Akademie der Wissenschaften zu GöttingenResidenzen-
Kommission
Arbeitsstelle Kiel
Akademie der
Wissenschaften
zu Göttingen
Tres riches heures, Duc de Berry, SeptemberbildKleine Schriften UB Kiel (©)Karlsruher virtueller Katalog (KvK)Kleine Schriften UB Kiel (©)Tres riches heures, Duc de Berry, Septemberbild
Login      Hilfe Aktuelles | Publikationen | Handbuch | Symposien | Home | Kontakt | Suchen:

 

__________________________________________________

 

Mitteilungen der Residenzen-Kommission

der

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

 

 

Jahrgang 13 (2003) Nr. 2

 

 

 

Mitteilungen der Residenzen-Kommission

der

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

 

 

Jahrgang 13 (2003) Nr.2

 

 

Residenzen-Kommission

Arbeitsstelle Kiel

 

 

 

ISSN 0941-0937

 

Herstellung:

Vervielfältigungsstelle

der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

 

 

Titelvignette:

Caspar Merian, Halle (Saale), Gesamtansicht
Kupferstich, 14,6 x 38,7 cm, 1653

Abb. nach
Merian, Matthaeus: Topographia Germaniae, Bd. 14: Topographia Saxoniae Inferioris,
Frankfurt am Main 1653

 

Inhalt

 

Vorwort *

Aus der Arbeit der Kommission *

19. Sitzung der Residenzen-Kommission am 6. Oktober 2003 *

Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich.
Ein dynastisch-topographisches Handbuch *

9. Symposium der Residenzen-Kommission *

Die Arbeit der anderen *

Thesen zur Rekonstruktion höfischer Zeichensysteme in der Frühen Neuzeit,
von Peter-Michael Hahn, Potsdam, und Ulrich Schütte, Marburg *

Europäische Metropolen und deutsche Kapitalen Symbolpolitik im öffentlichen
Raum deutscher Residenzstädte, ca. 1750-1848,
von Marc Schalenberg, Berlin *

Kolloquiumsberichte *

Ernst von Wettin und Albrecht von Brandenburg,
von Andreas Tacke, Marburg *

Athanasius Kircher (1602-1680) – Jesuit und Universalgelehrter,
von Berthold Jäger, Fulda *

Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen *

Buchvorstellungen *

Meier, Frank: Hans von Waltheym auf Pilgerfahrt und Bildungsreise.
Mobilität als didaktischer Zugang zur mittelalterlichen Geschichte,
Hamburg 2003 (Studien zur Geschichtsforschung des Mittelalters, 18),
von Jörg Wettlaufer, Kiel. *

Ährenlese aus der frühneuzeitlichen "residential-höfischen" tschechischen
Literatur der letzten Jahre,
von Ivan Hlavácek, Prag *

Neuerscheinungen *

Die Arbeitsstelle Kiel *

 

*****

Wenn Sie den Mitteilungen einen Text zusenden wollen (bitte, tun Sie es: nächster Redaktionsschluß ist der 1. April 2004), dann schicken Sie ihn bitte an mich über die Redaktion in Kiel oder direkt nach Paris. Die jeweiligen Adressen sind, wie stets, auf der letzten Seite angegeben.

W.P.

Vorwort

 

Ach, die Freude währt nur kurz: ist das Werk endlich erschienen, sind die Gedanken schon vom nächsten Plan befangen und halten nicht recht inne. Gleichwohl: der erste Teil unseres Handbuchs "Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich" ist tatsächlich erschienen, fristgerecht zur Frankfurter Buchmesse, Anfang Oktober, zwei Bände stark, zusammen 1638 Seiten. Qui fait mieux? "Ich", sagt sich ein jeder in corde suo. Jedoch: Machs nach (oder so ähnlich) steht am Berner Münster und rückt die Dinge zurecht. Die generösen Autoren bekommen das Monument für 90 Euro (und dazu einen elektronischen Sonderdruck-Ersatz, mehr war nicht herauszuschlagen), andere Sterbliche bis Jahresende für 130 Euro; dann wird es teurer, 160 Euro, das heißt nur 10 Cent pro Seite, das ist doch wirklich nicht zuviel. Weshalb das Werk so billig zu haben ist? Weil die Fritz Thyssen Stiftung ordentlich zugeschossen hat (zusammen mit der Göttinger Akademie). Ihr wird besonderer Dank geschuldet, zumal sie auch eine der beiden Kieler Stellen finanziert. Schön, daß dieser Mäzen noch ergreift, was ihm an Vernünftigem angeboten wird, das "unzeitgemäße" Gießkannenprinzip praktiziert und nicht der größeren "Effizienz" wegen "bündelt". Möge er noch lange den Mut dazu haben. Wir versuchen derweil, weiter Förderungswürdiges zu produzieren. Der Verlag aber hat wiederum eilig Ansehnliches geschaffen. Auch ihm sind wir zu Dank verpflichtet und sagen es gern. Die Kieler Arbeitsstelle freut sich indes und schweigt. Schließlich kann sie sich ja nicht selber loben.

Der zweite Teil: "Bilder und Begriffe" (vgl. unten S. *) und der dritte: "Typologie der Texte" gehen derweil kräftig dem Entstehen entgegen. Was für Teil II zu schreiben ist, wurde schon weitgehend verteilt (aber immer noch: senden Sie aus Ihrem Material Bilder ein, auch wenn Sie nicht selbst zum Verfasser werden wollen!); von Teil III steht das Konzept und wird nach abschließender Besprechung auf der nächsten Sitzung der Kommission in Halle veröffentlicht werden. Jetzt aber schauen wir erst einmal auf eben dieses Hallenser Symposium "Der Hof und die Stadt" im September des Jahres 2004. Auch hier ist schon alles eingetütet. Man wird nicht nur aus deutschen Landen, sondern auch stattlich aus Frankreich und Belgien anreisen, wie sich das gehört. Das Programm ist unten S. *-*. zu lesen.

Das gegenwärtige Heft besteht aber nicht nur aus Rückblicken und Ankündigungen. Peter-Michael Hahn und Ulrich Schütte haben uns die neueste Version Ihres gehaltvollen Papiers zur Rekonstruktion höfischer Zeichensysteme anvertraut. Es ist der längste Text, den wir bisher in einem Heft der Mitteilungen veröffentlicht haben, aber eben eine Pflichtlektüre für den Hofes- und Residenzenforscher. Symbolforschung ist ohnehin zur Zeit die tarte à la crème (S. *-*); auch unser nächstes Symposium schaut vor allem auf die Zeichen. Hingewiesen sei noch auf die neuesten Nachrichten aus der böhmischen Forschung, die Ivan Hlavácek uns vermittelt (S. *).

Außerdem: diesmal erhalten Sie doppelt so viel Papier wie sonst und das weiterhin gratiose & gratis, nämlich Sonderheft 6 der Mitteilungen zu den höfischen Festen – Grund genug sich zu freuen und der wackeren Kieler Truppe zu danken – nein, ich meine nicht die Arbeitsstelle, sondern das Historische Seminar.

Dieses bereitet ja auch den nächsten Historikertag vor. Mit Zittern und Zagen erwarten wir die Entscheidung des Vorstands des Historikerverbandes (genauer: des Verbandes der Historikerinnen und Historiker Deutschlands), der unter 140 Sektions-Angeboten 45 mögliche aussuchen muß. Ob unser vorgeschlagenes "Gehäuse der Macht" darunter sein wird? Eben erfahren wir, daß wir zu den Glücklichen gehören: Auf denn zum Wiedersehen in Kiel!

Vergnügliche Lektüre wünscht Ihnen,

lieber Leser, liebe Leserin,

Ihr

Werner Paravicini

 

Aus der Arbeit der Kommission

 

Aus dem Protokoll der 19. Sitzung der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen in Göttingen am 6. Oktober 2003

1. Handbuch

    • Dynastisch-topographischer Band

Vorstellung des termingerecht erschienenen Bandes.

Die Akademie garantiert die Übernahme der Druckkosten, falls die Thyssen-Stiftung keinen Zuschuß bewilligt [inzwischen hat die Thyssen-Stiftung den beantragten Druckkostenzuschuß gewährt].

Die Kommission spricht sich für eine verstärkte Bewerbung des Handbuches auch in Tages- und Wochenzeitungen und populärwissenschaftlichen Periodika aus.

Die Kommission unterstützt den Vorschlag der Arbeitsstelle, Sonderdrucke per E-mail zu versenden, und die entsprechende [inzwischen gewährte] Bitte an den Verlag, die Druckdatei zu diesem Zweck zur Verfügung zu stellen.

    • Bilder und Begriffe

Dr. Wettlaufer berichtet über den Stand des Arbeitsfortschritts:

Bislang wurden 60 Autoren für die insges. 56 Artikel und 158 Stichworte gewonnen. Bei 19 Autoren laufen zur Zeit noch Anfragen zur Übernahme eines Artikels oder eines Stichworts. Drei Stichworte und ein Artikel sind zur Zeit noch vakant, d.h. es ist noch bei keinem Autor erneut angefragt worden. Die Zahl der zu erwartenden externen Autoren wird auf voraussichtlich 80-90 steigen.

Eine Kalkulation der voraussichtlichen Seitenzahl des geplanten Bandes führt zu dem Ergebnis, daß mit knapp 600 Seiten Text und 282 bis 552 Abbildungen gerechnet werden muß. Dies wird erneut eine Aufteilung in zwei Teilbände notwendig machen.

Im Zusammenhang mit dem angestrebten Versand von Sonderdrucken der Artikel des dynastisch-topographischen Bandes (siehe oben), sollen die ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des dynastisch-topographischen Handbuches gebeten werden, die einst erbetenen Abbildungen zur Illustration ihrer Artikel nun an die Arbeitsstelle Kiel zu senden.

Die Diskussion der Mitglieder der Kommission hatte zum Ergebnis:

Begriffe können auch unillustriert bleiben.

Texte mit Illustrationen können auch kürzer sein als Texte ohne Illustrationen.

Redundanzen sollen durch Querverweise vermieden werden.

Die Texte sollen außer den drei Zeitschichten keine weitere vorgegebene Binnenstruktur befolgen.

Die Texte sollen typologisch, nicht enzyklopädisch sein, wobei das Ziel eines Abbildes der Totalität des Lebensraumes Hof nicht aus den Augen verloren werden dürfe.

    • Textband

Prof. Paravicini stellt das von Dr. Hirschbiegel und ihm erarbeitete erste Konzept eines Textbandes vor.

Die Diskussion der Mitglieder der Kommission hatte zum Ergebnis:

Notwendig sei ein Dachartikel über "Schriftlichkeit und Mündlichkeit bei Hofe".

In weitgehender Beschränkung auf gedrucktes Material kann keine Vollständigkeit des vorzustellenden Quellenmaterials angestrebt werden, die Auswahl wird notwendigerweise exemplarisch sein müssen.

Eine allzu differenzierte Begrifflichkeit bei der Liste der Quellentypen soll vermieden werden.

Der Begriff "Theorie" sollte durch einen passenderen wie bspw. "imaginaire" oder "Theorie und Didaktik" ersetzt werden.

Prof. Paravicini weist darauf hin, daß Prof. Spieß mitteilt, in Greifswald werden seit geraumer Zeit Quellen zur hochadeligen Herrschaftspraxis gesammelt, verfilmt und verschlagwortet. Auf dieses Material könne für den Textband zugegriffen werden.

Das Konzept soll nochmals an die Kommissionsmitglieder mit der Bitte um Ergänzung und Kritik verschickt werden [was inzwischen geschehen ist].

2. Residenzenforschung

    • Der Fall des Günstlings (Residenzenforschung, 17)

steht kurz vor dem Versand an den Verlag zum Zweck der Kalkulation [was inzwischen geschehen ist].

    • Volker Hirsch: Der Hof des Basler Bischofs Johannes von Venningen (1458-1478). Verwaltung und Kommunikation, Wirtschaftsführung und Konsum (Residenzenforschung, 16), steht kurz vor der Drucklegung [jetzt beim Verlag].
    • Aufnahme der Dissertationen von Andreas Bihrer: Der Konstanzer Bischofshof im 14. Jahrhundert. Herrschaftliche, soziale und kommunikative Aspekte (Prof. Zotz) und Cornell Babendererde: Sterben, Tod und liturgisches Gedächtnis im weltlichen Reichsfürstenstand des Spätmittelalters (Prof. Spieß) in die Reihe Residenzenforschung. Die Begutachtung der Arbeiten von Bihrer und Babendererde hatte die grundsätzliche Empfehlung für die Aufnahme der Arbeiten in die Reihe zur Folge. Der Druck muß jedoch fremdfinanziert werden.
    • Kasten, Edition der Hofordnungen von Jülich-Kleve-Berg, siehe MRK 13,1 (2003) S. 119.

3. Symposien

    • Halle 2004: Der Hof und die Stadt / La Cour et la Ville

Prof. Paravicini berichtet von der Planung des Symposiums zusammen mit Prof. Ranft in Halle. Er verteilt einen Entwurf des Tagungsablaufs, der von der Kommission angenommen wird [siehe unten S. *]. Nach endgültiger Festlegung des Tagungsprogramms sollen die Bewerber baldmöglichst benachrichtigt werden. Dabei möge allen Bewerbern grundsätzlich die Aufnahme in den Tagungsband in Aussicht gestellt werden [das Programm ist inzwischen festgelegt, alle Bewerber sind benachrichtigt]. Über die tatsächliche Aufnahme werde dann anhand der Ende Dezember 2004 eingegangenen Artikel entschieden. Der Antrag auf Übernahme der Kosten für die ausländischen Teilnehmer sei nun zu stellen.

    • Eutin 2006: Hof/Residenz und Finanzen

Prof. Paravicini schlägt als Haupttitel "Hofwirtschaft" vor.

Das Konzept für diese Tagung wird auf der nächsten Sitzung der Kommission in Halle diskutiert werden.

4. Historikertag 2004

Ein Vorschlag für eine Sektion "Das Gehäuse der Macht. Der Raum der Herrschaft im interkulturellen Vergleich. Antike – Mittelalter – Frühe Neuzeit" ist durch Prof. Paravicini dem Verband Deutscher Historiker unterbreitet worden, der nun über eine Aufnahme in das Programm [am 29. November] entscheidet, was abzuwarten ist.

5. MRK

Ein Bericht über die Hofordnungen des niedersächsischen Reichskreises wird aufgrund des Befundes Prof. Schuberts nach Sichtung des vorliegenden Materials nicht möglich sein. Da der gesammelte Bestand zu einem Drittel die Hofordnungen des Teilfürstentums Dannenberg betrifft, ist an eine entsprechende Magisterarbeit gedacht, deren Ergebnisse in den MRK vorgestellt werden könnten.

6. Varia

Prof. Paravicini berichtet über Vorträge und Veröffentlichungen der Mitarbeiter der Arbeitsstelle. Er weist auf einen öffentlichen Vortrag des Vorsitzenden über die Arbeit der Residenzen-Kommission am 12. Dezember 2003 in Göttingen in den Räumen der Akademie hin. Bei dieser Gelegenheit wird auch das dynastisch-topographische Handbuch einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden.

7. Nächste Sitzung

Montag, 26. September 2004 um 21:00 Uhr in Halle im Rahmen des nächsten Symposiums in den Räumen des Tagungshotels.

Werner Paravicini

Höfe und Residenzen
im spätmittelalterlichen Reich

Handbuch Teil 1

Das dynastisch-topographische Handbuch ist das erste von drei Handbüchern: Ein Band »Bilder und Begriffe« und ein Quellen-band werden folgen. Es stellt mit Hilfe von 200 Autoren aus dem In- und Ausland erstmals in fast 600 Einzelartikeln die Höfe und Residenzen des spätmittel­alterlichen Reiches vor und nimmt dabei die verfassungs­geschichtliche Realität des

Werner Paravicini (Hg.)
Jan Hirschbiegel und Jörg Wettlaufer (Bearb.)
Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich
Ein dynastisch-topographisches Handbuch
Residenzenforschung, Band 15
Herausgegeben von der Residenzen-Kommission der Akademie
der Wissenschaften zu Göttingen
1638 Seiten in 2 Bänden
16,5 x 23,5 cm, Leinen mit SU
Subskriptionspreis bis zum 31.12.2003

130,– / sFr 208,– danach 160,– / sFr 256,– ISBN 3-7995-4515-8

Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation um 1500 und der Wormser Reichsmatrikel von 1521 zur Grundlage. Der behandelte Zeitraum erstreckt sich vom Beginn des 13. Jahr­hunderts bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Aus­gehend von den während dieser Zeit herrschenden Dynastien werden alle geistlichen und weltlichen Reichsfürsten(tümer) mit ihren Höfen und Residen­zen erfaßt, wobei das vorrangige Ziel die Wiedergabe des aktu­ellen Forschungsstandes ist. Zum ersten Mal werden Fami­lien und Orte in einem umfas­senden Nachschlagewerk in dieser Weise miteinander ver­bunden.

Jan Thorbecke Verlag · Senefelderstraße 12 · D-73760 Ostfildern · Telefon (0711) 4406-194 · http://www.thorbecke.de

 

 

9. Symposium der Residenzen-Kommission

veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt,

dem Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dem

Deutschen Historischen Institut Paris

 

Programm

Stand: 14. November 2003

 

Der Hof und die Stadt – La Cour et la Ville

Konfrontation, Koexistenz und Integration im Verhältnis von Hof und Stadt in Spätmittelalter und Früher Neuzeit

Halle an der Saale, 25. bis 28. September 2004

 

Samstag, 25. September

15:30 Stadt- und residenzgeschichtlicher Rundgang durch Halle

Öffentlicher Abendvortrag (Bürgersaal)

18:00 Begrüßungen

18:30 Ulrich Schütte (Marburg), Militär, Hof und urbane Topographie. Albrecht Dürers Entwurf einer königlichen Stadt aus dem Jahre 1527

19:30 Empfang durch die Stadt, anschließend individuelles Abendessen

Sonntag, 26. September: Exkursion

8:30 Abfahrt Halle

Voraussichtliche Stationen: Merseburg, Bernburg und Quedlinburg mit gemeinsamem Mittagsmahl unterwegs

19:00 Ankunft Halle

Montag, 27. September (Alte Aula)

9:00 Begrüßung

9:15 Werner Paravicini (Paris), Einführung

9:30 Jörg Wettlaufer (Kiel), Zwischen Konflikt und Symbiose. Überregionale Aspekte der spannungsreichen Beziehung zwischen Hof und Stadt im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit

1. Nach dem Sieg: Stadt und Hof als Gewinner und Verlierer

10:00 Matthias Meinhardt (Halle), Chancengewinn durch Autonomieverlust? Sächsische und anhaltische Residenzstädte im Spannungsfeld zwischen fürstlichem Gestaltungswillen und politischer Selbstbestimmung

10:30 Michael Scholz (Potsdam), "... da zoge mein herre mit macht hinein ...". Die Stadt Halle nach der Unterwerfung durch den Erzbischof von Magdeburg 1478

11:00 Pause

11:30 Joachim Schneider (Würzburg), Nach dem Sieg des Bischofs: soziale Verflechtungen der Würzburger Ratsfamilien mit dem bischöflichen Hof um 1500

12:00 Pierre Monnet (Paris), Le cas de Francfort: une ville "capitale" sans cour est-elle possible à la fin du Moyen Age?

12:30 Diskussion

13:30 individuelles Mittagessen

2. "Krieg der Zeichen"?
Die symbolische Besetzung des öffentlichen Raumes durch Stadt und Hof (1)

15:00 Arnd Reitemeier (Kiel), Hof und Pfarrkirche der Stadt

15:30 Renate Kohn (Wien), Stadtpfarrkirche und landesfürstlicher Dom. Der Interpretationsdualismus der Wiener Stephanskirche

16:00 Pause

16:30 Jörg Martin Merz (Augsburg), Öffentliche Denkmäler zwischen städtischer und höfischer Repräsentation

17:00 Patrick Boucheron (Paris), La cour, la ville, l’espace public. Guerre des signes et dispute des lieux dans le Milan du XVe siècle

17:30 Diskussion

21.00 Sitzung der Residenzen-Kommission

Dienstag, 28. September (Alte Aula)

2. "Krieg der Zeichen"?
Die symbolische Besetzung des öffentlichen Raumes durch Stadt und Hof (2)

9:00 Guido von Büren (Jülich), Der Ausbau Jülichs zu einer Residenzstadt des Herzogtums Jülich-Kleve-Berg in der Mitte des 16. Jahrhunderts

9:30 Harriet Rudolph (Trier), Fürstenhof und Residenzstadt als Gastgeber. Die Kaiserbesuche von 1575 und 1617 in der kursächsischen Residenz Dresden (Kurzreferat)

9:45 Barbara Uppenkamp (Hamburg), Die Wolfenbütteler Ratswaage im Jahre 1602: Ein Streit um das Nützliche und das Schädliche, über Schönheit, Neuerung und Tradition (Kurzreferat)

10:00 Wolfgang Wüst und André Krischer (Erlangen/Köln), CEREMONIALIA AUGUSTANA ET COLONIENSES. Visualisierungen fürstlicher Herrschafts- und reichsstädtischer Autonomieansprüche in Augsburg und Köln

10:30 Diskussion

11:00 Pause

 

 

 

3. Stadtgesellschaft – Hofgesellschaft: Spannungen und Verflechtungen

11:30 Sybille Schröder (Berlin), Die Rolle der Stadt London für die materielle Repräsentation königlicher Herrschaft unter Heinrich II. von England.

12:00 Andreas Sohn (Paris), Paris als Festung. Zu Architektur und Infrastruktur der französischen Hauptstadt im Hohen Mittelalter

12:30 Claude Gauvard (Paris), La ville de Paris et les cours royales et princières à la fin du Moyen Age: une source de conflits?

13:00 Diskussion

13:30 individuelles Mittagessen

15:00 Ulf Christian Ewert (Chemnitz), Fürstliche Standortpolitik und städtische Wirtschaftsförderung. Eine ökonomische Analyse des Verhältnisses von Hof und Stadt im vormodernen Europa

15:30 Christian Schneider (Heidelberg), Eliten des Hofes – Eliten der Stadt. Identitätsbewußtsein, Lebensweisen und Repräsentationsformen stadtbürgerlicher und höfischer Eliten im literarischen Leben Wiens zur Zeit Herzog Albrechts III. (1365-1395)

16:00 Pause

16:30 Christian Hesse (Bern), Städtisch-bürgerliche Eliten am Hof. Die Einbindung der Residenzstadt in die fürstliche Herrschaft

17:00 Marc von der Höh (Halle), Das Spiel der Ressourcen. Stadt und Hof in der Grafschaft Stolberg/Harz im 15. und 16. Jahrhundert

17:30 Diskussion

18:30 Andreas Ranft (Halle), Zusammenfassung

20:00 Gemeinsames Abendessen

Weitere aktuelle Informationen finden Sie unter der Adresse

http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/sympos_halle.htm

 

 

Werner Paravicini, Paris – Andreas Ranft, Halle

 

 

Die Arbeit der anderen

 

Mit besonderer Freude veröffentlichen wir die Thesen von Peter-Michael Hahn und Ulrich Schütte. Detailkenntnis, die Ermittlung der verborgenen Baufuge, des verkannten Vorbilds, des verschollenen Texts, sie müssen durch den Begriff vom Ganzen begleitet und geleitet werden, weil Erkenntnis sonst nicht stattfinden kann. Wir haben uns durchweg um diese Grundlegung bemüht: Ewert, Hirschbiegel, Winterling und andere veröffentlichten in den Mitteilungen entsprechende Aufsätze. Hier nun eine Struktur für jegliche Phänomenologie. Sie kommt eher von der Kunstgeschichte, vom Sehen her, als von den Texten, daher spricht sie auch von der "Eigendynamik der Künste" und will "eine Widerrede gegen eine Historiographie von Ereignissen, dynastischen Verbänden und Institutionen frühneuzeitlicher Staatlichkeit" sein.

Das uns? Sind wir etwa die ewig Gestrigen? Werden da nicht offene Türen eingerannt bzw. Kinder mit dem Bade ausgeschüttet? Aber schau’n wir mal, dann sehn wir schon, so weit sind wir gar nicht auseinander, zumal wenn die neueren Arbeiten von Karl-Heinz Spieß oder Barbara Stollberg-Rilinger hinzugezogen werden, was hier nicht der Fall ist (von dieser zuletzt "Verfassung und Fest. Überlegungen zur festlichen Inszenierung vormoderner und moderner Verfassungen", in: Interdependenz zwischen Verfassung und Kultur, hg. von H.-J. Becker, Berlin 2003 [Der Staat. Beiheft 15], S. 7-49); auch die Behauptung, die Kapetinger Ludwigs XIV. seien im Vergleich zu den Habsburgern "ein Fürstenhaus ohne Vergangenheit", wird nicht allen durchaus einleuchten. Das Bild von den "Dialekten" einer grundsätzlich identischen höfischen Sprache dagegen ist besonders hübsch. Also: Lesen Sie und schreiben Sie empörte, zustimmende, ergänzende Briefe (oder Längeres) an die Autoren oder an

Werner Paravicini

Thesen zur Rekonstruktion höfischer Zeichensysteme in der
Frühen Neuzeit

Der folgende Text wurde anläßlich der vom 7. bis zum 9. März 2003 in Berlin stattfindenden Tagung "Zeichen, Raum und Zeremoniell an den deutschen Höfen der frühen Neuzeit", die vom Deutschen Historischen Museum und vom Rudolstädter Arbeitskreis zur Residenzkultur veranstaltet wurde, veröffentlicht. Wir haben unsere Überlegungen bewußt als "Thesen" deklariert, um damit ihren zur Diskussion auffordernden Charakter ebenso anzudeuten wie ihren vorläufigen Status.

Gerade weil wir überzeugt sind, daß unserer Gegenwart die Bedeutung höfischer Zeichen fremd geworden ist, stellt ihre historiographische Rekonstruktion erhebliche Anforderungen an die verschiedenen akademischen Disziplinen. Vor allem sollen die Thesen dazu anregen, einige grundlegende Kategorien zur Interpretation der höfischen Lebensformen genauer zu bestimmen. Darüber hinaus halten wir es für grundsätzlich möglich, von diesen Kategorien ausgehend eine "Theorie höfischer Zeichensysteme in der Frühen Neuzeit" für die Gesamtheit der höfischen Welt oder auch für einzelne ihrer Felder zu entwickeln.

Eine Theorie höfischer Zeichen im Sinne einer systematischen Entfaltung zentraler Begriffe, mit deren Hilfe ein Verständnis der Bedeutung von Personen, Handlungen, Institutionen und Gegenständen am Hof zu gewinnen wäre, kann nicht bei den heute immer noch verbreiteten Klischees und Formen eines unreflektierten Vorverständnisses ("Luxuskonsum" etc.) ansetzen. Zudem sind wir davon überzeugt, daß die zeitgenössischen schriftlichen Quellen der höfischen Zeit nur Segmente dieser Epoche thematisieren; auch dann, wenn sie mit dem eher unterschwelligen Anspruch vorgetragen wurden, dem Leser eine systematische Ordnung des Geschehens zu bieten, wie etwa bei den Zeremonialprotokollen und Festbeschreibungen einzelner Höfe oder auch in den Schriften Julius Bernhard von Rohrs zu den "Ceremoniell-Wissenschafften".

Mit unseren Thesen möchten wir nachdrücklich darauf hinweisen, daß eine noch zu entwickelnde Theorie der höfischen Zeichen deren Materialität und Gegenständlichkeit ebenso wie die Eingebundenheit dieser Zeichen in räumliche und zeitliche Kontexte zu berücksichtigen hat, um die Reichweite der Erklärungen zu steigern. Gleiches gilt für die Differenz und Spannung zwischen jenen auf Dauer hin angelegten Werken wie Bauten, Druckwerken, Medaillenprägungen und Sammlungen einerseits und den kasual und zeitlich bedingten Handlungsformen wie Zeremoniellen, Festen, Divertissements, militärischen Aktionen andererseits.

Auch wenn sich in jüngster Zeit verschiedene Disziplinen der Hofkultur verstärkt zugewandt haben, so erscheint uns deren Fixierung auf jene Erscheinungsformen problematisch, die sich heute vor allem durch die Lektüre historischer Texte erschließen. Wir denken, daß die aktuelle Reflexion über die Bilder und andere flüchtige Medien, die in höfischer Zeit entstanden sind, näher an eine Semiotik höfischer Zeichen heranführt. Ähnliches gilt für die materiell gebundenen Werke der Hofkultur, die bislang – und wohl nicht zufällig – kaum in systematischer Weise berücksichtigt worden sind.

Unsere Thesen verstehen sich daher auch als eine Widerrede gegen eine Historiographie von Ereignissen, dynastischen Verbänden und Institutionen frühneuzeitlicher Staatlichkeit. Sie wollen auch nicht beanspruchen, diese bisher üblichen Strategien der verschiedenen Geschichtsdisziplinen zu ergänzen. Sie beanspruchen, den Kern höfischer Lebensweisen und Selbstverständnisformen zu fixieren, nicht deren bloßes ‚Abbild‘ und ‚äußeren Schein‘.

Daß unsere Thesen sich auch innerhalb einer breiten Entfaltung historischer Materialien zu bewähren haben, steht außer Frage. Dies soll weiteren Forschungen zu zentralen thematischen Bereichen der höfischen Welt überlassen bleiben.

Stand: 25. September 2003 Peter-Michel Hahn, Ulrich Schütte, Potsdam, Marburg*

 

 

Inhalt

1. Pracht und fürstliche "repraesentatio"

1.1 "repraesentatio" und höfische Zeichen

1.2 Magnifizenz und dynastische Tradition

1.3 Semiotische und ständische Differenzierung

1.4 Produzenten und Rezipienten höfischer Zeichensysteme

1.5 Innovationen

1.6 Produktion und Rezeption neuer Zeichen

1.7 Alte und neue Zeichen

1.8 Zeichenrepertoire und Decorum

1.9 Hofkunst

2. Deutungsmuster und höfische Lebenswelt

2.1 Variationen des höfischen Codes

2.2 Verhaltens- und Kunstlehren

2.3 Höfische Zeichen und nationale Kontexte

3. Rezeptionsweisen

3.1 Magnifizenz und Zeichen

3.2 Zeichengattungen und Zeichenhierarchien

3.3 Zeichen und Zeremoniell

3.4 Repertoire und Auswahl

4. Räumliche Kontexte – Höfische Räume

4.1 Residenzschloß

4.2 Residenzstadt

4.3 Territorium und räumliche Vernetzungen der höfischen Zeichen

5. Das lange Ende der höfischen Zeichen

5.1 Das Ende der fürstlichen Herrschaft

5.2 Semantische Verluste

5.3 Kritik und neue kulturelle Muster

5.4 Historismus und höfische Zeichen

5.5 Höfische Zeichen in der bürgerlichen Moderne

 

1. Pracht und fürstliche "repraesentatio"

1. Prachtentfaltung gehörte seit jeher zu den unverzichtbaren Verhaltensmustern im fürstlichen Habitus. Sie war nicht allein, doch in entscheidender Weise auf den Hof als einen spezifischen sozialen Verband mit eigenen Kommunikationsformen bezogen. Die fürstliche "repraesentatio" gründete sich auf eine Vielzahl von Bauelementen materieller und immaterieller Natur. Dazu rechneten anfangs vor allem Herkunft und Blut sowie der Ruhm der Ahnen. Diese Eigenschaften einer Dynastie waren integraler Bestandteil des kollektiven Bewußtseins der Adelsgesellschaft.

2. Insbesondere genealogisches Wissen eignete sich hervorragend dazu, das korporative Geflecht dieser Gesellschaft zu betonen. Ahnentafeln und Stammreihen, mittels prächtiger Grabmäler und aufwendiger Funeralwerke öffentlich gemacht, legitimierten Herrschaft und inszenierten dynastische Mythen. In Gestalt der Wappen war das Herkunftswissen bestens dazu geeignet, Besitz- und Rangverhältnisse zeichenhaft zu charakterisieren.

3. Wappen und Initialen als individuelle und dynastische (Haus-) Merkmale konnten spätestens seit dem Zeitpunkt, als das Wissen um die Herkunft und Zusammensetzung des hohen Adels einem immer größeren Personenkreis zugänglich wurde, die Funktion erfüllen, Gebäude, Gebrauchsgegenstände und Kunstwerke aller Art eindeutig zu markieren, d.h. dem Körper eines Fürsten zuzuweisen. Erst dadurch gewannen viele von diesen zeichenhaften Objekten trotz ihrer räumlich breit gestreuten Verortung in der Residenz und auf dem Territorium eines Fürsten letztlich ihre Trennschärfe und Differenz zu anderen vergleichbaren Objekten, welche erforderlich war, um als Zeichen und Symbole der Repräsentation einer Dynastie wirksam zu werden.

4. Seit dem späten Mittelalter beobachten wir ein verstärktes Bemühen der fürstlichen Herrscher, sich durch einen besonderen Lebensstil ihrer Umwelt als einzigartig zu präsentieren. Dieser sichtbaren Magnifizenz eines Fürstenhauses kam im Rahmen der Selbstdarstellung wachsende Bedeutung zu, weil sie auf Grund ihrer materiellen Eigenschaften in stärkerem Maße durch kurzfristig wirkende, auf einzelne Anlässe bezogene Maßnahmen zu steigern war.

5. Im engen Zusammenwirken dieser grundverschiedenen Faktoren bildete sich das Ansehen bzw. der Ruf heraus, welchen ein Geschlecht in der Fürstengesellschaft genoß. Diese öffentliche Wahrnehmung einer Dynastie war nicht das Ergebnis eines zufälligen Prozesses, sondern Ausdruck vielfältiger zielgerichteter Strategien. Um sowohl den durch Anstrengung erworbenen Charakter dieser Eigenschaft als auch deren Veränderlichkeit sprachlich zu verdeutlichen, wollen wir in diesem Kontext von dem symbolischen bzw. kulturellen Kapital einer Dynastie sprechen.

6. Das symbolische Kapital diente trotz seiner prunkvollen materiellen Eigenschaften nicht dem schönen Schein eines luxuriösen Lebensstils; primär wurde es als ein vielseitig einsetzbares Mittel im Kampf der europäischen Dynastien um politischen Einfluß und gegenüber nachgeordneten Statusgruppen als Mittel sozialer Distinktion verwandt.

7. Ob seiner ideellen und materiellen Eigenschaften konnte dieser vielgestaltige dynastische Schatz im Laufe der Zeit erheblichen Veränderungen unterliegen.

8. Eine mehrfach erfolglose Heiratspolitik, welche auf Grund der feinen Abstufungen innerhalb der Fürstengesellschaft zumeist nur für deren Mitglieder erkennbar war, dauerhafter ökonomischer Niedergang in Verbindung mit einem unstandesgemäßen Lebensstil sowie Konfessionswechsel konnten beispielsweise Teile des symbolischen Kapitals aufzehren. Dagegen hat es den Anschein, als ob sowohl territoriale Gewinne als auch Verluste, wenn sie nicht mit dem völligen Verlust der herrschaftlichen Grundlagen verbunden waren, nur vergleichsweise geringen Einfluß auf das symbolische Kapital einer alten Dynastie innerhalb der Fürstenwelt besaßen.

9. Statuserhöhungen dank rechtlicher Privilegierung, politisches und/oder militärisches Prestige in Verbindung mit einem auffälligen Lebensstil oder der dauerhafte Erwerb von Gebietsherrschaften höherer rechtlicher Qualität in Verbindung mit einem angemessenen Auftreten konnten mit der Zeit das symbolische Kapital einer Dynastie mehren.

10. Von solchen spektakulären Veränderungen waren insbesondere die "homines novi" der Fürstengesellschaft betroffen, deren Zahl vor allem in der Neuzeit größer war, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Dies galt u.a. für Aufsteigerfamilien wie die Hohenzollern, Liechtensteiner, Medici, Nassau-Oranier, Reußen, Schwarzburger oder die zahlreichen Sekundogenituren und Nebenlinien altfürstlicher Häuser.

11. Im Zuge der neuzeitlichen Statuskonkurrenz der Fürsten wurde der substantielle Umfang der Magnifizenz, der sie sich nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten und nach persönlichem Willen bedienen konnten, stetig vergrößert und verfeinert.

 

1.1 "repraesentatio" und höfische Zeichen

1. Höfische Zeichen stifteten Bedeutung innerhalb historisch, sozial und politisch definierter Gesellschafts- und Kommunikationsformen. Diese Zeichen konnten die Darstellung ("repraesentatio") dessen, worauf verwiesen wurde, zu einem substantiellen Teil des Dargestellten selbst werden lassen. Die Zeichen waren dem Dargestellten nicht äußerlich. Höfische Zeichen waren immer konkret und anschaulich. Auch dann, wenn die Zeichen eine allgemeine ‚Idee’ (des fürstliches Hauses, der fürstlichen Tugend etc.) darstellen sollten, blieb die Produktion und Rezeption der Zeichen gebunden an die fürstlichen Personen als Individuen und Teile eines "Hauses".

2. Zeichen benannten den außergewöhnlichen Status des Herrschers mit seiner Familie, der eine soziale exklusive Verwendung der Zeichen garantierte und den Fürsten damit einen besonderen Wert zusprach. Zeichen und Zeichenträger verwiesen somit wechselseitig aufeinander. Diese Argumentationsmuster zur Etablierung und Sicherung weltlicher Macht waren letztlich theologischem Denken und damit der jüdisch-christlichen Tradition entlehnt. Wie der "Glanz" und die "Herrlichkeit" Gottes seine absolute Stellung vor den Augen aller Gläubigen deutlich machte, so wirkten in gleicher Weise alle höfischen Zeichen und alle Herrschaftsinszenierungen, deren sich die Fürsten als weltliche Stellvertreter Gottes bedienten: Die Zeichen der fürstlichen Macht und Hoheit überwältigten die Sinne all derer, die je nach ihrem Rang in den fürstlichen Herrschaftsraum einbezogen waren.

3. Viele Zeichen und Zeichengattungen, die in der höfischen Welt Verwendung fanden, waren vorgeprägt durch einen langen religiösen Gebrauch. So konnte das, was als Abglanz der "Herrlichkeit" Gottes die christlichen Kulträume und Kultformen seit der Spätantike geprägt hatte, auch zur Sicherung der fürstlichen Herrschaft eingesetzt werden, um unterschiedliche soziale und politische Interessen innerhalb der fürstlichen Herrschaftsordnung regulierend auszugleichen.

4. Die unmittelbare Anschaulichkeit höfischer Zeichen (ihre Konkretion im Sinne von ‚Verwachsung’) band diese an Personen, Orte und Anlässe ("casus"). Raum und Zeit wurden damit konstituierende Bedingungen jedweder Zeichenproduktion und deren Rezeption.

5. Zeichen der fürstlichen Welt waren gerade wegen dieser Eigenschaften elementarer Teil höfischer Kommunikation im Zeremoniell, im Divertissement sowie im Alltag.

6. Störungen bei der Verwendung höfischer Zeichen (Mißverständnisse, inszenierte Provokationen, divergenter Gebrauch nationaler Zeichenidiome etc.) konnten daher auch nicht die Grundlagen des Zeichensystems berühren. Abweichungen wurden immer wieder aufgefangen durch andere Mechanismen der Konfliktregelung (Krieg, Duell, soziale Ächtung etc.).

 

1.2 Magnifizenz und dynastische Tradition

1. Magnifizenz als ein prägendes Element des fürstlichen Habitus hatte eine lange, weit zurückreichende Tradition. Bereits in der nikomachischen Ethik des Aristoteles wurde es dem Herrscher als Tugend angerechnet, seine Würde durch Bauten zu demonstrieren. Ähnliches wurde auch im Alten Testament von einem Fürsten erwartet. Die römischen Cäsaren, insbesondere Augustus, haben ebenfalls keine Kosten gescheut, ihre Herrschaft und ihre politischen Ambitionen mit großer Pracht zu visualisieren.

2. Noch wichtiger für das Verhalten der neuzeitlichen Fürsten erwies sich jedoch der Ritus der katholischen Kirche. Mit der Liturgie verfügte diese über aufwendige und vielfältige Mittel, um feierliche Handlungen für ein größeres Publikum prachtvoll inszenieren zu können. Die vom hohen Klerus mit Regelmäßigkeit veranstalteten Meßfeiern und Prozessionen boten reiches Anschauungsmaterial dafür, wie öffentliche Abläufe zu vollziehen waren, um den Betrachter durch die Macht der Bilder und Kultobjekte zu überwältigen.

3. Insbesondere das Papsttum entwickelte bereits im Mittelalter eine Vielzahl aufwendiger und prächtiger Zeremonien, welche sich auch auf seine Herrschaft im Kirchenstaat erstreckten. Vor den Kulissen des antiken Roms waren glanzvolle Empfänge fremder Gesandter und kirchliche Prozessionen verbreiteter Brauch; dabei verwischten sich in den Augen der Betrachter die formalen Grenzen zwischen feierlichen Handlungen, welche primär kirchlichen, und solchen, welche primär weltlichen Charakter trugen, d.h. Verhaltensmuster und Gegenstände aus dem kirchlichen Kultus wurden allmählich in weltliche Attribute der Herrschaftsdemonstration überführt.

4. Diesem Prozeß konnten und wollten sich die Fürsten, welche ihr Regiment ebenfalls von Gottes Gnaden ausübten, nicht entziehen, um ihr Bedürfnis nach Repräsentation und Demonstration personaler Herrschaft zu befriedigen. Da eine Herrschaft, die sich eines umfangreichen Repertoires von Zeichen bediente, durch den Ritus der Kirche bereits tief in den Alltag der Menschen eingedrungen war, lag es für die Fürsten nahe, sich an diesem vorgeprägten Zeichengebrauch zu orientieren.

5. Insbesondere sorgte das lang wirkende kirchliche Vorbild dafür, daß die mentalen Mechanismen, welche mit der Präsentation zeichenhafter Handlungen verbunden waren, den Zeitgenossen wohl vertraut waren und von ihnen genutzt wurden. Dies betraf vor allem die bei der visuellen, akustischen oder haptischen Wahrnehmung der Zeichen beabsichtigten Konnotationen (Aufmerksamkeit, Ehrfurcht etc.). Daher konnten sie sich rasch innerhalb der adligen Lebenswelt zu übergreifenden Verständigungsgrundlagen entwickeln, deren Verstehensfähigkeit zwischen den Epochen, Räumen und Generationen weitgehend konstant blieb.

6. Am sakralen Grundzug, wie er diesen Formen der Magnifizenz eigen war, orientierten sich alle europäischen Herrscher; nicht nur die großen Dynastien und die geistlichen, katholischen Fürsten, sondern letztlich auch die protestantischen Fürsten.

7. Den fürstlichen Familienverbände stand mit dem symbolischen Kapital des altehrwürdigen Herkommens eine Legitimationsgrundlage zur Verfügung, die standesintern, vor allem aber auch gegenüber rangniederen Gruppen im Sinne sozialer Exklusivität eingesetzt wurde. Da dem Blut aller adeligen, besonders aber der fürstlichen Familien ein auratischer, quasi magischer Charakter zugesprochen wurde, ließ sich diese zentrale Kategorie fürstlichen Selbstverständnisses bruchlos mit der Vorstellung einer von Gott verliehen Befähigung zur Ausübung des Herrscheramtes mitsamt aller Prachtentfaltung verbinden.

 

1.3 Semiotische und ständische Differenzierung

1. Im Gefüge des symbolischen Kapitals eines Fürstenhauses wuchs das relative Gewicht der Magnifizenz in dem Maße, wie die europäische Fürstengesellschaft an Zahl und innerer Differenzierung hinzugewann. Parallel dazu wirkte auch die Eigendynamik aller an der höfischen Repräsentation beteiligten Künste auf die vielfältigen Formen der Prachtentfaltung stark ein.

2. Insbesondere in der Neuzeit wurden vermehrt gezielte Anstrengungen unternommen, auf regionaler und europäischer Ebene die fürstliche Rangordnung zu verändern. Stets waren solche Vorgänge begleitet von vermehrten Investitionen in die Landes- und Hofkultur. Durch solche Verhaltensweisen wurde einerseits für den Zeitgenossen die Fähigkeit zur Unterscheidung einzelner Fürstenhäusern beträchtlich gesteigert und andererseits wuchs an den Höfen vor allem in Phasen ständischer Dynamik das Verlangen, über je eigentümliche Merkmale und Strategien zu verfügen, solche ständischen Differenzen darstellen zu können.

3. Das Bedürfnis der Fürsten nach Selbstdarstellung führte in Folge territorialer Rivalitäten und vielfältig aufeinander einwirkender Interessenlagen (z.B. bedingt durch Familienbande und intensiveren diplomatischen Verkehr, aber auch durch engere Handelskontakte sowie die Verbreitung neuer Medien) zu einer vermehrten Statuskonkurrenz innerhalb der zusammenwachsenden europäischen Fürsten- und Staatengemeinschaft.

4. Die Konkurrenz um Status und Prestige erzeugte unter den Mächten, vor allem bei jenen, deren Platz innerhalb der Gemeinschaft adlig-fürstlicher Familien nicht durch eine lange Tradition gefestigt war, einen zumindest unterschwellig wirksam werdenden Zwang zum ‚Sich-Auffällig-Machen’. Dies blieb nicht ohne weitreichende Wirkungen auf die innere Entwicklung der Künste. Die Eigendynamik der Künste und die Prachtentfaltung bei Hofe standen daher in einem engen Verhältnis.

5. Im Kontext machtpolitischer Strategien versuchten Fürstenhäuser, durch den Einsatz neuartiger Formen der Repräsentation ihren bisherigen Status zu verändern. Dies geschah in der Erwartung, allmählich in einem anderen, höher verorteten sozialen Kontext wahrgenommen zu werden. Solche Aktivitäten zielten oftmals auch auf den Erwerb entsprechender Privilegien ab, welche die Statusveränderung in einem verfassungsrechtlichen Sinne festzuschreiben trachteten.

6. Dynastien verfügten über ein langes Gedächtnis, in dem die Taten der Ahnen stets gegenwärtig blieben. Ihr Wirken stellte geradezu ein normatives Vermächtnis für die jeweils lebende Generation dar. Jedes Fürstenhaus hatte in seiner zumeist Jahrhunderte umspannenden Geschichte die Erfahrung großer Siege und schwerer Niederlagen zu verarbeiten gehabt. Daher ist davon auszugehen, daß fürstliches Prestige sehr viel weniger von momentanen politischen Konjunkturen abhing, als es auf den ersten Blick scheinen mag.

7. Das symbolische Kapital eines Fürstenhauses speiste sich aus verschiedenartigen, voneinander unabhängigen Quellen, so daß dessen Umfang durchaus veränderbar war. Insbesondere der Faktor Magnifizenz zählte zu den Größen, deren Gewicht sich durch gezielte und kontrollierte Maßnahmen beeinflussen ließ. Es ist aber gegenwärtig noch unmöglich, die Höhe des symbolischen Kapitalwerts einzelner kultureller Investitionen, welche der Steigerung der Magnifizenz dienten, zu veranschlagen.

8. Auf Herausforderungen bzw. Veränderungen in der höfischen Repräsentation reagierten altetablierte Fürstengeschlechter nicht zwangsläufig mit der Einführung eigener Innovationen im Kontext ihrer höfischen Zeichensysteme. Es konnte vielmehr auch dazu kommen, daß man sehr pointiert an alten, nicht zu bestreitenden Zeichenmustern dynastischer Geltung bewußt festhielt.

9. Der Zeichencharakter eines alten Stammschlosses, aber auch der Glanz ererbter Sammlungsbestände sowie das hohe Alter eines Geschlechtes büßten im Laufe der Jahrhunderte ihren symbolischen Kapitalwert nicht ein. Im Gegenteil, sie zählten zu jenen Faktoren im Prestigegefüge des hohen Adels, welche sich schwerlich durch einen noch so großen Aufwand an neuen Zeichen auf Dauer substituieren ließen. So erklärt sich auch die bedeutsame Rolle altehrwürdiger Hauskleinodien, deren Bedeutung über Jahrhunderte konstant blieb. Frühzeitig erhob man, wie das Beispiel der Landgrafen von Hessen-Kassel belegt, einzelne kostbare Kunst- und Gebrauchsgegenstände zum unveräußerlichen Familienerbe. Zu ihrem Familienschatz gehörten 1584 sowohl wappengeschmückte Trinkgefäße für ein prestigeträchtiges, den fürstlichen Rang symbolisierendes Stufenbuffet als auch kunstvolle Gegenstände, die sich durch ein besonderes Herkommen auszeichneten.

10. Verschiedene politische und kulturelle Anlässe haben den allenthalben zu beobachtenden Zuwachs an Pracht angestoßen und weiter beschleunigt. Der Aufstieg von Staaten und Fürstenhäusern, welche sich aus dem überkommenen mittelalterlichen Ordnungsgefüge, geprägt durch die Vorherrschaft von Papst- und Kaisertum, lösten, gehörte gewiß zu den Vorgängen, welche den Bedarf an Gütern von hoher Zeichenhaftigkeit stark anregten.

11. Die partielle Zerstörung der altkirchlichen Hierarchie im 16. Jahrhundert durch die Reformation konnte ebenfalls nicht ohne Einfluß auf den Umgang mit den Zeichen höfischer Magnifizenz bleiben. Einige protestantische Fürstenhäuser zeigten Distanz und Zurückhaltung gegenüber künstlerischen Ausdrucksformen und Zeichensystemen, welche man als spezifisch katholisch empfand. Dabei ist in Betracht zu ziehen, daß die protestantischen Staaten, um den Glanz der alten Kirche nach innen und außen zu substituieren, nach neuartigen Ausdrucksformen der Magnifizenz strebten.

12. Die kräftezehrenden, zumeist dynastisch motivierten Staatenkonflikte im 15. Jahrhundert, zwischen 1580 und 1660, aber auch um 1700 in Mitteleuropa haben auf politischer Seite immer wieder einer partiellen Neuordnung der Prestigehierarchie unter den europäischen Fürstenfamilien vorgearbeitet. Die längerfristigen Wirkungen solcher Verschiebungen innerhalb der Machtbalance waren selten genau zu kalkulieren gewesen. Daher mußten die Ergebnisse von zwischenstaatlichen Verträgen und neu geschaffenen Thronfolgeordnungen stets auch zeichenhaft geltend gemacht werden, um allgemein Anerkennung zu finden.

12.1 Ein bemerkenswertes Beispiel für den Kampf der Fürstenhäuser mittels höfischer Zeichen, um ihren Anspruch auf Vorherrschaft zu demonstrieren, bietet das Verhalten des französischen und der spanischen Herrscherhauses im Rom der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. An diesem Ort, der für die katholische Welt nach wie vor überragende, auch politische Bedeutung besaß, errichtete man Denkmäler und Bauten, veranstaltete Feste, Feuerwerke und kirchliche Feiern, welche auf die Verdienste der jeweiligen Monarchie verwiesen, um den politischen Gegner in den Augen des päpstlichen Hofes, des Volkes von Rom und eines internationalen Publikums zu übertreffen.

13. Die außereuropäische Expansion veränderte das kulturelle und ökonomische Ressourcenpotential der europäischen Fürstenhäuser grundlegend. Dies blieb längerfristig betrachtet nicht ohne Einfluß auf die dynastische Selbstdarstellung. Mit dem kostspieligen und höchst exklusiven Import exotischer Waren und Materialien eröffnete sich den Höfen ein breites Feld, Zeichenhaftigkeit zu demonstrieren.

14. In ihrer Gesamtheit betrachtet trugen diese Veränderungen im politischen und wirtschaftlichen Gefüge Alteuropas dazu bei, daß sich der fürstliche Gestaltungsspielraum bei der Handhabung höfischer Zeichensysteme kontinuierlich erweiterte.

15. Zeitgleich, aber auch phasenverschoben zu den politischen Vorgängen wirkte eine Eigendynamik der "Künste" nicht minder stark auf die Entfaltung höfischer Pracht ein. So trugen Innovationsschübe in einzelnen Kunstgattungen dazu bei, durch die ihnen innewohnenden Komplexitätssteigerungen höfische Zeichensysteme zu verfeinern und stärker zu differenzieren. Dies galt u.a. für die Malerei ebenso wie die Möbelherstellung und die Emblematik.

16. Die durch die Dynamik der "Künste" veränderten Möglichkeiten der Prachtentfaltung blieben nicht ohne Einfluß auf den höfischen Lebensstil. Auf Grund eines geringeren Grades an formaler und künstlerischer Differenzierung der Zeichen stand daher im 16. Jahrhundert einem Herrscher ein kleineres Repertoire als im 18. Jahrhundert zur Verfügung

17. Der fortschreitende Buch- und Bilderdruck stellte einen gemeineuropäischen Kenntnisstand höfischer Strategien zur Entfaltung von Pracht her, welcher es den höchsten Statusgruppen innerhalb der Fürstengemeinschaft weitgehend unmöglich machte, sich allein auf die Wahrung lokaler Traditionen der medialen Selbstdarstellung zurückzuziehen.

18. Das militärische Element in Gestalt des Feuerwerks und die Einbindung von paradierenden Truppenkontingenten in höfische Repräsentationsformen beruhte auf technisch-taktischen Veränderungen, welche in einem anderen, nicht höfischen Kontext initiiert worden waren. Gleichwohl fand man Wege, diese Innovationen im Rahmen von Fest und Zeremoniell gezielt einzusetzen, um die höfische Pracht zu steigern.

 

1.4 Produzenten und Rezipienten höfischer Zeichensysteme

1. Magnifizenz als ein wohlkalkuliertes Instrument der Machtausübung über und durch den Hof war an spezifische soziale, historische und semiotischer Voraussetzungen gebunden. Für die Frühen Neuzeit war dazu die Etablierung und Verwendung komplexer Zeichensysteme charakteristisch. War einzelnen Zeichen und Zeichengruppen schon immer ein besonderer, aber zumeist eher willkürlicher, durch Konventionen geprägter Gebrauch innerhalb der adelig-fürstlichen Lebenswelt eigen, so entstanden seit dem 15. Jahrhundert verschiedene höfische Zeichengattungen, die es erlauben von Zeichensystemen zu sprechen. Die einzelne Elemente und damit die internen Strukturen der Zeichengattungen nahmen immer rationaler und damit reflektierte Züge an und auch ihr Gebrauch wurde gleichfalls immer bewußter und kalkulierter gesteuert.

2. Das höfische Zeichensystem blieb letztlich auf den Stand des Adels bezogen. Nur dessen Mitglieder waren durch ihre Sozialisation in der Lage, die Zeichen der höfischen Welt zu lesen. Allein dessen Angehörige konnten damit rechnen, daß der Einsatz einzelner solcher Symbole auch außerhalb der unmittelbaren höfischen Sphäre sozial akzeptiert wurde und für den eigenen Status von Vorteil war.

3. Die Entfaltung der Pracht setzte in immer stärkerem Maße die Instrumentalisierung nicht-adliger Gruppen (Künstler, Handwerker, Techniker, Autoren) für höfische Zwecke voraus.

4. Die nicht-adligen, unkundigen Untertanen ("Volk") waren eher allgemeine, aber nicht gänzlich unwichtige Adressaten fürstlicher Prachtentfaltung, denen es aber zumeist an Voraussetzungen zur Interpretation komplexer Figurationen höfischer Zeichen mangelte.

5. Solange die alteuropäische Sozialverfassung Bestand hatte, besaß das höfische Zeichenrepertoire für diesen Personenkreis keinen allgemein akzeptierten Wert. So konnten etwa im 18. Jahrhundert einzelne Bürger ob ihres Reichtums Objekte höfischer Prägung (Möbel, Kutschen etc.) erwerben, ohne daß in diesem sozialen Kontext deren Prestigewirkung zu kalkulieren war; im Gegenteil, vielerorts wurde ein solches Verhalten als anstößig betrachtet.

 

 

 

1.5 Innovationen

1. Die ursprünglichen Argumente, um im Zuge der fürstlichen "repraesentatio" die Würde und das Ansehen eines fürstlichen Geschlechtes (Alter, Geblüt, Herkommen, Ruhm und Heiligkeit) hervorzuheben, wurden im Laufe der Zeit durch immer neue Zeichen der Distinktion ergänzt und erweitert. Daran hatten vor allem diejenigen Familien des Hochadels ein vitales Interesse, welche ein struktureller Mangel an traditionellen Merkmalen fürstlicher Dignität auszeichnete.

2. Die neuen Zeichen höfischer Magnifizenz konnten geradezu unmerklich in den fürstlichen Lebensstil integriert werden, weil sie in aller Regel sowohl im Alltag als auch bei zeremoniellen und festlichen Anlässen einen hohen praktischen Nutzen erfüllten. In erster Linie waren sie Mittel einer non-verbalen Kommunikation innerhalb der höfischen Gesellschaft.

3. Materialität, kostbare Verarbeitung und hohe künstlerische Originalität zeichneten diese Gegenstände zwar häufig aus. Dennoch stand bei Gestaltung und Verfertigung dieser Gegenstände der Auftragscharakter und ihr höfischer Gebrauch im Vordergrund.

4. Diese Objekte nahmen Zeichencharakter in dem Maße an, wie sie sich im fürstlichen Alltag und bei außergewöhnlichen Anlässen als Objekte des Gebrauchs und der Demonstration sozialer Exklusivität bewährten. Als Werke, die den Kriterien einer höfischen Ästhetik unterworfen waren, mußten sie in ihrer äußeren Erscheinung oftmals sowohl dem ständischen, als auch dem familiären Decorum entsprechen.

5. Auf der Bühne der höfischen Gesellschaft mußten sich sämtliche Zeichen der Magnifizenz bewähren, auch die neuen. Die dort zu beweisende Tauglichkeit, d.h. ihre weitgehende Akzeptanz und Lesbarkeit in der höfischen Gesellschaft, entschied letztendlich über den Umfang der Verbreitung eines Zeichens.

6. Fügte sich ein neues Zeichen in den fürstlichen Lebensstil ein, dann nahm es die Fähigkeit in sich auf, als Chiffre im höfischen Code non-verbaler Kommunikation wirken zu können.

 

1.6 Produktion und Rezeption neuer Zeichen

1. Es war die dauernde Konkurrenz der Höfe, welche das Prinzip der Innovation immer weiter steigerte, so daß die höfischen Zeichensysteme immer häufiger Veränderungen ausgesetzt wurden. Die Orientierung an den Codes einzelner Höfe oder an einzelnen Ländern mit ihren Höfen konnte zu Überschneidungen und Modifikationen führen. Ungleichzeitigkeiten entstanden stets dort, wo der rezipierende Hof nach Status, dynastischer Tradition und räumlicher Verortung vom Urheber der Neuerung entfernt lag und wenn die Rezeption erst relativ spät nach dem ersten Auftreten einer Innovation erfolgte.

2. Immer wieder wurden an einzelnen Höfen oder in einzelnen Regionen Werke für die höfische Welt geschaffen, die für längere Zeit allgemeine Akzeptanz fanden und so auch über den Ort ihrer Entstehung hinaus als Zeichen höfischer Pracht gewertet wurden. Produziert von geeigneten Werkstätten, auch außerhalb einer Zunft, verschenkt von einem Hof oder erworben für einen anderen Hof, dienten diese Werke dann dazu, entweder kulturelle Überlegenheit zu dokumentieren oder auch auf subtile Art Abhängigkeit bzw. Verbundenheit mit dem Urheber einer kulturellen Tradition zu signalisieren.

3. Begünstigt wurde ein solcher Transformationsprozeß höfischer Zeichenmuster durch das latente Bestreben der Fürsten nach einer Verfeinerung ihres Lebensstiles.

4. Die Setzung neuer kultureller Normen ("Moden") wurde in der Regel von einzelnen Höfen angestoßen. Zumeist handelte es sich dabei um ‚Leithöfe’, deren Verhalten in einer Region oder gar europaweit als Orientierung diente. Zumeist zeichneten sich diese durch ein hoch produktives und künstlerisch innovatives Potential sowie erhebliche finanzielle Ressourcen aus.

5. Neue Zeichen und Normen wurden aber nicht von allen europäischen Höfen in gleicher Weise angenommen. Zudem war es jedem Fürsten möglich, neue Angebote nach Maßgabe der jeweiligen historischen und politischen Situation und nach seinen individuellen Bedürfnissen umzuformulieren.

6. Bei Akzeptanz eines Zeichens, welche allerdings von vornherein durch seine Urheber kaum zu kalkulieren war, entfaltete sich dessen Wirksamkeit nach dem Schneeballprinzip. Die Akzeptanz bedingte eine besondere Bereitschaft bei den Höfen, die nicht überall und zu jeder Zeit gegeben war.

7. Die Entwicklung und breite Rezeption neuer höfischer Zeichen setzte bei den Produzenten wie bei den Rezipienten identische Bedürfnisse nach neuen Zeichen und entsprechende Gelegenheiten, diese Zeichen zu benutzen, voraus.

8. Handwerkern und Künstlern kam in diesem komplexen Schaffensprozeß höfischer Zeichen vornehmlich die Rolle eines engagierten Anbieters von Lösungsmodellen zu. Deren wirtschaftlicher und künstlerischer Erfolg hing aber in erster Linie davon ab, inwieweit ihr Angebot dem je spezifischen fürstlichen Geschmack bzw. den konkreten Bedürfnissen eines Hofes entsprach.

 

1.7 Alte und neue Zeichen

1. Die europaweite Verbreitung solcher Zeichensysteme wurde dadurch vorangetrieben, daß sie nach allgemeiner Überzeugung für die Aufrechterhaltung eines fürstlichen Habitus als unverzichtbar galten. Ein jeder, der ‚dazu’ gehören wollte, mußte die Regeln eines ständisch angemessenen Decorums erfüllen.

2. Trotz europaweiter Verbreitung höfischer Zeichensysteme zeichneten sich diese aus der Perspektive eines Raumes oder einer Dynastie betrachtet durch jeweilige Besonderheiten aus. Oftmals besaßen sie regional spezifische Züge, so daß diese Codes, um im Bild einer höfischen Zeichensprache zu bleiben, den Charakter eines Dialektes besaßen. Im übrigen entwickelten viele Fürstenfamilien im Laufe der Zeit eigene Traditionen. Ein prägnantes Beispiel bildeten etwa die über Mitteleuropa verstreuten Schlösser der oranischen Prinzessinnen in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Merkmale der Prachtentfaltung summierten sich so oftmals zu einem Hausstil.

3. Es blieb fast jedem Angehörigen des Fürstenstandes – vermutlich in jeder Generation aufs neue – nicht erspart, das eine oder andere höfische Zeichen, welches sich zwischenzeitlich als ein unverzichtbares Merkmal seiner Statusgruppe in einem längeren Ausleseprozeß herauskristallisiert hatte, nach Lage seiner Ressourcen zu übernehmen und an seinem Hof als Norm einzuführen.

4. Im Laufe der neuzeitlichen Jahrhunderte baute sich ein Mindestrepertoire von Zeichen auf, welches die Magnifizenz des jeweiligen Inhabers anzeigte. Andere Zeichen büßten ihre Ausdrucksfähigkeit ein und wurden immer seltener verwandt.

 

1.8 Zeichenrepertoire und Decorum

1. Je stärker sich der höfische Zeichencode im Laufe der Zeit ausdifferenzierte und je höher der Rang eines Fürsten war, der diesen Code benutzte, um so größer fiel der Spielraum zur Variation der Zeichengattungen (Medien) und zur Neubestimmung einzelner Elemente des Codes aus, ohne auf Unverständnis unter den Standesgenossen zu stoßen. Auch wenn es einem solchen Fürsten auf diese Weise möglich war, gegen tradierte Regeln der höfischen Semantik zu verstoßen, so blieb doch eine gänzliche oder weitgehende Mißachtung des höfischen Zeichencodes undenkbar, solange die Normen der höfischen Welt und die Monarchie als Staatsform existierten.

2. Der Wert höfischer Zeichen für das symbolische Kapital eines Fürstenhauses konnte dagegen in dem Maße an Gewicht verlieren, wie dessen politische und soziale Stellung in starker Abhängigkeit von anderen Faktoren stand oder geriet. Aber selbst eine in ihren Grundzügen weitgehend verrechtlichte politische Ordnung, wie die des Heiligen Römischen Reiches, ließ es in den Augen ihrer tragenden sozialen Gruppen opportun erscheinen, jeweils statusspezifische Verhaltensstile zu entwickeln. Daraus ergab sich ebenfalls die Notwendigkeit, den Anforderungen des ständischen Decorums mit einem noch zu definierendem Grundrepertoire an höfischen Zeichen nachzukommen.

3. Solange ein etabliertes Herrscherhaus keinerlei Ambitionen zeigte, seinen sozialen Status durch die Annahme höherer Würden merklich zu verändern, etwa im Zuge einer Standeserhöhung, war es keinerlei Zwang ausgesetzt, über eine Grundausstattung, welche ein angemessenes ständisches Decorum widerspiegelte, hinaus in Zeichenhaftigkeit zu investieren.

4. Mit einer solchen Strategie, die sich auf ein kleines Repertoire an Zeichen beschränkte, konnte unter Umständen ein konservativer ‚Hausstil’, welcher die Traditionen einer fürstlichen Familie verkörperte, zum Ausdruck gebracht werden.

5. Im Umkehrschluß ist davon auszugehen, daß prinzliche Häuser, deren rechtlicher Status durch die herrschende Ordnung keinesfalls befriedigend abgedeckt war, wie dies bei zahlreichen Aufsteigern, Nebenlinien, Sekundogenituren oder gar Bastardlinien zu unterstellen ist, ein starkes Interesse daran gehabt haben, durch Zeichenhaftigkeit bzw. durch ein Übererfüllen der Decorumsanforderungen den Mangel an rechtlicher Qualität oder gar eine zweifelhafte Herkunft zu überdecken und zu kompensieren. Ein instruktives Beispiel für ein solches Verhalten stellt die Lebensweise der Herzöge von Sachsen-Weißenfels dar.

 

1.9 Hofkunst

1. Der Lebensstil des Fürsten führte dazu, daß im Grunde kein Bereich des Alltags von dem Verlangen nach Repräsentation ausgespart blieb. Es kam allerdings darauf an, in welchem Maße die Künste und das Handwerk durch "inventio" und "innovatio" diese Erwartung zu erfüllen vermochten. Begleitet wurden diese Vorgänge zumindest partiell von einem forcierten Prozeß technischer Verfeinerung und materieller Differenzierung in Kunst und Handwerk. Die höfischen Zeichen umfaßten schließlich alles, was sich in und durch zeitgenössische Medien darstellen ließ.

2. Mit der Zunahme höfischer Prachtentfaltung, die begleitet war von einer wachsenden Komplexität der Zeichen, verstärkte sich der Innovationsdruck auf deren Produzenten. In dieser Situation bedienten sich viele Fürstenhäuser der Künstler, um ihren Bedarf an prachtvollen Zeichen zu decken und zu erweitern.

3. Diese Hofkünstler bekleideten zumeist noch weitere landesherrliche Ämter, was u. U. ihren Rang bei Hofe erhöhte. So nahm eine Reihe von Baumeistern noch militärische Ämter wahr, deren soziale Bedeutung ungleich höher als die etwa eines fürstlichen Baumeisters zu veranschlagen war.

4. Die Künste als hochkomplexe Zeichensysteme waren an den Höfen nicht autonom, sondern blieben stets abhängig von dem jeweiligen Anlaß ihres Einsatzes. Das "decorum" als eine politisch-rechtliche wie rhetorische Kategorie bestimmte ihre je spezifische Formung wesentlich mit. Die Modalitäten und programmatischen Festlegungen solcher Nutzanwendungen der Künste regelten zumeist hochrangige Angehörige der höfischen Gesellschaft, welche über umfangreiche fachliche Kenntnisse verfügten und welche sich im Detail durch Hofkünstler beraten ließen.

5. Einer Abhängigkeit von den Auftraggebern stand ein Selbstbewußtsein der Künstler gegenüber, das sich tendenziell aus den höfischen Verwertungsbedingungen zu lösen suchte. Solche Bemühungen um eine Aufwertung und um eine intendierte Freisetzung der Künste, wie sie sich immer öfter in dem Selbstverständnis der Künstler und in der frühen Kunsttheorie niederschlugen, wurden nicht selten von den fürstlichen Sammlern gefördert.

6. Allerdings läßt sich aus dieser Sicht, die von der Kunst und Kunstgeschichtsschreibung seit dem 19. Jahrhundert verstärkt wurde, kein angemessenes Verständnis von der Prachtentfaltung als einer spezifisch höfischen Strategie der Machtausübung im sozio-politischen Raum mittels gestalteter und wahrgenommener Zeichen gewinnen. Die Fürsten waren keine Mäzene. Sie bedurften der Künste innerhalb der politischen Auseinandersetzung um Statusbehauptungen und Statussicherungen.

7. Allein im Schatten und unter der Protektion eines Hofes besaßen die Künstler und Handwerker die nötige Freiheit und Unabhängigkeit, um unter den sozialen und kulturellen Bedingungen der altständischen Gesellschaft schöpferisch tätig zu werden.

8. Dies konnte so weit gehen, daß einzelne Künstler sich Freiräume erwirkten, die es ihnen ermöglichten, ihre Vorstellungen weitgehend unabhängig von den Normen der höfischen Ästhetik zu verwirklichen. Das Oeuvre oder einzelne Objekte mancher Künstler entwickelten sich trotz fehlender unmittelbarer höfischer Nutzanwendung zu Reliquien höfischer Magnifizenz.

9. Objekte von Einzigartigkeit und Schönheit vermochten in seltenen Fällen zur Magnifizenz eines Fürsten beitragen, weil er für sich Kennerschaft als statusbestärkendes und statushebendes Merkmal in Anspruch nahm. Ob ihrer speziellen Fähigkeiten wurden die Aufführungen und Produkte solcher Künstler (Virtuosen) von einzelnen Fürsten geschätzt und gesammelt. Soweit es sich um materielle Erzeugnisse handelte, verbrachte man diese bei dauerhaftem Erfolg in die Kunstkammern.

10. Als Orte des Gespräches und familiärer Zusammenkünfte zwischen fürstlichen Kennern wie hochgeschätzten Verwandten und Besuchern besaßen die kostbar ausgestatteten Kabinette oder auch die Sammlungsräume der Schlösser große Bedeutung für den höfischen Lebensstil jenseits der streng reglementierten Verhaltensmuster im Zeremoniell.

11. Solange sich die Künstler in der Regel in die Funktion von Lieferanten höfischer Zeichen versetzt sahen, um kunstexterne Ziele sichtbar zu machen, blieb die Rolle des einzelnen Künstlers vornehmlich auf die Umsetzung seiner handwerklichen Fähigkeiten und auf das Wissen um die Anwendungsmöglichkeiten der einzelnen Künste in spezifisch höfischen Kontexten beschränkt. Dies betraf sowohl die jeweiligen medialen Aspekte (Gattungsmerkmale) wie die Semantik der Zeichen (Ikonographie).

12. Die Wertschätzung einzelner Künstler, wie sie sich in materiellen Belohnungen niederschlug, ist ein Indiz für den Wert ihrer Werke im Kontext der höfischen Prachtentfaltung. Diese Taxierungen entsprechen nicht der Qualifikation der Künstler und Kunstwerke, wie sie in den kulturellen Diskussionen seit 1800 üblich geworden ist.

13. In diesem Kontext sind über den Kreis der Vertreter der schönen Künste (Architektur, Malerei, Zeichenkunst, Bildhauerei) auch die Sänger, Tänzer, Komponisten und Musiker, selbst die Feuerwerker und Reitlehrer einzubeziehen, welche mit ihren besonderen Fähigkeiten ebenfalls den Glanz der Höfe wesentlich zu steigern wußten.

 

2. Deutungsmuster und höfische Lebenswelt

1. Mit dem Hinweis auf die biblischen, antiken und kirchlichen Wurzeln der Prachtentfaltung ist die Frage nach den Ursprüngen und der Fortentwicklung einer höfischen Zeichensprache allein noch nicht ausreichend beschrieben, um im Folgenden von der Voraussetzung ausgehen zu können, daß die feudale Gesellschaft über einen kulturellen Schlüssel verfügte, mittels dessen sie die höfischen Zeichen adäquat zu deuten wußte.

2. Ein kultureller Code, welcher die erforderlichen spezifischen Wahrnehmungsmuster bzw. Deutungsparameter lieferte, hat sich nur allmählich in der höfisch-feudalen Praxis herausgebildet. Neben den bereits genannten Zusammenhängen bereiteten die seit alters vom Adel verwandten Wappen, Schilder und Fahnen, welche im Kampf der Unterscheidung von Freund und Feind dienten, den gezielten Gebrauch von Zeichen im adlig-höfischen Lebensstil vor. Die soziale Praxis des Lehnswesens ist ebenfalls nicht ohne eine reiche Symbolik vorstellbar.

3. Die Ausbreitung eines höfischen Codes zur Wahrnehmung und Entschlüsselung von Zeichen immer größerer Zahl und Komplexität war nicht nur getragen von dem permanenten Bedürfnis der Fürsten nach Selbstdarstellung bzw. –inszenierung im Rahmen der Statuskonkurrenz. Sie bildete auch im Kontext einer Herrschaft über Personen, die selbst Herrschaftsträger waren, eine wesentliche Grundlage, um im Alltag Macht auszuüben, in dem dieser Personenkreis auf vielfältige Weise mit personalen Abhängigkeiten bis hin zu Klientelbeziehungen und ständischen Hierarchien etwa mittels heraldischer Zeichen konfrontiert wurde.

4. Zu den Bausteinen dieser Gesellschafts- und Herrschaftsordnung gehörte daher, daß innerhalb der Herrschaftsstände einzelne Gruppen und Individuen mit sehr unterschiedlichen Qualitäten und Quantitäten symbolischer Macht ausgestattet waren. Auf Grund dieses Zusammenhanges waren die lokalen Eliten von vornherein in den Prozeß der Codebildung und seiner Decodierung eingebunden.

5. Wegen der verwandten Lebensstile von adliger und fürstlicher Gesellschaft gab es für diesen Code eine breite Schicht von Rezipienten, die das Bedürfnis nach zeichenhafter Herrschaftsübung dauerhaft verband.

 

2.1 Variationen des höfischen Codes

1. Ungeachtet der gemeinsamen Wurzeln der europäischen Feudalgesellschaft und ihrer wachsenden kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Vernetzung besaß dieser Code genügend Flexibilität, um verschiedene Dialekte in sich aufnehmen zu können.

2. Die Ursachen solcher Entwicklungen sind in unterschiedlichen Herrschafts- und Sozialstrukturen, kulturellen Gewohnheiten oder auch Kunsttraditionen zu suchen. Letztere können durch technische und künstlerische Standards einer Region, aber auch die Verfügbarkeit von Rohstoffen bestimmt gewesen sein.

3. Für das Vorzeigen der Symbole fürstlicher Magnifizenz hat es bis gegen Ende des 15. Jahrhunderts wenige Regeln gegeben, die sämtlich der Liturgie der Messe und den Riten des Kirchenjahres entlehnt waren. Im weltlichen Bereich handelte es sich in dieser Zeit eher um ein Wuchern mit der Pracht.

4. Materialität, Verarbeitung und Seltenheit der Zeichen standen im Vordergrund der Arrangements bei Hofe. Man präsentierte seinen Reichtum, wobei einzelne Objektgruppen ob ihrer Beschaffenheit als Zeichen hohen Standes gewertet wurden. So schätzte Kaiser Karl V. besonders eine Reihe großflächiger Tapisserien, während Friedrich Wilhelm I. von Preußen den Glanz seines üppigen Silberschatzes und die Gegenwart seiner prächtigen Riesengarde liebte.

 

2.2 Verhaltens- und Kunstlehren

1. Mit dem kirchlichen Zeremoniell (Liturgie) und dem profanen Zeremoniell lagen den Höfen der Frühen Neuzeit umfangreiche Muster ritualisierter Verhaltensformen vor, auf die im Sinne fürstlicher Prachtentfaltung zurückgegriffen werden konnte. Auf dieser Grundlage entwickelte man neuartige Repräsentationsformen, welche sowohl zunehmend verfeinerte Verhaltensmuster als auch immer aufwendigere materielle Ausstattungen einschlossen.

2. Seit dem 15. Jahrhundert wurden für einzelne Zeichengattungen Regeln und Ansätze zu einer theoretisch rationalen Begründung entwickelt (die Kunstlehren in der Traktatliteratur, Rhetorik, ars memorativa etc.). Deren explizite höfische Ausrichtung erfolgte im 16., 17. und 18. Jahrhundert (Akademien, Fürstenspiegel, Anweisungsliteratur für den Hofmann, Zeremoniallehren etc.).

3. Die breite Rezeption der antiken Rhetorik im Zeitalter des Humanismus durch die Oberschichten West- und Südeuropas legte einen Grund für den rationalen Umgang mit den Attributen fürstlicher Magnifizenz, welche bisher allein ob ihrer Kostbarkeit präsentiert wurden. Durch die Rhetorik suchte man den Zuhörer durch die Macht des Wortes zu überzeugen, durch den Aufbau der Rede und die Präsentation der Argumente zu überwältigen. Dabei war die Wahl der Gattungen und Formen von der Status- oder Situationsangemessenheit ("decorum") abhängig.

4. Keine anderen Absichten als diejenigen, welche mit der Rhetorik verfolgt wurden, bewegten die Fürsten bei ihrer "repraesentatio". Solche Strategien ließen sich mühelos auf andere Künste wie etwa auf das Programm von Bilderzyklen, auf das Arrangement von Zeichen in einem Schloß oder bei einer Festivität übertragen.

5. Im weltlichen Bereich bestand auf diesem Feld insofern ein Nachholbedarf, als das weltliche Regiment seit dem hohen Mittelalter stetig an politischer und gesellschaftlicher Macht gegenüber der Kirche hinzu gewonnen hatte. Dies setzte Wünsche nach einer verstärkten Selbstdarstellung dynastischer Herrschaft frei.

6. Anfangs waren im weltlichen Bereich vornehmlich Inthronisationen, Huldigungen und Lehnsakte sowie Familienereignisse von einer auf Repräsentativität angelegten Feierlichkeit geprägt. Diese Vorgänge hatten dafür gesorgt, daß in der adligen Gesellschaft ein solides Grundwissen (Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungskategorien) verbreitet war, welches der Entschlüsselung zeichenhafter Herrschaftsformen diente.

7. In dem Maße, wie seit der Renaissance im Rahmen des Totengedenkens die allgemeine gesellschaftliche Wertschätzung des Ruhmes stieg, kam den Zeichen bei der Gestaltung neuer Inszenierungen von fürstlicher Erinnerungskultur wachsende Bedeutung zu. Nicht allein die Dichter übernahmen aber, wie die Humanisten in der Nachfolge antiker Autoren propagiert hatten, eine wesentliche Aufgabe als "professionelle Verewiger" der Fama. Die zentrale Gedächtnis-Funktion im Interesse der fürstlichen Patrone lag oftmals in der Hand von Künstlern, Ingenieuren und Kunsthandwerkern. Ihre Werke, insbesondere diejenigen aus dauerhaften Materialien, hatten auch die Bestimmung, die ruhmreichen Namen ihrer Auftraggeber und Helden im Gedächtnis künftiger Generationen zu verankern.

 

2.3 Höfische Zeichen und dynastisch-nationale Kontexte

1. Trotz gemeineuropäischer Wurzeln der adlig-höfischen Lebenswelt waren die sozio-kulturellen Voraussetzungen für die Entfaltung höfischer Pracht sehr ungleich verbreitet. Die kulturellen Traditionen und die künstlerisch-handwerklichen sowie technischen Potentiale stießen in sehr unterschiedlicher räumlicher und qualitativer Verteilung mit dem strukturellen Bedürfnis der Fürstenhäuser nach Magnifizenz zusammen.

2.1 Besonders auffällig ist die Situation im politisch zersplitterten Italien des 15. Jahrhunderts, in dem sich überdies politische Legitimität nur selten auf dynastische Traditionen zu gründen vermochte. Neben dem Papsttum gab es dort mit dem allenthalben gegenwärtigen antiken Erbe einen schier unerschöpflichen Schatz an Ideen und symbolischen Formen, welcher nur gehoben und in neue Kontexte überführt werden mußte. Es war den intensiven Beziehungen der Fürsten zu ihren humanistisch gebildeten Ratgebern und den mit dieser Gedankenwelt nicht minder vertrauten Künstlern und Handwerkern geschuldet, daß die fürstliche "repraesentatio" durch die Wahl der Medien und ihrer Materialien sowie deren Verarbeitung zunehmend verfeinert und aufwendiger gestaltet wurde.

2.2 Nach Maßgabe der politisch-sozialen Rahmenbedingungen entwickelte und erprobte man immer komplexere Zeichen fürstlicher Magnifizenz. Das glanzvolle Papsttum vor Augen konnten die zumeist jungen, d.h. nicht traditionsgebundenen italienischen Fürstenhäuser alle Anregungen ihrer reichen Stadtkultur nutzen, um prachtvolle Repräsentationsformen zu erproben.

2.3 Ein leuchtendes Beispiel für die bereits im 15. Jahrhundert bestehende Vielfalt der Strategien und Mittel, die fürstliche "repraesentatio" zu steigern, bietet die lange Regierungszeit Frederico da Montefeltros (1444-1482). Dieser hatte als Condottiere großes Ansehen und Vermögen erworben, allerdings war seine Herkunft aus dem Hause Montefeltro zweifelhaft. Frederico wurde ob seiner Verdienste 1474 durch Papst Sixtus IV. zum erblichen Herzog erhoben.

2.4 Mit großer Energie baute er Urbino zu einer prächtigen Residenz aus. Davon zeugt bis heute nicht nur der dortige Palast, sondern auch einige Kastelle im Land und eine stattliche Zahl von Kunstgütern aller Art. Frederico ließ, dem Beispiel der Mailänder Visconti und ihrer Nachfolger den Sforza nacheifernd, alle wichtigen Gebäude, aber auch persönliche Gegenstände, selbst Kunstwerke und kostbare Handschriften durch Wappen und Impresen markieren.

2.5 Nicht zuletzt diese an Realien gebundene Denkform verdeutlicht sein konsequentes Bemühen, durch Kunstpatronage im weitesten Sinne die Magnifizenz seines Hauses zu mehren. Klar kommt diese Absicht in dem Vertrag mit seinem Baumeister von 1468 zum Ausdruck: " ... in unserer Stadt Urbino eine schöne und würdige Wohnstätte zu errichten, die dem Rang und Ansehen und auch unserer Stellung entspräche ..."

3. Von gänzlich anderen politischen und kulturellen Rahmenbedingungen ausgehend, entwickelten der französische und der burgundische Hof, welche in einem engen machtpolitischen Konkurrenzverhältnis standen, ebenfalls ein reiches Repertoire an Zeichen.

3.1 In selbstbewußter Distanz zum Papsttum vermochte der vergöttlichte französische König einen sakralen Herrscherkult wie keine andere Monarchie Alteuropas zu entwickeln. Es hatte aber im 15. und 16. Jahrhundert wiederholt äußerer, sowohl kultureller als auch machtpolitischer Anstöße bedurft, um deren höfische Selbstdarstellung, die von einem breiten Fundament aus Tradition und Kunstfertigkeit getragen wurde, in ihrer materiellen wie ideellen Entwicklung voranzutreiben.

3.2 Mit dem Königtum Ludwigs XIV., welcher im Verhältnis zu seinen wichtigsten dynastischen Konkurrenten, den Habsburgern, aus einem Fürstenhaus ohne Vergangenheit stammte, wurden höfische Repräsentationsformen sowohl in ihrem materiellen als auch zeremoniellen Umfang dramatisch erweitert. Das spezifisch Neue dieser ungewöhnlich langen Regentschaft lag einerseits in der gedanklichen Vorbereitung und Durchdringung solcher Strategien als auch in der gezielten künstlerischen und gewerblichen Umsetzung der Vorhaben.

3.3 Kaum ein anderer Fürst dieser Epoche hat seinen Stil fürstlicher Lebensart, d.h. seine Interpretation und Ausformulierung des höfischen Zeichencodes, so massiv als politische und wirtschaftliche Waffe wie Ludwig XIV. eingesetzt.

3.4 Damit war vor allem eine staatlich-administrativ organisierte Planung und Durchführung höfischer Repräsentationsformen verbunden. Dieses System wirkte trotz beachtlicher Erfolge nicht auf alle Monarchien beispielgebend, weil einerseits den Konkurrenten Persönlichkeiten und Ressourcen fehlten, um an diesem Modell erfolgreich anknüpfen zu können, und andererseits, weil einige seiner Gegner sich bewußt dieser Variante höfischer Inszenierung widersetzten.

3.5 Unter den Nachfolgern des Sonnenkönigs entwickelte sich Paris und dessen höfische Gesellschaft zu einem europaweit führenden höfischen Zentrum, in dem allerdings das Königtum immer weniger als Ideenspender und Motor tonangebend wurde. Statt dessen trat der französische Hochadel zunehmend in den Vordergrund, was im Ergebnis den Kreis der potentiellen Nutzanwender der Pariser Hofkultur kräftig erweiterte.

3.6 Mit dem strukturellen Bedeutungsverlust der französischen Monarchie bei der Prägung höfischer Repräsentation und Lebensart im 18. Jahrhundert war ein rascherer Wechsel der materiellen Ausdrucksformen als bisher verbunden. Eine kürzere ‚Lebensdauer’ zeichnete fortan die materiellen Zeichen aus. Dies konnte aber nur geschehen, weil die Pariser Metropole sowohl über ein ungewöhnlich breites soziales Fundament als Käuferschicht als auch über ein leistungsstarkes Luxusgewerbe verfügte, welches selbst in immer kürzer werdenden Abständen neue Varianten alter Symbole zu produzieren fähig war.

4. In den burgundisch-habsburgischen Niederlanden sowie in den Generalstaaten entwickelten sich auch ohne den Glanz einer dauerhaft am Ort etablierten Monarchie höfische Lebensformen. Im Zusammenspiel aristokratischer Stadteliten und eines reichen lokalen Hochadels wurden subtilere Zeichenformen als in rein monarchisch verfaßten Territorien kreiert.

4.1 Das ungewöhnlich reiche Erbe einer vielgestaltigen und facettenreichen Stadtlandschaft bot potentiellen Nutzanwendern höfisch-repräsentativer Lebensformen ein unerschöpfliches Reservoir an künstlerischen und handwerklichen Optionen.

4.2 Die Statthalterhöfe konnten bzw. durften auf Grund ihrer politischen Abhängigkeit von landfernen Monarchen bzw. den Städtebünden keine ostentative höfische Lebensform entwickeln und pflegen. Statt dessen waren sie bestrebt, ihre Magnifizenz in bewußter Zurückhaltung und Reduktion der Formensprache zu organisieren, ohne deren Zeichenhaftigkeit jedoch zu vernachlässigen.

4.3 Mit dem niederländisch-oranischen Modell repräsentativer Lebensart besaß die höfische Gesellschaft protestantischer Herkunft ein zur altkirchlich-romanischen Welt alternatives Orientierungsmuster. Unter bewußter Zurücknahme in den Großformen höfischer Magnifizenz bildete sich hier ein Stil (Code) heraus, welcher sich durch hohe künstlerische und handwerkliche Qualität im Detail auszeichnete.

5. Weitere Muster wurden an den Höfen in England, Schweden sowie an den Höfen der Habsburger ausgebildet.

 

3. Rezeptionsweisen

3.1 Magnifizenz und Zeichen

1. Höfische Prachtentfaltung konnte nur dann zu einer Steigerung von Magnifizenz und damit letztendlich einer Erhöhung des kulturellen bzw. symbolischen Kapitals eines Fürstenhauses führen, wenn dieser Aufwand in der intendierten Weise von der höfischen Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.

2. Diese mußte über ein differenziertes System von Denk- und Wahrnehmungskategorien verfügen. Ohne dieses konnte die Welt der Zeichen nicht adäquat entschlüsselt werden. Es lieferte die Grundlagen im Sinne einer ikonologischen Deutung der präsentierten Zeichen.

3. Darüber hinaus sorgte eine Verbreitung dieses Wissens dafür, daß unter den Angehörigen der höfischen Gesellschaft eine klare Vorstellung darüber herrschte, wann dieser Zeicheneinsatz das jeweils ständisch angemessene Decorum erfüllte.

4. Nur wenn eine allgemein akzeptierte Vorstellung vom jeweils angemessenen Decorum existierte, konnte man mittels höfischer Zeichen gezielt den "éclat" betreiben. Dieser wurde dann erfolgreich inszeniert, wenn der in einer spezifischen Situation betriebene Aufwand an Pracht, sei es durch qualitative oder auch quantitative Merkmale, einen solchen Umfang erreichte, daß sich Mitglieder der Hofgesellschaft überwältigt bzw. überzeugt empfanden. Die Semantik der Zeichen war somit an spezifische Rezeptionsbedingungen und Wahrnehmungsformen geknüpft.

 

3.2 Zeichengattungen und Zeichenhierarchien

1. Die höfischen Zeichengattungen unterlagen verschiedenen Bestimmungen: Unter dem Aspekt der Zeichenproduktion waren viele Zeichen abhängig von den Körpern der am Hof agierenden Personen. Sowohl die Körperhaltungen, wie die Bekleidung der Körper und die einzelnen Sprechakte waren semantisch fixiert. Andere Zeichengattungen blieben auf spezifische Formen der Rezeption durch die Körpersinne hin ausgerichtet: Optische, akustische und haptische Zeichen wurden über das Auge, das Ohr und durch die Hand wahrgenommen.

2. Zeichengattungen lassen sich auch danach klassifizieren, ob sie ephemer, nur auf den einmaligen Gebrauch hin ausgerichtet waren (Sprache, Körperhaltungen, akustische Signale etc.), oder ob sie als dauerhafte Installationen dem häufigen Gebrauch dienten oder gar als Monumente den Status intendierter Ewigkeit annehmen konnten.

3. Bestimmungen der räumlich-topographischen Gegebenheiten gingen ebenso in die Besonderheiten einzelner Zeichengattungen ein wie die Kategorie der Zeit. Sie konnten durch einen Anlaß ("casus") fixiert sein. Innerhalb der breiten Palette der höfischen Zeichengattungen traten immer wieder einzelne Zeichenarten oder Muster von Zeichen auf, deren Auftreten und Wirkung nach Zeit und Raum sehr begrenzt war.

4. Der Vorgang einer gezielten Überwältigung durch Pracht ist nur vorstellbar, wenn in den Augen der höfischen Nutzanwender eine wie auch immer geartete Hierarchie der Zeichen im Sinne einer Wertigkeit existierte. So wurden bestimmte Objekte zeitweise ausschließlich von den höchsten Statusgruppen der Fürstenwelt als Zeichen der Magnifizenz genutzt ( z.B. Tapisserien, Silbermöbel, Tafelwerke, Wasserspiele und Musik etc.). Erst später und in der Materialität sowie Verarbeitung und Handhabung von geringerer Güte wurden sie dann, je nach Ressourcenpotential, von den rangniederen fürstlichen Vertretern als Mittel der Prachtentfaltung eingesetzt.

5. Unter historischen Gesichtspunkten setzen höfische Prachtaufwendungen die Genese gemeinsamer und weitgehend verbindlicher Werthaltungen bei den verschiedenen europäischen Fürstenhäuser voraus. Innerhalb eines allmählichen Lernprozesses, welcher u.a. durch Reiseaktivitäten und Politik angestoßen wurde, waren bereits im Spätmittelalter die entscheidenden sozialen Normen, die gemeinsamen kulturellen Orientierungsmuster (sakrale und dynastische Legitimation der Herrschaft) sowie die hoch differenzierten kulturellen Formen der höfischen Lebenswelt etabliert worden. Sie bildeten das Fundament für die Hofkultur der frühen Neuzeit.

 

3.3 Zeichen und Zeremoniell

1. Zeichen, welche Herrschaftsrechte oder Statusansprüche dokumentierten und damit für die jeweilige Dynastie eine identitätsstiftende Bedeutung besaßen, ließen sich leicht in ritualisierte Handlungsabläufe vor allem bei Fürstentreffen einfügen. Zusammen mit weiteren, in der Residenz sichtbaren Zeichen von hohem symbolischem Wert boten sie dem Monarchen die Gelegenheit, sowohl das symbolische Kapital seines Hauses vorzustellen als auch selbiges in den Augen seiner Gäste zu mehren.

2. Immer wieder galt es nämlich, die "Ordnung" der höfischen Welt im Zeremoniell zu fixieren und als eine bildlich-zeichenhafte Ordnung darzustellen. Dies war auch deshalb unverzichtbar, weil die soziale Vielfalt der alteuropäischen Fürstenhäuser dafür sorgte, daß es bei familiären oder politischen Zusammentreffen immer wieder zu personalen Konstellationen kam, die wegen unklarer Rangverhältnisse erst festgelegt werden mußten.

3.1 Die zeremonialen Handlungen waren abhängig von "den Umständen der Örter, Personen und Zeiten" (J. B. von Rohr). Nach Maßgabe ihrer Nutzung im Zeremoniell wurden die höfischen Zeichen dabei dreifach bestimmt: durch das Decorum und die spezifischen Kommunikationsformen der Teilnehmer mit gleichen und unterschiedlichen Statusqualitäten, durch den Casus, d.h. den Anlaß für eine zeremonielle Handlung (Zeit) und durch die besondere Charakteristik der örtlichen Situierung (Raum).

3.2 Sowohl die körperliche Präsenz der Teilnehmer und ihr Erscheinungsbild (Kleidung, Insignien, Orden), die Materialität und Anschaulichkeit der verwendeten Gegenstände wie auch die den Ablauf der Ereignisse bestimmenden räumlichen Bedingungen waren unverzichtbarer Teil der höfischen Handlungen.

4. Für die zeremonialen Abläufe, die selbst zeichenhaft verstanden wurden, und für die in die Handlungen integrierten Zeichen galt stets, daß sich ihr tieferer Sinn und das zentrale Anliegen des Ereignisses dem Teilnehmer erst in einer Gesamtschau erschloß.

5. Daher wurden in der Frühen Neuzeit insbesondere jene Innovationen auf dem Gebiet der verschiedenen Künste und Medien auch zeremoniell bedeutsam, die eine höfische Inszenierung ebenso prägen wie ihre Rezeption steuern konnten wie etwa der Einsatz der Artillerie zur Signalgebung oder im Feuerwerk.

6. Soweit beim höfischen Zeremoniell die "äußerlichen Sinne" angesprochen wurden, bedurfte es einer ausgeklügelten Regie, eines Einsatzes hoher finanzieller Mittel und in aller Regel einer begleitenden Kommentierung durch Texte und Bilder (Festberichte), um in einer breiteren höfische Öffentlichkeit für eine Rezeption des Geschehenen zu sorgen und damit die Magnifizenz des Veranstalters zu mehren.

 

3.4 Repertoire und Auswahl

1. Da ein Fürst als Ausdruck seiner Würde über ein Grundrepertoire höfischer Zeichen verfügen mußte, kam der Struktur seines symbolischen Kapitals große Bedeutung zu. Grundsätzlich bestand nach Maßgabe der jeweiligen Ressourcen die Möglichkeit, eine Vielzahl symbolischer Werte anzuhäufen oder sich, in starker Beschränkung des sonstigen Decorums auf die Förderung einer Zeichengattung zu konzentrieren.

2. Insbesondere das Verhalten ärmerer Fürstenhäuser verweist darauf, daß Magnifizenz sich nicht nur allein in einer breit gestreuten Fülle höfischer Zeichensysteme darzustellen brauchte.

3. So allein läßt sich beispielsweise die eifrige Musikpflege an einigen thüringischen Höfen im 17. und 18. Jahrhundert erklären. In diese Richtung weist ebenfalls die intensive Sammlertätigkeit einzelner Welfen. Auch auffällige Residenzbauten wie die in Arolsen und Pommersfelden gewinnen vor dem Hintergrund der Ressourcenknappheit dieser Familien so höfische Rationalität.

4. In diesem Kontext ist ebenfalls in kleinen Residenzen die gelegentliche sichtbare Plazierung von wenigen Kanonen auf den Wällen oder vor dem Schloß zu sehen. Diese Geste besaß hohen Zeichenwert, weil man auf diese Weise zumindest formal den Anspruch auf den Besitz des "jus armorum", welches sich seit dem 17. Jahrhundert zu einem Wesensmerkmal fürstlicher Herrschaft entwickelt hatte, demonstrierte.

5. Im 18. Jahrhundert erfüllten winzige Truppenkontingente (Infanteristen oder Husaren), welche selbst von Reichsgrafen aufgestellt wurden, diese zeichenhafte Funktion. Insoweit kam den Husaren und Trabanten der kleinen Höfe eine weit höhere Bedeutung als die einer "modischen" Ehrenwache zu.

6. Auch die gelegentliche Prägung weniger aufwendiger Schautaler durch einige Kleinfürsten des Alten Reiches, welche an die Standesgenossen als Geschenke verteilt wurden, verweist auf einen solchen Zusammenhang. Diese Objekte wollen als Ausdruck einer unbeschränkten landesherrlichen Gewalt, zu der das Münzrecht zählte, verstanden werden.

 

4. Räumliche Kontexte – Höfische Räume

1. Fürstliches Territorium, Residenzstadt und Residenzschloß bildeten den unabdingbar notwendigen räumlichen, materiellen und historischen Kontext zur Entfaltung höfischer Aktivitäten.

2. Höfische Pracht war in der Frühen Neuzeit nur in diesem sozialen und räumlichen Kontext näher zu bestimmen. So mußte um die Mitte des 16. Jahrhunderts der Besucher der Wolfenbüttler Residenz mit einem anderen materiellen Ausstattungsniveau rechnen als derjenige, welcher den Hof der Gonzaga in Augenschein nahm. Anders ausgedrückt, der Aufwand, welchen der jeweilige Hof treiben mußte, um den gemeinhin erwarteten Besucher zu beeindrucken (éclat), nahm jeweils andere Formen an, die von der kulturellen Tradition des Residenzortes bzw. des fürstlichen Landes und seines Herrscherfamilie abhängig war.

3. Je stärker die Fürstenhäuser in regionalen Bindungen verharrten, desto deutlicher wichen sie in ihren Strategien bzw. der Wahl der Mittel und deren Produktion zur Entfaltung höfischer Pracht voneinander ab.

 

4.1 Residenzschloß

1. Im architektonischen Ensemble der frühneuzeitlichen Schloßanlage hatte die fürstliche Herrschaft ihr Zentrum. Hier lag der räumlich-situative Kern höfischer Prachtentfaltung. Jedes fürstliche Schloß umfaßte in seinem Kern den unmittelbaren Lebensbereich der herrschaftlichen Familie (Kammer, später das Appartement, Festsaal und weitere Räume). Je nach Status und Ambitionen konnte eine Vielzahl weiterer höfischer und landesherrlicher Funktionsbereiche diesem Grundrepertoire räumlicher Ausstattung angelagert werden und zu höchst komplexen Schloßarealen erweitert werden. Das Schloß mit seinen Nebengebäuden und Gärten war als architektonisch hochdifferenzierter und vielfältig genutzter Ort notwendige Bedingung zur Entfaltung und Wahrnehmung der zahlreichen höfischen Zeichengattungen wie des höfischen Lebens überhaupt.

2. Wie die Stadt konnte auch das Schloß selbst als Zeichen für die Potenz einer Dynastie, für die Größe eines Hofes und für den politischen Anspruch eines Regenten gewertet und gestaltet werden. Dies galt für die Gesamtheit der baulichen Anlagen ebenso wie für ihre Ausstattung, für die Gärten und für wichtige Einzelbauten des Schloßareals (Marstall, Bibliothek etc.).

3. Die hohe praktische wie zeichenhafte Bedeutung des Schlosses stellte sich immer wieder im literarisch artikuliertem oder auch durch Bilder vorgezeigten Selbstverständnis des fürstlichen "Hauses" als einem Familienverband dar. Dessen Geschichte und damit seine ständische Legitimation wurde immer wieder unlösbar mit dem Schloß als einer historisch-topographischen Gegebenheit verbunden, die für die jeweilige Dynastien den Charakter eines Monuments annahmen konnte (Stammschloß).

4. Gänzlich neue Schloßbauten waren eher typisch für Familien, die eine Statuserhöhung erreicht hatten oder eine solche anstrebten, während "alte" Familien in der Regel auf der Wahrung ihres architektonischen Erbes als einem Symbol ihrer familiären Tradition bestanden.

5. Neu gestaltete Innenräume, ephemere Architekturen bei Festen sowie zumeist ländliche Lustschloßbauten konnten dagegen von Dynastien mit "alten" Schlössern als Nachweis innovativer Zeichensetzung verwandt werden, um damit im Rahmen von Statuskonkurrenz nicht an symbolischem Kapital einzubüßen.

 

 

 

4.2 Residenzstadt

1. Die Entfaltung höfischer Pracht aus eigener Kraft setzte eine kulturell und ökonomisch blühende Städtelandschaft voraus, welche im späten Mittelalter und in der beginnenden Frühen Neuzeit oftmals die Grundlagen für die materielle und ideelle Produktion solcher Zeichensysteme gelegt hatte. Wohlhabende Stadtlandschaften, wie sie in Oberitalien, Flandern oder Sachsen anzutreffen waren, stellten allerdings nicht die Regel dar.

2. Es war daher nur konsequent, daß viele Fürstenhäuser ihr kulturelles und ökonomisches Potential in der Residenzstadt auf Kosten des übrigen Territoriums zu konzentrieren suchten. Ein frühes Beispiel für solche Prozesse bietet das Ferrara der Este im 15. Jahrhundert. Dort bestand für den Fürsten sowohl die größte Einwirkungsmöglichkeit als auch im Rahmen seiner Investitionen die beste Kosten-Nutzen-Relation.

3. In all den Residenzstädten, welche über begrenzte soziale und ökonomische Ressourcen verfügten, kam fast ausschließlich dem Fürstenhaus die Rolle zu, als Auftraggeber die Entwicklung der handwerklichen und künstlerischen Produktionsbedingungen zu fördern.

4. Mit der mangelnden künstlerischen und technischen Produktivität einer Residenzstadt (kein ausreichender Bestand an Hofhandwerkern) geht in aller Regel eine starke Abhängigkeit des betreffenden Hofes von dem kulturellen Vorbild anderer Höfe aus (zeitweise z.B. Berlin).

5. Der frühneuzeitliche Hof war aus Gründen der Versorgung (Haushaltung), der Verwaltung und des militärischen Schutzes auf die Residenzstadt angewiesen. Für die Vernetzung zwischen Hof und Stadt war die Auslagerungen von Funktionsbereichen ebenso typisch wie die Verknüpfung zwischen Herrschaftsformen und städtischer Topographie, der bei Einzügen, Huldigungen, Begräbnissen etc. eine hohe zeichenhafte Bedeutung zukam.

6. Wegen der Vielfalt der Aufgaben und Ansprüche, aber auch ihrer baulichen Gestaltung konnte die Stadt des Fürsten selbst zum Signum seiner landsherrlichen Macht werden.

 

4.3 Territorium und räumliche Vernetzungen der höfischen Zeichen

1. Das fürstliche Land trug entscheidend zum faktischen Vollzug fürstlicher Machtausübung wie auch zum Selbstverständnis dynastischer Verbände bei. Gerade in der Frühen Neuzeit führte die Vorstellung des fürstlichen "Landes-Vaters" zur Ausweitung der Idee des fürstlichen "Hauses" als Familienverband auf das gesamte Territoriums. Einige wesentliche Merkmale des Territoriums wie z.B. die Bevölkerungsdichte und der Zustand der Landeskultur (Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft sowie des Gewerbes und des Handels) konnten als integraler Bestandteil landesherrlicher Repräsentation verstanden werden. Diese enge Beziehung von fürstlichem Rang und Territorium kommt sehr anschaulich in der Bemerkung eines anhaltinischen Fürsten über den im Haager Exil lebenden Winterkönig zum Ausdruck, wenn er 1626 über dessen Status vermerkt: "Ein Titel ohne Land ist wie ein Vogel ohne Federn,...".

2. Unter semiotischen Gesichtspunkten war die Verknüpfung von territorialen Dimensionen, naturräumlichen Gegebenheiten mit der Situierung der höfischen Orte (Städte, Jagdreviere, ländliche Lustschlösser, Alleen, Kanäle etc.) von großer Bedeutung.

3. Die Vielzahl von baulichen und rechtlichen Zeichen im näheren Umfeld des Herrschaftssitzes wurde oft zu einer Hof- und Residenzlandschaft zusammengefügt, deren wesentliches Merkmal meist das Fehlen größerer adliger Güter bildete. Dort konnte die höfische Gesellschaft nach Belieben dem Divertissement nachgehen, ohne mit den Inhabern der Lokalgewalt in Konflikt zu geraten. Die Anlage von Jagdrevieren und Gärten sowie der Bau von Alleen grenzten den höfischen Raum oftmals gegen das Herrschaftsgebiet der lokalen Stände ab.

4. Das Gewicht einzelner Orte und ihrer baulichen Anlagen für das gesamte Territorium spiegelte sich nicht selten in deren bildlichen Wiedergabe im Residenzschloß oder auch in den vom Fürsten initierten Landesbeschreibungen wieder.

5. Es war auch Ausdruck der Verdichtung von Herrschaft, wenn der Fürst über die unmittelbare Hof- und Residenzlandschaft hinaus in symbolischer Form das Land als zu seiner Herrschaft gehörig markierte. Das Anbringen von Wappen an Brücken, Amts- und Rathäusern, Kirchen, Gerichten, Meilensteinen, der Bau von Jagdhäusern und die Anlage von Jagdrevieren, selbst die Unterbringung der landesfürstlichen Kavallerie auf den Dörfern kann als eine zeichenhafte Form der Visualisierung und Vergegenständlichung von Herrschaft betrachtet werden, denn es diente im Bewußtsein der Landeskinder der Veralltäglichung einer herrschaftlichen Beziehung. Dies war um so wichtiger, als der Mensch der Frühen Neuzeit nur selten über unmittelbares Verwaltungshandeln mit dem fürstlichen Herrschaftsapparat in Berührung kam.

5. Geographische Lage und wirtschaftliche Vernetzung eines Territoriums waren dafür maßgebend, wie rasch und intensiv kulturelle Innovationen aller Art rezipiert und verarbeitet werden konnten.

6. Die territoriale Finanzkraft setzte dem fürstlichen Bemühen um Magnifizenz Grenzen. Falls diese mißachtet wurden, hatte dies gravierende Folgen für das gesamte Gemeinwesen.

 

5. Das lange Ende der höfischen Zeichen

5.1 Das Ende fürstlicher Herrschaft

1. Die Zeit nach 1760 läßt sich als ein ‚langes Ende’ der höfischen Zeichenwelt begreifen. Die Aufgabe semiotischer Potenz verband sich nicht mit einem einzigen historischen Ereignis. Zu den Bedeutungsverlusten und Neudefinitionen, die letztlich eine Aushöhlung des ständischen Decorums nach sich zogen, kam es seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

2. Doch erst mit dem Ende monarchisch verfaßter Staaten im 19. und 20. Jahrhundert erwiesen sich die höfischen Zeichensysteme als nicht mehr für die gesamte Gesellschaft verbindliche Steuerungsmechanismen.

3. Insbesondere im Gefolge der Französischen Revolution wurde die Zeichenwelt der alteuropäischen Monarchien entzaubert. In deren Verlauf wurden systematisch die Zeichen des französischen Königshauses (Herrscherstatuen, Gebäude, Wappen, Reliquien und vieles andere) zerstört, was im nachhinein die Umsetzung dynastischer Herrschaft durch und über Zeichen nachdrücklich belegt.

4. Jede Herrschaft bedarf eines kulturellen Rahmens, in dem die jeweilige politische Rhetorik verankert ist. Der völlige Bruch mit der Vergangenheit bzw. die Wiedergeburt der französischen Nation machten daher nach 1789 unter staatlicher Regie die Stiftung und Produktion neuartiger, nicht von der Vergangenheit belasteter Zeichen als Symbole einer neuen Ordnung unverzichtbar.

5. Mit der Kokarde, der Freiheitsmütze und dem Freiheitsbaum sowie später den öffentlichen Festen, den neuen Amtstrachten und der allgegenwärtigen Freiheitsgöttin kreierte das revolutionäre Frankreich Zeichen von großer Aktualität und Popularität, welche dank ihrer starken Präsenz in der Öffentlichkeit sowohl der Identitätsstiftung dienten als auch den Wandel symbolisierten. Mit der Inszenierung der Freiheitsgöttin erhoffte sich der Konvent, einen Weg gefunden zu haben, den bis dato allgegenwärtigen König als die zentrale Symbolfigur legitimer Herrschaft abzulösen.

6. Wie selten zuvor wurde den Zeitgenossen die prägende Rolle der Zeichensysteme bei der Wahrnehmung der politischen und sozialen Ordnung bewußt. So kommentierte Henri Grégoire 1795 die Einführung einer Amtstracht: "Die Sprache der Zeichen besitzt eine eigene Ausdruckskraft; Kleidungsunterschiede sind Bestandteile dieses Idioms, denn sie rufen Gedanken und Empfindungen hervor, die ihrem Objekt entsprechen, vor allem wenn sie mit ihrer Lebhaftigkeit von der Phantasie Besitz ergreifen."

 

5.2 Semantische Verluste

1. Bereits in der Frühen Neuzeit konnten höfische Zeichen immer wieder ihren Wert verlieren oder auch neu bestimmt werden. Dies läßt sich oftmals als eine Gegenbewegung zum sich mehr und mehr steigernden Innovationspotential der höfischen Lebensformen beschreiben.

2. Das, was "neu" war und als "Mode" breite Kreise der internationalen Hofwelt erfaßte, wurde spätestens zum Zeitpunkt allgemeiner Akzeptanz stets bedroht von dem, was im Prozeß des Übersteigerns neueste und größte Aufmerksamkeit erregen wollte. Dies betraf die Kleider und Tischmanieren ebenso wie die Inszenierung von Feuerwerken und Festen, die Errichtung von Bauten und die Neugestaltung von Räumen oder die Vorlieben fürstlicher Sammler.

3. Selbst die allmähliche Verbreitung neuer Zeichen barg schon den Keim semantischer Verluste in sich, da mit der Übernahme des Neuen in der Regel auch dessen Veränderung im Sinne einer Angleichung an regionale und örtliche Traditionen einher ging.

4. Eine intensive Rezeption höfischer Zeichen garantierte zwar eine allgemeine Anerkennung; doch wurde damit zugleich das Merkmal ästhetischer und sozialer Exklusivität bedroht.

5. Überdies blieb dasjenige, was als Kopie, Zitat oder Paraphrase an einem vom Ursprungsort des neuen Zeichens entfernt liegenden Hof benutzt wurde, durch das Geschick der ausführenden oder ausübenden Künstler und Handwerker ebenso bestimmt, wie durch die Rezeptionsfähigkeit oder -unfähigkeit der mit dem neuen Werk konfrontierten Hofgesellschaft.

6. Das, was als "Mode" eine Vielzahl von Höfen auszeichnete, stand im Laufe der Zeit auch jenen sozialen Gruppen zur Verfügung, deren Lebensstile nicht durch höfische Normen geprägt und geregelt wurden. Denn vieles ließ sich in äußerlich reduzierter Form unter Beibehaltung der funktionalen Elemente auch in anderen sozialen Kontexten mit Nutzen gebrauchen.

7. Die ehemals einzig dem höfischen Gebrauch dienenden Zeichen standen dann auch den oberen Schichten der Bauern und Bürger zur Verfügung, die in höfischer Zeit gleichfalls Häuser, Möbel, Kleider etc. zur sozialen Distinktion einsetzten.

 

5.3 Kritik und neue kulturelle Muster

1. Das bis zum Äußersten getriebene System der frühneuzeitlichen Prachtentfaltung wurde nach der immer heftiger vorgetragenen bürgerlichen Kritik zunächst im öffentlichen Diskurs neu bestimmt. Dessen soziales Gewicht bzw. dessen gesellschaftliche Breitenwirkung mußten allerdings erst noch wachsen, um größere Bedeutsamkeit und schließlich praktische Durchsetzungsfähigkeit zu erreichen. Die europäischen Hofgesellschaften zogen, wie das Auftreten des Emporkömmlings Napoleon nachdrücklich veranschaulicht, die inneren Regelungsmechanismen der Pracht nicht in Zweifel, sondern sie paßten sich den neuen modischen und ästhetischen Forderungen an.

2. Ein neues Verständnis einer durch die Antike geprägten Kultur wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts für die Höfe wie für das gehobene Bürgertum gleichermaßen bestimmend. Allerdings stand nunmehr der traditionellen Funktion fürstlicher Zeichensetzung (Herrschaftsinszenierung im Kontext einer altständischen Gesellschaft) die Subjektivität des bürgerlichen Geschmacksurteil entgegen.

3. Die höfischen Zeichen bewegten sich nun in deutlicher Konkurrenz zu neuen bürgerlichen Sozialnormen und Kunstvorstellungen. Dies kulminierte allerdings nur dort in öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen, wo sich der Hof mit einer selbstbewußten und finanzstarken stadtbürgerlichen Gesellschaft konfrontiert sah.

 

5.4 Historismus und höfische Zeichen

1. Der Gegensatz zwischen bürgerlicher und höfischer Welt prägte den Beginn der erneuten Rezeption der Antike in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert und auch noch die verschiedenen nachfolgenden Klassizismen.

2. Immer wieder wurde nach 1800 der Versuch unternommen, alte oder fremde kulturelle Muster (die verschiedenen Historismen und Exotismen) in die traditionellen Formen höfischer Prachtentfaltung zu integrieren.

3. Mit diesen Strategien war allerdings immer öfter die stillschweigende Aufgabe jener Verhaltensmuster verbunden gewesen, die zuvor strikte soziale Exklusivität garantiert hatten.

4. Die Höfe mußten sich der neuen Lebens- und Denkformen des Bürgertums bedienen, um in der jetzt immer stärker bürgerlich geprägten Öffentlichkeit mit kulturellen Aktivitäten glänzen zu können (z.B. durch Museumsbauten und Opernhäuser).

5. Immer häufiger fiel ein subjektiv gestimmter, "romantischer" Blick auf die Werke der überlieferten und neuen höfischen Kultur, für die nun nicht selten die großen Landschaftsszenarien wichtiger wurden als die mit ihren zahlreichen Funktionsbauten architektonisch dominierte Residenzstadt.

6. Trotz aller Krisenphänomene konnte es unter spezifischen Bedingungen durchaus zu einem Anstieg höfischer Prachtentfaltung auch an den Höfen des 19. Jahrhunderts kommen (Berlin unter Wilhelm II.). Um so deutlicher fiel der Verzicht auf die Produktion höfische Zeichen im Sinne politischer und sozialer Machtbehauptung nach 1918 aus.

 

5.5 Höfische Zeichen in der bürgerlichen Moderne

1. Es waren die neuen Staatsformen und die verschiedenen Strömungen der Moderne im späten 19. und im frühen 20. Jahrhunderts, die sich mit ihren ästhetischen und politischen Radikalismen an der höfischen Zeichenwelt und damit an der Semantik der alten Kultur- und Sozialformen gänzlich uninteressiert zeigten. Allenfalls in Residualbereichen wie der Diplomatie und bei den nur noch sich selbst inszenierenden, politisch machtlosen "Fürstenhäusern" lebten und leben bis heute Elemente höfischer Zeichen weiter. Doch diese Formen sozialer Kommunikation schreiben diesen Zeichen keine rechtlichen und politischen Qualitäten im engeren Sinne mehr zu.

2. Gleichwohl kommt es im globalen Zusammenhang westlicher Kulturhegemonie immer wieder zur Rezeption einzelner Formen und Gattungen höfischer Zeichen. Dies gilt für Staatsbesuche, militärische Feiern etc. ebenso wie für die "Höfe" einzelner Potentaten in den Ländern der sogenannten Dritten Welt oder auch für die amerikanisch-europäische Eventkultur der Postmoderne. Immer wieder finden sich hier Rückgriffe auf Mechanismen und Zeichen ehemals höfischer Prachtentfaltung wie auch deren Weiterentwicklung auf einem höheren technisch-medialen Niveau.

 

Literaturhinweise

Auswahlbibliographie von Neuerscheinungen zu Residenz und Hof 1995-2000, bearb. von Jan Hirschbiegel, Kiel 2000 (Mitteilungen der Residenzen-Kommission, Sonderheft 5).

Assmann, Aleida: Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses, München 2003.

Berns, Jörg Jochen: Die Festkultur der deutschen Höfe zwischen 1580 und 1730. Eine Problemskizze in typologischer Absicht, in: Germanisch Romanische Monatsschrift NF 34 (1984) S. 295-311.

Bourdieu, Pierre: Zur Soziologie der symbolischen Formen, Frankfurt 1974 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 107).

Bourdieu, Pierre: Die feinen Unterschiede, 3. Aufl., Frankfurt 1984.

Bourdieu, Pierre: Sozialer Raum und symbolische Macht, in: Ders.: Rede und Antwort, Frankfurt am Main 1992 (edition suhrkamp, NF 547), S. 135-154.

Burke, Peter: Ludwig XIV. Die Inszenierung des Sonnenkönigs, Berlin 1993.

Eco, Umberto: Einführung in die Semiotik, München 1972.

Elias, Norbert: Die höfische Gesellschaft. Untersuchungen zur Soziologie des Königtums und der höfischen Aristokratie mit einer Einleitung: Soziologie und Geschichtswissenschaft, Neuwied/Berlin 1969 (Soziologische Texte, 54).

Zur neueren Diskussion über Elias siehe

Chartier, Roger: Gesellschaftliche Figuration und Habitus. Norbert Elias und "Die höfische Gesellschaft", in: Ders.: Die unvollendete Vergangenheit. Berlin 1989, S. 37-72.

Duindam, Jeroen: Norbert Elias und der frühneuzeitliche Hof. Versuch einer Kritik und Weiterführung, in: Historische Anthropologie 6 (1998) S. 370-387.

Erdengötter. Fürst und Hofstaat in der Frühe Neuzeit im Spiegel von Marburger Bibliotheks- und Archivbeständen. Ausstellungskatalog, Marburg 1997.

Eine gute Figur machen. Kostüm und Fest am Dresdner Hof, hg. von Claudia Schnitzer und Petra Hölscher. Ausstellungskatalog, Dresden 2000.

Haskell, Francis: Maler und Auftraggeber. Kunst und Gesellschaft im italienischen Barock, Köln 1996.

Hunt, Lynn: Symbole der Macht – Macht der Symbole. Die Französische Revolution und der Entwurf einer politischen Kultur, Frankfurt/Main 1989.

Kemp, Martin: Der Blick hinter die Bilder. Text und Kunst in der italienischen Renaissance, Köln 1997.

Kulturgeschichte heute, hg. von Wolfgang Hardtwig und Hans Ulrich Wehler, Göttingen 1996 (Geschichte und Gesellschaft, Sonderheft 16).

Lauts, Jan, Herzner, Irmlind Luise: Frederico da Montefeltro. Herzog von Urbino – Kriegsherr, Friedensfürst und Förderer der Künste, München/Berlin 2001.

Von der Macht der Bilder, hg. von Ernst Ullmann, Leipzig 1983.

Mehr Licht. Europa um 1770. Die Bildende Kunst der Aufklärung. Ausstellungskatalog, München 1999.

Matsche, Franz: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI., 2 Bde., Berlin/New York 1981.

Meier-Oeser, Stephan: Die Spur des Zeichens. Das Zeichen und seine Funktion in der Philosophie des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Berlin/New York 1997 (Quellen und Studien zur Philosophie, 44).

Die öffentliche Tafel. Tafelzeremoniell in Europa 1300-1900, hg. von Hans Ottomeyer und Michaela Völkel. Ausstellungskatalog, Berlin 2002.

Paravicini, Werner: Gruppe und Person. Repräsentation durch Wappen im späteren Mittelalter, in: Die Repräsentation der Gruppen. Texte – Bilder – Objekte, hg. von Otto Gerhard Oexle u.a., Göttingen 1998, S. 327-389.

Paulmann, Johannes: Pomp und Politik. Monarchenbegegnungen in Europa zwischen Ancien Régime und Erstem Weltkrieg, Paderborn u.a. 2000.

Pracht und Zeremoniell. Die Möbel der Residenz München, hg. von Brigitte Langer. Ausstellungskatalog, München 2002.

Rahn, Thomas: Fortsetzung des Festes mit anderen Mitteln. Gattungsbestimmungen zu hessischen Hochzeitsberichten, in: Frühneuzeitliche Hofkultur in Hessen und Thüringen, hg. von Jörg Jochen Berns und Detlef Ignasiak, Erlangen/Jena 1993 (Jenaer Studien, 1), S. 233-248.

Roeck, Bernd: Kunst-Patronage in der Frühen Neuzeit, Göttingen 1999.

Rohr, Julius Bernhard von: Ceremoniell-Wissenschafft der großen Herren, Berlin 1733. Reprint Leipzig 1989.

Rohr, Julius Bernhard von: Ceremoniell-Wissenschafft der Privat-Personen, Berlin 1728. Reprint Leipzig 1990.

Trabant, Jürgen: Neue Wissenschaft von alten Zeichen: Vicos Sematologie, Frankfurt am Main 1994 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft, 1134).

Trabant, Jürgen: Elemente der Semiotik, Tübingen 1996 (UTB für Wissenschaft, 1908).

Wackernagel, Martin: Der Lebensraum des Künstlers in der Florentinischen Renaissance. Aufgaben und Auftraggeber, Werkstatt und Kunstmarkt, Leipzig 1938.

Warnke, Martin: Hofkünstler. Zur Vorgeschichte des modernen Künstlers, 2. Aufl., Köln 1996.

Winterling, Aloys: Hof. Versuch einer idealtypischen Bestimmung anhand der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte, in: Mitteilungen der Residenzen-Kommission 5,1 (1995) S. 16-21.

Winterling, Aloys: Der Fürstenhof in der Frühen Neuzeit. Forschungsprobleme und theoretische Konzepte. in: Residenzkultur in Thüringen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, hg. von Roswitha Jacobsen, Bucha bei Jena 1999, S. 29-42.

Zanker, Paul: Augustus und die Macht der Bilder, Leipzig 1987.

Zeremoniell als höfische Ästhetik in Spätmittelalter und Früher Neuzeit, hg. von Jörg Jochen Berns und Thomas Rahn, Tübingen 1995 (Frühe Neuzeit, 25).

Zeremoniell in der Krise. Störungen und Nostalgie, hg. von Bernhard Jahn, Thomas Rahn und Claudia Schnitzer, Marburg 1998.

 

Europäische Metropolen und deutsche Kapitalen
Symbolpolitik im öffentlichen Raum deutscher Residenzstädte
ca. 1750-1848

Thesen und Konzeption (Habilitationsprojekt)

 

1) "Europa" war seit der Frühen Neuzeit nicht bloß ein realer, zusammenhängender Kulturraum, sondern auch ein Anspruch. "Europäisches Niveau" zu erreichen, europaweit Aufmerksamkeit zu erlangen, war Ziel der größeren Städte, zumal dann, wenn es sich um Haupt- und Residenzstädte handelte.

2) Europäische Metropolen zeichneten sich durch eine gewisse Größe, vor allem aber durch einen – teils selber kultivierten, teils von außen an sie heran getragenen – Modellanspruch aus. Für den anvisierten Untersuchungszeitraum scheint es zumindest sechs derartige Paradigmen urbaner Kultur in Europa gegeben zu haben: Rom, Venedig, Paris, London, Wien und (das antike) Athen. Bei vier weiteren Fällen (Neapel, Florenz, Amsterdam, Manchester) wird anhand der Quellen nachzuprüfen sein, ob sie in ähnlich prominenter Weise chiffrenhaft als Vorbilder bemüht wurden.

3) Die deutschen Staaten besaßen – wenn man von dem Sonderfall Wien absieht – keine Metropole, die europaweit für Aufsehen gesorgt hätte. Indes war das Bestreben der deutschen Fürsten (wie im Übrigen auch der Freien und Hansestädte), die bekanntlich sehr verschieden-artige staatliche Gebilde regierten, nach gegenseitiger Übertrumpfung unverkennbar. Dem Bezug auf die "echten" europäischen Metropolen kam dabei eine wichtige Funktion zu.

4) Die Residenzstädte waren der sichtbarste und der geeignetste Schauplatz für symbol-politische Initiativen, mit denen ein "Upgrading" der Stadt – und mit ihr des betreffenden Staates – vollzogen werden sollte. Eine spezifische Referenzlogik, die in dem Projekt näher herauszuarbeiten sein wird, bildete sich heraus.

Das angepeilte Sample von sechs deutschen Residenzstädten (Berlin, Dresden, München, Kassel, Karlsruhe, Würzburg) soll bedeutende, aber auch geographisch wie typologisch breit gestreute Fälle in den Blick nehmen. An symbolpolitisch relevanten Vergleichsmomenten sollen, sofern forschungstechnisch machbar, zwölf untersucht werden:

(1) die äußere Gestaltung des fürstlichen Schlosses oder anderer städtischer Residenzen inklusive den angrenzenden Freiflächen;

(2) der symbolische Code der Rathäuser oder anderer wichtiger munizipaler Gebäude;

(3) jener von geistlichen Orten, vor allem Kirchen und Kirch- bzw. Friedhöfen;

(4) die Gestaltung für kommerzielle Zwecke genutzter Räume wie Märkten, Börsengebäuden oder frühen Kaufhäusern;

(5) die Anlage der städtischen Verteidigungsstrukturen (Bastionen, Stadtmauern, Glacisgeländen);

(6) jene von Grünflächen, z.B. Alleen, Parks oder Freizeit- und Vergnügungsflächen;

(7) Wasserwege (Flüsse, Kanäle, künstliche Seen), insofern sie für residenzstädtische Selbst- und Außendarstellung genutzt wurden;

(8) öffentliche Museen, Theater und Konzerthäuser, die angesichts ihrer fortschreitenden Auslagerung aus den fürstlichen Residenzen besonders aufschlußreiche Untersuchungsobjekte zu werden versprechen;

(9) Stätten für (höhere) Bildung und Ausbildung (Akademien, Universitäten, Fachschulen, vielleicht Gymnasien);

(10) die Einführung von Gasbeleuchtung auf den Straßen und (11) die Errichtung der ersten Bahnhöfe; sowie

(12) den Einbezug (oder Nicht-Einbezug) von Fabriken in das residenzstädtische Areal.

Die drei letztgenannten Beispiele erscheinen aussagekräftig im Hinblick auf den Umgang mit moderner Technologie, ob diese als Chance oder Bedrohung fürstlicher und stadtbürgerlicher Ansprüche gesehen wurde. Zugleich mag damit eine Blickverengung auf die "Hochkultur" umgangen werden. Daß viele der skizzierten Untersuchungsobjekte bereits kunsthistorische Untersuchungen erfahren haben, muß im übrigen keineswegs von Nachteil sein, auch wenn sie eher auf ihre politischen und sozialen Implikationen hin befragt werden sollen.

Dem Moment der Einrichtung bzw. Anlage dieser zwölf Knotenpunkte städtischen Selbstverständnisses und den diesem voran gegangenen Debatten wird deshalb eine heraus-gehobene Bedeutung zukommen, weil sich dort die Ansprüche auf den öffentlichen Raum am klarsten ausdrückten. Ob dies flächendeckend um eine Untersuchung der tatsächlichen Nutzungsgeschichte ergänzt werden kann, bleibt abzuwarten; forschungstechnisch wäre dies vermutlich sehr aufwendig. Allerdings wird angestrebt, zumindest diejenigen Fälle einzubeziehen, in denen es zu Aufsehen erregenden Umdeutungen und Neuaneignungen des öffentlichen Raums in den deutschen Kapitalen kam. Gerade deshalb scheint die Revolution 1848/49 als plausibler Fluchtpunkt der Untersuchung. Als Leitfragen wären festzuhalten:

A Hatte der in der "Sattelzeit" zu beobachtende sozial- und begriffsgeschichtliche Wandel ein Korrelat im Weichbild der Städte und in der Art, wie "öffentlicher Raum" dort definiert wurde? Oder muß man, im Einklang mit mehreren jüngst vorgelegten Studien, eher von der Persistenz fürstlich-höfischer Formen auch für die symbolische Codierung deutscher Residenzstädte ausgehen? Die von Habermas unterstellte idealtypische Entwicklung von einer höfisch-repräsentativen zu einer bürgerlich-rationalen Öffentlichkeit erscheint bezüglich der konkreten Ausformung des öffentlichen Stadtraums zumindest zweifelhaft.

B Wie entwickelte sich die "Referenzlogik" im Rahmen der stadträumlichen Veränderungen? Gab es bei der Orientierung an europäischen Mustern eine Hinwendung von romanisch-staatszentrierten Vorbildern hin zu modernen technologisch-industriellen, für die dann am ehesten britische Anleihen getätigt wurden? Verlor der Rekurs auf externe Modelle seit dem frühen 19. Jahrhundert möglicherweise insgesamt an Bedeutung zugunsten der Betonung "eigener" Traditionen?

C Wie drückten sich in der Gestaltung des öffentlichen Raums konsensuale – oder auch konfliktuelle – Prozesse in den betreffenden Städten aus? Welche sozialen Gruppen fanden "ihren" Ausdruck? Welche Mythen und welche Codes wurden dafür bemüht? Warum konnte manchen Gebäuden und Freiflächen Bedeutung zugeschrieben werden und anderen nicht?

Marc Schalenberg, Berlin*

Kolloquiumsberichte

 

Ernst von Wettin und Albrecht von Brandenburg

I. Moritzburg-Tagung

Halle (Saale), 23. bis 25. Mai 2003

Nach einer wechselvollen Baugeschichte, die bis in das Jahr 1479 zurückreicht, war die Hallenser Moritzburg im Mai 1503 schließlich soweit fertiggestellt, daß Erzbischof Ernst von Wettin (1476-1513) mit seinem Hofstaat Einzug halten konnte. Die Tagung nahm die 500. Wiederkehr dieses Ereignisses zum Anlaß, um sich mit der Residenz in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und mit ihren beiden Bauherren, Ernst von Wettin und seinem Nachfolger Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490-1545), auseinanderzusetzen. Die wissenschaftliche Leitung lag bei PD. Dr. Dr. Andreas Tacke (Philipps-Universität Marburg; München), Gastgeberin war die Direktorin der Staatlichen Galerie Moritzburg Halle, Landesmuseum Sachsen-Anhalt, Frau Dr. Katja Schneider.

Bei der Moritzburg selbst ging es nicht um eine bauarchäologische Aufarbeitung, die anläßlich der z.Z. vorgenommenen Baumaßnahmen bei der Denkmalpflege besser aufgehoben ist, sondern vielmehr um die Einordnung der Wohn- und Wehranlage in Residenzbauten der Brandenburger bzw. Wettiner, um die dynastische Konkurrenz beider Häuser, die auch am Beispiel der Medaillenkunst wie auch bei den Grabanlagen in Magdeburg und Halle aufgezeigt werden konnte. Darüber hinaus wurden territoriale Fragen ebenso angesprochen wie das Verhältnis der Erzbischöfe zur Stadt; vor allem in der Ära Albrechts waren die Auswirkungen der Reformation zu erörtern.

Den Eröffnungsvortrag hielt (die Angaben wurden von den ReferentenInnen zur Verfügung gestellt) Dr. Hans-Joachim Krause (Leipzig): Die Moritzburg und der "Neue Bau" in Halle. Gestalt, Funktion und Anspruch – ein Vergleich.

Die beiden bedeutenden Großbauten der Übergangszeit von der Spätgotik zur frühen Renaissance in Halle, die von Erzbischof Ernst von Wettin 1484 bis etwa 1510 errichtete Moritzburg, und der für Erzbischof und Kardinal Albrecht von Brandenburg zwischen 1531 und 1539 geschaffene "Neue Bau", seit dem 17. Jh. als "Residenz" bezeichnet, wurden in ihrer rekonstruierbaren ursprünglichen Gestalt vorgestellt und in den intendierten bzw. noch feststellbaren tatsächlichen Aufgaben und Funktionen erläutert. Der Vergleich der unterschiedlichen Anlagen zeigte, daß sie auch sehr unterschiedlichen Ansprüchen zu genügen hatten: der von Ernst für das erzstiftische Territorium als neuer Herrschaftsmittelpunkt erbauten Moritzburg fügte sein Nachfolger Albrecht mittelbar ergänzend den von sehr persönlichen Ambitionen geprägten "Neuen Bau" als seinen Stadtpalast hinzu.

Das Tagungsprogramm begann mit dem Vortrag von Dr. Brigitte Streich (Stadtarchiv Wiesbaden): Politik und Freundschaft. Die Wettiner und ihre Territorialpolitik in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Der spätere Magdeburger Erzbischof Ernst aus dem Hause Wettin wurde 1464 geboren, im Todesjahr seines Großvaters, Kurfürst Friedrichs des Sanftmütigen. Dieses Jahr bildet auch deshalb eine Zäsur in der wettinischen Geschichte, weil die Söhne des Kurfürsten, Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht, die zunächst gemeinsam die Regierung übernahmen, eine Neuorientierung der Territorialpolitik ihres Hauses betrieben. Die früher gültigen Bündnisse, insbesondere der enge Schulterschluß mit den Hohenzollern, wurden gelockert, andere familiäre und politische Konstellationen gewannen dagegen an Gewicht.

Schon Friedrich der Sanftmütige hatte ein doppeltes Heiratsbündnis mit den Wittelsbachern angebahnt. Es folgten vertragliche Vereinbarungen zwischen beiden Häusern, die das fragile System gegenseitiger Absicherung durch vertragliche Bindung ins Wanken brachten. Die Beziehungen zu König Matthias Corvinus von Ungarn tangierten auch das Verhältnis zum Reich und zum kaiserlichen Oheim der "jungen Herren", Friedrich III. Andererseits war gerade der Dienst für das Reich ein Betätigungsfeld für den jungen Herzog Albrecht den Beherzten und brachte Ruhm und Einfluß.

Das Bemühen um Besetzung des Magdeburger Erzstuhles mit einem Wettiner lag im Zuge einer veränderten Stoßrichtung territorialen Expansionsstrebens: Es zielte nach Norden und Nordosten; flankiert wurde es von der Heiratspolitik (Eheverträge mit Mecklenburg, Braunschweig-Lüneburg, mit der Krone Dänemark und dem Königreich Polen). Auch die Versorgung anderer nachgeborener Söhne – Albrecht von Mainz, dem Deutschordensmeister Friedrich – mit geistlichen Ämtern folgte dieser Logik.

Der von den "jungen Herren" vollzogene Paradigmenwechsel hatte Auswirkungen auf deren Verhältnis zu ihrem Oheim Herzog Wilhelm von Sachsen, dem Regenten des thüringischen Landesteils, der weiterhin für eine enge Anlehnung an Brandenburg eintrat. Schon früh zeichnete sich ab, daß Wilhelm ohne legitime, männliche Erben sterben würde; den Abschluß eines Erbvertrages mit seinen Neffen zögerte der alternde Herrscher jedoch lange hinaus. Drei Jahre nach seinem Tod und dem damit verbundenen Anfall Thüringens an die wettinische Hauptlinie, einigten sich Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht im Jahre 1485 auf eine Teilung ihrer Länder und leiteten damit einen lang anhaltenden Niedergang ein.

Als Ernst 1513 starb, war das Haus Wettin bereits nachhaltig geschwächt, den Wettlauf um die Vormacht im Nordosten des Deutschen Reiches hatte es verloren.

Dr. Michael Scholz (Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Potsdam): "...und wirdett alles ordentlich vortzeichentt" – Alltag am erzbischöflich-magdeburgischen Hof im Spiegel der Hofordnungen des 15. und 16. Jahrhunderts.

"Hofordnungen sind verkappte Sparsamkeitserlasse" (Ernst Schubert). Trotz ihres normativen Charakters reagierten spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Hofordnungen unmittelbar auf Mißstände und Probleme bei Hofe – sei es, daß man bemüht war, die Anzahl der Personen am Hof zu reduzieren, daß die Verschwendung von Lebensmitteln oder Pferdefutter verhindert werden sollte, oder sei es, daß man gegen ungebührliches Verhalten der Mitglieder des Hofes einschreiten wollte. Mit ihrer mangelnden Systematik und ihrer Kasuistik vermitteln die Hofordnungen um 1500 nicht so sehr ein Idealbild des Hofes, sondern sind vielmehr eine wichtige Quelle zum Alltag bei Hofe, wie man sich ihn vorstellte und wie er sich tatsächlich darbot.

Dies gilt in besonderem Maße für den erzbischöflich-magdeburgischen Hof, dessen tägliches Leben sich in den erhaltenen Quellen nur höchst spärlich widerspiegelt. Die überlieferten Ordnungen der Erzbischöfe Ernst von Sachsen, Albrecht und Friedrich von Brandenburg bilden daher wichtige Zeugnisse, dürfen in ihrer Aussagekraft freilich auch nicht überschätzt werden, da sie zum einen nicht das gesamte Hofleben abbildeten, sondern lediglich einige neuralgische Bereiche, zum anderen aber neben den aktuellen auch traditionelle Elemente enthalten, die aus älteren Vorlagen übernommen wurden.

Die Versorgung des Hofes gehörte zu den wesentlichen Aufgaben der sich im 15. und 16. Jahrhundert herausbildenden Landesverwaltung, und so sind auch über sie Regelungen in den Hofordnungen zu finden – in den überlieferten magdeburgischen Ordnungen freilich geringer ausgeprägt als etwa in den gleichzeitigen Regelungen der Kurfürsten von Brandenburg.

In dem Beitrag sollte zum einen der Quellenwert der magdeburgischen Hofordnungen erörtert werden, zum anderen ein Bild vom Hofleben anhand der Ordnungen und anderer Quellen vermittelt werden und zum dritten ein Vergleich mit den Hofordnungen anderer Territorien gezogen und schließlich ein Blick auf die Entwicklung der Quellengattung im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit geworfen werden.

Prof. Dr. Wilhelm Ernst Winterhager (Phillips-Universität Marburg, Seminar für Neuere Geschichte): Aus dem Schatten des großen Bruders. Zur Entwicklung der politischen Persönlichkeit Albrechts von Brandenburg.

Mit den Markgrafenbrüdern Joachim I. (1484-1535) und Albrecht (1490-1545) beginnt der Aufstieg der brandenburgischen Hohenzollern in die Höhen der Großmachtpolitik. Weder über Kurfürst Joachim noch über Erzbischof Albrecht jedoch hat die ansonsten so rührige Brandenburg-Preußen-Geschichtsschreibung bislang historisch-kritische Biographien vorgelegt, die ihrer Bedeutung angemessen wären. Besonders schmerzlich ist dieses Defizit im Blick auf Albrecht, der drei Jahrzehnte lang als Erzbischof von Mainz und Magdeburg, als Kardinal und Reichserzkanzler in den Stürmen der Reformation eine so zentrale Rolle spielte. Trotz mancher Neuansätze in jüngster Zeit – namentlich seit 1990, als Albrechts 500. Geburtstag Anlaß zu einer Ausstellung und einem großen Symposion bot – ist im ganzen das Bild Albrechts in der Forschung noch immer merkwürdig unscharf und widersprüchlich: Entschlußloser Weichling oder kluger Diplomat, überforderter Renaissancefürst oder weitschauender Reformgeist, ängstlicher Opportunist oder erasmische Friedensnatur – wie eh und je schwankt das Urteil über ihn je nach Standpunkt des Betrachters. Erst eine breitangelegte Erhebung der archivalischen Quellen, vor allem der weitverstreuten Korrespondenzen Albrechts, könnte hier Abhilfe schaffen; erst auf dieser Grundlage ließe sich das Bild des Menschen, Bischofs und Fürsten Albrecht von Brandenburg in schärferen Konturen zeichnen.

Das Referat versuchte, vom frühen Verhältnis der beiden Brüder Joachim und Albrecht ausgehend die Entwicklung der Politik und Persönlichkeit des Jüngeren, des Kardinal-Erzbischofs, bis in die 1520er Jahre zu skizzieren und damit Anregungen zu liefern für eine politische Biographie Albrechts als eines Reichsfürsten, der gerade in der Auseinandersetzung mit dem zunächst übermächtigen älteren Bruder zu einem eigenständigen und selbstbewußt agierenden politischen Kopf heranreift und die gefährdete Machtbasis der drei Stifte Mainz, Magdeburg und Halberstadt gegen alle Widrigkeiten zu behaupten versteht.

Dr. habil. Jörg Rogge (Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Fachbereich Geschichtswissenschaft): Aspekte des Herrschaftsverständnisses von geistlichen Fürsten am Beispiel Ernst von Wettin und Albrecht von Brandenburg.

Die beiden geistlichen Fürsten teilten die Vorliebe für die Residenz Halle und die Moritzburg. Diese Gemeinsamkeit von Ernst und Albrecht war der Anlaß, danach zu fragen, ob sie auch ähnliche Vorstellungen von ihrem Amt, insbesondere dem damit verbundenen Aspekt der Herrschaftsausübung hatten. Dabei ging es vor allem darum, wie sie gesehen werden wollten, nicht um die Bewertung ihres Handelns und Verhaltens durch Zeitgenossen.

Im Zentrum der Ausführungen stand deshalb die Untersuchung von Quellen (Gesetzen, Ordnungen, Briefe) und Aspekten ihres politischen Handelns (Herrschaftsrepräsentation, Konfliktverhalten), die einen Beitrag zu der Frage leisten können, wie Ernst und Albrecht ihr Herrschafts- und Amtsverständnis zum Ausdruck gebracht haben. Die verschiedenen Formen und Medien der Kommunikation der beiden Fürsten mit ihrer politischen Umwelt sind die Grundlage für eine Skizze der Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihres Herrschaftsverständnisses.

Dr. Matthias Donath (Berlin): Der wettinische Schloßbau des 15. Jahrhunderts.

Die Kurfürsten und Herzöge von Sachsen aus dem Haus Wettin trugen im 15. Jahrhundert entscheidend zur Entwicklung des neuzeitlichen Schloßbaus bei. Die großartigen Residenzen, die zwischen 1470 und 1510 entstanden, formten nicht nur die sächsische Kunstlandschaft, sondern revolutionierten darüber hinaus die Schloßarchitektur in Deutschland. In den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts bildeten sich in Sachsen die wesentlichen Merkmale des deutschen Schloßbaus des 16. und 17. Jahrhunderts aus.

Der Übergang vom mittelalterlichen Verteidigungsbau zur neuzeitlichen Residenz markiert die 1471 begonnene Albrechtsburg in Meißen. In den folgenden Jahren ließen die Landesherren weitere Residenzen in Dresden, Wittenberg, Torgau, Weimar, Rochlitz, Rochsburg, Belzig, Allstedt, Lochau und Grimma errichten. Dem wettinischen Schloßbau sind außerdem die Residenzen der Bischöfe von Meißen und Merseburg zuzuordnen. Die Bistümer Meißen, Merseburg und Naumburg waren zu dieser Zeit de facto in das wettinische Herrschaftsgebiet eingegliedert.

Die landesherrlichen und bischöflichen Residenzen, die zwischen 1470 und 1510 in Sachsen entstanden, veränderten den deutschen Schloßbau. Die Schlösser zeichnen sich durch richtungsweisende Eigenheiten aus: der mittelalterliche Verteidigungsbau wurde vom neuzeitlichen Herrschaftssitz abgelöst, welcher zugleich fürstliche Wohnung, Ort staatlicher Repräsentation und Verwaltungsmittelpunkt ist. Die fortifikatorische Bedeutung trat zugunsten einer repräsentativen Erscheinung zurück. Zwar wurden noch immer wehrhaft erscheinende Bauformen verwendet, ohne aber die Absicht zu haben, diese militärisch einzusetzen. Die wehrhaften Motive beinhalten vielmehr eine symbolische Aussage. Als traditionsverhaftete bildliche Zeichen verkörpern sie Macht und Herrschaft.

Markus Leo Mock M.A. (Berlin): Die Schloßkapelle in Wolmirstedt. Ein erzbischöflicher Repräsentationsbau an der Grenze zu Kurbrandenburg.

Die nördlich von Magdeburg gelegene Schloßkapelle in Wolmirstedt gilt seit einem 1856 publizierten Aufsatz Ferdinand von Quasts, des ersten Konservators der preußischen Kunstdenkmäler, als direktes Vorbild für die Maria-Magdalenen-Kapelle der Moritzburg in Halle sowie für die Schloßkirche zu Wittenberg. Folgt man von Quast, so hat der um 1480 unter der Regierungszeit von Erzbischof Ernst vollendete Bau eine Empore besessen, die nahezu den gesamten Innenraum umschlossen hat. In rezeptionsgeschichtlicher Hinsicht wäre er somit als das älteste Beispiel der vorzugsweise von den sächsischen Fürsten errichteten "gedoppelten Schloßkapellen" einzustufen, die in den protestantischen Schloßkapellen der Renaissance ihre Nachfolger gefunden haben.

Um diese architekturhistorische Einordnung zu überprüfen, stand die Frage nach der ursprünglichen Baugestalt im Mittelpunkt des Vortrages. In Form einer "Begehung", die sich zunächst dem Außenbau, anschließend dem Innenraum der Wolmirstedter Schloßkapelle zuwendete, stellte er die aktuellen baugeschichtlichen Erkenntnisse vor, die in einigen Fällen die Einschätzungen von Quasts revidieren. Unterstützt und bereichert wurden sie durch archivalische Angaben zur Bau- und Restaurierungsgeschichte.

Dr. Hans Lange (Technische Universität München, Lehrstuhl für Kunstgeschichte): Residenzen geistlicher Reichsfürsten im späten 15. und der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts – Architektur im Spannungsfeld von Fürst und Staat.

Ausgehend von konkreten materiellen Befunden zur Architektur und Ausstattung bischöflicher Residenzen und von der Erörterung spezifischer Strukturmerkmale, die im Rahmen fürstlicher Repräsentationsstrategien in einer Zeit zunehmenden Ausbaus der Landesherrschaft und vor dem Hintergrund offensiver wie defensiver Reaktionen auf die Reformation das Profil hochstiftischer Schloßanlagen konturieren helfen, wurde in einem ersten Versuch das traditionelle und innovative Potential dieser eng definierten Bautengruppe vergleichend skizziert. So sollte die Moritzburg und der Neue Bau in Halle in einen Kontext gestellt werden, der Allgemeines und Besonderes besser unterscheiden hilft. Dabei war die Entscheidung für differente Bautypen zwischen Burg und Schloß bzw. Palast ebenso zu berücksichtigen wie das soziale Milieu und die kulturelle Prägung der Bauherren. Was Ernst von Wettin und Albrecht von Brandenburg in Halle letztlich vergeblich ins Werk setzten, führt fast zeitgleich in Würzburg, in Salzburg sowie in Trient zu einer auf lange Sicht erfolgreichen Stabilisierung geistlicher Herrschaft im Zeitalter von Reformation und Bauernkrieg. Die Relation von Residenz und Stadt erweist sich für Erfolg oder Scheitern solcher Strategien als ein wesentlicher Indikator.

Den Abendvortrag hielt Prof. Dr. Werner Freitag (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Geschichte): Reformation in Halle zwischen kommunalem Selbstbewußtsein und bischöflicher Macht.

Gezeigt wurde eine Reformation in langsamen Schritten, die dem "Normalverlauf im Eiltempo" – evangelische Bewegung, Kloster- und Bildersturm, radikaler oder gemäßigter Ausschuß bedrängt oder paktiert mit dem Rat, Rat führt Reformation ein mittels Usurpation der Pfarrstellen, Kasten- und Armenordnung, Schulaufbau, Klosterschließung usw. – nicht entspricht.

Die Fokussierung auf die restriktiven Maßnahmen Albrechts hat in der bisherigen Forschung den Blick auf die innerstädtischen Mechanismen und Motivlagen verdrängt: Bis 1541 gab es in Halle keine breite, handlungsbereite evangelische Bewegung; es fehlten die lutherischen Prädikanten vor Ort, denn Klerus und Mönche blieben altgläubig. Der Rat handelte in der Tradition spätmittelalterlicher Kirchenpolitik, denn er wollte einige der Bereiche des Konflikts (der Sonderung) im Verhältnis zur Kirche beseitigen. Dazu bot ihm Albrecht die hilfreiche Hand, und so profitierte die Stadt von der Entmachtung des Klosters Neuwerk. Unabhängig von den religiösen Konstellationen im Rat – die Mehrheitsverhältnisse zwischen Papisten und Lutheranern sind nur schwer auszumachen – war es das Ziel des Rates als Obrigkeit, den Stadtfrieden zu erhalten, auch und gerade um die Geschehnisse von 1478 nicht zu wiederholen. Deshalb war es vor und nach 1541 das Bestreben der städtischen Politik, an der Landsässigkeit der Stadt nicht zu rütteln und die Superiorität des Erzbischofs anzuerkennen – die Reformation war folglich kein Kampf um die Wiedererringung spätmittelalterlicher Autonomie, sieht man von einigen Geschehnissen der Jahre 1546/47 ab. Als in den bürgerlichen Sozialgruppen der Wille nach einer Reformation zu stark wurde – sichtbar im "Auslaufen" und in der Kooptation nichtpapistischer Rastherren und dann in der Konstituierung eines Ausschusses – erkannte der Rat an, daß das neue Kirchenwesen notwendig für der Stadt Bestes sei. Aber es blieb das Ziel des Rates, Konflikte in der Stadt und mit dem Erzbischof zu verhindern. So können wir auch für Halle die aus den Hansestädten von Mörke festgestellten Sachverhalte bestätigen, wonach dem sozial heterogenen Stadtregiment ein ebenso sozial heterogener Bürgerausschuß, dem ja Patrizier und Innungsmeister und sogar Ratsmeister angehörten, gegenüberstand. Doch beide zweifelten sich in ihrer Legitimität nicht an; verhandelt und gestritten wurde über Tempo und Maßnahmen, nicht aber über das Ziel. Die Reformation in Halle war folglich kein Ausdruck sozialen Wandels, kein Aufstand gegen den Rat.

Am Schluß des Vortrages wurde versucht, mit dem Begriff der Residenzstadtreformation einzelne Phänomene typologisch zu bündeln.

Erstens wurde deutlich, daß die Neuordnung des Kirchenwesens im Gefolge der Reformation der Kirchenstruktur und der Sakraltopographie der Residenzstadt geschuldet war; der Rat konnte das Erbe des Klosters Neuwerk über die Zwischenstation Neues Stift antreten und gewann so Patronat, Schule und das ius circa sacra. Zweitens spricht für "Residenzstadtreformation", daß trotz Reformation das Arrangement mit dem Fürsten erhalten blieb, der ja 1546 als Katholik die Reformation zusicherte. Und drittens kann man von Residenzstadtreformation auch deshalb sprechen, weil keine Gruppe in der Stadt mit der Reformation die Residenz eines katholischen Erzbischofs in Frage stellen wollte; viel zu eng waren die sozialen und ökonomischen Verflechtungen, zu sehr profitierte die Stadt von der Residenz.

Die Residenzstadtreformation steht folglich zwischen Fürstenreformation und Ratsreformation.

Den zweiten Tagungstag begann Dr. Sven Hauschke (Fürth): Die Grablege von Erzbischof Ernst von Wettin im Magdeburger Dom – Baupolitik im Zeichen der Memoria.

Im Jahr 1476 wurde Ernst von Sachsen, der Sohn des gleichnamigen sächsischen Kurfürsten, zum Administrator des Erzbistums Magdeburg gewählt. Aufgrund seines jugendlichen Alters – Ernst war gerade einmal elf Jahre alt – erhielt er die erzbischöflichen Weihen zwar erst 1489, doch konnte er mit Hilfe der wettinischen Familie und der Unterstützung des Kaisers seinen Einfluß und seine Macht weiter ausbauen. So wurde er 1479 auch zum Administrator des Bistums Halberstadt gewählt.

An die Wahl zum Magdeburger Erzbischof waren offensichtlich bedeutende Zahlungen des Hauses Wettin gekoppelt, mit denen umfangreiche Baumaßnahmen am Dom – die Vollendung der Westfassade – in Angriff genommen wurden.

1494 verwandelt Erzbischof Ernst die hinter dem Eingangsportal der Westfassade gelegene Kapelle in seine persönliche Grabkapelle. Mit umfangreichen Stiftungen schafft er sich noch zu Lebzeiten einen Memorialraum, dessen Zentrum die monumentale Grabtumba aus der Vischer-Werkstatt bildet.

Dr. habil. Kerstin Merkel (Universität Kassel; Nassenfels): Die Bedeutungsebenen des Grabbaldachins von Kardinal Albrecht.

Albrecht von Brandenburg beschäftigte sich rund 25 Jahre intensiv mit dem Ausbau seiner Grabanlage. Er startete mit einer konservativen Grabplatte, die im Sinne der Zeit auf die übliche Memoria vertraute – sie sollte die Lebenden an Gebete für den Verstorbenen erinnern. Doch schien ihm die Abhängigkeit seines Seelenheils von den Lebenden nicht sicher genug, so daß er sein Grabdenkmal zu einer aus sich selbst heraus funktionierenden, also einer "autodynamischen" Anlage ausbaute. Mittelalterliche Bildmagie, zum Teil auf der Mystik basierend, sollte ihm dabei genauso zur Hilfe kommen wie die körperliche Nähe zu seiner immensen Reliquiensammlung, die in das Konzept seiner Jenseitsvorsorge mit einbezogen wurde.

Von besonderer Bedeutung ist dabei der bronzene Baldachin, dessen Form Heiligengräber assoziiert und zugleich als ewige "capella ardente" an den wichtigsten Moment der Bestattung – die Absolution – erinnern soll. Das Motiv des geöffneten Herzen Jesu, quasi unsichtbar an der Unterseite des Baldachins eingeritzt, sollte sich einst als symbolische Pforte zum Paradies über dem toten Kardinal öffnen.

Stefan H. Heinz M.A. (Trier): "O Bedenck das End". Der Mainzer Marktbrunnen – Ein Beitrag zur Memoria Albrechts von Brandenburg.

Im Jahre 1526 ließ der Mainzer Erzbischof und Kardinal Albrecht von Brandenburg, auf dem Marktplatz von Mainz den verfallenen Brunnen durch einen Neubau ersetzen. Dieser trägt zwei Inschriften, von denen eine über die Stiftung berichtet, während die andere zwei historische Ereignisse des Entstehungsjahres festhält, den Bauernkrieg und die Schlacht von Pavia. Das Monument wird zudem durch ein reichhaltiges Bildprogramm geschmückt. Es verbildlicht die angesprochenen Ereignisse, verwendet aber auch eine Symbolsprache, die Vanitasmotive (ein Täfelchen mit der Beischrift 0 BEDENCK DAS END) sowie die Aufforderung zur Tugendliebe kolportiert. In der Bekrönung des Brunnens befinden sich Figuren der drei heilige Bischöfe Martin, Bonifaz und Ulrich.

Der Marktbrunnen dient zu weitaus mehr als nur der profanen Wasserversorgung. Er steht in einem städtebaulichen Konzept, das neben dem Umbau der ehemaligen Münze zum städtischen Rathaus auch die Neupflasterung des Marktplatzes einschließt. Als Denkmal dient das Monument zwar der Erinnerung an den Sieg des Erzbischofs über die aufrührerischen Bauern, ist aber in größerem Maße eine Lobpreisung des Kunstmäzens Albrecht von Brandenburg. Die außergewöhnliche dreiseitige Baldachinarchitektur formuliert einen hohen Anspruch mit mannigfaltigen ikonographischen Anspielungen. So wird der Brunnen zu einem Denkmal für die funktionierende politische Ordnung an deren Spitze der Erzbischof steht. Darüber hinaus übernimmt er memoriale Ersatzfunktionen für ein Grabdenkmal des Erzbischofs, welches ursprünglich nicht in Mainz zur Aufstellung kommen sollte. Der Mainzer Marktbrunnen ist somit zusammen mit dem Grabmal für Erzbischof Uriel von Gemmingen († 1514) nicht nur ein hervorragendes Fallbeispiel für das Mäzenatentum Kardinal Albrechts, sondern auch für die Denkmal-Kultur der beginnenden Renaissance nördlich der Alpen.

Dr. Hermann Maué (Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Münzkabinett): Medaillen auf Albrecht von Brandenburg.

Albrecht von Brandenburg hat schon früh die Möglichkeiten gesehen, mit der Verbreitung seines Bildnisses auf seine Ämter und damit auf seine herausragende Stellung innerhalb der deutschen Kurfürsten zu verweisen. Seine Interessen galten nicht nur gemalten Porträts, die ihn mitunter in überraschenden und ungewohnten Rollen zeigten, sondern in gleicher Weise auch vervielfältigten Bildnissen im Kupferstich oder als Medaille. Beide Kunstgattungen standen noch am Anfang, und Albrecht beförderte ihre weitere Entwicklung, als er 1518 auf dem Reichstag zu Augsburg Albrecht Dürer für einen Kupferstich und Hans Schwarz für eine Bildnismedaille Modell saß. Die auf dem Augsburger Reichstag entstandenen Bildnismedaillen setzt man gewöhnlich an den Anfang der deutschen Medaillenkunst.

Einige Jahre später, 1526, wird in Nürnberg die wohl eindrucksvollste und ausgewogenste Medaille auf Albrecht von Brandenburg in unterschiedlichen Größen gegossen. Der Künstler, der diese Medaille wohl in der Vischer-Werkstatt in Nürnberg hat gießen lassen, ist bislang namentlich nicht faßbar. Später dann wendete sich Albrecht von Brandenburg an den in Sachsen tätigen Goldschmied Hans Reinhard, und ließ von ihm sein Bildnis auf Medaillen setzen. Mit der Herstellung seiner Bildnismedaillen hat Albrecht – wie auch auf anderen Gebieten der Kunst – die besten Konterfetter seiner Zeit beauftragt.

Zeitgenössische Quellen zur Verwendung von Bildnismedaillen – insbesondere zu Repräsentationszwecken – sind äußerst spärlich, jedoch lassen sich einige Beispiele aufführen.

Prof. Dr. Martin Brecht (Münster): Erwerb und Finanzierung von Kunstwerken durch Erzbischof Albrecht von Mainz.

Nicht selten wird beklagt, Albrecht von Mainz sei als historische Persönlichkeit nur schwer faßbar. Kunstwerke, Preziosen und Baulichkeiten haben für Albrecht von Mainz wesentlich zu seinem fürstlichen Status gehört. Bis heute beeindruckt er als Mäzen, Sammler und Bauherr. Die Leidenschaft für den Besitz wertvoller und schöner Objekte ging jedoch über die Dimension einer Liebhaberei deutlich hinaus, indem sie, kostspielig wie sie war, Albrechts finanzielle Verhältnisse überstieg und zumindest zum Teil auch noch den Zeitgeist gegen sich hatte. Dies brachte permanent Hektik und Streß mit sich. Geldmangel sowie Schulden dürften diesen Fürsten noch schlimmer als seine finanziell gleichfalls meist klammen Standesgenossen bedrängt haben. Auch seine Bediensteten wurden dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Ein Opfer ist dabei der Kämmerer Hans Schenitz geworden, dem auf einmal all die vollmundigen Zusicherungen seines Herrn nichts mehr halfen, sondern dem der Prozeß gemacht wurde. Albrechts Kredit, um den es ihm so sehr zu tun gewesen war und dessen er zur Aufrechterhaltung seiner Leidenschaft unbedingt bedurfte, wurde im Zusammenhang mit dieser Affäre merklich beschädigt. Das historische Urteil wird davon nicht absehen können.

Prof. Dr. Michael Wiemers (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Kunstgeschichte, Professur für Neuere Kunstgeschichte): Hans Sebald Beham und Albrecht von Brandenburg.

Sebald Beham (1500-1550) ist als einer der "drei gottlosen Maler von Nürnberg" in die Kunstgeschichte eingegangen. Wegen kritischer Äußerungen gegen Religion und Stadtobrigkeit wies man ihn 1525 aus seiner Heimatstadt. Es ist bemerkenswert, daß er trotzdem später ausgerechnet für Albrecht von Brandenburg tätig werden durfte. 1534 bemalte er eine heute im Louvre aufbewahrte Tischplatte für den Kardinal, die mit den Geschichten um David und Bathseba das höfisch-pikante. aber auch moralisierende Thema der Weibermacht aufgreift. Drei Jahre zuvor gehörte Beham zu den Künstlern, die Albrechts "Beicht- und Meßgebetbuch" kostbar ausschmückten. Er lieferte sechs Miniaturen mit Darstellungen der Buße und der Meßfeier. Der Vortrag wird sich vor allem letzteren widmen. Dabei geht es um das Verhältnis von Text und Bild, um die Ikonographie und um darin enthaltene Hinweise auf die zeitgenössische Historie. Gefragt wird nach Indizien für eine leitende Idee, welche die Auswahl der Bildthemen und die Ausführung der Miniaturen bestimmte. Meine Frage richtet sich aber auch auf die Tatsache, daß die Wahl hier auf Sebald Beham fiel. Was prädestinierte den "gottlosen Maler" für eine solche Arbeit?

Die Ergebnisse der Tagung werden in einem Sammelband publiziert.

Andreas Tacke, Marburg*

Athanasius Kircher (1602-1680) – Jesuit und Universalgelehrter

Symposion und Ausstellung

Fulda, 6. bis 9. März 2003

Vom 6. bis 9. März 2003 fand im Stadtschloß zu Fulda ein von der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Fulda in Zusammenarbeit mit der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (Abteilung Forschungsförderung und wissenschaftliche Veranstaltungen) und in Abstimmung mit der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte und dem Fuldaer Geschichtsverein veranstaltetes wissenschaftliches Symposion statt. Mit 25 Referenten und mehr als hundert Gästen war es der weltweit wohl größte Kircher-Kongreß der letzten Jahre. Das Symposion versuchte, die Bandbreite des Kircherschen Denkens thematisch weitgehend abzudecken und durch die Wiedergabe neuer Forschungsergebnisse die Kircher-Forschung zu stimulieren – letzteres soll sich auch in einem geplanten Tagungsband niederschlagen.

Das Symposion wurde am Nachmittag des 6. März 2003 von Oberbürgermeister Dr. Alois Rhiel (Fulda) eröffnet; er hob in seinem Grußwort die Bedeutung der Fuldaer Schulzeit (1612-1618) für die geistige Entwicklung von Athanasius Kircher hervor. Weitere Grußworte sprachen Prof. Dr. Friedrich Niewöhner von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel in Vertretung des verhinderten Direktors Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer, der die Rolle der beiden veranstaltenden Bibliotheken bei der Vorbereitung und Durchführung des Symposions beleuchtete, Weihbischof Johannes Kapp (Fulda), Vizepräsident der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte, der die tiefe christliche Überzeugung Kirchers in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte, und Oberbürgermeister i.R. Dr. Wolfgang Hamberger (Fulda), der im Zusammenhang mit dem Tagungsort Fulda das "Lob der Provinz" thematisierte.

Nach einleitenden Bemerkungen von Friedrich Niewöhner (Wolfenbüttel), in denen das Spektrum der Kircherschen Forschungsinteressen vorgestellt und seine Rolle für die Wissenschaftsgeschichte einzelner Fächer skizziert wurde, eröffnete Berthold Jäger (Fulda) den Reigen der Vorträge mit Ausführungen zum Thema "Athanasius Kircher und Fulda". Er ging auf Kirchers Familie, seine Kindheit und Jugendjahre in Geisa und Fulda ein und beleuchtete die Kontakte Kirchers zu Fulda während seiner "Rom-Jahre" 1633-1680, die meist von der "Heimat" ausgingen und von Kircher nur dann selbst initiiert wurden, wenn er sich im Zusammenhang mit seinen Publikationsvorhaben finanzielle Unterstützung versprach. Kurz skizzierte Jäger auch Kirchers "Nachleben" in Fulda, das sich im 18. Jahrhundert in der Übersetzung von Kirchers 1684 im Druck erschienener Autobiographie ins Deutsche und im 19. Jahrhundert in verschiedenen, zum Teil nur handschriftlich überlieferten Biographien niederschlug, während im 20. Jahrhundert vor allem Gregor Richters Arbeiten über die Beziehungen Kirchers zu seiner Heimatstadt Geisa eigenständige Forschungsergebnisse zeitigten.

Die genannte, in einem Zug niedergeschriebene und daher eine einheitliche Sichtweise vermittelnde Autobiographie Kirchers unterzog Barbara Mahlmann (Bern) einer genauen Überprüfung im Hinblick auf "apologetische Tendenzen". Sie arbeitete eine Fülle von Topoi heraus, mit denen Kircher seine Talente als gottgegeben darstellte und angebliche oder tatsächliche Rettungen und Weichenstellungen in seinem Leben auf die Vorsehung Gottes und die Fürsorge der Gottesmutter zurückführte – ohne Kirchers tiefe religiöse Empfindungen in Frage zu stellen.

Martha Baldwin (North Easton, MA) griff in ihrem Vortrag "Self-Presentation in Kircher’s Published Books" Mahlmanns philologischen Untersuchungsansatz auf und demonstrierte anhand von Kirchers Vorworten und persönlichen Bemerkungen in seinen Büchern die über fünf Jahrzehnte durchgehaltenen Anstrengungen, ein schmeichelndes Bild von sich selbst zu kreieren. Sie konnte zeigen, daß Kircher – bewußt wie auch unbewußt – sein Selbstbildnis verschob, änderte und wohlüberlegt abstimmte und sich von einem ängstlichen und zögerlichen, wenn auch ehrgeizigen jungen Gelehrten zu einem arroganten, selbstsicheren und selbstzufriedenen Mann mittleren Alters entwickelte, dessen Ego allein durch seine religiöse Erziehung und sein religiöses Engagement in Zaum gehalten wurde. Er rieb sich an den dogmatischen Zwängen seiner religiösen Gemeinschaft und war zugleich darin geübt, sie zu umgehen.

Zum Abschluß des ersten Tages stellte Thomas Stäcker (Wolfenbüttel) "Athanasius Kircher im Spiegel der Briefe an August den Jüngeren, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, in der Herzog August Bibliothek" vor und informierte über die Internet-Publikation von 21 lateinischen Briefe Kirchers an den Herzog, die die von Michael John Gorman und Nick Wilding besorgte Internet-Präsentation der im Archiv der Pontificia Università Gregoriana in Rom erhaltenen Briefe an Athanasius Kircher ergänzt. Die Wolfenbütteler Edition bildet nicht nur die Briefe ab, sondern bietet auch eine vollständige Transkription und eine Übersetzung ins Deutsche, zusätzlich englischsprachige Regesten und Kommentare.

Am 7. März wurde zunächst das Referat von Rita Haub (München) verlesen. Unter dem Titel "Gott finden in allen Dingen – die Gesellschaft Jesu und die naturwissenschaftlichen Leistungen im 16. und 17. Jahrhundert" gab sie einen Überblick, der die Einordnung von Kirchers Forschungsanstrengungen in den Kontext der Leistungen seiner Ordensbrüder ermöglichte. Dabei ging sie neben Kircher besonders auf Christoph Scheiner, Johann Baptist Cysat und Christoph Clavius sowie auf Galileo Galilei und Pierre Teilhard de Chardin ein, und sie beschrieb "Jesuiten auf dem Mond", d.h. jene (insgesamt 32) Persönlichkeiten der Gesellschaft Jesu, die für bestimmte Ortsbezeichnungen auf dem Mond eine Rolle spielen.

Michael John Gorman (Stanford) beschäftigte sich in seinem Vortrag "Athanasius Kircher’s Magnetic Geography" mit dem von Kircher 1641 in dem Buch über Magnetismus – Magnes, sive de Arte Magnetica – vorgelegten ambitionierten Plan zur Lösung des Problems der Längengradbestimmung mittels der Berechnung magnetischer Schwankungen oder der Deklination der Kompaßnadel vom astronomischen Norden. Kirchers Plan, der eine früher von Giambattista della Porta vertretene Technik aufgriff, setzte auf die Möglichkeit, Jesuitenmissionare in den verschiedensten Ordensprovinzen zu ermutigen, genaue Messungen magnetischer Abweichungen vorzunehmen; er war aber letztlich zum Scheitern verurteilt – behindert nicht allein durch die Schwierigkeit, genaue Messungen sicherzustellen, sondern auch durch die Entdeckung säkularer magnetischer Abweichungen durch englische Mathematiker. Gorman wertete Kirchers Versuch, die Geographie mit Hilfe einer konzertierten Aktion seiner jesuitischen Mitbrüder zu reformieren, als Ausdruck seines Bestrebens, das jesuitische Korrespondenten-Netzwerk als weltumspannendes Beobachtungsinstrument zu nutzen; bei der Ankündigung seines Projekts habe Kircher nachdrücklich betont, daß allein der Jesuitenorden die Möglichkeit zur Verbesserung der geographischen Kenntnisse habe, weil nur die Jesuiten auf gehorsame, mathematisch gebildete Missionare auf dem gesamten Globus zurückgreifen könnten. Mit seinem Projekt demonstrierte Kircher seinen global ausgerichteten Unternehmungsgeist und ein ungebremstes Vertrauen in die Kraft seines Ordens; der Versuch, das größte Navigationsproblem des 17. Jahrhunderts zu lösen, wurde aber nicht nur dadurch, sondern vor allem durch die Grenzen der Instrumentation und der Unterweisung charakterisiert.

Harald Siebert (München/Berlin), der Kirchers astronomische Vorstellungen in einer Dissertation behandelt, wies in seinem Vortrag "Kosmologische Weltbilder in Kirchers Itinerarium Exstaticum" nach, daß Kircher am geozentrischen Weltbild des Tycho Brahe festhielt, seinen Lesern aber zugleich einen gigantischen Weltraum mit unermeßlich vielen Sternensystemen vorstellte, der jede Geozentrik sprengte. Damit näherte sich Kircher dem heliozentrischen System des Nikolaus Kopernikus an, ohne dieses konkret zu übernehmen. Kirchers Beschreibung einer Reise durch den Weltraum in Dialogform, erstmals 1656 veröffentlicht, stieß wegen seiner Abweichungen vom tychonischen Weltbild ordensintern auf großen Widerstand und war mit Denunziationen verbunden; eine von Kirchers Schüler Kaspar Schott besorgte Neuauflage des Werkes mußte deshalb 1660 in Würzburg erscheinen (unter dem Titel Iter extaticum [!] coeleste, Neuedition 1671 in unveränderter Fassung, aber mit der Schreibweise "exstaticum").

Dietrich Unverzagt (Fulda), der in seiner Dissertation das Hauptwerk von Kirchers zeitweiligem Assistenten und "Musterschüler" Kaspar Schott untersucht hat, beschrieb in seinem Referat "Athanasius Kircher und Kaspar Schotts Magia universalis" anhand zahlreicher Abbildungen aus Werken der beiden die Abhängigkeit Schotts von Kircher, aber auch die eigenständigen Leistungen des Jüngeren. Dabei wurde, wie in vielen anderen Beiträgen auch, deutlich, daß Kirchers Universalismus im 17. Jahrhundert eine Ausnahmeerscheinung war; ebenso wie Johann Heinrich Alsted oder Daniel Georg Morhof kämpfte Kircher gegen den wissenschaftlichen Trend, der auf Spezialisierung zielte. Möglicherweise hing Kirchers Rastlosigkeit mit der Erkenntnis zusammen, "ein Letzter seiner Art zu sein".

Als Kommunikations- und Medienwissenschaftler mit dem Schwerpunkt "Archäologie der Medien" ordnete Siegfried Zielinski (Köln) in seinem Vortrag "Licht und Schatten – Konsonanz und Dissonanz" Kircher in die Frühgeschichte der technischen Medien und ihrer Modellierer (u.a. Giambattista della Porta, Robert Fludd, Marin Mersenne) ein. Er hob das spannende Aufeinandertreffen technischer, naturwissenschaftlicher und magischer Konzepte für mediale Apparaturen bei Kircher hervor und fokussierte seinen Vortrag auf die Maschinen zur Erzeugung spezieller Effekte. In den Konzepten zur Allegorientrommel oder zur populären Laterna magica wären die Technik für die Herstellung der Effekte und die sie wahrnehmenden Subjekte sorgfältig räumlich getrennt, ein Phänomen, das dann 300 Jahre später in den Filmproduktionen Hollywoods perfektioniert wurde. Zielinski pries Kirchers Sensibilität für das "utopische Potential", das er in den Welten aus Zeichen und Technik enthalten sah, die möglicherweise reale Konflikte und Kriege überbrücken helfen könnten, und würdigte Kirchers besonderes Verständnis von Fortschritt: Fortschritt sei für diesen nicht mit Effizienzsteigerung verknüpft gewesen, sondern mit Variantenreichtum. Auf sein eigenes Verständnis der Medienarchäologie als "An-Archäologie" und seine im Hinblick auf mediengeschichtlich bedeutsame Erfindungen konstruierte neue Weltkarte konnte Zielinski aus Zeitgründen nur kurz eingehen.

Auch Angela Mayer-Deutsch (Berlin), Doktorandin der Kunstgeschichte, betonte in ihrem Beitrag "Kirchers Museum als Ort der ‚permanenten Konversion‘" das Medienbewußtsein des Jesuiten und seine akustischen und optischen "Kunstgriffe", mit denen er die Gäste seines Museums beeindruckte. Frau Mayer-Deutsch sah im Programm des Museums eine an den "Exerzitien" der Jesuiten orientierte Wahrnehmungserfahrung propagiert, die als Instrument zur Verkündigung diente. Das Museum sollte eine "permanente Konversion" in Gang setzen, eine Konversion weniger zum selbstbewußten katholischen Glauben der Gegenreformation als vielmehr zum universalwissenschaftlich ausgerichteten Weltbild, wie Kircher es in seinen Schriften vorführte. Unter diesem Aspekt sollten sich seine Publikationstätigkeit und seine Museumspädagogik ergänzen.

Der Generalinspektor der staatlichen Archive Italiens, Eugenio Lo Sardo (Rom), der für die römische Kircher-Ausstellung 2001 den Versuch unternommen hatte, das Museum Kircherianum zu rekonstruieren, sah in diesem Museum die Verwirklichung der Lebensaufgabe des Jesuitenpaters, den "vom Schicksal präsentierten Goldenen Schlüssel" zur Durchsetzung seiner Weltsicht. Die Museumsgestaltung stellte "eine unglaubliche Herausforderung zur Vereinheitlichung" dar: die Zusammenführung der verschiedenen Felder seiner Forschungen "unter demselben Dach, in einem speziell dekorierten Kontext, im Zentrum der berühmtesten Universität des Jesuitenordens" – alles unter den Vorzeichen des Glaubens, der es Kircher ermöglichte, "das Chaos vor ihm und in ihm zu bändigen". Das Museum war nach Lo Sardo "zugleich eine phantastische Möglichkeit zur Propaganda, wirkungsvoller als alle Bücher". Lo Sardo beleuchtete sodann die Grundsatzentscheidungen und einige Schwierigkeiten bei der Rekonstruktion des Museums. Ersteres betraf die Hinführung der Menschen zur labyrinthischen Welt Kirchers und den Nachbau der Galerie in vereinfachter Ausführung sowie die Aufstellung der Objekte an den gleichen Positionen wie auf dem Kupferstich De Sepis von 1678, letzteres die Zusammenführung der infolge der Zerschlagungen des Museums 1773 und 1870 auf verschiedene Museen und Sammlungen verstreuten Sammlungsgegenstände und den Nachbau diverser technischer Objekte.

Der Musikwissenschaftler Sebastian Klotz (Berlin) beschrieb in seinem Beitrag "Concordia discors – Kirchers Klanglehre zwischen Heuristik und theologischer Vision" die theoretischen und die theologischen Grundlagen des Kircherschen Musikverständnisses. Musik war für den Jesuitengelehrten eine der Mathematik zugehörige Wissenschaft, die nicht primär durch ästhetische Kategorien oder durch Kunstfertigkeit definiert werden konnte; sie war nicht nur "Kunst", sondern als "Gottesgabe" vor allem ein Weg zum Verständnis Gottes. Die durch die Musik freigesetzten affektiven Kräfte unterstreichen die Würde und die Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott; Musik ist ein Spiegel der von Gott in vollkommener Harmonie geschaffenen Schöpfung, der Mensch ein Teil der Weltharmonie. Gleichwohl ist die von Gott ausgehende und zu ihm hinführende Musik auf den Menschen gerichtet und somit anthropologisch begründet. Auch ist sie, wie jede Wissenschaft, einer zwingenden Systematik unterworfen. Die Beachtung der Grundlagen und der Regeln der Musikwissenschaft führt zu klar strukturierten Kompositionen; deren Produktionsprozeß kann mechanisiert werden. Auch ist Musik zu therapeutischen Zwecken einsetzbar.

Der Musiker und Komponist Peter Pannke (Berlin) stellte "Athanasius Kircher als Musikethnologe(n) avant la lettre" vor. Pannke ging dabei nicht nur auf Kirchers musiktheoretische Vorstellungen und seine Überlieferungen von frühen Musikformen ein, sondern zeigte anhand von aktuellen Aufnahmen traditioneller Musik aus Indien (Dhrupad-Gesang) und Äthiopien (Harfe) Gemeinsamkeiten auf. Auch letztere gründen auf der "Kunst der Erinnerung", der "ars combinatoria" und "ars memoria", für die in Europa Namen wie Ramon Lull, Giordano Bruno, Athanasius Kircher und Gottfried Wilhelm Leibniz stehen, und die in Indien eine noch viel längere Tradition hat. Das System der unzähligen rhythmischen und melodischen Permutationen und Kombinationen ist nach Pannke ein über Jahrtausende hinweg entwickelter Ausdruck indischen Denkens, der für das Entwerfen von Computerprogrammen genauso unabdingbar sei wie für das Ausüben indischer Musik.

Am Abend des 7. März kam es im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung zur Teilaufführung der vom Studio Akustische Kunst/WDR Köln produzierten Komposition "Itinerarium Kircherianum" von Peter Pannke im Surround-Sound. Der Komponist und Musiker Pannke ist den Spuren Kirchers gefolgt und hat die akustisch bemerkenswerten Orte, an denen sich Kirchers Leben abspielte, mit Hilfe zeitgenössischer Musiker wieder zum Klingen gebracht: die Katakomben der Santa Cecilia, das "Ohr des Dionysos" von Syrakus und die Wallfahrtskapelle von La Mentorella in den Prenestiner Bergen südlich von Rom, in der Kirchers Herz beigesetzt ist. Eingebettet in akustische Notizen der Recherche, die der Autor für diese Komposition machte, und in elektronische Bearbeitungen originaler Klänge entstand so ein Porträt des barocken Universalgelehrten, das zwischen Vergangenheit und Gegenwart oszilliert und dem Hörer einige Lebensstationen Kirchers auf eindrucksvolle Weise nahebringt.

Der Physiker und Jesuitenpater Otto Schärpf (München/Braunschweig) hielt anschließend den Festvortrag zum Thema "Jesuitisches Welt- und Wissenschaftsverständnis im Wandel der Zeiten". Das typisch Jesuitische ist Schärpf zufolge nur zugänglich anhand der den Jesuitenorden prägenden Exerzitienerfahrung; das Welt- und Wissenschaftsverständnis ist dann die geschichtliche Ausfaltung dieser Erfahrung in der Begegnung mit den Problemen der jeweiligen Zeit. P. Schärpf versuchte das jesuitische Gottesbild mittels des als Rationalisten bekannten Jesuitenschülers René Descartes (1596-1650) und seines ontologischen Gottesbeweises zugänglich zu machen, könne man doch bei dem nicht als Mystiker – mit anderen unzugänglichen Erfahrungen – verdächtigen Descartes die Exerzitienerfahrung als Leitlinie seines ganzen Werkes durchscheinen sehen. Descartes behandelt die gleichen Themen wie Athanasius Kircher: Licht, Wetter, Welt, Musik. Und er kommt gleichfalls mit falschen Begründungen zu richtigen Ergebnissen, was am Wissensstand der damaligen Zeit liegt und die Kritik an Kircher relativiert. Zur Verdeutlichung wählte P. Schärpf ein Problem aus, das Athanasius Kircher in seiner Ars lucis et umbrae behandelt: die Brechung des Lichtes beim Übergang in ein anderes Medium z.B. von Luft in Wasser. Descartes wie Kircher lagen mit ihren Erklärungsversuchen schief; erst ein Jahrhundert später brachte der Jesuit Rudjer Josip (Roger Joseph) Boskovic (1711-1787) ausgehend von Newton die Lichtbrechung einem Verständnis näher und knüpfte daran modern anmutende Ideen: eine atomare Theorie des Festkörpers, die erst im 20. Jahrhundert bei den Atom- und Kernphysikern Widerhall fand, und den Vorschlag, die Aberration des Lichtes mittels eines mit Wasser gefüllten Fernrohrs zu messen. Beim Wandel des jesuitischen Welt- und Wissenschaftsverständnisses spielte die Aufhebung der Gesellschaft Jesu 1773 und ihre Wiedereinführung 1814 ein besondere Rolle – die Veränderungen in der Welt waren, ebenso wie die Neuorientierung innerhalb der Kirche, für die Jesuiten prägende Erfahrungen. Das kristallisierte sich besonders in der Gestalt des Evolutionsforschers Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955). Dieser ging trotz der von ihm gewonnen, der Lehrmeinung der Kirche nicht entsprechenden Erkenntnisse nicht auf Kollisionskurs, sondern blieb seiner Einstellung als Jesuit in der Kirche treu. Aber er schrieb seine Bücher, auch ohne sie drucken zu dürfen, im Bewußtsein, daß sie die Wahrheit weiterführen würden. Auf dem Hintergrund der Exerzitienerfahrungen wußte er sich wie Descartes von Gott zu seinen Forschungen angetrieben, gleich ob diese von anderen angenommen würden oder nicht – es war seine Aufgabe, das Seine zum Wissensfortschritt beizutragen. Im dritten Teil des Vortrags beschrieb Schärpf dann futuristische Konsequenzen dieser Evolutionsauffassung, das Zusammenwachsen der Menschheit zu einer überbiologischen Einheit, die das eigentliche Ziel der Schöpfung sei: die Inkarnation, d.h. Gott alles in allem.

Am 8. März beschäftigte sich zunächst der Philosoph Thomas Leinkauf (Münster) mit "anthropologische(n) Aspekte(n) im Werk von Athanasius Kircher". Kirchers Reflexionen zur Stellung des Menschen bewegten sich fast vollständig im Rahmen kosmologischer Überlegungen und deren theologischem Hintergrund; sie basierten auf der vorchristlichen Annahme vom Menschen als dem markantesten Kristallisationspunkt aller produktiven Anstrengungen und von der Ordnung der Natur auf die Bedürfnisse und die Intelligenz des Menschen hin sowie auf der im frühmodernen Europa unter dem Einfluß von Cusanus und Marsilio Ficino noch gesteigerten Vorstellung von der Wesensverwandtheit des Menschen mit Gott, von der ontologischen Position des Menschen in der Weltmitte und der "menschlichen Seele als Zentrum der Verknüpfung von Zeit und Ewigkeit, Materie und Geist im Entwurf des Menschen als einer Einheit von Körper und Geist", vom Nutzen der Welt für den Menschen und von der Welt als Ausdruck göttlicher Ordnungsleistung. Kircher stützt nach Leinkauf "seine Anthropologie kosmologisch und seine Kosmologie anthropologisch, beides letztlich fundiert in einem theologischen, metaphysisch argumentierenden Kontext". Das Universum als Ganzes findet sein Zentrum im Menschen, der Mensch wiederum sein Zentrum in Gott als einem absoluten "terminus desideratus". Die Welt ist nach Leinkauf in Kirchers Wahrnehmung die "zweite Haut des Menschen" – und damit die Herausforderung, sich wissenschaftlich mit ihr zu befassen.

Gerhard F. Strasser (University Park, PA), zeichnete in seinem Vortrag "Athanasius Kircher als Apologet und Interpret kryptographischer und linguistischer Entwürfe des Johannes Trithemius" die Einflüsse des Sponheimer Abtes auf Kircher nach, unterstrich aber auch Kirchers Eigenständigkeit. Kirchers Bemühungen um eine Universalsprache, niedergelegt in seinem handschriftlichen Projekt der Reduzierung aller Sprachen auf eine einzige (1659) und in seiner Polygraphia nova et universalis (1663), lassen sich von seinen kryptologischen Überlegungen nicht trennen; sein Sprachenschema ließ sich auch zu steganographischen, zu Geheimhaltungszwecken verwenden! Für letztere verquickte Kircher sein System der universellen Verständigung mit den auf Trithemius zurückgehenden und von ihm weiterentwickelten Vorstellungen von geheimer Kommunikation und konstruierte eine "Cista" oder "Arca Steganographica". Um einen hohen Sicherheitsgrad zu gewährleisten, wählte Kircher die doppelte Chiffrierung; sein System blieb aber leichter verständlich als das jahrhundertelang umstrittene des "Dritten Buches" der Steganographia des Trithemius, welches erst in den letzten Jahren von zwei Forschern (unabhängig voneinander) entschlüsselt werden konnte.

Nick Wilding (Cambridge/GB), wie Michael John Gorman ein intimer Kenner des Kircherschen Briefwechsels, ging in seinem Vortrag "Publishing the Polygraphia nova et universalis (manuscript, instruments, print)" auf die Vorgeschichte von Kirchers Polygraphie ein. Wilding unternahm es, Kirchers polygraphische Produkte von den 1640er Jahren bis zu seinem Tod – Verschlüsselungsmaschinen, Lehrmaschinen, Rechenmaschinen, unveröffentlichte Manuskripte und gedruckte Bücher – zu rekontextualisieren und deren Entwicklung zu beschreiben. Dabei standen weniger die Texte im Vordergrund als vielmehr die materiellen Objekte oder Technologien, deren fortwährende Produktion, Verbreitung und Aufnahme ihren Inhalt bestimmten. Daß Kirchers Versuche, Kommunikation neu zu durchdenken, letztlich fehlschlugen, bedeutet nach Wilding nicht, daß man auf eine Betrachtung der Kommunikationsnetzwerke in ihrem Entstehungszusammenhang verzichten kann.

Ingrid D. Rowland (American Academy Rom/New York) verglich in ihrem Beitrag "Athanasius Kircher und Giordano Bruno. Vom Alten Ägypten zum unendlichen Universum" zwei Zeitgenossen Galileo Galileis, die beide von der Existenz des unendlichen Universums fasziniert waren, mit der gleichen Begeisterung aber über die überlegene Zivilisation und die geheimnisvolle Weisheit der Alten Ägypter schrieben. Zwei wichtige Entwicklungen trennen Bruno von Kircher. Giordano Bruno starb 1600, neun Jahre vor der Erfindung des Teleskops. Seine kosmologischen Spekulationen beruhten auf konzentriertem Denken und nicht auf empirischer Evidenz. Für Athanasius Kircher hingegen hatte sich die Welt der Naturphilosophie eine Generation später vollständig verändert; Instrument und Beobachtung hatten sich als wesentliche Elemente des Strebens nach Erkenntnis durchgesetzt. Die zweite große Kluft zwischen Giordano Bruno und Athanasius Kircher bezieht sich auf das Studium der alten Ägypter und auf die Datierung des Alters der dem ägyptischen Weisen Hermes Trismegistus zugeschriebenen, als Schlüssel zum alten Ägypten und dessen Weisheit betrachteten Bücher, die 1614 von dem protestantischen Gelehrten Isaac Casaubon als spätantike Pastichen identifiziert wurden. Mit besonderer Beharrlichkeit schenkte Kircher den hermetischen Büchern bei seinen eigenen ägyptologischen Studien jedoch weiterhin Glauben. Bruno sah seine Aufgabe darin, die antike Prägung der Philosophie zu erneuern, deren Wesen über die Jahrhunderte durch Aberglauben entstellt worden war. Dabei benutzte er Ägypten als Symbol, um seiner neuen Philosophie eine noch ältere Abstammung als die der griechisch-römischen Tradition zu verleihen. Kircher hingegen schrieb Hermes Trismegistus eine besondere Bedeutung für die Hieroglyphen zu, die für ihn auch geheime Symbole zur Darstellung der Geheimnisse der Religion und der Naturgesetze die Hieroglyphen des Alten Ägypten waren. Sowohl die Inhalte überlieferter ägyptischer Texte als auch die großen Bewegungen der Erde und der Planeten, die Kircher und Bruno mit einem ungeheuren Zeitmaßstab beobachteten, um ihrer physikalischen Unermeßlichkeit gerecht zu werden, führten beide dazu, den Moment der Schöpfung auf einen weit vor das Buch Genesis zurückreichenden Zeitpunkt zu verschieben. Insgesamt symbolisierte Ägypten in seiner besonderen Beziehung zu dem sich ausbreitenden Gebiet der Naturphilosophie sowohl für Bruno als auch für Kircher etwas Beständigeres und Dauerhafteres.

Der Mathematikhistoriker Harald Gropp (Heidelberg) beschäftigte sich in seinem Beitrag "Athanasius Kircher, Professor für Mathematik und orientalische Sprachen, und sein Aufenthalt in Malta" mit dem Mathematiker und Orientalisten Kircher. Kirchers Interesse an Kombinatorik und Kryptologie traf sich mit dem Studium und der Analyse semitischer Sprachen, die im Vergleich zu anderen Sprachen der Welt besonders "logisch konstruiert" sind. Neben einer allgemeinen Beschreibung von Kirchers Malta-Besuch 1637/38 berichtete Gropp über ein arabisches Manuskript von Bin Wahschih, das Kircher möglicherweise in diesen Monaten auf Malta gefunden und mit nach Rom genommen hat. Wohl unbestritten ist die Tatsache, daß Kircher solche Manuskripte auf Malta gesehen hat. Ob unter diesen sich auch das später (1806) von Joseph Hammer publizierte und ins Englische übersetzte Buch über alte Alphabete befindet, ist noch nicht geklärt. Einerseits kommt der Inhalt dieses Buches von Bin Wahschih den Interessen Kirchers sehr entgegen; ein direkter Bezug in Kirchers Werk ist allerdings bis jetzt nicht bekannt.

Der emeritierte Mathematik-Didaktiker Hans-Joachim Vollrath (Würzburg) stellte in seinem Vortrag "Athanasius Kirchers Ideen zur Didaktik der Mathematik" auf eine bisher unbekannte Weise den "Pädagogen" Kircher vor. Kircher habe sich, wie Vollrath anhand der Interpretation eines Briefes des Gelehrten an Gottfried Aloysius Kinner, den Erzieher des damals zwölfjährigen Erzherzogs Karl Joseph von Habsburg, aus dem Jahre 1661 darlegte, in vorbildlicher Weise in die Welt von Kindern und Jugendlichen eingefühlt; mit seinen Lehrmaschinen – Karl Joseph erhielt ein "Organum mathematicum", einen Holzschrein mit Materialien zum Mathematikunterricht – sei er ganz konkret auf die Bedürfnisse wissensbedürftiger Heranwachsender eingegangen. Und er habe den wichtigsten erzieherischen Grundsatz befolgt, nämlich Schüler "ernst zu nehmen".

Der Romanist Dietrich Briesemeister (Jena/Wolfenbüttel) untersuchte anhand des literarischen Oeuvres von Sor Juana de la Cruz (1651-1695) deren Rückgriff auf Schriften von Athanasius Kircher. Die mexikanische Nonne, die vielleicht bedeutendste Literatin ihres Heimatlandes, erwarb sich – angetrieben von einem ungeheuren Wissensdrang – wissenschaftliche Kenntnisse durch Beobachtung von Naturphänomenen, durch Gespräche mit lokalen Gelehrten, durch Briefwechsel mit europäischen Wissenschaftlern und durch Lesen aller für sie erreichbaren wissenschaftlichen Texte; sie nannte die größte Bibliothek im damaligen Neu-Spanien ihr eigen und verwandelte ihre Zelle in einen Raum intellektuellen Wachstums. Ihre Beschäftigungen mit Astronomie (sie besaß ein eigenes Teleskop und hatte vermutlich Vorbehalte gegen die Theorie von der Erde als Zentrum des Universums), Geometrie, Arithmetik, Physik, Musik, Geschichte und Philosophie fanden Eingang in ihre Schriften. Verbindungen zu Athanasius Kircher ergaben sich vor allem über dessen Iter extaticum [!] coeleste, der deutliche Spuren in Sor Juanas Primero Sueño hinterließ, und über Kirchers Darstellung des Hermetismus. Daneben griff Sor Juana auch in ihren mystischen Betrachtungen auf Ausführungen des Jesuitengelehrten zurück, wie ihr überhaupt die meisten seiner Werke präsent waren.

Daniel Stolzenberg (Stanford, CA) ging in seinem Vortrag "Arabs, Obelisks, and the Corpus Hermeticum" auf die Rolle ein, die Hermes Trismegistus und die Idee der Hermetischen Weisheit im Werk von Athanasius Kircher spielen, speziell im Studium der Hieroglyphen, und knüpfte damit teilweise an die Ausführungen von Ingrid D. Rowland an. Kirchers Hermes gehört zum Zweig antiken Wissens, der biblische und heidnische Erzählungen miteinander verband. Kircher unterschied zwischen zwei Figuren, die als Hermes bekannt waren: der erste, der Enoch der Bibel, lebte vor der Sintflut und ist den Arabern als Idris geläufig. Der zweite Hermes – Trismegistus – spielte in Kirchers Werk als Wiederbeleber der Weisheit der vordiluvianischen Patriarchen im nachdiluvianischen Ägypten und als Erfinder der Hieroglyphen und der Obelisken die bedeutendere Rolle. Diese Sichtweise unterschied sich signifikant von den üblichen Vorstellungen im frühmodernen Europa. Nach Stolzenberg adaptierte Kircher arabische Legenden, die Hermes Trismegistus mit den Pyramiden in Ägypten und der Wiederbelebung vordiluvianischen Wissens verbanden, um seine Auffassung von Hermes als dem Erfinder der Obelisken künstlich zu stützen. Obwohl Kircher für die Authentizität des Corpus Hermeticum gegenüber Kritikern wie Casaubon eintrat, waren die Hermetica für die Kenntnis der altägyptischen Weisheit ohne Bedeutung für ihn. Die einzig wirklichen Quellen für diese Weisheit waren nach Kircher die Hieroglyphen-Inschriften, die Trismegistus und seine ersten Nachfolger in die ältesten Obelisken gemeißelt hatten. Problematisch ist für Stolzenberg Kirchers Ablehnung oder Mißachtung kritischer philologischer Standards zur Einschätzung von Texten und die Beharrung auf Beweisen, die auf die Übereinstimmung von Autoritäten und die Fortdauer von Traditionen gründen.

Horst Beinlich (Würzburg), einer der Organisatoren der Würzburger und Fuldaer Kircher-Ausstellung "Magie des Wissens", sprach zum Thema "Was verdankt die Ägyptologie Athanasius Kircher?". Er verdeutlichte, wie ungerecht sich die Ägyptologen, deren Wissenschaftsgeschichte mit dem Jahr 1822, dem Jahr der Entzifferung der Hieroglyphen durch Jean-François Champollion, beginnt, gegenüber allen frühen Forschern verhalten haben, weil sie diese daran maßen, ob sie die Hieroglyphen lesen konnten oder nicht. Auch Kircher mußte sich den Vorwurf gefallen lassen, die Eigenschaften der ägyptischen Schrift nicht geahnt zu haben, die erst 170 Jahre nach dem Erscheinen seines Buches Oedipus Aegytiacus mit Hilfe des bilinguen Textes auf dem Stein von Rosette entdeckt werden konnten und die ohne einen solchen Schlüssel bis heute nicht verstanden würden. Beinlich konstatierte sogar, daß ein bedeutender Ägyptologe wie Johannes Dümichen "die Originaltexte Kirchers nicht verstanden, ja vielleicht nicht einmal gelesen hat" und durch "Veränderung in der Reihenfolge der für Kircher entscheidenden Schlüsselworte" diesem unmethodisches Vorgehen und Phantasterei unterstellt hat. Doch war Kircher nach Beinlich "der erste, der Ägypten als lösbares philologisches Problem verstanden und definiert hat". Mit der Vermutung, daß das Koptische und das pharaonische Ägyptisch die gleiche Sprache seien, ebnete Kircher den Weg zum Verständnis der altägyptischen Sprache, auch wenn seine Übersetzungen prinzipiell falsch waren. In seinen Büchern sammelte und bewahrte er Informationen und Gegenstände der ägyptischen Kultur für nachfolgende Generationen. Auf dem Gebiet der koptischen Schrift und Sprache, die auch zur Ägyptologie gehören, gilt Kircher ohnehin als Pionier. Die Ägyptologie solle Kircher daher ernst nehmen und nicht belächeln. Sie solle Kirchers Schriften lesen und seine Forschungsansätze zu verstehen suchen. Und sie solle Kircher als einen der frühen Wegbereiter des Faches anerkennen.

Im letzten Vortrag beschäftigte sich der Direktor des Fuldaer Vonderau Museums Gregor Stasch mit dem "Bild des Athanasius Kircher bei den Fuldaer Jesuiten im 18. Jahrhundert". Stasch untersuchte das von dem fuldischen Hofmaler Emanuel Wohlhaupter angefertigte Bildnis Kirchers, das sich heute in der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Fulda befindet. Bei der Gestaltung des Porträts orientierte sich der Maler an der Vorlage von Cornelis Blomaert aus dem Jahre 1655, die im 17. und 18. Jahrhundert in zahlreichen Varianten als Kupferstich verbreitet war. Wohlhaupter zeigt den "reifen" Kircher als Kirchenmann und Gelehrten: mit Birett und blauer Mozzetta an einem Tisch sitzend, zwei Säulen und den römischen Petersdom und eine Christuserscheinung im Hintergrund, fünf von ihm verfaßte Büchern auf einem Bücherbord im Vordergrund sowie einem Modell des Weltalls, einem Zirkel und einem Manuskript mit Hieroglyphen auf seinem Schreibtisch. Das Ölgemälde dürfte um 1730 entstanden sein, möglicherweise im Zusammenhang mit der Eröffnung der Fuldaer Universiät 1734. Schon kurz nach seiner Fertigstellung wurde es beschnitten (im Bereich der römischen Kirche und der Christuserscheinung) und in einen verschnörkelten Rahmen eingepaßt, um wohl im Eingangsbereich der Bibliothek oder des Museums im Jesuitenkolleg aufgehängt zu werden.

Die Tagung wurde beschlossen durch einen Besuch der von der Iniversität Würzburg übernommenen, in Fulda mit eigenen Exponaten angereichertenAusstellung "Magie des Wissens. Athanasius Kircher 1602-1680. Universalgelehrter, Sammler, Visionär" (die im städtischen Vonderau-Museum vom 18. Januar bis zum 16. März 2003 zu sehen war) sowie durch einen Besuch in Kirchers Geburtsstadt Geisa.

Berthold Jäger, Fulda*

Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen*

 

Jetzt auch online auf unserer homepage unter der Rubrik "Publikationen" oder unter:

http://resikom.ADW-Goettingen.gwdg.de/kollanzeige.php3

 

International Conference on the Occasion of the 400th Anniversary of her Death

Queen Elizabeth I: Past and Present

Bamberg, 22. bis 24. Mai 2003

Kontaktadressen: Professor Dr. Christa Jansohn

E-mail: christa.jansohn@split.uni-bamberg.de

Jürgen Krippner (Conference Secretary)

Centre for British Studies

Kapuzinerstrasse 25

D-96047 Bamberg

Tel: [D] 09 51 - 8 63-22 70 – Fax: [D] 09 51 - 8 63-52 70

Aus dem Programm:

Freitag, 23. Mai

Martin, S. (Westminster), The Ceremonial at Elizabeth’s Court, Stähler, A. (Bonn), Imagining the Illusive/Elusive? Printed Accounts of Elizabethan Festivals; Kelnberger, C. (München), "Time stands still with gazing on her face ...": Queen Elizabeth I and Her Musicians; Richmond, H. M.( Berkeley), Shakespeare’s Queen Elizabeth and Henry VIII; Mehl, D. (Bonn), Spenser’s Gloriana: Elizabeth as "Faerie Queene"; Dobson, M. (Roehampton), Making a Tragedy Queen: Elizabeth I on the Screen; Ravelhofer, B. (Cambridge), Elizabeth I: Moving Images of a Noble Phoenix; Leiss, G. (Bamberg), Rund um Shakespeare und Elisabeth I. (in German).

Samstag, 24. Mai

Jung, W. (Münster)/Plachta, B. (Amsterdam), The Queen Sings Coloratura. Elizabeth I and Belcanto-Opera; Asch, R. G. (Freiburg), A Difficult Bequest: Elizabeth I’s Political Legacy to the Early Stuarts; Levin, C. (Nebraska), Elizabeth I Dreams of Danger; Franssen, P. (Utrecht), Gloriana’s Allies: The Virgin Queen and the Low Countries; Ziegler, G. (Washington), Elizabeth I: Then and Now: A Presence in the New World; Richmond, V. B. (Oakland), Elizabeth I in Imperial Britain: A Myth for Children.

*****

Jahrestagung des Arbeitskreises Deutsche England-Forschung

Political Ritual in the United Kingdom, 1700-2000

Wolfsburg, 30. bis 31. Mai 2003

Kontaktadresse: Ingrid Schilling

Universität Osnabrück

FB 2 Geschichte der Frühen Neuzeit

D-49069 Osnabrück

E-mail: ischilli@uos.de

Political rituals, ceremony and the symbolic representation of power and government have played a prominent role in the history of the United Kingdom. While many Britons take pride in the longstanding traditions of political institutions like the House of Parliament or the monarchy, most foreign observers would probably agree on the exceptional prominence of traditional forms and rituals in Britain’s political culture. However, in 1983 we were told that many of Britain’s (and other countries’) traditions were not quite as longstanding as some would expect and that historians were to follow the history of their inventions in order to understand their meanings and their contexts. Twenty years after Eric Hobsbawm’s and Terence Ranger’s The Invention of Tradition, the history of political rituals in Britains still remains to be written. How are historians and political scientists to account for phenomena as different as the wide range of urban and civic ritual in the 17th and 18th century, the meaning of changing election rituals in the 19th century and the evolution and development of parliamentary traditions? How do we understand recent events like the funerals of Lady Di and Queen mother in the context of the history of political rituals in the United Kingdom? These observations are the point of departure for a conference organized by the Arbeitskreis Deutsche England-Forschung on the role of political ritual in the United Kingdom, 1700-2000. Especially it aims to address the following questions: Which part did political ritual play in the formation of a collective memory of the nation and in the shaping of regional identities? How did the media influence and change the performance and meaning of rituals? Did political rituals open or close the possibility of political participation or which rituals did and which did not?

Aus dem Programm:

Freitag, 30. Mai

O’Gorman, F. (Manchester), Political Ritual in Eighteenth-Century Britain; Neuheiser, J. (Köln)/Schaich, M. (London), Welcome and Introduction.

I. Civic Ritual

Sweet, R. (Leicester), Urban Political Ritual in Eighteenth-Century Britain; Fahrmeir, A. (Frankfurt am Main), The Lord Mayor’s Show in Nineteenth-Century London.

II. Ritual and Popular Politics

Mares, D. (Darmstadt), The Importance of Being Earnest: Rituals in Victorian Popular Radicalism; Reiss, M. (London), National Hunger Marches in 1920s and 1930s Britain.

III. Commemorative Rituals

Bryan, D. (Belfast), Orange Order Parades in Northern Ireland, 1960-2000; Stratmann, G. (Bochum), The Golden Jubilee Celebrations.

*****

6. Tagung des Stendaler Arbeitskreises zur Theorie und Geschichte der Kunstgeschichtsschreibung

Der Begriff der Nachahmung

Stendal, 13. bis 14. Juni 2003

Kontaktadresse: Winckelmann-Gesellschaft

Winckelmannstraße 36/37

D-39576 Stendal

Tel: [D] 0 39 31 - 2 15-22 6 – Fax: [D] 0 39 31 - 2 15-2 27

E-mail: winckelmann-stendal@t-online.de

Internet:

home.t-online.de/home/winckelmann-stendal/TAGUNGEN.HTM

Der Arbeitskreis, der 1997 begründet wurde, beschäftigte sich am 13. und 14 Juni anläßlich der Ausstellung "Antike in Wien – Die Akademie und der Klassizismus um 1800" im Winckelmann-Museum, die in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste Wien durchgeführt wird, mit dem Begriff der Nachahmung.

Referentenliste in alphabetischer Reihenfolge, Stand 9. April 2003:

Betthausen, P., Klassische Norm und germanische "Formlosigkeit". Der deutsche Kunsthistoriker Georg Dehio; Feist, P. H., Normativität im Zeitalter der Beliebigkeit? Anmerkungen von heutigen Kunstverhältnissen her; Lehmann, S./Stutzinger, D., Kunst und Geschichte. Zu einer süddeutschen Imperatoren-Galerie des 16. Jahrhunderts; Wangenheim, W. von, "Menschenopfer unerhört" – Zu einem Thema des Wiener Klassizismus; Weissert, C., Antikennachahmung bei Roger de Piles; Weitmann, P., Hölderlin.

*****

Ausstellung

Oranienbaum – Huis van Oranje

Wiedererweckung eines anhaltischen Fürstenschlosses
Oranische Bildnisse aus fünf Jahrhunderten

Dessau, 14. Juni bis 24. August 2003

Kontaktadresse: Schloß Oranienbaum

06785 Oranienbaum

Tel: [D] 03 49 04 - 20-2 59 – Fax: [D] 03 49 04 - 20-2 59

E-mail: schloss-oranienbaum@ksdw.de

Internet: www.gartenreich.com/nav04/ausstel1.htm

*****

Ausstellung

Fürstliche Garten(t)räume
Schlösser und Gärten in Mecklenburg u. Vorpommern

Barth, 27. Juni bis 9. Oktober 2003

Kontaktadresse: Dr. Melanie Ehler

Vineta-Museum

Lange Straße 16

D-18356 Barth

Tel: [D] 03 82 31 - 8 17 71 – Fax: [D] 03 82 21 - 7 79 46

E-mail: museumsleiter@vineta-museum.de

Internet: www.stadt-barth.de/kultur/vinetamuseum.html

Über zweitausend Burgen, Schlösser, Guts- und Herrenhäuser sowie Klöster erstrecken sich über ganz Mecklenburg-Vorpommern. Angefangen vom Mittelalter bis ins ausgehende neunzehnte Jahrhundert zeugen die Bauten und deren dazugehörige Park- und Nutzgartenanlagen von einer bedeutenden Geschichte. Im Rahmen der Internationalen Gartenbauausstellung in Rostock zeigte das Vineta-Museum des offiziellen Außenstandortes Stadt Barth mit der Sonderausstellung "Fürstliche Garten(t)räume. Schlösser und Gärten in Mecklenburg und Vorpommern" die opulente Pracht des Landes. Neben den fürstlichen Residenzen des Landes wurden in der Sonderausstellung auch die kleineren, aber keineswegs bedeutungsloseren Architektur-Denkmäler vorgestellt, denn ohne das über das Land gleichmäßig verteilte Netz von Schlössern, Burgen und adeligen Landsitzen müßte Mecklenburg-Vorpommern heute auf einen Großteil seiner landschaftlichen Schönheiten verzichten.

Anhand der Kloster- und Schloßparkanlagen Doberan, Güstrow, Schwerin, Ludwigslust, Neustrelitz, Neustadt-Glewe, Griebenow, Putbus, Basedow, Schlemmin, Barth, Eldena und vielen anderen wurden die gartenkünstlerischen und architektonischen Besonderheiten im Kontext des jeweiligen Jahrhunderts dargestellt. Über 130 Exponate wie Gemälde, Kupferstiche, Pläne und Bildbände illustrierten 800 Jahre Geschichte eines bedeutenden Landes.

Parallel zu den repräsentativen Schau- und Lustgärten sollte der Nutzgarten aber keine geringere Beachtung finden. Die Landwirtschaft, der Anbau von Obstplantagen sowie die Blumen- und Gemüsezucht und deren Veredelung besaßen für die fürstliche Gutsverwaltung eine zentrale Funktion und wurden in einer eigenständigen Abteilung vorgestellt.

Im Innenhof des Museums luden prachtvolle Schmuckbeete zum Lustwandeln ein. Die nach historischen Mustervorlagen angelegten Beete präsentierten im Kleinen einen Querschnitt der Gartenkunst aus Mittelalter, Renaissance, Barock, Rokoko, Klassizismus und Moderne.

Siehe auch die Angaben zum Katalog der Ausstellung unten S. *.

*****

XLVIe Colloque International d'Études Humanistes

La Papauté à la Renaissance

Tours, 30. Juni bis 4. Juli 2003

Kontaktadresse: F. Alazard, F. La Brasca

Centre d‘Études Supérieures de la Renaissance

59, rue Néricault-Destouches

BP 1328

F-37013 Tours Cedex

Tel: [F] 02 47 70 17 00 – Fax: [F] 02 47 70 17 01

E-mail: cesr@univ-tours.fr

Internet: www.cesr.univ-tours.fr/

Aus dem Programm:

Dienstag, 1. Juli

Une renaissance de la papauté?

Genequand, P. (Genf), L’administration avignonnaise au début du grand schisme d’Occident: archaïsmes et réformes; Regogliosi, M.-A. (Florenz), L’idea della chiesa e del papato nel De falso credita et ementita Costantini donatione di Lorenzo Valla; Trottmann, C. (Tours), Un conciliariste rallié à la papauté: Nicolas de Cues et sa théorie du pouvoir; Perifano, A. (Besançon), À propos de quelques ouvrages publiés sous le pontificat de Léon X au moment du concile de Latran.

L’exercice du pouvoir

Rosny, A. de (Tours), Urbain V, Pétrarque et la question romaine; Minnich, N. H. (Washington), Julius II and Leo X as Presidents of the Fifth Lateran Council (1512-1517); Rehberg, R. (Rom), L’affluenza dei chierici a Roma e il clero urbano romano alla vigilia della Riforma luterana; Venard, M. (Paris), Avignon et le Comtat Venaissin quel est le sens de cette possession lointaine pour la papauté du XVIe siècle?

Mittwoch, 2. Juli

Le pape en sa cour

Ricci, M. T. (Rom), La cour papale et la cortegiania à travers l’śuvre et la figure de Castiglione; Rohlmann, M. (Rom), Il papa e i suoi. Appunti su alcuni affreschi nel palazzo Vaticano; La Brasca, F. (Tours), La théologie des papes du XVe siècle; Roth, A. (Rom), Renaissance Papacy: Representation, Ceremony, Music.

Papauté et patronage

La Malfa, C. (London), Alexander VI, Pinturicchio and the Antiquarian Taste in the Borgia Apartment; Nativel, C. (Paris), Les arts et les papes de la Contre Réforme; Vons, J. (Tours), Quelle orthodoxie médicale pour la papauté? Textes et para-textes médicaux de la première moitié du XVIe siècle; Borsi, S. (Neapel), Nicolas V (1447-1455). Représentations d’un pape bâtisseur; Baldini, B. (Genua), Papato, Indice dei libri proibiti,Inquisizione negli anni 90 del Cinquecento.

Donnerstag, 3. Juli

La papauté en crise

Alazard, F. (Tours), L’Italie au pape: entre supplique et remontrance; Vanautgarden, A. (Maison d’Érasme), La circulation manuscrite du pamphlet d’Érasme Julius Exclusus; Matucci, A. (Sienna), "Or sia vero che il Papa attenga tutto": la corte di Roma negli scrittori del Cinquecento; Vendrame, L. (Straßburg), Silences, éloges et critiques à propos des papes contemporains dans les six Livres de lettres de l’Arétin; Capata, A. (Rom), L’immagine del papato nella Legazione a Roma di Niccolò Machiavelli (23 ottobre-18 dicembre 1503).

La papauté face à la réforme

Solfaroli Camillocci, D. (Genf), Dévoiler le Mal dans l’histoire. Les recueils de vies des papes dans la Genève de Calvin; Felici, L. (Florenz), Il papa-diavolo. Il paradigma dell’ Anticristo nella pubblicistica europea del Cinquecento; Lastraioli, C. (Tours), "Roma coda mundi?" Satires contre la cour et satires de la cour; Bouyé, É. (Paris), Les armoiries imaginaires des papes : archéologie et apologétique romaines à la fin du XVIe siècle.

Le pape et les autres

Shaw, C. (Warwick), The Papal Court as a Centre of Diplomacy; Tewes, G.-R. (Köln), The Papacy and France from Louis XI to Francis I. Deconstruction of a Myth; Fournel, J.-L. (Paris), Les passages censurés de la Storia d’Italia de Guichardin; Pantalacci, J.-P. (Paris) Les deux papes Médicis Léon X et Clément VII: leur action politique et leur personnalité à travers le témoignage des ambassadeurs de la République de Venise.

Une papauté de la contre-réforme?

Das, S. (Toronto), Sarpi’s Popes; Sherr, R. (Northampton), The Counter Reformation and the Singers of the Papal Chapel; Descendre, R. (Rennes), Les "deux âmes" séparées. Ambivalence de la papauté dans l’śuvre de Giovanni Botero.

*****

Tagung

Henri III mécène

Les lettres, les sciences et les arts sous le règne du dernier Valois

Paris, 3. bis 5. Juli 2003

Kontaktadresse: Isabelle de Conihout

Fondation Singer-Polignac

43, avenue Georges-Mandel

F-75116 Paris

E-mail: isabelle.de-conihout@bibliotheque-mazarine.fr

Aus dem Programm:

Donnerstag, 3. Juli

Boucher, J. (Paris), Réalité et limites du mécénat de Henri III.

Le mécénat des arts

Oger, I. (Paris), L’image royale dans les arts figuratifs, Auclair, V. (Paris), Les dessins de la procession de Louise de Lorraine commandés par Nicolas Houel.

Mécénat privé et mécénat royal à la cour de Henri III

Vignes, J. (Le Mans), Henri III mécène et Jean-Antoine de Baïf; Mcgowan, M., L’essor du ballet à la cour de Henri III; Babelon, J.-P., Les relations de Henri III avec l’architecture, les hommes, les projets; Crépin-Leblond, T. (Château de Blois), Henri III et la mode à la cour de France.

Bibliothèques et amateurs de livres

Le Bars, F., Les reliures de Henri III; Baudouin-Matuszek, M.-N., Un air de famille: la bibliothèque de Marguerite, sśur de Henri III; Conihout, I. de, La belle librairie de Nicolas de Villeroy.

Freitag, 4. Juli

Le mécénat des lettres

Gorris, R. (Mailand), J’ay sonde l’heur: poésie, politique et prophétie à la cour de Henri de Valois; Bellenger, Y., Le mécénat de Henri III dans les pièces liminaires de quelques recueils poétiques; Kushner, E. (Toronto), Pontus de Tyard, professeur de rhétorique?; Petey-Girard, B. (Paris), Le Mécénat de la parole – Esthétique spirituelle dans les oratoires royaux; Girot, J.-E. (Valenciennes), Entre poésie et humanisme: Jean Dorat, poeta et interpres regius à la cour de Henri III; Bjai, D. (Orléans), La Déploration des Mignons par les poètes de Henri III; Buron, E. (Rennes), Le mythe du salon de Madame de Retz. Éléments pour une sociologie de la littérature à la cour de Henri III; Boltanski, A., Un réseau culturel au service d’un Grand: l’exemple des Gonzague-Nevers, protecteurs des arts et des lettres à la cour de Henri III; Zvereva, A. (Paris), "Il n’y a rien qui touche guères le coeur des simples personnes que les effigies de leurs princes et seigneurs": la genèse du portrait de Henri III.

Samstag, 5. Juli

Le mécénat de l’esprit

Cazes, H. (Victoria), Henri III et Henri Estienne: le rêve d’une amitié; Kahn, D., Paracelsisme et alchimie sous le règne de Henri III; Lothe, J., Un curieux et un humaniste sous le règne de Henri III: Pierre de L’Estoile.

Le mécénat épisodique

Bettoni, A. (Padua), Quelques témoignages italiens sur le passage du roi par Padoue en 1574; Augereau, L. (Tours), Le mécénat (royal) à Tours, capitale provisoire du royaume (1589).

*****

Ausstellung

Der Fürsten Jagdlust
Johann Elias Ridinger (1698-1767)

Bad Mergentheim, 23. Juli bis 26. Oktober 2003

Kontaktadresse: Deutschordensmuseum

Schloß 16

D-97980 Bad Mergentheim

Tel: [D] 0 79 31 - 5 22 12 – Fax: [D] 0 79 31 - 5 26 69

E-mail: info@deutschordensmuseum.de

Internet: www.deutschordensmuseum.de

"Der Fürsten Jagdlust" von 1729 ist eine der frühen Kupferstichfolgen des berühmten, jedem Jäger bekannten Augsburger Graphikers und Malers Johann Elias Ridinger – "Die genaue und richtige Vorstellung der wundersamsten Hirschen sowohl als anderer besonderer Thiere, welche von großen Herrn selbst gejagt, geschoßen, lebendig gefangen oder gehalten worden ...", zwischen 1740 und 1766 entstanden, gehört zu den letzten Folgen seines Schaffens. Ridinger, der größte Darsteller deutscher Jagdsitten seilte zum einen die typischen Bewegungs- und Ausdrucksformen der Tiere dar, zum anderen das barocke "Gesamtkunstwerk" Jagd mit seinem Repräsentationsbedürfnis. Das Deutschordensmuseum Bad Mergentheim zeigt in seiner Ausstellung rund 150 Blätter berühmter Stichfolgen aus dem auch heute noch weit verbreiteten Oeuvre Ridingers.

Johann Elias Ridinger zeigt in seinen Kupferstichen, wie die höfische Jagd des 18. Jahrhunderts als eigenes Gesamtkunstwerk inszeniert wurde. Jagdszenen, typisches Jagdwild, fürstliche Jäger zu Pferd – der Künstler blättert hier den ganzen Reigen des höfischen Jagdkosmos auf – die rauhe Gegenwelt zum affektierten Rokoko. Der Graphiker, Maler und Verleger Johann Elias Ridinger wurde 1698 in Ulm geboren und erhielt die erste künstlerische Ausbildung von seinem Vater. Mit 15 Jahren kam er in das prosperierende Zentrum des Kunstgewerbes und Kunstexports Augsburg, wo er zunächst von dem Tier- und Pflanzenmaler Johann Falch, später von den Stadtakademiedirektor Georg Philipp Rugendas d.Ä. ausgebildet wurde. Von 1715 an kam er für drei Jahre an den Hof des Grafen Metternich in Regensburg, wo er Jagen und Reiten kennenlernte. 1759 wird er selbst Direktor der damals berühmten Stadtakademie. Neben Zeichnungen und Gemälden umfaßt sein Werk auch Vorlagen für die berühmten Augsburger Goldschmiedearbeiten. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf den etwa 1.600 Kupferstichen und Radierungen und hier besonders auf den Tier- und Jagddarstellungen. Seine Blätter stellte er mit Vorliebe in Folgen zusammen. Die Folge mit den "wundersamsten Hirschen" umfaßt beispielsweise 101 Blätter, wovon das Museum 15 Blätter zeigte. Den einzelnen Blättern gab er häufig belehrende oder moralisierende Texte bei. Stichfolgen wie "Die Parforcejagd", "Abbildung der jagdbaren Tiere und ihrer Fährten und Spuren" oder Jäger und Falkner" vermitteln ein eindringliches Bild der Jagd im 18. Jahrhundert. Er trug mit seinen Stichen dem Repräsentationsbedürfnis von Adel, Fürsten, Königen Rechnung. Man kann an den lebendig inszenierten Szenen die Details des damaligen Jagdgeschehens genau studieren. Die aus heutiger Sicht oft grausamen und unfairen Jagdsitten sind in ihrer Dynamik und Drastik nachzuempfinden. Ridingers Stiche erhielten durch den eigenen Kunstverlag eine große Verbreitung. Die populärsten Folgen wurden bis weit in das 19. Jahrhundert hinein immer wieder nachgedruckt und verkauft.

Ridingers Tierdarstellungen zeichnen sich durch eine detaillierte Kenntnis von Anatomie und Lebensgewohnheiten der Tiere aus. Neben einheimischen jagdbaren Tieren, Jagdhunden und seltenen Pferden brachte er aufgrund ihres Wuchses und ihrer Erscheinung auch ungewöhnliche (z. B. Hase mit gespaltener Zunge) sowie "exotische" Tiere (z. B. Löwe und Tiger) zu Papier. Seine Tierdarstellungen entsprangen genauem Studium, womit er sich geschäftstüchtig direkt an den Jäger wandte. Außerdem konnten äußerst seltene Schabkunstblätter mit den Jahreszeiten, galanten Szenen, etc. gezeigt werden. Die ausgestellte Sammlung wurde von Herrn Franz Albrecht, Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey zur Verfügung gestellt. Ein von der Kreisjägervereinigung Mergentheim aufgebautes Waldbiotop mit den heute jagdbaren Tieren bereicherte die Ausstellung. Präparate von Wildeber, Wolf, Fasan, Schnepfe, Fuchs und Dachs u.a. wurden hier gezeigt. Rehbock-Trophäen und Hirschgeweihe sowie Rehbock-Abnormitäten, diverse Jagdwaffen und -zubehör, Geschirr oder etwa Pfeifen mit Darstellungen der Jagd und Jagdgemälde aus dem Deutschen Jagdmuseum München und aus den Sammlungen der Fürsten von Hohenlohe gaben Eindrücke der Jagdwelt.

*****

Ausstellung

An den fürstlichen Höfen Europas: Adam Mánoky (1673-1757)
Figuren und Schauplätze aus dem Leben eines Porträtmalers

Budapest, bis 24. August 2003

Kontaktadresse: Magyar Nemzeti Gaaleria

H-1250 Budapest

Postafiók 31

Tel. [H] 01 - 2 24-37 00 – Fax [H] 01 - 2 12-73 56

*****

Ausstellung

Wunderwerk
Göttliche Ordnung und vermessene Welt
Der Goldschmied und Kupferstecher Antonius Eisenhoit (1553/54-1603) und die
Hofkunst um 1600

Paderborn, 14. September 2003 bis 11. Januar 2004

Kontaktadresse: Diözesanmuseum Paderborn

Markt 17

D-33098 Paderborn

Tel: [D] 0 52 51 - 1 25-14 00 – Fax: [D] 0 52 51 - 1 25-14 95

E-mail: erzb.pb.mus@t-online.de

Internet: www.erzbistum-paderborn.de/museum

Er schuf Wunderwerke von außergewöhnlichem Rang und doch gehört er zu den kaum bekannten Größen der höfisch geprägten Kunst des Manierismus am Aufgang der Neuzeit: der weit gereiste, im Dienst von Adel und Fürsten tätige Goldschmied und Kupferstecher Antonius Eisenhoit (1553/54-1603). Sein 400. Todestag gibt dem Erzbischöflichen Diözesanmuseum den Anlaß, im Herbst diesen Jahres vom 14. September 2003 bis zum 11. Januar 2004 sein künstlerisches Gesamtwerk, das in seinen Aspekten erstaunlich vielfältig und nur durch die zeitgenössischen Zusammenhänge von Kunst, Wissenschaft und Technik zu erfassen ist, erstmals in einer umfassenden Ausstellung zu präsentieren.

*****

Kolloquium

Reisen in den Orient im 13.-19. Jahrhundert

Oxford, 26. September bis 1. Oktober 2003

Kontaktadresse: Prof. Dr. Max Kunze/Dr. Eva Hofstetter

Winckelmann-Gesellschaft

Winckelmannstraße 36/37

D-39576 Stendal

Tel: [D] 0 39 31 - 2 15-2 26 – Fax: [D] 0 39 31 - 2 15-2 27

E-mail: winckelmann-stendal@t-online.de

Internet: home.t-online.de/home/winckelmann-stendal/

Vorläufiges Programm:

Sonntag, 28. September 2003

Waiblinger, E. (Heidelberg), Reisende des Cinquecento – Aufbruch zu den Wundern der Welt; Kammerer-Grothaus, H. (Bremen), Florentiner Levantereisende zwischen dem 14. und 16. Jh.; Trakulhun, S. (Berlin), Die Landkarte der Ausschweifungen: Asiatische Frauen im Blick europäischer Beobachter 16.-18. Jahrhundert; Thépaut, C. (Paris), French Embassy at the End of the 17th Century; Gröschel, S.-G. (Berlin), Richard Pocockes (1704-1765) Begegnungen mit der Antike auf Griechenlands Inseln und Festland; Heenes, V. (Berlin), Carsten Niebuhr (1733-1815); Schnapp, A. (Paris), Die französische Diplomatie und die archäologischen Reisen in den Orient; Grimm, A. (München), Richard Pococke; Metzler, D. (Münster), Von vier Weltmonarchien zu vier Kulturkreisen – Der Einfluß der Entdeckungsreisen auf europäische; Stein, H. (Gotha), Der Orientreisende Ulrich Jasper Seetzen (1767-1811).

Montag, 29. September

Baum, C. (Berlin), Fürst Pückler-Muskau und der Orient; Boschung, D. (Köln), Englische Reisende um 1800; Henkel-Trojca, D. (Erfurt), Der Hauch von Sinnlichkeit der Odalisken im Werk von Ingres; Hoffmann, M.-I., Looking for clues – the evidence from 19th century travel writing; Kunze, M. (Berlin), William Petty in Pergamon. Nachbemerkungen zu einem alten Thema; Hofstetter, E. (Stendal), Winckelmann und die Orientreis(end)en. Reflexe in Briefen und Nachlaß; Rogge, S. (Münster), Eugen Oberhummers (1859-1944) Zypern-Reisen im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts (1887 und 1891); Schmid, S. (Montpellier), Heinrich Schliemanns Reise nach Petra (Jordanien) aufgrund seiner Tagebuchnotizen; Schörner, H. (Jena), Von Jena nach Athen: Die Vervollständigung eines Weltbildes. Carl Wilhelm Goettlings Reisen 1840 und 1852 nach Griechenland und deren unmittelbare Wirkung auf sein wissenschaftliches Oeuvre; Oenbrink, W. (Köln), Hermann Burchardt – Reisender und Photograph des ausgehenden 19. Jahrhunderts im Süden Syriens; Schiffer, R., "Ancient Days still live and breathe." Die Antike als Identifikationsfigur des türkischen Lebens bei europäischen Reisenden des 19. Jahrhunderts; Sommer, M. (Oxford), Die Orientreisende Gertrude Bell.

*****

Konferenz

Die Hofgeschichtsschreibung im mittelalterlichen Europa

Thorn, 17. bis 20. September 2003

Kontaktadressen: Prof. Dr. Jaroslaw Wenta

Instytut Historii i Archiwistyki

Uniwersytet Mikolaja Kopernika w Toruniu

Plac Teatralny 2a

PL-87-100 Thorn

Tel: [PL] 0 56 - 6 22-73 95 – Fax: [P] 0 56 - 6 22-62 03

Dr. Piotr Oliński

Instytut Historii i Archiwistyki

Uniwersytet Mikolaja Kopernika w Toruniu

E-mail: olinskip@his.uni.torun.pl

Aus dem Programm:

Donnerstag, 18. September

Schieffer, R. (München), Geschichtsschreibung am Hof Karls des Großen; Giese, M. (München), Die Historiographie im Umfeld des ottonischen Hofes; Wenta, J. (Thorn), "Die Annalen des Königreiches". Das Problem der Anfänge der Annalistik in Polen; Bláhová, M. (Prag), Die Hofgeschichtsschreibung im mittelalterlichen Böhmen; Pysiak, J. (Warschau), Die heidnische Vergangenheit der Franken in der Geschichtsschreibung der Kapetinger zur Zeit Philipp Augusts und Ludwigs des Heiligen; Huth, V. (Freiburg), Geschichtsschreibung und Wissenskultur in den Neuorientierungen des 12. Jahrhunderts. Annäherungen an den Diskurscharakter staufischer "Hofhistoriographie"; Oliński, P. (Thorn), Auf dem Hofe Boleslaus des Schiefmunds. Die Chronik von Gall Anonim; Nass, K. (München/Braunschweig), Hofgeschichtsschreibung bei den Welfen im 12. und 13. Jahrhundert; Grzesik, R. (Posen), Die ungarisch-polnische Chronik als ein Blick des ungarischen Hofes auf die heimische Vergangenheit.

Freitag, 19. September

Dlouhá, M. (Prag/Olmütz), Rex pius et largus. Das Bild Wenzels 11. in der Königsaaler Chronik; Mrozowicz, W. (Breslau), Chronica principium Poloniae und Chronica principium Silesiae – die Hauptwerke der Fürstenchronistik Schlesiens; Derwich, M. (Breslau), In der Polemik mit dem Hof Ludwigs d’Anjou. Die historiographische Tätigkeit Johanns von Czarnków; Johanek, P. (Münster), Geschichtliche Erinnerung an weltlichen und geistlichen Fürstenhöfen. Ein Vergleich; Dymmel, P. (Lublin), Zwischen dem Bischofs- und Königshof Historiographische Tätigkeit von Johann Dlugosz; Kersken, N. (Marburg), Bischöfe als Historiker. Geistliche Höfe als Zentren der Geschichtsschreibung im Mittelalter; Mierau, H. J. (Stuttgart/Münster), PapstKaiser-Chroniken an den Höfen des Spätmittelalters: Benutzungsformen und Rezeptionsmotive; Wünsch, T. (Konstanz), Zur Funktion der humanistischen Geschichtsschreibung im politischen Konzept der ostmitteleuropäischen Höfe (Buda, Prag, Krakau) im 15. Jahrhundert; Märtl, C. (München), Wie schreibt ein Papst Geschichte? Die "Commentari" Pius II. und ihre Quellen.

*****

Kolloquium

La religieuse
images contradictoires du VIème au XXème siècles

Paris/Nanterre, 19. September 2003

Kontaktadresse: Prof. Dr. Andreas Sohn

Université Paris 13 – UFR LSHS

Département d‘Histoire

99, avenue Jean-Baptiste Clément

F-93430 Villetaneuse

Tel. [F] 01 - 49 40-32 56 – Fax [F] 01 - 49 40-37 06

Ces femmes consacrées seraient-elles les grandes muettes de l’histoire? Il existe, certes, quelques excellentes monographies, des enquêtes sont menées d’autres parviennent à leur terme, mais l’historiographie du XXème siècle et du début du siècle, vue dans son ensemble, n’a pas accorddé de place suffisante aux ordres féminins.

Les chiffres indiquent l’ampleur du défi lancé aux historiens. Au Moyen Age des centaines de milliers de femmes, issues de toutes les couches sociales, ont choisi de vivre dans les ordres, y compris ceux des tertiaires, on estime à plus de 40 000 le nombre de religieuses en France en 1789. Mais que connaît-on de tous ces groupes hétérogènes?

La discrétion des historiens renvoie au statut même de la religieuse dans les sociétés Pénintente ou sainte, mystique ou rebelle, elle trouble l’ordre dès qu’elle sort des chemins du silence. Pour prendre un exemple, les religieuses de Port-Royal, anges et démons sont emblématiques des sentiments complexes de célébration et de détestation que suscitent des femmes fondamentalement différentes des autres.

Lieu de sanctification, lieu de refuge, mais aussi lieu de clôture, le couvent souffre lui-même d’une ambivalente représentation depuis le Moyen Age. Et si la chasteté est une valeur reconnue, les vierges chrétiennes concentrent sarcasmes et grivoiseries au point de devenir une composante banale du roman libertin, comme le montre entre autres le XVIIIème siècle.

Pour mieux comprendre ces images contradictoires, rarement évoquées ensemble, les historiens de la présente entreprise ont voulu regarder en amont et en aval, du Moyen Age à nos jours comparer les différents pays catholiques, envisager toutes les perceptions, toutes les représentations, tous les supports. du nécrologe hagiographique à la caricature.

Ce projet est vaste et cette rencontre ne constitue qu’une première pierre dans un chantier en construction.

Aus dem Programm:

Naissance et dÉveloppement de la rÉalitÉ

Jacobsen, W. (Münster), L’évolution de l’image des religieuses: l’exemple des emplacements des stalles dans le contexte liturgique VIIème XIVème siècles; Sohn, A. (Paris), Pénitentes et saintes: la perception des tertiaires dominicaines en Italie à la fin du Moyen Age.

Construction d’images contradictoires

Poutrin, I. (Paris), Les images contrastées de la religieuse mystique dans l’Espagne du XVIème siècle entre hagiographie et procès; Hours, B. (Lyon), Quand les carmélites parlent aux carmélites des carmélites; Pellenden, N. (Paris), Costumer les religieuses. Autour des gravures de l’histoire des ordres réligieux du père Helyot (XVlème- XlXème siècles); Henneau, M.-E. (Lüttich), Voix de femmes contre paroles d’hommes: quelques religieuses parfaites ou moins parfaites dans les Pays-Bas méridionaux à l’époque moderne.

Cristallisation des images contradictoires

Dauzet, P. D.-M. (Mondaye), Marie Odiot de la Paillonne: la refondation d’un ordre ancestral; Godineau, L. (Paris), Images anticléricales de la religieuse au XIXème siècle; Lalouette, J. (Paris), La religieuse et le vibrion: le rôle des infirmières religieuses dans les épidémies de choléra au XIXème siècle.

*****

Wissenschaftliche Tagung zum 500. Todestag (1505-2003)

Der Wormser Bischof Johann von Dalberg (1482-1505) und seine Zeit

Worms, 19. bis 20. September 2003

Kontaktadresse: Dr. Gerold Bönnen

Stadtarchiv Worms

Hintere Judengasse 6

D-67547 Worms

Tel: [D] 0 62 41 - 8 53-47 01 – Fax: [D] 0 62 41 - 8 53-47 10

E-mail: www.stadtarchiv@worms.de oder gerold.boennen@worms.de

E-mail: e.priess@wormser-dom.de

Johann von Dalberg aus der Familie der Kämmerer von Worms kann aIs einer der bedeutendsten Wormser Bischöfe in einer der wichtigsten Epochen der Entwicklung von Stadt und Bistum gelten. Als hochgebildeter, selbstbewusster und agiler Geistlicher und Politiker seiner Zeit stand er am Ende des Mittelalters und der Schwelle zu einer neuen Zeit an der Spitze des Bistums Worms. Die Wormser Tagung versucht, ausgewählte Aspekte seines vielfältigen Wirkens vor dem Hintergrund der Zeit des späten 15. Jahrhunderts aus historischer, kultur- und kunsthistorischer Sicht zu beleuchten und neue Einsichten einzelner Fachgebiete zu präsentieren und zu diskutieren.

Aus dem Programm:

Freitag, 19. September

Keilmann, B. (Worms), Johann von Dalberg und das Bistum Worms; Bönnen, G. (Worms), Zwischen Konflikt und Zusammenleben: Johan von Dalberg und die StadtWorms; Kemper, J. (Mainz), Die Wormser Klosterlandschaft in du Zeit Johann von Dalbergs; Walter, P. (Freiburg): Johann von Dalberg und der Humanismus.

Samstag, 20. September

Wilhelmy, W., Zwischen Krummstab und Schnabelschuh – Kunstproduktion und Stiftungswesen an Rhein, Main und Neckar im Zeitalter Johann von Dalbergs; Hubach, H. (Heidelberg), Die Künstlerschiene Worms – Ladenburg – Heidelberg zur Zeit Johann von Dalbergs unter Berücksichtigung desBildhauers Conrad Seyfer; Fuchs, R. (Mainz), Inschriften im Bistum Worms zur Zeit des Johann von Dalberg.

*****

33. Konferenz

Der Reichstag (1486-1613)
Kommunikation – Wahrnehmung – Öffentlichkeiten

Bonn, 25. bis 27. September 2003

Kontaktadresse: Arno Strohmeyer

Universität Bonn

Historisches Seminar

Konviktstr. 11

D-53113 Bonn

Tel: [D] 02 28 - 73 51 78 – Fax: [D] 02 28 - 73 63 02

E-mail: arno.strohmeyer@uni-bonn.de

Ziel der Tagung ist eine Ergänzung der traditionellen institutionen-, handlungs- und ereignisgeschichtlichen Interpretation der Reichstage des langen 16. Jahrhunderts durch eine Analyse aus kommunikationsgeschichtlicher Perspektive. Den Ausgangspunkt bildet folgende Überlegung: Erst durch die Verbreitung von Informationen und Wissen über einen Reichstag, durch dessen Wahrnehmung durch die Zeitgenossen und deren Reaktionen wurde dieser wirkungsmächtig. Dieser Kommunikationsprozeß steht im Zentrum der Tagung. Es geht also primär nicht um Themen wie die Ausbildung interner Strukturen, Entscheidungsfindungsprozesse und Verhandlungen in den Kurien oder die Weiterentwicklung von Verfahrensformen, sondern um das Produzieren, Verbreiten und Erfassen von "Reichstagsbildern".

Im Zentrum steht die allen Kommunikationsmodellen zugrunde liegende Trias "Sender – Medium – Empfänger", die das Reichstagsgeschehen, wozu beispielsweise auch die Anreise der Teilnehmer zu rechnen ist, in einen komplexen Vermittlungsvorgang einband. Als Sender werden verstanden der Kaiser, die Kurfürsten, andere Reichsstände und Institutionen wie die Mainzer Kanzlei, aber auch die anwesenden Gesandten oder externe Beobachter, z.B. Reisende. Zu berücksichtigen ist, daß der Sender als eine Art Filter agierte, denn seine Vermittlung des Reichstagsgeschehens war interessengeleitet und von Faktoren wie der konfessionellen Zugehörigkeit abhängig. Besonders wichtig ist daher die "Verbreitungspolitik" des Senders, sind seine "Wahrnehmungsziele". Das Spektrum der Medien war ausgesprochen breit und umfaßt sowohl gedruckte als auch ungedruckte Quellen: Verhandlungsprotokolle, Gesandtenberichte, Korrespondenzen, Messrelationen, Reiseberichte, Chroniken, Flugblattpublizistik usw. In den Medienbegriff eingeschlossen sind visuelle und symbolische Formen der Kommunikation, die in Zeremonien, rituellen Abläufen und Präzedenzordnungen einen Ausdruck fanden.

Der Empfänger steht in engem Zusammenhang mit der Öffentlichkeit, wobei davon auszugehen ist, daß diese in der Frühneuzeit keinen monolithischen Block bildete, sondern sich in mehr oder weniger autonome Teilöffentlichkeiten differenzierte. Als Arbeitsdefinition wird daher unter Öffentlichkeit eine Ansammlung von Räumen oder Sphären verstanden, die sich durch die Verbreitung von Informationen und Wissen über das Reichstagsgeschehen konstituierten und in denen eine mehr oder minder begrenzte Anzahl von Akteuren agierte. Solche Teilöffentlichkeiten bildeten beispielsweise die humanistische Gelehrtenwelt, die Höfe oder die Diplomatie.

Als Ergebnis des Übermittlungsprozesses wurde in den öffentlichen Sphären das Reichstagsgeschehen wahrgenommen. Auch hier fand eine Selektion statt, denn der Empfänger fungierte ebenso wie der Sender als Filter; die Wahrnehmung war kontextabhängig und von Faktoren wie den politischen Interessen oder der konfessionellen Zugehörigkeit beeinflusst. Es konstituierten sich daher subjektiv gefärbte – mehr oder weniger vollständige – "Bilder" vom Reichstag. Dieser nahm als "gedachte Wirklichkeit", als eine Art "Denkfigur", Gestalt an. In dieser Form wirkte er handlungsleitend.

Die Leitfragen orientieren sich an der aus dem Kommunikationsmodell abgeleiteten Unterscheidung zwischen Sender, Medien und Empfänger (angeführt wird eine Auswahl an Fragen):

  • Welche Personen, Gruppierungen oder Institutionen fungierten als Sender?
  • Welche der auf den Reichstagen verhandelten Materien wurden veröffentlicht, welche nicht? (In diesem Zusammenhang stellt sich, um ein konkretes Beispiel zu nennen, die Frage nach den Verhandlungsprotokollen und dem Geheimhaltungsgrad, dem diese unterlagen.)
  • Welche politischen Interessen und Ziele standen hinter der "Wahrnehmungspolitik" des Senders?
  • Welche Medien fanden in dem Kommunikationsprozeß Verwendung?
  • Damit verbunden stellt sich die Frage nach der Funktionsteilung, also welche Materie mit welchem Medium verbreitet wurde. Welche Themen wurden bevorzugt über Druckmedienverbreitet, welche über rituelle oder symbolische Formen der Kommunikation?
  • Welche Rolle spielten Veränderungen der Rahmenbedingungen für Kommunikation (z.B. die Modernisierung des Postwesens oder die Fortentwicklung der Printmedien)?
  • Welche Teilöffentlichkeiten nahmen den Reichstag wahr? Lassen sich hier Veränderungsprozesse beobachten?
  • Wie wurde der Reichstag wahrgenommen? Welche "Reichstagsbilder" entstanden? Wurde, um ein Beispiel anzuführen, das Reich stärker in seiner territorialen und konfessionellen Vielgestaltigkeit oder als einheitliche politische Bezugsgröße wahrgenommen?
  • Wie wirkte sich die Perzeption des Reichstags auf politische Entscheidungsprozesse, auf Reichspolitik, aus? Wie wurde die durch die Reformation eingeleitete Veränderung der politischen Rahmenbedingungen in Reichstagspolitik umgesetzt?

Aus dem Programm:

Donnerstag, 25. September

Lanzinner, M. (Bonn), Einführung.

I. RAHMENBEDINGUNGEN UND MEDIEN

Stollberg-Rilinger, B. (Münster), Die Symbolik der Reichstage – Überlegungen zu einer Perspektivenumkehr; Seyboth, R. (Regensburg), Reichstag und politische Propaganda. Die Auseinandersetzung König Maximilians I. mit König Karl VIII. von Frankreich im Spiegel zeitgenössischer Medien; Heil, D. (Regensburg), Reichstag und Schriftlichkeit: Die Verschriftlichung des Verfahrens als Prozeß der Modernisierung; Pflüger, C. (Konstanz), Herrschaftsanspruch und Präsenz – zu Aufgaben und Funktionen Königlicher Kommissare in der politischen Kommunikation des Reichs (1552-1558); Behringer, W. (York), Kaiser, Reichstag und Postwesen im 16. Jahrhundert.

II. SEGMENTIERTE ÖFFENTLICHKEITEN

Carl, H. (Gießen), Identische Akteure – unterschiedliche Öffentlichkeiten? Schwäbische Bundestage und Reichstage in der Epoche Maximilians I. im Vergleich; Haug-Moritz, G. (Tübingen), Der Wolfenbütteler Krieg des Schmalkaldischen Bundes (1542), die Öffentlichkeit des Reichstags und die Öffentlichkeiten des Reichs.

Freitag, 26. September

Neuhaus, H. (Erlangen), Supplikationen auf Reichstagen des 16. Jahrhunderts – Zahl, Inhalt und Funktion; Luttenberger, A. (Regensburg), Landstände, Reichstag und Kaiser; Decot, R. (Mainz), Katholische Stände und Theologen auf den Reichsversammlungen 1555-1557 in kommunikationsgeschichtlicher Perspektive; Weber, W. (Augsburg), Information und Repräsentation. Zur kommunikativen Funktion und Wirkung der Reichsabschiede 1486-1613; Schmidt, G. (Jena), Zur Umsetzung der Reichsabschiede in Städten und Territorien; Haustein, J. (Bonn), Der Reichstag in der Beurteilung evangelischer Theologen bis 1555.

III. REICH UND REICHSTAG IN EUROPA

Friedeburg, R. von (Rotterdam), Die Wahrnehmung von Reich und Reichstag in der englischen politischen Theorie (16./17. Jahrhundert); Beiderbeck, F. (Berlin), Die Wahrnehmung von Reichstag und Reichspolitik am Hof Heinrichs IV. von Frankreich.

Samstag, 27. September

Bömelburg, H.-J. (Warschau), Die zeitgenössische Wahrnehmung des Reichstags aus polnischer Sicht (ca. 1550-1620); Braun, G. (Rom), Die Wahrnehmung der Reichstage des 16. Jahrhunderts durch die Kurie; North, M. (Greifswald), Reich und Reichstag im 16. Jahrhundert – der Blick aus der angeblichen Reichsferne?

*****

Colloque à la mémoire de Jean-Louis Flandrin

Le désir et le goût: une autre histoire

Saint-Denis, 26. bis 28. September 2003

Kontaktadresse: OdGuy Briot

Université Paris 8

UFR 04

2, rue de la Liberté

F-93526 Saint-Denis

Tel: [F] 01 - 49 40 68 18

E-mail: gbriot@univ-paris8.fr

Disparu en 2001, Jean-Louis Flandrin a profondément renouvelé l’histoire de la famille, de la sexualité et de l’alimentation. Ses travaux en la matière ont été novateurs par les méthodes d’analyse inventées et par les documents explorés (pénitentiels, livres de cuisine, proverbes), pris en compte sur une longue durée allant du Haut Moyen Âge au XIXe siècle. Le but du colloque qui se tiendra les 26, 27 et 28 septembre 2003 à l’université de Paris 8 où Jean-Louis Flandrin a enseigné pendant trois décennies – à Vincennes puis à Saint-Denis – est d’abord de replacer son oeuvre dans les domaines historiographiques successifs où elle s’est constituée comme référence. Des rapports, présentés par les meilleurs spécialistes de ces domaines, permettront de mesurer l’impact de ses idées et de dresser un bilan des travaux qui se sont faits, dans le monde entier, à partir ou aux côtés des livres de Jean-Louis Flandrin. Le colloque international de Saint-Denis entend aussi prolonger et approfondir les pistes tracées par ce grand historien français. Trois axes seront explorés, sur la longue durée d’une histoire prioritairement européenne, qui permettent d’entrecroiser l’histoire des sentiments – familiaux ou amoureux – et celle des goûts alimentaires.

Aus dem Programm:

Freitag, 26. September

Autour des recherches de Jean-Louis Flandrin: bilans historiographiques (1970-2002)

Corbin, A., L’amour, les sens, les sentiments; Burguière, A., Famille et démographie; Redon, O./Montanari, M., Nourritures.

Samstag, 27. September

L’usage des sens

Laurioux, B., Les voyageurs et la gastronomie en Europe à la fin du Moyen Age; Grieco, A. J., Gourmandise et luxure à la fin du Moyen Age; Héraud, N., La diversité des goûts en Europe au XVIe siècle; Hyman, M. et P., Les associations de saveurs dans les livres de cuisine français du XVIe siècle; Jacobsohn, A., Techniques agricoles et goûts des aliments à l’époque moderne.

Samstag, 27. September

Interdits et prescriptions

Dupont, F., La sacralisation de la bouche du citoyen dans la Rome antique; Rosenberger, B., Diététique et cuisine dans l’Espagne musulmane du XIIIe siècle; Nicoud, M., Les médecins à la cour de Francesco Sforza ou comment gouverner le Prince (2e moitié du XVe siècle); Fol, M., Les carêmes gourmands des chanoines de Sallanches au XVe siècle: Pancino, C., Canons et soins de beauté dans l’Italie du XVIe siècle, d’après les "Ornamenti delle donne" de G. Marinello (1563); Grieco, S. M., La mouche au lait – la luxure et le monde naturel dans la culture visuelle des temps modernes; McClive, C., Engendrer durant les menstrues: devoir conjugal et interdit sexuel à l’époque moderne.

Sonntag, 28. September

Les formes de l’intime

Lett, D., L’habit ne fait pas le genre. "Frère Denise" (1262) de Rutebeuf, une jeune fille dans un couvent masculin; Klapisch-Zuber, C., L’expression des conflits dans les familles italiennes au XVe siècle; Calvi, G., La classification des individus d’après les livres de coutumes en Italie au XVIe siècle: regard et apparences; Steinberg, S., Les enfants nés des amours ancillaires (France, XVIe-XVIIe siècles); Perrier, S., Les relations domestiques dans les familles "recomposées" de la France d’Ancien Régime; Nolde, D., Adultère et pouvoir marital (France, fin XVIe-début XVIIe).

*****

Konferenz

Membra unius capitis
Neue Studien zu Herrschaftsauffassungen und -praxis in Kurbrandenburg (1640-1688)

Schloß Oranienburg, 29. September bis 1. Oktober 2003

Kontaktadresse: Dr. Michael Kaiser

Universität zu Köln

Dr. Michael Rohrschneider

Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte e.V.

Historisches Seminar

Universität zu Köln

Wilhelm-Röpke-Straße 6 C

D-50923 Köln

Tel: [D] 02 21 - 4 70 43 53

E-mail: Michael.Kaiser@uni-koeln.de

Friedrich Wilhelm war nicht nur Kurfürst von Brandenburg, sondern regierte über einen territorialen Streubesitz, der vom Niederrhein bis nach Königsberg reichte. Diese Territorien waren in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht, aber auch in ihren Verwaltungsstrukturen und ihren Rechtstraditionen höchst unterschiedlich strukturiert und pflegten ein ausgeprägtes Sonderbewußtsein – von der Vorstellung eines Einheitsstaates war man noch weit entfernt. Wie sich der Kurfürst als Landesherr in diesem Spannungsfeld von regionaler Differenzierung und staatlicher Einheit verhielt, ist nur ein Thema der Tagung. Vor allem soll die Problematik eines komplexen Mit-, Neben- und Gegeneinanders unterschiedlichster Interessen aus der Perspektive der einzelnen Landschaften beleuchtet werden. Zur Sprache kommen daher die politischen Vorstellungen der Landstände in den jeweiligen Territorien, aber auch territorienübergreifende Phänomene wie der Hof als Herrschaftsmittelpunkt, das Amt des Statthalters und das Militär als Machtfaktor.

Aus dem Programm:

Montag, 29. September

Sektion I: Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg als frühneuzeitlicher Mehrfachherrscher

Bosbach, F. (Bayreuth), Mehrfachherrschaft: Eine Organisationsform frühmoderner Herrschaft; Opgenoorth, E. (Bonn), Mehrfachherrschaft im Selbstverständnis Kurfürst Friedrich Wilhelms; Heinrich, G. (Berlin), Das Sterben im Leben des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg.

Dienstag, 30. September

Sektion II: Die brandenburgischen "Membra" im Spannungsfeld von regionaler Differenzierung und staatlicher Einheit

Göse, F. (Potsdam), Zwischen regionaler Konkurrenz und ständischer Solidarität. Adel und Städte der Mark Brandenburg in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts; Löffler, U. (Hannover), Die brandenburgische Herrschaftsübernahme im Erzbistum Magdeburg im Jahr 1680 und ihre Folgen für die Durchsetzung und Ausübung von Herrschaft auf dem Lande; Kaiser, M. (Köln), Unterschiedliche Politikstile: Kleve-Mark und Kurfürst Friedrich Wilhelm; Burkardt, J. (Münster), Minden und Ravensberg. Zwei nordwestfälische Territorien unter der Herrschaft des Großen Kurfürsten; Brunert, M.-E.(Bonn), Das Ringen um Pommern und die Reichsstände auf dem Westfälischen Friedenskongreß; Körber, E.-B. (Berlin), Ständische Positionen im Herzogtum Preußen zur Zeit des Großen Kurfürsten.

Mittwoch, 1. Oktober

Sektion III: Zur Bedeutung territorienübergreifender Strukturelemente im Prozeß der Integration und Staatsbildung

Duindam, J. (Utrecht), Wien – Versailles – Berlin. Fragen zum brandenburgischen Hof aus europäischer Perspektive; Rohrschneider, M. (Bonn), Die Statthalter des Großen Kurfürsten als außenpolitische Akteure; Luh, J. (Berlin), Heer und Herrschaft. Zur Rolle der Armee im Integrationsprozeß der kurbrandenburgischen Territorien.

*****

Kolloquium

Aktuelle Forschungsprobleme des Mittelalters und der Frühen Neuzeit

Bielefeld, 1. bis 3. Oktober 2003

Kontaktadresse: Dr. Stefan Gorißen

Universität Bielefeld

Schule für Historische Forschung

Universitätsstraße 25

D-33615 Bielefeld

Tel: [D] 05 21-1 06-32 52 – Fax [D] 0521 - 1 06-29 66

E-mail: stefan.gorissen@geschichte.uni-bielefeld.de

Aus dem Programm:

Donnerstag, 4. Dezember

Horowski, L. (Berlin), Machtstrukturen und Karrieremechanismen am Hof von Frankreich 1661-1789.

*****

Tagung

Die Autorität der Zeit in der Frühen Neuzeit

München, 1. bis 3. Oktober 2003

Kontaktadresse: Ursula Ballhaus

Universität München

Geschwister-Scholl-Platz 1

D-80539 München

Tel: [D] 0 89 - 21 80-13 89 – Fax: [D] 0 89 - 21 80-1 35 58

E-mail: sfb.frueheneuzeit@lrz.uni-muenchen.de

Die Tagung wird die sich wandelnden Formen frühneuzeitlicher Konstruktion von Zeit in den Blick nehmen. Sie wird dabei an die bestehende Forschung zur Zeit anknüpfen, möchte jedoch zugleich einer weiteren Spezialisierung der je eigenen Forschungsdiskurse etwa zur Kalenderrechnung, Zeittheologie und -philosophie entgegenwirken. Sie möchte zweitens auf den unbefriedigenden Befund von Aporien reagieren. Diese stellen sich ein, sobald man historische Zeitkonzeptionen auf ihre inhaltliche Kohärenz analysiert: Wie läßt sich beispielsweise der Glaube an das nahe Weltende mit dem Entwurf ‚ewiger Kalender‘ vereinbaren, wie sie teilweise in der Vorstellung eines Gelehrten koexistierten? Hier von einer Überlappung ‚noch‘ heilsgeschichtlicher und ‚schon‘ moderner Zeitkonzepte zu sprechen oder gar, die Frühe Neuzeit vor die ‚Erfindung‘ der Zukunft zu verlegen, scheint der funktionalen Komplexität des Phänomens ‚Zeit‘ wenig gerecht zu werden.

Ausgegangen wird vielmehr von einem spezifischen Spannungsfeld: So läßt sich einerseits beobachten, daß Zeitsysteme selbst als vorgegebene, unveränderbare Ordnungsfaktoren, denen entscheidende Autorität zukam, betrachtet wurden. Andererseits brachte es die Koexistenz verschiedener Vorstellungen, zu denen nicht zuletzt verschiedene Kalender gehörten, mit sich, daß man die menschliche Gestaltbarkeit von Zeitordnungen zunehmend als Selbstverständlichkeit empfand.

In diesem Zusammenhang interessiert nicht nur, wie die jeweiligen ‚Aneignungen‘ von Zeit durch Individuen, Gruppen und Institutionen vollzogen wurde, sondern auch, in welche individuellen und gesellschaftlichen Lebensbereiche die Regulierung von Zeit hineinwirkte.

Zeit als Regulativ in der Frühen Neuzeit zu thematisieren, bedeutet in diesem Sinne, ihren pragmatischen Funktionen sowie ihren sinngebenden Bedeutungen nachzugehen. Konkret wird deshalb u.a. zu fragen sein, wie den ge- und erfundenen Formen von ‚Zeit‘ Geltung verschafft wurde und welche, auch konfessionellen Vorstellungen den Bestrebungen, Zeit als Ordnungsfaktor nutzbar zu machen, zugrundelagen.

Thematisch lassen sich drei Ebenen unterscheiden: Erstens: Der Bereich wissenschaftlich begründeter Zeitordnungen. Zeit wurde hier, basierend auf Kenntnissen von Natur, Chronologie und Astronomie, in kalendarische Systeme überführt. Zweitens: Eine religiöse Ebene, die Zeitordnungen höhere Dignität verlieh und sie schließlich auch in konfessionelle Gegensätze mit einbezog. Drittens: Eine pragmatische Ebene, auf der zeitliche Ordnung im Rahmen individueller Lebens- und obrigkeitlicher Herrschaftspraxis reguliert wurde und regulierend wirkte.

Faktisch sollen die Vorträge zu sechs Blöcken zusammengefaßt werden, die nicht jeweils die wissenschaftlichen, religiösen oder pragmatischen Zeitordnungen getrennt behandeln, sondern konkrete ‚Anwendungsbereiche‘ des Zeitphänomens in das Zentrum stellen und die jeweiligen Forschungsdiskurse bewußt miteinander zu konfrontieren versuchen: Im Fokus bleiben so Mensch, Kultur und Gesellschaft, d.h. die Produzenten und Rezipienten der jeweiligen Zeitordnungen.

Aus dem Programm:

Donnerstag, 2. Oktober

Stannek, A. (Braunschweig), Zeit am Hof. Ordnung, Rhythmus und Bewußtsein der Zeit am Welfenhof.

*****

Konferenz

Coronations

London, 4. Oktober 2003

Kontaktadresse: The Society for Court Studies

PO Box 14057

GB- London N5 1 WF

Tel: [GB] 0 20 - 75 03-99 03 – Fax: [GB] 0 20 - 75 03-98 76

E-mail: admin@courtstudies.com

This one-day conference will examing the history and variety of coronation rituals. As well as discussing the development of the English ritual, the conference will examine Ottoman and Russian ritaul. Film footage of Habsburg coronations, and the coronations of Georg VI and Elizabeth II will also be shown.

Aus dem Programm:

Nelson, J., Carolingian Coronation rituals: a model for Europe?; Strong, R., The English Coronation: a call for a wider perspective Comparisons; Wortman, R., Russian Coronation Ritual; Mansel, P., Ottoman/Islamic Coronation Ritual; Shaw, D., Scottish Coronation Ritual Coronations and Film. The Habsburg Coronation of 1916; Richards, J., The Coronation of HM Elisabeth II Coronations and the Future.

*****

Ausstellung

Das dritte Elbherzogtum
Der Kreis Lauenburg und seine Geschichte

Schleswig, 10. Oktober bis 19. März 2004

Kontaktadresse: Landesarchiv Schleswig-Holstein und Kreis Lauenburg

Prinzenpalais

D-24837 Schleswig

Tel: [D] 0 46 21 - 86 18-37 - Fax: [D] 0 46 21 - 86 18-21

E-mail: landesarchiv@la.landsh.de

Internet: www.archive.schleswig-holstein.de/lash

Vortragsreihe zur Ausstellung:

Donnerstag, 23. Oktober 2003

Kopitzsch, F. (Hamburg), Aufklärung und Reformen im Herzogtum Lauenburg im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert.

Donnerstag, 20. November 2003

Boehart, W. (Mölln), Alfred Nobel: Die Erfindung des Dynamits und die Anfänge der chemischen Industrie in Geesthacht.

Donnerstag, 11. Dezember 2003

Hanisch, M. (Kiel), Wie Lauenburg unter die Krone Dänemarks gelangt.

Donnerstag, 29. Januar 2004

Seeler, H.-J. (Hamburg), Krieg und Frieden in der Provinz. Erinnerungen eines Lauenburgers.

Donnerstag, 5. Februar 2004

Reichstein, J. (Schleswig), Der Kreis Herzogtum Lauenburg. Eine archäologische Schatzkammer (mit Lichtbildern).

Donnerstag, 26. Februar 2004

Kröger, K. (Rostock), Aufbruch in die demokratische Moderne: Das Herzogtum Lauenburg in der 1848er Revolution.

Donnerstag, 18. März 2004

Opitz, E. (Hamburg), Schleswig-Holstein und das lauenburgische Erbe. Bereicherung oder Belastung? Versuch einer Bilanz.

*****

Seminar

Heralds as Courtiers

London, 20. Oktober 2003

Kontaktadresse: The Society for Court Studies

PO Box 14057

GB- London N5 1 WF

Tel: [GB] 0 20 - 75 03-99 03 – Fax: [GB] 0 20 - 75 03-98 76

E-mail: admin@courtstudies.com

*****

Seminar

Les ducs Valois de Bourgogne: leur cour, leurs hommes, leur espace
Hérauts de Bourgogne

Paris, 21. Oktober 2003 bis 8. Juni 2004

Kontaktadresse: Prof. Dr. Werner Paravicini/Prof. Dr. Bertrand Schnerb

Deutsches Historisches Institut Paris

8, rue du Parc-Royal

F-75003 Paris

Tel: [F] 01 - 44 54 23 91 – Fax: [F] 01 - 44 54 24 15

Aus dem Programm:

Dienstag, 21. Oktober 2003

Paravicini, W. (Paris), Le problème, le but, la recherche, les méthodes.

Dienstag, 25. November 2003

Schnerb, B. (Lille), Rois d’armes, hérauts poursuivants de Philippe le Hardi et de Jean sans Peur.

Dienstag, 9. Dezember 2003

Pastoureau, M. (Paris), L’śuvre héraldique des hérauts d’armes: l’exemple du "Grand armorial équestre de la Toison d’or" (1435-1438).

Dienstag, 20. Jan. 2004

Hiltmann, T. (Dresden), Manuscrits des hérauts bourguignons.

Dienstag, 17. Febr. 2004

Spitzbart, A.-B. (Lille), Hérauts diplomates sous Philippe le Bon.

Dienstag, 16. März 2004

Kruse, H. (Kiel), L’office d’armes à l’hôtel de Philippe le Bon.

Dienstag, 20. April 2004

NN (Lille), Les hérauts de Philippe le Bon d’après les comptes.

Dienstag, 11. Mai 2004

NN (Lille), Les hérauts de Charles le Téméraire d’après les comptes.

Dienstag, 8. Juni 2004

Simonneau, H. (Paris), Les hérauts de Maximilien et de Philippe le Beau.

*****

Jahrestagung der Kommission zur Erforschung und Pflege des Dessau-Wörlitzer Kulturkreises

Luise von Anhalt-Dessau und die Fürstinnen der Aufklärung

Dessau, 25. Oktober 2003

Kontaktadresse: Dr. Holger Zaunstöck

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Institut für Geschichte

Kröllwitzer Straße 44

D-06120 Halle (Saale)

Tel: [D] 03 45 - 55 21-7 72

E-mail: zaunstoeck@uni-halle.de

E-mail: haefs@izea.uni-halle.de

Aus dem Programm:

Mix, Y.-G. (Marburg), Eröffnungsvortrag: Die empfindsame Frau am Hofe; Quilitzsch, U. (Dessau), Fürstin Luise von Anhalt-Dessau - Konturen einer Biographie; Froesch, A. (Dortmund), Die Portraits der Fürstin Luise Wilhelmine von Anhalt-Dessau; Geyer-Kordesch, J. (Glasgow), Fürstin Luise von Anhalt-Dessau und ihr Freundeskreis; Meise, H. (Aix-en-Provence), Lesen und Schreiben – Zum Rollenverständnis deutscher Fürstinnen im 18. Jahrhundert; Berger, J. (Weimar), Landesmutter – Fürstenwitwe – Kunstfreundin. Handlungsräume und Repräsentationsstrategien deutscher Fürstinnen in der Spätaufklärung.

*****

Kolloquium

Mittelalterliche Geschichte

Marburg, 1. November 2003 bis 14. Januar 2004

Kontaktadresse: Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte e.V., Sektion Hessen

Gernot Kirchner

Institut für Mittelalterliche Geschichte

Universität-Marburg

Wilhelm-Röpke-Straße 6 C

D-35032 Marburg

Tel: [D] 0 64 21 - 2 82 45 57

E-mail: gernot.kirchner@staff.uni-marburg.de

269. Sitzung am Samstag, dem 1. November 2003, 15 Uhr c.t., in der Archivschule in Marburg, Bismarckstraße 32, 35037 Marburg

Hehl, E.-D. (Mainz), Beneficium – wohlwollend interpretiert. Zum Hoftag von Besançon 1157.

270. Sitzung am Samstag, dem 8. November 2003, 15 Uhr c.t., im Historischen Seminar der Universität Frankfurt, Grüneburgplatz 1 (IG-Farben-Gebäude) – Querbau 4

Schütte, B. (Leipzig), Konrad III. und die Reichsbischöfe.

271. Sitzung am Samstag, dem 24. Januar 2004, 15 Uhr c.t., im Historischen Institut der Universität Gießen, Otto-Behaghel-Str. 10 C

Selzer, S. (Halle), Kleidung für den Hof. Ökonomie und Politik des Hofgewands am Beispiel deutscher Höfe um 1500.

*****

Table ronde

Les lieux de pouvoir en Normandie et sur ses marges

Caen, 7. bis 8. November

Kontaktadresse: Anne-Marie Flambard Héricher

Université de Caen Basse-Normandie

Esplanade de la paix

F-14032 Caen Cedex

Tel: [F] 02 - 31 56 59 19

E-mail: crahm.flambard@unicaen.fr

Internet: www.unicaen.fr/mrsh/crahm/revue/tabularia/pdf/programme_pouvoir.pdf

La vie administrative, culturelle, religieuse et économique s’organise à partir de divers lieux, autour de certains personnages ou encore de communautés qui détiennent le pouvoir. L’objectif du groupe de travail qui se penche sur ces questions au sein du CRAHM est de tenter de faire émerger la nature de ces différents pouvoirs, les moyens dont ils disposent et la manière dont ils s’imposent. Plusieurs thèmes de réflexion abordés au sein de l’équipe de Caen serviront d’orientation aux discussions de la journée. On s’interrogera sur le rôle respectif des différents pouvoirs (seigneurial, ecclésiastique, économique) et sur les espaces qui leur sont dévolus, sur le rôle de la ville capitale et l’étendue de son rayonne-ment. On tentera d’observer le rôle culturel qu’ils peuvent jouer et de mettre en évidence leur permanence ou leur discontinuité.

Aus dem Programm:

Freitag, 7 November

Flambard Héricher, A.-M. (Rouen), Introduction.

Où s’exerce le pouvoir? La diversité des lieux

Torhoudt, É. van (Lisieux), Les sièges du pouvoir des Néel, vicomtes en Cotentin (XIe-XIIe s.); Casset, M. (Univ. de Bretagne-sud), Les stratégies d’implantation des châteaux et manoirs des évêques normands (XIe-XVe s.); Arnoux, M./Theiller, I. (Paris), Le marché hebdomadaire: entre espace seigneurial et espace économique régional (XIe-XVe s.); Manoury, N. (BNF), Les quartiers canoniaux de Normandie; Cassagnes-Brouquet, S. (Limoges), Le pont de Londres, une śuvre d’art et un lieu de pouvoir.

Samstag, 8. November

Comment s’exerce le pouvoir? Pouvoir direct, pouvoir délégué ou relayé

Gazeau, V. (CRAHM, Univ. de Caen Basse-Normandie), Les abbayes bénédictines de la Normandie ducale: lieux de pouvoir ou relais du pouvoir?; Lemoine Descourtieux, A. (Ouen), Les Pouvoirs sur la frontière de l’Avre (XIe-XIIIe s.), Le pouvoir délégué: du pouvoir seigneurial au pouvoir ducal, puis à l’autonomie urbaine; Racinet, P. (Amiens), Un lieu de pouvoir exceptionnel aux portes d’Amiens: Boves (Xe-XIIe s.).

Le pouvoir mis en scène

Chave, I. (Archives dép. de la Somme), Les châteaux neufs de l’apanage d’Alençon (1350-1415): matérialisation du pouvoir d’une famille princière; Johans, E. (Maine), Les résidences aristocratiques du Rouergue et des Cévennes à la fin du Moyen Âge; Le Maho, J. (CRAHM, CNRS), Portraits archéologiques de deux résidences des archevêques de Rouen entre l’époque carolingienne et les environs de l’An mil: le palais de Rouen (IXe s.) et le château de l’archevêque Robert (989-1037) à Notre-Dame-de-Gravenchon; Quaghebeur, J. (Univ. de Bretagne-sud), Pouvoir et symbolique en Cornouaille (IXe-XIIe s.).

*****

Konferenz

Herrschafts(re)präsentation
Zur symbolischen Konstitution des Politischen (18.-20. Jahrhundert)

Bielefeld, 14. bis 15. November 2003

Kontaktadresse: Rita Gaye

SFB 584

Universität Bielefeld

Schule für Historische Forschung

Postfach 10 01 31

D-33501 Bielefeld

E-mail: rgaye@geschichte.uni-bielefeld.de

Internet: www.geschichte.uni-bielefeld.de/sfb584

Aus dem Programm:

Tänzler, D. (Konstanz), Repräsentation. Eine performanztheoretische Analyse; Stollberg-Rilinger, B. (Bielefeld), Repräsentation von Herrschaft im 18. Jahrhundert; Schalenberg, M. (Berlin), Die Visitenkarte der Stadt. Fürstliche und bürgerliche Selbstdarstellung in deutschen Residenzstädten.

*****

42. Arbeitstagung des Südwestdeutscher Arbeitskreis für Stadtgeschichtsforschung

Zürich, 14. bis 16. November 2003

Kontaktadresse: Prof. Dr. Bernd Roeck

Universität Zürich

Historisches Seminar

Karl Schmid-Str. 4

CH-8006

Tel: [CH] 01 - 6 34-38 61 – Fax: [CH] 01 - 6 34-49 13

E-mail: roeck@hist.unizh.ch

Aus dem Programm:

Freitag, 14. November

Roeck, B. (Zürich), Stadtvedute und "historische Wirklichkeit".

Samstag, 15. November

Sektion I: Methodische Fragen einer historischen Städteikonographie

Roeck, B. (Zürich), Eröffnung der Tagung; Hoffmann, C. A. (Augsburg), Altbayern: Stadtentwicklung in stagnierendem Umfeld. Ikonographische Aspekte; Pätzold, S. (Pforzheim), Pforzheim – eine Stadt im Bild. Zu einigen Stadtansichten des 16. und 17. Jahrhunderts und ausgewählten methodischen Aspekten der Vedutenforschung; Marsch, A. (Hamburg), Der europäische Ansichtenzeichner Friedrich Bernhard Werner (1690-1776) und seine Ansichten von der Schweiz und Südwestdeutschland; Klesmann, B. (Zürich), Die Stadt in Flammen. Krieg und Zerstörung als Sujet frühneuzeitlicher Ansichten der Residenzstadt Bonn.

Sektion II: Perspektiven der Vedutenforschung in der Schweiz

Schmid, R. (Zürich), Stadtdarstellungen in den bebilderten Chroniken des schweizerischen und süddeutschen Raumes; Gerosa, P. G. (Straßburg/Lugano), L’immagine della città ticinese e le sue problematiche; Strecken, M. (Zürich), Inszenierung bürgerlichen Selbstverständnisses und städtischer Herrschaft im 16. Jahrhundert. Jos Murers Ansicht von Zürich.

Sektion III: Aspekte der Materialikonologie

Sommer, D. (Marburg), "Amplas grandibus urbes sumptibus". Aspekte der bildlichen Repräsentation thüringischer Residenzstädte auf Gegenständen des höfischen Alltags und Zeremoniells; Allekotte, J. (Berlin), Die "civitates Italiae celeberrime" in der Belvedere-Loggia Innozenz’ VIII.

Sonntag, 16. November

Sektion IV: Stadtveduten zwischen Alteuropa und moderner Welt: der Übergang zur Photographie

Ritter, D. (München), Die Stadtvedute zwischen Malerei, Druckgraphik und Photographie in Italien; Arnscheidt, G. (Mannheim), Der Übergang der Stadtvedute zur photographischen Ansicht: das Beispiel Mannheim; Malfroy, S. (Lausanne), Graphische und photographische Panoramen der Stadt Lausanne, 19./20. Jahrhundert: Darstellungen der Stadt einschließlich ihres Horizontes.

*****

Konferenz

St Jame’s Palace

London, 15. November 2003

Kontaktadresse: The Society for Court Studies

PO Box 14057

GB- London N5 1 WF

Tel: [GB] 0 20 - 75 03-99 03 – Fax: [GB] 0 20 - 75 03-98 76

E-mail: admin@courtstudies.com

A one-day conference organised by the Society for Court Studies on the history of St James’s Palace in London. Although still the official residence of British monarchs, the history of St James’s Palace has been relatively neglected. Many aspects of its development remain puzzling. The conference will include a special tour of the Palace which is not normally open to the public.

Aus dem Programm:

Thurley, S., The development of the State Apartments at St. James’s Palace 1530-1760; Wilks, T., the Picture Gallery from the time of Prince Henry to the Civil War; Barclay, A., St James’s and the late Seventeenth Centurs; Jacques, D., The Gardens and Park at St James’s Palace 1550-1700; Watkin, D., Georg III and Visitors to St James’s from the Princely Courts; Arch, N., From the "Glory of this Kingdom" to "A Wearisome Performance". Victorian and Edwardian Court Ceremonial at St James’s; Turner, M., William Morris’s Re-decoration of The State Apartments at St James’s Palace; Campbell, T., St James’s Palace as a Repository of Tapestry.

*****

Internationales Kolloquium

Le médiéviste et la monographie familiale
Sources, méthodes et problématiques

Poitiers, 21. bis 22. November 2003

Kontaktadresse: Centre d’Études Supérieures de Civilisation Medievale

Université de Poitiers

24 rue de la Chaîne

F-86022 Poitiers

E-mail: martin.aurell@mshs.univ-poitiers.fr

Aus dem Programm:

Freitag, 21. November

Aurell, M. (Poitiers), Rapport introductif.

Dépasser la généalogie: portée de l’histoire familiale

Thompson, K. (Sheffield), Les liens familiaux et l’histoire aristocratique dans le monde anglo-normand (1066-1204); Monnet, P. (Göttingen), La monographie familiale entre histoire urbaine et histoire culturelle: ses avantages et ses limites pour la connaissance des pays germaniques de l’Empire à la fin du Moyen Age; Champagne, A. (Université de Poitiers), L’apport des monographies à la connaissance de l’artisanat rural poitevin à la fin du Moyen Age; Nassiet, M. (Poitiers), La monographie aux XVe-XVIe siècles : quelques problématiques d’histoire familiale.

Au prisme des sources : une perception conditionnée de l’histoire sociale

Cammarosano, P. (Triest), Structures documentaires et structures familiales en Italie du Xe au XIIIe siècle; Rodríguez-Bernal, F. (Barcelona), Les Cardona: sources et méthodes pour l’étude d’une monographie familiale en Catalogne (IXe-XIIe siècle); Calleja, M. (Oviedo), Les sources documentaires pour l’histoire des familles aristocratiques du royaume de León (Xe-XIIe siècle): production, usage et conservation; Cirier, A. (Poitiers und Sienna), Archives, historiographie et difficultés autour de la monographie familiale des comtes Pannocchieschi d’Elci (Toscane, XIIe-XIVe siècle); Boulogne, A. (Lyon), Peut-on parler de clan MacDonald dans l’Ecosse gaélique à la fin du Moyen Age? Analyse de deux monographies familiales du XVIIe siècle.

Samstag, 22. November

Construire les problématiques : ouvertures épistémologiques de la monogra-phie

Mazel, F. (Rennes), Monographie familiale et analyse historique. Réflexions historiographiques et méthodologiques à partir de l’étude, sous un angle thématique, de trois lignages provençaux (Xe-XIVe siècle); Jeanneau, C. (Poitiers), Émergence et affirmation des familles seigneuriales de la frontière des grandes principautés territoriales: organisation, relations et exercice du pouvoir en Bas Poitou au XIIe siècle; Doubleday, Simon, R. (Hempstead), The Lara Family and the Borders of Thirteenth-Century Iberia; Savy, P. (Rom), Une famille de seigneurs dans l’Italie du XVe siècle: fonctionnement de l’Etat et appartenance sociale à la lumière d’une étude de cas; Cassagnes-Brouquet, S. (Limoges), Les liens familiaux au cśur du fonctionnement des milieux artistiques en Europe du Nord-Ouest à la fin du Moyen Age.

De la monographie à la prosopographie : familles en groupe

Laffont, P.-Y. (Le Mans), Réflexions méthodologiques sur un corpus de monographies familiales en France méridionale : l’aristocratie châtelaine en Vivarais (Xe-XIVe siècle); Vincent, N. (Canterbury), Who’s Who in Magna Carta Clause 50? The Alien Constables of King John; Bove, B. (Paris), De la prosopographie à la monographie: l’étude de l’échevinage parisien aux XIIIe et XIVe siècles; Narbona, M. (Navarre und Poitiers), Famille, fidélité et loyauté: la configuration de l’Hôtel de Charles III le Noble (1387-1425); Schnerb, B. (Lille), Conclusions.

*****

Vortrag

Hendrik Ziegler (Paris)
Versailles-Kritik um 1700
Die Residenz Ludwigs XIV. im Spiegel deutscher Reise- und Gesandtschaftsberichte

Wien, 3. Dezember 2003

Kontaktadresse: Kunsthistorische Gesellschaft

c/o Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien

Spitalgasse 2, Hof 9 am Universitätscampus

A-1090 Wien

Tel: [A] 01 - 42 77-4 14 10 – Fax: [NL] 01 - 42 77-94 14

*****

Konferenz

Le portrait individuel
Une forme de représentation du XIIIe au XVe siècle

Paris, 6. bis 7. Februar 2004

Kontaktadresse: Dominic Olariu

83, rue Monge

F-75005 Paris

Tel. [F] 01 55 43 91 52

E-mail: olariudominic@aol.com

Au Moyen Âge, une très intime conscience du corps humain, d’une part, et de l’homme en tant que dépendant de son corps organique, d’autre part, fut développée. Le corps humain devient de plus en plus le support de mises en scène dans lesquelles il occupe une place majeure. Il fait également l’objet d'une attention de plus en plus soulignée dans différentes pratiques religieuses. Il est ainsi l’expression d’un ordre symbolique, autour duquel se cristallisent d’essentielles questions anthropologiques et morales aussi bien que des réflexions portant sur la théorie de la perception. De la sorte, le corps humain au Moyen Âge se situe dans un contexte général de la "représentation". En se proposant d’étudier les représentations du corps humain à la période évoquée, le colloque souhaiterait avant tout porter son attention sur les corrélations et interdépendances entre le corps et ses images. Il voudrait éclairer les champs sémantiques que les concepts du corps occupent à cette époque. Ce n’est toutefois ni de la compétence ni dans l’objectif premier du colloque de réunir un nombre aussi important que possible de concepts du corps et de discours sur le corps. Il ne s’agit pas non plus de cerner le corps par des "framings", comme l’expriment Kay/Rubin (1994), ou de le détailler dans des "mappings", comme l’écrivent Biddick (1993) et Sarasin (1999). Il s’agit davantage d’une tentative de mettre à jour des rapports possibles entre le corps et ses représentations à une période donnée. Le point de départ d’une telle démarche est le constat, que les différents "corps médiévaux" sont soumis à une réévaluation au sein des champs sémantiques qu’ils occupent et que, par ailleurs, de tout "nouveaux corps" sont constitués. De ce fait, les axes référentiels entre corps et images sont susceptibles d’un glissement considérable. Pour le Moyen Âge chrétien, la liaison sémantique entre corps et image tire son origine du Christ, devenu Image de Dieu en acceptant la chair humaine (i.e. un corps). Certains moments essentiels d’importance eschatologique, nous en voulons pour exemple la résurrection corporelle du Christ et la stigmatisation de saint François d’Assise, "vraie image du Christ", sont de véritables "images produites sur le corps" ou "des images produites par le corps". D’un point de vue conceptuel, l’image et le corps sont susceptibles d'être mutuellement rapprochés au Moyen Âge. La variation sémantique des rapports entre le corps et ses images est attestée par des réflexions très diverses à l’égard du corps. Les représentations contemporaines de l’homme ne sont que l’expression, en images, de ces pensées. Voici quelques exemples: l’Angleterre du XlVe siècle voit apparaître l’effigie comme une copie réaliste du corps du roi, afin de substituer ce dernier jusqu'à l’élection de son successeur. Lorsque se manifeste - merveille spectaculaire - dans la chair stigmatisée du franciscain la présence divine, son corps est considéré comme une image d’un ordre tout nouveau. C’est également le corps qui devient l’objet de discussions portant sur les images, p. ex. lorsque le thème de la "vision béatifique" est intimement lié à la condition physique de l’être humain. Le colloque s’intéresse surtout à des problèmes ayant été traités jusqu'à présent sous une autre lumière. En se référant régulièrement aux mêmes notions (corps et image), les exemples cités indiquent clairement l’existence d’ensembles de questions, certes très variées, mais toutes menant dans la même direction: Quels discours du corps, quelles éventuelles contradictions furent formulées et thématisées dans les images? À quels concepts du corps les représentations se référèrent-elles et de quelles façons certains corps purent devenir des images?

THÈME DU COLLOQUE

La représentation de l’homme fait l’objet d’un grand changement entre les XIIle et XVe siècle. "Portraiture is the depiction of an individual in his own character", propose John Pope-Hennessy en 1963, en se référant aux portraits depuis le XVe siècle. Mais en désaccord avec ce point de vue, fréquemment rencontré, des représentations ressemblantes et individuelles existent en Italie dès la fin du XIlle siècle et elles n’expriment pas forcément le caractère d’un individu: certaines statues funéraires de cette époque illustrent bien la fidélité de ressemblance que les représentations humaines peuvent déjà atteindre. Ces statues, étaient-elles déjà des portraits ou seulement des prototypes? Le point de vue de Pope-Hennessy devrait-il être reconsidéré? Certes, une définition univoque du terme, à travers les pays et les cultures, n’existe probablement pas. Ce ne sera d’ailleurs pas non plus un objectif du colloque d’en formuler une. Il est néanmoins possible d’attirer l’attention sur le fait que la valeur sémantique de "similitude" semble être contenue dans le terme "portrait" depuis son apparition au XlIe siècle. Ceci justifierait donc la proposition, suggérée par le colloque, de considérer les représentations individuelles de l’homme, à l’époque en question, comme des portraits ressemblants. Par ailleurs, certaines pratiques de l’époque indiquent que la figuration individuelle, qu’elle soit définie comme portrait ou non, existe déjà et que la ressemblance y joue un rôle primordial. Il suffit de prendre pour exemple la liturgie funéraire. Les dépouilles des hauts dignitaires, exposées pour leur vénération sur le catafalque, sont minutieusement reproduites par leurs statues funéraires, souvent jusque dans les moindres détails. Peut-on voir là une tentative de transfert, sur leurs substituts en pierre, des fonctions sociales des corps exposés? La raison d’être de ces représentations semble d’ailleurs tenir précisément à l’extrême dignité des personnes représentées, dignité théologiquement justifiée et liée à l’émergence d’une nouvelle conception de l’homme à la fin du XIIIe siècle: l’homme en tant qu’image de Dieu, imago Dei, implique des réflexions très complexes sur les rapports entre image et original, copie et modèle, imitant et imité. Dans cette perspective, la ressemblance acquiert une signification toute spécifique. Dans quelle mesure le portrait est-il vraiment le substitut de son modèle et dans quelle mesure dépasse-t-il son modèle, en exprimant davantage qu’une pure similitude? Au XIIIe siècle par exemple, le portrait individuel peut représenter, grâce à sa ressemblance même au modèle, la proximité de cette personne à Dieu. Il peut ainsi devenir un type de représentation susceptible d’être instrumentalisé à diverses fins. Le colloque tentera d’analyser les fonctions politiques, religieuses, ou sociales, ayant pu conduire à la genèse des portraits individuels. Dans ce cadre, des contributions sur la problématique de la "similitude" enrichiraient considérablement le débat, quand bien même le sujet serait abordé sous un angle non médiéviste.

Aus dem Programm:

Belting, H. (Karlsruhe), à préciser; Castelnuovo, E. (Pisa), Les portraits individuels de Giotto; Cohn, D. (Paris), Une analyse de la ressemblance; Nancy, J.-L. (Straßburg), Le portrait de la personne divine; Paravicini Bagliani, A. (Lausanne), Les portraits de Boniface VIII; Schneider, N. (Karlsruhe); Les portraits individuels du XVe siècle et leur rapports aux portraits romains; Wolf, G. (Florenz), Les portraits chez Dante.

*****

Conference

Fifth European Social Science History Conference

Berlin, 24. bis 27. März 2004

Kontaktadresse: Conference Secretariat ESSHC

International Institute of Social History

Cruquiusweg 31

NL-1019 AT Amsterdam

Tel: [NL] 02 - 06 68 58 66 – Fax: [NL] 02 - 06 65 41 81

E-mail: esshc@iisg.nl

Internet: www.iisg.nl/esshc/programme.asp

*****

Symposium

Geschichte und Kultur des Bistums Halberstadt 804-1648

Halberstadt, 24. bis 28. März 2004

Kontaktadresse: Organisationsbüro Symposium

Rosemarie Cernota

Städtisches Museum Halberstadt

Domplatz 36

D- 38820 Halberstadt

Tel: [D] 0 39 41 - 5 51-4 84 – Fax: [D] 0 39 41 - 5 51-0 48

E-mail: staedtischesmuseum@halberstadt.de

Internet: www.halberstadt.de/bistum2/inhalte/symposium.htm

Vor 1200 Jahren erhob Kaiser Karl der Große den Missionsstützpunkt Halberstadt zum Sitz eines gleichnamigen Bistums. Von 804 bis 1648 bestand das Bistum Halberstadt. Es spielte in der deutschen und europäischen Geschichte eine wichtige Rolle, die in Vergessenheit geraten ist. Die Stadt Halberstadt würdigt im Jahr 2004 die Gründung des Bistums, das auch die Entwicklung der Stadt Halberstadt seit dem 10. Jahrhundert entscheidend prägte. Geplant ist eine Vielzahl von Veranstaltungen, so u.a. eine Festwoche im Juni und eine Sonderausstellung des Städtischen Museums. Bereits im März soll als wissenschaftlicher Auftakt zum Festjahr eine große Tagung stattfinden. Dieses Symposium bietet die Chance, an die bedeutende Geschichte und Kulturgeschichte des ehemaligen Bistums zu erinnern, neue Forschungsergebnisse darzustellen und diese später in einer Publikation vorzulegen. Damit wird auch ein wichtiger Beitrag zur Geschichte des Bundeslandes Sachsen-Anhalt geleistet, dessen heutiges Territorium zum großen Teil dem des damaligen Bistums Halberstadt entspricht. Mit dieser Information wollen wir auf das geplante Vorhaben aufmerksam machen und herzlich zur Mitarbeit einladen. Das vorläufige Tagungsprogramm wird im Oktober 2003 vorliegen.

*****

Tagung

Le palais princier, modèles et réception

Tours, 8. bis 10. Juli 2004

Kontaktadresse: J. Barbier, A. Salamagne

Centre d’Étude Supérieures de la Renaissance

BP N° 1328

59, rue Néricault-Destouches

F-37013 Tours Cedex

Tel: [F] 02 - 47 70 17 00 – Fax: [F] 02 - 47 70 17 01

E-mail: cesr@univ-tours.fr

Internet: www.cesr.univ-tours.fr

*****

Tagung

Jean Wauquelin (ca. 1428-1452)
De Mons à la cour de Bourgogne

Tours, 20. bis 22. September 2004

Kontaktadresse: C. de Crezy

Centre d’Étude Supérieures de la Renaissance

BP N° 1328

59, rue Néricault-Destouches

F-37013 Tours Cedex

Tel: [F] 02 - 47 70 17 00 – Fax: [F] 02 - 47 70 17 01

E-mail: cesr@univ-tours.fr

Internet: www.cesr.univ-tours.fr

*****

Tagung

Der Rittersaal der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz Iburg

Bad Iburg, 7. bis 9. Oktober 2004

Kontaktadresse: Dr. Susanne Taus

Geschäftsführerin

Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V.

Iburger Straße 225

D-49082 Osnabrück

Tel: [F] 05 41 - 50 05 32-11 – Fax: [NL] 05 41 - 50 05 32-32

E-mail: tauss@lvosl.de

Rot und Goldglanz, barocke mythologische Deckenbilder, die einen wolkenthronenden Göttervater umgeben, mehr oder minder streng dreinblickende geistliche Landesherren in ansehnlicher Zahl: Im Rittersaal der Iburg, der einzigen im Osnabrücker Land gelegenen Höhenburg, eröffnet sich ein Mikrokosmos der Kultur- und Restaurierungsgeschichte gleichermaßen.

Soviel vorweg: Die Klosterburg und fürstbischöfliche Residenz Iburg - und mit ihr der Rittersaal – lagen nie im Schatten wissenschaftlicher Untersuchungen. Spätestens seit den ersten Restaurierungsmaßnahmen an den Bischofsporträts oder mit den Forschungen von Wilhelm Jänecke wurde die Bedeutung dieses eindrucksvollen profanen Prunkraumes erkannt [vgl. Niedersächsisches Staatsarchiv Osnabrück (im Folgenden: StAO) Rep. 337, Nr. 391, zur Ergänzung der Gemäldefolge im Jahr 1838 sowie zur Restaurierung sämtlicher Bischofsporträts 1872. – Die erste Gesamtdarstellung zur Bau- und Restaurierungsgeschichte des Rittersaales bei Jänecke, Wilhelm: Die Baugeschichte des Schlosses Iburg – insbesondere des "Rittersaales". Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Denkmalpflege, Münster 1909 (Beiträge zur Westfälischen Kunstgeschichte, Heft 4). Dort auch zu Wiederherstellungsarbeiten des 18. Jahrhunderts im Rittersaal]. Doch allein die Tatsache, daß mit der sukzessiv erfolgenden Restaurierungskampagne des Rittersaales zwischen 1983 und 1998 eine erhebliche Zahl von Rekonstruktionen einherging bzw. einhergehen mußte, belegt, daß die Überlieferungstradition und das Wissen um Raumfunktion und -aussehen über einige Zeit abgerissen waren [vgl. Poppe, Roswitha: Der Rittersaal auf Schloß Iburg. Ein Beispiel eines farbigen profanen Innenraumes im frühen und späten 17. Jahrhundert, in: Niedersächsische Denkmalpflege, Bd. 6 (1965-1969), Hildesheim 1970, S. 235-240; Königsfeld, Peter, Steinwascher, Gerd, Uhrmacher, Erwin: Der Rittersaal des Schlosses in Bad Iburg. Geschichte und Wiederherstellung eines bedeutenden barocken Raumensembles, in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 17 (1997) S. 162-165; Butt, Peter: Der Rittersaal von Schloß Iburg, in: Restaurierung von Kulturdenkmalen. Beispiele aus der niedersächsischen Denkmalpflege, hg. vom Niedersächsischen Landesverwaltungsamt, Institut für Denkmalpflege, Hannover 1989 (Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, Beiheft 2), S. 308-312]. Die vielfältigen Nutzungsformen, denen die einstige Residenz nach der Übersiedlung der Osnabrücker Fürstbischöfe in bequemere und repräsentativere Domizile unterlag (ab 1673), haben hierzu wesentlich beigetragen. Spürbar und sichtbar wird dies insbesondere beim Betreten des Rittersaales, der heute in einem Gefüge von bis zur Unkenntlichkeit umgebauten Räumen liegt. Ein kolorierter Grundriß zum Residenzflügel der Iburg gibt über die unter Franz Wilhelm von Wartenberg geplanten Raumabfolgen und -funktionen dezidiert Auskunft [der heutige geräumige Vorraum war zu Wartenbergs Zeit aufgeteilt in kleine Vorräume. Dem Saal vorgelagert waren: die fürstliche Tafelstube, die Anticamera, zum Bennoturm hin die Guardarobba, jenseits der Anticamera noch das Audienzzimmer. In den großen Saal gelangte man durch die fürstliche Tafelstube sowie durch einen kleinen, ihr vorgelagerten Flurraum. Der Übergang in den Saal muß – aus relativ kleinen Räumen kommend – psychologisch nicht unerheblich die Wirkung des Saales selbst gesteigert haben, vgl. NStAO K Abr. 21/1999 Nr. 1 H (Grundriß zum Residenzausbau und -umbau unter Wartenberg, 1654)]. Dieser Plan und weitere umfängliche Archivbestände allein des Osnabrücker Staatsarchivs bieten einen enormen Wissensfundus zu diesem und zahlreichen weiteren Themen – und damit die Chance, von der Hofhaltung bis hin zu den einzelnen Handwerkern eine Vielzahl neuer Erkenntnisse zutage zu fördern. Vieles davon wurde zwar bislang für die Iburg-Forschung ausgewertet [siehe auch oben. – Aus dem Jahr 1997 liegt im NStAO ferner eine überaus hilfreiche Dokumentation zu den vorhandenen, die Iburg betreffenden Archivalien vor: Das Schloß & Kloster zu Bad Iburg. Bau- und Restaurierungsmaßnahmen 17. bis 20. Jahrhundert. Eine Dokumentation zu den Archivalien, bearb. von Rüdiger Lilge, im Auftrag des Staatshochbauamtes Osnabrück. Bremen 1997 (Signatur: Z 135/97)], doch noch nie wurde mit kulturgeschichtlich übergreifendem Ansatz der Fokus auf den Rittersaal gelegt. Es ist sicherlich kein Zufall, daß gerade zu einem Zeitpunkt, an dem sich mit der Residenzenforschung ein noch relativ junger Zweig der Frühneuzeit-Forschung etabliert hat [vgl. u.a. die Forschungsbeiträge der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Die Ergebnisse der Arbeit der Kommission schlagen sich in zahlreichen Publikationen und Reihen nieder, vgl. http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/. – Die jüngste Tagung zu dieser Thematik vom Rudolstädter Arbeitskreis zur Residenzkultur, Berlin 7.-9. März 2003, stand unter dem Thema "Zeichen, Raum und Zeremoniell an den deutschen Höfen der Frühen Neuzeit". Der Tagungsbericht von Vinzenz Czech kann online unter o.a. Internetadresse eingesehen werden], auch die Residenz Iburg untersucht wird – beginnend mit dem Iburger Prunkraum schlechthin.

Der bis ins 19. Jahrhundert hinein als "Großer Saal" bezeichnete Raum kann als gebautes und gemaltes Vermächtnis Wartenbergs gelten. Er präsentiert sich als barockes Gesamtkunstwerk, in dem sich italienische, süddeutsche und norddeutsche Einflüsse verbinden. Dies gilt für die Wahl der beauftragten Handwerker und Künstler wie für das Bildprogramm gleichermaßen: Der bei Wartenberg in Diensten eines Kammerherren stehende Maler und Bauleiter Johann Krafft stammte aus Süddeutschland, der ausführende Maler Alovisii war Italiener. Und mit dem allegorisierenden Bildprogramm und dem illusionistischen Deckenbild schlägt der Saal gleichfalls einen großen Bogen nach jenseits der Alpen – zumindest aber bis zur Münchener Residenz.

Ein wesentlicher Teil fürstlichen Standesdenkens galt in der Frühen Neuzeit der angemessenen Hofhaltung mit ihren vielfältigen repräsentativen und symbolischen Elementen. Bereits Wartenbergs protestantischer Vorgänger, Bischof Philipp Sigismund von Braunschweig-Wolfenbüttel, baute die Iburg zur Renaissance-Residenz aus, deren Substanz während des Dreißigjährigen Krieges allerdings stark litt. Als Franz Wilhelm von Wartenberg 1650 in sein Bistum zurückkehrte, hatte er aufgrund der Regelung künftiger alternierender Sukzession auf dem Osnabrücker Bischofsstuhl (kirchen)politisch zwar nur einen Teilsieg davontragen können, immerhin jedoch – und das war seine eigentliche Leistung – das Fürstbistum Osnabrück "für die deutsche Reichskirche" retten können [Schindling, Anton: Reformation, Gegenreformation und Katholische Reform im Osnabrücker Land und im Emsland. Zum Problem der Konfessionalisierung in Nordwestdeutschland, in: Osnabrücker Mitteilungen 94 (1989) S. 35-60; zit. S. 50. – Zu Wartenbergs "Rückdatierung"der Einführung des Tridentinums in seinem Bistum vgl. Molitor, Hansgeorg: Der Kampf um die konfessionellen Besitzstände im Fürstbistum Osnabrück nach 1648. Johann von Hoya, Franz Wilhelm von Wartenberg und die Einführung des Tridentinums, in: Osnabrücker Mitteilungen 93 (1988) S. 69-75]. Das ausgeprägte kirchliche und davon untrennbar das kulturelle Repräsentationsbedürfnis Wartenbergs als Wittelsbacher-Sproß überformte inhaltlich und strukturell den gesamten Residenzflügel der Iburg, am nachhaltigsten aber den Großen Saal. Herkules, dessen Taten an der Saaldecke allein acht Szenen gewidmet sind, war als Identifikationsgestalt geistlicher wie fürstlicher Machthaber im 16. und 17. Jahrhundert überaus beliebt [unter der Fülle von Literatur zum Thema vgl. Herkules. Tugendheld und Herrscherideal: Das Herkules-Monument in Kassel-Wilhelmshöhe, hg. von Christiane Lukatis und Hans Ottomeyer, Eurasburg 1997. Darin insbesondere: Irle, Klaus: Herkules im Spiegel der Herrscher, ebd., S. 61ff. – Allgemein: Seznec, Jean: Das Fortleben der antiken Götter. Die mythologische Tradition im Humanismus und in der Renaissance, München 1990. – Zu Herkules als Identifikationsgestalt in den Palästen römischer Kardinäle im 16./17. Jh. vgl. Merz, Jörg Martin: Kardinal und Herkules. Herkules-Themen bei italienischen Kardinälen im 16. und 17. Jahrhundert. – Ein Überblick, in: Herakles, Herkules, Bd. 1: Metamorphosen des Heros in ihrer medialen Vielfalt, hg. von Ralph Kray und Stephan Oettermann, in Verbindung mit Karl Riha und Carsten Zelle, Basel 1994, S. 95-110]. Sowohl die Münchener Residenz besaß ihren Herkulessaal als auch mancher römische Kardinalspalast: Als "Hercules christianus" wurde der antike Tugendheld schon im Mittelalter zum christusgleichen Vorbild stilisiert, das seinen Weg bis hinein in das Jesuitentheater fand, wie es unter Wartenberg auch in Osnabrück gepflegt wurde [zu Wartenbergs Gründung der Osnabrücker Jesuitenuniversität vgl. Feldkamp, Michael F.: Die Statuten der Jesuitenuniversität Osnabrück und ihrer Fakultäten 1632-1633, in: Osnabrücker Mitteilungen 91 (1986) S. 85-139]. Doch im Bildprogramm des "Rittersaales" bleibt die Ikonographie nicht auf Herkules beschränkt: Der Zyklus ist vielmehr strukturell eingebunden zwischen der imposanten Bischofsgalerie an den Wänden einerseits (gleichsam die Basis, auf der alles nach oben hin Folgende ruht) und andererseits dem schwindelerregenden perspektivischen Plafondbild mit dem beherrschenden Göttervater Zeus. Hinzu kommen die alttestamentlichen Szenen der Kaminbilder, die nicht nur im Thema "Feuer", sondern auch in christlichen Rettungstopoi ihren gemeinsamen inhaltlichen Nenner haben dürften. Daß das geplante Projekt zum Rittersaal förmlich zu Grundlagenforschung einlädt und anregt, beweist, daß im Fach Kunstgeschichte der Universität Osnabrück derzeit eine Magisterarbeit zu diesen Kaminbildern entsteht (bei Prof. Dr. Uta Schedler); im Fach Geschichte/Frühe Neuzeit (bei PD Dr. Dagmar Freist) werden außerdem in den kommenden Semestern Studierende an das Phänomen des Rittersaales und an Wartenbergs "Kulturpolitik" herangeführt.

Gerade von der intensiven fächerübergreifenden Auseinandersetzung mit diesem einen, in vielfacher Weise "lesbaren" Raum im Rahmen einer Tagung versprechen sich die Veranstalter neue Impulse für die Forschung. Denn der Rittersaal als "bedeutsames historisches Dokument der konfessionellen und politischen Situation nach dem 30jährigen Krieg im Osnabrücker Land" [zit. Königsfeld/Steinwascher/Uhrmacher 1997, s.o.] wurde bislang nicht umfassend in den Blick gerückt. So schlägt das Tagungsprogramm bewußt den großen Bogen von der kirchenpolitischen Bedeutung Wartenbergs zu dessen Iburger Fürstenhof, von der Baugeschichte der Iburg zur Wittelsbacher-Repräsentationskultur, von den Bildthemen und -programmen des Saales über Fragen des Hoflebens, der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte bis zur Restaurierungs- und Rezeptionsgeschichte des Raumes.

Die Veranstalter stecken sich damit ein hohes Ziel. Die für Oktober 2004 geplante Tagung soll gleichwohl als ein erster Schritt zu einer weiterführenden wissenschaftlichen Erschließung des reichen kultur-, kunst- und kirchengeschichtlichen Erbes verstanden werden, das die Iburg als ehemalige Klosterburg und Bischofsresidenz bietet. Das Gesamtvorhaben [die Tagung ist eingebettet in eine Ausstellung im Rittersaal. Ferner ist geplant, die Beiträge der Tagung im Anschluß zu publizieren] wird federführend vom Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. in Kooperation mit dem Schloßverein Iburg e.V. sowie der Universität Osnabrück (Geschichte/Frühe Neuzeit und Kunstgeschichte) durchgeführt. Ein Arbeitskreis aus Fachleuten und Vertreter/innen regionaler wie überregionaler kultureller Einrichtungen ist seit Anfang 2002 beratend tätig. Es bleibt zu wünschen, daß die Tagung regional wie überregional auf breite Resonanz stößt und eine lebendige Diskussion über den Iburger Prachtraum in Gang setzt.

 

Buchvorstellungen

 

Meier, Frank: Hans von Waltheym auf Pilgerfahrt und Bildungsreise. Mobilität als didaktischer Zugang zur mittelalterlichen Geschichte, Hamburg 2003 (Studien zur Geschichtsforschung des Mittelalters, 18) [Verlag Dr. Kovač, 317 S., brosch., 26 Abb. und 6 Karten, 92 Euro].

Vor über zehn Jahren zitierte Christian Halm in den Mitteilungen der Residenzen-Kommission aus dem Reisebericht des Hans von Waltheym in einem "Florilegium" u.a. folgenden Abschnitt über das Schloß Burghausen: Das sloß do selbist Borghusen vnd ist des richen herczogen Loddewiges, vnd das sloß hat XXIII thorme. Vff deme genannten slosse hat herczoge Loddewig die czwalff guldene aposteln, die synt alzo groß alzo eyn vorwachsen man. Her hat ouch doruffe alle synen schacz, vnde das sloß ist wol alzo langk alzo die stad Lipczigk. Item. Zcu deme slosse gehoren LXX sehe vnde tiche etc. Für die Residenzenforschung haben sich zwar nicht alle Hoffnungen hinsichtlich des Reichtums an Hof- und Residenzbeschreibungen in spätmittelalterlichen Reiseberichten erfüllt, aber es gibt doch eine Reihe von zumeist deutschsprachigen Berichten aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die viele interessante Hinweise auf die Architektur der Schlösser und Burgen und die Organisation der von den Reisenden besuchten Höfen geben. Hierzu gehört auch der Bericht des Haller Salzjunkers Hans von Waltheym aus den Jahren 1474-75 über seine Reise nach Saint-Maximin-la-Sainte-Baume in der Provence, der sich durch Detailreichtum in der Beschreibung der Reise sowie der am Wegesrand liegenden Sehenswürdigkeiten und kritische Beobachtung bzw. Berichterstattung auszeichnet.

Es gibt aber noch einen zweiten Grund, an dieser Stelle über eine Neuerscheinung zu berichten, die im Untertitel ihren eher geschichtsdidaktischen Bezug benennt: Es handelt sich nämlich um ein Exkursionshandbuch für eine Reise auf den Spuren des Hans von Waltheym, und es ist dies nicht das erste und einzige seiner Art. Vom 15. bis 25. Oktober 1989 unternahm der Herausgeber der "Mitteilungen" mit seinen Schülern und Studenten des Historischen Seminars der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel eine Exkursion in die Provence und ließ ebenfalls ein Exkursionshandbuch für die einzelnen Stationen der Reise zusammenstellen. Da liegt es nahe, zu vergleichen, sich zu erinnern und vielleicht auch bilanzierend in die Zukunft zu blicken.

Die vorzustellende Arbeit ist in sieben größere Kapitel unterteilt, die sich teils mit geschichtsdidaktischen, teils mit biographischen und kulturhistorischen oder geographischen Aspekten der Reise beschäftigt. Die folgende Vorstellung konzentriert sich auf die für die historische Reise- und Residenzenforschung relevanten Teile.

Im ersten Abschnitt, der vom Konzept der Mobilität ausgehend den didaktischen Zugang zum Mittelalter thematisiert, findet man eine allgemeine Einführung in das mittelalterliche Pilgerwesen. Auch die Frage, ob der Begriff der "Bildungsreise" auf spätmittelalterliche Pilgerfahrten angewendet werden kann und welche Konsequenzen dies für die didaktische Vermittlung solcher Reisen durch Exkursion hätte, wird ausführlich in einem theoretisch gehaltenen Unterkapitel behandelt. Das folgende Kapitel ist der Person Hans von Waltheym gewidmet, ordnet aber auch die Quelle selber, den Pilgerbericht, näher in die Gattung der Reiseliteratur ein. Der Autor trägt hier einiges Material aus dem Stadtarchiv Halle zusammen und nähert sich damit der "Identität" des Reisenden an. Der Salzjunker, Bornmeister und Bürgermeister der Stadt Halle war vermögend, einflußreich und ein beispielhafter Repräsentant seines Standes, des halleschen Patriziats im späten 15. Jahrhundert. Das anschließende Kapitel ist mit "Anmerkungen zum Reisen im Spätmittelalter" überschrieben und beinhaltet eine Einordnung der Pilgerfahrt Waltheyms in unser Wissen über spätmittelalterliches Reisen im allgemeinen. Hierauf nun folgt ein umfangreiches Kapitel in der Form eines Kommentars des Itinerars, das die Stationen der Reise beschreibt und anhand von Skizzen die Reiseroute verdeutlicht. Eine Reihe von Photographien ergänzt den Text, der immer wieder auch die Verbindung zu den heute noch sichtbaren Sehenswürdigkeiten am Wegesrand der Reiseroute sucht. Dieser Aspekt der Authentizität und Verbindung durch die Zeit anhand des geschauten und erfahrenen Objekts macht neben der realen Mobilität sicherlich den Hauptreiz einer historisch-kulturgeschichtlichen Exkursion auf den Spuren mittelalterlicher Pilger aus. Am Ende stellt der Autor die Frage nach dem Charakter der Reise zwischen Pilgerreise, Auftragsfahrt oder Studium und kommt mit Werner Paravicini zu dem Schluß, daß wir es bei diesem Bericht mit einer für die Zeit typischen Mischung zwischen den genannten Aspekten zu tun haben.

Im vorletzten Kapitel vergleicht Meier den Pilgerbericht des Hans von Waltheym mit anderen zeitgenössischen und modernen Berichten. Er bedient sich dabei u.a. der von Paravicini herausgegebenen Bibliographien der deutschen, französischen und niederländischen Reiseberichte und stellt weitere Pilger vor, die ebenfalls in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts das Magdalenenheiligtum in der Provence besuchten. Der Vergleich mit modernen Pilgerberichten offenbart die oben schon erwähnten Aspekte von Authentizität und Verbindung mit dem mittelalterlichen Reisenden durch die Erfahrung des gemeinsamen Reisens. Es sei hier eine kurze Anmerkung über die von Meier zur Erklärung dieses Effekts herangezogene Memtheorie gestattet, die der Autor zwar zur Erklärung verwendet, aber nicht weiter ausführt. Diese anschauliche Analogie zur genetischen Evolution der lebendigen Organismen erklärt die Entstehung von Kultur aus kleinen, Anpassungsprozessen ausgesetzten Bausteinen (ähnlich den Genen). Die Verbindung zur sinnlichen Erfahrung des Reisenden heute wie damals sehe ich eher in den (beinahe) unveränderten Körpern, die eben ähnlich auf ähnliche Situationen damals wie heute reagieren als in "Memen", die ein rein theoretisches Konstrukt sind.

Eine Zusammenfassung mit didaktischem Ausblick beschließt die Arbeit und animiert zur Nachahmung einer Bildungsreise auf den Spuren Hans von Waltheyms. Ein reicher Anhang mit Quellen und Materialien, darunter ein detailliertes Itinerar und eine Übertragung einiger Textteile des Reiseberichts in das Neuhochdeutsche sowie ein Literatur- und Abbildungsverzeichnis runden das Buch ab, das in der broschierten Ausgabe mit 92 Euro Ladenpreis sehr teuer ist.

Was bietet der Autor, neben den praktischen Materialien zur Vorbereitung einer Exkursion, an neuen Erkenntnissen über den Text und seinen Verfasser? Zunächst spekuliert er über die Wahl der Wallfahrtsorte St. Wolfgang im Salzkammergut und St. Maximin in der Provence. 1485 wurde eine Kapelle in Halle vollendet, die den Namen Mariae Magdalenae, Wenzeslai et Wolfgangii trug. Möglicherweise, so Meier, habe sich diese Kapelle bei der Abreise Waltheyms schon im Bau befunden und der Pilger sollte entsprechende Reliquien beschaffen. Doch ebensogut könnte die Kapelle gerade aufgrund der von der Reise mitgebrachten Reliquien gestiftet und benannt worden sein. Zum anderen schlägt Meier an zwei Stellen des Buches ein anderes Datum für die Rückkehr des Reisenden nach Halle vor. Die Datierung, die der Herausgeber der Edition des Reiseberichts Friedrich Emil Welti vornahm, geht von einem ca. einjährigen Aufenthalt in Erfurt und Petersberg vor der Rückkehr in die Heimatstadt aus. Welti hatte in der Einleitung der Edition des Textes festgestellt, Waltheym sei aufgrund der Pest erst am 19. März 1475 wieder in Halle eingetroffen. Liest man die entsprechenden Textstellen in der Edition des Berichts von Welti, so fällt auf, daß Waltheym unbestimmt läßt, wie lange er genau aufgrund der Pest in Erfurt verweilte. Auch Meiers Auffassung könnte jedoch durchaus zutreffen und wäre auch die plausiblere, wenn nicht im Manuskript vom Sonnabend nach Judica, dem Sonnabend "annunetiacionis Marie" und später vom Palmsonntag als Datum der Rückkehr die Rede wäre. Maria Verkündigung liegt im März, nicht im August. Und am Palmsonntag 1474 hätte der Pilger unmöglich schon wieder in Halle angekommen sein können. Also muß sich das Datum auf das Jahr 1475 beziehen. Meier versäumt zudem, seine Überlegungen ausreichend zu diskutieren und vor allem selber zu rezipieren. Bis auf die Bemerkung auf S. 192 und das Itinerar (S. 284) wird an allen anderen Stellen des Buches an dem von Welti genannten und richtigen Datum der Rückkehr im März 1475 festgehalten.

Es bleibt festzustellen, daß der vorliegende Band zur Pilgerfahrt des Hans von Waltheym mit einigen Abstrichen ein überaus hilfreiches Kompendium ist, das sowohl für die Vorbereitung einer Exkursion als auch zur allgemeinen Beschäftigung mit Pilgerreisen und speziell des Waltheymschen Berichts von Nutzen ist. Und so findet sich denn auch in der Materialsammlung ein Abschnitt über die Beschreibung von profanen Sehenswürdigkeiten und Vergnügungen, ganz ähnlich dem am Beginn des Textes zitierten Florilegium aus dem zweiten Heft der Mitteilungen. Somit hoffen wir gemeinsam mit dem Autor, daß noch viele Hans von Waltheym auf seinem Weg in die Provence folgen werden – einen Exkursionsführer brauchen sie nun nicht mehr selber zu erstellen – und dabei allerlei sinnliche Erfahrung des Weges und der durchzogenen Landstriche machen können.

Jörg Wettlaufer

Ährenlese aus der frühneuzeitlichen "residential-höfischen" tschechischen Literatur der letzten Jahre

 

Nicht nur das Mittelalter ist im Programm der "residential-höfischen" Literatur vertreten, auch in der Tschechischen Republik nicht, worüber besonders die schon jahrelangen Bemühungen des Historischen Instituts der Südböhmischen Universität in Budweis zeugen. In Fortsetzung früherer Annotationen dieser Art in der vorliegenden Zeitschrift (vgl. bspw. MRK 10,1, S. 95f. und 12,2, S. 45f.) verdienen zahlreiche zwar zum Teil nicht direkt mit der Thematik zusammenhängende, jedoch thematisch verwandte Publikationen – überwiegend aus der Produktion der südböhmischen Universitätsarbeitsstelle – breitere Kenntnisnahme, einmal allerdings noch rückblickend bis zum Jahr 1997. Da der Raum begrenzt ist, sei auch die Vorstellung knapp gehalten, doch die Konturen werden sehr wohl sichtbar. Sieben Titel seien präsentiert, vier aus Budweis, drei aus anderen Arbeitsstätten, was zugleich zeigt, daß das Gesamtthema auch in Böhmen auf fruchtbaren Boden fiel. Zugleich läßt sich schon den bibliographischen Angaben entnehmen, daß das Hauptthema Anlaß zu mehreren Variationen gab. Von der höchsten, kaiserlichen Ebene bis zu den bescheidenen lokalen Dynasten einerseits und zu den strukturierten Spezialfragestellungen anderseits. Dem Erscheinungsjahr nach geordnet handelt es sich um die folgenden Bücher:

A Hausenblasová, Jaroslava, Šroněk, Michael: Urbs aurea: das Rudolfinische Prag, Praha 1997 [Gallery, 256 S., ISBN80-86010-03-1 (auch in tschech. Sprache)].

B Dvory velmožů s erbem růže Všední a sváteční dny posledních Rožmberků a pánů z Hradce (Die Höfe der Magnaten mit dem Rosenwappen. Alltägliche und Festtage der letzten Rosenberger und der Herren von Neuhaus, mit ausführlicher englischer Zusammenfassung), hg. von Václav Bůžek und Josef Hrdlička, Praha 1997 [Mladá fronta, 315 S., ISBN 80-204-0651-4].

C Hrdlička, Josef: Hodovní stůl a dvorská společnost. Strava na raně novověkých aristokratických dvorech v českých zemích (1550-1650) (mit Zusammenfassung: Die Tafel und die höfische Gesellschaft. Kost an frühneuzeitlichen aristokratischen Höfen in den Böhmischen Ländern 1550-1650), České Budějovice 2000 (Monographia historica, 1) [Historický ústav Jihočeské univerzity, 337 S., ISBN 80-7040-462-0].

D Vorel, Petr: Rezidenční vrchnostenská města v 15-17. století v Čechách a na Moravě (mit Zusammenfassung: Herrschaftliche Residenzstädte des 15.-17. Jahrhunderts in Böhmen und Mähren), Pardubice 2001 [Východočeské muzeum, 248 S., ISBN 80-86046-47-8].

E Hausenblasová, Jaroslava: Der Hof Kaiser Rudolfs II., Prag 2002 (Fontes historiae artium, 9) [Artefactum, 574 S., ISBN80-902279-7-X].

F Král, Pavel: Mezi životem a smrtí. Testamenty české šlechty v letech 1550 až 1650, , (mit Zusammenfassung: Between Life and Death. Testaments of the Czech Nobility from 1550 to 1650), České Budějovice 2001 (Monographia historica, 2) [Historický ústav Jihočeské univerzity, 665 S., ISBN 80-7040-463-9].

G Šlechta v habsburské monarchii a císařský dvůr (1526-1740) (Der Adel in der Habsburgischen Monarchie und der kaiserliche Hof 1526-1740), hg. von Václav Bůžek und Pavel Král, České Budějovice 2003 (Opera historica, 10) [Historický ústav Jihočeské univerzity, 498 S., ISBN 80-7040-627-5].

Der Bogen spannt sich von populärwissenschaftlichen Darstellungen – fast ausnahmslos handelt es sich um reich bebilderte Bände (beides gilt insbesonderse für A, das eine echte Bibliofilie ist) – bis zu den streng wissenschaftlichen und mit reichhaltigen Anmerkungsapparaten ausgestatteten Publikationen, die z.T. symposiale Protokolle des Historischen Instituts des Südböhmischen Universität sind. Die Titel der einzelnen Bücher, besonders dort, wo es sich um Aufsatzsammlungen handelt (B), präsentieren ein breites Themenspektrum, das den böhmisch-mährischen Horizont weit überschreitet.

B ist eine Aufsatzsammlung mit 24 Beiträgen und einem Quellen- und Literaturverzeichnis, die eine breite Palette an sozial- und kunstgeschichtlichen, musikologischen, ethnologischen, mode-, kirchen- und medizingeschichtlichen Themen bietet. Da schon allein die bibliographische Aufzählung den Umfang dieser Anzeige sprengte, müssen nach dieser ganz allgemeinen Charakteristik ein paar Stichworte genügen. Behandelt werden Familie, Besuche, Trinkgesellschaften, Hochzeiten, Juwelen, ländliche Residenzen, Prager Paläste, Hofgesellschaft, Küche und Speisekarte, Italiener in den südböhmischen Städten, Sünden und Gebrechen, Funeralzeremonien u.a. Der Autor des “Küchen”kapitels Josef Hrdlička hat diesem Thema ein ganzes Buch (C) gewidmet, das auf der Grundlage einschlägiger methodischer Überlegungen für die behandelte Zeitspanne und mit Blick auf die Auswahl der bearbeiteten Aspekte das Thema umfassend darstellt und sich sowohl der Logistik als auch dem Betrieb und den Kochbüchern und Speisen widmet.

Das eher stadtgeschichtlich orientierte Buch D legt zwar den Nachdruck auf die wirtschaftlichen Elemente und das städtische Leben, Aufmerksamkeit finden jedoch auch aristokratische Höfe und ihre Gesellschaft. Eine beeindruckende Bibliographie rundet das Buch ab, in dem folgende Städte im Vordergrund stehen: Böhmisch Krumau, Neuhaus, Pardubitz , Kremsier, Mährisch Trübau und Proßnitz.

Zu begrüßen ist, daß nicht nur breit gefächerte Bearbeitungen des Quellenmaterials geboten werden, sondern auch großkonzipierte Editionsvorhaben zum Nutzen weiterer Forschungen Aufmerksamkeit gefunden haben (E und F), was allerdings nicht bedeuten soll, daß in den monographischen Darstellungen keine neuen Quellen behandelt worden wären. Eher umgekehrt ist ganz allgemein zu betonen, daß sämtliche Werke von den Quellen selbst ausgehen, ohne sich jedoch damit zu begnügen. Bis auf Ausnahmen (A, D und E) handelt es sich um Ergebnisse der auch international bereits profilierten südböhmischen historischen Schule unter der Leitung von Václav Bůžek.

A (das zwar als Begleitband einer großangelegten Ausstellung in Prag erschien, doch auch für sich genommen von großer Bedeutung ist) skizziert den Wandel Prags durch den Einfluß der eine Generation lang als Kaiserresidenz dienenden Großstadt (eigentlich der vier selbständigen Prager Städte), wobei zunächst die Residenz als architektonisches Ganzes, dann aber auch der Hof als politisches Zentrum und seine Verwaltungsstruktur analysiert werden. Die erste Autorin dieses bandes hat sich auch durch ihre grundlegende Edition der Verzeichnisse des Rudolfinischen Prager Hofstaates (E) um die Forschung der Zeit Rudolfs II. höchst verdient gemacht. In mühevoller und umfassender Analyse der Quellen, die sie auch tabellarisch dargestellt hat (S. 13-201), hat sie die Hofstaatsverzeichnisse der Zeit Rudolfs II. ediert; allerdings nicht in der durch die Quellen vorgegebenen Einheitlichkeit, sondern mit Schwerpunkt auf den Amtsinhabern, so daß der Benutzer stets alle relevanten und zusammenhängenden Personalinformationen zur Verfügung hat. Äußerst hilfreich ist das Namens- und Sachregister. Nun steht nur noch die Edition des Häuserbuches des Rudolfinischen Hofstaates aus, doch dies ist bereits seit längerem in Arbeit. Adeliges Leben und Sterben wird von einer anderen Edition im Buch F behandelt, das sich in Auswahl an der testamentarischen Überlieferung des böhmischen Adels im Laufe des ganzen Jahrhunderts orientiert, dabei ganz bewußt die Zäsur des Beginns des Dreißigjährigen Krieges mißachtet, um die Entwicklungslinien der long durée zu verfolgen. Das Material, über hundert Testamente in tweilweise epischer Breite, schöpft aus mehreren Archiven, besonders jedoch aus dem zentralen Amt der böhmischen Landtafeln. Das meiste ist zwar auf tschechisch, aber es finden sich auch deutschsprachige Texte. Eine umfangreiche Einleitung, die über hundert Seiten umfaßt, analysiert das Phänomen, angelehnt an modernen Zugangsweisen, und aus verschiedenen Hinsichten mit Nachdruck die Denkweise der Zeit reflektierend.

Wohl größtes Interesse weckt das letzte Buch (G), das 21 Beiträge von 13 einheimischen und sieben ausländischen Teilnehmern der Krumauer Tagung von 2001 beinhaltet (Václav Bůžek, der spiritus agens der "südböhmischen Schule", hat selbst zwei Beiträge beigesteuert). Mehrere Beiträge der tschechischen Teilnehmer sind auf Deutsch publiziert, die übrigen besitzen ausnahmslos fremdsprache Zusammenfassungen, so daß zu hoffen ist, daß der Band ein möglichst breites Echo finden wird und die Diskussion befördert. In drei, freilich nur randständigen Bereichen (Staat-Kaiserhof-Macht – Kaiserhof-Adel-Karrieren – Zeremoniell-Ritual-Alltag-Kunst) werden die folgenden Themen erörtert, die hier allerdings nur im Telegrammstil wiedergegeben werden können: Bůžek, Václav: Dvůr habsburských císařů v letech 1526-1740 a historiografie na prahu 21. století (Der kaiserliche Hof der Habsburger in den Jahren 1526-1740 und die Historiographie an der Schwelle des 21. Jahrhunderts), S. 5-32; Pánek, Jaroslav: Stát a středoevropská nadstátní organizace v myšlení šlechty na prahu novověku (State and Central European Superstate Entity as Envisaged by the Nobility at the Beginning of the Modern Age), S. 33-48; Duindam, Jeroen: Problems and prospects for a ‚new‘ history of the court: the Habsburg Hofstaat in perspective, S. 49-66; Hengerer, Mark: Macht durch Gunst? Zur Relevanz von Zuschreibungen am frühneuzeitlichen Hof, S. 67-100; Cerman, Ivo: Od klienta k občanovi? Kritika “kabal” a změna sociální imaginace tereziánských dvořanů (Vom Klienten zum Bürger. Kritik an “Kaballen” und Veränderungen des Wiener Hofes im 18. Jahrhundert), S. 101-120; Vocelka, Karl: Der Kaiserhof und der Adel aus den österreichischen Ländern (1526-1740), S. 121-132; Pálffy, Géza: Der ungarische Adel und der Kaiserhof in der frühen Neuzeit (eine Skizze), S. 133-152; Bůžek, Václav: Šlechta ze zemí Koruny české na habsburských dvorech v předbělohorském století (Der Adel aus den Ländern der Böhmischen Krone an habsburgischen Höfen im Jahrhundert vor der Schlacht am Weißen Berg), S. 153-189; Maťa, Petr: Der Adel aus den böhmischen Ländern am Kaiserhof 1620-1740. Versuch, eine falsche Frage richtig zu lösen, S. 191-233; Vybíral, Zdeněk: Partnerství nebo poslušnost? “Zemská” aristokracie mezi zemskou obcí a panovnickým dvorem na počátku konfesijního věku 1547-1619 (Partnership or obedience? “Land” aristocracy between the land body and the royal court at the beginning of confession period 1547-1619), S. 235-248; Hrdlička, Josef: Synové “velkých” otců. Vídeňský dvůr očima Adama Pavla Slavaty (Söhne “der großen Väter”. Der Wiener Hof aus der Perspektive von Adam Pavel Slawata), S. 249-273; Koltai, András: Adam Batthyany in Wien. Die Hofkarriere eines ungarischen Aristokraten in der Mitte des 17. Jahrhunderts, S. 275-304; Catalano, Alessandro: Ernst Adalbert von Harrach tra Roma e Vienna, S. 305-330; Smíšek, Rostislav: Jan Adam Questenberk mezi Vídní a Jaroměřicemi (Johann Adam Graf von Questenberg zwischen Wien und Jaroměřice), S. 331-354; Ryantová, Marie: Odraz dvorského prostředí ve šlechtických památnících raného novověku (Reflex des höfischen Milieus in den adeligen Stammbüchern der frühen Neuzeit), S. 355-369; Marek, Pavel: Ceremoniál jako zrcadlo hierarchického uspořádání císařského dvora Ferdinanda II. (El ceremonial como espejo de la jerarquía de la corte imperial de Fernando II.), S. 371-396; Mikulec, Jiří: Mezi konverzí a emigrací (Zwischen Konvertierung und Emigration. Der Wiener Hof und die konfessionelle Loyalität des Adels in Böhmen in den ersten Jahrzehnten nach der Schlacht am Weißen Berg), S. 397-414; Wuzella, Walter-Michael: Untersuchungen zur Mehrsprachigkeit und Sprachgebrauch am Wiener Kaiserhof zwischen 1658 und 1780, S. 415-438; Král, Pavel: Křtiny, svatby a pohřby. K vzájemné reflexi panovnických a šlechtických přechodových rituálů ve druhé polovině 16. a první polovině 17. století (Baptismus, Weddings and Funerals. On mutual reflection of the rites of passage of the sovereign and the nobility in the second half of the 16th and the first half of the 17th centuries), S. 439-456; Vokáčová, Petra: Dvorní cesta Karla VI. do Karlových Varů 1732 (Hofreise Karls VI. nach Karlsbad im Jahre 1732), S. 457-468; Knoz, Tomáš: Höfische und lokale Künstler im Dienste Johann Baptist Verdenberg, S. 469-491.

Obwohl die älteren und schon früher vorgestellten Bände der südböhmischen historischen Schule (deren Ergebnisse Jaroslav Pánek, der sich vornehmlich um die Erforschung der letzten Rosenberger "von Prag her" verdient gemacht hat, in B würdigt) – an der frühneuzeitlichen Residenzenproblematik orientiert – sich mit dem hier Vorgestellten begreiflicherweise verschiedentlich überschneiden, zugleich ergänzen und schon jetzt ein auch im mitteleuropäischen Vergleich bedeutendes Unternehmen beachtlichen Umfangs darstellen, sind die Themen und vor allem der fast unerschöpfliche Quellenreichtum insbesondere der südböhmischen Archive in Wittingau, Böhmisch Krumau und Neuhaus noch lange nicht erschöpft. Es ist zu hoffen, daß weitere Bände die Diskussion vertiefen. Inzwischen scheint mir ein Kompendium angebracht, daß die Forschungsproblematik in systematischem mitteleuropäischem Vergleich behandelt.

Ivan Hlavácek, Prag*

 

Neuerscheinungen

 

Alchimia e medicina nel medioevo, hg. von C. Crisciani und A. Paravicini Bagliani, Florenz 2003 (Micrologus’ Library 9) [Sismel, Edizioni del Galluzzo, 400 S., brosch., 58 Euro].

Althoff, G.: Inszenierte Herrschaft. Geschichtsschreibung und politisches Handeln im Mittelalter, Darmstadt 2003 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 306 S., geb., 39,90 Euro].

Althoff, G.: Die Macht der Rituale. Symbolik und Herrschaft im Mittelalter, Darmstadt 2003 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 306 S., geb., 10 sw-Abb., 24,90 Euro].

Arnold, B.: Princes and Territories in Medieval Germany, Cambridge 2003 [Cambridge University Press, 328 S., Pb., 21,95 Ł].

Aufriß der Historischen Wissenschaften, hg. von M. Maurer, Bd. 7: Neue Themen und Methoden der Geschichtswissenschaft, Stuttgart 2003 [Reclam, 391 S., kart., 10 Euro].

Automaten in Kunst und Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, hg. von K. Grubmüller und M. Stock, Wiesbaden 2003 (Wolfenbütteler Mittelalter-Studien, 17) [Harrassowitz, 272 S., geb., 59 Euro].

Baeriswyl, S.: Forschungen zur Geschichte der Räte des Kurfürsten Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach im Rahmen des internationalen Projektes "Repertorium Academicum Germanicum", in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 6 (2003) S. 169-183.

Bálint, A.: Burgen, Schlösser und historische Adelssitze im Kreis Höxter, Höxter 2002 [Kulturunternehmen Dr. Anna Bálint, 226 S., Pb., 3 Abb., 7,60 Euro].

Bauer, V.: Höfische Gesellschaft und höfische Öffentlichkeit im Alten Reich. Überlegungen zur Mediengeschichte des Fürstenhofes im 17. und 18. Jahrhundert, in: Jahrbuch für Kommunikationsgeschichte 5 (2003).

Benz, S.: Thurndorf. Aufstieg und Fall eines zentralen Ortes in der nördlichen Oberpfalz, in: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 65 (2002) S. 883-910.

Berg, D.: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters (1100-1400), Stuttgart 2003 [Kohlhammer, 346 S., kart., 19 Euro].

Biddle, M.: Nonsuch Palace, Bd. 2: The domestic material, Oxford 2003 [Oxbow, 350 S., geb., 229 sw-Abb., 81 Tab., 93 Euro].

Blanchard, J.: Les spectacles du rite: les entrées royales, in: Revue Historique 627 (2003) S. 457-519.

Braglia, R.: I Gonzaga: il mito, la storia, Mantua 2002 [Rossi, 215 S., zahlr. Ill.].

Brown, A. D.: The Valois Dukes of Burgundy, Oxford 2001 [The Davenant Press, 24 S., kart.].

Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau, Bd. 1: Nördlicher Teil, Halbbd. A-K, hg. von H. U. Nuber, K. Schmid, H. Steuer und T. Zotz, Ostfildern 2003 (Archäologie und Geschichte – Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland, 14) [Thorbecke, 296 S., Ln., 125 Abb., 69 Euro].

Buttay, F.: La mort du pape entre Renaissance et Contre-Réforme: les transformations de l’image du Souverain Pontife et ses implications (fin XVe-fin XVIe siècle), in: Revue Historique 308 (2003) S. 67-93.

Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach. Erbe, Mäzen und Politiker, hg. von L. Ehrlich und J. H. Ulbricht, Köln u.a. [Böhlau, 280 S., 30 Abb., 29,90 Euro].

Cauchies, J.-M.: Philippe le Beau. Le dernier duc de Bourgogne, Turnhout 2003 (Burgundica, 6) [Brepols, 292 S., Pb., 14 Abb., 59 Euro].

Coburg 1353. Stadt und Land Coburg im Spätmittelalter. Festschrift zur Verbindung des Coburger Landes mit den Wettinern vor 650 Jahren bis 1918, hg. von R. Butz und G. Melville, Coburg 2003 (Schriftenreihe der Historischen Gesellschaft Coburg e.V., 17) [Historischen Gesellschaft Coburg e.V., 384 S., Pb.].

Aus dem Inhalt:

Moraw, P.: Das Deutsche Reich in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Territorien – Dynastien – Machtkonstellationen. Eine Skizze, S. 83-96.; Lindner; M.: Äbte in Not. Das Stift Fulda und die Markgrafen von Meißen zur Zeit Kaiser Karls IV:, S. 97-128.; Mötsch, J.: Die Grafen von Henneberg und das Coburger Land im 13. Jh. und 14. Jahrhundert, S. 129-138; Butz, R.: Die Wettiner und das Coburger Land von 1351 bis zum Tode Markgraf Friedrichs III. von Meißen 1381, S. 139-157.

La corte di Toscana dai Medici ai Lorena. Atti delle giornate di studio, Firenze, Archivio di Stato e Palazzo Pitti, 15-16 dicembre 1997, hg. von A. Bellinazzi und A. Contini, Rom 2002 (Pubblicazioni degli archivi di stato: Saggi, 71) [Ministero per i Beni e le Attività Culturali, Direzione Generale per gli Archivi, 335 S., zahlr. Ill., graph. Darst., 8 Euro].

Court Culture in the Early Middle Ages: The Proceedings of the First Alcuin Conference, hg. von C. Cubitt, Turnhout 2003 (Studies in the Early Middle Ages, 3) [Brepols, 290 S., geb., 75 Euro].

Daniel, U.: Kulturgeschichte, in: Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Arbeitsgebiete – Probleme – Perspektiven. 100 Jahre Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftgeschichte, hg. von G. Schulz, C. Buchheim, G. Fouquet, R. Gömmel, F.-W. Henning, K. H. Kaufhold und H. Pohl, Stuttgart 2003 (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftgeschichte. Beiheft 169).

Duindam, J.: Vienna and Versailles. The courts of Europe’s major dynastic rivals, ca. 1550-1780, Cambridge 2003 (New studies in European history) [Cambridge University Press, 410 S., geb. 11 Tab., 60 Ł].

The chivalric ethos and the development of military professionalism, hg. von D. J. B. Trim, Leiden u.a. 2003 (History of warfare, 11) [Brill, 360 S., geb., 9 Abb., 99 Euro].

Ehlers, C.: Bayern und Sachsen im Itinerar Heinrichs II. Ein Beitrag zur Bearbeitung Bayerns im Repertorium der deutschen Königspfalzen, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 65 (2002) S. 799-838.

Esteban, L.: Cultura y prehumanismo en la curia pontificia del papa luna (1349-1423), Valencia 2002 [Universitat de Valencia , 237 S., 12 Euro].

Europa im Spätmittelalter 1215-1378, hg. von U. Dirlmeier, G. Fouquet und B. Fuhrmann, München 2003 (Oldenbourg Grundriß der Geschichte, 8) [Oldenbourg, 390 S., geb., 39,80 Euro].

Ewert, U. C.: Did long-trem changes in the mode of ruling affect late medieval state finances? A dynamic statistical approach to revenue data für Valois Burgundy (1383-1476), in: Économies et Sociétés 30 (2003) S. 1175-1806.

Finanzen und Herrschaft. Materielle Grundlagen fürstlicher Politik in den habsburgischen Ländern und im Heiligen Römischen Reich im 16. Jahrhundert, hg. von F. Edelmayer, M. Lanzinner und P. Rauscher, München 2003 (Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, 38) [Oldenbourg, 319 S., geb., 49,80 Euro].

Frommel, S.: Sebastiano Serlio, Architect, Cambridge 2003 [Cambridge University Press, 430 S., geb., 120 Ł].

Fürstliche Garten(t)räume. Schlösser und Gärten in Mecklenburg und Vorpommern, hg. von M. Ehler (Ausstellungskatalog), Berlin 2003 [Lukas Verlag, 238 S., brosch., 180 Abb., 16,50 Euro].

Gervase of Tilbury, Otia imperialia. Recreation for an Emperor, hg. von S. E. Banks und J. W. Binns, Oxford 2002 (Oxford Medieval Texts) [Clarendon Press, 1112 S., geb., 120 Euro].

Gesandtschafts- und Botenwesen im spätmittelalterlichen Europa, hg. von R. C. Schwinges und K. Wriedt, Ostfildern 2003 (Vorträge und Forschungen, 60) [Thorbecke, ca. 400 S., Ln, 7 Abb., 49 Euro].

Gonzaga. La Celeste Galeria. Le raccolte, hg. von R. Morselli, Mailand 2002 [Skira, 682 S., brosch., 340 Abb., 35 Euro].

Gonzaga. La Celeste Galeria. L’esercizio del collezionismo, hg. von R. Morselli, Mailand 2002 [Skira, 382 S., brosch., zahlr. Abb., 65 Euro].

Guérout, M., Liou, B.: La "Grande maîtresse", nef de François Ier: recherches et documents d’archives, Paris 2001 (Histoire maritime) [Presses de l’Université de Paris-Sorbonne, 290 S., brosch., 24,30 Euro].

Hardt, M.: Gold und Herrschaft. Die Schätze europäischer Könige und Fürsten im ersten Jahrtausend, Berlin 2003 (Europa im Mittelalter, 6) [Akademie Verlag, 370 S., geb., 20 Abb., 64 Euro].

Hartung, W.: Die Spielleute. Fahrende Sänger des Mittelalters, Darmstadt 2003 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Lizenzausg.: Artemis&Winkler, 366 S., 9 farb. und 58 sw-Abb., 24,90 Euro].

Hattenhauer, H.: Johann Sebastian Bach und die Politik. Zur Kantate "Schleicht, spielende Wellen" (BWV 206), in: Bürgerliche Freiheit und Christliche Verantwortung. Festschrift für Christoph Link zum siebzigsten Geburtstag, hg. von H. de Wall und M. Germann, Tübingen 2003, S. 613-635.

Hechelhammer, B.: Kreuzzug und Herrschaft unter Friedrich II. Handlungsspielräume von Kreuzzugspolitik (1215-1230), Ostfildern 2003 (Mittelalter-Forschungen, 13) [Thorbecke, 448 S., geb., 13 Abb., 65 Euro].

Hengerer, M.: Macht durch Gunst? Zur Relevanz von Zuschreibungen am frühneuzeitlichen Hof, in: Šlechta v habsburské monarchii a císařský dvůr (1526-1740) (Der Adel in der Habsburgischen Monarchie und der kaiserliche Hof 1526-1740), hg. von Václav Bůžek und Pavel Král, České Budějovice 2003 (Opera historica, 10), S. 67-100.

Herrschaft. Machtentfaltung über adligen und fürstlichen Grundbesitz in der frühen Neuzeit , hg. von H. Kaak und M. Schattkowsky, Köln u.a. 2003 (Potsdamer Studien zur Geschichte der ländlichen Gesellschaft, 4) [Böhlau, 296 S., geb., 29,90 Euro].

Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I., hg. von B. Schneidmüller und S. Weinfurter, München 2003 (Beck, 624 S., Ln., 5 Abb., 34,90 Euro].

Hochadelige Herrschaft im mitteldeutschen Raum (1200 bis 1600). Formen – Legitimation – Repräsentation, hg. von J. Rogge und U. Schirmer, Stuttgart 2003 (Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte, 23) [Franz Steiner, 506 S., geb., 22 Abb., 75 Euro].

Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Ein dynastisch-topographisches Handbuch, hg. von Werner Paravicini, bearb. von J. Hirschbiegel und J. Wettlaufer, Teilbd. 1: Dynastien und Höfe. Teilbd. 2: Residenzen, Stuttgart 2003 (Residenzenforschung, 15,I,1-2) [Thorbecke, XXXIII +915 + 721 S., Ln., 160 Euro].

Die Wiener Hofmusikkapelle II. Krisenzeiten der Hofmusikkapellen, hg. von E. T. Hilscher, H. Krones und T. Antonicek, Wien u.a. 2003 [Böhlau, 252 S., brosch., 40 Euro].

Hollegger, M.: Maximilian I. Herrscher und Mensch einer Zeitenwende, Stuttgart u.a. 2002 (Urban-Taschenbücher, 442) [Kohlhammer, 240 S., kart., 16 Euro].

Hoppe, S.: Was ist Barock?, Darmstadt 2003 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 253 S., geb., 163 sw- und 137 farb. Abb., 42 Euro].

L’ impôt au Moyen Âge. L’impôt public et le prélèvement seigneurial fin XIIe-début XVIe siècle. Colloque tenu à Bercy les 14, 15 et 16 juin 2000, hg. von P. Contamine, J. Kerhervé und A. Rigaudière, 3 Bde., Paris 2002 (Histoire économique et financière de la France. Animation de la recherche) [Comité pour l’Histoire Économique et Financière de la France, 320 S.].

Aus dem Inhalt:

Bd. 1: LE DROIT D’IMPOSER

Contamine, P.: Lever l’impöt en terre de guerre: rançons appatis et souffrances de guerre dans la France des XIVe et XVe siècles, S. 11ff.; Chevalier, B. Le financement de la première guerre d’Italie, S. 41ff.; Hamon, P.: La noblesse et la rançons de François Ier, S. 75ff.; Scordia, L.: Le roi doit "vivre du sein". Histoire d’un lieu commun fiscal, S. 97ff.; Chittolini, G.: "Fiscalité d’État" et prérogatives urbaines dans le duché de Milan à la fin du Moyen Age, S. 147ff.; Carrasco Pérez, J.: l’impôt dans la fiscalité rovale en Navarre. Les politiques de Philippe 1er le Bel (1284-1305), S. 177ff.; Menjot, D.: Le consentement fiscal : impöt royal et forces politi ues dans la Castille de la fin du Moyen Age, S. 203ff.; Rigaudière, A.: Les origines médiévales de l’impôt sur la fortune, S. 227ff.; Lachaud, F.: L’assiette de l’impôt sur les biens meubles en Angleterre (1188 à 1332): le cas des villes, S. 289ff.

Bd.2: LES ESPACES FISCAUX

Boone, M.: Les les villes et Vargent des contribuables. Le rêve d’un impôt princier permanent en Flandre à l’époque bourguignonne, S. 323ff.; Hébert, M.: Le subside de 1292 en Provence, S. 343ff.; Kerhervé, J.: Impöt, guerre et politique en Bretagne au XVe siècle l’exemple du diocèse de Saint-Brieuc, S. 369ff.; Mattéoni, O.: Mise en place et répartition de l’impôt princier en Forez à la fin du Moyen Age, au temps des Bourbons, S. 451ff.; Le Page, D.: Etude comparée de deux politiques financières d’intégration au royaume de France, les cas de la Bretagne et de la Bourgogne (fin XVe siècle, première moitié du XVIe siècle), S. 483ff.; Lardin, P.: La mise en place des impôts nouveaux en Normandie orientale pendant la deuxième en moitié du XIVe siècle, S. 509ff.; Garnier, F.: Le recouvrement de l’impôt millavois à la fin du XVe siècle, S. 541ff.; Pepke-Durix, H.: La fiscalité Fernrohr d’une économie régionale nale à la fin du Moyen Age: Dijon et la région dijonnaise aux XIVe et XVe siècles, S. 599ff.; Biget, J.-L.: Perception et revenu des dimes dans le diocèse d’Albi (1334-1339), S. 631ff.; Tabbagh, V.: Le prélèvement épiscopal sur les bénéfices séculiers de la France septentrionale aux XIVe et XVe siècles, S. 651ff.

Bd. 3: LES TECHNIQUES

DuBois, H.: Fouage royal française et fouage ducal bourguignon au XIVe siècle, S. 673ff.; Michaud-Fréjaville, F.: L’impôt du vingtième des blés levé par Jean de Berry à la fin du XIVe siècle, le cas berrichon, S. 703ff.; Coativy, Y: La monnaie, instrument fiscal en Bretagne, à la fin du Moyen Äge (1341-1491), S. 719ff.; Pfeiffer, F.: Politique et pratique douanières sur le Rhin aux XIVe et XVe siècles: entre intérêts fiscaux et régulation du commerce, S. 741ff.; Lassalmonie, J.-F.: L’imposition foraine, un impôt ambigu XIVe-XVe siècles, S. 763ff.; Telliez, R.: Officiers et fermiers des aides devant la justice royale (fin du XIVe siècle-début du XVe siècle), S. 827ff.; Weidenfield, K.: Le contentieux de la taille royale au XVe siècle, S. 861ff.

Kaiser Ludwig der Bayer. Konflikte, Weichenstellungen und Wahrnehmung seiner Herrschaft, hg. von H. Nehlsen und H. Hermann, Paderborn u.a. 2002 (Quellen und Forschungen aus dem Gebiet der Geschichte. NF, 22) [Schöningh, 345 S., kart., 18 Abb., 60 Euro].

Kaminsky, H.: The noble feud in the later middle ages, in: Past & Present 177 (2002) S. 55-83.

Kelly, S.: The new Solomon: Robert of Naples (1309-1343) and Fourteenth-Century Kingship, Leiden u.a. 2003 (The medieval Mediterranean, 48) [Brill, 370 S., geb., 24 Abb., 110 Euro].

Kintzinger, M.: Wissen wird Macht. Bildung im Mittelalter, Ostfildern 2003 [Thorbecke, 203 S., geb., 20 Abb., 22,90 Euro].

Klaniczay, G.: Holy Rulers and Blessed Princesses. Dynastic Cults in Medieval Central Europe, Campridge 2002 [Cambridge University Press, 512 S., geb., 91 Abb., 105 Euro].

Klein, A.: Die Hochzeitsfeste der Medici in Florenz: von 1515 bis 1608, Berlin 1998 [Mikrofiche-Ausg., 465 Bl., zahlr. Abb.].

Köhler, R.: Die Cappella Sistina unter den Medici-Päpsten 1513-1534, Musikpflege und Repertoire am päpstlichen Hof in Rom, Kiel 2001 [Ludwig, 328 S., brosch., 10 Abb., 44,50 Euro].

Die deutschen Königspfalzen. Repertorium der Pfalzen, Königshöfe und übrigen Aufenthaltsorte der Könige im deutschen Reich des Mittelalters,hg. vom Max-Planck-Institut für Geschichte, Redaktion C. Ehlers und T. Zotz, Bd. 3: Baden Württemberg, Teilbd. 3.1: Adelberg-Reichenau, bearb. von H. Mauer, Göttingen 2003 [Vandenhoeck & Ruprecht, 546 S., geb., zahlr. Abb., 84 Euro].

Krieg, H.: Herrscherdarstellung in der Stauferzeit. Friedrich Barbarossa im Spiegel seiner Urkunden und der staufischen Geschichtsschreibung, Ostfildern 2003 (Vorträge und Forschungen, Sonderbd. 50) [Thorbecke, 416 S., geb., 54 Euro].

Krieger, K.-F.: Rudolf von Habsburg, Darmstadt 2003 [Primus, 294 S., geb., 8 Abb., 29,90 Euro].

Landingham, M. van.: Transforming the State. Kinge, Court and Political Culture in the Realms of Aragon (1213-1387), Leiden 2002 (The Medieval Mediterranean, 43) [Brill, 250 S., geb., 6 Abb., 73 Euro].

Lehnart, U.: Kleidung und Waffen der Spätgotik, Wald-Michelbach, Bd. 1: 1320-1370, Bd. 2: 1370-1420, Wald-Michelbach 2000-2003 [Karfunkel-Verl., 120 S., geb., 8 farb. Tafeln, zahlr. Abb., 21,47 Euro bzw. 22 Euro (Bd. 2)].

La Librairie des ducs de Bourgogne. Manuscrits conservés à la bibliothèque royale de Belgique, hg. von B. Bousmanne, F. Johan und C. Van Hoorebeeck, Bd. 1: Textes liturgiques, philosophiques, théologiques, ascétiques et hagiographiques, Bd. 2: Textes didactiques, Turnhout 2000-2003 [Brepols, 1. Bd.: 256 S., geb., 62 Euro; 2. Bd.: 344 S., geb., 64 Euro].

Lundt, B.: Mediävistische Genderforschung. Fragestellungen – Ergebnisse – Geschichtsdidaktische Überlegungen, in: Zwischen Politik und Kultur. Perspektiven einer kulturwissenschaftlichen Erweiterung der Mittelalter-Didaktik, hg. von W. Hasberg und M. Seidenfuss, Neuried 2003, S. 71-107.

Lundt, B.: "Narrating Gender". Das erzählte Geschlecht im späten Mittelalter am Beispiel von "Genovefa" und "Griselda", in: Zwischen Politik und Kultur. Perspektiven einer kulturwissenschaftlichen Erweiterung der Mittelalter-Didaktik, hg. von W. Hasberg und M. Seidenfuss, Neuried 2003, S. 201-247.

Lunéville. Fastes du Versailles lorrain, hg. von J. Charles-Gaffiot, Paris 2003 [Editions Didier Carpentier, 340 S., geb., 200 Abb., 49,90 Euro].

Luxus und Konsum. Eine historische Annäherung, hg. von R. Reith und T. Meyer, Münster 2003 (Cottbuser Studien zur Geschichte von Technik, Arbeit und Umwelt, 21) [Waxmann, 256 S., kart., 25,50 Euro].

Der zweite Mann im Staat. Oberste Amtsträger und Favoriten im Umkreis der Reichsfürsten in der Frühen Neuzeit, hg. von M. Kaiser und A. Pečar, Berlin 2003 (Zeitschrift für Historische Forschung. Beiheft 32) [Duncker & Humblot, 363 S., kart., 48,80Euro].

Aus dem Inhalt:

Kaiser, M./Pečar, A.: Reichsfürsten und ihre Favoriten. Die Ausprägung eines europäischen Strukturphänomens unter den politischen Bedingungen des Alten Reiches, S.9ff.; Asch, R. G.: "Lumine solis". Der Favorit und die politische Kultur des Hofes in West Europa, S. 21ff.; Jendorff, A.: Der Mainzer Hofmeister Hartmut (XIII.) von Kronberg (1517-1591). Kurfürstlicher Favorit oder Kreatur des erzstiftischen Politiksystems? S. 39ff.; Gräf, H. T.: "Vndt also ex mente, animo & ore nostro nachgeredt haben magk ..." Der Generalaudienzierer Wolfgang Günther und Landgraf Moritz von Hessen-Kassel, S. 59ff.; Leifeld, M.: Ferdinand Graf von Plettenberg und Wittern als kurkölnischer "premier ministre et favori de l’électeur", S. 77ff.; Göse, F.: Aufstieg und Fall einer Favoritin: Die Gräfin Cosel, S. 101ff.; Luh, J.: Vom Pagen zum Premierminister. Graf Heinrich von Brühl (1700-1763) und die Gunst der sächsisch-polnischen Kurfürsten und Könige August II. und August III., S. 121ff.; Osswald-Bargende, S.: Sonderfall Mätresse? Beobachtungen zum Typus des Favoriten aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive am Beispiel der Christina Wilhelmina von Grävenitz, S. 137ff.; Wilson, P. H.: Der Favorit als Sündenbock. Joseph Süß Oppenheimer (1698-1738), S. 155ff.; Lanzinner, M.: Wilhelm Jocher 1565-1636: Geheimer Rat und "Kronjurist" Kurfürst Maximilians I. von Bayern, S. 177ff.; Schmid; A.: Franz Xaver Wiguläus Alois von Kreittmayr. Der zweite Mann in Kur- bzw. Pfalzbayern unter Max Ill. Joseph und Karl Theodor, S. 197ff.; Demel, W.: Der zweite Mann im Staat: Maximilian von Montgelas, S. 217ff.; Kober, U.: Der Favorit als "Factotum". Graf Adam von Schwarzenberg als Oberkämmerer und Direktor des Geheimen Rates unter Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg, S. 231ff.; Rohrschneider, M.: "... vndt keine favoritten ahn Euerem hoffe haltet": Zur Stellung Ottos von Schwerin im Regierungssystem des Großen Kurfürsten, S. 253ff.; Kaiser, M.: Der unhöfische Favorit. Eberhard von Danckelman (1643-1722), Oberpräsident in Brandenburg unter Kurfürst Friedrich III, S. 271ff.; Kampmann, C.: Zweiter Mann im Staat oder Staat im Staat? Zur Stellung Wallensteins in der Administration Kaiser Ferdinands II., S. 295ff.; Sienell, S.: Die Ersten Minister Kaiser Leopolds I.: Johann Ferdinand von Portia und Wenzel Eusebius von Lobkowitz, S. 317ff.; Pečar, A.: Favorit ohne Geschäftsbereich. Johann Michael Graf von Althann (1679-1722) am Kaiserhof Karls VI., S. 331ff.; Szabo, F. A. J.: Favorit, Premierminister oder drittes Staatsoberhaupt? Der Fall des Staatskanzlers Wenzel Anton Kaunitz, S. 345ff.

Maurer, H. E.: Margaret of Anjou. Queenship and Power in Late Medieval England, Woodbridge 2003 [Boydell Press, 252 S., geb., 29,95 Ł].

Mauriès, P.: Das Kuriositätenkabinett, Köln 2003 [DuMont, 256 S., geb., 72 Euro].

McCartney, E. A.: Queens in the cult of the French Renaissance monarchy. Selected studies in public law, royal ceremonial, and political discourse, 1484-1610, London 2002 (Studies in Medieval History and Culture, 16) [Routledge, 386 S., geb., 102 Euro].

Medien der Kommunkikation im Mittelalter, hg. von K.-H. Spiess, Stuttgart 2003 (Beiträge zur Kommunikationsgeschichte, 15) [Franz Steiner, 323 S., geb., 57 Abb., 62 Euro].

Meier, D.: Bauer, Bürger, Edelmann. Stadt und Land im Mittelalter, Ostfildern 2003 [Thorbecke, 256 S., geb., 30 Abb., 22,90 Euro].

Meier, F.: Hans von Waltheym auf Pilgerfahrt und Bildungsreise. Mobilität als didaktischer Zugang zur mittelalterlichen Geschichte, Hamburg 2003 (Schriftenreihe Studien zur Geschichtsforschung des Mittelalters, 18) [Kovac, 320 S., geb., 26 Abb., 92 Euro].

Motta, U.: Castiglione e il mito di Urbino. Studi sulla elaborazione del Cortegiano, Mailand 2003 (Bibliotheca erudita, 20) [Vita e Pensiero, 490 S., 38 Euro].

Müller, K. E.: Nektar und Ambrosia. Kleine Ethnologie des Essens und Trinkens, München 2003 [Beck, 173 S., geb., 16 Abb., 14,90 Euro].

Narren. Porträts, Feste, Sinnbilder, Schwankbücher und Spielkarten aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, hg. von L. S. Malke (Ausstellungskatalog), Leipzig 2001 [Faber & Faber, 140 S., Pb., 120 Abb., 29,70 Euro].

Negotiating the Gift. Pre-Modern Figurations of Exchange, hg. von G. Algazi, V. Groebner und B. Jussen, Göttingen 2003 [Vandenhoeck & Ruprecht, 419 S., Ln., 59 Euro].

Neugebauer, W.: Die Hohenzollern, Bd. 2: Dynastie im säkularen Wandel. Von 1740 bis in das 20. Jahrhundert, Stuttgart 2003 [Kohlhammer, 240 S., kart., 3 Abb., 16 Euro].

A l’ombre du pouvoir. Les entourages princiers au moyen âge, hg. von A. Marchandisse und J.-L. Kupper, Genf 2003 (Bibliothèque de la Faculté de Philosophie et Lettres de l’Université de Liège, 283) [Droz, 412 S., ill., 42 Euro].

Aus dem Inhalt:

Marchandisse, A.: Avant-propos, S. 5-6; Guillemain, B.: Les entourages des cardinaux à Avignon, S. 7-11; Maillard-Luypaert, M.: Entre soustraction et restitution d’obédience: les relations "douces-Amères" de Pierre d’Ailly, évêque de Cambrai, avec ses "proches" (1398-1408), S. 13-27; Marchandisse, A.: L’entourage de Jean de Bavière, prince-élu de Liége (1389-1418), S. 29-53; Claverie, P.-V.: De l’entourage royal à la entourage ponitifcal: l’exemple méconnu de l’archevêque Gilles de Tyr († 1266), S. 55-76; Kaiser, R.: L’entourage des rois du regnum Burgundiae aux époques burgonde et mérovingienne, S. 77-95; Ehlers, J.: Entourage du roi – entourage des princes. L’aube d’une société de cour en Allemagne au XIIe siècle, S. 97-105; Kintzinger, M.: De la région à l’Europe. Recrutement et fonction de l’entourage de l’empereur Sigismond, S. 107-114; Bournazel, É.: La familia regis Francorum, S. 115-133; Richard, J.: Les conseillers de Saint Louis. Des grands barons aux premier légistes: au point de rencontre de deux droits, S. 135-147; Contamine, P.: Le sang, l’hôtel, le conseil, le peuple: l’entourage de Charles VII selon les récrits et les comptes de ses obsèques en 1461, S. 149-167; Allmand, C.: Henry V, roi d’Angleterre, et son entourage, S. 169-175; Genet, J.-P.: De Richard II à Richard III: le Conseil, S. 177-202; Bock, N.: Fideles regis. Héraldique et comportement public à la fin du Moyen Âge, S. 203-234; Leroy, B.: L’animation de la cour de Navarre (vers 1350-vers 1430), S. 235-244; Jones, M.: Servir le duc: remarques sur le rôle des hérauts à la cour de Bretagne à la fin du Moyen Âge, S. 245-265; Demotz, B.: Choix et représentations. L’entourage des comtes de Savoie du XIe au XVe siècle, S. 267-276; Croenen, G.: L’entourage des ducs de Brabant au XIIIe siècle. Nobles, chevaliers et clercs dans les chartres ducales (1235-1267), S. 277-293; Boone, M., Vandermaesen, M.: Conseillers et administrateurs au service des comtes de Flandre au bas Moyen Âge: intérêts économiques, ambitions politiques et sociales, S. 295-308; Margue, M.: De l’entourage comtal à l’entourage royal: le cas des Luxembourg (XIVe-premières moitié du XIVe siècle), S. 309-327; Schnerb, B.: Les capitaines de Jean sans Peur, duc de Bourgogne (1404-1419), S. 329-342; Sommé, M.: Les conseillers et collaborateurs d’Isabelle de Portugale, duchesse de Bourgogne, au milieu du XVe siècle, S. 343-359; Paravicini, W.: Acquérir sa grâce pur le temps advenir. Les hommes de Charles le Téméraire, prince héritier (1433-1467), S. 361-383; Cauchies, J.-M.: "Croit conseil" et ses "ministres". L’entourage politique de Philippe le Beau (1494-1506), S. 385-405; Kupper, J.-L.: Conclusions, S. 407-410.

Opitz, E.: Herzogtum Lauenburg. Das Land und seine Geschichte. Ein Handbuch, Neumünster 2003 [Wachholtz, 832 S. geb., zahlr. Abb., 48 Euro].

Oranienbaum – Huis van Oranje. Wiedererweckung eines anhaltinischen Fürstenschlosses. Oranische Bildnisse aus fünf Jahrhunderten, hg. von T. Weiss, Dessau 2003 (Kataloge und Schriften der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, 21) [Deutscher Kunstverlag, 400 S., Pb., 147 Abb., 29,90 Euro].

Orangerien. Von fürstlichem Vermögen und gärtnerischer Kunst, Red. S. Balsam, Potsdam 2003 (Schriftenreihe des Arbeitskreises Orangerien in Deutschland e.V., 4) [Hamann, 122 S., kart., Ill.].

Osborne, T.: Dynasty and diplomacy in the court of Savoy. Political culture and the Thirty Years’ War, Cambridge u.a. 2002 (Cambridge studies in Italian history and culture) [Cambridge Univ. Press, 318 S., geb., 13 Abb., 47,50 Ł].

Paravicini Bagliani, A.: I riti pontifici e lo spazio. Piste di ricerca, in: Scritti in onore di Girolamo Arnaldi offerti dalla Scuola nazionale di studi medioevali, hg. von A. Degrandi u.a., Rom 2001 (Nuovi studi storici, 54).

Philipp der Streitbare. Ein Fürst der frühen Neuzeit, hg. von T. Appl, M. Berwing-Wittl und B. Lübbers, Regensburg 2003 [Pustet, 248 S., geb., 38 Abb., 22 Euro].

Politische Räume. Stadt und Land in der Frühneuzeit, hg. von C. Jöchner, Berlin 2003 (Hamburger Forschungen zur Kunstgeschichte, 2) [Akademie Verlag, 210 S., Pb., 80 Abb., 34,80 Euro].

Die Protokollbücher des Ordens vom Goldenen Vlies. Unter Verwendung der Vorarbeiten von W. Ossoba hg. von S. Dünnebeil, Bd. 2: Das Ordensfest 1468 in Brügge unter Herzog Karl dem Kühnen, Ostfildern 2003 (Instrumenta, 12) [Thorbecke, 288 S., geb., 38 Euro].

Rader, O. B.: Grab und Herrschaft. Politischer Totenkult von Alexander dem Großen bis Lenin, München 2003 [Beck, 272 S., geb., 10 Abb., 26,90 Euro].

Recueil du Fay. Die Briefsammlung des Claude de Neufchâtel zur Geschichte Karls des Kühnen 1474-1477 (1505), hg. von P. Ehm-Schnocks und H. von Seggern, Ostfildern 2003 (Instrumenta, 10) [Thorbecke, 232 S., geb., 3 Abb., 35 Euro].

Reichold, K.: Schlösser und ihre Geschichten, Regensburg 2003 [Pustet, 128 S., geb., 310 Abb., davon 260 farb., 39,95 Euro].

Regionen Europas – Europa der Regionen. Festschrift für Kurt-Ulrich Jäschke zum 65. Geburtstag, hg. von P. Thorau, S. Perth und R. Fuchs, Köln u.a. 2003 [Böhlau, 304 S., brosch., 4 Abb., 39,90 Euro].

Rösener, W.: Königshof und Herrschaftsraum: Norm und Praxis der Hof- und Reichsverwaltung im Karolingerreich, in: Uomo e spazio nell’alto medioevo, Spoleto 2003 (Settimane di studio del Centro italiano di studi sull’alto medioevo, 50), S. 443-478.

Die Sakralität von Herrschaft. Herrschaftslegitimierung im Wechsel der Zeiten und Räume. Fünfzehn interdisziplinäre Beiträge zu einem weltweiten und epochenübergreifenden Phänomen, hg. von F. Erkens, Berlin 2002 [Akademie Verlag Berlin, 289 S., geb., 47 Abb., 74,80 Euro].

Sauer, A.: Fürstliche Herrschaftsrepräsentation. Die Habsburger im 14. Jahrhundert, Ostfildern 2003 (Mittelalter Forschungen, 12) [Thorbecke, 384 S., geb., 6 Abb., 65 Euro].

Schad, M.: Bayerns Königinnen, 5. Aufl., Regensburg 2003 [Pustet, 374 S., geb., 62 Abb., 29,90 Euro].

Schirmeister, A.: Triumph des Dichters. Gekrönte Intellektuelle im 16. Jahrhundert, Köln u.a. 2003 (Frühneuzeitstudien. NF 4) [Böhlau, 350 S., brosch., 24 Abb., 34,90 Euro].

Schwarz, J.: Herrscher- und Reichstitel bei Kaisertum und Papsttum im 12. und 13. Jahrhundert, Köln u.a. 2003 [Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters, 22) [Böhlau, 510 S., geb., 69 Euro].

Seggern, H. von: Herrschermedien im Spätmittelalter. Studien zur Informationsübermittlung im burgundischen Staat unter Karl dem Kühnen, Ostfildern 2003 (Kieler Historische Studien, 41) [Thorbecke, 568 S., Ln., 48 Euro].

Seibert, H.: Adlige Herrschaft und Königliche Gefolgschaft. Die Grafen von Schweinfurt im ottonischen Reich, in: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 65 (2002) S. 839-882.

Sohn, A.: Frankreich und der Mittelmeerraum: Neuerscheinungen zur islamischen Welt im Mittelalter, in: Francia 30/1 (2003) S. 191-216.

Sohn, A.: Michel Fleury (1923-2002) – ein Leben für Paris, in: Francia 30/1 (2003) S. 237-246.

Sohn, A.: Jean Lebeuf (1687-1760) und Paris. Zu Person und historiographischem Śuvre, in: Viatori per urbes castraque. Festschrift für Herwig Ebner zum 75. Geburtstag, hg. von H. Bräuer, G. Jaritz und K. Sonnleitner, Graz 2003 (Schriftenreihe des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität, 14), S. 625-643.

Soisson, J.-P.: Marguerite: princesse de Bourgogne, Paris 2002 [Grasset, 298 S., 19 Euro].

Somerset, A: Ladies-in-Waiting. Fromt the Tudors to the present day, London 2002 [Phoenix, 342 S., Pb., 16,59 $].

Spufford, P.: Power and Profit. The Merchant in Medieval Europe, London 2002 [Thames & Hudson, 432 S. kart., Ill., 24,95 Ł]. – Hier: Courts and Consumers, S. 60-139; Form Court to Counting House, S. 140-173.

Stevens, U.: Burgkapellen. Andacht, Repräsentation und Wehrhaftigkeit im Mittelalter, Darmstadt 2003 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 304 S., geb., 128 sw-Abb., 39,90 Euro].

Die Stiftskirche in Südwestdeutschland. Aufgaben und Perspektiven der Forschung. Erste wissenschaftliche Fachtagung zum Stiftsprojekt des Instituts für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen (17.-19. März 2000, Weingarten), Leinfelden-Echterdingen 2003 (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, 35) [DRW-Verlag, 264 S., Pb., 28 Euro].

The Stuart Court in Rome. A Legacy of Exile, hg. von E. Corp, Aldershot 2003 [Ashgate, 192 S., geb., 38 Abb., 52,50 Ł].

Suppliques et requêtes. Le gouvernement par la grâce en Occident (XIIe-XVe siècle), hg. von H. Millet, Rom 2003 (Collection de l’Ecole française de Rome, 310) [École Française de Rome, 434 S., 50 Euro].

Aus dem Inhalt:

Millet, H.: Introduction, S. 1-18; Koziol, G.: The early history of rites of supplication, S. 21-36; Moeglin, J.-M.: Pandolf la corde au cou (Ottoboni lat. 74, f. 193v): quelques réflexions au sujet d’un rituel de supplication (XIe-XVe siècle), S. 37-76; Schmitt, J.-C.: Les suppliques dans les images, S. 77-87; Vulliez, C.: L’ars dictaminis et sa place dans la «pré-histoire» médiévale de la requête écrite, S. 89-102; Lalou, É.: Les suppliques des gens de l’hôtel de Philippe VI de Valois d’après le dossier de Louis Carolus-Barré, S. 105-121; Hayez, A.-M.: Las demandes de bénéfices présentées à Urbain V: une approche géographico-politique, S. 121-150; Gorchov, N.: Le recours aux intercesseurs: l’exemple des universitaires parisiens en quête de bénéfices ecclésiastiques (vers 1340-vers 1420), S. 151-164; Vulliez, C.: Un rotulus original de la nation picarde de l’université de Paris au temps du pape Jean XXIII, S. 165-173; La grâce: pratiques et principes de gestion: Zutshi, P.: The origins of the registration of petitions in the papal chancery in the first half of the fourteenth century, S. 177-191; Serra Estellés, J. Amerika de las súplicas dirigidas a Clemente VII de Aviñón, S. 193-205; Schmugge, L.: Suppliche e diritto canonico: il caso della Penitenzieria, S. 207-231; García Y García, A.: El Poder por la gracia de Dios: aspectos canónicos, S. 233-249; Trottmann, C.: Gouvernement divin et gouvernement humain par la grâce, S. 251-262; Barlucchi, A.: Le "petizioni" inviate dalle comunità del contado al governo senese (secoli XIII-XV), S. 265-279; Mattéoni, O.: "Plaise au roi": les requêtes des officiers en France à la fin du Moyen Äge, S. 281-296; Haskett, T.: Access to grace: bills, justice, and governance in England, 1300-1500, S. 297-317; Montaubin, P.: L’administration pontificale de la grâce au XIIIe siècle: l’exemple de la politique bénéficiale, S. 321-342; Nieto Soria, J. M.: De la grâce papale à l’absolutisme royal: le roi de Castille suppliant le pape au XVe siècle, S. 343-356; Hilaire, J.: La grâce et l’État de droit dans la procédure civile (1250-1350), S. 357-369; Gauvard, C.: Le roi de France et le gouvernement par la grâce à la fin du Moyen Äge: genèse et développement d’une politique judiciaire, S. 371-404.

Süssenguth, M.: Prassen, Feiern, Fasten. Tafelfreuden im Barock, Ostfildern 2003 [Thorbecke, 208 S., geb., 200 Abb., 39,90 Euro].

Theatrum Mundi. Die Welt als Bühne, hg. von U. Küster (Ausstellungskatalog), Wolfratshausen 2003 [Edition Minerva, 274 S., geb., 397 Abb., 52 Euro].

Tradition und Erinnerung in Adelsherrschaft und bäuerlicher Gesellschaft, hg. von W. Rösener, Göttingen 2003 (Formen der Erinnerung, 17) [Vandenhoeck & Ruprecht, 331 S., kart., 44,90 Euro].

Aus dem Inhalt:

Rösener, W.: Einleitung, S.7-22; Krieb, S.: Das Gedächtnis der Herrschaft. Schriftlichkeit, Tradition und Legitimitätsglauben im Stift Kempten im 15. Jahrhundert; Schwarz, G., Männersache, Frauensachen. Sachgut des spätmittelalterlichen Bürgertums und Adels nördlich des Harzes nach schriftlichen Quellen, S. 43-79; Fey, C.: Spätmittelalterliche Adelsbegräbnisse im Zeichen von Indiviualisierung und Institutionalisierung, S. 81-106; Kersken, N.: "... ut eorum omnium perpetua memoria aput presentes et posteros habeatur". Zur spätmittelalterlichen Memorialkultur des Adels in Nordostdeutschland, S. 107-130; Rösener, W.: Bauernaufstände, bäuerlicher Widerstand und Tradition im Spätmittelalter, S. 131-152; Schmitt, S.: Herrschaft über Bauern im Spiegel der Weistümer. Untersuchungen zum mittelrheinischen Raum, S. 153-172; Reinle, C.: Fehden im Spannungsfeld von Landesherrschaft, Adel und bäuerlicher Bevölkerung, S. 173-194; Teuscher, S.: Der Herr bei seinen Bauern. Herrschaftsdarstellung in Kundschaften aus dem Berner Oberland 1300-1430, S. 195-218; Ramge, H.: Flurnamen als Spiegel bäuerlicher Erinnerungskultur. Am Beispiel südhessischer Namen zu Rechtsorten, S. 219-259; Bünz, E.: Memoria auf dem Dorf. Pfarrkirche, Friedhof und Beinhaus als Stätten bäuerlicher Erinnerungskultur im Spätmittelalter, S. 261-305; Trossbach, W.: Erinnerungen an die Zukunft? Prozesse von Traditionsbildung und Adaptionsleistung bei den Maya in Yucatán zwischen spanischer Eroberung und "guerra de castas" (1550-1850), S. 307-327.

Europäische Verfassungsgeschichte, ausgew. und hg. von D. Willoweit, München 2002 [Beck, 937 S., kart., 59 Euro].

Vanlandingham, M.: Transforming the State. King, Court and Political Culture in the Realms of Aragon (1213-1387), Leiden 2002 (The Medieval Mediterranean, 43) [Brill, 249 S., geb., 6. Abb., 75,92 Euro].

Ventzke, M.: Das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach 1775-1883. Ein Modelfall aufgeklärter Herrschaft, Köln u.a. 2003 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen. Kleine Reihe, 10) [Böhlau, 544 S., geb., 49,90 Euro].

Vinha, M. da: Les valets de chambre du roi au XVIIe siècle, Thèse Univ. Paris IV-Sorbonne 2003.

Vollrath, H.: Gestes, paroles et emportements au Moyen Age. Thomas Becket et le monde gestuel de son temps, Stuttgart 2003 (Conférences annuelles de l’Institut Historique Allemand, 9) [Thorbecke, 48 S., kart., 9 Euro].

Vones, L.: Europäische Geschichte im Spätmittelalter, Stuttgart u.a. 2002 [Kohlhammer, 240 S., kart., 24 Euro].

Auf dem Weg zur herzoglichen Residenz. Wolfenbüttel im Mittelalter, hg. von U. Schwarz, Braunschweig 2003 (Quellen und Forschungen zur Braunschweigischen Landesgeschichte, 40) [Appelhans, 396 S., geb., Ill., 22 Euro].

Wieland, C.: Fürsten, Freunde, Diplomaten. Die römisch-florentinischen Beziehungen unter Paul V. (1605-1621), Köln u.a. 2003 (Norm und Struktur, 20) [Böhlau, 648 S., geb., 59 Euro].

Wien, Geschichte einer Stadt, hg. von P. Csendes und F. Opll. Bd. 2: Die frühneuzeitliche Residenz (16. bis 18. Jahrhundert), hg. von K. Vocelka und A. Traninger, Wien 2003 [Böhlau, 600 S., geb., 140 sw- und farbige Abb., 78,30 Euro].

Wijsman, Hanno W.: Gebonden weelde. Productie van geïllustreerde handschriften en adellijk boekenbezit in de Bourgondische Nederlanden (1400-1550), Leiden 2003 [Allprint, 460 S.].

Wunderwerk. Göttliche Ordnung und vermessene Welt, Der Goldschmied und Kupferstecher Antonius Eisenhoit und die Hofkunst um 1600. Ausstellungskatalog, hg. von C. Stiegemann, Mainz 2003 [Zabern, 394 S., geb., 395 Abb., 45 Euro].

Die Moskauer Zarenkrönung von 1856. Alexander II. und Maria Alexandrovna. Die Beschreibung in der Riesen-Prachtausgabe des Zarenhofes, hg. von H. Goltz, Stuttgart 2003 [Franz Steiner, CD-Rom, 48 Euro].

Die Zeit Karls IV. (1365-1371), bearb. von R. Neumann und E. Rotter, Köln u.a. 2003 (Quellen und Forschungen zur Höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich. Sonderreihe, 9) [Böhlau, 450 S., geb., 74 Euro].

Die Zeit Wenzels (1397-1400), bearb. von U. Rödel, Köln u.a. 2003 (Quellen und Forschungen zur Höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich. Sonderreihe, 14) [Böhlau, 400 S., geb., 68 Euro].

 

Die Arbeitsstelle Kiel

 

Prof. Dr. Werner Paravicini

Dr. Jan Hirschbiegel

Dr. Jörg Wettlaufer

Sophie Laufer

Karen Schleeh

 

Adresse:

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Residenzen-Kommission

Arbeitsstelle Kiel

c/o Historisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

(Besuchsadresse:) Leibnizstr. 8

(postalisch:) Olshausenstr. 40

D-24098 Kiel (für Briefe)

D-24118 Kiel (für Päckchen und Pakete)

Tel./Fax/AB: [D] 04 31 - 8 80-14 84

 

 

E-mail: resikom@email.uni-kiel.de

 

Adresse im Internet: http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de

 

*****

Prof. Dr. Werner Paravicini

Deutsches Historisches Institut Paris

Hôtel Duret de Chevry

8, rue du Parc-Royal

F-75003 Paris

Tel. [F] 01 - 42 71 56 16 – Fax: [F] 01 - 42 71 56 43

E-mail: direktor@dhi-paris.fr

Adresse im Internet: www.dhi-paris.fr

Menue von:
Milonic Web Menus
© Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen