgesetzt wurde. Hintergrund dieser Baumaßnahmen ist wohl die Tatsache, daß K. seit 1363 Wittum der Ehefrau Gf.in Elisabeth war, die allerdings ihren Ehemann Gf. Walram (gest. 1380) nur um wenige Jahre überlebte. Den für diese Dame geschaffenen Komfort nutzten unter anderem der letzte Gf. und seine Ehefrau, die sich 1434/35 über 19 Wochen auf der Bg. K. aufhielten.

Eine Kirche ist am Ort erstmals 1310 belegt. Die heutige evang. Stadtkirche entstand an gleicher Stelle seit den 1330er Jahren; die Fertigstellung des Chores kann auf 1343, die der gesamten Kirche auf 1353 datiert werden.

Der ruinöse Zustand der erhaltenen Reste läßt keine sachliche Beschreibung von Archi-tektur und Ausstattung der Residenz zu.

Die Baugeschichte der Bg. entspricht dem Wandel von einer milit. Anlage zur vom Lan-desherrn bewohnten Res., in der parallel dazu die heutige Stadtkirche entstand, in der sich die am Ort residierenden Angehörigen der Grafenfamilie schließlich beisetzen ließen.

 

→ A. Sponheim, Gf.en von – B. Sponheim, Gft.

 

Q./L. siehe C. siehe C. (Bad) Kreuznach

 

Johannes Mötsch, Meiningen

 

C. Burg (Kauzenburg) über (Bad) Kreuznach

 

I. Cruciniacum [= Heim des Crucinius] (Spätantike), Cruzinacha (923), Crucenachen (Fälschung zu 1065, um 1200). Stadt an der Nahe (linker Nebenfluß des Rheins); im Stadtgebiet Einmündung des aus dem Hunsrück herabfließenden Ellerbaches. Die über der Siedlung im Winkel zwischen Ellerbach und Nahe kurz vor 1205 errichtete Bg. (der Name Kauzenburg ist neuzeitl.) war Res. der Vorderen Gft. Sponheim von etwa 1250 bis 1417 (Teilung im Grafenhaus/Erlöschen der Linie K.).

 

II. K. liegt an der unteren Nahe, etwa 15 km oberhalb von deren Mündung in den Rhein (bei Bingen). Es ist Schnittpunkt von Straßen nach Mainz, Worms, Metz, Trier, Bingen und Koblenz, die hier z.T. die Nahe überqueren. Daher wurde hier wohl im 12. Jh. eine Holz-brücke errichtet, die zu Beginn des 14. Jh.s durch die in Teilen bis heute stehende Stein-brücke (mit charakterist. Brückenhäusern) ersetzt wurde. Die Lage der Stadt am Rande einer Ebene ermöglichte den Einwohnern den Anbau von Getreide und Wein sowie die Viehzucht, die Nähe zu den Wäldern des Hunsrücks sicherte gleichzeitig die Versorgung mit dem Bau- und Brennstoff Holz.

Siedlungsspuren seit der La-Tène-Zeit finden sich an mehreren Stellen in der heutigen Kreisstadt. Am Übergang über die Nahe legten die Römer unmittelbar neben einer beste-henden Siedlung ein Kastell an, von dem noch kleine Reste erhalten sind. Siedlungs-kontinuität (und das Fortbestehen des Christentums) seit der Antike ist anzunehmen. Aus röm. Staats- wurde fränk. Fiskalbesitz. Daraus schenkte der Hausmeier Karlmann im Jahr 745 u.a. die Kirche in K. an das neu gegründete Bm. Würzburg. Rechte am Ort übertrug später Ks. Heinrich III. der Speyrer Kirche; Heinrich IV. hat dies 1101 bestätigt. Das Hochstift Speyer besaß in K. einen Hof und das Münzrecht, trat diese jedoch 1241 an den (wenige Jahre später von den Gf.en von Sponheim beerbten) Gf.en von Sayn ab. Markt, Zoll und Ungeld waren 1248 in Händen des Gf.en von Sponheim. 1361 erhielt die Stadt von Ks. Karl IV. einen Jahrmarkt; seit 1490 wurden zwei derartige Märkte abgehalten.

Der Raum um K. gehörte im frühen MA zum Nahegau, kirchl. zum Ebm. Mainz, Archidiakonat St. Martin zu Bingen, Landkapitel (Sedes) Münsterappel; K. war Sitz einer Pfarrei.

Die Besitzungen und Rechte, die die Gf.en des Nahegaus am Ort besessen hatten, kamen auf dem Erbweg an die Gf.en von Veldenz, die ihrerseits die Herren vom Stein (bei Bad Münster), die späteren Rheingf.en, damit belehnten. Die lokale Forschung hat heraus-gearbeitet, daß hierzu die früh (von Kelten und Römern) besiedelten und nicht vom Hoch-wasser gefährdeten Gebiete gehörten; Teil dieses Besitzkomplexes war der Patronat der Pfarrkirche, der im gesamten hier interessierenden Zeitraum im Besitz der Rheingf.en (später Wild- und Rheingf.en) blieb.

Die Gf.en von Sponheim, die erstmals 1127 am Ort urkundeten, besaßen – als Lehen vom Hochstift Speyer – das stets durch Hochwasser gefährdete Gelände beiderseits der Nahe oberhalb und unterhalb der Mündung des Ellerbaches. Von hier aus konnten sie den Einfluß der Herren vom Stein/Rheingf.en immer weiter zurückdrängen und den Siedlungs-schwerpunkt in die von ihnen besessenen Teile der sich entwickelnden Stadt verlagern: 1279 mußte der Rheingf. auf seine Eigenleute verzichten, die in die sponheim. Stadt gezogen waren. 1324 war die vormals in Händen der Rheingf.en befindl. Vogtei über das außerhalb der (1247 erstmals belegten) Stadtmauern gelegene Kl. St. Peter im Besitz des Gf.en Johann von Sponheim. Im Dezember 1332 wurde der Sitz der Pfarrei aus der Kirche St. Kilian in die nach 1311 mit Geldern des Gf.en Johann (gest. 1340) auf einer Insel zwischen Alt- und Neustadt (beide sponheim.) neu errichtete Kirche verlegt; den Patronat konnten die Rhein-gf.en allerdings gegen den Widerstand der Gf.en von Sponheim behaupten. In dieser Kirche haben sich Gf. Simon (gest. 1414) und seine Tochter Elisabeth (gest. 1417), die letzten Ange-hörigen der Linie K., bestatten lassen; sie war (spätestens 1432) Sitz einer Priester-bruderschaft.

Vor 1205 begann der Gf. von Sponheim mit dem Bau einer Bg. auf Grund und Boden des Hochstifts; das im Nov. 1205 auf Bitten des Bf.s von Speyer durch Kg. Philipp aus-gesprochene Verbot zum Weiterbau dieser Bg. konnte den Prozeß nicht aufhalten. In der Mitte des 13. Jh.s waren die Gf.en von Sponheim die Herren der Stadt, für die sie 1248 und 1270 Freiheitsurk.en ausstellten. Im Januar 1290 verlieh Kg. Rudolf dem Gf.en Johann von Sponheim für dessen Stadt und ihre Bürger die Rechte der Reichsstadt Oppenheim. Nach dem Stadtrecht von 1248 erhob die Stadt ein Ungeld zur Finanzierung von Baumaßnahmen (zur Errichtung und Erhaltung der Stadtbefestigung). 1261 ist erstmals ein Stadtsiegel belegt. 1281 schenkten der Gf. von Sponheim und seine Ehefrau den Karmelitern die seit 1266 neu erbaute Kirche St. Nikolaus.

Die wirtschaftl. Bedeutung der Stadt erhellt auch aus der Tatsache, daß hier Lombarden (1305) und Juden (1336, nach dem Pogrom von 1349 erneut seit 1358) lebten. Sie wohnten konzentriert in zwei „Judengässchen“. Einen Überblick über die in der Stadt gehandelten Waren bietet eine Urk., in der Gf. Simon die beim Verkauf fälligen Abgaben im März 1382 auf fünf Jahre an die Stadt abtrat.

Vertreter des Landesherrn war nach der Freiheitsurk. von 1248 der vom Gf.en ernannte Schultheiß, der nicht aus der Stadt stammen mußte. Die Interessen der Einwohner wurden durch 12 Geschworene vertreten.

1277 mußten Schultheiß, Schöffen und Bürger zu Kreuznach dem Gf.en Johann zusichern, keine gfl. Eigenleute mehr als Bürger aufzunehmen; in diesem Punkt war es offenbar zu Konflikten gekommen. Im Dez. 1375 wurden die Bestimmungen zur Wahl der Schöffen präzisiert – möglicherweise, weil der Landesherr einerseits, Bürgermeister und Schöffen andererseits diese Bestimmungen unterschiedl. interpretiert hatten. Der – freilich unzu-verlässige – Trithemius berichtet zu 1365 von Unruhen in der Stadt, die sich allerdings nicht gegen den Landesherrn, sondern gegen den Rat richteten und mit der Hinrichtung der Rädelsführer endeten. Im Januar 1422 mußten 20 Weberknechte, die in Kreuznach Unruhen erregt hatten und ins Gefängnis gelegt worden waren, bei Freilassung gegenüber dem Kfs.en Ludwig und dem Gf.en Johann (den Stadtherren) Urfehde schwören; der Hintergrund dieser Unruhen wird nicht deutlich. Die Männer stammten u.a. aus Friedberg, Gelnhausen, Kaiserslautern, Nürnberg und Trier.

Innerhalb des Stadtgebietes lagen die Wohnhäuser der Burgmannen, denen für den Eigenbedarf die zollfreie Lebensmitteleinfuhr zustand. Aus diesem Grund wurden die Burg-lehen nach einem Heimfall auch noch zu einem Zeitpunkt neu verliehen, als ihr ursprüngl. – milit. – Zweck schon längst nicht mehr bestand. Inhaber wurden nunmehr Beamte der Lan-desherren, die allein aus wirtschaftl. Gründen daran interessant waren. Aus der frühen Neu-zeit sind gelegentlich Klagen überliefert, daß diese „Burgmannen“ die abgabenfrei einge-führten Lebensmittel unzulässigerweise an Dritte verkauften; ähnliche Fälle dürfte es auch im MA schon gegeben haben.

 

III. Der Bg. waren zahlreiche Burglehen zugeordnet. Zu deren Zubehör gehörte in der Regel ein in der Stadt gelegenes Burgmannenhaus. Einige dieser Häuser sind bis heute erhalten, allerdings immer wieder umgebaut und den sich wandelnden Erfordernissen angepaßt worden. In gewisser Weise zur Ausstattung der Res. gehören die mit Mitteln der Gf.en er-baute Pfarrkirche und die Kirche des Karmeliterkl.s mit dem darin erhaltenen Grabdenkmal des Junggf.en Walram (gest. 1382).

Zu Architekten, Baumeistern, Künstlern (Ausstattung) sind keine Nachrichten erhalten geblieben.

Mit dem Bau der Bg. ist kurz vor 1205 begonnen worden. Sie wurde 1689 gesprengt; erhalten sind lediglich Reste eines Eckturms und eines sich anschließenden Wohngebäudes. Die Stadtbefestigung wird erstmals 1247, dann in der Freiheitsurk. von 1248 erwähnt.

Mangels erhaltener mittelalterlicher Bausubstanz sind keine Aussagen zur sachlichen Beschreibung und zu den funktionalen Aspekten von Architektur und Ausstattung der Residenz möglich.

 

→ A. Sponheim, Gf.en von – B. Sponheim, Gft. von

 

Q. Siehe auch die Angaben zu den Art.n A. Sponheim, Gf.en von und B. Sponheim, Gft. von

 

L. Bad Kreuznach von der Stadterhebung bis zur Gegenwart, hg. von der Stadtverwaltung Bad Kreuznach, Bad Kreuznach 1990 (Beiträge zur Geschichte der Stadt Bad Kreuznach, 1). – Engelbert, Günther: Die sponheimischen Freiheitsurkunden vom 13.-15. Jahrhundert, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 32 (1968) S. 220-273. – Ewald, Wilhelm: Die Siegel der rheinischen Städte und Gerichte, Bonn 1931 (Rheinische Siegel, 3; Publikationen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde, 27) (ND Düsseldorf 1993). – Feld, Rudolf: Das Städtewesen des Hunsrück-Nahe-Raumes im Spätmittelalter und in der Frühneuzeit. Untersuchungen zu einer Städtelandschaft, Trier 1972. – Fey, Carola: Die Begräbnisse der Grafen von Sponheim, Mainz 2003 (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte, 107). – Geib, Karl: Geschichte der Stadt Kreuznach, Bad Kreuznach 1940. – Grote, Hermann: Die Münzen der Grafen von Spanheim, in: Ders., Münzstudien Bd. 7, Leipzig 1871, S. 483-487. – Heinzelmann, Josef: Der Weg nach Trigorium. Grenzen, Straßen und Herrschaft zwischen Untermosel und Mittelrhein im Frühmittelalter, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 21 (1995) S. 9-132. – Deutsches Städtebuch, 4,3: Städtebuch Rheinland-Pfalz und Saarland, hg. von Erich Keyser, Stuttgart 1964. – König, Bernd, u.a.: Das Wahrzeichen Kastellauns – Seine Burg, Kastellaun 1994 (Kastellaun in der Geschichte, 3). – Leonhard, Otto: Geschichte der Stadt Castellaun. Ein Beitrag zur deutschen Wirtschafts- und Rechtsgeschichte von 1300 bis 1800, Würzburg 1921. – Mötsch, Johannes: Das Hochstift Speyer und der Verlust des Lehens Kreuznach an die Grafen von Sponheim, in: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz 86 (1988) S. 59-77. – Mötsch, Johannes: Ein Lehen des Hochstifts Worms auf dem Hunsrück: Kastellaun und Bell, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 14 (1988) S. 28-35. – Mötsch, Johannes: Die Lehnsleute der Grafen von Sponheim und ihre Kreuznacher Burglehen, in: Landeskundliche Vierteljahrsblätter 36 (1990) S. 181-186. – Nolden, Reiner: Besitzungen und Einkünfte des Aachener Marienstifts, Aachen 1981(Sonderdruck a.d. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 86/87, 1979/80). – Pauly, Ferdinand: Siedlung und Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier. Bd. 1: Das Landkapitel Kaimt-Zell, Bonn 1957 (Rheinisches Archiv, 49). – Traben-Trarbach. Geschichte einer Doppelstadt, hg. von der Stadt Traben-Trarbach, Red. Dietmar Flach und Günther Böse, Traben-Trarbach 1984. – Vogt, Werner: Untersuchungen zur Geschichte der Stadt Kreuznach und der benachbarten Territorien im frühen und hohen Mittelalter, Düsseldorf 1955. – Ziwes, Franz-Josef: Studien zur Geschichte der Juden im mittleren Rheingebiet während des hohen und späten Muttelalters, Hannover 1995 (Forschungen zur Geschichte der Juden. A, 1).

 

Johannes Mötsch, Meiningen

 


Anmeldung

 

 

Residenzen-Kommission

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

c/o Historisches Seminar
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Olshausenstraße 40

D-24098 Kiel

 

 

 

Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich
Grafen und Herren

 

Die Erforschung von Residenzen, Höfen und Dynastien im spätmittelalterlichen Reich ist ein Projekt der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, für das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesucht werden, nun für den oben vorgestellten Handbuchteil „Grafen und Herren“

 

Bitte schicken Sie das ausgefüllte Anmeldeformular

bis zum 31. Dezember 2006

an die oben angegebene Adresse

oder faxen Sie es unter der Nummer +49 (0)4 31 - 8 80-14 84

 

 

 

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Anmeldung zur Mitarbeit am Handbuch „Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich“
„Grafen und Herren“

 

Name:____________________________Vorname:_______________Titel:________________

Institution:____________________________________________________________________

Straße:_______________________________________________________________________

Land:_________Postleitzahl:_____________Ort:_____________________________________

Tel._____________________Fax_________________Email____________________________

Ich bin bereit, bis 31. Dezember 2007 einen Artikel nach den Vorgaben der Handreichung zu folgenden Artikelstichworten zu schreiben:

_____________________________________________________________________________

_____________________________________________________________________________

[Eine Bestätigung erfolgt nach Abstimmung mit dem Herausgeber]

 

______________        ________________________________

(Datum, Unterschrift)

10. Symposium der Residenzen-Kommission

 

veranstaltet in Zusammenarbeit mit den Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen Schloß Gottorf, dem Landesarchiv Schleswig-Holstein, Schleswig, dem Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und dem Deutschen Historischen Institut Paris

 

 

Programm

 

Stand: 21. April 2006

 

Hofwirtschaft

Ein ökonomischer Blick auf Hof und Residenz in
Spätmittelalter und Früher Neuzeit

 

Gottorf/Schleswig, 23.-26. September 2006

 

Samstag, 23. September

 

14:00-17:00       Werkstattgespräch (Schloß Gottorf)

              14:00   Matthias Steinbrink (München), Adelige Ökonomie in der Frühen      Neuzeit zwischen Idealbild und Realität.

              14:15   Nicola Nortmeyer/Volker Ohlenschläger (Tübingen), Spätmittelalter- liche Hofwirtschaft im Spiegel von Hofordnungen – Die Beispiele       Kurpfalz (1474) und Kurbrandenburg (1470).

              14:30   Jürgen Jablinski (Bielefeld), Herrschaft auf Pump – Die Finanzen der    Grafen von Ravensberg im 16. Jahrhundert [1535-1556]. Datenbankeinsatz in der historischen Forschung.

              14:45   Diskussion

              15:30   Pause

              15:45   Jochen Ebert (Kassel), Die Versorgung des Hofs aus den Domänen –   am Beispiel der Lgft. Hessen-Kassel in der Frühen Neuzeit.

              16:00   Martin Knoll (Regensburg), Fürstliche Jagd und Hofwirtschaft im 18. Jahrhundert: Wie (un-) wirtschaftlich war die Jagd höfischer Eliten?

              16:15   Andrea Brill (München), Hofhaltung und Ausgaben am Hof von Kraft   Ernst Fürst von Oettingen-Wallerstein (reg. 1773-1802).

 

Öffentlicher Abendvortrag (Schloß Gottorf)

 

18:00     Begrüßungen

18:30     Arnold Esch (Rom), Die römische Kurie in der Frührenaissance: Der Hof als Antriebskraft und meßbarer Faktor der Wirtschaft.

20:00     Empfang

 

Sonntag, 24. September: Exkursion

 

                        Ganztägig 9:00-18:00 Uhr, voraussichtliche Ziele: Glücksburg, Gravenstein,        Sonderburg, Augustenburg


Montag, 25. September (Prinzenpalais/Landesarchiv)

 

  9:00     Begrüßungen

  9:15     Werner Paravicini (Paris), Unökonomisch? Die Wirtschaft der Höfe in Alteu-               ropa.

 

I. Ist Verschwendung eine Notwendigkeit?

 

  9:30     Torsten Fried (Schwerin), Das Geld und der Fürst in der politischen Theorie des Mittelalters.

10:00     Stephan Selzer (Halle), Fürstliche Ansprüche an der Peripherie des höfischen Europas. Die Hofhaltung des Hochmeisters Friedrich von Sachsen in Preußen (1498-1507).

10:30     Klaus Neitmann (Potsdam), Was kostete ein erzbischöfliches Hoflager im 16. Jahrhundert? Aufbau und Unterhaltung der Residenz des erzbischöflich rigischen Koadjutors Wilhelm von Brandenburg, 1529-1539.

11:00      Jean-François Lassalmonie (Paris), Le prince a-t-il besoin d’une Cour? Le cas de Louis XI, roi de France (1461-1483).

11:30     Diskussion

12:00     Freies Mittagessen

 

II. Wie ist der Hof ökonomisch organisiert?

 

14:00     Ulf Christian Ewert (Chemnitz), Der Fürstenhof als Unternehmung: Eine betriebswirtschaftliche Perspektive.

14:30     Mark Mersiowsky (München), Finanzverwaltung und Finanzkontrolle am Hofe.

15:00     Mark Hengerer (Konstanz), aigentlich ein hautbuech über dz universum. Die kaiserliche Hofbuchhaltung zwischen Zahlungsverwaltung und Staatsgestaltung (16. bis frühes 18. Jahrhundert).

15:30     Diskussion

16:00     Pause

16:30     Harriet von Natzmer (Lüneburg), Reformen am Hofe Joachims II. Kurfürsten zu Brandenburg (1535-1571).

17:00     Uwe Schirmer (Leipzig), Hofhaltung und Hofwirtschaft der Kurfürsten von Sachsen (1486-1547).

17:30     Walter Ziegler (München), Hof- und Staatshaushalt am Beispiel des Herzogtums Niederbayern.

17:30     Diskussion

18:30     Freies Abendessen

20:30     Sitzung der Residenzen-Kommission (Hotel Waldschlößchen)

 


Dienstag, 26. September (Prinzenpalais/Landesarchiv)

 

III. Woher kommt das Geld?

 

  9:00     Werner Rösener (Gießen), Die wirtschaftlichen Ressourcen der Fürstenhöfe: Die schwindende Bedeutung der Einnahmen aus den Domänen.

  9:30      Lydwine Scordia (Paris), Le roi doit vivre du sien dans le royaume de France de la fin du Moyen Âge: idéal et réalités.

10:00     Bernd Fuhrmann (Siegen), Kreditfinanziertes Wirtschaften – Das Beispiel des Konrad von Weinsberg.

10:30     Diskussion

11:00     Pause

11:30     Josef Hrdlicka (Budweis), Kommunikation durch Geldgeben: Zur Rolle des Kredits am südböhmischen Adelshof der Frühen Neuzeit (1550-1600).

12:00     Detlev Kraack (Plön/Berlin), Der Aufstieg der Rantzaus von regionalen Geldgebern zu Financiers der europäischen Politik. Adel und Königtum an der Wende zur Neuzeit im Spiegel von Schuldbuch, Verschreibung und Kredit.

12:30     Peter Rauscher (Wien), Die Finanzierung des Kaiserhofs von Ferdinand I. bis zum Regierungsbeginn Karls VI. (1558-1714).

13:00     Diskussion

13:30     Freies Mittagessen

 

IV. Wohin geht das Geld?

 

15:30     Elisabeth Lalou (Rouen), Vie quotidienne et temps de fête. Les dépenses de la cour de Philippe le Bel.

16:00     Carola Fey (Gießen), Die fürstliche Wallfahrt im Spätmittelalter zwischen Aufwand und Ertrag.

16:30     Gabriel Zeilinger, Herrenspeise und Hofversorgung – Der Heidelberger Hof um 1500 als Haushaltsbetrieb.

17:00     Diskussion

17:30     Enno Bünz (Leipzig), Zusammenfassung.

20:00     Gemeinsames Abendessen

 

 

Weitere aktuelle Informationen finden Sie unter der Adresse

http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/sympos_gottorf.htm

 

Werner Paravicini, Paris


Die Arbeit der anderen

 

 

Daß der folgende Text den Herausgeber der MRK besonders interessiert, ist unschwer zu verstehen: er schlägt dem voyageur de Prusse die Brücke zwischen Paris und Marienburg im fernen Ostpreußen. Ihn in eine dem deutschen Leser verständliche Form zu bringen, war allerdings nicht ganz einfach, ist vielleicht auch nicht allerorts geglückt. Der Inhalt aber ist interessant: Auch wenn noch vieles Hypothese bleibt, ergibt sich doch die Möglichkeit, daß der Marienburger Hochmeisterplast am Ende des 14. Jahrhunderts die modernste Fürsten-residenz Europas war. Das ist immerhin eine These. Sie ist erstmals am 19. Mai 2005 im Deutschen Histori-schen Institut in Paris auf einem „Atelier“ über europäische Aspekte des Deutschen Ordens vorgetragen worden. Ansonsten ist zu verweisen auf einen Band mit dem Titel: „Mittelalterliche Literatur und Kultur im Deutsch-ordensstaat in Preußen: Leben und Nachleben“, der auf ein Kolloquium zurückgeht, das im September 2004 in der Marienburg  stattfand und, von Jarosłav Wenta und Sieglinde Hartmann herausgeben, noch in diesem Jahre erscheinen wird. Dort wird dann noch mehr zu lesen sein über den Weg „Von der ritterlichen zur höfi-schen Kultur“, den der Deutsche Orden in Preußen gegangen ist.                                                                                                                                                                         W.P.

 

Der Hochmeisterpalast des Deutschen Ordens
in der Marienburg (Malbork) und die französische Architektur

 

 

Der Hochmeisterpalast, ein stolzes, beeindruckendes Gebäude am Ufer des Flusses Nogat und im westlichen Bebauungszug der Marienburger Anlage, wurde, wie Forschungen feststellten[22], in zwei Etappen errichtet. Ein vor die Mauerlinie vorgeschobener Risalit in Gestalt eines vierstöckigen, repräsentativen Wohnturmes (Donjon) entstand in den Jahren 1380-1393[23]. Diese Turmstruktur ist am Fuß der Umfassungsmauer an dem rechteckigen Gebäude der ersten Residenz aus den Jahren 1320-1340 errichtet worden.

Marienburg, Hochmeisterpalast von Südwesten, nach einem Gemälde von
Domenico Quaglio 1834
Nationalmuseum Danzig/Gdańsk, Repr. Lech Okoński

In einer zweiten Bauphase wurde 1393-1399 vom Hof aus, auf der anderen, höher gelegenen Seite, ein zweigeschossiger Trakt mit Kanzlei, zeremonieller Funktion und mit einer Paradetreppe auf das Hauptgeschoß angebaut[24]. Beide Bauteile verband ein System von Treppen, Gängen und Galerien quer durch das erste Gebäude, welches so zuerst von zwei Seiten durchbrochen, dann erheblich umgebaut wurde. Dank der Zusammenfassung der drei Gebäude zu einem Baublock entstand eine Baustruktur von ungewöhnlicher Geräumigkeit, verbunden in drei Geschossen und allmählich von Stock zu Stock in Richtung Westen nach unten absteigend. Diesen quergelagerten großen Baukörper krönte ein Wehrgang mit prächtigen Erkern auf den Ecken der Feldseite. Für die in ihrer Art konstruktiv und funktional singuläre architektonische Konzeption fanden raffinierte Formen weltlicher Herkunft (rechteckige Fenster- und Türöffnungen) Verwendung, ergänzt durch eine reiche Ausstattung mit Wandmalereien und dekorativen Farbfassungen[25].

Die Funktion des Hauptgeschosses umfaßte Wohnräume (Kemenate) und Empfangssäle, angeordnet nach den Erfordernissen des Hofzeremoniells und des ordenstypischen Kanzlei-Rituals[26]. Die Anordnung stellte einen damals im westlichen Europa verbreiteten Standard dar, der sich zusammensetzte aus Räumen repräsentativer Bestimmung und dem Appartement des Machthabers[27].

Marienburg, Hochmeisterpalast, Querschnitt des Donjons und Detaildokumentation nach Frick, Friedrich: Schloß Marienburg in Preußen (nach seinen vorzüglichen äußern und innern Ansichten dargestellt), Berlin 1799 – Repr. Lech Okoński

Der monumentale und feierliche Charakter der Architektur sowie des Versorgungsaufwands entsprach dem Status eines Fürstensitzes[28]. Die tiefer gelegenen Geschosse wurden von der ordensstaatlichen Verwaltung genutzt; die Form der langen Diele sowie der Säle und Kammern und der auf dem Niveau des Hofs gelegenen Räume wies auf repräsentative Funktionen hin[29].

Der erste Monograph der Architektur des Marienburger Palastes, der Königsberger Kunsthistoriker Karl-Heinz Clasen, erkannte 1924, daß „[…] die entwicklungsgeschichtliche Bedeutung des westlichen Hochmeisterpalastes darin [liegt], daß hier zum ersten und einzigen Male zusammengefaßt wurde, was sich im Ordenslande und in Frankreich an Einzelheiten des befestigten Saalbaus herausgebildet hatte.“[30] Clasen konzentrierte sich auf die typischen Motive der Architektur wie die Zweiturmkomposition in der Ansicht von der Nogat-Seite mit dem typischen Motiv des eckigen, wehrhaften plateau auf der Krone der Mauer, auf die Kragsteine und auf die Arkadenstruktur der Umgangswände. Doch nach einer mehr oder weniger genauen Betrachtung der Beispiele französischer Residenz-Architektur, nicht nur derjenigen aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, ist das Ergebnis nicht eindeutig: „Trotz aller überraschender Zusammenhänge mit mehreren französischen Gebäuden ähnlicher Bestimmung, die wie in Sens und Poitiers an grundsätzlich verwandte Parallelbildungen denken lassen, besteht doch nirgends die Möglichkeit, von einer Gleichheit der Formen oder von einer direkten Abhängigkeit des Hochmeisterpalastes zu sprechen.“[31] In einer ähnlich allgemeinen Schlußfolgerung beschreibt der Autor die Gewölbe in dem Sinne, daß er einerseits auf ihre englische Abstammung hinweist, andererseits den Reichtum der heimischen Formen und die Kraft ihrer Wirkung betont. Endlich, weit entfernt von einer erschöpfenden Behandlung des Themas, konzentriert er seine Aufmerksamkeit auf den „französischen dekorativen Schmuck“ der architektonischen Details, auf die Formensprache der Fenster und auf die Kragsteine der Eckerker.

Trotz der erklärten französischen Bezüge schließt Clasen, offen für die Suggestionen der Historiker, auch den Einfluß der rheinischen Gotik nicht aus. Dies würde, besonders hinsichtlich der zweiten Bauetappe, für Nikolaus Fellenstein aus Koblenz sprechen, Baumeister im Dienst des Ordens, der in Marienburg von 1399 an tätig war[32]. In der neueren Forschung wurde ein nationales Motiv unterstützt, wonach entweder das formale Muster der Architektur der niederrheinischen Gotik vom Ende des 12. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts aufschiene oder gar überhaupt kein architektonisches Milieu zugrundeliege. Ohne auf typologisch-chronologische Diskrepanzen zu achten, wurde die einseitige Sicht in den Untersuchungen zu den Werkstätten fortgesetzt oder aber es wurden schlichtweg Thesen zur Ableitung der Architekturformen einfach abgelehnt[33].

Die genannten Forschungsrichtungen erfuhren allerdings in letzter Zeit einer Veränderung. Durch die Wiederaufnahme der Werkstätten-Problematik erfolgte vor allem eine Verschiebung in der Betrachtung der Herleitung der architektonischen Formen des Palastes im Vergleich mit der preußischen Baukunst, der diese Formen fremd waren. Der angedeuteten Tradition folgend wird dabei auf sichtbare französische Einflüsse hingewiesen[34]. Ein erster Versuch, den Gegenstand im Rahmen interdisziplinärer Forschungen mit Blick auf den zeremoniellen Charakter der Residenzarchitektur zu behandeln, der auf den konservatorischen Interpretationen von 1920 basierte[35], wurde im

Marienburg, Hochmeisterpalast, Rekonstruktions-Grundriß des Hauptgeschosses, aktualisiert nach den Forschungsergebnissen von 1998 an der Ostseite: A – Paradetreppe (Konzeption), B – Niedrige und Hohe Diele, C – Antichambre, D – Winterremter, E – Sommerremter, F – Wohnbereich mit Kapelle; 1 – ca. 1380-1399, 2 – Gewölbe, 19. - 20. Jahrhundert
Zeichnung Verf.

Verlauf der jüngsten Restaurierung seit 1982 unternommen. Ziel war die ikonographische Entschlüsselung der räumlichen Struktur des Palastes[36].

Bei der Untersuchung der Marienburg mußte die formale Analyse der Residenzarchitektur die Entwicklungsphasen des höfischen Zeremoniells in Europa und spezifisch ordensritterliche Rituale berücksichtigen, so zum Beispiel den „Ehrentisch“[37]. Eine erstrangige Bedeutung hat ohne Zweifel die Arkadenstruktur der vorhandenen Umfassungsmauer, wie aus den von Clasen untersuchten formal-genetischen Fragen hervorgeht. Die Antwort wurde mit der Problematik ihrer Zweiflächigkeit verbunden oder mit der Reduktion der Mauermasse erklärt. Die Forschungsrichtung wurde allerdings nicht begrenzt, sondern blieb offen.

Es ist methodisch geboten, die höfischen Kulturzentren des 14. Jahrhunderts in Europa näher zu betrachten, mit denen sich der Ablauf des Zeremoniells in einer Residenz verknüpfen läßt. Dazu gehören, die Satelliten-Filialen ausgenommen, der französische königliche Hof, die Höfe der burgundischen Fürsten sowie die päpstliche Kurie in Avignon. Die allgemeine Tendenz, wie sie an der Wende des 14. zum 15. Jahrhundert zu beobachten ist, sei die nach Uwe Albrecht vollzogene „[…] Vereinigung von Wohnturm und Saalgeschosshaus, von tour und salle.“[38] Dieser Prozess hatte zwei Phasen. Zuerst, am Ende des 14. Jahrhunderts, „erinnern vor allem die hochragende äußere Gestalt vieler Beispiele, die vergleichsweise mächtige Mauerstärke und die Relikte der Senkrechtverteidigung wie Wehrgang und Maschikulis noch sehr deutlich an den Wohnturm alter Prägung.“ Dann werden zu Beginn des 15. Jahrhunderts „vom Saalgeschoßhaus […] der ebenerdige Zugang, die Mehrräumigkeit der einzelnen Geschosse, die größeren Fenster und die komplette Bedachung anstelle der offenen Wehrplatte übernommen.“ Das Ergebnis war ein festes Haus, ein geräumiges Gebäude, relativ hoch, dessen „Wehrfähigkeit sich allerdings auf Vorkehrungen beschränkt, die wohl einen räuberischen Handstreich, nicht aber einen ernsthaften militärischen Angriff abwenden können.“[39] Es folgte schrittweise eine „Emanzipation“ oder sogar ein gesonderter Verlauf der Eingangstreppe, was – nach Albrecht – „ein spezifisch französisches Phänomen“ gewesen sei[40]. Eingefügt zunächst in der Dicke der Mauer, belegten später die Treppen einen Eckturm und nahmen schließlich ihren Platz im Zentrum des Baukörpers ein, vor der Fassade an der Hofseite.

*

Den Ausgangspunkt der beobachteten Veränderungen stellte der königliche Donjon Karls V. in Vincennes bei Paris dar (Baubeginn 1361). Seine Struktur, noch stark in der Tradition des 13. Jahrhunderts stehend, wurde am Anfang völlig der Verteidigungsfunktion untergeordnet[41]. Nur die wichtigsten Räume waren quadratisch und lagen ungeteilt im Bereich der Geschosse, miteinander verbunden durch schmale Spindeltreppen, versehen mit seitlichen, in der Mehrheit heizbaren in den Ecktürmchen eingesetzten zusätzlichen Räumen.

Vincennes, Donjon, Grundriß des zweiten Obergeschosses G
(Equipe de recherche sur le château de Vincennes et la banlieue Est)
und Schnitte
Nach Albrecht, Uwe: Der Adelssitz im Mittelalter, München u.a. 1995, S. 87, Abb. 92

Aber gleich nach dem Bauende, in den 70er Jahren des 14. Jahrhunderts, folgte in Vincennes eine markante Abänderung – in eines der Türmchen wurde eine breite Paradetreppe eingesetzt (escalier d'honneur), die bequem den königlichen Audienzsaal im ersten Obergeschoß mit dem Schlafzimmer im darüberliegenden zweiten Obergeschoß verband[42]. Zu Wohnzwecken (Speisesaal) wurden die außen an der Mauer der Verteidigungsterrasse gelegenen Räume umgestaltet. Trotzdem baute man bald ein großes sanitäres Bleilot an, das für den Wohnkomfort des ganzen Turmes ausschlaggebend war.

Das Modell von Vincennes verbreitete sich in die von den Auswirkungen des Hundertjährigen Krieges erfaßten Gebiete Zentralfrankreichs und in die südlichen Landesteile, besonders in die Provinzen Poitou, Berry, Auvergne und Rouergue. Sallette und chambre (Audienzsäle und Kemenate), die noch im dritten Viertel des 14. Jahrhunderts übereinanderliegend auftraten, waren am Ende des Jahrhunderts auf einer Ebene zu finden, verbunden mit einer gemeinsamen Paradetreppe durch die Vorzimmer (anti-chambres), als Bestandteile des Appartements[43]. Ein Beispiel der Residenz des neuen Typs war der Donjon in Chevenon an der Loire, errichtet (vor 1384) durch niemand anderen als den capitaine des château et tours de Vincennes selbst.

Eine für Frankreich im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts charakteristische Form und Organisation des Raums des umgestalteten Typs der Herrenresidenz ist deutlich in der Architektur des Marienburger Palastes wiederzufinden. Vor allem die Form des Donjons, von Clasen unter struktureller Betrachtung zu Unrecht nicht erörtert, sowie die repräsentations-funktionellen Elemente eines Wohnappartements weisen auf die progressiven Merkmale hin, die geradezu musterhaft das Hofzeremoniell unterstützten. Die architektonische Fassung des festlichen Begrüßungswegs, der auf dem Niveau des Hauptgeschosses von der Paradetreppe her durch anti-chambre und Große Diele mit Wäschestelle unter der Heroldsempore über dem Saalportal in die zwei Empfangssäle (Remter) führte, erreicht das Niveau zeitgenössischer französischer Beispiele[44]. Die Einbeziehung der Kanzleifunktion in den Bereich der repräsentativen Palastarchitektur hatte bei der Bildung eines neuen Residenztyps sogar in Frankreich nicht ihresgleichen.

In Marienburg hat sich eine funktionelle und räumliche Verbindung zwischen den beiden Gebäuden vom Typus donjon und corps-de-logis nicht ausschließlich, wie in Frankreich, im Zusammenhang des Turms vollzogen. Der Marienburger donjon blieb, trotz seiner baulichen Autonomie, nicht selbständig bestehen, sondern wurde in das Saalgebäude aufgenommen. Dadurch ergab sich eine einzigartige Möglichkeit zum Ausbau des Appartements im Bereich des Hauptgeschosses, wie auch aller anderen Geschosse, zu einem strukturell differenzierten Residenzbau, einem donjon-logis. Für diese Lösung fand sich keine Analogie in der Pariser Region und in den zentralen französischen Provinzen.

Anläßlich des festlichen Besuchs Kaiser Karls IV. in Paris im Jahre 1378 waren die Wohn- und Repräsentationsfunktionen dort aufgeteilt worden. Einerseits gab es den Palais de la Cité, mit der Grande Salle, vorgeschaltet ein herrlicher escalier d’honneur und die Kemenaten des vor 1375 umgebauten westlichen Flügels (eine Arkadenfassade), andererseits den Donjon in Vincennes, wo der König den Kaiser im großen Empfangssaal im ersten Obergeschoß aufgenommen hat[45]. Einzig der königliche Louvre könnte in dieser Gruppe Platz finden, hinsichtlich der Pracht des Eingangs, mit der grandiosen Spindeltreppe, der grande vis, die zu den Audienzräumen geleitete. Den Weg in die Appartements begleiteten skulptierte Figuren der Repräsentanten der Herrscherfamilie, die entlang dem Treppenlauf aufgestellt waren[46].

 

Marienburg, Hochmeisterpalast, Eingangssystem mit einer Rekonstruktion der Standposition des Hauptportals (nach Verfasser), in der Inventarisationszeichnung der Hoffassade von 1909: 1 – zu die Empfangs- und Wohnräume (Hauptgeschoß), 2 – zum Tressleramt (Erdgeschoß), 3 – zur Küche (Erdgeschoß), 4 – zu den beiden unteren Donjon-Geschossen
Photo Verf.

Im Fall der Marienburg ist wenig über die Form der Treppe bekannt, die aus dem Hof auf der Hauptgeschoß führte[47]. Wenige Angaben kann man der Analyse der Schriftquellen entnehmen – kaum etwas über Lage und Zahl der 19 Stufen[48]. Maßgebend für die typologischen Erwägungen ist erstens die Außenform des Gebäudes, analysiert durch Clasen, bestehend aus den so genannten Wandarkaden mit einem Wehrgang auf der Mauerkrone; zweitens die Reduktionsweise der Mauermasse. Ein Aufmaß-Modul und die Form der Arkaden waren zweifellos durch den Donjon nach der Westseite bestimmt. Clasen nennt hier als Beispiele die vergleichbare Wandkonstruktion des Papstpalastes in Avignon aus dem zweiten und dritten Viertel des 14. Jahrhunderts sowie zahlreiche, auch nichtfranzösische Wehrkirchen. Er weist nach, daß nicht das Marienburger Konventhaus, sondern der Wohnturm des Hochmeisterpalastes den „Avignon-Typ“ der Arkadenwand repräsentierte[49].

Marienburg, Westseite (Donjon) des Hochmeisterpalastes, anhängte Wehrgang

Photo Verf.

Im Hochmeisterpalast wurde, wie in Avignon, eine Reduktion der mächtigen (dicken) Wand auf den erwünschten Abschnitten durchgeführt, die den Fensterachsen entsprachen, indem man ein ähnliches System der passiven Verteidigung auf der Mauerkrone einführte. Die großen Prachtfenster des Palastes wurden mit den Wurfschächten der Maschikulis in den Arkadenbögen gesichert. Diese selbst legen die Gewölbeansätze auf die Achsen der wulstigen Abschnitte der Wände und durch sie wird die Druckkraft der Gewölbe auf die Strebepfeiler übertragen.

Die Frage Gottfried Kerschers nach der Herkunft dieses Konstruktionstyps ihn zum Dom und Bischofspalast in Albi und in das südwestliche Europa geführt, in Gebiete arabischer Einflüsse, nach Spanien und weiter nach Sizilien[50]. Aber die Stilistik der Gebäude im genannten Bereich stützt kaum die Schlußfolgerungen des Autors. Die Fassaden der Paläste Palermos aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts (La Cuba, La Zisa) entsprechen mehr einer orientalisch-flachen Dekoration, die auf einer glatten „normannischen“ Wand aufliegt, als dem Beginn der Tendenz zur Demonstration von Stärke. Das System von Maschikuli-Pfeilern basiert zwar auf gotischer Form (Reduktion der dicken Mauer, mehrstufige Strebepfeiler, große Fenster), hatte aber eine Genese aus ebenso starken sozialen Wurzeln. Die Nutzungsmerkmale sind viel mehr mit der Entstehung der Wehrkirchen in der Zeit der Katharerkriege auf dem Gebiet des Languedoc in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts verbunden (ein Beispiel dafür ist Albi), als mit einem dauerhaften Reduktions-Prozeß der Mauermasse. Die Wehrgänge, angebracht auf den Strebebögen der Kirchen auf der Höhe des Dachrands, waren eine einfache und sichere Weise der Verteidigung des Gebäudes. Ein gutes Beispiel für eine solche Lösung war die provenzalische Kirche les-Saintes-Maries-de-la-Mer, von Clasen als Analogie zur Wandstruktur der Marienburg angeführt[51]. Ihre Befestigung erfolgte sekundär im 14. Jahrhundert in der Zeit der Bedrohung durch die marodierenden Banden der compagnons (Söldner), die Südfrankreich in den Friedensphasen des Hundertjährigen Krieges plünderten[52]. Eine solche Weise der Befestigung von Kirchen, oft in der Literatur angeführt, ist bereits aus dem Gebiet Siebenbürgens bekannt[53].

In südfranzösischen Residenzen war ein Element wichtig. Sowohl im Bischofspalast von Albi als auch im päpstlichen Palast von Avignon, in den beiden mehrflügeligen, funktionell ausgebauten Residenzen, befand sich der Donjon als abgesondertes Gebäude, als privater Wohn- und Wehrturm, traditionell vertikal strukturiert. Trotzdem war er funktionell mit der Residenz verbunden und im Zusammenhang mit dieser, wie in Marienburg, unselbständig. In Marienburg entschied über die Stilistik der ganzen Struktur des Typs donjon-logis die Arkadenkonstruktion der Wand. Der offene Wehrgang auf der Mauerkrone, nominell ein Verteidigungselement, ging in ein dekorativ-martialisches Motiv über in einen hochgelegenen, nicht befestigten, der freien Treppe vorgelagerten, repräsentativ offenen Saaltrakt.

Ein charakteristisches Motiv für die Reduktion der Wandstärke und den Ersatz der Mauermasse durch einen einzelnen oder doppelten schlanken Pfeiler war sowohl der nordfranzösischen Residenz fremd wie auch den monumentalen Bauten in Avignon. Seine Verwendung für die Reduzierung der Mauermasse folgte offensichtlich den Prinzipien der Kathedralgotik.

Avignon, Papstpalast, Donjon Benedikts XII. (Tour des Anges)

Photo Verf.

In Frankreich wurde dies Prinzip in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts allgemein angewandt und in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, vor allem in den Innenräumen der Kirchen[54]. Von dort erfolgte der Übergang in die Residenzarchitektur, sichtbar u.a. an dem von Clasen zitierten erzbischöflichen Palast in Sens von 1235-1240.

Das Beispiel von Sens ist von Bedeutung, aber nicht in der Verbindung mit der Ästhetik der Fassade, worauf Clasen verweist, sondern durch den Typus der Wandkonstruktion des großen Synoden-Saals. Die Reduktionsweise der Mauerdicke ist dort ähnlich, obwohl nicht direkt vergleichbar mit der Marienburger Großen Diele, und entschied hier ebenfalls über die künstlerisch-architektonische Beschaffenheit des Werks[55].

Saumur, Ostflügel der Burg mit Gang-Laube von der Hofseite

Photo Verf.

Trotz der baulichen Konvergenz ist es schwer, diese Ausführungen miteinander zu verbinden, weil zwischen dem Bau des einen und des anderen Gebäudes, was Clasen zu übersehen scheint, ein Jahrhundert betrug. Dieses Motiv aus der Zeit der Expansion der Kathedralbaukunst war im 14. Jahrhundert nicht so kreativ wie in der klassischen Gotik[56]. Ein Beispiel dafür ist eine ähnliche formale Lösung aus den 80er Jahren des 14. Jahrhunderts in der Burg Saumur an der Loire. Sie galt nicht der Reduktion der Wand, sondern der Unterstützung zweier Geschosse des Verbindungsganges, der der Konstruktion des Wohnflügels vorgelagert ist[57].

Der Donjon (Tour Maubergeon) der fürstlichen Residenz in Poitiers, errichtet in derselben Zeit (1395) wie die Marienburg, wird von Clasen als erstes Gebäude angeführt, das mit der Residenzentwicklung sowie der Entwicklung von Wehr- und Wohnturm verknüpft war. In seiner Struktur ist es, trotz der reichen Ausstattung, konservativer, als wir auf den ersten Blick vermuten[58].

Poitiers, Fürstliche Residenz, Großer Saal und Donjon (Tour Maubergeon)

Photo Verf.

Dank einer Vergrößerung des Saalraums durch Verdoppelung des quadratischen Plans (Gewölbe auf drei Pfeilern) wurde eine beeindruckende Raumwirkung erreicht, aber die traditionelle Lage der übereinander angeordneten Räume blieb bestehen. Das ganze Gebäude wurde als Saal-Turm-Konstruktion gebildet, als eine Art rechteckige Version der „klassischen“ Form von Vincennes. Ein Symbol öffentlicher Machtdemonstration ist in dem noch im 12. Jahrhundert errichteten Großen Saal bestehen geblieben. Dank des parallel zum Donjon vollendeten Umbaus verfolgte man dort den Effekt eines monumentalen, gerichtlichen Proszenium.

Die Architektur des Marienburger donjon-logis, des Appartements, dessen Elemente alle auf dem Plan des Hauptgeschosses lagen, ging – deutlicher als in Poitiers – in Richtung raffinierter Umständlichkeit hinsichtlich Funktionalität und Wohnkomfort. Angesichts mangelnder Beispiele lokaler preußischer Tradition gehört das Marienburger Palastgebäude – vor dem Hintergrund der französischen Beispiele – trotz der offenen Werkstatt-Frage[59] zur Avantgarde bauarchitektonischer Leistungen in der weltlichen Kunst Europas. Im Vergleich mit den anderen Burgenbauten in Preußen war die Architektur des Palastes eindeutig höfisch und entsprach dem Selbstverständnis eines Fürsten. In der Entwicklungsgeschichte der westeuropäischen Fürsten-Residenzen können wir in der Marienburg den Import höfisch-zeremonieller Raumkonzeptionen sehen, zu komplexem architektonischem Ausdruck gebracht und ausgeführt von örtlichen Fachkräften[60].

 

Kazimierz Pospieszny, Malbork*

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Kolloquiumsberichte

 

 

Residenzen und Verwaltungszentren in den Ländern der Böhmischen Krone im 14. bis 17. Jahrhundert

 

Publikations- und Kolloquiumsbericht

 

Die Arbeitsgruppe für Erforschung der Geschichte der Kronländer des Böhmischen Staates unter Leitung von Lenka Bobková, Professorin am Institut für böhmische Geschichte der Karlsuniversität Prag, hat sich Ende März 2006 mit zwei nicht zu unterschätzenden Teilergebnissen ihrer Forschungsvorhaben zu Wort gemeldet. Bei Gelegenheit des dritten internationalen Kolloquiums unter dem oben angeführten Titel, das in Prag vom 29. bis 31. März 2006 stattfand (Korunní země v dějinách Českého státu III. – Rezidence a správní sídla v zemích České koruny ve 14.-17. století) wurde der Protokollband zum zweiten Kolloquium präsentiert. Beide seien hier kurz besprochen, da sie breiteres Echo verdienen. Folgender Bericht soll eine freie Fortsetzung der „Ährenlese“ sein, die der Referent in den MRK 13,2 (2003) S. 100ff. brachte, und ist zugleich ein erfreuliches Zeugnis für die systematische Pflege der Residenzenforschung in der Tschechischen Republik.

Zunächst zum Protokollband des zweiten Kolloquiums, das im Jahre 2004 stattfand, das unter dem Titel „Kronländer in der Geschichte des Böhmischen Staates“, präzisiert durch den Untertitel „Gemeinsames und Unterschiedliches. Die Böhmische Krone im Leben und Bewußtsein ihrer Bewohner im 14. bis 16. Jahrhundert“ (Korunní země v dějinách Českého státu II. – Společné a rozdílné. Česká koruna v životě a vědomí jejích obyvatel ve 14.-16. století, Praha 2005 [550 S.]), publiziert wurde. Es ist zwar nicht möglich, alle 24 Beiträge zu würdigen, doch sollen diese wenigstens bibliographisch erfaßt werden, da ihre Titel sämtlich signifikant sind. Was die sechzehn tschechisch- und vier polnischsprachigen Texte betrifft, so werden hier allerdings nur die deutschsprachigen (rsp. englischsprachigen) Titel geboten, wie bei den vier deutschsprachigen Beiträgen auch, wobei freilich die angegebenen Seitenzahlen den jeweiligen Umfang nennen.

Wenn man von zwei Diskussionsbeiträgen absieht, geht es um folgende Hauptthemen: I – König, Landstände und Verwaltung, II – Bildung und Kultur, III – Konfessionen. Am stärksten ist der erste Themenbereich vertreten: Tomasz Jaworski, Die Böhmische Krone im Leben und Bewußtsein der Bewohner des schlesisch-lausitzischen Grenzgebiets im XIV.-XVII. Jahrhundert, S. 9-23; Dagmara Adamska, Böhmische Ritter am Schweidnitzer Hofe. Ein Beitrag zur politischen Kultur der böhmischen Hauptleute im Fürstentum  Schweidnitz-Jauer, S. 25-36; Martin Čapský, Landesherr, Land und sakrale Legitimisierung der Herrschersmacht im spätmittelalterlichen Gebiet von Troppau [d.h. Herzogtum Troppau], S. 37-56; Iwona Pietrzyk, Die Kanzlei und Schriftstücke des Hauptmanns von Glatz Johann II. [von Troppau-Ratibor], S. 57-68 (mit Siegelaufnahme); Ondřej Felcman, Die Herren von Podiebrad – ein in allen Kronländern wirkendes Adelsgeschlecht. Die Territorialexpansion der Herren von Podiebrad und ihre Widerspiegelung im Stammeswappen, S. 69-79; František Musil, Die Interpretation der Geschichte des Gebietes von Glatz [d.h. des Glatzer Landes] als Widerspiegelung der machtpolitischen Verhältnisse in Mitteleuropa, S. 81-95; Antonín Kalous, Matthias Corvinus and the Moravian Royal Towns, S. 97-127; Dana Malá-Dvořáčková, Die Brandenburger in Böhmen und die Gefangenschaft von Václav II. (Die böhmisch-brandenburgischen Beziehungen im 13. Jahrhundert), S. 129-158 (mit 1 Abb.); Lenka Bobková, Die Markgrafschaft Brandenburg in den Händen der Luxemburger, S. 159-190 (mit 4 Abb.); Luděk Březina, Die Niederlausitzer Landvogtei unter Albrecht Schlick in den Jahren 1540-1555; S. 191-222, Daniel Fickenscher, Die Beziehungen der Obelausitzer Stände zu Prag, dem politischen Zentrum der Böhmischen Krone 1526-1618, S. 223-250; Marek Starý, Die Aufnahme der mährischen und schlesischen Adeligen in den Herrenstand des Königreichs Böhmen im 16. und am Anfang des 17. Jahrhunderts, S. 251-288 (mit einer Übersicht der aufgenommenen Sippen im Anhang); Jan Kilián, Der Kampf um die deutsche Expedition in der Böhmischen Hofkanzlei 1611-1616, S. 289-306; Antoni Barciak, Böhmische Herrscher in der Interpretation des Verfassers der Chronik der polnischen Fürsten, S. 309-317; Marie Bláhová, Zwischen Böhmen und Polen. Bemerkungen zur Frage des historischen Bewußtseins schlesischer Intellektuellen im Spätmittelalter, S. 319-332; Richard Němec, Oybin – Mons imperialis? Architektur als Mittel der Repräsentation der politischen Macht, S. 333-373 (mit 6 Abb.); Kai Wenzel, Die Meister aus Görlitz und Zittau. Künstlerische Verbindungen zwischen Böhmen und der Oberlausitz im 16. und frühen 17. Jahrhundert, S. 375-406 (mit einem Quellenanhang und 9 Abb.); Jana Wojtucka, Ein unerfüllter Traum. Zum Versuch der Gründung des studium generale am Anfang des 16. Jahrhunderts in Breslau, S. 407-420; Petr Hlaváček, Prope Sudetos montes. Grenzgebiete von Böhmen, Sachsen, Niederschlesien und der Oberlausitz als eine Kulturregion (1420-1620), S. 423-434 (mit 4 Abb.); Jan Zdichynec, Sindt beyde von Ostritz armer Leudt Kinder .... [Die Besatzung der Frauenklöster in der Oberlausitz im 16. und 17. Jahrhundert], S. 435-474 (mit Verzeichnissen von entsprechenden Würdenträgern bzw. Würdenträgerinnen); Frank Metasch, Erinnerungskultur und Identitätsstiftung. Die „Gemeinde böhmischer Exulanten in Dresden“ im 19. Jahrhundert, S. 475-496; Milan Svoboda, Was ist die „Heimat“? Zum Patriotismus des Adels im Grenzgebiet von Böhmen und der Oberlausitz im 16. und 17. Jahrhundert, S. 497-514; Jiří Jurok, [Böhmische Krone im Jahre 1348 und Böhmische Konföderation im Jahre 1619. Ein Vergleich], S. 517-541 (ohne Zusammenfassung); Matthias Herrmann, Die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz e.V. Tradition und Innovation, S. 542-547.

Wenn man zum dritten Symposium, das im Clam-Gallas-Palais stattfand, übergeht, so ist zunächst zu konstatieren, daß die 33 Vorträge den Schwerpunkt auf Residenzen und Verwaltungszentren legten, so daß ein relativ buntes Panorama präsentiert wurde. 17 tschechischen Vortragenden gesellten sich sechs deutsche und acht polnische Redner. Nur eine Minderheit der Referenten steuerte jedoch algemeinere Uberlegungen bei, die meisten behandelten Spezialthemen. Innerhalb der ersten Gruppe widmete sich Lenka Bobková den Residenzen und Verwaltungszentren in den Nebenländern im allgemeinen, Marie Bláhová dem Phänomen des Zusammenhangs von Residenz und Propaganda, Kai Wenzel dem Bild des abwesenden Königs, Petr Vorel den Münzprägungen in den Residenzen der frühen Neuzeit, Miroslav Šmied den zwei geistlichen von Säulen Karls staatsrechtlicher Konzeption, dem Heiligen Wenzel und Karl dem Großen, Ivan Hlaváček dem Phänomen des Hofes auf Reisen, schhließlich Vojtěch Černý den Herrscheraufenthalten in den Nebenländern am Ende des Mittelalters. Der Abschlußvortrag von Jiří Fajt galt der Vorstellung der breit angelegten und wirklich einmaligen auf der Prager Burg präsentierten Ausstellung über die Kunst der Luxemburger (ein wenig irreführend als „Karl IV. Kaiser von Gottes Gnaden“ bezeichnet, da ihr Rahmen die ganze Luxemburgerzeit als ein Kontinuum darzustellen versucht). Fajts anschließende Führung durch diese Kunstblüte (mit vielen ausländischen Leihgaben, darunter auch aus den USA) gehörte zum Gipfel des Kolloquiums.

Die detaillierten analytischen Beiträge behandelten zahlreiche Residenzen und Quasiresidenzen, Residenzstädte und Verwaltungsmittelpunkte sowohl der weltlichen als auch der geistlichen Würdenträger, meist auch fokussiert auf konkrete Probleme (Baulichkeiten, Huldigungsreisen o.ä.) in den Nebenländern. So defilieren vor unseren Augen sowohl Bautzen (Lars Dannenberg), Görlitz (Siegfried Hoche und Marius Winzeler), Lübben (Klaus Neitmann) und Zittau (Milan Svoboda) wie auch Sohrau (Źory) (Tomasz Jaworski), Neisse (Ewa Wółkiewicz), Olmütz (Tomáš Baletka), Breslau (Antoni Barciak, Romuald Kaczmarek, Mlada Holá, Jana Hubková), Troppau (Jana Konvičná, Martin Čapský, Dagmara Adamska), Öls (Dominik Nowakowski), Troppau-Ratibor (Iwona Pietrzyk), die in Luxemburg sich befindenden Residenzen des Stiefbruders Karls IV. Wenzel von Luxemburg (Jana Fantysová-Matějková) sowie luxemburgische Verwaltungszentren in der Oberpfalz (Zdeněk Žalud), daneben aber auch auch Prag in der Interpretation von Magister Pavel Žídek kurz nach Mitte des 15. Jahrhunderts (Petr Hlaváček).

Äußerst lebhafte Diskussionen zu den meisten Vorträgen haben gezeigt, daß sich das besprochene Thema als sehr tragfähig erwies und daß es geeignet war, Impulse zur weiteren Forschung zu geben.

Als gewisses Postskriptum kann beigefügt werden, daß neben der schon erwähnten Burgausstellung noch zwei weitere begleitende Ausstellungen zum Thema veranstaltet wurden, nämlich diejenige des Archivs der Hauptstadt Prag in Zusammenarbeit mit dem Prager Stadtmuseum über Prager Städte in der Luxemburgerzeit, wo sich die schriftlichen Denkmale mit den Kunstartefakten sinnvoll ergänzen, und diejenige des Nationalarchivs der Tschechischen Republik über die urkundliche Dokumentation desselben Zeitalters (alle drei mit reich bebilderten Katalogen, die jedoch auch wegen ihrer Texte lesenswert sind).

 

Ivan Hlaváček, Prag*



Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen*

 

 

Siehe auch online auf unserer homepage unter der Rubrik „Veranstaltungskalender“
bzw. unter

http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/kollanzeige.php

 

 

Ausstellung

Das Zuckerbankett der Jülicher Hochzeit

Jülich, 5. April bis 23. Juli 2006

 

Kontaktadresse:           Museum Zitadelle Jülich

Tel: [D] 02 46 1 - 93 76 80

E-Mail: museum@juelich.de/museum

Internet: www.zitadellenfest-juelich.de

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Konferenz

La cuisine au Moyen Âge

Paris, 5. April bis 5. November 2006

 

Kontaktadresse:           Tour Jean sans Peur

20 rue Etienne Marcel

F-75002 Paris

Tel: [F] 01 40 26 20 28

Internet: www.tourjeansanspeur.com

 

Aus dem Programm:

Mittwoch, 26. April

Alexandre-Bidon, D., Vaisselle et ustensiles de cuisine: une archéologie du goût.

Mittwoch, 10. Mai

Schnerb, B., L’office de la cuisine à la Cour de Bourgogne.

Mittwoch, 7. Juni

Laurioux, B., La table des papes au XVe siècle.

Mittwoch, 28. Juni

REDON, O., La cuisine médiévale d'après l'étude des recettes.

Mittwoch, 11. Oktober

PITTE, J.-R., Une géographie du goût à travers les âges.

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Ausstellung

Adel im Wandel

200 Jahre Mediatisierung in Oberschwaben

Sigmaringen, 13. Mai bis 29. Oktober 2006

 

Kontaktadresse:           Staatsarchiv Sigmaringen

Karlstraße 3

und Landeshaus

Antonstraße 11

D-72488 Sigmaringen

Tel. [D] 07 57 1 – 101-564 – Fax [D] 07 57 1 – 101-552

E-Mail: info@adelimwandel.de

Internet: adelimwandel.de

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Congress

International Medieval Congress

Leeds, 10. bis 13. Juli 2006

 

Kontaktadresse:           International Medieval Congress 2005, Axel E. W. Müller

University of Leeds

Parkinson Building 1.03

UK-Leeds, LS2 9JT

Tel. [UK] 11 - 33 43-36 14 – Fax [UK] 11 - 33 43-36 16

E-Mail: imc@leeds.ac.uk

Internet: www.leeds.ac.uk/imi/imc/imc.htm

 

Emotions are internal psychic processes, but they are performed and visualised through external somatic gestures and facial expressions so that they can become part of a larger system of signs that convey crucial information regarding social and moral status, states of mind, intentions and reactions. The prominence of emotional gestures in medieval texts, treatises, and images, in both grand political settings as well as intimate relationships, shows that medieval observers were acutely aware of the meanings they conveyed. Medieval observers were cued to emotional expressions because these expressions had public meanings. Emotional gestures formed part of the common civilization of gesture in medieval Europe, even as expectations varied widely from one community to the next.

The Leeds IMC is an ideal venue for bringing together the fruits of recent scholarship on emotion and gesture in medieval Europe.

Themes:

Emotion and speech acts (words as gestures)

Emotional communities

Emotions encoded in gesture and body language in the visual arts

Emotions and emotional expression in scholastic thought and moral treatises

Emotions theory and medieval studies

Music and emotions

The gendering of emotional expression in word or image

The meaning of somatic displays in literature and chronicles

The place of emotional gesture in law

The publicity of emotion

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Ausstellung

Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation 962-1806

Von Otto dem Großen bis zum Ausgang des Mittelalters

Berlin und Magdeburg, 28. August bis 10. Dezember 2006

 

Kontaktadresse:           Organisationsbüro Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation

Tel. [D] 03 91 - 53 54 80 – Fax [D] 0 39 - 15 35 48 24

E-Mail: info@dasheiligereich.de

 

Zweihundert Jahre nach dem Untergang des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wird 2006 die gesamte Reichsgeschichte zum Thema einer kulturhistorischen Großausstellung. Um der überlieferten Vielfalt aus mehr als acht Jahrhunderten gerecht zu werden, wird sich die Ausstellung „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation 962-1806“ in zwei Teile gliedern. Hierbei kooperieren das Kulturhistorische Museum Magdeburg und das Deutsche Historische Museum Berlin. Beide Museen erarbeiten gemeinsam eine übergreifende Konzeption.

Im Kulturhistorischen Museum Magdeburg wird vom 28. August bis 10. Dezember 2006 der erste Abschnitt der Ausstellung von Otto dem Großen bis zum Ausgang des Mittelalters zu sehen sein. Das Deutsche Historische Museum Berlin zeigt während der gleichen Laufzeit den neuzeitlichen Abschnitt der Reichsgeschichte bis 1806. Nach den großen Mittelalterausstellungen über die Karolinger in Paderborn 1999, Otto den Großen 2001 in Magdeburg und Heinrich II. 2002 in Bamberg wird damit erstmals die deutsche und europäische Entwicklung vom Mittelalter bis in die Neuzeit umfassend in zwei Teilen dargestellt.

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Konferenz

Urban Europe in comparative perspective

Stockholm, 30. August bis 2. September 2006

 

Kontaktadresse:           Dr. L. Sicking

University of Leiden

Department of History

Doelensteeg 16

NL-2300 Leiden

Tel. [NL] 0 71 - 5 27 27 17

E-Mail: l.h.j.sicking@let.leidenuniv.nl

Internet:            www.eauh.org

                        www.stedengeschiedenis.nl

 

The chairpersons of this session wish to gather a range of specialists on ports and port history that may explain the continuity and change in ports during the Middle Ages and Early Modern period. The goal of this session is to discuss the development of ports as border cities in comparative perspective. Comarative history and interdisciplinary approaches will be the basis to determine the reason why ports enjoyed long-term autonomy as far as urbanisation preceded the consolidation of European states.

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Ausstellung

Der Kardinal Albrecht von Brandenburg

Renaissancefürst und Mäzen

Halle, 9. September bis 26. November 2006

 

Kontaktadresse:           Stiftung Moritzburg

Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt

Friedemann-Bach-Platz 5

D-06108 Halle

Tel. [D] 03 45 - 21 25 90 – Fax [D] 03 45 - 20 29 99 0

E-Mail: poststelle@moritzburg.Isa-net.de

Internet: www.moritzburg.sachsen-anhalt.de

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Sommerakademie

Adel und Moderne in Mittel- und Osteuropa

Perspektiven historischer Adelsforschung

Marburg, 10. bis 19. September 2006

 

Kontaktadressen:          Prof. Dr. Eckart Conze

Philipps-Universität Marburg

Institut für Neuere Geschichte

Wilhelm-Röpke-Straße 6c

D-35032 Marburg

Tel. [D] 06 42 1- 28 24 61 1

E-Mail: conze@staff.uni-marburg.de

 

Dr. Heidi Hein

Herder-Institut e.V.

Gisonenweg 5-7

D-35037 Marburg

Tel. [D] 0 64 21 - 1 84-1 10

E-Mail: heinh@staff.uni-marburg.de

 

1. Thema und Anliegen

Die Geschichte des Adels erfreut sich seit einigen Jahren überall in Europa in Wissenschaft und Öffentlichkeit eines wachsenden Interesses. War Adelsforschung über lange Zeit, wenn überhaupt, Thema von Mediävisten und Frühneuzeithistorikern gewesen, so wenden sich mittlerweile auch Historiker des 19. und sogar des 20. Jahrhunderts adelshistorischen Fragen zu. Bei dem Versuch, dieses gestiegene Interesse zu erklären, stoßen wir auf verschiedene Ursachen. Das große Interesse am Adel hängt, erstens, zusammen mit der im Zuge des gesellschaftlichen und politischen Wandels in Deutschland, Ostmitteleuropa und Osteuropa nach 1989/90 wieder neu gestellten Frage nach der Rekrutierung, der Zusammensetzung sowie den Handlungsbedingungen und -mustern von Eliten. Adelsgeschichte ist in diesem Sinne Elitengeschichte, auch wenn Adel nicht grundsätzlich als Elite zu begreifen ist. Zweitens: Die Phänomene, Strukturen und Mechanismen unserer medialen Gesellschaft, in der Sichtbarkeit, Erkennbarkeit und unterschiedliche Formen von Distinktion eine zentrale Rolle spielen, haben den Blick von Sozial- und Kulturwissenschaftlern auf den Adel gelenkt, und zwar nicht nur auf den Adel der Gegenwart, sondern auch auf den historischen Adel als einen ungeschlagenen „Meister der Sichtbarkeit“ (H. Reif). Zwar fiel diese soziale Schicht rein quantitativ in den meisten europäischen Gesellschaften kaum ins Gewicht; um 1900 machte sie beispielsweise ein Promille der deutschen Bevölkerung aus, während sie in anderen Gesellschaften, insbesondere in Polen und Ungarn, größere Bevölkerungsanteile umfaßte. Doch bildete der Adel eine äußerst distinkte Sozialformation, die noch dazu bis weit in das 20. Jahrhundert hinein in Gesellschaft, Politik und Kultur unbestritten eine führende Rolle gespielt hat und deren Ringen um die Bewahrung einer privilegierten soziopolitischen Stellung und einer exklusiven Identität für die historische Entwicklung auch im 20. Jahrhundert von zentraler Bedeutung gewesen ist. Drittens schließlich gibt es eine genuin europäische Dimension von Adel und Adelsgeschichte, die in den letzten Jahren deutlicher in das Bewußtsein von Wissenschaft und Öffentlichkeit getreten ist. Dies erklärt sich nicht zuletzt aus dem wachsenden Interesse an den Grundstrukturen und Grundbeständen europäischer Geschichte und Kultur jenseits nationaler Eigenwege sowie nach der Überwindung der Ost-West-Spaltung Europas und damit letztlich aus dem Bemühen um eine Definition „Europas“. Das Gesicht Europas ist bis heute von der jahrhundertelangen Herrschaft des Adels geprägt. Deren Wirkungen, nicht zuletzt im Sinne kultureller Hegemonie, gehören zum gesamteuropäischen Erbe.

Aus diesen Impulsen speist sich auch die Sommerakademie des Herder-Instituts, die zum einen eine europäische Perspektive eröffnen und die zum anderen den gesamten Zeitraum vom 18. Jahrhundert bis Ende des 20. Jahrhunderts in den Blick nehmen wird. Projekte, die über den engeren zeitlichen Rahmen der Sommerakademie hinausgehen, die aber für deren Fragestellung nicht zuletzt theoretisch oder methodisch relevant und interessant sind, werden nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Im Zentrum der Akademie steht die Frage, der man sich in unterschiedlichen Konkretisierungen annähern wird, wie der Adel in Mittel- und Osteuropa beziehungsweise in den jeweiligen Gesellschaften mit den politischen, gesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Herausforderungen der Moderne umgegangen ist. Das umgreift, ganz allgemein gesprochen, die Auseinandersetzung des Adels mit Teilprozessen von Modernisierung (Säkularisierung, Industrialisierung, Liberalisierung, Pluralisierung, Individualisierung, Parlamentarisierung, Nationalisierung, Ideologisierung etc.). So richtet sich das Interesse der Akademie letztlich nicht nur auf den Adel selbst. Es richtet sich in unterschiedlichen Annäherungen auf den Ort des Adels innerhalb der ihn umgebenden Gesellschaften, aber auch, gleichsam adelshistorisch vermittelt, auf Gesellschaften insgesamt in ihrem geschichtlichen Wandel. Nicht zuletzt durch einen vergleichenden Ansatz (der einzelnen Projekte und der Akademie insgesamt), der nicht auf Mittel- und Osteuropa beschränkt bleiben, sondern westeuropäische Entwicklungen systematisch einbeziehen soll, gewinnt die Akademie ihre gesamteuropäische Dimension.

Solche Fragestellungen möchte die Sommerakademie aufgreifen und einer Gruppe von jüngeren Historikern beziehungsweise auch historisch orientierten Sozial- oder Kulturwissenschaftlern, die sich im Rahmen ihrer laufenden akademischen Qualifikationsarbeiten selbst mit Fragen der Adelsgeschichte beschäftigen, die Gelegenheit geben, diese Thematik in intensiver gemeinsamer Arbeit gerade auch durch Theorie- und Methodenreflexion zu vertiefen. Dabei wird – dem Arbeitsbereich des Herder-Instituts entsprechend – ein Schwerpunkt auf dem Adel Mittel- und Osteuropas im 19./20. Jahrhundert liegen. Angesichts der erwünschten komparativen Perspektive der Akademie sind jedoch darüber hinaus auch Teilnehmer mit westeuropäischen Projekten ausdrücklich eingeladen. Denn nicht zuletzt ist es ein wichtiges Ziel der Sommerakademie, in der Arbeit an einem zentralen und grundlegenden Thema der europäischen Geschichtswissenschaft Wissenschaftler (Teilnehmer und Referenten) aus West- und Ost(mittel)europa zusammenzuführen.

Die Sommerakademie soll Kursarbeit an theoretischen Texten sowie an Quellen, die Vorstellung und Diskussion eigener Projekte sowie Impulsvorträge thematisch ausgewiesener Wissenschaftler, die in jüngerer Zeit beispielhafte und herausragende Arbeiten zur Adelsgeschichte oder theoretisch und methodisch weiterführende Beiträge verfaßt haben, umfassen. Gerade hieraus ergibt sich die Chance zu Gesprächen und zum vertieften Austausch über die vielen Dimensionen – theoretisch, methodisch, gegenstandsbezogen – historischer Adelsforschung.

2. Leitung

Die Sommerakademie wird gemeinsam von Prof. Dr. Eckart Conze und Dr. Heidi Hein geleitet. Eckart Conze ist Ordinarius für Neuere Geschichte (19./20. Jahrhundert) an der Philipps-Universität Marburg. Er gilt als einer der führenden deutschen Adelshistoriker und ist insbesondere mit einer Reihe von Arbeiten zur Geschichte des Adels im 20. Jahrhundert hervorgetreten. Neben der Adels- und Elitengeschichte gilt sein Interesse der Geschichte der internationalen Beziehungen und der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Heidi Hein ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Herder-Institut e.V. in Marburg. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Geschichte Ostmitteleuropas im 19. und 20. Jahrhundert, wobei sie sich vor allem mit kulturwissenschaftlichen Aspekten und Fragen der Nationalismus beschäftigt.

3. Referenten (Impulsreferate) der Sommerakademie

Monika Weinfort (Berlin) – angefragt

Sirje Kivimäe (Tallinn) – angefragt

Stephan Malinowski (Berlin) – angefragt

Karina Urbach (London) – angefragt

Lubos Velek (Prag) – angefragt

Patrick Wagner (Freiburg) – angefragt

5. Vorgesehene Sektionen (Leitung Prof. Dr. Eckart Conze/Dr. Heidi Hein)

- Adel und Herrschaft

- Adel in der Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Modernisierung

- Adlige Lebensformen und Adelskultur

- Adel und Demokratisierung

- Adel und Ideologie

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International Colloquium

De Bono Communi

The Discourse and Practice of the Common Good in the European City (13th-16th c.)

Gent, 15. bis 16. September 2006

 

Kontaktadresse:           Dr. Anne-Laure Van Bruaene

Department of Early Modern History, Universiteit Gent

Blandijnberg 2

B-9000 Gent

Tel. [B] 32 - 92 64-39 97 – Fax [B] 32 - 92 64-41 75

E-Mail: Annelaure.Vanbruaene@Ugent.be

 

Aus dem Programm:

Freitag, 15. September

Session I: The Common Good in the Urban World, between Theory and Representation

Todeschini, G., Participer au Bien Commun. La notion franciscaine d’appartenance à la civitas; Corbellini, S., Striving for the ‚Common Good‘ and the education of the citizen: evidence from Italy and the Low Countries (13th-14th c.); Billen, C., Dire le Bien Commun dans l’espace public. Textes gravés et textes éphémères sur les édifices de la ville dans les Pays-Bas méridionaux au bas Moyen Âge; Blockmans, W., Stein, R., Whose community? The origin and development of the concept of Bonum Commune in Flanders, Brabant, Holland and Utrecht (11th-14th c.).

Session II: In the Name of the Common Good, a „jeu de mots“?

Dumlony, J., Lecuppre-Desjardin, E., Le Bien Commun en Flandre médiévale: la lutte discursive entre princes et sujets; Boucheron, P., Politisation et dépolitisation d’un lieu commun. Remarques sur la notion de Bien Commun dans les villes d’Italie centro-septentrionales entre commune et seigneurie; Naegle, G., Armes à double tranchant? Bien Commun et chose publique dans les villes francaises au Moyen Age; Van Bruaene, A.-L., A virgin for all causes? The Virgin of Ghent as communal symbol in late medieval and early modern Ghent.

Samstag, 16. September

Session III: Governing the City in the Name of the Common Good

Isenmann, E., The notion of Common Good (‚Gemeiner Nutzen‘), the concept of politics (‚Policey‘) and practical policies in late medieval and early modern German cities; Monnet, P., Bien Commun et bon gouvernement: le traité politique de Johann von Soest sur la manière de bien diriger une ville (1495); Prevenier, W., Utilitas communis in the Low Countries (13th-15th c.): from social mobilisation to legitimation of power; Van Dixhoorn, A., Discussing and negotiating the Common Good in early modern Antwerp (ca. 1580-1620).

Session IV: The Urban Pracice of the Common Good

Rigaudière, A., De la fiscalité pour le Bien Commun au financement des biens communs dans les villes du Midi français (XIIIe-XVe s.); Zorzi, A., „Bien Commun“ et conflits politiques dans l’Italie communale; Rosser, G., For whose good? Vows and actions in the English medieval guilds; Prak, M., The Common Good and the city in early modern Holland.

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46. Deutschen Historikertag

Adelsbilder von der Antike bis zur Gegenwart

Konstanz, 20. September 2006

 

Kontaktadresse:           Dr. Armin Müller

Organisationsbüro Historikertag

Universität Konstanz

Fach D 10

D-78457 Konstanz

Tel. [D] 0 75 31 - 88 29 07 – Fax [D] 0 75 31 - 88 51 94

E-Mail: historikertag@uni-konstanz.de

Internet: www.historikertag.de

 

Aus dem Programm:

Scholz, P., Süssmann, J. (Frankfurt am Main), Öffentliche Bilder des Adels von der Antike bis zur Gegenwart - Ein exemplarischer Vergleich; Scholz, P. (Frankfurt am Main), Vom kouros zum togatus. Öffentliche Bildnisse griechischer Aristokraten und römischer Senatoren; Selzer, S. (Halle-Wittenberg), Adlige, Gruppen, Bilder. Spätmittelalterliches Selbstverständnis in zeichenhafter Verankerung in Zeit und Gemeinschaft; Süssmann, J. (Frankfurt am Main), Vom Ritter gegen Tod und Teufel über den Glaubensstreiter zum Kavalier. Zum Wandel der Adelsbilder in der Frühen Neuzeit; Fahrmeir, A. (Köln), Zwischen Bronzestatue und Aktionskunst. Bildhafte Inszenierungen adeliger Lebenswelten im 19. und 20. Jahrhundert; Demel, W. (München), Resümee zur Sektion.

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46. Deutschen Historikertag

Habilitandenforum

Konstanz, 20. September 2006

 

Kontaktadresse:           Dr. Armin Müller

Organisationsbüro Historikertag

Universität Konstanz

Fach D 10

D-78457 Konstanz

Tel. [D] 0 75 31 - 88 29 07 – Fax [D] 0 75 31 - 88 51 94

E-Mail: historikertag@uni-konstanz.de

Internet: www.historikertag.de

 

Aus dem Programm:

Schalenberg, M. (Zürich), Europäische Metropolen und deutsche Kapitalen: Codierungen und Referenzierungen im öffentlichen Raum deutscher Residenzstädte, 1740-1848.

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Tagung

Paraître et Apparences en Europe occidentale du Moyen Âge à nos jours (3)

Espaces et innovation

Lille, 21. bis 23 September 2006

 

Kontaktadresse:           Isabelle Paresys

Université de Lille 3

BP 149

F-59653 Villeneuve d’Ascq cedex

E-Mail: isabelle.paresys@univ-lille3.fr

Internet: http://crheno.recherche.univ-lille3.fr/pageACI-Paraitre.html

 

Le programme „Paraître et Apparences en Europe occidentale du Moyen Age à nos jours“ a pour objectif d’ériger en objets historiques ces formes de communication non verbales, inhérentes à la relation entre individus et au jeu multiforme des interactions sociales.

Le paraître et les apparences participent à la présentation/exhibition publique de soi, soumise à ce titre à la perception de l’autre, et dessinant par là – même le moi social. Afin de bien délimiter l’objet d’étude, le paraître a été défini dans ce programme comme le système résultant du travail des apparences. Celles-ci sont entendues comme l’ensemble des signes corporels et matériels perceptibles par les sens, particulièrement par celui de la vue, sens privilégié de la modernité.

De par leur nature, le paraître et les apparences sont un objet d’étude hybride, situé au carrefour de nombreuses disciplines des sciences humaines et sociales: sémiologie, psychologie sociale, anthropologie, sociologie, histoire de l’art, littérature, philosophie, économie … Dans le cadre de ce programme, les chercheurs venus de ces disciplines sont appelés à croiser leurs regards avec ceux des historiens, afin d’enrichir mutuellement leurs champs de recherche, d’échanger leurs outillages conceptuels et de confronter leurs méthodes d’analyse.

Un des objectifs du programme est de tenter d’appréhender le paraître et les apparences comme un ensemble cohérent, voire un système, alors que ces dernières sont multiformes tant dans leurs manifestations matérielles, leurs modes de production que dans leurs moda­lités de diffusion dans la société et dans l’espace géographique. Jusqu’à présent le paraître et les apparences n’étaient généralement abordés que par le biais d’une de leurs expressions.

Paraître et apparences, dans une perspective spatial:

Dans le cadre de sa session de travail 2006, le programme de recherche incite les chercheurs travaillant sur différentes formes du paraître et des apparences, dont toutes sont loin d’avoir été explorées, de reconsidérer celles-ci dans une perspective spatiale.

Géographie de l’innovation et des échanges en matière de paraître et d’apparences:

Il s’agit d’attirer l’attention des chercheurs sur l’existence d’une géographie de l’innovation, propre à l’Europe occidentale en matière de paraître et d’apparences. Il s’agit de distinguer, au cours de l’histoire, l’émergence de pôles plus „inventifs“, plus prestigieux, plus rayonnants aussi en la matière, en y étudiant les conditions favorables à ces évolutions différentielles.

Ces pôles s’incarnent dans l’espace à différentes échelles: à celle des villes notamment ou de métropoles politiques et culturelles, ou encore à l’intérieur des limites territoriales d’un État. Cette géographie de l’innovation est mouvante dans l’histoire, un espace dominant laissant la place à un autre, quelques décennies ou siècles plus tard. Elle peut aussi mobiliser parallèlement plusieurs zones créatrices influentes, parfois en concurrence. On le constate par exemple dans la première partie du 16e siècle (quand rivalisent les modes françaises, allemandes et italiennes), comme aujourd’hui, dans le domaine des modes vestimentaires.

L’innovation en matière de paraître et d’apparences ne se conçoit pas sans échanges au sein même de l’espace européen occidental, comme avec sa partie orientale ou encore avec d’autres continents. La nature de ces échanges, les vecteurs de leur diffusion ainsi que les modalités de leur réception font partie intégrante du programme.

Micro espaces du paraître et des apparences:

Si les apparences sont le produit d’un corps paré ou vêtu, animé par les gestes (et la parole), perceptible par l’odorat, selon des modalités d’hygiène variables selon les époques, le paraître ne se réduit pas pour autant aux apparences corporelles considérées en elles-mêmes.

Il se manifeste également au regard d’autrui et se met en scène dans différents cadres matériels et spatiaux, allant de l’espace public (la rue, le café, les jardins, les parcs, les grands boulevards ...) aux espaces privés et à l’habitat domestique (salles de bal, salles à manger, salons de réception, bureaux, boudoirs, etc.), en passant par le théâtre, la cour, l’opéra, la promenade, les tribunaux, soit autant de lieux qui manifestent à leur manière l’existence d’une topographie codifiée (domestique vs. publique; intérieure vs. extérieure …) et d’une géographie urbaine, soumise, elle aussi, aux diverses exigences du paraître. L’une comme l’autre ayant varié considérablement entre le XIIIe et le XXe siècle par exemple, entre les cours de la Renaissance et celles du XIXe siècle, les cafés de Maupassant et les „promenades au bois“ des héroïnes proustiennes !

La ville est certes l’espace privilégié de la mise en scène des apparences. Il est important pour cela de s’y attarder. Néanmoins les campagnes présentent elles aussi des espaces dans lesquels le paraître et les apparences entrent en action, selon une topographie et des modalités à comparer avec celles des villes.

Paraître, apparences et espaces:

Enfin, il s’agit de déterminer quels liens unissent les signes et les codes du paraître et des apparences et les espaces dans lesquels ils s’activent, à leurs différentes échelles. Car l’espace a une incidence sur le paraître et les apparences, sur la présentation de soi. Suivant le sens que l’on donne à l’espace dans lequel on évolue, on ne se vêtira pas ou l’on ne tiendra pas son corps de la même manière, par exemple, selon que l’on est dans une cour princière ou une taverne, une salle de classe, un studio de télévision ou un tribunal.

Inversement, l’importance du paraître et la mise en scène des apparences humaines peuvent déterminer l’espace, aménagé, orné voire remodelé en fonction de leurs exigences et des codes qui se sont construits: espace domestique, espace urbain, espaces institutionnels tels les églises, les mairies, les salles de réception, etc. On peut aussi transgresser les codes établis, volontairement ou non, en présentant (on peut l’imaginer) un défilé haute-couture dans une église ou dans une usine désaffectée.

Enfin, les apparences peuvent servir d’identificateurs d’un espace géographique. C’est le cas, par exemple, des apparences vestimentaires dans les recueils d’habits de la Renaissance puis plus tard dans les livres d’histoires du costume, ou encore celui des costumes folkloriques que se plaisent à reproduire les cartes postales.

Ce n’est donc pas tant l’espace en tant que tel qu’il s’agit d’appréhender dans ce programme, mais le rapport que l’homme entretient avec celui-ci dans son paraître et ses apparences.

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Internationale Konferenz

Reframing the Danish Renaissance

Problems and Prospects in a European Perspective

Kopenhagen, 28. September bis 1. Oktober 2006

 

Kontaktadresse:           Hugo Johannsen

National Museum of Denmark

DK-1220 Kopenhagen

E-Mail: hugo.johannsen@natmus.dk

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Tagung

Celle und die Residenzen im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation
Hof und Medien im Spannungsfeld von dynastischer Tradition und politischer Innovation zwischen 1648 und 1714

Residenzschloß Celle, 6. bis 8. Oktober 2006

 

Kontaktadresse:           Dr. Heiko Laß

Rudolstädter Arbeitskreis zur Residenzkultur e.V.

Thüringisches Landesmuseum Heidecksburg

Schloßbezirk 1

D-07407 Rudolstadt

E-Mail: heiko.lass@gmx.de

 

In der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg waren Hofkultur und Selbstverständnis der Fürsten im Alten Reich durch ein in dieser Intensität vorher nicht gekanntes Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Innovation geprägt. Dieses läßt sich in nahezu allen Bereichen der Residenzkultur beobachten. Es dürfte in den Statusveränderungen der Landesfürsten 1648 begründet liegen. Zur dynastisch-fürstlichen Tradition kamen jetzt Anforderungen an die neuen Souveräne, die zu Problemen führten, die nach neuen Lösungen verlangten. Zu denken wäre hier an nun notwendige Veränderungen im Zeremoniell, in der Architektur der landesherrlichen Schlösser und nicht zuletzt in der landesherrlichen Verwaltung. Doch auch im Bereich von Musik, Literatur und Mode können einschneidende neue Impulse festgestellt werden. Mit aller Vorsicht kann zudem konstatiert werden, daß die deutschen Landesherren sich aufgrund der gewandelten Anforderungen immer seltener an italienischen und dafür stärker an französischen Vorbildern orientierten. Ebenso erscheint es sehr wahrscheinlich, daß sich der Gegensatz in der Hofkultur zwischen Protestanten und Katholiken immer mehr verwischte und der Gegensatz zwischen Landesherren und übrigem Adel auch in den kulturellen Äußerungen immer größer und nun eigens betont wurde.

Seinen Beginn fand dieser Prozeß der Neubestimmung mit dem Westfälischen Frieden, der die Souveränität der deutschen Fürsten begründet. Ein Wettbewerb wurde in Bewegung gesetzt, der von den Kurfürsten über die Fürsten im Laufe der Zeit auch Grafen und Herren erfaßte. Am Beginn der Entwicklung stand das dynastische Herkommen im Vordergrund, am Ende der Entwicklung die tatsächliche Macht des Staates. Höfischer Aufwand bestimmte nicht mehr die außenpolitische Stellung, sondern manifestierte nur noch den dynastischen Rang. Vor dem Hintergrund fallweiser realer Machtverluste wurde es nun immer wichtiger, das Ansehen der Dynastie zu wahren. Ein vorläufiger Abschluß war kurz nach 1700 erreicht. Das Gefüge innerhalb des Reiches war nun austariert und hatte für nahezu 50 Jahre Bestand. Die Entwicklungen hatten sich soweit verfestigt, daß es zu einer Kodifizierung kam. Beispielhaft kann hier das Zeremonialwesen genannt werden.

Gefragt werden soll auf der Tagung nach Beispielen für die Modernisierung und Erneuerung in der Tradition einer Dynastie. Ebenso wichtig ist aber auch der bewußte Rückgriff auf Traditionen. Diese darf nicht als Anachronismus mißverstanden werden, sondern als unabdingbare Anknüpfung an Herkommen und Rang. Beides manifestiert sich in der Gestaltung des höfischen Raums.

Unter diesem ist nicht nur das Schloß zu verstehen, sondern auch die Residenzstadt und das gesamte Territorium. Wie werden Architekturen wie etwa Jagdschlösser und Amtshäuser, aber auch Brückenbauten oder Meilensteine medial zu Vermittlung herrschaftslegitimierender Botschaften eingesetzt? Wie wandelt sich die Nutzung des Raumes? Es ist eine These der Tagungsveranstalter, daß gerade das Territorium des jetzt souveränen Fürsten eine neue Qualität erhält und von einer punktuellen Zeichensetzung zu einer flächenhaften Vernetzung übergegangen wird.

Natürlich ist nicht nur die Architektur als Medium zu verstehen. Literatur und Musik, Singspiel, Ballett und Theater, Jagd und Fest kommen ebenfalls eine tragende Rolle in der Welt der höfischen Zeichen zu. Besondere Berücksichtigung finden sollen darüber hinaus auch solche Ausdrucksformen der höfischen Kultur, die als Medien der Selbstinszenierung der höfischen Gesellschaft relativ flexibel auf aktuelle Bedürfnisse und Erwartungen reagieren können. Dazu gehören das höfische Fest als Ganzes wie auch einzelne seiner Bestandteile, insbesondere die Formen des Theaters und Musiktheaters, Festbeschreibungen u.a. Gerade die Texte können als Orte sich überschneidender Diskurse gelesen werden, an welchen sich die Codes der höfischen Gesellschaft und ihr Umbau beobachten lassen. Auch hier soll es nicht ausschließlich um den Wandel, sondern ebenso um die Anforderungen durch die höfische Welt und die Funktion, die im Dienste der Dynastie erfüllt werden sollte gehen. Der Aspekt des Kulturtransfers erhält dabei eine hohe Bedeutung. Doch darf sich die Antwort hier nicht in der Suche nach Vorbildern erschöpfen. Vielmehr geht es um die Wirkung, die durch den Import des Neuen oder die Verschmelzung von Neu und Alt erreicht werden soll.

Als Tagungsort wurde die Residenzstadt Celle gewählt, da sich hier viele dieser Vorgänge exemplarisch aufzeigen lassen. Celle ist eine der ältesten und traditionsreichsten Residenzstädte Niedersachsens und des Alten Reichs überhaupt. Hier steht zudem das älteste, heute noch erhaltene Residenzschloß der Welfen. Es war von 1433 bis 1705 ständige herzogliche Residenz. Immer wieder umgebaut und modernen Erfordernissen angepaßt, ist es nicht nur eine steingewordene Chronik höfischer Kultur, sondern auch eine vorzügliche Quelle für die sich immer wieder dynamisch wandelnde Evolution dynastischer Selbstdarstellung.

Das heute noch erhaltene Residenz-Ensemble von Schloß, Stadt und fürstlicher Grablege geht in weiten Teilen auf die Zeit um 1700 zurück, als Herzog Georg Wilhelm (1624-1705) und seine Gemahlin Eléonore d’Olbreuse (1639-1722) den Bau erneuern, modernisieren und ausbauen ließen. Viele der Räume wie etwa die Paradeappartements sind in der wandfesten Ausstattung unverändert erhalten. Mit der Neuausstattung des Residenzschlosses und der Einrichtung neuer Appartements in Celle um 1700 wurden die aktuellen Entwicklungen des Zeremoniells in eine architektonische Form gefaßt.

Bezeichnenderweise wurde bei diesem Wandel die Tradition bewußt sichtbar erhalten. Dies offenbart sich in den Resten des mittelalterlichen Wohnturms, der „Gotischen Halle“, der Schloßkapelle des 15. und 16. Jahrhunderts mit unverändert erhaltener frühprotestantischer Ausstatttung, dem Renaissancefestsaal und der stadtseitigen Fassade des 16. Jahrhunderts. Somit ist das Celler Schloß zugleich exemplarisches Beispiel für die Modernisierung und Erneuerung in der Tradition eines Ortes.

Auch die Stadt ist in ihrer Struktur weitgehend unverändert und damit eine vorzügliche Quelle. In der Stadtkirche – dem Schloß direkt gegenüber gelegen – hat sich mit Epitaphien, Gruft und Prunksärgen zudem die Grablege der Celler Linie erhalten. Darüber hinaus legen Gärten und Neustädte Zeugnis vom Gestaltungswillen des Hofes auch außerhalb des engeren Schloßareals ab.

Herzog Georg Wilhelm hatte ausgedehnte Reisen nach Frankreich und Italien unternommen. Die meisten der von ihm engagierten Künstler stammten aus Italien. Seine Gemahlin Eléonore d’Olbreuse war eine Hugenottin aus dem Poitou und zog zahlreiche Hugenotten an den Celler Hof und in die Residenzstadt. Damit ist Celle ein hervorragendes Beispiel für die Internationalität der damaligen Hofkultur und den Kulturtransfer. Gerade Theater und Ballett erhielten in Celle eine wichtige Rolle.

Im Mittelpunkt der Tagung sollen die Veränderungen in der Hofkultur der 2. Hälfte des 17. und am Begin des 18. Jahrhunderts stehen. Dies soll sowohl am Beispiel Celles wie auch anderer Residenzen untersucht werden. Wie drücken sich Status und Tradition in Residenz und Territorium, in bildender und darstellender Kunst aus? Spiegeln sich Innovation und Tradition in der Architektur des Hofes wider? Spiegeln sich Qualität und Status der Dynastie innerhalb des Reiches in der Qualität ihrer Residenzschlösser wider? Wurde auf sie in dynastischen Verbindungen, Hausverträgen oder Glaubensfragen Bezug genommen?

Als Folie ist aber auch das Land der Stände zu berücksichtigen. Denn das Territorium und die Dynastie waren nicht deckungsgleich, ein deutscher Landesherr herrschte nicht absolut. Wie also artikulierte sich der landständige Adel im Gegensatz zur oder in Anlehnung an die Landesherrschaft? Verfügten die Landstände kollektiv über eigene Bauten und wie waren diese gestaltet? Nutzten sie weitere Medien? Und nicht zuletzt: Wie gingen sie mit der neuen Souveränität der Fürsten um, die den Abstand zum übrigen Adel weiter vergrößerte?

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London Seminars 2006-2007

London, 23. Oktober 2006 bis 11. Juni 2007

 

Kontaktadresse:           The Society for Court Studies

The Georgian Group

6 Fitzroy Square

GB-London W1T 5DX

Internet: www.courtstudies.org

 


Aus dem Programm:

Montag, 23 Oktober

Clunas, C, „As a Hedge and a Fence ...“: Kingly Courts of Ming China (1368-1644).

Montag, 20 November

Saul, N., Politics and Luxury: The Court of King Richard II.

Montag, 18. Dezember

Raeymaekers, D., A Princely Court in Brussels: The Court and Household of the Archdukes Albert and Isabella (1598-1621).

Montag, 22. Januar

Little, P., Music at the Court of King Oliver.

Montag, 19. Februar

Archer, I., The Material Culture of Royal Ceremonial in the Sixteenth Century.

Montag, 19. März

Murray, I., „Our Slv Acropolis:“ Architecture and Governance at the Prague Castle, 1918-1938.

Montag, 14. Mai

Skidmore, C., At The Court of the Protector: The Material World of Edward Seymour, Duke of Somerset.

Montag, 11. Juni

Hollingsworth, M., Electing the Court: Ceremony and Discomfort in Sixteenth-Century Papal Conclaves.

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Konferenz

Gärten und Parks als Lebens- und Erlebnisraum

Sozialgeschichtliche Aspekte der Gartenkunst in Früher Neuzeit und Moderne

Düsseldorf, 25. bis 27. Februar 2007

 

Kontaktadresse:           Jun. Prof. Dr. Stefan Schweizer

Seminar für Kunstgeschichte

Heinrich-Heine-Universität

Universitätsstraße 1

D-40225 Düsseldorf

Tel: [D] 02 11 - 8 11 45 11 81 20 80 – Fax: [D] 02 11 - 8 11 27 01

Internet: www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/kunst

 

Das Thema des Kolloquiums widmet sich einem wiederholt als Forschungsdesiderat anerkannten Aspekt der Gartenkunstgeschichte, einer fächerübergreifenden Verknüpfung von kunstgeschichtlichen und sozialgeschicht-lichen Fragestellungen zur Gartenkunst in der Frühen Neuzeit und Moderne. Im Mittelpunkt steht die Diskus-sion um die sozialen Dimensionen gartenkünstlerischer Anlagen. Dies schließt den Blick auf den Garten als Lebens- und Erlebnisraum, als Ort von Geselligkeit und Alltagskultur ebenso ein, wie Fragen nach Gärten als Orten sozialer sowie politischer Kommunikation und Repräsentation.

Soziale Aneignungspraktiken für Gärten und später öffentliche Parks wurden beständig reflektiert: Seit Johann Peschel (1597) und Joseph Furttenbach d. Ä. (1628/1640) differenzieren Künstler ihre Gartenentwürfe nach der sozialen Stellung von Auftraggebern. König Ludwig XIV. verfaßte eine Beschreibung des Gartens in Versailles (1689), in der königliche Verhaltenskonventionen zur verbindlichen Handlungs- und Wahrnehmungspraxis erklärt wurden. Der Kieler Philosoph und Gartentheoretiker Christian Cay Laurenz Hirschfeld empfahl am Ende des 18. Jahrhunderts ein volkspädagogisches Programm für Landschaftsgärten. Diese ‚Volksgärten‘, wie sie auch Friedrich Ludwig Sckell (1818) diskutierte, verdankten sich teilweise sozialdisziplinatorischen Motiven, ehe sie sich funktionsgeschichtlich zum Ursprung moderner Vergnügungsparks entwickelten. Frederick Law Olmstedt entwarf in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ‚Erholungs- und Geselligkeitstypen‘ wie ‚exertive‘, ‚gregarious‘ und ‚neighborly recreation‘, an denen er seine Gestaltungskonzepte ausrichtete.

Diese wenigen Beispiele sollen lediglich den Facettenreichtum der Themenstellung verdeutlichen, die man exemplarisch unter folgenden Fragestellungen analysieren könnte: Wie privat oder wie öffentlich waren Gärten? In welcher Weise bildeten sie soziale Hierarchien ab oder unterliefen diese? Wie steuerten ikonographische Programme, Skulpturen und Architektur das Erleben von Parks und Gärten? Welche normativen Ansprüche äußerten sich in den Schriften zur Gartenkunsttheorie? Wie spiegeln sich Verhaltenskonventionen in visuellen und literarischen Darstellungen von Gärten wider?

Die Fragen mögen als Anregung dafür dienen, gartenkunstgeschichtliche Forschung als ein interdisziplinäres Untersuchungsfeld wahrzunehmen.

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Tagung

Adel und Umwelt

Horizonte, Erfahrungen und Wahrnehmungen adeliger Existenz in der Frühen Neuzeit

Börstel, 8. bis 10. März 2007

 

Kontaktadresse:           Dr. Heike Düselder

Olga Sommerfeld M.A.

Universität Osnabrück

FB 2 Geschichte der Frühen Neuzeit

Neuer Graben 19/21

D-49069 Osnabrück

Tel. [D] 05 41 - 96 94 90 5 – Fax. 95 41 - 96 94 89 8

E-Mail: projektadel.museumsdorf@ewetel.net

 

Den Lebensformen des Adels in den Städten und auf dem Lande, seiner politischen Rolle und sozialen Bedeutung sowie den Insignien seiner Kultur ist in den neueren Studien zur Frühen Neuzeit umfassend Rechnung getragen worden. Die Welt des Adels hat durch die vielfältigen Bemühungen der Forschung, diesen Stand und seine Lebensweise zu erklären, etwas von ihrer Fremdheit verloren. Dabei ist nicht nur die unübersehbare Präsenz des Adels als „Meister der Sichtbarkeit“ (H. Reif) evident geworden, sondern auch sein politischer Einfluss und seine gesellschaftliche Relevanz in Räumen und Kulturlandschaften. Der Adel spielte in der Frühen Neuzeit für seine Umwelt eine maßgebliche Rolle, denn das Adelshaus war Mittelpunkt, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum seines Herrschaftsgebietes. Mit der geplanten Konferenz möchten wir das Verhältnis des Adels zu seiner Umwelt, der naturräumlichen wie der sozialen, in den Blick nehmen.

Mit dem Begriff der Umwelt als erkenntnisleitender Kategorie kann die Mehrdimensionalität adeligen Wirkens und Handelns erfasst und zu einem ganzheitlichen Gefüge verknüpft werden. Damit ist eine Synthese von sozial- und kulturgeschichtlichen Perspektiven und den Fragen und Methoden der Umweltgeschichte angestrebt, die sich den Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur und dem Umgang mit wichtigen Ressourcen wie Wasser, Boden und Wald, die im Kontext von Macht und Herrschaftsausübung einen wichtigen Stellenwert einnahmen, widmet.

Mit dem Fokus auf der natürlichen und sozialen Umwelt sollen einerseits die engen Verflechtungen der adeligen Lebensweise mit seiner natürlichen Umgebung und die Ambivalenzen, die in diesem Zusammenhang zutage treten, beleuchtet werden. Andererseits können die wechselseitigen Beziehungen des Adels zu den Menschen, die ihn umgeben, untersucht werden. Im Sinne von Alfred Schütz, der in seiner Einleitung in die verstehende Soziologie grundlegende Erklärungsansätze zur Strukturanalyse der Sozialwelt und Umwelt gibt, umfaßt die soziale Umwelt die räumliche und zeitliche Koexistenz von Personen, die dadurch in einer Beziehung stehen. Dieser Ansatz ist auch für die Erforschung der adeligen Lebenswelten relevant. Die Beziehungen des Adels in seiner sozialen Umwelt waren häufig durch räumliche Nähe und soziale Distanz geprägt und bildeten vielfach ein Spannungsverhältnis. Dieses wies auf der Seite des Adels sowohl autoritäre als auch paternalistische Handlungsmuster und auf der Seite seiner Untergebenen passiv-fügsame ebenso wie eigenmächtige Verhaltensweisen auf. Die bisherigen Forschungen, die die Beziehungen zwischen Herrschaft und Untertanen thematisierten, basieren zum überwiegenden Teil auf konflikttheoretischen Ansätzen. Der weitgehend konfliktfreie Alltag zwischen Adeligen und den ihnen untergebenen Bewohnern in der ländlichen Welt ist bislang nur unzureichend erforscht worden. Und nicht nur das Herrscher-Untertanen-Verhältnis prägte die soziale Umwelt des Adels, sondern auch das allgemeine Gesellschaftsleben sowohl in seiner unmittelbaren Umgebung als auch im ganzen Europa. Einerseits lebte der Adel in einem Familienverband mit allen dazugehörigen Verwandten und Freunden, in dem ein reger Informationsaustausch stattfand und für den die Generationen- und Geschlechterbeziehungen eine konstituierende Bedeutung hatten. Andererseits nahmen die Adeligen aktiv am Gesellschaftsleben der Zeit teil. Sie korrespondierten mit bedeutenden Persönlichkeiten, reisten weit über die Grenzen ihres Landes hinaus und beteiligten sich an aktuellen Diskussionen.

Darüber hinaus bewegte sich der Adel in der Natur, lebte mit ihr und von ihr und herrschte über ihre Ressourcen. Von jeher zeichnete ihn ein besonderes Verhältnis zu seiner natürlichen Umwelt aus. Es bestand zunächst in dem Besitz von Land und einer weitgehenden Verfügungsgewalt über alles, was auf diesem eigentümlichen Besitz vorhanden war: Menschen, Tiere, aber auch die Ressourcen der Natur wie Holz, Wasser, Ernteerträge. Die Felder, Wiesen, Äcker und Wälder waren häufig Schauplätze von Auseinandersetzungen zwischen Grundherrn und Bauern um Nutzungsrechte und -ansprüche und Orte, an denen Herrschaftsverhältnisse in Zweifel gestellt und bestätigt wurden. Während der Adel einen Eigentumsanspruch an der Natur mit überkommenen Herrschaftsrechten legitimierte, leiteten die Bauern ihre Ansprüche aus der Nutzung und Bearbeitung des Landes ab. In diesem Kontext der Herrschaftsauffassung ist auch die besondere Affinität des Adels zur Natur und sein Interesse an den Entwicklungen der Gartenarchitektur im 17. und 18. Jahrhundert, die Anlage von Barock- oder später Landschaftsgärten, zu interpretieren. Seinem herrschaftlichen Selbstverständnis entsprach eben auch die Beherrschung der Natur, die in der Gestaltung und Nutzbarmachung der natürlichen Ressourcen ihren sichtbaren Ausdruck fand.

Auf der Grundlage obiger Überlegungen möchten wir auf der Tagung folgenden Fragen nachgehen, die sich 1.) dem Adel in seiner sozialen Umwelt und 2.) in seiner natürlichen Umwelt widmen. Angestrebt wird eine Synthese dieser beiden Betrachtungsebenen der Umwelt und die Zusammenstellung der vielfältigen und divergierenden Umwelterfahrungen des Adels zu einem ganzheitlichen Gefüge.

1. Der Adel in seiner sozialen Umwelt

- In welchem Netzwerk von sozialen Beziehungen bewegte sich der Adel und welche Kommunika-tionsstrukturen lassen sich in den unterschiedlichen Beziehungen, zum Beispiel zwischen Grundherrn und bäuerlichen Untertanen oder zwischen Adeligen und ihren Bediensteten, erkennen? Wo und in welchen Formen fand das Spannungsverhältnis von räumlicher Nähe und sozialer Distanz seinen Ausdruck?

- Wie sah der Alltag im Adelshaus aus? Welche Normen und Verhaltensmuster prägten das Verhältnis zwischen Generationen und Geschlechtern? Wie zeigte sich das Adelshaus als gesellschaftlicher Treffpunkt und Schnittpunkt von Personen, Ideen und Informationen?

- Mit welchem politischen Selbstverständnis agierte der Adel in seiner sozialen Umwelt? Welches kulturelle Kapital brachte er hier ein, um seinem politischen Selbstverständnis und den damit verbundenen Ansprüchen nachzukommen?

2. Der Adel in seiner natürlichen Umwelt

- Welches Herrschaftsverständnis des Adels kommt in seinem Umgang mit der Natur und den Ressourcen der Natur zum Tragen? Die Grundherrschaft bzw. der Landbesitz bildete die wesentliche Existenzgrundlage des landsässigen Adels. Was tat er, um diese Ressourcen zu erhalten, zu pflegen, auszubauen und auszu-schöpfen?

- Sind die adeligen Gartenanlagen, in denen die Natur gebändigt wird, das Spiegelbild seiner Auffassung von einer universalen höheren Ordnung? Zeigt sich hier ein „selbst gesponnenes Bedeutungsgewebe“ (C. Geertz), das von bestimmten Interessen geleitet wird?

- Inwiefern steht die Ausübung der adeligen Privilegien wie beispielsweise Jagd und Fischfang im Zusammenhang mit dem adeligen Herrschaftsverständnis und seiner Haltung gegenüber der Natur?

Die Tagung soll als Arbeitstagung der Vorstellung und Diskussion von neuen Ansätzen zur Erforschung des adeligen Lebens und seiner Kultur dienen. Wichtig ist uns der interdisziplinäre Dialog: Es sollen sowohl Arbeitsvorhaben aus der Kulturgeschichte, der Sozialgeschichte, Politikgeschichte, Rechtsgeschichte (Eigentumsbegriff), der Volkskunde/Ethnologie und ausdrücklich auch aus der Historischen Geographie, der Umweltgeschichte, der Ökologischen Anthropologie und weiteren Fachdisziplinen vorgestellt werden, sofern sie den Adel als soziale Gruppe berücksichtigen.

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12. Symposion des Mediävistenverbandes

Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft …

Soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter

Trier, 19. bis 22. März 2007

 

Kontaktadresse:           Prof. Dr. Gerhard Krieger

Lehrstuhl für Philosophie I

Theologische Fakultät Trier

D-54296 Trier

E-Mail: mvb-symp@uni-trier.de

Leitender Gesichtspunkt der Tagung ist die Frage nach der Dynamik und der Bedeutung sozialer Lebens- und Kommunikationsformen, für die beispielhaft Verwandtschaft, Freundschaft und Bruderschaft, aber auch Herrschaft stehen.

Zugleich sollen derartige soziale Beziehungsgeflechte, ihre Deutung und Kritik in ihrem wechselseitigen Verhältnis in den Blick genommen werden. Unter dem Aspekt der Kommunikation geht es nicht nur um Mitteilungen in mündlicher und schriftlicher Form, sondern darüber hinaus auch um körperliche, visuelle. affektive, symbolische u.ä. Artikulationen, Darstellungen und Erscheinungen.

Der Mediävistenverband wird sich beim 12. Symposion seinem Thema wiederum interdisziplinär widmen. Die Beiträge sollen zu einer fächerübergreifenden Diskussion motivieren und sich in die vier vorgeschlagenen Sektionen einfügen. Die folgenden Stichworte verstehen sich dazu als Denkanstöße und Anregungen. Dementsprechend können durchaus Themen behandelt werden, die über die angeführten Aspekte hinausgehen. Vorschläge insbesondere für die interdisziplinäre Panelbildungen sind willkommen.

1. Soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Zusammenhang mit

- persönlichen Beziehungen („Der fremde Freund“)

- ökonomischen Aspekten („Die Familie als Wirtschaftsfaktor“)

- naturalen Gesichtspunkten („Natur und Sexualität“)

- dem Verhältnis zur Transzendenz („Basiselemente sozialer Beziehung jenseits religiöser Differenzen“)

2. Praxis und soziale Lebens- und Kommunikationsformen

- Typen, Formen, Medien, Zeiten und Räume

- Ge- und Mißlingen, Erfolg und Mißerfolg, Scheitern und Tragik

- Kriterien und Normen

- Fehlen und Verweigerung („Schweigen“)

3. Deutung und Kritik sozialer Lebens- und Kommunikationsformen

- im Religiösen

- in Visualisierungen

- in Sprache, Literatur und Musik

- Wissenschaft und Philosophie

- in Politik, Recht und Wirtschaft

4. Herrschaft und soziale Lebens- und Kommunikationsformen

- Herrschaft und Dienst

- Herrschaft und Genossenschaft

- Veränderung von Herrschaft durch soziale Lebens- und Kommunikationsformen, vice versa

- „Herrschaftsfreie“ Lebens- und Kommunikationsformen

- Deutung und Kritik des Verhältnisses von Herrschaft und sozialen Lebens- und Kommunikationsformen

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Internationaler Kongress der Universitäten Genf und Lausanne

Mythen am Hof, Mythen für den Hof

Lausanne-Dorigny, 29. Juli bis 4. August 2007

 

Kontaktadresse:           Barbara Wahlen

Faculté des Lettres

Section de Francais

CH-15 Lausanne-Dorigny

Tel: [CH] 21 69 22 95 8

E-Mail: icls2007@unil.ch

Internet: www.unil.ch/icls2007

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Call for papers

Le beau dans la ville, approche diachronique

Paris, 23. bis 24 November 2007

 

Kontaktadresse:           CEHVI

E-Mail: cehvi@hinv-tours.fr

Internet: www.leeds.ac.uk/imi/imc/imc.htm

 

Le CEHVI se propose d’organiser un colloque consacré à la place du „Beau“ dans la ville, dans les villes, sur une longue période chronologique qui pourrait s’étendre du Moyen Âge à la période contemporaine et dans un espace géographique qui n’est, a priori, pas délimité de façon contraignante. Il va de soi que la priorité sera donnée, lors de la sélection des contributions, à celles qui permettent de constituer des ateliers, ou parties d’ateliers, cohérentes. De même ne sera-t-on pas non plus trop directif en ce qui concerne la définition du „Beau“ le recours à la substantivation permettra d’aborder les questions de définition du „Beau urbain“, du rapport métaphysique entre Beauté et Urbanité (au sens de : „ce qui fonde la ville“). Qu’est-ce qu’une „belle“ ville ? Vaste question, à laquelle les réponses des philosophes, plasticiens, architectes, urbanistes …, apportées au cours des périodes successives, peuvent être analysées aussi bien de façon individuelle, en soulignant l’originalité de tel ou tel auteur aujourd’hui méconnu, ou, peut-être, de façon collective, en recherchant variants et invariants socio-culturels …

On peut évoquer quelques grandes directions de réflexion, bien évidemment non limitatives:

les variations du rapport au Beau en fonction des époques; également en fonction des échelles d’application („beau monument“, „beau quartier“, „belle ville“ …)

à quel moment, dans la genèse de l’urbain, se situe la réflexion esthétique? Se fait-elle a priori, ou a posteriori? Quid de la pertinence réelle des modèles souvent évoqués, telles les villes du Nouveau Monde, ou outre-mer, pré-pensées, où le Beau est directement intégré au projet urbain (et participe d’une intention sociale, ou ethnique), par opposition des villes „anciennes“ où le Beau se rajoute au projet urbain, pour le modifier, en rectifier les erreurs?

la conservation et la patrimonialisation du beau, du réemploi de l’architecture antique au Moyen Âge aux colonnes de Buren dans le Palais Royal dans les années 1980

les modalités de la „mise en esthétique“, la place des différents acteurs (pouvoirs, institutions, individus ; marché[s], État[s]; rapports entre esthétique et fonctionnalisme

les usages du Beau dans la ville: usages privés, voire cachés, et publics ; usages sociaux

l’esthétique du projet d’urbanisme, en tant qu’instrument de conviction des habitants

la place des producteurs de Beau dans la ville ; les „consommateurs“ du Beau

les rapports entre le Beau et l’identité urbaine …

Les propositions de communication, accompagnées d’un résumé de 300 mots maximum, sont à adresser, avant le 30 novembre 2006, au secrétariat du CEHVI (cehvi@hinv-tours.fr) ou à Philippe Chassaigne, Professeur d’histoire contemporaine et Directeur du CEHVI (philchassaigne@hotmail.com/philchassaigne@aol.com.

 

 



Buchvorstellungen

 

 

Das Sichtbare und das Unsichtbare der Macht. Institutionelle Prozesse in Antike, Mittelalter und Neuzeit, hg. von Gert Melville, Köln u.a. 2005 [Böhlau, VIII + 422 S., geb., 70 sw-Abb., 57,90 Euro].

 

Wenn es sicherlich auch nicht zu den Kernaufgaben der Residenzen- und Hofforschung gehört, die soziologischen Kategorien der Herrschaft und der Macht zu definieren – sie sozusagen auf den Begriff zu bringen –, so ist es doch evident, daß dieses Forschungsfeld in zentraler Weise von dem berührt wird, was mit diesen Kategorien beschrieben wird. Herrschaft als „Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden“ und Macht als „Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstand durchzusetzen“ verweisen – in den einschlägigen Begriffsdefinitionen Max Webers – im Kern auf das Wesen der sozialen Beziehung, welche zwischen Fürst und Herrschaftsunterworfenen bestand. Der Herrschaftsanspruch des Fürsten erstreckte sich auf eine, im einzelnen vielleicht nicht mehr überschaubare, aber doch dem Prinzip nach angebbare Gruppe von Individuen, und seine Macht oder „Ohnmacht“ bemaß sich selbstverständlich auch darin, diesen Anspruch im Zweifel mitunter gegen Widerstand der solchermaßen Beherrschten zur Geltung zu bringen, oder dies eben gerade nicht tun zu können. Den fürstlichen Herrschaftsanspruch zu betonen und durchzusetzen war immer auch die Funktion von Machtsymbolik und Herrschaftsritualen, Regeln und Codes, die als institutionalisierter Teil der Machtressource neben die personengebundenen Voraussetzungen der Macht, Autorität und Charisma, traten. Szenerie der Entfaltung dieser Herrschafts- und Machtbeziehungen, gleichsam ihr physisch-geographischer wie sozialer Ort, waren in der Regel die fürstliche Residenz und der Fürstenhof.

Im Hinblick auf diesen, an dieser Stelle lediglich schemenhaft skizzierten Mechanismus der fürstlichen Herrschaftsausübung in der Vormoderne, ist das im folgenden kurz vorzustellende Buch von sehr großem Interesse für die Residenzen- und Hofforschung, beschäftigt es sich doch in ganz grundlegender Weise mit den verschiedenen Aspekten des Phänomens der Macht. Der von Gert Melville im Auftrag des Dresdner Sonderforschungsbereichs 537 „Institutionalität und Geschichtlichkeit“ herausgegebene Sammelband hat die Sichtbarkeit, aber auch die Unsichtbarkeit von Macht zum Gegenstand. Insbesondere die institutionelle Macht wird dabei in den Mittelpunkt der Betrachtungen gestellt, tritt sie doch als strukturelle Komponente der Macht meist neben die im Weberschen Sinne zu verstehende, eher individuell zuzuordnende Durchsetzungsmacht. Den thematischen Schwerpunkt in dieser Weise gesetzt zu haben, beruht auf der Erkenntnis, daß insbesondere die Frage nach der institutionellen Macht die verschiedenen Teilprojekte des Dresdner Sonderforschungsbereichs verbindet, und somit sind die im Band versammelten Beiträge das Ergebnis des gemeinsamen, an dieser übergreifenden konzeptionellen Leitlinie ausgerichteten Gesprächs. In seinem kurzen Vorwort führt der Herausgeber dem Leser sehr präzise die behandelte Problemkonstellation vor Augen: Machtanspruch und Geltungsbehauptung sind immer durch zwei, zwar parallel auftretende, aber sich dennoch häufig gegenläufig verhaltende Tendenzen gekennzeichnet. Damit ein Herrschaftsanspruch auch in reale Macht umgemünzt werden kann, muß er nach außen hin, vor allem den Beherrschten gegenüber, sichtbar gemacht werden, etwa mittels der Verwendung bestimmter Herrschaftssymbole. Zugleich steigern jedoch das Unsichtbarmachen von möglicherweise den eigenen Machtanspruch delegitimierenden Elementen oder das Versteckthalten von konkreten Entscheidungsregeln ganz erheblich die Machtbasis des Herrschenden. Eben dieses Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit der Macht spiegelt sich, bezogen auf den spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Fürsten, in der Beobachtung, daß dieser trotz allen Verpflichtungen, die er gegenüber den von ihm beherrschten Individuen eingegangen war, insofern für die seiner Herrschaft Unterworfenen nicht vollkommen ausrechenbar blieb, weil er im konkreten Fall sich dennoch das letzte Wort vorbehielt.

Der Band enthält insgesamt 16 Einzelbeiträge, die wiederum in drei Rubriken derart gestaffelt worden sind, daß mit ihnen jeweils einzelne Aspekte des Themenaufrisses gesondert hervorgehoben werden können. In der ersten Rubrik „Institutionen der Macht: Religion – Politik – Recht“ sind jene Beiträge versammelt, die sich zuallererst mit der institutionellen Komponente der Macht beschäftigen. Hier wird versucht, für verschiedene Themenfelder sichtbare und unsichtbare Merkmale der Macht herauszuarbeiten, und es wird gezeigt, welche Funktion Institutionalisierung innerhalb des Prozesses der Machtausübung hat und wie beide Seiten der Macht – die sichtbare und die unsichtbare – einander ergänzen, sich aber auch widersprechen können. Dies läßt sich etwa festmachen am Beispiel der Kirche als einer Institution im Christentum, die durch das Nebeneinander des Glaubens als wesentlicher, aber weniger sichtbarer Macht, und der Amtskirche als deutlich sichtbarer institutioneller Macht gekennzeichnet ist (Klaus Tanner). Beide Machtkomponenten lassen sich auch in der klösterlichen Lebenswelt des Mittelalters auffinden, in der die postulierte, aber nicht sichtbare Allmacht Gottes der Sichtbarmachung durch die regelgebundene, institutionelle Ausgestaltung des Klosterslebens bedurfte (Gert Melville). Ebenso wird gezeigt, daß bis in die heutige Zeit Konfession als prägendes, und damit machtvoll wirkendes Element bei der Konstruktion historischer Erinnerungen wirksam ist (Winfried Müller). Gleichfalls in diese Sparte der Gestaltung institutioneller Macht fallen die Untersuchungsgegenstände zweier politikwissenschaftlicher Studien. Die Macht des Parlaments in parlamentarischen Demokratien begründet sich nicht nur aus konstitutionell festgelegten formalen Regeln, der sichtbaren, transitiven Macht, sondern immer auch aus informellen Übereinkünften und eingespielten Abläufen in der Parlamentsarbeit, der eigentlich unsichtbaren, intransitiven Macht (Werner J. Patzelt). Die Autorität des deutschen Bundesverfassungsgerichts schließlich beruht vor allem darin, daß es sich bewußt unpolitisch gibt, und somit die eigentliche Quelle seiner Macht seine Zurückhaltung – seine „Unsichtbarkeit“ im tagespolitischen Geschäft – ist (Hans Vorländer).

Die der zweiten Rubrik „Räume der Macht: Foren – Ordnungen – Ikonographien“ zugeordneten Beiträge sind vor allem auf die Orte gerichtet, an denen sich institutionelle Macht manifestiert. Dies etwa konnte der Marktplatz einer italienischen Stadt (Novara) im späten Mittelalter sein, über dessen Ausgestaltung und Nutzung Stadtpatriziat und Zünfte in Widerstreit gerieten, die beide jeweils andere Vorstellungen darüber hatten, welche Ordnung an diesem Ort repräsentiert werden sollte (Giancarlo Andenna). Ebenso jedoch war dies auch das frühneuzeitliche städtische Wirtshaus (in Köln) als Ort des Gelages als einem institutionalisierten Gemeinschaftserlebnis, welches als sichtbare Macht zwar ordnungsstiftende Funktion hatte, mit dem es aber dennoch nicht immer gelang, die unterhalb dieser Ordnung schwelende, unsichtbare Macht sozialer Konflikte einzudämmen und den offenen Ausbruch dieser Spannungen zu verhindern (Gerd Schwerhoff), oder aber die frühneuzeitliche Residenzstadt (Dresden) als eine Bühne für die bewußt geplante und sichtbare Inszenierung der fürstlichen Macht (Barbara Marx). Der filmische Topos der Machtzentrale veranschaulicht schließlich, wie sich unsichtbare, zumindest nur schwer faßbare strukturelle und nicht an einen konkreten Ort gebundene Macht durch die fiktionale Konstruktion eines Ortes, an dem die Machtbefugnisse in der Hand einer Person zusammenlaufen und somit individuell zugeordnet werden, sichtbar gemacht werden (Hans-Georg Lippert).

In den Beiträgen der dritten Rubrik „Diskurse der Macht: Medien – Mechanismen – Akteure“ wird darnach gefragt, wie über Macht im übertragenen Sinne gesprochen wird und es werden verschiedene Mechanismen thematisiert, die Machtansprüche und tatsächliche Macht für die Beherrschten erfahrbar machen. Ersteres läßt sich im Begriff der auctoritas (Maurizio Bettini) greifen, der in seiner ursprünglichen römisch-antiken Wortbedeutung sehr eng mit der Vorstellung des Zuwachses und des Mehrens zusammenhing, genauso jedoch auch im Konflikt zwischen dem älteren, mittelalterlichen Prinzip der Abstammung als Machtbasis und dem vermeintlich moderneren, kommerziell gepägten Prinzip des Wohlstands, ein Gegensatz, der den im frühen 16. Jahrhundert entstandenen Fortunatus-Roman beherrscht (Beate Kellner). Von der Invisibilität der Macht wird in zwei Aufsätzen gehandelt, in denen Strategien untersucht werden, mit denen während des frühen römischen Prinzipats offensichtliche Macht zu verschleiern versucht wurde (Fritz-Heiner Mutschler, Martin Jehne). Das gleichzeitige Sichtbar- und Unsichtbarmachen von Macht wird am Beispiel der Funktion untersucht, welche der Kunst in der DDR zugedacht war, die Vorstellungen der Mächtigen über den konsensualen Charakter der sozialistischen Gesellschaftsordnung darzustellen und damit die tatsächlichen Machtverhältnisse zu verschleiern (Karl-Siegbert Rehberg). In der Übernahme der englischen Volkssprache in die Dokumente der königlichen Administration und der Zünfte im frühen 15. Jahrhundert deutet sich schließlich beispielhaft an, wie sich die Formulierung von Machtansprüchen an sich verändernde (Sprach)Realitäten anzupassen versucht haben könnte, mit Ziel, sichtbar und verstehbar zu bleiben, und damit vermutlich selbst wiederum die Kontruktion einer gemeinsamen Identität weiter beförderte (Ursula Schaeffer). Handlungstheoretische Überlegungen zum Begriff der Macht und der Sicht der Akteure auf sie schließen den Band ab (Gerhard Schönrich).

Abschließend darf folgendes festgehalten werden: Das im Band beleuchtete Spannungsfeld zwischen individuell zuordenbarer Durchsetzungsmacht und struktureller Macht einerseits und zwischen sichtbarer und unsichtbarer Macht andererseits ist nicht nur von unmittelbarer Relevanz für die Residenzen- und Hofforschung, eben jene Forschung kann auch in ganz besonderem Maße von der kategorisierenden Leistung dieses Bandes profitieren. Auch wenn die meisten seiner Beiträge gerade nicht Fürstenhof und Fürstenresidenz der Vormoderne zum Gegenstand haben, so handeln sich doch allesamt im übertragenen Sinne von einem höfischen Thema, dem der Macht und der Machtrepräsentation. Es zeigt sich mit dem Band daher einmal mehr, daß die systematisierende, disziplinen- und epochenübergreifende Beschäftigung mit grundlegenden sozialen Konfigurationen ein nicht nur willkommener, sondern auch äußerst fruchtbarer Ansatz zu einem tieferen Verständnis zunächst als epochenspezifisch verstandener historischer Problemstellungen ist. Umso mehr ist der Rezensent guter Hoffnung, daß dieses lesenswerte Buch eine möglichst breite Resonanz auch im Kreise der Residenz- und Hofforschung finden wird.

Ulf Christian Ewert, Chemnitz*

 

 

Macht und Memoria. Begräbniskultur europäischer Oberschichten in der Frühen Neuzeit, hg. von Mark Hengerer, Köln u.a. 2005 [Böhlau, IX+525 S., brosch., 116 sw-Abb., 59,90 Euro].

 

Das vorliegende Werk präsentiert die Ergebnisse einer Tagung, die unter dem Titel „Macht. Medien. Memoria. Integration und Bestattung europäischer Oberschichten zwischen politischem und medialem Wandel (1500-1800)“ im Jahr 2003 in Konstanz stattfand. Veran-staltet wurde die Tagung vom Teilprojekt C1 „Politische und soziale Integration am Wiener Hof (17. und 18. Jahrhundert) des Konstanzer Sonderforschungsbereichs 485 „Norm und Symbol. Die kulturelle Dimension sozialer und politischer Integration“. Zusammen mit zwei nachträglich eingeworbenen Beiträgen vereinigt der Band internationale Perspektiven auf die frühneuzeitliche Bestattungskultur von Autoren aus mehreren europäischen Ländern.

In seiner Einleitung gibt Mark Hengerer eine vorzügliche Strukturierung und Erläuterung dieser Perspektiven. Er weist darauf hin, daß in der Geschichtswissenschaft bislang vornehmlich die Mediävistik der Untersuchung des umfassenden Bereichs der Memoria und dabei dem Zusammenhang von Memoria und politischer Macht besondere Aufmerksamkeit geschenkt habe. Während sich die Mittelalterforschung mittlerweile neben der herrscherlichen Memoria auch auf breiter Basis anderen sozialen Gruppen zugewandt hat, lag das Interesse der Frühneuzeitforschung bislang vor allem auf der monarchischen Memoria.

Der vorliegende Band macht es sich zur Aufgabe, die Memoria jener Personengruppen, die an der Machtausübung frühmoderner Herrschaftszusammenhänge bestimmenden Anteil hatten, zu untersuchen. Ziel der Beiträge ist es, die jeweils spezifisch ausgeformten Symbole und Praktiken der Memoria dieser Personengruppen im Hinblick auf ein vertieftes Verständnis der politischen Kultur der Frühen Neuzeit aufzuschließen und in ihrem Wandel zu erfassen. Dies soll vor dem Hintergrund der Diskussion der Frühneuzeitforschung um die seit einiger Zeit stärker gewichtete Rolle führender sozialer Gruppen in der Erfassung von Herrschaftszusammenhängen, besonders auch in der politischen Kultur der Stadt, geschehen. Zentral sind darum die Fragen nach der sozialen und politischen Integration sowie deren symbolischen Dimensionen. Die Konzentration des Werkes auf die Sepulkralkultur als bedeutenden Bereich der Memoria berücksichtigt die dem Thema geschuldete Interdisziplinarität des Herangehens, indem vor allem die Perspektiven der Epigraphik und der Kunstgeschichte herangezogen werden. So wird die Identifikation von Indikatoren, die im Bereich der Memoria auf soziale und politische Integration ausgerichtet sind, in einer breiten Analyse von Medien der Memoria, die Texte, Bilder, Orte und letztlich die Einbettung des Grabdenkmals in die jeweilige memoriale Gesamtkonfiguration umfaßt, angestrebt. Dabei bietet die europäische Perspektive die Möglichkeit der vergleichenden Betrachtung.

Die dreiteilige Gliederung des Bandes versammelt im ersten, mit „Statusdifferenz und Bestattungskultur“ überschriebenen Teil Beiträge, die die vielfältigen Ausdrucksformen der Sepulkralkultur in vornehmlich republikanisch bzw. aristokratisch strukturierten kleineren Gemeinwesen analysieren und dabei vor allem Statusdifferenzen betrachten.

Prägnant an den Anfang gestellt ist der Beitrag von Renate Kohn „Zwischen standesgemäßem Repräsentationsbedürfnis und Sorge um das Seelenheil. Die Entwicklung des frühneuzeitlichen Grabdenkmals“. Grundlegend für den gesamten Band werden hier zunächst die verschiedenen Typen von Denkmälern des Totengedächtnisses definiert und deren unterschiedliche, sich ergänzende Funktionen für die Memoria verdeutlicht. Es schließt sich eine Analyse der verschiedenen medialen Elemente von Totengedächtnismälern an, die im Hinblick auf den Ausdruck sozialer Identität wirksam werden konnten. So kamen dem Standort des Denkmals, dem Typus und der Ausführung, der bildlichen und inschriftlichen Gestaltung Bedeutung als Indikatoren der sozialen Differenzierung zu. Für die konkrete Untersuchung wurde die Grabmalform des Epitaphs ausgewählt, da dieses, so die Autorin, als an der Wand angebrachtes, vom Grab unabhängiges und durch die Vielfalt seiner Gestaltungsmöglichkeiten ausgezeichnetes Totengedächtnismal am besten zum gezielten Transport von Botschaften geeignet erscheine. Am Beispiel des von Kohn im Rahmen der österreichischen Inschriftenkommission erschlossenen Materials der Stadt Wien wird sodann gezeigt, welcher Ausdrucks- bzw. Darstellungsmöglichkeiten sich die Auftraggeber der Denkmäler bedienten, welche als objektive Indikatoren der sozialen Einordnung und als Spiegel subjektiven Selbstverständnisses faßbar sind. So stellen im Inschriftentext die Nennung des Standes, Berufsangaben und Wappen vergleichsweise verläßliche Hinweise für die soziale Einordnung des Verstorbenen dar, während etwa Größe und Ausstattung der Denkmäler nicht als ausschließliche Kriterien für soziale Differenzierung heranzuziehen sind. Die statistische Auswertung der in den Inschriften verwendeten Epitheta als Anzeichen für unauffällige Abweichungen von den gesellschaftlichen Normen erlaubt nach Kohn konkrete Aussagen. So lassen bestimmte, auf Herrenstand und Klerus beschränkte Beiworte auf deren relativ starke ständische Abgrenzung schließen, während die gemeinsame Verwendung von bestimmten Epitheta bei Ritterstand und Bürgertum auf die weniger scharfen Abgrenzungen zwischen diesen Gesellschaftsgruppen hindeuten. Insgesamt zeigt die Autorin, daß kaum an einzelnen Merkmalen, vielmehr aus dem Zusammenspiel aller informationstragenden Elemente eines Denkmals Aussagen zu sozialen und individuellen Positionsbestimmungen möglich sind. – Gudrun Andersson widmet sich in ihrem Aufsatz „Der Tod als Statusbekräftigung. Epitaphien und Gräber einer schwedischen Stadtelite 1650-1770“ der konkreten Untersuchung der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit im schwedischen Arboga als dem wichtigsten öffentlichen Gebäude der Stadt. In aufwendig gestalteten, den Kirchenraum dominierenden Epitaphien sowie in zusätzlichen, mit den Namen der Stifter versehenen Schenkungen von Leuchtern und Meßgewändern präsentierte die städtische Elite ihren Status. Dagegen waren die Gräber im Kirchenboden schlicht gestaltet, wobei allerdings der Bestattung im Chor ein höheres Prestige zukam. Erfaßt wird auch die Dimension des Wandels der Begräbnissitten im Verlauf des 18. Jahrhunderts, als der Friedhof zum neuen adäquaten Begräbnisort der städtischen Eliten wurde und dort neue, schlichtere Grabmalformen die Statusrepräsentation übernahmen. – Stefanie Knöll verdeutlicht in ihrem Beitrag „Geistesadel. Grabmonumente für Professoren in Oxford, Leiden und Tübingen im 17. Jahrhundert“, wie Grabmäler dieser speziellen sozialen Gruppe im Streben nach der am Adel orientierten Herausbildung und Darstellung einer exklusiven akademischen Gruppenidentität Bedeutung erlangten. Gregor Rohmann zeigt in seinem Aufsatz „Joachim Moller gründet ein Geschlecht. Erinnerungsräume im Hamburg des 16. und 17. Jahrhunderts“ das Spannungsfeld auf, in dem sich ein vornehmer Kaufmann und Ratsherr des 16. Jahrhunderts in der als offene Kaufmannsoligarchie charakterisierten Hamburger Gesellschaftsordnung in seiner Memoria zugleich in horizontaler Einbindung in das Honoratiorentum und in einer in die Zukunft gerichteten geburtsständisch begründeten Eliteposition zu verorten suchte. – Uwe Dörk befaßt sich unter dem Titel „Der Tod der Oberschichten. Zur Entwicklung der Funeral- und Sepulkralkultur in Ulm und Bern in der Frühen Neuzeit“ mit den Merkmalen der sogenannten ehrenhaften Bestattung. Er analysiert die hierfür in Patrizierstädten in Frage kommenden Personengruppen, die komplexen Bedeutungen der performativen Akte der Beisetzungen sowie die Grabmonumente und ihre Funktionen. Der Autor beobachtet den Wandel sepulkraler Kultur als Individualisierung und Pluralisierung der Formen, die schon seit dem frühen 18. Jahrhundert zum Verschwinden der Überhöhung städtischer Eliten im ausgeprägten Zeremoniell führten. – Helmut Maurer befaßt sich in seinem Beitrag „Zwischen Selbständigkeit und politischer Integration. Begräbniskultur und Residenzbildung im hohen Adel des deutschen Südwestens am Beispiel der Grafen von Zimmern“ mit einer Adelsgrablege. Ausgehend von der Einrichtung der Pfarrkirche in Meßkirch als Grablege der Herren von Zimmern im späten 14. Jahrhundert betrachtet er die Entwicklung dieses Familienbegräbnisses im Kontext des Aufstiegs der Dynastie, die 1538 als zentrales familiengeschichtliches Ereignis die Erhebung in den Grafenstand erfuhr. Der Autor wertet die beiden in Meßkirch erhaltenen monumentalen Bronzeepitaphien zweier Grafen von Zimmern aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Zusammenhang der zahlreichen gestalterischen Bemühungen, die im Rahmen der Residenzgründung der Repräsentation des adeligen Standes des Zimmerschen Geschlechts dienten. – Olaf Mörke vergleicht in seinem Aufsatz „Die Annäherung im Tod. Begräbnisse für fürstliche Statthalter und bürgerliche Militärs in der niederländischen Republik des 17. Jahrhunderts“ die Begräbnisse zweier hochrangiger Führungspersonen aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen. Für beide stellte der Bereich des Militärischen das gemeinsame zentrale Element der Repräsentationsgestaltung ihrer Beisetzungen dar.

Unter dem Titel „Zwischen Zentrum und Peripherie. Grablegen in europäischen Monarchien“ wendet sich der zweite Teil des Bandes monarchischen Gemeinwesen und ihren zentralen und dezentralen Orientierungspunkten für die Memoria zu.

In einem der beiden Beiträge zum Kirchenstaat fragt Martin Papenheim unter dem Titel „Caput Mundi – Caput Mortuorum. Rom als Stadt der Toten in der Neuzeit“ nach der Selbstdarstellung von Personen und Familien in der mit wechselnden Leitfiguren verbundenen Wahlmonarchie. – Arne Karsten betrachtet unter der Frage „Die Gleichschaltung der Eminenzen? Venezianische Kardinalsgrabmäler im Rom des 17. und 18. Jahrhunderts“ Kardinalsbegräbnisse als Bestattungen von Personen, die aus einem anderen Staat kommend, Leitungsfunktionen im Kirchenstaat übernommen hatten. – Ronald G. Asch analysiert in seinem Beitrag „Begräbniskultur zwischen Hauptstadt und Provinz. Englische Begräbnisse und Grabstätten im Umkreis des Hofes (ca. 1550 bis 1660)“ die komplexen Aspekte, die im Spannungsfeld zwischen einem exponierten hauptstädtischen Begräbnis und der kontinuitäts- und damit legitimitätsbetonten Bestattung am heimischen Landsitz für Statussicherung und Repräsentation des Adels von Belang waren. – Régis Bertrand wendet sich mit „Grabmäler des französischen Adels im Ancien Régime. Rechtlicher Status, soziale und politische Bedeutung“ einem offenbar wenig erschlossenen Bereich der Forschung zu, der nicht zuletzt wegen des Verlustes der Mehrzahl der frühneuzeitlichen Adelsgrabstätten in Frankreich problematisch ist. Es wird konstatiert, daß aufwendige Grabdenkmäler offenbar häufig nach den Kriterien der Verdienste der Verstorbenen für den Staat errichtet wurden und daß diese im Hinblick auf den Dienst für den König mit einer Vorbildfunktion verbunden waren. Diese Beobachtung läßt den Autor darauf schließen, daß die Stellung des Adels in Frankreich von einer deutlichen Unterordnung unter den Souverän gekennzeichnet war. – Unter dem Titel „Herrschaftsstäbe, Adelskreise und des Königs Rock. Vom Bestattungsverhalten der brandenburgischen Nobilität im 18. Jahrhundert“ geht Ewald Frie der Frage nach, warum es im Vergleich zu den für Wien skizzierten Befunden in den Kirchen Berlins nicht zu einer höfisch-aristokratisch geprägten Ordnung sepulkraler Repräsentation des brandenburgischen Adels kam. In der Analyse tritt der Adel weniger als Teilhaber an der monarchischen Regierung, sondern vielmehr als militärischer Dienstleister für den König hervor, der mit seinen Begräbnissen regional verhaftet und im Zentrum Berlin nur durch einzelne Vertreter präsent war.

Der dritte Teil des Bandes behandelt „Das Beispiel der Habsburgermonarchie“ und fragt für die verschiedenen Territorien nach dem Verhältnis von sozialer und politischer Integration und Sepulkralkultur.

Zuerst stellt Andreas Zajic in seinem Beitrag „Zwischen Zentrum und Peripherie. Memoria und politische Integration des niederösterreichischen Adels in Spätmittelalter und Früher Neuzeit“ die Entwicklung der adeligen Bestattung im Kernland Niederösterreich dar und behandelt dabei die vielfältigen Elemente der Repräsentation besonders in Wappen und Inschriften. – Ingeborg Schemper-Sparholz untersucht aus kunsthistorischer Perspektive in einem individualisierten Ansatz Einzelbeispiele von Grabmalstiftungen und fragt nach dem konkreten und situativ gebundenen Zustandekommen der einzelnen Denkmäler. Sie kann ergänzend zur symbolischen Dimension des Politischen Bedeutungszusammenhänge verdeutlichen, wie etwa die wichtige Rolle der Frau, die häufig als Auftraggeberin entscheidend nicht nur für die Errichtung ihres eigenen Grabdenkmals war. Zudem lassen sich unter diesem Ansatz Fragen nach der Einbettung des Grabdenkmals in eine umfassendere mediale Konfiguration, etwa für den Grad der Öffentlichkeit eines Denkmals behandeln. Daß dieses nicht nur durch den Ort seiner Aufstellung, sondern auch mittels graphischer Reproduktionen, detaillierter Beschreibungen und im Medium der Medaille publik gemacht wurde, kann die Autorin an prägnanten Beispielen darstellen. – „Adelsgräber im Wien des 18. Jahrhunderts. Beobachtungen zu einer Archäologie des adeligen Gedächtnisses“ lautet der Titel des Beitrags von Mark Hengerer. Vor dem Hintergrund der in zahlreichen Kirchen Wiens seit dem 17. Jahrhundert kontinuitätsgeprägten adeligen Memorialkultur wendet sich der Autor einem bislang kaum beachteten Aspekt zu. Er betrachtet unter dem Begriff der Heterochronie für das 18. Jahrhundert die zu bestimmten Zeitpunkten gegebene Altersstruktur der Grabdenkmäler in einer Kirche und verbindet diese, von der Situation in den Kirchen ausgehende Analyse mit dem Kontext vor allem genealogischer und historiographischer Zeugnisse. Deutlich wird der allgemeine Rückgang der Grabmalsetzung im 18. Jahrhundert innerhalb der Stadtmauern Wiens. Ebenso zeigt sich, daß soziale Heterogenität und Heterochronie des Grabmalbestandes sowie die Hofnähe der Kirchen wichtige Faktoren für die Wahl der Bestattungsorte des hohen Adels waren. Dieser distanzierte sich von den Begräbnissen des niederen Adels und zog trotz Heterochronie die unmittelbare Nähe des Hofes vor. – Für Böhmen behandelt Pavel Král „Tod, Begräbnisse und Gräber. Funeralrituale des böhmischen Adels als Mittel der Repräsentation und des Andenkens“. Der Autor zeigt, daß die performativen Akte der Beisetzung und die Formen ihrer Dokumentation in Beschreibungen der Begräbnisse und in Leichenpredigten einen gewichtigen Anteil am Konzept der Memoria des böhmischen Adels hatten. Die Wahl der Grabstätten war von der Familientradition und der konfessionellen Eignung der Grabstätte bestimmt. Ausgeprägtes adeliges, auf Böhmen gerichtetes Selbstbewußtsein zeigte sich in der vorrangigen Wahl der Begräbnisorte, die eng mit dem eigenen Dominium verbunden waren, während einzelne Träger von hohen Ämtern in der Identifikation mit dem Königtum ihr Begräbnis im Veitsdom in Prag erhielten. – In seiner Untersuchung zum mährischen Adel „Grablegen und Grabkapellen des mährischen Adels von der Renaissance bis zum Barock. Thesen zur Problematik“ kann Tomáš Knoz entsprechende Beobachtungen zur Wahl der Begräbnisorte anführen. Deutlich wird für die Entwicklung der sepulkralen Kultur in Mähren auch die Hervorhebung fürstlicher Begräbnisse in der Errichtung großer Familiengrüfte, die in beträchtlichem Maß von der Familiengruft der Habsburger in Wien beeinflußt waren. – Géza Pálffy erläutert in seinem Aufsatz „Die adelige Funeralkultur und Typen von Grabdenkmälern im Königreich Ungarn im 16. und 17. Jahrhundert“ für den ungarischen Adel ein den böhmischen und mährischen Verhältnissen vergleichbares Verhalten bezüglich der Bevorzugung von traditionsgeprägten Begräbnisorten, die mit dem Familienbesitz verbunden waren. Aufsteiger innerhalb der ungarischen politischen Elite wandten sich dagegen häufig den politischen Zentren wie Preßburg zu und errichteten ihre Begräbnisse im dortigen Dom St. Martin. Der Autor kann allerdings auch verdeutlichen, daß die allgemeinen Tendenzen keine ausnahmslos geltenden Normen bedeuteten, wenn er Beispiele für betont schlichte Begräbnisse anführt, die hochadelige Amtsträger auch gegen die Wünsche ihrer Familien wählten. Die Ausprägung vielfältiger Formen des Begräbnisses im 16. und 17. Jahrhundert spiegelt auch die Ausformung verschiedener Grabmaltypen. So stellte im 16. Jahrhundert das monumentale Wanddenkmal mit der Ganzfigur des Verstorbenen den repräsentativsten, vor allem für Magnaten und hohe Würdenträger errichteten Grabmaltyp dar. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts traten gegenüber den repräsentativen Formen die schlichteren barocken Epitaphien als bevorzugte Totengedächtnismäler in den Vordergrund.

Der vorliegende Sammelband wird mit den genannten Beiträgen seinem Ziel, der Untersuchung der Memoria von Gruppen, die an der frühmodernen Herrschaftsausübung Anteil hatten, in umfassender Weise gerecht. Irritierend wirkt darum der Obertitel des Werkes, der mit dem Begriff der Macht auf eine nicht im Vordergrund stehende thematische Gewichtung hindeutet. Memoria und Medialität stellen sich vielmehr als die zentralen Begriffe dar. Ebenso erschiene es angemessener, den problematischen Begriff der Oberschichten durch den der Eliten zu ersetzen. Desiderate, auf die mehrere Beiträge des Bandes hinweisen, hebt Mark Hengerer in seiner Einleitung hervor, wenn er auf die Bereiche Recht und Religion sowie das Spannungsverhältnis von Individuum und Familie hinweist. Dieses Verhältnis kam in Familiengrablegen auf ganz unterschiedliche Art zum Ausdruck, die von der Hervorhebung einzelner prominenter Familienmitglieder bis zu ungekennzeichneten Grabstätten in einem Verband reichten und verschiedene Formen genealogischer Visualisierung annehmen konnten. Von besonderem Interesse scheint die Anregung des Herausgebers, die dynamischen Elemente im Wandel der Bestattungskultur stärker in den Blick zu nehmen. Nicht nur für die hierbei angeführte Frage nach der Vernichtung älterer Grabdenkmäler und damit nach der temporalen Struktur von Grablegen hätte die archäologische Dimension des Forschungsgebietes betont werden können. Die Untersuchungen zeigen, daß die frühneuzeitliche Begräbniskultur im europäischen Bereich ein in seinen Differenzierungen doch einheitliches Ensemble symbolischer Formen darstellte, in dem „die Erinnerung an Personen immer neu im individuellen, familiären und politischen Bezugsrahmen“ (S. 6) abzustimmen war. Der Einfluß der geistlichen Institutionen, die die Begräbnisse aufnahmen, hätte hier stärker berücksichtigt werden können. Als vorzüglich ist zu werten, daß die Mehrzahl der Beiträge einen aussagekräftigen Abbildungsteil bieten. In der Gesamtsicht seien hier unter den vielfältigen Erkenntnissen des vorliegenden Werkes besonders die Analyse der bedeutungsstiftenden performativen Elemente der Beisetzungen und die Ergebnisse der Untersuchungen der komplexen Aspekte zur Wahl der Begräbnisorte hervorgehoben. In seinen vielfältigen vergleichenden Dimensionen und seiner interdisziplinären Anlage stellt der Band ein hervorragendes Beispiel dar für neue Wege moderner kulturgeschichtlicher Forschung.

Carola Fey, Gießen*

 

 

In fürstlichem Glanz. Der Dresdner Hof um 1600, hg. von Dirk Syndram und Antje Scherner, Mailand 2004 [Electa, Paperback, 319 S., zahlreiche Farbabb., 40 Euro].

 

Der Katalog „In fürstlichem Glanz. Der Dresdner Hof um 1600“ begleitete eine Gemeinschaftsausstellung des Grünen Gewölbes, des Kunstgewerbemuseums, der Rüstkammer und der Skulpturensammlung, die unter dem Titel „Pracht und Macht. Der Dresdner Hof um 1600“ vom 10. Juni bis 26. September 2004 in Hamburg im Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen war. Anschließend wurde die Ausstellung im Metropolitan Museum of Art in New York (26.10.2004-16.1.2005) und in der Fondazione Memmo im Palazzo Ruspoli in Rom (1.3.-29.4.2005) gezeigt. In diesem Kontext erschienen neben der deutschen eine englische sowie eine italienische Ausgabe des Ausstellungskataloges.

Die Sonderausstellung wurde möglich durch den Umzug der Dauerausstellung des Grünen Gewölbes, die bis Januar 2004 im Albertinum untergebracht war, an ihren historischen Standort im Dresdner Schloß. Ein Teil des Schatzkammerbestandes ist seit September 2004 im Neuen Grünen Gewölbe zu sehen. Der Hauptbestand wird ab Herbst 2006 in den rekonstruierten Räumen des Historischen Grünen Gewölbes, das von August dem Starken 1723-1729 als barockes Gesamtkunstwerk geschaffen worden war, zu bewundern sein. Die Bezeichnung „Grünes Gewölbe“ soll seit 1572 archivalisch belegt sein, als Kurfürst August die Schatzkammer in einem mit grün bemalten Stukkaturen ausgestatteten Raum untergebracht und für ein ausgewähltes Publikum zugänglich gemacht hatte.

Die Basis der Ausstellung „Pracht und Macht“ bildeten vorrangig Objekte, die von den sächsischen Kurfürsten in den Jahren 1580 bis 1620 erworben worden waren. Zu dieser Zeit gehörte das Kurfürstentum Sachsen zu den führenden Mächten Europas und stand an der Spitze der protestantischen Fraktion im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Die reich vorhandenen Bodenschätze und die damit verbundene verarbeitende Industrie hatten dem Land zu einer Wirtschaftsblüte verholfen. Es wurden vor allem Silber und Edelsteine gefördert.

Die Prosperität spiegelte sich in einer subtilen Hofkultur und einem ausgeprägten Mäzenatentum der verschiedenen Künste. Erwähnt sei die Einrichtung der Hofkapelle, die Musiker von internationalem Rang vereinte. Das ökonomische Potential wurde strategisch genutzt, indem es in politische Macht umgewandelt wurde. Die Kunst diente als instrumentum regni und wurde zur Herrschaftslegitimierung und -stabilisierung eingesetzt. Seit der Übertragung der Kurwürde auf die albertinische Linie der Wettiner 1547 bemühten sich die Kurfürsten stets um Rechtfertigung. Bereits Moritz von Sachsen hatte begonnen, die politischen Ansprüche in Kunstwerken zu visualisieren, wozu der Aus- und Umbau des Dresdner Schlosses zu einer Residenz im Renaissancestil zählt. Sein Bruder August erweiterte dieses Konzept zu einem System der Staatsrepräsentation und dynastischen Selbstinszenierung, in dessen Mittelpunkt das Sammlungswesen stand. Zu den ehrgeizigsten Projekten zählt das 1562 vollendete Moritzgrabmal im Freiberger Dom, das Analogien zu kaiserlichen Repräsentationsformen aufweist. Die Früchte der konsequent durchgeführten und staatlich kontrollierten Kunstpolitik waren in der Dresdner Kunst- und Rüstkammer zu bewundern, wo sie Ehrengästen vorgeführt wurden. Die kurfürstlichen Sammlungen gehörten zu den erlesensten in Europa. Sie standen in Konkurrenz, aber auch in unmittelbarem Austausch mit den Kollektionen Kaiser Rudolfs II. und Erzherzog Ferdinands II. von Tirol. Einen Eindruck dieses „fürstlichen Glanzes“ vermittelt der vorliegende Ausstellungsband, der sich in einen Aufsatz- und einen Katalogteil untergliedert.

Zur Einleitung wird ein Überblick [Jochen Vötsch] geboten über die historisch-politische Lage Kursachsens von der Leipziger Teilung 1485, die eine ernestinische und eine albertinische Linie der Wettiner begründete, bis zu den Anfangsjahren des Dreißigjährigen Krieges, der in die Regierungszeit Johann Georgs I. fiel. Nach den zahlreichen militärischen Unternehmungen unter Kurfürst Moritz setzte mit der 33 Jahre währenden Herrschaft seines Bruders und Nachfolgers August eine Zeit der Friedenswahrung und Konsolidierung ein. Die Person Kurfürst Augusts wird besonders hervorgehoben, da er die verschiedenen Sammlungen als Repräsentationsstrategie konzipierte und zugleich verfügte, daß sie als Regalien zum unveräußerlichen Besitz des Hauses Wettin gehören sollten. Auf die Bibliotheksgründung im Jahr 1556 folgte ab 1560 die Einrichtung der Kunstkammer und der systematische Aufbau einer Prunkwaffensammlung. Die Dresdner Kunstkammer war somit nach der Wiener die zweitälteste im Reich.

August kommt das besondere Verdienst zu, den von Moritz initiierten Kulturtransfer fortzuführen und auszubauen. Er beschäftigte zahlreiche italienische Künstler am kursächsischen Hof. In diesem Kontext sind insbesondere die Brüder Tola, die bereits 1550 auf Wunsch von Moritz gekommen waren, und Giovanni Maria Nosseni zu nennen. Nosseni [Jürgen Müller] folgte 1575 einem Ruf Augusts, der zunächst einen Steinschneider gesucht hatte, aber letztlich einen Hofkünstler mit umfassenden Kenntnissen und Fähigkeiten – d.h. ein Universalgenie im Sinne des Renaissanceideals – brauchte, um den Dresdner Hof auf internationales Niveau anheben zu können. Laut Bestallungsurkunde gehörten zu den Aufgaben Nossenis u.a. die Bildhauerei, Malerei, Portraitkunst, Architekturplanung sowie Konzeption und Organisation von Festen. Nosseni blieb bis zu seinem Tod 1620 in kursächsischem Dienst, so daß er die vier Kurfürsten begleitete, deren Regierungszeiten in die von der Ausstellung behandelte Kernzeit 1580-1620 fallen. Im Gegensatz zu den Wechselfällen auf politischer Ebene sorgte Nosseni für eine Kontinuität im künstlerischen Bereich. Als Kunstintendant richtete er die Hochzeitsfeierlichkeiten für Christian I. und dessen Sohn Johann Georg I. sowie zahlreiche Turniere, Maskeraden und Aufzüge mit großem Erfolg aus. Seine Vertrautheit mit poetischen und mythologischen Schriften zeigte sich in der allegorischen Ausgestaltung der Feste. Nosseni zeichnete verantwortlich für fast 50 Inventionen, die dazu beitrugen, den Dresdner Hof konkurrenzfähig zu machen. Sein Talent als Architekt konnte er unter Beweis stellen, als Christian I. an die Macht kam. Der neue Kurfürst überließ die Politik seinem Kanzler, Nicolaus Crell, und engagierte sich als ehrgeiziger Kunstförderer, der den Anschluß an die katholischen Herrscherhäuser, insbesondere die Habsburger, suchte und frühabsolutistische Repräsentationsformen ausbildete. Christian I. trat in einen künstlerisch-kulturellen Dialog mit den führenden Höfen Europas und konnte somit bedeutende Werke für die Dresdner Kunstkammer erwerben. Als besonders vorteilhaft erwies sich das freundschaftliche Verhältnis zum Großherzog der Toskana, Francesco I. de’ Medici, der ihm zum Regierungsantritt drei Kleinbronzen Giambolognas, dem renommiertesten Bildhauer seiner Zeit, schenkte und einen Schüler des Hofkünstlers, Carlo di Cesare, zur Ausstattung diverser Bauvorhaben auslieh. Ziel Christians I. war, Dresden zu einer wahren Residenz auszubauen, die den Vergleich mit anderen Machtzentren nicht zu scheuen brauchte. Er initiierte ein umfangreiches Bauprogramm, das neben der Erweiterung der Stadtbefestigung etliche Repräsentationsbauten wie z.B. den Langen Gang, das Portal des Kleinen Schloßhofes, das Pirnaische Tor, das Lusthaus auf der Neuen Bastei und die Grablege der Wettiner im Freiberger Dom umfaßte. An den letztgenannten Projekten war Nosseni maßgeblich beteiligt und rekurrierte auf florentinisches Formenrepertoire. Die Fortifikationsmaßnahmen standen ebenfalls unter italienischer Leitung. Hier war der Festungsingenieur Rocco di Linar federführend. Bereits für die erste Phase des Schloßausbaus – unter Kurfürst Moritz begonnen und von August fortgesetzt – waren Künstler und Handwerker aus Italien gerufen worden, die in das Stadtbild Stilelemente der Renaissance integrierten. Die italienische Präsenz in Dresden – die italianità – veranlaßte 1577 den venezianischen Gesandten, Giovanni Dolfin, zur Prägung der Bezeichnung altera Florentia. Damit war der Mythos als Elbflorenz geboren und wurde künftig sorgsam gepflegt.

Christian II. führte die Repräsentationsstrategien zur magnificentia principis fort. Seine Liebe zur Prachtentfaltung fand sowohl Ausdruck in kostbaren und virtuosen Stücken, die er für die kursächsische Kunst- und Rüstkammer erwarb, als auch in zahlreichen Festen, Turnieren und Jagden [Jutta Bäumel], die am Dresdner Hof veranstaltet wurden. Das Prunkkleid, das Johann Georg I. zum Regierungsantritt, trug, besticht nicht nur durch die der kostbaren Gold- und Seidenstickerei immanenten Materialikonologie, sondern vor allem durch die augenfällige Herrschaftsikonographie. Auf dem Mantel sind die Elblandschaft sowie die Stadtansichten von Dresden und Meißen dargestellt, wobei die Residenz mit allen Repräsentationsbauten vertreten ist. Die politische Aussage ist eindeutig: der Fürst als Träger des Mantels bildet das Zentrum des Reiches, und Herrschaftsgebiet und Volk, die ihn umhüllen, erfüllen eine dienende Funktion. Eine Allusion auf die Rolle des Herrschers als vicarius Dei ist intendiert.

Die höfische Festkultur bot eine willkommene Gelegenheit zur Repräsentation des Fürsten und der Dynastie sowie zur Inszenierung innen-, außen- und religionspolitischer Aussagen. Schloß und Stadt wurden zur Bühne für frühneuzeitliche Multimediaspektakel, die über Tage, zuweilen auch Wochen, hinweg die verschiedensten Divertissements aufboten. Das Standardprogramm umfaßte neben Lustbarkeiten wie Tanz, Theater, Konzerten, Schauessen, Maskeraden, Ritterspielen, Feuerwerken etc. auch Punkte, die auf eine Visualisierung des ökonomischen und militärischen Potentials zielten, wie Besuche der Kunst- und Rüstkammer, des Marstalls und Zeughauses. Die geladenen Ehrengäste – verwandte und befreundete Fürsten, Diplomaten etc. – waren integraler Bestandteil des Ereignisses, sowohl als Teilnehmer als auch als Publikum. Ihnen kam die wichtige Funktion eines Multiplikators zu, indem sie als Augenzeugen an andere Höfe Bericht erstatteten und somit die implizierten politischen Botschaften vermittelten. Ergänzt wurde dieses Kommunikationssystem durch die vielfältigen Festbeschreibungen, die in mehreren Sprachen gedruckt und mit Illustrationen versehen eine weiträumige Distribution erfuhren. Festberichte galten zudem als beliebtes Fürstengeschenk, da sie den Gastgeber glorifizierten und als ars memoriae fungierten.

Der Gedanke an die Nachwelt und die ewige Memoria des Fürstenhauses wirkte auch formgebend auf die Einrichtung von Kunst- und Rüstkammer. Unter Kurfürst August hatte die Dresdner Kunstkammer [Dirk Syndram] eher einer technologischen Wunderkammer geglichen, die nun von den drei folgenden Generationen gemäß der Empfehlungen Gabriel Kaltemarckts auf internationales Niveau angehoben wurde. Kaltemarckt hatte 1587 die Schrift Bedenken wie eine Kunst-Cammer aufzurichten seyn möchte herausgeben, in der er als Ziel die Etablierung innerhalb der ästhetischen Elite der europäischen Fürstenhöfe formuliert. Der kompetitive Charakter des Sammelns und seine Funktion als politisches Medium werden klar herausgestellt. Kaltemarckt setzt den Akzent auf den Erwerb von hochrangigen Bildwerken, die den Primat an Scientifica ablösen sollen. Zu diesem Zeitpunkt waren in der Dresdner Sammlung nur wenige Gemälde und Holzschnitte vertreten, die zudem fast ausschließlich von deutschen Künstlern stammten. Eine protestantische Reserviertheit gegenüber dem Bildwerk war nicht zu verkennen, die durch eine verstärkte Sammeltätigkeit im wissenschaftlich-technischen Bereich kompensiert wurde. Kurfürst Augusts Vorliebe für Technologie belegt das Kunstkammerinventar von 1587, in dem sich von insgesamt 9586 eingetragenen Exponaten 7353 auf Werkzeuge beziehen. In Auftrag gegebene Werkzeuge wiesen Ornamente sowie Initialen, Wappen und Inschriften auf, um dem Anspruch dynastischer Repräsentation zu genügen. Weitere 422 Objekte stellten wissenschaftlich-mathematische Instrumente und Uhren, die August vornehmlich aus Augsburg und Nürnberg kommen ließ. Sein besonderes Interesse erstreckte sich auch auf Instrumente aus Medizin, Vermessungswesen, Astronomie und Astrologie. Demnach betrug der Anteil an Werkzeugen und wissenschaftlichen Instrumenten 80% am Gesamtbestand. Der Sammlungsschwerpunkt reflektierte die Führungsposition Sachsens bei der Erz- und Metallförderung sowie die Verbreitung industrieller Produktionsweisen. Zugleich entsprach er einer Repräsentationsstrategie, denn die Erfassung von Raum und Zeit symbolisiert die Beherrschung der Welt. In allen Räumen der Kunstkammer waren technisch-wissenschaftliche Exponate zu besichtigen, die sich in räumlicher Nähe der Werke befanden, zu deren Herstellung sie dienten, und mit Fachbüchern der jeweiligen Disziplin ergänzt wurden. Einzigartig war das Privileg, das am Hof tätigen Künstlern und Wissenschaftlern gestattete, Gerätschaften auszuleihen und zu benutzen. Aufgrund der didaktisch orientierten Präsentation und des technologischen Fokus erwies sich die Dresdner Sammlung als äußerst innovativ und avancierte zum Vorläufer eines wissenschaftlich-technischen Museums.

Unmittelbar an die Kunstkammer schloß sich die Drechselwerkstatt an, in der der Kurfürst auch selbst tätig war. Das Drechseln galt als beliebter Zeitvertreib unter Fürsten, da aufgrund einer Interpretation der Welt als erstem Kugelwerk auf den göttlichen Schöpfungsprozeß angespielt und somit der Fürst in die direkte Nachfolge eines demiurgischen Gottes gestellt wurde. Des weiteren vereinen sich in den Elfenbeinarbeiten technische Innovation und künstlerische Virtuosität. Diese beiden Aspekte ergänzt um einen Überraschungseffekt wiesen Automaten auf. Aufgrund ihres Spielcharakters dienten sie dem Divertissement der Gäste. Christian II. erwarb 1610 einen Tischautomaten mit dem Motiv Diana auf dem Rücken eines Kentauren. Sobald das Gerät in Bewegung gesetzt wurde, schoß der Kentaur einen Pfeil ab. Der Gast, in dessen Richtung der Pfeil flog, mußte einen Trinkspruch ausbringen und seinen Becher leeren.

Einen traditionellen Programmpunkt des Festwesens bildeten Turniere [Heinz-Werner Lewerken]. Da es zu den Aufgaben des Gastgebers gehörte, für die Gäste Turnierausrüstungen bereitzustellen, war bei Hofe ein Mindestbestand an Rüstungen und Waffen erforderlich. Zudem erfuhren Waffen und Rüstungen zunehmend eine gesteigerte Wertschätzung als eigenständiges Sammelobjekt und Statussymbol. Georg der Bärtige hatte im Dresdner Schloß eine Harnischkammer begründet, die Leib-, Turnier- und Prunkwaffen verwahrte und damit den ältesten Bestand des albertinischen Sammlungswesens bildete. Da Waffen ein hervorragendes Medium der Herrschaftsrepräsentation waren, gehörte ihre Besichtigung zum Rundgang für Ehrengäste. Im Rahmen der Umbauarbeiten ab 1548 wurde die Harnischkammer in den Hausmannsturm verlegt, wo sie fortan auch symbolträchtige Objekte beherbergte, wie z.B. das Kurschwert von 1547, das die Übertragung der Kurwürde auf die Albertiner besiegelte. Vorteilhaft für das am Dresdner Hof stark ausgeprägte Turnier- und Festwesen war, daß die Teilnehmer sich zunächst im Hausmannsturm ausrüsten und dann über eine Rampe unmittelbar in den Schloßhof einziehen konnten.

Auch in diesem Bereich übernahm der kursächsische Hof eine Vorreiterrolle. August vollzog erste Schritte zu einer musealen Präsentation, indem er den Bestand ab 1561 regelmäßig inventarisieren ließ und besonders prächtige Exponate auf Holzpferden ausstellte. Der Kurfürst gab zahlreiche Prunkharnische und -waffen zur Bereicherung seiner Sammlung in Auftrag, für deren Herstellung er Plattner, Rüstmeister, Büchsenmeister sowie Gold- und Messerschmiede an den Hof holte. Als Christian I. die Regierung übernahm, war der Bestand auf das Zehnfache angewachsen und erforderte neue Räumlichkeiten. Von 1586-1588 wurde der Neue Stall errichtet, der zur Unterbringung von Marstall und Rüstkammer konzipiert war. Zu den Höhepunkten der Sammlung gehörten der vergoldete Prunkharnisch, den Herzog Carl Emanuel von Savoyen an Christian I. 1588 als Geschenk übersandt hatte, und der von Eliseus Libaerts 1563-1564 geschaffene Prunkharnisch für Mann und Roß, der im Auftrag des schwedischen Königs Erik XIV. entstand und als unübertroffenes Meisterwerk der Plattnerkunst gilt. Christian II. erwarb die Garnitur 1606 und mußte die enorme Summe von 8800 Gulden in Raten abbezahlen. Mit dem Umzug in das Stallgebäude erfolgte eine grobe Strukturierung der Exponate, und es wurden zwei thematisch bestimmte Räume eingerichtet, nämlich Kurkammer und Ungarische Kammer. Die Ungarische Kammer beherbergte orientalische Waffen, die als Beutestücke, Geschenke oder durch Ankäufe in die Sammlung gelangt waren. Die kostbare Ausstattung und aufwendige Verarbeitung osmanischer Waffen sprachen die fürstliche Neigung zur Prachtentfaltung an und machten sie zu einem begehrten Geschenkobjekt. Christian I. erhielt umfangreiche Geschenksendungen mit orientalischen Waffen von den Höfen in Mantua, Florenz und Turin. Seine Söhne Christian II. und Johann Georg I. wurden von den Habsburgern großzügig bedacht, um sich für militärischen Beistand zu bedanken bzw. der politischen Unterstützung durch Kursachsen zu versichern.

Am kursächsischen Hof waren Kombinationswaffen besonders beliebt, da sie technische Raffinesse mit handwerklicher Kunstfertigkeit und Erfindungsreichtum verbanden, wie z. B. der 1593 von Balthasar Hacker angefertigte Streithammer mit versenkbarer Stoßklinge. Er war reich dekoriert und nicht zum praktischen Gebrauch, sondern als kuriose Prunkwaffe konzipiert, deren Schlagkopf vier Werkzeuge vereinte. Die in der Kurkammer verwahrten Kurschwerter bildeten den Fokus reichspolitischer Repräsentation und Herrschaftslegitimierung. Außerdem waren dort edelsteinbesetzte Prunkwaffen- und Jagdgarnituren ausgestellt, die vorrangig Christian II. in Auftrag gegeben hatte. 1610 hatte er in Prag eine Garnitur im orientalischen Stil bestellt und ließ auf der Schabracke den eigenen Namen und die Titel mit Rubinen einlegen. Von den kostbaren Jagdwaffengarnituren war eine mit 351 Türkisen und eine andere mit 193 Smaragden besetzt.

Die sächsischen Kurfürsten nahmen hohe Verschuldungen in Kauf, um im Reigen der europäischen Potentaten mittanzen zu können, wobei sie sich stets am Habitus der Habsburger orientierten. Bereits Moritz hatte die kaiserliche Herrschaftsikonographie zur Grundlage genommen, um sie zu überformen und das Bild des Hercules Saxonicus zu schaffen. Seit August standen die Kurfürsten in besten Beziehungen zu den Habsburgen und erwiesen sich – ungeachtet der konfessionellen Differenz – loyal auf politischer und militärischer Ebene. Die Stabilität des freundschaftlichen Verhältnisses wurde durch einen intensiven Geschenkeaustausch zwischen beiden Herrscherhäusern und zahlreiche gegenseitige Besuche bezeugt. Zu den ikonographisch aussagekräftigsten Geschenken gehört die Bronzebüste Christians II., die Rudolf II. 1603 von Adriaen de Vries als Pendant zu seiner eigenen anfertigen ließ. Auf der Büste des Kaisers sind Omnipotentia und Merkur dargestellt, wohingegen sich auf der des Kurfürsten Pax und Concordia die Hände reichen. Es handelt sich um ein diplomatisches Geschenk, das einerseits die Verbundenheit mit dem Wettiner zum Ausdruck bringt, aber andererseits das kursächsische Machtstreben deutlich in seine Grenzen verweist.

Ausstellung und Katalog konzentrieren sich auf typische Kunstkammerobjekte, die nicht nur wertvoll, sondern zugleich auch virtuos, kurios und rar sind, wie Gold- und Silberschmiedearbeiten – oft in Verbindung mit Straußeneiern oder Nautilusschnecken –, Elfenbein- und Serpentinwerke, Kleinbronzen, Prunkkleider, Prunkrüstungen und -waffen, Uhren und Automaten. Bedeutende Medien genealogischer Repräsentation wie Gemälde, Medaillen oder Bücher finden keine Berücksichtigung.

Am Beispiel Dresdens läßt sich besonders deutlich die zunehmende Ästhetisierung der höfischen Welt verfolgen, die die Ausbildung frühabsolutistischer Formen begleitet. Die Politik der sächsischen Kurfürsten war seit der Übertragung der Kurwürde auf die albertinische Linie bestimmt durch ein starkes Legitimationsbedürfnis sowie das Bestreben nach einem Ausgleich zwischen der gesuchten Loyalität zum Kaiserhaus und der Wahrung der Führungsrolle unter den protestantischen Fürsten. Um den diversen Ansprüchen in der Selbstdarstellung entsprechen zu können, war ein komplexes System an Repräsentationsstrategien erforderlich, das sich am Status des Dresdner Hofes um 1600 ablesen läßt. Die formulierten Ziele einer Glorifizierung von Fürst und Dynastie sowie der Herrschaftslegitimierung und Memoria wurden erfolgreich visualisiert mittels der Repräsentationsarchitektur, der Kunst- und Rüstkammer und des Festwesens. Die Kunstpatronage befriedigte nicht nur vordergründig ein Prestigebedürfnis, sondern bildete ein unverzichtbares instrumentum regni.

Der Ausstellungskatalog bietet einen sehr guten Überblick über die Grundtendenzen, die das kursächsische Sammlungswesen um 1600 prägten und rückt zu Recht das lange Zeit leicht verächtlich betrachtete Kunsthandwerk in den Blickpunkt. Die hervorgegangenen Farbabbildungen bringen die kostbaren Materialien und die reichhaltigen Dekorationen gut zur Geltung, wobei Detailaufnahmen die künstlerische Virtuosität anschaulich machen. Stellenweise ergeben sich inhaltliche Redundanzen aufgrund von Überschneidungen in den einzelnen Beiträgen, die eventuell aus der Annahme resultieren, daß ein Ausstellungskatalog nicht vollständig, sondern eher punktuell gelesen wird. Wer an einer vertiefenden Lektüre zur kulturpolitischen und künstlerischen Entwicklung des Dresdner Hofes interessiert ist, dem seien folgende Titel empfohlen:

Elbflorenz. Italienische Präsenz in Dresden 16.-19. Jahrhundert, hg. von Barbara Marx, Amsterdam, Dresden 2000.

Eine gute Figur machen. Kostüm und Fest am Dresdner Hof, hg. von Claudia Schnitzer und Petra Hölscher, Amsterdam, Dresden 2000.

Kunst und Repräsentation am Dresdner Hof, hg. von Barbara Marx, München, Berlin 2005.


Watanabe-O’Kelly, Helen: Court Culture in Dresden. From Renaissance to Baroque, Basingstoke, New York 2002.

Evelyn Korsch, Venedig*

 

 

Ein zweigeteilter Ort? Hof und Stadt in der Frühen Neuzeit, hg. von Susanne Pils und Jan Paul Niederkorn, Innsbruck u.a. 2005 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Geschichte, 44) [Studien-Verlag, 271 S., kart., Ill., € 27,90].

 

Obwohl im programmatischen Entwurf für eine deutsche Residenzenforschung, den Hans Patze und Gerhard Streich 1982 vorstellten, durchaus bedacht[61], lagen die Beziehungen zwischen Stadt und Residenz lange nicht im Fokus der Forschung. Dies hat sich in den letzten Jahren merklich zu wandeln begonnen. Immer häufiger trägt man der Tatsache Rechnung, daß Residenzbildung und Hofhaltung auch einen Ort hatten und dieser in Spätmittelalter und Früher Neuzeit meist in oder nahe bei Städten zu finden war, woraus sich ein facettenreiches Neben-, In- und Gegeneinander zweier unterschiedlich fundierter und strukturierter Systeme ergab. So ist Ende 2001 an der Universität in Halle ein Forschungsprojekt eingerichtet worden, das sich mit diesem Themenfeld befaßt, wobei hier der an Residenzen reiche mitteldeutsche Raum im Zentrum des Interesses steht[62]. Und die Residenzen-Kommission hat 2004 der Thematik mit geweitetem geographischen Horizont ihr 9. Symposium gewidmet[63].

In diesen Forschungskontext fügt sich nun auch der hier anzuzeigende Band, der neben einer knappen Einleitung und einem Autorenverzeichnis insgesamt neun Beiträge umfaßt. Auf eine Synthese der Ergebnisse am Ende des Bandes und ein hilfreiches Register hat man leider – wie allzu oft bei Sammelbänden – verzichtet. Das Buch geht auf den achten Workshop des Arbeitskreises „Höfe des Hauses Österreich“ zurück, der im März 2003 in Wien abgehalten wurde. Unter der leitenden Frage, ob die Residenzstadt als ein ‚zweigeteilter Ort‘ zu begreifen ist, stehen die Beziehungen zwischen der Stadt Wien und dem Hof im 17. und 18. Jahrhundert im Blickpunkt, wenngleich einige Beiträge zeitlich und geographisch über diesen Rahmen hinausgreifen.

Dies gilt sogleich für die ersten beiden, unter die Sektionsüberschrift „Hof und Stadt – die Stadt als Residenz“ gestellten Texte. Jörg Wettlaufers Beitrag „Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich“ lotet Nutzungsmöglichkeiten des den Lesern dieser Zeitschrift gut bekannten Residenzenhandbuches aus, indem er die Handbuchartikel nach Aussagen über die Beziehungen zwischen Stadt und Stadtherrn befragt. Beachtlich ist trotz ebenfalls zu beobachtender friedlicher Koexistenz und für beide Seiten nutzbringender Kooperationen die Zahl dokumentierter Spannungen, wobei vor allem das besonders hohe Konfliktpotential in geistlichen Residenzstädten auffällt. Daß sich Stadt und Hof im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit häufig als eigenständige Sphären gegenüberstanden, wird in diesen Konflikten überaus deutlich; die große Zahl von Residenzen, in denen Stadt und Stadtherr miteinender rangen, wird man zweifellos treffend als ‚zweigeteilte Orte‘ beschreiben können. Ein anderes Bild entwirft hingegen Holger Th. Gräf. Anhand der kleinen hessischen Residenzen Arolsen und Butzbach geht er der Frage nach, ob Stadt und Schloß nicht als ein „Gehäuse“ zu begreifen sind, „in dem sich im Laufe der Frühneuzeit eine spezifische adelig-bürgerliche Mischkultur entwickelte, deren kultur- und gesellschaftsgeschichtliche Konsequenzen bis in das 19. und 20. Jahrhundert reichen“ (S. 29). Für seine beiden Fallbeispiele kann Gräf dies durchaus glaubhaft machen, wenngleich der Argumentation zuweilen ein breiteres sozial- und wirtschaftsgeschichtliches Fundament dienlich gewesen wäre. Der Beitrag lädt zu weiteren Fragen ein: Wie sieht es mit der beobachteten starken Verschränkung von Stadt und Hof aus, wenn man diese nicht schon allein aus der geringen Größe und Bedeutung der gewählten Fallbeispiele hinreichend erklären kann? Ist die in der Forschung meist betonte Eigenständigkeit der Bereiche in Residenzstädten von größerer topographischer, sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Komplexität gleichermaßen in Zweifel zu ziehen?

Schon die weiteren Beiträge des Bandes, die sich auf die Wiener Verhältnisse konzentrieren, sprechen eher dagegen. Sie lassen kaum Zweifel daran aufkommen, daß man hier von (mindestens) zwei eigenständigen Sphären sprechen kann, wenn es auch zwischen ihnen intensiven Austausch, Verzahnungen und zuweilen geradezu Abhängigkeiten gab. Solche werden vor allem im Beitrag von Andreas Weigl deutlich, der zu Beginn der zweiten Sektion „Hof-Wirtschaft – Das Werden einer Metropole“ nach der „Bedeutung des Wiener Hofes für die städtische Ökonomie in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts“ fragt. Er gelangt dabei – anders als Małecki in seiner Untersuchung über Krakau[64] – zu dem Schluß, daß die Rolle des Hofes außerordentlich hoch zu veranschlagen ist, und dies nicht nur für den vergleichsweise kleinen Kreis von Bediensteten und Handwerkern des Hofes oder lediglich für die Sektoren Bauwesen, Nahrungsmittel- und Textilproduktion. Vielmehr schreibt er der Hofökonomie insbesondere durch die Hebung des Massenkonsums eine starke Ausstrahlungskraft zu, die sogar über die Stadtwirtschaft Wiens hinausreichte. Als wesentliche Effekte expandierender Hofhaltung benennt Weigl die Erhöhung der Abgabenquote, eine forcierte Einbindung großer Bevölkerungsteile in Marktmechanismen und die Weckung neuer Konsumbedürfnisse, ferner unterstreicht er die Rolle des Hofes als Arbeitgeber. Allerdings basieren seine Resultate zu einem erheblichen Teil auf längeren Ketten von Annahmen und recht groben Schätzungen. Hier wünscht man sich zuweilen die Stabilisierung der Ergebnisse durch ein festeres Datenfundament. Den in der historischen Realität vermutlich eher geringen Unterschied zwischen Hofhandwerk und hofbefreitem Handwerk erläutert ein kurzer Beitrag von Herbert Haupt, bevor Peter Rauscher darauf hinweist, daß man angesichts des Wiener Judenghettos (1625-1670) nicht nur von einem zwei-, sondern treffender von einem dreigeteiltem Ort zu sprechen hat. Dabei geht es ihm jedoch weniger um eine Strukturanalyse der drei „Entitäten Juden – Hof – Stadt“ (S. 91), sondern um die Folgen von Interessenlagen und Handlungen einflußreicher Gruppen und Individuen auf die Lebensbedingungen der Wiener Juden. Deutlich wird in diesem Beitrag, daß die Juden von den Entscheidungsträgern der Stadt – wie andere vom Hof privilegierte Gruppen – als Teil des grundsätzlichen Interessenkonfliktes zwischen Hof und Stadt betrachtet und bekämpft wurden, und dies zuweilen sogar zum Schaden der Stadt.

Stützen schon die Beiträge zu wirtschaftsgeschichtlichen Aspekten eher die Deutung der Residenzstadt als eines ‚zweigeteilten Ortes‘, gilt dies noch mehr für die Beiträge der dritten Sektion „Die Stadt als Bühne“. Harald Tersch untersucht unter dem Titel „Zwei Bilder einer Stadt“ die Darstellung Wiens in der Reiseliteratur aus der Zeit um 1700. Deutlich wird die Trennung von Hofstatt und Stadt Wien, das Nebeneinander zweier Raumbilder, manifestiert in jeweils eigenen Beschreibungsmodi. Diese werden mit der Zeit veränderten Gegebenheiten angepaßt, jedoch ohne daß der Dualismus von Stadt und Hofstatt aufgelöst würde. Mit dem Alltag der Gesandten in Wien um 1700 befaßt sich Rouven Pons, der diese Bevölkerungsgruppe nicht nur als Bindeglied zwischen Wien und den delegierenden Territorien, sondern auch zwischen Stadt- und Hofgesellschaft interpretiert. Dem Bereich der Geschichte symbolischer Kommunikation ist der Beitrag „Der vermenschte Heiland“ von Martin Scheutz zuzuordnen, in dem Armenspeisung und Gründonnerstags-Fußwaschung am Wiener Kaiserhof untersucht werden. Kaiser und Kaiserin folgten hier dem Vorbild Christi und verstanden es so, sich durch inszenierte Erniedrigung zu erhöhen. Für das Zeremoniell wurden vor allem Bedürftige aus Wien ausgewählt, die kaiserliche Mildtätigkeit kann daher als Geste an die Residenzstadt gedeutet werden. Allerdings wären Scheutz’ Ausführungen auch ohne jenen Vorspann zur Theologie und Geschichte der Fußwaschung hinreichend verständlich und symbolgeschichtlich kontextualisierbar gewesen, in dem ein langer Bogen von den biblischen Grundlagen über mittelalterliche und frühneuzeitliche Praktiken bis hin zu Joseph Beuys’ Protestveranstaltungen an der Düsseldorfer Kunstakademie geschlagen wird.

Etwas einsam steht der kurze Beitrag von Thomas Just über „Bettler: Residenz und Armut“ unter der Sektionsüberschrift „Die Stadt und ihre Ränder“ da. Gleichwohl bildet die hier vorgeführte fehlende Zahlungsmoral des Hofes gegenüber den Wiener Armenstiftungen einen überaus aufschlußreichen Kontrast zu den mit viel Aufwand realisierten rituellen Armenspeisungen und Gründonnerstags-Fußwaschungen, die der vorstehende Beitrag schildert.

Die im Titel aufgeworfene Frage, ob die Residenzstadt als ‚zweigeteilter Ort‘ zu beschreiben ist, sieht man nach Lektüre des Bandes für das frühneuzeitliche Wien mit einem Ja beantwortet, und auch Jörg Wettlaufers Beobachtungen auf Grundlage einer großen Zahl von Fallbeispielen im alten Reich läßt in den Konfliktkonfigurationen eher die Eigenständigkeit der Sphären erkennen. Gleichwohl rät Gräfs Beitrag zur Vorsicht: Zumindest für die erhebliche Zahl kleiner Residenzen des 17. und 18. Jahrhunderts ist erst noch im Einzelfall zu prüfen, inwieweit man das Deutungsschema des ‚zweigeteilten Ortes‘ auf diese übertragen kann. Weiteren Aufschluß wird man vielleicht schon gewinnen können, wenn diesem Buch demnächst der Sammelband zum 9. Symposium der Residenzen-Kommission an die Seite gestellt wird.

 

Matthias Meinhardt, Halle (Saale)*

 

 


Nolte, Cordula: Familie, Hof und Herrschaft. Das verwandtschaftliche Beziehungs- und Kommunikationsnetz der Reichsfürsten am Beispiel der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach (1440–1530), Ostfildern 2005 (Mittelalter-Forschungen, 11) [Jan Thorbecke Verlag, 472 S., geb., 49 Euro].

 

Die im 15. und frühen 16. Jahrhundert entstandenen Familienbriefe der Markgrafen von Brandenburg sind bislang noch nie Gegenstand einer umfassenden, monographischen Untersuchung gewesen. Dies ist zweifellos erstaunlich, denn daß es sich dabei im Hinblick auf Qualität wie Quantität um ein außergewöhnliches Quellenkorpus handelt, ist seit langem bekannt. Zwar haben Korrespondenzen gerade in jüngerer Zeit die verstärkte Aufmerksamkeit der mediävistischen Forschung gefunden, und insbesondere der Briefwechsel des Markgrafen und Kurfürsten Albrecht Achilles (gest. 1486) ist bereits des öfteren in unterschiedlichen Zusammenhängen herangezogen worden, doch es sei wiederholt: Eine umfassende Auswertung fehlte bislang.

So hat sich Cordula Nolte, mittlerweile Lehrstuhlinhaberin in Bremen, mit ihrer 2002 an der Universität Greifswald eingereichten und nunmehr im Druck vorgelegten Habilitationsschrift einem wahren Forschungsdesiderat zugewandt[65]. Die Autorin, die schon in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe kleinerer Beiträge zum Thema publiziert hat, will am Beispiel der brandenburgischen Markgrafen „die fürstliche Familie als soziale Gruppe in den Blick […] nehmen“ (S. 14). Es geht ihr darum, „wie die Angehörigen fürstlicher Familien im Übergang vom Mittelalter zur Frühneuzeit ihre Beziehungen untereinander – innerhalb der Familie, Dynastie, Verwandtschaft – gestalteten“. Das „Beziehungshandeln dieser Gruppe“ sieht sie als „Teil fürstlicher Politik und Herrschaftspraxis“ (S. 13). Im Sinne der Verflechtungsanalyse Wolfgang Reinhards, die hier qualitativ zu verstehen ist, will sich die Autorin auf „zentrale Stränge“ des familiären und verwandtschaftlichen „Gesamtnetzes“ konzentrieren und dabei dem „regierenden Familienoberhaupt“ als der „zentralen Figur des Systems“ und des „Beziehungs- und Kommunikationsnetzes“ besondere Aufmerksamkeit schenken (S. 17). Ausdrücklich knüpft sie an die Historische Familienforschung, an die Historische Anthropologie und an die Frauen- und Geschlechtergeschichte an, die bekanntlich vielfach miteinander verwoben sind, ebenso an die Kommunikations- und Briefforschung sowie die Hof- und Residenzenforschung. Sie ordnet sich damit auch in die jüngeren Arbeiten zu hochadligen Familien im späten Mittelalter ein – erinnert sei allein an die einschlägigen Monographien von Karl-Heinz Spieß und Jörg Rogge[66]. Gerade letzterer hat sich am Beispiel der Wettiner teilweise mit ähnlichen Fragen beschäftigt.

Der Untersuchungszeitraum beginnt mit dem Tod Friedrichs I. (VI.) im Jahre 1440, der als Burggraf von Nürnberg erstmals die brandenburgische Kurwürde erlangte. Die Arbeit endet im wesentlichen um 1530 mit dem Tod Markgraf Casimirs (1527) und dem Übergang der Herrschaft in den fränkischen Gebieten auf dessen Bruder Georg (gest. 1545), beide Urenkel Friedrichs I. Da sich die personen- und dynastiegeschichtliche Betrachtungsweise nur schwer in ein zeitliches Korsett zwängen läßt, fügt die Autorin immer wieder auch zeitliche Vor- und Rückgriffe ein. Sie berücksichtigt im übrigen die gesamte hohenzollersche Dynastie, beschränkt sich also nicht – wie es der Untertitel des Buches („[…] von Brandenburg-Ansbach“) möglicherweise suggerieren könnte – auf Franken, sondern richtet den Blick auch auf die Mark Brandenburg. Gerade der Vergleich zwischen den beiden weit voneinander entfernten und in mancher Hinsicht unterschiedlich strukturierten Herrschaftskomplexen klingt an mehreren Stellen der Untersuchung an. Ebenso spielt auch die Aufspaltung in verschiedene dynastische Linien eine Rolle, die sich – gewissermaßen ex post betrachtet – in der Generation der Söhne des Markgrafen Albrecht Achilles vollzog: Zwischen der fränkischen Linie mit den Markgrafen Friedrich d.Ä., Casimir und Georg, der brandenburgischen Linie mit den Kurfürsten Johann und Joachim I. und der preußischen Linie mit dem Hochmeister (ab 1525 Herzog) Albrecht ist im endenden 15. und frühen 16. Jahrhundert ein Wechselspiel von partikularen und gesamtfamiliären Interessen zu beobachten. Andere Dynastien – zum Beispiel die Herzöge von Sachsen, die Grafen von Württemberg und die Grafen von Henneberg-Schleusingen – finden im Rahmen des Konnubiums Berücksichtigung und werden auch sonst punktuell zum Vergleich herangezogen.

Cordula Nolte hat die hohenzollersche Familienkorrespondenz umfassend gesichtet, was bereits an sich eine beachtenswerte Leistung darstellt. Gerade die komplexe und nicht leicht überschaubare Editions- und Überlieferungssituation hat die Bearbeitung in der Vergangenheit immer wieder erschwert: Zwar liegen zahlreiche Briefe gedruckt vor, doch sind sie auf eine Vielzahl qualitativ sehr unterschiedlicher Editionen verteilt. Zusätzlich hat die Autorin die nicht geringe ungedruckte Überlieferung erschlossen, die vor allem in Berlin, Nürnberg und Bamberg, daneben zum Beispiel auch in Stuttgart, Meiningen und Dresden zu finden ist. Den Korrespondenzen treten viele weitere Quellen zur Seite: Urkunden und Verträge, Hofordnungen, Inventare usw.

Den Gang ihrer Untersuchung hat Cordula Nolte in vier Kapitel gegliedert, die grob mit den Begriffen Familie und Dynastie (S. 41–147), Hof und Haushalt (S. 149–199), Raum (S. 201–312) sowie Kommunikation (S. 313–373) zu umreißen sind. Am Anfang stehen die Rahmenbedingungen: die politische Rolle der Markgrafen im Reich, die „Familienordnung“, die Stellung des einzelnen im verwandtschaftlichen Gefüge sowie die „Doppelherrschaft“ in Franken und in der Mark Brandenburg. Den Schwerpunkt dieses ersten Teils bilden Ausführungen zur „dynastischen Politik“ der Hohenzollern, also zur Herrschaftsnachfolge, zum Konnubium und zur Versorgung von Nachkommen mittels geistlicher Pfründen.

Der zweite Hauptabschnitt thematisiert zum einen Höfe und Residenzen im Vergleich zwischen Franken und der Mark, wobei die Autorin an die Arbeiten von Reinhard Seyboth, Karl-Heinz Ahrens u.a. anschließt: Der „Nutzung eines ganzen Netzes von Höfen“ (S. 157) im Süden stand im Nordosten die sich bereits unter Kurfürst Friedrich II. (resign. 1470, gest. 1471) verfestigende Residenzfunktion Berlins gegenüber. Zum anderen geht es um die fürstlichen Haushalte als „Organisationsformen und Konstellationen des familialen Zusammenlebens“ (S. 167), d.h. um die Leitung des Haushalts, ökonomische Aspekte, Versorgungspflichten und ‑ansprüche und schließlich die Vernetzung fürstlicher Haushalte durch die Delegierung von Erziehungsaufgaben an räumlich entfernt lebende Verwandte, was nicht nur Söhne, sondern auch Töchter betraf.

Unter der Überschrift „Raumbezüge und Sozialtopographie“ wendet sich Cordula Nolte sodann den sozialen und architektonischen Bezügen des höfischen Raumes und ihrer gegenseitigen Verschränkung zu. In der ersten Hälfte geht sie auf bauliche Strukturen und Wohnverhältnisse der Residenzen ein und widmet sich ausführlich dem „Frauenzimmer“ in der doppelten Bedeutung der Frauenwohnräume und der personellen Umgebung der Fürstin. Die zweite Hälfte des Kapitels beschäftigt sich mit Grenzen und Übergängen zwischen Innen und Außen, zwischen höfischer Integration und Distanzierung, zwischen Öffentlichkeit und Nichtöffentlichkeit am Hof. Besonderes Gewicht erhalten zwei Fallstudien über die Gefangensetzung Markgräfin Barbaras (gest. 1515), einer Tochter des Albrecht Achilles, durch ihre Brüder ab 1493 sowie über die Entmachtung Markgraf Friedrichs d.Ä. (gest. 1536) durch seine Söhne im Jahre 1515 und seine bis 1528 währende Inhaftierung. An Hand dieser Konflikte, die zeitweilig zur räumlichen und sozialen Isolierung der betroffenen Familienmitglieder auf der oberfränkischen Plassenburg führten, werden vor allem Verständigung und Fraktionsbildung innerhalb der Familie dargestellt.

Der vierte Teil geht schließlich den Formen der Kommunikation nach und analysiert die überlieferte hohenzollersche Korrespondenz auf sprachlicher Ebene. Behandelt wird einerseits das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Andererseits geht es um den Ausdruck emotional geprägter Haltungen und Reaktionen, wie zum Beispiel Aggressionen, Bitten, Zuneigung, Trauer und Trost.

Abschließend faßt Cordula Nolte die Ergebnisse ihrer Überlegungen zusammen (S. 375–389). Sie arbeitet dabei noch einmal drei Elemente heraus, die das Handeln des einzelnen wie der Gruppe der fürstlichen Familie vielfach bestimmt hätten: das Streben nach bzw. die Abwehr von sozialer, ökonomischer und politischer Partizipation, die Rangordnung sowie das Wechselspiel von Nähe und Distanz.

Cordula Nolte hat eine gelungene, interessante, wichtige Arbeit vorgelegt, die zweifellos eine intensive Rezeption seitens der Adels- und Hofforschung erfahren wird. Ihr um die Begriffe „Familie“, „Hof“ und „Herrschaft“ kreisendes Konzept, das die personengeschichtliche Mikroebene mit sozialen und politischen Strukturen verbindet, erweist sich als geeignet, um die inner- und zwischendynastischen Beziehungen und die Formen fürstlicher Soziabilität zu interpretieren. Zudem wirkt die Darstellung auf weite Strecken sehr anschaulich.

Nicht das geringste Verdienst der Arbeit wäre es, weitere Fragen anzuregen. Wenn Cordula Nolte beispielsweise das Frauenzimmer als „Personengruppe“ beschreibt, die „in einem Verhältnis besonderer Nähe nicht nur zur Fürstin persönlich, sondern zur fürstlichen Familie, ja zur ganzen Dynastie stand“ (S. 246), so ist damit auch das generelle Thema der höfischen Nähe zum Fürsten angesprochen, das für männliche Hofangehörige ebenso zu analysieren wäre. Überhaupt sind die personellen Verflechtungen an den markgräflichen Höfen noch keineswegs vollständig erforscht. Und schließlich ist die Aufforderung Cordula Noltes zu unterstreichen, auch die Beziehungsgeflechte anderer Dynastien zu untersuchen, um „die Landschaft von fürstlichen Familien, Dynastien und Höfen im Detail und in ihrer Diversität zu kartographieren“ (S. 388 f.). Das vorgestellte Buch leistet dazu einen wichtigen Beitrag.

 

Sven Rabeler, Kiel*

 



Neuerscheinungen

 

 

Adams, T.: Medieval mothers and their children. The case of Isabeau of Bavaria, in: Childhood in the middle ages and the renaissance. The results of a paradigm shift in the history of mentality, hg. von A. Classen, Berlin u.a. 2005.

Ahl, I.: Humanistische Politik zwischen Reformation und Gegenreformation. Der Fürsten-spiegel des Jakob Omphalius, Stuttgart 2004 (Frankfurt Historische Abhandlungen, 44) [Franz Steiner Verlag, 349 S., geb., 65 Euro].

Akasoy, A.: A Baghdad court in Constantinople/Istanbul, in: Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung 10,2 (2005) S. 136-147.

Alexandre-Bidon, D.: Une archéologie du goût. Céramique et consommation – Moyen Âge-Temps modernes, Paris 2005 [Picard, 304 S., brosch., 103 sw-Abb., 24 farb. Abb., 55 Euro].

„Alle Erinnerung ist Gegenwart“. Die Hohenzollerngruft und ihre Sarkophage. Geschichte – Bedeutung – Erhaltung, hg. vom Dom zu Berlin und dem Landesdenkmalamt Berlin, Berlin 2005 [Deutscher Kunstverlag, 252 S., geb.,  200 sw-Abb., 40 farb. Abb., 25 Euro].

Architecture and the Politics of Gender in Early Modern Europe, hg. von H. Hills, Aldershot 2003 [Ashgate, 232 S., kart., zahlr. Abb., 49,50£].

Arndt, S.: Humanistische Bildung und Adel. Die Löwensteinische Stipendiatenstiftung aus dem Jahr 1536, in: Zeitschrift des Vereins für hessische Landesgeschichte 110 (2005) S. 63-82.

Asch, R. G.: Religiöse Selbstinszenierung im Zeitalter der Glaubenskriege. Adel und Konfession in Westeuropa, in: Historisches Jahrbuch 125 (2005) S. 67-100.

Der Augsburger Religionsfriede 1555. Ein Epochenereignis und seine regionale Verankerung, hg. von W. Wüst, G. Kreuzer und N. Schümann, Augsburg 2005 (Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben (ZHVS), 98) [Wißner-Verlag, 416 S., geb., 46 Abb., 25 Euro].

Babendererde, C.: Sterben, Tod, Begräbnis und liturgisches Gedächtnis bei weltlichen Reichsfürsten des Spätmittelalters, Ostfildern 2006 (Residenzenforschung, 19) [Thorbecke, 304 S., Ln., 44 Euro] – Bestellformular unten S. 129.

Baldassare Pistorini, Kurz gefaßte Beschreibung des Palastes, Sitzes der Erlauchtesten Fürsten von Bayern. Descrittione compendiosa del Palagio sede de’ Serenissimi di Baviera hg. und komm. von L. Longo-Endres, dt. Übers. von J. Zimmer, München 2006 (Quellen zur Neueren Geschichte Bayerns. IV: Reiseberichte, 2) [Kommission für Bayerische Landesgeschichte, 45+199 S., 5 Abb., 1 Beilage, 24 Euro].

Baldzuhn, M.: ‚Cato‘ bei Hofe. Transformation eines Schultextes in den Händen adeliger Laien, in: Archiv für Kulturgeschichte 87 (2005) S. 315-349.

Beltrán, V.: La corte de babel. Lenguas, poética y política en la Espaňa del siglo XIII, Madrid 2005 (Biblioteca románica hispánica, 2: Estudios y ensayos, 143) [Gredos, 341 S., 18 Euro].

Berger, E.: Historische Gärten Österreichs. Garten- und Parkanlagen von der Renaissance bis um 1930, Bd. 1: Niederösterreich, Burgenland, Bd. 2: Oberösterreich, Salzburg, Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Tirol, Bd. 3: Wien, Wien u.a. 2002, 2003, 2004 [Böhlau, Ln., Bd. 1: 747 S., 660 sw-Abb., 89 Euro; Bd. 2: 750 S., 800 sw-Abb., 89 Euro; Bd. 3: 569 S., 411 sw-Abb., 89 Euro].

Berger, J.: Europäische Aufklärung und höfische Sozialisation. Prinzenerziehung in Gotha und Weimar, in: Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Ein Herrscher im Zeitalter der Aufklärung, hg. von W. Greiling, A. Klinger und C. Köhler, Köln u.a. 2005, S. 201-226.

Berger, J.: „Herr“scherin auf Abruf. Handlungsspielräume einer kleinstaatlichen Regentin am Ende des Alten Reiches,  in: Handlungsspielräume von Frauen um 1800, hg. von J. Frindte und S. Westphal, Heidelberg 2005, S. 293-310.

Berger, J.: Kaiser, Hof und Reich in der frühen Neuzeit. Neue Forschungsergebnisse und Perspektiven, in: Majestas 13 (2005) S. 209-223.

Bergholz, T.: Kein ander Spiel als Trommen und Pfeifen. Der Zusammenhang zwischen Militär- und Hochzeitsmusik anhand zweier Mandate der Markgrafen Georg Friedrich und Ernst von Baden aus den Jahren 1597 und 1606, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 152 (2004) S. 235-244.

Bernini in Paris. Das Tagebuch des Paul Fréart de Chantelou über den Aufenthalt Gianlorenzo Berninis am Hof Ludwig XIV., hg. von P. Schneider und P. Zitzlsperger, Berlin 2006 [Akademie Verlag, 500 S., geb., 80 Abb., 49,80 Euro].

Die Beziehungen Herzog Albrechts von Preußen zu Städten, Bürgertum und Adel im westlichen Preußen (1525-1554). Regesten aus dem Herzoglichen Briefarchiv und den Ostpreußischen Folianten, bearb. von U. Benninghoven, Köln u.a. 2005 (Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz, Unterreihe: Herzog Albrecht von Preußen und Livland, 48,1-2) [Böhlau, 1700 S., geb., 218 Euro].

Bihrer, A.: Zur Verfassungs- und Sozialgeschichte der Stadt Konstanz in der Mitte des 14. Jahrhunderts, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 153 (2005) S. 181-220.

Biller, T. u.a.: Le château de Fleckenstein, Regensburg 2003 (Burgen, Schlösser und Wehr-bauten in Mitteleuropa) [Schnell&Steiner, 64 S., geheft., 5 sw-Abb., 54 farb. Abb., 6,50 Euro].

Bini, M., Bertocci, S.: Castelli di pietre. Aspetti formali et materiali dei castelli crociati nell’area di Petra in Transgiordania, Florenz 2004 [Polistampa, 240 S., geb., 24 Euro].

Blanning, T. C. W.: Das Alte Europa 1660-1789. Kultur der Macht und Macht der Kultur, übers. von M. Carbe, München 2006 [Oxford University Press/Lizenzausgabe Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 516 S., Fadenheftung, geb., 1 sw-Abb., 5 Tab., 29,90 Euro].

Blécon, J.; Fontainebleau 1538-1542. Nouvelles données sur la Grande basse-cour, in: Bulletin Monumental 163,3 (2005) S.211ff.

Blockmans, W.: Von der Stratifikation zur Gestalt. Der Paradigmenwechsel in der Stadtgeschichte der Niederlande, in: Stadt und Region. Internationale Forschungen und Perspektiven. Kolloquium für Peter Johanek, hg. von H. Duchhardt und W. Reininghaus, Köln 2005, S.1-11.

Blockmans, W.: The stages of new political regimes: the transformation of capital cities, in: European Review 13 (2005) S. 33-45.

Bojcov, M. A.: Wie der Kaiser seine Krone aus den Füßen des Papstes empfing, in: Zeitschrift für historische Forschung 32 (2005) S. 163-198.

Borkowska, U.: Marital Contracts of the House of Jagiellon, in: Majestas 13 (2005) S. 75-93.

Bornemann, M., Soltys, B.: Torhäuser öffnen Türen, Ludwigsburg 2005 [Wasmuth Verlag, 96 S., kart., 84 meist farb. Abb., 14,90 Euro].

Brandstätter, K.: Der Hof unterwegs. Zum Aufenthalt Friedrichs IV. von Österreich in Wiener Neustadt 1412/1413, in: Tirol – Österreich – Italien. Festschrift für Josef Riedmann zum 65. Geburtstag, hg. von K. Brandstätter und J. Hörmann, Insbruck 2005, S. 109-140.

Brebeck, W. E.: Die Wewelsburg. Geschichte und Bauwerk im Überblick, München 2006 [Deutscher Kunstverlag, 96 S., brosch., 17 sw-Abb., 27 farb. Abb., 7 Euro].

Breckling, F.: Autobiographie. Ein frühneuzeitliches Ego-Dokument im Spannungsfeld von Spiritualität, redikalem Pietismus und Theosophie, Tübingen 2005 (Frühe Neuzeit, 109) [Niemeyer, 170 S., Ln., 44 Euro].

Brinkman, H.: De Grammont à Bruges. Le „vénérable gentilhomme“ Jan van Hulst, poète, chanteur et intermédiaire culturel, in: Publication du Centre européen d’études bourguignonnes 45 (2005) S. 129-141.

Brunel, G.: Images du pouvoir royal. Les chartes décorées des Archives nationales XIIIe-XVe siècle, Paris 2005 [Somogy, 256 S., brosch., 162 Abb., 30 Euro].

Buc, P.: L’ambiguité du livre. Prince, pouvoir et peuple dans les commentaires de la bible au Moyen Âge, 2. Aufl., Paris 2006 (Théologie historique, 95) [Beauchesne, 427 S., brosch., 43,45 Euro].

Buchholzer-Rémy, L.: Une ville en ses réseaux: Nuremberg à la fin du Moyen Âge, Paris 2006 [Belin, 384 S., 29 Euro].

Bünz, E.: „... mehr Grüße, als Pfaffen in Würzburg leben ...“ Klerus und geistliche Institutionen im Spätmittelalter, in: Würzburger Diözesan-Geschichtsblätter 67 (2005) S. 25-62.

Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau. I. Nördlicher Teil. Halbband L-Z, hg. von A. Zettler und T. Zotz, Ostfildern 2006 (Archäologie und Geschichte – Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland, 15) [Thorbecke, 336 S., Ln., zahlr. Abb., 69 Euro].

Büschel, H.: Der Kult um deutsche Monarchen 1770-1830, Göttingen 2006 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 220) [Vandenhoeck & Ruprecht, 488 S., Ln., 7 Abb., 69 Euro].

Bussmann, B.: Die Historisierung der Herrscherbilder (ca. 1000-1200), Köln u.a. 2006 (Europäische Geschichtsdarstellungen, 13) [Böhlau, 416 S., geb., 58 sw-Abb., 54,90 Euro].

Cadre de vie et manières d’habiter (XIIe-XVIe siècle). Colloque de la Société d’Archéologie Médiévale, Texte zusammengest. von D. Alexandre-Bidon, F. Piponnier und J.-M. Poisson, Caen 2006 [Brepols, 336 S., 42,40 Euro].

Aus dem Inhalt:

Poklewski-Koziell, T.: Le création du bourg de Dabrowno-Gilgenburg (XIVe siècle). La plantification d’un nouvel espace humain; Chapelot, O., Rieth, B.: Dénomination et réparation des espaces. Les résidences des comtes d’Artois en Île-de-France (fin XIIIe-1ère moitié du XIVe siècle); Bon, P.: Un écrin de dentelle et de couleur. La notion d’ensemble décoratif: la résidence princière de Mehun-sur-Yèvre.

Le Château et la Nature. Actes des Rencontres d’Archéologie et d’Histoire en Périgord les 24, 25 et 26 Septembre 2004, hg. von A.-M. Cocula und M. Combet, Pessac 2005 (Scripta varia, 11) [Ausonius, 372 S., kart., 30 Euro].

Le château ‚La Fontaine‘ de Pierre-Ernest de Mansfeld à Luxembourg. Actes du colloque du 17 au 18 mai 2004 au Musée international d’histoire et d’art Luxembourg, Luxembourg 2004 (Hémecht, 56,4).

Mousset, J.-L.: En guise d’introduction. Historique et enjeux de la recherche sur le château de Pierre Ernest de Mansfeld, S. 375ff.; Janssens, G.: Le comte Pierre-Ernest de Mansfeld, loyal serviteur de Charles Quint et de Philippe II et la guerre aux Pays-Bas. Une esquisse biographique, S. 379ff.; Schoellen, M.: Le parc à gibier et les jardins „La Fontaine“ à Clausen. Genèse et mise en scène d’un topos, S. 389; Paulke, M.: Die Entwicklung der Mansfeldanlage in den letzten zweihundert Jahren anhand historischer Abbildungen und Pläne, S. 403ff.; Borggrefe, H.: Ouvertüre der mitteleuropäischen Renaissancearchitektur und des lutherischen Bilderstreites. Die Grafen von Mansfeld im 16. Jahrhundert, S. 413ff.; De Jonge, K.: La place du château de Mansfeld dans la Renaissance des anciens Pays-Bas, S. 433ff.; Scholer, O.: Architecture imaginaire ou architecture de rêve au château de Mansfeld d’après Jean-Guillaume Wiltheim (La marque de Hans Vredeman de Vries), S. 451ff.; Martens, P.: Pierre-Ernest de Mansfeld et les ingénieurs et architectes militaires, S. 475ff.; Demeter, S.: L’hôtel de Mansfeld à Bruxelles. Etat de la question avant étude archéologique, S. 497ff.

Christout, M.-F.: Le Ballet de Cour de Louis XIV. 1643-1672, überarb. Ausgab., Paris 2005 [Picard, 324 S., brosch., 59 Abb., 38 Euro].

Clerq, W. de, Mortier, S., Pype, P.: La ville neuve de Middleburg en Flandre et son château, in: Château Gaillard 22 (2006).

Corpus der mittelalterlichen Holzskulptur und Tafelmalerei in Schleswig-Holstein, Bd. 1: Hansestadt Lübeck, Sankt Annen-Museum, hg. von U. Albrecht, Kiel 2005 [Verlag Ludwig, 664 S., geb., 337 sw-Abb., 464 farb. Abb., 49 Euro].

Coups d’État à la fin du Moyen Âge? Aux fondements du pouvoir politique en Europe occidentale, hg. von F. Forond, J.-P. Genet, J. Manuel und N. Soria, Madrid 2005 (Collection de la Casa de Velázquez, 91) [Casa de Velázquez, 644 S., brosch., 40 Euro].

Czövek, Z.: A Source of the History of Hungarian Royal Treasure from 1521, in: Majestas 13 (2005), S. 95-116.

Damen, M.: The Nerve Centre of Political Networks? The Burgundian Court and the Integration of Holland and Zeeland into the Burgundian State, 1425-1477, in: The Court as a Stage. England and the Low Countries in the Later Middle Ages, hg. von S. Gunn und A. Janse, Woodbridge 2006, S. 70-84.

Dasler, C.: Strukturmerkmale des hochmittelalterlichen Reiches im Spiegel der Wildbannverleihungen, in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 113 (2005) S. 330-348.

Dauer, H.: Schloßbaukunst des Barock von Anhalt-Zerbst, Köln 2001 [Böhlau, 382 S., geb., 193 teils farb. Abb., 19,95 Euro].

Debatten über die Legitimation von Herrschaft. Politische Sprachen in der Frühen Neuzeit, hg. von L. Schorn-Schütte und S. Tode, Berlin 2006 (Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel, 19) [Akademie Verlag, 200 S., geb., 49,80 Euro].

Demandt, A.: Sieben Siegel. Essays zur Kulturgeschichte, Köln u.a. 2005 (Historica Minora, 3) [Böhlau, 337 S., geb., 34,90 Euro].

Demel, W.: Die Spezifika des europäischen Adels. Erste Überlegungen zu einem globalhistorischen Thema, in: Selbstverständnis – Selbstdarstellung – Selbstbehauptung, München 2005 (Zeitenblicke, 4,3): http://www.dipp.zeitenblicke.de/2005/3/Demel [17.03.2006].

Dirlmeier, U., Fuhrmann, B.: Räumliche Aspekte sozialer Ungleichheit in der spätmittelalterlichen Stadt, in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 92,4 (2005) S. 424-439.

Dopsch, H.: Kaiser Sigmund und König Albrecht II. Zwei Herrscher des Spätmittelalters auf gotischen Flügelaltären in Tirol, in: Tirol – Österreich – Italien. Festschrift für Josef Ried-mann zum 65. Geburtstag, hg. von K. Brandstätter und J. Hörmann, Insbruck 2005, S. 183-200.

Dorgerloh, H., Scherf, M.: Preußische Residenzen. Königliche Schlösser und Gärten in Berlin und Brandenburg, München u.a. 2005 [Deutscher Kunstverlag, 160 S., brosch., 10 sw-Abb., 207 farb. Abb., 24,90 Euro].

Draskóczy, I.: Die Besitztümer der ungarischen Königinnen im 15. Jahrhundert und Diósgyör, in: Majestas 13 (2005) S. 65-74.

Droste, H.: Im Dienst der Krone. Schwedische Diplomaten im 17. Jahrhundert, Bd. 2, Münster 2006 [Lit Verlag, 432 S., brosch., 39,90 Euro].

Duindam, J.: Vienna and Versailles. Materials for further fomparison and some conclusions, in: Selbstverständnis – Selbstdarstellung – Selbstbehauptung, München 2005 (Zeitenblicke, 4,3): http://www.dipp.zeitenblicke.de/2005/3/Duindam [17.03.2006].

Düselder, H., Sommerfeld, O.: Adel an der Peripherie? Kultur und Herrschaft des niederen Adels in Nordwestdeutschland. Bericht über ein Forschungs- und Ausstellungsprojekt der Universität Osnabrück und des Niedersächsischen Freilichtmuseums Museumsdorf Cloppenburg, in: Selbstverständnis – Selbstdarstellung – Selbstbehauptung, München 2005 (Zeitenblicke, 4,3): http://www.dipp.zeitenblicke.de/2005/3/Dueselder [17.03.2006].

Emich, B.: Territoriale Integration in der Frühen Neuzeit. Ferrara und der Kirchenstaat, Köln u.a. 2005 [Böhlau, 1178 S., geb., 3 sw-Abb., 99,90 Euro].

Emich, B., Reinhardt, N., Thiessen, H. von: Stand und Perspektiven der Patronageforschung. Zugleich eine Antwort auf Heiko Droste, in: Zeitschrift für historische Forschung 32 (2005) S. 233-265.

Ergebene Diener ihrer Herren? Herrschaftsvermittlung im alten Europa, hg. von S. Brakensiek und H. Wunder, Köln u.a. 2005 [Böhlau, 321 S., geb., 4 sw-Abb., 44,90 Euro].

Erkens, F.-R.: Gebildete Höflinge und ungebildeter König. Gedanken über den Hof Konrads II., in: Bayerische Geschichte. Landesgeschichte in Bayern. Festschrift für Alois Schmid zum 60. Geburtstag, 2 Bde., hg. von R. Ackermann und H. Rumschittel. Red.: S. Deutinger, München 2005 (Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, 68,1-2), hier Bd. 1, S. 305-335.

Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Ein Herrscher im Zeitalter der Aufklärung, hg. von W. Greiling, A. Klinger und C. Köhler, Köln u.a. 2005 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen. Kleine Reihe, 15) [Böhlau, 421 S., geb., 27 sw-Abb., 44,90 Euro].

Europa im späten Mittelalter, hg. von R. C. Schwinges, C. Hesse und P. Moraw, München 2006 (Historische Zeitschrift, Beiheft 40). [Oldenbourg, 622 S., kart., 31 sw-Abb., 79,80 Euro].

Aus dem Inhalt:

Moraw, P.: Europa im späten Mittelalter. Einige Grundlagen und Grundfragen, S. 3ff.; Oschema, P.: Europa in der mediävistischen Forschung – eine Skizze, S. 11ff.; Contamine, P.: La royauté française à la fin du Moyen Âge. Modèles, pratiques et circonstances, 35ff.: Rubin, M.: Religiöse Symbole und politische Kulturen im spätmittelalterlichen England, S. 51ff.; Isenmann, E.: König oder Monarch? Aspekte der Regierung und Verfassung des römisch-deutschen Reichs um die Mitte des 15. Jahrhunderts, S. 71ff.: Herbers, K.: Peripherie oder Zentrum? Spanien zwischen Europa und Afrika, S. 99ff.; Riis, T.: Skandinavien im Spätmittelalter. Zwei Königreiche und eine halbe Republik, S. 125ff.; Schimmelpfennig, B.: Der Kirchenstaat im späten Mittelalter; S. 145ff.; Chittolini, G.: Gli stati cittadini italiani, S. 153ff.; Schwinges, R. C.: Bern, die Eidgenossen und Europa im späten Mittelalter, S. 167ff.; Härtel, R.: Politik – Politische Geographie, Monarchien, Alternativen. Zusammenfassung und Kommentar, S. 191ff.; Stein, R.: Stände und Staat in den Niederlanden, S. 205ff.; Gawlas, S.: Polen – eine Ständegesellschaft an der Peripherie des lateinischen Europa, S. 237ff.; Hesse, C.: Elitenbildung in den Fürstentümern des spätmittelalterlichen Reiches, S. 263ff.; Richard, O.: Die städtischen Eliten im Spätmittelalter, S. 291ff.; Naegle, G.: Im Dienst von König und Königreich? Französische „officiers“ im Spätmittelalter, S. 313ff.; Schmieder, F.: Städte im spätmittelalterlichen Reich als Ort und Motor gesellschaftlichen Wandels. Alte Gruppen – neue Gruppen – verschiedene Gruppen, S. 339ff.; Gilomen, H.-J.: Wirtschaftliche Eliten im spätmittelalterlichen Reich, S. 357ff.; Haverkamp, A.: Gesellschaft – Stände, Eliten, Gruppen. Zusammenfassung und Kommentar, S. 385ff.; Paravicini, W.: Gab es eine einheitliche Adelskultur Europas im späten Mittelalter?, S. 401ff.; Spiess, K.-H.: Europa heiratet. Kommunikation und Kulturtransfer im Kontext europäischer Königsheiraten des Spätmittelalters, S. 435ff.; Fouquet, G.: „Kaufleute auf Reisen“. Sprachliche Verständigung im Europa des 14. und 15. Jahrhunderts, S. 465ff.; Landolt, O.: Mobilität und Verkehr im europäischen Spätmittelalter. Mit besonderer Berücksichtigung der Verkehrspolitik innerhalb der Eidgenossenschaft, S. 489ff.; Baeriswyl, A.: Innovation und Mobilität im Spiegel der materiellen Kultur – archäologische Funde und historische Fragestellung. Ein Versuch, S. 511ff.; Kurmann, P.: „Stararchitekten“ des 14. und 15. Jahrhunderts im europäischen Kontext, S. 539ff.; Verger, J.: Les études, facteur de mobilité sociale en Europe à la fin du Moyen Âge?, S. 559ff.; Marchal, G. P.: Europäische Kulturen – Mobilität, Kunst- und Bildungstransfer. Zusammenfassung und Kommentar, S. 569ff.; Schieffer, R.: Wachstumsphasen des lateinischen Europa 800-1200, S. 591ff.; Duchhardt, H.: Das Vermächtnis des Spätmittelalters an die Frühe Neuzeit. Aspekte und Schlaglichter, S. 605ff.

Fietze, K.: Im Gefolge Dianas. Frauen und höfische Jagd im Mittelalter (1200-1500), Köln u.a. 2005 (Beihefte zum Archiv für Kulturgeschichte, 59) [Böhlau, 176 S., geb., 16 sw-Abb., 14 farb. Abb., 29,90 Euro].

Florian, C.: Graf Eberhard der Milde von Württemberg (1392-1417). Frieden und Bündnisse als Mittel der Politik, Ostfildern 2006 (Tübinger Bausteine zur Landesgeschichte, 6) [Thorbecke, 352 S., geb., 1 Grafik, 1 Karte, zahlr. Tab., 24,90 Euro].

Neue Forschungen zum frühen Burgenbau, hg. von der Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern in Verbindung mit dem Germanischen Nationalmuseum. Red. H.-H. Häffner, München 2006 (Forschungen zu Burgen und Schlössern, 9) [Deutscher Kunstverlag, 274 S., geb., 208 sw-Abb., 1 farb. Abb, 4 Farbtafeln, 48 Euro].

Fössel, A.: The Queen’s Wealth in the Middle Ages, in: Majestas 13 (2005), S. 23-45.

France. Bayern. Bayern und Frankreich. Wege und Begegnungen. 1000 Jahre bayerisch-französische Beziehungen, Waakirchen 2006 [Oreos Verlag, 480 S., geb., 380 farb. Abb., 48 Euro].

Fremde Herrscher. Elitentransfer und politische Integration im Ostseeraum (15.-18. Jahrhundert), hg. von D. Höffker und G. Zeilinger, Frankfurt am Main u.a. 2006 (Kieler Werkstücke. Reihe G: Beiträge zur Frühen Neuzeit, 3) [Peter Lang, 130 S., kart., 27,50 Euro].

Aus dem Inhalt:

Höffker, D., Zeilinger, G.: Fremde Herrscher im Ostseeraum (15.-18. Jahrhundert). Eine Einleitung, S. 11-19; Zeilinger, G.: Als wir nach schickung des allmechtigen gotes in diese vnsere reiche gekomen sein. Herrschaft und Hof Christophs von Bayern in Skandinavien (1440-1448), S. 21-42; Burkhardt, M.: Zwischen Räten und Reichen – Christian von Oldenburg auf dem Weg zu den Thronen der Kalmarer Union, S. 43-69; Ziemlewska, A.: Katholischer Vasa und schwedischer Jagiellone – Sigismund III. (1566-1632) auf dem polnischen Thron, S. 71-81; Höffker, D.: Erbprinz und Wahlkönig. Friedrich von Hessen-Kassel als schwedischer König 1720-1751, S. 83-111; Piirimäe, P.: Foreign rulers in the Baltic area, c. 1400-1720. Some general observations, S. 129-127.

Frie, E.: Adel um 1800. Oben bleiben?, in: Selbstverständnis – Selbstdarstellung – Selbstbe-hauptung, München 2005 (Zeitenblicke, 4,3): http://www.dipp.zeitenblicke.de/2005/3/Frie [17.03.2006].

In fürstlichem Glanz. Der Dresdner Hof um 1600, hg. von Dirk Syndram und Antje Scherner, Mailand 2004 [Electa, 319 S., kart., zahlr. Farbabb., 40 Euro] – Besprechung oben S. 94.

Garnier, C.: ‚Wer meinen Herren ehrt, den ehre ich billig auch‘. Symbolische Kommuni-kationsformen bei Gesandtenempfängen am Moskauer Hof im 16. und 17. Jahrhundert, in: Jahrbuch für Kommunikationsgeschichte 7 (2005) S. 27-51.

Gautschi, A., Suter, H.: Vom Jagen, Trinken und Regieren. Reminiszenzen aus dem Leben des Kurfürsten Johann Sigismund von Brandenburg, nach alten Briefen zitiert, Limburg 2005 [C. A. Starke Verlag, 750 S., geb., zahlr. Abb., 24,50 Euro].

Gelungene Anpassung? Adelige Antworten auf gesellschaftliche Wandlungsvorgänge vom 14. bis zum 16. Jahrhundert, hg. von H. Carl und S. Lorenz, Ostfildern 2005 (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, 53) [Thorbecke, 208 S., geb., 1 Abb., 34,90 Euro].

Germain, R: Chartes de franchises et fortifications au duché de Bourbon, Gannat 2006 [Gannat Édition, 602 S., geb., 49 Euro].

Ghermani, N.: Construire le corps du prince. Représentations symboliques et pratiques politiques dans l’Allemagne du XVIe siècle, in: Bulletin d’Information de la Mission Historique Française en Allemagne 41 (2005) S. 237-243.

Ghermani, N.: Une difficile représentation? Les portraits de princes calvinistes dans l’Empire allemand à la fin du XVIe siècle, in: Revue Historique 635 (2005), S. 561-591.

Giesey, R. E.: Rulership in France, 15th-17th Centuries, Aldershot 2004 [Ashgate, 350 S., geb., 19 sw-Abb., 57,50 £].

Glatzel, K., Hellwig, B., Schmitt, R.: Schloß Neuenburg, Freyburg-Unstrut, München 2005 (DKV-Kunstführer, 516) [Deutscher Kunstverlag, 47 S., geheftet, 2 sw-Abb., 20 farb. Abb., 2,50 Euro].

Gorter-Van Royen, L.: Les Habsbourg et l’héritage musical bourguignon, in: Publication du Centre européen d’études bourguignonnes 45 (2005) S. 39-53.

Göse, F.: Rittergut – Garnision – Residenz. Studien zur Sozialstruktur und politischen Wirksamkeit des brandenburgischen Adels 1648-1763, Berlin 2005 [Berliner Wissen-schafts-Verlag, 560 S., kart., 68 Euro].

Grijp, L. P.: La chanson néerlandaise dans la tradition bourguignonne. Problèmes de reconstruction dans le chansonnier de Maestricht (1554), in: Publication du Centre européen d’études bourguignonnes 45 (2005) S. 237-245.

Grillmeyer, S.: Habsburgs Diener in Post und Politik. Das „Haus“ Thurn und Taxis zwischen 1745 und 1867, Mainz 2005 (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz. Abt. für Universalgeschichte, 194) [Philipp von Zabern, 562 S., geb., 13 sw-Abb., 55,50 Euro].

Grossmann, G. U.: Burgen in Europa, Darmstadt 2005 [Schnell&Steiner, Lizenzausgabe Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 288 S., Fadenheftung, zahlr. farb. Abb., 49,90 Euro].

Grote, H.-H.: Schloß Wolfenbüttel. Residenz der Herzöge zu Braunschweig und Lüneburg, Braunschweig 2005 [Appelhans, 256 S., geb., 212 teils farb. Abb., 24,80 Euro].

Guillaume, J.: Le château de Bonnivet. Entre Blois et Chambord: le chaînon manquant de la première Renaissance, Paris 2005 [Picard, 160 S., 245 teils farb. Abb., 38 Euro].

Haag, N.: Gescheiterte Gegenreformation. Adelige Herrschaft – bäuerlicher Widerstand – fürstliche Klientel (Heinsheim 1603/04), in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 153 (2005) S. 379ff.

Hahn, S.: Fulda – „Zur Zierde der Stadt“. Bauten und Bauaufgaben im 18. Jahrhundert, Petersberg 2006 [Imhof, 200 S., geb., 235 teils farb. Abb., 19,95 Euro].

Hassmann, E.: Von Katterburg zu Schönbrunn: die Geschichte Schönbrunns bis Kaiser Leopold I., Wien 2004 [Böhlau, 662 S., geb., 156 sw-Abb, 24 farb. Abb., 69 Euro].

Hattenhauer, H.: „Unxerunt Salomonem“ – Kaiserkrönung Napoleons I. am 2. Dezember 1804, in: Recht – Kultur – Finanzen. Festschrift für Reinhard Mußgnug zum 70. Geburtstag am 26. Oktober 2005, hg. von K. Grupp u.a., Heidelberg 2005, S. 629-652.

Haye, T.: Die Armagnaken, das Elsaß, der Heidelberger Hof und die Apathie des Reiches – eine unbekannte Lateinische Invektive des Jahres 1444, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 153 (2005) S. 241-274.

Heilig – Römisch – Deutsch. Das Reich im mittelalterlichen Europa, hg. von B. Schneid-müller und S. Weinfurter, Dresden 2006 [Sandstein, 467 S., geb., 40 Euro].

Aus dem Inhalt:

Schneidmüller, B., Weinfurter, S.: Vorwort, S. 7-9; Schneidmüller, B.: Magdeburg und das geträumte Reich des Mittelalters, S. 10-43; Schieffer, R.: Konzepte des Kaisertums, S. 44-56; Fögen, M. T.: Römisches Recht und Rombilder im östlichen und westlichen Mittelalter; Borgolte, M.: Die vielen Kulturen in den mittelalterlichen Kaiserreichen, S. 84-100; Ehlers, J.: Imperium und Nationsbildung im europäischen Vergleich, S. 101-108; Althoff, G.: Die Deutschen und ihr mittelalterliches Reich, S. 119-132; Fillitz, H.: Die Reichskleinodien – Ein Versuch zur Erklärung ihrer Entstehung und Entwicklung, S. 133-161; Bergmann, R.: Deutsche Sprache und römisches Recht im Mittelalter, S, 162-184; Müller, U.: Das mittelalterliche Reich in der deutschen Literatur des Mittelalters, S. 185-226; Schwinges, R. C.: Das Reich im gelehrten Europa. Ein Essay aus personengeschichtlicher Perspektive, S. 227-250; Moeglin, J.-M.: Der Blick von Frankreich auf das mittelalterliche Reich, S. 251-265; Gawlas, S.: Der Blick von Polen auf das mittelalterliche Reich, S. 266-285; Keller, H.: Das Blick von Italien auf das „römische“ Imperium und seine „deutschen“ Kaiser, S. 286-307; Puhle, M.: Die Hanse, Nordeuropa und das mittelalterliche Reich, S. 308-322; Fouquet, G.: Das Reich in den europäischen Wirtschaftsräumen des Mittelalters, S. 323-341; Kintzinger, M.: Zeichen und Imaginationen des Reichs, S. 345-371; Niehr, K.: Zeichen des mittelalterlichen Reichs? Speyer – Königslutter – Prag, S. 372-398; Saurma-Jeltsch, L. E.: Das mittelalterliche Reich in der Reichsstadt, S. 399-439; Moraw, P.: Das Reich im mittelalterlichen Europa, S. 440-450; Weinfurter, S.: Vorstellungen und Wirklichkeiten vom Reich des Mittelalters. Gedanken und Resümee, S. 451-474.

Heiss, U., Kranz, A., Metzger, C.: Landsitze Augsburger Patrizier, München 2006 [Deutscher Kunstverlag, 208 S., geb., 50 sw-Abb., 150 farb. Abb., 49,90 Euro].

Hensler, I.: Ritter und Sarrazin. Zur Beziehung von Fremd und Eigen in der hochmittelalterlichen Tradition der „Chansons de geste“, Köln u.a. 2006 (Beihefte zum Archiv für Kulturgeschichte, 62) [Böhlau, 472 S., geb., 59,90 Euro].

Herbers, K., Neuhaus, H.: Das Heilige Römische Reich. Schauplätze einer tausendjährigen Geschichte (843-1806), Köln u.a. 2005 [Böhlau, 343 S., geb., 38 farb. Abb., 34,90 Euro].

Herrmann, D.: Der Zerbster Schloßgarten und seine Gebäude. Die Entwicklung eines bedeutenden Barockensembles um das Residenzschloß, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 14 (2005) S. 298-347.

Herrschaftspraxis und soziale Ordnungen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Gedenkschrift für Ernst Schubert, hg. von P. Aufgebauer und C. van den Heuvel, unter Mitarb. von B. Bei der Wieden, S. Graf und G. Streich, Hannover 2006 [Hahnsche Buchhandlung, 592 S., geb., 35 Euro].

Heusinger, S. von: Scharf(f)enbergs welfischer Stammbaum (1582-1589), in: Braunschweigisches Jahrbuch für Landesgeschichte 86 (2005) S. 171-177.

Histoire du Corps, hg. von A. Corbin, J.-J. Courtine und G. Vigarello, Bd. 1: De la Renaissance aux Lumières, Bd. 2: De la Révolution à la Grande Guerre, Bd. 3: Les mutations du regard. Le XXe siècle, Paris 2005, 2006 [Seuil, geb., Bd. 1: 573 S., 40 Euro, Bd. 2: 442 S., 35 Euro, Bd. 3: 522 S., 39 Euro].

Hlaváček, I.: Italiener am luxemburgischen Hof unter Karl IV. (nach dem Ausweis urkundlicher Zeugenreihen), in: Tirol – Österreich – Italien. Festschrift für Josef Riedmann zum 65. Geburtstag, hg. von K. Brandstätter und J. Hörmann, Insbruck 2005, S. 347-358.

Höfler, J.: Der Palazzo Ducale in Urbino unter den Montefeltro (1376-1508). Neue Forschungen zur Bau- und Ausstattungsgeschichte, Regensburg 2004 [Schnell & Steiner, 349 S., geb., 32 Abb., 36 Tafeln, 59 Euro].

Hofkultur in Frankreich und Europa im Spätmittelalter. La culture de cour en France et en Europe à la Fin du Moyen Âge, hg. von C. Freigang und J.-C. Schmitt, unter Mitarb. von C. Blondeau, A.-F. Köllermann, L. Steens-Vauxion und S. Witt, Berlin 2006 [Akademie Verlag, 451 S., geb., 134 sw-Abb. und 14 farb. Abb., 49,80 Euro].

Aus dem Inhalt:

Paravicini, W.: Hören und Sehen – der Hofkultur zum Geleit, S. 1-3; Freigang, C., Schmitt, J.-C.: Einleitung, S. 7-25; Clouzot, M.: Le fou, l’homme sauvage et le prince à la cour de France et de Bourgogne aux XIVe et XVe siècles, S. 29-50; Steens-Vauxion, L.: La musique dans la mise en scène du pouvoir en Angleterre à la fin du moyen âge: peut-on réellement parler d’influence bourguignonne?, S. 51-64; Buettner, B.: Le don en représentation (résumé de communication), S. 65-71; Eichberger, D.: Illustrierte Festzüge für das Haus Habsburg-Burgund: Idee und Wirklichkeit, S. 73-98; Legaré, A.-M.: Charlotte de Savoie (v. 1442-1483) „aimoit fort la lecture et les livres ...“, S. 101-121; Hofmann, M.: Jean Poyer im Spektrum seiner Auftraggeber, S. 123-138; Witt, S.: Le Lobby Polinois – Stiftungen und Skulpturen der Sluter-Nachfolge in der Franche-Comté, S. 139-160; Kurmann-Schwarz, B.: Vitraux commandités par la Cour. Le vitrail et les autres arts: ressemblances et dissemblances, S. 161-182; Blondeau, C.: Imiter le Prince? La diffusion des Faits et Gestes d’Alexandre de Vasque de Lucène à la cour de Bourgogne, S. 185-208; Freigang, C.: Fantasie et Ymaginacion: Selbstreflexion von Höfischkeit am provençalischen Hof unter Réne I., S. 209-243; Straub, K.: Les Douze Dames de Rhétorique – Ein höfisches [sic!] Traktat über die Rhetorik, S. 245-261; Mühlethaler, J.-C.: Culture de clerc et réalité curiale: le séjour d’honneur d’Octovien de Saint-Gelais ou les failles de l’idéal, S. 263-286; Schlicht, M.: Un ‚scandale‘ architectural vers 1300 – L’intervention de Philippe le Bel dans les choix formels de l’architecture de Saint-Louis de Poissy, S. 289-325; Leistenschneider, E.: Die Grabkapellen des 14. Jahrhunderts im Querhaus von Saint-Denis, S. 327-347; Fehrmann, A.: Das Grabmalskonzept am Hof Heinrichs V. und Heinrichs VI. von England und der englische Anspruch auf den französischen Thron, S. 349-373; Köllermann, A.-F.: „Toutes ces chôses la (...) on les voit bien peintes et enluminées“. Die Dynastie der Montfort im Missale der Nanteser Karmeliter (Garrett Ms. 40 der Universitätsbibliothek zu Princeton), S. 375-402; Brach-mann, C.: Le songe du Pastourel de Jean du Prier: une chronique allégorisée au service de la mémoire lorraine de la bataille de Nancy (5 Janvier 1477), S. 403-430;

Holland, A., Schnurbus, M.: Das Berliner Schloß. The History of the Berlin Palace. Die Geschichte des Berliner Schlosses, Berlin 2004 [Mann Verlag, 48 S., brosch., 46 Duplex-Abb., 12,80 Euro].

Hye, F.-H.: Wappen in Tirol – Zeugen der Geschichte. Handbuch der Tiroler Heraldik, Innsbruck 2004 (Schlern-Schriften, 321) [Wagner, 512 S., geb., 665 Abb., 54 Euro].

Hye, F.-H.: Kaiser Friedrichs III. und seiner Braut Eleonora von Portugal Begrüßungsdenkmal in Siena (1452), in: Tirol – Österreich – Italien. Festschrift für Josef Riedmann zum 65. Geburtstag, hg. von K. Brandstätter und J. Hörmann, Insbruck 2005, S. 373-380.

Frommhagen, U.: Schlösser und Herrenhäuser in der Altmark, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 14 (2005) S. 215-252.

Hersche, P.: Muße und Verschwendung. Europäische Gesellschaft und Kultur im Barockzeitalter, 2 Bde., Freiburg 2006 [Herder Verlag, 1250 S., brosch., 78 Euro].

Holzfurtner, L.: Die Wittelsbacher. Staat und Dynastie in acht Jahrhunderten, Stuttgart u.a. 2005 [Kohlhammer, 487 S., geb., 26 Euro].

In Europa zu Hause. Niederländer in München um 1600 (Ausstellungskatalog), München 2005/2006 [Hirmer, 454 S., kart., 169 sw-Abb., 84 farb. Abb., 34,50 Euro].

Institutionelle Macht. Genese – Verstetigung – Verlust, hg. von A. Brodocz, C. O. Mayer, R. Pfeilschifter und B. Weber, Köln u.a. 2005 [Böhlau, 500 S., geb., 27 sw-Abb., 64,90 Euro].

Investitur- und Krönungsrituale. Herrschaftseinsetzungen im kulturellen Vergleich, hg. von M. Steinicke und S. Weinfurter, Köln u.a. 2005 [Böhlau, 496 S., geb., 20 sw-Abb., 6 farb. Abb., 54,90 Euro].

Isabella la Católica, queen of Castile: critical essays, hg. von D. A. Boruchoff, New York 2003 [Palgrave Macmillan, 320 S., geb., graph. Darst., 47,50 £]

Johannsen, R.: Von Borneo nach Rom. Sanssouci und die Residenzprojekte Friedrich Wilhelms IV. von Preußen 1815-1848, Kiel 2005 [Verlag Ludwig, 400 S., brosch., Fadenheftung, 150 sw-Abb., 39,90 Euro].

Karl IV. Kaiser von Gottes Gnaden. Kunst und Repräsentation des Hauses Luxemburg 1347-1437, hg. von J. Fajt unter Mitarb. von M. Hörsch und A. Langer, Berlin 2006 [Deutscher Kunstverlag, 640 S., Ln., 687 meist farb. Abb., 64 Euro].

Keller, K.: Frauen in der höfischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts: Amtsinhaber und Netzwerke am Wiener Hof, in: Selbstverständnis – Selbstdarstellung – Selbstbehauptung, München 2005 (Zeitenblicke, 4,3): http://www.dipp.zeitenblicke.de/2005/3/Keller [17.03.2006].

Kernbauer, A.: Die Einbindung der Städte in den frühabsolutistischen Habsburgerstaat. Zur staatsrechtstheoretischen Grundlegung eines fürstlichen Handlungsmusters, in: Archiv für Kulturgeschichte 87 (2005) S.351-371.

Klaniczay, G.: Holy rulers and blessed princesses. Dynastic cults in medieval central Europe, Cambridge 2002 [Cambridge University Press, 490 S., geb., 65 £].

Kleidung und Repräsentation in Antike und Mittelalter, hg. von A. Köb und P. Riedel, München 2005 (Mittelalter Studien des Instituts zur interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens, 7) [Wilhelm Fink, 139 S., kart., 22 sw-Abb., 14 Farbtafeln, 29,90 Euro].

Aus dem Inhalt:

Leutzsch, M.: Grundbedürfnis und Statussymbol: Kleidung im Neuen Testament, S. 9ff.; Javier, A.: Dress control in Late Antiquity: Codex Theodosianus 14.10.1-4, S. 33ff.; Ripoll, G.: Los tejidos en la arquitectura de la antigüedad tardía. Una primera aproximación a su uso y función, S. 45ff.; Hartmann, G.: „Ein alter Mann in einem Kleid aus Fellen.“ Der christliche Wundertäter der Spätantike und sein Kostüm, S. 63ff.; Sporbeck, G.: Der Bischofsornat in Bestattungen des Mittelalters. Grabornamente und Textilien des 11. Jahrhunderts Kölner Provenienz, S. 71ff.; Vogtherr, T.: Bischofsstäbe und Abtstäbe im frühen und hohen Mittelalter, S. 83ff.; Jucker, M.: Kleidung und Körper: Wahrnehmung symbolischer Ordnung im spätmittelalterlichen Gesandtschaftswesen, S. 91ff.; Nusser, A.: Zu spätmittelalterlichen Autorenbildern am Beispiel der Überlieferung von Jean de Mandevilles ‚Reisen‘ in Europa, S. 95ff.

Kohler, M., Rainer, Y., Fandrey, C.: Kloster und Schloß Bebenhausen, München 2005 [Deutscher Kunstverlag, 72 S., brosch., 3 sw-Abb., 78 farb. Abb., 5 Euro].

Koldau, L. M.: Frauen – Musik – Kultur. Ein Handbuch zum deutschen Sprachgebiet der Frühen Neuzeit, Köln 2005 [Böhlau, 1189 S., geb., 1 sw-Abb., 3 farb. Abb., 110 Euro].

Kollbach, C.: Karoline Luise von Baden-Durlach als Mutter ihrer kranken Kinder: Medizinische Praktiken als Teil der Prinzenerziehung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: Selbstverständnis – Selbstdarstellung – Selbstbehauptung, München 2005 (Zeitenblicke, 4,3): http://www.zeitenblicke.de/2005/3/Kollbach [17.03.2006].

Kontinuität und Zäsur. Ernst von Wettin und Albrecht von Brandenburg, hg. von A. Tacke, Göttingen 2005 (Schriftenreihe der Stiftung Moritzburg. Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, 1) [Wallstein, 415 S., geb., 100 Abb., 32 Euro].

Koopmans, J.: Poètes et polyphonistes: monde de Molinet, in: Publication du Centre européen d’études bourguignonnes 45 (2005) S. 73-80.

Krauskopf, C.: Nur edle Dinge? Untersuchungen zur Sachkultur des Adels im 13. und 14. Jahrhundert, in: Château Gaillard 22 (2006).

Kulturtransfer und Hofgesellschaft im Mittelalter. Wissenskultur am sizilianischen und kastilianischen Hof im 13. Jahrhundert, hg. von G. Grebner und J. Fried, Berlin 2006 (Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel, 15) [Akademie Verlag, 390 S., geb., 25 sw-Abb. und 12 farb. Abb., 69,80 Euro].

Kunst und Repräsentation am Dresdner Hof, hg. von B. Marx, Berlin 2005 [Deutscher Kunstverlag, 360 S., geb., 76 sw-Abb., 25 farb. Abb., 51 Euro].

Die Künste und das Schloß in der frühen Neuzeit,. hg. von L. Unbehaun unter Mitarb. von A. Beyer und U. Schütte, München u.a. 1998 [Deutscher Kunstverlag, 207 S., geb., 88 Abb., 19,95 Euro].

Küppers-Braun, U.: Anmerkungen zum Selbstverständnis des hohen Adels – Katholische Hochadelsstifte als genossenschaftliche Kontrollinstanzen für Ebenbürtigkeit und Mißheirat, in: Selbstverständnis – Selbstdarstellung – Selbstbehauptung, München 2005 (Zeitenblicke, 4,3): http://www.dipp.zeitenblicke.de/2005/3/Kueppersbraun [17.03.2006].

Küssner, M., Schunke, T.: Neue Erkenntnisse zur Baugeschichte der Oberburg Giebichenstein, Stadt Halle (Saale), in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 14 (2005) S. 39-74.

Land und Meer. Kultureller Austausch zwischen Westeuropa und dem Ostseeraum in der Frühen Neuzeit hg. von M. Krieger, und M. North, Köln 2004 [Böhlau, 269 S., brosch., 20 sw-Abb, 34,90 Euro].

Metzger, C., Heiss, U., Kranz, A.: Landsitze Augsburger Patrizier, München u.a. 2005 [Deutscher Kunstverlag, 208 S., geb., 200 teils farb. Abb., 49,90 Euro].

Lassiwe, B.: Drei Adelige im Norden. Zum Aufenthalt von Friedrich von Lochen, Gebhard von Bortfeld und Hasso von Wedel am Hof des dänischen Königs Waldemars IV., in: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 56 (2005) S. 47-88.

Laurioux, B.: A la table du pape, in: L’Histoire 308 (2006) S. 62-65.

Lauts, J., Herzner, I. L.: Federico da Montefeltro, Herzog von Urbino. Kriegsherr, Friedensfürst und Förderer der Künste, Berlin 2001 [Deutscher Kunstverlag, 454 S., Ln., 44 sw-Abb., 16 farb. Abb., 39,90 Euro].

Laynesmith, J. L.: The Last Medieval Queens: English Queenship 1445-1503, Oxford 2004 [Oxford University Press, 294 S., kart., 35 £].

Lecœur, D.: Daniel Dumonstier. 1574-1648, Paris 2006 [Arthena, 256 S., Ln., 403 teils farb. Abb., 77 Euro].

Lecuppre, G.: L’imposture politique au Moyen Âge. La seconde vie des rois, Paris 2005 [Presses Univ. de France, 405 S., brosch., 30 Euro].

Leguai, A.: Les ducs de Bourbon, le Bourbonnais et le royaume de France à la fin du Moyen âge: Recueil d’articles, 1961-1996, Molulins 2005 [Espace repro, 250 S., brosch., 20 Euro].

Lemaire, C.: Approche textuelle du rondeau L’homme armé et du motet Anthoni usque limina d’Antoine Busnoys. Analyse codicologique du manuscript Bibliothèque royale de Belgique, KBR 5557, in: Publication du Centre européen d’études bourguignonnes 45 (2005) S. 165-189.

Lemmer, M.: Die mittelalterliche Burg als umkämpfter Ort, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 14 (2005) S. 8-38.

Le Pogam, P.-Y.: De la „cité de dieu“ au „palais du pape“: Les résidences pontificales dans la seconde moitié du XIIIe siècle (1254-1304), Paris 2005 [Picard, 813 S., geb., 160 Euro].

Lermer, A.: Der gotische „Dogenpalast“ in Venedig. Baugeschichte und Skulpturenprogramm des Palatium Communis Venetiarum, München 2005 (Kunstwissenschaftliche Studien, 121) [Deutscher Kunstverlag, 408 S., brosch., 181 sw-Abb., 8 farb. Abb., 75,90 Euro].

Le Roy Ladurie, E.: L’Europe de Thomas Platter. France, Angleterre, Pays-Bas 1599-1600 (Le siècle des Platter, 3), Paris 2006 [Fayard, 636 S., geb., 28 Euro].

Lett, D., Mattéoni, O.: Princes et princesses à la fin du Moyen Âge, in: Médiévales 48 (2005) S. 5-13.

Les lieux de pouvoir au Moyen Âge en Normandie et sur ses marges, hg. von A.-M. Flambard Héricher, Caen 2006 [Brepols, 245 S., brosch., 31,80 Euro].

Aus dem Inhalt:

Chave, I.: Les châteaux neufs de l’apanage d’Alençon (1350-1415): matérialisation du pouvoir d’une famille princière; Johans, E.: Les résidences aristocratiques du Rouergue et des Cévennes à la fin du Moyen Âge.

Lindau, F.: Hannover – Der höfische Bereich Herrenhausen, Berlin 2003 [Deutscher Kunstverlag, 336 S., geb., 33 sw-Abb., 223 farb.-Abb., 36 Euro].

Loades, D.: Intrigue and Treason: The Tudor Court, 1547-1558, Harlow 2004 [Pearson Education, 326 S., geb., 19,99£].

Loos, I. de: Les chansons du manuscript de Gruuthuse: notation musicale, pratique d’exécution et problèmes d’édition, in: Publication du Centre européen d’études bourguignonnes 45 (2005) S. 143-163.

Lupold von Bebenburg, De iuribus regni et imperii. Über die Rechte von Kaiser und Reich, hg. von J. Miethke, übers. von A. Sauter, München 2005 (Bibliothek des deutschen Staatsdenkens, 14) [C. H. Beck, 336 S., Ln., 44,90 Euro].

„Die Macht des Königs“. Herrschaft in Europa vom Frühmittelalter bis in die Neuzeit, hg. von B. Jussen, München 2005 [C. H. Beck, 478 S., geb., 22 Abb., 38 Euro].

Macht und Memoria. Begräbniskultur europäischer Oberschichten in der Frühen Neuzeit, hg. von Mark Hengerer, Köln u.a. 2005 [Böhlau, IX+525 S., brosch., 116 sw-Abb., 59,90 Euro] – Besprechung oben S. 89.

Mareel, S.: Les poètes de la prix. Festivals littéraires et fêtes de paix dans les anciens Pays-Bas, in: Publication du Centre européen d’études bourguignonnes 45 (2005) S. 93-103.

Mayer, H. E.: Drei oberrheinische Kreuzfahrer des 13. Jahrhunderts. Berthold von Nimburg (Vater und Sohn) und Werner von Egisheim, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 153 (2005) S. 43-60.

Mazohl-Wallnig, B.: Eine Kaiserbraut reist durch Tirol. Isabella von Parma auf dem Weg nach Wien. Nach einer Denkschrift aus dem Tiroler Landesarchiv, in: Tirol – Österreich – Italien. Festschrift für Josef Riedmann zum 65. Geburtstag, hg. von K. Brandstätter und J. Hörmann, Insbruck 2005, S. 455-468.

The Mediation of Symbol in Late Medieval and Early Modern Times – Medien der Symbolik in Spätmittelalter und Früher Neuzeit, hg. von R. Suntrup und J. R. Veenstra, Frankfurt a. Main u.a. 2001 (Medieval to Early Modern Culture. Kultureller Wandel vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit, 5) [Peter Lang, 312 S., kart., 51,50 Euro].

Meinhardt, M.: Dresden im Wandel. Raum und Bevölkerung der Stadt im Residenzbildungsprozeß des 15. und 16. Jahrhunderts, Berlin 2006 (Hallische Beiträge zur Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, 3) [Akademie Verlag, 416 S., geb., 35 farb. Abb., 59,80 Euro].

Mock, M. L.: Das Schloß in Calbe an der Saale. Baugeschichte und Baugestalt einer erzbischöflichen Nebenresidenz, in: Burgen und Schlösser in Sachsen 14 (2005) S. 186-206.

Morsel, J.: La construction sociale des identités dans l’aristocratie franconienne aux XIVe et XVe siècles: Individuation ou identification?, in: L'Individu au Moyen Âge. Individuation et individualization avant la modernité, hg. von B. M. Bedos-Rezak und D. Iogna-Prat, Paris 2005, S. 279-321.

Morsel, J.: Verwandtschaft oder Herrschaft. Zur Einordnung der sozialen Strukturen im späten Mittelalter. Bemerkungen zu Jörg Rogge: Herrschaftsweitergabe, Konfliktregelung und Familienorganisation im fürstlichen Hochadel, in: Neues Archiv für Sächsische Geschichte 76 (2005) S. 245-252.

La mort du souverain, Texte zusammengestellt von B. Boissavit-Camus, F. Chausson und H. Inglebert, Paris 2003 [Picard, 192 S., 28 Euro].

Negociar en la Edad Media/Négocier au Moyen Âge. Actas del coloquio celebrado en Barcelona los dias 12, 13 y 14 Octubre del 2004, hg. von M. T. Ferrer Mallol, J.-M. Moeglin, S. Pequignot und M. Sanchez Martinez, Barcelona 2005 (Anejos del Anuario de Estudios Medievales, 61). [CSIC, 594 S., 41 Euro].

Neitmann, K.: Landesgeschichtsforschung im Exil. Die „Geschichte Thüringens“ von Hans Patze und Walter Schlesinger, in: Im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik. 150 Jahre Landesgeschichtsforschung in Thüringen, hg. von M. Werner (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen, 13) S. 235-274.

Neue Forschungen zum Burgenbau. Vom frühmittelalterlichen Burgenbau bis ins 11. Jahrhundert, hg. von der Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern, München 2006 (Forschungen zu Burgen und Schlössern, 9) [Deutscher Kunstverlag, 260 S., geb., 180 sw-Abb., 45 Euro].

Neugebauer, W.: Konfessionelle Klientelpolitik im 17. Jahrhundert. Das Beispiel der Reichsgrafen von Sayn-Wittgenstein, in: Selbstverständnis – Selbstdarstellung – Selbstbe-hauptung, München 2005 (Zeitenblicke, 4,3): http://www.dipp.zeitenblicke.de/2005/3/ Neugebauer [17.03.2006].

Neuheuser, H. P.: Profane Rituale und Ritualität. Tendenzen der fächerübergreifenden Forschung und der kulturhistorischen Ansätze in den Einzeldisziplinen, in: Archiv für Kulturgeschichte 87 (2005) S. 427-453.

Noflatscher, H.: Monarchische Willkür? Zum Sturz des Wolf Rumpf und Paul Sixt Trautson am Hof Kaiser Rudolfs II (1600), in: Tirol – Österreich – Italien. Festschrift für Josef Riedmann zum 65. Geburtstag, hg. von K. Brandstätter und J. Hörmann, Insbruck 2005, S. 493-516.

Nolte, Cordula: Familie, Hof und Herrschaft. Das verwandtschaftliche Beziehungs- und Kommunikationsnetz der Reichsfürsten am Beispiel der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach (1440–1530), Ostfildern 2005 (Mittelalter-Forschungen, 11) [Jan Thorbecke Verlag, 472 S., geb., 49 Euro] – Besprechung oben S. 103.

Normative Zentrierung – Normative Centering, hg. von R. Suntrup und J. R. Veenstra, Frankfurt a. Main u.a. 2002 (Medieval to Early Modern Culture. Kultureller Wandel vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit, 2) [Peter Lang, 314 S., brosch., 12 Abb., 51,50 Euro].

O’Conor, K.: Deerparks and castles in later Medieval Ireland, in: Château Gaillard 22 (2006).

Olivier, M.: Le prince et l’histoire dans le comté de Holstein, au miroir du Chronicon Holtzatiae auctore presbytero bremensi, in: Mediévales 48 (2005) S. 99-122.

Oosterman, J.: „Si mes paroles avaient le son des cordes de vielle“. Les rhétoriqueurs considèrent le langage comme le comble de la musique, in: Publication du Centre européen d’études bourguignonnes 45 (2005) S. 81-91.

Oschema, K.: Freundschaft und Nähe im spätmittelalterlichen Burgund. Studien zum Spannungsfeld von Emotion und Institution, Köln u.a. 2006 (Norm und Struktur, 26) [Böhlau, 720 S., geb., 32 sw-Abb., 64,90 Euro].

Ottmar, J.: Reinhard von Neuneck, Ritter zu Glatt (1474-1551): Fürstendiener, Reisender und Wallfahrer, Hauptmann, Kriegsrat und Bauherr, Filderstadt 2005 [Markstein-Verlag, 400 S., geb., 29,90 Euro].

Oy-Marra, E.: Profane Repräsentationskunst in Rom von Clemens VIII. Aldobrandini bis Alexander VII. Chigi, Berlin 2005 [Deutscher Kunstverlag, 386 S., Ln., 245 sw-Abb., 88 Euro].

Paravicini Bagliani, A.: Le Chiavi e la Tiara. Immagini e simboli del papato medievale, Rom 2005 (La corte dei papi, 3) [Viella, 154 S., brosch., 22 Euro].

Parzer, S.: Die Burgenpolitik der Pfalzgrafen bei Rhein, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 153 (2005) S. 221-240.

Peter, L.: „dass das Decorum Unseres Hofstaates bey inheimisch- und auswärthigen nicht verächtlich gemacht werdten möge“ Der Hof der Fürstäbte und Fürstbischöfe von Fulda im 18. Jahrhundert, in Fuldaer Geschichtsblätter 81 (2005) S. 35-84.

Pizzinini, M.: Die älteste Ansicht von Bruneck im Pustertal 1498, in: Tirol – Österreich – Italien. Festschrift für Josef Riedmann zum 65. Geburtstag, hg. von K. Brandstätter und J. Hörmann, Insbruck 2005, S. 533-542.

Polleross, F.: „Dieses neue Rom, ein Wohn-Sitz Römischer Kayser“. Zur historischen Legitimation des habsburgischen ‚Kaiserstils‘, in: Barock als Aufgabe, hg. von A. Kreul, Wiesbaden 2005, S. 9-38.

Pomp, power, and politics. Essays on german and scandinavian court culture and their contexts, hg. von R. M. Wade, Amsterdam u.a. 2004 (Daphnis, 32) [Rodopi, 378 S., kart., Ill., 80 Euro].

Aus dem Inhalt:

Larsson, L. O.: Rhetoric and Authenticity in the Portraits of King Christian IV of Denmark, S. 13ff.; Mitchell, B.: Notes for a History of the Printed Festival Book in Renaissance Italy, S. 41ff.; Casey, P. F.: Court Performance in Berlin of the Sixteenth Century: Georg Pondo’s Christmas Play of 1589, S. 57ff.; Browning, B. W.: Heinrich Julius von Braunschweig’s 1590 Welcoming Celebration for Princess Elisabeth of Denmark, S. 73ff.; Schade, R. E.: Court Festival Culture During the Reign of Duke Friedrich of Württemberg (1593-1608), S. 83ff.; Nieder, H.: The Kassel Baptism of 1596. Festivals and Politics at the Court of Landgrave Moritz of Hessen-Kassel, S. 119ff.; Bepler, J.: Practical Perspectives on the Court and Role of Princes: Georg Engelhard von Loehneyss’ Aulico Politica 1622-24 and Christian IV of Denmark’s Königlicher Wecker 1620, S. 137ff.; Wade, M. R.: Publication, Pageantry, Patronage: Georg Engelhard Loehneyss’ Della Cavalleria (1609; 1624) and his Tournament Pageant for King Christian IV of Denmark (1603), S. 165ff.; Skovgaard-Petersen, K.: „... By the direction of the most noble and distinguished Christen Friis.“ The influence of chancellor Christen Friis (1581-1639) on the Histories of Denmark by Johannes Pontanus (1581-1639) and Johannes Meursius (1579-1639), S. 199ff.; McMullen, D. M.: Venuskränzlein: Late-Renaissance Courtly Poetry and Music for a Goddess, S. 231ff.; Snickare, M.: Splendor and piety: The Entry of Ulrika Eleonora into Stockholm 1680, S. 249ff.; Smart, S.: Johann von Besser and the Coronation of Friedrich I., King in Prussia, in 1701, S. 263ff.; Hahn, R.: Pontus und Sidonia in der Berner Fassung, S. 289ff.

Pönitz, C.: Der Herzog zieht um – oder wie man einen fürstlichen Haushalt auflöst. Ein Zeitzer Schloßinventar von 1717/18, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 14 (2005) S. 348-362.

Puppel, P.: Der junge Philipp von Hessen, in: Zeitschrift des Vereins für hessische Landesgeschichte 110 (2005) S. 49-62.

Raemy, D. de u.a.: Châteaux, donjons et grandes tours dans les États de Savoie (1230-1330). Un modèle: le château d’Yverdon. Bd. 1.: Le Moyen Âge: genèse et création, Bd. 2.: Époques moderne et contemporaine, transformations, adaptions, Lausanne 2004 (Cahiers d’archéologie romande, 98, 99) [Association pour la restauration du château d’Yverdon-les-Bains, geb., insg. 865 S. und 1097 Abb., zusammen 120 Euro].

Ragnard, I.: Les Chansons d’Étrennes aux XIVe siècles, in: Publication du Centre européen d’études bourguignonnes 45 (2005) S. 105-127.

Rahn, T.: Festbeschreibung. Funktion und Topik einer Textsorte am Beispiel der Beschreibung höfischer Hochzeiten (1568-1794), Tübingen 2005 (Frühe Neuzeit, 108) [Niemeyer, 308 S., Ln., 25 Abb., 78 Euro].

Regesten des Archivs der Grafen von Henneberg-Römhild, hg. von J. Mötsch, Köln u.a. 2006 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen. Große Reihe, 13) [Böhlau, 2 Teilbde.: Textbd.: 1296 S., Registerbd.: 200 S., geb., 99,90 Euro].

Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440-1493), nach Archiven und Bibliotheken geordnet, hg. von H. Koller, P.-J. Heinig und A. Niederstätter. Heft 21: Die Urkunden und Briefe aus den schlesischen Archiven und Bibliotheken der Republik Polen (mit Nachträgen zum Heft Sachsen), bearb. von E. Holtz, Wien u.a. 2006 [Böhlau, 110 S., brosch., 23 Euro].

Reinhardt, V.: Der unheimliche Papst. Alexander VI. Borgia 1431-1503, München 2005 [C. H. Beck, 277 S., Ln., 12 Abb., 1 Stammbaum, 1 Karte, 24,90 Euro].

Residenz- und Bürgerstadt Neuburg an der Donau. Quellen zur Einwohnerschaft und Sozialstruktur am Beginn des 17. Jahrhunderts, hg. von M. Kocher, F. Kramer und M. Nadler, München 2005 (Materialien zur Bayerischen Landesgeschichte, 19) [Bayerische Akademie der Wissenschaften, 152 S., geb., 35 Abb., 9 Euro].

Richter, S.: Hofdame – ein Beruf für Frauenzimmer? Betätigungsfelder adeliger Damen am Beispiel des kurpfälzischen Hofes im 18. Jahrhundert, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 153 (2005) S. 441-480.

Der Rittersaal der Iburg. Zur fürstbischöflichen Residenz Franz Wilhelms von Wartenberg, hg. von S. Tauss, Osnabrück 2006 [Universitätsverlag Osnabrück, 290 S., kart., zahlr., teils farb. Abb., 38,90 Euro].

Rittertum und höfische Kultur der Stauferzeit, hg. von J. Laudage und Y. Leiverkus, Köln u.a. 2006 (Europäische Geschichtsdarstellungen, 12) [Böhlau, 256 S., geb., 10 sw-Abb., 29,90 Euro].

Aus dem Inhalt:

Laudage, J.: Rittertum und höfische Kultur der Stauferzeit. Eine Einführung, S. 11ff.; Görich, K.: Die „Ehre des Reichs“ (honor imperii). Überlegungen zu einem Forschungsproblem, S. 36ff.; Laudage, J.: Der Hof Friedrich Barbarossas. Eine Skizze, S. 75ff.; Kölzer, T.: Der Königshof im normannisch-staufischen Königreich Sizilien, S. 93ff.; Rösener, W.: Die ritterlich-höfische Kultur des Hochmittelalters und ihre wirtschaftlichen Grundlagen, S. 111-135; Ullrich, J.: Iste sunt curie ... Randnotizen zum Tafelgüterverzeichnis, S. 136ff.; Plassmann, A.: Höfische Kultur in Frankreich. Die Sicht von außen, S. 146ff.; Haupt, B.: Der höfische Ritter in der mittelhochdeutschen Literatur, S. 170ff.; Leiverkus, Y.: Das äußere Erscheinungsbild des staufischen Ritters, S. 193ff.; Keupp, J. U.: Verhöflichte Krieger? Überlegungen zum ‚Prozeß der Zivilisation‘ am stauferzeitlichen Hof; Lubich, G.: „Tugendadel“. Überlegungen zur Verortung, Entwicklung und Entstehung ethischer Herrschaftsnormen der Stauferzeit, S. 247ff.; Laudage, J.: Rittertum und Rationalismus. Friedrich Barbarossa als Feldherr, S. 291ff., Zotz, T.: Rittertum und höfische Kultur der Stauferzeit. Bilanz der Tagung, S. 315ff.

Rödel, V.: Pfalzgraf Friedrich der Siegreiche und Klara Tott. Eine nicht ebenbürtige Ehe mit Nachwirkungen, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 152 (2004) S. 97-144.

Rogge, J.: Die Wettiner. Aufstieg einer Dynastie im Mittelalter, Stuttgart 2005 [Thorbecke, 271 S., geb., 24,90 Euro].

Rogge, J.: Die deutschen Könige im Mittelalter – Wahl und Krönung, Darmstadt 2006 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 160 S., brosch., 9,90 Euro].

Rosseaux, U.: Freiräume. Unterhaltung, Vergnügen und Erholung in Dresden (1694-1830), Köln u.a. 2006 (Norm und Struktur, 27) [Böhlau, 432 S., geb., 44,90 Euro].

Royautés imaginaires (XIIe-XVIe siècles). Actes du colloque organisé par le Centre de Recherche d’Histoire sociale et culturelle de l’université de Paris X-Nanterre (16-17 septembre 2003), hg. von A.-H. Allirot, D. Lecuppre und L. Scordia, Turnhout 2005 [Brepols, 227 S., 49 Euro].

Rüffer, M.: Das Schloß in Wörlitz. Ein fürstliches Landhaus im Spannungsfeld zwischen Absolutismus und Aufklärung, München 2005 (Forschungen zum Gartenreich Dessau-Wörlitz) [Deutscher Kunstverlag, 384 S., brosch., 125 sw-Abb., 45 Farbtaf., 48 Euro].

Rüpke, J.: Zeit und Fest, München 2006 [C. H. Beck, 256 S., geb., 19 Abb., 22,90 Euro].

Ruppel, S.: Verbündete Rivalen. Geschwisterbeziehungen im Hochadel des 17. Jahrhunderts, Köln u.a. 2006 [Böhlau, 12 sw-Abb., geb., 320 S., 42,90 Euro].

Säckl, J.: Fürsten und Schloß Neuenburg im Barock, in: Mitteilungen des Vereins zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg e.V. 6 (2005) S. 19-33.

Säckl, J.: Drei Inventare des Residenzschlosses Merseburg aus den Jahren 1731/32 – Einblicke in Residenz und Hofhaltung einer albertinischen Nebenlinie in Merseburg an der Saale, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 14 (2005) S. 363-407.

Säckl, J.: Beispiele fürstlichen Traditionsdenkens auf Schloß Neuenburg, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 14 (2005) S. 408-427.

Scheibelreiter, G.: Heraldik, Wien u.a. 2006 (Oldenbourg Historische Hilfswissenschaften, 1) [R. Oldenbourg Verlag, 280 sw-Abb., kart., 92 farb. Abb., 28,90 Euro].

Schmidt, G.: Kulturbedeutung, Musenhof und „Land der Residenzen“. Wie erzählt man die frühneuzeitliche Geschichte Thüringens?, in: Im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik. 150 Jahre Landesgeschichtsforschung in Thüringen, hg. von M. Werner (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen, 13) S. 343-376.

Schmitt, R.: Burg Querfurt, München 2005 (DKV-Kunstführer, 436) [Deutscher Kunstverlag, 31 S., geheftet, 17 farb. Abb., 2 Euro].

Schmitt, R.: Die Doppelkapelle in Landsberg (Saalkreis) zwischen 1819 und 1861: Erhaltung oder „stylgemäße Restauration“?, in: Von Schinkel bis van de Velde. Architektur- und kunstgeschichtliche Beiträge vom Klassizismus bis zum Jugendstil. Festschrift für Dieter Dolgner zum 65. Geburtstag, hg. von A. Dolgner, L. Helten und G. Voss, Halle 2005, S. 255-270.

Schmitt, R.: 500 Jahre Ersterwähnung eines Amtsgefängnisses auf der Neuenburg, in: Mitteilungen des Vereins zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg e.V. 5 (2004) S. 7-10.

Schmitt, R.: Zur Geschichte und Baugeschichte der Rudelsburg, Burgenlandkreis, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 14 (2005) S. 75-153.

Schmitt, R.: Die Kirche des ehemaligen Benediktinerklosters Hillersleben bei Magdeburg, in: Jahresschrift der Museen des Ohrekreises – Haldensleben und Wolmirstedt – 12 (2005) S. 39-57.

Schmitt, R.: Die Konradsburg Ermsleben, München 1997 (Große Baudenkmäler, 442) [Janos Stekovics Verlag, 31 S., geheftet, 26 farb. Abb., 1,80 Euro].

Schmitt, R.: Schloß Neuenburg bei Freyburg (Unstrut) – Dreihundert Jahre „Schloßhotel“ (1704-2004), in: Mitteilungen des Vereins zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg e.V. 6 (2005) S. 7-15.

Schmitt, R.: Zwei Abbruchanträge für Schloß Neuenburg aus den Jahren 1793 und 1833, in: Mitteilungen des Vereins zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg e.V. 6 (2005) S. 16-19.

Schneidmüller, B.: Die Kaiser des Mittelalters. Von Karl dem Großen bis Maximilian I., München 2006 [C. H. Beck, 128 S., brosch., 7,90 Euro].

Schnerb, B.: Musique, jeux et „apertises“ à la cour de Jean sans Peur, duc de Bourgogne, in: Publication du Centre européen d’études bourguignonnes 45 (2005) S. 7-21.

Schober, G.: Schlösser im Fünfseenland. Bayerische Adelssitze rund um den Starnberger See und den Ammersee, Waakirchen 2005 [Oreos, 352 S., 503 Abb., 78 Euro].

Scholz, G.: Tanzfeste der Könige. Die englische Court Masque im Spiegel der europäischen Kulturgeschichte, Wien 2005 [Böhlau, 224 S., geb., 33 sw-Abb., 7 Notenbsp., 29,90 Euro]

Schraut, S.: Das Haus Schönborn. Eine Familienbiographie. Katholischer Reichsadel 1640-1840, Paderborn 2005 [Ferdinand Schöningh, 451 S., geb., 31 Abb., 58 Euro].

Schubert, E.: Fürstliche Herrschaft und Territorium im späten Mittelalter, 2. Aufl., München 2006 (Enzyklopädie deutscher Geschichte, 35) [Oldenbourg, 138 S., brosch., 19,80 Euro].

Schuppen, S. von: Historische atlas van Den Haag. Van Hofvijver tot Hoftoren, Amsterdam 2006 [Uitgeverij Boom, 80 S., 29,50 Euro].

Schwarze-Neuss, E.: Schloßbau im Barockzeitalter. Eine Sozialgeschichte der Herrschaftsbauten in Mitteldeutschland von der Mitte des 17. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Tl. 1: Die Schlösser der Fürsten, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 14 (2005) S. 253-297.

Scordia, L: ‚Le roi doit vivre du sien‘. La Théorie de l’impôt en France (XIIIe-XVe siècles), Paris 2005 (Collection des Études Augustiniennes. Série Moyen Âge et Temps Modernes, 40) [Brepols, 539 S., 56 Euro].

Il segreto, Florenz 2006 (Micrologus. Natura, scienze e società medievali, 14) [SISMEL – Edizioni del Galluzzo, 552 S., brosch., 60 Euro].

Aus dem Inhalt:

Moos, P. von: Le Secret de la prédestination; Vecchio, S.: Segreti e bugie. I peccata occulta; Faes de Mottoni, B.: Et audivit arcana verba, quae non licet homini loqui. Arcani, segreti e misteri nella teologia all’inizio del 200: Roberto Grossatesta, Guglielmo D’Auxerre, Rolando di Cremona; Suarez-Nani, T.: Il parlare degli angeli: un segreto di Pulcinella?; Boudet J.-P.: Julien Véronèse, Le Secret dans la magie rituelle médiévale; Weill-Parot, N.: Encadrement ou dévoilement. L’occulte et le secret dans la nature chez Albert le Grand et Roger Bacon; Williams, S. J.: Esotericism, Marvels, and the Medieval Aristotle; Crisciani, C.: Tra Dio, intelletto ed esperienza: aspetti del Segreto nell’Alchimia latina (secoli XIII-XIV); Eamon, W.: The ‚Secrets of Nature‘ and the Moral Economy of Early Modern Science; Santi, F.: Per una storia degli specchi magici; Artifoni, E.: Segreti e amicizie nelleducazione civile dell’età dei comuni; Jucker M.: Secrets and Politics: Methodological and Communicational Aspects of Late Medieval Diplomacy; Paravicini Bagliani, A.: Bonifacio VIII e il Segreto; Segre, V.: La tradizione iconografica dei Secreta salernitana; Jacquart D.: Du genre des „Secrets dans la médecine médiévale; Chiffoleau, J.: Ecclesia de occultis non iudicat? LEglise, le secret, locculte du XIIe au XVe siècle; Stabile, G.: Segreto del libro e Segreto delle arti tra Medio Evo e Rinascimento.

Self-Fashioning – Personen(selbst)darstellung, hg. von R. Suntrup und J. R. Veenstra Frankfurt a. Main u.a. 2003 (Medieval to Early Modern Culture. Kultureller Wandel vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit, 3) [Peter Lang, 319 S., kart., 51,50 Euro].

Senatore, F., Storti, F.: Spazi e tempi della guerra nel Mezzogiorno aragonese. L’itinerario militare di re Ferrante (1458-1465), Salerno 2002 (Iter Campaniene, 10) [Carlone, 284 S., 11 Euro].

Serrano, C. O.: Beatriz de Portugal. La pugna dinástica Avis-Trastamara, A Coruña 2005 [Marcial Pons, 590 S., geb., 40 Euro].

Das Sichtbare und das Unsichtbare der Macht. Institutionelle Prozesse in Antike, Mittelalter und Neuzeit, hg. von G. Melville, Köln u.a. 2005 [Böhlau, 422 S., geb., 70 sw-Abb., 57,90 Euro] – Besprechung oben S. 87.

Sigismundus Rex et Imperator. Kunst und Kultur zur Zeit Sigismunds von Luxemburg (1387-1437), hg. von I. Takács, Mainz 2006 [Philipp von Zabern, 751 S., geb., 113 sw-Abb., 846 farb. Abb., 49,90 Euro].

Sikora, M.: Ungleiche Verbindlichkeiten. Gestaltungsspielräume standesverschiedener Partnerschaften im deutschen Hochadel der Frühen Neuzeit, in: Selbstverständnis – Selbstdarstellung – Selbstbehauptung, München 2005 (Zeitenblicke, 4,3): http://www.dipp.zeitenblicke.de/2005/3/Sikora [17.03.2006].

Smart, S. C.: „So gehts hinein zur Sternenbahn“: Das emblematische Programm eines 1694 am Wolfenbütteler Hof gehaltenen Festessens, in: Die Domänen des Emblems. Außerliterarische Anwendungen der Emblematik, hg. von G. F. Strasser und M. R. Wade, Wiesbaden 2004 (Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung, 39), S. 79-95.

La società dei principi nell’Europa moderna (secoli XVI-XVII). Die Gesellschaft der Fürsten im Europa der Neuzeit (16.-17. Jahrhundert). Atti della XLIV settimana di studio Trento, 17.-21 settembre 2001, hg. von C. Dipper und M. Rosa, Bologna 2005 [Il Mulino, 384 S., kart., 25 Euro].

Aus dem Inhalt:

Rosa, M.: Premessa, S. 7ff; Bély, L.: La società dei principi, S. 13ff.; Stauber, R.: Esibizione del potere e propaganda dinastica dei Wittelsbach e degli Asburgo intorno al 1500, S. 45ff.; Göse, F.: Formazzione dello Stato e potere dei principi. Il principe elemore Gioacchino II del Brandeburgo, Giovanni margravio di Küstrin e lo Stato territoriale del Brandeburgo nel XVI secolo, S. 91ff.; Fasano Guarini, E.: Principi e territori in Italia. Il caso toscano tra Cinque- e Secento, S. 127ff.; Barbero, A.: I soldati del principe. Guerra, Stato e società nel Piemonte sabaudo (1450-1580), S. 169ff.; Preto, P.: Venezzia osserva la società dei principi: gli ambasciatori veneti di fronte a Spagna e Francia, S. 207ff.; Herrsche, P.: Il principe ecclesiastico nell’età del Barocco, S. 221ff.; Quaglioni, D.: Un breviario politico per i principi. La „Synopsis“ di Johann Angelius Werdenhagen (1635 e 1645), S. 247ff.; Walsh, K.: La principessa in epoca premoderna: il suo ruolo e il suo campo d’azione, S. 263ff.; Contini, A.: Spazi femminili e costruzione di un identità dinastica. Il caso di Leonora di Toledo duchessa di Firenze, S. 295ff.; Friedeburg, R. von: Religiosità e concezione del ruolo istituzionale. Filippo d’Assia e Maurizio di Assia-Kassel, S. 321ff.; Oberli, M.: Il „teatro del mondo“. Il mecenatismo ostentativo come manifestazione della dignità principesca nella Roma barocca, S. 341ff.

Il sogno di Pio II e il viaggio da Roma a Mantava. Atti del Convegno internazionale, Mantava 13-15 aprile 2000, hg. von A. Calzona, F. P. Fiore, A. Tenenti und C. Vasoli, Florenz 2003 (Ingenium, 5) [Olschki, 600 S., brosch., zahlr. Abb., 59 Euro].

Die Sozialstruktur und Sozialtopographie vorindustrieller Städte. Beiträge eines Workshops am Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg am 27. und 28. Januar 2000, hg. von M. Meinhardt und A. Ranft, Berlin 2005 (Hallische Beiträge zur Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, 1) [Akademie Verlag, 321 S., geb., 70 Abb., 74,80 Euro].

Aus dem Inhalt:

Meinhardt, M., Ranft, A.: Zur Einführung; Ellermeyer, J.: Zur Sozialstruktur spätmittelalterlicher Städte. Ein Rückblick auf Ansätze, Erfolge und Probleme der Forschung in Deutschland, S. 17ff.; Kroll, S.: Aufgaben und Perspektiven der Forschung zur Sozialstruktur frühneuzeitlicher Städte, S. 35ff.; Meinhardt, M.: Stadtgesellschaft und Residenzbildung. Aspekte der quantitativen Entwicklung und sozialen Struktur Dresdens im Residenzbildungsprozeß des 15. und 16. Jahrhunderts, S. 49ff.; Heiermann, C.: Die Spitze der Sozialstruktur: Organisation städtischer Eliten im Bodenseeraum des späten Mittelalters, S. 77ff.; Selzer, S.: Geheimer Schoß und sichtbare Statussymbole – Konsum als Zeichen sozialer Zuordnung in spätmittelalterlichen Städten des Hanseraums, S. 89ff.; Denecke, D.: Soziale Strukturen im städtischen Raum: Entwicklung und Stand der sozialtopographischen Stadtgeschichtsforschung, S. 123ff.; Hammel-Kiesow, R.: Die Entstehung des sozial-räumlichen Gefüges der mittelalterlichen Großstadt Lübeck. Grund und Boden, Baubestand und gesellschaftlichen Struktur, S. 139ff., Steenweg, H.: Probleme und Möglichkeiten bei der Erforschung mittelalterlicher Sozialstrukturen in Städten: Das Beispiel Göttingen um 1400, S. 205ff.; Igel, K.: Zur Sozialtopographie Greifswalds um 1400. Der Greifswalder liber hereditatum (1351-1452), S. 227ff.; Lücke, M.: Versuch einer Vermögenstopographie für die Stadt Wittenberg in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, S. 247ff.; Kühlborn, M.: Aspekte zum archäologischen Nachweis verschiedener sozialer Gruppen des Mittel-alters und der Frühen Neuzeit. Stadtarchäologie in Lüneburg, S. 263ff.; Ranft, A.: Schlußwort, S. 283ff.

Spiess, K.-H.: European Royal Marriages in the Late Middle Ages. Marriage Treaties, Questions of Income, Cultural Transfer, in: Majestas 13 (2005) S.7-21.

Splendeurs de la cour de Saxe. Dresde à Versailles (Ausstellungskatalog), hg. von T. W. Gaethgens, B. Saule und D. Syndram, Paris 2006 [Éditions de la Réunion des musées nationaux, 304 S., brosch., 304 farb. Abb., 49 Euro].

Aus dem Inhalt:

Saule, B., Syndram, D.: Introduction, S. 21ff.; Stürmer, M.: La saxe au temps de Versailles, S. 24ff.; Gaehtgens, T. W.: Auguste le Fort, patron des arts, S. 34ff.; Saule, B.: Trois princes de saxe à la cour de Louis XIV, S. 44ff.; Syndram, D.: Le monument d’un roi collectionneur la voûte verte d’Auguste le Fort, S. 56ff.; Spenlé, V.: Les Acquisitions de Raymond Leplat à Paris, S. 70ff.; Pietsch, U.: La porcelaine du roi, S. 80ff.; Goes, A. von der: Le grand appartement de la résidence, S. 90ff.; Schnitzer, C.: Les fêtes d’Auguste le Fort, S. 96ff.; Salmon, X.: Une femme sous influence Marie-Josèphe de saxe et les arts à Versailles, S. 108ff.; Espagne, M.: La culture française à dresde, S. 120ff.; Marx, B.: Dresde, une ville œuvre d’art, S. 128ff.

Staatsbildung als kultureller Prozeß. Strukturwandel und Legitimation von Herrschaft in der Frühen Neuzeit, hg. von R. G. Asch und D. Freist, Köln u.a. 2005 [Böhlau, 442 S., geb., 54,90 Euro].

Stachel, P.: Identität. Genese, Inflation und Probleme eines für die zeitgenössischen Sozial- und Kulturwissenschaften zentralen Begriffs, in: Archiv für Kulturgeschichte 87 (2005) S. 395-425.

Stadt, Kanzlei und Kultur im Übergang zur Frühen Neuzeit – City Culture and Urban Chanceries in an Era of Change, hg. von R. Suntrup und J. R. Veenstra, Frankfurt a. Main u.a. 2004 (Medieval to Early Modern Culture. Kultureller Wandel vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit, 4) [Peter Lang, zahlr. Abb., brosch., 199 S., 35 Euro].

Städtebilder der Neuzeit. Die europäische Stadtansicht von den Anfängen bis zum Photo, hg. von H.-P. Becht und B. Roeck, Ostfildern 2006 (Stadt in der Geschichte, 32) [Thorbecke, 368 S., brosch., zahlr. teils farb. Abb., 39 Euro].

Stahl, A.: Calbe an der Saale. Auf den Spuren einer verschwundenen Nebenresidenz der Erzbischöfe und Administratoren des Erzstifts Magdeburg, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 14 (2005) S. 154-185.

Stauber, R.: Kultur – Raum – Politik. Italiens Bild von sich selbst in der Renaissance, in: Archiv für Kulturgeschichte 87 (2005) S. 285-314.

Stefanovic, P. S.: Der Eid des Adels gegenüber dem Herrscher im mittelalterlichen Rußland, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 53 (2005) S. 497-505.

Strong, R.: Coronation. A History of Kingship & the British Monarchy, New York 2005 [Harper Collins, 556 S., geb., zahlr. meist farb. Abb., 25£].

Szende, L.: Mitherrscherin oder einfache Königinmutter? Elisabeth von Lokietek in Ungarn (1320-1380), in: Majestas 13 (2005) S. 47-63.

Taddei, E.: Barbara von Österreich-d’Este. Ergänzungen zum Leben einer Habsburgerin in Ferrara, in: Tirol – Österreich – Italien. Festschrift für Josef Riedmann zum 65. Geburtstag, hg. von K. Brandstätter und J. Hörmann, Insbruck 2005, S. 629-640.

Titze, M.: Die Wittenberger Burg im Licht neuer bauarchäologischer Erkenntnisse, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 14 (2005) S. 207-214.

Thieffry, S.: La Chapelle musicale aux Pays-Bas sous Charles Quint: stabilité et engagement personnel, in: Publication du Centre européen d’études bourguignonnes 45 (2005) S. 55-72.

Tod und Trauer. Beerdigungs- und Trauerriten in Nordeuropa, hg. von T. Fischer und T. Riis, Kiel 2005 [Verlag Ludwig, 372 S., Fadenheftung., 55 sw-Abb., 39,90 Euro].

Tradition and Innovation in an Era of Change Tradition und Innovation im Übergang zur Frühen Neuzeit, hg. von R. Suntrup und J. R. Veenstra, Frankfurt a. Main u.a. 2001 (Medieval to Early Modern Culture. Kultureller Wandel vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit, 1) [Peter Lang, 282 S., kart., 45,50 Euro].

Traductions françaises des Otia imperialia de Gervais de Tilbury par Jean d’Antioche et Jean de Vignay, édition de la troisième partie par D. Gerner et C. Pignatelli, Genf 2006 (Publications romanes et françaises, 237) [Droz, 600 S., 100 Euro].

Ullrich, U. B.: Der Kaiser im giardin dell’impero, Berlin 2006 (Humboldt-Schriften zur Kunst- und Bildgeschichte) [Mann, 150 Abb., geb., 68 Euro].

Untertanen, Herrschaft und Staat in Böhmen und im „Alten Reich“: sozialgeschichtliche Strukturen, hg. von M. Cerman u.a., München 2005 (Veröffentlichungen des Collegium Carolinum, 99) [Oldenburg, 369 S., geb., 39,80 Euro].

Uppenkamp, B.: Das Pentagon von Wolfenbüttel. Der Ausbau der welfischen Residenz 1568-1626 zwischen Ideal und Wirklichkeit, Hannover 2005 [Verlag Hahnsche Buchhandlung, 396 S., geb., 62 Abb., 39 Euro].

Verbij-Schillings, J.: Autour de Frank van Borselen (ca. 1395-1471): la culture musicale à la cour de La Haye à l’epoque de Philippe le Bon et Charles le Téméraire (1425-1477), in: Publication du Centre européen d’études bourguignonnes 45 (2005) S. 23-38.

Das Vermächtnis Kaiser Karls V. Die politischen Testamente, eingel., übers. und komment. von A. Kohnle, Darmstadt 2005 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 141 S., kart., 5 Abb., 3 Karten, 6 Stammtaf., 19,90 Euro].

Visser-Fuchs, L.: Le conte dont on chante: Burgundian popular ballads and courtly poems on the Earl of Warwick, in: Publication du Centre européen d’études bourguignonnes 45 (2005) S.191-235.

Vogelsänger, S.: Warum reiste Michael Praetorius im Jahre 1612 mit der Wolfenbütteler Hofkapelle nach Prag ?, in: Braunschweigisches Jahrbuch für Landesgeschichte 86 (2005) S. 167-169.

Waldman, L. A.: Baccio Bandinelli and Art at the Medici Court. A corpus of early modern sources, Philadelphia 2004 (Memoirs of the American Philosophical Society, 251) [American Philosophical Society, 935 S., 27 sw-Abb., 60 Euro].

Weber, J.: Straßburg 1605: Die Geburt der Zeitung, in: Jahrbuch für Kommunikationsgeschichte 7 (2005) S. 3ff.

Weniger, M.: Sittow, Morros, Juan de Flandes. Drei Maler aus dem Norden am Hof Isabellas von Kastilien, Kiel 2005 [Verlag Ludwig, 576 S., Festeinband, 160 sw-Abb., 59 Euro].

Werner, M.: Thüringen im Mittelalter. Ergebnisse – Aufgaben – Perspektiven, in: Im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik. 150 Jahre Landesgeschichtsforschung in Thüringen, hg. von M. Werner, Köln u.a. 2005, S. 275-341.

Wieland, C.: Fürsten, Freunde, Diplomaten. Die römisch-florentinischen Beziehungen unter Paul V. (1605-1621), Köln u.a. 2004 (Norm und Struktur, 20) [Böhlau, 566 S., geb., 54,90 Euro].

Wiese, W., Stober, K.: Schloß Heidelberg. Führer Staatlicher Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, München 2005 [Deutscher Kunstverlag, 96 S., brosch., 120 meist farb. Abb., 5 Euro].

Wiesflecker, H.: Neue Beiträge zu Balthasar Sprengers Meerfahrt nach „Groß-India“, in: Tirol – Österreich – Italien. Festschrift für Josef Riedmann zum 65. Geburtstag, hg. von K. Brandstätter und J. Hörmann, Insbruck 2005, S.647-660.

Wijsman, H.: Patterns in Patronage: Distinction and Imitation in the Patronage of Painted Art by Burgundian Courtiers in the Fifteenth an Early Sixteenth Centuries, in: The Court as a Stage. England and the Low Countries in the later Middle Ages, hg. von S. Gunn und A. Janse, Woodbridge u.a. 2006, S. 53-69.

Wiltsche, H. A.: „... wie es eigentlich geworden ist“. Ein wissenschaftsphilosophischer Blick auf den Methodenstreit um Karl Lamprechts Kulturgeschichte, in: Archiv für Kulturgeschichte 87 (2005) S. 251-284.

Windler, C.: Diplomatie als Erfahrung fremder politischer Kulturen. Gesandte von Monarchen in den eidgenössischen Orten (16. und 17. Jahrhundert), in: Geschichte und Gesellschaft 32,1 (2006) S. 5-44.

Wittmann, H.: Im Schatten der Landgrafen. Studien zur adeligen Herrschaftsbildung im spätmittelalterlichen Thüringen, Köln u.a. 2006 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen, 17) [Böhlau, 576 S., geb., 59,90 Euro].

Wolf, S.: Die Doppelregierung Kaiser Friedrichs III. und König Maximilians (1486-1493), Köln u.a. 2005 (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters, 25) [Böhlau, 676 S., geb., 5 sw-Abb., 74,90 Euro].

Woman of Distinction. Margaret of York and Margaret of Austria, hg. von D. Eichberger, Turnhout 2005 [Brepols, 367 S., geb., 65,90 Euro].

Wunder – Wallfahrt – Widersacher. Die Wilsnackfahrt, hg. von H. Kühne und A.-K.Ziesak, Regensburg 2005 [Friedrich Pustet, 216 S., geb., 38 sw-Abb., 16 farb. Abb., 24,90 Euro].

Zotz, T.: Königskrone und Fürstenhut. Das gotische Kreuz aus St. Trudpert und die Habsburger im 13. Jahrhundert, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 153 (2005) S. 15-42.

Ein zweigeteilter Ort? Hof und Stadt in der Frühen Neuzeit, hg. von Susanne Pils und Jan Paul Niederkorn, Innsbruck u.a. 2005 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Geschichte, 44) [Studien-Verlag, 271 S., kart., Ill., 27,90 Euro] – Besprechung oben S. 100.

Zwierlein, C.: Normativität und Empirie. Denkrahmen der Präzedenz zwischen Königen auf dem Basler Konzil, am päpstlichen Hof (1564) und in der entstehenden Politikwissenschaft (bis 1648), in: Historisches Jahrbuch 125 (2005) S. 101-132.

 




Werbeblatt Rückseite
Die Arbeitsstelle Kiel

 

 

Prof. Dr. Werner Paravicini

 

Dr. Jan Hirschbiegel
(Mitteilungen der Residenzen-Kommission, Residenzenforschung, Handbuch III: Hof und Schrift, Handbuch IV: Grafen und Herren)

Dr. Jörg Wettlaufer
(Symposien, Internetangebot, Handbuch IV: Grafen und Herren)

 

Silke Meier

Rudolph-Philipp Sohn

 

 

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Residenzen-Kommission

Arbeitsstelle Kiel

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(postalisch) Olshausenstr. 40

 

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Tel./Fax/AB: [D] 04 31 - 8 80-14 84 (Hirschbiegel)

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Adresse im Internet: www.dhi-paris.fr



[1]       (Hg.) Geschichte Niedersachsens, begr. von Hans Patze, Bd. 2, Tl. 1: Politik, Verfassung, Wirtschaft vom 9. bis zum ausgehenden 15. Jahrhundert, Hannover 1997, XVIII+1378 S., hier S. 1-904; dazu S. 905-1038 (mit Heinrich Schmidt), Geschichte Ostfrieslands im Mittelalter. – Siehe auch seine Beiträge zur Niedersächsischen Geschichte, hg. von Ulrich Hucker, Ernst Schubert und Bernd Weisbrod, Göttingen 1997. – Unter seinen zahlreichen landesgeschichtlichen Beiträgen sei noch erwähnt: Ernst der Bekenner als Landesherr, in: Herzog Ernst der Bekenner und seine Zeit. Beiträge zur Geschichte des ersten protestantischen Herzogs von Braunschweig-Lüneburg anläßlich der 500jährigen Wiederkehr seines Geburtstages in Uelzen im Jahre 1497, hg. von Hans-Jürgen Vogtherr, Uelzen 1998 (Uelzener Beiträge, 14), S. 25-62.

[2]       Wissenschaftliche Unabhängigkeit und gesellschaftliche Verantwortung: Der Wandel von Leitbildern in der Geschichte der Akademie, in: Jahrbuch der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (2000) S. 71-124.

[3]       Vgl. seine Einführung in die Grundprobleme der deutschen Geschichte des Spätmittelalters, Darmstadt 1992, VI+328 S.; bibliographisch aktualisierte Neuauflage unter dem Titel: Einführung in die deutsche Ge-schichte des Spätmittelalters, Darmstadt 1998.

[4]       Herrschaftspraxis und soziale Ordnungen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Ernst Schubert zum Gedenken, hg. von Peter Aufgebauer und Christine van den Heuvel, unter Mitarbeit von Brage Bei der Wieden, Sabine Graf und Gerhard Streich, Hannover 2006 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, 232), hier S. 571-574 ein Verzeichnis der bei ihm angefertigten Dissertationen und S. 575-591 das Schriftenverzeichnis.

[5]       Die Schlacht bei Langensalza, in: Hannovers Übergang vom Königreich zur preußischen Provinz 1866. Beiträge zu einer Tagung am 2. November 1991 in Göttingen, hg. von Rainer Sabbelleck, Hannover 1995 (Schriftenreihe des Landschaftsverbandes Südniedersachsen, 1), S. 101-123. – Siehe auch: Verdeckte Opposition in der Provinz Hannover: Der Kampf der „Welfen“ um die regionale Identität während des Kaiserreichs, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 134 (1998) S. 211-272.

[6]       Die Landstände des Hochstifts Würzburg, Würzburg 1967 (Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte. Reihe 9: Darstellungen aus der fränkischen Geschichte, 22), 213 S. – Zur fränkischen Landesgeschichte hat Ernst Schubert zahlreiche Aufsätze veröffentlicht und Beiträge zu den Fränkischen Lebensbildern verfaßt (Rudolf von Scherenberg, Julius Echter von Mespelbrunn, Albrecht Achilles von Brandenburg, Berthold VII. von Henneberg, Ulrich von Hutten), auch zur Neuen Deutschen Biographie (Peter Knorr, Reuß) oder zu vielen Stichworten im Lexikon des Mittelalters.

[7]       Arme Leute, Bettler und Gauner im Franken des 18. Jahrhunderts, Neustadt a.d. Aisch 1983 (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte. Reihe 9: Darstellungen aus der fränkischen Geschichte, 26), 486 S. (2. Aufl. 1990, 502 S.). – Gauner, Dirnen und Gelichter in deutschen Städten des Mittel-alters, in: Mentalität und Alltag im Spätmittelalter, hg. von Cord Meckseper und Elisabeth Schraut, Göttingen 1985 (2. Aufl. 1991), S. 97-128. – Mobilität ohne Chance: Die Ausgrenzung des fahrenden Volkes, in: Ständische Gesellschaft und soziale Mobilität, hg. von Winfried Schulze, München 1988 (Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien, 12), S. 113-164. – Soziale Randgruppen und Bevölkerungsentwicklung im Mittelalter, in: Saeculum 39 (1988) S. 294-339. – Die verbotene Existenz der Zigeuner, in: Die Legende vom Ritualmord. Zur Geschichte der Blutbeschuldigung gegen Juden, hg. von Rainer Erb, Berlin 1993 (Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Dokumente, Texte, Materialien, 6), S. 179-200. – Der Betrügerische Bettler im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, in: Festgabe für Dieter Neitzert zum 65. Geburtstag, hg. von Peter Aufgebauer u.a., Bielefeld 1998 (Göttinger Forschungen zur Landesgeschichte, 1), S. 71-107. – Spätmittelalter – die Rahmenbedingungen des Lebens kleiner Leute, in: Althoff, Gerd, Goetz, Hans-Werner, Schubert, Ernst: Menschen im Schatten der Kathedrale. Neuigkeiten aus dem Mittelalter, Darmstadt 1998, S. 229-350. – Der „starke Bettler“. Das erste  Opfer sozialer Typisierung um 1500, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 48 (2000) S. 869-893. – „Hausarme Leute“, „starke Bettler“: Einschränkungen und Umformungen des Almosengedankens um 1400 und um 1500, in: Armut im Mittelalter, hg. von Otto Gerhard Oexle, Ostfildern 2004 (Vorträge und Forschungen, 58), S. 283-347.

[8]       Fahrendes Volk im Mittelalter, Bielefeld (und auch Darmstadt) 1995, 497 S. – Das Interesse an Vaganten und Spielleuten, in: Mediävistik im 21. Jahrhundert, hg. von Hans-Werner Goetz und Jörg Jarnut, München 2003 (MittelalterStudien des Instituts zur Interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens, Paderborn, 1), S. 409-426.

[9]       Der Fremde in den niedersächsischen Städten des Mittelalters, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 69 (1997) S. 1-44. – Fremde und Erfahrungen des Fremden im mittelalterlichen und frühneu-zeitlichen Deutschland, in: Angeworben – eingewandert – abgeschoben. Ein anderer Blick auf die Einwande-rungsgesellschaft Bundesrepublik Deutschland, hg von Katja Dominik u.a., Münster 1999, S. 56-82. – L’Étranger et les expériences de l’étranger dans l’Allemagne médiévale et moderne. La maison (Haus) et l’étranger (Fremde) au Moyen Âge: une introduction, in: L’Étranger au Moyen Âge. XXXe congrès de la Société des Historiens Médiévistes de l’Enseignement Supérieur Public (Göttingen, juin 1999), Paris 2000 (Publications de la Sorbonne. Série Histoire ancienne et médiévale, 61), S. 191-215.

[10]     Daily Life, Consumption and Material Culture, in: Germany. A New Social and Economic History, Bd. 2: 1630-1800, hg. von Sheilagh Ogilvie, London 1996, S. 350-376. – Alltag im Mittelalter. Natürliches Lebens-umfeld und menschliches Miteinander, Darmstadt 2002, 423 S. – Der Alltag im spätmittelalterlichen Göttingen, in: 1050 Jahre Göttingen. Streiflichter auf die Göttinger Stadtgeschichte, hg. von Klaus Grubmüller, Göttingen 2004, S. 32-47.

[11]     Das Schauspiel in der spätmittelalterlichen Stadt, in: Stadt und Theater, hg. von Bernhard Kirchgässner und Hans-Peter Becht, Stuttgart 1999 (Südwestdeutscher Areitskreis für Stadtgeschichtsforschung, 35; Stadt und Geschichte, 25), S. 19-70.

[12]     Der Wald: wirtschaftliche Grundlage der spätmittelalterlichen Stadt, in: Mensch und Umwelt im Mittelalter, hg. von Bernd Herrmann, Stuttgart 1986 (3. Aufl. 1987, danach im Taschenbuch), S. 257-274. – (Hg., mit Bernd Herrmann) Von der Angst zur Ausbeutung. Umwelterfahrung zwischen Mittelalter und Neuzeit, Frankfurt a.M. 1994, 185 S., darin: Scheu vor der Natur – Ausbeutung der Natur. Formen und Wandlungen des Umweltbewußtseins im Mittelalter, S. 13-58.

[13]     Fress- und Sauffgrewel? Was man im Mittelalter aß und trank, Darmstadt 2005, 61 S. – Essen und Trinken im Mittelalter, Darmstadt 2006, ca. 368 S. (im Druck).

[14]     König und Reich. Studien zur spätmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte, Göttingen 1979 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 63), 419 S. – Siehe auch: Die Stellung der Kur-fürsten in der spätmittelalterlichen Reichsverfassung, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 1 (1975) S. 97-128. – Königswahl und Königtum im spätmittelalterlichen Reich, in: Zeitschrift für historische Forschung 4 (1977) S. 257-338. – Franken als königsnahe Landschaft unter Karl IV., in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 114 (1978) S. 865-890. – Das Königsland: zu Konzeptionen des römischen Königtums nach dem Interregnum, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 39 (1979) S. 23-40. – Kurfürsten und Wahl-königtum. Die Wahlen von 1308, 1314 und 1346 und der Kurverein von Rhens, in: Balduin von Luxemburg, hg. von Franz-Josef Heyen, Mainz 1985 (Lebendiges Rheinland-Pfalz, 22,3), S. 103-117. – Probleme der Königs-herrschaft im spätmittelalterlichen Reich. Das Beispiel Ruprechts von der Pfalz, in: Das spätmittelalterliche Königtum im europäischen Vergleich, hg. von Reinhard Schneider, Sigmaringen 1987 (Vorträge und Forschungen, 32), S. 135-184. - Die deutsche Königswahl zur Zeit Johanns von Böhmen, in: Johann der Blinde, Graf von Luxemburg, König von Böhmen Tagungsband der 9es Journées Lotharingiennes, 22.-26. Oktober 1997, Centre Universitaire de Luxembourg, hg. von Michel Pauly, Luxemburg 1997 (Publications de la Section Historique de l’Institut G.-D. de Luxembourg, 115; Publications du CLUDEM, 14), S. 135-166. – Der Mainzer Kurfürst als Erzkanzler im Spätmittelalter, in: Der Mainzer Kurfürst als Reichserzkanzler. Funktionen, Aktivi-täten, Ansprüche und Bedeutung des zweiten Mannes im alten Reich, hg. von Peter Claus Hartmann, Stuttgart 1997 (Geschichtliche Landeskunde, 45), S. 77-97.

[15]     Fürstliche Herrschaft und Territorium im späten Mittelalter, München 1996 (Enzyklopädie deutscher Geschichte, 35), IX+141 S. (2. Aufl. 2006, 138 S.). Vgl. Die Umformung spätmittelalterlicher Fürstenherrschaft im 16. Jahrhundert, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 63 (1999) S. 204-263. – Vom Gebot zur Landesordnung. Der Wandel fürstlicher Herrschaft vom 15. zum 16. Jahrhundert, in: Die deutsche Reformation zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit, hg. von Thomas A. Brady, München 2001 (Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien, 50), S. 19-61. – Die Harzgrafen im ausgehenden Mittelalter, in: Hochadelige Herrschaft im mitteldeutschen Raum (1200 bis 1600). Formen – Legitimation – Repräsentation, hg. von Jörg Rogge und Uwe Schirmer, Stuttgart 2003 (Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte, 23), S. 13-115.

[16]     Königsabsetzung im Mittelalter. Eine Studie zum Werden der Reichsverfassung, Göttingen 2005 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, 267), 613 S. – Zuvor schon: Die Absetzung König Adolfs von Nassau, in: Studien zur Geschichte des Mittelalters. Jürgen Petersohn zum 65. Geburtstag, hg. von Matthias Thumser u.a., Stuttgart 2000, S. 271-301.

[17]     Die Quaternionen. Entstehung, Sinngehalt und Folgen einer spätmittelalterlichen Deutung der Reichsverfassung, in: Zeitschrift für historische Forschung 20 (1993) S. 1-63.

[18]     Der Zweikampf. Ein mittelalterliches Ordal und seine Vergegenwärtigung bei Heinrich von Kleist, in: Kleist-Jahrbuch (1988/1989) S. 280-304.

[19]     Mittelalterliche Geschichte: Geschlechter- und Sozialgeschichte. Dialog zwischen Claudia Opitz und Ernst Schubert, in: Zweierlei Welten? Feministische Wissenschaftlerinnen im Dialog mit der männlichen Wissen-schaft, hg. von Helgard Kramer, Frankfurt a.M. 1992, S. 123-140.

[20]     Die Geschichte der Habilitation, in: 250 Jahre Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Festschrift, hg. von Henning Kössler, Erlangen 1993 (Erlanger Forschungen. Sonderreihe, 4), S. 115-151.

[21]     Von der Interzonengrenze zur Zonengrenze. Die Erfahrung der entstehenden Teilung Deutschlands im Raum Duderstadt 1945-1949, in: Grenzland. Beiträge zur Geschichte der deutsch-deutschen Grenze, hg. von Bernd Weisbrod, Hannover 1993 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, 38; Quellen und Untersuchungen zur Geschichte Niedersachsens nach 1945, 9), S. 70-87.

[22]       Das seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts vermehrte Bauuntersuchungsinteresse der Forscher (bes. von Ludwig Häbler, dem Berater der Schloßbauverwaltung seit 1815) aufnehmend hat Konrad Steinbrecht, der spätere Marienburger Konservator, eine treffende Bemerkung des preußischen Provinzialkonservators Ferdinand von Quast (Quast, Ferdinand von: Beitrage zur Geschichte der Baukunst in Preussen, Tl. 3: Schloß Marienburg, in: Neue Preußische Provinzial-Blätter 11 [1851] S. 8-15) rund einhundert Jahre später zum Ausgangspunkt der Palastgeschichte gemacht, siehe Steinbrecht, Konrad: I. Der Hochmeisterpalast, in: Geschäftsbericht des Vorstandes des Vereins für die Herstellung und Ausschmückung der Marienburg für die Zeit vom 1. Oktober 1916 bis zum 1. Juli 1920, Danzig 1920, S. 7-16. Seine Ergebnisse wurden in jüngerer Zeit von Karl Heinz Clasen und Bernhard Schmid bestätigt, siehe Clasen, Karl Heinz: Der Hochmeisterpalast der Marienburg. Königsberg Pr. 1924, sowie: Die Marienburg. Ihre Baugeschichte, dargestellt von Bernhard Schmid, Schloßbaumeister der Marienburg, aus dem Nachlaß hg., erg. und mit Abb. versehen von Karl Hauke, Würzburg 1955 (Deutsche Baukunst im Osten, 1), hier S. 47-62. Die Methode der Bauforschung, dann aber doch nur für Erklärungen in den Einzelheiten verwendet, wurde erst wieder von der polnischen Denkmalpflege (PP PKZ Gdańsk/Danzig) angewendet, siehe Kąsinowski, Antoni: Wyniki badań architektonicznych (Ergebnisse der Bauforschungen), Ms. masch. im Archiv des Schloßmuseums zu Malbork/Marienburg 1963, und erst in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts um neue Motive und Hypothesen erweitert, vgl. Kilarski, Maciej: Die ikonographischen und baulichen Wandlungen der Marienburg im 19. und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, in: Deutscher Orden 1190-1990, hg. von Udo Arnold, Lüneburg 1997 (Tagungsberichte der Historischen Kommission für Ost- und Westpreußische Landesforschung, 11), hier S. 186; Pospieszny, Kazimierz: Der Hochmeisterpalast der Marienburg. Forschungen zum Ostteil des Hauptgeschosses, in: Burgen kirchlicher Bauherren, hg. von der Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern in Verbindung mit dem Germanischen Nationalmuseum, München u.a. 2001 (Forschungen zu Burgen und Schlössern, 6), S. 71-94; Jesionowski, Bernard: Uwagi na temat ostatnich badań we wsch. części głównej kondygnacji Pałacu Wielkich Mistrzów w Malborku (Anmerkungen zum Thema der letzten Forschungen am Hauptgeschoß der Ostseite des Hochmeisterpalastes zu Marienburg), in: Praeterita Posteritati. Studia z historii sztuki i kultury ofiarowane Maciejowi Kilarskiemu (Studien der Kunst- und Kulturgeschichte, gewidmet Maciej Kilarski], Malbork 2001, S. 179-197.

[23]       Zur Datierung aufgrund der Schriftquellen vgl. Schmid, Marienburg (wie Anm. 1) S. 53-55.

[24]       Die architektonische Abfolge wurde im Lauf der Bauforschungen 1994-1998 nachgewiesen, vgl. Pospieszny, Hochmeisterpalast (wie Anm. 1) passim.

[25]       Pospieszny, Kazimierz: Gotycki wystrój malarski głównego piętra Pałacu Wielkich Mistrzów w Malborku w świetle ostatnich odkryć (Die gotische Malausschmückung auf dem Hauptgeschoß des Hochmeisterpalastes zu Marienburg im Licht der letzten Entdeckungen), in: Acta Universitatis Nicolai Copernici 17 (1991) S. 231-247.

[26]       Zur Definition von Residenz im Zusammenhang mit dem Zeremoniell siehe Paravicini, Werner: Zeremoniell und Raum, in: Zeremoniell und Raum, hg. von Werner Paravicini, Sigmaringen 1997 (Residenzenforschung, 6) S. 11- 36. Historisch gehört an den Anfang der Residenz-Entwicklung des neuen Typs der Vatikan von ca. 1300. Danach, vor der Mitte des 14. Jahrhunderts, ist das Zentrum aller Umwandlungen einschließlich der Kurie nach Avignon übergegangen. Dort folgte die normative Betrachtung der Formen des „byzantinisch-päpstlichen” Zeremoniells einer Differenzierung in der Architektur und in der Hierarchisierung der Wohnräume, vgl. Żuchowski, Tadeusz J.: Vatikan – Avignon – Marienburg. Die Genese der funktionalen Anordnung der Marienburger Hochmeisterresidenz, in: Burgen kirchlicher Bauherren (wie Anm. 1) S. 29-36; Kerscher, Gottfried: Architektur als Repräsentation. Spätmittelalterliche Palastbaukunst zwischen Pracht und zeremonieller Voraussetzung. Avignon – Mallorca – Kirchenstaat, Berlin 2000, passim., siehe die Buchvorstellung von Uwe Albrecht, in: Mitteilungen der Residenzen-Komission 13,1 (2003) S. 87f., hier S. 87: „Bauformen und Zeremoniell bedingten sich gegenseitig, wobei letzteres in Verbindung mit Hofordnungen und den Regeln der Etikette nicht selten für Architektur konstitutiv war.“

[27]       Albrecht, Uwe: Der Adelssitz im Mittelalter, München u.a. 1995, S. 88.

[28]       Ohne die päpstlichen Residenzen zu übersehen, war in der Bauzeit der Marienburg das funktionale Schema des Louvre Karls V (1364-1380) Modell der neuen Herrschaftsrepräsentation, siehe Whiteley, Mary: Royal and Ducal Palastes in France in the Fourteenth and Fifteenth Centuries. Interior, ceremony and function, in: Architecture et vie sociale. L’organisation intérieure des grandes demeures à la fin du Moyen Âge et à la Renaissance. Actes du colloque tenu à Tours du 6 au 10 juin 1988, hg. von Jean Guillaume, Paris 1994, S. 47-63.

[29]       Jähnig, Bernhard: Organisation und Sachkultur der Deutschordensresidenz Marienburg, in: Vorträge und Forschungen zur Residenzenfrage, hg. von Peter Johanek, Sigmaringen 1990 (Residenzenforschung, 1), S. 45-75.

[30]       Clasen, Hochmeisterpalast (wie Anm. 1) S. 73.

[31]     Ebd., S. 60.

[32]     Ebd., S. 93ff. Clasen war im Gegensatz zu den beiden Konservatoren der Marienburg aus der Zeit vor 1945, Konrad Steinbrecht und Bernhard Schmid, skeptisch gegenüber der Verwendung Fellensteins im Palastbau, was die heterogenen Formen der Architektur bestätigen.

[33]     Eine solche Haltung bezog sich in beiden Fällen auf Vorurteile, was die Forscher in eine Sackgasse führte, vgl. Anzelewsky, Fedja: Der Hochmeisterpalast der Marienburg, in: Burgen und Schlösser 11 (1985), S. 65-73; Herrmann, Christofer: Die mittelalterliche Architektur im Gebiet der ehemaligen preußischen Bistümer (Kulm, Pomesanien, Ermland und Samland). Untersuchungen zur Frage der Kunstlandschaft und -geographie, Olsztyn 2003, S. 367-368.

[34]     Chrzanowski, Tadeusz, Kornecki, Marian: Pomorze Wschodnie (Ostpommern), in: Architektura gotycka w Polsce, Bd. 1, Warszawa 1995 (Dzieje sztuki polskiej, 2,3,2), S. 105-106.

[35]     Siehe Kerscher, Architektur (wie Anm. 5) S. 213, Anm. 20, vgl. Żuchowski, Tadeusz J.: Pałac papieski na Watykanie od końca V do początku XVI wieku (Der Papstpalast im Vatikan von Ende des 5. Jahrhunderts bis Anfang des 16. Jahrhunderts), Poznań 1999, S. 111, 127, der die Marienburger Residenz, v.a. in sozialer Hinsicht, mit dem Vatikan und Avignon vergleicht, siehe auch Żuchowski, Vatikan (wie Anm. 5) S. 34-35.

[36]     Pospieszny, Hochmeisterpalast (wie Anm. 1) pass.

[37]     Paravicini, Werner: Die Preußenreisen des europäischen Adels, Tl. 1, Sigmaringen 1989 (Beihefte der Francia, 17), S. 270. Der ordensritterliche Grund des Hochmeister-Hofzeremoniells scheint offensichtlich, siehe Żuchowski, Vatikan (wie Anm. 5) S. 31-34, doch die Quellen zeichnen ein widersprüchliches Bild des weltlich-höfischen Verhaltens und der Sitten, die am Hof des Hochmeisters eingeführt wurden, z.B. der Vorfall 1408 mit einem Affen in der Palastkapelle, erwähnt bei Boockmann, Hartmut: Die Bautätigkeit des Deutschen Ordens anhand des Tresslerbuchs, in: Sztuka w kregu zakonu krzyzackiego w Prusach i Inflantach (Die Kunst um den deutschen Orden in Preußen und Livland), Toruń 1995 (Studia Borussico-Baltica Torunensia historiae artium, 2), S. 137-138.

[38]     Albrecht, Adelssitz (wie Anm. 6) S. 87.

[39]     Ebd.

[40]     Ebd.

[41]     Über die „Rückkehr zum bewohnten Donjon” Albrecht, Uwe: Von der Burg zum Schloß. Französische Schloßbaukunst im Spätmittelalter, Worms 1986, S. 33-40.

[42]     Chapelot, Jean: Le Château de Vincennes: une residence royale au Moyen âge, Paris 1994.

[43]     Albrecht, Adelssitz (wie Anm. 6) S. 88.

[44]     Albrecht, Burg (wie Anm. 20) S. 34-63. Um die Wende vom dritten zum letzten Viertel des 14. Jahrhunderts ist der Außentreppe als „repräsentativer“ Faktor eine entscheidende Rolle für die Qualität des Zeremoniells zugekommen, siehe Whiteley, Mary: Deux escaliers royaux du XIVe siècle: les „grands degrés“ du palais de la Cité et la „grande vis“ du Louvre, in: Bulletin Monumental 147 (1989) S. 133-154; Paravicini, Zeremoniell (wie Anm. 5) S. 24.

[45]     Albrecht, Burg (wie Anm. 20) S. 37, 46.

[46]     Ebd., S. 43-45.

[47]     Während der archäologischen Ausgrabungen 1980 im Hof, vor der Palastfassade, wurde ein präzis abgedrücktes Negativ eines parallel zur Fassade gelegenen Pfeilers gefunden, siehe Pawłowski, Antoni: Osada ludności oksywskiej na dziedzińcu Zamku Średniego w Malborku (Eine Siedlung des Oksywska-Stammes am Hof des Mittelschlosses zu Marienburg), in: Pomorania Antiqua 14 (1990) S. 163-183, das zusammen mit den Ergebnissen der Bauforschungen 1994-1998 eine recht genaue Lokalisierung der Außentreppe ermöglichte, vgl. Pospieszny, Hochmeisterpalast (wie Anm. 1) S. 79-85.

[48]     Diese bauarchitektonischen Daten, aus dem Umbau der Vasa-Zeit um 1600, kann man in der polnischen, königlichen Revision des Marienburger Schlosses von 1565 finden, vgl. Pospieszny, Hochmeisterpalast (wie Anm. 1) S. 84.

[49]     Clasen, Hochmeisterpalast (wie Anm. 1) S. 72-73.

[50]     Kerscher, Architektur (wie Anm. 5) S. 210-216.

[51]     Diese und die anderen Wehrkirchen in der Gegend sind dort in das 12. Jahrhundert zu datieren, siehe Clasen, Hochmeisterpalast (wie Anm. 1) S. 63, 65. Weiter hat der Autor das Verteidigungssystem an den  Strebepfeilern als „typisch kirchliche Wehrkunst“ (S. 69) beschrieben, welches aber – entscheidend für den Palast zu Marienburg – in Avignon 1336-1376 verwendet wurde.

[52]     Anschaulich zum Thema der „freien compagnons“ Tuchman, Barbara W.: Odległe zwierciadło, czyli rozlicznymi plagami nękane XIV stulecie, Katowice 1993 (engl. Orig. A Distant Mirror. The Calamitous 14th Century, London 1980), S. 162-165, die die kaum zu überwindende Ratlosigkeit der mittelalterlichen Herrscher gegenüber diesem Phänomen zeigt. Sogar die Päpste fürchteten sich in ihrem Festungs-Palast zu Avignon. Siehe jetzt Fowler, Kenneth: Medieval Mercenaries, Bd. 1: The Great Companies, Oxford 2001.

[53]     Das Thema, das auch Clasen, Hochmeisterpalast (wie Anm. 1) S. 71-72, behandelt, erfordert eine gesonderte Betrachtung und weitere Studien.

[54]     Kimpel, Dieter, Suckale, Robert: Die gotische Architektur in Frankreich 1130-1270, München 1985, S. 196.

[55]     Der Beispiel Sens zeigt, daß die Doppelflächigkeit der Wand (mit dem optischen Effekt von Leichtigkeit und Durchscheinbarkeit) im Fall der gotischen Räume durch Abschneiden der schmalen Strebepfeiler erfolgte (mit Bündeldiensten, manchmal mit gemeinsamem Kapitelband), die nach innen eingezogen sind, also eine Art Umgang bewirkten. In Wirklichkeit war dies eine Reduktion der dicken Mauern romanischer Herkunft. Das Motiv der angehängten Wände verwandte man vom zweiten Viertel des 12. bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts in zahlreichen kirchlichen Fassaden mit Säulchen-Galerien, von der Lombardei bis in das Rheingebiet, siehe Kimpel, Suckale, Architektur (wie Anm. 33) S. 369ff.

[56]     In der Spätgotik benutzte man dieses Motiv allerdings in der reduzierten Form post-parlerischer Architektur in den Städten, siehe Helten, Leonhard: Kathedralen für Bürger, Utrecht 1994, S. 119-121.

[57]     Die zweigeschossige Konstruktion des Verbindungsganges entlang den Wohnflügeln – die in Analogie zur Nordseite des Turm-Risalits in der Marienburg besteht – scheint typologisch wichtiger zu sein als die Art ihrer Unterstützung, siehe Albrecht, Adelssitz (wie Anm. 6) S. 127-129. Die Art der Anhängung der Konstruktion wurde in der Architektur für Arkadenlauben wie schmale Umgänge verwendet und hatte in Westeuropa eine lange Tradition, so u.a. der zweigeschossige Kreuzgang des Bonner Münsters von der Mitte des 12. Jahrhunderts, siehe Lehfeldt, Paul: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Düsseldorf 1886, S. 75; für manche war dies der entscheidende Beleg für die Herkunft des Marienburger Baumeisters, vgl. Anzelewsky, Hochmeisterpalast (wie Anm. 12) S. 73.

[58]     „Halb Burg, halb Schloß, …“, Albrecht, Burg (wie Anm. 20) S. 57-58.

[59]     Zu einem der entscheidenden Merkmale der ordens-preußischen Architektur zählt man den mit einer Ziegelmauer (Backstein) komponierten Kalkstein von Gotland, einschließlich der von dort importierten, architektonischen Details – vor allem die Pfeiler-Basen und die Kapitelle (Granit-Schäfte aus Livland?). Der in zahlreichen monumentalen Bauten im südlichen Ostseeraum, von Lübeck über Heilsberg/Lidzbark Warmiński bis Kokenhusen/Koknese (Lettland) seit Mitte des 14. Jahrhunderts benutzte Naturstein (im Gegensatz zu dem vor Ort gefertigten Kunststein) wurde in der Bauplastik des Marienburger Risalits (Donjon) und in der Portal-Umrahmung des Haupteinganges verwendet. Das erforderte die  Beschäftigung einer erfahrenen Steinmetzwerkstatt, siehe Jurkowlaniec, Tadeusz: Gotycka rzeźba architektoniczna w Prusach (Die gotische Bauskulptur in Preußen), Wrocław 1989, passim, bes. S. 181-182. Innerhalb des West-Risalits, vor allem in den beiden Remtern im Hauptgeschoß, wurden in der Zeit der Restaurierung 1990-91 35 Steinmetzzeichen gefunden.

[60]     Das Problem erfordert gesonderte Forschungen. In der Literatur ist die Rede von zahlreichen französischen, burgundischen, rheinischen, englischen und böhmischen Werkstatteinflüssen, vgl. Chrzanowski, Kornecki, Pomorze (wie Anm. 13) S. 105-106; Torbus, Tomasz: Die Konventsburgen im Deutschordensland Preußen, München 1998 (Schriften des Bundesinstituts für Ostdeutsche Kultur und Geschichte, 11), S. 271-283.

*       Dr. Kazimierz Pospieszny, Starociska 3/8, PL-82200 Malbork.

*       Prof. Dr. Ivan Hlaváček, Lehrstuhl für historische Hilfswissenschaften und Archivistik der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität Prag, Nám. Jana Palacha 2, CZ-116 38 Praha.

*       Wir nennen künftig nur noch Kolloquien, Tagungen, Jubiläen, Ausstellungen, die ab Erscheinen der aktuellen Mitteilungen noch stattfinden oder künftig stattfinden werden, siehe ansonsten unsere Internetseite unter der oben angegebenen Adresse.

*       Dr. Ulf Christian Ewert, Philosophische Fakultät, Fachgebiet Geschichte, Technische Universität Chemnitz, D-09107 Chemnitz.

*       Dr. Carola Fey, Justus-Liebig-Universität Gießen, Historisches Institut, Mittelalterliche Geschichte, Otto-Behaghel-Straße 10C, D-35394 Gießen.

*       Evelyn Korsch, Castello 3334, I-30122 Venezia.

[61]       Patze, Hans; Streich, Gerhard: Die landesherrlichen Residenzen im spätmit­telalterlichen Deutschen Reich, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 118 (1982) S. 205-220, hier bes. S. 216ff.

[62]       Siehe hierzu Meinhardt, Matthias; Ranft, Andreas: Das Verhältnis von Stadt und Residenz im mitteldeutschen Raum. Vorstellung eines Forschungsprojektes der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, in: Sachsen und Anhalt. Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt 24 (2002/2003) S. 391-405, sowie die kurze Projektanzeige in den MRK 12/1 (2002) S. 53f. Eine aktualisierte Projektdarstellung und ein Verzeichnis der bislang vorgelegten Publikationen wird demnächst auf der Homepage des Instituts für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (http://www.geschichte.uni-halle.de) abgerufen werden können.

[63]       Siehe hierzu den Bericht von Harm von Seggern in den MRK 14/2 (2004) S. 23-31. Die Publikation der Tagung wird gegenwärtig vorbereitet.

[64]       Małecki, Jan M.: Königliche Residenz und Stadt: Der Einfluß des Hofes auf das Wirtschaftsleben Krakaus im 16. Jahrhundert, in: Krakau, Prag und Wien. Funktionen von Metropolen im frühmodernen Staat, hg. von Marina Dmitrieva und Karen Lambrecht, Stuttgart 2000 (Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa, 10), S. 93-101.

*       Dr. Matthias Meinhardt, Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, D-06099 Halle (Saale).

[65]       Eine einführende Projektskizze Cordula Noltes erschien in den MRK 8/2 (1998), S. 59-64.

[66]       Spiess, Karl-Heinz: Familie und Verwandtschaft im deutschen Hochadel des Spätmittelalters. 13. bis Anfang des 16. Jahrhunderts, Stuttgart 1993 (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Beihefte, 111). – Rogge, Jörg: Herrschaftsweitergabe, Konfliktregelung und Familienorganisation im fürstlichen Hochadel. Das Beispiel der Wettiner von der Mitte des 13. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, Stuttgart 2002 (Monographien zur Geschichte des Mittelalters, 49).

*       Dr. Sven Rabeler, Historisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Olshausenstr. 40, D-24098 Kiel

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