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Mitteilungen der Residenzen-Kommission

der

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

 

 

Jahrgang 13 (2003) Nr. 1

 

 

Mitteilungen der Residenzen-Kommission

der

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

 

 

Jahrgang 13 (2003) Nr.1

 

 

 

Residenzen-Kommission

Arbeitsstelle Kiel

 

 

 

ISSN 0941-0937

 

Herstellung:

Vervielfältigungsstelle

der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

 

Titelvignette:

Albrecht Dürer, Idealstadtentwurf (1527)

Abb. nach Kruft, Hanno-Walter: Städte in Utopia. Die Idealstadt vom 15. bis zum 18. Jahr-hundert zwischen Staatsutopie und Wirklichkeit, München 1989, Abb. 59

 

 

Inhalt

Vorwort *

Aus der Arbeit der Kommission *

9. Symposium der Residenzen-Kommission *

Die Arbeit der anderen *

Nochmals: Was war eine Residenz im späten Mittelalter?
von Volker Hirsch, Siegen *

Grablegen der Grafen von Savoyen,
von Bernard Andenmatten und Laurent Ripart, Lausanne *

Herrschertreffen. Ritual, Zeremoniell und Politik bei spätmittelalterlichen
repräsentativen Akten,
von Gerrit Jasper Schenk, Duisburg, und Gerald Schwedler, Heidelberg *

Kolloquiumsberichte *

Macht, Medien, Memoria. Integration und Bestattung europäischer Oberschichten
zwischen politischem und medialem Wandel (1500-1800),
von Christian Wieland, Tübingen *

Zeichen, Raum und Zeremoniell an den deutschen Höfen der Frühen Neuzeit
von Vinzenz Czech, Berlin *

Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen* *

Buchvorstellungen *

Kerscher, Gottfried: Architektur als Repräsentation. Spätmittelalterliche
Palastbaukunst zwischen Pracht und zeremoniellen Voraussetzungen.
Avignon – Mallorca – Kirchenstaat, Tübingen 2000,
von Uwe Albrecht, Kiel *

Schenk, Gerrit: Zeremoniell und Politik. Herrschereinzüge im
spätmittelalterlichen Reich (Diss. Univ. Stuttgart 2000), Köln u.a. 2003
(Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu
J. F. Böhmer. Regesta Imperii, 21),
von Evelyn Korsch, Bonn *

Pfälzisches Burgenlexikon, Bd. 2: F-H, hg. von Jürgen Keddigkeit,
Alexander Thon und Rolf Übel, Kaiserslautern 2002 (Beiträge zur
pfälzischen Geschichte, 12.2),
von Gabriel Zeilinger, Kiel *

Rittersitze. Facetten adligen Lebens im Alten Reich, hg. von Kurt Andermann,
Tübingen 2002,
von Jan Hirschbiegel, Kiel *

Fuhrmann, Kai: Die Ritterschaft als politische Korporation in den Herzog-
tümern Schleswig und Holstein von 1460 bis 1721, Kiel 2002 (Geschichte
der Schleswig-Holsteinischen Ritterschaft, hg. von der Fortwährenden
Deputation der Schleswig-Holsteinischen Prälaten und Ritterschaft, 2),
von Jörg Rathjen, Kiel *

Neuerscheinungen *

Sonstiges *

Edition von Hofordnungen *

Museum Burg Ziesar. Kurzkonzeption,
von Heinz-Dieter Heimann, Potsdam *

Frühneuzeitliche Festkultur online
Ein Projekt der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel *

Die Arbeitsstelle Kiel *

 

 

 

*****

Wenn Sie den Mitteilungen einen Text zusenden wollen (bitte, tun Sie es: nächster Redaktionsschluß ist der 1. Oktober 2003), dann schicken Sie ihn bitte an mich über die Redaktion in Kiel oder direkt nach Paris. Die jeweiligen Adressen sind, wie stets, auf der letzten Seite angegeben.

W.P.

Vorwort

 

Es wird Ihnen, lieber Leser, vielleicht so gehen wir mir: Noch nie habe ich so viele Notizen bei der Durchsicht einer Nummer der MRK gemacht wie dieses Mal. Vor Ihnen liegt das umfangreichste Heft, das wir je vorgelegten. Wir müßten bescheidener, knapper werden. Das fällt aber schwer, denn die Forschung blüht, Sie werden es sehen: Da geht es um Grablegen und Begräbnisse, gleich mehrfach, zunächst in Savoyen (eine spannende Geschichte), dann auch in Wien und anderswo in Europa, es geht um Herrschertreffen, um das Prozessuale im Ritual, um Norbert Elias und Kunstkammern, immer wieder um die Habsburger, das Zeremoniell und die allenthalben entdeckten Zeichensysteme (der "iconic turn" begegnet natürlich auch, S. *). Daneben wird ein neuer Vorschlag gemacht, wie zwischen Residenz und Hauptstadt zu unterscheiden ist, und was die notwendige, wenn auch nicht hinreichende Bedingung dafür ist, daß überhaupt von Residenz die Rede sein kann (Sie sind neugierig? Lesen Sie auf S.*-*).

Es blüht die Forschung der "Kommilitonen", ob in Wien, Eisenach oder Rudolstadt (mit denen wir uns als Sektion "Das Gehäuse der Macht" zum Historikertag des Jahres 2004 in Kiel angemeldet haben). Es blüht aber auch die eigene. Nicht nur die Hofordnungseditionen (S. * bzw. S. ) und die Reihe "Residenzenforschung" (S. *) machen Fortschritte. Der erste Teil unseres "Residenzenhandbuchs", das in bislang nicht dagewesener Weise von Königen, Dynastien, Reichsfürstentümern, Höfen und Residenzen handelt, das große zweibändige Werk ist im Manuskript wirklich fertig und befindet sich in der Herstellung. 200 Autoren und Autorinnen haben daran mitgewirkt. Manche haben gegen Krankheit angeschrieben, andere sind im letzten Augenblick eingesprungen, die Kieler Arbeitsstelle hat Wunder vollbracht. Im Oktober wird, wenn nichts mehr dazwischenkommt, das Werk auf dem Tisch liegen. Die Freude und der Dank sind groß, hier schon ein wenig voreilig zum Ausdruck gebracht, nun da der große Sturm vorüber ist.

Derweil erhebt sich eine neue, steife Brise, läuft schon die Planung und Beitragseinwerbung für den zweiten Teil: "Bilder und Begriffe". Wir haben noch bei weitem nicht für jeden Artikel einen Autor. Schauen Sie noch einmal ins letzte Heft der MRK, 12,2 (2002), dort auf S. 12-22, und überlegen Sie, ob Sie nicht zum einen oder anderen Ober- oder Unterbegriff zur Feder greifen wollen oder der Arbeitsstelle einen Autor empfehlen möchten. Eine stets aktuelle Liste der noch freien Artikel finden Sie im Internet unter der Adresse: http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/b&b_freie_Artikel.php . Ich bin sicher, daß die Solidarität unserer Forschergemeinschaft wiederum zu einem guten Ergebnis führen wird, obwohl die Aufgabe, in der Tat, schwieriger geworden ist. Nach wie vor sind wir beim Verbessern und nehmen Vorschläge und Kritik gerne entgegen.

Damit nicht genug: Alsbald werden wir anfangen, auch den dritten Teil vorzubereiten, der exemplarische Texte enthalten soll im Rahmen einer Quellenkunde unseres Gegenstandes: Hofordnung und Kommissionsbrief, Futterzettel und Inventar, Speisefolge und Gagenverzeichnis, Zeremonialanweisung und Marschordnung, Baurechnung und Maurerquittung, Brief und Chronik, und was es sonst alles noch gibt: all dies und vieles mehr soll darin vertreten sein. Wir werden Sie alsbald unterrichten und hoffen wiederum auf Vorschlag und Mitarbeit.

Immer noch nicht genug: im Jahre 2004 werden wir auch unsere eigene Tagung abhalten, das 9. Symposium in Halle mit dem Thema "Der Hof und die Stadt – La Cour et la Ville". Das gegenwärtige Heft enthält auf S. *-* das vorläufige Programm und den Aufruf zur Anmeldung, beides zusammen mit Andreas Ranft in Halle erarbeitet, der vor Ort unser Gastgeber sein wird. Sie kennen Halle noch nicht, waren nicht auf dem (von Andreas Ranft organisierten) Historikertag? Also höchste Zeit, die wiedererwachte Stadt und Ihre Schönheiten kennenzulernen (eine Bergresidenz über der Stadt, eine Stadtresidenz in ihr, von den Frankeschen Stiftungen und dem Campo Santo ganz zu schweigen) und sich dem spannungsreichen Thema zu widmen. Die Exkursion in die Umgegend dürfte ebenfalls nicht uninteressant werden (um es à l‘anglaise auszudrücken). Doktoranden und andere junge Leute sind besonders willkommen und sollen möglichst auch einen finanziellen Zuschuß bekommen. So denn nun also:

Anmeldung

mit einer einseitigen (oder auch zweiseitigen, jedenfalls umsichtigen) Beitragsskizze

bis zum

1. September 2003

an die Arbeitsstelle Kiel

resikom@email-uni-kiel.de

oder auch an

Ihren

 

Werner Paravicini

 

 

Aus der Arbeit der Kommission

 

1. Symposien

    • Halle an der Saale 2004 "Stadt und Residenz", siehe unten S. *-*.
    • Eutin 2006

Das Symposium wird sich, wie in den MRK 12,2 (2002) notiert, mit dem Thema "Hof/Residenz und Finanzen" beschäftigen, mit "Hoffinanz" oder "Hofwirtschaft".

2. Handbuch: Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

    • Dynastisch-topographisches Handbuch

Der zweibändige dynastisch-topographische Teil des Handbuches ist am 7. April dem Thorbecke-Verlag übergeben worden. Das Handbuch iste wie folgt gegliedert: Band I

- Inhaltsverzeichnis

- Vorwort

- Artikelstruktur

- Abkürzungsverzeichnis

- 1 Hauptorte-Artikel

- 39 Dynastie- und 165 Hof-Artikel

Band II

- 353 Residenzartikel

- Kurztitelbibliographie

- Ortsnamenkonkordanz

- Autorenverzeichnis

Ein "Druckfahnenversand" wurde über die Kieler Arbeitsstelle vor Ostern durchgeführt.

Die erste Umbruchkorrektur durch den Verlag erfolgte vom 26. Mai bis zum 16. Juni, eine zweite vom 7. bis zum 21. Juli.

Das dynastisch-topographische Handbuch soll zur Frankfurter Buchmesse im Herbst dieses Jahres vorliegen.

    • Bild- und Begriffsband

Für diesen Band des Handbuchs haben sich bislang 27 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für 30 Artikel und 52 Stichworte angemeldet. Zur Zeit laufen weitere Anfragen bei weiteren Kolleginnen und Kollegen hinsichtlich der noch nicht vergebenen Artikel. Eine stets aktuelle Liste der noch nicht vergebenen Artikel steht unter http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/b&b_freie_Artikel.php zur Verfügung.

    • Textband

Eine erste Konzeption des dritten Teils des Handbuches wird Gegenstand der Diskussion im Sommer dieses Jahres sein.

3. Reihe "Residenzenforschung"

    • Hirsch, Volker: Der Hof des Basler Bischofs Johannes von Venningen (1458-1478). Verwaltung und Kommunikation, Wirtschaftsführung und Konsum. Der Band befindet sich in Vorbereitung zum Druck.
    • Die Beiträge des Tagungsbandes "Der Fall des Günstlings" sind dem Thorbecke-Verlag übermittelt worden, der eine erste Kalkulation erstellt.

4. Mitteilungen der Residenzen-Kommission

    • Erschienen sind die MRK 12,2 (2002), 124 S., und die vorliegenden MRK 13,1 (2003).
    • Mit den MRK 13,2 (2003) wird Ende dieses Jahres ein weiteres Sonderheft erscheinen, hg. von Gerhard Fouquet und Harm von Seggern, das die Ergebnisse der von den Herausgebern organisierten Tagung "Höfische Feste im Spätmittelalter" vom Dezember des letzten Jahres enthalten wird.

5. Historikertag 2004

Ein Beitragsangebot der Residenzen-Kommission zum Kieler Historikertag 2004 ist dem Historikerverband übermittelt worden.

6. Edition von Hofordnungen

Siehe unten S. *.

7. Nächste Sitzung der Residenzenkommission

Die nächste Sitzung der Kommission wird am 6. Oktober 2003, 11:00 Uhr, in Göttingen in den Räumen der Akademie stattfinden.

Werner Paravicini

9. Symposium der Residenzen-Kommission

veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt,

dem Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dem

Deutschen Historischen Institut Paris

 

Aufruf zur Anmeldung und Themenabriss

 

Der Hof und die Stadt – La Cour et la Ville

Konfrontation, Koexistenz und Integration im Verhältnis von Hof und Stadt in Spätmittelalter und Früher Neuzeit

Halle an der Saale, 25. bis 28 September 2004

 

Das Verhältnis zwischen Hof und Stadt in Spätmittelalter und Früher Neuzeit ist durch ein komplexes Wechselspiel von Konfrontation, Koexistenz und Integration geprägt worden. In der Forschung wurden diese Beziehungen bislang nur unzureichend untersucht.

Jedoch bieten sich durchaus Anknüpfungsmöglichkeiten, so beispielsweise in den Diskussionen um ‚Pfalz und Stadt‘ oder um ‚Burg und Stadt‘ im Frühen und Hohen Mittelalter, deren Fragestellungen man in das Spätmittelalter und die Frühe Neuzeit verlängern und in Anbetracht des wesentlich reicheren Quellenmaterials erheblich erweitern und verfeinern kann. Mit Blick auf die Beziehungen zwischen Burg, Festung und Stadt hat die französische Forschung diesen Weg jüngst betreten. Aber auch die Rechts- und Sozialgeschichte hat verschiedentlich Wege geebnet. Und zuletzt waren es vor allem die Bau- und Kunstgeschichte, in der Fragen des Gegen-, Neben- und Miteinanders von Residenz und Stadt erörtert wurden. Aber auch einige Arbeiten der Reihe "Residenzenforschung" lieferten erste wichtige Beobachtungen zur baulichen Verbindung von Hof und Stadt.

Dennoch – und auffälligerweise – hat die so aktive deutsche Stadtgeschichtsforschung diesem Verhältnis bislang keinen thematischen Vorrang eingeräumt. Weder in der bekannten Reihe "Stadt in der Geschichte" des Südwestdeutschen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung noch in der noch stattlicheren Reihe "Städteforschung" des Instituts für vergleichende Städtegeschichte in Münster begegnet ein ähnlicher Titel. Auch die "Beiträge zur Geschichte der Städte Mitteleuropas" des Österreichischen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung in Linz haben nichts Entsprechendes zu bieten. Dabei ist die Burg oder ein fürstliches Haus in, an oder nahe der Stadt doch der Regelfall, wenn man von den großen und kleinen Freien Städten und Reichsstädten absieht, die unser Bewußtsein prägen und die ihre zumeist bischöflichen Herrn vertrieben oder auskauften und deren Residenz niederlegten oder umfunktionierten, in Lübeck z.B. in das "Burg"-Kloster. Andererseits konnten herrschaftliche Burgen in den Städten des Spätmittelalters auch funktionslos werden und deshalb verfallen. So geschehen im oberhessischen Frankenberg.

Residenzbildung und Hofhaltung waren oft eng an die infrastrukturellen Vorzüge einer Stadt gebunden, höfische Kultur und Repräsentation ohne das "Publikum" und die "Bühne" der Stadt nur schwer zu inszenieren. Aus der Verknüpfung von Hof und Stadt ergaben sich ebenso wirtschaftliche wie soziale Impulse. Mit dem Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit läßt sich vielerorts eine immer engere soziale Vernetzung zwischen der Gesellschaft des Hofes und jener der Stadt beobachten. Die verstetigte und zunehmend differenzierte Hofhaltung sowie der architektonische Ausbau von Residenzen führte oft zu einer gesteigerten Attraktivität für Zuwanderer – was spezialisierte Innovationsträger ebenso wie einfache Handwerker und Arbeiter anziehen konnte. Damit setzte nicht selten ein langfristiger und tiefgreifender Wandel sozialer und wirtschaftlicher Strukturen ein.

Derartige Veränderungen vollzogen sich keineswegs immer friedlich. Sozialer und wirtschaftlicher Wandel innerhalb der Stadt kannte Gewinner und Verlierer, erschütterte etablierte soziale Netzwerke und tradierte Organisationsformen, stellte bestehende Machtverteilungen in Frage. Das enge räumliche Nebeneinander von Hof und Stadt schuf und beförderte überdies Konkurrenz zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Systemen, entfachte Kämpfe um Herrschaftsansprüche und Autonomien, steigerte den Wettstreit verschiedener Lebensweisen und die Formen ihrer Repräsentation. Gerade im Konflikt schärfte sich aber auch das Bewußtsein um die eigene Identität, wuchs der Zwang zur Kreativität bei der Suche nach Ausdrucksmöglichkeiten ihrer Darstellung.

Stets bestimmte sich das Verhältnis zwischen Hof und Stadt auch nach der Größe und Bedeutung der Stadt und des Territoriums, in dem sich der Prozeß der Residenzbildung vollzog. Zugleich spielte die Frage, ob es sich um eine geistliche oder weltliche Herrschaft handelte, und ob der Hof die Stadt nur als Neben- oder als Hauptresidenz nutzte, eine wichtige Rolle. Bislang sind bevorzugt geistliche Residenzen untersucht worden. Es ist an der Zeit, mehr als zuvor den weniger zahlreichen, aber gewichtigeren weltlichen Residenzen nachzugehen.

Das Verhältnis von Burg und Stadt stellt sich am augenfälligsten im Befestigungszusammenhange dar, wobei zu beachten ist, daß keineswegs alle Städte von Burgen beschützt oder durch sie überwacht waren, zumal die geistlichen nicht. Zunehmend trennen sich Burg und Residenz, die eine wird zur Festung, die andere zum Palast und Schloß; Militärisches und Residentielles treten in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts auseinander, ohne sich jedoch ganz zu trennen, und sei es auch nur in Form eines Abstand gebietenden Trockengrabens, der noch den Louvre oder das Hôtel des Invalides des 17. Jahrhunderts von der Stadt abgrenzt.

Zum anderen stellt sich die Frage danach, welche Dinge einander ausschließen, wenn der Fürst zugegen ist. Im Grunde sind fürstliche Herrschaft und Stadtregiment nicht miteinander vereinbar, denn im Kern ist die Stadt eine im Schwur miteinander verbundene Gemeinde, die nach eigener Verwaltung, nach eigenem Recht, eigenem Siegel, eigenem Haus, eigenem Turm strebt, so wie er als Belfried in den großen und kleinen Städten Flanderns und Nordfrankreichs noch heute das Stadtbild beherrscht. Bei diesem Turm kann es sich auch um den Kirchturm handeln, wenn dieser in städtischem Besitz ist. Kein Fürst wird zulassen, daß ein Gebäude höher ragt als sein Bergfried, die alte, oft allein durch die Jahrhunderte gehegte und gepflegte dominatio, der donjon. Es gibt noch andere Symbole dieser Art: die Bannglocke, das Banner, den Schießplatz (anstelle des Turnierplatzes) und vor allem das Rathaus. Wenn der Fürst mächtig ist, kann er sogar verhindern, daß eine Stadt von 100 000, ja 200 000 Einwohnern jemals eine autonome Verwaltung ausbildet: der erste "maire" von Paris hieß Jacques Chirac. Residenzstädte haben oft schon im Mittelalter Freiheitsverluste hinnehmen müssen (so Wien zu Ende des 13. Jahrhunderts), nicht erst im Zeitalter der neuen Staatlichkeit des Absolutismus.

Schließlich kann es dazu kommen, daß die an der Burg, der Residenz wachsende oder erst entstehende Stadt ganz dem gestaltenden Willen des Fürsten unterworfen wird und in perspektivischer Planung, in symbolischer Ordnung nur ihn und seine Macht repräsentiert. Womit umgekehrt die Frage gestellt ist, wie denn autonome städtische Ordnung manifest wird: durch Gleichförmigkeit der Häuser und aller Repräsentation, die besonderen Aufwand nur an Bauten für und durch die Gemeinschafts erlaubt, an Kirche, Rathaus, Tanzhaus, Halle, Waage und Stadttor? Wie können fürstliche Hoheit und städtische Freiheit in Widerspruch und Koexistenz zusammenleben?

Ziel des Symposiums ist es somit, das komplexe Verhältnis zwischen Hof und Stadt näher auszuleuchten. Als zentrale Kategorien zur Beschreibung der Wechselbeziehungen dienen dabei die Begriffe ‚Konfrontation‘, ‚Koexistenz‘ und ‚Integration‘. Insbesondere Ergebnisse Jüngerer sollen vorgestellt und diskutiert (es wird voraussichtlich wieder Reisestipendien für Studierende geben), neue Fragen formuliert und weiterführende Wege gewiesen werden. In drei Sektionen soll dies geschehen, an konkreten Beispielen entfaltet, so daß sich im Gesamtprogramm etwa der folgende Ablauf ergibt:

 

 

Samstag, 25. September

Abendvortrag (z.B. zu Hof und Stadt insgesamt in kunstgeschichtlicher Sicht, oder zu Halle)

Empfang

 

Sonntag, 26. September

Exkursion

 

Montag, 27. September

Vormittags (4 Vorträge) und Nachmittags (4 Vorträge)

I. Architektur und Infrastruktur

Mögliche Themen:

  • Stadt(-entstehung) durch Residenz, Residenz(-entstehung) durch Stadt
  • Funktionen der Stadt für Fürst, Hof und Herrschaft
  • Warum hier und nicht dort? Die Frage nach den Motiven der Standortwahl
  • Stadtplanung in Residenzstädten
  • Grenzen durch Zeichen setzen: Die symbolische Abgrenzung von städtischer und höfischer Sphäre
  • Fast ein Schloß – fast ein Bürgerhaus: Imitation und Angleichung höfischer und bürgerlicher Baukunst
  • Ein jeder in seiner Kirche? Funktion und Lage von Schloß- und Stadtkirchen
  • Die Stadt als Festung, die Festung gegen die Stadt

 

 

Dienstag, 28. September

Vormittags (4 Vorträge)

II. Wirtschaft und Gesellschaft

Mögliche Themen:

  • Von Steigerung und Verfeinerung der Nachfrage: Der Hof als Konsument
  • Die Hofwirtschaft als Konkurrent städtischer Handwerke und Gewerbe
  • Gehen, wohin es sich lohnt: Migration in Residenzstädte
  • Soziale Vernetzung oder soziale Abgrenzung von Hof und Bürgerschaft? Bürgerrechtserwerb, Heiratspolitik, Patenschaften und Patronage in Residenzstädten
  • Eliten des Hofes – Eliten der Stadt
  • Aufstieg und Abstieg: Alte und neue Karrierechancen in Residenzstädten

Nachmittags (4 Vorträge)

III. Politik und Verwaltung

Mögliche Themen:

  • Politische Strategien der Stadt gegen Residenzbildung, politische Strategien zur Durchsetzung von Residenzbildung
  • Das Werben um das Hoflager: Städtische "Standortpolitik" in Mittelalter und Früher Neuzeit
  • Bürgerliche Autonomie und fürstlicher Herrschaftsanspruch
  • Zerstörungen: Nach dem Sieg der Stadt, nach dem Sieg des Fürsten
  • Die Verwaltung des Hofes, die Verwaltung der Stadt

Schlußwort

Gemeinsames Abschiedsessen

 

 

***

 

Anmeldungen

mit einer einseitigen Skizze des vorgeschlagenen Beitrags

richten Sie bitte

bis zum

1. September 2003

an die Arbeitsstelle Kiel der Residenzen-Kommission zu Händen von

Dr. Jan Hirschbiegel oder Dr. Jörg Wettlaufer

resikom@email.uni-kiel.de

 

 

Werner Paravicini, Paris – Andreas Ranft, Halle

Die Arbeit der anderen

 

Nochmals: Was war eine Residenz im späten Mittelalter?

Was ist eine Residenz? Lexika und Enzyklopädien sind sich einig. Der Brockhaus z.B. gibt folgende Antwort: "1) Wohnsitz eines Staatsoberhauptes, Fürsten oder hohen geistlichen Würdenträgers; 2) Hauptstadt eines Landes, das von einem Fürsten o.Ä. regiert wird (und in der er seinen Wohnsitz hat)". Und schon in Zedlers Universallexikon steht zu lesen: "Residenz ist diejenige Stadt, in der ein Potentat oder Fürst sein Hoflager hält, daselbst auch die obern Collegia, als Regierung, Hofgericht, Cammer und andere, so die gemeinen Angelegenheiten des Landes zu besorgen haben, verbleiben". Beiden Erläuterungen ist gemeinsam, daß sie sowohl auf den Wohnsitz als auch auf die Zentralverwaltung verweisen. Diesen recht klaren Erläuterungen zum Trotz gab es unter den Residenzenforschern einige Verwirrung (auf die zahlreichen Definitionsversuche wird unten genauer eingegangen). Eine Ursache hierfür liegt sicherlich in der Anwendung des Residenzbegriffs, der in der frühen Neuzeit geprägt wurde, auch auf das Mittelalter. Eine andere Ursache liegt im Ansatz der Residenzenforschung selbst.

I.

Als Hans Patze, der Initiator der Residenzenforschung, das Großprojekt auf den Weg brachte, hatte er eine klare Vorstellung vom Untersuchungsgegenstand. Als Residenz bezeichnete er jene "Orte, in denen Landesherren Behörden ausbilden, die ortsfest bleiben, die also auf Reisen dem Landesherren nicht mehr folgen". Wie Zedler und Brockhaus rekurrierte Patze auf die ortsfesten Institutionen der Zentralverwaltung, im Unterschied zu diesen blendete er – und das ist entscheidend – die personale Anwesenheit des Fürsten aber völlig aus. Warum? Weil es ihm im wesentlichen um einen Prozeß ging, nämlich den Wandel von der – idealtypisch gegenübergestellten – Reiseherrschaft zur Ausbildung von ortsfesten Herrschaftsinstitutionen. Die Begriffsdefinition Patzes wurde von diesem Erkenntnisinteresse bestimmt. Werner Paravicini fand für die zu lösende Aufgabe andere, klarere Worte: Die Residenzenforschung habe zu klären, "wann, wie und weshalb diejenigen Orte entstanden, die im alten Reich und zum Teil noch heute in den verschiedenen Territorien und Ländern Deutschlands und des deutschen Sprachgebietes Hauptstädte heißen".

Eine erste Ausarbeitung der von Patze nur grob umrissenen Begriffsdefinition leistete Klaus Neitmann. Nach der Prüfung des Verhältnisses einer Residenz zu Kunst und Kultur, zur Stadt und zu ortsfesten Zentralbehörden versuchte er, Merkmale zu bestimmen. Hierzu betrachtete Neitmann die "Phänomene" Archiv, Grablege, Universität. Ein Katalog von Definitionsmerkmalen zur Bestimmung einer Residenz ließ sich jedoch nicht gewinnen. Nach dem Scheitern dieses ersten Anlaufs versuchte Neitmann durch Beschwörung des "eher vorwissenschaftlichen Verständnisses von Hauptstadt und Residenz" zum Erfolg zu gelangen. Auch dieses ‚vorwissenschaftliche Verständnis‘ war allerdings geprägt durch die Definition Hans Patzes, denn nicht der Wohnort eines Fürsten, sondern der Mittelpunkt des politischen Lebens wurde nun als Residenz verstanden. Daß die Anwesenheit des Fürsten das Entscheidende sein könnte, schloß Neitmann ausdrücklich aus. Er wies zwar auf die Bedeutung der mittellateinischen Wurzel des Begriffs hin, als residentia sei der Wohnsitz einer Person bezeichnet worden, allerdings ohne notwendigen Bezug zum fürstlich-staatlichen Bereich, weshalb er diesen Gedanken nicht weiter verfolgte. Hier stellt sich die Frage, inwieweit der ‚fürstlich-staatliche Bereich‘ von der Person des Fürsten im Mittelalter überhaupt unabhängig sein konnte.

Im zweiten Anlauf gelangte Neitmann nun zu folgender Begriffsbestimmung: "Wenn ein Herrscher seine Reisen innerhalb eines Territoriums wesentlich einschränkt, wenn er eine dauerhafte Hofhaltung, verbunden mit Zentralbehörden, an einem Ort einrichtet und diesen Platz architektonisch ausgestaltet, wird man, alles zusammen als Einheit betrachtet, wohl von einer Residenz sprechen dürfen, ohne daß diesen Merkmalen damit Allgemeingültigkeit zugesprochen werden soll". Indirekt war nun also doch die dauerhafte Anwesenheit des Fürsten zur Sprache gekommen, denn was außer der häufigen persönlichen Präsenz sollte eine dauerhafte Hofhaltung rechtfertigen?

Zwei Dinge scheinen an den Ausführungen problematisch zu sein: zum einen der synonyme Gebrauch von "Residenz" und "Hauptstadt", und zum anderen die Heranziehung der Akzidenzien zur Definition bei gleichzeitigem Ausschluß des Wesentlichen: der Anwesenheit des Herrschers. Akzeptierte man Neitmanns Definition, so wäre in zahlreichen Territorien während des gesamten Mittelalters keine Residenz festzumachen, da eine dauerhafte Hofhaltung nicht die Regel war.

Diese Diskrepekanz zwischen Definition und Untersuchungsgegenstand spiegelt sich deutlich in den frühen Arbeiten der Residenzenforschung, die sich von den Vorgaben Patzes, denen Neitmann verpflichtet blieb, lösten. Karl-Heinz Ahrens definierte Residenz von vornherein über die fürstliche Anwesenheit: "Als Residenz betrachtet wird ein fürstlicher Herrschaftsmittelpunkt in einem weitgehend geschlossenen Territorium. [...] Der Residenzort tritt so im fürstlichen Itinerar als Ausgangs- und Endpunkt der herrscherlichen Reisen in einen klaren Kontrast zu bloßen Reisestationen".

Brigitte Streich stellte fest, daß man in Sachsen bis ins 16. Jahrhundert hinein der Terminologie der Reiseherrschaft verhaftet geblieben und eine Residenz nicht auszumachen sei. Gleichwohl rückte sie später von dieser engen Auslegung ab: "Residenzherrschaft ist ein hochproblematischer Begriff." Im engeren Sinne sei darunter "die hundertprozentige Ortsfestigkeit des Hofes", d.h. der Organe der Zentralverwaltung zu verstehen. Weil es diese nicht gab, ermittelte Streich im folgenden Residenzen aufgrund des Itinerars.

Peter Moraw brachte als erster grundsätzliche Kritik vor und merkte bereits 1991 an, Neitmann habe den "Hintereingang" gewählt, um sich dem Problem zu nähern. Des weiteren: Die Residenz habe sich nicht als das erwiesen, wonach Patze gesucht habe. Und schließlich: "Eigentlich hätte Patze von Hofforschung sprechen müssen". Die Residenzenforschung hat diese Kritik berücksichtigt und sich verstärkt der Erforschung des Hofes zugewandt. Allerdings gab Moraw keine Definition einer Residenz; das Problem der ortsfesten Institutionalisierung der Zentralverwaltung wurde damit sekundär, und der Wandel von der Reise- zur Residenzenherrschaft geriet aus dem Blick.

Werner Paravicini und Hans Patze konnten die Einwände Moraws noch im gleichen Jahr entkräften, indem sie formulierten: "Im Laufe der Diskussionen hat sich herausgestellt, daß zwischen Hauptstadt im Sinne von permanentem Sitz ausgegliederter Institutionen und Residenz als dem Ort sporadischen oder längeren Aufenthalts des Fürsten zu unterscheiden ist". Damit wurde eine bedeutsame Differenzierung getroffen und das Begriffsgemenge zwischen Residenz als temporärem Aufenthaltsort des Fürsten und Hauptstadt als dem Sitz der vom Fürsten räumlich unabhängigen Verwaltungsinstitutionen, das aus Patzes erster programmtischen Begriffsbestimmung resultierte, aufgeklärt. Von dieser Unterscheidung, vor allem dem Begriff der Hauptstadt, wird unten nochmals die Rede sein.

Diese begrifflichen Vorgaben sind bisher in der Forschung erstaunlicherweise kaum berücksichtigt worden. Auch nach der Veröffentlichung dieser Erläuterung stellten sich die Residenzenforscher die Frage: Was untersuchen wir da eigentlich? Sie versuchten mehr oder weniger stark, die ursprünglichen begrifflichen Vorgaben Hans Patzes mit den von ihnen herausgearbeiteten Verhältnissen in Übereinstimmung zu bringen.

Dieter Kerber zog den Begriff des Herrschaftsmittelpunktes vor, da er den Gebrauch des Begriffes "Residenz" für den von ihm gewählten Untersuchungszeitraum für problematisch hielt, zu deutlich hätten sich die Verhältnisse im Mittelalter von diesem mit neuzeitlichen Bedeutungsinhalten besetzten Begriffs unterschieden.

Johann Kolb gab einen Überblick über verschiedene Definitionsversuche bis Neitmann, anschließend gewann er durch Rekurs auf Max Weber folgende Definition: "Eine Residenz ist zu verstehen als Ort, an dem in quantitativ und qualitativ deutlich höherem Maße als an anderen Orten des Herrschaftsgebietes die mit der formalen Herrschaftsausübung verbundenen Funktionen – selbst herrschen und Herrschaft verwalten lassen – erfüllt werden". Diese recht allgemeine Definition zielte auf die Einbeziehung der ursprünglich mobilen und schließlich ortsfest gewordenen Elemente der Zentralverwaltung, vermutlich nicht auf die Sitze der Verwalter, z.B. Vögte und Schaffner, die allerdings dem Wortlaut nach alle in Residenzen lebten. Außerdem liegt, wie Kolb selbst erörterte, in der Unbestimmtheit der Formulierung "in deutlich höherem Maße" eine Unschärfe.

Michael Scholz löste das Problem, daß einerseits als Residenz der Wohnort des Fürsten, andererseits aber die vom Wohnort unabhängige Verwaltung bezeichnet werden soll, in dem er mit seiner Definition der Residenz vor Neitmann zurückging und sich an Ahrens anlehnte. Die von Patze aufgeworfene Problemstellung wurde gleichwohl weiter berücksichtigt. Sie fand ihren Niederschlag im Begriff der Residenzenherrschaft. Scholz stellte klar, daß mit diesem Terminus nicht die Herrschaft von Residenzen aus, sondern die ortsfeste Herrschaft gemeint war.

II.

Es ist offensichtlich: Von einer Residenz läßt sich – zumindest im Spätmittelalter – nicht sprechen, ohne den Hof und die Anwesenheit des Herrschers zu berücksichtigen. Wenn sich nun aber die Residenz über den Wohnsitz des Fürsten definierte, so bieten sich zwei Wege an, eine Residenz zu ermitteln. Zum einen über die Auswertung von Itineraren, zum anderen über die Untersuchung des fürstlichen Haushaltes. Im folgenden wird nur der letztere Weg begangen.

Auf Grundlage einer systematischen Untersuchung der in außergewöhnlicher Dichte überlieferten Rechnungsquellen des Hochstifts Basel, einer eher kleinen Territorialherrschaft, aus der Zeit Bischofs Johannes von Venningen (1458-1478), konnten in den bischöflichen Burgen bzw. Schlössern zwei unterschiedlichen Formen der Haushaltsführung festgestellt werden: Eigenhaushalt und Amtshaushalt.

Durch die häufige Anwesenheit des Bischofs und seines Hofes in Basel, Delsberg und Pruntrut entstanden dort besondere Bedürfnisse, auf die mit der Einrichtung eines Eigenhaushalts reagiert wurde. Nur hier hatten die Verwalter im Auftrag des Bischofs eine Hauswirtschaft zu führen; alle damit verbundenen Kosten, die Ausgaben für die Küche ebenso wie die Entlohnung des Hausgesindes, gingen zu Lasten des Bischofs.

In den übrigen Verwaltungseinheiten Zwingen, St. Ursitz, Birseck, Laufen und Biel fanden sich dagegen ganz andere Verhältnisse. Dort fiel die Führung der Hauswirtschaft in die eigenverantwortliche Zuständigkeit der Verwalter, sie wirkten gleichsam als spätmittelalterliche Subunternehmer und hatten für sich und ihre Hauswirtschaft aufzukommen. Diese zusätzliche Aufgabe wurde bei der Höhe ihres Lohnes berücksichtigt. Deshalb finden sich in den Territorialrechnungen der genannten Wirtschaftseinheiten weder Ausgaben für das Hausgesinde, noch für Nahrungsmittel zur Bestreitung der Lebensführung des Schloßpersonals. Der Bischof hatte lediglich für die Unterhaltung der Bausubstanz und zumindest für einen Teil des Inventars aufzukommen. Außerdem mußte er für die Verpflegung der Fronleistenden und der von ihm beauftragten Boten, Wächter und Handwerker dem Verwalter eine Pauschale erstatten, ebenso für die Mahlzeiten, die er selbst aus der Küche des Verwalters erhielt, und die während der Aufenthalte verbrauchten Naturalien. Er war sozusagen im eigenen Haus zu Gast. Daß die verschiedenen Formen der Bewirtschaftung ganz bewußt eingesetzt wurden, zeigt die Entwicklung Pruntruts vom Amts- zum Eigenhaushalt. Nachdem 1461 die Herrschaft aus württembergischer Pfandschaft zurückgekauft worden war, hat man dort zunächst noch einen Amtshaushalt geführt, erst ab 1468 ist nach umfangreichen Bauarbeiten ein Eigenhaushalt nachweisbar.

Bei den beiden kurz umrissenen Formen der Haushaltsführung handelt es sich um keine Besonderheit des Hochstifts Basel, sie lassen sich z.B. auch in der Herrschaft Breuberg nachweisen. Im Rechnungsjahr 1411/12 fanden sich hier noch die typischen Merkmale eines Amtshaushaltes: Der Getreideverbrauch und Nahrungsmittelkäufe wurden für jeden einzelnen Besuch des Grafen verzeichnet und die Mahlzeiten der Besucher dem Herrn in Rechnung gestellt. Den Lohn für den Koch sucht man dagegen in der Rechnung vergebens. Anders 1464/65: Nun wurden die einzelnen Nahrungsmittelkäufe abgerechnet und der Metzger für die Schlachtung des Viehs entlohnt; das Konto der Mahlzeiten und Imbisse ist verschwunden, statt dessen findet sich die Entlohnung des Hausgesindes, zu dem auch ein Koch gehörte. Die ebenfalls erhaltene Rechnung des Jahres 1477/78 weist die gleichen Merkmale eines Eigenhaushalts auf. Trotz einer großen Überlieferungslücke läßt sich der Wandel vom Amts- zum Eigenhaushalt recht genau datieren. Die Dienstanweisung Graf Michaels I. für das Hausgesinde auf Breuberg, die aus den Jahren 1428/30 stammt, ist ein deutlicher Beleg dafür, daß dieser hier einen neuen Haushalt begründete, der von Wilhelm I., Sohn Michaels, der mit seiner Frau auf dem Breuberg eine von zwei Wohnstätten unterhielt, beibehalten wurde. Zu den Hintergründen dieses Wechsels der Wirtschaftsform sei angemerkt, daß Graf Johann I. von Wertheim durch das Statut von 1398 den Besitz zwischen seinen Söhnen aus erster (Johann II.) und zweiter Ehe (Michael I.), der erst zwei Jahre nach dem Erlaß des Statuts geboren werden sollte, geteilt hatte. Nach Ende des Vormundschaftsverhältnisses 1418 hatte Graf Michael seinen Wohnsitz zunächst noch nicht auf dem Breuberg genommen – wahrscheinlich weil er in den 1420er Jahren in Diensten des Mainzer Erzbischofs stand und somit Mitglied des Hofes war, so daß sich die Unterhaltung einer eigenen, dauerhaften Residenz nicht lohnte.

Auch wenn die Unterscheidung von Eigen- und Amtshaushalten somit auf zwei Territorialherrschaften des 15. Jahrhunderts angewendet werden kann, so ist dennoch die Frage, ob zumindest für das späte Mittelalter die Wirtschaftsform des Eigenhaushaltes als sicheres Merkmal einer Residenz anzusehen ist, zu verneinen. Denn die Einrichtung eines Eigenhaushaltes konnte, so ist zumindest zu vermuten, nicht nur durch die regelmäßige Anwesenheit des Herrschers bedingt sein, sondern auch durch eine größere Zahl an Hausgesinde. Auf eine knappe Formel gebracht: Jede Residenz verfügte über einen Eigenhaushalt, aber nicht jeder Eigenhaushalt ist Beleg für eine Residenz.

III.

Im Gegensatz zu den häufig rezipierten Darlegungen Neitmanns kann abschließend festgehalten werden, daß sich im gesamten Mittelalter eine Residenz über die Anwesenheit des Herrschers bzw. der Herrscherin definierte. Als zwingend notwendige Voraussetzung ist die Einrichtung eines Eigenhaushaltes zu sehen, eines ortsfesten Haushaltes, der den mobilen Hof in Zeiten seiner Anwesenheit unterstützte. Mit anderen Worten: Als Residenz im engeren Sinne ist ein dauerhafter herrschaftlicher Haushalt zu bezeichnen. Hierfür ist keine Voraussetzung, daß der Potentat seine Reisetätigkeit einstellte. Auch sind mehrere Residenzen innerhalb eines Territoriums durchaus denkbar. Des weiteren: Nur an bevorzugten Aufenthaltsorten des Herrschers bestand überhaupt die Chance, daß sich das Personal der Zentralverwaltung von der räumlichen Bindung an den Herrscher lösen und in einer ortsfesten Institution zusammengefaßt werden konnte. Kam es zu diesem Prozeß der Seßhaftwerdung, so ist das Endprodukt lediglich als Folgeerscheinung, nicht aber als Merkmal einer Residenz anzusehen. Sollten sich die Verwaltungseinrichtungen unabhängig von der Anwesenheit des Herrschers und seiner Residenz an einem Ort etablieren, so ist m.E. von einer Hauptstadt zu sprechen. Dies ist der Abschluß jenes Wandels, dessen Erforschung Hans Patze im Sinn hatte.

Es sei daran erinnert, daß die diesem Fazit zugrundeliegende begriffliche Vorgabe seit 1991 in gedruckter Form vorliegt und mit dem üblichen Sprachgebrauch in Einklang steht; die eingangs angeführten zwei Bedeutungen des Begriffes werden lediglich differenziert gebraucht, um historischen Wandel genau bezeichnen zu können. Um so erstaunlicher ist, daß diese Vorgaben in den bisherigen Arbeiten zur Residenzenforschung kaum berücksichtigt wurde. Die Residenzen-Kommission hat jedoch in der jüngst vorgestellten Konzeption für den zweiten Band des Handbuchs "Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich" diese Unterscheidung erneut aufgegriffen.

Allerdings sind, auch wenn "Hauptstadt" als Gegenpol für die Untersuchung der Residenzen zunächst hilfreich ist, an dieser Stelle Bedenken gegenüber der Tauglichkeit des Hauptstadtbegriffs vorzubringen. Zwar ist "Hauptstadt" als Quellenbegriff seit dem hohen Mittelalter bezeugt, als solche wurden jedoch verschiedenste Stadttypen bezeichnet. Der Begriff bildet, so Gerhard Fouquet, "im Gewand des Immergleichen Wandel ab". Im Sinne einer genauen begrifflichen Fassung des historischen Wandels sollte daher von einer "Haupt- und Residenzstadt" gesprochen werden. Der Begriff der Hauptstadt suggeriert einen Grad an Modernität, der nicht vorhanden war. Es hatten, wie Fouquet betont, angesichts "der ungebrochenen Bedeutungskontinuität von Herrn und Hof die frühneuzeitlichen Reichsfürstentümer ihr Zentrum weniger in den Haupt- und Residenzstädten als in den Höfen, die in den Städten lediglich ein urbanes Gehäuse mit logistischen Funktionen fanden". Diesem Sachverhalt scheint der Begriff der "Haupt- und Residenzstadt" angemessener zu sein.

Volker Hirsch, Siegen*

Nicht daß wir die Bedeutung von Grablegen verkannt hätten. Aber niemals noch wurde uns eine solche Geschichte wie die folgende erzählt, die Geschichte einer gestörten Entwicklung, die nach Ansätzen und Notlagen, hoffnungsvoller Investition für die Ewigkeit und häufigem Traditionsbruch schließlich doch dem allgemeinen Trend folgte und auch diesmal den Weg von der abgelegenen Abtei zur residenznahen Kirche ging. Mißerfolge und Krisen lassen Strukturen oft deutlicher erkennen. Hier ist es der Fall. Ich bin den beiden Autoren, deren Vortrag mich in Lausanne beeindruckt hatte, dankbar für diese eigens für die MRK angefertigte Kurzfassung, die sie sogar noch ins Deutsche übertragen ließen. Die Übersetzung wird vielen das Verständnis dieses wichtigen Textes erleichtern. W.P.

 

Von der Klostergrablege zur Fürstengruft

Die Gräber der Herrscher des Hauses Savoyen zwischen Mittelalter und Renaissance

 

Von der Klostergrablege zur Fürstengruft: der Sonderfall Savoyen

Wie die meisten Herrscherhäuser des Spätmittelalters hatte auch das Haus Savoyen eine Familiengrablege: die Zisterzienserabtei Hautecombe am Ufer des Lac du Bourget. Seit dem 13. Jahrhundert fanden hier die Angehörigen des Hauses ihre letzte Ruhestätte. Starb ein Herrscher, so wurde sein Leichnam feierlich nach dieser Abtei überführt, bisweilen aus weiter Ferne. Graf Amadeus V. etwa starb am Sonntag, dem 16. Oktober 1323, am Papsthof von Avignon und wurde nach einer Reise von elf Tagen am 27. Oktober in Hautecombe bestattet. Die Überführung seines Sohnes Eduard, der in seiner Pariser Residenz Gentilly am 4. November 1329 starb, dauerte 18 Tage. Die Heimführung Graf Amadeus‘ VI. dauerte noch länger: Er starb am 1. März 1383 auf einem Feldzug in San Stefano bei Campobasso in Süd-italien; nach einer langen und beschwerlichen Reise über Land und Meer, während derer mehrere Mitglieder des gräflichen Gefolges starben, konnte er schließlich mehr als zwei Monate später am 7. Mai in Hautecombe bestattet werden.

Nach dem Beispiel zahlreicher anderer Herrscherhäuser des Hochmittelalters schuf das Haus Savoyen, dessen einzelne Länder sich damals zu einem einheitlichen Staat umbildeten, um diese letzte Reise des Herrschers ein großes Staatsrituell. Diese Reise war gleichsam eine letzte Herrscherankunft und wurde durch ein bis ins Einzelne festgelegtes Zeremoniell geregelt, das einem Modell folgte, welches im Gefolge Ernst Hartwig Kantorowicz‘ von vielen Historikern untersucht worden ist. Sehr deutlich sieht man dies bei der Überführung Graf Amadeus‘ VI. aus Süditalien nach Savoyen. Während der ersten Wochen der Überführung wurde der Sarg ganz einfach in den Herbergen abgestellt, wo der Trauerzug übernachtete. Sobald man jedoch in den vom Haus Savoyen beherrschten Landen war, wurde der Sarg feierlich in den Kirchen der Orte, in denen der Zug Halt machte, aufgestellt.

Wie im ganzen Abendland verlor jedoch auch in Savoyen dieses Modell der Herrscher-Heimführung gegen Ende des Mittelalters viel von seiner verpflichtenden Kraft. Die alten Königshäuser gaben zwar nie den Brauch auf, die Leiber der toten Herrscher bei den heiligen Gründungsvätern der Dynastie zur letzten Ruhe zu betten (Dagobert in Saint-Denis, Eduard der Bekenner in Westminster, Stanislaus in Krakau), aber viele Herrscher anderer Familien vernachlässigten die Klostergrablegen ihrer Vorväter und bevorzugten eine Grabstätte nahe der Residenz, von wo aus sie ihr Land regierten. Der Escorial, der zugleich Hauptstadt, Residenz des Hofes und Nekropole war, ist das vollkommenste Beispiel dieser neuen Art der Grablege, aber er steht ganz und gar nicht vereinzelt da, wie der Wandel der Begräbnisgewohnheiten deutscher Fürstenhäuser zeigt, die Kurt Andermann kürzlich untersucht hat. Das Haus Habsburg etwa gab die alten Grablegen bei den Benediktinern von Muri und bei den Klarissen von Königsfelden auf und ließ sich seit Herzog Rudolf IV. (1365) im Wiener Stephansdom bestatten. Die Markgrafen von Baden errichteten zu Beginn des 15. Jahrhunderts ihre Grablege im Chorherrenstift ihres Schlosses; nur noch das Herz wurde seitdem in die Zisterzienserinnen-Abtei Lichtenthal überführt, die alte Grablege der Markgrafen.

Nachdem sie 1416 Herzöge geworden waren, gaben die Savoyer um die Mitte des 15. Jahrhunderts Hautecombe auf. Nach einer Zeit des Übergangs wurde schließlich um die Mitte des 16. Jahrhunderts eine neue Grablege im Dom von Turin geschaffen, der unmittelbar an das Schloß der neuen Hauptstadt Turin grenzte. So wie die meisten anderen europäischen Herrscherhäuser gaben damals die Herzöge die Gewohnheit auf, die Angehörigen des Hauses an den verschiedensten Orten zu bestatten. Wie im Escorial wurde nun der Herrscher in der Nähe der Residenz bestattet, wo er gestorben war. Diese Wandlung der Begräbnisgewohnheiten änderte auch gründlich das Bestattungszeremoniell, denn da es nun keine feierlichen Überführungen des Herrscherleibes zu seinem Bestattungsort mehr gab, mußte man ein neues Bestattungszeremoniell erfinden, das schließlich ganz den ästhetischen Regeln des Barocks folgte.

Die Aufgabe der alten Grablege in der Abtei Hautecombe zugunsten der Gruft im Dom zu Turin folgte also der allgemeinen Entwicklung der Bestattungsgewohnheiten in den Herrscherhäusern der Renaissance. Dennoch vollzog sich dieser Wandel in Savoyen auf eine Weise, die kaum Entsprechungen in anderen Ländern hat. Zwischen der Aufgabe der Grablege in der Abtei Hautecombe um die Mitte des 15. Jahrhunderts und der Gründung der Fürstengruft im Dom zu Turin liegen hundert Jahre, während derer die Bestattungen an so verschiedenen Orten stattfanden, daß es schwierig ist, hier irgendeine Logik zu erkennen. Während dieser verhältnismäßig kurzen Zeit wurden die Angehörigen des Hauses in nicht weniger als achtzehn verschiedenen Orten bestattet, und damit sind nur die Orte gezählt, die in den vom Haus Savoyen beherrschten Ländern liegen (siehe Karte).

Diese hundert Jahre (ca. 1450-1550) fallen in eine Zeit großer Wirren, die den "Staat" Savoyen ernsthaft ins Wanken brachten. Vor allem der frühzeitige Tod mehrerer Herzöge im Jugend- oder gar Kindesalter führte zu schweren Auseinandersetzungen im Herrscherhaus. Hinzu kam, daß in diesen Zeiten großer innerer Schwierigkeiten das Land wiederholt von außen angegriffen wurde: von Frankreich, Mailand, Burgund und der Eidgenossenschaft. Der stark verschuldete savoyische Staat verlor zusehends die Kontrolle über seine Verwaltung. Zudem wurde seine Einheit im Innern bedroht, denn die einzelnen Länder, die "patriae" (Savoyen und Piemont, aber auch die Bresse, das Waadtland, das Aostatal und Nizza) pochten auf immer mehr Selbständigkeit und kämpften miteinander um die Beherrschung des Staates.

Die Geschichte der herzoglichen Bestattungen zeigt, daß diese hundertjährige "Zwischenzeit" mit ihren großen inneren und äußeren Schwierigkeiten eine Übergangszeit war. Die offensichtliche Planlosigkeit der Bestattungen zwischen 1450 und 1550 spiegelt die Zweifel und Schwierigkeiten eines Staates zwischen Mittelalter und Moderne, der sich damals grundlegend wandelte. Die Aufgabe der alten Klostergrablege Hautecombe und der langwierige Aufbau einer neuen Residenz in Turin spiegeln die Umgestaltung eines Lehnsfürstentums in einen modernen Staat. Unter diesem Blickwinkel wollen wir die offensichtliche Planlosigkeit der Savoyer bei der Wahl ihrer Begräbnisstätten während der Jahre 1450-1550 untersuchen.

Der Leib des Herrschers: Begräbnis und Herrschaftsübertragung

Die Aufgabe von Hautecombe steht am Ende einer langen Entwicklung. Während des gesamten vierzehnten Jahrhunderts wurden alle Angehörigen des Hauses Savoyen noch in Hautecombe bestattet. Zum ersten Mal durchbrach Graf Amadeus VIII. diese Gewohnheit, als er 1408 seinen noch sehr jungen Sohn Anton in Chieri bestatten ließ. Dieser ersten Bestattung ausserhalb von Hautecombe sollten bald weitere folgen: 1431 wurde zu Pignerolo Amadeus, ältester Sohn Herzog Amadeus‘ VIII., bestattet und 1443 zu Estavayer-le-Lac Humbert, der uneheliche Bruder des Herzogs. Obwohl drei andere Kinder 1407, 1430 und 1444 in Hautecombe bestattet wurden, zeigen diese ersten Fälle, daß der Niedergang der alten savoyischen Grablege begonnen hatte.

Der entscheidende Bruch geschah jedoch 1451, als Herzog Amadeus VIII. auf eigenen Wunsch gegen die Bestimmungen seines Testamentes von 1439 in der von ihm gegründeten Eremitage Ripaille bestattet wurde. Vielleicht glaubte Herzog Amadeus VIII., der am 6. Januar 1440 auf sein Herzogtum verzichtet hatte, um Papst Felix V. zu werden, daß sein Leib nicht in der Grablege seines Hauses ruhen sollte und daß die von ihm gegründete Einsiedelei Ripaille eher seiner geistlichen Würde entsprach. Zum ersten Mal seit 1233, also seit über zweihundert Jahren, war damit ein Haupt des Hauses Savoyen nicht in Hautecombe bestattet worden.

Amadeus‘ VIII. Nachfolger Ludwig († 1465) und seine Gattin Anna von Zypern wurden ebenfalls nicht mehr in Hautecombe bestattet; sie wählten sich als Grabstätte das Franziskanerkloster Genf. Diese Streuung der Begräbnisorte setzte sich nach Ludwigs Tod fort: Herzog Amadeus IX. († 1472) wurde in Vercelli bestattet, Philibert I. († 1482) wiederum in Hautecombe, Karl I. († 1490) in Pignerolo, Karl II. († 1496) in Moncalieri, Philibert II. († 1504) in Bourg-en-Bresse und Karl III. († 1553) in Vercelli. Während mehr als zweihundert Jahren, von 1391, dem Todesjahr Herzog Amadeus‘ VII., bis 1630, dem Todesjahr Herzog Karl Emmanuels II., wurde kein Herzog mehr am selben Ort bestattet wie der Vater.

Diesen Bruch muß man im Zusammenhang sehen mit der schweren Krise, welche Savoyen in diesen Jahrhunderten durchlebte. Der Großteil der Herzöge der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts starb während Zeiten innerer Wirren, die verhinderten, daß der verstorbene Herzog bei seinen Eltern bestattet wurde. Amadeus IX. etwa konnte nicht bei seinen Eltern in der Franziskanerkirche zu Genf bestattet werden, da ihn der Tod 1492 in Vercelli überraschte, wohin der Hof hatte fliehen müssen, da sein jüngerer Bruder Philipp von Bresse, der spätere Herzog Philipp II., sich gegen ihn erhoben hatte und das savoyische Land nördlich der Alpen in seine Macht gebracht hatte. Ebenso konnte Karl III. 1553 nicht in Hautecombe bei seinem Vater Philipp II. bestattet werden, da fast alle Länder Savoyens vom französischen König besetzt worden waren. Diese äußeren Umstände erklären aber nur teilweise diesen Bruch. Die Aufgabe der Grablege von Hautecombe hatte noch einen anderen Grund: die Wandlung des Verhältnisses des Herrscherhauses zu den Leibern der Ahnen.

Die Streuung der herzoglichen Begräbnisstätten wird begleitet von der Kürzung und Vereinfachung des Begräbniszeremoniells. Das Zeremoniell einer zweiten Bestattung etwa, das zum letzten Mal 1474 nachweisbar ist, wird endgültig aufgegeben. Auch die Erinnerung an die verschiedenen Begräbnisorte der Mitglieder des Hauses verliert sich zusehends. Zeugnis dafür ist die Unfähigkeit der Historiographen am Ende des 16. Jahrhunderts, den Begräbnisort von Amadeus‘ IX. ältestem Sohn Karl zu bestimmen, der 1471 im Alter von 15 Jahren gestorben war. Der Wandel der Begräbnisgewohnheiten hat mehrere Gründe: das Schwinden des Einflusses der kirchlich geprägten mittelalterlichen "memoria", das Wachsen der Sensibilität für das Makabre im Europa der Renaissance und schließlich die Schwächung des Familienbewußtseins.

Zur gleichen Zeit, als die Herzöge von Savoyen darauf verzichten, sich bei ihren Vätern bestatten zu lassen, verzichten sie auch auf die Sitte, die Namen der Ahnen weiterzugeben. Die alten Leitnamen Humbert und Amadeus wurden aufgegeben zugunsten von Karl, Philibert, Anton, Janus, Ludwig oder Emmanuel: Namen die der Namenstradition des Hauses völlig fremd waren. Seit 1502 verzichteten die Savoyer auch auf den Ritus der Weitergabe des Mauritiusringes, der bis dahin das äußere Zeichen der Herrschaftsübergabe gewesen war. Dieser Ritus begann bereits auf dem Sterbebett des alten Herrschers. Er diktierte sein Testament und übergab dann den Ring seinem Nachfolger. Die feierliche, offizielle Übertragung der Herrschaft geschah dann in Hautecombe bei der Bestattung des alten Herrschers, denn dort, bei der Grablege, empfing der neue Herrscher die Huldigung seiner Vasallen.

Grund für die Aufgabe dieses alten Ritus des Herrschaftsübergangs war der ständig wachsende Einfluß der Ständeversammlungen. Herzog Philibert I. wurde 1472 vor einer eigens zu diesem Zwecke einberufenen Ständeversammlung zum neuen Herzog ausgerufen. Nach seinem Tode im Jahre 1482 wurde die Nachfolge erneut in einer Ständeversammlung geregelt. Dank dieser Ausrufung des neuen Herzogs vor den Ständen verlor die Bestattungsfeier viel von ihrer früheren politischen Bedeutung. Die Folge war, daß man den verstorbenen Herzog sehr rasch bestattete, um den Nachfolger so schnell wie möglich vor den Ständen auszurufen. Herzog Amadeus IX. († 1472) etwa wurde bereits am übernächstem Tag in Vercelli bestattet, nur einige hundert Meter von seinem Sterbeort entfernt; so konnte die Witwe Jolanda ihren Sohn Philipp sofort vor den Ständen Piemonts zum neuen Herzog ausrufen lassen, noch bevor dessen Bruder Philipp von Bresse reagieren konnte. 1490 bestattete Bianca von Montferrat inerhalb von vier Tagen ihren Gemahl Karl I. Noch am Begräbnistag ließ sie sich zur Regentin ausrufen, um dem Herzog von Mailand jede Einflußnahme unmöglich zu machen.

Die Zeit der feierlichen Trauerzüge, in denen die Getreuen ihren toten Herrscher zu seiner letzten Ruhe begleiteten, war endgültig vorbei. Der Herzog wurde nun so schnell wie möglich beerdigt, damit kein Vakuum entstand und die Nachfolge sofort geregelt werden konnte. Denn der Tod des Herrschers eröffnete eine Zeit der Unsicherheit. Er weckte Befürchtungen und Ängste, die sich abheben von der Abgeklärtheit des gemeinsamen Totengedächtnisses aller Untertanen während der Bestattungen des 14. Jahrhunderts. Die Bestattungen erhalten am Ende des 15. Jahrhunderts eine zusehends größere emotionale Färbung. Während die ersten Geschichtsschreiber des Hauses Savoyen (Cabaret, Servion) fast nie den Schmerz der Verwandten erwähnen, beschreiben die Chronisten vom Ende des 16. Jahrhunderts (Perrinet Dupin, Chronica latina Sabaudie) ausführlich die Trauerbezeugungen der Angehörigen.

Am Ende des 15. Jahrhunderts öffnete der Tod des Herrschers eine klaffende Wunde im "Staatsleib", die so schnell wie möglich geschlossen werden mußte durch die Bestattung des toten Herrschers und die Wahl seines Nachfolgers. So schnell wie möglich bedeutete nun auch: so nah wie möglich. Von nun an wurden die Herzöge von Savoyen am Sterbeort bestattet. Nach dem Vorbild Amadeus‘ IX., Karls I. oder Karls II. fanden sie ihr Grab nur wenige hundert Meter von dem Schloß entfernt, in dem sie gestorben waren. Sogar die gemeinsame Bestattung des Herrscherpaares wurde nun aufgegeben. So wurde Bianca von Montferrat 1509 nahe dem Schlosse von Carignano bestattet, wo sie gestorben war, und nicht neben ihrem Gatten Karl I. in Pignerolo. Das Grab des Herzogs war im wörtlichen Sinne seine letzte Wohnstätte. Die Karte der Herzogsgräber entspricht der Karte der herzoglichen Residenzen.

Wie in jeder Regel gibt es natürlich auch hier Ausnahmen, vor allem dann, wenn der Herzog im Ausland starb. Philibert I. etwa, der 1482 in Lyon gestorben war, wurde nach Hautecombe überführt, das nicht allzu weit entfern von Lyon lag. Andere Bestattungen in Hautecombe hatten eine ganz bestimmte politische Bedeutung wie etwa die Philipps II., der sich 1497 mit großem Aufwand in Hautecombe bestatten ließ. Philipp war ein Rebell im Hause Savoyen, der schließlich erst nach einer Reihe unvorhersehbarer Todesfälle den Herzogsstuhl bestieg und der während seiner Rebellion für den savoyischen Adel Partei ergriffen hatte. Seine Bestattung nahm daher ganz bewußt die alten Bräuche des 14. Jahrhunderts wieder auf. Nach seinem Tod in Chambéry wurde er fünf Tage lang im Schloß aufgebahrt, dann feierlich zum Priorat Le Bourget überführt und von dort mit einem Schiff nach Hautecombe gebracht.

Dies war jedoch ein Einzelfall. Hautecombe wurde nicht noch einmal die Grablege der Herzöge. Philipp II. sollte der letzte Herzog sein, der hier seine letzte Ruhe fand. Sein Sohn Philibert II. († 1504), der nur sieben Jahre später starb, wurde in Brou bestattet. Die Bestattung des verstorbenen Herrschers wurde beim Herrscherwechsel etwas Zweitrangiges. Von nun an wurden die Herzöge vor der Ständeversammlung ausgerufen. Dies ist keineswegs eine savoyische Besonderheit, denn in fast allen europäischen Staaten läßt sich dieser Wandel beobachten, etwa in Frankreich. Ludwig XIII. z.B. wurde durch ein lit de justice zum neuen König ausgerufen, noch bevor sein Vater in Saint-Denis bestattet worden war. Bemerkenswert ist freilich die Frühzeitigkeit dieser Entwicklung in Savoyen, wo bereits seit dem 15. Jahrhundert das Begräbniszeremoniell seine traditionelle Rolle bei einem Herrscherwechsel verloren hatte. Es hat ganz den Anschein, als hätten die Krisen, die das Haus Savoyen im Spätmittelalter schüttelten, diese Entwicklung beschleunigt.

 

Grabstätten und Stadtresidenzen

Während sich ihre Ahnen in der einsam gelegenen Abtei Hautecombe bestatten liessen, fanden die Herzöge der Jahre 1450-1550 im allgemeinen ihre letzte Ruhestätte in den Städten. Die Ablösung der auf dem Lande liegenden Abteien durch Kathedralen und Stadtklöster entspricht der allgemeinen Entwicklung des Spätmittelalters. Hier zeigt sich aber auch der wachsende Einfluß, den die Städte damals innerhalb Savoyen gewannen. Das lange Zeit ländlich geprägte Savoyen hatte sich im Laufe des 15. Jahrhunderts tiefgehend gewandelt, nachdem es den Herrschern gelungen war, Bischofsstädte wie Nizza, Turin und Vercelli zu erwerben.

Hauptziel der savoyischen Begehrlichkeit war freilich Genf, das damals seine mittelalterliche Blüte erlebte. Obwohl die Savoyer nicht Herren der Stadt waren – Herr war der Bischof –, übten sie hier dennoch einen beträchtlichen Einfluß aus, denn sie besaßen seit dem Ende des 13. Jahrhunderts das Vidomat, dem die Rechtssprechung unterstand. Sie hatten einen starken Rückhalt in der Bürgerschaft und residierten oft in der Stadt, vor allem im Dominikaner- oder Franziskanerkloster. Dieser wachsende Einfluß in Genf führte dazu, daß man hier eine neue Grablege plante, denn Herzog Ludwig und seine Frau Anna von Zypern ließen sich in einer Kapelle der Franziskanerkirche bestatten.

Anna von Zypern hatte die Kapelle am 4. Juni 1451 gestiftet und Unserer lieben Frau von Bethlehem geweiht. Die Kapelle sollte dem Gedächtnis der Geburt Christi dienen, wie die lange Einleitung der Gründungsurkunde zeigt. Eine zusätzliche Stiftung Herzog Ludwigs vom 24. Januar 1463 zeigt deutlich die Bindung an das Haus Savoyen, denn die Chorknaben der Kapelle werden "les innocents de notre illustre Maison de Savoie" genannt. Sehr schnell wurde diese Kapelle eine Begräbnisstätte: bereits ein Jahr später, 1452, wurde hier Anna, eine Tochter des Herzogpaares, bestattet und zehn Jahre später, im Jahre 1462, fand die Herzogin selbst hier ihre letzte Ruhestätte.

Anna von Zypern hatte den Plan, in dieser Kapelle ein großes Grabmal zu errichten, denn 1460 bat sie den Rat der Stadt, das Stadttor neben dem Franziskanerkloster zu versetzen, um den Bau ihrer Kapelle vollenden zu können. Nach ihrem Tode verfolgte der Herzog die Pläne seiner Frau weiter. 1464 betraute er Blaise Neraudi mit der Aufsicht über den sehr großzügig geplanten Bau. Die Kapelle sollte einen Turm und zwei Fialen haben und sie sollte hoch genug sein für ein Nischengrab mit der Liegefigur der Gräfin. Die Gräfin trug das Franziskanerhabit und war von "ymagines" umgeben, womit wahrscheinlich Klagefiguren gemeint sind. Der Vertrag erwähnt noch eine weitere Kapelle innerhalb dieser Kapelle: das "sepulcrum domini". Hier wollte der Herzog zweifellos das Heilige Grabtuch aufbewahren, das er 1453 in Genf erworben hatte. Dies alles zeigt die Wichtigkeit der Gründung des Herzogs, die sicherlich Hautecombe als Grablege ablösen sollte. Die Stiftung von 1463 bestimmte ausdrücklich, daß die Franziskaner "für unsere Nachfolger, die Herren des Hauses Savoyen" beten sollten. Herzog Ludwig, der 1465 in dieser Kapelle bestattet wurde, rechnete sehr wahrscheinlich damit, daß auch seine Nachfolger sich hier würden bestatten lassen.

Doch es sollte anders kommen. Die Stiftung des Herzogpaares in Genf wurde nicht die neue Grablege des Hauses Savoyen. Nur eine der zahlreichen Töchter des Herzogs wurde hier im Jahre 1499 bestattet. Grund des Mißerfolgs der Genfer Grablege war zweifellos, daß die Savoyer sich von Genf entfernten. Seit Amadeus IX. (1465-1472) residierten die Herzöge immer seltener in Genf, dessen Messen damals gegenüber Lyon zunehmend an Bedeutung verloren.

Der Plan einer neuen Grablege verschwand damit aber keineswegs, denn Ludwigs Nachfolger Amadeus IX. nahm ihn wieder auf, diesmal zugunsten von Chambéry. Diese Stadt war seit dem Ende des 13. Jahrhunderts die Verwaltungshauptstadt der Savoyer. Chambéry war klein, bescheiden und hatte bis dahin nie den Hof angezogen. Nachdem Amadeus IX. Genf und die Ufer des Genfer Sees verlassen hatte, wo seine Vorfahren so gerne residiert hatten, gab er Chambéry eine neue Bedeutung. Er versuchte, der von Amadeus VIII. im Schloß von Chambéry gebauten Kapelle eine besondere Bedeutung zu geben.

1467 hatte der Herzog von Papst Paul II. die Erlaubnis erhalten, in der Kapelle ein Chorherrenstift zu gründen mit zwölf Chorherren, sechs Priestern, sechs Chorknaben, vier Klerikern und einem Organisten. Der Kapitelsdekan trug den Titel "Sabaudie decanus", führte Mitra, Stab und die anderen "pontificalia" und besaß die geistliche Gerichtsbarkeit im Dekanat Savoyen, d.h. im dem Gebiet der Diözese Grenoble, das um Chambéry in Savoyen lag. Diese Gründung war Teil des Bemühens, dem Schloß von Chambéry, das in der Bulle "totius ducatus Sabaudie caput" genannt wurde eine neue Bedeutung zu geben.

1472 wird diese Schloßkapelle zum ersten Mal "Sainte-Chapelle" genannt. Dieser neue Name zeigt, daß hier nun das Heilige Grabtuch aufbewahrt wurde, das in einem Inventar der Kapelle zum ersten Mal am 6. Juni 1483 erwähnt wird. Die Überführung des Grabtuches von Genf nach Chambéry zeigt, daß die "Sainte-Chapelle" von Chambéry die Nachfolge der Kapelle in der Franziskanerkirche von Genf antreten sollte. Wie die Genfer Kapelle sollte auch die "Sainte-Chapelle" Begräbnisstätte sein. Das zeigt eine Bulle Papst Sixtus‘ IV. vom 1. Oktober 1472, wo ausdrücklich von Trauerfeierlichkeiten für den Herzog und seine Kinder gesprochen wird. Amadeus IX. unternahm hier umfangreiche Arbeiten, wahrscheinlich wollte er selbst hier bestattet werden. Doch es sollte erneut anders kommen: der Tod überraschte ihn 1472 in Vercelli, als Chambéry in der Hand seines aufständischen Bruders war.

Der Plan, in Chambéry eine neue Grablege zu gründen, war damit aber keineswegs aufgegeben; er wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts wieder aufgenommen. Am 11. Juni 1502 wurde das Grabtuch erneut feierlich in die Kapelle von Chambéry überführt. Sie diente in der Folge als Grablege der Herzoginwitwe Claude de Brosse im Jahre 1513 und deren Tochter Philiberte im Jahre 1524. Herzog Karl III. erreichte durch eine Bulle Papst Leos X. vom 6. Juni 1524 die Erhebung der "Kirche des Heiligen Grabtuches im Schloß Chambéry" zu einer Kirche mit erzbischöflichem Rang. Es ist möglich, ja wahrscheinlich, daß Karl III. hier begraben sein wollte, doch die französische Invasion von 1536 verhinderte dies; er wurde aus dem Lande gejagt und sollte Chambéry nie mehr wiedersehen.

Die Versuche, in Genf und Chambéry neue Grablegen zu gründen, waren gescheitert. Die Herzöge des ausgehenden Mittelalters wurden weiterhin in jenen Städten bestattet, in denen sie bei ihrem Tode residierten. Anders als die deutschen Fürsten, die es vorzogen, am Rande oder in der Nähe der Stadt zu residieren, übernahmen die Savoyer die italienische Tradition der Fürstenresidenz mitten in der Stadt. Mehrere dieser Residenz-Städte waren Bischofssitze, welche seit dem Kondordat von 1452 in der Hand der Savoyer waren. Sie besetzten die Bistümer mit ihren nachgeborenen oder unehelichen Söhnen, die sich bei ihrem Tode in der Kathedrale bestatten ließen. So etwa Johann Ludwig von Savoyen. Er besaß eine große Zahl von Pfründen, unter ihnen das Bistum Genf, das Priorat Romainmôtier, und er war gleichzeitig Gouverneur des Piemont. Bei seinem Tod im Jahre 1482 ließ er sich im Dom von Turin bestatten. Er war der erste in Turin bestattete Savoyer. Ihm folgte acht Jahre später sein Bruder Franz, der ebenfalls Bischof von Genf war und außerdem noch Generalgouverneur des gesamten Herzogtums.

 

"Patries", Apanagen und die Streuung der Herrschergräber

Die Streuung der savoyischen Bestattungsorte ist eine Folge des Auseinanderdriftens der einzelnen Länder innerhalb des savoyischen Staates. Seit 1440 wurde Savoyen durch das steigende Selbstbewußtsein der einzelnen "patriae" destabilisiert, die miteinander um die Gunst des Herrschers kämpften. Der Hof selbst war geteilt in eine piemontesische und eine savoyische Partei; daneben mußte man jedoch auch mit den Forderungen kleinerer "patriae" rechnen (Bresse, Waadt, Aostatal, Genevois, Nizza). All diese Länder besaßen ihre eigenen Stände und manche hatten bisweilen sogar eigene Regenten, denn das Piemont, die Bresse und das Genevois wurden im 15. Jahrhunderte als Apanagen ausgegeben und besaßen ihre eigenen alten Grablegen. Das verstärkte nur noch die Entwicklung zur Streuung der Grablegen.

Die 1402 von den Savoyern erwobene Grafschaft Genf ist ein gutes Beispiel. Herzog Amadeus VIII. gab 1434 die Grafschaft, die um das Schloß von Annecy lag, seinem jüngsten Sohn Philipp. Dieser starb jedoch bereits 1444 und wurde nach seinem Willen in Hautecombe bestattet. Dies zeigt, daß er sich vor allem als Savoyer betrachtete und weniger als Graf von Genf. Dies änderte sich jedoch in der folgenden Generation. Janus, Sohn Herzog Ludwigs und neuer Graf von Genf, ließ sich 1492 neben seiner Gattin Helena († 1488) in der Dominikanerkirche Annecy bestatten, wo später auch noch seine Tochter Louise († 1530) ihr Grab fand. Durch die Wahl dieses Begräbnisortes betonte Janus seine Unabhängigkeit vom herrschenden Herzogshaus. Noch einen Schritt weiter ging man in der folgenden Generation, als die Grafschaft Genf an Philipps II. Sohn Philipp fiel. Der neue Graf erhielt den Titel Herzog von Genevois-Nemours, und seine Nachkommen trugen diesen Titel bis zum Aussterben dieses Zweigs im Jahre 1655. Um seine Unabhängigkeit gegenüber der herzoglichen Linie zu zeigen, ließ er sich 1533 im Chorherrenstift Notre-Dame de Liesse zu Annecy bestatten, wo sich die Grablege der vorsavoyischen Grafen von Genf befand. Innerhalb dreier Generationen wechselten somit die Savoyer, welche die Grafschaft Genf als Apanage besassen, von der alten savoyischen Grablege Hautecombe zu einer von ihnen selbst ausgesuchten Grabstätte und schließlich zur Nekropole der alten Grafen von Genf.

Die Bresse bietet ein anderes, ebenso aufschlußreiches Beispiel. Nachdem sie dem fünften Sohn Herzog Ludwigs, Philipp, als Apanage überlassen worden war, wurde sie zur Grafschaft erhoben und sie erwarb eine gewisse Autonomie, die ihren sichtbaren Ausdruck in der Schaffung einer neuen Nekropole fand. In seinem Testament aus dem Jahre 1492 erwählte sich Graf Philipp von Bresse eine Grabstätte in der Kirche von Brou vor den Toren von Bourg-en-Bresse, wo bereits seine Gemahlin Margareta von Bourbon († 1483) bestattet worden war. Als er jedoch 1496 unerwartet Herzog von Savoyen wurde, änderte er diese Bestimmung. Brou war offensichtlich nicht der angemessene Ort für das Grab eines Herzogs. Er wollte in Hautecombe, der alten savoyischen Nekropole, bestattet werden.

Brou wurde damit jedoch keineswegs als Grablege aufgegeben, denn 1504 wurde hier Philipps Sohn, Herzog Philibert II., bestattet. Dies erklärt sich zweifellos zum Teil dadurch, dass Philibert II. in Pont-d’Ain starb, nicht weit von Brou entfernt; sicherlich war aber auch von Bedeutung, daß in Brou bereits seine Mutter begraben war. Philibert II. erhielt das Grab eines Herzogs von Savoyen; Zeugnis ist das Stück vom Grabtuch, das bei seinem Grab aufbewahrt wurde. Zugleich aber stand er, der ohne Nachkommenschaft gestorben war, auch in der Tradition der Grafen von Bresse, deren Zweig er entstammte. Sein Halbbruder, der ihm nachfolgte, Karl III., kümmerte sich freilich kaum um Brou, das er seiner Schwägerin Margaretha von Österreich überließ. Diese baute dann aus eigenen Mitteln die neue Kirche, in der sie sich 1530 neben ihrem Gemahl bestatten ließ. Die von Margaretha in Auftrag gegebene Ausstattung gab Brou einen ganz außergewöhnlichen Glanz. Aber die Kirche, die von den Niederlanden aus durch eine habsburgische Prinzessin errichtet wurde, ist eher das Mausoleum eines einzelnen Ehepaares als eine dynastische Grablege.

Piemont bietet ein Beispiel, das noch bezeichnender ist. Es besaß bereits seit langer Zeit eine große Selbständigkeit, denn ein Großteil des Piemont war seit dem Ende des 13. Jahrhunderts die Apanage des Zweiges Savoyen-Achaia, der Residenz und Grablege in Pignerolo hatte. 1418 war das Fürstentum an Herzog Amadeus VIII. zurückgefallen, der es aber bereits sechs Jahre später seinem ältesten Sohn Amadeus als Apanage überließ. Dieser reihte sich ganz in die Tradition von Savoyen-Achaia ein: Er übernahm den Fürstentitel und wurde nach seinem vorzeitigen Tode im Jahre 1431 in Pignerolo bestattet. Durch diese Bestattung in Pignerolo und nicht in Hautecombe wollte der Hof sicherlich dem piemontesischen Partikularismus Rechnung tragen.

Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts nämlich versuchte der piemontesische Adel, mehr zu sein als ein bloßer Apanagestand und die Vorherrschaft im savoyischen Staat zu erobern. Sie wünschten die Gegenwart des Herzogs in ihrem Land, sei er nun tot oder lebendig. Dieses Streben nach der Vorherrschaft im Staate zeigt sich in der Bestattung "ultra montes" der Herzöge Amadeus IX. († 1472), Karls I. († 1490) und Karls II. († 1496). Diese Entwicklung wurde unterbrochen, als Philipp von Bresse 1496 Herzog wurde. Philipp blieb frankophil bis zu seinem Tode. Er selbst († 1497) sowie sein Sohn Philibert II. († 1504) wurden "citra montes", in Hautecombe und Brou, bestattet. Diese Bestattungen nördlich der Alpen beunruhigten die Piemontesen; sie gaben zwar ihre Zustimmung zur Bestattung Philipps II. in Hautecombe, verlangten aber, daß sein Sohn Philibert II. nachher sofort ins Piemont komme.

Die Piemontesen wünschten zwar die Bestattung des toten Herzogs in ihrem Land, wenn es aber um die Entscheidung ging, in welcher Stadt der Herzog bestattet werden sollte, waren sie sich uneins. Turin, Pignerolo, Moncalieri und Savignano, welche damals die gleiche Bedeutung hatten und um die Vorherrschaft in der Region kämpften, rivalisierten miteinander um die Bestattung des Herzogs. Als Pignerolo 1496 erfuhr, daß der verstorbene Herzog Karl II. in seinem Sterbeort Moncalieri bestattet werden sollte, wurde sofort eine Gesandschaft nach Moncalieri mit der Forderung geschickt, den Herzog in Pignerolo zu bestatten, denn dort befinde sich die alte Grablege der Fürsten des Piemont. Als die Gesandten in Moncalieri ankamen, mußten sie feststellen, daß der Herzog bereits beigesetzt war, was sie unmittelbar ihrer Stadt berichteten, in der kein Herrscher mehr bestattet werden sollte.

Es war Turin, daß schließlich gegen Ende des 15. Jahrhunderts seinen Vorrang im Piemont durchsetzte. Turin machte sich zunutze, daß es seit 1421 eine Universität beherbergte. Turin war zudem die Verwaltungshauptstadt des Piemont, denn hier tagte der herzogliche Rat. Mit der Zeit wurde die Stadt der bevorzugte Residenzort der Savoyer und gegen Ende des 15. Jahrhunderts werden hier die ersten Savoyer beigesetzt: so im Jahre 1482 Johann Ludwig, Sohn Herzog Ludwigs, Bischof von Genf und Generalgouverneur des Piemont. Wenig später, 1485 und 1491, wurden hier sein Neffe Jakob-Ludwig von Genf und sein Bruder Franz, Erzbischof von Auch, bestattet. Herzog Karl III. bestattete hier 1532 und 1536 zwei seiner Kinder. Dieser Aufstieg Turins fand seine Krönung 1563, als Herzog Emmanuel-Philibert hier seinen Hof aufschlug. Damit war Turin Residenz des Hofes und Verwaltungshauptstadt Savoyens. Emmanuel-Philibert bestattete hier 1574 seine Gemahlin und wählte sich selbst 1580 sein Grab nahe dem Heiligen Grabtuch, das er zwei Jahre vorher aus Chambéry hierhin hatte überführen lassen. Seine Bestattung in Turin besiegelte den Triumph der Piemontesen über die Savoyer sowie den Vorrang Turins gegenüber allen anderen piemontesischen Städten.

 

Zusammenfassung

Die Aufgabe der feierlichen Überführung des toten Herrscherleibs zur Grablege des Hauses ist nur ein Element unter vielen, die eine Änderung der Herrschaftspraxis anzeigten. Der Herrscher gibt die mittelalterliche Übung auf, zu regieren, indem er unaufhörliche durch seine Lande reitet. Das mittelalterliche Begräbniszeremoniell von Hautecombe war der letzte Akt dieser Art der Herrschaftsausübung, die auf einem Netz persönlicher Beziehungen ruhte, welche der Herrscher durch seine ständigen Umritte in seinem Land pflegte. Die Bestattungsfeierlichkeiten der Zeit nach 1550 im Dom zu Turin, der einen Teil des Schlosses bildete, zeigen uns einen Zentralstaat, in dem die Reisen des Herrschers sich auf die Übersiedlung des Hofes in die Sommerresidenzen beschränkten. Die hundert Jahre zwischen 1450 und 1550 waren eine Zeit der Suche, an derem Ende die neue Grablege in Turin steht.

Die Geschichte der Grablegen des Hauses Savoyen ist reich an gescheiterten Projekten, doch der Geist mancher Gründung wirkte weiter und wurde schließlich anderswo verwirklicht. Zwar scheiterte der Plan einer neuen Grablege in der Franziskanerkirche zu Genf. Aber das von Herzog Ludwig und Anna von Zypern in Genf gestiftete "Heilige Grab" kündigte einen neuen Typ von Grablege an, der später in der "Heiligen Kapelle" zu Chambéry und in der barocken Kapelle des Grabtuches im Dom zu Turin seine Verwirklichung finden sollte. Auch die Erhebung der "Heiligen Kapelle" zu Chambéry in eine Kirche erzbischöflichen Rangs sollte nachwirken. Chambéry war das Modell einer Grablege in der Herrscherresidenz, wie sie später Emmanuel-Philibert in Turin schuf.

Der Reichtum savoyischer Quellen über die Herrscherbestattungen zwingt dazu, diese wenig erforschten Jahre des Hauses Savoyen erneut zu untersuchen und das traditionelle Bild eines Herzogtums, das zwischen 1450 und 1550 eine Zeit der Wirren und des Zerfalls durchlebte, zu revidieren. Dieses Bild ist gewiß nicht ganz falsch; doch waren diese Schwierigkeiten zugleich Herausforderungen, die den Staat zwangen, sich zu modernisieren. Ein Beispiel ist etwa die Herrscherausrufung vor den Ständen im Jahre 1472. Der savoyische Staat zeigte eine bemerkenswerte Fähigkeit, sich neuen Gegebenheiten anzupassen, gab er doch die alten Hauslande um die savoyischen Seen auf, um südlich der Alpen um Turin ein neues Zentrum zu schaffen. Diese hunderte Jahre zwischen der Aufgabe der Klostergrablege Hautecombe und der Gründung der Residenz-Grablege Turin waren eine Zeit schöpferischer Umgestaltung. Der Reichtum und die Verschiedenheit der Projekte einer neuen Grablege des Hauses Savoyen sind dafür ein eindrucksvolles Zeugnis.

Bernard Andenmatten, Lausanne – Laurent Ripart, Chambéry*

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Herrschertreffen
Ritual, Zeremoniell und Politik bei spätmittelalterlichen repräsentativen Akten

Vorstellung des mediävistischen Teilprojekts des neuen
Heidelberger Sonderforschungsbereiches 619

Spätmittelalterliches höfisches Leben entfaltete sich nicht nur alltags bei Hofe, sondern auch auf den Reisen des Hofes und ganz besonders anläßlich der Begegnung zweier Herrschaftsträger. Der repräsentative Akt ‚Herrschertreffen‘ bietet sich als Kristallisationspunkt adlig-höfischen Verhaltens, als Amalgam aus Politik und Zeremoniell und als von Fall zu Fall eigentümlich unterschiedliche, jedoch auf einen Ensemble von Performanzmustern und wohl ritualisierten Handlungsabfolgen zurückgreifende Inszenierung sowohl für eine strukturelle Analyse als auch für Detailstudien unter ganz unterschiedlichen Fragestellungen an.

Die politik-theoretische und machtpolitische Dimension des Verhaltens von Herrschern und des Verhältnisses von Herrschaftsgebieten untereinander ist häufig thematisiert worden. Zum einen geschah dies für die Theorie der ‚internationalen Beziehungen‘, wo man sich z.B. mit dem Herrschaftskonzept und Selbstverständnis des ‚politischen Körpers‘ des einen in Relation zu dem des anderen Herrschers beschäftigte. So sind z.B. die Einflüsse der entstehenden scientia politica auf die Praxis der Politik und das Papst-Kaiser Verhältnis analysiert worden, stand die Formel rex est imperator in regno suo mit ihren Implikationen für das Verhältnis Kaiser-Könige zur Debatte. Zum anderen hat die ältere nationale Geschichtsschreibung die ereignisgeschichtlichen Dimensionen einzelner Herrschertreffen dargestellt, dabei auch ihre äußeren Formen im Sinne einer Geschichte der Diplomatie thematisiert, während die jüngere und europäisch orientierte Forschung das Feld der ‚Außenpolitik‘ erst unlängst wieder für sich entdeckte. Neuerdings werden auch Aspekte wie das Zeremoniell der Treffen, mögliche rituelle Elemente, ihr Festcharakter, die kommunikativen Akte auch gegenüber dem Volk, gar die Entzifferung der Vorgänge als Ausdruck oder Motor spezifischer politischer, sakraler und mentaler Konzepte vornehmlich für die Zeit des Früh- und Hochmittelalters thematisiert. Anregungen gingen von der französischen Forschung aus, in der die allgemeinen Fragen nach der ‚idéologie royale‘ des französischen Königtums, dem politisierten Wunderbaren als Element des ‚Imaginaire‘ und der Politik als symbolischem und kommunikativem Handeln schon länger gestellt werden. Nicht zuletzt beschäftigt sich die Forschung spätestens seit den in die Kritik geratenen Untersuchungen von Norbert Elias mit dem ritualisierten Verhalten und Herrschaftszeremoniell am frühneuzeitlichen Hof. In jüngster Zeit wurden schließlich auch, ganz im Sinne einer ‚politischen Anthropologie‘ und mit analytischem Blick auf das Verhältnis von theatraler Inszenierung eines Ereignisses zu fester politischer Struktur, die europäischen Monarchenbegegnungen des langen 19. Jahrhunderts zwischen "Pomp und Politik" untersucht.

Die Herrschertreffen des Spätmittelalters wurden in der deutschsprachigen Forschung jedoch vergleichsweise vernachlässigt. Neben dem weitgefaßten Überblick Werner Kolbs liegt bislang nur eine Reihe von Studien zu einzelnen Begegnungen oder einigen speziellen Aspekten vor, so z.B. zum Trierer Treffen von Kaiser Friedrich III. und dem Burgunderherzog Karl dem Kühnen (1473), zur Reise Kaiser Karls IV. nach Paris 1377/78, zum Empfangsritual bei Papst-Kaiser-Treffen und beim Adventuszeremoniell in Reichsstädten, zu Brautreisen oder auch allgemein zu ‚Ritual and Representation‘. Obwohl spätmittelalterliche Herrschertreffen also durchaus als ‚Ritual‘ charakterisiert werden, wurden bislang weder der gesamte Handlungskomplex, etwa als Makroritual, noch einzelne seiner Elemente, etwa als Mikroritual, ritueller ‚Kern‘ oder zeremonialisiertes Ritual, eigens untersucht. Jüngste Forschungen zum Verhältnis von Recht und Ritual in Mittelalter und Früher Neuzeit konstatieren immerhin, "daß einer Modernisierungstheorie im Sinne eines mehr oder minder linearen Verlaufs von archaisch kompakter Ritualität zu rational ausdifferenzierter Rechtsgestaltung in mehrfacher Hinsicht keineswegs das Wort geredet werden kann", ja daß "die Pragmatik politischer Ziele sich beider Bereiche parallel bediente und dabei ebenso Rituale wie Recht neu ausgestaltete ..., wo sie Rituale rational instrumentalisierte (z.B. bei Gipfeltreffen oder Krönungszügen) ...". Es ist also ein Desiderat der Forschung, nicht nur die durch Herrscherbegegnungen zugleich evozierte und kanalisierte Dynamik zu thematisieren, sondern auch eine diachrone Analyse der Dynamik des Verhältnisses von Ritual, Zeremoniell und Politik gerade an der voraussichtlich nur sehr bedingt signifikanten Epochengrenze zwischen spätem Mittelalter und früher Neuzeit zu versuchen.

Objekt der Analyse ist die nur auf den ersten Blick fassadenhaft erscheinende Performanz der repräsentativen Akte. Herrschertreffen lassen sich als hochkomplex ineinander verschränkte Handlungsabläufe beschreiben, die sich trotz aller Varianz in Abhängigkeit von der jeweils einzigartigen Situation innerhalb eines relativ fest ausgeprägten und Erwartungssicherheit begründenden Rahmens bewegen. Die kulturhistorische Analyse dieses Sets von Performanzmustern darf freilich nicht bei einer schlichten idealtypischen (Re-)Konstruktion der vergangenen Performanz im Sinne einer klassifizierenden Morphologie stehenbleiben. Die Frage, inwieweit und warum diese repräsentativen Akte von der Spannung zwischen rituellen oder ritualisierten Handlungsabfolgen und dem Kalkül rational geplanter ‚hoher Politik‘ geprägt wurden, führt zur Analyse der Herrschertreffen als eines spezifischen Handlungstypus‘ mit besonderen Formqualitäten (Formalisierung, Symbolhaltigkeit, Leibpräsenz, Rekursivität). Die Analyse der Dynamik von bewußten (oder unbewußten?) Ordnungs- und Einverleibungsprozessen und geplanten ‚Ritualen der Macht‘ durch rituelles oder ritualisiertes Verhalten der Akteure könnte einen Beitrag zur vielleicht ganz eigentümlich europäischen Spezifik ritueller oder ritualisierter Verhaltensweisen im Sinne einer ‚politischen Anthropologie’ liefern.

Zentrale Fragen des Projektes lauten folglich: Inwiefern können und müssen Herrschertreffen als ‚Rituale der Macht‘ charakterisiert werden? Lassen sich Herrschertreffen als ein Element repräsentativen Herrscherkultes, als ‚secular ritual‘ von Zeremoniell und Politik einerseits, von Brauchtum und theatraler Inszenierung andererseits abgrenzen? Wo gibt es Abhängigkeiten, Spannungen, Überschneidungen? Welche Rolle spielen ‚rituelle‘ oder ‚ritualisierte‘ Elemente von Herrschertreffen? Gibt es (mythische) Vorbilder z.B. im Sinne von Jan Assmanns ‚Erinnerungsfiguren‘, von spezifisch mittelalterlichen Ordnungskonfigurationen oder zeremoniell ‚verwandten‘ Phänomenen, gibt es eine präskriptive, gar normative Macht der Tradition, wie wurde mit dieser im jeweiligen Einzelfall umgegangen? Allein diese Frage erschließt bereits ein ganzes Forschungsprogramm: Gab es z.B. spezielle Texte, Bilder, Organisationen, Experten und Institutionen für die Vorbereitung, Durchführung und feiernd-propagandistische Beschreibung von Herrschertreffen? Welche Abhängigkeiten von Vorbildern entwickelten sich dabei? Welche Rolle spielen Verschriftlichungsprozesse, Rationalisierungen, Instrumentalisierungen im Verhältnis zu bewußten oder unbewußten (Re-) Ritualisierungen? Inwiefern läßt sich eine wechselseitige Beeinflussung und Durchdringung von Macht, Recht und Ritual feststellen? Wo liegen Freiräume, wo setzen Wandlungsprozesse ein, wann erstarren oder verschwinden rituelle/ ritualisierte Formen? Woran könnte das liegen?

Rahmen und Methodik der Untersuchung werden zum einen von der Quellenlage und zum anderen von den interdisziplinären und komparatistischen Fragestellungen des Sonderforschungsbereichs bestimmt. Dies gilt einmal für die sachliche Beschränkung auf eine hohe weltliche und geistliche politische Ebene, in erster Linie auf Treffen des römisch-deutschen Reichsoberhauptes mit anderen europäischen Herrschaftsträgern wie Königen, Papstlegaten, Konzilien (als Korporation) und mächtigen Herzögen wie dem Burgunderherzog. Nur derartig hochrangige Begegnungen fanden wegen ihrer politischen Relevanz Beachtung in einer ausreichend hohen Zahl umfangreicher Quellen. In zweiter Hinsicht gilt eine räumliche Beschränkung. Die Ergebnisse der Forschung sprechen dafür, daß sich das Entwicklungsgefälle von West nach Ost und von Süd nach Nord tendenziell auch auf die Formen der Treffen mit nicht-christlichen, nord- und osteuropäischen Herrschern ausgewirkt haben könnte. Aus forschungspraktischen Gründen soll also zunächst ein Überblick über relevante Treffen des römisch-deutschen Reichsoberhauptes mit anderen Herrschaftsträgern erstellt, jedoch nur die Kontakte mit süd- und westeuropäischen Herrschaftsträgern in den Mittelpunkt der Analyse gestellt werden. In dritter Hinsicht gilt eine zeitliche Beschränkung auf die Herrscherreihe von Albrecht I. (1298-1308) bis Karl V. (1500-1558), da die Klärung der Fragen nach Organisation und Vorbereitung der Treffen zwingend die Einbeziehung noch ungedruckter Quellen (Briefwechsel, Rechnungen, Amtsbücher etc.) erfordert. Deren Überlieferungsdichte reicht erst ab der Mitte des 14. Jahrhunderts aus, um durch historisch-kritische Quellenanalyse eine möglichst umfassende Rekonstruktion und Kontextualisierung des Geschehens zu erreichen. Die Ausdehnung bis in die Zeit Karls V. erfolgt in der Hoffnung, daß der Frage nach der Dynamik des untersuchten Phänomens während einer Umbruchszeit besonders fruchtbar nachgegangen werden kann.

Die etablierten hilfswissenschaftlichen Methoden, die sich auf Texte und ihre Überlieferung konzentrieren (Quellentypologie, Quellenkritik, Überlieferungsgeschichte), müssen wegen der speziellen Fragestellungen des Projekts z.B. nach dem Autor eines Rituals umformuliert werden, indem etwa nach der Genese von handlungsleitenden Texten, ihren Autoren, Entstehungsbedingungen und ihrer Rezeption gefragt wird. Daneben tritt die Untersuchung von Texten (z.B. Empfangsreden) unter kommunikationstheoretischen Gesichtspunkten, etwa als gleichsam erstarrter Sprechakt und rituelle Kommunikation. Wegen der performativen und theatralischen Aspekte von Herrschertreffen geraten aber auch andere Quellengattungen wie Bilder, Bauwerke und Stadtpläne in den Fokus der Untersuchung, die sich daher z.B. auch ikonographischer und semiotischer Methoden zur Interpretation von Symbolik, Kleidung, Farben, Handlungsformen und Handlungsabläufen (Gestik, Körpersymbolik, Bewegungen im architektonisch gestalteten Raum) bedienen muß. Nicht zuletzt erfordern Elemente wie z.B. Gabentausch die Auseinandersetzung mit einschlägigen kulturanthropologischen Denkmodellen.

Die Fragestellung soll nun kurz an einem in der bisherigen Forschung gut bekannten Beispiel dargestellt werden, nämlich dem Besuch von Kaiser Karl IV. und seinem Sohn Wenzel bei Karl V. von Frankreich in den ersten Januartagen des Jahres 1378. Dieses Herrschertreffen ist bereits in vielerlei Hinsicht betrachtet worden, sei es im Rahmen rechtsgeschichtlicher Überlegungen im Zusammenhang der dort vollzogenen Vikariatsverleihung, sei es bezüglich der Semantik der Bildzeugnisse oder der Rezeption und Deutung in der späteren Geschichtsschreibung.

Für das Projekt "Herrschertreffen" sind die Quellen jedoch unter einem anderen Licht zu betrachten. Innerhalb der bisher etwa neunzig aufgenommenen Treffen ist der Besuch Karls IV. in Paris mit vier sehr unterschiedlichen Berichten eine der am intensivsten beschriebenen Begegnung. Die wichtigste und bei weitem ausführlichste Quelle ist ein Abschnitt aus den Grandes Chroniques de France, der in der modernen Edition von Delachenal achzig Textseiten einnimmt. In der maßgeblichen Handschrift Bibliothèque Nationale de France (Paris) ms. fr. 2813 befinden sich insgesamt 14 Miniaturen, die über den Text hinaus das Geschehen schildern. Diese Handschrift ist deswegen so bedeutend, da sie einerseits in unmittelbarer Nähe zum König abgefaßt wurde – zum anderen aber auch eine unmittelbare zeitliche Nähe zum Geschehen aufweist, denn die Illuminationen waren innerhalb eines Jahres fertiggestellt worden. Als Autor gilt der französische Kanzler Pierre d’Orgemont oder zumindest ein ähnlich königsnaher Verfasser. Marcel Thomas geht sogar davon aus, daß Karl V. von Frankreich persönlich Anteil an der Textgestaltung hatte und man ganz eindeutig seine Einflussnahme ablesen könne – der Text in gewisser Weise "son testament politique" sei.

Ebenso unmittelbar aus dem Umfeld des Gestalter der Zeremonien scheint das sogenannte Memorandum zu stammen, ein Fragment, das zwar schon seit der Edition der Grandes Chroniques bekannt war, aber erst wieder durch die Edition von Heinz Thomas Beachtung fand. Es handelt sich hierbei um ein beidseitig beschriebenes Blatt, das das Geschehen lediglich vom feierlichen Einzug der drei Monarchen in Paris bis zum Festmahl am selben Abend darstellt, also vom neuntägigen Aufenthalt des Kaisers nur etwa zwei Tage abdeckt. Zwei weitere Quellen, der Bericht der Christine de Pisan sowie ein Abschnitt der Metzer Annalen, sind aufgrund ihres zeitlichen bzw. räumlichen Abstands zum Geschehen als sekundär zu betrachten.

Stellenweise konnte jedoch vor Allem mit dem Memorandum nachgewiesen werden, daß die Handlungen und Akte wohl gar nicht so abliefen, wie sie in den Grandes Chroniques dargestellt wurden (Reitformation, Sitzfolge beim Festessen ...). Somit ergibt sich für den Historiker ein unüberbrückbarer Vorbehalt gegenüber diesem tendenziösen Text. Zieht man aber in Betracht, daß der Abschnitt der Beschreibung über den Kaiserbesuch nur Wochen danach im engsten Umkreis Karls V. entstand – also die offizielle Meinung des Königshauses wiedergab –, so kann man die Beschreibung als diejenige sehen, wie sie sich der Hof vorstellte. Es handelt sich also weniger um ein "wie es wirklich geschehen", sondern vielmehr um ein "wie es hätte geschehen sollen". So legt die Nähe des Textautors zu den Gestaltern der Zeremonien die Vermutung nahe, es hier stellenweise mit einem gedachten oder gewünschten Ideal zu tun zu haben. So ist der post festum entstandene Text der Chroniques also nicht deskriptiv, sondern hat im Gegenteil ein Ideal gleichsam präskriptiv formuliert.

Drei Stationen der Parisreise sollen nun unter ‚ritualdynamischen‘ Gesichtspunkten genauer betrachtet werden. Zunächst also zum gemeinsamen Einzug von Karl IV., Karl V. und Wenzel in Paris.

Am Montag, den 4. Januar 1378 brach der Kaiser mit seinem Sohn Wenzel und seinem Gefolge vom Kloster Saint-Denis Richtung Paris auf. Erst am Vortag waren sie, den Weg von Senlis nehmend, an der Königsgrablege eingetroffen. Wegen seiner im Alter immer stärker werdenden Gichtschmerzen benutzte Karl hierzu eine Sänfte, die ihm die Königin nach Saint-Denis vorausgeschickt hatte. Das adäquate Fortbewegungsittel wäre selbstverständlich sein Pferd gewesen, doch aufgrund der Schmerzen in seinen Beinen, vor allem dem rechten, wählte er diese Art der Fortbewegung.

Mit dem Einzug beginnt nun der enge Rahmen des von französischer Seite geplanten Hofzeremoniells. Auf dem Weg wurde dem Kaiser ein einzigartiges Schauspiel geboten: 2000 bis 2200 uniformierte Bürger der Stadt Paris, alle gekleidet mit feinem Tuch in Rot und Weiß, erwarteten ihn und begleiteten ihn auf seinem Weg. Dieses bürgerliche Element trat dem fremden Besucher nicht aus eigenem Antrieb oder einem vom Stadtrat von Paris ausgehenden Plan entgegen, sondern auf Geheiß des französischen Königs. Der große Aufwand durch gleiche Uniformierung mit feinem Stoff in solcher Größenordnung ist selbst für das Spätmittelalter selten. Auch die anwesenden Mitglieder des Adels sowie die königlichen Hofleute waren besonders gekleidet, wie Chronique und Memorandum vermerken.

Bei der Kapelle Saint-Denis, in der Quelle nur La Chapelle genannt, wird die Sänfte des Kaisers angehalten. Er muß trotz seiner Schmerzen ein Pferd besteigen. Doch statt seines eigenen Reitpferdes, einem weißen Zelter, wird ihm von Bureau de la Rivière, dem ersten Kammerdiener des Königs, sowie Colart de Tanques, dem ersten Knappen der königlichen Leibgarde, ein vom König gestelltes, schwarzes Pferd zugewiesen. Viel wurde bereits gesagt über den Zusammenhang der Farbe des Pferdes und den damit verbunden Souveränitätsanspruch als des Herrschers, der Majestät, der Farbe der Oberhoheit. So vermied es Karl V., an der eigenen Herrschaft Zweifel in irgendeiner Art und Weise aufkommen zu lassen. In der Chronique spricht der Autor diese Meinung auch offen aus: Si ne voulit pas le Roy que, en son roiaume, le feist ainsi afin que il n’y peust noté aucun signe de domination. Viele Historiker haben darauf hingewiesen, wie der französische König durch die Zuweisung eines schwarzen Pferdes geschickt seine Superiorität darstellt. Doch der ritualdynamische Ansatz erlaubt eine weitere Feststellung: nämlich, daß sich zwei Herrscher nur beritten treffen können. Kaiser Karls Gesundheitszustand hätte die Nutzung der Sänfte erfordert, aber der Prestigeunterschied wäre für das offizielle Zeremoniell zu groß gewesen. Eine solche ungewohnte, nicht genau einzuschätzende Art des Gegenübertretens hätte ein diplomatisches Ungleichgewicht erzeugt, das auf alle Fälle vermieden werden sollte.

Auch Wenzel wird ein solches dunkles Pferd zugewiesen, das mit einer blauen Schabracke verhüllt ist, die das Wappen des französischen Königs trägt. So beritten kommt es nun zum tatsächlichen Treffen. Bis in die Nähe von Moulin a Vent, noch außerhalb der Pariser Stadtmauern, war der König dem Kaiser entgegengeritten. Als Zeichen der Ehrerbietung zogen beide nahezu gleichzeitig ihren Hut. Das Memorandum nennt den König von Frankreich als denjenigen, der als erster seinen Hut hob, worauf dann der Kaiser ebenso seine Pelzmütze abnahm. Nach dieser formalisierten Begrüßungsgeste folgte nun eine verbale Begrüßung: en disant le Roy a l’Empeur que tres bien feust il venuz et qu’il avoit grant desir de le voir. Was der französische König dieser hinzufügte und was Karl IV. entgegnete, kann anhand des Memorandums nicht überprüft werden, da hierzu keine Aussage gemacht wird. Dennoch kann festgehalten werden, daß für den hofnahen Autor der Chroniques diese unverfänglichen Worte als die ‚verbale Minimalanforderung‘ des Begrüßungsrituals angesehen werden. Der Formelcharakter dieser Begrüßungsszene löste sich, nachdem sich die Hauptbeteiligten die Hand gereicht hatten.

Betrachtet man die bisherigen gegenseitigen Ehrerweisungen, die im Abnehmen des Hutes, dem Begrüßen als Sprechakt und dem Handreichen bestanden, so war dies eigentlich eine Grundform paritätischen Treffens. Methodisch wird man wird sich zu fragen haben, ob ein Herrschertreffen nicht nur eine durch Ausstattung ausgeweitete und entsprechend dem gesteigerten Interesse publikumswirksamerere Form dieser – nennen wir sie einmal abendländisch geprägten – Grundform ist. Das Zeigen von Friedfertigkeit und des guten Willens wird auf allen sozialen und hierarchischen Ebenen durchgeführt. Aggressionsmindernde Aspekte – ein von der Ritualforschung als wichtig angesehener Bereich bei Ritualen – spielen hier wie dort eine Rolle.

Eine Begrüßung zwischen Herrschern kann in ihrem zeremoniellen Ablauf, ja in ihrer Einheit als Ritual durch klare politische, wirtschaftliche oder personelle Faktoren bestimmt sein, aber auch durch subtilere und weniger durchsetzungsfähige Belange der verschiedenen kulturellen Traditionen, ganz besonders auffällig in den verschiedenen europäischen Hofzeremoniellen. Erst ein Abgleich mit einer Reihe anderer Herrschertreffen wird die verschiedenen Elemente, die Variationsmöglichkeiten sichtbarer machen und den Grad der Freiheit bestimmen lassen können, mit dem sich die Handelnden/Beteiligten (agents) wie aus einem ‚Fundus‘ bedienen können.

Der Zug der Reiter entlang der Grand‘ Rue bis zum königlichen Palais bedient sich eindeutig der zeremoniellen Formen eines anderen, juristisch bedeutsamen Rituals, der ‚entrée solennelle‘ bzw. der ‚entrée joyeuse‘. Man greift zurück auf ein bekanntes und eingeübtes, erprobtes und zeremoniell formalisiertes Handeln. Ein Abgleich mit der umfangreichen Literatur zum Adventus-Zeremoniell, die für die Residenzorte innerhalb und außerhalb des Reichs die Abläufe beschreibt, wird sicherlich vergleichend in die Untersuchungen zu Herrschertreffen eingearbeitet werden können.

Ein weiterer Bereich, an dem die Wechselwirkung zwischen zeremoniell geleitetem Handlungsablauf und individuell gestalteter Ausführung herausgearbeitet werden kann, ist das festliche Mahl. Das Staatsdiner am Epiphaniastag wird von den zwei Hauptquellen in besonderer Ausführlichkeit geschildert. Die vielen verschiedenen Gänge bei Tisch sind beeindruckend, verfügen eventuell über eine eigene Semiotik, die in Zusammenhang mit den Speisefolgen anderer Festessen steht. Der Aufwand zeigt die Bedeutung, die die Ausführenden dem Ereignis beimaßen. Zerlegt in die einzelnen Bestandteile von Raumgestaltung, Dekor, Speisenprogramm, Musikprogramm und Theater- bzw. Unterhaltungsprogramm, läßt sich das Festessen vom 6. Januar 1378 gut mit anderen Herrschertreffen vergleichen. Ausgangspunkt ist zunächst der Ereignisraum, in diesem Falle der Festsaal des Louvre. Durch die frühzeitige Festigung von Paris als Residenzort des französischen Königs standen ihm eine andere Infrastruktur und damit andere Möglichkeiten der dauerhaften prunkvollen Ausgestaltung der Residenz zur Verfügung als beispielsweise dem Kaiser, dessen ‚Seßhaftwerdung‘ ein wesentlich langsamerer Prozess war. So macht aber ein Vergleich von Treffen auf Reichsboden und solchen außerhalb der Grenzen ein Eingehen auf die unterschiedlichen Entwürfe von Machtrepräsentation bezüglich einer festen Residenz bzw. einer temporär aufgeschlagenen Unterkunft notwendig. Dies soll im Projekt durch den Vergleich mit verschiedenen Höfen und den jeweiligen Gepflogenheiten ermöglicht werden.

Zum zeitlich befristeten Ereignisraum gehören Raumschmuck (auf die die Bebilderung der Grandes Chroniques Hinweise geben könnte), das durch Schauspieler aufgeführte Stück von der Eroberung Jerusalems durch Gottfried von Bouillon (kurze Charakterisierung im Text sowie eine Abbildung) oder die nicht näher überlieferte musikalische Umrahmung. Die Sitzpositionen an der großen Tafel drücken auch die Stellung der einzelnen Person aus, bilden sozusagen deren Bedeutung räumlich ab. Allerdings ist es nicht immer eindeutig zu entscheiden, ob der Sitz zur Rechten (oder Linken) des Gastgebers aufgrund des Repräsentationsdrangs, Ehrenrechts und Höflichkeitsgebots angewiesen wurde.

Ein letzter kurzer Gedanke sei noch den Geschenken gewidmet. Ausgetauschte Gaben haben einen weit höheren Wert als nur den rein materiellen. Beim Herrschertreffen von 1378 verwundert die sehr ausführlich beschriebene Geste des gegenseitigen Ringtausches: König  V. schenkte dem Kaiser einen Diamantring, während letzterer dem Franzosenkönig zwei Ringe vermachte – ebenfalls einen Diamantenring sowie einen Ring, der mit einem Rubin besetzt war. Darauf umarmten sich beide. Ganz im Gegensatz zu Geschenken von Korporationen oder Untergebenen handelt es sich hier um den Austausch zwischen zwei nahezu ‚gleichrangigen‘ Herrschern. Wie der Ringtausch hier den rituell gestalteten Bereich der Freundschafts- und Treuesymbolik abdeckt, nimmt die Abtretung von Rechtstiteln (Belehnung des französischen Thronerben mit dem Dauphinat bzw. einer doch mittlerweile verbürgten Anerkennung einer luxemburgischen Thronfolge in Polen) den Bereich des realen Austauschs ein. Wird man den Ringtausch aufgrund seiner Formelhaftigkeit hier als Ritual oder ritualisierte Handlung bezeichnen können, da er doch Anleihen bei verschiedenen symbolischen Akten (Bischofsbelehnung, Eheringtausch etc.) nimmt? Die Herrschertreffen bieten im Bereich des Geschenkaustauschs die Möglichkeit einer systematischen Analyse, um den Zusammenhang zwischen politischer Situation und Gabentausch plausibel erklären zu können.

Es sind dies nur drei Ansatzpunkte für die geplanten Untersuchungen im Projekt "Herrschertreffen im Spätmittlelalter". Weitere ritualisierte Handlungen sollen mit einer immer mehr ausgeweiteten Zahl von Herrschertreffen verknüpft werden. Daher sieht eine erste Phase die oben skizzierte Zusammenstellung von Herrschertreffen im Sinne eines Repertoriums vor, das auch die archivalischen Bestände erschließt (Datum, Personen, Ort, Quellen, Sekundärliteratur) und als verläßliche Basis künftigen Arbeiten zur Verfügung stehen soll. In einer zweiten Phase wird eine Analyse ausgewählter Beispiele von Herrschertreffen die Fruchtbarkeit von Fragestellung und Methodik erweisen. Es steht zu hoffen, daß durch den geschilderten breiten Zugriff, der in späteren Phasen noch erheblich erweitert werden könnte, das ‚Herrschertreffen‘-Projekt von der Hofforschung nicht nur Anregungen empfangen, sondern ihr auch Anregungen vermitteln wird.

Gerrit Jasper Schenk, Duisburg, Gerald Schwedler, Heidelberg*

Kolloquiumsberichte

 

Macht, Medien, Memoria
Integration und Bestattung europäischer Oberschichten zwischen politischem und
medialem Wandel (1500-1800)

Abschlußtagung des Teilprojekts C 1 "Politische und soziale Integration am Wiener Hof" des Kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs SFB 485 "Norm und Symbol. Die kulturelle Dimension sozialer und politischer Integration" an der Universität Konstanz

Konstanz, 20.-22. Februar 2003

Phänomene sind für die historische Betrachtung meist aus einer doppelten Motivation von Interesse: An und für sich und als Zeichen, Indikatoren, Seismographen oder "Symbole" für ihnen zu Grunde liegende Strukturen. Daß zwischen Strukturen und Phänomenen Zusammenhänge bestehen, wird niemand leugnen, ebensowenig die Wechselseitigkeit dieses Zusammenhanges: Auch ephemere Elemente können mehr, als die Wirklichkeit lediglich zu reflektieren, sie haben ebenso das Potential zur Veränderung. Die von Mark Hengerer im Rahmen des Konstanzer Sonderforschungsbereichs "Norm und Symbol" veranstaltete Tagung zur adeligen Sepulchralkultur im Europa der Frühen Neuzeit hatte sich – so ihr Titel – beides vorgenommen: Die Beschreibung des Phänomens und die Analyse seiner Valenzen in politik-, sozial- und kulturgeschichtlicher Hinsicht.

Sie stand in einem diskursiven Kontext, der durch die Argumentation und Sprache sowie die empirischen Arbeiten des Konstanzer Forschungskollegs – Untersuchungen zum Adel im Umkreis des Wiener Hofs – bestimmt war. Dieser Horizont war es auch, der die Zielrichtung der zu besprechenden international besetzten Tagung bestimmte: Denn das gleichermaßen von Kunst- und Profanhistorikern bestrittene Programm, das die Grenzen der Reichsgeschichte mehrfach überschritt, kreiste indirekt und explizit um die Eliten der habsburgischen Einflußsphäre. Wie für Max Weber Indien, China, die klassische Antike keine genuinen Forschungsfelder bedeuteten, sondern kontrastierende Folien zur Erhellung der Spezialität des mittelalterlichen und neuzeitlichen Abendlandes, so hatten hier England, die Niederlande, Polen und Rom die Funktion, auf die Habsburgermonarchie hinzuweisen, die auch im technischen Sinne Ausgangs- und Zielpunkt der zweitägigen Vortragsreihe war. (Selbstverständlich: Hier wurden eigene Forschungsergebnisse zu außerdeutschen Themen präsentiert, deren Qualität unabhängig von Reichszusammenhängen gilt. Die vorigen Bemerkungen sind lediglich als Beschreibung der intellektuellen Organisation der Konferenz zu verstehen).

Daß Begräbnisse und Grabmäler in einem Zusammenhang mit der politischen und sozialen Verfaßtheit der Gesellschaft stehen, ist nicht sehr erstaunlich – wie dieser Zusammenhang jeweils gestaltet war und wahrgenommen wurde, welche Möglichkeiten der Inszenierung, der Präsentation und Prätention von Ansprüchen zur Verfügung standen und wie sie in spezifischen Kontexten genutzt wurden, sollte an verschiedenen europäischen Beispielen vorgeführt werden.

Die im Kontext eines "sepulchrum" angesiedelten Erscheinungen sind fraglos als Medien von sozialen, politischen und kulturellen Ansprüchen zu begreifen. Es ist dabei hilfreich, den Akt des Begräbnisses selbst und die dieses Ereignis überdauernden "Medien" – erinnernde Bild- und Textsammlungen, Predigten, Flugblätter, schließlich das Grabmal selbst – als Funeral- und Sepulchralkultur zu unterscheiden. Eine Fülle von theologie- bzw. religionshistorischen Grundsatzfragen wäre zu Beginn zu klären gewesen, um v.a. konfessionelle Normen und Abweichungen analysieren zu können: Welche Rolle spielen die unterschiedlichen Vorstellungen von Himmel, Hölle und Fegefeuer in den drei großen christlichen Konfessionen für die Sicht auf Tod und Leben, Fürbitte, Erinnerung und Begräbnis? Wie verhalten sich "ewiges Leben" und Erinnerung zueinander? Welche Funktionen können Begräbnis und Grabmal im Blick auf den Toten und sein Seelenheil einnehmen, welche Räume bleiben für die Darstellung des Verstorbenen und seiner Angehörigen im weltlichen Bereich?

Schließlich: Um die Spezifizität adliger Bestattungskultur auszumachen, müssen auch monarchische, bürgerliche und unterbürgerliche Begräbnisse betrachtet werden, denn dies war der Zusammenhang, innerhalb dessen das Bemühen um aristokratische Distinktion im Tod stattfand. Man verließ sich in Konstanz jedoch primär auf die allgemeine klärende Wirkung von Spezialbeiträgen, man ging gewissermaßen vom Phänomen aus – nicht umsonst standen kunsthistorische Referate am Anfang –, um aus ihnen Schlußfolgerungen für eine "Gesamtgeschichte" ableiten zu können.

Mark Hengerer: Einführung in das Tagungsthema

Symbole stehen nicht notwendig in einem unmittelbaren und reflektierten Zusammenhang mit ihrer politischen und kulturellen Umgebung: Man muß die Möglichkeit der Unabhängigkeit des Symbolsystems in Betracht ziehen, das ein nach eigenen Gesetzen bestimmtes Eigenleben führen kann – und das dennoch zur Instrumentalisierung von Interessen immer wieder abrufbar, instrumentalisierbar ist. Grabmäler tragen zur räumlichen Ordnung bei: In monarchischen Residenzstädten, in der ländlichen, primär aristokratisch beherrschten Umgebung, hinsichtlich der Struktur eines Landes. Die Konzentration der nationalen Erinnerung in der Haupt- und Residenzstadt ist ein Phänomen des späten 18. Jahrhunderts. Aber auch die soziale Ordnung wird im Grabmal reflektiert oder geschaffen: Die Ausdifferenzierung von ständischen Unterschieden im Begräbnis fand im 16./17. Jahrhundert statt. Schließlich: Die sich wandelnde Bedeutung des Begräbnisaktes und seiner Medialität entspricht der Wandlung von der Interaktionsgesellschaft zu einer medial konstruierten Gesellschaft.

Renate Kohn (vertreten durch Sieglinde Tschugg): Zwischen Repräsentationsbedürfnis und Sorge um das Seelenheil: Die Entwicklung des frühneuzeitlichen Grabmals

Grabmäler werden errichtet, um den Verstorbenen vor dem Vergessen zu bewahren und um ihm – mit Hilfe der Fürbitte der Lebenden – zum ewigen Leben zu verhelfen. Beide Aspekte sind in der künstlerischen Gestaltung eines Grabmals ablesbar. In der Mitte des 17. Jahrhunderts endete die Sitte, ein Epitaph mit einem Andachtsbild zu verknüpfen; dies kann als Element der Profanierung des Grabmals begriffen werden. Zugleich wurde es mit individualisierenden Texten versehen. Im 19. Jahrhundert schließlich wanderten Grab und Grabmal aus der Kirche zum Friedhof. Damit einher ging die Entmonumentalisierung von Religion und Tod.

Katarzyna Ratajczak: "Pompa funebris" des polnischen Adels von 1586 bis 1648

Die polnischen Magnaten pflegten einen überaus aufwendigen Kult um die Bestattung ihrer Angehörigen. Dazu gehörte v.a. die prunkvolle Gestaltung der ephemeren Elemente, zum Teil nach italienischem Vorbild (castra doloris, Sargporträts). In den Trauerzügen manifestierte sich das Selbstverständnis des polnischen Adels als eines freien Standes – die Teilnahme des hohen Adels an diesen Feierlichkeiten stellte gewissermaßen eine Fortsetzung der Turniergesellschaft dar. Die vom Humanismus beeinflußte enge Anlehnung der "pompae" an römische Vorbilder war in der Lage, konfessionelle Grenzen zu überwinden und aristokratische Eintracht zu erzeugen.

Ingeborg Schemper: Grab-Denkmäler der Frühen Neuzeit im Einflußbereich des Wiener Hofes – Planung, Typus, Öffentlichkeit und mediale Nutzung

Im Humanistengrabmal wurde der Aspekt der Erinnerung deutlich vor den der christlich motivierten Errettung gelagert; als Fortsetzung dieser Entwicklung kann das vom Herrscher gestiftete Grabmal betrachtet werden, das die Apotheose "großer Männer" (gewöhnlich von Feldherren) zum Ziel hatte. Nur konsequent war die Fortführung dieses Trends in der Errichtung von Denkmälern außerhalb von bzw. ohne Grabmäler.

In Wien gruppierte der Adel sich vorzugsweise auch im Tod um seine weltlichen Herrscher; so in Kirchen, die bzw. deren Orden dem Herrscherhaus nahe standen. Dies erklärt die Entwicklung der Wiener Augustinerkirche zum Pantheon. Die an diesem Ort ermöglichte Annäherung von aufgestiegenen Bürgern an die Habsburger ermöglichte zugleich die Darstellung eines neuen – bürgerlichen – Trauergefühls im Grabmal des frühen 19. Jahrhunderts.

Martin Papenheim: Der Friedhof der Welt: Kosmopolitischer Denkmalskult und Staatsbildung im Rom des 17. Jahrhunderts

Rom ist der Begräbnisort der abgesetzten Monarchen. Aber doch nicht mehrheitlich: Im Laufe der Frühen Neuzeit wurde die Stadt der Päpste auch hinsichtlich ihres Denkmalkultes immer italienischer. Dies äußerte sich einerseits darin, daß jede bedeutende italienische Familie "ihren" Toten in Rom hatte, daß andererseits die Päpste sich selbst und ihren neuen Dynastien in aufwendig gestalteten Familienkapellen oder gar -kirchen Monumente der Integration in den römisch-italienischen Hochadel setzten. Die aristokratische Markierung Roms mit Grabmälern entsprach nicht der religiös-päpstlichen Topographie der Stadt, sie folgte dezentralen, topographisch polyphonen Regeln.

Arne Karsten: Die Gleichschaltung der Eminenzen: Venezianische Kardinalsgrabmäler in Rom der frühen Neuzeit

Ganz deutlich wurde der enge Zusammenhang zwischen der politischen und sozialen Verfaßtheit der venezianischen Adelsrepublik und der Selbstdarstellung ihrer Führungsschicht im Tod. Im Gegensatz zu fast allen anderen italienischen Gemeinwesen, die einen engen Bezug zur römischen Kurie aufwiesen, etablierten die aristokratischen Familien der Serenissima, die einen der ihren bis in das Kardinalskollegium befördert hatten, nie eine Nebenlinie in der Hauptstadt der Christenheit. Statt dessen blieb der Bezug zur Heimatstadt vorherrschend; deren deutlich zur Schau getragene Ideologie von adeliger Geschlossenheit und Einheit läßt sich hervorragend an den Grabmälern venezianischer Kardinäle in ihrer Nationalkirche in Rom, S. Marco, ablesen: Die dortigen Nischengrabmäler wirken wie eine Demonstration der heimatlichen Staatsidee. Sowohl in Rom als auch in Venedig war eine exzentrische Darstellung von Individuen oder Familien in Grabmälern die Ausnahme – Hinweise auf die Wirkmächtigkeit eines Habitus‘, der bis in den Tod reichte.

Gregor Rohmann: Joachim Moller gründet ein Geschlecht. Erinnerungsräume im Hamburg des 16. Jahrhunderts

Die protestantische Hamburger Oberschicht kann nicht eigentlich als Patriziat im strengen Sinne begriffen werden; um diesen Mangel an Kontinuität des Geschlechts und Geblüts zu kompensieren, ließen sich die Mitglieder der städtischen Führungsschicht durch ihnen verbundene Monarchen Wappen und Adelsstand verleihen – ein v.a. auf die Wirkung außerhalb der Stadt konstruierter "als-ob-Adel". Die Begräbniskultur der Hamburger Elite zeichnete sich durch ein deutliches Übergewicht der ephemeren Elemente aus: Nicht die Grabstätte selbst stand im Vordergrund, sondern der Leichenzug und die ihn begleitenden bzw. die ihm folgenden Memorialaspekte. Dazu zählte primär die Anlage eines Geschlechterbuches, das weniger auf die städtische Gesellschaft als auf die Kohäsion des zu begründenden Geschlechtes – nach innen – ausgerichtet war. Diese Verschriftlichung der Familienmemoria wurde als Kompensation für das Fehlen einer elaborierten Grabmalskultur und seiner Potentiale für die Konzentration des familiären Vergangenheitsbewußtseins gedeutet.

Uwe Dörk: Das Totengedenken städtischer Eliten zwischen Stratifikation und funktionaler Differenzierung (Bern)

Der Berner Patrizier Nikolaus von Diesbach (gest. 1527) verfaßte in den Jahren 1487 bis 1518 eine Autobiographie, in der er den Umständen des Todes und der Bestattung seiner Frau breiten Raum gab. In diesem Vorgang trafen sich Individualität und Emotionen mit den Manifestationen einer rituell konstruierten städtischen Gemeinschaft, ein zentraler Kristallisationspunkt zur Verbindung von Schmerz und Privatheit auf der einen, Gesellschaft auf der anderen Seite. Am Ende Alteuropas – sichtbar an der Bestattung des letzten Berner Schultheißen – konnten solche Akte nicht mehr die gleiche integrierende Wirkung entfalten.

Helmut Maurer: Zwischen Selbständigkeit und politischer Integration: Begräbniskultur und Residenzbildung im hohen Adel des deutschen Südwestens am Beispiel der Grafen von Zimmern

Nachdem die Herren von Zimmern ihr langgehegtes Ziel, die Aufnahme in das schwäbische Grafenkollegium, erreicht hatten, umgaben sie ihren neuen Stand mit zahlreichen Elementen ständischer Repräsentation. Neben dem Ausbau der Residenz in Meßkirch gehörte dazu auch die aufwendige Gestaltung des Erbbegräbnisses in der Pfarrkirche von Meßkirch. Zwei kostbare Bronzepitaphien für die letzten Träger ihres Namens, Wilhelm und Gottfried Werner von Zimmern, bewiesen so – auch für die weiblichen Nachfahren und ihre Gatten und Kinder – die Integration des Geschlechts in die schwäbischen Grafenstand und in die Reichsverfassung, dies v.a. hinsichtlich des benachbarten adligen Publikums.

Olaf Mörke: Die Annäherung im Tod – Begräbnisse für fürstliche Statthalter und bürgerliche Militärs in der niederländischen Republik des 17. Jahrhunderts

Zwei Begräbnisse wurden analysiert: Das des Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien, des "Städtebezwingers", dessen Leichnam 1647 von Den Haag nach Delft transferiert wurde, und der Amsterdamer Trauerzug für Michael de Ruyter, den 1676 verstorbenen Oberbefehlshaber der republikanischen Flotte. Während Friedrich Heinrich Mitglied der großen europäischen Fürstenfamilie war, handelte es sich bei de Ruyter um einen Aufsteiger unterbürgerlicher Herkunft; beiden wurden die Ehren, die die niederländischen Stände zu vergeben hatten, im Tod erwiesen, bei beiden Ereignissen traten die Stände als Organisatoren und Gestalter in den Vordergrund. Bei allen Unterschieden im Detail – Friedrich Heinrichs Bestattung betonte die hochadelige Abkunft des Verstorbenen und ließ den Verwandten und adligen Teilnehmern des Trauerzuges mehr Möglichkeiten zur Profilierung als dies bei de Ruyter der Fall war – lassen sich viele Ähnlichkeiten im Grundmuster ausmachen. Das fürstliche und das bürgerlich-ständische Milieu näherten sich im Tode einander an, beide Toten wurden als "Väter" und Helden gefeiert, beide Trauerzüge manifestierten sich als Darstellungen der niederländischen Freiheit. So fand die republikanische Konsenskultur auf der Ebene der Staatsbegräbnisse ihren symbolischen Niederschlag, der soziale Differenzen einzubetten fähig war.

Ronald G. Asch: Begräbniskultur zwischen Herrschaft und Provinz: Englische Begräbnisse und Grabstätten im Umkreis des Hofes, ca. 1550-1660

Der englische Adel ließ sich mehrheitlich in der Umgebung seines Landsitzes bestatten, sei es in der Kapelle des Herrenhauses, sei es in der anliegenden Dorfkirche: Eine Demonstration lokaler Herrschaft und der sie begründenden genealogischen Kontinuität. Diese Manifestation richtete sich auch an benachbarte Konkurrenten: Gerade wenig statussichere Familien neigten zu hohem Aufwand bei der Gestaltung ihrer Grabmäler, um so Aufsteigertum durch Anspruch zu kompensieren. Dennoch nahm Londons Bedeutung als Bestattungsort zwischen der Tudor- und der Stuart-Periode zu. Besonders Westminster Abbey bot sich wegen der Nähe zu den Königsgräbern an; während ab 1603 keine königlichen Grabmäler mehr in der Abtei errichtet wurden, ließ sich der Hochadel auch im Tod in Königsnähe nieder. Die aufwendige Grabgestaltung für Aristokraten stellte für die königliche Familie gewissermaßen einen Ersatzschauplatz dar: Sie entzog sich der direkten Konkurrenz mit den Großen des Landes und konnte ihnen gleichzeitig Gunst und Gnade vermitteln.

Unter der Herrschaft Cromwells ließ sich auch die republikanische Elite in Westminster Abbey bestatten, diese Kirche von einer monarchischen zur nationalen Gedenkstätte transformierend.

Ewald Frie: Herrschaftsstäbe, Adelskreise und des Königs Rock: Vom Bestattungsverhalten des brandenburgischen Adels im 18. Jahrhundert

Berlin im 18. Jahrhundert war kaum eine von Adel und Hof geprägte Stadt. Der radikale Bruch, den Friedrich Wilhelm I. mit der höfischen Kultur seines Vaters vollzogen hatte, spiegelte sich auch in der Berliner Sepulkrallandschaft wider: Die Berliner Kirchen bildeten keinen Teil einer höfisch-aristokratischen Prägung des städtischen Raums. Die unterschiedlichen Leitdifferenzen innerhalb der preußischen Monarchie (adlig – bürgerlich, lutherisch – reformiert, Hofadel – Landadel, brandenburgisch – "ausländisch", deutsch – französisch) trugen dazu bei, daß die Haupt- und Residenzstadt kein einheitliches Organisationsprinzip aufwies. Der vergleichsweise arme und intern wenig differenzierte Landadel Brandenburgs begriff sich denn auch primär als ländliche Führungsschicht; in der Peripherie übte er seine mit der Krone "ausgehandelten" Herrschaftsrechte aus, hier präsentierte er sich auch mehrheitlich im Tod. Die enge Anbindung des Adels an die Monarchie hatte jedoch einen überdurchschnittlich hohen Anteil der heimischen Oberschicht am Offizierskorps zur Folge. Dieser Umstand wiederum bewirkte eine Deregionalisierung der Aristokratie, deren Angehörige sich als Teil einer gesamtbrandenburgischen Elite auch in der Berliner Garnisonskirche bestatten ließen. Hier hatte fast jede Familie einen Vertreter, der die Verbindung von Krone und Adel in seiner Gesamtheit vermittelte.

Pavel Král: Death, Funerals and Burials: Funeral Rites of the Czech Nobility as Means of Representation and Remembrance (1550-1650)

Die böhmische Aristokratie zelebrierte, ähnlich wie ihre polnischen Standesgenossen, Begräbnisse als Darstellungen der sozialen und familiären Stellung der verstorbenen Individuen. Die mediale Aufbereitung von Bestattungen machte sie, über das Moment der "Errettung" hinaus, zu publizitätsträchtigen Großereignissen, die auf das gesamte Land abzielten. Die gelegentliche Durchbrechung der Sitte, sich im Familiengrab bestatten zu lassen, betonte einerseits die Normativität der familären, generationenübergreifenden Grablege, andererseits trug sie zur Individualisierung des Bestattungswesens bei, ein besonders bei konfessionellen Abweichlern geübter Brauch. Dennoch: Die Darstellung der Verstorbenen fand mehrheitlich innerhalb von und mit Verweis auf den Geschlechterverband statt.

Tomáš Knoz: Grablegen und Grabkapellen des mährischen Adels. Von der Renaissance zum Barock

Die Lage Mährens in der Frühneuzeit als eines offenen Transitlandes, das von konfessioneller Pluralität gekennzeichnet war und keinen Hof als Zentrum besaß, wertete den sehr reichen und ausgreifenden Adel als Herrschaftsstand deutlich auf. Dieses aristokratische Selbstbewußtsein spiegelte sich auch in seinen Grablegen wider. Zur Darstellung von Individuum, Familie und Landstand im Tod konnten Magnaten auf verschiedene Begräbnisorte zurückgreifen: Pfarrkirchen im Familienbesitz, Grabkapellen innerhalb der Architektur der Herrensitze, Familiengruften und -kapellen im Kontext von Klöstern, schließlich Grablegen in der Landesmetropole oder der kaiserlichen Residenz. Gerade Bestattungen in der Landeshauptstadt wurden zur augenfälligen Verbindung der Person des Verstorbenen mit seinen Landesämtern, der Symbiose von Individuum und Land genutzt. Die demonstrative Kaisernähe stellte jedoch die Ausnahme dar: Der bevorzugte Ort der Bestattung blieb der adelige Landsitz, wo die Möglichkeiten zur Prachtentfaltung ungehinderter und weniger von Konkurrenz bedroht waren als in Wien.

Zděnek Hojda: Die Bestattungsstrategien in Prager Kirchen des Barock

Zu den böhmischen Adeligen, die sich in Prag bestatten ließen, gehörten mehrheitlich solche, die im Dienst des Kaisers gestanden hatten: Die Nähe zum Herrscherhaus wurde so vom Leben zum Tod fortgesetzt. Es handelte sich dabei nicht nur um Magnaten, auch der Hofstaat und Beamte des Kaisers wählten häufig Hofkirchen der Prager Burg zur letzten Ruhestätte; dies erklärt auch die Existenz von Grablegen auswärtiger Adliger im Kontext der Prager Residenz. Deutlich zu unterscheiden ist das Begräbnisverhalten der alten Adelsfamilien von dem der Angehörigen der städtischen Oberschicht, die sich ab ca. 1620 zu einem "Beamtenadel" transformierte. Religiöse Neuerungen und Moden trugen jedoch dazu bei, soziale Differenzen zu überdecken: Die Minoritenkirche beispielsweise wurde im Barock zu einer gemischten bürgerlichen und aristokratischen Bestattungksirche. Intellektuelle und theologische Bewegungen ermöglichten eine Privatisierung von Frömmigkeit, die auch Freiräume für die Grabstättenwahl ermöglichte.

Géza Pálffy: Die adelige Funeralkultur und Typen der Grabdenkmäler im ungarischen Königreich im 16. und 17. Jahrhundert

Die ungarischen Magnaten zogen die Bestattung auf dem heimischen Landgut oder in den politischen Zentren ihres Königreichs der in Wien vor, obwohl die politische und wirtschaftliche Elite sich eng an den Kaiserhof anlehnte. Wiewohl bewußt bescheidene, religiös motivierte Grablegen existierten, richtete sich die Mehrheit der Aristokratie hinsichtlich ihrer Funeralkultur an den pompösen Vorbildern Wiens und Prags aus. Die ungarischen Bestattungen waren großangelegte gesellschaftliche Ereignisse, zu denen Einladungskarten verschickt und die durch ausführliche Beschreibungen verewigt wurden. Protestanten tendierten tendenziell dazu, den Aufwand ihrer katholischen Standesgenossen leicht zu unterbieten, bedienten sich jedoch im Prinzip des selben symbolisch-zeremoniellen Vokabulars. Ein sehr aufwendiges Medium der Selbstinszenierung war die Errichtung eines Grabmals im (allein aus Platzmangel) hoch exklusiven Preßburger Dom; Protestanten wählten häufig den Druck und die Verteilung von Lob- und Abschiedsgedichten über die Verstorbenen anstelle der steinernen Variante des Gedenkens. Nach 1650 verschwand die Sitte der Stiftung eines repräsentativen Grabmals, auch in Ungarn wurde der Tod zunehmend entmonumentalisiert und privatisiert.

Rudolf Schlögl: Bemerkungen zum Abschluß, und Schlußdiskussion

Adelige Sepulcharkultur hatte offensichtlich nur sehr selten ihren Ort in einem nationalen oder monarchischen Zentrum: Herrschaftspraxis und Selbstverständnis der Aristokratie als eines lokalen Herrschaftsstandes spiegelten sich auch in ihren Grablegen wider, die dezentral und auf die Familie ausgerichtet waren. Die Teilhabe an den wenigen zentralisierenden Punkten eines hierarchisierten Totengedächtnisses beispielsweise in der Berliner Garnisonskirche, in Westminster Abbey oder im Kontext des Wiener Hofes müssen als (signifikante) Episoden innerhalb einer primär ländlichen Familientradition gelten.

Zur Hierarchisierung der Funeralkultur auf der Ebene der Nation trug mehrheitlich das Militär bei, parallel zur zunehmenden Distanzierung von Individuum und Familie und der Transformation des Grabmals zum Denkmal. Die Individualisierung der Trauer ermöglichte die Konstruktion eines nationalen Gedächtnisses auch im und mit Hilfe des Adels.

Die Praxis der Bestattung wurde immer – zeitgleich – durch ihre mediale Aufbereitung begleitet; diese erinnernde Vergewisserung in publizierender Form trug zur europaweiten Homogenisierung des Phänomens bei. Fraglich bleibt, inwieweit konfessionelle Differenzen für die adlige Sepulchralkultur und deren Begleiterscheinungen auszumachen waren: In welchem Verhältnis standen gute Werke und die Rechtfertigung aus dem Glauben, die Aufforderung zur Fürbitte an die Verbliebenen und die Hoffnung auf Interzession durch Heilige, wie verhielten sich in bildlich-symbolischer Darstellung und Verbalisierung des Totenkultes die Elemente Gnade und Verdienst zueinander?

Schließlich: Welche Rolle spielte der Rezipient von Bestattung und Grabmal; welche Zielrichtung hatte die aufwendige Inszenierung von Begräbnissen? Festzuhalten ist eine Doppelfunktion: Als Mittel im Kampf um Status, Prestige und Macht nach außen und als Medium der Kohäsion des Familienverbandes nach innen – so daß das Familiengrab zum Ort regelmäßiger Aneignung werden konnte.

Eine präzisere Annäherung an Fragen diesen Typs, die weit über die schichtenspezifische Untersuchung der Funeralkultur hinausginge, könnte die Analyse von anthropologischen Konstanten bei der Verarbeitung und Gestaltung des Raumwechsels – vom Leben zum Tod – bereitstellen (Olaf Mörke). Das Wissen um den Formenhaushalt, der bei der kulturellen Gestaltung der menschlichen Grundsituation des Todes zur Verfügung steht, wäre die notwendige Grundlage für die differenzierende Beschreibung des Bestattungsverhaltens einer bestimmten sozialen Gruppe innerhalb einer bestimmten Epoche.

Die Konstanzer Tagung praktizierte einen originellen und sehr vielversprechenden Ansatz zur Erforschung frühneuzeitlicher Führungsschichten, indem sie die Herausforderungen des "iconic turn" aufgriff und die Verbindungs- und Grenzlinien zwischen der Autonomie des künstlerischen Systems und seinem Eingebettetsein in politische und soziale Kontexte bewußt machte. Eine sich als europäisch begreifende Geschichtswissenschaft hat für die Erforschung dieses Phänomens in der Kunstgeschichte, für die nationale Grenzen seit jeher keine Forschungsgrenzen markieren, eine kompetente Begleiterin.

Die für die Adelsgeschichte zentralen Kategorien "Integration" und "Distinktion" haben sich in jedem Fall als zukunftsfähige Interpretamente erwiesen, die den Zusammenhang von Sozialstruktur und politischer Kultur sinnfällig machen können.

Die Beiträge sollen in der Reihe des Konstanzer Sonderforschungsbereichs im Konstanzer Universitätsverlag publiziert werden.

Christian Wieland, Tübingen*

Zeichen, Raum und Zeremoniell an den deutschen Höfen der Frühen Neuzeit

Internationale Tagung veranstaltet vom
Deutschen Historischen Museum und dem Rudolstädter Arbeitskreis zur Residenzkultur

Berlin 7. bis 9. März 2003

Die nunmehr 6. Tagung des Rudolstädter Arbeitskreises zur Residenzkultur fand in diesem Jahr nicht auf der Rudolstädter Heidecksburg statt, sondern wurde in Berlin gemeinsam mit dem Deutschen Historischen Museum ausgerichtet. Anlaß dazu bot die vom DHM gezeigte Ausstellung "Die öffentliche Tafel. Tafelzeremoniell in Europa 1300-1900". Tagungsort der mit über 100 Teilnehmern außerordentlich gut besuchten Veranstaltung war das Kronprinzenpalais Unter den Linden.

Im Mittelpunkt des Kolloquiums stand jedoch nicht allein das Tafelzeremoniell. Ausgehend davon widmete man sich in mehreren Sektionen insbesondere dem in Zeremoniellsituationen bereitgestellten System höfischer Zeichen. Weitere Schwerpunkte waren die Orte des Zeremoniells, d.h. die konkreten Räume und Raumfolgen sowie deren Ausstattungen oder die fest umrissenen Abläufe einzelner Zeremonielle.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Direktor des DHM Hans Ottomeyer und Ulrich Schütte vom Rudolstädter Arbeitskreis bildete die Sektion "Zeichen und Texte" den Anfang.

Peter-Michael Hahn (Potsdam) verwies in seinem Vortrag (Fürstlicher Blick auf Zeremoniell und Prachtentfaltung in persönlichen Zeugnissen) auf die immer wieder festzustellende Diskrepanz zwischen der Genauigkeit und der Vielschichtigkeit der Schilderung zeremonieller Abläufe in den zeitgenössischen Werken, etwa von Rohr oder Stieve, und den im Gegensatz dazu nur geringen Spuren dieser Problematik in den persönlichen Aufzeichnungen von Angehörigen des Fürstenstandes. Greift man bei der Frage nach der Rolle des Zeremoniells an den Höfen des deutschen Sprachraums auf die Werke von Stieve und Rohr zurück, dann gewinnt man den Eindruck, daß eine Fülle von "Ceremoniel-Handlungen des grossen Herren" den Alltag bei Hofe bestimmten. Allerdings läßt Rohr keinen Zweifel daran, daß sich das Zeremonialwesen durch eine große Vielfalt auszeichnete, welche durch die Eigenarten der Herrscher und deren räumliche Herkunft bedingt seien. So schlüssig dieses Bild auf den ersten Blick scheinen mag, sind nach Hahn hier doch erhebliche Bedenken anzumelden. Den fürstlichen Familien stand nämlich ein weit größerer Handlungsspielraum im Umgang mit dem zeremoniellen Regelwerk zur Verfügung, als er gemeinhin von einigen Autoren unterstellt wurde. Es kam vielmehr auf die spezifische Situation an, ob man sich des Mittels zeremonieller Prachtentfaltung, aus politischen oder anderen Erwägungen, bediente, um den Status der beteiligten Personen zu dokumentieren. Somit wird laut Hahn vielleicht auch das Fehlen zeremonieller Aspekte in den Tagebüchern, Briefen, Schreibkalendern etc. erklärlich. Was sich aus der Sicht eines gelehrten Schriftstellers oder eines adligen Hofjunkers häufig als ein höchst kompliziertes Ineinandergreifen verschiedenster Regelungen bei Hofe darstellte, reduzierte sich in den Augen der Fürsten auf wenige zeremonielle Merkmale, sofern keine besonderen Umstände eine höchst differenzierte Wahrnehmung erforderlich machten. Diese erfüllten wohl in den Augen der Fürstengesellschaft ausreichend ihr stetes Bedürfnis nach standesgemäßer Behandlung.

Thomas Rahn (Berlin) zielte in seinem anschließenden Vortrag (Zeichenkonkurrenz und Zeichenakkordierung im höfischen Zeremoniell. Zur ‚Semiotik‘ von Zeremonialwissenschaft und Festpublizistik) darauf, das zeichentheoretische und -pragmatische Problembewußtsein der zeitgenössischen Diskursformen des Zeremoniell zu rekonstruieren. Der Einsatz diverser Medien bzw. Zeichensysteme im Zeremoniell war darauf angelegt, die Sinne des Zeremoniellagenten und -rezipienten zu "fesseln". Das Problem der Zeremonielle in ihrer Performanz war nach Rahn allerdings die mögliche Korrumpierung des Zeremoniellteilnehmers durch ein "Übermaß an Verblüffung". Entsprechend drohte die Marginalisierung und "Ausblendung" der Zeremoniellagenten, wenn die repräsentative Qualität des architektonischen Handlungsrahmens zu dominieren begann. Rahn ging in seinem Vortrag vor allem der Frage nach, welche rezeptionsästhetischen Probleme mit der Konkurrenz der Medien/Zeichensysteme im Zeremoniell einhergingen ("Kanonendonner war allemal eindrucksvoller als eine Zeremonialrede") und wie sich die Vermittlungsverfahren des éclat, d.h. der auf Verblüffung und Zerstreuung setzenden Inszenierung, und des Sinnbildes, das eine konzentrierte Exegese fordert, zueinander verhalten.

Die zweite Sektion am Nachmittag war dann den "Akustischen Zeichen" vorbehalten. Zunächst stellte Panjy Mücke (Marburg) die Rolle der Musik im Zeremoniell vom 16. bis zum 18. Jahrhundert am Beispiel des Dresdner Hofes vor ("... liessen sich Trompeten und Paucken in dem Saal, neben dem TafelZimmer Hören": Musik als zeremonielle Zeichengattung am Dresdner Hof). Die zeremonielle Relevanz dieser Facette der Hofkultur schlug sich nicht nur im logistischen wie im finanziellen Aufwand für die Hofmusik nieder sondern auch in der ausgeklügelten Regie für den Einsatz bei zeremoniellen Handlungen. Die Kompositionen hinsichtlich musikalischer Faktur, "Gattung" und der Verbindung mit anderen Künsten waren dabei höchst disparat (Trompetensignal, Tafelmusik, Kammerkonzerte, musikalische Umrahmungen von Festen, Opernformen etc.), wurden von Mücke jedoch unter dem übergreifenden zeremoniell-zeichenhaften Aspekt behandelt. Dabei standen Kriterien wie Anlaß, Räumlichkeiten und zeremonieller Kontext des Einsatzes von Musik oder die Frage nach den Beziehungen der kompositorischen und textlichen Charakteristika zum Casus im Mittelpunkt.

Nach dieser Untersuchung am speziellen Beispiel des Dresdner Hofes verallgemeinerte Jörg Jochen Berns (Marburg) den Aspekt der "Akustischen Zeichen" in seinem Vortrag ("Klangräume und herrscherliche Hallkunst. Zur zeremoniellen Funktion akustischer Zeichen"). Berns untersuchte anhand unterschiedlicher zeremoniellpflichtiger Anlässe (Friedensfeiern, Herrscherkrönung, -beisetzung, Hochzeit etc.), welche akustischen Zeichen mit welchen Signalinstrumenten (z.B. Kanonade, Geläut, Fanfaren- und Trompetenblasen, Pauken, Gesang, Volksgeschrei/Jubel) erzeugt und eingesetzt, welche Klangräume dadurch konstituiert und welche Öffentlichkeiten dadurch geschaffen bzw. erreicht wurden.

Den Abendvortrag gestaltete Frank Druffner (Stuttgart) mit einem Vortrag über die Änderungen im Herrschaftszeremoniell im Zuge der Säkularisationen am Ende des Alten Reiches (Säkularisationszeremoniell: Die Vielfalt zeremonieller Erscheinungen am Ende des Alten Reiches). Im Rahmen des tiefgreifenden Veränderungen der politischen Landkarte zwischen 1802 und 1806 im süddeutschen Raum erlebte auch das Herrschaftszeremoniell einen Höhepunkt. Die Inbesitznahme ehemals reichsunmittelbarer oder doch wenigstens immuner geistlicher Territorien bedurfte der Legitimation. Dabei griff man auf bewährte Formen der Besiegelung eines Besitzerwechsels zurück und operierte mit Patenten, Wappen, Huldigungsfeiern, Einzügen und Divertissements, um rechtlich bereits vollzogene Akte nach außen hin zu dokumentieren. Druffner zeigte sehr anschaulich, wie Wappen vermehrt, Huldigungsfeiern aufwendig gestaltet und angesichts der Rangerhöhung süddeutscher Fürsten neue Throninsignien angefertigt wurden. Nichts verbildlichte dabei die Marginalisierung und Verdrängung der klösterlichen Kultur besser als die aus Säkularisationsmaterial gewonnenen Abzeichen der erweiterten weltlichen Herrschaft: Thron, Krone und Tafelsilber.

Der zweite Tag war ebenfalls in zwei Sektionen geteilt. Zunächst stand das Tafelzeremoniell in der Sektion "Tafeln und Tafel" eingehender im Mittelpunkt.

Barbara Stollberg-Rilinger (Münster) zeigte am Beispiel der höfischen Tafel in der Frühen Neuzeit, wie die Ordnung der Tafel bei Hof Gegenstand intensiver Reflexionen, präzisen Reglements und komplexen Kalküls war (Der rechte Platz. Ordnungsleistung und Konfliktträchtigkeit der höfischen Tafel). Durch das Tafelzeremoniell wurden symbolische Geltungsbehauptungen aufgestellt, die unter Umständen von höchstem rechtlich-politischem Gewicht sein konnten. Besondere Aufmerksamkeit galt nach Stollberg-Rilinger dabei zwei Arten hierarchiestiftender Codes: solchen, die zeitliche Sequenzen herstellten, wie das Gesundheitstrinken oder die Reihenfolge des Aufwartens, und solchen, die durch die Konstellation der Personen im Raum Ordnung stifteten. Im Vortrag wurde an einzelnen anschaulichen Beispielen demonstriert, was die symbolische Ordnung der Tafel auf diese Weise für Strukturierungsleistungen vollbrachte und welches Konfliktpotential sie gerade deshalb enthielt.

Anschließend ging Michaela Völkel (Berlin) auf ein Thema der Verwandtschaft zwischen liturgischem und Tafelzeremoniell näher ein (Der Tisch des Herrn. Das gemeinsame Zeichensystem von Litugie und Tafelzeremoniell). Viele Zeichen, so Völkel, mußten in den Augen zeitgenössischer Betrachter assoziative Bezüge zwischen dem Tisch des fürstlichen und dem Tisch des himmlichen Herrn in der Messfeier eröffnen. Eindrucksvoll zeigte sie, daß etwa Tischgeräte wie Lavabos oder zeremonielle Handlungen wie das Händewaschen, das Beugen des Knies, das Schweigen oder das stellvertretend für die zusehende Menge vollzogene Trinken und Essen während des Tafel- und des Altardienstes so offensichtliche Ähnlichkeit aufweisen, daß nach Völkel ein Bedeutungstransfer zwischen dem sakralen und dem profanen Bereich bei den Rezipienten mit Sicherheit angenommen werden kann.

Den dritten Vortrag zur Thematik hielt Maureen Cassidy-Geiger (Dresden/NewYork), die sich ausführlich mit dem Gebrauch von Porzellan-Service am Dresdner Hof im Verlauf des 18. Jahrhunderts beschäftigte (Innovations and the Ceremonial Table in Saxony, 1719-1747). Mit dem Aufkommen von Porzellan stand zwar ein weiteres Material für die Gestaltung der Tafel zur Verfügung, neben Silber und Gold, doch ist es aus heutiger Sicht schwierig zu beurteilen, wie diese aufwendig angefertigten Service aufgrund ihrer Zerbrechlichkeit auf der Tafel anfänglich genutzt wurden. Die frühen Stücke der Meissner Manufaktur waren zunächst fast ausschließlich für den Hof bestimmt und erst mit dem Tod Augusts des Starken begann die Produktion von Prozellangeschirr auch für Angehörige des Hofes und ausländische Fürsten. Anhand der großen Feierlichkeiten von 1747 zeigte die Referentin, wie stimulierend die Ereignisse auch für den Gebrauch von Porzellan im Rahmen des Tafelzeremoniells wirkten.

Die zweite Sektion des Tages war der "Raumausstattung als Zeichensystem" gewidmet. Zunächst beschäftigte sich Samuel Wittwer (Potsdam) ebenfalls mit dem Einsatz von Porzellan als einem höfischen Zeichen (Vom Buffet zum Kabinett. Zeremonielle Zeichensysteme in den preußischen Porzellankammern). Die zunehmende Typisierung der Präsentationsformen herrschaftlichen Prunks stand in der Frühen Neuzeit in direktem Zusammenhang mit der Entwicklung des höfischen Zeremoniells. Die einzelnen Bausteine wurden mehr und mehr zu lesbaren und bedeutungsvollen Zeichen fixiert. Dies galt nach Wittwer sowohl für den temporären Bereich wie bspw. Buffetaufbauten als auch für den dauerhaften wie etwa den Pretiosenkabinetten. Allein die Anzahl der Buffetstufen oder die räumliche Lage des Kabinetts im fürstlichen Appartement wurden so schnell zu verständlichen Aussagen. Die im 17. Jahrhundert sich verbreitende Zurschaustellung von Porzellan erfuhr am preußischen Hof am Ende des Jahrhunderts einen, so Wittwer, für die deutsche Entwicklung prägenden Impuls: die räumliche Fixierung ansonsten temporärer Motive zeremonieller Handlungen und deren Verbindung mit modisch-dekorativen Präsentationsformen zu einem komplexen Zeichensystem. Die traditionelle Art der Botschaftsvermittlung über ikonographische Programme in den Deckengemälden wurde so in diesen Porzellankammern mit Elementen zeremonieller Ehrenhandlungen (bspw. Buffets) dauerhaft verbunden. Damit verbanden sich zwei unterschiedliche Wege der Wahnehmung zur selben Aussage. Sowohl die Formen der Porzellanpräsentation vor 1690 als auch die Bedeutung des Buffets als zeremoniellem Zeichensystem wurden von Wittwer anschaulich dargestellt. Darauf aufbauend verdeutlichte er die politische Aussage der beiden Kabinette in Oranienburg (1695) und Charlottenburg (1706) aus dem in ihrem Aufbau und Einsatz von Materialien angewandten Umgang mit zeremoniellen Zeichen.

In den nächsten drei Vorträgen stand dann die Residenz der bayerischen Kurfürsten in München im Mittelpunkt. Zunächst ging Henriette Graf (München) in ihrem Vortrag (Hofzeremoniell, Raumfolgen und Möblierung der Residenz in München um 1600 – um 1750) auf die Entstehung und Entwicklung von Raumfolgen und einzelnen Räumen sowie deren Ausstattung und Möblierung ein. In einem Vergleich mit den Höfen in Wien und Versailles zeigte sie die Besonderheiten des auch in München zeremonialiserten "morgendlichen Aufstehens" des Fürsten sowie der regelmäßig veranstalteten abendlichen "Appartements". Im Mittelpunkt standen die Änderungen in den Handlungsabläufen unter den einzelnen bayerischen Kurfüsten und die in diesem Zusammenhang genutzten Räumlichkeiten in der Residenz. Esther Janowitz (München) widmete sich in ihrem Referat dann ganz speziell den sogannten "Kaiserzimmern" der Münchener Residenz (Untersuchungen zu Ausstattung und Zeremoniell der Kaiserzimmer der Münchener Residenz am Fallbeispiel des Kaiserbesuchs von 1653). Unter Herzog Maximilian I. erbaut war bislang wenig hinsichtlich ihrer Ausstattung und zeremoniellen Nutzung bekannt. Die für ihre Zeit einzigartige Raumflucht, konzipiert als Gästeappartement für den Kaiser, gehörte zum sogannten Kaiserhoftrakt, mit dem Maximilian den Umfang der Residenz auf nahezu das Doppelte vergrößerte. Die Baumaßnahme war Teil einer Strategie, die auf die Rangerhöhung der Dynastie abzielte. Anhand detaillierter Instruktionen für einzelne Hofämter konnte Janowitz die Einrichtung der Räume nun erstmals im Detail nachzeichnen. Die temporäre, mobile Ausstattung umfaßte gewirkte Wandteppiche sowie Wohntextilien im engeren Sinne, d.h. Baldachine, Betten, Teppiche, Sitzbezüge etc. Da die einzelnen Räume ihrer Nutzung nach bezeichnet sind, konnte auch der Funktionszusammenhang zwischen Ausstattung und Zeremoniell unmittelbar nachgezeichnet werden. Der "Hängungsplan" der Prunkteppiche und die Anordnung der Wohntextilien glich einer präzisen Regieanweisung, die nicht nur Rang und Ansehen der Gäste sondern auch Anlaß, Zeitpunkt und Dauer ihrer Besuches berücksichtigte. Mit dem Medium der Prunktextilien ließen sich, so Janowitz, Rangordnungen visualisieren, differenzierte Wertungen vornehmen und pointierte Akzente setzen. Während in den Vorträgen von Henriette Graf und Esther Janowitz die Räumlichkeiten und das darin stattfindende Zeremoniell behandelt wurden, stellte Eva-Bettina Krems (Marburg) zwei Beschreibungen der Münchener Residenz aus den Jahren 1667 und 1685 vor ("Trionfi dell’Architettura" und "Triumphierendes Wunder-Gebäw": Raumwahrnehmung und Zeremoniell in der Münchener Residenz). Es handelt sich dabei um die Beschreibung "I Trionfi dell’Architettura nella sontuosa Residenza di Monaco" von Ranuccio Pallavicino von 1667 und die deutsche Übersetzung und Bearbeitung von Johann Schmidt aus dem Jahre 1685. Im Interesse stand dabei nicht das panegyrische, sondern das zeremonielle Vokabular der Texte. Krems zeigte sehr anschaulich, daß schon dem vom Autor gewählten Gang durch die Residenz eine zeremonielle Reglementierung zugrunde lag, was um so interessanter erscheint, da immer wieder betont wird, wie sehr der "Geschmack" und die "Augen" den Autor und damit den Leser-Betrachter leiten.

Der dritte Tag stand schließlich unter der Prämisse "Höfische Zeichengattungen" und begann mit einem Vortrag von Hans Ottomeyer (Berlin). In seinen Ausführungen (Vom Gebrauch der Bilder) gab Ottomeyer einen Überblick über den Gebrauch und die Entwicklung von Bildern und Gemälden unterschiedlicher Thematik (Andachtsbild, Herrscherporträt etc.) sowie ihrer Einbindung in die unterschiedlichen höfischen Zeremonielle. Darauf folgte die Beschreibung des Besuches Wilhelms V. von Bayern bei Papst Klemens VIII. in Rom im Jahr 1593 durch Stefanie Walker (New York) (Der Besuch Herzog Wilhelms V. beim Papst: Eine Begegnung zwischen Formen des Zeremoniells). Neben der Ankunft Wilhelms in Rom und der päpstlichen Audienz ging Walker insbesondere auf das Gastmahl in der Engelsburg ein, welches Klemens VIII. aus Anlaß seines Besuchers ausgerichtet hatte. Eine ausführliche Beschreibung findet sich bei Georg Philipp Harsdörffer: "Vollständig vermehrtes Trincir-Buch ... nach italienischer und in dieser Zeit üblichen Hof-Art" (Nürnberg 1654) Walker stellte anhand dieser Überlieferung die Eigenarten des römisch-päpstlichen Zeremoniells in Unterscheidung zu deutschen Bräuchen heraus. Dabei wurde der beträchtliche Einfluß italienischer Formen des Zeremoniells deutlich.

Den Abschluß der Tagung bildete der Vortrag von Ulrich Schütte (Marburg) zum Gebrauch zeremonieller Zeichen (Körper und Zeichen. Höfische Zeichengattungen und ihr zeremonieller Gebrauch). Schütte untersuchte die Möglichkeit einer Klassifizierung jener Vielzahl von Zeichen, die innerhalb zeremoniellen Handlungen eingesetzt wurden, und schlug diesbezüglich, je nach Schwerpunktsetzung der Fragestellung, eine dreifache Beantwortung vor. Die Frage nach der Klassifizierung könne ihren Focus nämlich auf das Zentrum des Zeremoniells selbst richten, auf die Produktionsformen sowie auf die Rezeptionsformen der im Zeremoniell verwendeten Zeichen.

Im ersten Fall teilt Schütte die Zeichen den Kategorien Körper, Handlungen und Räumen zu. So sind es etwa die Zeremonialteilnehmer selbst, die als statusdefinierte Subjekte wie durch ihre Handlungen Zeichen setzen. Der Fürst im Zentrum und ihm nach- wie beigeordnet andere Mitglieder der höfischen Gesellschaft verweisen durch ihre Körperhaltungen, ihren Redestil und ihre Kleidung auf ihre reale oder beanspruchte soziale Positionierung innerhalb ritualisierter Abläufe. Weitere Attribute (Insignien, Bücher etc.) können dabei unmittelbar in das Handlungsgeschehen integriert sein. Die Disposition der Handelnden im Raum (Wer steht wo?) und in der Zeit (Wer macht etwas wann?) ist unmittelbar verknüpft mit sozialen Statuswerten. Die zeremoniell genutzten Räume bilden dabei durch ihre Lage im Gefüge des Schlosses, einer Stadt oder eines Naturraumes keine neutrale Folie der zeichenhaften Handlungen. Ganz im Gegenteil, so Schütte, bilden sie deren notwendige Voraussetzungen. Sie differieren nach Größe, Ausstattung sowie Handlungsszenarien und können somit zeichenhaft eingesetzt und verstanden werden.

Legt man den Focus auf die Produktionsformen ("hergestellte Zeichen"), so müsse beachtet werden, daß der semantische Wert jener Künste, die innerhalb des Zeremoniells zum Einsatz kommen, sich nach ihrer Position in den Handlungssequenzen sowie nach der "Ausstattung" der Handlungsteilnehmer richtet. Die Bekleidung der Körper, die Form der Sprache, der Körperhaltungen und der zeremoniellen Handlungsrequisiten wie auch die Gestaltung der Handlungsabfolgen und Handlungsräume sind semantisch fixiert. Sie unterliegen spezifischen Regeln und Herstellungsweisen, die von Spezialisten ("Künstlern") beherrscht und vom Nutzer gefordert wie beurteilt werden. Jede Kunstgattung bildet einen eigenen Bestand von Normen und Verfahrensweisen aus, der nicht ausschließlich auf das Zeremoniell ausgerichtet ist, der jedoch nach Maßgabe des höfischen Zeichengebrauchs im Zeremoniell aktualisiert, neu bestimmt und auf die Körper und Handlungen der Zeremoniellteilnehmer sowie auf deren zeitliche und räumliche Kontexte zugeschnitten werden kann. Dabei ist zwischen jenen Werken zu unterscheiden, die zum dauerhaften Bestand der fürstlichen Kultur gehören ("höfische Zeichen"), und jenen, die für das Zeremoniell geschaffen oder im Zeremoniell aktiviert und damit zu zeremoniellen Zeichen im engeren Sinne werden.

Auch bei einer Focussierung auf die Rezeptionsformen der im Zeremoniell verwendeten Zeichen ("wahrgenommene Zeichen") sind die Künste als höfische und zeremonielle Zeichengattungen auf die Körper der im Zeremoniell Handelnden ausgerichtet. Entscheidend dabei sind nach Schütte die sensorischen Fähigkeiten der Handlungsteilnehmer (Hören und Sehen, Fühlen und Schmecken). Diese Fähigkeiten klassifizieren die von den Werken ausgehenden Reize nach ihrer Bedeutung im zeitlichen, räumlichen und normativen Gefüge. Die sinnliche Kraft der zeremoniellen Zeichen ist dabei sehr unterschiedlich und kann zu Konflikten hinsichtlich der Aufnahmefähigkeit der Zeremoniellteilnehmer führen; ein Aspekt, den schon Thomas Rahn in seinem Vortrag angesprochen hatte. Vermieden wird dies in der Regel durch räumliche und zeitliche Differenzierungen beim Einsatz der Künste im zeremoniellen Verlauf.

In der Abschlußdiskussion wurde vorwiegend auf die häufig undifferenzierte Benutzung der Begriffe "Zeichen" und "Zeremoniell" eingegangen. Die allgemein festzustellende Tendenz, alles und jedes am Fürstenhof als höfisches Zeichen zu interpretieren, sowie jede Situation in einen zeremoniellen Zusammenhang zu stellen, führe dabei eher zu einer Entwertung der Begrifflichkeiten. Viel stärker als bisher müsse etwa auf den konkreten Gebrauch verschiedener höfischer Ausstattungselemente im zeremoniellen Kontext geachtet werden. Vor allem der Vorschlag von Ulrich Schütte zur Klassifizierung höfischer Zeichen wurde von vielen als ein positiver Weg in diese Richtung gewürdigt.

Vinzenz Czech, Berlin*

Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen*

 

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Ausstellung

Gonzaga

La celeste galeria

Mantua, 2. September 2002 bis 12. Januar 2003

Kontaktadresse: Il Museo dei Duchi di Mantova

Centro Internazionale d’Arte e di Cultura di Palazzo Te

Viale Te, 19

I-46100 Mantova

Tel: [I] 03 76 - 28 08 89

E-mail: segreteria@centropalazzote.it

Internet: http://www.mostragonzaga.it

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Tagung

Staatsbildung, lokale Herrschaftsprozesse und kultureller Wandel in der
Frühen Neuzeit

Osnabrück, 19. bis 21. September 2002

Kontaktadresse: Prof. Dr. R. G. Asch und Dr. D. Freist

Universität Osnabrück

Neuer Graben 19/21

D-49069 Osnabrück

E-mail: dfreist@uos.de

Aus dem Programm:

Lokale Herrschaftspraxis

Häberlein, M. (Freiburg), Herrschaftspraxis in der ländlichen Gesellschaft in Südwestdeutschland unter den Bedingungen der konfessionellen Koexistenz; Brakensiek, S. (Bielefeld), Lokale Amtsträger – Identität, soziale Vernetzung und Handlungsspielräume in deutschen Territorien der Frühen Neuzeit; Braddick, M. (Sheffield), Local office-holders and political authority in seventeenth century England.

Herrschaft und rechtliche Normsetzung

Holenstein, A. (Bern), Gute Policey und lokale Gesellschaft. Kommunikationsprozesse im Umgang mit Policeyordnungen in der Markgrafschaft Baden im 18. Jahrhundert; Westphal, S. (Jena), Stabilisierung durch Recht. Reichsgerichte als Schiedsstelle territorialer Konflikte im Heiligen Römischen Reich; Hindle, S. (Warwick), Law, Law Enforcement and State Formation in Seventeenth-Century England.

Vermittlung von Herrschaft zwischen Zentrum und Peripherie

Prak, M. (Utrecht), Local Autonomy and State Centralisation in the Dutch Republic; Emich, B. (Freiburg), Zentrum und Peripherie in den päpstlichen Territorien des 17. Jahrhunderts; Ruggiu, F.-J- (Paris), Pouvoir, éthique et cycle de vie – Pourquoi servir la communauté dans les villes de province anglaises et françaises au 18e siècle?

Legitimation von Herrschaft

Pecar, A. (Rostock), Das Hofzeremoniell – eine Herrschaftstechnik? Kritische Einwände am Beispiel des Kaiserhofes in Wien (17. und 18. Jahrhundert); Sabatier, G. (Grenoble), Un instrument de légitimation de l’autorité royale en France au XVIIe siècle. Les Programmes iconographiques de l’État; Freist, D. (Osnabrück), Öffentlichkeit und Herrschaftslegitimation. Deutschland und England im Vergleich.

Carl, H. (Gießen), Genossenschaft und Herrschaftsverdichtung – der Adel im Deutschland des 16. Jahrhunderts zwischen Herrendienst und ständischer Autonomie; Asch, R. G. (Osnabrück), Die Ökonomie der Ehre – Adel, Status und Staatsbildung in England und Frankreich im 17. Jahrhundert.

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Internationale Tagung

Spanien und das Heilige Römische Reich vom 14. Jahrhundert bis zum Beginn des habsburgischen Großreiches

Konstruktionen des Eigenen und des Fremden

Erlangen-Nürnberg, 26. bis 29. September 2002

Kontaktadresse: Prof. Dr. Klaus Herbers/Dr. Nikolas Jaspert

Institut für Geschichte

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Kochstr. 4, BK 9

D-91054 Erlangen

Tel: [D] 0 91 31 - 8 52-23 56 – Fax: [D] 0 91 31 - 8 52 58 91

E-mail: majungha@phil.uni-erlangen.de

Internet: http://www.geschichte.uni-erlangen.de/lehrstuehle/mittelal-ter/tagungen/spanienkolloquium_ma.shtml

Aus dem Programm:

Donnerstag, 26. September

A. BEGRÜSSUNG UND ERÖFFNUNG

Jaspert, N. (Erlangen), Eigenes und Fremdes im europäischen Spätmittelalter: Zur Einführung.

B. DYNASTISCH-POLITISCHE VERFLECHTUNGEN

Estepa Díez, C. (Madrid), Matrimonios internacionales – Aragón, Borgoña; Rudolf, K. (Madrid), Von den Katholischen Königen zur Casa de Austria; Ranft, A. (Halle), Adlige Identitätsbestimmung: Adelsorden und Adelsgesellschaften; Selzer, S. (Halle): Krieg und Politik: Spanien und Italien als Ziel deutschsprachiger Söldner im 14. Jahrhundert.

C. KULTURELLE UND WISSENSCHAFTLICHE INTERAKTIONEN

Delgado, J. H. i (Barcelona), La lectura de obras alemanas en las ciudades españolas del siglo XIV al XVI; Heim, D. (Dresden), Die Suche nach Geld, Freiheit und Ansehen – Künstlermigration nach Kastilien im 15. Jahrhundert; Walther, H. G. (Jena), Recht und Rechtsschulen in Deutschland und Spanien: Voraussetzungen und Folgen der Großen Reformkonzilien des 15. Jahrhunderts; Vones, L. (Köln), Spanische Reisende im Reich; Krones, H. (Wien), Die Hofkapellen Maximilians I. und die Trauermotetten zu Todesfällen in der kaiserlichen Familie.

Freitag, 27. September

D. KIRCHLICHE KOMMUNIKATION IM INTERNATIONALEN SYSTEM

Segl, P. (Bayreuth), Spanisches "Know-how" für Ketzerbekämpfer im Heiligen Römischen Reich; Grohe, J. (Rom): Spanien und die großen Konzilien Konstanz und Basel; Martínez Sopen, P. (Valladolid), Reforma de los claustros y sociedad en la España bajomedieval; Mur Raurell, A. (Madrid), Relaciones europeas de las Órdenes Militares Hispánicas durante el siglo XIV.

ABENDVORTRAG

Herbers, K. (Erlangen), "Das kommt mir Spanisch vor". Zum Spanienbild von Reisenden aus Nürnberg und dem Reich an der Schwelle zur Neuzeit.

Samstag, 28. September

E. ABSCHOTTUNG UND INTEGRATION IN WIRTSCHAFT UND TECHNIK

Diago, M. (Madrid), Los derechos de los extranjeros en las ciudades españolas y alemanas; Valdeón Baruque, J. (Valladolid), La Mesta y el comercio de lana; Rothmann, M. (Frankfurt), Märkte und Messen als wirtschaftliche und kulturelle Begegnungsstätten; Adão da Fonseca, L. (Porto), Globalización antes de la globalización? La expansión europea en el siglo XV.

F. ABGRENZUNGS- UND VERMITTLUNGSPROZESSE AN "DRITTEN ORTEN"

Tamburri Bariain, P. (Pamplona), Intercambio científico en Bolonia; Felten, F. (Mainz), Kommunikation an der päpstlichen Kurie in Avignon; Salicrú i Lluch, R. (Barcelona), Caballeros cristianos en el Occidente islámico; Trnek, H. (Wien), Künstlerischer Austausch in Brügge und Gent, 1400-1520.

Sonntag, 29. September

G. ABGRENZUNGS- UND VERMITTLUNGSPROZESSE AN "DRITTEN ORTEN"

Guilleré, C. (Chambéry), Génova como ciudad de contacto económico; Prietzel, M. (Berlin), Burgund als politische Drehscheibe und Austauschraum.

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Workshop

Ordnung und Distinktion

Praktiken sozialer Repräsentation in der ständischen Gesellschaft

Münster, 26. bis 27. September 2002

Kontaktadresse: Universität Münster

SFB 496 – Projekt C1 "Zur symbolischen Konstituierung von politisch-sozialem Rang in der frühen Neuzeit"

Marian Füssel und Thomas Weller

Universität Münster

Salzstraße 41

D-48143 Münster

E-mail: fussel@uni-muenster.de

Internet: http://www.uni-muenster.de/GeschichtePhilosophie/Geschichte/hist-sem/NZ-G/L_1/workshop.html

Aus dem Programm:

Schuster, P. (Bielefeld), Ein spätes Fürstengeschlecht. Visualisierung von Rang und Status bei den Zollern seit ihrer Erhebung in den Reichsfürstenstand 1363; Mutschler, T. (Giessen), Kompensation des Positionsverlusts? Der Reichsgrafenstand im Zeremoniell der Kaiserwahlen (im 17. und 18. Jahrhundert); Füssel, M. (Münster), Gelehrtenkultur als symbolische Praxis. Rangkonflikte im akademischen Feld der Frühen Neuzeit; Hansert, A. (Frankfurt), Standes- und Rangkonflikte zwischen geburtsadligem Patriziat und akademisch geschulten Juristen in Frankfurt am Main im 17. und 18. Jahrhundert; Bock, H. (Frankfurt), Goldene Ketten und Wappenhelme. Distinktion zwischen Patriziat und Adel in bebilderten Geschlechterbüchern, Trachtenbüchern, Gemälden und Grabdenkmälern des 16. Jahrhunderts; Weller, T. (Münster), Das Begräbnis des Bürgers. Bürgerliche Begräbniskultur und die Visualisierung von Rang und Ordnung in der frühneuzeitlichen Stadt; Fuchs, R.-P., (München), Unordnung durch Recht? Zur Bedeutungsabnahme symbolischer Ordnung im frühneuzeitlichen Injurienprozeß; Bleckmann, M. (Münster), Das Ordnen der Wirklichkeit oder die Ordnung der Theorie? Zum Verhältnis zwischen rangrechtsgelehrtem Diskurs und der Verfahrensweise mit Rangkonflikten in der alltäglichen Praxis; Schlinger, S. (Münster), Bürgerliche Herrschaft und religiöses Feld. Zur symbolischen Positionierung der Lübecker Ratsherren im sozialen Raum; Wolf, G. (München), Um Hut und Vortritt. Bemerkungen zum Stellenwert von Rang- und Präzedenzfragen in der frühneuzeitlichen Außenpolitik Bayerns und der Kurpfalz; Pecar, A. (Rostock), Zeichen aristokratischer Vortrefflichkeit. Vom Nutzen und Nachteil des kaiserlichen Hofzeremoniells für die Selbstdarstellung des höfischen Adels; Droste, H. (Hamburg), Briefe als Medium symbolischer Kommunikation; Jucker, M. (Zürich), Gesten, Kleider und Körperschmähungen. Ordnungsbrüche und ihre Wahrnehmung im Gesandtschaftswesen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit.

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Internationale Konferenz

Die brüchige Tradition

Kultur und Einbildungskraft in Deutschland seit 1500

Cambridge, 1. bis 3. Oktober 2002

Kontaktadresse: Forschungsgruppe Cultural History & Literary Imagination

Dr. David Midgley

St John’s College

UK-CB2 1TP Cambridge

E-mail: drm7@joh.cam.ac.uk

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Tagung

Fragen der politischen Integration im mittelalterlichen Europa

I. Früh- und Hochmittelalter

Insel Reichenau, 1. bis 4. Oktober 2002

Kontaktadresse: Konstanzer Arbeitskreis für Mittelalterliche Geschichte

Prof. Dr. Stefan Weinfurter

Seminar für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Heidelberg

Grabengasse 3-4

D-69117 Heidelberg

Tel: [D] 0 62 21 - 54 22 93 – Fax: [D] 0 62 21 - 54 24 38

E-mail: stefan.weinfurter@urz.uni-heidelberg.de

Aus dem Programm:

Mittwoch, 1. Oktober

Neisser, H. (Wien/Innsbruck), Perspektiven und Probleme der politischen Integration in der Europäischen Union.

Donnerstag, 2. Oktober

Schieffer, R. (München), Die Einheit des Karolingerreiches als praktisches Problem und als theoretische Forderung; Goez, W. (Erlangen/Herzogenaurach), Das hochmittelalterliche Imperium. Versuche der Integration von Reichsitalien (951-1220); Scharer, A. (Wien), Die angelsächsischen Königreiche. Vielfalt und Einheit; Reuter, T. (Southampton), Eliten- und Institutionenaustausch innerhalb der kanalübergreifenden Großreiche (ca. 1066 - ca. 1260).

Freitag, 3. Oktober

Schreiner, P. (Köln), Das byzantinische Reich. Hauptstadt und Peripherie; Houben, H. (Lecce), Politische Integration und regionale Identitäten im Königreich Sizilien; Vones, L. (Köln), Krone und Haus. Das Haus Barcelona als integrative Kraft der Krone Aragóns im Hoch- und Spätmittelalter; Guyotjeanin, O. (Paris), Die Integration der territorialen Erweiterungen der französischen Krondomäne im 13. und frühen 14. Jahrhundert.

Samstag, 4. Oktober

Boshof, E. (Passau), Zusammenfassung und Schlußdiskussion.

Teil II siehe unten S. *.

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Ausstellung

I Borgia

L’Arte del Potere

Rom, 3. Oktober 2002 bis 23. Februar 2003

Kontaktadresse: Fondazione Memmo

Palazzo Ruspoli

Via del Corso, 418

I-00186 Rom

E-mail: coordinamentomostre@palazzoruspoli.it

Internet: http://www.scanner.it/arte/borgia1914.php

Zum Ausstellungskatalog siehe unten S. *.

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Tagung

Murder and monarchy. Office and tyrannicide in medieval and early modern Europe

London, 18. bis 19. Oktober 2002

Kontaktadresse: Deutsches Historisches Institut London

Prof. Dr. Hagen Schulze

Deutsches Historisches Institut

17, Bloomsbury Square

UK-WC1A 2NJ London

Tel: [GB] 0 20 - 74 04-54 86 – Fax: [GB] 0 20 - 74 04-55 73

E-mail: ghil@ghil.co.uk

Internet: http://www.ghil.co.uk

Aus dem Programm:

Samstag, 18. Oktober

Section I: Early Medieval Monarchy

Hillgarth, J. (Toronto), Murder and monarchy in the visigothic kingdoms; Ehlers, J. (Berlin), Die Geburt der Monarchie aus dem gewaltsamen Tod. Transformationen des Königtums von der Spätantike bis ins 10. Jahrhundert.

Section II: High Medieval Monarchy

Strickland, M (Glasgow), Rebellion and chivalry in the anglo plantagenet world; Genet, J.-P. (Paris), Murdering the anointed; Condren, C. (Sydney), A first reflection: Office and monarchy in european thought.

Sonntag, 19. Oktober

Section III: Fifteenth and sixteenth century Europe

Bulst, N. (Bielefeld), Fifteenth Century France; Carpenter, C. (Cambridge), Fifteenth Century England; Burns, J. (London), Scotland in the fifteenth and sixteenth centuries (1437-1587).

Section IV: Early Modern England and France

Burgess (Hull), Seventeenth century England; Bely, L. (Paris-Sorbonne), France, 1580s -1730s.

Section V: Twilight of Monarchy? The historiographical aftermath

Kosfeld, A. (Berlin), A second reflection: Monarchy in nineteenth century German historiography.

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Tagung

Solemnitas

Barocke Festkultur in Oberpfälzer Klöstern

Waldsassen, 25. bis 27. Oktober 2002

Kontaktadresse: Manfred Knedlik und Georg Schrott

Kultur- und Begegnungszentrum der Abtei Waldsassen

Basilikaplatz 2

D-95652 Waldsassen

E-mail: Manfred.Knedlik@t-online.de

Aus dem Programm:

Freitag, 25. Oktober

Knedlik, M. (Nürnberg), Schrott, G. (Sprockhövel), Klio wich mit Fleiss ... Polemische und programmatische Bemerkungen zur Oberpfälzer Klosterforschung; Faltermeier, H. (Bogen), Die Musikpflege im Kloster Walderbach am Ende des 18. Jahrhunderts und sein bedeutendster Komponist, Eugen Pausch (1758-1838); Zwicknagl, A. (Geretsried), Die Darstellungen der Klosterweihe in der Waldsassener Stiftskirche.

Samstag, 26. Oktober 2002

Die Kunst im Dienst der klösterlichen Festkultur

Grimminger, C. (Eichstätt), Klösterliche Festsäle in Waldsassen, Walderbach und Speinshart; Fendl, E. (Freiburg i.Br.), Pompa funebris. Zu Form und Funktion von Trauergerüsten in Oberpfälzer Klöstern.

Akademische Festkultur

Leinsle, P. (Regensburg), Festdisputationen in Prälatenklöstern; Kucharova, H. (Prag), Das Studium Waldsassener Mönche am erzbischöflichen Seminar und Collegium Bernardinum in Prag.

Klösterliche Festliteratur

Römmelt, S. (Würzburg), Festschriften zu den Säkularfeiern des 18. Jahrhunderts in Oberpfälzer Klöstern; Knedlik, M. (Nürnberg), Festa theatralia. Dramen, Singspiele und Kantaten in Oberpfälzer Klöstern; Lobendanz, G. (Waldsassen), "Ein Thal des Seegens". Auszüge aus Waldsassener Festpredigten.

Benediktinische Akzente der Festkultur

Lorenz, G. (Regensburg), Benediktus- und Schutzengelbilder in Oberpfälzer Benediktinerabteien. Kunst im Kontext der klösterlichen Lebensform; Denter, T. (Marienstatt), Die Feier des Sonntags – Strukturelement in der Regel des hl. Benedikt.

Sonntag, 27. Oktober 2002

Klösterliche Festkultur im Vergleich

Pfister, P. (Freising), Die Kloster- und Festkultur im Zisterzienserkloster Fürstenfeld; Schrott, G. (Sprockhövel), Spiritualität – Seelsorge – Herrschaft. Dimensionen der Festkultur im Stift Waldsassen.

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Forschungskolloquium

John Moore (Smith College/Wolfenbüttel)

Purple Reign

The Stuart Court in Eighteenth-Century Rome

Münster, 5. November 2002

Kontaktadresse: Dr. Thomas Lentes

Forschungsgruppe "Kulturgeschichte und Theologie des Bildes im Christentum"

Westfälische Wilhelms-Universität

Hüfferstr. 27

D-48149 Münster

Tel: [D] 02 51 - 83-3 19 73 – Fax: [D] 02 51 - 83-3 00 38

E-mail: lentes@uni-muenster.de

Internet: http://www.uni-muenster.de/kultbild

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Conférence

Jeroen Duindam

Vienna and Versailles

The courts of europe’s dynastic rivals

Paris, 7. November 2002

Kontaktadresse: Prof: Dr. Werner Paravicini

Deutsches Historisches Institut Paris

8, rue du Parc-Royal

F-75003 Paris

Tel: [F] 01 - 42 71 56 16 – Fax: [F] 01 - 42 71 56 16

E-mail: direktor@dhi-paris.fr

Internet: http://www.dhi-paris.fr

Une reconstruction erronée de la cour de Versailles qui a ses racines dans la propagande contemporaine, la critique des Lumières et l’historiographie du XIXe siècle, a sérieusement entravé les premières décennies de "la nouvelle histoire des cours". Bien que cette image emphatique de Versailles n’ait jamais reflété la réalité de la cour française à quelque époque que ce soit, elle a tout de même servi de modèle général pour la vie des cours européennes. La conférence proposera une notion plus plausible de la cour en prenant en considération les archives de la maison royale française et en comparant cette institution avec la cour des Habsbourg à Vienne – une cour dont la réputation est totalement différente de celle de Versailles. Le personnel, les chiffres, les coûts et les hiérarchies; la routine quotidienne, les cérémonies; les favoris et la nature du pouvoir, les forces intégratives et centripètes de cette institution centrale: tout cela sera examiné dans une perspective de longue durée et comparative qui permettra de mieux cerner les similitudes et les différences de l’évolution en France et dans les pays des Habsbourg. À cette occasion, beaucoup de points de vue traditionnels concernant les deux cours (et la vie de cour en général) seront contestés, et une interprétation nouvelle qui remet la cour à sa vraie place au cœur de l’État moderne sera proposée.

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Seminario Internacional

¿Golpes de estado a fines de la Edad Media?

Fundamentos del poder político en la Europa occidental

Madrid, 25. bis 27. November 2002

Kontaktadresse: Casa de Velázquez

Ciudad Universitaria

C/ de Paul Guinard, 3

E - 28040 Madrid

Tel: [E] 0 91 - 4 55-15 80 – Fax: [E] 0 91 - 4 55-15 97

Internet: http://www.casadevelazquez.org

Aus dem Programm:

Montag, 25. November

Boucheron, P. (Paris), Théories et pratiques du coup d’État dans l’Italie princière au Quatroccento; Péneau, C. (Paris), Separare regem a regimine regni: "Coups d’État" et expression de la loi dans la Suède des XIVe et XVe siècles; Nieto Soria, J. M. (Madrid), Rex inutilis y tiranía en el debate político de la Castilla bajomedieval; Morán Martín, R. (Madrid), Alteza … merçenario soys. Intentos de ruptura institucional en las Cortes de León y Castilla. Discursos y representaciones; Watts, J. (Oxford), L’usurpation en Angleterre: un paradoxe de la croissance de l’État; Pierrard, M. (Nizza), D’une déposition à l’autre: la vision des changements dynastiques dans les Bruts et les Chroniques de Londres en Angleterre aux XIVe et XVe siècles; Moeglin, J.-M. (Paris), Destitution et mort d’Adolf de Nassau (1298): stratégies et scenarios pour un coup d’État; Potin, Y. (Paris), Détenir les clefs du trésor. La garde des collections royales comme enjeu du "coup d’État" (France, XIVe siècle).

Dienstag, 26. November

Foronda, F. (Paris), Le putsch et ses rites dans la Castille du XVe siècle; Carrasco Manchado, A. I. (Madrid), La toma del poder de Isabel I de Castilla: golpe a la legitimidad de Enrique IV; Cateura Bennasser, P. (Universidad de les Illes Balears), Los conceptos de orden y desorden político en la historiografía balear; Asenjo González, M. (Madrid), Ciudades y poder político en la Castilla Trastámara. Conflictos políticos; Eickels, K. van (Bamberg), Affaire personnelle, coup d’État ou rétablissement de l’ordre? La chute de Piers Gaveston, favori et mignon d’Édouard II d’Angleterre; Ramírez Vaquero, E. (Universidad Pública de Navarra), Un golpe revolucionario en Navarra: 13 de marzo de 1328; Jamme, A. (Lyon), Le Schisme de 1378: un coup d’État?; Sabaté i Curull, F. (Lleida), El poder soberano en la Cataluña bajomedieval: definición y ruptura.

Mittwoch, 27. November

Carvalho Homen, A. L. de (Porto), Lisbonne, 1438 : le roi est mort, vive le (petit) roi! Mais … à qui la régence?; Quintanilla Raso, M. Q. (Madrid), Discurso aristocrático, resistencia y conflictividad, en el siglo XV castellano; Carretero Zamora, J. M. (Madrid), Vacíos de poder y legitimidad política en Castilla (1504-1517).

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Symposium

Liebfrauenberg und Georgenberg?

Zur Frage der Pfalzgründung in Goslar

Goslar, 4. bis 6. Dezember 2002

Kontaktadresse: Braunschweigische Wissenschaftliche Gesellschaft, Braunschweigi-sches Landesmuseum, Max-Planck-Institut für Geschichte – Repertorium der deutschen Königspfalzen, Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig

c/o Bildungszentrum Groß- und Außenhandel Goslar e.V.

Dr. Otto Fricke-Haus

Berliner Allee 8

D-38640 Goslar

Tel: [D] 0 53 21 - 31 30 – Fax: [D] 0 53 21 - 31 33 33

Aus dem Programm:

Mittwoch, 4. Dezember

Die historische und archäologische Quellenlage zum Liebfrauenberg

Ehlers, C. (Göttingen), Die Harzer Königspfalzen im 10. und 11. Jahrhundert und die Frage nach der Goslarer Pfalz, Rötting, H. (Wolfenbüttel), Die Liebfrauenberg – Position: archäologisch. Stratigraphie und Datierung zu Bebauung und Sachgut.

Donnerstag, 5. Dezember

Die Liebfrauenberg – Position – archäometrisch

Römer-Strehl, C. (Clausthal), Scholz, P. (Würzburg), Materialanalysen zu Goslarer Keramikfunden im Vergleich zur Regionalkeramik des früheren Mittelalters; Brockner, W. (Clausthal), Erze und metallurgische Relikte aus der Goslarer Pfalzgrabung im archäometrischen Befund; Grootes, P. M. (Kiel), C-14 Analysen von schichtbezogenen Objekten der Goslarer Pfalzgrabung; May, E. (Braunschweig), Differenzierung der Tierknochenfunde aus der Pfalzgrabung Goslar im Vergleich zur frühen Stadt Braunschweig; Klappauf, L. (Goslar), Archäologische Quellen zur Entwicklung der frühen Montanwirtschaft im Harz unter den Ottonen und Saliern.

Vergleichende historische Argumentation zur Goslarer Pfalzfrage

Streich, G. (Göttingen), Zur Frage einer Burg oder Pfalz auf dem Georgenberg; Zotz, T. (Freiburg), Der Liebfrauenberg als vermutlicher Ort der Pfalz Heinrichs II.; Dahlhaus, J. (Heidelberg), Die Pfalz der Salier auf dem Liebfrauenberg; Steuer, H. (Freiburg), Silberbergwerke, Münzgeld und Fernhandel um 1000 – Der Harz und die Silberströme in Eurasien.

Freitag, 6. Dezember

Baugeschichtliche Aspekte zum Pfalzbau

Meckseper, C. (Hannover), Die baugeschichtliche Forschung zur Königspfalz Goslar; Gai, A. S. (Paderborn), Zu Rekonstruktion und Zeitstellung der spätottonischen Pfalz in Paderborn; Werner, M. (Jena), Lobbedey, U. (Münster), Resümee und Schlußdiskussion.

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Ausstellung

Die Kunst des Steinschnitts

Prunkgefäße, Kameen und Commessi aus der Kunstkammer

Kunsthistorisches Museum Wien, 17. Dezember 2002 bis 27. April 2003

Kontaktadresse: Kunsthistorisches Museum Wien

Maria Theresien-Platz

A-1010 Wien

Tel: [A] 05 25 - 24-0 – Fax: [A] 05 25 - 24-50 3

E-mail: info@khm.at

Internet: http://www.khm.at/static/page2812.html

Der Glanz edler Steine faszinierte von jeher den Menschen. Umsomehr wenn die Größe der gefundenen Stücke von Bergkristall, Jaspis oder Achat es erlaubte, daraus Gefäße zu schneiden. Der Wert des Materials und die schwierige Technik der Bearbeitung solcher Steine, die härter als Stahl sind, machten diese Objekte zu Kostbarkeiten.

Der Leidenschaft Kaiser Rudolfs II. für derartige geschnittene Steine verdankt das Kunsthistorische Museum in Wien den bedeutendsten und wertvollsten erhaltenen Bestand derartiger Kunstobjekte. Zusammen mit Werken nachfolgender wie auch früherer Epochen, darunter die weltweit einzigartige Gruppe der größten monolithen Bergkristallgefäße des Mittelalters, steht diese Sammlung im Zentrum einer Ausstellung, die vom 17. Dezember 2002 bis zum 27. April 2003 in Saal VIII und IX der Kunstkammer zu sehen sein wird.

[Text: http://www.khm.at/static/page2812.html ]

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36. Werkstatt Geschichte

Kerekes, Dóra

(Bálint Balassa Institut für Ungarn-Studien, Budapest)

Informationsbeschaffung durch den Wiener Hof im Osmanischen Reich in der Zeit der Befreiungskriege in Ungarn (1683-1699)

Wien, Gemeinsamer Vortragssaal der Forschungseinheiten, Prinz Eugen-Str. 8/2. Stock, 21. Januar 2003

Kontaktadresse: Historische Kommission

Österreichische Akademie der Wissenschaften

Univ.-Prof. Dr. Grete Walter-Klingenstein m.p.

Univ.-Prof. Dr. Arnold Suppan m.p.

Dr. Ignaz Seipel-Platz 2

A-1010 Wien

Tel: [A] 01 - 5 15 81-0

E-mail: webmaster@oeaw.ac.at

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Ausstellung

Palast des Wissens

Die Kunst und Wunderkammer Zar Peters des Großen

Dortmund, Museum für Kunst- und Kulturgeschichte, 25. Januar bis 21. April 2003

Kontaktadresse: Museum für Kunst- und Kulturgeschichte Dortmund

Hansastraße 3

D-44137 Dortmund

Tel: [D] 02 31 - 50 255 22 – Fax: [D] 02 31 - 50 255 11

Internet: http://www.museendortmund.de/mkk

Erstmalig in Deutschland zeigt eine Ausstellung Schätze und Wunderwerke aus der St. Petersburger Kunstkamera. Von Zar Peter I. gegründet, ist sie die Wiege aller russischen Museen. Mit Unterstützung der Dortmunder Energie und Wasserversorgung (DEW) sind im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte ab Januar 2003 rund 400 Exponate dieser einzigartigen Sammlung zu sehen.

Gold und Silber, Mensch und Tier, Himmel und Erde, Raum und Zeit: die Interessen Zar Peter des Großen waren vielfältig, seine Neugier groß, seine Sammelleidenschaft ausgeprägt. Sie führte 1714 in St. Petersburg zur Gründung der Kunstkamera, dem heutigen "Peter des Großen Anthropologisches und Ethnographisches Museum". In unseren Tagen mögen manche der ausgestellten Gegenstände kurios oder skurril wirken, zu Zeiten Zar Peters galten sie im Volk als Sensationen und dienten gleichermaßen der wissenschaftlichen Erkenntnis. So wußte der "Gottorfer Globus" mit seinen beeindruckenden Ausmaßen die Menschen zu beeindrucken und, ob die Präparate menschlicher Organe und Körperteile aus den Niederlanden, Fische und Vögel aus fernen Ländern, Instrumente der Astronomie, Spielautomaten aus Fernost oder wundervolle goldene Schmuckstücke aus Sibirien, solche Schätze aus aller Welt hatten die St. Petersburger vorher nie gesehen. Und noch heute empfängt die Kunstkamera an ihrem angestammten Ort am Newa-Ufer die Besucher mit ihrem einzigartigen Ensemble von kunst-, natur- und medizinhistorischen Wunderdingen sowie ethnographischer und anthropologischer Seltenheiten.

Wer diese inspirierende Reise in die Welt des 18. Jahrhunderts, nicht verpassen möchte, sollte sich die Zeit zwischen dem 25. Januar und 21. April 2003 freihalten, dann wird der "Palast des Wissens" in Dortmund zu sehen sein.

Von Dortmund geht die Ausstellung nach St. Petersburg und wird dort aus Anlaß des 300jährigen Stadtjubiläums gezeigt. Ab August 2003 ist sie auf Schloß Friedenstein in Gotha zu sehen.

[Text: http://www.museendortmund.de/mkk ]

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Ausstellung

Ferdinand der Erste (1503-1564)

Ein Kaiser an der Wende zur Neuzeit

Wien, 5. Februar bis 30. Mai 2003

Kontaktadresse: Dr. Michaela Laichmann

Magistrat der Stadt Wien

Rathaus

A-1082 Wien

E-mail: lai@m08.magwien.gv.at

Internet: http://www.wien.gv.at/ma08/ferdinand.htm

Unsere Ausstellung nimmt den fünfhundertsten Geburtstag Kaiser Ferdinands des Ersten zum Anlaß, sich an Hand dieses Gedenktages neuerlich mit dem 16. Jahrhundert und seiner historischen Bedeutung zu befassen. Ferdinand, der im Allgemeinen nicht so fest im kollektiven Gedächtnis der Österreicher verhaftet ist wie etwa Maximilian I. oder Maria Theresia, wurde als jüngerer Sohn und viertes von insgesamt sechs Kindern Philipps von Burgund und der Thronerbin der spanischen Königreiche Aragon und Kastilien Johanna am 10. März 1503 geboren. Er wurde auf Grund einer klugen Heiratspolitik seiner Großeltern und einiger unvorhersehbarer Todesfälle nicht nur Erbe der habsburgischen Länder in Mitteleuropa, sondern auch König von Böhmen und Ungarn. Durch die Abdankung seines Bruders Karl V., der die Erbfolge in Spanien angetreten hatte und als Erstgeborener auch Kaiser wurde, trat Ferdinand 1558 nach Wahl durch die Kurfürsten die Nachfolge im Kaisertum an. Seine Lebenszeit war gekennzeichnet von den großen Erschütterungen der Epoche – Reformation, Bauernkriege, Entdeckungen, Kämpfe gegen die Türken – auch direkt vor Wien – und an der Seite seines Bruders gegen Frankreich.

Die Beziehung der Wiener zu den habsburgischen Landesherren war im späten 15. Jahrhundert und im beginnenden 16. Jahrhundert gespannt und setzte sich als solche auch in den ersten Regierungsjahren Ferdinands fort. Mit der sogenannten "Stadtordnung" faßte er die bisher gültige Rechtssituation zusammen und stellte sie auf eine moderne Basis. Gegen Ende seines Lebens hielt er sich immer häufiger und länger in Wien auf, womit er den Grundstock zur Residenzstadt legte. Das Stadtbild war durch die Präsenz der Hofbehörden und durch die äußere Bedrohung durch die Türken geprägt. Heute sind nur mehr wenige sichtbare Zeugnisse der Zeit Ferdinands, allen voran das Schweizertor, im Stadtbild erhalten geblieben.

Als Ferdinand der Erste im Jahr 1564 starb, war die Welt eine andere geworden als jene, in die er 1503 hineingeboren wurde. Gerade die erste Hälfte dieses Jahrhunderts brachte enorme Neuerungen und Weichenstellungen für die zukünftige Epoche, weshalb wir Ferdinand den Ersten aus dem Schatten seines Großvaters und seines Bruders heraustreten lassen sollten.

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Tagung

Die Habsburgermonarchie 1620 bis 1740

Leistungen und Grenzen des Absolutismus-Paradigmas

Leipzig, 12. bis 14. Februar 2003

Kontaktadresse: Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e.V. Leipzig

Luppenstr. 1B

D-04177 Leipzig

Tel: [D] 03 41 - 97 35-5 60 – Fax: [D] 03 41 - 97 35-5 69

E-mail: gwzo@rz.uni-leipzig.de

Internet: http://www.uni-leipzig.de/gwzo/konferen/Programm/Absolut.htm

Aus dem Programm:

Mittwoch, 12. Februar

ÖFFENTLICHER VORTRAG

Duindam, J. (Utrecht), Die Habsburgermonarchie und Frankreich: Chancen und Grenzen des Strukturvergleichs.

Donnerstag, 13. Februar

MEDIEN DER INTEGRATION

Pánek, J. (Prag), Ferdinand I., der Schöpfer des politischen Programms der österreichischen Habsburger? Knoz, T. (Brünn), Die Konfiskationen nach 1620 in (erb-)länderübergreifender Perspektive; Bahlcke, J. (Erfurt), Hungaria eliberata? Zum Zusammenstoß von altständischer Libertät und organisch-föderativem Absolutismus in Ungarn an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert; Hengerer, M. (Konstanz), Entweder und Oder. Adelige Laufbahnen zwischen Hofstaat und Landständen in der Habsburgermonarchie (17. Jahrhundert); Keller, K. (Wien), Integration versus Disziplinierung. Die Kaiserinnen und ihre Hofstaaten zwischen 1612 und 1657;

Freitag, 14. Februar

Buczynski, A. (Zagreb), Die Grenze des Absolutismus: Das Karlstädter und Warasdiner Generalat im 17. und 18. Jahrhundert; Samerski, S. (Leipzig), Der mißlungene Absolutimus in Österreichs Heiligenhimmel. Landespatrone statt Staatspatrone.

KONKURRENZPARTNER DER WERDENDEN STAATSGEWALT

Mata, P. (Prag), Landstände und Landtage in den böhmischen und österreichischen Ländern 1620-174. Plädoyer für eine Konsensgeschichte; Pálffy, G. (Budapest), Zentralisierung und Lokalverwaltung: Die Schwierigkeiten des Absolutismus in Ungarn im 16. und 17. Jahrhundert; Catalano, A. (Florenz), Unruhige Allianzen: Kirche und Staat in Böhmen; Maur, E. (Prag), Staat und die lokalen Grundobrigkeiten: Beispiel der böhmischen Länder.

ABSCHLUSSDISKUSSION

Eberhard, W. (Leipzig), Schlußwort.

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Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg SFB 485

Abschlußtagung des Teilprojekts C1 "Politische und soziale Integration am Wiener Hof"

Norm und Symbol

Die kulturelle Dimension sozialer und politischer Integration

Macht, Medien, Memoria

Konstanz, 20. bis 22. Februar 2003

Kontaktadresse: Dr. Mark Hengerer

Fach D5, FB Geschichte und Soziologie

Universität Konstanz

D-78457 Konstanz

Tel: [D] 0 75 31 - 88-42 58, -24 88

E-mail: Mark.Hengerer@uni-konstanz.de

Internet: http://www.uni-konstanz.de/FuF/sfb485/Tagungen/c1_tagung.htm

Siehe den Bericht oben S. *.

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Symposium

Kunstdiskurs und weibliche Portraitkultur

Schloß Rauischholzhausen, 7. bis 8. März 2003

Kontaktadresse: Justus-Liebig-Universität Gießen

Professuren für Kunstgeschichte

Otto-Behaghel-Straße 10/G

D-35394 Gießen

Tel: [D] 06 41 - 99-2 82 81 (R. Theus), -2 82 91 (S. Ruby) –
Fax: [D] 06 41 - 99-2 82 89

E-mail: sigrid.ruby@geschichte.uni-giessen.de

Internet: http://www.uni-giessen.de/%7Eg81038/kunstd.htm

Im Verlauf der Frühen Neuzeit entwickelte sich ein eigenständiger Diskurs über Gestalt und Anspruch der Künste, der zunehmend differenziert geführt und wahrgenommen wurde. Zu den markanten Topoi dieses maßgeblich durch antike Vorbilder beeinflußten und vornehmlich von männlichen Akteuren geführten Diskurses gehört die Gleichsetzung von Frau, Schönheit und Kunst. Die Tagung widmet sich den Interdependenzen und Wechselwirkungen zwischen diesem "Kunstdiskurs" einerseits und der gesellschaftlichen Realität sowie den am Schaffensprozeß beteiligten historischen Subjekten andererseits. Der erste Tag des Symposiums gilt der Frage nach der "Verfügbarkeit des Frauenbildes". Hierbei werden zum einen Diskrepanzen zwischen unterschiedlichen Kontexten der Bildproduktion und -rezeption aufgezeigt. Zum anderen wird das Spannungsfeld zwischen Mimesis und Idea, also zwischen unterschiedlichen Darstellungsabsichten und Realitätsbezügen des weiblichen Portraits, angesprochen. Am zweiten Tagungstag werden markante Fallbeispiele weiblicher Portraitkultur sowohl bildkünstlerischer als auch literarischer Art vorgestellt. Die Beiträge präsentieren Künstlerinnen und Dichterinnen, die bewußt mit den künstlerischen Codes und ihren geschlechtspezifischen Implikationen umgehen, um ein "aktives Ich" zu entwerfen und künstlerisch zu positionieren, um ein normiertes Frauenbild zu bestätigen oder aber spielerisch in Frage zu stellen. Des weiteren wird die multimediale Konstruiertheit "weiblicher Identität(en)" in den Blick genommen.

Aus dem Programm:

Freitag, 7. März

Spickernagel, E. (Gießen), Grußworte.

Ruby, S. (Gießen), Einführung.

ZWISCHEN PRODUKTION UND REZEPTION: FUNKTIONS- UND BEDEUTUNGSWANDEL WEIBLICHER PORTRAITS

Wenzel, M. (Braunschweig), Der ethnographische, der moralistische und der ästhetische Blick: Frauenportraitgalerien im Kontext der Kunst- und Wunderkammern. Die Beispiele München und Innsbruck.

WEIBLICHE PORTRAITS IM SPANNUNGSFELD ZWISCHEN MIMESIS UND IDEA: INDIVIDUUM, IDEAL, ALLEGORIE, BILDKONZEPT

Gludovatz, K. (Hamburg), Co[n]iu[n]x m[eu]s joh[ann]es me c[om]plevit [...] Die Verbildlichung Margaretas von Eyck; Birnfeld, N. (Bonn/Köln), Pictura-Darstellungen in Künstlerselbstbildnissen nördlich der Alpen; Kruse, C. (Konstanz), Malerei ist weiblich. Pittura und simulatio in der italienischen Malerei und Kunsttheorie des Barock.

Samstag, 8. März

DAS AKTIVE ICH: DICHTERINNEN UND KÜNSTLERINNEN IM UMGANG MIT DER NORM

Bolterauer, A. (Graz), ‚Die schöne Seilerin‘ – Norm und Abweichung in den Sonetten der Louise Labé (1524/25-1566); Geiseler, M. L. (Berlin), Göttin oder Frau. Die Schönheit in Entscheidungsgemälden des 18. Jahrhunderts; Böhm, R. (Berlin), ‚Se peut-il un air plus noble & des traits plus réguliers?‘ – Zur Kunst des Portraitierens in den Feenmärchen der Marie-Catherine d’Aulnoy: Imitatio oder Parodie des Schönheitsideals im 17. Jahrhundert; Schmitt, L. (Zürich), Fürstliche Dilettantinnen.

WEIBLICHE IDENTITÄT(EN) – KONSTRUIERT, INSZENIERT, ADORIERT

Walczak, G. (Hamburg), Die ‚Göttin des Publikums‘: Definitionen von Weiblichkeit um 1800 in den Portraits der Königin Luise von Preussen.

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Wissenschaftliche Fachtagung

Spiritualität und Theologie an Stiftskirchen

Weingarten (Oberschwaben), 14. bis 16. März 2003

Kontaktadressen: Prof. Dr. Sönke Lorenz

Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen

Wilhelmstraße 36

D-72074 Tübingen

Tel: [D] 07071-2978514 – Fax: [D] 07071-29-5785

E-mail: s.lorenz@uni-tuebingen.de

Internet: http://www.uni-tuebingen.de/uni/gli

Prof. Dr. Ulrich Köpf

Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen

Hölderlinstraße 17

D-72074 Tübingen

Tel: [D] 07071-2972886 – Fax: [D] 07071-25443

Das Institut der Stiftskirche stellt nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in geistiger und kultureller Hinsicht eine prägende Größe in der Entwicklung unseres Landes dar. Daneben begegnet uns in den Stiftskirchen die Kirche, wie sie die Masse der Laienmenschen von damals antraf: ein Stück "Alltagstheologie" und "Alltagsreligion". Auch konzentrierte sich an den Stiftskirchen das theologische Wissen und Denken der Zeit. So kommt es nicht von ungefähr, dass wir in den Stiften den Geist der Kirchenreform treffen, zu deren Trägern, aber auch zu deren Initiatoren ihre Kleriker gehörten.

Die vierte Stiftskirchentagung widmet sich deshalb unter dem Titel "Spiritualität und Theologie an Stiftskirchen" thematisch der Frage von Stift, Theologie und Spiritualität zu.

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Symposium des Wolfenbütteler Arbeitskreises für Bibliotheks- und, Buch- und Mediengeschichte

Buch und Bibliothek als Wissensräume

Wolfenbüttel, 24. bis 26. März 2003

Kontaktadresse: Prof. Dr. Ursula Rautenberg (Erlangen)

PD Dr. Ulrich Johannes Schneider (Wolfenbüttel)

Herzog August Bibliothek

Lessingplatz 1

D-38304 Wolfenbüttel

Tel: [D] 0 53 31 - 8 08-0 – Fax: [D] 0 53 31 - 8 08-2 66

E-mail: forschung@hab.de

Internet: http://www.hab.de

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Ausstellung

Die Ritter

Historisches Museum der Pfalz, Speyer, 30. März bis 26. Oktober 2003

Kontaktadresse: Historisches Museum der Pfalz

Domplatz

D-67324 Speyer

Tel: [D] 0 62 32 - 62 02 22

E-mail: info@museum.speyer.de

Internet: http://www.dieritter.speyer.de/Ritter1.html

Das Historische Museum der Pfalz Speyer zeigt die große Ausstellung "Die Ritter" und greift damit die bislang ungebrochene Faszination des mittelalterlichen Rittertums auf. Die Schirmherrschaft über die Ausstellung hat der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck übernommen.

Die Ausstellung zeigt auf 1300 qm die zentralen Lebensbereiche, die unlösbar mit dem Rittertum verbunden sind: Kampf und Turnier, Leben auf der Burg, Feste, Alltagsleben und die Minne.

Schließlich wird dem Nachleben ritterlicher Vorstellungen und Ideale bis in unsere Zeit hinein nachgegangen. Originalexponate wie Waffen, Rüstungen und Helme für Kampf und Turnier, Jagdutensilien, Spielwürfel, Schachfiguren und Musikinstrumente, aber auch Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie Keramik für Tisch und Herd oder reich verzierte Ofenkacheln spiegeln die verschiedenen Facetten des ritterlichen Lebens wider.

Modelle, Inszenierungen und multimediale Elemente vermitteln dem Besucher ein lebendiges Bild der Zeit und der Lebensbedingungen der Ritter. Nachbildungen von Rüstungsteilen und Waffen, die vom Besucher in die Hand genommen und angelegt werden können, schildern einen realitätsnahen Eindruck vom ritterlichen Leben.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit "Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz".

Die zahlreichen geschichtsträchtigen Burgen in der Pfalz und im Elsass machen Geschichte besonders eindrücklich erlebbar.

Veranstaltungen zum Thema finden sowohl im Historischen Museum als auch auf verschiedenen Burgen in der Pfalz und im Elsass statt.

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Im Zeitraum vom 30. März bis 26. Oktober 2003 rückt das Historische Museum der Pfalz das mittelalterliche Rittertum in den Mittelpunkt der großen Ausstellung "Die Ritter". Zwischen Kaisertum und Papsttum, Adel und Kirche, gehört es zu den prägenden Kräften der mittelalterlichen Gesellschaft.

Das Rittertum entsteht, als die Karolinger im 8. und 9. Jahrhundert ein schlagkräftiges Heer aus gut ausgerüsteten berittenen Kriegern formieren. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts kommt die Kampftechnik des Reiterangriffs mit eingelegter Lanze auf, bei der Pferd, Reiter und Lanze in einer konzentriert zusammenwirkenden Einheit eine bislang nicht gekannte Wucht beim Aufprall auf den Feind bewirken.

Im 12. Jahrhundert formt sich das ritterliche Ideal endgültig aus und hat den größten Einfluss auf die Gesellschaft. Das mittelalterliche Rittertum zeichnet sich durch einen speziellen Ehren- und Verhaltenskodex aus. Entscheidend sind drei Aspekte, die den Begriff des Dienstes ins Zentrum stellen: Waffendienst, Gottesdienst und Minnedienst. Das Leitbild ist der freie Dienst für einen Herrn, der den Ritter mit Geschenken und Land, das er zur Leihe erhält, entlohnt. Herr und Ritter sind miteinander in einem engen Treueverhältnis verbunden.

Ab dem 12. Jahrhundert können auch unfreie Dienstleute, die Ministerialen, zu Rittern aufsteigen. Darüber hinaus spielt das Christentum eine wichtige Rolle in der ritterlichen Ethik.

Nach Auffassung der Kirche soll der Ritter sein Schwert in den Dienst der Armen und Bedürftigen stellen und im Rahmen der Kreuzzüge das Heilige Land von den Ungläubigen befreien.

Die – eigentlich unchristliche – kriegerische Auseinandersetzung wird zum Kampf zwischen Gut und Böse stilisiert.

Ein dritter wichtiger Aspekt des Rittertums ist das höfische Ideal des Minnedienstes: Der Ritter verehrt eine vornehme Dame und fühlt sich für sie zu Heldentaten verpflichtet, auch wenn diese Liebe keine Aussicht auf Erfüllung hat. Häufig ist die Frau sozial höher gestellt und verheiratet. Der Dienst für die Geliebte wird in der hohen Minne zum höchsten Ethos für den Liebenden.

Im Späten Mittelalter verliert der ritterliche Einzelkämpfer militärisch immer stärker an Bedeutung. An seiner Stelle steigt im 15. und 16. Jahrhundert das Fußvolk zur schlachtentscheidenden Waffengattung auf.

[Text: http://www.museum.speyer.de/home.htm ]

Bibliographische Angaben zum Ausstellungskatalog siehe unten S. *.

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Tagung

Fragen der politischen Integration im mittelalterlichen Europa

II. Hoch- und Spätmittelalter

Insel Reichenau, 8. bis 11. April 2003

Kontaktadresse: Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte

Prof. Dr. Stefan Weinfurter

Seminar für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Heidelberg

Grabengasse 3-4

D-69117 Heidelberg

Tel: [D] 0 62 21 - 54 22 93 – Fax: [D] 0 62 21 - 54 24 38

E-mail: stefan.weinfurter@urz.uni-heidelberg.de

Aus dem Programm:

Dienstag, 8. April

Miethke, J. (Heidelberg), Momente der Integrationsaufgabe in der politischen Theorie der Scholastik.

Mittwoch, 9. April

Lackner, C. (Wien), Das Haus Österreich und seine Länder im Spätmittelalter. Dynastische Integration und regionale Identitäten; Fuchs, F. (Würzburg), Das Haus Bayern im 15. Jahrhundert. Probleme und Strategien einer politischen Integration; Hlavácek, I. (Prag), Politische Integration der Böhmischen Krone unter den Luxemburgern; Tebruck, S. (Jena), Politische Integration, dynastische Teilungen und Landesbewußtsein. Thüringen im wettinischen Herrschaftsbereich.

Donnerstag, 10. April

Schmid-Keeling, R. (Zürich), Die schweizerische Eidgenossenschaft – ein Sonderfall gelungener politischer Integration?; Blockmans, W. (Leiden), Wie weit und wie tief? Die politische Integration der burgundisch-habsburgischen Niederlande; Girgensohn, D. (Göttingen), Venedig im späteren Mittelalter. Regierung über Stadt, Festlandsterritorien und Kolonien; Auge, O. (Greifswald), Ein Integrationsmodell des Nordens? Das Beispiel der Kalmarer Union.

Freitag, 11. April

Müller, H. (Frankfurt am Main), Zusammenfassung, Schlußdiskussion.

Teil I siehe oben S. *.

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Internationales Symposium

The world of Eleanor of Aquitaine

Literature and Society in Southern France between the Eleventh and Thirteenth Centuries

Bristol, 8. bis 11. April

Kontaktadresse: Marcus Bull

Dept. of Historical Studies

University of Bristol

13 Woodland Road

UK - Bristol BS8 1 TB

Tel: [UK] 01 17 - 9 28-79 36

E-mail: m.g.bull@bris.ac.uk

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Vortragsreihe

Jours fixes des Instituts für die Erforschung der Frühen Neuzeit

Wien, 9. April 2003/14. Mai 2003

Kontaktadresse: Dr. Susanne Claudine Pils, MAS

Institut für die Erforschung der Frühen Neuzeit

c/o Pfeilgasse 24/6

A-1082 Wien

Tel: [A] 01 - 4 02 47 68

E-mail: fruehneuzeit@yahoo.de

Internet: http://univie.ac.at/iefn

Aus dem Programm:

Mittwoch, 9. April

Ziegler, H. (Paris), "Le prince idolâtre" – Kritik am Herrscherbild unter Ludwig XIV.

Mittwoch, 14. Mai

Malkiewiecz, M. (Salzburg), Zum höfischen Tanz im 16. Jahrhundert. Eine Annäherung.

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Internationale Tagung

Europa im späten Mittelalter

Politik – Gesellschaft – Kultur

Bern, 23. bis 27. April 2003

Kontaktadresse: Prof. Dr. Rainer C. Schwinges, Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Moraw
Dr. Christian Hesse

Universität Bern

Längassstr. 49

CH-3009 Bern

Tel: [CH] 0 31 - 6 31-80 96 – Fax: [CH] 0 31 - 6 31-44 10

E-mail: klaus.oschema@hist.unibe.ch

Internet: http://www.hist.unibe.ch/europa

Aus dem Programm:

Mittwoch, 23. April

Schäublin, C. (Bern), Begrüßung; Schwinges, R. C. (Bern), Einführung in die Tagung; Moraw, P. (Gießen), Europa im späten Mittelalter – Einige Grundlagen und Grundfragen; Verger, J. (Paris), Les études, facteur de mobilité sociale en Europe à la fin du Moyen-Age?

Donnerstag, 24. April

Contamine, P. (Paris), La royauté française au XIVe et au XVe siècle: modèles et pratiques de gouvernement; Rubin, M. (London), Religious Symbols and Political Culture in Late Medieval England; Isenmann, E. (Köln), Ist der römisch-deutsche Kaiser ein Monarch? Das Vexierbild der Reichsverfassung in der Zeit der Reichsreform des 15. Jahrhunderts; Herbers, K. (Erlangen), Peripherie oder Zentrum? Spanien zwischen Europa und Afrika; Riis, T. (Kiel), Die Monarchien und die halbe Republik. Die politischen Systeme im spätmittelalterlichen Skandinavien; Partner, P. (Winchester), The Place of the Papacy at the End of the Middle Ages in the Res Publica Christiana; Chittolini, G. (Mailand), Ville-états en Italie; Schwinges, R. C. (Bern), Bern, die Eidgenossen und Europa.

Freitag, 25. April

Härtel, R. (Graz), Zusammenfassung Sektion I; Stein, R. (Leiden), Stände und Staat in den Niederlanden; Gawlas, S. (Warschau), Polen eine Ständegesellschaft an der Peripherie des lateinischen Europa; Hesse, C. (Bern), Elitenbildung in den fürstlichen Territorien des spätmittelalterlichen Reiches; Richard, O. (Straßburg), Die städtischen Führungsgruppen in Frankreich; Schmieder, F. (Frankfurt am Main), Alte Gruppen – neue Gruppen. Städte im mittelalterlichen Reich als Ort und Abbild gesellschaftlichen Wandels; Gilomen, H.-J. (Zürich), Wirtschaftliche Eliten im spätmittelalterlichen Reich.

Samstag, 26. April

Haverkamp, A. (Trier), Zusammenfassung Sektion II; Paravicini, W. (Paris), Gab es eine einheitliche Adelskultur Europas im späten Mittelalter? Spiess, K.-H. (Greifswald), Europa heiratet. Königs- und Fürstenheiraten im Spätmittelalter; Fouquet, G. (Kiel), Auf Reisen – Sprachliche Verständigung im Europa des 14. und 15. Jahrhunderts; Angenendt, A. (Münster), Liturgie und Frömmigkeit; Kurmann, P. (Freiburg i. Ü.), Wie kam die internationale Gotik nach Bern? "Stararchitekten" des 14. und 15. Jahrhunderts im europäischen Kontext; Baeriswyl, A. (Bern), Innovation und Mobilität im Spiegel der materiellen Kultur des späten Mittelalters; Landolt, O. (Schwyz), "in iglicher stauden ist schir ein zoll". Mobilität und Verkehr im europäischen Spätmittelalter.

Sonntag, 27. April

Marchal, G. P. (Luzern), Zusammenfassung Sektion III; Schieffer, R. (München), Wachstumsphasen des lateinischen Europa 800-1200; Duchhardt, H. (Mainz), Das Vermächtnis des Spätmittelalters an die Vormoderne.

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Konferenz

Höfische Gesellschaft und Zivilisationsprozeß

Norbert Elias‘ Werk in interdisziplinärer Perspektive

Stuttgart-Hohenheim, Tagungshaus der Katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart

1. bis 3. Mai 2003

Kontaktadresse: Prof. Dr. Claudia Opitz

Historisches Seminar der Univerität Basel

Hirschgässlein 21

CH-4051 Basel

Tel: [CH] 0 61 - 2 95-96 62

E-mail: opitz-belakhal@t-online.de

Vor einiger Zeit wurde im Suhrkamp-Verlag eine Gesamtausgabe der Werke von Norbert Elias begonnen. Das neu edierte Hauptwerk der "Prozeß der Zivilisation", erschien bereits 1997, im Herbst 2002 wurde die Neuausgabe der "Höfischen Gesellschaft" gedruckt vorgelegt. Dies erscheint ein ebenso günstiger wie notwendiger Moment, darüber nachzudenken, welchen Stellenwert diese frühe, in vieler Hinsicht für das Elias’sche Werk wegweisende Schrift im Kontext der Geistes-, Sozial- und/oder Kulturwissenschaften hat und haben kann. Im Rahmen der Studientagung werden namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus diversen sozial- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen (Soziologie, Geschichte, Kunst- und Literaturgeschichte) Auskunft darüber geben, welche Wirkungen das Elias’sche Werk und insbesondere die "Höfische Gesellschaft" in der bisherigen Forschung ihrer Disziplin hatte, und gemeinsam darüber nachdenken, welche künftigen Wirkungen von diesem Werk noch ausgehen könnten. Darüber hinaus bietet die Tagung die Moeglichkeit, gezielt Einblick in aktuelle Forschungen im Themenbereich "Höfische Kultur und Gesellschaft" zu erhalten.

Aus dem Programm:

Donnerstag, 1. Mai

BIOGRAPHISCHE ASPEKTE

Blomert, R. (Berlin), Elias‘ Habilitationszeit in Frankfurt; Opitz, C. (Basel), Quellen und Einflüsse auf die "Höfische Gesellschaft".

Präsentation des Editions-Projektes "Norbert Elias, Gesammelte Werke".

Freitag, 2. Mai

KRITISCHE WÜRDIGUNG

Dunning, R. (Leicester), An actual appraisal of "History and Sociology"; Asch, R. (Osnabrück), Hof und Adel: Norbert Elias‘ "Höfische Gesellschaft" und die neuere (historische) Forschung; Kroll, R. (Siegen), "Höfische Romantik" und romanistische Forschung heute im Blick der Romanistik; Schmale, W. (Wien), Revolutionsforschung und "Höfische Gesellschaft".

KULTURWISSENSCHAFTLICHE PERSPEKTIVEN I

Duindam, J. (Utrecht), The Valois/Bourbon and the Habsburg courts in comparison (ca. 1550-1780); Schörle, E. (Erfurt), Verhöflichung des Lachens in der FNZ.

KULTURWISSENSCHAFTLICHE PERSPEKTIVEN II

Lüsebrink, H.-J. (Saarbrücken), Biographie und Individualität. Dimensionen des Individuellen bei Norbert Elias; Meise, H. (Frankfurt/M.), Germanistische Autobiografie- und Hofforschung; Franke, B./Welzel, B. (Münster/Dortmund), Burgundische Hofkultur (Diavortrag).

Samstag, 3. Mai

KULTURWISSENSCHAFTLICHE PERSPEKTIVEN III

Osswald-Bargende, S. (Stuttgart), Hofforschung aus geschlechtergeschichtlicher Sicht; Ruppel, S. (Basel), Geschwisterbeziehungen im Adel (17. Jh.); Held, J. (Osnabrück), Kunstgeschichtliche Anschlüsse an Elias; Menell, S. (Dublin), Food, Courts and Social Emulation.

SCHLUSSDISKUSSION

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Forschungskolloquium

Christof L. Diedrichs (Berlin)

Reliquientheater. Die Weisung der Reichskleinodien in Nürnberg

Universität Münster, Katholisch-Theologische Fakultät, Johannisstr. 8-10, Übungsraum 1
20. Mai 2003, 18.00 Uhr c.t.

Kontaktadresse: Dr. Thomas Lentes

Forschungsgruppe "Kulturgeschichte und Theologie des Bildes im Christentum"

Westfälische Wilhelms-Universität

Hüfferstr. 27

D-48149 Münster

Tel: [D] 02 51 - 83-3 19 73 – Fax: [D] 02 51 - 83-3 00 38

E-mail: kultbild@uni-muenster.de

Internet: http://www.uni-muenster.de/kultbild

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Rencontres d’architecture européenne

La Maison des champs dans l’Europe de la Renaissance

Villa, country house, manoir, maison de plaisance

Château de Maisons (Maisons-Laffitte), 10. bis 13. Juni 2003

Kontaktadresse: Monique Chatenet

Inventaire général

Hôtel de Vigny

10, rue du Parc-Royal

F-75003 Paris

Tel. [F] 01 - 40 15 75 99 – Fax: [F] 01 - 40 15 76 76

E-mail: monique.chatenet@culture.gouv.fr

UN CADRE EUROPEEN POUR L’HISTOIRE DE L’ARCHITECTURE

Plus que toute autre branche de l’histoire de l’art, l’histoire de l’architecture reste, aujourd’hui encore, soumise au cloisonnement des cadres politiques hérités du XIXe siècle. Les synthèses à l’échelle de l’Europe, quand elles existent, juxtaposent le plus souvent des visions nationales et la confrontation est posée en termes de relations bilatérales entre centre et périphérie, comme si un seul pays - l’Italie pour la Renaissance, la France pour le siècle des Lumières, etc. - avait constitué à chaque époque un unique point de référence. D’où l’idée de fonder des Rencontres d’architecture européennes qui, s'appuyant sur l’héritage des travaux pionniers d’André Chastel et Jean Guillaume, se proposent de confronter chaque année autour d’un thème précis la variété des productions architecturales européennes des Temps modernes.

LA MAISON DES CHAMPS

De Charles d’Orléans à Olivier de Serres, de Leon Battista Alberti à Agostino Gallo, les poètes, les écrivains et les humanistes de la Renaissance ont chanté les charmes de la vie rustique. A la campagne, qu'il s'agisse du gentilhomme résidant au centre du domaine agricole de sa petite seigneurie, du citadin aisé séjournant dans sa maison des champs pour y recueillir les produits de son potager et de son verger, de l’ecclésiastique lettré renouant dans sa retraite estivale avec l’otium antique, ou du prince qui, tel François Ier, s’y retire en petite compagnie pour s’y reposer du pesant cérémonial, se nouent des modes de vie différents de la cour et de la ville.

Ce phénomène qui se manifeste dans la majeure partie de l’Europe à des moments et sous des formes très variées, a donné naissance à une série de demeures qui ne sont ni des châteaux ni des palais. Elles se caractérisent par l’implantation dans un territoire rural, des dimensions relativement modestes, l’absence générale d’ostentation et la discrétion des organes défensifs. Une partie de ces demeures, exécutée par des maçons locaux, relève clairement de l’art de bâtir vernaculaire dans toute sa savoureuse diversité, tandis qu’une autre, conçue par des architectes de renom, s’inscrit résolument dans l’art savant. Entre ces deux extrêmes se manifestent diverses tentatives, certaines s’approchant d'une sorte de néo-régionalisme avant la lettre, d’autres recherchant au contraire à intégrer discrètement le rural dans l’univers de la "grande" architecture, avec des répercussions en retour sur la forme des châteaux ou des palais.

Alors que les villas de Toscane et du Veneto ou les country houses de Grande-Bretagne jouissent d’une renommée internationale, pour bien d’autres maisons des champs, la célébrité ne dépasse pas les frontières régionales, car il n’a jamais été tenté d’analyser dans ses véritables dimensions - celles de l’Europe de la Renaissance - ce phénomène dont la vision d’ensemble nous échappe. Tel est le but du colloque organisé du 10 au 13 juin 2003 au château de Maisons sur Seine dans le cadre du Centre de recherche André Chastel.

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Ausstellung

Einhundertmal

Erinnerungsschätze aus der Sammlung des Museums Jülich 1902-2002

Jülich, Museum Zitadelle und Kulturhaus am Hexenturm, 1. Mai bis 31. Oktober 2003

Kontaktadresse: Stadtgeschichtliches Museum

Postfach 1220

D-52411 Jülich

Tel: [D] 0 24 61 - 63-2 28 – Fax: [D] 0 24 61 - 63-3 54

E-mail: museum@juelich.de

Internet: http://www.juelich.de/museum

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Bayerische Landesausstellung

Der "Winterkönig"

Goldenes Zeitalter und Dreißigjähriger Krieg in Bayern und Europa

Amberg, 9. Mai bis 2. November 2003

Kontaktadresse: Haus der Bayerischen Geschichte

Halderstraße 21/V

D-86150 Augsburg

Tel: [D] 08 21 - 32 95-1 23 – Fax: [D] 08 21 - 32 95-2 20

E-mail: pressestelle@hdbg.bayern.de

Internet: http://www.winterkoenig.de

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Kolloquium

Mittelalterliche Geschichte

Marburg, 10. Mai, 17. Mai, 14. Juni 2003

Kontaktadresse: Konstanzer Arbeitskreis für Mittelalterliche Geschichte e.V., Sektion Hessen

Gernot Kirchner

Institut für Mittelalterliche Geschichte

Universität Marburg

Wilhelm-Röpke-Straße 6 C

D-35032 Marburg

Tel: [D] 0 64 21 - 2 82 45 57

E-mail: gernot.kirchner@staff.uni-marburg.de

266. Sitzung am Samstag, dem 10. Mai 2003, 15 Uhr c.t., in der Archivschule in Marburg, Bismarckstraße 32, 35037 Marburg.

Privatdozent Dr. Stefan Weiss (Saarbrücken): Die Besteuerung Europas. Die päpstliche Buchhaltung im 14. Jahrhundert.

267. Sitzung am Samstag, dem 17. Mai 2003, 15 Uhr c.t., im Historischen Seminar der Universität Frankfurt, Grüneburgplatz 1 (IG-Farben-Gebäude), Querbau 4, Zugang über Eingang Südfront – Wegweiser am Haupteingang.

Privatdozentin Dr. Elke Goez (Passau): Spätmittelalterliches Nachrichtenwesen an Mittelrhein und Untermain.

268. Sitzung am Samstag, dem 14. Juni 2003, 15 Uhr c.t., im Historischen Institut der Universität Gießen, Otto-Behaghel-Str. 10 C.

Privatdozentin Dr. Cordula Nolte (Wuppertal): Fürstliches Familiengedächtnis im Spätmittelalter. Dynastisches Bewußtsein, Selbstdarstellung und pragmatische Aspekte der Wissensbewahrung.

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Colloque international

Du métier des armes à la vie de cour, de la forteresse au château de séjour

familles et demeures aux XIVe-XVe siècles

Château fort dEcaussinnes-Lalaing, 22. bis. 24. Mai 2003

Kontaktadresse: Jacqueline Guisset

10, av. Dossin de Saint-Georges

B-1050 Bruxelles

Fax [B] 32 26 40 40 13

E-mail: jac.guisset@wanadoo.be

Aus dem Programm:

Donnerstag, 22. Mai

Genicot, L.-F. (Löwen), "Immobilisme" formel des tours seigneuriales d’habitation au bas moyen âge; Leclercq-Marx, J. (Brüssel), Le décor des cheminées monumentales au moyen âge. Tradition et singularités; Sosnowska, P. (Brüssel), Le château d’Ecaussinnes-Lalaing (archéologie et architecture); Soumillion, D. (Enghien), Du donjon médiéval à la chapelle castrale des seigneurs d’Enghien (Hainaut); Delporte, L. (Löwen), Seigneuries et habitat seigneurial au pays d’Enghien (Hainaut): à propos d’une enquête en cours; Vanautgaerden, A. (Anderlecht/ Brüssel), Installation et mobilier de la bibliothèque d’Erasme, humaniste errant.

Freitag, 23. Mai

Corvisier, C. (Poitiers), L’ouvre inachevée de Guillaume II Le Bouteiller de Senlis à Montépilloy (Oise): une réalisation de pointe pour un petit château (1408-1411); Blieck, G. (Châlons-en-Champagne), A propos du tombeau de Philippe Pot, capitaine du château de Lille (1466-1477); Salamagne, A. (Tours) La fortification et le canon (1380-1430); Robin, F. (Montpellier), Le château de Tarascon (Provence), de la forteresse à la résidence princière; Cools, H. (Rom), Florent d’Egmond et Adrien de Croÿ, les carrières exemplaires de deux chefs de guerre de Charles Quint; Cauchies, J.-M. (Brüssel), Châteaux et familles châtelaines dans les chroniques du temps des premiers Habsbourg (1482-1506); Bragard, P. (Löwen), Défense et résidence dans quelques châteaux du bas moyen âge: Fagnolle, Lavaux-Sainte-Anne, Spontin, Antoing, Montaigle; Waha, M. de (Brüssel), Le château de Beersel (Brabant flamand).

Samstag, 24. Mai

Courtillé, A. (Clermont-Ferrand), Des peintures dans les châteaux de la région Auvergne – Images religieuses, symboliques, politiques ou romanesques; Vandeuren-David, C. (Löwen), Parures des villes, parures des princes. Le bijou et la parure dans la société urbaine et la noblesse); Guisset, J. (Brüssel), Costumes d’apparat des nobles lors des fêtes de Bourgogne: le récit d’Olivier de La Marche; Waha, M. de (Brüssel), Châteaux du Hainaut XIVe-XVe siècles (vue d’nsemble); Van Hoorebeeck, C. (Brüssel), En marge des "librairies" princières. Esquisse méthodologique appliquée à quelques bibliothèques de fonctionnaires bourguignons; Aubry-Corvisier, V. (Champagne-Ardenne), L’image seigneuriale d'après les pierres tombales des XIIIe-XIVe siècles, au Nord-Est de l’Ile de France: Champagne et sud de la Picardie; Van Den Bergen-Pantens, C. (Brüssel), A propos du tableau de quartiers de Josse de Lalaing, chevalier de la Toison d’Or (? 1483) (Bruxelles, BR., Ms. II 1187).

Contamine, P. (Paris) Conclusions.

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Interdisziplinäre Tagung zur Kommunikationsgeschichte

Kommunikation im Spätmittelalter

Spielarten-Wahrnehmungen-Deutungen

Zürich, 6. Juni bis 7. Juni 2003

Kontaktadressen: Dr. Romy Günthart

Deutsches Seminar

Universität Zürich

Schönberggasse 9

CH-8001 Zürich

E-mail: romy.guenthart@access.unizh.ch

Michael Jucker

Deutsches Seminar

Universität Zürich

Karl-Schmid-Str. 4

CH-8006 Zürich

Internet: http://www.hist.unizh.ch

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Internationales Kolloquium

Die Hofkultur in Frankreich und Europa im Spätmittelalter

Die Konstruktion von Handlungsräumen und Repräsentationssystemen

Paris, 6. bis 7. Juni 2003

Kontaktadresse: Deutsches Forum für Kunstgeschichte

Prof. Dr. Thomas W. Gaethgens

10, place des Victoires

F-75002 Paris

Tel. [F] 01 42 60 67 82 – Fax [F] 01 42 60 67 83

Internet: http://www.dt-forum.org

Aus dem Programm:

Freitag, 6. Juni

OUVERTURE

Gaethgens, T. W. (Paris). Freigang, C. (Frankfurt a.M.)

POUVOIR – CEREMONIES – CEREMONIALS

Clouzot, M. (Dijon), Le fou, l‘homme sauvage et le prince à la cour de France et de Bourgogne aux XIVe et XVe siècles; Steens-Vauxion, L. (Paris), La musique dans la mise en scène du pouvoir: peut-on parler d'influence bourguignonne à la cour royale anglaise à la fin du XVe siècle? Buettner, B. (Northampton), Le don en représentation; Eichberger, D. (Heidelberg), Illustrierte Festumzüge für das Haus Habsburg-Burgund: Idee und Wirklichkeit.

COMMANDE – MECENAT – COLLECTION

Legare, A.-M. (Lille), Livres et lectures de la reine Charlotte de Savoie et de ses contemporaines; Hofmann, M. (Paris), Jean Poyer im Spektrum seiner Auftraggeber; Schlicht, M. (Paris), L'enjeu des choix formels pour le prince (XIIIe-XIVe siècles); Witt, S. (Paris), ‚Le lobby polinois‘ – Stiftungen und Skulpturen der Sluter-Nachfolge.

abendvortrag

Guillaume, J. (Tours), Le château royal en France de Louis XI à François Ier, 1460-1525.

Samstag, 7. Juni

IMAGINAIRE – MODELES – REFERENCES

Blondeau, C. (Paris), Imiter le prince? La diffusion des 'Faits et gestes d'Alexandre le Grand' de Vasque de Lucène à la cour de Bourgogne; Freigang, C. (Frankfurt am Main), ‚Fantaisie und Ymaginacion‘: Selbstreflexion von Höfischkeit am provenzalischen Hof unter René I.; Straub, K. (Paris), ‚Les Douze Dames de Rhétorique‘: ein höfisches Traktat über die Rhetorik; Mühlethaler, J.-C. (Lausanne), Culture de clerc et réalité curiale: ‚Le Séjour d’Honneur‘ d‘Octovien de Saint-Gelais ou les failles de l‘idéal.

MEMORIA

Köllermann, A.-F. (Paris), ‚Touttes ces choses là se voyent bien peinctes et enluminées…‘ Das Missale der Karmeliter in Nantes (Princeton, UL, ms Garett 40) und die bretonischen Herzöge aus dem Haus Montfort; Dectot, X. (Paris), Quand la pierre ne restait pas de marbre. Du cortège de funérailles aux pleurants, la perpétuation de la pompe funéraire; Leistenschneider, E. (Paris), Königliche Grabkapellen in Saint-Denis im 14. Jahrhundert; Fehrmann, A. (Marburg), Grabmäler als Ausdruck der Lancaster-Politik: Das Grabmalskonzept Heinrich V. von England.

Zusammenfassung

Schmitt, J.-C. (Paris).

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Third European Congress of Medieval Studies

Grenzen im Mittelalter

Jyväskylä, 10. bis 14. Juni 2003

Kontaktadresse: Outi Merisalo

Fédération Internationale des Instituts d’Études Médiévales (FIDEM)

ILRC

University of Jyväskylä

BP 35 (P)

FIN-400351 Jyväskylä

Tel: [FIN] 03 58 - 14- 260-14 05 – Fax: [FIN] 03 58 - 14- 260-14 01

Internet: http://www.cc.jyu.fi/~merisalo

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Colloques internationaux

Le corps et sa parure

Lausanne, Genf, 16. bis 18. Juni 2003 und 20. bis 22. November 2003

Kontaktadresse: Prof. Dr. Agostino Paravicini Bagliani

Bureau d’histoire médiévale

BFSH 2

CH-1015 Lausanne

E-mail: agostino.paravicini@hist.unil.ch

Aus dem Programm:

Montag, 16., bis Mittwoch, 18. Juni

Wirth, J., Introduction; Blanc, O. L’orthopédie des apparences ou la mode comme invention du corps; Bulst, N., Ordonner la société. Apparences et appartenances sociales au Moyen Age (et à l’époque moderne); Burkart, L., Die Körper und das Blut der Heiligen in mittelalterlichen Schätzen; Gadebusch, M., Riscoperta della cosmetica e del canone classico di belleza nella medicina del Cinquecento; Mottaz, O., L'épaule de la Pompadour. Corps, décor et parure dans l’anatomie rococo; Niccoli, O., Gestes et attitudes des corps en Italie entre Renaissance et Contre-Réforme; Pastoureau, M., Le gant médiéval: une histoire symbolique; Régnier-Bohler, D., Parure, censure, luxure: l’élégance du ‚moyen estat‘; Simon Muscheid, K., Les débats sur la mode, la politique et les ;vertus suisses‘ Taddei, I., S’habiller selon l’âge. Les lois somptuaires florentines entre 15ème et 16ème siècles; Wolf-Bonvin, R., Le chainse: variations sur un semblant; Moos, P. von, Le vêtement identificateur. L’habit fait-il ou ne fait-il pas le moine?

Donnerstag, 20., bis Samstag, 22. November

Bruna, D., Chevreau, C., La dentelle au 18ème siècle; Fischer, E., Le voyage en Orient des peintres au 19e siècle : à la recherche du véritable costume des anciens Hébreux; Galizia, A., Le costume liturgique; Gauffre, N., Le vêtement intime de la famille ducale et comtale; Klapisch, C., La domestication des élites par la mode (Italie 14ème au 15ème siècles); Lachaud, F., Autour des transformations vestimentaires en Angleterre (12ème au 14ème siècles); Lüttenberg, T., Le vêtement et la peau comme vêtement dans l’anthropologie chrétienne; Mariaux, P.-A., L’habit fait l’artiste. Vêtement de travail 12ème au 15ème siècle; Meneghetti, M. L., ‚Nutz en ma chamisa‘. Idéologie et métaphore vestimentaire dans la poésie lyrique; Piponnier, F., Vêture et parure en Bourgogne à la fin du Moyen Age; Poplin, F., Corail et parure d’origine animale; Rublack, U., Le vêtement et la réforme protestante; Sansy, D., Signe distinctif et judéité dans l’image; Stoichita, V., Quelques considérations sur le rapport entre peinture et coiffure à l’époque de l’Ancien Régime; Vandeuren-David, C., La problématique de la distinction sociale: la parure et le bijou à Dijon au 14ème et 15ème siècle; Walker, C., Les dentelles emblème du jeu des apparences au 17ème et 18ème siècle.

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Tagung

Moritz von Sachsen (1521-1553)

Ein Fürst der Reformation zwischen Territorium und Reich

Leipzig, 26. Juni bis 28. Juni 2003

Kontaktadresse: Historische Kommission der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig

Karl-Tauchnitz-Straße 1

D-04107 Leipzig

Tel: [D] 03 41 - 7 11 53-0 – Fax: [D] 03 41 - 7 11 53-44

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Call for papers

Multidisciplinary conference

JAMES VI & I

1567 – 1603 – 1625

Quatercentenary perspectives

University of Reading, 9. bis 11. Juli 2003

Kontaktadresse: Adam Smyth

Dept. of English

University of Reading

Whiteknights

UK-Reading RG6 6AA

E-mail: a.smyth@reading.ac.uk

Internet: http://www.reading.ac.uk/english/EMRC.htm

2003 will see the four-hundredth anniversary of James Stewart’s accession to the English throne. Looking backward from this triumphant high point towards James’s minority and personal government in Scotland, and forward to his rule as first king of Great Britain, this conference will embrace both his reigns and all facets of the ‘Jacobean Renaissance‘. Proposals are invited on any aspect of Jacobean government, politics, religion, literature, art, architecture, or music.

Proposals were expected by March 1, 2003.

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Konferenz

The Religious and the Laity

Europe 1000-1300

University of Leicester, 31. Juli bis 1. August 2003

Kontaktadresse: Dave Postles

University of Leicester

University Road

UK-Leicester LE1 7RH

Tel: [UK] 01 16 - 2 52-25 22 – Fax: [UK] 01 16 - 2 52-22 00

E-mail: pot@le.ac.uk

Internet: http://www.le.ac.uk/elh/pot/conf/conf1.html

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Tagung

Court Festivals of the European Renaissance and After

Performance and Permanence

Castelvecchio Pascoli, Italy, 20. bis 25. September 2003

Kontaktadresse: Dr. Josip Hendekovic

European Science Foundation

1, quai Lezay Marnésia

F-67080 Strasbourg Cedex

Tel: [F] 0 - 3 88 76 71 35 – Fax: [F] 0 - 3 88 36 69 87

E-mail: euresco@esf.org

Internet: http://www.esf.org/esf_euresco_conference.php?language=0&conference=157&meeting=2&page=1

As events Early Modern festivals were prefigurations of the multi-mediality of our own day. Investigation of particular festivities and their political contexts reveals the significance of symbols, ceremony and ritual in the planning, execution and contemporary reading of such events. Political iconography was the main focus of the first conference Politics and Performance in September 2000. Our next conference Performance and Permanence will concentrate on ways in which the media of print, painting and architecture and landscape were used to lend permanence to the essentially ephemeral. Linked to this is the question of how today’s collections use new media such as digitisation both for preservation and to facilitate scholarly investigation. Using individual projects as examples we will be bringing together curators and scholars to discuss aims and innovative methods in this field.

Working language during the conference will be English. However, some presentations will be given in French or in German, as indicated in the Programme.

Aus dem Programm:

Anglo S. (University of Wales, UK), The court festival from Chrysalis to preserved specimen. Creators, participants, audiences and readers; Bauer, V. (Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel, D), Hofkalender als konstitutives Medium der höfischen Öffentlichkeit in der Frühen Neuzeit; Becker, J. (University of Utrecht, NL), Triumphus vanitas vel vanitas triumphi: Amersfoort 1661; Bues, A. (German Historical Institute Warsaw, PL), Architecture as expression of dynastic representation in the Duchy of Courland; Canova-Green, M.-C. (University of London, UK), The Rhetoric and power and praise: Félibien’s accounts of "Les Divertissements de Versailles"; Chatenet, M. (Paris, F), La salle de bal: éphémère ou permanente, dans les châteaux français de la Renaissance; Cole, J. (Medici Archive Project, Florence, I), Roundtable on digitisation; Druffner, F. (Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart, D), The perpetuation of ephemeral architecture in gardens; Fabris, D. (Casa Picini, Bari, I), Music for early baroque festivals in Italy preserved in manscript tabulatures: a survey; Fenlon, I. (Cambridge University, UK), From performance to permanence, printed music and festival culture; Fischer-Lichte, E. (Freie Universität Berlin, D), Ritual, festival, political self-fashioning: what are the rules of the game?; Fréchet, G. (Bibliothèque d’Art et d’Archéologie, Paris, F), Popular records of festivals: the series of pamphlets on the Entry of Louis XIV in Paris, 1660; Gosman, M. (University of Groningen, NL), Les festivals royaux et la mémoire "nationale": l’exploitation du passé dans les fêtes à la cour de France (1500-1650); Korsch, E. (Bonn University, D), Visualising myth, Venetian festival culture in context; Mitchell, B. (University of Missouri-Columbia, US), The rise of free-lance, journalistic reporting of festivals in Late Renaissance Italy and France; Moore, J. (Smith College, Northhampton, USA), Making the ephemeral permanent: festival books and festival prints in 18th-century Rome; Mulryne, R. (University of Warwick, UK), Spain and the English Connection: Festivity, Politics and Performance in Madrid and London, 1623; Oechslin, W. (Stiftung Bibliothek Werner Oechslin, CH), Ephemeral events and "more stable" architectural and printed facts; Pederson, N. D. (City University of New York, US), Establishing Entertainment: the accounts of the Trésorier des Menus Plaisirs under François I and Henri II; Przybyszewska-Jarminska, B. (Polish Academy of Sciences, Warsaw, PL), Lost or preserved? Opera in the Festivals at the Polish Royal Court 1628-1648; Rudin, B. (Studienstätte für Theater Forschung Kultur, Kieselbronn, D), Freudenspiele zwischen den Bataillen "Württembergische Hofkomödianten" in Dienst und Brot (1698-1707); Sandbichler, V. (Kunsthistorisches Museum, Innsbruck, A), Was blieb wirklich übrig? Feste der Habsburger: Festdokumentation und Festobjekte in den Sammlungen des Kunsthistorischen Museums in Ambras und Wien; Schnitzer, C. (Kupferstich-Kabinett, Dresden, D), The Dresden festival of 1719 – designs for a festival book; Shewring, M. (University of Warwick, UK), John Nichols and festival historiography; Snickare, M. (National Museum, Stockholm, S), The interplay between festivals, ceremony and town planning in Stockholm 1650-1720; Stäcker, T. (Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel, D), Roundtable on digitisation; Tondro, M. (Instituto Universitario di Architettura, Venice, I), Remembering the past: images of Venetian festivities and the evolution of the image of "decadent Venice"; Welzel, B. (University of Dortmund, D), Aufzeichnung – Spiegel – Utopie: Gartenfeste in der flämischen Malerei.

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Workshop

Kaiserhof – päpstlicher Hof

Rom, 29./30. September 2003

Kontaktadressen: Historische Kommission

Österreichische Akademie der Wissenschaften

Dr. Ignaz Seipel-Platz 2

A-1010 Wien

Tel: [A] 01 - 5 15 81-0

Österreichisches Historisches Institut

Österreichische Akademie der Wissenschaften

Viale Bruno Buozzi 113

I-00197 Rom

Tel: [I] 06 - 3 22 47 02 – Fax: [I] 06 - 3 21 67 87

Deutsches Historisches Institut in Rom

Via Aurelia Antica, 391

I-00165 Roma

Tel.: [I] 06 - 66 04 92-1 – Fax: [I] 06 - 66 23 83-8

Aus dem Programm:

Walter-Klingenstein, G.: Einführung in das Thema (Forschungsstand)/Nuntiaturen im 18. Jh.; Braun, G.: Das Bild der Reichsverfassung an der römischen Kurie im 16. und 17. Jh.; Koller, A.: Das Zeremoniell der Nuntiaturen von Orazio Malaspina und Ottavio Santacroce (1578-1581)/Die höfische Berichterstattung in den Nuntiaturberichten z.Zt. Kaiser Rudolfs II.; Pazderová, A.: Die Prager Nuntiatur von Cesare Speciano; Niederkorn, J. P.: Die Geheimverhandlungen des Nuntius Spinelli über die Abtretung von Modena und Reggio an den Kirchenstaat 1600/01; Giordano, S.: Die Mission von Franz von Dietrichstein im Zusammenhang mit der Hochzeit von König Matthias; Faber, M.: Scipione Borghese als Kardinalprotektor Deutschlands (1611-1633); Vocelka, K. Obödienzgesandtschaften (mit Fallbeispielen aus der Zeit Rudolfs II. und Ferdinands III.); Catalano, A.: Diplomazia ufficiale e canali alternativi della curia romana in Germania all’inizio della guerra dei Trent’anni. Dalla strategia di Carlo Caraffa a quella di Valeriano Magni; Fosi, I.: Savelli als kaiserlicher Interessensträger in Rom; Garms-Cornides, E.: Liturgische Anlässe als politisch-diplomatische Darbietungen am Wiener Hof; Visceglia, M. A.: Liturgische Anlässe als politisch-diplomatische Darbietungen am päpstlichen Hof; Heyink, R.: Fest und Musik als Mittel kaiserlicher Machtpolitik in Rom (Anima); Bösel, R.: Architektur: Ein von Ferdinand II. gestiftetes Projekt für den Ignatius-Altar in Gesù; Polleross, F.: "Romanitas" in der habsburgischen Repräsentation von Ferdinand I. bis Leopold I.; Sommer-Mathis, A.: Feste zu Ehren der Habsburger am päpstlichen Hof.

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Tagung

Das Wissen der Zeit

Konrad von Megenberg (1309-1374) und sein Werk

München, 8. bis 10. Oktober 2003

Kontaktadresse: Dr. habil Gisela Drossbach, Prof. Dr. Martin Kitzinger, Prof. Claudia Märtl

Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung

Südliches Schloßrondell 23

D-80638 München

Aus dem Programm:

Mittwoch, 8. Oktober

Vita und Universität

Courtenay, W. (Madison), Rekonstruktion von Megenbergs Frühwerken; Verger, J. (Paris), Konrad von Megenberg an der Sorbonne; Fuchs, F. (Würzburg), Konrad von Megenberg und das Regensburger Domkapitel.

Donnerstag, 9. Oktober

Kirchenrecht und -struktur

Schmugge, L. (Zürich), Die "Canones paenitentiales"; Landau, P. (München), "Tractatus de arboribus consanguinitatis et affinitatis"; Riedel-Spangenberger (Mainz), Konrad von Megenberg und die Parochialstruktur; Weiss, S. (Augsburg), Der päpstliche Hof als Haus; Ocker, C. (Berkeley), "Lacrima ecclesiae" – Konrad von Megenbergs Einstellung zum Weltklerus.

Naturkunde und -bedeutung

Münkler, M. (Berlin), Historia et experientia im Werk des Konrad von Megenberg; Peil, D. (München), Zur Allegorese im deutschsprachigen Werk des Konrad von Megenberg; Vögel, H. (München), "antropos, daz ist ein verêrter paum". Zur Anthropologie in Konrad von Megenbergs naturkundlichen Schriften; N. N., Text-Bild-Verhältnis in illuminierten Handschriften von Konrads "Buch der Natur"; Hankeln, R. (Weimar), ... hanc hystoriam edidi ... Konrads "Historia Sancti Erhardi" und die Historia "Letare Germania" für die hl. Elisabeth von Thüringen: Kontrafaktur und ars musica.

Freitag, 10. Oktober

Rezeptionsgeschichte

Walther, H. G. (Jena), Die "Monastica" als philosophia practica. Zu einem Aspekt der Aristotelesrezeption im 13./14. Jahrhundert; Lambertini, R. (Cento), Zu den Quellen der "Monastica"; Blazek, P. (Jena), Zum aristotelischen Eheverständnis in der "Yconomica"; Ubl, K. (Tübingen), Das Reich im Spiegel der Theorie. Engelbert von Admont, Lupold von Bebenburg, Konrad von Megenberg; Drossbach, G. (München), Die Predigt des Pseudo-Albertus Magnus – ein Werk des Konrad von Megenberg?; Studt, B. (Münster), Historisches Wissen bei Konrad von Megenberg im Spiegel von Überlieferung und Rezeption.

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Ausstellungsprojekt

Les princes des fleurs de lys

Le mécénat de Philippe le Hardi et de Jean sans Peur et l’art en Bourgogne de 1364 a 1419

Dijon, 28. Mai bis 15. September 2004

Kontaktadresse: Emmanuel Starcky, Sophie Jugie

Musée des Beaux-Arts de Dijon

Palais des Etats de Bourgogne

F-21000 DIJON

Tel: [F] 03 - 80 74-52 09 oder -53 59 – Fax: [F] 03 - 80 74-53 44

E-mail: dijoon@netcourrier.com

Internet: http://dijon.free.fr/mba/acc-mba.htm

Charles V et ses frères, puis les princes français de la génération suivante, que l’on peut regrouper sous le nom, utilisé à l’époque, de "princes des fleurs de lys" comptent parmi les mécènes les plus fascinants de la fin du Moyen Age. Plusieurs manifestations sont prévues en 2004-2005 à Paris, Dijon/Cleveland, Bourges, Chantilly et Blois pour les évoquer.

Au musée du Louvre, une exposition sera consacrée à "L’art à Paris au temps de Charles VI" (commissariat: Elisabeth Delahaye). La personnalité de Jean de Berry sera évoquée à Bourges, à travers la Sainte-Chapelle de son palais (commissariat: Béatrice de Chancel-Bardelot), et à Chantilly, qui exposera les célèbres "Très Riches heures du due de Berry" (commissaire: Emmanuelle Toulet), tandis que Blois évoquera le frère de Charles VI, Louis d’Orléans et son épouse Valentine Visconti (commissariat: Thierry Crépin-Leblond).

Du 31 mai au 2 Juin 2004, un colloque international sera organisé à Dijon pour réunir historiens et historiens de l’art sur le thème du mécénat royal et princier en France entre 1380 et 1420.

DIJON 1404-2004: UNE COMMEMORATION

L’année 2004 sera l’occasion de célébrer à Dijon le sixième centenaire de la disparition de Philippe le Hardi, frère de Charles V, premier duc de Bourgogne de la maison de Valois (1342-1404).

Cet anniversaire, ainsi que l’achèvement de la restauration du Puits de Moïse (le nettoyage des sculptures a commencé en avril 1999), invite à célébrer le mécénat des deux premiers ducs de Bourgogne, à revenir sur l’exceptionnelle personnalité artistique de Claus Sluter et à proposer une synthèse sur l’art en Bourgogne entre les années 1360-1420.

LE CONTENU DE L’EXPOSITION DE DIJON/CLEVELAND

Le prince des fleurs de lys et l’héritière du comté de Flandre

Une introduction documentaire permettra d’évoquer la personnalité et les goûts des trois frères de Philippe le Hardi, Charles V († 1380), Louis d’Anjou († 1384), et Jean de Berry († 1416) et de ses neveux Charles VI († 1422) et Louis d’Orléans († 1407), de mesurer les influences réciproques entre les différentes cours et l’importance du milieu artistique parisien.

Beaucoup d’artistes flamands étaient venus travailler à Paris au cours du XIVe siècle. Le mariage de Philippe le Hardi avec Marguerite de Flandre fut l’occasion d’intensifier ces contacts entre la France et les Pays Bas. L’importance du milieu artistique flamand, travaillant en Flandre pour le comte Louis de Mâle, beau-père de Philippe le Hardi, puis pour ce dernier en Bourgogne, sera souligné, afin de replacer les œuvres réalisées pour la cour de Bourgogne dans ce contexte des échanges entre les cours princières de Flandre et de France.

Le mécénat de Philippe le Hardi et de Jean sans Peur

L’exposition sera l’occasion de réunir les œuvres qui peuvent être directement rattachées aux ducs Philippe le Hardi et Jean sans Peur et à leurs épouses. Autour des œuvres de petites dimensions, manuscrits, peintures, orfèvrerie, illustrant leur goût pour la préciosité et le faste, on évoquera les résidences des ducs de Bourgogne, à Paris, en Bourgogne et dans leurs domaines septentrionaux, ainsi que leurs fondations pieuses.

La chartreuse de Champmol, foyer artistique des années 1400

Au premier plan se situera bien sûr la chartreuse de Champmol, qui est l’un des chantiers artistiques les plus prestigieux et les mieux documentés des années 1400. Malgré les destructions opérées avant et pendant la Révolution, les sculptures de Claus Sluter et de son atelier, les peintures de Jean de Beaumetz, Melchior Broederlam et Jean Malouel, sont conservées en assez grand nombre, sur place, au musée des Beaux-Arts de Dijon et dans bien des musées de par le monde. Elles s’imposent par leur exceptionnelle qualité. On tentera donc de rassembler à nouveau les chefs d’œuvres dispersés de Champmol.

L’art en Bourgogne de 1360 à 1420

On étudiera ensuite la commande artistique en Bourgogne, afin de voir comment les réalisations des ducs ont pu être un stimulant pour leur entourage, pour la noblesse, le clergé ou la bourgeoisie. On fera un état des connaissances actuelles sur la condition des artistes en Bourgogne, et on présentera un choix d’œuvres évoquant leur production : l’école de sculpture qui prolonge l’œuvre de Sluter, en particulier la personnalité de Claus de Werve ; et les peintures, dont très peu, malheureusement, nous sont parvenues.

COPRODUCTION AVEC CLEVELAND

Le musée de Cleveland, qui conserve un certain nombre d’œuvres provenant de la chartreuse de Champmol, est partenaire du projet et a inscrit l’exposition dans sa programmation à l’automne 2004.

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Tagungsankündigung

Orte der Herrschaft – Places of Power – Lieux du Pouvoir

Erste Überlegungen zu einem interdisziplinären Projekt

vraussichtlich 3. bis 4. Juni 2004

Kontaktadressen: Dr. Caspar Ehlers in Zusammenarbeit mit Michael McCormick, Harvard University

Max-Planck-Institut für Geschichte

Repertorium der deutschen Königspfalzen

Hermann-Foege-Weg 11

D-37073 Göttingen

Tel: [D] 05 51 - 49 56 134 – FAX [D] 05 51 - 49 56 170

E-Mail: ehlers@mpi-g.gwdg.de

Internet: http://www.geschichte.mpg.de

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Call for papers

Tagung anläßlich des 150-jährigen Bestehens des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung in Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Universität Wien

Das Osmanische Reich und die Habsburgermonarchie in der Neuzeit

Wien, 22. bis 25. September 2004

Kontaktadresse: Dr. Marlene Kurz, Dr. Martin Scheutz, Dr. Karl Vocelka, Dr. Thomas Winkelbauer

Institut für Österreichische Geschichtsforschung

Dr. Karl Lueger-Ring 1

A-1010 Wien

E-mail: martin.scheutz@univie.ac.at

Das Osmanische Reich und die Habsburgermonarchie verband eine gemeinsame konfliktreiche Geschichte. Angesichts dieser evidenten, jahrhundertelangen Gegnerschaft ist bislang wenig untersucht worden, wie die Menschen in diesen beiden, organisatorisch höchst unterschiedlich strukturierten Staatsgebilden einander "wahrnahmen", aufeinander reagierten, miteinander Handel trieben, unterschiedliche Religionsvorstellungen rezipierten und wie in der jeweiligen Propaganda das Bild des "Anderen" konstruiert wurde. Ziele der Tagung, die anläßlich des 150-jährigen Bestehens des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung veranstaltet wird, sind neben dem relativ gut erforschten, von der österreichischen Geschichtsforschung stark betonten Konfliktverhältnis bzw. der Aufarbeitung der gemeinsamen Kriegsgeschichte vor allem die gegenseitigen Kulturtransferleistungen. Die Kontakte in der Zeit vom Spätmittelalter bis zum Ersten Weltkrieg sollen näher beleuchtet und, deutlicher als dies bisher geschah, in den Mittelpunkt gestellt werden. Eine Vernetzung der Forschungen von Osmanisten, Historikern und beispielsweise Literaturwissenschaftlern, Anthropologen und Ethnologen sowie ein Brückenschlag von Spezialforschung und allgemeiner Geschichte sollen Ziele dieser Tagung sein.

Mögliche Schwerpunkte:

  • Diplomatiegeschichte (Residenten, Austausch von Botschaften, Spionage), Verhandlungsführung (Abstimmung des Zeremoniells)
  • Reiseberichte (darunter auch Briefe)
  • Wirtschaftlicher Austausch (Handel), Kriegsbeute, Geschenke, Kunstgegenstände (siehe etwa die zahlreichen osmanischen Schmuckstücke und Waffen in der kaiserlichen Schatzkammer und in der Hofjagd- und Rüstkammer)
  • Beuteobjekte, alla turca-Masken und Turniere als Repräsentation des "Anderen", Exotikvorstellungen, bildliche Darstellungen (etwa Bilder von Gesandtschaftsreisen)
  • Träger des Kulturtransfers (Dolmetscher), osmanische Gefangene, osmanische/christliche Konvertiten und Mittel des Kulturtransfers (Übersetzungen von wichtiger Literatur des Gegners, Wörterbücher, "Feindkunde-Handbücher" usw.), Austausch von alltäglichen Dingen (etwa Eßkulturen, Hygiene, Pflanzen), gemeinsame Reaktionen auf die Pest usw.
  • Techniktransfer (Waffen, Befestigungen, Kampfweisen etc.)
  • Rezeption von kollektiven Bildern des jeweiligen Gegners (mittels Flugschriften, Traktaten, Reiseberichten, Briefen, Predigten etc.)
  • Rezeption von religiösen Vorstellungen des Gegners (Vermittlung von christlichen bzw. islamischen Religionsvorstellungen an die Untertanen)
  • Wechselseitige Beeinflussung von Staatsbildungsprozessen, Rezeption von staatstheoretischer Literatur, religiöse Toleranz bzw. Koexistenz (etwa im Sinne von "Der Türk‘ ist der Lutheraner Glück")
  • Migration von Westen nach Osten und vice versa (wie konnten sich Untertanen persönlich ein Bild vom Gegner machen usw.)

Tagungssprachen: Deutsch, Englisch

Referate: 30 Minuten

Die Ausrichtung der Tagung wird von der Magistratsabteilung 7 der Stadt Wien (Büro Ehalt) unterstützt.

Termin für die Rücksendung von Referatsvorschlägen war der 31. Januar 2003.

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Symposium

Kaiser, Hof und Reich in der Frühen Neuzeit

Paris, 1. bis 4. Dezember 2004

Kontaktadressen: Univ.-Prof. Dr. Grete Walter Klingenstein

Historische Kommission

Österreichische Akademie der Wissenschaften

Dr. Ignaz Seipel-Platz 2

A-1010 Wien

Tel: [A] 01 - 5 15 81-0

Prof. Dr. Heinz Duchhardt

Institut für Europäische Geschichte

Alte Universitätsstrasse 19

D-55116 Mainz

Tel: [D] 0 61 31 - 3 93 93 62

E-mail: duch@inst-euro-history.uni-mainz.de

Tagungskonzept:

Die geplante Tagung setzt an einem Punkt an, an dem zwei Linien der neueren Frühneuzeitforschung im deutschsprachigen Raum zusammentreffen: In der Reflexion über die Position von Kaiser und Kaiserhof im Reich und über die wechselseitige Relevanz der drei Institutionen treffen sich die neuere Forschung zur Geschichte des Alten Reiches einerseits und die Erforschung des frühneuzeitlichen Fürstenhofes und der höfisch-adligen Kultur andererseits. Für das Alte Reich haben Arbeiten von Karl Othmar v. Aretin, Helmut Neuhaus, Alfred Kohler, Anton Schindling, Maximilian Lanzinner, Georg Schmidt, Peter-Claus Hartmann und anderen die politisch-verfassungsrechtliche Teilmodernisierung des Reiches in ein neues Licht gerückt und die Funktionalität des Reichsverbandes betont. Für den Hof und die höfisch-adlige Kultur rückt die internationale Forschung in den letzten Jahren immer deutlicher von der einseitigen Betonung der disziplinierenden Wirkung dieser Institution ab, die auf die Modelle von Norbert Elias und Jürgen v. Kruedener zurückging. Stattdessen stellte man stärker die Rolle des Hofes als Kommunikations- und Vermittlungszentrum, als Ort von Repräsentation und politisch-sozialer Einbindung adliger Eliten in den Vordergrund, wie dies Arbeiten von Aloys Winterling, Volker Press, Robert W. Evans, Volker Bauer, Ronald G. Asch, Olaf Mörke, Jeroen Duindam und anderen signalisieren.

Auch wenn der Kaiserhof in diesem Zusammenhang bislang kaum thematisiert worden ist, so dürfte er doch eine der wichtigsten Institutionen gewesen sein, die den innneren Frieden des Reiches sicherten und für den Ausgleich zwischen den Territorien sorgten. Macht wurde jedoch nicht nur über politisch-juristische Institutionen wie die Reichsbehörden, die Reichskreise und den Reichstag vermittelt, sondern auch und gerade über symbolische Formen zeremonieller und künstlerischer Repräsentation. Welche Rolle spielte also der Kaiserhof für die Kommunikationswege politischer Einflüsse im Alten Reich? Wie waren Reichsinstitutionen und Hof miteinander vernetzt? Inwiefern erlangten die über den Hof vermittelten kulturellen und sozialen Standards Bedeutung für den Zusammenhalt des Alten Reiches? Faßt man diese Aspekte zusammen, so steht nicht zuletzt die Frage nach den integrativen Kräften des Kaiserhofes für das Alte Reich im Zentrum der geplanten Tagung.

In geographischer Hinsich soll dabei das gesamte Gebiet des Alten Reiches in den Blick genommen werden, das heißt also auch die Niederlande (für das 18. Jh. insbesondere der habsburgischen Niederlande), die böhmischen Länder als traditionelle Reichsterritorien und Reichsitalien. Zeitlich soll der Schwerpunkt der Tagung zwischen der Regierungszeit König respektive Kaiser Ferdinands I. und 1806 liegen. Damit können die Entwicklungsphasen des Kaiserhofes sowie die Dynamik der Wechselwirkung zwischen Kaiser, Hof und Reich in der Frühen Neuzeit erfaßt werden.

Die Diskussion über den Stellenwert des Wiener Hofes für die politischen und sozialen Kohäsionsmechanismen des Alten Reiches soll sich auf vier Schwerpunkte konzentrieren:

  • Reisen und Begegnungen – Wie wird bei Reisen des Kaisers, bei fürstlichen Besuchen, bei Reichstagen, Krönungen und Hochzeiten oder etwa im Rahmen der adligen Kavalierstour das Reich wahrgenommen und erlebt bzw. dargestellt und inszeniert?
  • Zeichen und Symbole – Wie visualisieren Feste, Porträts und Darstellungen, oder zeremonielle Handlungen wie etwa Belehnungen politische und verfassungsrechtliche Kontexte? Wurden im Reich solche Zusammenhänge mittels (populärer) Texte, Lieder, Theateraufführungen oder durch Leichenpredigten für Angehörige des Kaiserhauses in Erinnerung gerufen?
  • Information und Kommunikation – Daran angeknüpft soll auch danach gefragt werden, ob und inwieweit Wissen über Vorgänge und Personen im Reich kursierte, etwa durch Zeitungen und Zeremonialliteratur, politische und diplomatische Berichte, private Korrespondenzen, Reiseberichte und -diarien. Eine weitere Perspektive wäre die Frage nach der Bedeutung des Wiener Hofes für die Vermittlung von kulturellen Normen sowie künstlerische Vorbildern und Objekten.
  • Institutionen und Karrieren – Man kann davon ausgehen, daß der Kaiserhof mit fürstlichen Höfen und anderen Institutionen des Reiches über ein Netwerk von Personen und personellen Kontakten verbunden waren. Dabei ist vor allem an Adlige und Gelehrte aus dem Reich zu denken, die über Behörden und das Militär allmählich in den kaiserlichen Hofstaat im engeren Sinne integriert wurden. Aber auch Hoffaktoren und Hoflieferanten, Künstler und Musiker, Wissenschaftler und Diplomaten, die für Kaiser und Hof im Reich wirken bzw. aus dem Reich nach Wien respektive Prag kamen, sind in diesem Kontext zu berücksichtigen.

Der kaiserliche Hof in Wien bzw. Prag war allerdings zugleich auch der Hof des mächtigsten Reichsfürsten, des Erzherzogs von Österreich und Königs von Böhmen und Ungarn. Dieser Doppelcharakter des Wiener bzw. Prager Hofes soll zwar nicht eigens thematisiert werden, um den Schwerpunkt der Tagung, die Reflexion des Beziehungsfeldes Kaiser-Hof-Reich, nicht zu verschieben. Die in der Personalunion verschiedener Territorien innerhalb und außerhalb des Reichsverbvandes begründete Mehrdimensionalität des habsburgischen Hofes ist jedoch in Überlegungen zu den Einzelthemen generell einzubeziehen. Integrale Bestandteile aller vier Themenbereiche sind auch Fragen nach konfessioneller Bindung von Personen und Personengruppen bzw. nach der Rolle von Männern und Frauen in personellen Netwerken, öffentlichen Inszenierungen und kommunikativen Kontakten. Damit werden zusätzliche Facetten von Funktionalität respektive Funktionieren des Kaiserhofes angesprochen, die nicht zuletzt als Anregung für die weitere Forschung zum frühneuzeitlichen Hof allgemein wirken können.

Organisationskomitee: Kathrin Keller, Jan Paul Niederkorn, Friedrich Polleross, Thomas Winkelbauer, Grete Klingenstein (Wien) in Zusammenarbeit mit Heinz Durchhard und Matthias Schnettger (Mainz).

Buchvorstellungen

 

Kerscher, Gottfried: Architektur als Repräsentation. Spätmittelalterliche Palastbaukunst zwischen Pracht und zeremoniellen Voraussetzungen. Avignon – Mallorca – Kirchenstaat, Tübingen 2000 [Wasmuth, 535 S., geb., 456 Abb., 123 Euro].

Als vor 15 Jahren das "Centre d’Etudes Supérieures de la Renaissance" (Tours) auf Initiative von André Chastel und Jean Guillaume eine internationale Fachtagung zum Thema "Architecture et vie sociale. L’organisation intérieure des grandes demeures à la fin du Moyen Age et à la Renaissance" veranstaltete, keimte der Gedanke, dem wichtigsten europäischen Palastbau aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, dem Papstpalast von Avignon, den Bernhard Schimmelpfennig damals würdig präsentierte, endlich eine nicht vorrangig morphologisch-bauarchäologische Studie zu widmen, sondern den ihm gebührenden kunst- und kulturgeschichtlichen Standort vermittels einer breiter angelegten strukturellen Untersuchung zum Spannungsverhältnis von Zeremoniell und Raumdisposition aufzuzeigen. Dieser Aufgabe hat sich Gottfried Kerscher in seiner 1994 an der T.U. Berlin vorgelegten und im Jahre 2000 endlich publizierten Habilitationsschrift unterzogen.

Der gewichtige Band bündelt unter Aufbietung sehr zahlreicher, zumeist hochwertiger Abbildungen, unter denen viele zum Verständnis der Argumentation nützliche Detailpläne der komplexen Raumfolgen sind, erstmals in dieser Dichte und Vollständigkeit den aktuellen Forschungsstand zum Papstpalast. Gleichzeitig weitet er den Blick auf funktions- und zeremonialgeschichtliche Voraussetzungen seiner Architektur und bezieht aus gutem Grund die bislang wenig bekannten Palastbauten der Könige von Mallorca sowie die vom päpstlichen Kardinallegaten, dem Spanier Aegidius Albornoz, systematisch neu angelegten oder aber ausgebauten und befestigten älteren mittelitalienischen Papstresidenzen von Montefiascone, Viterbo, Ancona und Spoleto sowie das Collegio di Spagna in Bologna mit in die Betrachtung ein, Residenzen, die einer Rückkehr der Päpste in den Kirchenstaat den Weg hätten ebnen sollen. So entsteht ein zwar auf den ersten Blick faktisch heterogenes, aber strukturell in sich schlüssiges Bild der west-mediterranen Palastarchitektur am Vorabend frühneuzeitlicher Entwicklungstendenzen, zu denen namentlich die Herausbildung des Appartements als zentraler Bereich herrschaftlichen Wohnens gehörte. Bauformen und Zeremoniell bedingten sich gegenseitig, wobei letzteres in Verbindung mit Hofordnungen und den Regeln der Etikette nicht selten für die Architektur konstitutiv war. Das Hofleben, so resümiert Kerscher, determinierte wesentliche Strukturen der Palastbaukunst, aber die Architektur hatte umgekehrt ebenso den idealen Rahmen für das Hofleben zu bilden.

Besonders hervorzuheben ist dabei das Prinzip vierräumiger Appartements (zwei anticamere, zwei camere), denen ein großer Saal vorgeschaltet ist – eine Raumdisposition, wie sie bereits in den mallorquinischen Königspalästen der Zeit um 1300 (Almudaina in Palma de Mallorca, Perpignan) vorgebildet war und als ein wesentlicher Impuls für die Ausdifferenzierung von privater und (halb-)öffentlicher Sphäre zu bewerten ist. Inwieweit in diesem Rahmen die erst 1337 veröffentlichten Leges palatine Einfluß auf das in großem Stil schon zwei Jahre zuvor unter Benedikt XII. einsetzende Avignoneser Baugeschehen nahmen, bleibt allerdings eine offene Frage, setzt man nicht mit Kerscher eine nicht überlieferte ältere Version dieser mallorquinischen Hofordnung voraus, die als "erste abendländische Hofordnung" (Willemsen) dann bereits deutlich früher entsprechende Wirkung gezeitigt hätte.

Ungeachtet dieser und einiger anderer Streitpunkte, auf die hier der Kürze halber nicht näher eingegangen werden soll (vgl. die ausführliche Besprechung von Nicolas Bock, in: Journal für Kunstgeschichte 6, 2002, S. 119-126), bleibt auf das Ganze gesehen festzuhalten, daß das Buch eine sehr wesentliche Lücke in der Kenntnis um das Verhältnis von der Wechselwirkung räumlicher Organismen und sozialer Strukturen an den Höfen mächtiger Potentaten des europäischen Spätmittelalters schließen hilft. Mit dem vermehrten Wissen um die Lebensgewohnheiten am Exildomizil der Kurie in Avignon wird nicht nur der grundlegende Wandel von der noch ganz hochmittelalterlich geprägten Lateransresidenz zum frühneuzeitlich durchstrukturierten Vatikan im Hinblick auf die römische Palastbaukunst besser verständlich. Auch ein so wichtiger Schritt auf dem Wege zu einer innovativen königlichen Architektur, wie er etwa unter Karl V. von Frankreich in den Projekten des Louvre, der Erneuerung des Pariser Stadtpalastes auf der Ile de la Cité oder der grandiosen Anlage von Vincennes vollzogen wurde, erscheint nach der Lektüre von Kerschers Buch in einem neuen Licht. Im interdisziplinären Diskurs zwischen Geschichte, Kunstgeschichte und Zeremonialwissenschaft liegt – das stellt diese Arbeit einmal mehr unter Beweis – der substantielle Erkenntnisgewinn, den zu mehren Gottfried Kerscher mit seinem opus magnum erfolgreich und anregend beigetragen hat.

Uwe Albrecht, Kiel*

Schenk, Gerrit: Zeremoniell und Politik. Herrschereinzüge im spätmittelalterlichen Reich (Diss. Univ. Stuttgart 2000), Köln u.a. 2003 (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu J. F. Böhmer. Regesta Imperii, 21) [Böhlau, 823 S., geb., 24 Tafeln mit 15 Abb., 6 Karten, 2 Faltkarten, 79 Euro].

Die Studie Schenks beruht auf seiner im Jahr 2000 an der Universität Stuttgart eingereichten Dissertationsschrift, die 2001 mit dem Wilhelm-Zimmermann-Preis des Vereins der Freunde des Historischen Instituts der Universität Stuttgart ausgezeichnet wurde. Schenk stellt sich mit dem Thema "Zeremoniell und Politik" in die Tradition der Kulturgeschichte. Seit etwa zwei Jahrzehnten widmet sich die historische Forschung verstärkt der Untersuchung von Ritualen. Neuere methodische Ansätze wie die Ethnographie der Kommunikation und der Rückgriff auf bewährte Modelle der Kulturanthropologie fördern das zunehmende Interesse.

Schenks Untersuchung gilt dem Herrschereinzug als spezifisch mittelalterlicher Kulturpraxis. Ausgangspunkt ist das Adventuszeremoniell als Zeichensystem. Der methodische Ansatz wird klar formuliert: es gilt "die Hypothese vom konventionsgebundenen Zeichen in einem möglicherweise kohärenten System; das schließt die Möglichkeit der Erkenntnis eines geschichtlich gewordenen Zeichensystems mit eigener Seinsvalenz ein" (S. 76). Daraus leitet Schenk drei Fragestellungen ab. Zunächst soll untersucht werden, inwiefern das Adventuszeremoniell ein Zeichen für das politische, rechtliche und geistige Verhältnis des Einziehenden zur empfangenden Stadt ist. Hierzu gilt es, die angewandten Herrschaftsstrategien zu entschlüsseln. Da die Städte entscheidend bei der Vorbereitung und Durchführung der Einzüge mitgewirkt haben, ergibt sich eine reziproke Beziehung. Es muß folglich ebenso nach der Bedeutung gefragt werden, die das Adventuszeremoniell als Zeichen für das politische, rechtliche und geistige Verhältnis der empfangenden Stadt zum Einziehenden hat. Die dritte Frage wendet sich der Funktionalität des Zeichensystems ‚Adventuszeremoniell‘ selbst zu und will mögliche Bedeutungen klären. Ziel ist die Überprüfung auf diplomatische, politische, rechtliche, religiöse und soziale Funktionen. An diesem Punkt erweitert sich das Beziehungsgefüge zwischen Herrscher und Stadt um die innerstädtischen Verhältnisse. Als neuer Aspekt tritt die Rezeption hinzu. Es soll analysiert werden, wie das jeweilige Ereignis von den Zeitgenossen wahrgenommen und interpretiert wurde.

Schenk konzentriert sich auf Herrschereinzüge in Reichsstädten und Freien Städten, da diese aufgrund ihrer rechtlichen und politischen Sonderstellung ein höheres Maß an Handlungsautonomie genossen und somit im Hinblick auf die Inszenierung und Rezeption des Ereignisses ein größeres Erkenntnispotential boten. Die Auswahl der Städte orientiert sich am Itinerar der spätmittelalterlichen deutschen Herrscher. Topographisch betrachtet ergibt sich somit ein Raum, der die Städte entlang des Rheins und seiner Zuflüsse von Konstanz bis Köln sowie zahlreiche süddeutsche Reichsstädte umfaßt. Der Untersuchungszeitraum reicht von 1300 bis 1500, wobei aufgrund der besseren Überlieferungssituation der archivalischen Quellen ein Schwerpunkt im 15. Jahrhundert liegt. Das Quellenmaterial soll Aufschluß geben, wer im einzelnen für die Konzeption und Durchführung der Einzüge verantwortlich war, ob für die Organisation ‚Spezialisten‘ herangezogen wurden und ob Verschriftlichungsprozesse nachzuweisen sind, die gegebenenfalls zur Ausformung von Zeremonialsammlungen führten. Des weiteren soll geklärt werden, inwieweit hinsichtlich der zeremoniellen Usancen ein Informationsaustausch zwischen den Städten bestand und ob sich lokale Traditionen ausbildeten. Für die Betrachtung des Wandels des Adventuszeremoniells stellt Schenk das Eigengewicht der Tradition, nämlich die Dynamik zwischen Form und Inhalt und deren Bewertung im politischen Kontext, in den Vordergrund.

Nach einem umfangreichen Einleitungskapitel (Kap. I), in dem u.a. die Definitionen der Schlüsselbegriffe – Adventus, Öffentlichkeit, Repräsentation, Recht, Zeremoniell, Ritual, Theater und Fest – diskutiert werden, führt Schenk eine detaillierte Analyse der präskriptiven und deskriptiven Quellenarten (Kap. II) durch. Zudem nimmt er eine Differenzierung in Zeremonialquellen im engeren Sinne und in Quellen über Zeremonielle vor; in der Praxis finden sich jedoch oft Mischformen. Das Quellenmaterial rekrutiert sich aus drei Kontexten: Herrscher, Stadt und Klerus. Im einzelnen handelt es sich um Einzugsberichte, verschiedene Ordnungen, die den Besuch und die damit verbundenen organisatorischen Maßnahmen regeln (Präzedenz, Bewirtung, Sicherheit, Preise etc.), liturgische Ordines, Prozessionsordnungen, Begrüßungspredigten, Begrüßungs- und Lobreden, Schenkungsbücher, Ehrungslisten, Teilnehmer- und Herbergsverzeichnisse, Historiographien, Bilder etc. Eine Auswahl der schriftlichen Zeremonialquellen wird als kommentierte Edition im Anhang (Kap. IV) zur Verfügung gestellt. Kapitel III ist der synchronen und diachronen Analyse des Adventus gewidmet. Zunächst wird ein ‚Idealschema‘ des Zeremoniells erarbeitet, das sich methodologisch am Konzept der Idealtypen Max Webers orientiert und in ähnlicher Weise bereits 1729 von Julius Bernhard von Rohr formuliert worden war. Es gliedert sich in sechs Phasen: Vorbereitungen, Occursio, Ingressus, Processio, Offertorium und Einherbergung. Die Grundlage für das Schema bilden etwa 500 Adventus in rund 80 Städten, wovon 31 Städte mit guter Quellenlage für die kritische Analyse herangezogen werden. Eine umfassende Zusammenstellung der rekonstruierten Phänomene macht das ‚Übliche‘ in Abgrenzung zum Möglichen und Außerordentlichen sichtbar und dient damit der Typenbildung. Anhand der realen Ausgestaltung des Ereignisses läßt sich der politisch-diplomatische Kontext ermitteln, denn die – bewußten – Abweichungen vom Üblichen setzen politische Akzente.

Im Anschluß wählt Schenk zwei Einzelelemente des Adventuszeremoniells aus, um sie exemplarisch zu beleuchten: die bei den Einzügen gehaltenen Reden (Begrüßungsreden, Festreden/Herrscherlob, Begrüßungspredigten) und die Verwendung des Baldachins sowie dessen Spoliierung. Auf dieser Basis können Lokaltraditionen und eventuelle Veränderungen der zeremoniellen Phänomene im Laufe der Zeit festgestellt werden. Zudem ergibt sich eine Differenzierung in ein Adventusritual – d.i. der erste Einzug eines Herrschers als König oder Kaiser – und in ein Adventuszeremoniell für alle weiteren Einzüge. Für die Analyse der Einzelfälle werden alle verfügbaren Quellen herangezogen und zur Interpretation verschiedene Zugriffsmöglichkeiten eingesetzt wie Quellenkritik, Semiotik, Linguistik, Rechtsgeschichte und Kulturanthropologie. Schenk formuliert für dieses methodische Vorgehen den Begriff der "dichten Deutung" (S. 80) in Anlehnung an Clifford Geertz‘ "Thick Description".

Die Ergebnisse der Analyse der Genese und des Wandels des Adventuszeremoniells lassen sich wie folgt zusammenfassen. Zwischen einzelnen Stadtregierungen bestand ein Netzwerk des Informationsaustausches in zeremoniellen Fragen, wobei Konstanz und Ulm große Bedeutung zukam. Als Vorbilder dienten, wenn überhaupt, nur benachbarte Städte, und selbst dann mußten die zeremoniellen Usancen an die eigenen Rahmenbedingungen angepaßt werden, was zur Ausbildung von Lokaltraditionen beitrug. Auf Anfrage wurden Informationen zum Zeremoniell als Orientierungshilfe zur Verfügung gestellt, aber prinzipiell unterlag dieser Komplex der Geheimhaltung. Das von den städtischen Räten in administrativen Zeremonialquellen festgehaltene Wissen um den korrekten Herrscherempfang wurde als Herrschaftswissen gehandelt und bildete eine der Legitimationsstrategien sowohl gegenüber dem Herrscher als auch der Stadtbevölkerung. Damit wird auf die Reziprozität der herrschaftskonstituierenden Funktion des Adventuszeremoniells verwiesen.

Für den Kontext zeremonieller Erscheinungen kann seit dem 16. Jahrhundert eine Entwicklung festgestellt werden, die alle Bereiche des öffentlichen Lebens betrifft: die Tendenz zu zunehmender Normierung und Systematisierung, die das Bedürfnis nach Verschriftlichung verstärkt. So findet sich sowohl auf seiten der Herrscher als auch bei den Städten ein wachsendes Aufkommen an Zeremonialquellen, die legitimatorischen und propagandistischen Ansprüchen genügen sollen. Bereits gegen Ende des 15. Jahrhunderts lassen sich in einigen Reichsstädten nicht nur spezifische Zeremonialquellen, sondern auch regelrechte Zeremonialsammlungen für Herrschereinzüge nachweisen. Die Herrscher hingegen fördern die Effektivität ihrer Medienpräsenz, indem sie die sich im Zeremoniell manifestierenden Machtinszenierungen mittels Druckgraphiken und Holzschnittzyklen visualisieren. Zugleich setzt in den Berichten erste Kritik ein, die aus einem latent empfundenen Mißverhältnis zwischen äußerer Form und innerem Gehalt resultiert: der Diskrepanz von Schein und Sein. Folglich werden in den Schriftquellen zeremonialkritische Topoi geschaffen.

Bei einzelnen Elementen des Adventuszeremoniells erkennt Schenk seit dem 14. Jahrhundert einen Trend ‚vom Ritual zum Recht‘, den er für das Gesamtphänomen jedoch ausschließt, da die zunehmende Verrechtlichung nur einen Aspekt des allgemeinen Modernisierungsprozesses repräsentiere und die abnehmende Reisetätigkeit der Herrscher eher zu einer Entwertung der rechtlichen Relevanz des Erstadventus führe. Als Ergebnis der Untersuchung konstatiert Schenk, daß sich hinsichtlich des Adventuszeremoniells vom Beginn des 14. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts keine wesentlichen Veränderungen vollziehen, jedoch Tendenzen eines tiefgreifenden Wandels sichtbar werden, dessen kulturelle Ausformung er folgendermaßen zusammenfaßt: "Während man im spätmittelalterlichen Adventuszeremoniell noch Spuren von alten Vorstellungen über die numinose Macht der durch ihr Amt herausragenden Persönlichkeit und den Verweis der christlich grundierten irdischen auf die transzendental-jenseitige Ordnung antrifft, wandelt sich dies allmählich im Rückgriff auf – vermeintlich? – antike Muster in Richtung eines zum Teil auch dynastisch geprägten Herrscherkultes, der als Folge tiefgreifender Prozesse jedoch immer rationaleren Rechtfertigungszwängen unterliegt, so daß das Numinose zunächst auf das Herrschertum, dann schließlich auf den Staat übertragen wird" (S. 512f.).

Schenks Anspruch, daß "dem Leser mit dieser Studie diejenigen grundlegenden methodischen und interpretatorischen Mittel erst an die Hand gegeben werden, die ihm nun eine eigene Analyse und Interpretation zeremonieller Phänomene beim Herrschereinzug und darüber hinaus erlauben" (S. 80), wird weitgehend eingelöst. Sicherlich gibt es auch andere Zugriffsmöglichkeiten zur Analyse und Deutung zeremonieller Erscheinungen als die von Schenk vorgestellten, aber sein Werk bildet in jeder Hinsicht eine wertvolle Basis, auf der – wie intendiert – andere Forschungsarbeiten aufbauen können. Kritisch anzumerken ist das Bemühen des Autors, jedes Detail zu erklären oder um weitere zu ergänzen und somit fast jeden Satz mit einer Fußnote zu versehen. Dies führt nicht nur zu einem beträchtlichen Volumen, sondern hemmt auch den Lesefluß. Denn nicht immer dienen die Anmerkungen der Präzisierung, sondern können auch vom Thema wegführen. Ein etwas konziserer Stil wäre adäquater gewesen, da ein gewisses Grundwissen bei der Leserschaft vorauszusetzen ist. Nichtsdestotrotz kann die Studie Schenks für den Themenkomplex "Zeremoniell und Politik" als Standardwerk betrachtet werden.

Evelyn Korsch, Bonn*

 

Pfälzisches Burgenlexikon, Bd. 2: F-H, hg. von Jürgen Keddigkeit, Alexander Thon und Rolf Übel, Kaiserslautern 2002 (Beiträge zur pfälzischen Geschichte, 12.2) [Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, 448 S., 168 Abb., 29 Euro].

Der zu besprechende zweite Band des Pfälzischen Burgenlexikons, herausgegeben vom Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, knüpft in der Anlage an den im Verkauf sehr erfolgreichen ersten Band an. Die im zweiten Band vorgestellten 112 Wehranlagen, von der "Falkenburg" über regionalgeschichtlich so klangvolle Einträge wie "Fleckenstein", "Grafendahn" und "Hardenburg" bis zur "Huneburg", werden entlang folgender einheitlicher Kriterien erschlossen: "Allgemeine Informationen", "Topographie", "Lageplan" (nunmehr farbige Ausschnitte aus der Topographischen Karte), "Namenbelege", "Geschichte", "Burgfrieden" und "Baubeschreibung". Zu jeder Burg werden zudem die unterschiedlich umfangreiche Literatur und weitere Quellenbelege angegeben. Die zahlreichen modernen Photographien und Aufnahmen historischer Bildquellen über die Burgen sowie die Grundrißpläne vermitteln einen guten visuellen Eindruck des baulichen Bestandes. Neu ist die Aufnahme der GPS-Daten, die dem Benutzer das Auffinden entlegener oder nur in Mauerstümpfen erhaltener Wehrbauten erleichtern sollen. Interessant und für die Erforschung gerade des Niederadels der Region besonders hilfreich ist der Versuch, auch gänzlich abgegangene, "mutmaßliche oder angebliche" Burgstellen zu erfassen.

Die beschreibenden Texte sind zumeist gründlich recherchiert und konzis abgefasst. Die geschichtlichen Abrisse gehen auf die Erbauung, Erweiterungen und Zerstörung(en) der Anlagen ein, aber auch auf die Geschichte der sie besitzenden Familien und die Ortsgeschichte. Die Baubeschreibungen widmen sich der Analyse der noch bestehenden Substanz und den archäologischen bzw. kunsthistorischen Erkenntnissen zur Entwicklung und Veränderung der Anlage. Die insgesamt 30 Autoren bemühen sich auch, Aussagen über die funktionale Differenzierung der Burgbereiche zu treffen. Wichtig und sinnvoll ist die Abgleichung des Baubestandes mit den schriftlichen Quellen, was aufgrund der verschiedenartigen Überlieferungssituation freilich nicht für alle festen Plätze durchgeführt werden kann. Dass aufgrund der unterschiedlichen Bedeutung und Überlieferung der einzelnen Burgstellen der Umfang der Einträge stark variiert, versteht sich von selbst.

Die Aufnahme einiger Burgen "aus den heutigen Grenzsäumen Rheinhessens, des Saarlandes und des Nordelsaß bis zur Nordgrenze des alten Hagenauer Forstes" (S. 7) ist zwar von der historischen wie heutigen Begrifflichkeit der "Pfalz" her etwas problematisch, versucht aber die Streulage der Besitzungen vieler pfälzischer Adelsgeschlechter wiederzugeben. Dies rundet zudem die lesende oder wandernde Erfahrung dieser überterritorialen Burgenlandschaft durchaus ab.

Der Band ist graphisch aufwendig und angenehm gestaltet und bietet mit den Textbeiträgen Fachleuten wie historisch interessierten ,Laien‘ ein gründliches Nachschlagewerk und einen informativen Führer über die pfälzischen Burgen. Er liefert aber auch der allgemeinen und vergleichenden Burgenforschung nützliche Hinweise. Dieses Lexikon-Projekt ist insgesamt sehr zu begrüßen.

Gabriel Zeilinger, Kiel*

Rittersitze. Facetten adligen Lebens im Alten Reich, hg. von Kurt Andermann, Tübingen 2002 (Kraichtaler Kolloquien, 3) [Bibliotheca-Academica-Verlag, 236 S., Ill., 29 Euro].

Nach der Beschäftigung mit adligen Damenstiften (1996, publ. 1998) und der Behandlung regionaler Aspekte des frühen Schulwesens (1998, publ. 2000) sind nun auch die Erträge des dritten Kraichtaler Kolloquiums aus dem Jahr 2000 in einem wiederum ebenso ansprechenden und sorgfältig lektorierten wie inhaltsreichen Band publiziert worden. Dem Klappentext ist zu entnehmen, daß die Kraichtaler Kolloquien sowohl die Fachwelt als auch interessierte Laien gleichermaßen ansprechen wollen; weiter ist zu lesen, daß "Phänomene aus der Geschichte der Kraichgauer Landschaft [...] im regionalen wie überregionalen Vergleich erörtert werden" sollen. Der vorliegende Tagungsband wird diesen allgemein formulierten Ansprüchen in erfreulich lesenswerter Weise in Form intensiver exemplarischer Untersuchungen verschiedener "Facetten adligen Lebens im Alten Reich" mehr als gerecht. Die Kenntnis niederadliger bzw. "ministerialer" Lebenswelten wird an Beispielen der ritterlichen Sakralkultur, der wirtschaftlichen und administrativen Grundlagen adliger Herrschaft, der Stadthöfe des Adels und des kulturellen Lebens auf hohem Niveau vertieft und erweitert. Auch das Vorwort des Herausgebers (S. 7-10) macht deutlich, daß es nicht um die Rittersitze des Kraichgaus geht, daß nicht die noch heute in ihren materiellen Hinterlassenschaften sichtbare Kraichgauer "Herrlichkeit der Ritter" im Zentrum des Interesses steht, sondern die "Verortung der im Kraichgau anzutreffenden Phänomene im allgemeinen Kontext". Die chronologische Anordnung der insgesamt sieben jeweils klar strukturierten Beiträge spannt den Bogen vom späten Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches, in den Blick genommen werden Mittel- und Oberrhein, Franken, Bayern, Sachsen und der Kraichgau.

"Zwischen frommer Stiftung, adliger Selbstdarstellung und standesgemäßer Versorgung" ist der Beitrag von Sigrid Schmitt überschrieben, der sich der "Sakralkultur im Umfeld von Rittersitzen" widmet (S. 11-43). Ausgangspunkt ist die 1192 beurkundete Gründung des Augustinerchorherrenstiftes in Bolanden durch den staufischen Reichsministerialen Werner von Bolanden, die deshalb das Interesse der Autorin findet, weil es sich um die möglicherweise "früheste Gründung eines Klosters oder Stifts durch einen Vertreter des Ministerialenstandes [handelt], bei der dieser das Verhalten edelfreier Stifter vollständig imitierte", der Stifter zudem wohl der erste war, der sich die Vogtei über seine Stiftung als erbliches Lehen zusichern ließ. Dieser Vorgang ist deshalb bemerkenswert, weil der Ministerialität durch das Mittel der Stiftung sozialer Aufstieg möglich war "in die zuvor vom Adel dominierte Welt der Kloster- und Stiftsgeistlichkeit". Andere Motive für geistliche Stiftungen wie die Versorgung von Kindern und Verwandten, die Bedienung politischer Interessen wie die Sicherung von gefährdetem Eigengut, die Bindung der eigenen Klientel oder die Besetzung einflußreicher Positionen, dann natürlich auch die Sorge um das eigene Seelenheil scheinen hinter dem Streben nach der Demonstration adliger Standesqualität zurückzutreten. In drei Schritten versucht die Autorin eine Antwort auf die Frage zu geben, "wie der Niederadel das kirchliche Umfeld seiner Herrschaftsmittelpunkte und -sitze gestaltete", um so "das Motivationsbündel ‚Memoria‘ als Antriebskraft der handelnden Menschen zu verstehen und zu präzisieren" und "der Sakralkultur im Umfeld von Rittersitzen des Spätmittelalters nahe zu kommen". (1) Am Beispiel der Herren von Hirschhorn werden zunächst typische Formen ritteradligen Stiftungsverhaltens beschrieben, die (2) mit den entsprechenden Verhaltensweisen anderer Niederadelsfamilien abgeglichen werden, um (3) herauszufinden, ob es "typische Formen einer niederadligen Sakralkultur [gegeben habe oder ob] sich diese allenfalls im Umfang, nicht aber grundsätzlich von der des Hochadels und des städtischen Bürgertums" unterschied. Im Ergebnis hält die Autorin fest, daß es bei den Besonderheiten niederadliger Sakralkultur um zwei Ziele ging: "Orientierung nach oben und Abgrenzung nach unten". Die Abgrenzung von den Stadtbürgern, die zugleich das Publikum niederadliger Selbstdarstellung abgaben, verlief zeitgleich dem Aufbau von Herrschaftszentren nach hochadligen Vorbildern zu kleinen Residenzen, die das dokumentierten, was den Adel vom Bürgertum unterschied: die Ausübung von Herrschaft, und zwar einer Herrschaft, die das betreffende Geschlecht seit je ausgeübt hat, sichtbar gerade auch in Form gestifteter Klöster und Kirchen. Was Grundsätzlichkeit und Umfang anbelangt, so waren es zwar vor allem das Wappen und die Rüstung, die den Unterschied zum Bürger bestimmten, die Grenze zwischen Adel und Nicht-Adel lasse sich aber nicht eindeutig markieren, zumal die Frage nach dem Umfang, ergo dem betreibbaren Aufwand von den zur Verfügung stehenden Ressourcen bestimmt war.

Regina Schäfer behandelt ihr Thema – die "Stadthöfe des ritterschaftlichen Adels" (S. 45-70) – im Rahmen des vordergründigen Gegensatzes von Stadt und Adel, der doch tatsächlich von "mannigfaltigen Verflechtungen" geprägt war, was insbesondere für die Beziehungen zwischen Landadel und Stadtadel zutraf. Das Augenmerk gilt den ritterlichen und hochadligen Landadelsfamilien, die ihren Hauptsitz außerhalb der Stadt hatten, und Höfe und Häuser in Städten besaßen, ohne das Bürgerrecht erworben zu haben. Dies wird anhand der drei Städte Mainz, Heidelberg und Oppenheim untersucht. Gesucht werden Antworten auf die Fragen, wie und weshalb Immobilien erworben und genutzt und ob diese weitervererbt oder verkauft wurden. Dabei steht Mainz für die freie Stadt, Heidelberg für die landesherrliche Residenzstadt der Pfalzgrafen und Oppenheim für die Reichsstadt. Für Mainz stellt die Autorin eine hohe Fluktuation im Hausbesitz fest und erst im 16. Jahrhundert entstanden dort die großen Adelshöfe, die den Wandel zur Residenzstadt zu Beginn des 17. Jahrhunderts markieren. Heidelberg hingegen war schon von Anbeginn an Residenz, wo der Ritteradel früh und konsequent an den pfalzgräflichen Hof gebunden worden ist. Hielten sich die Adligen in Mainz meist nur kuzfristig in ihren Adelshöfen auf, so bewohnten die pfalzgräflichen Gefolgsleute ihre Heidelberger Häuser in der Regel stets längere Zeit. Hauserwerb in Heidelberg kann als Indiz für die Zugehörigkeit zur Klientel des Pfalzgrafen gewertet werden; der Pfalzgraf selbst nutzte die Hausvergabe als politisches Instrument. Die staufische Reichsstadt Oppenheim wiederum war gekennzeichnet durch die enge Verbindung von Burg und Stadt. Da die Burgmannen auch von umliegenden geistlichen Institutionen zum Dienst verpflichtet waren, war die Zusammensetzung des in Oppenheim Grund- und Hausbesitz haltenden Adels recht heterogen. Aus diesen Befunden zieht Schäfer vier Schlußfolgerungen: (1) langfristige Kontinuitäten städtischer Adelshöfe hat es nicht gegeben, (2) städtische Anwesen, die nicht mit Herrschaftsrechten verbunden waren, unterlagen einer hohen Fluktuation bei (3) beachtlicher Breite des Nutzungsspektrums und es hat (4) offensichtlich keinen Widerstand gegen adligen Hauserwerb gegeben.

Christine Reinle begibt sich "Auf Spurensuche: Recherchen zu Bibliotheken der Ritterschaft im Süden und Südwesten des Alten Reiches" (S. 71-103). Im Zentrum ihrer Ausführungen steht die Frage, wie es "tatsächlich um Bildung und Buchbesitz von ritterschaftlichem Adel und edlen Herren bestellt war". Reinle will dem Klischee entgegentreten, daß "aus dem an höfischen Idealen orientierten Ritter der Stauferzeit [...] unversehens der stets gewaltbereite, zu geistigen Großtaten [jedoch] unfähige Landjunker des 16. Jahrhunderts" geworden sei, somit "die Legende vom bildungsfernen spätmittelalterlichen beziehungsweise reformationszeitlichen Ritteradligen [...] hinterfragen". Das soziale Objekt der Untersuchung sind die nicht dem geistlichen Stand angehörenden Familienmitglieder niederadliger und edelfreier Familien, das materielle Objekt die Bücher an sich. Der anhand z.B. von Inventaren zu erschließende Buchbesitz mit auch durch andere Quellen möglichen Rückschlüssen auf das Leseverhalten der genannten Personengruppe kann aber – so die Autorin – nur im Rahmen einer Betrachtung des Verhältnisses des ritterschaftlichen Adels zur Literalität insgesamt angemessen behandelt werden, weshalb sie anmahnt, das gesamte Spektrum von Schriftlichkeit in derartige Untersuchungen einzubeziehen. Reinle fragt, "von wann an und aus welchen Gründen Bücher angeschafft wurden", diskutiert Umfang und Verluste von Büchersammlungen, beschäftigt sich mit der Zusammensetzung von Bücherbeständen, dem Umgang mit Büchern und ihren Aufbewahrungsorten und schließt mit den bildungsgeschichtlichen Auswirkungen der Reformation. Die Ergebnisse faßt die Autorin in acht Punkten zusammenfassen: (1) Nennenswerter Buchbesitz ist beim ritterschaftlichen Adel vor dem 15. Jahrhundert nicht zu erwarten, (2) Bucherwerb des 14. und 15. Jahrhunderts orientierte sich an praktischen Bedürfnissen, (3) Repräsentation durch Buchbesitz und Buchgebrauch schlossen einander nicht aus, (4) Buchbesitzer waren in erster Linie jene Angehörige von Familien, die zum Turnieradel oder zu den Edelherren rechneten, doch sollten Einzelpersönlichkeiten und Familientraditionen nicht unterschätzt werden, (5) Sammlungsschwerpunkte lassen sich aus ihrer Gebrauchsfunktion erklären, ständische Spezifika sind nur schwer auszumachen, (6) Buchsammlungen sind nicht eindeutig als Haus-, Arbeits- oder Gelehrtenbibliotheken zu charakterisieren, (7) aus dem Anwachsen adliger Bibliotheken in Folge einer zunehmenden Zugänglichkeit von Druckerzeugnissen lassen sich keine ständischen Distinktive ableiten, und es besteht (8) Forschungsbedarf in der Frage, ob im Zuge des Barockzeitalters spezifische Bibliothekstypen entstanden sind oder nur eine generationenübergreifende Sammlungstätigkeit seit dem Dreißigjährigen Krieg Früchte trug.

"Herrschaftsintensivierung und Verwaltungsausbau ritterschaftlicher Familien Frankens im 16. Jahrhundert" v.a. am Beispiel der oberfränkischen Familie von Guttenberg (16. Jahrhundert) ist Gegenstand des Beitrages von Klaus Rupprecht (S. 111-139). Grundlage der Ausführungen sind die Zinsregister Hans Anthonis von Guttenberg, der nach dem Tod des Vaters nach Losentscheid im Vergleich zu seinen Brüdern den schmalsten Teil des väterlichen Besitzes erhalten hatte, sich aber "mit großem Elan um seine heimatlichen Güter" kümmerte. Zu Beginn des Beitrags steht ein knapper Überblick über die Folgen der geschichtlichen Entwicklung der fränkischen Niederadelsfamilien, die in eine allgemeine Orientierungskrise mündeten. Aber trotz Erbteilungen, bürgerlicher Konkurrenz und fürstlichem Streben nach oberhoheitlicher Territorialherrschaft ist es dem fränkischen Niederadel nach Rupprecht doch gelungen, "eine weitgehend unabhängige Herrschaftsstellung zu wahren", nicht landsässig zu werden und eine eigenständige Position in der Reichsverfassung zu behalten. Die Mittel, derer sich die fränkische Ritterschaft auf diesem Weg bediente, lassen sich mit Schlagworten wie "Besitzumorganisation, Stärkung der Gesamtfamilie, Verwaltungsausbau und rigoroserem Zugreifen auf die Untertanen" bescshreiben. Deutlich wird, wie sich Hans Anthoni von Guttenberg den Umbrüchen der Zeit enetgegenstemmte, befördert allerdings durch eine höhere Schulbildung. Er verstand sich als ein den Fürsten nicht unter-, sondern nebengeordneter freier Reichsritter, dem es mit Hilfe eines einheitlichen Familienverbandes gelang, fürstlichen Machtansprüchen wirksam entgegenzutreten, dies auch dadurch, daß er die Zeichen der Zeit richtig deutete und es bspw. im Zuge der Reformation verstand, ein eigenes Kirchenregiment aufzubauen. Rupprecht folgert überzeugend, daß die Ritterschaft "eine nicht zu unterschätzende Modernisierung, eine Anpassung an stark veränderte Rahmenbedingungen" leistete, die "auf lokaler Ebene ebenso wie überregional in der verfassungsgeschichtlichen Entwicklung die entscheidenden Weichenstellungen für die Zukunft bis zum Ausgang des Alten Reiches hervorbrachten".

Martina Schattkowsky schildert "Adliges Landleben in Kursachsen an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert", bedient sich dazu "Beobachtungen aus der Mikroperspektive" und befaßt sich mit dem Wandel adliger Lebensformen, der sozialen Abgrenzung des Adelsstandes gegenüber nichtadligen Schichten und schließt mit einer vergleichenden Betrachtung unterschiedlicher Adelslandschaften im 16. und 17. Jahrhundert (S. 141-166). Im Unterschied zu dem "agrardualistischen Konzept der älteren Agrargeschichtsschreibung, das auf eine [...] Teilung der Agrarverfassungen in Ost- und Westelbien hinauslief", bedient sich die Autorin neuerer Untersuchungsmethoden, "die klassische agrarhistorische Analysemethoden mit mikrohistorisch-komparativen und historisch-anthropologischen Arbeitsweisen" kombiniert. Infogedessen stehen "die Vermittlungsfelder zwischen sozioökonomischen Strukturen und historischer Lebenspraxis" im Mittelpunkt, rücken die Akteure selbst als handelnde Subjekte in das Zentrum des Interesses: "Die adligen Rittergutsbesitzer und ihre Familien, ihre Standesgenossen, ihre Amtsträger, ihre Zuträger sowie natürlich ihre namentlich identifizierbaren Untertanen". Im vorliegenden Fall widmet sich die Autorin dem Reichspfennigmeister, Hofmarschall und Geheimen Rat Christoph von Loß (1574-1620). Zunächst folgen einer Auslotung des Gestaltungsrahmens des Landadels Kursachsens um 1600 biographische Annäherungen, die sich mit der Familie, den Aktivitäten, der Heiratspolitik, der Ausbildung und dem Bildungsprogramm der Familie Loß und des Protagonisten selbst befassen. Alsdann nimmt die Autorin die Nutzung des Schleinitzer Rittersitzes durch Christoph von Loß in den Blick, der sowohl als Ort adliger Repräsentation diente als auch Existenzgrundlage der Familie war, auch wenn die Einnahmen aus den Ämtern bei Hofe und im Reich als sehr hoch zu veranschlagen sind und teilweise beträchtlich über den Einkünften aus dem Rittergut lagen. Resümierend stellt Schattkowsky fest, daß Christoph von Loß zwar als Angehöriger der politischen Führungsschicht kein typischer Vertreter des kursächsischen Landadels war, aber sein Kultur- und Bildungsanspruch, sein wirtschaftliches Engagement und seine konfessionelle Prägung keineswegs singulär waren.

"Adlige Wirtschaften auf dem Land" sind das Thema des Beitrags des Herausgebers Kurt Andermann, der die "ökonomischen Grundlagen der Ritterschaft in der frühen Neuzeit" untersucht (S. 167-190). Auch Andermann geht es darum, ein Klischee zu entkräften, nämlich die Vorstellung adligen Wirtschaftens als genereller Mißwirtschaft., und er wirbt für eine differenzierte Sicht auf die adlige Ökonomie, plädiert dabei für eine wenngleich mühsame Grundlagenforschung, die sich zwar durch Aktenberge und Rechnungsserien durchzukämpfen habe, aber dafür mit dem Gewinn neuer Horizonte aufwarten könne. Als eingehendes Beispiel bedient sich Andermann der sog. Adelsheimer Brüderteilung von 1690: Nach dem Tod des Vaters erhielten die Söhne verschiedene Anteile aus dem väterlichen Besitz mit der ersten Konsequenz, daß "aus einer konsolidierten und ein standesgemäßes Leben ermöglichenden Herrschaft [...] drei kleine Herschaften [wurden], deren Inhaber unausweichlich darauf angewiesen waren, sich in Diensten [...] ein Zubrot zu verdienen", ohne daß wirtschaftliches Unvermögen für diese Notwendigkeit als ursächlich anzugeben wäre. Generell gilt, daß zugeteilte Güterkomplexe von höchst unterschiedlichem Gewicht sein konnten. Die Erträge aus obrigkeitlichen Rechten waren zudem relativ gering und unter wirtschaftlichen Aspekten nur von nachgeordneter Bedeutung. Der Anteil der beständigen Gefälle schließlich war wesentlich niedriger als derjenige der unbeständigen Gefälle, die zudem ganz überwiegend in Naturalien entrichtet wurden. Andermann macht auch deutlich, daß die herrschaftlichen Eigenwirtschaften derart klein dimensioniert sein konnten, daß sie häufig nicht einmal zur Selbstversorgung reichten. Diesen allgemeinen Aussagen stellt Andermann detaillierte Untersuchungen von Jahresrechnungen am Beispiel der Herrschaften Mentzingen und Gemmingen gegenüber, deren Einnahmen und Ausgaben auch tabellarisch aufbereitet sind. Es zeigt sich, daß neben denjenigen, die ohne Einfluß auf ihr wirtschaftliches Unvermögen waren, auch Beispiele hoher wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit beizubringen sind. Gleichwohl redet Andermann keineswegs einer den jeweiligen Umständen geschuldeten Wirtschaftsweise das Wort: Erfolg und Mißerfolg seien auch im Adel gleichmäßig verteilt gewesen. So kann der Autor mit einem Zitat Eckart Conzes schließen, "sich dem Adel nicht mit festgefügten Interpretationsmodellen zu nähern, [...] um so zu neuen Erkenntnissen jenseits der alten Urteile und vielleicht auch zu neuen Antworten auf alte Fragen zu gelangen."

Der letzte Beitrag des Bandes von Christoph Schmieder gilt dem "Musikbaron" Franz Friedrich Böcklin von Böcklinsau (1745-1813) (S. 191-209). Schmieders Ansatzpunkt sind divergierende Urteile über Böcklin und das Interesse an der Musikgeschichte der südlichen Oberrheinregion im 18. Jahrhundert: Böcklins "Beyträge zur Geschichte der Musik", gedruckt zu Freiburg 1790, ermöglichen eine "Momentaufnahme des Musiklebens zwischen Straßburg und Freiburg in der Dämmerung des Alten Reiches". Schmieder behandelt die Lebensgeschichte des Barons, seinen musikalischen Werdegang und seine Kompositionen und sein Schaffen als Musikhistoriker und -theoretiker. Auf die "Musik an Rittersitzen des 18. Jahrhunderts" kann der Beitrag aber allenfalls nur Schlaglichter werfen, was der Autor auch unumwunden zugibt: Die ritterschaftliche Musikpraxis sei noch weitgehend unerforscht. Andererseits könne festgestellt werden, daß "nach einem letzten Höhepunkt der höfischen Musikkultur, die im 18. Jahrhundert in verkleinertem, dadurch unter Umständen fast absurd wirkendem Maßstab auch vom Niederadel übernommen worden war [...] [es] im Gefolge der Mediatisierung recht rasch zum Ende der Musik als Repräsentationsinstrument und Statussymbol [gekommen sei] [...] die Ritter – zumindest musikalisch – verbürgerlicht" sind. Böcklin selbst sei als Musiker und Komponist ein verschrobener Dilettant im allerdings ursprünglichen Sinn des Wortes gewesen, wobei seine musiktheoretischen Ausführungen aber von weit höherer Bedeutung als seine Kompositionen waren. Für die Musikgeschichte seien jedoch seine "Beobachtungen zur Musikpraxis in den Städten, Klöstern und an Adelssitzen im Breisgau, im Elsaß und in der Ortenau" wesentlich. Aber Böcklin habe auch nicht viel mehr sein könne als "ein ambitionierter Laie", weil er als Rittergutsbesitzer in seinem Leben andere Schwerpunkte hat setzen müssen, auch wenn sich seine Interessen von denjenigen seiner Standesgenossen erheblich unterschieden. – Man kann sich der Hoffnung des Herausgebers auf Fortsetzung der Kraichtaler Kolloquien nur anschließen.

Jan Hirschbiegel

Die MRK sind, bei aller Liebe zu Kiel, kein schleswig-holsteinisches Lokalblatt. Aber Ständegeschichte, der "institutionalisierte Dualismus" (Peter Moraw) muß uns interessieren. Deshalb haben wir die folgende Rezension aufgenommen. Daß es ein kritischer Text ist, machte die Entscheidung nicht leichter. Aber wir dürfen nicht nur loben, bei aller Ermutigung, die wir stets und auch hier aussprechen wollen. W.P.

 

Fuhrmann, Kai: Die Ritterschaft als politische Korporation in den Herzogtümern Schleswig und Holstein von 1460 bis 1721, Kiel 2002 (Geschichte der Schleswig-Holsteinischen Ritterschaft, hg. von der Fortwährenden Deputation der Schleswig-Holsteinischen Prälaten und Ritterschaft, 2) [Verlag Ludwig, 448 S., farb. und sw-Abb., 47 Euro].

 

Das hier zu besprechende Werk ist Bestandteil einer auf vier Bänden angelegten Gesamtdarstellung zur Geschichte der Schleswig-Holsteinischen Ritterschaft. Nachdem bereits 1966 Bd. 4 erschienen ist, der die Zeit von 1775 bis zu Gegenwart abhandelt, liegt jetzt nach längerer Bearbeitungszeit Bd. 2 dieses Projektes vor. Die Studie Kai Fuhrmanns (der laut Vorwort mehr oder minder große Unterstützung anderer Autoren erhalten hat, ohne daß deren Anteil im Inhaltsverzeichnis explizit ausgewiesen wurde) umfaßt jene gut anderthalb Jahrhunderte, die zweifellos die bedeutendste Phase in der Geschichte der Ritterschaft bilden. Wie im Vorwort zu lesen ist, und wie es auch der etwas sperrige Titel des Bandes ausweist, liegt der Schwerpunkt der Darstellung auf der politischen Geschichte. Das Werk soll "von der konstruktiven Teilhabe an der Macht, aber auch den Grenzen und der Zurückdrängung ständischer Mitregierung vor dem Hintergrund des absolutistischen Machtanspruches seitens der Krone im werdenden dänisch-schleswig-holsteinischen Gesamtstaat" handeln (S. 5). Das Buch wendet sich dabei weniger an Wissenschaftler als vielmehr mit der "geschichtsgeneigte[n] Öffentlichkeit" (S. 6) an einen breiteren Leserkreis.

Der Herausgeberschaft entsprechend hält der Leser ein hervorragend ausgestattetes Buch in den Händen, das ein jedes bibliophile Herz höher schlagen läßt. Besonders bemerkenswert sind die vielfach in Farbe abgedruckten und hier oftmals zum ersten Mal publizierten qualitätvollen Fotos, die das Blättern im Buch gleichsam zu einem optischen Genuß werden lassen.

Wer sich nun dem Inhalt zuwendet und einen Blick ins Inhaltsverzeichnis wirft, wird überrascht feststellen, daß der Verfasser ungewöhnlicherweise auf eine Einleitung verzichtet. Der Leser erfährt mithin ebensowenig über die Quellen- und Literaturlage wie über den Forschungsstand, auch fehlt jede Erläuterung über Konzeption und Leitfaden der Darstellung – Vorwort und Gliederung sollen wohl für sich sprechen.

Der Autor geht demnach gleich in medias res. Der Chronologie folgend, behandelt er in sechs Kapiteln die Geschichte der Ritterschaft als der dominierenden Gruppe innerhalb der Ständeschaft von 1460 bis 1721, von der Herausbildung und Etablierung ständischer Machtteilhabe auf Grundlage der 1460 erteilten Privilegien bis zum Niedergang im Verlauf des 17. Jahrhunderts, als es den Landesherren in ihrem absolutistischen Machtanspruch gelang, die Privilegien der Stände zu beseitigen bzw. einzuschränken, so daß schließlich ab 1675 kein Landtag mehr einberufen wurde. Den Endpunkt des Werkes bildet der vergebliche Antrag der Ritterschaft auf eine Privilegienbestätigung und Landtagsausschreibung 1721 anläßlich ihrer Huldigung des dänischen König Friedrichs IV.

Zwei umfangreiche Exkurse komplettieren die Darstellung. Nicht recht einleuchten will dem Rez. dabei der – auch nirgends näher begründete – Einschub eines ausführlichen Exkurses (S. 109-140) über die Außenpolitik der Jahre 1522/23. Daß er laut Vorwort von einem anderen Autor (mit)verfaßt wurde, scheint auch zu erklären, warum vieles von dem hier Geschilderten bereits im Vorkapitel erscheint; es läßt sich sogar mitunter eine nahezu identische Wortwahl und der Gebrauch derselben Zitate (S. 88/117; 83/119, 88/119) feststellen. Ein Abgleichen der Texte hat offenkundig nicht stattgefunden. Überhaupt wäre es im Interesse des Lesers sinnvoller gewesen, auf diesen Exkurs zu verzichten und dessen wesentliche Informationen in die entsprechenden Abschnitte des vorangegangenen Kapitels einzugliedern. Der zweite Exkurs (S. 251-296) – auch dieser von einem anderen Autor – widmet sich dem architektonischen Wandel der Herrenhäuser und Gutshöfe im 16./17. Jahrhundert vom mittelalterlichen Rittersitz zu repräsentativen und funktionalen Gutsanlagen.

Ebenso erstaunlich und ebensowenig zur Nachahmung empfohlen wie das Fehlen einer Einleitung ist der Verzicht auf eine Gesamtzusammenfassung am Ende der Darstellung. Dies ist umso bedauerlicher, da auch nur wenige Kapitel eines Zwischenresümees für würdig befunden wurden. Dem Leser wird somit keine Möglichkeit gegeben, sich über die grundlegenden Aussagen des Werkes kurz zu informieren.

Dies ist jedoch nicht der einzige Grund, warum man das Buch, das man gespannt und neugierig aufgeschlagen hat, am Ende der Lektüre enttäuscht wieder zuschlägt. Die Tatsache, daß der Verfasser kaum etwas Neues bringt, sondern letztlich nur das bietet, was in dieser oder ähnlicher Form in den einschlägigen Darstellungen zur schleswig-holsteinischen Landesgeschichte zu lesen ist, wäre freilich allein noch nicht zu kritisieren, wenn der Autor es verstanden hätte, den Stoff stringent und systematisch aufzubereiten sowie das Thema anschaulich und lesbar zu präsentieren. Statt dessen aber breitet er sein Thema langatmig und sprachlich-stilistisch umständlich aus. Seitenweise wird schlicht Handbuchwissen wiedergegeben, wobei oftmals der Bezug zur Ritterschaft verlorengeht. Darüber hinaus verliert sich der Autor zu sehr in Einzelheiten, denen er ausführlich nachgeht und dabei letztlich die große Linie aus den Augen verliert – hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen. Auch die auffallenden, teilweise längeren Wiederholungen (neben den oben bereits angemerkten Ausführungen über Christian II. z.B. auch die nochmalige Wiedergabe des Wahlrechtsbestimungen des Ripener Privilegs S. 317ff.) sowie in den Text eingeschobene Exkurse und Abschweifungen (z.B. S. 323-330) erschweren die Lektüre und das Auffinden eines "roten Fadens". Insgesamt, so muß man leider resümierend feststellen, vermittelt die Lektüre das Bild eines inhaltlich wie sprachlich unzureichend konzipierten und durchgearbeiteten Textes.

Diesem Eindruck schließen sich Anmerkungen und Literaturverzeichnis an. Es ist sicherlich berechtigt, angesichts des angedachten Leserkreises auf einen aufwendigen wissenschaftlichen Anmerkungsapparat zu verzichten. Doch die hier gewählte Methode, hinter einem Literatur- bzw. Quellenzitat nur den Autorennamen ohne Kurztitel anzugeben (manche Zitate bleiben aber auch ohne Angaben), erscheint wenig praktikabel, zumal bei Autoren, die mehrere Publikationen zu einem Thema verfaßt haben bzw. bei Autoren gleichen Namens.

Auch das nach Sachthemen angelegte Literaturverzeichnis zeugt von mangelnder Sorgfalt. Zum einen ist es nicht auf dem neuesten Stand, da der Verfasser ein Freund älterer Literatur zu sein scheint. Mag dies für manchen Bereich tatsächlich dem Fehlen aktueller Literatur geschuldet sein, wäre es für den Benutzers hilfreicher gewesen, zumindest bei Handbüchern und allgemeinen Darstellungen (z.B. Erdmannsdörffer, Immich, Braubach) modernere und gängigere Werke aufzunehmen. Zum anderen kann auch die thematische Gliederung des Verzeichnisses (vier Themenblöcke) kaum überzeugen. Die Sachsystematik orientiert sich nur grob an den Kapiteln und ist wenig differenziert, somit nicht gerade benutzerfreundlich, zumal auch die Zuordnung der Werke mitunter einer eigenwilligen Logik folgt: So dürfte es sich z.B. dem Leser kaum erschließen, warum das "Biographische Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck" unter der Rubrik "Außenpolitik des 15. Jahrhunderts" steht. Erstaunlich sind auch die vielen Fehler in den Literaturangaben: einige Werke werden doppelt angeführt, bei anderen fehlen wiederum Teile des Titels, der Untertitel oder der Reihennamen. Daß der Autor überdies noch aus einer maschinenschriftlichen Dissertation zitiert und sie im Verzeichnis anführt (Bischoff, S. 327, S. 433), obwohl diese als gedruckte Fassung schon seit 1996 (!) in einer renommierten Reihe (Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holstein, Bd. 105) erschienen ist und somit leicht greifbar gewesen wäre, vermag angesichts der zahlreichen Mängel dann eigentlich auch nicht mehr zu überraschen.

Den Abschluß des Buches bildet ein gemeinsames Namens- und Ortsregister. Aber auch hier wären Fehler wie die doppelte Anführung des Schleswiger Bischofs von Ahlefeldt als "Gottschalk" bzw. "Gosche" oder "Lyders" bzw. "Lüders" Reventlow leicht zu vermeiden gewesen.

Alles in allem drängt sich angesichts der zahlreichen Nachlässigkeiten und Fehler der Eindruck auf, daß der Verfasser auf eine gründliche Endkorrektur offenbar keinen großen Wert gelegt hat.

Am Ende bleibt nur das ernüchternde Fazit, daß sich Ausstattung und Inhalt in ihrer Qualität bedauerlicherweise nicht entsprechen. Der Versuch, die Geschichte der Ritterschaft im Spätmittelalter und Frühneuzeit in einer Studie darzustellen, wie sie bislang noch nicht existierte, um somit einem Manko in der schleswig-holsteinischen Landesgeschichtsschreibung abzuhelfen, ist prinzipiell begrüßenswert. Doch die vorgelegte Darstellung kann aufgrund der angeführten Kritik nicht überzeugen. Die Möglichkeit, unter stärkerer und systematischerer Einbeziehung wirtschafts-, sozial-, kultur- (so wird z.B. auf die humanistischen Interessen eines Heinrich Rantzaus kaum näher eingegangen) sowie mentalitätsgeschichtlicher Aspekte ein prägnantes und lesbares facettenreiches Gesamtbild der Ritterschaft und ihrer Bedeutung in diesem Zeitraum zu präsentieren und damit tatsächlich über das hinauszugehen, was die bisherigen Darstellungen bieten, hat der Autor leider nicht genutzt. In der vorliegenden Form kann die Studie jedenfalls die landesgeschichtliche Literatur zu diesem Thema nicht ersetzen.

Einzigartig aber – darauf sei zum positiven Abschluß noch einmal hingewiesen – sind die hervorragenden Abbildungen. Sie lohnen einen Blick ins Buch!

Jörg Rathjen*

Neuerscheinungen

 

Adams, S.: Leicester and the court: essays on Elizabethan politics, Manchester 2002 (Politics, culture, and society in early modern Britain) [Manchester University Press, 432 S., Pb., 19,99 £, geb. 55 £].

Albrecht, U.: Le début de la Renaissance en Allemagne du Nord, in: L’invention de la Renaissance: la réception des formes "à l’antique" au début de la Renaissance. Actes du colloque tenu à Tours du 1er au 4 juin 1994, organisé par l’ Université de Tours, Centre National de la RechercheScientifique, Centre d’Etudes Supérieures de la Renaissance, hg. von Jean Guillaume, Paris 2003 (De architectura), S. 67-77.

Alford, S.: Kingship and politics in the reign of Edward VI, Cambridge u.a. 2002 [Cambridge University Press, 248 S., geb., 4 Tab., 40 £].

Altfahrt, M.: Ferdinand der Erste (1503-1564) – Ein Kaiser an der Wende zur Neuzeit, Wien 2003 (Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs. Reihe B: Ausstellungskataloge, 67) [Wiener Stadt- und Landesarchiv, 33 S., kart., sw-Abb.].

Alvar Ezquerra, A.: Isabel la Católica. Una reina vencedora, una mujer derrotada, Madrid 2002 [Temas de Hoy, 340 S., 16,44 Euro].

Ansbacher, W.: Das Bistum Augsburg in barockem Aufbruch. Kirchliche Erneuerung unter Fürstbischof Johann Christoph von Freyberg (1665-1690), Augsburg 2001 (Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte. Sonderreihe, 6) [Sankt-Ulrich-Verlag, 408 S., Ill., 20 Euro].

Aram, B.: Governing a queen. Juana "the Mad" and royal authority in early Habsburg Spain, Diss. Univ. Baltimore 2000 [Mikrofiche-Ausg.].

Autrand, F.: Le Jour de l’An 1415 à la cour du duc de Berry, in: Bulletin de la Société nationale des antiquitaires de France (1999) S. 275-288.

Bailly, M. C. Le: Recht voor de Raad. Rechtspraak voor het hof van Holland, Zeeland en West-Friesland in het midden van de 15e eeuw, Diss. Univ. Leiden 2001 (Prof. W. Blockmans).

Les bains privés au moyen âge et à la renaissance, Paris 2001 (Bulletin Monumental 159,1), siehe: Crépin-Leblond, De Jonge, Henrion, Mesqui u.a.

Barbero, A.: Il ducato di Savoia: amministrazione e corte di uno stato franco-italiano (1416-1536), Rom u.a. 2002 (Quadrante Laterza, 118) [Laterza, 359 S., Pb., 25 Euro].

Bastress-Dukehart, E.: The Zimmern chronicle: nobility, memory and self-representation in sixteenth-century Germany, Aldershot u.a. 2002 [Ashgate, 232 S., geb., 13 Abb., 40 £].

Baumann, J.: Grenzen und Grenzsteine des Fürstbistums Basel. Wanderungen entlang der Grenzen des ehemaligen Fürstbistums Basel, Basel 2001 (Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel-Landschaft, 76) [Verlag des Kantons Basel-Landschaft, 155 S., geb., Ill., 33 Euro].

Bellany, A.: The Politics of Court Scandal in Early Modern England. News Culture and the Overbury Affair, 1603-1660, Cambridge 2002 (Cambridge Studies in Early Modern British History, 17) [Cambridge University Press, 312 S., geb., Ill., 45 £].

Benz, S.: Zwischen Tradition und Kritik. Katholische Geschichtsschreibung im Heiligen Römischen Reich, Husum 2003 (Historische Studien, 473) [Matthiesen Verlag, geb., 794 S., 98 Euro].

Berger, E.: Historische Gärten Österreichs. Garten- und Parkanlagen von der Renaissance bis um 1930, Bd. 3: Wien, Wien 2003 [Böhlau, 592 S., geb., 411 sw-Abb., 89 Euro].

Bergstedt, C.: Herzog Albrecht I. von Sachsen im Kampf um Nordelbingen [Miszelle] , in: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 128 (2003) S. 213-220.

Best, W.: Die Fürstenlogen von Saarbrücken. Zur Geschichte der Freimaurerei in Nassau-Saarbrücken, Walsheim 2000 (Monographien zur Kunst- und Kulturgeschichte der Saarregion, 10) [Ed. Europa, 44 S., Pb., Ill., 7,67 Euro].

Biskup, M./Janosz-Biskupowa, I.: Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter, Tl. 1: 1236-1449, hg. von U. Arnold, Marburg 2003 (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens, 50; Veröffentlichungen der Internationalen Historischen Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens, 10) [Elwert, 488 S., Pb., 40 Euro].

Bleidiessel, H.: Die "Thüringische Weltchronik" des Johannes Rothe. Zeitgeschichtsschreibung eines Landes um 1400, ungedr. Staatsexamensarbeit Univ. Kiel (Prof. Gerhard Fouquet) 2003.

Blockmans, W.: Emperor Charles V: 1500-1558, London 2002 [Arnold, 193 S., kart., 14.99 £].

Boeselager, D. von: Capella Clementina. Kurfürst Clemens August und die Krönung Kaiser Karls VII., Köln 2001 (Studien zum Kölner Dom, 8) [Verlag Kölner Dom, 476 S., Ln., 256 Abb., 102 Euro].

Bohn, T.: Gräfin Mechthild von Sayn (1200/03-1285). Eine Studie zur rheinischen Geschichte und Kultur, Köln 2002 (Rheinisches Archiv, 140) [Böhlau, 721 S. Pb., 7 sw-Abb., 1 Faltkarte, 69 Euro].

Boogaart, L. J. H.: "O series summe rata". De motetten van Guillaume de Machaut. De orddening van het corpus en de samenhang van tekst en muziek, Diss. Univ. Utrecht 2001 (K. Vellekoop).

Boquillon, F.: Les chanoinesses de Remiremont (1566-1790). Contribution à l’histoire de la noblesse dans l’Église Remiremont, Remiremont 2000 (Société d’Histoire locale de Remiremont et de sa région) [328 S., kart., Ill, 235 FF].

Los Borbones. Dinastía y memoria de nación en la España del siglo XVIII (actas del coloquio internacional celebrado en Madrid, mayo de 2000), hg. von P. Fernández Albaladejo, Madrid 2002.

I Borgia. Roma, Fondazione Memmo, 3 ottobre 2002-23 febbraio 2003 (Ausstellungskatalog), hg. von C. Garbagna, Mailand 2002 [Electa]. – Zur Ausstellung siehe oben S. *.

Borchardt-Wenzel, A.: Die Frauen am badischen Hof. Gefährtinnen der Großherzöge zwischen Liebe, Pflicht und Intrigen, Gernsbach 2001 [Katz, 388 S., kart., 25 Abb., graph. Darst., 12,90 Euro].

Boureau, A.: Le simple corps du roi: l’impossible sacralité des souverains français, XVe-XVIIIe siècle, Paris 2000 (Essais et documents) [Ed. de Paris, 168 S., brosch., 14 Euro].

Bredekamp, H.: Florentiner Fußball. Die Renaissance der Spiele, Berlin 2001 (Wagenbachs Taschenbücherei, 397) [Wagenbach, Pb., 240 S., zahlr. Abb., 12,90 Euro].

Das Briefbuch des Ritters Friedrich Rüdt von Bödigheim († 1481). Urkundenregesten 1323-1478, bearb. von K. Andermann, Neustadt/Aisch 2002 (Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte, Reihe 3: Fränkische Urkundenbücher und Regestenwerke, 8) [Degener, 180 S., geb., 25 Euro].

Burgen und Schlösser in Sachsen Anhalt 11 (2002).

Aus dem Inhalt:

Lemmer, M.: Burgen, Burgherren und mittelalterliche Literatur (III), S. 8-28; Kóčka-Krenz, H.: Palatium und Kapelle von Ostrów Tumski. Auf den Spuren der Königsburg des 10. Jahrhunderts auf der Dominsel von Poznań, S. 29-40; Fiedler, U.: Eine Ausgrabung im Hof des Hinterschlosses von Annaburg (ehem. Lochau), Ldkr. Wittenberg, S. 41-71; Schlegel, A./Winkler, L.: Zur Baugeschichte der einstigen Kloster- und Gutsanlage in Zscheiplitz, S. 72-113; Walther, B.: Möglichkeiten und Grenzen von Bauaufnahmen und zerstörungsfreier Befunduntersuchung am Beispiel der Wasserburg Etzoldshain, S. 114-130; Mechel, S./Schmitt, R.: Zur Baugeschichte des sog. "Gotischen Hauses" in Burgheßler, Burgenlandkreis, S. 131-154; Schmitt, R.: Zur Baugeschichte des Schlosses (Amtshauses) in Klein Rosenburg, Ldkr. Schönebeck, S. 155-194; Schmitt, R.: Burg Arnstein, Ldkr. Mansfelder Land. Ein Nachtrag, S. 195-198; Schmitt, R.: Die mittelalterliche Burg in Zeitz und Kloster Bosau bei Zeitz. Ein Nachtrag, S. 199-216; Schwarzberg, H.: Zu Geschichte und baulicher Entwicklung von Schloß Friedburg im Mansfelder Land, S. 217-238; Heyder, F./Platte, S./Siegel, U./Thiel, M.: Historische Bauforschung am Schloß Pretsch/Elbe, S. 239-273; Hofestädt, B.: Schloß Seeburg im Jahre 1575. Ein Aktenstück belegt die Baulichkeiten und deren Inventar – Nickel Hoffmann und Christoph Lorenz begutachten den Zustand der Gebäude, S. 274-302; Säckl, J.: Residenzen und herrschaftliche Plätze der Administratoren und Herzöge von Sachsen-Zeitz 1653/1657-1717/18, S. 303-347; Roch-Lemmer, I.: Die Schleifung der Festung Mansfeld in den Jahren 1674/75, S. 348-367; Titze, M.: Neue Forschungen zum Vorwerk Bleesern, Ldkr. Wittenberg, S. 368-383; Hildebrand, S.: Die Komturei Langeln, Ldkr. Wernigerode, S. 384-392; Sussman, M. und C.: Denkmalgerechte Sanierung und Nutzung eines spätmittelalterlichen Turmes der Magdeburger Stadtbefestigung, S. 393-407.

Caron, M.-T.: Les voeux du Faisan, noblesse en fête, esprit de croisade. Le manuscrit français 11594 de la Bibliothèque Nationale de France, Turnhout 2003 (Burgundica, 7) [Brepols, 427 S., 9 Abb, Pb., 73 Euro].

Carqué, B.: Stil und Erinnerung. Französische Hofkunst im Jahrhundert Karls V. und im Zeitalter ihrer Deutung, Göttingen 2003 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 192) [Vandenhoeck & Ruprecht, 320 S. , Ln., 150 Abb., 46,90 Euro].

Cauchies, J.-M.: Philippe le Beau. Le dernier duc de Bourgogne, Turnhout 2003 [Brepols, 306 S., Pb., 59 Euro].

Cawsey, S. F.: Royal eloquence, royal propaganda and the use of the sermon in the medieval crown of Aragon, c. 120-1400, in: Journal of Ecclesiastical History 50 (1990) S. 442-463.

Cawsey, S. F.: King Pedro IV of Aragon, royal propaganda and the tradition of royal speech-writing, in: Journal of Medieval History 25 (1999) S. 357-372.

Le Château et la Ville. Conjonction, Opposition, Juxtaposition (XIe-XVIIIe siècle), hg. von G. Blieck, P. Contamine, N. Faucherre und J. Mesqui, Paris 2002 [Éditions du CTHS, 421 S., Ill., 40 Euro].

Aus dem Inhalt:

I. VILLE et château au Moyen Âge – Contamine, P.: Ville et château au Moyen Âge. Introduction historique, S. 9ff.; Baudy, M.-P.: Les fortifications de la ville, du château royal et de l’abbaye de Saint-Maixent, S. 21ff.; Corvisier, C.: Le château de Brest, le château de Saint-Malo et les Quiqu’engrogne des ducs de Bretagne, S. 33ff.; Rivaud, D.: Le pouvoir militaire dans la ville de Poitiers (1450-1560). Enjeux, responsabilités et structures défensives, S. 57ff.; Mengus, N.: Armement et arsenaux dans les châteaux forts alsaciens (XIIe-XVIe siècle). Premier essai de synthèse, S. 75ff.; Blieck, G.: Le château royal de Lille sous le règne du duc de Bourgogne Philippe le Hardi (1384-1404), S. 89ff.; Salamagne, A.: Un château transformé en citadelle. Le Château-le-Comte à Valenciennes, S. 133ff.; Meulemeester, J. de/Henrotay, D./Mignot, P.: Le château et la ville. Quelques exemples des anciens Pays-Bas méridionaux (des origines au XVIIe siècle), S. 147ff.; Waha, M. de: De la collaboration à la confrontation. Enceintes urbaines et châteaux princiers dans les villes des anciens Pays-Bas, S. 159ff.; Duguy, C./Perrin, A.: Villes et châteaux dans la baronnie de La Tour-du-Pin en Dauphiné (XIe-XVIe siècle), S. 179ff.

II. LA CITADELLE CLASSIQUE – Bragard, P./Faucherre, N.: La citadelle, expression de l’âge classique, S. 201ff.; Dury, C.: La citadelle d’Henri VIII, roi d’Angleterre, à Tournai (XIe-XVIIe siècle), S. 209ff.; Parisel, R.: Mutation du réduit défensif en Flandre, Artois et Cambrésis sous le règne de Charles Quint, S. 225ff.; Heuvel, C. van den: Les citadelles espagnoles et hollandaises des anciens Pays-Bas (1566-1625), S. 245ff.; Faucherre, N.: La citadelle de la Contre-Réforme, instrument du contrôle des consciences? Le cas de Pont-Saint-Esprit, S. 259ff.; Vigano, M.: Du château-palais de la Renaissance à la citadelle espagnole et autrichienne. Le Castello Sforzesco de Milan (XVIe-XVIIIe siècle), S. 279ff.; Dufour, L.: Du château à la citadelle. La transformation des châteaux siciliens et la construction de la citadelle de Messine, S. 291ff.; Bragard, P.: La citadelle de Cambrai et les ingénieurs des fortifications aux XVIe et XVIIe siècles, S. 305ff.; Laleman, M.-C.: Le castrum novum de Gand (Belgique), S. 335ff.

III. DILUTION ET DÉMOLITION – Faucherre, N.: La mort des citadelles, S. 357ff.; Leloup, D.: Nantes, le château et la trace profonde de la ville close, S. 359ff.; Sautai-Dossin, A.-V.: Dijon, le débastionnement du château des gendarmes à travers la presse et les publications locales et régionales, S. 369ff.; Elter, R.: La citadelle de Nancy. Impact urbain et traces actuelles, S. 385ff.; Gresset, M.: Besançon et sa citadelle, S. 413ff.

Château et ville. Actes des Rencontres d’Archéologie et d’Histoire en Périgord les 28, 29 et 30 septembre 2001, hg. von A.-M. Cocula und M. Combet, Paris 2002 (Ausonius publications. Scripta varia, 6) [Boccard, 320 S., 68 Abb., 30 Euro].

Château Gaillard 20 (2002).

Aus dem Inhalt:

Meyer, W.: Siedlungsentwicklung, Burgenbau und Herrschaftsbildung im oberen Aareraum – Einführungsreferat zum Exkursionsgebiet Château Gaillard 20; Avent, R.: The late twelfth century gatehouse at Chepstow Castles, mommouthshire, Wales; Beuchet, L.: Un exemple de résidence seigneuriale bretonne au XVe siècle, le logis du château du Guildo (Côtes d’Armor); Biller, T.: Der Crac des Chevaliers – neue Forschungen; Meulemeester, J. de, Henrotay, D., Mignot, P.: Le château comme résidence et centre de pouvoir: quelques exemples de l’espace belge; Drake, K.: Wo hat der König von Schweden im Mittelalter gewohnt; Durdik, T.: Ministerialenhaus der Burg Křivoklát [Pürglitz] – Pompejanische Sonde in den Alltag einer böhmischen Burg; Early, R.: Château de Mayenne: les témoins archéologiques de l’évolution d’un centre de pouvoir entre le Xe et le XIIe siècles; Flambard Héricher, A.-M.: Bretoncelles; Friedhoff, J.: Lechenich und die Godesburg. Zwei spätmittelalterliche Residenzburgen der Erzbischöfe von Köln; Gutscher, D.: Burgenforschung im Kanton Bern – Neue Wege der Konservierung; Jantzen, C., Olsen, R., Mourids, N.: Gyldenstjerne, the owner of Aagaard and his house; Krause, G.: Neue archäologische Erkenntnisse zur Duisburger Königspfalz; Manning, C.: Low-levelroofs in Irish great towers; Marshall, P.: The ceremonial Function of the Donjon in the Twelfth Century; McNeill, T. E.: Dunineny castle and the Gaelic view of castle building; Meckseper, C.: Raumdifferenzierungen im hochmittelalterlichen Burgenbau Mitteleuropas; Asingh, P., Engsberg, N.: The castles on Hjelm Island – a Nest of Outlaws; O’Conor, K.: Motte Castles in Ireland: Permanent Fortresses, Residences and Manorial Centres; Oram, R. D.: Prelatical Buiders; Lordly symbolism in episcopal and monastic residences in Scotland c. 1124-c. 1500; Orsel, E. D.: Schloß Assumburg bei Heemskerk: Mittelalterliche Symbolik in der Neuzeit; Poklewski-Koziell, T.: La résidence royale à Kalisz en Pologne (XIVe-XVe siècles); Racinet, P., Droin, L.: De la résidence carolingienne à la motte: le complexe castral et prioral de Boves (Somme, France) des IXe-Xe siècles aux XIIe-XIIIe siècles; Reisnert, A.: Changes within Scanian castle planning between the medieval period and the renaissance; Renoux, A.: Château et pouvoir dans le conté de Maine: Mayenne du dernier tiers du IXe au début du XIIe siècle; Uotila, K., Laukko, M.: Living in luxurious manor in the gate to wilderness; Vannini, G., Tonghini, C., Vanni, D. A.: "Medieval" Petra and the crusader-Islamic frontier, Archeological Mission of the University of Florence; Dollen, B. von der: Das Europäische Burgeninstitut (EBI); Zettler, A.: Burg und Erzbergbau im Schwarzwald – Das Beispiel der Birkenburg bei St. Ulrich; Zimmer, J.: Die Burg Vianden. Ein Repräsentationsbau des 12. und 13. Jahrhunderts.

Cladders, B.: Französische Venedig-Reisen im 16. und 17. Jahrhundert. Wandlungen des Venedig-Bildes und der Reisebeschreibung, Genf 2002 (Kölner romanistische Arbeiten. NF 82) [Droz, 308 S., 45 Euro].

Coasta Gomes, R.: The making of a court society. Kings and nobles in late medieval Portugal, Cambridge 2003 [Cambridge University Press, 482 S., 12 fig., 5 maps, 55 £].

Conermann, K.: Fürst Ludwig von Anhalt-Köthen. 1579-1650, Köthen 2002 (Veröffentlichungen des historischen Museums für Mittelanhalt, 25 )[Kulturstätten des Landkreises Köthen, 56 S., geb., Ill.].

Coulson, C.: Castles in medieval society. Fortresses in England, France, and Ireland in the Central Middle Ages, Oxford 2003 [Oxford University Press, 440 S., geb., 60 £].

Cramsie, J.: Kingship and crown finance under James VI and I 1603-1625, Woodbridge 2002 (Royal Historical Society studies in history : New series ; 28) [Royal Historical Society/Boydell Press, 256 S., geb., 45.00£]. – Oben S. * findet sich eine Ankündigung zu einem Kolloquium zu James VI.

Crépin-Leblond, T.: L’appartement des bains du connétable de Montmorency au château d’Écouen, in: Bulletin Monumental 159,1 (2001) [Les bains privés au moyen âge et à la renaissance] S. 91ff.

Crisciani, C.: Il papa e l’alchimia. Felice V, Guglielmo Fabri e l’elixir, Rom 2002 (La corte dei papi, 10) [Viella, 218 S., brosch., 19 Euro].

Csendes, P.: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht, Darmstadt 2003 [Primus, 256 S., geb., Ill., 29,90 Euro].

Damen, M.: Linking Court and Counties. The Governors and Stadhoulders of Holland and Zeeland in the Fifteenth Century, in: Francia 29,1 (2002) S. 257-268.

Deforge, O.: "La Buffette", une résidence patricienne de XIIe et XIIIe siècles, in: Bulletin Monumental 160,1 (2002) [Les Demeures urbaines patriciennes et aristocratiques (XIIe-XIVe siècles)] S. 27ff.

De Jonge, K.: Estuves et baingneries dans les résidences flamandes des ducs de Bourgogne, in: Bulletin Monumental 159,1 (2001) [Les bains privés au moyen âge et à la renaissance] S. 63-76.

Les Demeures urbaines patriciennes et aristocratiques (XIIe-XIVe siècles), Paris 2002 (Bulletin Monumental 160,1), siehe: Deforge, Werlé u.a.

Demurger, A.: Die Ritter des Herrn, München 2003 [Beck, 416 S., Ln., 26,90 Euro].

Zwischen Deutschland und Frankreich. Elisabeth von Lothringen, Gräfin von Nassau-Saarbrücken, hg. von W. Haubrichs und H. W. Herrmann unter Mitarb. von G. Sauder, St. Ingbert 2002 (Veröffentlichungen der Kommission für saarländische Landesgeschichte und Volksforschung, 34) [Röhrig Universitätsverlag, 702 S., geb., 18 farb. und 54 sw-Abb., 56 Eur].

Dolfo, F.: Lettere ai Gonzaga, hg. von M. Minutelli, Rom 2002 (Studi e testi del Rinascimento europeo, 14) [Ed. di Storia e Letteratura, 626 S., 79 Euro].

Domenichelli, M.: Cavaliere e gentiluomo. Saggio sulla cultura aristocratica in Europa 1513-1915, Rom 2002 (Biblioteca del Cinquecento, 105) [Bulzoni, 672 S., 35 Euro].

Dörr, H.: Grafen, Vögte, Ackerbürger. Neue Erkenntnisse zur Geschichte von Schloß, Amt und Stadt Babenhausen aus Urkunden des 16., 17. und 18. Jahrhunderts, Babenhausen 2002 (Babenhausen einst und jetzt, 30) [Heimat- und Geschichtsverein Babenhausen, 224 S.].

Dufay, B.: Un logis royal de Philibert de l’Orme construit au château de Beynes (Yvelines), in: Bulletin monumental 160 (2002) S. 275-297.

Dümler, C.: Die Neue Residenz in Bamberg. Bau- und Ausstattungsgeschichte der fürstbischöflichen Hofhaltung im Zeitalter der Renaissance und des Barock, Neustadt/Aisch 2001 (Veröffentlichung der Gesellschaft für fränkische Geschichte Würzburg e.V. Reihe 8, 3; Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Forschungen zur Kunst- und Kulturgeschichte, 7) [Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, 704 S., Pb., 160 Abb., 65 Euro].

Dümler, C.: Der Rosengarten der Neuen Residenz in Bamberg, Neustadt/Aisch 2002, 100 S., kart., 32 Abb., 12,80 Euro].

Eibl, E.-M.: Kaiser Friedrich III. (1440-1493) und die Wettiner. Aspekte des Verhältnisses Zentralgewalt – Fürsten in einer königsfernen Landschaft, in: Neues Archiv für Sächsische Geschichte 71 (2000) S. 27-51.

Eichberger, D.: Leben mit Kunst – Wirken durch Kunst. Sammelwesen und Hofkunst unter Margarete von Österreich, Regentin der Niederlande, Turnhout 2002 (Burgundica, 5) (Habil.-Schr. Univ. Saarbrücken) [Brepols, 527 S., hc., 99 Euro].

Elpers, B.: Regieren, Erziehen, Bewahren. Mütterliche Regentschaften im Hochmittelalter, Frankfurt am Main 2003 (Studien zur europäischen Rechtsgeschichte) [Klostermann, 400 S., Ln., 74 Euro].

Esmyol, A.: Geliebte oder Ehefrau? Konkubinen im frühen Mittelalter, Köln 2002 (Beihefte zum Archiv für Kulturgeschichte, 52) [Böhlau, 315 S., geb., 29,90 Euro].

Esteban Mateo, L.: Cultura y prehumanismo en la curia pontificia del Papa Luna (1394-1423), Valencia 2002 [Universidad de Valencia. Servicio de Publicaciones, 237 S., 9,50 Euro].

Les étrangers à la cour de Bourgogne: statut, identité, fonctions, in: Revue du Nord 84 (2002) S. 225-476.

Aus dem Inhalt:

Schnerb, B.: Avant-propos, S. 225-226; Alteroche, B. d’: L’évolution de la notion et du statut juridique de l’étranger à la fin du Moyen Âge (XIe-XVe siècle), S. 227-245; Paravicini, W.: La cour, une patrie? L’exemption du droit d’aubaine accordée par les ducs de Bourgogne aux officiers de leur hôtel (1444-1505), S. 247-294; Huesmann, J.: La procédure et le cérémonial de l’hospalité à la cour de Philippe le Bon, duc de Bourgogne, S. 295-317; Hablot, L.: Les signes de l’entente. Le rôle des divises et des ordres dans les relations diplomatiques entre les dues de Bourgogne et les princes étrangers de 1380 à 1477, S. 319-341; Savy, P.: À l’école de bourguignonne. Rodolfo Gonzaga à la cour de Bourgogne (1469-1470), S. 367-387; Fiala, D.: Les musiciens étrangers de la cour de Bourgogne à la fin du XVe siècle, S. 367-387; Sablon du Corail, A.: Les étrangers au service de Marie de Bourgogne: de l’armée de Charles le Téméraire à l’armée de Maximilien (1477-1482), S. 389-412; Cauchies, J.-M.: Les étrangers dans l’entourage politique de Philippe le Beau, S. 413-428; Castelnuovo, G.: Les étrangers du prince: cour, crédit et seigneurie en Savoie à la fin du Moyen Âge, S. 429-452; Kintzinger, M.: Servir deux princes. Les familiares étrangers au XVe siècle, S. 453-476.

États de la France. 1644-1789. La Musique: les institutions et les hommes, Paris 2003 (Recherches sur la musique française classique, 30) [Picard, 416 S., brosch., 53 Euro].

Ewert, U. C.: Die Itinerare der burgundischen Herzöge aus dem Hause Valois. Eine kliometrische Untersuchung zum Wandel von Itinerarstruktur und Herrschaftsform im Spätmittelalter, St. Katharinen 2003 (Studia Mediaevalia. Beiträge zur mittelalterlichen Geschichte, 1). [Scripta Mercaturae Verlag, 309 S., Pb., graph. Darst., 32 Euro].

Fegley, R.: The golden spurs of Kortrijk. How the knights of France fell to the foot soldiers of Flanders in 1302, Jefferson 2002 [McFarland, 252 S., Softcover, Ill., 35 $].

Fenlon, I.: Music and culture in late Renaissance Italy, Oxford 2002 [Oxford University Press, 320 S., 45 Abb., 1 fig., 86 Euro].

Fernández de Córdova Miralles, Á.: La corte de Isabel I. Ritos y ceremonias de una reina (1474-1504), Madrid 2002 [Dykinson, 460 S., 30 Euro].

Ferrières, M.: Histoire des peurs alimentaires, Paris 2002 [Seuil, 476 S., brosch., 25 Euro].

La fête et l’écriture. Théâtre de cour, cour-théâtre en Espagne et en Italie, 1450-1530. Colloque international France-Espagne-Italie, Aix-en-Provence, 6, 7, 8 décembre 1985, Aix-en-Provence 1987 (Etudes hispano-italiennes, 1) [Université de Provence, 362 S., 24 Euro]

Field, O.: The favourite. Sarah, Duchess of Marlborough, London 2002 [Hodder & Stoughton, 575 S., geb., 20 £].

Figeac, M.: L’automne des gentilshommes. Noblesse d’Aquitaine, noblesse française au Siècle des Lumières, Paris 2002 (Bibliothèque d’histoire moderne et contemporaine, 10) [Champion, 377 S., geb., 68 Euro].

Flori, J.: Philippe Auguste [1165-1223]. La naissance de l’État monarchique, Paris 2002 (La France au fil de ses rois) [Tallandier Historia, 159 S., geb., 24,60 Euro].

Fössel, A.: Politsche Handlungsspielräume der Königin im hochmittelalterlichen Reich, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 53 (2002) S. 650-664.

Functions and decorations. Art and ritual at the Vatican Palace in the Middle Ages and the Renaissance, hg. von T. Weddigen, S. De Blaauw und B. Kempers, Tagung: Rom, Niederländisches Institut, 3.-4.4.2000, Vatikanstadt/Turnhout 2003 (Capellae apostolicae sixtinaeque collectanea acta monumenta, 9; Collectanea, 5) [Biblioteca Apostolica Vaticana/Brepols, 420 S., Pb., 88 Euro].

Garnier, C.: Injurien und Satisfaktion. Zum Stellenwert rituellen Handelns in Ehrkonflikten des spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Adels, in: Zeitschrift für historische Forschung 29,4 (2002) S. 525-560.

Das Gebetbuch für Herzog Albrecht V., hg. von A. Fingernagel, komm. von V. Pirker-Aurenhammer, Graz 2002 (Codices Illuminati, 3) [Akademische Druck- und Verlagsanstalt, 91 S., Ln., Ill., 49 Euro/brosch., Ill., 29,80 Euro].

Gendt, A. M. E. A.: de: Stratégies éducatives pour nobles damoiselles: Le Livre du Chevalier de la Tour Landry, unveröff. Diss. Univ. Groningen 1999 (Prof. M. Gosman).

Gilman, E. B.: Recollecting the Arundel Circle. Discovering the Past, Recovering the Future, New York u.a. 2002 (Literature and the Visual Arts. New Foundations, 16) [Peter Lang, 182 S., geb., Ill., 58,50 Euro].

Göllmann, U.: Das Geld des Königs. Zu den finanziellen Beziehungen zwischen Krone und Adel in England 1154-1216, Frankfurt am Main u.a. 2002 (Gesellschaft, Kultur und Schrift. Mediävistische Beiträge, 11) [Peter Lang, 258 S., brosch., 40,40 Euro].

Gotthard, A.: Das alte Reich 1495-1806, Darmstadt 2003 [Wisssenschaftliche Buchgesellschaft, 184 S., kart., 14,90 Euro].

Grasberger, M.: Rechts- und Verfassungsgeschichte der Stadt Mosbach. Eine Untersuchung der verfassungsrechtlichen Entwicklung von den Anfängen bis zum Ende des alten Reiches, Mannheim 2002 [Institut für Landeskunde und Regionalforschung der Universität, 277 S., kart., Ill.].

Die Grenzen der Nationen. Identitätenwandel in Oberschlesien in der Neuzeit, hg. von Philipp Ther und Kai Struve, Marburg 2002 (Tagungen zur Ostmitteleuropa-Forschung, 15) [Herder-Institut Verlag, 324 S., 38 Euro].

Groten, M.: Unser lieber gnädiger Herr. Beobachtungen zum Herrschaftsverständnis Wilhelms V. von Jülich (gest. 1361), in: Rheinische Vierteljahresblätter 65 (2001) S. 197-221.

Grotte und Bad. Das Sommerhaus im Garten von Schloß Salaberg in Niederösterreich. Mit Beiträgen von B. Bacher, H. Hoffmann, P. König, U. König und W. Rosner, hg. von der Messerschmidt-Stiftung, Wien 2003 (Berichte zur Denkmalpflege, 8) [Böhlau, 216 S., geb., 110 farb. und 45 sw-Abb., 29,90 Euro].

Haan, C. de: Dichten in stijl. Duitse kleuring in Middelnederlandse teksten, Diss. Univ. Leiden 1999 (Prof. F. P. van Oostrom).

Habsburg und der Oberrhein. Gesellschaftlicher Wandel in einem historischen Raum, hg. von S. Durian-Ress und H. Smolinsky in Zusammenarbeit mit dem Alemannischen Institut Freiburg, Waldkirch 2002 [Waldkircher Verlag, 296 S., geb., 37 farb. und 25 sw-Abb., 29,80 Euro].

Ham, W. A. van: Macht en gezag in het Markiezaat. Een politiek-institutionele studie over Stad en Land van Bergen op Zoom, 1477-1583, Diss. Univ. Nijmegen 2000 (Prof. H. de Schepper).

Handbuch der Renaissance. Deutschland, Niederlande, Belgien, Österreich, hg. von A. Schunicht-Rawe und V. Lüpkes, Köln 2002 [DuMont, 544 S., brosch., zahlr farb. und sw-Abb., 29,90 Euro].

Harriehausen, K.: Die Entwicklung das Gottorfer Getreidehaushaltes in den ersten Regierungsjahren Herzog Friedrichs III. (ca. 1616 bis 1620) , in: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 128 (2003) S. 83-136.

Harris, B. J.: English aristocratic women 14450-1550: marriage and family, property and careers, New York u.a. 2002 [Oxford University Press, 360 S., Ill., geb., 55.00 £, Pb., 16,99 £].

Hausenblasová, J.: Der Hof Kaiser Rudolfs II. Eine Edition der Hofstaatsverzeichnisse 1576-1612, Prag 2002 (Fontes historiae Artium, 9) [Verlag Artefactum, 547 S., kart., Ill., graph. Darst., 29 Euro].

Hausenblasova, J.: Prag und der Habsburger Hof – Koexistenz und Distanz, in: Frühneuzeit-Info 13 (2002) S. 15-24.

Hegeler, B.: Sophie von Hannover – ein Fürstinnenleben im Barock, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 74 (2002) S. 147-188.

Heinrich der Löwe. Herrschaft und Repräsentation, hg. von J. Fried und O. G. Oexle, Stuttgart 2003 [Thorbecke, 488 S., Ln., 49 Euro].

Heinz, S./Schmid, W.: Grab und Dynastie. Zur Bildhauerei der Renaissance in geistlichen und weltlichen Residenzen an Mittelrhein, Saar und Mosel, in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch 63 (2002) S. 159-196.

Heller, I.: Europäische Goldschmiedearbeiten 1560-1860. Katalog zur Ausstellung im Couven-Museum Aachen, München 2003 [Hirmer, 336 S., Ln., 280 Abb., 65,50 Euro].

Henrion, F.: L’appartement des bains du château de Maulnes. Analyse archéologique des sols et des élévations, in: Bulletin Monumental 159,1 (2001) [Les bains privés au moyen âge et à la renaissance] S. 77ff.

Herz, R.: Die ,Reise ins Gelobte Land‘ Hans Tuchers des Älteren 1479-1480. Untersuchungen zur Überlieferung und kritische Edition eines spätmittelalterlichen Reiseberichts, Wiesbaden 2002 (Wissensliteratur im Mittelalter, 38) [Dr. Ludwig Reichert Verlag, 794 S.; 63 Euro].

Hijum, L. M. van: Grenzen aan Macht. Aspecten van politieke ideologie aan de hoven van Borgondische en Borgondisch-Habsburgse machthebbers, Diss. Univ. Groningen 1999 (Prof. A. J. Vanderjagt).

Hill, T.: Fürstliches Reisen in der frühen Neuzeit. Mit dem Hof unterwegs, in: Damals 10 (2002) S. 72-78.

Hiptmair, P./Kroker, M./Olbrich, H.: Zwischen Wallstraße und Altmarkt. Archäologie eines Altstadtquartiers in Dresden, hg. von J. Oexle, Dresden 2002 (Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte, 34) [Landesamt für Archäologie Sachsen, 256 S., Pb., 24,50 Euro].

Hirschbiegel, J.: Étrennes. Untersuchungen zum höfischen Geschenkverkehr im spätmittelalterlichen Frankreich der Zeit König Karls VI. (1380-1422), München 2002 (Pariser Historische Studien, 60) [Oldenbourg, 713 S., geb., Abb., zahlr. Tab. und Graphiken, 69,80 Euro].

Hofjuden. Ökonomie und Interkulturalität. Die jüdische Wirtschaftselite im 18. Jahrhundert, hg. von R. Ries, Hamburg 2002 (Hamburger Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden, 25) [Christians, 400 S., geb., 30 Euro].

L’homme armé en Europe, XIVe siècle-XVIe siècle, Paris 2002 (Cahiers d’études et de recherches du musée de l’Armée, 3) [Musée de l’Armé, 306 S., 15 Euro].

Aus dem Inhalt:

Contamine, P.: L’homme armé à la fin du Moyen Age. Des initiatives privées aux interventions publiques, S. 5-16; Contamine, P.: L’imaginaire de la guerre médiévale. Les noms propres des canons dans l’espace français au XVe et au début du XVIe siècle, S. 183-204; Godoy, J.: L’univers fantastiques dans les armures de Charles Quint, S. 217-228; Pastoureau, M.: Combattre en couleurs (XIVe-XVe siècles), S. 229-249; Pfaffenbichler, M.: L’industrie de l’armement en Allemagne (XVe XVIe siècle), S. 265-278.

Hoogvliet, M.: Mappae mundi: scriptura et pictura. Textes, images et herméneutiques des mappemondes du Moyen Âges (XIIIe-XVIe sieècles), Diss. Univ. Groningen 1999 (Prof. M. Gosman).

Hoppe, S.: Was ist Barock? Architektur und Städtebau Europas 1580-1770, Darmstadt 2003 [Primus, 252 S., geb., 300 sw- und farb. Abb., 39,90 Euro].

Hours, B.: Louis XV et sa cour. Le roi, l’étiquette et le courtisan. Essay historique, Paris 2002 (Le noeud gordien) [Presses Universitaire de France, 302 S., kart., graph. Darst.].

Hurlbut, J.: "Vive Bourgogne est nostre cry": Ceremonial Entries of Philip the Good and Charles the Bold (1419-1477), Turnhout 2002 [Brepols, 250 S., Pb., 53 Euro].

Igálffy von Igály, L.: Zum Begriff des kaiserlichen Dieners vom 15. bis zum 18. Jahrhundert, in: Der Herold 45 (2002) S. 202-203.

L’Invention de la Renaissance. La Réception des Formes "à l’antique" au début de la Renaissance. Colloque du centre d’études supérieures de la Renaissance de Tours, hg. von J. Guillaume, Paris 2003 [Picard, 224 S., brosch., 246 Abb., 46 Euro].

Aus dem Inhalt:

Howard, D.: San Michele in Isola: Re-Reading the Genesis of the Venetion Renaissance; Morresi, M.: Primo Rinascimento e tradizione romanica di organismi a quincunx: il caso di Santa Maria Nuova a Orciano di Pesaro; Howard, M.: All’antica Ornament: ist Use and Limitations in England (1520-1550); Albrecht, U.: Le début de la Renaissance en Allemagne du Nord; Chvidkovski, D.: La Renaissance et la tranformation de l’architecture russe à la fin du XVe siècle et dans le premier tiers du XVe siècle; Ceriana, M.: Agli inizi della decorazione architettonica all’antica a Venezia; Guillaume, J.: Le temps des expériences. La réception des formes "à l’antique" dans les premières années de la Renaissance française; Thomas, È.: L’orginalité des rinceaux français; Marias, F.: El ornato en el ambito del arzobispado de Toledo; Ceballos, R. de, Pereda, F.: Desarrollo de la ornamentacion y el capitel en Salamanca durante las primeras decadas del siglo XVI.

L’itinérance des seigneurs (XIVe-XVIe siècles), hg. von A. Paravicini Bagliani, E. Pibri und D. Reynard, Lausanne 2003 (Cahiers lausannois d’histoire médiévale, 34).

Aus dem Inhalt:

Caystelnuovo, G.: Humbert le Bâtard: un seigneur au service de son prince; Paravicini, W.: Seigneur par l’itinérance? Le cas du patricien Conrad de Scharnachtal; Glänzer, A.: Le pèlerinage immobile. Le codicille de Marie de Chalon, comtesse de Neuchâtel, 1448; Morerod, J.-D.: La force du vœu. Le pèlerinage à Jérusalem de Guillaume de Chalon et ses témoins (1453-1454); Sans, A.-L.: La rançon de Montereau. Comptes d’un voyage à Paris (1419-1420); Pibri, E.: A la recherche d’une épouse. Ambassades et voyages autour des fiançailles d’Annabelle d’Ecosse et de Louis de Savoie, comte de Genève (1444-1445); Sommé, M.: De Flandre en Navarre: le voyage d’Agnès de Clèves, nièce de Philippe le Bon et princesse de Navarre, en 1439; Andenmatten, B., Ripart, L.: Ultimes itinérances. Les sépultures des princes de la Maison de Savoie entre Moyen Age et Renaissance; Lazzarini, I.: L’itinérance des Gonzagues: contrôle du territoire et résidentialité princière (Mantoue, XIVe-XVe siècles); Senatore, F.: L’itinérance degli Aragonesi di Napoli; Guilleré, C.: Itinérance des princes et finances: l’exemple des comtes de Barcelone au début du XIVe siècle.

Die Jagiellonen. Kunst und Kultur einer europäischen Dynastie an der Wende zur Neuzeit, hg. von Dietmar Popp und Robert Suckale, Nürnberg 2002 (Wissenschaftliche Beibände zum Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums, 21) [Germanisches Nationalmuseum Abt. Vlg., 464 S., geb., ,308 sw- u. 29 farb. Abb., 50 Euro].

Kaiser Ferdinand I. Aspekte eines Herrscherlebens, hg. von M. Fuchs u.a., Münster 2003 (Geschichte in der Epoche Karls V.; 2) [Aschendorff, 320 S., kart., 34 Euro].

Kaiser Maximilian I. Bewahrer und Reformer (Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 2.8.2002 bis 31.10.2002 im Reichskammergerichtsmuseum Wetzlar), hg. von G. Schmidt-von Rhein, Ramstein 2002 [Paqué, 359 S., kart., 177 sw- und 52 farb. Abb., 35 Euro].

Keupp, J. U.: Dienst und Verdienst. Die Ministerialen Friedrich Barbarossas und Heinrichs VI., Stuttgart 2002 (Monographien zur Geschichte des Mittelalters, 48) [Hiersemann, 572 S., Ln., 20 Abb., 158 Euro].

Klingebiel, T.: Ein Stand für sich? Lokale Amtsträger in der Frühen Neuzeit: Untersuchungen zur Staatsbildung und Gesellschaftsentwicklung im Hochstift Hildesheim und im älteren Fürstentum Wolfenbüttel, Hannover 2002 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, 207) [Verlag Hahnsche Buchhandlung, 767 S., geb., 49 Euro].

Kock, J.: Höfische Kultur der Herzöge von Schleswig und Holstein im ausgehenden Mittelalter, ungedr. Staatsexamensarbeit Univ. Kiel (Prof. Gerhard Fouquet) 2003.

Kohler, A.: Ferdinand I. 1503-1564. Fürst, König und Kaiser, München 2003 [C. H. Beck, 370 S., geb., 29,90 Euro].

Kohn, R.: Der Wiener Stephansdom als "österreichisches Pantheon". Ein sensationeller Handschriftenfund im Oberösterreichischen Landesarchiv, in: Wiener Geschichtsblätter 56 (2001) S. 347-355.

König-Lein, S.: Figur des Nicholas Ferry, gen. Bébé, in: Wachsarbeiten des 16. bis 20. Jahrhunderts, hg. vom Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig. Autorinnen: J. Lessmann und S. König-Lein, Braunschweig 2002 (Sammlungskataloge des Herzog-Anton-Ulrich-Museums Braunschweig, 9).

Deutscher Königshof, Hoftag und Reichstag im späteren Mittelalter, hg. von P. Moraw, Stuttgart 2002 (Vorträge und Forschungen, 48) [Thorbecke, 613 S., kart., 70 Euro].

Aus dem Inhalt:

DER DEUTSCHE KÖNIGSHOF VOM 12. BIS ZUM 15. JAHRHUNDERT – Kölzer, T.: Der Hof Kaiser Barbarossas und die Reichsfürsten, S. 3ff.; Spiess, K.-H.: Der Hof Kaiser Barbarossas und die politische Landschaft am Mittelrhein, S. 49ff.; Moraw, P.: Über den Hof Kaiser Karls IV., S. 77ff.; Hlaváček, I.: Hof und Hofführung König Wenzels IV., S. 105ff.; Heinig, P.-J.: Der Hof Kaiser Friedrichs III. Außenwirkung und nach außen Wirkende, S. 137ff.; Krieger, K.-F.: Der Hof Kaiser Friedrichs III. Von außen gesehen, S. 163ff.; Schubert, E.: Erz- und Erbämter am hoch- und spätmittelalterlichen Königshof, S. 191ff.; Battenberg, F.: Die königlichen Hofrichter vom 13. bis 15. Jahrhundert, S. 239; Melville, G.: "Un bel office". Zum Heroldswesen in der spätmittelalterlichen Welt des Adels, der Höfe und der Fürsten, S. 291ff.; Schnell, R.: Hofliteratur und Hofkritik in Deutschland, S. 323ff.

HOFTAG UND REICHSTAG VOM 12. BIS ZUM 15. JAHRHUNDERT – Rösener, W.: Die Hoftage Kaiser Friedrichs I. Barbarossa im Regnum Teutonicum, S. 359ff.; Boshof, E.: Hof und Hoftag König Rudolfs von Habsburg, S. 387ff.; Schmid, A.: Die Hoftage Kaiser Ludwigs des Bayern, S. 417ff.; Hergemöller, B.-U.: Die "solempnis curia" als Element der Herrschaftsausübung in der Spätphase Karls IV. (1360 bis 1376), S. 451ff.; Helmrath, J.: "Geistlich und werntlich". Zur Beziehung von Konzilien und Reichsversammlung im 15. Jahrhundert, S. 477ff.; Seyboth, R.: Die Reichstage der 1480er Jahre, S. 519ff.; Isenmann, E.: Die Städte auf den Reichstagen im ausgehenden Mittelalter, S. 547ff.

ZUSAMMENFASSUNG – Ehlers, J./Schneidmüller, B.: Deutscher Königshof, Hoftag und Reichstag im späten Mittelalter, S. 581ff.

Körber, E.-B.: Habsburgs europäische Herrschaft. Von Karl V. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts, Darmstadt 2002 (Geschichte Kompakt Neuzeit) [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 160 S., kart., 14,90 Euro].

Kruse, H.: Der burgundische Hof als soziales Netz, in: Francia 29,1 (2002) S. 229-255.

Die Kunst des Steinschnitts. Prunkgefäße, Kameen und Commessi aus der Kunstkammer. Ausstellung im Kunsthistorischen Museum Wien vom 17. Dezember 2002 bis 27. April 2003, hg. von Wilfried Seipel, Mailand 2002 [Skira, 365 S., brosch., zahlr. Ill., 50 Euro]. – Zur Ausstellung siehe oben S. *.

Kurmann-Schwarz, B.: Die Sorge um die Memoria. Das Habsburger Grab in Königsfelden im Lichte seiner Bildausstattung, in: Kunst + Architektur in der Schweiz 50,4 (1999) S. 12-23.

Kurmann-Schwarz, B.: Datierung und Bedeutung von "Stifterbildern" in Glasmalereien, in: Nobilis Arte Manus. Festschrift zum 70. Geburtstag von Antje Middeldorf Kosegarten, hg. von B. Klein und H. Wolter-von dem Knesebeck, Dresden u.a. 2002, S. 228-242.

Larrayoz, F. S.: La Mesa del Rey. Cocina y régimen alimentario en la corte de Carlos III el Noble de Navarra (1411-1425), Pamplona 2002 [Institución Príncipe de Viana, 422 S., 15 Euro].

Lavanchy, L.: Écrire sa mort, décrire sa vie. Testaments de laïcs lausannois (1400-1450), Lausanne 2002 (Cahiers Lausannois d’Histoire Médiévale, 32).

Laverny, S. de: Les domestiques commensaux du roi de France au XVIIe siècle, Paris 2003 (Collecton Roland Mousnier) [Presses de l’Université Paris-Sorbonne, 560 S., 42 Euro].

Leitner, T.: Habsburgs goldene Bräute. Durch Mitgift zur Macht, München u.a. [Piper, 239 S., Tb., 9,90 Euro].

Lenz, M.: Konsens und Dissens. Deutsche Königswahl (1273-1349) und zeitgenössische Geschichtsschreibung (Diss. Univ. Gießen 1999), Göttingen 2002 (Formen der Erinnerung, 5) [Vandenhoeck & Ruprecht, 296 S., kart., 39 Euro].

Lewin, L.: Macht, Intrigen und Verbannung. Welfen und Romanows am russischen Zarenhof des 18. Jahrhunderts, Göttingen 2002 [Matrix Media Verlag, 253 S., Pb., 12 Abb., genealog. Tafel, 25 Euro].

In Liebe und Zorn. Briefe aus dem Mittelalter, ausgewählt, übertragen und eingeleitet von K. Arnold, Stuttgart 2002 [Thorbecke, 224 S., geb., 22,90 Euro].

Literatur und Macht im mittelalterlichen Thüringen, hg. von E. Hellgardt, S. Müller und P. Strohschneider, Köln u.a. 2002 [Böhlau, 204 S., geb., 5 sw-Abb., 29,90 Euro].

Aus dem Inhalt:

Müller, S.: Iring im Exil. Über einen Konstellationstyp der Heldensagentradition im Nibelungenlied, in der Nibelungenklage und im Biterolf und Dietleib, S. 1-30; Bruchhold, U.: Vom rituellen Vollzug zum Verständnis. Überlegungen zum Erfurter Judeneid, S. 31-44; Butz, R.: Herrschaft und Macht – Grundkomponenten eines Hofmodells? Überlegungen zur Funktion und zur Wirkungsweise früher Fürstenhöfe am Beispiel der Landgrafen von Thüringen aus dem ludowingischen Haus, S. 45-84; Strohschneider, P.: Fürst und Sänger. Zur Institutionalisierung höfiscehr Kunst, anläßlich von Walthers Thüringer Sangspruch 9,V [L. 20,4], S. 85-107; Lieb, L.: Erzählen am Hof. Was man aus einigen Metadiegesen in Wolframs von Eschenbach Parzival lernen kann, S. 109-125; Krass, A.: Die Ordnung des Hofes. Zu den Spruchstrophen des Tugendhaften Schreibers, S. 127-141; Wenzel, F.: Teuflisches Wissen. Strategien, Paradoxien und die Grenzen der Wissensvermittlung im Hort von der Astronomie, S. 143-163; Huber, C.: Die Ritterweihe Landgraf Ludwigs Iv. bei Johannes Rothe. Historiographischer Textbaustein und poetologische Aspekte, S. 165-177; Lähnemann, H.: Didaktische Verfahrensweisen im Ritterspiegel des Johannes Rothe, S. 179-190; Engleitner, C. H.: Das Alte Gutshaus zu Willershausen. Die Treusche von Buttlar im 17. und 18. Jahrhundert, S. 191-197.

Luh, P.: Der Allegorische Reichsadler von Conrad Celtis und Hans Burgkmair. Ein Werbeblatt für das Collegium poetarum et mathematicorum in Wien, Frankfurt am Main 2002 (Europäische Hochschulschriften. Reihe 28: Kunstgeschichte, 390) [Peter Lang, 118 S., brosch., zahlr. Abb., 23 Euro].

Lunizckova, P.: Der Aufenthalt des Wiener Hofes Kaiser Karls VI. in Böhmen und Mähren anläßlich der königlichen Krönung im Jahre 1723, in: Frühneuzeit-Info 13 (2002) S. 25-32.

Lupke-Niederich, N.: Struktur und Funktion der Habsburgischen Klientel im Südwesten des Reiches zur Zeit Karls V. und Ferdinand I. (Diss. Univ. Konstanz 1999), Konstanz 2001 [416 S. auf Mikrofiche, 49,90 Euro].

MacHardy, K. J.: War, religion and court patronage in Habsburg Austria: the social and cultural dimensions of political interaction, 1521-1622, Basingstoke 2003 [Palgrave Macmillan, 352 S., geb., Ill., graph. Darstellungen, 50 £].

Die Mainzer Kurfürsten des Hauses Schönborn als Reichserzkanzler und Landesherren, hg. von P. C. Hartmann, Frankfurt am Main u.a. 2002 (Mainzer Studien zur Neueren Geschichte, 10) [Lang, 256 S., Pb., zahlr. Abb., 40,40 Euro].

Malacarne, G.: Le feste del principe. Giochi, divertimenti, spettacoli a corte, Mantua 2002 (Il giardino delle Esperidi, 15) [Bulino, 294 S., Ill., 62 Euro].

Maral, A.: La chapelle royale de Versailles sous Louis XIV: céremonial, liturgie et musique, Lüttich 2002 (Études du Centre de Musique baroque de Versailles) [Mardaga, 478 S., brosch., 32 Abb., 58 Euro].

Marcigliano, A.: Chivalric Festivals at the Ferrarese Court of Alfonso II d’Este, Oxford u.a. 2003 (Stage and Screen Studies, 2) [Peter Lang, 182 S., Pb., 21 Ill., 36,20 Euro].

Märtl, C.: Kaiser Friedrich III. Ein verkannter Herrscher, in: Damals 10 (2002) S. 58-63.

Medien der Kommunikation im Mittelalter, hg. von K.-H. Spiess, Stuttgart 2003 [Steiner, 323 S., kart., 57 sw-Abb, 62 Euro].

Medieval Mastery. Book illumination from Charlemagne to Charles the Bold, 800-1475, Turnhout 2002 [Brepolis, 343 S., geb., 150 Abb., 59,95 Euro].

Meconi, H.: Pierre de la Rue and musical life at the Habsbourg-Burgundian court, Oxford 2002 [Oxford University Press, 420 S., 10 music examples, 2 fig., 117 Euro].

Meier, T.: Königs- und Kaiserbegräbnisse im Spätmittelalter. Anmerkungen zu einer verpaßten Chance, in: Zeitschrift für historische Forschung 29,3 (2002) S. 323-338.

Meinhardt, M.: Magister Sebastian Leonhart (1544-1610). Bildungs- und Karriereweg eines wettinischen Fürstenlehrers und Hofbibliothekars, in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 90,1 (2003) S. 44-75.

Merckens, W.: Die Beschießung von Tönning im Jahre 1700 nach einem unbekannten Bericht in der Kieler Universitätsbibliothek, in: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 128 (2003) S. 137-148.

Merdrignac, B.: Le sport au Moyen Age, Rennes 2002 [Presses Universitaires de Rennes, 335 S., Ill., 12,32 Euro].

Mesqui, J./Amiot, C./Bon, P./Brodeur, J./Carru, D./Chevet, P./Faucherre, N./Marchant, S: L’étuve dans les châteaux et palais du Moyen Âge en France, in: Bulletin Monumental 159,1 (2001) [Les bains privés au moyen âge et à la renaissance] S. 7ff.

Münch, E.: Mecklenburg auf dem Gipfel – Voraussetzungen und Folgen der Herzogswürde 1348, in: Mecklenburgische Jahrbücher 114 (1999) S. 49-63.

Nation, Court and Culture. New Essays on Fifteenth-Century English Poetry, hg. von H. Cooney, Dublin 2001 [Four Courts Press, 224 S., geb., 70 Euro].

Neuhaus, H.: Wenn Fürsten reisen ... Die Frankreich- und Italien-Reisen der Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth in den Jahren 1754/55, in: Archiv für Kulturgeschichte 84 (2002) S. 347-378.

Neuhaus, H.: Das Reich in der Frühen Neuzeit, 2., Aufl., München 2003 (Enzyklopädie deutscher Geschichte, 42) [Oldenbourg].

Niederstätter, A.: Zwischen Habsburg und der Eidgenossenschaft. Politische Orientierungen südlich des Bodensees im Spätmittelalter, in: Monfort (2001) S. 313-322.

Ohm, M.: Das Wappen Herzog Adolfs von Schleswig-Holstein-Gottorf und seine Veränderungen (1526-86), in: Der Herold 45 (2002) S. 185-191.

Ohm, M.: Das Wappen von Schleswig-Holstein-Gottorf. Ein Spiegelbild der Geschichte des Herzogtums, in: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 128 (2003) S. 61-81.

Palais et pouvoir. De Constantinople à Versailles, hg. von M.-F. Auzépy und J. Cornette, Saint-Denis 2003 [Presses Universitaire de Vincennes, 370 S., kart., Ill., 25 Euro].

Palast des Wissens. Die Kunst- und Wunderkammer Zar Peters des Großen, hg. von B. Buberl, Bd. 1: Katalogband. Katalog zur Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund und im Schloßmuseum Gotha 2003. Bd. 2: Beiträge zur Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund und im Schloßmuseum Gotha 2003, München 2003 [Hirmer, Bd. 1: 285 S., Bd. 2: 325 S., geb., Bd. 1: 400 farb. Abb., Bd. 2: 170 sw-Abb., je 29,90 Euro]. – Zur Ausstellung siehe oben S. *.

Paulmann, J.: Peripatetische Herrschaft, Deutungskontrolle und Konsum. Zur Theatralität in der europäischen Politik vor 1914, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 53 (2002) S. 444-461.

Pecar, A.: Die Ökonomie der Ehre. Höfischer Adel am Kaiserhof Karls VI., Darmstadt 2003 (Symbolische Kommunikation in der Vormoderne. Studien zur Geschichte, Literatur und Kunst) [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 448 S., geb., 10 sw-Abb., 2 Schemata, 49,90 Euro].

Pellistrandi, S.: Le garde-robe de Louis IX d’après la Vie de Saint Louis de Le Nain de Tillemont, in: Bulletin de la Société des antiquaires de France 1999 (2002) S. 173-185.

Perkins, N: Hoccleve's Regiment of princes: counsel and constraint, Cambridge 2001 [Brewer, 235 S., 58,05 Euro].

Perotti, E.: Das Schloß Miramar in Triest (1856-1870). Erzherzog Ferdinand Maximilian von Habsburg als Bauherr und Auftraggeber, Wien 2002 [Böhlau, 216 S., geb., 100 sw-Abb., 24,90 Euro].

Pesek, J.: Sprache und Kaltur in Böhmen in der Frühen Neuzeit, in: Frühneuzeit-Info 13 (2002) S. 33-40.

Il principe e il potere. Il discorso politico e letterario nella Francia del Cinquecento. Atti del convegno internazionale di studio, Verona, 18-20 maggio 2000, hg. von E. Mosele, Fasano (Brindisi) 2002 (Gruppo di Studio sul Cinquecento Francese, 10) [Schena, 238 S., Ill.].

Prochno, R.: Die Karthause von Champmol. Gablege der burgundischen Herzöge (1364-1477), Berlin 2002 [Akademie Verlag, 470 S., geb., 140 Abb., 99,80 Euro].

Du projet au chantier. Maîtres d‘ouvrage et maîtres d‘œuvre aux XIVe-XVIe siècles, hg. von O. Chapelot, Paris 2002 (Civilisations et sociétés, 106) [Ed. de l‘Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales, 604 S., kart., Ill., graph. Darst.].

Aus dem Inhalt:

Tl. 2: Les princes et les seigneurs

Jacquier, É.: La politique castrale des Valois de Bourgognge dans les bailliages méridionaux de leur duché; Poisson, J.-M.: La maîtrise d’œuvre dans les chantiers de construction des châteaux du comté de Savoie au XIVe siècle; Lardin, P.: Les entreprises du bâtiment en Normandie orientale à la fin du Moyen Âge; Champagne, A.: Une seigneurie rurale et la reconstruction en Poitou au XV siècle: l’hôtel de Vasles (Deux-Sèvres).

Pursell, B. S.: The Winter King. Frederick V of the Palatinate and the coming of the Thirty Years‘ War, Aldershot 2003 [Ashgate Publishing Company, 512 S., 12 sw-Abb., geb., 50 £].

Queens and Queenship in Medieval Europe. Proceedings of a Conference held at King’s College London April 1995, hg. von A. J. Duggan, Woodbridge 2002 [Boydell Press, 357 S., 50 sw-Abb., Pb., 32,84 Euro].

Aus dem Inhalt:

Jäschke, K.-U.: From famous empresses to unspectacular queens: the romano-german empire to Margaret of Brabant, countess of Luxemburg and queen of the Romans; Honemann, V.: A medieval queen and her stepdaughter: Agnes and Elizabeth of Hungary.

Raumerfassung und Raumbewußtsein im späteren Mittelalter, hg. von P. Moraw, Stuttgart 2002 (Vorträge und Forschungen, 49) [Thorbecke, 301 S., kart., Abb., 40 Euro].

Aus dem Inhalt:

Moraw, P.: Zur Einführung, S. 7ff.; Brincken, A.-D. von den: Descriptio terrarum. Zur Repräsentation von bewohntem Raum im späten deutschen Mittelalter, S. 11ff.; Tewes, G.-R.: Die päpstliche Kurie und ihr Orbis christianus vor der Reformation, S. 31ff.; Schmidt, H.-J.: Raumkonzepte und geographische Ordnung kirchlicher Institutionen im 13. Jahrhundert, S. 87ff.; Miethke, J.: Raumerfassung und Raumbewußtsein auf den allgemeinen Konzilien des Spätmittelalters, S. 127ff.; Lohrmann, D.: Raumbewußtsein und Raumerfassung in Frankreich nach Enqueten der königlichen Verwaltung (13. Jahrhundert), S. 155ff.; Stabel, P.: Urbanisation and its consequences. Spatial developments in late medieval Flanders, S. 179ff.; Heimann, H.-D.: Räume und Routen in der Mitte Europas, S. 203ff.; Stercken, M.: Kleinstadtgenese und herrschaftliche Raumerfassung in der spätmittelalterlichen Schweiz, S. 233ff.; Andermann, U.: Geographisches Wissen und humanistische Geschichtsschreibung dargestellt am Beispiel des Hamburger Gelehrten Albert Krantz, S. 275ff.

Rees, J./Siebers, W./Tilgner, H.: Reisen im Erfahrungsraum Europa. Forschungsperspektiven zur Reisetätigkeit politisch-sozialer Eliten des Alten Reichs (1750-1800), in: Das achtzehnte Jahrhundert 26,1 (2002) S. 35-62.

Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440-1493), nach Archiven und Bibliotheken geordnet, hg. von H. Koller, P.-J. Heinig und A. Niederstätter, Heft 17: Die Urkunden und Briefe aus den Archiven und Bibliotheken der Stadt Speyer, bearb. von J. Kemper, Wien u.a. 2003 [Böhlau, 273 S., kart., 56 Euro].

Ausgewählte Regesten des Kaiserreiches unter Maximilian I. 1493-1519. 1. Tl.: Maximilian I. 1502-1504, bearb. von H. Wiesflecker, I. Wiesflecker-Friedgruber und M. Hollegger unter Mitwirk. von C. Beer, Wien u.a. 2003 (J. F. Böhmer. Regesta Imperii, 14/4, 1) [Böhlau, 635 S., kart., 229 Euro].

Renoux, A.: Burgen, Paläste und Fürstentümer des 10. Jahrhunderts in der westlichen Francia: Fécamp, Mayenne, Montfélix, in: Europa im 10. Jahrhundert. Archäologie einer Aufbruchszeit. Internationale Tagung in Vorbereitung der Ausstellung "Otto der Große, Magdeburg und Europa", hg. von J. Henning, Mainz 2002.

Reuvekamp-Felber, T.: Volkssprache zwischen Stift und Hof. Hofgeistliche in Literatur und Gesellschaft des 12. und 13. Jahrhunderts, Köln u.a. 2003 (Kölner Germanistische Studien. NF 4) [Böhlau, 448 S., brosch., 44,90 Euro].

Ridder-Symoens, H.: Scuoli, corti e università, in: Storia della scienza, hg. vom Istituto della Enciclopedia Italiana, Bd. 4: Medioevo, Rinascimento, Rom 2001, S. 244-258.

Rogge, J.: Herrschaftsweitergabe, Konfliktregelung und Familienorganisation im fürstlichen Hochadel. Das Beispiel der Wettiner von der Mitte des 13. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts (Habil.-Schr. Univ. Mainz 2000), Stuttgart 2002 (Monographien zur Geschichte des Mittelalters, 49) [Hiersemann, 457 S., Ln., 4 Abb., 144 Euro].

Rohr, C.: Festkultur des Mittelalters, Graz 2002 (Lebensbilder des Mittelalters) [Akad. Druck- und Verlagsanstalt, 166 S., Ln., Ill., 49 Euro].

Rohwetter, C.: Zur Typologie des Herrschers im französischen Humanismus. Le Livre de l’Institution du Prince von Guillaume Budé, Frankfurt am Main u.a. 2002 (Dialoghi/Dialogues. Literatur und Kultur Italiens und Frankreichs, 7) [Peter Lang, 141 S., brosch., 7 Abb., 25,10 Euro].

Rollo-Koster, J.: The Politics of Body Parts: Contested Topographies in Late Medieval Avignon, in: Speculum 78 (2003) S. 66-98.

Romagnoli, A.: Quellen zur Hofmusik in der Barockzeit, in: Frühneuzeit-Info 13 (2002) S. 7-14.

Rösener, W.: Adel und Burg im Mittelalter. Fragen zum Verhältnis von Adel und Burg aus kulturhistorischer Sicht, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 150 (2002) S. 91-111.

Rühl, J. S.: Welfisch? Staufisch? Babenbergisch? Zur Datierung, Lokalisierung und Interpretation der mittelalterlichen Herzog-Ernst-Fassung seit Konrad III. auf der Grundlage der Wortgeschichte von ‚Burg‘ und ‚Stadt‘, Wien 2002 [Edition Praesens, 422 S., brosch., 28,90 Euro].

Saint Martin, M. de: Der Adel. Soziologie eines Standes, Konstanz 2003 (Édition discours, 8) [UVK, 284 S., brosch., 29 Euro].

Le savoir du prince. Du Moyen Âge aux Lumières, hg. von R. Halévi, Paris 2002 [Fayard, 380 S., 25 Euro].

Saxby, N.: Within and without somme Collections of North Italian Court Poetry of the Fifteenth Century, in: Italique. Poésie italienne de la Renaissance 4 (2001).

Schlunk, A./Giersch, R.: Die Ritter. Geschichte – Kultur – Alltagsleben, Stuttgart 2003 [Konrad Theiss Verlag, 160 S., Halbln., 230 meist farb. Abb., 24,90 Euro]. – Zur Ausstellung siehe oben S. *.

Schmitt, R.: Burg Querfurt. Beiträge zur Baugeschichte – Baubefunde und archivalische Quellen, Querfurt 2002 (Schriftenreihe Museum Burg Querfurt, Sonderheft).

Schnerb, B.: "L’Honneur de la Maréchaussée". Maréchalat et maréchaux en Bourgogne des origines à la fin du XVe siècle, Turnhout 2000 [Brepolis, 268 S., pb, 64,45 Euro].

Schütte, B.: König Philipp von Schwaben. Itinerar, Urkundenvergabe, Hof, Hannover 2002 (MGH. Laienfürsten- und Dynastenurkunden, 51) [Hahnsche Buchh., 594 S., Ln., 70 Euro].

Schweizer, S.: Zwischen Repräsentation und Funktion. Die Stadttore der Renaissance in Italien, Göttingen 2003 [Vandenhoeck & Ruprecht, 494 S., Ln., 229 Abb., 52 Euro].

Scrivere il Medioevo: lo spazio, la santità, il cibo. Un libro dedicato ad Odile Redon , hg. von B. Laurioux und L. Moulinier-Brogi, Rom 2001 (I libri di Viella, 28) [Viella, 458 S., 45,66 Euro].

Severidt, E.: Familie, Verwandschaft und Karriere bei den Gonzaga. Struktur und Funktion von Familie und Verwandschaft bei den Gonzaga und ihren deutschen Verwandten (1444-1519), Leinfelden-Echterdingen 2002 (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, 45) [DRW-Verlag, 341 S., geb., 47 Euro].

Sheehan, J. J.: Geschichte der deutschen Kunstmuseen. Von der fürstlichen Kunstkammer zur modernen Sammlung, München 2003 [C. H. Beck, 368 S., geb., 31 Abb., 27,90 Euro].

Siebers, W.: Zehn Jahre Reiseforschung in Eutin, in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 54,4 (2002) S. 366-370.

Signori, G.: Schädliche Geschichte(n)? Bücher, Macht und Moral aus dem Blickwinkel spätmittelalterlicher Fürstenspiegel, in: HZ 275 (2002), S. 593-623.

Sösemann, B.: Zeremoniell und Inszenierung. Öffentlichkeit und dynastisch-höfische Selbstdarstellung in der preußischen Krönung und den Jubiläumsfeiern 1701-1851, in: Kommunikation und Medien in Preußen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, hg. von B. Sösemann, Stuttgart 2002, S. 85-135.

Sohn, Andreas: Les procureurs à la Curie romaine. Pour une enquête internationale, in: Mélanges de l’École française de Rome 114,1 (2002) S. 371-389.

Stollberg-Rilinger, B.: Die zeremonielle Inszenierung des Reiches, oder: Was leistet der kulturalistische Ansatz für die Reichsverfassungsgeschichte?, in: Imperium Romanum – irregulare corpus – Teutscher Reichs-Staat. Das Alte Reich im Verständnis der Zeitgenossen und der Historiographie, hg. von M. Schnettger, Mainz 2002 (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz. Beiheft, 57), S. 233-346.

Strøm-Olsen, R.: Dynastic Ritual and Politics in Early Modern Burgundy. The Baptism of Charles V, in: Past & Present 175 (2002) S. 34-64.

Die öffentliche Tafel. Tafelzeremoniell in Europa 1300-1900 [Kronprinzenpalais, 29. November 2002 bis 11. März 2003], hg. von H. Ottomeyer und M. Völkel, Wolfratshausen 2002 [Ed. Minerva Hermann Farnung, 278 S., kart., 25 Euro].

Aus dem Inhalt:

Völkel, M.: Die öffentliche Tafel an den europäischen Höfen der frühen Neuzeit, S. 10ff.; Rahn, T.: Herrschaft der Zeichen. Zum Zeremoniell als "Zeichensystem", S. 22ff.; Althoff, G.: Rituelle Verhaltensmuster an der Tafel. Vom frühmittelalterlichen Gelage zum höfischen Fest, S. 32ff.; Franke, B.: Pracht und Zeremoniell. Burgundische Tafelkunst in franko-flämischen Bildteppichen des 15. Jahrhunderts, S. 38ff.; Haslinger, I.: Der Kaiser speist en public. Die Geschichte der öffentlichen Tafel bei den Habsburgern vom 16. bis ins 20. Jahrhundert, S. 48ff.; Stahl, P.: Im großen Saal des Römers ward gespeist in höchstem Grade prächtig. Zur Geschichte der kaiserlichen Krönungsbankette in Frankfurt am Main, S. 58ff.; Walker, S.: Dining in Papal Rome. Un onore ideale e una fatica corporale, S. 72ff.; Bonello, G.: Table Ceremonial in the Grand Masters‘ Court, S. 84ff.; Ottomeyer, H.: Service à la française und service à la russe. Die Entwicklung der Tafel zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert, S. 94ff.; Seelig, L.: Der schöne Schatz. Tafelsilber als Staatsvermögen. Bestellung, Lieferung und Einschmelzung süddeutscher Tafelservice des 18. Jahrhunderts, S. 102ff.; Stürmer, M.: Abgesang auf das Ancien Régime oder: die Suche nach der Glückseligkeit. Wie Privatheit und Klassizismus den alten Staat veränderten, S. 112ff.

Tang, F. R. M.: De koning, het zwaard en de moraal. Tussen wens en werkelijkheid. Het koningschap in vorstenspiegels uit Castilië/León, circa 1230-1350, Diss. Univ. Amsterdam 2002 (Prof. P. H. D. Leupen).

Tauber, C.: Italianità am Hofe von François Ier (1515-1521), in: Der Medici-Papst Leo X. und Frankreich, hg. von G. R. Tewes und M. Rohlmann, Tübingen 2003 (Spätmittelalter und Reformation. Neue Reihe, 19), S. 171ff.

Sur la terre comme au ciel: jardins d’Occident à la fin du Moyen Age, Paris, Musée National du Moyen Age, Thermes de Cluny, 6 juin au 16 septembre 2002 (Ausstellungskatalog), hg. von E. Antoine, Paris 2002 [Réunion des Musées Nationaux, 256 S., brosch., 170 Abb., 45,50 Euro].

Tewes, G.-R.: Die Medici und Frankreich im Pontifikat Leos X. Ursachen, Formen und Folgen einer Europa polarisierenden Allianz, in: Der Medici-Papst Leo X. und Frankreich, hg. von G. R. Tewes und M. Rohlmann, Tübingen 2003 (Spätmittelalter und Reformation. Neue Reihe, 19), S. 11-116.

Tracy, J. D.: Emperor Charles V., impresario of war: campaign strategy, international finance and domestic politics, Cambridge 2002 [Cambridge University Press, 344 S., kart., Ill., 50£].

Vaughan, R.: Philip the Bold. The formation of the Burgundian State, London 1979. ND mit Einl. von M. Vale und bibl. Nachträgen, Woodbridge 2002 [Boydell & Brewer, 314 S., Pb., 18,99 £].

Vaughan, R.: John the Fearless. The growth of Burgundian power, London 1979. ND mit Einl. von B. Schnerb und bibl. Nachträgen, Woodbridge 2002 [Boydell & Brewer, 354 S., Ill., Pb., 18,99 £].

Vaughan, R.: Philipp the Good. The apogee of Burgundy. ND mit Einl. von G. Small und bibl. Nachträgen, Woodbridge 2002 [Boydell & Brewer, 516. S., Pb., 18,99 £].

Vaughan, Richard: Charles the Bold. The last Valois duke of Burgundy, London 1973. ND mit Einl. von W. Paravicini und bibl. Nachträgen, Woodbridge 2002 [Boydell & Brewer, 354 S., Ill., Pb., 18,99 £].

Vinha, M. de: Les valets de chambre du roi au XVIIe siècle, Thèse Univ. Paris IV-Sorbonne 2003.

Dem Volk zur Schau. Prunkschlitten des Barock, bearb. von F. Fischer mit einem Beitrag von Bettina Beisenkötter und Elisabeth Krebs, München 2002 [Hirmer, 160 S., Ln., 135 Abb., ca. 34,90 Euro].

Ward, J. P.: The Cities and States of Holland (1506-1515). A participative system of gouvernment under strain, Diss. Univ. Leiden 2001 (Prof. W. Blockmans).

Auf dem Weg zur welfischen Residenz. Beiträge zur Geschichte Wolfenbüttels im Mittelalter, hg. von U. Schwarz, Braunschweig 2002.

Werlé, M./Seiller, M.: Une résidence aristocratique médievale à Strasbourg. La maison des chevaliers von Westhus, in: Bulletin Monumental 160,1 (2002) [Les Demeures urbaines patriciennes et aristocratiques (XIIe-XIVe siècles)] S. 11ff.

Widowhood and Visual Culture in Early Modern Europe, hg. von A. Levy, Aldershot 2003 [Ashgate, 382 S., geb., 101 sw-Abb., 51,50 £].

Aus dem Inhalt:

Levy, A.: Widow’s peek: Looking at ritual and representation; Lawless, C.: Representing widowhood: mourning models: "Widowhood was the time of her greatest perfection": Ideals of widowhood and sanctity in Florentine art; Helt, J. S. W.: Memento Mori: Death, widowhood and remembering in early modern England; Arnold, M.: Mourning widows: Portraits of widows and widowhood in funeral sermons from Brunswick-Wolfenbuettel; Vries, J. de: Re-presenting widowhood: fashionable choices: Casting her widowhood: Contemporary and posthumous portraits of Caterina Sforza; McCartney, E.: A widow’s tears, a Queen’s ambition: The variable history of Marie de Médicis’s bereavement; Elizabeth; Yonan, M. E.: Conceptualizing the Kaiserinwitwe: Empress Maria Theresia and her portraits; Hurlburt, H. S.: Widowhood and representation: building memories: Individual fame and family honor: The tomb of Dogaressa Agnese da Mosto Venier; Gelfand, L. D.: Margaret of Austria and the encoding of power in patronage: The Funerary Foundation at Brou; French, S.: A widow building in Elizabethan England: Bess of Hardwick at Hardwick Hall; Fink De Backer, S.: Constructing convents in 16th-century Castile: Toledan widows and patterns of patronage; Baskins, C. L.: Widowhood and re-presentation: constructing histories: Trecento Rome: The poetics and politics of widowhood; Levy, A.: Framing widows: Mourning, gender and portraiture in early modern Florence; Carr, A.: Contested narratives: Elisabeth of Austria and a relic of St Leopold; Levy, A.: Afterword: Last rites: mourning identities (?).

Ein gefüllter Willkomm. Festschrift für Knut Schulz zum 65. Geburtstag, hg. von F. J. Felten, S. Irrgang und K. Wesoly, Aachen 2002 [Shaker, 700 S., geb., 49 Euro].

Aus dem Inhalt:

Bönnen, G.: Rheinische Bischofsstädte und hirsauische Reformklöster (ca. 1070 bis 1150), S. 31ff.; Zotz, T.: Die frühen Staufer, Breisach und das Zähringerland, S. 53ff.; Miethke, J.: Rituelle Symbolik und Rechtswissenschaft im Kampf zwischen Kaiser und Papst. Friedrich Barbarossa und der Konflikt um die Bedeutung von Ritualen, S. 91ff.; Jähnig, B.: Der Entwicklungsstand der Deutschordensherrschaft in Preußen und Livland in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, S. 217ff.; Flink, K.: Ministerialität, Residenzburg und Hofgericht in Kleve. Ein Beitrag (auch) zur Entwicklung des klevischen Hofgerichts, S. 235ff.; Thumser, M.: Organisierte Trauer. Die Aufzeichnung zur Totenfeier Kurfürst Friedrichs II. von Brandenburg († 1471), S. 383ff.; Beck, L. F.: Handwerk und Hof in Brandeburg und Meißen-Sachsen vom 14. bis ins 17. Jahrhundert im Vergleich. Ein Exposé, S. 419ff.

Winterling, A.: Caligula. Eine Biographie, München 2003 [C. H. Beck, 206 S., geb., 6 Abb., 1 Stammtaf., 19,90 Euro].

Wissenswelten. Perspektiven der neuzeitlichen Informationskultur. Sommerakademie des Graduiertenkollegs "Wissensfelder der Neuzeit. Entstehung und Aufbau der europäischen Informationskultur", 2.-6. September 2002, hg. von Wolfgang E. J. Weber, Augsburg 2002 (Mitteilungen des Instituts für Europäische Kulturgeschichte der Universität Augsburg, Sonderheft).

Aus dem Inhalt:

Ferber, M. U.: Franciscus Ciceroni suo salutem – Überlegungen zur Kommunikationsstruktur der Humanisten, S. 15-27; Metzler, G.: Kommunikations und Verflechtung. Überlegung zu den Beziehungen zwischen Neapel, Rom und Spanien im frühen 17. Jahrhundert, S. 75-91; Marek, K.: Körperbild, Kultbild, Staatsbild? Höfische Repräsentation im England des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, S. 135-154; Collet, D.: Fructus AHOVAI dictae mirabilis – Wissensproduktion in der Kunstkammer am Beispiel der brasilianischen Ahovai-Nuss, S. 181-199; Pilaski, K.: Wissen, Handel, Repräsentation – Exotica und lokale Monstrositäten in der Kunstkammer Albrechts V. von Bayern, S. 181-199; Glanz, U.: Kunstkammer und Sammelbild: Ein Medienvergleich, S. 201-213; Engelberg, M. von: Dekorationssysteme in Bibliotheken: Das Wissen vor Augen, S. 225-250; Schultheiss-Heinz, S.: Propaganda in der Frühen Neuzeit, S. 253-278; Ziegler, K.: Die Rückführung Herzog Ulrichs von Württemberg 1534/35 als mediales Ereignis, S. 313-327.

Woda, N.: Reisen französischer Pilger zwischen Venedig und Korfu im 15. Jahrhundert, ungedr. Staatsexamensarbeit Univ. Kiel (Prof. Ludwig Steindorff) 2002.

Wüst, W.: Fürstliche Stadtentwicklung in der frühen Neuzeit: Toleranz und Geometrie. Das Beispiel Erlangen, in: Archiv für Geschichte von Oberfranken 82 (2002) S. 247-274.

Wüst, W.: Die "gute Policey" im Reichskreis, Bd. 2: Die "gute Policey" im Fränkischen Reichskreis. Zur frühmodernen Normensetzung in den Kernregionen des Alten Reiches, Berlin 2003 [Akademie Verlag, ca. 870 S., geb., ca. 5 Abb., 84,80 Euro].

Wüst, W.: Wittelsbacherinnen. Die weltlichen unverheirateten und die geistlichen Töchter im 13. und 14. Jahrhundert, in: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte 65 (2002) S. 371-408.

Zeilinger, G.: Die Uracher Hochzeit 1474. Form und Funktion eines höfischen Festes im 15. Jahrhundert, Frankfurt am Main u.a. 2003 (Kieler Werkstücke. Reihe E: Beiträge zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 2) [Peter Lang, 183, Pb., 35,30 Euro].

Ziegler, U.: Kreuz und Schwert. Die Geschichte des Deutschen Ordens, Köln u.a. 2003 [Böhlau, 320 S., geb., 20 sw-Abb., 24,90 Euro].

Zitter, M.: Die Leibärzte der württembergischen Grafen im 15. Jahrhundert. Zur Medizin an den Höfen von Eberhard dem Milden bis zu Eberhard im Bart, Leinfelden-Echterdingen 2000 (Tübinger Bausteine zur Landesgeschichte, 1) [DRW, 147 S., geb., 2 Tab., 17,80 Euro].

Zühlke, R.: Bremen und Riga. Zwei mittelalterliche Metropolen im Vergleich. Stadt – Land – Fluß, Münster 2002 (Arbeiten zur Geschichte Osteuropas, 12) [LIT, 325 S., kart., 25,90 Euro].

Sonstiges

 

Edition von Hofordnungen

Zum Stand der Arbeit an der Edition der Hofordnungen von Jülich-Kleve-Berg teilt Frau Prof. Kasten mit:

1. Der Editionsteil A: Hofordnungen i.e.S. ist fertig.

2. Der Editionsteil B: Ämterordnungen, ist bis auf eine Kanzleiordnung bearbeitet. Er wird in den nächsten drei Monaten fertiggestellt werden können.

3. Der Editionsteil C: Residenzordnungen, ist textlich erfaßt. Er befindet sich in der weiteren Bearbeitung bei Dr. Margarete Bruckhaus (Düsseldorf).

Glossar, Personendatenbank und Literaturverzeichnis wurden laufend mitgeführt und sind dementsprechend zu 80% fertig.

Es hat einige Zeit in Anspruch genommen, die nicht einfache Überlieferungslage der Akten, deren historische Schichten durch die archivarischen Bearbeitungen im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vielfach vermengt wurden, zu rekonstruieren. Ebenso galt es, die spezifischen jülich-bergisch-klevischen Probleme der beiden Kanzleien in Kleve und in Düsseldorf zu klären. Diese Arbeiten sind inzwischen beendet.

Als nächster Schritt ist der Seitenumbruch vorgesehen.

Zu der in Göttingen vorgenommenen Verzeichnung der zahlreichen Dokumente und Kopien der von Frau Prof. Widder/Tübingen behandelten Hofordnungen des niedersächsischen Reichskreises lesen Sie voraussichtlich in den MRK 13,2.

Frau Prof. Widder verfolgt das Editionsvorhaben "Hofordnungen vor 1500" mit Einleitung und Kommentar, das in der Reihe "Residenzenforschung" erscheinen soll.

 

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Museum Burg Ziesar
Kurzkonzeption

Einleitung

Das Amt Ziesar im Landkreis Potsdam-Mittelmark baut derzeit auf der Burg Ziesar ein Museum auf, das sich dem Thema "Christianisierung Brandenburgs" widmet. Die Museumseröffnung ist für das Jahr 2005 geplant, und zwar im Rahmen der Kampagne Kulturland Brandenburg, die in diesem Jahr unter dem Themenschwerpunkt "Christianisierung" stehen wird. Das Konzept wurde am Historischen Institut der Universität Potsdam von Prof Dr. Heinz-Dieter Heimann, Dr. Lutz Partenheimer und Dr. Clemens Bergstedt erarbeitet und ist von den zuständigen Gremien und Arbeitsgruppen mehrheitlich angenommen worden. Die geplante Dauerausstellung trägt den Arbeitstitel "Christianisierung und Urbanisierung. Die Mark Brandenburg im Mittelalter". Das Besondere des geplanten Museums ist die Thematisierung des Geschehenszusammenhangs von Christianisierung und Landesgründung bzw. -entstehung, das weder in Berlin-Brandenburg noch sonst in Deutschland museal dargestellt wird. Das ist ein wesentliches Argument für eine Ausstellung, in der der Verlauf der Christianisierung vom 10. bis zum 13. Jahrhundert dargestellt und zugleich ein Abriß der Entstehung der mittelalterlichen Mark Brandenburg, aber auch anderer Territorien, die zum heutigen Land Brandenburg gehören, gegeben werden soll. Mit der Christianisierung und der hochmittelalterlichen Herrschaftsbildung im 12. und 13. Jahrhundert, die beide parallel verliefen und nicht voneinander zu trennen sind, erfolgte die Grundlegung einer gesellschaftlichen Entwicklung, die bis in unsere Zeit hineinreicht und hineinwirkt. Ein Ort, an dem dieses Wirken sichtbar, nachvollziehbar gemacht würde, gibt es bisher nicht.

Ziele der Ausstellung/des Museums

  • Vermittlung von Informationen zur mittelalterlichen Geschichte Brandenburgs für ein regionales und überregionales Publikum (vor allem aus Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt)
  • Etablierung eines Forums für die Diskussion über mittelalterliche Themen, besonders zur mittelalterlichen Geschichte Brandenburgs und seiner benachbarten Gebiete
  • Einbringen der Stadt Ziesar in das landesweite Kulturlandprojekt 2005
  • Aufwertung des "Randgebietes" im Südwesten Brandenburgs, direkt an der Grenze zu Sachsen Anhalt unter kulturhistorischen, touristischen und wissenschaftlichen Gesichtspunkten
  • Einbindung Ziesars in das regionale (z.B. Brandenburg, Lehnin, Belzig, Wiesenburg) und überregionale (z.B. Wittstock, Chorin, Zinna, Magdeburg, Jerichow, Havelberg) Netzwerk auf kulturhistorischem, touristischem und wissenschaftlichem Gebiet. Die dadurch entstehenden Arbeitskontakte und Strukturen dienen auch der Umsetzung künftiger Vorhaben.

Zielgruppen

  • Einwohner Ziesars und Umgebung, des Landkreises und angrenzender Regionen (auch und gerade aus Berlin und Sachsen-Anhalt)
  • Touristen, die sich im Havelland oder im Fläming aufhalten
  • Touristen in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, die sich für kulturhistorische oder speziell mittelalterliche Themen interessieren
  • an der mittelalterlichen Geschichte Brandenburgs oder allgemein am Thema "Mittelalter" Interessierte aus der gesamten Bundesrepublik.

Ausstellungsstruktur

Die Struktur der Ausstellung gliedert sich in drei zentrale Bereiche:

    • die Burg mit ihren mittelalterlichen Relikten (Außenfassade, Burggelände, Malereien, Kapelle, Heizungsanlage, noch erkennbare Raumgliederungen vor dem barocken Umbau)
    • den Themenkomplex Entstehung der Kirchenorganisation und Christianisierung
    • Ziesar als bischöfliche Residenz.

Die Burg beherbergt die Ausstellung und wird in dieselbe eingebunden. Hinzu kommen die Bereiche Museumspädagogik sowie Verweise auf die historische Innenstadt mit dem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster.

 

 

Gliederung

Teil I: Kirchenorganisation und Christianisierung der mittelalterlichen Mark Brandenburg

    • Peripherie und Zentrum: Rom und Aachen
    • Entstehung des Christentums; irische und angelsächsische Nüssion, Kult und Religion der slawischen Stämme
    • Europa um 1000: Missionswege
    • Tradition der Slawenmission, Magdeburg – Zentrum der Slawenmission
    • Christianisierung und Kolonisierung
    • Christliche Religion und christliches Weltbild, Landesausbau – Kirchenbau, Verhältnis Slawen und Deutsche; Rolle der geistlichen Orden

Teil II: Geschichte der bischöflichen Residenz Ziesar

    • Wie wird man Bischof – geistliches Amt und weltlicher Dienst
    • Verhältnis Diözese/Hochstift, Doppelcharakter des Amtes, der Bischof als Reichsfürst, das Domkapitel
    • Bischof und Markgraf – Die Entstehung der Mark
    • Markgrafen von Brandenburg, Vielzahl konkurrierender Territorialherren und Herrschaftsträger
    • Ziesar: Eine Residenz entsteht
    • Grundbesitz des Bistums, politisches und geistliches Zentrum, Baumaßnahmen an der Burg, Schloßkapelle, Hofhaltung: Küche und Keller
    • Biographien Brandenburger Bischöfe
    • Wigger (mit Bezug auf den Traktat Heinrichs von Antwerpen), Ludwig von Neindorf, Stephan Bodecker, Dietrich von Stechow
    • Verlust und Neuanfang
    • Funktionsverlust Ziesars, ev. Domkapitel Brandenburg, kurfürstliches Amt

 

Die Konzeption verfolgt die Absicht, das Große (Christianisierung und Entstehung des Landes) im Kleinen, d.h. Ziesar als Teil einer europäischen Bewegung und Entwicklung zu zeigen, zugleich aber auch das Besondere (die bischöfliche Residenz) herauszustellen, um so der lokalen und regionalen Individualität und Topographie des Ortes gerecht zu werden. Im ersten Teil der Ausstellung wird der Bogen geschlagen von der Entstehung des Christentums und seiner Verbreitung in Europa bis zur Ausbreitung bei den Slawen im 10. und schließlichen Durchsetzung im 12. und 13. Jahrhundert. Die Christianisierung – hier als ein vorrangig außengeprägtes Geschehen – wurde in diesem Zeitraum in den Gebieten zwischen Elbe und Oder im wesentlichen abgeschlossen. Der zweite Teil widmet sich dem Bischof und seiner Stellung in der mittelalterlichen Verfassungsstruktur und im Machtgefüge der Mark Brandenburg. Ausdruck der bischöflichen Souveränität war die Residenzbildung in Ziesar, die auch die bauliche Gestaltung der Burg stark bestimmt hat. Das Wirken einzelner, herausragender Bischöfe gehört gleichfalls in diesen Themenkreis. Die Reformation stellte für die Residenz und die Stadt Ziesar eine tiefgreifende Zäsur dar, und mit dem Ende der bischöflichen Residenz endet auch die Ausstellung, die aber auf die Neuanfänge verweist, denen man dann – bei Interesse – in einem separaten Gebäudekomplex bei der Burg nachgehen kann.

Heinz-Dieter Heimann, Potsdam*

Frühneuzeitliche Festkultur online

Im Rahmen des Projektes "Deutsche Drucke des 17. Jahrhunderts zur Festkultur des Barock" hat die Herzog August Bibliothek 344 Drucke digitalisiert und konnte anhand von 76 Titeln das Konzept einer seitenbezogenen Erschließung bewähren (siehe http://www.hab.de/forschung/
de/vdf/index.htm).

In dem auf diesen Vorarbeiten fußenden Projekt Festkultur online soll einerseits die Erschließung der noch verbliebenen rund 250 bereits digitalisierten Drucke realisiert, andererseits mit dem nach Wolfenbütteler Vorbild initiierten Festkulturdigitalisierungsprojekt der University of Warwick/British Library ein Verfahren erprobt werden, verteilt liegende Bestände nach gemeinsamen Richtlinien zu indexieren und zugänglich zu machen.

Ziel ist die Bereitstellung einer umfänglich erschlossenen Quellensammlung zu einem von der interdisziplinären Frühneuzeit-Forschung zur Zeit besonders gefragten Themenkomplex.

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft.

[Text: http://www.hab.de/forschung/de/vdf ]

Kontaktadresse: Dr. Thomas Stäcker

Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

PF 13 64

D-38299 Wolfenbüttel

Tel. [D] 0 53 31 - 8 08-1 19, Fax -165

E-mail: staecker@hab.de

Internet: http://www.hab.de/forschung/de/vdf

Die Arbeitsstelle Kiel

 

Prof. Dr. Werner Paravicini

Dr. Jan Hirschbiegel

Dr. Jörg Wettlaufer

Sophie Laufer

Karen Schleeh

 

Adresse:

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Residenzen-Kommission

Arbeitsstelle Kiel

c/o Historisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

(Besuchsadresse:) Leibnizstr. 8

(postalisch:) Olshausenstr. 40

D-24098 Kiel (für Briefe)

D-24118 Kiel (für Päckchen und Pakete)

Tel./Fax/AB: [D] 04 31 - 8 80-14 84

 

 

E-mail: resikom@email.uni-kiel.de

 

Adresse im Internet: http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de

 

*****

Prof. Dr. Werner Paravicini

Deutsches Historisches Institut Paris

Hôtel Duret de Chevry

8, rue du Parc-Royal

F-75003 Paris

Tel. [F] 01 - 42 71 56 16 – Fax: [F] 01 - 42 71 56 43

E-mail: direktor@dhi-paris.fr

Adresse im Internet: http://www.dhi-paris.fr

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