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Mitteilungen der Residenzen-Kommission

der

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

 

 

Jahrgang 12 (2002) Nr. 2

 

 

 

Mitteilungen der Residenzen-Kommission

der

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

 

 

Jahrgang 12 (2002) Nr. 2

 

 

Residenzen-Kommission

Arbeitsstelle Kiel

 

 

 

ISSN 0941-0937

 

Herstellung:

Vervielfältigungsstelle

der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

 

Titelvignette:

Pfalzel, Ende des 16. Jahrhunderts

Abb. entnommen dem Internet unter der URL www.pfalzel.de

 

 

Inhalt

 

 

Vorwort *

Aus der Arbeit der Kommission *

18. Sitzung der Residenzen-Kommission am 23. September 2002 *

Ergebnisse des Workshops zum Projekt "Höfe und Residenzen im
spätmittelalterlichen Reich", Teil 2: "Bilder und Begriffe", am 15. Juli 2002
*

Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich, Teil 2:
Bilder und Begriffe. Das revidierte Konzept *

Die Arbeit der anderen *

Der Hof der Erzbischöfe von Trier in der Stauferzeit (1131-1259),
von Matthias Krüger, Berlin *

"Il y a plus d’aisance & plus de divertissements". Vorbilder und Eigenarten des Zeremoniells am Hof Max Emanuels von Bayern,
von Angela Klein, Frankfurt *

Aus neuesten tschechischen Forschungen zur Residenzenproblematik,
von Ivan Hlaváček, Prag
*

Kolloquiumsberichte *

Der Fall des Günstlings,
von Harm von Seggern, Kiel *

Ausdrucksformen adeliger Kultur an der Wende vom Mittelalter zur frühen Neuzeit,
von Oliver Auge, Greifswald *

Der ägyptische Hof des neuen Reiches,
von Jan Hirschbiegel, Kiel *

Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen *

Buchvorstellungen *

Pils, Susanne Claudine: Schreiben über Stadt. Das Wien der Johanna Theresia Harrach. 1639-1716, Wien 2002,
von Gerhard Fouquet, Kiel *

Jost, Werner: Dictionnaire des termes de l’art – Wörterbuch der Kunst, Français-Allemand/Allemand-Français, Paris, München 2002,
von Jörg Wettlaufer, Kiel *

Neuerscheinungen *

Sonstiges *

Un nouvel outil de recherche sur les manuscrits médiévaux: Scriptorium et le Bulletin codicologique sur Internet,
von Pierre Cockshaw, Brüssel *

Die Arbeitsstelle Kiel *

 

 

*****

Wenn Sie den Mitteilungen einen Text zusenden wollen (bitte, tun Sie es: nächster Redaktionsschluß ist der 1. April 2003), dann schicken Sie ihn bitte an mich über die Redaktion in Kiel oder direkt nach Paris. Die jeweiligen Adressen sind, wie stets, auf der letzten Seite angegeben.

W.P.

Vorwort

 

Das Symposium in Neuburg, dem überraschend schönen Ort, liegt hinter uns. Was verhandelt wurde, können Sie in Umrissen unten ab S. * nachlesen, von Harm von Seggern zusammengefaßt. Aber in keinem Archiv wird stehen, wie erfreulich wiederum dies Treffen war, wie groß die Aufmerksamkeit, die Stadt und Land uns entgegenbrachten, wie heimelig der Gang hinauf durchs dunkle Tor, wie erfreulich die Fahrt durchs weite Land, wie eindrucksvoll Harburg und Eichstätt, Hirschberg und Ingolstadt. Pünklich wurden die Bände 13 und 14 unserer Reihe "Residenzenforschung" in Neuburg auf den Tisch gelegt (siehe unten S. * und *). Wir können ganz zufrieden auf das vergangene Jahr zurückblicken.

Gut vorangekommen ist auch unsere kühne Tat, der erste, dynastisch-topographische Teil des Handbuchs "Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich". Der genaue Stand ist unten S. * nachzulesen. Die Manuskripte sind bis auf geringe Reste gesammelt. Die Endredaktion läuft. Letzte Nachzügler werden eingefangen, wünschenswerte Verbesserungen sind angefordert. Im nächsten Jahr kann das Werk wie geplant und wie versprochen in den Druck gehen.

Und der zweite Teil "Bilder und Begriffe"? Der ist nun ein noch tollkühneres Unterfangen als der erste. Aber da der Aufwand sich lohnt, haben wir uns von der Kommission und Arbeitsstelle ins Zeug gelegt. Ein Studientag (S. *) hat das Konzept verbessert, die Kommissionssitzung (S. *) meliorierte weiter, jetzt steht der Plan (S. *-*) – und muß nun ausgeführt werden. Daß er unterwegs mit Ihrer Hilfe noch optimiert wird, steht zu hoffen. Wenn viele mitmachen, behalten wir die Nase vorn. Bedenken Sie, zögernder Leser, eine Weltpremiere ist es, dieses Handbuch, wie Teil 1 nun auch Teil 2, und vielleicht noch mehr als jener. Studieren Sie auf S. *-* die "Ordnung der Begriffe", erinnern Sie sich an all das schöne Material unter Ihren Händen. Scribere aude sei die Parole, auch wenn es vorerst nur um das Ausfüllen der auf S. * zur Verfügung gestellten Anmeldung geht. Ein Mann, eine Frau, ein Begriff. Es dürfen aber auch zwei und mehr sein. Kurzum, wir brauchen wiederum Ihre Mitarbeit. Wer bei Teil 1 schon dabei war, darf es auch fürder sein. Dazu kommen nun aber all diejenigen, die nicht dynastisch oder lokal arbeiten, sondern (auch) systematisch und allgemein.

Genug des Keilens. Es wird auch etwas in diesem umfangreichen Heft 12 Nr. 2 geboten – ganz arbeits- und kostenlos (für Sie). Matthias Krüger macht uns klar, daß es mit engem und weiterem Hof nicht getan ist, es geht auch um kernig, außen und saisonal und um solche Pretiosen wie das "Sekundärgefolge". Angela Klein unterscheidet zwischen "Burgzeremoniell" und "Campagnezeremoniell" (das macht neugierig, nicht wahr?) und erstaunt durch den Hinweis darauf, daß Versailles zugänglicher war als München: dort hatte man noch einige Vorzimmer mehr. Ansonsten ziehen wir nun auch Ägypten in unsere systematischen Betrachtungen ein – ohne jede Mühe, wie Jan Hirschbiegel S. *ff. aus Mainz zu berichten weiß. Daß Ivan Hlaváček uns aus dem Tschechischen übersetzt, ist erneut eine willkommene Nachhilfe. Außerdem wird über Kolloquien berichtet, vom Hallenser Historikertag (S. *ff.), und vielbeschäftigte Leute haben Rezensionen geschrieben.

Natürlich denken wir schon an das nächste Symposium in zwei Jahren. Andreas Ranft hat uns nach Halle eingeladen, das mehrere von uns schon (siehe oben) kennen- und schätzenlernen durften. Da wird es dann um Stadt und Residenz gehen, also auch um die Macht der Architektur und vice versa (siehe S. *, die Antike ist uns da gar nicht fremd mit ihren Sichtachsen), um Räume, eher real als virtuell (siehe S. *), und selbstverständlich um "Raum und Geschichte" (S. *). Schauen Sie auch einmal in die F.A.Z. vom 20. November 2002 hinein, denn da wird im Feuilleton die "Topographische Wende" oder schicker: der "topographical turn" verkündet, was wir als alte Igel lächelnd mit einem "ick bün all hier" quittieren. Wahrscheinlich wird der Herbst 2004 neben unserer eigenen Veranstaltung noch einen Auftritt der Residenzen-Kommission & Partnern auf dem Kieler Historikertag bringen; doch müssen wir noch abwarten, wie das gewählte Generalthema lautet und ob man uns dann noch haben will. Irgendetwas mit Meer und Navigation soll geplant sein. Nun, in Hof und Residenz gibt es Lustschiffe und Wassermusiken. Ob das aber eine ganze Sektion zu füllen vermag?

Mehr über "Halle" und "Kiel" im nächsten Heft. Einstweilen wünscht ein gediegenes Lesevergnügen (und eine alerte Ameldungsfeder)

Ihr

Werner Paravicini

Aus der Arbeit der Kommission

 

Die 18. Sitzung der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen fand am 23. September 2002 von 21.00 bis 0.30 Uhr in Neuburg an der Donau im Hotel am Fluß statt. Hier sind die wesentlichen Feststellungen und Beschlüsse:

1. Symposien

  • Halle an der Saale 2004 "Stadt und Residenz"

Die Kommission einigt sich auf den Schwerpunkt der Betrachtung von Architekturgeschichte als Zeichen der Rechtsentwicklung. Eine weitere Präzisierung ist geboten.

  • Eutin 2006

Vorschlagsweise soll sich das Symposium mit dem Thema "Hof/Residenz und Finanzen" beschäftigen ["Hoffinanz" oder "Hofwirtschaft"].

2. Handbuch: Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

    • Titeländerung

Der Vorschlag von Herrn Moraw, den Titel des Handbuchs in "Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich" unter Streichung des Adjektivs "fürstliche" umzuwandeln, wird akzeptiert.

    • Dynastisch-topographischer Band

Zum Stand der redaktionellen Bearbeitung der Artikel:

Zur Zeit umfaßt das Handbuch einen Hauptorte-Artikel, 39 Dynastie-Artikel, 168 Hof-Artikel und 359 Residenz-Artikel von 200 Autorinnen und Autoren. Die insgesamt 567 Artikel befinden sich in der Endredaktion. Entgegen vorherigen Planungen sollen die Nachrichten zu den Höfen und Residenzen der Reichsäbte und Pröbste bzw. Reichsäbtissinen nicht mehr in zusammenfassenden, sondern in Einzelartikeln aufgeführt werden.

  • Bild- und Begriffsband

Der Vorsitzende unterrichtet die Kommission über den Fortschritt der Arbeiten an der Konzeption des Bandes "Bilder und Begriffe". Am 15. Juli 2002 hat in Kiel ein Workshop mit mehreren Kunsthistorikern stattgefunden, vgl. unten S. *.

Im Anschluß an diesen Workshop ist ein erstes Konzept für eine weitere Mitarbeiterstelle erarbeitet worden, die bei der DFG für den Zeitraum von 2 Jahren beantragt werden und mit einem Bauhistoriker/einer Bauhistorikerin oder einem Kunsthistoriker/einer Kunsthistorikerin ab 1. Juni 2003 besetzt werden soll. Der DFG-Antrag soll Anfang Januar 2003 eingereicht werden.

3. Reihe "Residenzenforschung"

  • Zum Symposium sind erschienen die Bde. 13 und 14, "Principes" und "Erziehung und Bildung".

  • Dem Antrag zur Aufnahme der Dissertation von Volker Hirsch: "Der Hof des Basler Bischofs Johannes von Venningen (1458-1478). Verwaltung und Kommunikation, Wirtschaftsführung und Konsum" in die Reihe "Residenzenforschung" wird stattgegeben.

4. Mitteilungen der Residenzen-Kommission

    • Der Vorsitzende berichtet über die seit der letzten Sitzung erschienenen Ausgaben der Mitteilungen der Residenzen-Kommission. Die Auflage beträgt z.Zt. 650 Exemplare. Ausgeliefert wurden die MRK 11,2 (2001) und MRK 12,1 (2002).

5. Historikertag 2004

    • Es wird ein Beitragsangebot ("Das Gehäuse der Macht") der Residenzen-Kommission zum geplanten Kieler Historikertag mit interkultureller, internationaler und vergleichender Perspektive unter evtl. Einbeziehung verwandter Einrichtungen wie der Wartburg-Gesellschaft, dem Rudolstädter Arbeitskreis zur Residenzkultur oder dem Arbeitskreis "Höfe des Hauses Österreich" etc. beschlossen. Das genaue Thema der Sektion kann erst nach dem endgültigen Beschluß des Rahmenthemas durch den Historikerverband im Dezember 2002 festgelegt bzw. vorgeschlagen werden.

6. Edition von Hofordnungen

    • Die Edition der Jülich-Klevischen Hofordnungen durch Frau Kasten/Saarbrücken schreitet fort.
    • Der Bericht über die von Frau Widder/Tübingen behandelten Hofordnungen des niedersächsischen Reichskreises für die MRK wird auf einen späteren Zeitpunkt vertagt, weil zunächst die zahlreichen Dokumente und Kopien in Göttingen verzeichnet werden müssen.
    • Frau Widder/Tübingen schlägt der Kommission vor, die Hofordnungen vor 1500 als Edition mit ausführlicher Einleitung und Kommentar in der Reihe "Residenzenforschung" herauszugeben, was auf allgemeinen Zuspruch stößt. Ein Termin wurde nicht gesetzt.

7. Verschiedenes

    • Herr Fouquet veranstaltet am 13./14. Dezember 2002 einen Workshop zum Thema "Höfische Feste im Spätmittelalter" in Kiel, an dem sich die Kieler Mitarbeiter beteiligen.
    • Eine Vorstellung der Arbeit der Residenzen-Kommission wird im nächsten Jahrbuch für historische Forschung erscheinen.
    • Die Residenzen-Kommission beteiligt sich Ende März 2003 durch die Mitarbeiter der Kieler Arbeitsstelle an einem Workshop des Arbeitskreises "Höfe des Hauses Österreich" zum Thema "Hofstatt Wien. Stadt-Hof-Beziehungen".
    • Die Residenzen-Kommission wird sich im Herbst/Winter 2003 an einer Vorstellung der an der Kieler Universität angesiedelten Akademieprojekte beteiligen.

8. Nächste Sitzung der Residenzenkommission

  • Die nächste Sitzung der Kommission wird am 6. Oktober 2003, 11:00 Uhr, in Göttingen, in den Räumen der Akademie stattfinden.

Werner Paravicini

Ergebnisse des Workshops zum Projekt
"Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich"
der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen,
Teil 2: "Bilder und Begriffe"
Kiel, 15. Juli 2002, 9:30-16:30 Uhr

 

Teilnehmer: Gerhard Fouquet (Kiel), Kilian Heck (Heidelberg), Jan Hirschbiegel (Kiel), Stefan Hoppe (Köln), Heiko Laß (Marburg), Matthias Müller (Greifswald), Werner Paravicini (Paris), Jörg Wettlaufer (Kiel).

Arbeitsgrundlage war die von der Kieler Arbeitsstelle der Residenzen-Kommission erarbeitete Konzeption, siehe auch MRK 12,1 (2002) S. 12-29.

Die Teilnehmer des Workshops waren sich darin einig, daß

  1. eine Erweiterung des Bildband-Konzeptes um den Bereich Begriffe unter dem Titel "Bilder und Begriffe" (nicht: "Begriffe und Bilder") zu begrüßen ist;
  2. die Chronologie – drei Zeitschichten (I = 1200-1450 – II = 1450-1550 – III = 1550-1650) – den funktionalen Aspekte unterzuordnen ist und als Binnenstruktur in die einzelnen Artikel integriert werden soll;
  3. die drei Zeitschichten grundsätzlich stabil sein sollen, d.h. durchgängig für jeden Artikel gültig und nicht jeweils variabel an die Sachlage angepaßt werden sollen;
  4. die Artikel und Begleittexte des künftigen Bandes Handbuchcharakter haben sollen;
  5. eine vernünftige Querverweisstruktur deutlich machen soll, daß Bilder und Begriffe mehreren funktionalen Aspekten zugeordnet werden können;
  6. Kontinuität und Wandel, Exemplarisches und Spezifisches zu kennzeichnen sind;
  7. der Einleitung zur Erläuterung der Struktur des künftigen Bandes wesentliche Bedeutung zukommen wird;
  8. das Bildmaterial vorzugsweise zeitgenössisch sein und auch Archivalien (Hofordnungen etc.) enthalten soll;
  9. die zeitliche, geographische und sachliche Orientierung vom dynastisch-topographischen Band übernommen werden kann.

Diese Ergebnisse sind in das folgende revidierte Konzept des künftigen Bandes eingegangen.

Jan Hirschbiegel, Jörg Wettlaufer

Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich
Teil 2: Das revidierte Konzept – Bilder und Begriffe

 

Noch 1995 war vorgesehen – und entsprechend in den Mitteilungen der Residenzen-Kommission 5,1 (1995) notiert –, daß einer ersten Synthese in Handbuchform, also dem dynastisch-topographischen Handbuch zu den fürstlichen Höfen und Residenzen, ein systematisches Handbuch in Einzelbeiträgen, ein Textbuch und ein Bildband folgen sollten. Nach intensiven Diskussionen ist der Bildband vorgezogen worden.

Überlegungen zur Anlage des Bildbandes hatten zur Folge, daß diese nur thematisch sein kann. Thematische Ordnung aber bedeutet Ordnung nach Begriffen und damit Ordnung der Begriffe, wie Prof. Paravicini in den Mitteilungen der Residenzen-Kommission 12,1 (2002) S. 12 das Ergebnis erster konzeptionellen Überlegungen in Worte gefaßt hat. Damit wird zwangsläufig der erst für die Zukunft geplante Begriffsband, das "systematische Handbuch in Einzelbeiträgen", bereits jetzt zu einem Teil des Bildband-Projekts, weshalb vorgeschlagen und von den Teilnehmern des Kieler Workshops positiv aufgenommen worden ist, beide Bände unter dem Titel "Bilder und Begriffe" zu vereinen.

Der nachfolgende Text ist die mit Blick auf diese Problematik und in Folge der Ergebnisse des Workshops modifizierte erste Konzeption des Bildbandes, wie sie in den MRK 12,1 (2002) S. 12-29 vorgestellt worden ist.

Konzept

Der geplante Band "Bilder und Begriffe" soll Architektur und Organisation von Hof und Residenz zum ersten Mal nach funktionalen Gesichtspunkten gegliedert systematisch erfassen und darstellen. Es ist dabei sowohl an Illustrationen der im dynastisch-topographischen Handbuch erfaßten fürstlichen Residenzen und Höfe als auch an nach chronologischen und funktionalen Gesichtspunkten gegliederte Darstellungen fürstlichen Herrschens und Wohnens im späten Mittelalter in Bild und Text gedacht.

Der Band "Bilder und Begriffe" dient als Grundlage einer besseren und erweiterten Erkenntnis des fürstlichen Hofes in seiner Funktion als Herrschaftsmittelpunkt und Herrschaftsmittel und dokumentiert die Darstellung von Macht in Architektur und städtebaulicher Gestaltung fürstlicher Residenzen anhand von Bilddokumenten und kurzen, beschreibenden Texten. Residenzbildung und Herrschaftsentfaltung sollen mit Hilfe einschlägig relevanter Abbildungen veranschaulicht und durch Texte zu zentralen Begriffen ergänzt, somit auch die systematischen Artikel des dynastisch-topographischen Handbuchs der fürstlichen Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich ergänzend illustriert und beschrieben werden. Die Konzeption lehnt sich an das im dynastisch-topographischen Handbuch erfolgreich angewandte Prinzip der Betrachtung von Hof und Residenz als einander bedingende und beeinflussende Gebilde an. Als "Gehäuse der Macht" lassen sich die architektonischen und geographischen Besonderheiten der Residenzen/Residenzorte und der ggf. zugehörigen Residenzstädte unter dem Aspekt ihrer funktionalen Bedeutung für die Ausübung und die Organisation von Herrschaft, damit einhergehend aber auch für die Lebensverhältnisse am Hof betrachten. Der Band "Bilder und Begriffe" soll daher diese beiden Aspekte fürstlicher Herrschafts- und Wohnsitze besonders beleuchten. Bei aller Konzentration auf den sich verfestigenden immobilen Charakter von Herrschaft in dem zu beobachtenden Zeitraum soll aber auch die nach wie vor vorhandene mobile Seite der Herrschaftsausübung (bspw. in Form der sog. ephemeren Architektur oder der mobilen Ausstattung) berücksichtigt werden.

Da zur Herrschaftsausübung zwar der fürstliche Adelssitz als Residenz im engeren Sinne gehörte, der Hof aber die Basis der Macht und die Organisationszentrale von Herrschaft war, und die Angehörigen des Hofes, vom Herrscher bis zu den Bediensteten von zum Teil entscheidenden Einfluß auf die Gestaltung der Residenzen waren, sollen daher im künftigen Bildband möglichst auch die tragenden sozialen Kräfte mit Blick auf ihre spezifischen Funktionen bildlich dargestellt und schriftlich erfaßt werden.

Bislang sind das vorhandene Bildmaterial und die einschlägigen Begriffe zu Residenz und/oder Hof unter funktionalen Aspekten noch nie zusammengestellt worden. Zwar existieren zum einen einzelne Werke, die Bildmaterial, wie es für den geplanten Band vorgesehen ist, gesammelt und präsentiert haben, zum anderen zahlreiche Versuche, die Phänomene Hof und Residenz theoretisch zu behandeln, doch handelt es sich dabei um Arbeiten, die sich in der Verbindung von Bild und Text jeweils nur einem der beiden Aspekte widmen – zumeist der Burg/dem Schloß/der Residenz, seltener dem Hof und seiner Funktion für den Herrscher oder einen anderen Zeitraum behandeln. Am deutlichsten tritt die von uns vorgesehene neue Konzeption in den Arbeiten von Stephan Hoppe und Uwe Albrecht hervor.

Ebenso wie eine zusammenfassende Synthese zur Geschichte des Hofes und der Residenzen im spätmittelalterlichen Reich bislang fehlt, ist auch keine illustrierte und an (zeitgenössischen) Begriffen orientierte Darstellung dieses Komplexes verfügbar. Zwar ist Bildmaterial grundsätzlich in den Landestopographien, -aufnahmen und -inventaren vorhanden. Sie stammen indes zu einem großen Teil vom Anfang des letzten Jahrhunderts und bieten nicht eine exemplarische Zusammenschau, die geeignet wäre, Entwicklungslinien anhand von Bildbeispielen zu verdeutlichen und Zusammenhänge aufzuzeigen. Zum anderen sind Begriffe zwar über Lexika und einschlägige Arbeiten zu Hof und Residenz zu erschließen, aber nicht in der erforderlichen spezifischen Konzentration auf diese Phänomene im Rahmen des unserem Projekt zugrundeliegenden Zeitrahmens und nicht in der vorgeschlagenen Ordnung nach funktionalen und chronologischen Aspekten.

Bezugspunkt des geplanten Bandes zu Bildern und Begriffen bleibt wie bei dem dynastisch-topographischen Teil des Handbuchs fürstlicher Höfe und Residenzen die verfassungsgeschichtliche Realität des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation um 1500. Ausgehend von den in dieser Zeit herrschenden Dynastien sollen wiederum alle reichsunmittelbaren geistlichen und weltlichen Reichsfürsten(tümer) mit ihren Höfen und Residenzen unter Einschluß konkurrierender geistlicher und weltlicher Herrscher Berücksichtigung für die Sammlung des Bildmaterials finden. Die Texte zu den entsprechend relevanten Begriffen haben sich an diesem Bezugspunkt zu orientieren. Ausgangspunkt bleibt die Reichsmatrikel von 1521. Deshalb ist auch zumindest teilweise derselbe Mitarbeiterkreis angesprochen, der die Artikel für den dynastisch-topographischen Band verfaßt hat.

Der Bearbeitungszeitraum und der geographische Raum sind an demjenigen des dynastisch-topographischen Bandes orientiert.

Im Unterschied zum dynastisch-topographischen Band werden die vorgesehenen Artikel in Entsprechung des Ergebnisses der Diskussion des oben notierten Workshops nach funktionalen Gesichtspunkten angeordnet. Die chronologischen Schritte von 1200 bis 1450 ("Vom Reisen zum Residieren"), 1450 bis 1550 ("Von der Burg zum Schloß") und von 1550 bis 1650 ("Von der Residenz zur Hauptstadt") sollen dann in den einzelnen Artikeln Berücksichtigung finden. Die zeitlichen Zäsuren selbst richten sich nach den in der Baugeschichte zu beobachtenden Veränderungen, die die Entwicklung von der Burg zum Schloß markieren.

Die nunmehr also nach funktionalen Gesichtspunkten angeordneten und nach den oben angeführten chronologischen Schritten aufgebauten Einzelartikel entsprechen der unten wiedergegebenen Liste von Stichworten; anhand geeigneten Bildmaterials, kurzer Texte zu den Abbildungen und erläuternder Texte zu den spezifischen Begriffe soll der jeweilige Artikel allerdings lediglich der exemplarischen Veranschaulichung dienen; die Begriffe selbst können ggf. unter weiteren Fragestellungen behandelt werden, die im Hintergrund mitlaufen (bspw. diejenigen nach geographisch unterschiedlichen oder zeitlich phasenverschobenen Entwicklungen). Den drei funktionalen Aspekten (A. Versorung und Administration: das tägliche Leben organisieren; B. Repräsentation und Legitimation: die Herrschaft sichtbar begründen; C. Integration und Kommunikation: die anderen einbinden) soll jeweils ein einleitender Artikel vorgeschaltet werden.

Formale Anlage der Artikel

Alle Artikel erscheinen in deutscher Sprache, anderssprachige Texte werden übersetzt.

Die redaktionelle Überarbeitung der Texte (Formatierung etc.) erfolgt durch die Kieler Arbeitsstelle. Wir bitten um sparsamsten Gebrauch von Formatierungszuweisungen. Unterschiedliche Formatvorlagen für einzelne Textteile sind auf jeden Fall zu vermeiden.

Der Text des einzelnen Artikels soll bei der Arbeitsstelle Kiel der Residenzen-Kommission in Form eines vollständigen Ausdrucks und einer Datei auf Diskette (3,5 Zoll) mit DOS/Windows-kompatibler Formatierung unter Angabe des verwendeten Textverarbeitungsprogramms abgeliefert werden. Ausdruck und Datei müssen dabei identisch sein. Alternativ kann die Datei auch als "attached document" per Email geschickt werden (resikom@email.uni-kiel.de mit dem Eintrag "Bilder und Begriffe" in dem Feld "Subject"). Nur Dokumente, die mit gängigen Textverarbeitungen erstellt wurden, können weiterverarbeitet werden. Bitte benutzen Sie die Dateiformate MS Word (Version 8 oder 9) für Windows oder alternativ das Rich-Text-Format (RTF), das von den meisten Textverarbeitungsprogrammen als Speicheroption angeboten wird.

Bilder

In dem geplanten Bilder- und Begriffsband werden voraussichtlich nur s/w-Abbildungen abgedruckt werden können. Die Vorlage kann jedoch natürlich farbig sein, denn bei einer Veröffentlichung im Internet können Abbildungen dann auch farbig wiedergegeben werden. Selbstverständlich können auch Archivalien abgebildet werden.

Nicht die Art der Abb. sollte entscheidend sein (Photo, Gemälde, Stich, Skizze etc.), sondern das, was abgebildet wird.

Als Bildunterschrift ist ein knapper Text mit Quellennachweis vorgesehen.

Abbildungen und Legendenentwürfe sollen in der Regel von den Autoren zur Verfügung gestellt werden. Bitte schicken Sie die Abbildung in Form von Abzügen in den Größen 13 x 18 cm oder 10 x 15 cm zu. Fotokopien können in der Regel nicht als Abbildungsvorlage verwendet werden. Die Abbildungen für die Veröffentlichung im Druckwerk können auch als gescannte Vorlagen in den Graphikformaten (Tiff oder EPS, Farbformat bei Farbabbildungen jeweils CMYK, nicht RGB, Auflösung 300 dpi) in einem Zip-Archiv zugeschickt werden. Die Größe des Scans sollte max. 170x240 mm betragen. Bei technischen Fragen setzen Sie sich bitte auf jeden Fall mit der Arbeitsstelle Kiel der Residenzen-Kommission in Verbindung.

Texte, Abkürzungen, Anführung von Quellen und Literatur im laufenden Text, Quellen- und Literaturangaben

  • Formale Gestaltung der Texte entsprechend der Formatanweisungen für den dynastisch-topographischen Band (siehe MRK 10,2 [2000], S. 10-14), außer daß bei der Nennung von Autorennamen nun erst der Familien-, dann der Vorname steht, ersterer stets in der Formatierung Kapitälchen (nicht GROSSBUCHSTABEN), Vornamen sind stets ausgeschrieben (Beispiel: Paravicini, Werner).
  • Bitte markieren Sie die Plazierung der Bilder im Text (Beispiel: [hier Abb. 1]).

Umfang

Der Textteil der Artikel soll jeweils max. ein bis zwei Seiten umfassen (3.500 bis 7.500 Anschlagszahlen inkl. Leerzeichen bei einer Schriftgröße von 12 Punkten, einfachem Zeilenabstand und Rändern von jeweils 2,54 cm zu jeder Seite. Die Zahl der eingesendeten Abbildungen ist nicht begrenzt, jedoch kann nur eine Auswahl für den Druck berücksichtigt werden (siehe auch unten zur digitalen Bildaufbereitung).

Digitale Aufbereitung

In Entsprechung zur Datenbank, die im Zusammenhang mit der Erstellung des dynastisch-topographischen Handbuchs aufgebaut worden ist, sollen Bilder, die nicht in die Auswahl der für den Druck vorgesehenen Abbildungen kommen, im Internet im Kontext der entsprechenden Artikel des dynastisch-topographischen Teils des Handbuches veröffentlicht werden. Hierdurch werden die Bilder einerseits in einen illustrativen Zusammenhang mit den Artikeln des dynastisch-topographischen Handbuchs gebracht, andererseits wird das gesammelte Material, das aus Gründen des Umfangs und der Kosten nicht gedruckt werden kann, der Öffentlichkeit im Rahmen der Forschungsdatenbank zur Verfügung gestellt.

Der Zeitplan erstreckt sich über insgesamt zweieinhalb Jahre, die Konzeption des nunmehr "Bilder und Begriffe" betitelten Bandes stand bislang im Vordergrund. Wir rufen die bisherigen Mitarbeiter des dynastisch-topographischen Handbuchs auf, weiterhin Abbildungen und ergänzende Hinweise zu den relevanten Begriffen zu sammeln und an die Kieler Arbeitsstelle zu schicken. Ein Anmeldeformular für die Einzelartikel des Bild- und Begriffsbandes ist am Ende dieses Konzepts abgedruckt. Kritische Anregungen, Kommentare und Kritik zu dem modifizierten Konzept des geplanten Bandes sind ebenfalls willkommen.

Jan Hirschbiegel/Jörg Wettlaufer

 

 

Ausgewählte Veröffentlichungen

Albrecht, Uwe: Der Adelssitz im Mittelalter. Studien zum Verhältnis von Architektur und Lebensform in Nord- und Westeuropa, München u.a. 1995.

Historische Bildkunde. Probleme – Wege – Beispiele, hg. von Brigitte Tolkemitt und Rainer Wohlfeil, Berlin 1994 (Zeitschrift für historische Forschung. Beiheft, 12).

Boockmann, Hartmut: Die Stadt im späten Mittelalter, 2., durchges. Aufl, München 1986.

Braunfels, Wolfgang: Die Kunst im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Unter Mitarbeit von Eckart Bergmann, Christine Hoh-Slodczyk, Ernst Wolfgang Huber, Ingrid Kessler-Wetzig unter Klaus Kratzsch. Bd. 1: Die weltlichen Fürstentümer, München 1979. Bd. 2: Die geistlichen Fürstentümer, München 1980.

Von der Burg zum Schloß. Landesherrlicher und adeliger Profanbau in Thüringen im 15. und 16. Jahrhundert, hg. von Heiko Lass, Bucha bei Jena 2001 (Palmbaum-Texte, 10).

Burgen in Mitteleuropa. Ein Handbuch, Bd. 1: Bauformen und Entwicklung. Bd. 2: Geschichte und Burgenlandschaften, hg. von der Deutschen Burgenvereinigung durch Horst W. Boehme, Busso von der Dollen, Dieter Kerber u.a., Stuttgart 1998.

Burgen und Schlösser der Schweiz, Basel 1929ff.

Châteaux et manoirs de France, Paris 1934ff.

Heck, Kilian: Grabmonumente und soziale Raumbildung. Dietrich von Fürstenberg und die Grabdenkmale des Domkapitels im Paderborner Dom, in: Bildnis, Fürst und Territorium, hg. von Andreas Beyer und Lutz Unbehaun, München 2000 (Rudolstädter Forschungen zur Residenzkultur, 2), S. 141-153.

Heck, Kilian: Genealogie als Argument. Der Beitrag dynastischer Denkmale zur politischen Raumbildung der Neuzeit, München u.a. 2001.

Himmelein, Volker: Die Selbstdarstellung von Dynastie und Staat in ihren Bauten. Architektur und Kunst in den Residenzen Südwestdeutschlands, in: Residenzen. Aspekte hauptstädtischer Zentralität von der frühen Neuzeit bis zum Ende der Monarchie, hg. von Kurt Andermann, Sigmaringen 1992 (Oberrheinische Studien, 10), S. 47-58.

Hoppe, Stephan: Die funktionale und räumliche Struktur des frühen Schloßbaus in Mitteldeutschland. Untersucht an Beispielen landesherrlicher Bauten der Zeit zwischen 1470 und 1570, Köln 1996 (Diss. Univ. Köln 1996) (Veröffentlichung der Abteilung Architekturgeschichte des Kunsthistorischen Instituts der Universität Köln, 62).

Merten, Klaus: Zur Entwicklungsgeschichte des deutschen Burgen- und Schloßbaus, in: Burgen und Schlösser in Deutschland, hg. von Klaus Merten unter Mitarbeit von Uwe Albrecht, Hans-Joachim Giersberg, Irene Markowitz und Michael Petzet. Aufnahmen Paolo Marton, München 1996, S. 24-38.

Müller, Matthias: Das Schloß als Bild des Fürsten. Studien zur herrschaftlichen Metaphorik in der Residenzenarchitektur des Alten Reichs (1470-1618) unter besonderer Berücksichtigung Mitteldeutschlands (Habil.-Schr. Univ. Greifswald 2001) (in Vorbereitung zum Druck).

Müller, Matthias: Spätmittelalterliches Fürstentum im Spiegel der Architektur. Überlegungen zu den repräsentativen Aufgaben landesherrlicher Schloßbauten um 1500 im Alten Reich, in: Principes. Dynastien und Höfe im späten Mittelalter. Interdisziplinäre Tagung des Lehrstuhls für Allgemeine Geschichte des Mittelalters und Historische Hilfswissenschaften in Greifswald in Verbindung mit der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen vom 15.-18. Juni 2000, hg. von Cordula Nolte, Karl-Heinz Spiess und Ralf-Gunnar Werlich, Stuttgart 2002 (Residenzenforschung, 14), S. 107-145.

Paravicini, Werner: Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters, München 1994; 2., unv. Aufl., München1999 (Enzyklopädie deutscher Geschichte, 32).

Pleticha, Heinrich: Reich und Territorien vom Ausgang der Staufer bis heute, in: Burgen und Schlösser in Deutschland, hg. von Klaus Merten unter Mitarbeit von Uwe Albrecht, Hans-Joachim Giersberg, Irene Markowitz und Michael Petzet. Aufnahmen Paolo Marton, München 1996, S. 9-23.

Ranft, Andreas: Feste des deutschen Adels am Ausgang des Mittelalters, Form und Funktion, in: Il tempo libero. Economia e società [Loisirs, Leisure, Tiempo Libre, Freizeit] secc. XIII-XVIII [serie II – Atti delle "Settimana di Studi" e altri Convegni 26, Istituto internazionale di Storia Economica "F. Datini", Prato], hg. von Simonetta Cavaciocchi, Prato 1995, S. 245-256.

Das Schloß und seine Ausstattung. Zum Zeichenwert höfischer Innenräume, hg. von Peter-Michael Hahn und Ulrich Schütte (Rudolstädter Beiträge zur Residenzkultur, 3) (im Druck).

Völkel, Michaela: Das Bild vom Schloß. Darstellung und Selbstdarstellung deutscher Höfe, München u.a. 2001 (Kunstwissenschaftliche Studien, 92).

Zeune, Joachim: Burgen – Symbole der Macht. Ein neues Bild der mittelalterlichen Burg, Regensburg 1997.


Ordnung der Begriffe (aus der Perspektive des Fürsten)

<<Oberbegriffe der zweiten Ebene unterstrichen und kursiv, weitere Oberbegriffe kursiv>>

<<QV = Querverweis>>

<<Komm. = Kommentar>>

A. Versorgung und Administration: das tägliche Leben organisieren
[einführender Artikel, ca. 3 S.]

Administration

Architektonische Verzahnung von Stadt und Residenz – <<Komm.: "Eroberung des Raumes">>

Personen

Räte etc.

Hofbeamte

Hofjuden

Institutionen

Rat

Gericht

Rechenkammer

Kanzlei

Archiv

Münze

Bildung, Erziehung und Wissenschaft

Bildung und Erziehung

Hofgelehrte

Erzieher

Schule

Gymnasium

Wissenschaften

Astronomie/Astrologie

Andere Wissenschaften mit Techniken <<QV B. – Künstler und Fachleute>>

Familie

engere Familie

Kinder [Bastarde]

Frauen

Männer <<QV A. – UnterkunftWohnraum – Frauen- und Männerräume>>

weitere Familie

Günstlinge und Mätressen

Hofnarren

Zwerge, Riesen, Mohren

Gesundheit

Leibärzte

Apotheker

Mobilität

Fortbewegungsmittel

Sänften

Pferde, Marstall

Kutschen

Schlitten

Reise

-utensilien

-mobiliar

-gepäck

Zelte

Nahrung

Geschirr und Besteck <<QV B. – Pracht und VielfaltSammlungen>>

Küche

Kammer [Speise-]

Nutzgarten

Backhaus

Brauhaus

Fruchthaus

Salzhaus

Mühle

Der tägliche Gottesdienst

Hofgeistlichkeit

Kapläne

Beichtväter

Kapelle [Doppel-]

Kirchen [Altar/Herrscherstuhl] <<QV B. – Pracht und VielfaltStiftungen>>

Sicherheit <<Komm.: ggf. Ordnung der Begriffe von außen nach innen>>

Wehr- und Befestigungsanlagen der Residenz – <<Komm.: im Zusammenhang mit den Anlagen des Residenzortes, der Stadtmauer>>

Festung

vorgeschobene Wachgebäude

Vorwerke

Zeughaus/Waffenkammer

Militär am Hof

Haus- und Wachdienste

Garde

Türhüter

Torwächter

Rüstungen <<QV B. – Pracht und Vielfalt Sammlungen>>

Hofgerichtsbarkeit

Bergfried

Unterhaltung/Zeitvertreib ("Organisation des Tages") <<QV C. – Unterhaltung>>

Vorlesen, Lesen <<QV B. – Pracht und Vielfalt Sammlungen – Bibliotheken>

Spiele [Schach, Ballspielplätze, Tennis]

Tanzen, Musizieren

<<QV B. – Pracht und Vielfalt Jagd und Tiere>>

<<QV C. – Feste und Feiern>>

Werken [Drechseln]

Artes

Unterkunft

Wohnraum <<QV B. – Geordneter Raum und Distanz Appartement>>

[Be]Heizung [Kemenate, Ofen]

Frauen- und Männerräume

Hofstube

Bad

Toilette

Bodenbeläge [Teppiche]

Tapisserien, [Prunk] <<QV B. – Pracht und Vielfalt Sammlungen>>

Kacheln

Zelte <<QV A. – MobilitätReise>>

Kammer [Jagd-, Silber-]

Mobiliar [Stuhl, Tisch, Bank, Kasten]

Versorgungsgebäude und -einrichtungen

Wasserversorgung [Brunnen: <<QV: B. – Geordneter Raum und DistanzGarten und Gartenhäuser>>]

Wirtschaftsräume [Wirtschaftshof, auch Pferdeställe, Scheunen etc.]

B. Repräsentation und Legitimation: die Herrschaft sichtbar begründen
[einführender Artikel, ca. 3 S.]

Pracht und Vielfalt: der angemessene Aufwand

Entrée (festliche, triumphale)

Jagd und Tiere

Jagdhumpen

Jagdtrophäen

Jagdschlösser

Menagerie

Fasanerie

Wildpark

Kleidung

Rennbahn

Sammlungen

Bibliotheken

Schatz-, Kunst- und Raritätenkammer

Schmuck und Juwelen

Goldschmiedearbeiten [Tafelaufsätze]

Exotisches, Kurioses

Stiftungen

religiöse -

Spitäler

Person und Rang

Herolde

Hofämter, Hofstaat

Hofzeremoniell

Herr allen Wissens: Künstler und Fachleute

Geschichtsschreiber

Literatur

Geographie, Karten

Maler[ei], Portrait

Musik[er]

Baumeister

Technik[er]

Mechanik[er]

<<QV A. Familie weitere Familie>>

<<QV B. Pracht und VielfaltSammlungen>>

<<QV C. Bestandteile>>

Geordneter Raum und Distanz

"architektonische Großstruktur"

Blickregie und Weg-

Fassade

Garten und Gartenhäuser

Wasserkunst

Bosquetten

Gartenarchitektur

Lusthäuser

Schloß

Portale

[-hof]

Arkaden [-gang]

Außengänge und Loggien

Dach [-umgänge]

Galerie

Garderobe

Flügelanlage

Ein-, Zwei-, Drei-,Vierflügelanlage

Hof/Platz

Brunnen

Kamine

Turm

Treppen-

Tor-

Wohn-

Kabinett-

Treppe

-anlage

Ehren-

Prunk-

Loggien-

Reiter-

Wendel-

Saal

-geschoßhaus

Empfangs-

Eß-

-bau

Appartement

Raum- und Zimmerfolge

Stuben-, Doppelappartement

Tafelstube [Kredenz]

Rückzugsorte

Knöpfe/Turmstuben

Herkunft und Zukunft

Genealogie

Bildprogramme

Ahnengalerie

Grablegen

Herrschaftsantiquitäten

weltliche und geistliche Reliquien

Trauerzüge

Fahnen

Beutestücke

Schlachtengemälde

Monumente

der große alte Turm <<QV B. – Geordneter Raum und Distanz Turm>>

Herrschaftszeichen <<QV – C. – Medien>>

Inschriften

Insignien

Thron [Herrscherstuhl]

Kur- und Ehrenschwerter

Wappen

Devisen

Orden

Embleme

C. Integration und Kommunikation: die anderen einbinden
[einführender Artikel, ca. 3 S.]

Bestandteile <<Komm.: Ordnung nach "Festmodulen">>

Bankett (Tafelsitten, Tischgesellschaft)

Divertissement

Tanz (Tanzhaus)

Maskeraden

Illuminationen

Feuerwerke

Turniere (Turnierplatz)

Scheibenschießen

Gottesdienst und Totengedenken

Weitere Unterhaltung

Oper

Singspiel

Theater

Schenken und Stiften <<QV B. – Pracht VielfaltStiftungen>>

Ordensstiftungen

(Neu-)jahrsgeschenke

Feste und Feiern

Anlaß und Formen

Lebenslauf:

Geburt

Taufe

Volljährigkeit

Hochzeit

Tod

Jahreslauf:

Jahrtage (Gedenken an die Vorfahren)

Okkasionelles:

Reise << QV A. – Mobilität>>

Auf dem Feldzug

Eide (Huldigungen, Lehnsempfang) <<QV B. – Herkunft und ZukunftHerrschaftszeichen>>

Ständeversammlungen

Gastfreundschaft (Bewirtung, Fremde, Gäste)

Medien <<QV B. – Herkunft und Zukunft Herrschaftszeichen>>

Festberichte

Spruch, Lied, Dichtung

Bücher

Anschläge

Flugblätter


Anmeldung

 

Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

c/o Historisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Olshausenstraße 40

D-24098 Kiel

 

Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich
Bilder und Begriffe

Die Erforschung königlicher und fürstlicher Residenzen, Höfe und Dynastien im spätmittelalterlichen Reich ist ein Projekt der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, für das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesucht werden, und zwar für den oben vorgestellten Handbuchteil "Bilder und Begriffe".

Bitte schicken Sie das ausgefüllte Anmeldeformular

bis zum 28. Februar 2003

an die oben angegebene Adresse

oder faxen Sie es unter der Nummer +49 (0)4 31 - 8 80-14 84

oder melden Sie sich online an unter
http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/anmeldung.php3

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Anmeldung zur Mitarbeit am dynastisch-topographischen Handbuch
"Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich"

Name:____________________________Vorname:_______________Titel:________________

Institution:____________________________________________________________________

Straße:_______________________________________________________________________

Land:_________Postleitzahl:_____________Ort:_____________________________________

Tel._________________________Fax_____________________Email____________________

Ich bin bereit, bis 31. Dezember 2003 einen Artikel nach den Vorgaben der Handreichung zu folgenden Artikelstichworten zu schreiben:

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[Eine Bestätigung erfolgt nach Abstimmung mit dem Herausgeber]

________________________________

(Unterschrift)

 


Die Arbeit der anderen

 

 

Der Hof der Erzbischöfe von Trier in der Stauferzeit (1131-1259)

Zur inhaltlichen und methodischen Konzeption eines Dissertationsprojekts

"Qui peut nommer de certaines couleurs changeantes, et qui sont diverses selon les divers jours dont on les regarde? de même, qui peut définir la cour?", fragt Jean de La Bruyère, Précepteur des Louis, Duc de Bourbon, eines bald schon designierten Schwiegersohnes König Ludwigs XIV., im achten Kapitel seiner 1688 veröffentlichten Gesellschaftskritik "Les Caractères de Théophraste, traduits du grec, avec les Caractères ou les mœurs de ce siècle". Auf diese Weise offenbart der scharfsinnige Beobachter am Hof von Versailles, was sich bereits 500 Jahre zuvor der englische Hofkleriker Walter Map mit Bezug auf den als musterhaft geltenden Königshof Heinrichs II. eingestanden hat: die eigene wie zeitgenössische Unfähigkeit zu einer präzisen Definition von "Hof".

Das aufgezeigte Problem wirkt zurück auf die seit einiger Zeit auch im deutschsprachigen Raum blühende Hofforschung. Nicht erst seit Otto Brunner gehört es zum methodischen Basiswissen des Historikers, daß er sich bei jeder Quelleninterpretation zunächst darum bemühen muß, das zeitgenössische Begriffsverständnis aufzuhellen und damit zugleich den konkreten Sachverhalt, der auf den Begriff gebracht worden ist, angemessen zu erfassen. Dies scheint jedoch weder für den frühneuzeitlichen noch für den mittelalterlichen Hof zu gelingen. Die Bedeutung etwa des in den Quellen gebräuchlichen mittellateinischen Wortes "curia" schwankt zwischen den Extrempunkten "Himmel" und "Schlachthof", und selbst in einem engeren Sinn reicht seine Variationsbreite mindestens noch vom alltäglichen "Hof" bis zum festlich inszenierten "Hoftag".

Jenseits zeitgenössischer Begrifflichkeit ist versucht worden, die "unfaßliche Erscheinung" mit griffigen Kurzformeln oder auch bildhaft zu umschreiben, ihr gar mit der Luhmannschen Systemtheorie oder Max Webers Methodologie beizukommen. Eine allgemeingültige Definition von "Hof" ist dabei freilich nicht gefunden worden; und angesichts eines mit der Vielfalt möglicher Frageansätze und einer ständig wachsenden Zahl an Publikationen und neueren Forschungsergebnissen aus den verschiedenen Disziplinen außerordentlich komplex entwickelten Gegenstandes ist eine zufriedenstellende Antwort auf die Frage, was denn eigentlich die epochenübergreifende Einheit dieses Gegenstandes ausmache, vorläufig wohl nicht zu erhoffen.

"Es gibt […] keinen Konsens über das, was ein Hof sei", wird als eine grundsätzliche Erkenntnis auf der im Oktober 1992 und im Frühjahr 1993 veranstalteten Reichenau-Doppeltagung zum Thema "Deutscher Königshof, Hoftag und Reichstag im späteren Mittelalter (12. bis 15. Jahrhundert)" formuliert; vereinfachend und Impulse aus der konzeptionellen Diskussion der Residenzforschung aufnehmend, ließe sich hinzufügen: denn Hof ist eben nicht gleich Hof. Es handelt sich stets um ein individuelles historisches Gebilde, dessen Wesen sich nicht in den Merkmalen einer universellen Begriffsbestimmung erschöpft, ja dessen Eigenart sich sogar erst jenseits solcher Merkmale aufspüren läßt.

Es ist folglich weniger Anliegen und Ziel der projektierten Dissertation, sich erneut um eine abstrakte Definition des vielschichtigen und in seiner gesamten Komplexität kaum zu erfassenden Phänomens zu bemühen. Vielmehr geht es darum, am konkreten Beispiel des erzbischöflich trierischen Hofes in staufischer Zeit die Struktur und Funktionsweise eines geistlichen Reichsfürstenhofes im 12. und 13. Jahrhundert zu erforschen. Angestrebt sind Erkenntnisse über die Beschaffenheit, Existenz und Verfaßtheit dieses Hofes, über seine personelle Zusammensetzung und die hier wirkenden Mechanismen, Formen und Bedingungen fürstlicher Herrschaft.

Voraussetzung ist, daß ein Hofbegriff zugrunde liegt, der einerseits den Ursprung und zweckgebundenen Kern des Hofes nicht gänzlich mit bestimmten Vorstellungen von "höfischer Kultur", mit zeremoniell geordneter Prachtentfaltung und festlichem Glanz, überdeckt, ohne daß andererseits Literatur, Kunst und Wissenschaft, höfische Lebensform und "fürstliche Markierung" aus diesem Konzept ausgeschlossen wären. Der Hof muß primär als Herrschaftszentrum begriffen werden. Er diente hauptsächlich dazu, jene Menschen an den Fürsten zu binden, auf deren Hilfe, Mitwirkung oder Duldung er angewiesen war.

Dieser verfassungsgeschichtlich orientierte Ansatz, wie ihn Joachim Ehlers in seiner Untersuchung über den Hof Heinrichs des Löwen explizit formuliert hat, ist in fruchtbarer Kombination mit dem methodischen Zugriff über die Prosopographie bereits in einer Reihe beachtlicher Einzelstudien über den stauferzeitlichen Königs- und Kaiserhof erprobt, verfeinert und weiterentwickelt worden. Die Erforschung der hochmittelalterlichen Fürstenhöfe im Reich steht dagegen noch sehr am Anfang: Neben dem Hof Heinrichs des Löwen sind der Hof der Bischöfe von Lüttich im 11. und 12. Jahrhundert, in Teilbereichen die Höfe der Erzbischöfe von Köln und Mainz und der Hof des Passauer Bischofs (und späteren Patriarchen von Aquileja) Wolfer von Erla sowie im Rahmen kleinerer Spezialstudien der gräflich hennegauische Hof am Beginn des 13. Jahrhunderts und der Hof der Landgrafen von Thüringen zur Zeit der heiligen Elisabeth eingehender untersucht.

Die konzipierte Studie stellt nun – sich hier einordnend – mit dem "Hof der Erzbischöfe von Trier in der Stauferzeit" einen der großen geistlichen Reichsfürstenhöfe des 12. und 13. Jahrhunderts in den Mittelpunkt historischer Betrachtung, die es zum einen erlaubt, die spezifischen Gegebenheiten zu analysieren, und zum anderen, die Bedeutung dieses Hofes für die Reichsstruktur darzustellen. Fragen nach der fürstlichen resp. fürst-erzbischöflichen Herrschaftspraxis und -umgebung als einem Kernbereich hochmittelalterlicher Verfassungswirklichkeit leiten das Erkenntnisinteresse; gleichwohl werden auch eher sozial- und kommunikationsgeschichtlich interessante Fragestellungen, beispielsweise nach der ständischen Herkunft der Hofklientel oder nach den Formen der Interaktion zwischen dem Fürst-Erzbischof und den an der Herrschaft Beteiligten oder Beherrschten, nicht außer acht gelassen. Darüber hinaus sind Fragen der Herrschafts- bzw. höfischen Repräsentation zu berücksichtigen, selbst wenn hier die schwerpunktmäßige Beschränkung auf nur einen Aspekt ratsam erscheint: auf die Repräsentation als Sichtbarmachung und Zurschaustellung von Herrschaft, Macht und fürstlichem Selbstverständnis, und zwar in dem Sinne, daß ein Fürst als solcher für, aber auch durch seine Umgebung erkennbar sein mußte.

Der in der Untersuchung betrachtete Zeitraum umfaßt die Pontifikate sämtlicher stauferzeitlicher Erzbischöfe von Trier: Albero von Montreuil, Hillin von Falmagne, Arnold I., Johann I., Theoderich II. von Wied und Arnold II. von Isenburg. Mit eingeschlossen ist der sechsjährige Trierer Bistumsstreit, welcher nach dem Tod Arnolds I. 1183 mit einer Doppelwahl begann und der infolge reichs- und kirchenpolitischer Verwicklungen bis 1189 andauern sollte. Die Erhebung Alberos von Montreuil 1131 markiert die Eingangszäsur. Seine Wahl bedeutete gleichsam einen Neuanfang, denn er verstand es, das in der Zeit des Investiturstreits zerrüttete Erzstift Trier zu konsolidieren und die erzbischöfliche Herrschaft gegen den Widerstand regionaler und lokaler Gewalten wiederherzustellen. Auf Reichsebene wie in der Kirche spielte er zudem eine überragende Rolle. Die Ausgangszäsur ist vorläufig auf das Todesjahr Arnolds II. von Isenburg 1259 festgesetzt worden, obwohl sein Pontifikat zeitlich über die Stauferherrschaft im Reich hinausreichte und er im Unterschied zu seinen Vorgängern von Anfang an ein Staufergegner gewesen ist. Interessant wäre hier v.a. die Frage, ob der Wandel in den reichspolitischen Konstellationen auch Auswirkungen auf die Struktur des erzbischöflich trierischen Hofes hatte. Zu bedenken bleibt allerdings, daß der enorme Anstieg der Urkundenproduktion seit der Wende zum 13. Jahrhundert und die damit zusammenhängenden Veränderungen in der Beurkundungspraxis unter Johann I., Theoderich II. und Arnold II. in methodischer Hinsicht eine klare Grenze vorgeben: Die Zeugenlisten, auf deren Auswertung die Studie im wesentlichen beruht, verschwinden ab dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts zunehmend aus dem Formular der trierischen Erzbischofsurkunden.

Die Betrachtung eines über hundertjährigen Zeitraums gestattet den Blick auf längerfristige Entwicklungen, auf Kontinuitäten und Brüche: Was bedeutete z.B. der Tod des Erzbischofs für seinen Hof? Ist im Laufe der Zeit so etwas wie ein personeller Zugewinn/Verlust oder eine den Hof stabilisierende personelle Kontinuität feststellbar?

Ausgangspunkt der Untersuchung ist die grundsätzliche Erwägung, daß es sich im Falle des erzbischöflich trierischen Hofes um einen geistlichen Fürstenhof handelt und daß hier neben einer Reihe von Gemeinsamkeiten auch einige strukturelle Unterschiede im Vergleich zu den Höfen weltlicher Fürsten erkennbar sind. Daß die Doppelstellung als Erzbischof und Fürst und die daraus resultierenden Abhängigkeiten Auswirkungen auf die Organisation und Personalstruktur des Hofes haben mußten, ist evident.

1. Antike Tradition und kanonische Vorschrift banden den Bischof an seine Bischofsstadt. Die Kathedralkirche stellte das geistliche Zentrum des durch die Diözesangrenzen klar umrissenen Einfluß- und Zuständigkeitsbereichs dar. Es darf vermutet werden, daß hier von vornherein ein Herrschafts- und Repräsentationsmittelpunkt vorgegeben war und daß zumindest die Anfänge und Vorformen einer Residenzbildung an solch einem Ort sehr begünstigt worden sind. Dem Postulat bischöflicher Ortsgebundenheit stand indes die Forderung nach persönlicher Anwesenheit des Fürst-Erzbischofs bei der Herrschaftsausübung gegenüber. Dieses Spannungsverhältnis gilt es auszuloten: Wie ortsstabil war dieser Hof? Wie mobil konnte, mußte und durfte er sein?

2. Die Verwaltung im Herrschaftsbereich eines geistlichen Reichsfürsten war maßgeblich von den Vorgaben der Kirchenorganisation geprägt. In der Konsequenz bedeutete dies für seinen Hof, daß ein nicht geringer Teil der hier Anwesenden gewissermaßen qua Amt vorhanden war. Mit dem Domkapitel etwa, das seiner hauptsächlichen Bestimmung nach für die Gottesdienste in der Kathedralkirche verantwortlich war, stand dem Bischof oder Erzbischof gleichsam ein permanent besetztes Ratgeber-, Hilfs- und Stellvertretungsorgan zur Verfügung.

3. Die Formen der Repräsentation an den Höfen geistlicher Fürsten wurden bis zu einem gewissen Grad durch die Liturgie beeinflußt und vorgegeben.

4. Zu den auffälligsten Eigenarten geistlicher Hofhaltungen gehört unzweifelhaft die Absenz des weiblichen Elements an der Spitze der Hofgesellschaft, also das Fehlen einer Fürstin, für die ja auch eine eigene Hofhaltung eingerichtet sein konnte.

5. Der Nachfolger eines geistlichen Reichsfürsten wurde gewählt, weshalb das dynastische Element weitgehend wegfiel. Für die Hofgesellschaft war es in der Regel unmöglich, sich schon langfristig auf den zu erwartenden Nachfolger einzustellen. Beim Tod des Fürst-Erzbischofs geriet sie jedesmal unweigerlich in eine existentielle Krise. Daß eine Fürstenfamilie im engeren Sinne nicht vorhanden war, bedeutete freilich nicht, daß familiäre Interessen und Begünstigungen an den Höfen geistlicher Herren überhaupt keine Rolle gespielt hätten.

Diese hier zunächst nur allgemein formulierten Charakteristika geistlicher Hofhaltungen im hochmittelalterlichen Reich sollen im Rahmen des Dissertationsprojekts am Beispiel des erzbischöflich trierischen Hofes zwischen 1131 und 1259 untersucht werden.

Darüber hinaus ist bezüglich der Hoforganisation auch nach den Vorbildern zu fragen. Daß der Hof des Königs bei der Einrichtung der Fürstenhöfe im 12. Jahrhundert vorbildhaft wirkte, ist etwa im ersten Kapitel der Historia Welforum belegt, wo berichtet wird, daß die Ausgestaltung des welfischen Hauswesens regio more erfolgt sei. Fürstenhöfe gelten als Sekundärbildungen nach dem Muster des Königshof. Dennoch stellt sich angesichts der vielfältig nachweisbaren Kontakte zum Papsthof mit einiger Berechtigung die Frage, ob nicht grundsätzlich auch über eine mögliche Vorbildfunktion der päpstlichen Kurie für Höfe geistlicher Herren im Reich nachzudenken wäre.

Hinzu kommt, daß im speziellen Fall der Erzbischöfe von Trier die romanischen bzw. westlichen Einflüsse auf die Hoforganisation und hinsichtlich des Hofpersonals zu berücksichtigen sind, wie sie schon aufgrund der geographischen Lage des Erzbistums Trier und eingedenk der Tatsache, daß nicht wenige Erzbischöfe des 12. Jahrhunderts aus dem romanischen Sprachraum stammten, angenommen werden dürfen.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt jedoch eindeutig auf der Untersuchung der wechselnden personellen Zusammensetzung des erzbischöflich trierischen Hofes in enger Verbindung mit der Itineraranalyse. Dabei wird von einer in erster Linie personell bestimmten Hofvorstellung ausgegangen: Der primär als Herrschaftszentrum zu begreifende Hof bestand aus Personen, welche der Fürst-Erzbischof an der Herrschaft beteiligte, sei es nun konzeptionell oder funktional, also in beratender oder dienender Funktion. Diese Personen müssen ermittelt und auf der Grundlage eines hypothetisch entwickelten, mehrstufigen Hofmodells einer Hierarchie zugeordnet werden, um letztlich mit Hilfe dieser auf Vollständigkeit zielenden Prosopographie Aufschlüsse über den Hof als Gesamtheit zu gewinnen.

Das arbeitshypothetisch entwickelte Hofmodell stützt sich auf die überkommene begriffliche Unterscheidung von "engerem" und "weiterem" Hof, relativiert diese aber auch zugleich, indem der engere Hof noch weiter differenziert und ein innerer oder Kernhof gegen sog. Außenhöfe abgegrenzt wird. Der Kernhof setzte sich aus Personen zusammen, welche sich unabhängig vom Aufenthaltsort über längere Zeit in der Umgebung des Erzbischofs befanden. Diese über größere Abschnitte des Itinerars nachweislich zusammenhaltende Entourage ist von Gruppierungen zu scheiden, die sich regelmäßig nur an bestimmten Itinerarorten versammelten und daher als "Außenhöfe" bezeichnet werden können. Potentielle Außenhöfe dürfen vermutet werden an den politischen Vororten der fürst-erzbischöflichen Herrschaft, welche sich als Schwerpunkte der Itinerarüberlieferung bedingt auf der Basis der Frequenzitinerare der stauferzeitlichen Erzbischöfe von Trier definieren lassen.

Der mit Kernhof und Außenhöfen beschreibbare engere Hof ist von dem ständig von Ort zu Ort, von Zeit zu Zeit oftmals rasch und hektisch, situativ wechselnden Gefolge, dem weiteren Hof, zu separieren, wenn auch prinzipiell mit fließenden Grenzen zwischen den idealtypischen Hierarchiestufen des Hofes zu rechnen ist. Eine saubere Trennung scheint schon wegen der Vorbehalte, die sich aus der Quellenlage ergeben, nicht bzw. nicht immer erreichbar zu sein.

Wichtigstes Kriterium für die angestrebte Differenzierung ist die Anwesenheitsdichte: Wer traf wann, wie oft und wo mit dem Fürst-Erzbischof zusammen? Wie lange hielt er sich in dessen Umgebung auf? Das einfache Auszählen und die bloße Addition der ermittelten Hofpräsenzbelege genügen dabei allerdings in keinem Fall. Bei einer Beurteilung der Nachweise müssen auch die strukturellen und individuellen Faktoren und Motive für die Anwesenheit des einzelnen am Hof resp. für dessen Fernbleiben Berücksichtigung finden.

Neben der Unterscheidung von engerem und weiterem Hof ist zwischen der curia ordinaria, dem täglichen Hof, und der curia plena oder solemnis, dem "vollständigen" und "feierlichen" Hof, zu differenzieren. Letztgenannter war keine Einrichtung auf Dauer, sondern ein saisonales Ereignis. Er konstituierte sich als zeitlich befristeter und meist festlich inszenierter Hoftag, worunter stets eine Aufgipfelung auf den Hof zu verstehen ist, d.h. der tägliche und permanente Hof konnte durch massierten Zuzug erweitert und im Extremfall eben bis zum Hoftag als einer Versammlung mit gleichwohl andersartiger Qualität gesteigert werden.

Hoftage und Hoffeste als höfische Großereignisse, besonders in ihrer Verbindung und Abgrenzung zu den Provinzial- und Diözesansynoden, die vom Erzbischof einberufen und geleitet wurden, des weiteren die Zusammenkünfte mit anderen Reichsfürsten und nicht zuletzt die aufwendigen Besuche von Kaiser, König und Papst im Erzbistum Trier gehören ebenso zu den Untersuchungsfeldern der projektierten Dissertation wie die Bereiche Hofkapelle, Kanzlei und Hofämter als mehr oder weniger ständige Strukturen des Hofes.

Die geplante Studie basiert auf einer umfassenden Erhebung, einschließlich Identifizierung, aller Personen und Personengruppen, die in den teils unzulänglich edierten, teils ungedruckten trierischen Erzbischofsurkunden sowie in anderen mit Beteiligung bzw. in Gegenwart des Erzbischofs ausgestellten Diplomen genannt werden und deren Anwesenheit bei Hofe hierdurch belegt ist.

Zu den nichterzbischöflichen Urkunden, welche herangezogen werden können, um das prosopographisch aussagefähige Quellenmaterial weiter zu verdichten, zählen vornehmlich all jene Urkunden, die während eines Aufenthalts des jeweiligen Ausstellers am Hof ausgefertigt worden sind, sowie Diplome, in denen der anwesende Erzbischof als Zeuge aufgeführt ist. Letzteres ist überwiegend bei den Königs- und Kaiserurkunden der Fall, für deren Auswertung ein besonderes Phänomen der Hofpräsenz nutzbar gemacht wird: das "Sekundärgefolge". Demnach sollte es möglich sein, zwischen dem eigentlichen Gefolge des Königs und solchen Leuten zu unterscheiden, die im Gefolge ihres Herrn – hier also: des Erzbischofs von Trier – an den Königshof gereist sind und folglich für die Dauer ihres Hofaufenthalts mittelbar ("sekundär") auch dem königlichen Gefolge angehörten.

Neben den urkundlichen sind die wichtigsten erzählenden Quellen auf Angaben zur Hofstruktur und -organisation der stauferzeitlichen Erzbischöfe von Trier und eventuell ergänzende Belege zum Itinerar und zur Präsenz bestimmter Hofbesucher zu prüfen.

Es sind jedoch v.a. die Zeugenlisten der Erzbischofsurkunden, welche gleichsam als Generalschlüssel für die Ermittlung und prosopographische Aufarbeitung der Hofklientel im 12. und 13. Jahrhundert angesehen werden dürfen. Einige Besonderheiten des trierischen Urkundenformulars und speziell der Datierung einmal beiseite lassend, besteht die methodische Hauptschwierigkeit bei der Auswertung der Zeugenreihen für Fragen der Hofpräsenz darin, daß sich die in einer Urkunde genannten Zeugen nicht unbedingt am Ort und Tag der Ausstellung bei Hofe aufgehalten haben müssen. Ihre Zeugenschaft kann sich auf die Handlung beziehen, die womöglich schon sehr viel früher und vielleicht ohne Beteiligung des Erzbischofs stattfand, wie auch auf jede Stufe der Beurkundung. Zeugenlisten sind eben keine oder höchstens nur unvollständige Präsenzlisten. Diesem Problem ist quellenkritisch zu begegnen.

Nach Auffassung von Karl-Heinz Spieß bietet nur eine Edition der Urkunden, die den Anforderungen der MGH Diplomata entspricht, das notwendige Rüstzeug, um nicht über die methodischen Fallstricke bei der Auswertung der Zeugenreihen zu stolpern. Eine durchaus vergleichbare, wegen der Berücksichtigung auch erzählender und anderer urkundlicher Quellen mitunter sogar komfortablere Arbeitsgrundlage stellen Regestenwerke nach Standard der Regesta Imperii dar. Doch liegen die Urkunden der Erzbischöfe von Trier im 12. und 13. Jahrhundert weder in der einen noch in der anderen Form vor; überhaupt ist die Quellen- und Editionslage insgesamt als einigermaßen schwierig und disparat zu bezeichnen.

Für den unmittelbaren geistlichen und weltlichen Herrschaftsbereich der Erzbischöfe von Trier, d.h. die eigentliche Diözese und das Erzstift und somit das Gebiet vom Westerwald/Mittelrhein über die untere und mittlere Mosel bis hin nach Luxemburg, wird die Hauptmasse der Quellenzeugnisse in Koblenz und Trier bewahrt. Ein nicht unbedeutender Teil der archivalischen Überlieferung befindet sich zudem in Luxemburg, Wiesbaden und Düsseldorf. Die urkundlichen Quellen aus der übrigen Kirchenprovinz, den oberlothringischen Suffragandiözesen Metz, Toul und Verdun, sind vornehmlich in Paris, Metz, Nancy, Bar-le-Duc und Épinal vorhanden. Einzelstücke trierischer Erzbischofsurkunden aus dem Hochmittelalter sind heute über wenigstens fünf Länder verstreut: Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Belgien und Österreich. Die Quellenrecherche gewinnt dadurch geradezu eine europäische Dimension.

Für den ersten und grundlegenden Untersuchungsschritt, die Differenzierung der zu ermittelnden Hofklientel über die Anwesenheitshäufigkeit und -dichte, ist es notwendig, eine gewisse Vollständigkeit bei der Erfassung der zwischen 1131 und 1259 ausgestellten Erzbischofsurkunden anzustreben, doch leuchtet ein, daß es im Rahmen eines Dissertationsprojekts nicht darum gehen kann, jedem auch noch so geringen Verdacht auf eine möglicherweise vorhandene Urkunde nachzuspüren und gleichsam als Vorarbeit eine den MGH Diplomata adäquate Edition anzufertigen.

Die meisten Materialen aus dem mittelrheinisch-moselländischen Gebiet wurden ohnehin bereits im 19. Jahrhundert mehr oder weniger zuverlässig ediert oder in Form von Regesten veröffentlicht; gleichwohl war hier ein nicht unerheblicher Restbestand neu zu bearbeiten und insbesondere gegenüber dem oftmals gerade in den prosopographisch aussagefähigen Passagen verkürzenden Druck zu überprüfen. Für den luxemburgischen Bereich ist zumindest mit dem von Camille Wampach herausgegebenen "Urkunden- und Quellenbuch zur Geschichte der altluxemburgischen Territorien" ein Editionsniveau erreicht, auf dem eine methodisch einwandfreie Durchführung der Analyse gewährleistet ist. Dagegen sind die Erzbischofsurkunden, die für den oberlothringischen Raum mit den Suffraganbistümern Metz, Toul und Verdun überliefert sind, bisher wenig beachtet und nur in Ausnahmefällen – meist unkritisch – ediert worden; sie waren fast vollständig neu zu erschließen.

Der Umgang mit einer diffizilen Quellen- und Editionslage und ihre Bewältigung im Sinne einer sorgsamen Aufbereitung des Urkundenmaterials speziell für die Anwendung quantitativ-prosopographischer Methoden bestimmen maßgeblich die Möglichkeiten der Erkenntnis und sind daher für den Gesamterfolg des vorgestellten Projekts entscheidend. Am Ende sollte es trotz der angedeuteten Unwägbarkeiten gelingen, ein facettenreiches und stimmiges Bild des Hofes der Erzbischöfe von Trier in staufischer Zeit zu entwerfen.

Matthias Krüger, Berlin*

"Il y a plus d`aisance & plus de divertissements"
Vorbilder und Eigenarten des Zeremoniells am Hof Max Emanuels von Bayern

Zusammenfassung einer Magisterarbeit

Im 17. und 18. Jahrhundert nahm der Münchner Hof unter den mächtigen und bedeutenden Höfen im Reich eine wichtige Stellung ein. Durch seine Heiratspolitik stand er mit den großen Höfen Europas in Verbindung. Der dynastische Ehrgeiz der Wittelsbacher und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen hatten zur Folge, daß ein großer Aufwand an Repräsentation betrieben wurde. Gerade Max Emanuel (1661-1726) war ein Regent, der über seine finanziellen Möglichkeiten hinaus ging, um die Stellung seines Hauses im Ranggefüge der wichtigsten Höfe Europas voranzutreiben. Dies macht den Hof dieses Kurfürsten zu einem wichtigen Betrachtungsfeld für Fragen des Zeremoniells. Es ist wichtig zu betonen, daß dieses entsprechend der vielen dynastischen Verbindungen von verschiedenen Seiten her geprägt wurde. Das französische und das spanische Zeremoniell sind die Hauptgattungen, die das Zeremoniell an den deutschen Höfen bestimmten. In der Literatur zeigt sich eine Unstimmigkeit darüber, ob das Zeremoniell am damaligen Münchner Hof als spanisch oder französisch angesehen werden kann. So sehen Kruedener, Görgmaier und Vehse das Hofleben unter Max Emanuel sehr stark von französischen Einflüssen geprägt, vor allem, nachdem die Hoffnungen auf das spanische Erbe enttäuscht worden waren. Straub sieht dagegen den Kaiserhof in Wien als Vorbild, und Bauer bezeichnet im Vergleich der deutschen Höfe das Hofzeremoniell unter Max Emanuel als spanisch, wenn auch mit einer "barocken Festkultur französischen Zuschnitts". Auch unter den Zeitzeugen war man sich nicht einig. Von Loen war überzeugt, daß das Zeremoniell vor allem durch Frankreich beeinflußt sei. Lantery, F. C. von Moser, J. J. Moser und Bianconi sahen den Hof demgegenüber als vom spanischen Zeremoniell geprägt.

Vor diesem Hintergrund soll daher nachfolgend der Frage nachgegangen werden, von welchen Höfen Europas das Hofzeremoniell Max Emanuels beeinflußt worden ist. Dabei ist zu bedenken, daß Max Emanuel oft für lange Zeit nicht in München war. In den Niederlanden weilte er als Statthalter von 1692 bis 1701. Während des Spanischen Erbfolgekriegs wurde er als Verbündeter Frankreichs 1704 bei Höchstädt geschlagen und mußte ins Exil nach Frankreich, von wo er 1715 erst wieder zurückkehrte. Es wird zu klären sein, ob die dortigen Eindrücke eine Veränderung im Zeremoniell am Münchner Hof hervorbrachten.

Was zunächst das Zeremoniell bei Theateraufführungen und Festen angeht, so bildeten prunkvolle Aufführungen ein kulturelles Mittel, um die Stellung des Kurfürsten und seiner Familie, aber auch die Stellung jedes einzelnen in der höfischen Welt anschaulich zu manifestieren. Das prägende Vorbild dafür war Ludwig XIV. Niemand betrieb bei der Unterhaltung der zahlreichen Höflinge einen größeren Aufwand als er und niemand nutzte das Theater, die Bälle und Festlichkeiten besser zur Versinnbildlichung der politischen Idee des Absolutismus als er. Allenfalls im Kaiserhof von Kaiser Leopold erhielt er einen ernstzunehmenden Konkurrenten. Der Kaiser allerdings hielt sich an das spanische Zeremoniell. Deshalb waren öffentliche Auftritte von ihm und seiner Familie eher selten. Regelmäßige höfische Unterhaltungsformen gab es, abgesehen von den Familienfesten, nicht. Gleichwohl fanden unter Kaiser Leopold noch wesentlich mehr Aufführungen statt als in späteren Zeiten. Pöllnitz berichtet, daß unter Karl VI. die Anlässe für die Oper auf zwei Termine im Jahr beschränkte blieben. Unter Ludwig XIV. wurde dagegen das Fest mitsamt der Aufführung zu einem ebenso regelmäßig wie systematisch genutzten Instrument der Selbstdarstellung sowie der Darlegung aktueller Politik und der Machtprinzipien der "absoluten" Monarchie. Die Gewohnheit eines Regenten, sich in den Mittelpunkt zu stellen und aktiv in einem Stück mitzuwirken, war in dieser Zeit besonders für Frankreich charakteristisch: "S`il y a quelque caractère singulier dans cette monarchie, c`est l`accès libre et facile des sujets au prince" schrieb Ludwig XIV. in seinen Mémoiren und betonte, wie wichtig es sei, daß sich der Monarch nicht vor seinen Untertanen verberge.

Eine gute Möglichkeit, sich im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu bewegen und den Adel zu unterhalten, bot das Theater. Ludwig XIV. perfektionierte die ursprünglich italienische Idee, den Fürsten mit Hilfe des Theaters zu glorifizieren, indem er beispielsweise die Politik in das Stück einbezog und so über eine reine Nachahmung hinausging.

München gehörte unter den größten Höfen Europas zu einem der wichtigen Zentren fürstlicher Theaterkultur. Gerade Max Emanuel galt unter den Wittelsbachern als ausgesprochener Freund des Theaters und gab Unsummen dafür aus. Zunächst spielte am Münchner Hof noch das Jesuitentheater eine übergeordnete Rolle. Aus einem Bericht der Hofkammer an den Kurfürsten wird ersichtlich, daß bei einigen Aufführungen deutsches bzw. regionales Personal verwendet wurde, um Geld zu sparen. Max Emanuel wurde in Kenntnis gesetzt, daß diejenige Studenten, so man bey denen zu unterschidlichen mahlen vorgestelte Operen und Khurir gebraucht, [...] wegen der Ruinirte Klaid so denen zum Aufzeigen gegeben worden zu etwaiger Ersetzung des Schadens angesucht [...]. Es waren also aus Geldgründen Studenten bei den Opernaufführungen eingesetzt und mit Kostümen aus der Kunstkammer ausgestattet worden, wobei es jedoch zu Schäden gekommen war. Wenn es jedoch darum ging, wichtige dynastische Anlässe festlich auszugestalten, dann wurden vom Kurfürsten keine Kosten gescheut. Bei der Bezahlung der hohen Gagen für ausländische Profis kam es allerdings bisweilen zu Engpässen. So wird berichtet, daß im Jahr 1701 eine Gruppe französischer und zwei italienische Komödianten engagiert wurden und in jedem Quartal 3.269 fl. Gage erhalten sollten. Dennoch war von November bis zu endt deß monats May somit Ihnen mehr nit, alß 300 fl. in abschlag entrichtet worden, das übrige [...] ist wegen mangel des gelts in ausstand verblieben, und werden seye ohne Zweifel auch für gegenwaertigen monath satisfaction begehen, wiewohlen seyn ein ganzes Jahr hero nur etlichmahl gespillet haben. So zeigt sich der große Geldaufwand, der für repräsentative Anstrengungen in Sachen Theater in Kauf genommen werden mußte. Der Zeitzeuge Westenrieder berichtet für das Jahr 1782 von "450 Seelen", welche für Musik und Schauspiel zuständig waren. Da Max Emanuel als besonderer Theaterfreund galt, muß der Personalaufwand in seiner Zeit ebenfalls sehr groß gewesen sein.

Im Bereich der Unterhaltung wandte sich Max Emanuel mehr und mehr dem französischen Hof zu. Nach dem Vorbild von Versailles hatte der Kurfürst die Appartements und Accademien eingeführt. Betrachtet man die Auflistungen der Aktivitäten am Hof in den Tagebüchern des Grafen von Preysing, welcher Kammerherr am Hof Max Emanuels war, so fällt auf, daß die Appartements mit Beginn ihrer Einführung im Jahr 1686 anfangs regelmäßig an drei und später an zwei Tagen die Woche auftraten. Weiterhin zeigt sich, daß die meisten Aktivitäten im Januar und Februar stattfanden, vorausgesetzt, es kam ansonsten zu keinen besonderen Ereignissen wie z.B. Hochzeiten. Als ein Beispiel hierfür wäre das Jahr 1723 zu nennen. Hier erwähnt Graf von Preysing in der Faschingszeit neben den Appartements eine Ansammlung von Redouten, Tanz und Opern. Danach sind ganze Monate in seiner Jahrestabelle nur noch lückenhaft ausgefüllt. Eine Vielzahl an Opern ergibt sich wieder für den August 1723, dem Monat der Geburt von Therese Emanuele.

Anlehnend an die Berichte über den Hof Max Emanuels, welche Freiherr von Pöllnitz verfaßte, erwähnt Johann Jakob Moser, daß sich bei einem Appartement die Damen bei der Herzogin oder in der Orangerie getroffen hatten. Nachdem auch der Kurfürst und die Prinzen eingetroffen waren, hielt man sich in mehreren Räumen der Residenz auf, unterhielt sich, spielte und nahm dann an einer großen Tafel Platz. Beim Spiel war das Zeremoniell dahingehend gelockert, daß keine Sitzordnung existierte, die eine bestimmte Zusammensetzung der Gesellschaft festgelegt hätte. Bei den Accademien war der Ablauf, wenn sie in der Residenz stattfanden, sehr ähnlich, der eigentliche Unterschied bestand darin, daß hier die Musik eine größere Rolle spielte.

Max Emanuel nutzte die von Ludwig XIV. perfektionierten Prinzipien zur Erhöhung des Fürsten und zur Versinnbildlichung der Prinzipien der Hofgesellschaft, sei es durch den Inhalt der Aufführung, sei es durch seine aktive Teilnahme in einer gespielten Rolle. In der Oper "Diana amante" spielte die Kurfürstin die Hauptrolle, und in "nozze di villagio" erschien Max Emanuel als Falkner. Als man am 14. Juli 1680 die Prunkoper "Emione" aufführte, wurde nach einer Weile die eigentliche Handlung der Oper unterbrochen und die Gegenwart der Residenzstadt gerühmt und mit den Helden der Oper in der Erzählung verwoben. Wegen der vergleichsweise geringeren Bedeutung des eigenen Hofes, und weil der Adel in Bayern nicht in gleicher Weise eine Konkurrenzrolle einnahm wie in Frankreich, geschah dies natürlich in viel geringerem Ausmaß. Trotzdem hatte auch Max Emanuel aufgrund seines ehrgeizigen Ziels, die Position der Wittelsbacher zu verbessern, ein starkes Interesse daran, die Macht seines Hauses zu versinnbildlichen.

Charakteristisch für das Theaterzeremoniell Max Emanuels war es, daß unter seiner Herrschaft durchaus auch Bürger zum Theaterbesuch zugelassen waren. Diese hatten dann im Parkett Platz zu nehmen. Hierin unterschied sich der Kurfürst klar von der Praxis Kaiser Leopolds oder Ludwig XIV., an deren Höfe nur Zuschauer mit Adelstitel zugelassen waren. Er näherte sich also weder dem französischen noch dem spanischen Vorbild an, sondern folgte einer Tendenz, die sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts auch in anderen deutschen Territorien entwickelte. Dies geschah insbesondere dort, wo die Hoftheater freistehende autonome Baukörper ohne direkte Verbindung zur Residenz waren. Ausgesprochene Schloßtheater oder Opernhäuser mit einer baulichen Verbindung zum Schloß waren dagegen meist einem höfischen Publikum vorbehalten. Bei dem von Max Emanuel umgestalteten Salvatortheater gab es jedoch eine Verbindung über einen überdeckten steinernen Gang. Dieser führte offensichtlich direkt zu den Räumen der Residenz, denn im Bericht der Hofkammer an den Kurfürsten wird erwähnt, daß einige Studenten, die bei Aufführungen beteiligt gewesen waren, über ihn in die Residenz eingedrungen seien und dort einen Diebstahl begangen hätten. In diesem Sinne handelt es sich bei dem von Max Emanuel praktizierten Theaterzeremoniell um etwas Neues. Noch der Vorgänger Max Emanuels hatte im Parterre des Salvatortheaters gesessen, was beweist, daß damals auf keinen Fall Bürger zugelassen gewesen sein können.

In München existierte auch für Nichtadelige eine Reihe von Möglichkeiten, den Kurfürsten zu Gesicht zu bekommen. Max Emanuel hatte 1688 in München einen Spiel- und Tanzsalon eröffnet, zu dem jedermann für einen Silberfranc Zutritt finden konnte, und das Turnierhaus soll 8.000 bis 10.000 Menschen Platz geboten haben, so daß die gelegentliche Teilnahme von Zuschauern ohne Adelstitel von vornherein geplant gewesen sein muß, zumal in einem Brief des Abtes Chapuzeau von Eintrittsgeldern die Rede ist. Zudem wird über die kurfürstlichen Tauffeierlichkeiten im September 1662 berichtet: Diser Tag [und] nachts verl. 8 Uhr hat sich das angestelte Turnir angefangen und in die Nacht hirvon bis auf 3 Uhr also 7 Stund lang gewehrt, bey welchem sich ein unglaublich menge Volcks so wohl aus der Stadt, als von ausländischen Personen befanden.

War also in München auch Nichtadeligen der Zutritt in das städtische Redoutenhaus erlaubt, so war man in Wien dagegen hinsichtlich der Zutrittsvoraussetzungen viel strenger. Sogar im Redoutenhaus der Stadt wurde bis 1743 nur der hohe Adel und danach der niedere Adel eingelassen. Der kaiserliche Obrist-Hofmeister Fürst Johann Joseph Khevenhüller-Metsch schreibt allerdings in seinem Tagebuch, daß noch 1748 der niedere Adel beim Besuch des städtischen Redoutenhauses gegenüber dem hohen Adel benachteiligt blieb: "Monntag und Mittwoch erlaubte die Kaiserin die Bals auf der Meelgruben, jedoch ohne Masque, und wie vor disem, lediglich für den großen Adel, welches letztere – da der Halbadel gar mächtige Patronen bei Hoff hat – nicht wenig Mühe zu erzwingen gekostet".

Max Emanuel war derjenige der Wittelsbacher, der wahrscheinlich am meisten Hang zu spaßigen volkstümlichen Spielen zeigte. Hierbei wurde eine bayerische Folklore gepflegt, und es waren auch Nichtadelige zugelassen. Ein Beispiel dafür sind die Spiele vom 26. Oktober 1722. Nach einer Jagd am Starnberger See taufte Max Emanuel die Kurprinzessin Amalie zur Bayerin, indem er sie, ebenso wie die Edelleute Kur-Kölns, mit Wasser bespritzte. Dem "einfachen" Volk, das die Ehre hatte, dem Kurfürsten vorgestellt zu werden, wurde eine Wasserschüssel über den Kopf gegossen.

Ein Beispiel für den Hang der Wittelsbacher zur Parodie sind ihre Ritterspiele. In München verstand man es sehr gut, sich in Szene zu setzen, doch im Gegensatz zu anderen Dynastien hatte man seine Freude an der Persiflage der Ritterideologie. Hierbei wurde kein fremdes Festschemata kopiert. Die Würde des Spiels wurde hier parodiert und durch amüsante Auftritte ersetzt. Das Zeremoniell wurde bei solchen Spielen reduziert, um ein unkompliziertes, geselliges Zusammensein zu erreichen und dabei das Zusammenspiel zwischen Adel und den "einfacheren" Leuten zu ermöglichen.

Das unter Max Emanuel angewandte Zeremoniell bei Festen und Aufführungen wurde also von zwei scheinbar gegensätzlichen Tendenzen geprägt. Zum einen von seiner volksnahen Einstellung und zum anderen von der Idee der Glorifizierung des Herrschers und der Hierarchisierung der Zuschauer, wie sie durch Ludwig XIV. perfektioniert worden war. Die Feste stellten einen kostspieligen Höhepunkt bei der Verwirklichung der Großmachtvorstellungen Max Emanuels dar. So kostete das Fest anläßlich der Heirat seines Sohnes mit der Tochter Kaiser Josephs I. vier Millionen Gulden, was fast das ganze Haushaltsbudget für ein Rechnungsjahr war. Dabei war man schon zuvor mit über 30 Millionen Gulden verschuldet gewesen. Max Emanuels Politik war noch mehr als die seines Vorgängers auf Machtzuwachs gerichtet. So wäre er, um die Königswürde zu erlangen, bereit gewesen, Bayern gegen die Niederlande oder das Königreich Neapel-Sizilien zu tauschen. Die Aufzeichnungen der Münchner Räte aus dem Jahr 1715 anläßlich der Geburtstagsfestlichkeiten Max Emanuels zeigen jedoch, daß der Kurfürst dennoch manch ein Fest dazu benutzte, um seine Verbundenheit zum angestammten Herrschaftsgebiet Bayern zu betonen. Mit Hilfe von Ehrengebäuden wurde beim damaligen Einzug in die Stadt die Landesherrschaft Max Emanuels allegorisch gerühmt. Nicolao Seemüller beschreibt: Vor der Landschafft war ein kostbares Ehren Gebaeu aufgerichtet, welches sehr hoch und breit ist und Ihro Churfuerstl. Durchl. in einem reich vergoldeten Thron Manns Groesse von Bildhauer Arbeit vorstellt [...]. Anders von Gemeiner Stadt. In der Neuhauser Gassen zwey schoene und sehr hohe Ehren-Säulen mit dem Reichs Apffel und Chur Hut [...]. In der Kaessinger Gassen ein sehr grosse und hohe Ehren Pforten [...] und sämtliche Churfuerstl. Herrschaften des ganzen Durchleuchstigsten Chur Haus Bayern, auch von Holz [...]. Bey der Residenz die Vorstellung des Bayrischen Attlantes so den Bayrischen Globum in die alte Schoß ableget [...]. Es zeigt sich, daß es hier bei der Investition der Kosten für das Fest diesmal nicht um außenpolitische Zielsetzungen ging. Hier stand vielmehr die Betonung der Herrschaft über Bayern (bayerischer Atlant hat Bayern als Welt im Schoß) im Mittelpunkt der Triumphbauten. Die allegorische Darstellung wird an zentraler Stelle in der Residenz präsentiert.

Der Münchner Hof war ein Hof mit vielen Festen, doch außerhalb besonderer Anlässe, wenn der Alltag den Tagesablauf prägte, ging es etwas ruhiger zu. Der Kaiserhof in Wien besaß mit seinem dort ausgeübten spanischen Zeremoniell traditionell einen besonderen Einfluß auf München, was das alltägliche Zeremoniell angeht, denn nach diesem richteten sich in München viele Details in diesem Bereich. So kam es im Vergleich zu Frankreich zu einer viel privateren Ausrichtung des Umfeldes des Kurfürsten bei der Organisation des Tagesablaufes. In München hatte beispielsweise das Zeremoniell des An- und Auskleidens des Fürsten traditionell einen privateren Charakter. Zugelassen waren ausschließlich hohe Beamte und Diener des persönlichen Haushaltes. Hier am bayerischen Hof fehlten die Zuschauer, die wie in Frankreich ohne Schwierigkeiten einen Zugang zum Schlafzimmer des Fürsten erlangen konnten. In der "Einleitung zur Ceremoniel-Wissenschafft der grossen Herren" beschreibt von Rohr, daß es im Reich für niemanden leicht war, die Erlaubnis zu einer Teilnahme zu bekommen, sondern daß dies nur einem speziell dafür ausgesuchten Kreis erlaubt war.

Zum Lever und Coucher Max Emanuels existieren keine sehr genauen Informationen, doch ist ein Memorandum erhalten, in welchem die Frage gestellt wird, ob Kavalieren die Ehre gegeben werden sollte, am Grand Lever, aber nicht am Petit Lever teilzunehmen. Ferner bleibt offen, ob der Zutritt täglich erfolgen sollte, oder nur an bestimmten Tagen der Woche. Aus dieser Quelle lassen sich zwar keine genauen Aussagen zum Lever machen, doch sie zeigt, daß auch Max Emanuel der allgemeinen Entwicklung des 18. Jahrhunderts gefolgt ist, einen erweiterten Kreis zugelassener Höflinge zum Grand Lever in Betracht zu ziehen.

In der Kammerordnung aus der Zeit nach 1756 ist allerdings nicht mehr von teilnehmenden Kavalieren die Rede. Der Zutritt zum Lever wird hier nur den Hofämtern der vier Stäbe gestattet. Ferner auch dem Obrist-Hofmeister der Kurfürstin, den kurbayerischen Konferenz- und geheimen Räten, welche zugleich Kämmerer waren, den wirklich dienenden Kämmerern und Kammerdienern, den höchsten Ämtern der Armee und der Garde, dem Obrist-Jägermeister und Obrist-Falkenmeister und den dazugehörigen Vice-Ämtern. Daneben durften dem Lever der kurfürstliche Obrist-Kuchenmeister, Obrist-Siberkämmerer, der kurfürstliche Beichtvater, der Kabinets-Sekretär und der Leib-Medico beiwohnen. Es ist daher möglich, daß entweder die Zulassung von Kavalieren unter Max Emanuel wieder rückgängig gemacht wurde, oder die Idee, diese zum Lever zuzulassen, schließlich doch nicht verwirklicht worden ist.

Bei der Betrachtung des Lever und Coucher in Versailles zeigt sich, daß der Kreis der Teilnehmer dort größer als beim spanischen Vorbild war und die Zusammensetzung der Diensttuenden beweglicher. Wem das Privileg eines speziellen Dienstes zugesprochen wurde, hing nicht nur mit dem Rang des jeweiligen zusammen, sondern gründete oft in der Gunst, in welcher er beim König stand. So wurden zum Grand Lever alle jene Höflinge zugelassen, die als gens de qualité bezeichnet wurden, und wie der brandenburgische Gesandte Ezéchiel Spanheim berichtet, wurde der Dienst des Assistierens, wie z.B. das Halten einer Kerze beim Coucher, als Privileg an bevorzugte Kavaliere vergeben, wobei die Personen je nach aktueller Situation wechselten.

Neben dem An- und Auskleiden gab es in München eine Reihe weiterer wiederkehrender und zeitlich festgelegter "Programmpunkte", wie die Messe, die Mahlzeiten, die Hof-Zeit usw. Zwei schriftliche Instruktionen Max Emanuels an die Hofmeisterin, bzw. den Hofmeister zeigen, daß die zur Bewältigung des Alltags aufgestellten Regeln, beispielsweise für die Prinzen, besonders aber für die Hofdamen detailliert und strikt festgelegt sein konnten. Anhand einer Auflistung von nicht datierten, aber von Max Emanuel unterschriebenen Instruktionen an den Hofmeister erfährt man einiges über den Alltag der Prinzen und deren Erziehung. Vom morgendlichen Aufstehen und Ankleiden um acht Uhr bis zum Schlafengehen ist für jeden Wochentag ein spezieller Tagesablauf mit Unterricht usw. geplant. Der Hofmeister hatte dafür Sorge zu tragen, daß der für die Prinzen bestimmte Tagesablauf eingehalten wurde und das alles wohl beobachtet, und wie es auch Prinzen von so hohem geblüth gehört, sacht angewendet werde. Allenfalls dann durfte der Hofmeister den Tagesablauf ändern, wenn Geschehnisse wie Regen die Aktivitäten im Freien beeinträchtigten. In weiteren Instruktionen, die von Max Emanuel und seiner zweiten Gemahlin Therese Kunigunde unterschrieben sind, wird die Hofmeisterin ermächtigt, alle ständig anwesenden Hofdamen und alle, die aktuell hinzukamen, zu führen. Sie mußte außerdem dafür sorgen, daß alle Hofdamen ein diszipliniertes Leben nach christlichen Grundsätzen führten. Die Hofdamen waren unter der ständigen Kontrolle der Hofmeisterin. Sie durften nicht einmal alleine von einem zum anderen Zimmer laufen. Stets mußten sie von der Hofmeisterin oder einer anderen dafür bestimmten Vertretung begleitet werden. Diese Regelungen des Alltags scheinen strikter organisiert gewesen zu sein, als dies im französisch geprägten Brüsseler Hof Max Emanuels der Fall gewesen war. Dies belegen die Instruktionen an die Hofmeisterin in Brüssel. Sie beziehen sich auf die zuvor aufgeführten Instruktionen und sind in das Jahr 1698 datiert. Hier heißt es: Leurs Alteses Electorales etant informées, avec quel peu de regle, les Dames de la Cour vivent à present, contre la decence et coutûme de la Cour Electorale de Baviere. Aus diesem Grund wurden einige Punkte angeordnet, um das Leben der Hofdamen am Hof in Brüssel den Münchner Gegebenheiten anzupassen. Die Hofmeisterin sollte sich dabei vorbeugend an all das halten, was am kurfürstlichen Hof von Bayern lange schon Brauch war. Speziell im Bereich des Alltagszeremoniells der Hofdamen wollte der Kurfürst also keine Angleichung an örtliche Gepflogenheiten hinnehmen, auch wenn in anderen Bereichen, wie der Unterhaltung durch Appartements, um nur ein Beispiel zu nennen, durchaus auch Anregungen von außerhalb an den Münchner Hof gelangen konnten, wenn sie der Politik des Kurfürsten dienlich waren.

In anderen Bereichen des täglichen Lebens kam ein gelockertes Zeremoniell dem Wunsch des Kurfürsten besser entgegen. So etwa auf den Landschlössern. Wie in Wien unterschied man zwischen dem sogenannten Burgzeremoniell und dem Campagnezeremoniell. Der freiere Umgang auf dem Land zeigte sich z.B. darin, daß man das Tafelzeremoniell auf dem Land durch die sogenannte "bunte Reihe" reduzierte. Ferner bestimmte Max Emanuel in einer Kleiderordnung von 1704, daß auf den Landschlössern die Kleider einfacher zu halten seien. In der Residenz habe man jedoch darauf zu achten, daß die Kleider verziret werden solln. In der Residenz mußten bei der täglichen Mittagstafel, bei Appartements, Accademien und bei den sommerlichen Damentagen jene Cavaliers und Hofbediente, die bey einigem Vermögen sind [...] jederzeit propre und ansehnlich bey Hof sich einfinden [...].

Die grundlegende Unterscheidung des Ranges bemaß sich am bayerischen Hof, dem spanischen Zeremoniell entsprechend, am Privileg des Entrée zum jeweiligen Vorzimmer. In Kammerordnungen wurde genau bestimmt, wie weit welches Mitglied des Hofes vordringen durfte. Leider hat sich keine entsprechende Ordnung aus der Regierungszeit Max Emanuels und der seines Vorgängers erhalten. In einer undatierten Kammerordnung, in welcher das Privileg des Zutritts zu den einzelnen Vorzimmern festgelegt ist, lassen sich jedoch einige Details zu den jeweils zugelassenen Personen herauslesen. So durften die nicht wirklich dienenden Kammerherren nicht weiter als in das erste Vorzimmer gehen, diejenigen jedoch, die den Wochendienst hatten bis in das zweite Vorzimmer, aber nicht bis in das Große Kabinett. In dieses konnte, was die Kämmerer betrifft, nur der Obrist-Kämmerer-Stab gelangen. Die Privilegierung der wirklich Dienenden vor den reinen Titular-Ämtern galt auch für andere Ämter. So konnten z.B. die kurfürstlichen Räte nur in die Ritterstube gelangen. Die wirklich dienenden und auch die geheimen Räte des Kurfürsten jedoch bis in das erste Vorzimmer. Das kurfürstliche Innere Audienzzimmer war schließlich den Fürsten und Prinzen vorbehalten, den Ämtern der vier Stäbe, den kurfürstlichen Konferenz-Ministern, den kaiserlichen Räten, der Obrist-Hofmeisterin der Kurfürstin, den Gesandten und letztendlich auch den ranghöchsten Ämtern der Armee.

Der Zugang zu den einzelnen Räumen war also streng hierarchisch geordnet und machte so den Rang der Hofleute sichtbar. Die Hierarchie der Räume auf dem Weg zum Schlafzimmer des Fürsten war ein typisches Merkmal deutscher Residenzen. Da in München bereits der Herkulessaal und die Ritterstube als Warteräume dienten, gab es hier mehr Vorzimmer als z.B. in Versailles. Dies hing mit dem anderen Öffentlichkeitsempfinden im Vergleich zu Frankreich zusammen, wo, räumlich gesehen, eine größere Nähe zum König möglich war. Dort schloß das Vorzimmer direkt an das Schlafzimmer des Königs an, in München war dies das Innere Audienzzimmer, auch Großes Kabinett genannt. In der "Einleitung zur Ceremoniel-Wissenschafft der grossen Herren" beschreibt von Rohr, daß in Deutschland die fürstlichen Schlafzimmer gegenüber den anderen Zimmern privilegiert waren. Fremde, die durch die anderen Räume geführt wurden, durften in diese nicht hineingelassen werden. Am französischen Hof war dagegen zu solchen Anlässen ein freies und ungehindertes Besichtigen aller Räume, inklusive des Schlafzimmers, erlaubt. Anhand der Briefe der Liselotte von der Pfalz ist bekannt, daß sich diejenigen, die am Appartement teilnahmen, ungehindert in allen Räumen und sogar im Schlafzimmer des Königs bewegen durften, wo drei Spieltische für den König, die Königin und den Bruder des Königs aufgestellt waren. An diesen Tagen drängten sich alle hoffähigen Gäste in den Prunkgemächern.

Wichtig für die Aufrechterhaltung Ranghierarchie war, daß bereits im Einfahrtsbereich der Residenz begonnen wurde, die soziale Hierarchie der Höflinge nach außen hin sichtbar zu machen. Einen Eindruck hiervon liefert z.B. eine Kammerverordnung des Nachfolgers Max Emanuels, in der es nur gewissen Amtsinhabern von Rang gestattet war, in die Residenz bis ganz vorne hin einzufahren. Es wird bestimmt, daß die Chefs von denen vier Churfürstlichen Staeben, sowie auch alle diejenigen, die das Recht hatten, das kurfürstliche Audienzzimmer zu betreten, in die Residenz einfahren durften. Weiterhin war dies auch der Obrist-Hofmeisterin der Kurfürstin, dem Obrist-Jägermeister, den Räten, welche zugleich Kämmerer waren, dem Statthalter von der Pfalz, den beiden Kapitänen der Garde und deren Hatschieren und Trabanten erlaubt. Sie alle sollten an den großen Stiegen absteigen. An gleicher Stelle, oder an den hinteren Stiegen im Brunnenhof, stiegen außerdem sämtliche Hof- und Stadt-Damen ab. Die Kommandeure des St. Georg-Orden, die General-Leutnants, Minister fremder Höfe und der kurfürstliche geheime Kanzler und geheime Vice-Kanzler durften dagegen zwar in die Residenz einfahren, sollten aber nicht an den großen Stiegen, sondern an den sogenannten Kapell- oder Canzley-Stiegen absteigen.

Ein weiteres Beispiel, wonach der hohe Rang einzelner Höflinge durch das Zeremoniell räumlich dargestellt werden konnte, liefert der Einzug Max Emanuels nach München mit seiner Ehefrau nach der Hochzeit im Jahre 1685. Der kurfürstliche Trompeter und Poet Bernhard de Lillis beschreibt den Einzug als ein streng hierarchisch geordnetes Ereignis, bei dem die Bedeutung der Ämter entsprechend ihrer Position bei Hof zur Mitte des Zuges hin, in welcher Max Emanuel ritt, zunahmen. So bestand z.B. der vordere Abschnitt des Zuges aus den Wagen der Stadtmagistrate, der Präsidenten des Hofrats und aus den Wagen der Grafen Tättenbach und Leiblfing. Dann folgte der Wagen des Obrist-Kämmerers und als im Rang höher stehend der Wagen des Obrist-Hofmeisters. Diesen schlossen sich die Wagen der Prinzen und schließlich der Wagen des Kurfürsten an.

Waren das Raum- und Alltagszeremoniell in München in vielen Details an das des Wiener Kaiserhofes angelehnt, so traf dies auch auf die Zusammensetzung der oberen Spitze der Ämterhierarchie zu. Im "Deutschen Hof-Recht" listet Friedrich Carl von Moser die wichtigsten Hofämter auf. Ein Vergleich der wichtigsten bayerischen Hofämter mit der kaiserlichen Ämterliste zeigt, daß sie in Zusammensetzung und Reihenfolge exakt mit denen des Kaiserhofes übereinstimmen. Dies war nicht selbstverständlich für alle deutschen Höfe, sondern wurde unterschiedlich gehandhabt.

Die Aufgabenbereiche der einzelnen Hofämter konnten jedoch entsprechend der speziellen Situation des jeweiligen Hofes abweichen. So macht beispielsweise ein Dekret Max Emanuels an die Hofkammer im Jahr 1715 deutlich, daß in München der Aufgabenbereich des Obrist-Stallmeisters keineswegs auf die Verwaltung der Stallungen, der Aus- und Einfahrten und der Reisen beschränkt blieb. Max Emanuel befiehlt darin der Hofkammer, den Obrist-Stallmeister Graf von Albert für seine Bemühungen, neue und geänderte Kleider für die Oper zu besorgen, zu bezahlen.

Was schließlich das Tafelzeremoniell angeht, so war dies, wie bei anderen Höfen auch, nicht an jedem Tag gleich, sondern hing von den gegebenen Anlässen ab. Unter der Woche war es üblich, daß Max Emanuel und seine Familie jeweils privat speisten. In der Münchner Residenz saß der Kurfürst dann allein am Tisch, bzw. hatte zuweilen seine Gemahlin zu seiner Seite. Zu besonderen Anlässen speiste er jedoch öffentlich, d.h. unter den Augen der Hofleute. J. J. Moser berichtet über den Hof Max Emanuels zu Beginn des 18. Jahrhunderts: "Des Sonn- und Festtages, und wenn sonst Lustbarkeiten bey Hofe vorgingen, pflegte der Churfuerst, nebst den Prinzen und Prinzessinen seines Hauses offene Tafel zu halten". Auch die Kurfürstin aß öffentlich zu Abend. In einer Anweisung der Kurfürstin zur Erziehung der Prinzessinnen schrieb sie im Jahr 1718: Quand le heur seray convenir qu’elle se mettre en robbe pour diner en public avec moy. In dieser Einteilung der Woche richtete man sich in München nach dem spanischen Zeremoniell, denn danach speiste man unter der Woche ebenfalls privat und nur an einem Tag der Woche öffentlich. In Frankreich hatte Ludwig XIV. dagegen jeden Tag ein öffentliches Mah. Auch hierin zeigt sich das andersartige Öffentlichkeitsempfinden am französischen Hof.

Bei Festbanketten zeigte man ferner am Hof Max Emanuels durch seine Kleidung eine traditionelle dynastische Verbundenheit mit Spanien. In einer von Max Emanuel unterschriebenen Anordnung wird bestimmt, daß dann die Edelleute im Mantl-Claidern à l’Imperial sich finden [...] sollten. Hierbei handelt es sich um das schwarze Spanische Mantelkleid, welches auch schon in früheren Zeiten am Münchner Hof getragen worden war, was anhand von Gemälden ersichtlich wird. Die Damen trugen dann besonders wertvolle und breite Reifröcke mit Schleppe.

In München konnte es vorkommen, daß der Kurfürst einen Gast zu sich zu einem privaten Essen einlud. Dies war beispielsweise 1684 der Fall, als sich Prinz Eugen von Savoyen nach einer Audienz zu Max Emanuel an den Tisch gesellen durfte. Eine solche Vergünstigung kam zu gleicher Zeit an den großen Höfen Europas, in Madrid, Wien oder auch Versailles, nicht vor. Der französische König speiste außer bei der Armee nie mit mehreren Leuten an einem Tisch, es sei denn, es fand eine Hochzeit statt, welche er ausgerichtet hatte. Während in Frankreich allenfalls in solchen Ausnahmesituationen die königlichen Prinzen und Prinzessinnen zugelassen waren, tafelte der spanische König in der Regel auch bei Hochzeiten nur mit seiner Frau. Auch in Wien wurden Gäste nur dann hinzu geladen, wenn der Kaiser zu besonderen Anlässen oder an Sonn- und Feiertagen abends öffentlich speiste. Die Angewohnheit Max Emanuels, Gäste zu einem privaten Essen zu sich einzuladen, wurde hier erst in späterer Zeit praktiziert und selbst dann noch von vielen Zeitgenossen kritisiert.

Am Hof Max Emanuels war es üblich, nach jedem abendlichen Appartement und jeder Theateraufführung in Gesellschaft zu essen. Hierzu ist zu lesen: "Der Churfuerst, die Prinzen und die Damen ließen sich daran [an der Tafel] nieder, und wenn noch Platz vorhanden war, so ließ man einige Cavaliers, oder Fremde, oder auch sogar diejenigen, so die Aufwartung hatten, gleichfalls niedersetzen. Man beobachtete an dieser Tafel keinen Rang, und die Prinzen nahmen den ersten besten Platz ein, wo sie nur stunden". Bei dieser Art zu speisen, der sogenannten "bunten Reihe", kam es also zu einer Lockerung des Zeremoniells, auch wenn es nicht wörtlich zu nehmen ist, daß hier die Rangordnung wirklich ganz aufgehoben wurde. Trotzdem zeigte diese Angewohnheit, daß am Münchner Hof eine ungezwungenere Geselligkeit als am Kaiser- und Königshof gepflegt wurde. Diesen Eindruck verstärkt auch der Bericht des Freiherrn von Pöllnitz vom höfischen Leben in München: "La Cour de Bavière observe presque toutes les Etiquettes de la Cour de Vienne, quant aux Cérémonies, car au reste, c’est une manière très differente de vivre: il y a plus d’aisance & plus de divertissements". Hierin erwähnt er ebenfalls das größere Ausmaß an Unterhaltungsmöglichkeiten im Vergleich zu Wien.

Abschließend muß man zunächst darauf hinweisen, daß das Münchner Zeremoniell komplex war und sich nicht in seiner Gesamtheit beschreiben läßt. Es zerfiel vielmehr in spezielle Teilbereiche, wie das Tafelzeremoniell, das Zeremoniell bei Theateraufführungen und Festlichkeiten, usw. Hieraus resultiert womöglich die Unstimmigkeit in der Literatur, in der, je nach dem, welcher Bereich betrachtet wurde, das Zeremoniell des Hofes von Max Emanuel als spanisch oder französisch beschrieben wird.

Bei der Organisation des höfischen Alltags hatte traditionell das spanische Zeremoniell des Kaiserhofes einen großen Einfluß auf München. So war das Umfeld des Kurfürsten, wie beispielsweise jenes während des An- und Auskleidens, viel privater ausgerichtet, als bei Ludwig XIV. Wie in Wien, so hielt auch Max Emanuel nur an Sonn- und Feiertagen eine öffentliche Tafel, und in der Hierarchie der Räume auf dem Weg zum Schlafzimmer des Fürsten folgte man ebenfalls dem spanischen Zeremoniell. Der Vergleich der wichtigsten Hofämter am bayerischen Hof mit der Liste des Kaiserhofs hat außerdem gezeigt, daß diese in Zusammensetzung und Reihenfolge exakt mit denen in Wien übereinstimmten. In der Inszenierung der eigenen Macht hatte der französische König jedoch mehr Perfektion entwickelt. Weil die Politik Max Emanuels nun aber in besonderer Weise auf einen Machtzuwachs ausgerichtet war, näherte er sich im Bereich der Unterhaltung mehr dem Vorbild des französischen Königs an, indem er Ludwigs XIV. virtuose Glorifizierung des Fürsten mit Hilfe des Theaters seinerseits übernahm. Nach dem Vorbild von Versailles wurden auch in München Appartements und Accademien gehalten, d.h. es kam zu einer regelmäßig stattfindenden Unterhaltung. Hier, wo die Differenzen zwischen dem Zeremoniell des französischen und des spanischen Hofes am größten waren, folgte Max Emanuel dem Vorbild Frankreichs, dessen König stets danach strebte, im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stehen, um den Adel zu unterhalten und ihn an den Hof zu binden. So ermöglichte auch Max Emanuel seinen Untertanen einen größeren gesellschaftlichen Kontakt mit ihm, als dies dem spanischen Zeremoniell entsprochen hätte. Dennoch gelangten die Wittelsbacher durchaus auch zu eigenen Lösungen. Sie pflegten ein bayerisches Brauchtum, bei dem sowohl der Adel, als auch die "einfacheren" Untertanen mitmachten. Insgesamt erweist sich das Münchener Zeremoniell in seiner vielseitigen Beeinflussung als ein Spiegel der wechselhaften Beziehungen, die durch dynastische Verbindungen, aber auch durch politische oder militärische Bündnisse zustande kamen.

Angela Klein, Frankfurt*

Aus neuesten tschechischen Forschungen zur Residenzenproblematik*

Die Residenzenforschung wird immer interdisziplinärer, was bedeutet, daß sich ihre Betrachtungsweise mit zunehmender Intensität auf den ersten Blick augenscheinlich hinter ihrem Horizont zuzieht, ja zuziehen muß. Drei solche Titel sollen hier kurz vorgestellt werden, ohne daß damit gesagt werden soll, daß sonst in der tschechischen Forschung in dieser Richtung nicht gearbeitet wird. Aus räumlichen Gründen muß es eher stenographisch, ja bibliographisch geschehen, obwohl manches ausführlicher präsentiert bzw. diskutiert werden sollte und könnte.

Wie stets gilt als vornehmste Arbeitsstätte dieses Umfeldes die Südböhmische Universität, deren Historisches Institut in Zusammenarbeit mit dem Wiener Institut für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung im Jahre 2000 im historisch anziehenden Krumau ein internationales Symposium (ich benutze dieses Wort lieber statt des pseudomodernen workshop) über "Mensch – Handlung – Struktur. Historisch-anthropologische Zugangsweisen in den Geschichtswissenschaften" veranstaltet hat. In sieben Kreisen wurde die Problematik wie folgt analysiert: I. Menschen – Wissenschaften – Gesellschaften; II. Menschen – Emotionen – Umgänge mit dem Tod; III. Frauen – Strukturen – Arbeiten; IV. Adelige – Repräsentationen – Macht; V. Menschen – Normen – Handlungen; VI. Identitäten – Konstruktionen – Wahrnehmungen; VII. Menschen – Texte – Wissenschaften. Das meiste sprengt freilich den Horizont der Residenzenforschung, doch seien aus dem ersten Kreis die Beiträge von Gert Dressel, Wissenschaftspraxis – Biographien – Generationen. Ein paar Facetten einer Reflexiven Historischen Antropologie (S. 27-69) und Václav Bůžek, Die tschechische Historiographie im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts (S. 71-80) genannt, aus dem zweiten: Tomáš Knoz, Krankheit, Tod und Verewigung von Adeligen in der Frühen Neuzeit. Im Schnittpunkt von Historischer Anthropologie, medizinischer Anthropologie und Kunstgeschichte (S. 81-11) und Pavel Král, Trauer und Ruhm. Trauerzüge böhmischer Aristokraten im 16. und 17. Jahrhundert (S. 117-137), sowie beide Beiträge des vierten: Josef Hrdlička, Das Platznehmen am Tisch als Ausdruck der Kommunikation der höfischen Gesellschaft in der frühen Neuzeit (S. 219-238) und Zdeněk Vybíral, Die frühneuzeitliche Aristokratie als strukturelles Modell für die Erforschung der Geschichte der Macht in Mitteleuropa. Zu der anthropologisch-soziologischen Auffassung der Geschichte der Macht (S. 239-253).

Einen völlig anderen Charakter besitzt das zweite Buch, das sich als ein – freilich zeitlich begrenztes – Kompendium der Geschichte der adeligen Gesellschaft der beiden Schlüssellande der böhmischen Krone – Böhmen und Mähren – versteht. Das Werk ist eine Gemeinschaftsarbeit ohne Konkretisierung des spezifischen Anteils der einzelnen Autoren. Nach zwei einleitenden Kapiteln zur Historiographie sowie einer kurzen Schilderung zur Entwicklung des Adels im Land liegt der Schwerpunkt auf den beiden anschließenden Kapiteln "Die Welt der Hochgeborenen und der Wille zur Macht" (S. 73-168) und "Die Gesellschaft der adeligen Höfe" (S. 169-264) gefolgt von dem Kapitel "Von der Wiege bis zum Sarg" (S. 265-380). Alle eben genannten Kapitel sind sachlich strukturiert, wobei im Zusammenhang mit den Residenzen das Augenmerk besonders dem ökonomischen Hinterland gilt. Schade, daß sich noch nicht die Gepflogenheit der Wiedergabe eines wissenschaftlichen Apparates auch in den einem breiteren Publikum gewidmeten Büchern durchgesetzt hat, was in diesem Fall um so mehr zu bedauern ist, als im bibliographischen Anhang zahlreiche der benutzten Archivfonds aufgezählt werden. Das umfangreiche Literaturverzeichnis erscheint zudem in einer einzigen alphabetischen Reihe und ist nicht nach Kapiteln gegliedert.

Schließlich ist auf eine Reihe analytisch eng an unterschiedliche Quellengattungen gebundene Seminararbeiten des Graduiertenkollegs am hilfswissenschaftlichen Lehrstuhl der Karls-universität Prag aufmerksam zu machen, die unter dem Rahmentitel "Miscellanea" zur Hofproblematik der frühen Neuzeit erschienen ist. Da alle Beiträge deutschsprachige Zusammenfassungen besitzen, seien aus Platzgründen nur ihre deutschen Überschriften zitiert: Tomáš Baletka, Der Hof der Herren von Žerotín in Valašské Meziříčí (S. 215-241), Marek Ďurčanský, Die im Rahmen des Unterkämmereramtes geführten Amtsbücher als Quellen zur Erforschung der Adelshöfe in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (S. 243-256), Martin Franc, Die Bücher der Küchenrechnungen aus den Jahren 1705-1706 im Bestand Sternberg-Manderscheid als Quelle zur Geschichte der aristokratischen Höfe. Einige Bemerkungen (S. 257-277), Jaroslava Hausenblasová, Das Verhältnis zwischen dem Hofstaat und den obersten Verwaltungsbehörden des Königreichs Böhmen in der Zeit der Regierung Rudolf II. (S. 279-294), Tomáš Rataj, Der Herrscherhof in der frühneuzeitlichen gedruckten Berichterstattung (S. 295-314) und Jana Ratajová, Der Begriff des Hofes in den Predigten des Alexius Johann Ignatz Krizer [60er und 70er Jahre des 17. Jh.s] (S. 315-327).

Ivan Hlaváček, Prag*

 

Kolloquiumsberichte

 

"Der Fall des Günstlings"

8. Symposium der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

in Zusammenarbeit mit der Stadt Neuburg a. d. Donau, der Katholischen Universität Eichstätt

und dem Deutschen Historischen Institut Paris

Neuburg an der Donau, 21.-24. September 2002

Das 8. Symposium der Residenzen-Kommission hatte ein zumal von der deutschen Forschung lange vernachlässigtes Thema zum Gegenstand: Die besondere und herausgehobene Stellung von Günstlingen am Hof. Gleichsam aus vier verschiedenen Richtungen näherte man sich auf der mit knapp 80 Teilnehmern gut besuchten Tagung dem Untersuchungsobjekt: In der ersten Sektion, die dem "Begriff von der Sache" gewidmet war, versuchten die Referenten, den Typ des Günstlings zu definieren und von anderen Begünstigten am Hof abzugrenzen. Die zweite Sektion galt den Hofparteien, denn Günstlinge waren, wie der Vorsitzende der Residenzen-Kommission Werner Paravicini in seiner Einleitung hervorhob, in aller Regel, wenn nicht gar stets das Ergebnis von besonderen Gruppen-Konstellationen am Hof. In der dritten Sektion wurden einzelne Fälle von Günstlingen untersucht und miteinander verglichen, Individuelles und Allgemeines nebeneinander gestellt, und die vierte Sektion schließlich hatte die Sonderrollen von Mätressen, illegitimen Fürstenkinder und Künstlern am Hof zum Gegenstand, wobei sich die Betrachtung einzelner im Umkreis von Höfen geschaffener Kunstwerke anschloß. Insgesamt wurden an den zwei Tagen 21 Vorträge gehalten und intensiv diskutiert, wobei durchaus sachlich-divergierende Ansichten zu Tage traten.

Eröffnet wurde die Tagung von Werner Paravicini (Paris), der in seinem Vortrag einen allgemeinen Rahmen skizzierte, in dem er auf einige typische Erscheinungen des Günstlings aufmerksam machte. Das Leben am Hof war durch die Verteilung von Gunst durch den Herrn gekennzeichnet; diese soziale Praxis habe die Forschung bereits herausgestellt, der Vertraute und Freund des Fürsten sei eine normgemäße Erscheinung gewesen. Paravicini verwies hierbei auf die Forschungen zur Patronage und zum Nepotismus. Die dezidierte Ungleichverteilung der Gunst hingegen sei von der Forschung bisher nicht systematisch-vergleichend betrachtet worden. Auch wenn der Günstling erst im 16. Jahrhundert als Begriff gefaßt wurde, so sei die Sache doch älter und beschränke sich keineswegs auf die Frühe Neuzeit. Günstlinge seien ein ausgesprochen typisches Phänomen der höfischen Gesellschaft. Die Benennung als "Günstling" – in verschiedenen Variationen – werde jedoch in der Regel von Gegnern verliehen, was darauf hinweist, daß Günstlinge nicht allein stünden, sondern an mehr oder minder größere Hofparteiungen gebunden seien, als deren Exponenten sie das Ohr des Fürsten gehabt hätten. Günstlingsexistenz sei von drei Phasen gekennzeichnet: Aufstieg, Machtfülle und schließlich der Sturz. Auffallend häufig sei es vorgekommen, daß Günstlinge sich aus dem Umfeld der Kinder- und Jugendzeit eines Herrschers rekrutierten und überdies meistens in Feindschaft zum Thronfolger stünden. Letztlich forderte er ein, die Höfe nicht als statisch-hierarchische und somit als feste Struktur zu sehen, sondern als eine von und aus Personen gebildete dynamische Gesellschaft, die sich in ständiger Bewegung befand und die in mitunter kurzlebige Gruppen gegliedert war.

In dem ersten Vortrag "Zur theoretischen Konstruktion der Figur des Günstlings" stellte Jan Hirschbiegel (Kiel) eine allgemeine soziologische Definition des Phänomens auf, die er vom Beispiel des Guy de la Trémoille ableitete. Guy de la Trémoille spielte am Hof des burgundischen Herzogs gegen Ende des 14. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle, die sich vor allem daran erkennen läßt, daß er vom Herzog besonders reich beschenkt und daß ihm besondere Einkommensmöglichkeiten zugesprochen wurden, die anderen, eigentlich ranghöheren Hofmitgliedern (darunter Verwandten des Herzogs) verwehrt waren. Aufgrund eines Vergleichs mit den Höfen der Pharaonen, an denen es auch Günstlinge gegeben habe, vor allem aber mit Hilfe soziologischer Erklärungen (Max Weber, James Scott, Niklas Luhmann u.a.), vermag der Referent letztlich festzustellen, daß Günstlinge eine typische und system-immanente Erscheinung der höfischen Gesellschaften gewesen sind, weswegen man den Begriff "Günstling" nicht pejorativ verwenden sollte, sondern als Sonderform, von anderen, weniger Begünstigten zu unterscheiden.

Ähnlich, wenn auch mit Unterschieden, akzentuierte Sven Rabeler (Kiel) den Günstling als Sonderfall der Patron-Klient-Beziehung am Hofe und ergänzte, daß der Günstling selbst Patron für andere sei; die Hofparteien kommen hier wieder in die Argumentation herein. In seinem "Vertrauen und Gunst. Klientelismus am spätmittelalterlichen Hof" betitelten Referat beschrieb Rabeler zunächst die Höfe im Reich als vorrangig soziale, wenig institutionalisierte Netzwerke. Als Beispiele dienten ihm der Hofmarschall Sigmund von Prüschenk am habsburgischen Hof, der Chronist Levold von Northoff als Klient der Grafen von der Mark (in dessen Chronik der fidelitas der Funktionsträger eine große Bedeutung zukomme), Wilwolt von Schaumburg, der im Dienst des Herzogs Albrecht von Sachsen stand, der hessische Hofmeister Hans von Dürrnberg und schließlich die Testamentsvollstrecker des Landgrafen Wilhelm II. von Hessen. Zusammenfassend wies der Referent darauf hin, daß das Vertrauensverhältnis zwischen Herr und Günstling verschieden ausgeformt gewesen sei, weshalb es "den" Günstling nicht gegeben habe, sondern man in jedem Einzelfall prüfen müsse, wie die Qualität der Beziehung im Vergleich zu anderen Hofangehörigen aussehe.

Rainer A. Müller (Eichstätt) verwies in seinen Ausführungen über "Deutsche Fürstenspiegel der Renaissance über Günstlinge und Hofparteien" darauf, das in den 75 Fürstenspiegel-Texten der Jahre 1450 bis 1625 der Günstling sehr wohl vorkomme und als Gegenbild zum Hofmann stilisiert werde. Insbesondere werden die Herrscher davor gewarnt, bei der Personalauswahl auf Schmeichler hereinzufallen. Anhand von zehn ausgewählten Texten vermochte er näher zu zeigen, daß bei der schon im 16. Jahrhundert vollzogenen Gegenüberstellung Hofmann – Höfling allgemeine, aus der christlichen Ethik abgeleitete Ansprüche auf die Fürsten übertragen wurden; die Aburteilung der Schmeichlerei war aber keine hofspezifische Forderung. Umgekehrt bedeute dies jedoch, daß zumindest die zehn untersuchten Autoren mit der Erscheinung von Günstlingen (nicht nur am Hof) rechneten, und weiter, daß diese stets die Kritik der anderen auf sich gezogen haben. Günstlinge versetzten den Hof in Unruhe, weswegen die Fürsten sich vor ihnen zu hüten hätten.

Der Vergleich verschiedener Hofgesellschaften ist von besonderer Wichtigkeit, um die Allgemeingültigkeit des Phänomens feststellen zu können. Mit Jan Paul Niederkorn (Wien) hatte man einen Kenner des Osmanisches Reichs gewinnen können, der über "Den Sturz des Großwesirs" sprach. Als Vertreter des Sultans war der Großwesir der zweite Mann im Osmanischen Reich. Als solcher verfügte er über eine weite Machtfülle, war absoluter Vertreter des Herrschers fast in allen Dingen, doch gab es eine Ausnahme: Über den engeren Sultanspalast, den Serail, konnte er nicht verfügen, hatte nicht einmal Zutritt, weshalb ihm dort mächtige Gegner in Mitgliedern der Sultans-Familie, im Mufti (dem höchsten Leiter in religiösen Angelegenheit), in den Finanzbeamten u.a. erwuchsen. Verlor der Großwesir das Vertrauen des Sultans, so konnte er direkt und sofort abgesetzt werden. Tatsächlich war das Amt ein "regelrechter Schleuderposten", die durchschnittliche Amtsdauer während des Untersuchungszeitraums 1574 bis 1656 betrug nur eineinhalb Jahre: Der formal zweitmächtigste Mann im "Staate" – hier im ganz allgemeinen Sinne verstanden – war selbst in höchsten Maße abhängig von den Verhältnissen im Serail, den dortigen Intrigen fiel er zum Opfer. Die entscheidende Schwäche war, daß die Großwesire keinen direkten Zugang zum Herrscher hatten. Die Günstlinge bekleideten folglich nicht die formal höchsten Ämter, sondern befanden sich in der Nähe des Herrschers, im Serail.

Den Blick auf das spätmittelalterliche Frankreich lenkte Philippe Contamine (Paris), der in seinem Beitrag "Le règne de Charles VII: être disgrâcié" zunächst darauf hinwies, daß in Frankreich der Begriff des "favori", des Favoriten, entstand, seit dem 17. Jahrhundert allgemein von Historikern und Politikern benutzt wurde und schließlich Eingang fand in den "Dictionnaire philosophique portatif" von Voltaire. Damit einhergehend existierten im Laufe der frühen Neuzeit zahlreiche Günstlinge am Hof der französischen Könige. Doch das Phänomen ist älter als das Wort, das es bezeichnet, denn es gab Günstlinge bereits während der Regierung des in seinen jungen Jahren leicht beeinflußbaren Karl VII. (1422-61). Von den bekannteren Fällen des Pierre, Herrn von Giac, Georges, Herrn von La Trémoille und Jacques Cœur verfolgte Contamine in einer biographischen Skizze den Weg des Pierre de Giac, dessen Vater schon bei den Eltern Karls VII., König Karl VI. und Isabella von Bayern, in der Umgebung der Königin den Ton angab. Daneben gab es noch weitere Gruppen, die versuchten, auf Karl VII. Einfluß zu nehmen, wie die Ehefrau des Königs und Arthur de Richemont, der Anführer der Hofpartei, die für einen Ausgleich mit England im Hundertjährigen Krieg eintraten. In diesem Beziehungsgeflecht erkenne man, daß der König eine besondere Affektion zu seinen eigenen "Gewächsen", wie man etwas freier sagen könnte, nämlich den Günstlingen, besaß. Damit war der Hof anders strukturiert als der Hof Karls V. "des Weisen", der sich solcher besonderen Vertrauten enthalten habe.

Mit einer längeren problem- und historiographiegeschichtlichen Einleitung, die kurz das römisch-deutsche Königtum des Spätmittelalters von Rudolf I. bis Friedrich III. skizzierte, konnte Peter Moraw (Gießen) in seinem Vortrag über "König Wenzels Hof, eine Günstlingswirtschaft?" zeigen, daß das Königtum Wenzels 1378-1400/19 als einziges durchgehend vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart als Günstlingswirtschaft bezeichnet wird. Der Grund dafür ist die stete Wiederholung des Bildes, das Franz Palacký seinerzeit geschaffen hat. Dahinter versteckte sich jedoch, daß Wenzel sich nicht auf den böhmischen Hochadel, sondern auf den Kleinadel, Leute niederen Ranges, stützte, was das Ansehen des Königs minderte und den Haß des Großadels auf diese Leute schürte. Mit gesuchten Vorwürfen wurde ihnen der Prozeß gemacht (was bis zum Justizmord ging) und man entfernte sie gewaltsam aus der Umgebung Wenzels. Von Günstlingen im eigentlichen Sinn des Wortes sollte man dabei nicht sprechen, eher von einer strukturell anders ausgerichteten Herrschaft Wenzels, der versuchte, ohne (noch nicht einmal gegen) den Hochadel zu regieren; Parteibildungen am Hof seien als etwas Normales, nicht als Ausnahme zu beschreiben, nur habe die nationalstaatlich ausgerichtete Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts kein Verständnis für ihr Wesen gehabt. Hieran schloß sich die Forderung nach einer gereinigten Nomenklatur für die Sozialgeschichte an, mit deren Hilfe man Erscheinungen der höfischen Gesellschaft besser beschreiben könne.

In die Parteiungen am Hof des burgundischen Herzogs Johann ohne Furcht führte Bertrand Schnerb (Lille) mit seinen Ausführungen über "Familiarissimus domini ducis. La succession des favoris à la cour de Bourgogne au début du XVe siècle". Anhand einer biographischen Skizze des herzoglichen Rats und Kammerherrn Lourdin de Saligny, der in einer Marginalie von einem Schreiber des Parlaments von Paris mit dem merkwürdigen Superlativ "familiarissimus" belegt wurde, kann er zeigen, wie verschiedene Gruppen am Hof um den Zugang zum Fürsten kämpften, und wie überdies politische Zufälle diesen Kampf bestimmten. Während des Aufstands der Cabochiens in Paris 1413 vermochte einer seiner Gegner am Hof, Elyon Herr von Jacqueville, ihn als Schuldigen zu brandmarken, und erst nach der Ermordung dieses Politikers durch eine andere Hofpartei konnte er wieder an den Hof zurückkehren, ein weiterer Aufstieg wurde erst nach dem Tod Johanns ohne Furcht möglich. Später wurde Saligny von Herzog Philipp dem Guten mit weiteren Ehren überhäuft. Entscheidend für die Parteiungen waren die familiären Netzwerke, die auch am Hof wirkten und selbst in gewisser Weise den Herzog bei seiner Personalwahl zu binden vermochten.

Ausgehend von den Negativ-Darstellungen von Günstlingen in späteren Chroniken konnte Arnd Reitemeier (Kiel) "Günstlinge, bevorzugte Gruppen und ihre Wahrnehmung: Der englische Hof des 14. Jahrhunderts" beschreiben. Auch hier stand der biographische Ansatz im Vordergrund, mit denen das Wirken von Piers Gaveston, Hugh le Despensers, William Latimers, Alice Perrers, Simon de Burley und William Scrope geschildert wurde, woran sich eine detaillierte Untersuchung der Urkunden anschloß, die bei den Prozessen angelegt wurden, und mit denen die Außenstehenden versuchten, diese Personen aus der Umgebung der Könige zu entfernen. Die Vorwürfe und Anklagepunkte, die bei den Prozessen erhoben wurden, konnten im allgemeinen nicht bestätigt werden. Ein bemerkenswertes Ergebnis der Untersuchung ist, daß der Günstlingsvorwurf in den zeitlich späteren Chroniken wesentlich deutlicher ausgesprochen wurde als in den zeitgenössischen Quellen. Der Widerstand der Magnaten gegen einige Begünstigte ist die Grundlage für die spätere Verzeichnung des Bildes; es gebe folglich eine Subjektivität der Wahrnehmung in den Quellen, die es zu korrigieren gelte. Aber auch hier bestand das Problem im Zugang zum König, den die Magnaten gegen eine kleine Gruppe durchsetzten.

Einen Vergleich der einflußreichen Kleingruppen um Maximilian I. und Rudolf II. unternahm Heinz Noflatscher (Innsbruck) in seinem Vortrag (mit dem gleichlautenden Titel). Dabei kam er zunächst auf die Unterschiede in der Regierungsweise zwischen beiden Kaisern zu sprechen, konnte dann jedoch zeigen, daß es in beiden Fällen eine kleine Gruppe von Vertrauten gab, die zunächst als Experten für den Herrscher einzelne Regierungsangelegenheiten regelten und erst im Laufe der Zeit zu einer machtvollen Gruppe zusammenwuchsen und als solche von außen "als Hecke" wahrgenommen wurde. Unter Maximilian ging dies soweit, daß die Trias der führenden Personen Lang, Serntein und Liechtenstein, die sich sogar zu einer regelrechten Gesellschaft verbunden hatten und als Mit-Unternehmer die Herrschaftsgelder bewirtschafteten, im Jahre 1511 durchzusetzen versuchte, daß alle Schriftstücke, die Maximilian selbst ausstellte, gleichsam über ihren Schreibtisch zu gehen hatten, was einen erfolgreichen Protest der Kanzlei-Sekretäre auslöste – und nicht des Hochadels, was den anderen Stellenwert dieser Hofgruppe bzw. -partei zeigt. Bei Rudolf II. war es hingegen ein einzelner Kammerdiener, der es trotz seines relativ niedrigen Ranges verstand, am Hof ein Netzwerk aufzubauen und den Kaiser zumindest teilweise abzuschotten. Wiederum ein Quellenzeugnis von außen nennt ihn "des Kaisers Augapfel", was die besondere Stellung verdeutlicht. Gestürzt wurde er, als Kritik an Rudolf II. auch öffentlich (von den Kurfürsten) geäußert wurde. In beiden Fällen handelt es sich um Hofangehörige, die erst langsam im Laufe der Regierungszeit in die Vertrauensstellung hineinwuchsen.

In einem als Kurzmitteilung charakterisierten Bericht eines laufenden Dissertationsprojekts unter dem Titel "‚Kabal‘, ‚Parthey‘, ‚Faction‘ am Hof Kaiser Leopolds I." ging Ivo Cerman (Prag) der Frage nach, wie die verschiedenen Parteien unter Leopold I., die in der älteren Forschung als Paradebeispiel für das schädliche Wirken derartiger Gruppen galten, sich selbst bezeichneten. Der Hof war über die Frage der dynastischen Anbindung in eine Ost- und eine Westpartei gespalten, die sich einmal um die Familie Dietrichstein sammelte (daher die Bezeichnung "Dietrichsteiner"), die hohe Ämter bei der Kaiserin bekleideten, denen die "wohl affectionierten" gegenüberstanden, die sich als die "Habsburg-Treuen" verstanden. Diese Bezeichnungen erscheinen ebenso wie der Begriff Partei auch als Selbstbenennung in den Korrespondenzen, der Begriff Hofpartei, weil in den Quellen ohne abwertende Nebenbedeutung belegt, kann daher als Begriff für die Gruppenbildung am Hofe verwandt werden.

Mitunter sind die Spuren eines Günstlings nur mühsam zu finden, wie Christian Lackner (Wien) am Beispiel von "Aufstieg und Fall des Hans von Liechtenstein zu Nikolsburg im 14. Jahrhundert" aufzeigte. Dieser war als einer der Räte der führende Mann am Hof des zehn Jahre jüngeren Herzogs Albrecht III. von Österreich (1365-95). Wie bei den anderen bisher behandelten Personen erschien bei ihm ein weites familiäres Netzwerk, doch blieb fraglich, ob er wirklich ein Günstling war. Bezeugt allein ist, daß er der große Gläubiger des Herzogs war und im Gegenzug zahlreiche Pfandschaften erhielt und 1385 eine adlige Herrschaft kaufen konnte. Als Rat war er an vielen politischen Verhandlungen beteiligt, wie die Kanzleivermerke auf den Urkunden ausweisen. Der Referent definierte ihn folglich eher als Typ des dominanten Rates an der Seite des Fürsten, wie er auch in anderen Herrschaften bezeugt ist. Es stellte sich jedoch die Frage, ob ein derartiger Rat nicht ein besonderer Fall eines Günstlings war (oder im Gegenteil ein als Verwaltungs- und Arbeitstier mißbrauchter Adliger?). Unklar ist jedoch, woher der immense Reichtum des Hans von Liechtenstein stammte. Der Bereicherungsvorwurf ist schon zu seinen Lebzeiten erhoben worden. Sein Sturz erfolgte im Jahr 1394, als Hans von Liechtenstein sich bei dem Streit zwischen den Häusern Habsburg und Luxemburg auffallend zurückhielt und zudem bekannt wurde, daß er auch Rat König Wenzels war und von ihm ein Haus in der Prager Kleinseite geschenkt bekommen hatte. Wie in anderen Fällen wurde auch ihm ein Schauprozeß gemacht, den er zwar überlebte, doch wurden fast alle seine Güter eingezogen.

Wieder in den westeuropäischen Raum verwies der Vortrag von Adeline Rucquoi (Paris) über "Privauté, fortune et politique. La chute d´Alvaro de Luna", der nach seiner Hinrichtung in einigen kastilischen Chroniken als den "größten Mann ohne Krone" bezeichnet wurde. Dieser illegitime Sohn aus der mächtigen Familie der Luna stieg unter König Johann II. (1406-54) zum mächtigsten Mann des Königreichs auf. Das enge Vertrauensverhältnis begann bereits in der Jugendzeit, Alvaro war Page am Hof des jungen Königs vor dessen Regierungsantritt 1423. Er beeinflußte die gesamte Herrschaftstätigkeit, fertigte Gesandtschaften ab, beeinflußte Gnadengesuche, lenkte die königliche Freigebigkeit und dominierte den königlichen Rat, konnte gar eine Verkleinerung desselben durchsetzen. Das Besondere an diesem Fall war jedoch, daß der Günstling seine Stellung nicht nur zur eigenen Bereicherung und zur Versorgung der Familie einsetzte, sondern darüber hinaus eine königsnahe Partei im Adel und in den städtischen Oberschichten aufbaute. Er scheiterte letztlich an derjenigen Adelspartei, die gegen das Konzept eines von Recht und Tradition losgelösten, absoluten Königs an der Kontrolle durch und Bindung an den Adel festhielt.

Ganz anders geartet war der Fall, den Reinhard Stauber (München) darstellte: "Neuburgs erster Staatsgefangener. Zu Karriere und Sturz des Wolfgang Kolberger, Kanzler des Herzogtums Bayern-Landshut 1489-1502". Hier war nicht die frühe und persönliche Bindung an den Herrscher entscheidend, sondern das besondere Fachwissen, das er sich als Kanzleisekretär im Laufe der Zeit erwarb; Kolberger gehörte nicht zu den gelehrten Juristen. Mit Hilfe dieses Wissens stieg er, aus relativ einfachen Verhältnissen kommend, unter Herzog Georg von Bayern-Landshut zum wichtigsten Mann am Hof, Leiter der Kanzlei und zum Diplomaten auf. Gekrönt wurde der Aufstieg durch die Erhebung zum Freiherrn und weiter zum Reichsgrafen (von Neukolberg) im Jahr 1492, zog sich damit aber auch, typisch für einen solchen Fall, den Haß des Adels auf sich; die Quellen sprechen eine deutliche Sprache. Zehn Jahre später verlor Kolberger das Vertrauen des Herzogs, was das Ende seiner Karriere bedeutete. Die Ausschaltung bedeutete in diesem Fall eine rund siebzehn Jahre andauernde Haft (u.a. in Neuburg, dem Ort der Tagung), die durch die besonderen Umstände des Streits zwischen verschiedenen Parteien um das Bayerisch-Landshuter Erbe zu erklären ist; nur sein Spezialwissen, das er sich durch seine Kanzleitätigkeit erworben hatte und auf das man eventuell zurückzugreifen beabsichtigte, bewahrte ihn vor einem tödlichen Prozeß.

Oliver Auge (Greifswald) untersuchte in seinem Beitrag den württembergischen Hof gleichsam in einem Längsschnitt, in dem er vergleichend drei Fälle heranzog: "Holzinger, Entzlin und Jud Süß – Günstlingsfälle am spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hof der Württemberger". Alle drei sind von der südwestdeutschen Landesgeschichte bereits im 19. Jahrhundert ausführlich dargestellt worden, jedoch sei das Bild der württembergischen Geschichte stark von der Ehrbarkeit und ihren Urteilen geprägt, die die Günstlinge als Gegner verdammten, die Herzöge jedoch von der Kritik stets ausnahmen. In fünf Schritten, die der Persönlichkeit, dem Weg in die Gunst, dem Machterhalt, dem Fall und letztlich dem Versuch einer Typologie galten, hob der Referent Gemeinsamkeiten und Unterschiede hervor. Gemeinsam war allen dreien, daß sie als Landfremde an den Hof kamen und in Württemberg gegen die Ehrbarkeit zu bestehen hatten. Als entscheidendes Kriterium konnte ein weiteres Mal die Beziehung zum Fürsten, aber auch das Expertenwissen herausgestellt werden. Unterschiede gab es jedoch bei der Stellung und den Kompetenzen sowie den genaueren Umständen des Sturzes und den nachträglich verhängten Strafen. Die vergleichende Herangehensweise warnte jedoch vor einer zu engen Typologie.

In die beziehungsreiche Politik der Mediceer zur Wiedererlangung und Durchsetzung ihrer 1494 verlorenen Herrschaft über Florenz verwies der Vortrag von Christian Wieland (Bielefeld) über "Lorenzo de’ Medici und Francesco Guicciardini: zwei Günstlingstypen am Beginn der Medici-Monarchie". Nach einer Einleitung, in der das wechselhafte Ringen zwischen vier Adelsparteien um die Verfassung Florenz‘ in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts skizziert wurde, stand die langsame Wiederetablierung der Herrschaft mit Unterstützung der Medici-Päpste Leo X. (1513-21) und Clemens VII. (1523-34) im Vordergrund, die durch die Ermordung des florentinischen Herzogs Alessandro de´ Medici durch einen entfernten Verwandten, Lorenzino de’ Medici, einen kurzfristigen Rückschlag erlitt; die Zugehörigkeit zu einer der Parteiungen der Adelsrepublik erwies sich hier stärker als die familiären Bande; selbst Gegner der Herrschaft konnten bis in engere Hofkreise ihre Leute plazieren. Nur mit Hilfe des Anführers der senatorischen Partei unter Francesco Guicciardini, der zugleich ein Anhänger Papst Clemens VII. war, vermochte Cosimo de’ Medici als neuer Herzog nachzufolgen. Günstlings- und Vertrauensbeziehungen waren letztlich von größerer Bedeutung für die städtische Politik zwischen den Polen Hof Alessandros, der Adelsrepublik und dem Senat von Florenz.

Ellen Widder (Tübingen) skizzierte überblicksartig-vergleichend die Stellung der "Illegitimen bei Hofe", wozu sie auch die Mätressen rechnete. Dabei kamen zahlreiche und individuelle Fälle zum Vorschein, die von einer langjährigen Geliebtenschaft bis hin zu kurzfristigen Amouren reichten. Nur vereinzelt konnten Mätressen die Rolle einer bestimmenden Figur bei Hofe gewinnen. Als einer der systemimmanenten Gründe stand dabei der hohe Druck bei der endogamen Partnerwahl im Hochadel im Vordergrund, daneben aber auch der Virilitätsbeweis in einer von Männlichkeit dominierten Gesellschaft. Weiter standen, weil quellenmäßig besser greifbar, die Versorgungsmaßnahmen der Geliebten und der illegitimen Kinder im Blickpunkt. Illegitime bildeten, so die Referentin zusammenfassend, ein normales Strukturelement des spätmittelalterlichen Hofes und hatten nicht per se eine Günstlingsposition inne.

Einen ganz anderen methodischen Zugang wählte Albert Châtelet (Mundolsheim), als er in seinem Vortrag "Un tableau témoin de l´ambition d´un favori: Antoine de Croy et Hugo van der Goes" die besondere Stellung des Antoine de Croy am Hofe Herzog Philipps von Burgund bis zu seinem Sturz durch Karl den Kühnen im Frühjahr 1465 beschrieb. Châtelet konnte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das berühmte Retabel von Montfort des Hugo van der Goes (heute Berlin, Staatliche Museen) als Auftragsarbeit Antoines für Château-Porcien charakterisieren, indem er die Darstellung einerseits mit anderen Stifterbildern seines Sohnes Philippe de Croy und andererseits mit anderen Gemälden Hugo van der Goes’ verglich. Antoine sei als Erster der Drei Heiligen Könige aus dem Morgenland dargestellt, was eine Besonderheit darstelle und einen besonderen Anspruch Antoines als zweiter Mann am Hof nach dem Herzog versinnbildliche.

"Die Gunst des Königs erhöht das Genie des Künstlers", so könnte man den Vortrag von Liliane Châtelet-Lange (Mundolsheim) über "Benvenuto Cellini und Franz I.: Der Künstler als Günstling" auf eine knappe Formel bringen. Der berühmte, aus Florenz stammende Goldschmied Cellini war 1537 vor dem Papst aus Italien geflohen – ihm wurde vorgeworfen, aus der päpstlichen Juwelenkammer Schmuckstücke entwendet zu haben – und hatte sich nach Frankreich begeben, wo er in diesem Jahr das erste Mal mit Franz I. zusammentraf. Vertieft wurde die Beziehung erst neun Jahre später, als er im Auftrag des Königs begann, große Statuen à l´antique zu schaffen und dabei Figuren der nordischen Sagenwelt aufgriff, ein Fall von Idolatrie für die christliche Umwelt. Insbesondere der nicht vollendete Brunnen für das Schloß Fontainebleau, das letzte Werk Cellinis in Frankreich, spielte bei den Ausführungen der Referentin eine zentrale Rolle. Zwischen König und Künstler bestand ein besonderes Verhältnis, denn der König allein finanzierte und schütze den Künstler vor Kritikern am Hof. Einem drohenden Sturz, der sich durch eine beginnende Einschränkung der Freiheiten ankündigte, kam Cellini durch Flucht nach Italien zuvor.

Wegen ihres exklusiven Charakters vereinigten Mätressen typische Elemente des Günstlings in ihrer Stellung am Hofe, ja er machte sie zu "Günstlingen ‚par excellence‘", wie Sigrid Ruby (Gießen) in ihrem Vortrag "Anne de Pisseleu und Diane de Poitiers. Die Maitresse als Günstling am französischen Hof des 16. Jahrhunderts" zeigen konnte. Doch ist letztlich der Einfluß der beiden langjährigen Mätressen, die als Ehren-Damen an den Hof gekommen, mit älteren Amtsträgern verheiratet und zu Herzoginnen erhoben worden waren, auf die königliche Politik nicht genau auszumachen. Beide wurden von der Hof-Öffentlichkeit anerkannt und geduldet. Tiefere Einblicke ließen sich erzielen mit einer Untersuchung des (nur in Teilen erhaltenen) Appartements der Anne de Pisseleu im Schloß Fontainebleau, dessen Fresken auf antike Themen (Alexander der Große besucht das Atelier des Malers, der die Campaspe, Geliebte Alexanders, konterfeit) hindeuten, und der illuminierten Handschrift "La Coche", die ein Gedicht der Margarethe, der Schwester Franz’ I., über die "perfekte Freundin" enthält. Im Fall der Diane de Poitiers wurde vor allem (und erneut) auf den von Cellini geplanten Großen Brunnen von Fontainebleau verwiesen. Die Kunstwerke sind in ihren Bezügen jeweils vor dem Hintergrund des Renaissance-Ideals sowohl eines Lobes der Frauen als auch einer vollkommenen, platonischen Liebe einzuordnen, die letztlich der stilisierenden Überhöhung des Fürsten dienen.

In der Zusammenfassung griff Ronald G. Asch (Osnabrück) aus der dezidierten Sicht eines Frühneuzeit-Historikers drei Punkte heraus, die die Diskussionen immer wieder beherrscht hatten: 1. die Definition des Günstlings, 2. die Wahrnehmung desselben durch die Zeitgenossen, und 3. die Dichotomie zwischen Allgegenwärtigkeit oder besonderer Zeitgebundenheit des Günstlings. Als ein Ergebnis hielt er fest, daß das zentrale Problem (nicht nur in der höfischen Gesellschaft, sondern auch in anderen monokratischen Regierungsformen) im Zugang zum Herrscher bestand. Günstlinge und Vertrauensgruppen, die von anderen Höflingen und Begünstigten sehr wohl zu unterscheiden seien, störten das diffizile Verhältnis zwischen Fürst, Hof, Hochadel (und Städten), indem sie noch vor dem formell "zweiten Mann im Staate" – hier wieder ganz allgemein verstanden – rangierten. Sie störten Ordnungsvorstellungen, die die Zeitgenossen in ihrer Kritik am Günstling und damit letztlich am Herrscher leiteten. Allgemein festzustellen sei ferner, daß Günstlinge selbst als Patron für ihre Klienten wirkten. Uneinigkeit herrschte aber in der Frage, was sich im frühen 16. Jahrhundert änderte, als im Französischen der Begriff des "favori" geschaffen wurde, Eingang in die Sprache fand und fürderhin das Wortfeld behielt (so Thomas Zotz, Freiburg, in der Diskussion), ein Bedenken, das Asch aufgriff und die Häufung von Günstlingen in der Frühen Neuzeit mit der zeitgleichen Verrechtlichung der Entscheidungsprozesse in Verbindung brachte und weiter noch als Reaktion der Herrscher gegen die zunehmende Einschränkung wertete. Letztlich gebe es doch einen Wandel des Phänomens.

Sowohl bei den Beiträgen als auch während der regen Diskussionen, für die jeweils am Ende einer Sektion großer Raum gegeben wurde, erwies sich die stets gleichsam mitschwebende Frage nach der Definition des Günstlings und seine Unterscheidung von anderen Begünstigten als schwierig. Überdies wurde wie wohl nur bei wenigen anderen Themen die Zeitbedingtheit der historischen Urteile deutlich, die dafür verantwortlich ist, daß gerade in Deutschland die Forschung das Thema bisher "eher mit spitzen Fingern" berührt hat. Viele offene Fragen standen im Raum, von denen nur zwei herausgegriffen seien: ob der Günstling nicht eine Art "Schutzschild" des Herrschers gegen den Hof, gegen die an ihn gerichteten divergierenden Ansprüche gewesen sei (so Werner Paravicini); ob es nicht auch ein Wehren des Günstlings gegen die Instrumentalisierung durch den Herrscher gegeben habe, der Günstling quasi ein Ventil bzw. eine Notlösung in politisch verfahrenen Situationen gewesen sei (so Heiko Droste, Hamburg)? Der Berichterstatter nimmt sich die Freiheit, darauf hinzuweisen, daß es auch den Un-Günstling gegeben hat, der sich wegen der ausbleibenden Anerkennung am Hof, des fehlenden Zugangs zu einem Patron (es mußte ja nicht der Herrscher selbst sein) abwandte – Voltaire ging beispielsweise von Versailles nach Potsdam.

"Der Fall des Günstlings" machte einmal mehr bewußt, daß die dahinter stehende Frage nach dem Wesen des Hofs weiterer Klärung bedarf. Der Hof erschien als relativ offene Gesellschaft: ein schneller Aufstieg war möglich, ebenso der jähe Fall. Daneben aber wurde der Hof als (zartes) Geflecht zwischenmenschlicher Beziehungen gezeichnet, über das knallhart Interessen durchgesetzt wurden; "der Hof war", so die beinahe resignative Feststellung Peter Moraws während der Diskussion, "unbeherrschbar, er war einfach da".

Die Beiträge werden in einem Band der Reihe "Residenzenforschung" publiziert, der im Jahre 2004 zur nächsten Tagung, die in Halle an der Saale zum Thema "Hof und Stadt" stattfinden wird, erscheinen soll.

Harm von Seggern, Kiel*

Ausdrucksformen adeliger Kultur an der Wende vom Mittelalter zur frühen Neuzeit

Bericht über die gleichnamige Sektion 1.7 des Historikertages 2002 in Halle/Saale

"Traditionen – Visionen": Unter diesem Motto stand der diesjährige Historikertag in Halle. Werner Rösener (Gießen) und Karl-Heinz Spiess (Greifswald) nahmen dies zum Anlaß, gemeinsam eine Sektion anzubieten und zu leiten, die dem Adel als einem traditionellen wie traditionalen Bestandteil der europäischen Geschichte ihre besondere Aufmerksamkeit widmete. "Ausdrucksformen adeliger Kultur an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert" lautete ihr Titel, und damit war gleichsam zweierlei angekündigt: Man wollte sich nicht der Geschichte des Adels in seiner Gesamtheit zuwenden, um eine Antwort auf die "Leitfrage der Adelsforschung" zu finden, der Frage nämlich, warum sich der Adel so lange in der Geschichte Alteuropas behaupten konnte. Vielmehr galt es, zu diesem Zweck das Augenmerk speziell auf die bislang wenig im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehenden kulturellen Momente der Adelsgeschichte zu richten, wobei deren Betrachtung im durchaus ganzheitlichen Sinne den Blick auch auf damit in Zusammenhang stehende politische, wirtschaftliche, soziale oder religiöse Momente einschloß. Zugleich war im Titel der Sektion der zeitliche Schwerpunkt auf die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert bzw. vom Spätmittelalter zur frühen Neuzeit gelegt, auf einen Zeitabschnitt also, der wegen seines Charakters als einer Umbruchszeit ein besonderes Interesse verdient und von vornherein vielseitige Aufschlüsse zum Thema versprach. Ebenso sollte damit ein neuerlicher Anstoß für epochenübergreifendes (und es sei hinzugefügt: interdisziplinäres) Arbeiten gegeben werden, das eben auch in Hinsicht auf die Erforschung des Adels in vielfacher Hinsicht durch die im deutschen Wissenschaftsbetrieb stark ausgeprägte Trennung der mittelalterlichen von der frühneuzeitlichen Geschichte nach wie vor erschwert wird. Diese Konzeption überzeugte, was nicht zuletzt an dem großen Interesse ablesbar war, auf das die Vorträge stießen. Der Zuspruch war sogar so rege, daß ein Umzug der Sektion in einen größeren Hörsaal notwendig wurde.

In seiner Einführung skizzierte Werner Rösener in der gebotenen Kürze die Entwicklung der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema Adel in Deutschland. Zwar könne man bereits eine längere Forschungstradition vorweisen, doch seien Themen wie Epochen ungleichmäßig besetzt worden. Die Erforschung des neuzeitliche Adels etwa sei erst in den letzten Jahren verstärkt auf Interesse gestoßen, vielleicht weil "man den Adel vor allem als konservative Elite gesehen habe, die den aufsteigenden Kräften des modernen Staates und dem vordringenden Bürgertum im Wege stand". Demgegenüber habe sich die deutsche Mediävistik schon seit langem mit der Adelsgeschichte befasst, dabei schwerpunktmäßig bis zum frühen Hochmittelalter mit der Problematik eines Adelsstandes, dem Strukturwandel des Adels im 10. und 11. Jahrhundert und der Frage nach dem Verhältnis von Adel und Königtum, für das Hochmittelalter vor allem mit politischen und rechtlichen Aspekten, weniger mit wirtschaftlichen. Doch auch in der Mediävistik sei die Adelsforschung erst in der jüngeren Vergangenheit deutlich intensiviert worden. Erkennbar sei das allein daran, dass sich neben die Studien zu den großen Dynastien vermehrt Arbeiten zu den kleineren Adelsfamilien gesellten. Gleichwohl stellen sich nach Rösener für die vergleichende Adelsgeschichte vor allem im Hinblick auf das Spätmittelalter und die frühe Neuzeit noch viele Aufgaben. Eine davon sah er in der Erforschung der kulturellen Ausdrucksformen des Adels, die die notwendige Grundlage bilde für die derzeitige Diskussion um die kulturelle Hegemonie des Adels. Mit der Frage nach Art, Besonderheiten, Funktionen und Veränderungen der Adelskultur und ihrer Ausdrucksformen an der Wende vom späten Mittelalter zur frühen Neuzeit gab Rösener zum Abschluss den Rahmen vor, innerhalb dessen sich die folgenden Vorträge bewegten.

Im ersten Beitrag wandte sich Stefan Krieb (Gießen) "Strategien der Vergangenheitskonstruktion in adeligen Familienchroniken des 15./16. Jahrhunderts" zu. Anhand zweier Familienchroniken der Landschaden von Steinach am Neckar, von denen die eine Blicker XIV. am Ende des 15. Jahrhunderts, die andere sein Urenkel Hans Ulrich zum Beginn des 17. Jahrhunderts abfasste, stellte er dabei einen Wandel der Erinnerungskultur des Adels im 16. Jahrhundert fest. Blicker XIV., so Krieb, sei sich augenscheinlich der Bedeutung schriftlicher Überlieferung für die Geschichtsschreibung bewusst gewesen. Das lasse sich durch den Einfluß des von der Heidelberger Universität ausgehenden Humanismus erklären, mit dem Blicker aufgrund seiner Beziehungen zum Kurpfälzer Hof in Kontakt gekommen sei. Gleichwohl habe er sich für die Erzählung des familiären Herkommens gänzlich auf mündlich tradiertes Wissen stützen müssen, da die – durchaus vorhandene – urkundliche Überlieferung ihn für diesen Zweck inhaltlich im Stich gelassen habe. Seinen charakteristischen Niederschlag habe dieser Sachverhalt in der anekdotenhaft zugespitzten Erzählung gefunden, die freilich der Hauptaufgabe der Chronik, nämlich den Nachkommen anhand der Exempla der Vorfahren Leitfaden für das eigene Handeln zu sein, zupaß gekommen sei. Von einer solchen Darstellungsabsicht könne bei Hans Ulrich 100 Jahre später nicht mehr die Rede sein. Zwar habe er, wie Krieb weiter ausführte, wesentliche Elemente aus Blickers Herkommenserzählung übernommen, doch sei er von einem antiquarisch-genealogischen Interesse an der Vergangenheit geleitet gewesen. Aufgrund dessen habe er auf die erzählende Darstellung der Familiengeschichte, wie sie noch bei Blicker anzutreffen war, verzichtet und dem gegenüber Namen und Daten aus Urkunden und von Epitaphien gesammelt. Das Bild von der eigenen Vergangenheit indes sei dadurch nicht erweitert, sondern nur zur Beglaubigung des in Blickers Chronik fixierten Herkommens benutzt worden. Beide Familienchroniken stünden somit, wie der Referent seinen Vortrag beschloß, für "die Entwicklung adeliger Erinnerungskultur von der identitäts- und legitimitätsstiftenden Herkunftserzählung zur antiquarischen Beschäftigung mit einer durch ihre dinglichen Relikte repräsentierten Vergangenheit".

Im Anschluß daran kam Cordula Nolte (Greifswald) auf "Rede und Schrift im fürstlichen Raum (15./16. Jahrhundert)" zu sprechen. Anhand von verwaltungstechnisch-pragmatischem Schrifttum, Urkunden sowie Briefen der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und der mit ihnen verwandten Dynastien ging es ihr darum, "das Zusammenleben der fürstlichen Familie am Hof und den Austausch zwischen verwandten Höfen zu analysieren, also die ‚Interaktion unter Anwesenden‘ und die medial vermittelte Fernkommunikation als Teil der Herrschaftspraxis", um daran wieder das Verhältnis von gesprochener und geschriebener Sprache und insbesondere die Ambivalenz der Schrift aus der Sicht ihrer fürstlichen Benutzer zu beleuchten. Das sei ein Aspekt, so Nolte, der in den bisherigen Forschungen zur adeligen Kommunikation bislang nicht berücksichtigt worden sei. Zwar sei Schrift zum Ende des Mitelalters vermehrt in ihrem Wert als Sicherungsmittel herrschaftsrelevanten Wissens erkannt worden, worauf die Einrichtung von Archiven und der Erlass von Ordnungsvorschriften für ebendiese zurückzuführen seien. Doch hätten die schnell wachsende Menge von Schriftstücken, ihr häufiges "Wandern" und – damit zusammenhängend – die Entstehung inoffizieller, willkürlich zusammengestellter Neben- und Sondersammlungen von Amtleuten und nicht zuletzt der Fürsten selbst zu großen Problemen geführt. Als Beispiel dafür verwies Nolte darauf, dass Archivrecherchen der Markgrafen von Brandenburg nach wichtigen Familienverträgen zum Ende des 15. Jahrhunderts im Sande verlaufen seien. Die Wahrnehmung von Schrift als Herrschaftsmittel habe zudem dazu geführt, dass der Zugang zu wichtigen Dokumenten beschränkt worden sei und dass streng darüber gewacht wurde, ob man Einsicht in Originale oder in Abschriften gewährte. Bei politischen Verhandlungen sei die Schrift indes nur als bedingt zulängliches Kommunikationsinstrument beurteilt worden, das der Ergänzung durch Unterredungen bedurfte. Mündliche Botschaften seien als diplomatisch wirksamer eingeschätzt worden als schriftliche. Denn "die Schrift (fungierte) als ‚Sprache der Distanz‘ sowohl im raum-zeitlichen wie auch im sozialen Sinne". Zudem habe man den oft umfangreichen schriftlichen Dokumenten gegenüber Unbehagen empfunden, und zur Ausräumung von etwaigen Ungereimtheiten oder Missverständnissen und zur Erklärung komplizierter Sachverhalte sei daher eine "muntliche [...] unterrichtung" zusätzlich zur schriftlichen erwünscht gewesen. Den Ressentiments und Problemen der Schriftlichkeit gegenüber habe das im 16. Jahrhundert selbstverständlich praktizierte eigenhändige Schreiben der Fürsten neue Dimensionen eröffnet: Es habe eine emotionale Färbung von Briefen und damit eine Änderung des sozialen Miteinander (Autographen als Signal für Wertschätzung und Höflichkeit) herbeigeführt und auch Folgen für die Herrschaftsausübung gezeitigt. Der regen fürstlichen Korrespondenz der Neuzeit sei damit der Weg bereitet gewesen.

Thomas Fuchs (Potsdam) setzte die Reihe der Vorträge mit Ausführungen zu "Transformationsprozessen der Adelskultur im 16. Jahrhundert" fort. Diese sah Fuchs durch den Prozess der Territorialisierung, den Wandel der Adels- und Fürstenideologie sowie die Reformation und ihre Folgen bewirkt. Die Territorialisierung habe zu einer "Erstarrungsbewegung sozialer Mobilität" geführt. Der Adel sei als soziale Schicht gefestigt und nach unten abgeschlossen worden. Im Gegenzug habe er, rückwärtsgewandt und modern zugleich, Freiräume für Innovationen in der Lebensführung erlangt, die Fuchs vor allem im Militärwesen (Adelige als Führer von Landsknechtshaufen), in der Ausbildung (Akademiewesen) und im Lebensstil verwirklicht sah. "Aufs engste" seien mit den Herausforderungen der Territorialisierung die ideologischen Ansprüche des modernen Fürstenstaates verbunden gewesen. Das Bild vom Fürsten als "primus inter pares" sei damals nämlich abgelöst worden durch das des historisch legitimierten Herrschers, in dessen Herrschaftsbereich alle Adeligen landsässig zu sein hätten, und das Territorium habe man zum Vaterland stilisiert, dem gegenüber der Adel zur Treue verpflichtet sei. Dem Vaterlandskonstrukt habe der nunmehr landsässige Adel den Gedanken eines abstrakten Vertragsverhältnisses entgegengestellt, in dem er als Vertreter des Volkes fungierte. Parallel dazu habe sich die Memorialkultur des Adels verändert: Das zumindest im unterfürstlichen Adel vage Geschlechterbewusstsein sei einem detaillierten, auf das Individuum bezogenen Familienbewusstsein gewichen. Darüber habe die Familie schließlich eine Kollektividentität gewinnen können. In der Frage der Reformation sei der Adel weit vorsichtiger gewesen als Städte und Fürsten. Von zentraler Bedeutung für seine Haltung sei die Konfessionsentscheidung des Bezugshofes gewesen. Daneben habe die Kirchengüterfrage in ihrer Ambivalenz – auf der einen Seite sei die Gelegenheit der Bereicherung auf Kosten der Kirche gestanden, auf der anderen Seite die existentielle Möglichkeit einer Versorgung von Familienmitgliedern – eine Rolle gespielt. Die Entscheidung für eine Konfession habe sich auf das Konnubium ausgewirkt, indem traditionelle Heiratsverbindungen aufgelöst worden seien. Teilweise seien einzelne Adelsgruppen regionalisiert und noch stärker an die Fürstenhöfe gebunden worden.

"Vortreffliche Zeugen der Fürsten und Regenten Macht, Hoheit und Magnificence – Herrschaftliche Repräsentation im deutschen Schloßbau des 15. und 16. Jahrhunderts" lautete der folgende Vortrag des Kunsthistorikers Matthias Müller (Greifswald). Im Unterschied zu Schlössern des 17. und 18. Jahrhunderts, deren Prachtentfaltung in ihrer staatstragenden Bedeutung erkannt sei, spreche man den Residenzschlössern des 15. und 16. Jahrhunderts mit dem einseitigen Siegel des "Übergangs" von der mittelalterlichen Burg zum frühneuzeitlichen Schloß gern jegliche künstlerische Systematik und inhaltliche Programmatik ab. Eine Durchsicht der in dieser Beziehung bislang kaum beachteten Rechtsurkunden, Hofordnungen, Fürstenspiegel und bildlichen Darstellungen in der Buch- und Tafelmalerei ergebe freilich ein anderes Bild. "Von der Architekturforschung wurden fürstliches Regiment, Hoforganisation und Dynastie als konstitutive Parameter der höfischen Architektur des späten Mittelalters und der beginnenden frühen Neuzeit im Alten Reich bislang nicht ausreichend beachtet und somit auch nicht systematisch zur Analyse der Baugestalt herangezogen. Die Schwierigkeit besteht darin, die Einzelaspekte nicht nur für sich zu betrachten, sondern aufeinander zu beziehen und als zusammengehörige Teile eines übergeordneten Systems adliger Kultur und adligen Selbstverständnisses zu verstehen." Mit einem solchen Ansatz ließen sich Schloßbauten der Zeit als steingewordener "Glaube an die Dignität und Solidität eines von Gottes Gnaden weise und tugendhaft regierenden Landesherrn und seiner Dynastie" interpretieren. Das frühe Schloß sei zur Versinnbildlichung religiöser, dynastischer und rechtlicher Normen adeliger Herrschaft verwendet worden: Damalige Darstellungen von Burgen und Schlössern stünden für Dignität, Solidität, Tugendhaftigkeit adeliger, speziell fürstlicher Herrschaft. Diese Allegorisierung habe zur Reformationszeit ihren Höhepunkt erreicht, als das Fürstenschloß etwa auf den sog. Bekenntnisbildern zum Symbol eines rechtmäßigen und durch Gott legitimierten Landesfürstentums avancierte. Allegorisch seien aber nicht nur Burg und Schloß als Ganzes, sondern auch konstitutive Einzelelemente, insbesondere Turm und Palas/fürstliches Haus, benutzt und verstanden worden. So habe man Türme bei Schloßbauten neu errichtet oder auch alte Türme erhalten, weil durch sie das rechtliche und dynastische Moment der Schloßherrschaft gleichsam materialisiert worden sei. Ähnliches gelte für das als "fürstliches Haus" bezeichnete Wohngebäude eines Schlosses, mit dem die Bezeichnung "fürstliches Haus" für den dynastischen Familienverband kaum zufällig sprachlich konform gewesen sei. "In der Architektur des fürstlichen Hauses verkörperte sich ganz im Sinne eines ‚Corpus principis‘ [...] die Stellung des einzelnen Fürsten als regierendes Oberhaupt seiner Familie und seines Hofes und die hieraus abgeleitete Verpflichtung zu patriarchalischer bzw. hausväterischer Fürsorglichkeit und ehrendem Gedächtnis der Vorväter."

Karl-Heinz Spiess beschloß die Sektion mit einer Zusammenfassung der Vorträge, die gleichzeitig weitere Fragen aufwarf und Denkanstöße vermittelte. Die Vorträge hätten seiner Meinung nach eine wichtige Antwort auf die Frage geliefert, warum sich der Adel in der Geschichte Alteuropas so lange behaupten konnte. Nach Ausweis der Beiträge habe sich der Adel trotz seiner konservativen Grundhaltung nämlich durch eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit an gesellschaftliche Veränderungen ausgezeichnet, wie sie in der Umbruchphase vom späten Mittelalter hin zur frühen Neuzeit besonders virulent geworden seien. Zu dieser Anpassungsfähigkeit sei noch seine enorme Regenerationsfähigkeit getreten. Sie sei verantwortlich dafür, dass der "von uns etwas monolithisch" gezeichnete und benannte Adel sich ständig in seiner Zusammensetzung vom frühen Mittelalter bis weit in das 19. Jahrhundert verändert habe. Damit freilich stellt sich für Spiess die Frage nach der Homogenität des Adels: "Welche soziale und kulturelle Klammer verbindet den Adel insgesamt? Fühlten sich der in der Theorie, in der Architektur und der tatsächlichen Machtausübung so stark herausgehobene Fürst und der Kleinadelige auf seinem Landsitz tatsächlich durch ein übergreifendes Adelsideal miteinander verbunden? Empfanden sie sich derselben Gesellschaftsschicht zugehörig?" Unter Verweis auf seine eigene Beschäftigung mit dem Thema im Rahmen des Greifswalder Principes-Projektes wollte Spiess diese Frage eher verneinen.

An die einzelnen Vorträge schlossen sich jeweils rege Diskussionen an, wohingegen aus Zeitgründen infolge des unvorhergesehenen Raumwechsels auf eine Abschlußdiskussion verzichtet werden musste.

Oliver Auge, Greifswald*

Der ägyptische Hof des Neuen Reiches –
seine Gesellschaft und Kultur im Spannungsfeld zwischen Innen- und Außenpolitik

Internationales Kolloquium an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

veranstaltet vom

Sonderforschungsbereich 295 "Kulturelle und sprachliche Kontakte"

Teilprojekt A.1/Prof. Dr. Rolf Gundlach

"Ideologie und Praxis des ägyptischen Königtums des späten Neuen Reiches"

in Zusammenarbeit mit dem

Interdisziplinären Arbeitskreis

Nordostafrikanisch-Westasiatische Studien der Universität Mainz

Mainz, 27.-29. Mai 2002

Wenn die vor allem am zeitlichen Horizont von Mittelalter und Früher Neuzeit orientierte Hof- und Residenzenforschung Höfe als die wichtigsten Machtzentren Alteuropas definiert und neben den Residenzen als "Gehäuse der Macht" in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses rückt, konnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis dieser v.a. von der Göttinger Residenzen-Kommission initiierte und vertretene Forschungsansatz – der, wie Wilhelm Störmer vor kurzem mit Blick auf die Arbeiten von Peter Moraw und Werner Paravicini schrieb, das spätmittelalterliche Staatsmodell zugunsten des Hofes als umfassende politische, gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Institution abgelöst hat – auch außerhalb der Grenzen der mediävistischen Disziplinen rezipiert wird. So kann nun auch eine Verbindung zur Ägyptologie vermeldet werden, nachdem bereits seit längerem Kontakt zur Altertumswissenschaft bestand, u.a. durch den Freiburger Althistoriker Aloys Winterling, dem die Residenzenforschung wesentliche Impulse verdankt. Auf Initiative des Mainzer Ägyptologen Rolf Gundlach war bereits im November des letzten Jahres ein erstes Treffen zustandegekommen, als sich in Dresden ein "Gesprächskreis zur Theorie des Hofes" zusammenfand. Fachübergreifend Forschungskonzepte, Theorieangebote und Denkmodelle aus der Hof- und Residenzenforschung aufgreifend, behandelte das Mainzer Kolloquium, angelegt auch als Forum zur Präsentation der wichtigsten Forschungsergebnisse des Teilprojektes A.1 des SFB 295, grundsätzliche Probleme ägyptischer Residenzen in der Endphase ägyptischer Weltreichspolitik vom 13. bis zum 11. Jahrhundert v.C., die v.a. durch "kontaktinduzierten Wandel" gekennzeichnet war. Dieses Projekt, das sich der pharaonischen Königsideologie widmet und die kulturellen Grundlagen altägyptischen Staatsverständnisses und die Funktion dieses Staatsverständnisses für die Politik der Zentralregierung auf den Feldern von Kult-, Innen- und Außenpolitik untersucht, erweitert somit mit dem hier vorzustellenden Kolloquium die sachliche und zeitliche Perspektive der Hof- und Residenzenforschung und bereichert das Spektrum dieser Forschungsrichtung beträchtlich.

Das Thema des Kolloquiums einleitend umreißend, bestimmte Gundlach die Institution des altägyptischen Königtums als politisches und kulturelles Zentrum, das sich zur Umsetzung seiner entsprechend politisch-kulturellen Ziele des Hofes bediente, dessen "personale Wirkform" die Hofgesellschaft war. Das Erkenntnisinteresse galt mithin "Erscheinungsform, Rolle und Funktion politischer Zentren und den jeweiligen Höfen und Hofgesellschaften". Gundlach postulierte, daß die "Hauptstadtproblematik", die ja der Residenzenforschung in ihren Anfängen als erkenntnisleitende Fragestellung zugrunde lag, die Residenzen und Höfe Altägyptens wie Memphis, Theben oder Amarna mit jenen der Antike wie Alexandrien und Rom und solchen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit verbinde. Tatsächlich, so der Referent auf Nachfrage, scheint Ägypten aber ein Sonderfall gewesen zu sein, fielen hier doch die Reinhardschen Kategorien von einer auf den Herrscher bezogenen Residenz und einer auf das Territorium bezogenen Hauptstadt weitestgehend zusammen, sei die Etablierung einer Territorialherrschaft geradezu Voraussetzung für die Entstehung herrschaftlicher Residenzen gewesen, obwohl die beiden genannten Kategorien, so Reinhard, doch eigentlich erst in der Neuzeit zur Deckung kamen. Auch sei das Verhältnis von Stadt und Residenz im alten Ägypten im Unterschied zu den vielerorts im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit anzutreffenden Verhältnissen relativ frei von Spannungen gewesen, weil es diesen Gegensatz schlicht nicht gegeben habe.

In der ersten Tagungssequenz präzisierte Gundlach unter dem Titel "Hof – Hofgesellschaft – Hofkultur im pharaonischen Ägypten" seine einleitenden Ausführungen. Bereits seit dem 22. Jahrhundert v.C. ist das ägyptische Königtum als Residenzherrschaft gesehen worden, wie ein Zeugnis der Zeit belegt. Der Palast, das politische und administrative Entscheidungszentrum des Landes, als Sitz des Königs und als Versammlungsort der königlichen Berater wichtigster Bestandteil der Residenz, war von zentraler ideologisch-geistiger und sozialer Bedeutung. Hier befanden sich die Wohngebäude, die Büros der Zentralverwaltung und die Versorgungseinrichtungen. Nebenhöfe dienten den Hofhaltungen der weiblichen Mitglieder der königlichen Familie und der Prinzen. Dieser in der königlichen Residenz weilenden Hofgesellschaft rechnet Gundlach auch die Spitzen der Beamtenschaft der Provinz- und Tempelverwaltung sowie des Militärs zu, auch wenn diese nicht notwendigerweise am Residenzort selbst amtierten. Die Gesamtheit der Hofgesellschaft war wiederum Träger einer somit auch landesweit verbreiteten Hofkultur. Zahlreiche zeremonielle Vorschriften regelten den höfischen Betrieb. Eine Antwort auf die Frage nach der Funktion und dem Stellenwert des Reisens für das ägyptische Königtum kann die Forschung allerdings noch nicht geben.

Winterling referierte über "Grundprobleme des monarchischen Hofes in Antike und früher Neuzeit" und knüpfte an seine zuvor schon 1997 in Erfurt und 2001 in Dresden vorgetragenen Ausführungen an. Nach einem kritischen Überblick über die Forschungsgeschichte plädierte Winterling für einen Hofbegriff, der auf die persönliche Anwesenheit beim Herrscher und die Interaktion mit dem Herrscher gründet, dies in Entsprechung der gesamtgesellschaftlichen Funktionen, die der Hof als politisches Zentrum mit Zugangsregelung zur Weitergabe von Macht und zur Repräsentation politisch-sozialer Rangverhältnisse hat. Die auf Gunst basierenden kommunikativen Strukturen am Hof machen dabei nach Winterling den Kern des Phänomens aus, das er damit im übrigen in systemtheoretische Zusammenhänge stellte. Hat der Münsteraner Mediävist Gerd Althoff Huld bereits 1991 als "Zentralbegriff der mittelalterlichen Herrschaftsordnung" definiert, so folgte Winterling Althoff in dieser Einschätzung und begründete dies mit der Attraktivität der persönlichen Nähe zum Hofherrn, die Zugang zu begehrten Gütern wie Macht, Reichtum oder Ehre verschaffe. Da die Gunst des Herrschers wiederum ein knappes Gut sei, ergebe sich einerseits eine Hierarchie nach Maß der Gunst, in der der einzelne stehe, andererseits Rivalitäten der Höflinge im Streben nach Gunst. Daß dies ein fruchtbarer Ansatz ist, belegte nicht zuletzt das Neuburger Symposium der Residenzen-Kommission, wo "Der Fall des Günstling" als aktuelles Thema der Forschung verhandelt wurde. Winterling machte aber auch deutlich, daß die antike Stadt und der antike Hof in der Regel als unterschiedliche Orte verdichteter Oberschichtenkommunikation und -interaktion gesehen werden müssen, was die eingangs von Gundlach angesprochene Besonderheit der Kongruenz von altägyptischer Stadt und Residenz bzw. Hof unterstreicht: war das mittelalterliche Königtum nach Moraw ein "Hofstaat" bis ins 15. Jahrhundert, so war der antike oikos rsp. die domus eingebunden in die städtischen Gemeinschaften. Erst als diese an das Ende ihrer Effektivität gelangt waren und die städtischen Ämter ihre Funktion als Prestigeressource verloren hatten, konnte sich Hof als eigenständige Institution etablieren, der selbst als "äquifinale" Problemlösung allerdings erst spät in der Antike anzutreffen ist.

Nach diesen grundsätzlichen Vorträgen führte der Ägyptologe Hubert Roeder (Heidelberg) mit "Bemerkungen zum ägyptischen Hofritual" anhand einer Neuinterpretation des Begriffes Ba.u ein in die altägyptische Vorstellungswelt, die nicht zwischen Politik und Religion unterschied. Untertanen und Unterworfene, die dem König als Herrn über Leben und Tod begegneten, wußten von dieser Göttern und Königen vorbehaltenen Eigenschaft der Ba.u, dem lebensmächtigen "göttlichen Atem des alten Ägypten", deren Einfluß sie durch ritualisierte "Besänftigung" des Herrschers zu steuern versuchten. Die gegenseitige Durchdringung (herrschafts-)politischer und religiöser Bereiche wurde besonders deutlich in dem von Roeder aufgedeckten Ba.u-Diskurs: anhand von Quellen unterschiedlichster Provenienz konnte der Referent die zentrale Rolle der Ba.u-Konzeption für die ägyptische Herrschaftsideologie herausarbeiten.

Der zweite Tag galt zunächst der Epoche Ramses’ II (1279-13 v.C.). Edgar B. Pusch, Archäologe am Hildesheimer Pelizaeus-Museum, berichtete von den Grabungen bei Qantir, Christine Raedler (Mainz) und Silke Roth (Mainz), beide wissenschaftliche Mitarbeiterinnen des Teilprojekts A.1, widmeten sich der Struktur der Hofgesellschaft Ramses’ II. und der internationalen Diplomatie am Hof Ramses’ II.

Pusch zeigte, wie sich mit Hilfe moderner Grabungsmethoden wie bspw. der magnetischen Prospektion durch das Cäsium-Magnetometer und deren computergestützter Verarbeitung Grundrisse auch von Gebäuden nachweisen lassen, die wie diejenigen des Nildeltas im Gegensatz zu den monumentalen steinernen Zeugen der ägyptischen Kultur aus luftgetrockneten Lehmziegeln errichtet worden waren und deshalb längst zu Staub zerfallen oder im Nilschlamm versunken sind. Über Grundrisse lassen sich Gebäudegrößen und -qualitäten ermitteln (sogar Gärten als repräsentative Elemente höfischer Architektur), deren funktionale Zuschreibungen allerdings problematisch bleiben. Erst im Abgleich mit anderen Quellen sind gesicherte Erkenntnisse möglich. Auf diese Weise ist es Pusch allerdings vor einigen Jahren gelungen, Gebäude in Pi-Ramesse, der Residenz Ramses’ II. nahe der Ortschaft Qantir, mit dem Palast dieses Herrschers zu identifizieren und es entstand in erstaunlicher Präzision ein nahezu modern anmutender "Stadtplan" der Ramses-Stadt, der die Struktur einer der größten Siedlungen des östlichen Mittelmeerraumes sichtbar werden ließ. Hinzu kommen weitere Grabungsergebnisse. Der Nachweis des Eindringens und Rezipierens von außerägyptischem Kulturgut gelingt bspw. über Stallungszahlen, da das Duodezimalsystem mesopotamisch war. Ebenso muß es so etwas wie ständige diplomatische Vertretungen in Pi-Ramesse gegeben haben, wie verschiedene Funde wie Panzerplatten und Waffen(fragmente) belegen, die im Verbund mit Glas-, Bronze- und Kupferfunden auf intensiven "Technologie- und Wissenstransfer in alle Richtungen" hindeuten.

Hatte Pusch das "Gehäuse der Macht" vorgestellt, so wendeten sich die beiden folgenden Rednerinnen dem Hof als der "sozialen Seite der Medaille" zu.

Raedler kam zunächst zu dem Ergebnis, daß die von Winterling aufgestellten Kriterien grundsätzlich auch auf den ägyptischen Hof übertragbar sind, auch wenn festgestellt werden muß, daß physische Nähe zum Herrscher im ägyptischen Reich nicht notwendigerweise gegeben sein mußte. Ein ausgeklügeltes System von Titeln und Epitheta konnte diese Nähe ersetzen, aber auch Raedler sah mit Ausnahme dieser Einschränkung die Gunst des Herrschers als "das vorrangig regulierende Element" der höfischen Gesellschaft Altägypytens, bestätigt u.a. durch die eindrucksvolle Überlieferung der Autobiographie des Ameneminet, einem der höchsten Beamten Ramses’ II. Spezifische, auf Gunst gegründete und als Gunstzuweisung zu bezeichnende Ränge wie "Vertrauter des Horus", "Freund des Königs", "erster von den Freunden an der Spitze des Hofstaats", vergeben in Folge der Qualifizierung des jeweiligen Beamten durch Eigenschaften, Fähigkeiten und Leistungen im Vergleich mit anderen um die Gunst des Königs konkurrierenden Beamten, waren zugleich dinstinktiven Charakters als auch Maß der Nähe zum Herrscher. Sichtbar wurde die von Winterling so bezeichnete "Hierarchie nach Maß der Gunst" bspw. in der Größe der Grabmonumente. Schließlich bestimmte Raedler in konsequenter Weiterführung des Winterlingschen Ansatzes – zum einen von der Diskurs-, zum anderen von der Netzwerktheorie ausgehend – die Hofgesellschaft, also die königliche Familie und die Spitzenbeamten, als diskursives System distinkten Charakters in institutionaler Verfestigung, den Hof selbst als "egozentrisches Netzwerk".

Den eingangs angesprochenen "kontaktinduzierten Wandel" in der Endphase der ägyptischen Weltreichspolitik behandelte Roth am Beispiel der Diplomatie am Hof Ramses’ II., den die Referentin durch den Austausch einer großen Zahl von Kontaktträgern und -medien als "idealen Impulsgeber" für diesen Wandel beschrieb. Roth stellte unterschiedliche Bereiche der ägyptischen Diplomatie vor, die sie aus drei verschiedenen Perspektiven betrachtete: von Seiten der Hofgesellschaft, der sie auch die Gesandten zurechnete, die den sozialen, und von Seiten der Residenz, die den räumlichen Rahmen für die internationalen Kontakte Ägyptens bestimmte – aus politikwissenschaftlicher Sicht zur Untersuchung diplomatischer Instrumente, Institutionen, Konventionen und Prozeduren im Vergleich mit modernen Kategorien und Maßgaben – zur Erforschung interkultureller Kontakte. Grundlage der detaillierten Nachzeichnung des diplomatischen Verkehrs v.a. mit dem Hethitern waren Korrespondenzen, Staatsverträge und Heiraten sowie das dazugehörige Gesandtschaftswesen.

Die dritte Tagungssequenz am Nachmittag des zweiten Tagungstages unterstellte die Betrachtung von Gesellschaft und Kultur des ägyptischen Hofes im "Spannungsfeld zwischen Innen- und Außenpolitik" einem verstärkt außenpolitischen Akzent.

Statthalter und Vasallen in der Levante und ihre Beziehungen zum ägyptischen Hof behandelte Eileen Hirsch (Mainz). Hirsch, ebenfalls wissenschaftliche Mitarbeiterin des Teilprojekts A.1, beschäftigte sich mit der Zeit der ägyptischen Hegemonie über Syrien und Palästina, ca. 1570-1100 v.C., in welcher "ein funktionierendes System zwischen der ägyptischen Verwaltung und der ansässigen Bevölkerung" bestanden habe mit den "Vorstehern der nördlichen Länder", den "Augen und Ohren des Königs im Fremdland", als fiskale, politische und militärische Repräsentanten des ägyptischen Hofes an der Spitze. Stadtfürsten und Kleinkönige wiederum als Vasallen des Königs waren die direkten Ansprechpartner der ägyptischen Verwaltung. Grundfragen des Vortrags galten der Position, die die Statthalter am ägyptischen Hof und gegenüber der einheimischen Führungsschicht einnahmen, den Aufgaben und Privilegien der Vasallen und den Beziehungen zwischen beiden Gruppen und zum König sowie der Möglichkeit der Etablierung von Nebenresidenzen. Tatsächlich war die Integration von Statthaltern in die Hofgesellschaft trotz der geographischen Entfernung schon allein an Titeln wie "Großer Günstling des vollkommenen Gottes" ablesbar, die funktionierende Verwaltung deutete auf geringe Konflikte.

Der Ägyptologe Thomas Schneider (Basel) referierte über "Ausländer am ägyptischen Hof im Neuen Reich". Im Kontrast zur älteren Forschung etwa von Wolfgang Helck, der das Vorhandensein von Ausländern am äygptischen Hof mit "Eindringen", "Auflösung" und "Zersetzung" konnotierte, damit aber keineswegs altägyptischen Befunden, modernen Theorieansätzen oder aktuellem Forschungsverständnis gerecht wird, bemühte sich Schneider, das Thema adäquat in den Bezügen des kulturellen Austausches zu behandeln. Wenn es ein Problem im Rahmen des Strebens der kulturellen Aneignung fremder Elemente durch die ägyptische Kultur gegeben habe, dann war es das Problem der mangelhaften oder fehlenden Akkulturation; Assimilation hingegen sei sehr schnell vonstatten gegangen. Tatsächlich herrschte kulturelle Flexibilität statt kultureller Dominanz und Unterordnung, denn als Gegenstück zum "Ausländer" habe es nicht "den" Ägypter gegeben, vielmehr habe die im Status relativ homogene Elite aus zahlreichen Subsystemen unterschiedlichster Herkunft bestanden, galt nicht der Staat, sondern die Stadt als zeitgenössische Bezugsgröße, war nicht die Herkunft, sondern der Status entscheidend, war das ägyptische Kulturverständnis schließlich mythenbezogen, was nach Schneider die These einer Entität der Ausländer deutlich widerlegt.

Der dritte Tag der Tagung war in einer letzten Tagunsgssequenz dem Vergleich gewidmet. Der Theologe Andreas Wagner (Mainz) behandelte den israelitischen Hofstil und der Archäologe Detlev Kreikenbom (Mainz) die Residenz des Augustus. Ein ursprünglich vorgesehener Vortrag der Altorientalistin Doris Prechel (Mainz) über "Hof und Hofgesellschaft der Hethiter" hat leider entfallen müssen.

Wagner kontrastierte zunächst in einem forschungsgeschichtlichen Überblick den Hofstil-Begriff als Zusammenfassung aller Anschauungen, Redewendungen und Sitten am königlichen Hof nach der Wissenschaft vom Alten Testament des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit dem Hofstil-Begriff in der religionsgeschichtlichen Schule und ihrer nachfolgenden Tradition. Erst in einem weiteren sprachanalytischen Schritt wendete sich der Referent den sprachlichen Ausformungen des israelitischen Hofstils im engeren Sinn zu und konnte auf diesem Weg bspw. in der Untersuchung von Psalm 2 neue Interpretationen anbieten. Denn obwohl als Quelle für die sprachliche Welt der israelitischen Höfe Davids und Salomons, des Südreichs Juda und des Nordreichs Israel fast nur die Texte des Alten Testaments vorliegen, das Alte Testament selbst aufgrund seines eigentlichen Zwecks als religiöse Textsammlung auf ihren historischen Quellenwert hin kritisch zu befragen ist, ist es doch möglich, Eigenheiten des israelitischen Hofstils zu rekonstruieren. So galt Psalm 2 bislang als Lied am Tage der Thronbesteigung eines unbekannten Königs, kann nun aber als Programm für den künftigen König angesehen werden.

Mit der rhetorischen Frage Ovids "Ist dies Jupiters Haus?" veränderte Kreikenbom den Blickwinkel, aus der die palatina domus des Augustus bislang von der Archäologie betrachtet worden ist. Ging es bisher um die Perspektive des Eigentümers, um Gestaltung und Ausstattung hinsichtlich der Leitlinien augusteischer Selbstdarstellung, ging es nun um die Perspektive der wahrnehmenden Öffentlichkeit, vom Volk bis hin zur persönlichen Umgebung des Kaisers, die Kreikenbom nach Ausführungen über die politische Rolle des Palastes behandelte. Die Entwicklung des Palastes zu einer Residenz kann nach Kreikenbom in Folge des Prozesses der Ausweitung der domus zu einem Gebäudekomplex beschrieben werden, der schließlich staatlich war und schon von Anbeginn an aus der Kombination sakraler und privater Bereiche sowie von Bildungsbereichen (Bibliothek) bestand. Das Volk stand dieser Einrichtung in einem dialektischen Verhältnis von Distanz und Nähe gegenüber, eigentliche Begegnungsstätte war ja das Forum, gekennzeichnet durch die Verbindung der domus mit dem Zirkus. Tempel und Bibliothek waren Tagungsorte des Senats. Zutritt hatten ansonsten nur die consiliarii, der engste Kreis der amici, und Literaten; bei Gastmählern waren hochgestellte Persönlichkeiten zugegen. Erst bei Festen und Feiern war die große Öffentlichkeit gegeben. Die höfische Öffentlichkeit war folglich wie auch diejenige späterer Zeiten eine selektive.

Zum Abschluß machte Gundlach unter dem Titel "Ziele und Aspekte ägyptologischer Residenzenforschung" neben der zusammenfassenden Vorstellung der Ergebnisse der Tagung deutlich, daß die Betrachtung des kulturellen Gesamtzusammenhanges ein originär ägyptologischer Ansatz sei, der schon im notwendigen Zusammenspiel der zahlreichen Disziplinen erkennbar sei, die sich unter dem Dach der Erforschung der ägyptischen Kultur zusammengefunden haben. Andererseits habe dies aber auch die Nutzung von Forschungsergebnissen aus anderen Bereichen erschwert. In der sich anschließenden Diskussion konnte u.a. deutlich gemacht werden, daß die mediävistisch orientierte Hof- und Residenzenforschung im Unterschied zur entsprechend ausgerichteten ägyptologischen Forschung auf ganz andere Quellenbestände zugreifen kann. Ägyptische Höfe und Residenzen erscheinen damit nahezu zwangsläufig in Folge des Charakters der einschlägigen Überlieferung in idealisierter Form. Gezeigt hat diese Tagung in sozialgeschichtlicher Hinsicht aber auch die Tragfähigkeit des Ansatzes von Winterling, "Gunst" als eine zentrale Kategorie der Hofforschung zu behandeln. Desiderat bleibt nach wie vor eine (auch interdisziplinär gültige) Definition sowohl von Hof als auch von Residenz.

Jan Hirschbiegel, Kiel

Kolloquien, Ausstellungen, Jubiläen*

 

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Ausstellung

Hans Vredeman de Vries und die Renaissance im Norden

Weserrenaissance-Museum Schloß Brake, 26. Mai bis 25. August 2002

Kontaktadresse: Weserrenaissance-Museum

Schloß Brake

Postfach 820

D-32638 Lemgo

Tel. [D] 0 52 61 - 94 50-0 – Fax [D] 0 52 61 - 94 50-50

Email: Weserrenaissance-Museum@t-online.de

Internet: http://www.vredeman.net

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12. Internationale Sommerakademie

Hofjuden – Landjuden – Betteljuden

Jüdisches Leben in der Frühen Neuzeit

St. Pölten/Wien, 30. Juni bis 4. Juli 2002

Kontaktadresse: Dr. Sabine Hödl

Institut für Geschichte der Juden in Österreich

Dr.-Karl-Renner-Promenade 22

A-3100 Pölten

Tel. [A] 27 42 - 7 71 71-0 – Fax [A] 27 42 - 7 71 71-15

Email: injoest@nextra.at

Internet: http://members.nextra.at/injoest

Aus dem Programm:

Toch, M. (Jerusalem), Spätmittelalterliche Rahmenbedingungen jüdischer Existenz; Battenberg, F. (Darmstadt), Von der Kammerknechtschaft zum Judenregal. Reflexionen zur Rechtsstellung der Judenschaft im Heiligen Römischen Reich; Staudinger, B. (Wien), "Gelangt an eur kayserliche Maiestät mein allerunderthenigistes Bitten". Netzwerke und Handlungsstrategien von Juden vor Gericht; Ries, R. (Bielefeld), Eine alte Herausforderung für eine neue Oberschicht? Zur Entstehung neuer gemeindlicher Strukturen im 16. und 17. Jahrhundert; Rohrbacher, S. (Duisburg), "Er erlaubt es uns, auf ihn hören wir". Jüdische Frömmigkeit und religiöse Praxis im ländlichen Alltag; Treue, W. (Duisburg), Eine kleine Welt: Juden und Christen im ländlichen Hessen; Putík, A. (Prag), The Social and Political History of the Prague Ghetto in the Second Half of the 17th Century; Polakovic, D. (Prag), The Prague Ghetto after the Great Fire of 1689 as reflected in the Responsa literature; Hödl, S. (Wien), Führung durch das jüdische Wien des 16. und 17. Jahrhunderts; Kocman, P. (Brünn), Mährische Juden und christliche Justiz im 16. und 17. Jahrhundert; Tandlich, T. (Preßburg), Kontakte, Konflikte, Koexistenz – jüdisch-christliche Handelsbeziehungen im österreichisch-oberungarischen Grenzgebiet im 17. Jahrhundert; Klein, B. (Duisburg), Nach jüdischem Recht oder "Puderhähner Gesezen" – Frauen im Kampf um ihr Vermögen im frühneuzeitlichen Aschkenas; Guggenheim, Y. (Jerusalem), Betteljuden und Ganoven – Die jüdischen Unterschichten in Aschkenas.

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10. Pfälzisches Burgensymposium – 2. Deutsch-Französische Burgentagung

Burgenforschung zwischen Rhein und Saar

Homburg/Saar, 30./31. August 2002

Kontaktadresse: Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, Kaiserslautern

Deutsche Burgenvereinigung, Landesgruppe Rheinland-Pfalz/Saarland

Cercle d’Histoire et d’Archéologie de l’Alsace du Nord, Wissembourg

Benzinoring 6

D-67657 Kaiserslautern

Tel. [D] 06 31 - 36 47-3 03 – Fax [D] 06 31 - 36 09-3 47

Email: info@institut.bv-pfalz.de

Internet: http://www.institut-pfaelzische-geschichte.de/

Aus dem Programm:

Freitag, 30. August

Eröffnungsvortrag

Herrmann, H.-W. (Riegelsberg), Burgen zwischen Saar und Mosel.

Samstag, 31. August

Münch, M. (Kaiserslautern), Gottes Krieger in der Etappe – Geistliche Ritterorden und ihre europäischen Niederlassungen; Losse, M. (Marburg), Gottes Krieger an der Front – Die Befestigungen der Johanniter auf Malta; Rudrauf, J.-M. (Lichtenberg), Die Burgen des 11. und 12. Jahrhunderts im Umkreis von Dabo (Dagsburg); Wagner, F. (Obermoschel), Essen und Trinken auf pfälzischen Burgen im 15. Jahrhundert; Thon, A. (Kaiserslautern), "Wie Schwalben Nester an den Felsen geklebt". Pfälzische Burgen in Abbildungen des 19. Jahrhunderts; Übel, R. (Landau), Neue Forschungsergebnisse zur Bau- und Familiengeschichte von Burg Neuscharfeneck im 16. Jahrhundert; Ulrich, S. (Homburg), Die Meerburg im Homburger Stadtteil Kirrberg. Überlegungen zu einem Adelssitz des Hochmittelalters; Bernard, C. (Homburg), Die Reichsburg Kirkel. Ergebnisse der Grabungen seit 1993.

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Tagung

Hofkultur der Jagiellonendynastie und verwandter Fürstenhäuser

Lublin, 5. bis 7. September 2002

Kontaktadressen: Dr. Andrea Langer

Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas

Luppenstr. 1b

D-04177 Leipzig

Email: langer@rz.uni-leipzig.de

Sr. Prof. Dr. Urszula Borkowska

Al. Racawickie 14

PL-20950 PL 20950 Lublin

Email: borkowska@kul.lublin.pl

Aus dem Programm:

Donnerstag, 5. September

DAS HÖFISCHE LEBEN ZWISCHEN ALLTAG UND FESTIVITÄTEN

Bogucka, M. (Warschau), Der Hof der Jagiellonen: Größe, Strukturen und Funktionen; Wijaczka, J., Kazusek, S. (Kielce), Hofordnungen im Herzogtum Preussen im 16. Jahrhundert; Wilska, M. (Warschau), Zeit und Ort der Feste und Vergnügungen an den Höfen des 14.-16. Jahrhunderts; Steponaviien, D. (Wilna), Feste im litauischen Palast im 15. Jahrhundert; Piech, Z. (Krakau), Die Wappen der Jagiellonen als Kommunikationssystem; Chrubasik, K. (Bonn), Sepulkralkunst in Polen zur Zeit der Jagiellonen.

HOFKUNST UND HERRSCHEREPRÄSENTATION

Suckale, R. (Berlin), Ist Hofkunst "höfisch"?; Fajt, J. (Leipzig), Vergleichende Studien zur Struktur der jagiellonischen Hofkunst, insbesondere in Böhmen und Ungarn (am Beispiel Ludwigs II. Jagiello); Ágota Pataki, Z. (Rom): Buda Regia – Buda Imperialis. Statuenhof und Statuenprogramm. Höfische Kultur und Repräsentation in Ungarn zur Zeit des Königs Matthias Corvinus; Cemus, P. (Leipzig), Die Aktualisierung der Wenzelslegende im Jagiellonenzeitalter am Beispiel der Ausmalungen der Wenzelskapelle im Prager Veitsdom; Király, P. (Kaiserslautern), Hofmusik der Jagiellonen-Könige Ungarns (1490-1526). Musikalische Verbindung zwischen den ungarischen Herrscherhöfen und dem polnischen Königshof zur Zeit der letzten Jagiellonen.

Freitag, 6. September

DER HOF ALS MACHTZENTRUM

Sáez-Arance; A. (Köln), Kulturelle Beziehungen zwischen dem polnischen und spanischen Hof in den Regierungszeiten Karls V. und Philipps II. (der Humanist Jan Dantiscus); Nowakowska, N. (Oxford), Diplomatische Beziehungen zwischen dem Hof der Jagiellonen und dem päpstlichen Rom, 1480-1505; Seyboth, R. (Regensburg), Die fränkischen Hohenzollern und ihre Beziehungen zu den Jagiellonen im 15./16. Jahrhundert; Gasior, A. (Leipzig), Jagiellonische Einwirkungen auf die Kunst im Herrschaftsgebiet der Hohenzollern im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts an Fallbeispielen der Malerei und Skulptur; Ziegler, W. (München), Die Landshuter Hochzeit 1475 im Rahmen europäischer Fürstenhochzeiten.

DIE FRAU AM HOF

Brzeziska, A. (Warschau), Die Ehefrauen der Jagiellonen und die jagiellonischen Prinzessinnen; Langer, A. (Leipzig), Der Anteil der jagiellonischen Prinzessinnen am kulturellen Transfer; Bravermanová, M. (Praha), Das Grab der Anna Jagiellonka in der königlichen Krypta im Veitsdom der Prager Burg.

ERZIEHUNG UND BILDUNG AM HOF

Strzelczyk; D.: (Poosen), "Eine sehr erwünschte Segnung" – das Erwarten eines Kindes und der Lebensbeginn der polnischen Jagiellonen; Borkowska, U. (Lublin), Die Ausbildung und Erziehung der Jagiellonen; Goleman, W. (Lublin), Die politische Ausbildung eines Prinzen: die politische Botschaft des Wojciech Nowopolczyk (Novicampianus), des Lehrers von Johann Sigismund Zápolya; Knoll, P. (Los Angeles), Die Jagiellonen und die Universität von Krakau; Adamska, A. (Utrecht), Die Jagiellonen und das geschriebene Wort.

Samstag, 7. September

HOF ALS GEBAUTER RAUM

Kitkauskas, N. (Wilna), Die architektonische Entwicklung der Residenz der Könige und Großherzöge von Litauen in Vilnius; Rackeviius, G. (Wilna), Alte und neue Fakten zum spätgotischen Äußeren der Residenz des Großherzogs im Inselschloß von Trakai; Torbus, T. (Leipzig), Residenzbau in den von den Jagiellonen regierten Ländern in der ersten Hälfte des 16. Jh.; Ratajczak, T. (Posen), Meister Benedikt, königlicher Architekt Sigismunds des Alten. Die Situation eines spätmittelalterlichen Künstlers und seiner Werkstatt am Wendepunkt zur Neuzeit; Ångström-Grandien, I. L. (Falun), Die Residenzen von Johann III. und Katarina Jagellonika.

HOF UND KIRCHE

Kras, P. (Lublin), Die hussitische Revolution und Kirchenreform in der Diplomatie des Hofes der Jagiellonen; Hlavacek, P. (Leipzig), Die Franziskaner-Observanten und die Jagiellonenkönige zwischen Kooperation und Opposition; Royt, J. (Prag): Die Jagiellonen und die utraquistische bzw. protestantische Kunst in Böhmen.

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Ausstellung

Pracht und Zeremoniell – Die Möbel der Residenz München

Residenz München, 7. September 2002 bis 6. Januar 2003

Kontaktadresse: Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen

Schloß Nymphenburg

Eingang 16

D-80638 München

Tel. [D] 08 9 - 1 79 08-4 44

Email: Edgar.Bierende@bsv.bayern.de

Internet: http://www.pracht-und-zeremoniell.de

Die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen betreut in der Residenz München eine der weltweit bedeutendsten historischen Möbelsammlungen. Dieser einzigartige, weit über 1000 Stücke zählende Möbelbestand steht erstmals im Mittelpunkt einer großen Ausstellung. Unter dem Titel "Pracht und Zeremoniell – Die Möbel der Residenz München" wird sie in den Prunkräumen der Residenz präsentiert. Das Augenmerk gilt dabei besonders der Verknüpfung von fürstlicher Möbelkunst und höfischem Zeremoniell.

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Internationaler Kongreß

Kinship in Europe

The Long Run (1300-1900)

Monte Verità, Ascona, Schweiz, 15. bis 20. September 2002

Kontaktadresse: Istituto di Storia delle Alpi

Via Lambertenghi 10

CH-6900 Lugano

Tel. [CH] 0 91 - 9 12-47 05 – Fax [CH] 0 91 - 9 12-47 40

Email: admin@isalp.unisi.ch

Internet: http://www.isalp.unisi.ch/deu/aisa/pres_aisa.htm

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Symposium

Speiserituale

Gelage und Zeremonien

München, 24. September 2002

Kontaktadresse: Heidemarie Moser

Schweisfurth-Stiftung

Südliches Schloßrondell 1

D-80638 München

Tel. [D] 0 89 - 17 95 95 11

Email: hmoser@schweisfurth.de

Internet: http://www.schweisfurth.de

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Internationale Tagung

Spanien und das Heilige Römische Reich vom 14. Jahrhundert bis zum Beginn des habsburgischen Großreiches

Konstruktionen des Eigenen und des Fremden

Erlangen-Nürnberg, 26. bis 29. September 2002

Kontaktadresse: Prof. Dr. Klaus Herbers/Dr. Nikolas Jaspert

Institut für Geschichte

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Kochstr. 4, BK 9

D-91054 Erlangen

Tel. [D] 0 91 31 - 8 52-23 56 – Fax [D] 0 91 31 - 8 52 58 91

Email: majungha@phil.uni-erlangen.de

Internet: http://www.geschichte.uni-erlangen.de/
lehrstuehle/mittelalter/tagungen/spanienkolloquium_ma.shtml

Aus dem Programm:

Donnerstag, 26. September

A. BEGRÜSSUNG UND ERÖFFNUNG

Jaspert, N. (Erlangen), Eigenes und Fremdes im europäischen Spätmittelalter: Zur Einführung.

B. DYNASTISCH-POLITISCHE VERFLECHTUNGEN

Estepa Díez, C. (Madrid), Matrimonios internacionales – Aragón, Borgoña; Rudolf, K. (Madrid), Von den Katholischen Königen zur Casa de Austria; Ranft, A. (Halle), Adlige Identitätsbestimmung: Adelsorden und Adelsgesellschaften; Selzer, S. (Halle): Krieg und Politik: Spanien und Italien als Ziel deutschsprachiger Söldner im 14. Jahrhundert.

C. KULTURELLE UND WISSENSCHAFTLICHE INTERAKTIONEN

Delgado, J. H. i (Barcelona), La lectura de obras alemanas en las ciudades españolas del siglo XIV al XVI; Heim, D. (Dresden), Die Suche nach Geld, Freiheit und Ansehen – Künstlermigration nach Kastilien im 15. Jahrhundert; Walther, H. G. (Jena), Recht und Rechtsschulen in Deutschland und Spanien: Voraussetzungen und Folgen der Großen Reformkonzilien des 15. Jahrhunderts; Vones, L. (Köln), Spanische Reisende im Reich; Krones, H. (Wien), Die Hofkapellen Maximilians I. und die Trauermotetten zu Todesfällen in der kaiserlichen Familie.

Freitag, 27. September

D. KIRCHLICHE KOMMUNIKATION IM INTERNATIONALEN SYSTEM

Segl, P. (Bayreuth), Spanisches "Know-how" für Ketzerbekämpfer im Heiligen Römischen Reich; Grohe, J. (Rom): Spanien und die großen Konzilien Konstanz und Basel; Martínez Sopen, P. (Valladolid), Reforma de los claustros y sociedad en la España bajomedieval; Mur Raurell, A.(Madrid), Relaciones europeas de las Órdenes Militares Hispánicas durante el siglo XIV.

ABENDVORTRAG

Herbers, K. (Erlangen), "Das kommt mir Spanisch vor". Zum Spanienbild von Reisenden aus Nürnberg und dem Reich an der Schwelle zur Neuzeit.

Samstag, 28. September

E. ABSCHOTTUNG UND INTEGRATION IN WIRTSCHAFT UND TECHNIK

Diago, M. (Madrid), Los derechos de los extranjeros en las ciudades españolas y alemanas; Valdeón Baruque, J. (Valladolid), La Mesta y el comercio de lana; Rothmann, M. (Frankfurt), Märkte und Messen als wirtschaftliche und kulturelle Begegnungsstätten; Adão da Fonseca, L. (Porto), Globalización antes de la globalización? La expansión europea en el siglo XV.

F. ABGRENZUNGS- UND VERMITTLUNGSPROZESSE AN "DRITTEN ORTEN"

Tamburri Bariain, P. (Pamplona), Intercambio científico en Bolonia; Felten, F. (Mainz), Kommunikation an der päpstlichen Kurie in Avignon; Salicrú i Lluch, R. (Barcelona), Caballeros cristianos en el Occidente islámico; Trnek, H. (Wien), Künstlerischer Austausch in Brügge und Gent, 1400-1520.

 

 

Sonntag, 29. September

G. ABGRENZUNGS- UND VERMITTLUNGSPROZESSE AN "DRITTEN ORTEN"

Guilleré, C. (Chambéry), Génova como ciudad de contacto económico; Prietzel, M. (Berlin), Burgund als politische Drehscheibe und Austauschraum.

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Symposium

Court jewellers: splendour, finance and intrigue

London, 26./27. September 2002

Kontaktadresse: The Chairman

The Society of Jewellery Historians

Dept of Scientific Research

The British Museum

Great Russell Street

UK-London, WC1 3DG

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Tagung

Fragen der politischen Integration im mittelalterlichen Europa

I. Früh- und Hochmittelalter

Insel Reichenau, 1. bis 4. Oktober 2002

Kontaktadresse: Prof. Dr. Stefan Weinfurter

Konstanzer Arbeitskreis für Mittelalterliche Geschichte

c/o Seminar für Mittelalterliche Geschichte

Universität Heidelberg

Grabengasse 3-4

D-69117 Heidelberg

Tel. [D] 0 62 21 - 54 22 93

Email: stefan.weinfurter@urz.uni-heidelberg.de oder st.weinfurter@bigfoot.de

Aus dem Programm:

Dienstag, 1.Oktober

Neisser, H. (Wien/Innsbruck), Perspektiven und Probleme der politischen Integration in der Europäischen Union.

Mittwoch, 2. Oktober

Schieffer, R. (München), Die Einheit des Karolingerreiches als praktisches Problem und als theoretische Forderung; Goez, W. (Erlangen/Herzogenaurach), Das hochmittelalterliche Imperium. Versuche der Integration von Reichsitalien (951-1220); Scharer, A. (Wien), Die angelsächsischen Königreiche. Vielfalt und Einheit; Reuter, T. (Southampton), Eliten- und Institutionenaustausch innerhalb der kanalübergreifenden Großreiche (ca. 1066-ca. 1260).

Donnerstag, 3. Oktober

Schreiner, P. (Köln), Das byzantinische Reich. Hauptstadt und Peripherie; Houben, H. (Lecce), Politische Integration und regionale Identitäten im Königreich Sizilien; Vones, L. (Köln), Krone und Haus. Das Haus Barcelona als integrative Kraft der Krone Aragóns im Hoch- und Spätmittelalter; Guyotjeanin, O. (Paris), Die Integration der territorialen Erweiterungen der französischen Krondomäne im 13. und frühen 14. Jh.

 

Freitag, 4. Oktober

Boshof, E. (Passau), Zusammenfassung und Schlussdiskussion.

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Tagung

Frontières et espaces frontaliers en Lotharingie médiévale

Grenzen und Grenzräume im mittelalterlichen Lotharingien

Luxemburg, 1. bis 4. Oktober 2002

Kontaktadresse: Dr. Henri Trauffler

Centre luxembourgeois de documentation et d’études médiévales

L-1511 Luxemburg

162A, av. de la Faiencerie

Tel. [L] 03 72 - 72 69 46 – Fax [D] 03 72 - 72 03 30

Email: henri.trauffler@education.lu

Aus dem Programm:

Dienstag, 1.Oktober

Le Roy Ladurie, E. (Lorraine), Alsace, Flandre et les autres. La périphérie régionale de la France.

Mittwoch, 2. Oktober

Raepsaet-Charlier, M. T. (Brüssel), Les frontières des civitates gallo-romaines: méthode et problèmes; Bauer, T. (Trier), ‚Und sie legten fest, wie jene pagi abgegrenzt sein sollen‘ – Zum Problem der mittelalterlichen pagus-Grenze anhand von Fallbeispielen aus dem lotharingischen Raum; Waha, M. de (Brüssel), Dugnoille, J. (Ath), Frontières et limites dans le pagus hainoensis et le pagus bracbatensis (IXe-XIe siècles); Suttor, M. (Artois), Le rôle d’un fleuve comme limite ou frontière au Moyen Âge. La Meuse, de Mézières à Maastricht ; Kupper, J. L. (Lüttich), Sur les limites du diocèse de Liège au Moyen Âge; Dierkens, A. (Brüssel), Nouvelles réflexions sur les limites des doyennés et des archidiaconés, particulièrement dans le diocèse de Liège; George, P. (Lüttich), Antiques et frontières sacrées dans le pays mosan au Moyen Âge; Oberweis, M. (Bochum), Orval und Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach). Zwei Zisterzienserabteien nahe der Reichsgrenze.

Donnerstag, 3. Oktober

Parisse, M. (Paris), Les frontières entre Royaume et Empire (IXe-XIIIe siècles); Schmidt, H. J. (Fribourg), Sprachen, die trennen – Sprachen, die verbinden. Die unmögliche Einheit der okzidentalen Christen; Clemens, L. (Trier), Die romanisch-germanische Sprachgrenze im Spiegel der archäologischen Sachkul; Rapp, A. (Trier), Sprach- und Dialektgrenzen. Methoden und Modelle der germanistischen Sprachwissenschaft; Irsigler, F. (Trier), Hat Wirtschaft Grenzen? Überlegungen zum Verhältnis von politischen Grenzen und Wirtschaftsentwicklung im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit; Renard, J.-P. (Artois), Le système-frontière, approche géographique; Huber, B. (Bonn), Translokale Organisationsformen. Grenzen der Entgrenzung; Wilhelm, F. (Luxemburg), Du comparatisme littéraire comme moyen de percer des frontières. Quelques cas romantiques.

Freitag, 4. Oktober

Bur, M. (Nancy), De Namur à Clermont à l’ombre de Barberousse sur la frontière d’Empire au XIIe siècle ; Noël, R. (Löwen), Les terres communes du Luxembourg et du Barrois, zone frontière? Le cas de la prévôté d’Etalle; Burgard, F. (Trier), Trauffler, H. (Luxemburg), Methodische Überlegungen zu Räumen und Raumbildungen am Beispiel des Erzstiftes Trier und der Grafschaften von Luxemburg und Chiny; Fray, J.-L. (Clermont-Ferrand), Frontières des principautés et réseaux de localités centrales. L’exemple du Barrois septentrional (XIIIe-XXe siècles).

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Workshop

The Court as a stage

Groningen, 4./5. Oktober 2002

Kontaktadresse: Dr. Mario J. M. Damen

Leiden University History Department

P.O. Box 9515

NL-2300 RA Leiden

Tel. [NL] 0 71 - 5 27-27 16 oder -27 16 – Fax [NL] 0 71 - 5 27-26 52

Email: M.J.M.Damen@let.leidenuniv.nl

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60. Arbeitstagung des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande in Verbindung mit dem Verein für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande

Pfalzen – Höfe – Residenzen

Bonn, 7./8. Oktober 2002

Kontaktadresse: Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande

Am Hofgarten 22

D-53113 Bonn

Tel. [D] 02 28 - 73 75 53 – Fax [D] 02 28 - 73 75 62

Email: igl@uni-bonn.de

Internet: http://www.igl.uni-bonn.de

Aus dem Programm:

Montag, 7. Oktober

Ehlers, C. (Göttingen), Königliche Pfalzen und Aufenthaltsorte im Rheinland bis 1250; Lorenz, S. (Tübingen), Die staufische Pfalz Kaiserswerth; Hillen, C. (Köln), Der erzbischöflich-kölnische Hof in staufischer Zeit; Mötsch, J. (Meinigen), Zwischen Fürsten und Grafen. Der Hof der gefürsteten Grafen von Henneberg.

Abendvortrag

Tervooren, H. (Duisburg), Literatur und Kultur an niederrheinischen Fürstenhöfen.

Dienstag, 8. Oktober

Janssen, W. (Bonn), Beobachtungen zur Struktur und Finanzierung des kurkölnischen Hofes im 14./15. Jahrhundert; Widder, E. (Tübingen), Überlegungen zum geistlichen Hof im Spätmittelalter; Mersiowsky, M. (Münster), Rheinische Höfe und Residenzen im Spiegel spätmittelalterlicher Rechnungen; Kruse, H. (Kiel), Hofordnungen und Rechnungsführung zur Zeit Philipps des Guten von Burgund; Engelbrecht, J. (Düsseldorf), Der Düsseldorfer Hof in der frühen Neuzeit.

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Veranstaltungsreihe

Die Hofkultur in Frankreich und in Europa im Spätmittelalter

Die Konstruktion von Handlungs- und Repräsentationssystemen

Paris, Wintersemester 2002/2003

Kontaktadresse: Deutsches Forum für Kunstgeschichte

Centre allemand d’histoire de l’art

10, place des Victoires

F-75002 Paris

Tel. [F] 01 - 42 60 67 82 – Fax [F] 01 - 42 60 67 83

Email: contact@dt-forum.org

Internet: http://www.dt-forum.org/veranstaltungen.html

Aus dem Programm:

Montag, 7. Oktober

Greve, A. (Paris), "Prosographia burgundica" – une banque de données sur les personnes attachées à la cour des ducs de Bourgogne, 1419-1477 (Philippe le Bon; Charles le Téméraire).

Donnerstag, 7. November

Le Guilliez, A.-F. (Paris), Discussion sur la présence de la musique dans la culture de la cour au XIVe et XVe siècle.

Montag, 2. Dezember

Michalsky, T. (Berlin), Diskurse der Repräsentation. Methodische Ansätze zur Interpretation von Herrschaftsikonographie.

Donnerstag, 6. Februar

Brachmann, C. (Berlin), "Ereptam patriam dux ensifer ense recepit" – Schlachtenmemoria und Identitätsstiftung am lothringischen Hof nach dem Sieg über Karl den Kühnen (1477).

Montag, 24. Februar

Joubert, F. (Paris) Un aspect important de la commande en France, à la fin du Moyen Âge: la polyvalence des

artistes.

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Tagung

Burgen, Märkte, kleine Städte

Mittelalterliche Herrschaftsbildung am südlichen Oberrhein

Neuenburg/Rhein, 11./12. Oktober 2002

Kontaktadresse: Prof. Dr. Thomas Zotz

Historisches Seminar

Abteilung Landesgeschichte an der Universität Freiburg

Werderring 8

D-79085 Freiburg

Tel. [D] 07 61 - 2 03 34 59 – Fax [D] 07 61 - 2 03 91 88

Email: Renate.Koerner@geschichte.uni-freiburg.de

Internet: http://www.landesgeschichte.uni-freiburg.de/forschung/neuenburg.htm

Aus dem Programm:

Freitag, 11. Oktober

Butz, E.-M. (Dortmund), Zwischen allen Gewalten. Der Anspruch der Grafen von Freiburg auf Neuenburg; Jenisch, B. (Freiburg), Die historische Topographie von Neuenburg im Spiegel archäologischer Quellen ; Bechtold, A. (Bozen), Die Bergstadt Münster und die habsburgische Herrschaftsbildung am Oberrhein im 14. und 15. Jahrhundert; Andrae-Rau, A. -M. (Freiburg), Burgen- und Städtepolitik der Herren von Üsenberg; Stercken, M. (Zürich), Bürger als Akteure: Zum Verhältnis von habsburgischen Landesherren und ihren Städten zwischen Oberrhein und Alpen im 13. und 14. Jahrhundert.

Abendvortrag

Zotz, T. (Freiburg), Rinka-Neuenburg. Zum alten Umfeld einer neuen "Burg" des 12. Jahrhunderts.

 

 

Samstag, 12. Oktober

Jordan, B. (Straßburg), Märkte und spätmittelalterliche Wirtschaft in der Herrschaft Rappoltstein; Bigott, B. (Freiburg), Die Herren von Staufen – ihre Burg und ihre Stadt; Scott, T. (Liverpool), Städte und Märkte im spätmittelalterlichen Breisgau zwischen wirtschaftlicher Konkurrenz und Umlandsicherung.

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Tagung

Forschungs- und Informationssysteme für die Kunstgeschichte

München, 11. bis 12. Oktober 2002

Kontaktadresse: Dr. Rüdiger Hoyer

Zentralinistitut für Kunstgeschichte, Bibliothek

Meierstraße 10

D-80333 München

Tel. [D] 0 89 - 2 89-2 75 77

Email: r.hoyer@zikg.Lrz-muenchen.de

Internet: http://www. zikg.Lrz-muenchen.de

Aus dem Programm:

Freitag, 11. Oktober

Sauerländer, W. (München), Rückblick auf dreißig Jahre Kunstbibliothekenprogramm aus der Sicht eines Mitbegründers; Kohle, H. (München), Das Konzept digitaler Lehreinheiten und die Transformation des kunsthistorischen Lehrens und Publizierens; Gersmann, G. (München), Modellprojekte für die historischen Wissenschaften als transdisziplinäre Chance für die Kunstgeschichte : Das Fachportal historicum.net; Diers, M. (Berlin), Digitale Projekte des Kunsthistorischen Seminars der Humboldt-Universität.

Öffentlicher Vortrag

Pias, C. (Weimar).

Samstag, 12. Oktober

Oechslin, W. (Zürich), Die Stiftung Bibliothek Werner Oechslin. Die Entwicklung des Institut national d’histoire de l’art (INHA); Schnapp, A. (Paris), Les programmes francais d’informatisation et de numérisation intéressant les bibliothèques d’art; Le Masne de Chermont, I. (Paris), Zugang zur kunstwissenschaftlichen Forschung – Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Getty Research Institute; Ford, T., Wenzel, C. (München), Elektronische Dokumentlieferung aus dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte; Effinger, M. (Heidelberg), Der Virtuelle Katalog Kunstgeschichte: Eine Initiative der DFG-geförderten Kunstbibliotheken als internationale Infrastruktur; Hoyer, R. (München), Das Konzept der virtuellen Fachbibliothek und die Zukunft der Fachbibliographien und der Sachkataloge.

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Symposium

Tiere, Natur, Kultur

Der Tiergarten Schcönbrunn im internationalen Vergleich vom 18. Jahrhundert bis heute

Wien, Kinosaal des Naturhistorischen Museums, 16. bis 19. Oktober 2002

Kontaktadresse: o. Univ.-Prof. Dr. Mitchell Ash

Institut für Geschichte, Universität Wien

Dr. Karl Lueger-Ring 1

A-1010 Wien

Tel. [A] 01 - 42 77-4 08 37 – Fax [A] 01 - 42 77-94 08

Email: mitchell.ash@univie.ac.at

 

Aus dem Programm:

Menagerien und Zoologische Gärten sind multifunktionale Kultureinrichtungen, die zu verschiedenen Zeiten sehr unterschiedlichen Zwecken dienten. Im Zeitalter des Barock waren Menagerien vornehmlich Vergnügungsorten einer höfischen Elite. Im Zeitalter des Bürgertums im 19. Jahrhundert versuchte man in den neu entstanden zoologischen Gärten verbreitete Bildungsansprüchen und Vorstellungen kolonialer Überlegenheit umzusetzen; in der Praxis wurden sie auch zu Orten der Sentimentalisierung des Wilden. Vom 20. Jahrhundert bis heute ging und geht es um die Realisierung eines ganzen Spektrums von Bedürfnissen, von purer Schaulust im Rahmen einer Erlebnis- und Eventkultur bis hin zur wissenschaftlichen Verhaltensforschung und Artenhaltung. Tiergärten sind heute zu Fixpunkten städtischer Kultur geworden; ihre steigende Attraktivität für Stadtbewohner und Touristen steht aber einer wachsenden, teils fundamentalen Kritik gegenüber.

Anlässlich des 250. Jubiläums des Tiergarten Schönbrunn diskutieren Wissenschaftler(innen) aus mehreren Disziplinen die vielfältige, jahrhundertelange historische Entwicklung der exotischen Tierhaltung von dem 18. Jahrhundert bis heute im internationalen Vergleich und thematisieren auf der Grundlage dieser Perspektive den Sinn und Zweck von Tiergärten heute.

Die Tagung versteht sich als Teil des Begleitprogramms zur großen Ausstellung zum Jubiläum, "Kaiserliche Menagerie, Zoo der Wiener – 250 Jahre Tiergarten Schönbrunn" und soll über Fachkreisen hinaus auch für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich sein.

Donnerstag, 17. Oktober

TEIL I. HÖFISCHE MENAGERIEN IM SPÄTEN 18. JAHRHUNDERT

Rieke-Müller, A. (Oldenburg/Berlin), Menagerien zwischen Privatheit und Wissenschaft vom Menschen. Die Haltung exotischer Wildtiere am Ende des 18. Jahrhunderts; Stadelmann, C. (Wien), Als der Kaiser die Bürger entdeckte. Das Programm der Menagerie Schönbrunn im 18. Jahrhundert; Klemun, M. (Wien), Amor im Zoo. Die rekursive Wahrnehmung von Leben, Nähren und Gebären.

TEIL II. DER BÜRGERLICHE TIERGARTEN IM 19. JAHRHUNDERT

Grazyck, A. (Marburg/Berlin), Der Zoo als Tableau; Wessely, C. (Wien), Lesarten des Natürlichen. Tiergarten und Stadt im 19. Jahrhundert; Heindl, G. (Wien), Die Schönbrunner Menagerie: Kaiserliche Institution und bürgerlicher Tiergarten; Hochadel, O. (Wien), "Eine Reliquie von Alt-Wien"? Die Diskussion um die ‚Rückständigkeit der Menagerie Schönbrunn (1879-1919).

Freitag, 18. Oktober

FORTSETZUNG TEIL II: VON DER MENAGERIE ZUM BÜRGERLICHEN TIERGARTEN IM 19. JAHRHUNDERT

Riedl-Dorn, C. (Wien), Tot und lebendig bestaunt – Zum Verhältnis des Naturalienkabinetts bzw. Naturhistorischen Museums und der Menagerie Schönbrunn im 19. Jahrhundert.

TEIL III. TIERGÄRTEN ALS ORTE DER MASSEN- UND EVENTKULTUR IM 20. JAHRHUNDERT

Rothfels, N. (Milwaukee, Wisconsin/USA), Reconsidering the Hagenbeck Revolutions; Hyson, J. (Philadelphia, Pennsylvania/USA), Zoos and American Leisure Culture; Hofer, V. (Wien), Ein Bilderstreit über Naturträume. Der Tiergartendirektor (1925-1945) Otto Antonius stellt sich der Hagenbeck’schen Herausforderung; Holtorf, A. (Cambridge, England), Zoos als Orte des kulturellen Gedächtnisses.

Samstag, 19. Oktober

FORTSETZUNG TEIL III: TIERGÄRTEN ALS ORTE DER MASSEN- UND EVENTKULTUR IM 20. JAHRHUNDERT

Koch, G. (Berlin), Der Zoo im Spielfilm; Ebner, P. (Wien), Der Tiergarten Schönbrunn in Spielfilmen, Wochenschauen und Fernsehen; Strehlow, H. (Berlin), Entwicklung der Tiergärten: Die Berliner Tierhaltungen.

 

 

ABSCHLUSSVORTRAG

Dittrich, L. (Celle-Boye), Warum ein Regenwaldhaus und keine Bärenburg? Über das materielle – nichtwissenschaftliche – Fundament zeittypischer Zoobauten vom 19. Jahrhundert bis heute.

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Seminar

Les ducs Valouis de Bourgogne: leur cour, leurs hommes, leur espace

Paris, capitale des ducs de Bourgogne (II)

Paris, Deutsches Historisches Institut, 22. Oktober 2002 bis 24. Juni 2003

Kontaktadresse: Prof. Dr. Werner Paravicini/Prof. Dr. Bertrand Schnerb

Deutsches Historisches Institut Paris

8, rue du Parc-Royal

F-75003 Paris

Tel. [F] 01 - 42 71 56 16 – Fax [F] 01 - 42 71 56 43

Email: direktor@dhi-paris.fr

Aus dem Programm:

Dienstag, 22. Oktober

Paravicini, W. (Paris), Présentation.

Schnerb, B. (Lille), L’affaire Jean Bertrand (1418).

Dienstag, 19. November

Chapelot, J. (Paris), Les résidences bourguignonnes autour de Paris, approches archivistiques et historiques.

Dienstag, 17. Dezember

Paravicini, W. (Paris), Le temps retrouvé: Philippe le Bon à Paris, 1461.

Dienstag, 21. Januar

Bennert, U. (Paris), Les résidences princières à Paris.

Dienstag, 18. Februar

Tournier, L. (Paris), Jean sans Peur et l’Université de Paris.

Dienstag, 18. März

Châtelet, A. (Straßburg), Les commandes artistiques des ducs de Bourgogne à Paris.

Dienstag, 20. Mai

Sohn, A. (Paris), Paris capitale: quand, comment, pourquoi?

Dienstag, 24. Juni

Blondeau, C. (Paris), La commande et l’usage princier des manuscrits à Paris autour de 1400.

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Tagung

Fürst und geistliche Herrschaft in der Frühen Neuzeit

Vergleichende Perspektiven: Deutschland – Italien

München, 24. bis 26. Oktober 2002

Kontaktadresse: Dr. Katharina Weigand

Institut für Bayerische Geschichte

Universität München

Geschwister-Scholl-Platz

D-80539 München

Tel. [D] 0 89 - 21 80 28 50 – Fax [D] 0 89 - 21 80 56 59

Email: Katharina.Weigand@Lrz.uni-muenchen.de

Aus dem Programm:

Donnerstag, 24. Oktober

Aretin, K. O. Frhr. von, Reichsverfassung und Mindermächtige. Geistliche Fürsten und italienische Vasallen als Stützen der kaiserlichen Reichspolitik.

Freitag, 25. Oktober

RECHTLICHE GRUNDLAGE GEISTLICHER HERRSCHAFT

Willoweit, D., Rechtsgrundlagen der weltlichen Herrschaft geistlicher Fürsten im Mittelalter; Quaglioni, D., Fondamenti giuridice della sovranità ecclesiastica tra medioevo ed età moderna.

BISCHÖFLICHES AMT – BISCHÖFLICHE HERRSCHAFT

Donati, C., Vescovi e poteri vescovili in Italia tra Sei- e Settecento; Becker, H.-J., Bischofswahlen im späten Mittelalter und in der Frühen Neuzeit in Deutschland und Italien im Vergleich; Wüst, W., Der Typus bischöflicher Herrschaft in der frühen Neuzeit. Ein Vergleich süd- und nordalpiner Verhältnisse.

GEISTLICHE FÜRSTEN UND WELTLICHE HERRSCHAFT

Varanini, G., Crespuscolo e fine di un principato vescovile mancato. Il caso della diocesi di Belluno-Feltre nel tardo medioevo; Rankl, H., Das Kirchenregiment der weltlichen Fürsten im 15. und 16. Jh.; Curzel, E., Attraverso le Alpi. Mobilità clericale fra XIII e XV secolo.

Samstag, 26. Oktober

DIE KURIE UND DAS REICH

Koller, A., Die Neuordnung der kurialen Deutschlandpolitik unter Gregor XIII. (1572-1585); Noflatscher, H., Kommunikation als Steuerung? Nuntius Girolamo Portia und die Krise der 1590er Jahre; Jaitner, K., Kontinuität oder Diskontinuität päpstlicher Deutschlandpolitik von 1592 bis 1644?; Walther, G., Adel und Konfession in der Frühen Neuzeit.

GESCHICHTSPOLITIK IN DER FRÜHEN NEUZEIT

Rando, D., I vescovi sulla difensiva. Contro il "Landesherr" le armi della filologia e della storia; Schmid, A., Territorialisierung und Konfessionalisierung der Historiographie durch die Jesuiten; Flachenecker, H., Kirchengeschichtsschreibung zwischen Wissenschaft und Politik: historisch-statistisch oder religiös-staatstragend?

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Tagung

Das Reich und seine Territorialstaaten

Aspekte des Mit-, Neben- und Gegeneinander

Köln/Düsseldorf, 24. bis 27. Oktober 2002

Kontaktadresse: Prof. Dipl.-Theol. Dr. Harm Klueting M.A.

Lehrstuhl für Kirchengeschichte an der Universität Köln

Albertus-Magnus-Platz

D-50923 Köln

Tel. [D] 02 21 - 4 70-42 72 – Fax [D] 02 21 - 4 70-51 48

Email: Harm.Klueting@t-online.de

Aus dem Programm:

Freitag, 25. Oktober

Gnant, C. (Wien), Die ‚Österreichische Reichsgeschichte‘ und ihre Sicht auf das Heilige Römische Reich; Haug-Moritz, G. (Tübingen), Der Reichshofrat und die Reichspolitik des Kaisers; Römer, C. (Braunschweig), Der Kaiser und die welfischen Staaten; Schnettger, M. (Mainz), Der Kaiser und Kurpfalz. Dynastische Interessen und Reichspolitik zwischen Wien und Düsseldorf/Heidelberg/Mannheim; Benedik, C. (Wien), Die Architektur als Sinnbild der reichsstaatlichen Stellung.

Öffentlicher Abendvortrag

Schmale, W. (Wien), Frankreich, Österreich und das Reich: Propagandageschichte einer virtuellen Vereinigung.

Samstag, 26. Oktober

Stefanová, D. (Wien), Adelige Wirtschaftsaktivitäten und Aufklärung. Eine Fallstudie der Schwarzenbergbank; Eybl, F. M. (Wien), Kulturelle Symbolsysteme – nationale Identitätsbildung; Heindl, W. (Wien), HeldInnen – Idole – Zelebritäten; Bahlcke, J. (Erfurt), Protestanten im Habsburger Reich, Katholiken in Preußen (mit Berücksichtigung Schlesiens); Hanke, R. (Köln), Diplomatie gegen Preußen. Sachsen-Polens Außenpolitik 1740-1748; Pecar, A. (Rostock), Der Hof Kaiser Karls VI. und die Höfe der Kurfürsten des Reiches; Klueting, H. (Köln/Hermannstadt), Die josephinischen Klosteraufhebungen und die Säkularisationsdiskussion im Reich vor 1803.

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Kolloquium

Aktuelle Forschungsprobleme des Mittelalters und der Frühen Neuzeit

Unversität Bielefeld, Wintersemester 2002/03

Kontaktadresse: Dr. Stefan Gorißen

Universität Bielefeld

Universitätsstraße 25

D-33615 Bielefeld

Tel. [D] 05 21 - 1 06-32 52 – Fax [D] 05 21 - 1 06-29 66

Email: Stefan.Gorissen@geschichte.uni-bielefeld.de

Internet: http://www.geschichte.uni-bielefeld.de/~sgorisse/

Aus dem Programm:

Donnerstag, 24. Oktober

Mauelshagen, F. (Bielefeld), Europäische Korrespondenznetzwerke 1450-1850. Eine Projektskizze.

 

 

 

Donnerstag, 7. November

Jussen, B. (Bielefeld), Zur Sprache der Gabe im Mittelalter: Semantische Beobachtungen zum mediävistischen Theorem vom Gabentausch.

Donnerstag, 12. Dezember

Vec, M. (Frankfurt), Zeremonialrede im Territorialstaat: Veit Ludwig von Seckendorff über Theorie und Praxis politisch-höfischer Rhetorik.

Donnerstag, 9. Januar

Büschges, C. (Bielefeld), Eine Monarchie der Höfe. Der vizekönigliche Hof als politischer Kommunikationsraum in der Spanischen Monarchie.

Donnerstag, 16. Januar

Sáez-Arance, A. (Köln), Humanismus zwischen Theologie und Politik: Benito Arias Montano und seine "Freunde" in Spanien und den Niederlanden (1527-1598).

Donnerstag, 30. Januar

Pelus-Kaplan, M.-L. (Paris), Die Fremden in den Hansestädten im 16. und 17. Jahrhundert.

Donnerstag, 13. Februar

Deak, E. (Budapest/Bielefeld), Ausdrucksformen von Elite-Status in Europa in der Frühen Neuzeit. Die Kleidungsgewohnheiten des Adels in Siebenbürgen und Brandenburg in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

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Ausstellung

Salzburger Bergkristall

Die hochfürstliche Kristallmühle

Dommuseum zu Salzburg, bis 27. Oktober 2002

Kontaktadresse: Dommuseum zu Salzburg

Postfach 62

A-5010 Salzburg

Tel. [A] 06 62 - 80 47-18 60 – Fax [A] 06 62 - 80 47-18 09

Email: dommuseum.salzburg@kirchen.net

Internet: http://www.kirchen.net/dommuseum/bergkristall.htm

Der wasserklare Bergkristall hat seit jeher den Menschen fasziniert. Übernatürliche und heilende Kräfte wurden ihm zugeschrieben. Im Mittelalter galt er als Symbol für göttliches Licht und für Christus selbst. In der Renaissance begann für die Bearbeitung und künstlerische Gestaltung von Bergkristall und anderen Edelsteinen eine besondere Blütezeit. Nach dem Vorbild der führenden Werkstätten in Mailand, Prag und Freiburg im Breisgau gründete Erzbischof Guidobald Graf von Thun im Jahr 1662 die "hochfürstliche Kristallmühle" zu Salzburg, wo Bergkristall, Achat und andere Edelsteine aus dem Erzbistum verarbeitet wurden. Von aufwendig gestalteten Prunkgefäßen über sakrale Objekte bis hin zu Amuletten und Rosenkranzperlen entstanden hier vielfältige Kostbarkeiten. Ab ca. 1700 stellten die Salzburger Kristallschneider zudem Kronleuchter aus Bergkristall her, seit 1723 Spiegel und Glasschliffe. Mit der Säkularisation endete die Produktion der Kristallmühle; der letzte Schleifer starb im Mai 1801.

In den Wirren nach 1800 wurden die meisten Salzburger Bergkristallarbeiten nach Wien und Florenz gebracht, wo sie heute noch zu bewundern sind. Auch in München und Prag befinden sich einige Salzburger Pokale.

Die Ausstellung in den nördlichen Domoratorien macht den Weg vom Rohkristall zum fertigen Objekt nachvollziehbar und bietet einen Überblick über die Erzeugnisse der Salzburger Kristallschleiferei in den rund 140 Jahren ihres Bestehens. Einen besonderen Höhepunkt stellen die kunstvollen Prunkgefäße dar: Ein Großteil der erhaltenen Objekte ist erstmals seit beinahe 200 Jahren wieder am Entstehungsort Salzburg zu sehen.

Der reich bebilderte Katalog veröffentlicht Ergebnisse jahrelanger Forschungen und stellt die bislang einzige Monographie über die Salzburger Kristallmühle dar.

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Internationale Fachtagung

Viertes Marburger Personalschriften-Symposion

475 Jahre Philipps-Universität Marburg 1527-2002

25 Jahre Forschungsstelle für Personalschriften 1976-2001

Marburg, 28. bis 31. Oktober 2002

Kontaktadresse: Prof. Dr. Rudolf Lenz – Dr. Eva-Maria Dickhaut

Forschungsstelle für Personalschriften

Philipps-Universität Marburg

Biegenstraße 36

D-35037 Marburg

Tel. [D] 0 64 21 - 2 82-38 00 – Fax [D] 0 64 21 - 2 82-45 01

Email: lenzs@mailer.uni-marburg.de

Internet: http://www.uni-marburg.de/fpmr

Aus dem Programm:

Bepler, J. (Wolfenbüttel), Zeremonieller Hof und Musenhof: die Begräbniskultur der kleinen und größeren Höfe des Reichs im Spiegel ihrer Funeralpublikationen am Beispiel Thüringens.

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8. Bauforschungskolloquium des Architekturreferats des Deutschen Archäologischen Instituts

Macht der Architektur – Architektur der Macht

Stadtbild und Politik

Berlin, 30. Oktober bis 3. November 2002

Kontaktadresse: Deutsches Archäologisches Institut

Architekturreferat

Podbielskiallee 69-71

D-14195 Berlin

Tel. [D] 0 18 88 - 77 11-0 – Fax [D] 0 18 88 - 77 11-1 90

Email: architektur@dainst.de

Internet: http://www.dainst.de/index.php?id=661

Neue Großbauten, neue Stadtviertel, neue Infrastruktureinrichtungen verändern immer wieder das Bild historischer Städte. In vielen Fällen sollte mit der neuen Prägung der Städte Ideologie transportiert und durchgesetzt werden. Der durch ein monumentales Bauwerk, einen neuen Straßenzug oder ein neues Stadtraster repräsentierte politische Wille wurde mit architektonischen Mitteln oft sehr geschickt in Szene gesetzt: alte Stadtbilder erhalten plötzlich völlig neue Schwerpunkte, die nicht nur die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen widerspiegeln, sondern ihrerseits mit dem Ziel gesellschaftlicher Veränderung bewußt geschaffen wurden.

Die architektonischen Mittel und das Entwurfsgeschick, mit denen Politik in den unterschiedlichen Kulturkreisen und Epochen im Städtebau umgesetzt wird, stehen im Mittelpunkt der 8. Veranstaltung der Diskussionen zur archäologischen Bauforschung.

Aus dem Programm:

Mittwoch, 30. Oktober

ERÖFFNUNG

Donnerstag, 31. Oktober

EINFÜHRUNG

Schwandner, E.-L., Macht der Architektur; Ziermann, M. (Düsseldorf), Ägypten an der Wende zum 2. vorchristlichen Jahrtausend: Die Rolle der städtischen Tempel; Arnold, F. (Madrid), Prozessionswege als gestalterisches Mittel im pharaonischen Städtebau; Huff, D. (Berlin), Vorläufer "westlicher" Monumentalarchitektur im bronzezeitlichen Zentralasien; Fauerbach, U. (Bamberg), Tempelbau in der Ptolemaierzeit. Der Pylon des Horus-Tempels in Edfu/Oberägypten; Röring, N. (Berlin), Das Staatsheiligtum der Sabäischen Könige; Mertens, D. (Rom), Syrakus unter Hieron II.; Kienast, H. (Athen), Die Tyrannis inszeniert sich – Großbauten auf Samos; Marzolff, P. (Heidelberg), Das doppelte Rätsel Tiryns; Bartel, J. (Berlin), Die Macht der Polis am Beispiel akarnanischer Stadtbefestigungen; Bankel, H. (München), Knidos. Das Triopion; Sicker-Akman, M. (Istanbul), Topographie und Macht – Die späthethitische Fürstenburg auf dem Karatepe; Kienlin, A. von (München), Die Entwicklung des Stadtzentrums von Priene in hellenistischer Zeit.

PERGAMON

Klinkott, M. (Karlsruhe), Pergamon als kleinasiatische Großmacht und die politische Aussage der attalidischen Architektur; Kästner, V. (Berlin), Klassisches Vorbild und hellenistische Form. Die Rekonstruktion des Athena-Nike-Propylons auf der pergamenischen Burg; Bachmann, M. (Istanbul), Topographie und Macht – Der Burgberg in Pergamon; Nohlen, K. (Wiesbaden), Städtebau als Ausdruck der Macht – Stadtkrone und Stadtplanung des römischen Pergamon.

Freitag, 1. November

ROM

Haselberger, L. (Philadelphia), Urbem adornare – Roms städtebauliche Metamorphose unter Augustus; Lange, T. (München), Das Hadriansmausoleum in Rom; Beste, H.-J. (Rom), Baupolitik der flavischen Kaiser am Beispiel des Kolosseums in Rom; Wulf-Rheidt, U. (Cottbus), Die Pracht der Macht – die römischen Kaiserpaläste zwischen Luxus und Repräsentation.

PROVINZEN DES RÖMISCHEN REICHES

Weber, B. F. (Bochum), Die Enwicklung der Stadt Milet bis zur Kaiserzeit; Schneider, P. (Stuttgart), Von der Straßenhalle zur Hallenstraße; Wolf, M. (Rom), Tempel und Macht in Pompeji; Freyberger, K. (Damaskus), Späthellenistische und frühkaiserzeitliche Kultbauten in Kanatha: Manifestation eines neuen Selbstverständnisses regionaler Gemeinden in Südsyrien.

ABENDVORTRAG

Hoffmann, A. (Istanbul), Macht der Architektur – Architektur der Macht.

Samstag, 2. November

PROVINZEN DES RÖMISCHEN REICHES

Rheidt, K. (Berlin), Monumentalität und Macht: Die römische Stadt Baalbek; Bührig, C. (Berlin), Sichtachsen – Ein Leitfaden kaiserzeitlicher Stadtplanung im Vorderen Orient; Öztürk, A. (Istanbul), Scaenae Frons des Theaters von Perge: Macht der Architektur einer Theaterfassade im Stadtbild; Rohn, C. (Berlin), Die Macht der Stifter: Das Theaterstadion in Aizanoi als Familienmonument; Thür, H. (Wien), Ephesos – Bauprogramme für den Kaiser; Koenigs, W. (München), Die Haghia Sofia als Staatssymbol; Schattner, T. (Madrid), Das Terrassenheiligtum von Munigua (Prov. Sevilla); Aumüller, T. (München), Das Verhältnis von Inschrift und Architektur an römischen Torbauten; Müller, K. (München), Der Quadrifrons von Carnuntum; Precht, G. (Xanten), Die Gründung der Colonia Ulpia Trajana – Umbau oder Neubau; Walther, B. (Berlin), Repräsentatives Bauen in Holz – Lagerzentren des frühkaiserzeitlichen Militärs; Sack, D. (Berlin), Das veränderte Bild der Stadt in frühislamischer Zeit; Ganzert, J. (Biberach), Zum Verhältnis von Ritual und Macht in der Architektur; Tragbar, K. (Frankfurt), Graben, bauen und rekonstruieren im Zeichen der romanità; Diebner, S. (Rom), Littoria und sein Parteiforum. Ein Beispiel faschistischen Machtanspruches.

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7. Workshop des Arbeitskreises "Höfe des Hauses Österreich"

Ferdinand I. (1503-1564)

Erzherzog – König – Kaiser

Österreichische Akademie der Wissenschaften, Theatersaal, 7./8. November 2002

Kontaktadresse: Historischen Kommission der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften und Kunsthistorisches Museum

DDr. Jan Paul Niederkorn

Prinz-Eugen-Str. 8-10

A-1040 Wien

Tel. [A] 1 - 51 58 1-73 25 oder 73 14

Aus dem Programm:

I. FERDINAND ALS MÄZEN UND AUFTRAGGEBER

Kulger, G. (Wien), Kunst und Geschichte im Leben Ferdinands I.; Bendik, C. (Wien), Die Bautätigkeit Kaiser Ferdinands I. in Wien; Muchka, I. (Prag), Die Bautätigkeit Kaiser Ferdinands I. in Prag.

II. FERDINAND ALS MENSCH UND HERRSCHER

Kohler, A. (Wien), Zur Problematik einer Biographie Ferdinands I. Ein Resümee; Sutter Fichtner, P. (New York), A community of illness: Ferdinand I and his family; Laubach, E. (Münster), Hauptlinien der Kaiserpolitik Ferdinands I. in seiner eigenen Sicht.

III. HOFLEBEN UND REPRÄSENTATION

Heilingsetzer, G. (Linz), Die Hochzeit Erzherzog Ferdinands in Linz; Kohn, R. (Wien), Die Inschrift als Ausdruck der fürstlichen Majestät Ferdinands I.; Beaufort-Spontin, C. (Wien) für Pfaffenbichler, M. (Wien), Höfische Turniere in der Zeit Ferdinands I.

IV. ADEL AM HOF FERDINANDS I.

Buzek, V. (Budweis), Der böhmische Adel am Hof Ferdinands I.; Pálffy, G. (Budapest), Der ungarische Adel am Hof der Jagiellonen und am Hof Ferdinands.

Wolfram, H. (Wien), Laferl, C. (Wien), Edition der Familienkorrespondenz Ferdinands I.

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Vortrag

Kolloquien des Deutschen Museums

München, 11. November 2002

Kontaktadresse: C. Francois

Deutsches Museum

D-80306 München

Tel. [D] 0 89 - 21 79-2 80 – Fax [D] 0 89 - 21 79-2 39

Email: c.francois@deutsches.museum.de

Internet: http://www.deutsches-museum.de

Zedinger, R. (Wien), Zur Situation von Wissenschaft und Forschung am Wiener Hof des 18. Jahrhunderts.

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Tagung

Frauen vor den höchsten Gerichten des Alten Reiches

Jena, 15. bis 16. November 2002

Kontaktadresse: Dr. Siegrid Westphal

Historisches Institut

Friedrich-Schiller-Universität

Fürstengraben 13

D-07743 Jena

Email: swestphal13@yahoo.de

Aus dem Programm:

Freitag, 15. November

Konfliktprofile

Westphal, S. (Jena), Die Inanspruchnahme des Reichshofrats durch Frauen (1648-1806): ein Überblick; Jung, I. (Wetzlar), Wetzlarer Frauen vor dem Reichskammergericht (1689-1806).

Zug durch die Instanzen

Fuchs, R.-P. (München), Der lange Kampf der Catharina von Dahlhausen um ihre Ehre: Eine Fallstudie zur Justiznutzung von Frauen im 16. Jahrhundert; Carius, H.; Grochowina, N. (Jena), Ansätze zur Konfliktlösung auf territorialer Ebene: Frauen vor dem Jenaer Hofgericht und in den Gutachten des Jenaer Schöppenstuhls.

Ehe- und Familienrecht

Freist, D. (Osnabrück), Streit um Kinder aus konfessionell gemischten Ehen vor den Reichsgerichten; Puppel, P. (Marburg), Das Recht der Vormundschaft – Ulrike Louise von Hessen-Homburg gegen Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt vor dem Reichshofrat (angefragt); Kaltwasser, I. (Frankfurt/M.), Eheverträge und Ehescheidungen im Frankfurter Bestand des Reichskammergerichtes.

Samstag, 16. November

Erbe und Unterhalt

Theisen, F. (Leipzig), Eine Rheingauer Erbauseinandersetzung vor dem Reichskammergericht; Baumann, A. (Wetzlar), Klagen auf Unterhaltssicherung von Frauen vor dem Reichskammergericht: Caroline Sophie von Massenbach gegen die Prinzessinnen von Nassau-Weilburg.

Jüdische Frauen vor den höchsten Gerichten

Klein, B. (Duisburg/Düsseldorf), Jüdinnen im Kampf um ihre weiblichen Rechtswohltaten vor Reichshofrat und Reichskammergericht; Staudinger, B. (Wien), In puncto debiti – Prozesse jüdischer Geldleiherinnen am Reichshofrat.

Frauen und Handelsrecht

Amend, A. (Frankfurt/M.), Frauen in der handelsrechtlichen Jurisdiktion des Reichskammergerichts. Über die Frage, ob Weibs-Persohnen mit Wechsel contrahiren können.

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Kolloquium

La peau humaine II

Théories, symboles, images

Lausanne/Genf, 27. bis 30. November 2002

Kontaktadresse: Prof. Dr. Agostino Paravicini Bagliani

Université de Lausanne Faculté des lettres Section dhistoire

BFSH2

CH-1015 Lausanne

Tel. [CH] 0 21 - 6-92-29 34 – Fax [CH] 0 21 - 6 92-29 35

Email: agostini.paravicini@hist.unil.ch

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Tagung

Monarchy and Religion

The Transformation of Royal Culture in Eighteenth-Century Europe

London, 29. November bis 1. Dezember 2002

Kontaktadresse: Dr. Michael Schaich

Deutsches Historisches Institut London

GB-London WC1A 2NJ

17 Bloomsbury Square

Tel. [GB] 0 20 73 02 - 20 14– Fax [GB] 0 20 74 04 - 55 73

Email: schaich@ghil.co.uk

Internet: http://www.ghil.co.uk

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Ausstellung

Tafelzeremoniell in Europa 1300-1900

Berlin, 29. November 2002 bis 11. März 2003

Kontaktadresse: Dr. Michaela Völkel

Deutsches Historisches Museum

Kronprinzenpalais

Unter den Linden 3

D-10117 Berlin

Tel. [D] 0 30 - 20 30 4-4 51 – Fax [D] 0 30 - 20 30 4-4 12

Email: voelkel@dhm.de

Internet: http://www.dhm.de/ausstellungen/ankuendigung/tafelsilber.htm

Zeremonien und Rituale gehörten in der vormodernen Gesellschaft zu den wichtigsten Formen nichtverbaler Kommunikation, die ihren Höhepunkt in Europa während des Mittelalters und der frühen Neuzeit in den Kirchen und an den Höfen erlebten. Da wir gegenwärtig durch den vermehrten Einsatz visueller Medien erneut mit einer Vielzahl optischer Zeichen konfrontiert sind, richten die historischen und anthropologischen Wissenschaften ihre Aufmerksamkeit seit geraumer Zeit verstärkt auf die symbolischen Kommunikationsformen anderer Kulturen und Zeiten. Das Deutsche Historische Museum in Berlin wird sich an der Zeremonialforschung im Rahmen seiner Reihe "Kulturgeschichte" mit einer Ausstellung zu einer der sinnlichsten und sinnfälligsten Ausprägungen des europäischen Hofzeremoniells beteiligen, der öffentlichen Tafel des Fürsten. Während das gemeinsame Essen heute ein beliebter Anlaß zu zwangloser Geselligkeit und individuellem Genuß ist, entwickelte sich das Speisen an den Höfen zu einem streng reglementierten Akt, in dem sich der Fürst regelmäßig dem Hofstaat und den Untertanen zur Schau stellte. Jedem Detail dieses Aktes kam dabei Aussagewert bezogen auf Rang und Bedeutung zu. Hohe Potentaten wie der Papst in Rom oder der Kaiser in Wien signalisierten ihre Sonderstellung dadurch, daß sie immer allein speisten. Saßen andere Herrscher mit Staatsgästen zu Tisch, spiegelten die Sitzordnung und die unterschiedlichen Materialien, aus denen die jeweils vorgesetzten Tafelgeräte bestanden, die politische Machtkonstellation. Ritualisierte Handlungen wie das Reichen von Waschbecken und Wasser sowie das Vorschneiden, die Giftprobe und das Vorlegen der Speisen waren wichtige Bestandteile des Tafelzeremoniells, für die prächtige Utensilien angefertigt wurden, die bis heute in Museen und historischen Sammlungen aufbewahrt werden. Die geplante Ausstellung, die den Zeitraum vom 14. bis zum 20. Jahrhundert behandelt, wird nicht nur einige der schönsten Tafelgeräte verschiedener europäischer Leihgeber präsentieren, sondern sie in ihrer Funktion und in den Zusammenhängen des Tischzeremoniells erklären. Daneben vermitteln zahlreiche zeitgenössische Bildquellen dem Besucher einen Eindruck von der Verwendung dieser Geräte und von der räumlichen Situation und dem personalen Aufwand dieser heute beinahe aus dem Bewußtsein verschwundenen Form europäischen Hofzeremoniells.

[Text: http://www.dhm.de/ausstellungen/ankuendigung/tafelsilber.htm]

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Ausstellung

Das Rätsel Grünewald

Aschaffenburg, 30. November 2002 bis 28. Februar 2003

Kontaktadresse: Haus der Bayerischen Geschichte

Halderstraße 21/V

D-86150 Augsburg

Tel. [D] 08 21 - 32 95-0 – Fax [D] 08 21 - 32 95-2 20

Email: pressestelle@hdbg.bayern.de

Internet: http://www.hdbg.de

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Kolloquium

Naples entre Anjou et Aragon

Continuité et changements

Lausanne, Dezember 2002

Kontaktadresse: Dr. Nicolas Bock

Section d’histoire de l’art

BFSH 2

CH-1015 Lausanne

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Workshop

Kartenbild und sozialer Raum

Städte im regionalen Vergleich

Steyr, 3./4. Dezember 2002

Kontaktadresse: Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtgeschichtsforschung

c/o Wiener Stadt- und Landesarchiv

Dr. Susanne Claudine Pils

Postanschrift: Rathaus

A-1082 Wien

Tel. [A] 01 - 40 00-8 48 74 – Fax [A] 01 - 40 00-99-8 48 71

Email: pil@m08.magwien.gv.at

Internet:

http://www.ludwigboltzmanngesellschaft.at/institute/institute_info.php?a_id=91>http://www.magwien.gv.at/ma08/lbi

http://www.ludwigboltzmanngesellschaft.at/institute/institute_info.php?a_id=91

Der Österreichische Städteatlas ist ein Teil des Europäischen Städteatlas und orientiert sich in seinem Aufbau trotz wissenschaftlicher Eigenständigkeit an dem 1968 von der Commission internationale pour l’Histoire des villes in Oxford beschlossenen und 1995 in Münster nochmals bestätigten Grundsatzprogramm, nach dem bereits der seit 1982 erscheinende Österreichische Städteatlas gestaltet ist. Der Atlas umfasst als historisch-topografisches Kartenwerk neben umgezeichneten und reproduzierten Originalkarten einen wissenschaftlichen Kommentar und eine thematische Karte zur Siedlungsentwicklung der jeweiligen Stadt. Die Bearbeitung von mittlerweile 44 Stadtmappen, darunter sechs Städten aus Oberösterreich, und die Anerkennung, die der Österreichische Städteatlas international im Rahmen der vergleichenden Stadtgeschichtsforschung genießt, gibt dem Konzept zwar recht. Dennoch erscheint es einerseits gerade aufgrund der bisherigen Arbeiten, andererseits des zunehmenden Einsatzes neuer Medien zweckmäßig, mit einer interdisziplinär zusammengesetzten Expert(inn)engruppe Bilanz zu ziehen und neue Möglichkeiten zu erörtern. Als Zielgruppen sollten nämlich nicht nur vergleichende Stadtgeschichtsforscher(innen) angesprochen werden, sondern auch die Verwendung im Unterricht, für Stadtbildpflege und Kommunalpolitik, aber auch in Werbung und im Fremdenverkehr gewährleistet sein. Beim Workshop "Kartenbild und sozialer Raum: Städte im regionalen Vergleich" sollen daher neue bzw. zusätzliche Möglichkeiten der Bearbeitung diskutiert werden. Dabei kann bereits auf ein erstes, den bisherigen Rahmen erweiterndes Produkt bezug genommen werden, da die Stadt Steyr aufgrund ihrer historischen Bedeutung einen geeigneten Rahmen bot, erstmals einige zusätzliche – thematische – Karten (Wirtschaftsstruktur von Steyr und Steyrdorf, baulicher Zustand der Häuser etc.) in eine Stadtmappe aufzunehmen.

Dienstag, 3. Dezember

Opll, F. (Wien), Zwanzig Jahre Städteatlas; Niederstätter, A. (Bregenz). Stadtgeschichte; Meißl, G. (Wien), Städteatlanten; Banik-Schweitzer, R. (Wien), Stadtplanung; Pils, S. C. (Wien), Das Beispiel Steyr; Kaiser, H. (Steyr), Altstadterhaltung; Wiesinger, U. (Steyr), Industriedenkmäler; Kühtreiber, T. (Krems), Stadtarchäologie; Krenn, M. (Wien), Denkmalpflege; Winiwarter, V. (Wien), Umweltgeschichte; Reith, R. (Salzburg), Sozial- und Wirtschaftsgeschichte; Steidl, A. (Osnabrück/Salzburg), Zeitlhofer, H. (Wien), Migrationsgeschichte; Gräf, H. (Marburg a. d. Lahn), Hessischer Städteatlas; Szende, K. (Budapest), Ungarischer Städteatlas.

Mittwoch, 4. Dezember 2002

Stadtführung in Steyr.

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Kolloquium des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt e.V. in Verbindung mit dem
Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Die Fürsten von Anhalt

Herrschaftssymbolik, dynastische Vernunft und politische Konzepte in
Spätmittelalter und Früher Neuzeit

Ballenstedt, Schloß, Festsaal, 5./6. Dezember 2002

Kontaktadressen: Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V.

Käthe-Kollwitz-Str. 11

D-06406 Bernburg/Saale

Tel. [D] 0 34 71 - 62 87 92 – Fax [D] wie Tel.

Email: pk-mvsa@t-online.de

Prof. Dr. Werner Freitag

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Fachbereich Geschichte, Philosophie und Sozialwissenschaft

Institut für Geschichte

D-06099 Halle/Saale

Email: freitag@geschichte.uni-halle.de

Aus dem Programm:

Donnerstag, 5. Dezember

Begrüssung

Freitag, W. (Halle), Die Fürsten von Anhalt. Herrschaftssymbolik, dynastische Vernunft und politische Konzepte in Spätmittelalter und Früher Neuzeit.

Freitag, 6. Dezember

VOM SPÄTMITTELALTERLICHEN TERRITORIUM ZUR NEUEN FÜRSTENHERRSCHAFT

Höroldt, U. (Magdeburg), Die Entwicklung der anhaltischen Stifts- und Klosterlandschaft bis 1400; Thomas, M. (Magdeburg), Fürsten neuen Typs: Woldemar VI. (gest. 1508) und Magnus (gest. 1524) von Anhalt; Hecht, M. (Halle), Hofordnungen, Wappen und Geschichtsschreibung. Höfische Organisation und Repräsentation in Anhalt im 15. und 16. Jahrhundert; Müller, M. (Greifswald), Das Residenzschloß als Haupt des Fürsten. Zur Bedeutung von caput und corpus im frühneuzeitlichen Schloßbau der Anhaltiner; Roch-Lemmer, I. (Halle), Die Fürstenbildnisse der Bernburger Leuchte; Kreissler, F. (Dessau), Aspekte der Residenzbildung: Dessau im 16. Jahrhundert.

FRÜHMODERNE STAATLICHKEIT. KONZEPTE UND MÖGLICHKEITEN

Rohrschneider, M. (Bonn), Möglichkeiten und Grenzen politischer Selbstbehauptung mindermächtiger Reichsstände im 17. Jahrhundert. Das politische Wirken Johann Georgs II. von Anhalt-Dessau; Bechler, K. (Wörlitz), Schloß Oranienbaum. Eine oranische "Filiation" in Anhalt; Sander, A. (Jever), Die Herrschaft Jever unter den Fürsten von Anhalt-Zerbst (1667-1793). Probleme und Chancen einer Beziehung auf Distanz; Sikora, M. (Münster), Der Fall Charlotte Nüssler. Eine Mißheirat im Hause Anhalt; Hirsch, E. (Halle), Reformabsolutismus auf dem Prüfstand. Der "Friedensfürst" Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau.

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Tagung

Symbolische Macht und inszenierte Staatlichkeit

‚Verfassungskultur‘ als Element der Verfassungsgeschichte

Hagen, 6. bis 8. Dezember 2002

Kontaktadressen: FernUniversität Hagen

Historisches Institut

Universitätsstraße 21/AVZ

D-58084 Hagen

Tel: [D] 0 23 31 - 9 87-01

Email: FernUni@FernUni-Hagen.de

Internet: http://www.fernuni-hagen.de/HISTOR/welcome.html

Aus dem Programm:

Freitag, 6. Dezember

Sissakis, M. (Berlin): Bei Hof zu Tisch. Inszenierter Überfluß und Sparzwang am Hofe von Wolfenbüttel zur Zeit Heinrichs des Jüngeren (1513 -1568).

Samstag, 7. Dezember

Kruse, W. (Hagen): Die Entzauberung Louis Capets. Zur symbolischen Erniedrigung des absolutistischen Herrschertums in der Frz. Revolution.

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Workshop

Höfische Feste im Spätmittelalter

Kiel, 13./14. Dezember 2002

Kontaktadresse: Prof. Dr. Gerhard Fouquet

Historisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Olshausenstraße 40

D-24098 Kiel

Tel. [D] 04 31 - 8 80-34 03 – Fax [D] 04 31 - 8 80-15 24

Email: gfouquet@histosem.uni-kiel.de

Aus dem Programm:

Freitag, 13. Dezember

Hirschbiegel, J. (Kiel), Die Neujahrsfeste am burgundischen und französischen Hof; Krieg, H. (Freiburg i.Br.), Eine standesgemße Hochzeit: Die Pforzheimer Hochzeit 1447 und der markgräflich-badische Hof; Zeilinger, G. (Kiel), Eine außerordentliche Grafenhochzeit: Die Uracher Hochzeit 1474 und die Grafschaft Württemberg; Rabeler, S. (Kiel), Der Niederadel und die höfische Festkultur des Spätmittelalters: Wilwolt von Schaumburg; Selzer, S. (Halle/Saale), Farben bei Hofe; Hirsch, V. (Siegen), Feste am Hof eines geistlichen Reichsfürsten – das Beispiel des Basler Bischofs Johannes von Venningen.

Samstag, 14. Dezember

Seggern, H. von (Kiel), Kommunikation und Fest im Spätmittelalter; Plöger, K. (Oxford), Englische Gesandte und die Festkultur am Papsthof in Avignon; Babendererde, C. (Münster), Die fürstliche Leichenfeier als höfisches Fest.

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Ausstellung

Dresdner Medaillen-Kunst in Vergangenheit und Gegenwart

Dresden, Münzkabinett im Albertinum, bis 31. Dezember 2002

 

Kontaktadresse: Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Albertinum

Georg-Treu-Platz 2

D-01067 Dresden

Tel. [D] 03 51 - 4 91-46 78 oder -47 14 – Fax [D] 03 51 - 4 91-43 66

Die Ausstellung bietet mit etwa 450 Objekten von 60 Künstlern einen Überblick über die mehr als vier Jahrhunderte umfassende Entwicklung der Medaillenkunst in Dresden. Die 1556 hier eingerichtete Münzstätte entwickelte sich, besonders in der Zeit des Barock, zu einem Zentrum der Prägemedaille in Deutschland. Neben den Werken der bis Mitte des 20. Jahrhunderts an der sächsischen Staatsmünze angestellten Graveure werden Gussmedaillen von Dresdner Künstlern des 19. und 20. Jahrhunderts präsentiert.

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Call for papers

Symbolic forms of the European state-building process (1500-1850)

Konstanz, 20. bis 22. Februar 2003

Kontaktadresse: Mark Hengerer, M.A.

Lehrstuhl Prof. Dr. Rudolf Schlögl/Fachbereich Geschichte und Soziologie

Universität Konstanz

D-78457 Konstanz

Tel. [D] 0 75 31 - 88-42 58/24 88 – Fax [D] 0 75 31 - 88-32 64

Email: Mark.Hengerer@uni-konstanz.de

Internet: http://www.uni-konstanz.de/FuF/sfb485/c1.htm

A conference on symbolic forms of the European state-building process (1500-1850) focussing on the sepul-chral/funeral-culture of the ruling elites will be held on 20-22 of February 2003 in Konstanz, Germany.

The aim is to analyse the correlations between political integration of elites and the forms of sepulchral/funeral-culture in different political units, such as dynasty-ruled or ecclasiastical territories and cities of different con-stitutions.

Special emphasis will be laid on the shift from an interaction-based model of integration to a more bureaucratic model and its impact on the sepulchral/funeral-culture and, within this framework, the changing patterns of memory.

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Tagung des Deutschen Historischen Museums und des Rudolstädter Arbeitskreises zur Residenzkultur

Zeichen, Raum und höfisches Zeremoniell an den deutschen Höfen der frühen Neuzeit

Berlin, 7. bis 9. März 2003

Kontaktadresse: Dr. Lutz Unbehaun

Thüringer Landesmuseum Heidecksburg

Schloßbezirk 1

D-07407 Rudolstadt

Tel. [D] 0 36 72 - 42 90 13 – Fax [D] 0 36 72 - 42 90 90

Internet: http://www.rudolstaedter-arbeitskreis.de/

Aus dem Programm:

Freitag, 7. März

Schütte, U. (Marburg), Einführung in die Tagungsthematik.

Hahn, P.-M. (Potsdam), Höfische Zeichen und Zeremoniell in fürstlichen Tagebüchern; Rahn, T. (Berlin), Sinnbild oder éclat? Hierarchie der Sinne und Konkurrenz der Zeichen in Zeremonialwissenschaft und Festpublizistik; Stollberg-Rilinger, B. (Münster), Theorie höfischer Zeichen nach Maßgabe ihres zeremoniellen Gebrauchs; Berns, J. J. (Marburg), Mnemonik des Zeremoniells.

 

Abendvortrag

Druffner, F. (Stuttgart), Herrschaftszeichen und Zeremoniell im Zeitalter der Säkularisation in den süddeutschen Fürstentümern.

Samstag, 8. März

Völkel, M. (Berlin), Tafelzeremoniell; Wittwer, S. (Berlin), Vom Buffet zum Kabinett. Die Bedeutung von Porzellan in der Entwicklung des barocken Zeremoniells; Eberle, M. (Leipzig), Möbel und ihre Materialien im zeremoniellen Gebrauch; Graf, H. (München), Hofzeremoniell, Raumfolgen und Möblierung der Residenz in München (um 1600-1750); Janowitz, E. (München), "Imperiale più che ducale". Die Kaiserzimmer der Münchner Residenz und ihre textile Ausstattung anläßlich des Besuchs Ferdinands III. 1653; Krems, E. (Marburg), "Trionfi dell’ Architettura" und "Triumphierendes Wunder=Gebaew". Ein dem Zeremoniell verpflichteter Gang durch die Münchner Residenz um 1700.

Sonntag, 9. März

Mücke, P. (Marburg), Musik als zeremonielle Zeichengattung am Dresdner Hof; Ottomeyer, H. (Berlin), Herrscherbilder und zeremonieller Bildgebrauch; Schütte, U. (Marburg), Höfische Zeichengattungen und ihr zeremonieller Gebrauch.

Anmeldung zur Tagung unter

http://www.dhm.de/ausstellungen/ankuendigung/tafel/tagung/anmeldung.htm

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Tagung

Pforzheim im Mittelalter

Alte Fragen und neue Antworten

Pforzheim, 12. März 2003

Kontaktadresse: Dr. Stefan Pätzold

Stadtarchiv Pforzheim

Kronprinzenstraße 28

D-75177 Pforzheim

Tel. [D] 0 72 31 - 39-28 99 oder -30 73 – Fax [D] 0 72 31 - 39-16 74

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10. Symposium des Mediävistenverbandes

14. Internationaler Kongress des Instituts für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit

Virtuelle Räume

Raumwahrnehmung und Raumvorstellung im Mittelalter

Krems an der Donau, 24. bis 26. März 2003

Kontaktadresse: Dr. Elisabeth Vavra

Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit

Körnermarkt 13

A-3500 Krems

Email: elisabeth.vavra@oeaw.ac.at

Internet: http://viadrina.euv-frankfurt-o.de/~medvb/mvbaktu.htm

Raum: eine Kategorie, ein Bezugssystem, ein Ort. Räume werden physisch durchmessen – Räume werden real geschaffen – Räume werden psychisch erlebt – Räume werden imaginiert – Räume werden durch Sprache konstituiert. Mit der Weite, die das Thema des Symposiums auszeichnet, verknüpft sich die Einladung, dessen Vielschichtigkeit in Vorträgen auszuleuchten, welche die eigene fachkompetente Perspektive auf das fachüber-greifende Gespräch hin öffnen. Zugleich ist gebotener Einschränkung Rechnung zu tragen: weder der geographische, mathematische oder physikalische Raum steht im Blick noch die Geschichte des Raumbegriffes.

Ein virtueller Raum entsteht durch die Überformung der realen topographischen Koordination und Raumstiftungselementen durch Konstituenten anderer Kategorien; dies können Sinneswahrnehmungen sein (z.B. Gerüche, optische, akustische Wahrnehmungen), psychische Dispositionen, funktional oder intentional geforderte Raumgrenzsetzungen (z.B. politischer oder kirchlicher Herrschaft) oder auch alternative Wahrnehmungen (z.B. literarischer oder bildnerischer Art). Alle diese Konstituenten können zu einer Überlagerung alltäglicher Raumwahrnehmungsmuster mit anderen Raumvorstellungen führen und damit einen virtuellen Raum im realen Raum situieren. Sie können virtuelle Räume imaginieren, die zwar nur außerhalb der realen Welt existieren, dieser aber entweder eingegliedert werden (z.B. Paradiesesvorstellungen) oder außerhalb der erlebten Welt als alternative, "utopische" Raumentwürfe (z.B. Himmel, Hölle) gedacht werden. Das Phänomen der virtuellen Räume wirft so ein Licht auf die Wahrnehmung von Raum überhaupt; es zeigt, in welchen Kategorien Raum gedacht wird und welche Einflüsse jeweils neue Raummuster generieren.

Aus dem Programm:

Montag, 24. März

Schwarz, M. G. (Wien), Die Kathedrale als räumlich organisiertes Medienensemble.

SEKTION A: ÜBERLAGERUNG VON REALEM RAUM DURCH ALTERNATIVE WAHR-NEHMUNGSMUSTER

Kocher, G. (Graz), Herrschaftsgrenzen und Grenzen der Herrschaft; Jucker, M. (Zürich), Kommunikation schafft Räume: Die spätmittelalterliche Eidgenossenschaft als imaginierter und realer Raum; Staab, F. (Landau/Pfalz), Der Wald. Ein virtueller Lebensraum von Klöstern in der fränkischen Epoche; Zettler, A. (Dortmund), Der Himmel auf Erden ... Raumkonzepte des St. Galler Klosterplans.

SEKTION B: KONSTITUTION IMAGINÄRER RÄUME

Englisch, B. (Paderborn), Imago mundi. Der virtuelle und der reale Raum in den mittelalterlichen Weltkarten; Diesenberger, M. (Wien), Das Rom der Märtyrer in bayerischen Handschriften zur Zeit der Karolinger; Brandes, W. (Frankfurt am Main), "Die imaginäre Topographie Konstantinopels oder der Ursprung der Hügel". Zur Entstehung und Verbreitung einer topographischen Fiktion (4. bis 17. Jahrhundert); Walter, M. (Graz), Musikalischer Raum im Mittelalter.

Dienstag, 25. März

SEKTION A, Forts.

Schlechtweg-Jahn, R. (Bayreuth), Virtueller Raum und höfische Literatur; Kern-Stähler, A. (Düsseldorf), Reale und mentale Innenräume und die Suche nach dem privaten Raum in der englischen Literatur des Spätmittelalters; Kundert, U. (Zürich), Gefühlte Räume. Kreatives Wissen in Minnesang und mittelalterlicher Enzyklopädistik; Fürbeth, F. (Bochum), Ze Alitschanz uf daz velt ... Der taktische Raum als Konstituens des Feindbildes in der deutschen Kriegsliteratur des Mittelalters.

SEKTION B, Forts.

Knoch, W. (Bochum), "Der Himmel", ein bergender ‚Raum‘ für die Ewigkeit? – Theologische Anmerkungen zu einem kontrovers diskutierten Thema; Eberlein, J. K. (Graz), Kosmos, Geschlecht und Frömmigkeit. Das Weltenei in einer Vision der hl. Hildegard von Bingen; Lichtblau, K. (Wien), Virtueller Raum als Spiegel von Emotionen: Minnegerichtshöfe zwischen Imagination und Performanz; Friede, S. (Göttingen), Zur Wahrnehmung und Bedeutung der Räume im Roman d’Alexandre (1185) des Alexandre de Paris vor dem Hintergrund zeitgenössischer Texte; Ernst, U. (Wuppertal), Virtuelle Gärten in der mittelalterlichen Literatur; Schelberg, A. (Göttingen), Duft und Wohlgeruch als Formen der Konstituierung von – virtuellem – Raum; Hofmeister, W. (Graz), Magische Verortung am Beispiel altdeutscher Beschwörungstexte; Wittstock, A. (Berlin), "Von einem kemergin, minem studioro" (Weinsberg) – Zur Darstellung von ‚Denkräumen‘ in humanistischer Literatur.

SEKTION C: INSZENIERUNG VON IMAGINÄREN RÄUMEN UND IHRE EINBINDUNG IN DEN ERLEBTEN RAUM

Pochat, G. (Graz), Raumdarstellung und frühmittelalterliche Ikonik; Kwastek, K. (München), Raum im Bild – Traum im Raum. Gemalte Räume und gemalte Träume in der italienischen Malerei des Tre- und Quattrocento; Madej-Anderson, A. (Tübingen), Orte des Exempels. Handlungsräume und Raumutopien in hagiographischen Bildern der Krakauer Dominikaner; Lechtermann, C. (Berlin), Körper-Räume. Die Choreographie höfischer Körper als Mittel der Raumgestaltung.

Mittwoch, 26. März

SEKTION C, Forts.

Brinker-von der Heyde, C. (Kassel), Zwischenräume: Zur Konstruktion und Funktion des handlungslosen Raums; Baier, S. (Berlin), Heimliche Bettgeschichten – Intime Räume in Gottfrieds Tristan; Schenk, G. J. (Essen), Heiltümer und geraubte Himmel. Virtuelle Räume bei spätmittelalterlichen Herrschereinzügen im Reich; Dünnebeil, S. (Wien), Öffentlichkeit und Nicht-Öffentlichkeit bei den Festen des Ordens vom Goldenen Vlies unter den Herzögen von Burgund.

SEKTION D: RAUMWAHRNEHMUNG

Neuheuser, H. P. (Köln), Die Kirchweihliturgie als Spiegel der mittelalterlichen Raumwahrnehmung; Fehrmann, A. (Marburg), Die Festarchitekturen Heinrichs V. und Heinrichs VI. als liturgisch-politischer Raum; Lutter, M. C. (Wien), Klausur zwischen realen Begrenzungen und spirituellen Entwürfen. Raumwahrnehmungen und Handlungsspielräume der Admonter Nonnen im 12. Jahrhundert; Kellermann, K. (Berlin), Der Blick aus dem Fenster. Zur Konstitution eines visuellen Raumes in der höfischen Epik; Grünbart, M. (Wien), Anmerkungen zur Verschränkung von rhetorischem und realem Raum; Garzaniti, M. (Rom), Die Vorstellung der Welt der Rus‘ (11.-15. Jahrhundert).

SEKTION E: RAUMTRANSZENDIERUNG

Kann, C. (Düsseldorf), Dialektische Örter. Zur Analogie von locus naturalis und locus dialecticus in der mittelalterlichen Logik; Hergemöller, B.-U. (Hamburg), Jenseits von Raum und Zeit: Der Schlaf; Müller, U. (Salzburg), Räume der Erinnerung und der Liebe: Tristans Höhle, Lancelots Turm und das Schloß des Roger de Bussy-Rabutin.

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Workshop des Arbeitskreises "Höfe des Hauses Österreich"

Hofstatt Wien

Stadt-Hof-Beziehungen

Wien, 27./28. März 2003

Kontaktadresse: DDr. Jan Paul Niederkorn

Historische Kommission der ÖAW

Prinz-Eugen-Straße 8-10

A-1040 Wien

Tel. [A] 1 - 5 15 81-73 25 oder -73-14

Email: Jan.Paul.Niederkorn@oeaw.ac.at

Der Arbeitskreis "Höfe des Hauses Österreich" konstituierte sich 1999 in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), um Forschungen und Forschungsdefizite hinsichtlich der Höfe des Hauses Österreich (Wien, Prag, Innsbruck etc.) in einem multidisziplinären Kreis von männlichen und weiblichen Historikern, Kunst- und Rechtshistorikern, Musik- und Theaterwissenschaftlern, Germanisten, Archäologen, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern zu diskutieren. Die Aufgabe des Arbeitskreises ist die Herstellung und Intensivierung der Kontakte zwischen jenen Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Fachbereichen, die ein gemeinsames (Forschungs-)Interesse an den Höfen des Hauses Österreich verbindet. Besonderes Augenmerk kommt dabei der Frühen Neuzeit zu, jener Epoche, in der der Hof als politisches, wirtschaftliches, soziales und kulturelles Zentrum eine herausragende Rolle in der Gesellschaft spielte. Der achte Workshop wird ein Forschungsdesiderat aufgreifen, indem er die Beziehungen zwischen der Stadt Wien und dem Hof unter verschiedenen Aspekten diskutiert.

Donnerstag, 27. März

Klingenstein-Walter, G., Opll, F., Begrüßung; Pils, S. C., Hof-Stadt-Beziehungen.

HOF UND STADT – DIE STADT ALS RESIDENZ

Wettlaufer, J., Fürstliche Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich; Gräf, H., Butzbach und Arolsen – Historisch-topographische Überlegungen zum neuen und alten Typus der kleinen Residenzstadt im Alten Reich (und eine gesellschaftsgeschichtliche These); Tersch, H., Zwei Bilder einer Stadt. Wien und seine Hoffstatt im Medium des Reiseberichts.

HOF-WIRTSCHAFT – DAS WERDEN EINER METROPOLE

Haupt, H., Das Hof- und das hofbefreite Handwerk. Inhaltliche Abgrenzung zweier Sonderformen des außerzünftigen Handwerks in der frühen Neuzeit; Staudinger, B., Integration von Wiener Hofjuden in den städtischen und höfischen Raum?; Rauscher, P., Kontributionen und Kredite. Der Beitrag der Wiener Juden zur Finanzierung der kaiserlichen Hofhaltung im 17. Jahrhundert.

Freitag, 28. März

DIE STADT ALS BÜHNE

Hengerer, M., Außen und Innen. Wohnungswirtschaft in Wien im Spannungsverhältnis von Prätention und Preisgefüge; Scheutz, M., Himmel, Hof und Bürger. Wiener Fronleichnamsprozessionen im 18. Jahrhundert; Lampen, A., Die Stadt als Bühne: Raum und Zeremoniell im feierlichen Ersteinzug des Stadtherren.

DIE STADT UND IHRE RÄNDER

Just, T., Bettler: Residenz und Armut; Fischer, K., Die Wiener Stadtguardia. Städtischer Wachkörper, "kaiserliche" Truppe, Problemfall.

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Tagung

Die sächsischen Fürsten- und Landesschulen

Interaktion von lutherisch-humanistischem Erziehungsideal und Eliten-Bildung

Meißen, 1. bis 3. April 2003

Kontaktadresse: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.

Zellescher Weg 17

D-01069 Dresden

Tel. [D] 03 51 - 4 36-16 50 – Fax [D] 03 51 - 4 36-16 51

Email: isgv@rcs.urz.tu-dresden.de

Internet: http://www.tu-dresden.de/isgv/

Aus dem Programm:

EINFÜHRUNGSVORTRAG

Wollersheim, H.-W. (Leipzig), Die sächsischen Fürsten- und Landesschulen in der deutschen Bildungslandschaft.

DIE FÜRSTENSCHULEN – GEIST UND GESTALT

Bünz; E. (Leipzig), Die mitteldeutsche Bildungslandschaft am Ausgang des Mittelalters; Wartenberg, G. (Leipzig), Der reformatorisch-humanistische Bildungsanspruch und die Idee der Fürstenschulen; Flöter, J. (Dresden/Leipzig), Das Fin de siècle als Epochenwende in der Geschichte der Fürstenschulen; Schneider, B. (Bonn), Die Positionierung und Entwicklung der sächsischen Fürstenschulen unter dem Einfluß der nationalsozialistischen Bildungspolitik.

DIE FÜRSTENSCHULEN – MODELL FÜR HÖHERE BILDUNG UND ELITEN-FORMATION

Buchholz, W. (Greifswald), Das pommersche Schulwesen im 16. Jahrhundert und seine Berührungspunkte mit Sachsen; Winter, A. (Berlin), Die Berliner Gelehrtenschulen in der Zeit von Territorialisierung und Konfessionalisierung (1574-1740) – Schulstrukturen und konfessionelle Profile; Ehrenpreis, S. (Berlin/Nürnberg), Die Fürstenschulen von Brandenburg-Ansbach und ihre Bedeutung im Vergleich mit dem sächsischen Modell; Holtz, S. (Tübingen), Promotion erwünscht – Bildungsstandards der politischen Elite Württembergs im 17. Jahrhundert; Büchsenschütz, K. (Schulpforte), Die Entwicklung einer Fürstenschule unter preußischer Administration – Schulpforte nach 1815; Maissen, T. (Luzern), Das Bildungswesen im reformierten Zürich in seiner Auseinandersetzung mit dem Luthertum; Müller, W. (Dresden), Der kulturkonfessionelle Vergleich – Gymnasien, Lyzeen und Universitäten der Jesuiten; Bulisch, J. (Bautzen), Die Fürstenschulen im sorbischen Bildungsverständnis; Maisch, B. C. (Nürnberg), Höhere Bildung und Fürstenschulen im adligen Bildungsverständnis im 18. und 19. Jahrhundert; Moderow, H.M. (Leipzig), Die Fürstenschulen im Kontext des bürgerlichen Bildungsideals im 19. Jahrhundert; Topfstedt, T. (Leipzig), Die Architektur der Fürstenschulen zu Meißen, Grimma und Schulpforte im 19. Jahrhundert.

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Call for papers

Workshop

Mars im Mittelalter

Zur Bedingtheit von Burgenbau und Wehrtechnik

Quedlinburg, 2. April 2003

Kontaktadresse: Dr. Christine Kratzke

Schmidt-Ruehl-Str. 5a

D-04347 Leipzig

Email: kratzke@rz.uni-leipzig.de

Im Rahmen der 10. Jahrestagung der Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern e.V. vom 11. bis 14. April dieses Jahres auf der namengebenden Burg in Eisenach formierte sich eine informelle Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema der Bedingtheit der architekturgeschichtlichen Entwicklung von Burgen im Kontext des Kriegswesens im Mittelalter beschäftigen wird. Als Ziel, das in mehreren Einzelschritten erreicht werden soll, ist eine entsprechende Fachtagung in den kommenden Jahren avisiert. Zunaechst soll noch in diesem Jahr eine Arbeitsbibliographie zusammengestellt werden. Anschließend wird im kommenden Frühjahr im Vorfeld der nächsten Jahrestagung der Wartburg-Gesellschaft in Quedlinburg vom 3. bis 6. April 2003 zur weiteren Sondierung am 2. April 2003 ein eintägiger Workshop zum Thema stattfinden, auf dem Kurzvorträge präsentiert werden sollen. Vorschläge dazu sind bitte umgehend bei der Organisatorin (s.o.) einzureichen.

Thematische Schwerpunkte sind:

Forschungs- und Sammlungsgeschichte sowie aktueller Forschungsstand

Ars Militiae (Terminologie, Waffengattungen, Technologie, Aufbau und Zusammensetzung der Streitkraefte, Strategien und Taktiken in Konfliktsituationen und im Kriegsfall, Tunierwesen)

Experimentelle Technikgeschichte

Architektur und Technik (z.B. Multifunktionalität von Burgen, Wehrhaftigkeit und martialische Wirkung)

Historische und sozialgeschichtliche Aspekte (z.B. Aufgaben und Bedeutung des Militärs in Krieg und Frieden)

Aussagekräftige Fallbeispiele

Aktueller Zeitbezug (Stichwort: kritische Wissensvermittlung, Umgang mit vermeintlich korrekten "Mittelalterspektakeln" u.ä.)

Nach Bedarf Spezialthemen

Verwiesen werden muß für das Unterfangen generell auf die langjährigen Forschungen zur mittelalterlichen Kriegskunst im Ausland, besonders in England und Amerika (siehe z.B. die Forschungsgesellschaften DeReMilitari – http://www.deremilitari.org – und AVISTA – http:// www.avista.org – sowie das Museum Royal Armouries in Leeds – http://www.Armouries.org.uk). Aktuelle Forschungsbeiträge werden u.a. auf dem jährlich stattfindenden International Medieval Congress in Leeds oder auf dem Annual International Congress on Medieval Studies des Medieval Institute der Western Michigan University in Kalamazoo (Michigan, USA) vorgestellt. Zum Thema erschien jüngst auch eine neue Bibliographie, auf die hier ebenfalls hingewiesen werden soll: Kelly DeVries: A Cumulative Bibliographie of Medieval Military History and Technology Leiden u.a. 2002 (History of Warfare, 8) [Brill Publishers, ISBN 90 04 12227 3].

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11. Tagung der Wartburg-Gesellschaft

Früher Burgenbau

Quedlinburg, 3. bis 6. April 2003

Kontaktadressen: Geschäftsstelle der Wartburg-Gesellschaft

c/o Wartburg-Stiftung

Auf der Wartburg

D-99817 Eisenach

Dr. habil. G. Ulrich Großmann

Germanisches Nationalmuseum

Postfach 11 95 80

D-90105 Nürnberg

Tel. [D] 09 11 - 13 31-101 – Fax [D] 09 11 - 13 31-299

Email: g.u.grossmann@gnm.de

Vorläufiges Programm:

Donnerstag, 3. April

13.30 Beginn der Tagung

14.00 Begrüßung durch den Bürgermeister

Sektion 1: Burgenbau im frühen Mittelalter (9. bis 12. Jahrhundert)

14.30-16.00 Vorträge

16.00-16.30 Kaffeepause

16.30-19.00 Vorträge

Freitag, 4. April

Sektion 1: Burgenbau im frühen Mittelalter (9. bis 12. Jahrhundert)

8.30-12.30 Vorträge

12.30-14.00 Mittagspause

14.00-16.00 Besichtigung des Burgberges

16.30-19.00 Vorträge

Samstag, 5. April

8.30-22.00 Exkursion nach Tilleda, zum Kyffhäuser und zur Rothenburg

Sonntag, 6. April

Sektion 1: Burgenbau im frühen Mittelalter (9. bis 12. Jahrhundert)

Sektion 2: Burgen- und Schlossbau in Mitteldeutschland

8.30-12.30 Vorträge

12.30-14.00 Mittagspause

14.00-16.00 Vorträge

16.00 Ende der Tagung

Referatsliste

Barz, D.: Bemerkungen zur baulichen Entwicklung der Adelsburg des 10. und 11. Jahrhunderts in Mittel- und Westeuropa; Biller, T.: Die "domus" Kaiser Friedrichs I. in der Reichsburg Kaiserslautern. Zur frühen Pfalzenarchitektur der Staufer; Burger, D.: Frühe Burgen in der Fränkischen Schweiz; Burkhard, C., Wend, A.: Die "Kronenburg" bei Dossenheim an der Bergstraße; Durdik, T.: Burg Primda, früheste Steinburg Böhmens; Ehlers, C.: Zum Stand der Pfalzenforschung in Sachsen-Anhalt; Ettel, P.: Frühmittelalterlicher Burgenbau in Nordbayern – von der Landesburg zur Adelsburg; Friedel, B.: Vohburg an der Donau; Friedrich, R.: Frühe Burgen im Rheinland; Grossmann, G. U.: Zum Burgenbau um 1100 in Burgund; Häffner, H.-H.: "Salierzeitliche Burgen" in Bayern; Heine, H.-W.: Frühe Burgen in Niedersachsen; Hoffmann, Y.: Steinbausubstanz des 12. Jahrhunderts auf Burgen in Sachsen; Lange, D.: Archäologisch-historische Untersuchungen zu Siedlungsgeschichte und Funktion von Burgwardhauptorten in verschiedenen Regionen der Germania Slavica; Losse, M.: Burgen des 11./12. Jahrhunderts im Hegau; Meiborg, C.: Die Marburger Burg im 11./12. Jahrhundert; Metz, B.: Vier Burgen für die Wiege eines Papstes (Burgen von Hoh-Egisheim); Meyer, W.: Zum frühen Burgenbau in der Schweiz; Oelsner, N.: Dresdner Schloß im Spätmittelalter oder runde Türme in Kölsa bzw. Peißen ; Schwabenicky, W.: Das spätgotische Schloß Sachsenburg, Lkr. Mittweida; Schmitt, R.: Die Lauenburg im Harz und die Frage des frühen Burgenbaus im ostfälischen Raum (Heimburg, Hasenburg etc.); Spazier, I.: Neue Ausgrabungen auf der Henneburg; Spehr, R.: Der markgräfliche Jagdsitz Tharandt-Grillenburg bei Dresden; Steinmetz, T.: Homburg am Main; Wand, N.: Karolingerzeitliche Anfänge des Burgenbaues in Althessen; Weber, A. O.: Klöster auf Burgen. Aspekte der Umwandlung von Burgen in Klöster im 10.-12. Jahrhundert in Altbayern.

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9. Jahrestagung der Europäischen Totentanz-Vereinigung

Die makabre Kunst im Mittelalter und ihre Rezeption

Lübeck, 2. bis 4. Mai 2003

Kontaktadresse: Dr. Uli Wunderlich/Prof. Dr. Christoph Moergeli

Europäische Totentanz-VereinigungGeschäftsstelle

Marienstraße 25

D-40212 Düsseldorf

Tel. [D] 02 11 - 8 54 90 05 – Fax [D] 02 11 - 8 69 37 90

Email: webmaster@totentanz-online.de

Internet: http://www.totentanz-online.de

Die 9. Jahrestagung der Europäischen Totentanz-Vereinigung findet vom 2. bis zum 4. Mai 2003 im Institut für Medizin- und Wissenschaftsgeschichte der Universität Lübeck statt. Gegenstand der Beschäftigung ist die makabre Kunst im Mittelalter und ihre Rezeption. Das Themenspektrum reicht vom einzelnen Gerippe bis zum monumentalen Totentanz, von Darstellungen Verstorbener bis zu Sterbeszenen am Beginn des 21. Jahrhunderts. Willkommen sind Beiträge aus den Fächern Medizin- und Kunstgeschichte, Volkskunde, Literatur-, Film- und Musikwissenschaft.

Die Vortragsdauer beträgt 20 Minuten zuzüglich 10 Minuten Zeit zur Diskussion. Die Veröffentlichung erfolgt in "L’art macabre", dem Jahrbuch der Europäischen Totentanz-Vereinigung.

Den Festvortrag hält Prof. Dr. Hartmut Freytag, Ordinarius für Ältere deutsche Literatur an der Universität Hamburg. Parallel zur Jahrestagung wird die Ausstellung "Ihr müßt alle nach meiner Pfeife tanzen – Totentänze aus den Beständen der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und der Bibliothek Otto Schäfer in Schweinfurt" im Scharbausaal der Bibliothek der Hansestadt Lübeck zu sehen sein.

Anmeldeschluß für Referenten: 10. Dezember 2002.

Meldeformulare unter http://www totentanz-online.de/ankuendigung.htm

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Call for papers

Moritzburg-Tagung 2003

Moritzburg, Frühsommer 2003

Kontaktadresse: Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke

Kunsthistorisches Institut der Christian-Albrechts-Universität

Olshausenstr. 40

D-24098 Kiel

Tel. [D] 04 31 - 8 80-46 34/46 31 - Fax [D] 04 31 - 8 80-46 28

Email: DrDrAndreasTacke@aol.com

Anläßlich der 500. Wiederkehr des Bezuges der Moritzburg im Mai 1503 findet in Halle an der Saale im Frühsommer 2003 eine Tagung statt, welche von Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke (z.Z. Kiel) in Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum Sachsen-Anhalt, Staatliche Galerie Moritzburg Halle ausgerichtet wird. Im Mittelpunkt der öffentlichen Tagung stehen Ernst von Wettin (1476-1513) und Albrecht von Brandenburg (1490-1545) sowie die Moritzburg in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Erwünscht sind v.a. landesgeschichtliche wie kunst- und kulturgeschichtliche Beiträge oder solche aus dem Gebiet der Residenzenforschung. Ausdrücklich sind junge Forscherinnen und Forscher, die sich z.B. im Rahmen einer Magisterarbeit bzw. Dissertation mit dem Themenkreis beschäftigen, aufgefordert, sich zu beteiligen. Die Tagungsbeiträge sollen gedruckt werden.

Vorschläge in Form eines ca. einseitigen Kurzexposés richten Sie bitte bis zum 31. Juli 2002 schriftlich an die

Staatliche Galerie Moritzburg Halle

Direktion

Friedemann-Bach-Platz 5

D-06108 Halle/Saale.

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Kolloquium

Du métier des armes à la vie de cour

Ecaussinnes-Lalaing, Hainaut (Belgien), 23./24. Mai 2003

Kontaktadresse: Jean-Marie Cauchies

Facultés Universitaires Saint-Louis

Boulevard du Jardin botanique, 43

B-1000 Brüssel

Tel. [B] 02 - 2 11-78 68 oder -79 65

Email: jmcauchies@fusl.ac.be

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10th International Medieval Congress

Power and Authority

Leeds, 14. bis 17. Juli 2003

Kontaktadresse: International Medieval Congress 2003

Parkinson Building 1.03

University of Leeds

UK-LEEDS, LS2 9JT

Tel. [UK] 01 13 - 3 43-36 14 – Fax [UK] 01 13 - 3 43-36 16

Email: imc@leeds.ac.uk

Internet: http://www.leeds.ac.uk/imi/imc/imc2003/imc2003.htm

The International Medieval Congress aims to provide a forum for interdisciplinary discussion of all aspects of the European Middle Ages, 300-1500. For 2003, the IMC will dedicate a special thematic strand to Power and Authority, comprising 24 sessions. Scholars from all disciplines and countries working within the medieval field are invited to submit sessions and papers dealing with this theme. Please note, however, that Power and Authority is not intended to be an exclusive theme, but that sessions and papers will be welcomed, as always, on all aspects of Medieval Studies.

Concepts of Power and Authority dominate nearly all aspects of medieval life and culture, and scholars are encouraged to approach this theme in an interdisciplinary fashion. Participants might wish to consider definitions of authority as the basis for power; the nature and limitation of sovereignty, both temporal or spiritual; the justification for royal or aristocratic authority; the rise of collective authority, such as parliaments, councils and cortes; the extension or containment of authority through charters of liberty and legal codes. Power could be considered, on the one hand, in terms of physical force and, on the other, as persuasion through the giving of gifts or the preaching of sermons. Discussion of empowerment might equally cover groups claiming succession to the Apostolic life, or individuals leading particularly holy lives; it would certainly include issues of gender and manumission of peasants. Consideration of the authority of texts and the language of power, their manifestation through literacy, art, architecture, liturgy, collections of manuscripts, objects, or rare beasts, might encourage unconventional and non-traditional approaches to this theme. Brenda Bolton, University of London, will co-ordinate the strand.

Areas for discussion might include:

Authority of texts, authenticity and forgery

Literacy and the written word

Architecture of power – castles, cathedrals, towers, walls and city gates

Museums

Arms, armour and weapons of resistance

Papal versus secular authority

Biblical and Scriptural authority

Parliaments and their antecedents

Camera di papagallo – kings and fools

Penitentials

Charters of Liberty and other charters

Plenitude of power

Ceremonial of power – adventus, processions, vestments, ordines and liturgies

Powerful and less powerful officials: the podestà and the ministeriales

Collections of items – rare animals, manuscripts, books

Prisons and punishment

Deputising for authority – vice-regal, legatine and comital or shrieval powers

Protocol – order of precedence

Genealogies – self-propagation, justifications for the creation of the nobility

Relationship between potentes and paupere

Humility as power

Rhetoric of power

Images and symbols

Rules – monastic and religious

Insignia, jewels, ferulae, staffs of office

Subversion of authority

Law and law codes

Tyranny and freedom

Individual paper proposals, including abstracts, for IMC 2003 (14-17 July 2003) must be submitted to the IMC Administration by 31 August 2002. Proposals for full sessions of three 20 minute papers must be submitted by 30 September 2002.

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Kolloquium

Le corps et sa parure

Lausanne/Genf, 20. bis 22. November 2003

Kontaktadresse: Prof. Dr. Agostino Paravicini Bagliani

Université de Lausanne Faculté des lettres Section d’histoire

BFSH2

CH-1015 Lausanne

Tel. [CH] 0 21 - 6-92-29 34 – Fax [CH] 0 21 - 6 92-29 35

Email: agostini.paravicini@hist.unil.ch

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Call for papers

Konferenz

De bouwseector in de 13e-18e eeuw

Datini-Institut/Prato, Florenz, April 2004

Kontaktadresse: Prof. Dr. P. M. M. Klep

Katholieke Universiteit Nijmegen

Faculteit der Letteren

Geschiedenis

Erasmusplein 1

NL-6500 HC Nijmegen

Tel. [NL] 0 24 - 3 61 57 14

Email: P.Klep@let.kun.nl

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2. Thüringer Landesausstellung

Thüringen – Land der Residenzen

Schloß Sondershausen, 15. Mai bis 3. Oktober 2004

Kontaktadresse: Dr. Konrad Scheurmann (Projektleiter)/Dr. Martin Salesch/
Regina Pleyer (Sekretariat)

Schloß Sondershausen

Postfach 83

D-99702 Sondershausen

Tel. [D] 0 36 32 - 6-63-2 32 – Fax [D] 0 36 32 - 6 63-2 34

Email: ausst-thuer-residenzen3@t-online.de

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Call for papers

Tagung anläßlich des 150-jährigen Bestehens des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung in Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Universität Wien

Das Osmanische Reich und die Habsburgermonarchie in der Neuzeit

Wien, 22. bis 25. September 2004

Kontaktadresse: Dr. Marlene Kurz, Dr. Martin Scheutz, Dr. Karl Vocelka,
Dr. Thomas Winkelbauer

Institut für Österreichische Geschichtsforschung

Dr. Karl Lueger-Ring 1

A-1010 Wien

Email: martin.scheutz@univie.ac.at

Das Osmanische Reich und die Habsburgermonarchie verband eine gemeinsame konfliktreiche Geschichte. Angesichts dieser evidenten, jahrhundertelangen Gegnerschaft ist bislang wenig untersucht worden, wie die Menschen in diesen beiden, organisatorisch höchst unterschiedlich strukturierten Staatsgebilden einander "wahrnahmen", aufeinander reagierten, miteinander Handel trieben, unterschiedliche Religionsvorstellungen rezipierten und wie in der jeweiligen Propaganda das Bild des "Anderen" konstruiert wurde. Ziele der Tagung, die anläßlich des 150-jährigen Bestehens des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung veranstaltet wird, sind neben dem relativ gut erforschten, von der österreichischen Geschichtsforschung stark betonten Konfliktverhältnis bzw. der Aufarbeitung der gemeinsamen Kriegsgeschichte vor allem die gegenseitigen Kulturtransferleistungen. Die Kontakte in der Zeit vom Spätmittelalter bis zum Ersten Weltkrieg sollen näher beleuchtet und, deutlicher als dies bisher geschah, in den Mittelpunkt gestellt werden. Eine Vernetzung der Forschungen von Osmanisten, Historikern und beispielsweise Literaturwissenschaftlern, Anthropologen und Ethnologen sowie ein Brückenschlag von Spezialforschung und allgemeiner Geschichte sollen Ziele dieser Tagung sein.

Mögliche Schwerpunkte:

· Diplomatiegeschichte (Residenten, Austausch von Botschaften, Spionage), Verhandlungsführung (Abstimmung des Zeremoniells)

· Reiseberichte (darunter auch Briefe)

· wirtschaftlicher Austausch (Handel), Kriegsbeute, Geschenke, Kunstgegenstände (siehe etwa die zahlreichen osmanischen Schmuckstücke und Waffen in der kaiserlichen Schatzkammer und in der Hofjagd- und Rüstkammer)

· Beuteobjekte, alla turca-Masken und Turniere als Repräsentation des "Anderen", Exotikvorstellungen, bildliche Darstellungen (etwa Bilder von Gesandtschaftsreisen)

· Träger des Kulturtransfers (Dolmetscher), osmanische Gefangene, osmanische/christliche Konvertiten und Mittel des Kulturtransfers (Übersetzungen von wichtiger Literatur des Gegners, Wörterbücher, "Feindkunde-Handbücher" usw.), Austausch von alltäglichen Dingen (etwa Eßkulturen, Hygiene, Pflanzen), gemeinsame Reaktionen auf die Pest usw.

· Techniktransfer (Waffen, Befestigungen, Kampfweisen etc.)

· Rezeption von kollektiven Bildern des jeweiligen Gegners (mittels Flugschriften, Traktaten, Reiseberichten, Briefen, Predigten etc.)

· Rezeption von religiösen Vorstellungen des Gegners (Vermittlung von christlichen bzw. islamischen Religionsvorstellungen an die Untertanen)

· Wechselseitige Beeinflussung von Staatsbildungsprozessen, Rezeption von staatstheoretischer Literatur, religiöse Toleranz bzw. Koexistenz (etwa im Sinne von "Der Türk‘ ist der Lutheraner Glück")

· Migration von Westen nach Osten und vice versa (wie konnten sich Untertanen persönlich ein Bild vom Gegner machen usw.)

Tagungssprachen: Deutsch, Englisch

Referate: 30 Minuten

Die Ausrichtung der Tagung wird von der Magistratsabteilung 7 der Stadt Wien (Büro Ehalt) unterstützt.

Termin für die Rücksendung von Referatsvorschlägen: 31. Januar 2003.

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5. Jahrestagung des Arbeitskreises Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit

Mars und die Musen

Das Wechselspiel von Militär, Krieg und Kunst in der Frühen Neuzeit

Potsdam, 22. bis 24. September 2004

Kontaktadressen: Dr. Jutta Nowosadtko

Universität GH Essen

Fachbereich 1 – Geschichte

D-45117 Essen

Tel. [D] 02 10 - 1 83-35 50

Email: jutta.nowosadtko@uni-essen.de

Dr. Matthias Rogg

Militärgeschichtliches Forschungsamt

Zeppelinstraße 127/128

D-14471 Potsdam

Tel. [D] 03 31 - 97 14-5 66

Email: MatthiasRogg@bundeswehr.org

Internet: http://www2.hu-berlin.de/fgp/amg

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Kolloquium

Les hommes de science au service du prince

Lausanne, November 2004

Kontaktadresse: Prof. Dr. Agostino Paravicini Bagliani

Université de Lausanne Faculté des lettres Section d’histoire

BFSH2

CH-1015 Lausanne

Tel. [CH] 0 21 - 6-92-29 34 – Fax [CH] 0 21 - 6 92-29 35

Email: agostini.paravicini@hist.unil.ch

Ce colloque international fait partie de la série de colloques sur la Maison de Savoie qu’organise régulièrement la chaire d’histoire médiévale de l’Université de Lausanne ainsi que de celles qui se tient chaque année en collaboration avec la revue "Micrologus. Natures, sciences et sociétés médiévales".

Le colloque sera consacré au rôle joué par les grandes cours souveraines du bas Moyen Age dans la transmission et la production des sciences de la nature (de la magie à l’astrologie, des sciences médicales à l’ingénerie).

La conception du colloque bénéficiera de la collaboration de spécialistes de renommée internationale, tel Michael McVaugh (médecine, chirurgie), Charles Burnett (astrologie, magie), Chiara Crisciani (alchimie), Michela Pereira (alchimie), Jean-Patrice Boudet (astrologie), Danielle Jacquart (médecine), Nicolas Weill-Parot (magie astrale), Michel Pastoureau (symbolique, héraldique).

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Buchvorstellungen

 

Pils, Susanne Claudine: Schreiben über Stadt. Das Wien der Johanna Theresia Harrach. 1639-1716 (Diss. Univ. Wien 2000), Wien 2002 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 36) [Verlag Franz Deuticke, 348 S., 23 Abb., 29,90 Euro].

Selbstzeugnisse – Briefe, Tagebücher, Autobiographien, Reisebeschreibungen – eine jener für Sozialgeschichte, Alltagsgeschichte und Historische Kulturwissenschaft bedeutenden Quellenschneisen in vergangene Lebenswelten, sind in den letzten Jahren sowohl für die Rekonstruktion von Binnenwelten städtischer und adliger Häuser oder fürstlicher Höfe als auch zur dichten Beschreibung von Emotionalität und Kommunikation der Menschen in ihren sozialen Gruppen genutzt worden. Darüber hinaus hat man sie zur Beschreibung des Problems verwendet, wie Menschen ihre sozialen, wirtschaftlichen und ‚natürlichen‘, räumlich-gegenständlichen und fiktiven, nahen und fernen Umwelten wahrgenommen haben. Die Beobachtungen richteten sich auf Gassen, Plätze und Nachbarschaften, auf Flora und Fauna ebenso wie auf die Alteritätserfahrungen fremder Kulturen und von Fremden. Die Schwierigkeiten im Umgang mit Selbstzeugnissen sind jedem vertraut, der sich je mit ihnen beschäftigt hat: Sie liegen in dem Verständnis der durch die jeweilige Lebensform geprägten Subjektivität, sie entfalten sich bei dem Versuch, ein Ganzes in den Blick zu nehmen, in der ungeheuren Vielfalt der Eindrücke wie in ihrer Disparatheit. P. hat es sich bei all dem nicht leicht gemacht. Sie geht von den anziehenden "Tagzetteln" der Johanna Theresia von Harrach (geb. von Lamberg) aus, Tagebuchaufzeichnungen, die die Harrach ihrem während der Jahre 1665 und 1676/77 in Spanien weilenden Ehemann Ferdinand Bonaventura auf dessen Wunsch hin schickte, und rekonstruiert in und aus der Subjektivität dieser österreichischen Hofadligen den zwischen kaiserlicher Hofsphäre und städtischer Gesellschaft geteilten wie ineinander verwobenen Stadtraum Wiens, jener Haupt- und Residenzstadt Österreichs, die während des 17. Jahrhunderts mit der Verlagerung des kaiserlichen Hofes endgültig zur Metropole des Heiligen Römischen Reiches, Deutscher Nation, aufstieg: "Die Stadt wird beschrieben als soziales Konstrukt" (S. 12). Weder ist also der Stadtraum Ausgangspunkt der Betrachtungen noch dient das Methodenarsenal herkömmlicher Stadtgeschichtsforschung als Basis der Analyse, sondern im Rekurs auf Georg Simmel "der Mensch" in seinen Vergesellschaftungen (S. 12). Man wird sich trefflich darüber streiten können, ob es denn diese methodische Perspektive allein nicht schon getan hätte. Denn P. geht in ihren methodisch-theoretischen Überlegungen noch ein Stück weiter und versucht, entlang der Stadt/Körper-Vorstellungen Richard Sennetts (Fleisch und Stein, 2. Aufl., 1996) "den wahrgenommenen Raum einer Frau in seinen unterschiedlichen Ausformungen zu beschreiben" (S. 5). Immerhin scheint diese methodische Exposition spannend, freilich bei der aktuellen Diskussion über soziale Räume auch durchaus vertraut und als Modell alteuropäischer Wahrnehmungsmuster durch die bereits im Frühmittelalter entwickelten organologischen Herrschaftsvorstellungen bekannt. Doch bei aller Kritik an dem durch die Verschränkung vieler "Ideen", Zeiten und Beobachtungsebenen etwas willkürlich angelegten Kapitel ‚Sichtweisen‘ – wesentlich allein ist: Anspruch und Theoriegebäude erweisen sich nicht als methodische Seifenblase, die bei der ersten Begegnung mit der ‚Realität‘ der Quellen zerplatzten, sondern sie werden von P. auch in geschichtliche Erkenntnis umgesetzt, sie vermag ihre Untersuchung dadurch zu formen.

P. ist zu sehr Stadthistorikerin, um ein eindimensionales Blickfeld aus dem Blickwinkel ihrer Protagonistin zu entwerfen. Vielmehr wird das Wien des ausgehenden 17. Jahrhunderts aus vier unterschiedlichen Perspektiven angegangen. Da ist zunächst die Sicht der allgemeinen Sozialgeschichte auf die Stadt – von außen und von oben: die Topographie im zeitlichen Nacheinander dreier zeitgenössischer Karten, Demographie und Konfessionalisierung, Häuserbesitz, Wohnen und Wohnungsnot (auch für adlige Familien) und die Bedeutung der patri- bzw. matrilinearen ‚Häuser‘ Harrach und Lamberg, Stadtbilder Wiens anhand von zeitgenössischen Stadtbeschreibungen und Reisebeschreibungen, endlich die Stadteinfahrten, auch die Beschaffenheit und Beschwerlichkeiten des Verkehrsnetzes – diesmal aus der Sicht der Tagzettel-Schreiberin. Der zweite Blick gilt der Ökonomie des adligen Hauses. Die Notizen der Tagzettel (aber auch Inventarlisten, Planskizzen und Kostenvoranschläge der Haushaltung) führen in den Alltags- und Stadt-Raum der Johanna Theresia von Harrach, in die Räume ihrer Häuser, in ihre Ökonomie. Sie machen zunächst mit dem 1676 bezogenen Wiener Stadthaus, dann mit dem ab 1689 neugebauten Palais Harrach auf der Freyung bekannt, erhellen den Wirtschafts-Raum, den Verfügungsbereich der durchaus ‚gefesselten‘, in ihrer Entscheidungsfindung nicht immer unabhängigen, aber 1676/77 im Vergleich zu 1665 wesentlich selbstbewußter agierenden Hausfrau: Johanna Theresia ist in den schriftlichen Rechtfertigungen gegenüber ihrem Galan stets bemüht, dem von den zeitgenössischen Ökonomien entworfenen Idealbild gerecht zu werden, und zwar bei allen Schwierigkeiten im Umgang mit dem Dienstpersonal, mit strengster Beachtung der Maximen sparsamer Wirtschaftsführung und mit durchaus harscher Kritik an der überaus kostspieligen Spielleidenschaft wie der nachlässigen Personalführung des Ehemannes. Der Blick in das Innere der Ökonomie richtet sich endlich in die Kinderzimmer, in die Räume der drei Söhne und zwei Töchter, deren rollen- und geschlechtsspezifische Erziehung Aufgabe beider Eheleute, Gegenstand der vertrauten Gespräche in Form der Tagzettel, war. An dem Wohlergehen und der gewünschten wie fehlgeschlagenen Entwicklung der Kinder nahmen beide Elternteile mit großen Emotionen Anteil. Die dritte Beobachtungsperspektive führt in das innerste Zentrum des Hauses, in die Intimsphäre des Paares – "Bettgeschichte(n)". Im Bett liegend schrieb die Harrach ihre Tagzettel, das Bett war der Ort des vertrauten Gesprächs, es ist der Platz für Liebe und Sexualität, für Geburt, Krankheit und Tod, es war aber auch sowohl am fürstlich-königlichen Hof wie in dem kleinen adligen Haus der Harrach die Stätte der Audienz, das Privatissime öffnete sich nach Außen, zeigt Asymmetrien von Beziehungen an, ist Gestus von Machtrepräsentation. Vom Bett aus verhandelte Johanna Theresia mit Händlern und Bedienten, legte ihre Beichte ab. Der vierte und letzte Perspektivenwechsel führt wieder aus Intimität und Öffentlichkeit des Hauses heraus – die Besuchswege der Tagzettel-Schreiberin werden abgeschritten. Die häufige Anwesenheit am Kaiserhof war selbst für eine adlige Dame, die dem Hofstaat nicht angehörte, ein absolutes Muß-Programm: Kaiser und Hof steuerten Kommunikation, Ämter und Würden, man war um des Erhalts der Familie willen zur dauernden Präsenz, zur intimen Kenntnis und Einhaltung des Zeremoniells, zum Erlernen der Rollen von Hofdame und Hofmann verdammt. Gesellschaftlicher Verpflichtung unterlagen auch die Visiten, die Besuche der Verwandten und Freunde, Tag für Tag, zu jeden Gelegenheiten – auch dies einer der sozial konstruierten Stadt-Räume, die gleichzeitig und nebeneinander das Wien der Johanna Theresia von Harrach bildeten.

Das Buch von Susanne Claudine Pils ist insgesamt eine zwar gelegentlich irritierende, doch stets genußvolle Reise durch eine aus subjektiven Menschen-Welten gebildete und vom Kaiserhof überformte städtische Gesellschaft – in anschaulich-rationaler Prägnanz der Kontextualisierung, in der Zuwendung zu den Menschen mit unkonventioneller Emotionalität historischer Explikation, auch mit sinnlicher Lust am Erzählen.

Gerhard Fouquet, Kiel*

Jost, Werner: Dictionnaire des termes de l’art – Wörterbuch der Kunst, Français-Allemand/Allemand-Français, Paris, München 2002 [La maison du dictionnaire, 372 S., kart., 26,– €].

Das Wörterbuch der Kunst von Werner Jost will für französische und deutsche Fachbegriffe der Kunst und der Kunstgeschichte Übersetzungen in die jeweils andere Sprache bieten. Es handelt sich um die um einen französisch-deutschen Teil erweiterte und überarbeitete Neuauflage des 1995 erschienenen Wörterbuchs für Kunstgeschichte und Archäologie. Nach dem vollständigen Erscheinen des dreisprachigen Glossarium artis (K.G. Saur) positioniert sich das vorzustellende Wörterbuch als preiswerte Alternative zu dem immerhin 1200 € teureren Referenzwerk, das hauptsächlich durch Bibliotheken zur Verfügung gestellt wird.

Dabei will W. Jost einen noch größeren Bereich von Begriffen der Kunst(geschichte) abdecken, als dies das thematisch angelegte Glossarium beabsichtigt. In den Hinweisen für die Benutzer des Wörterbuch findet sich keine einschränkende Bemerkung in Bezug auf die aufgenommenen Fachtermini. So werden sowohl Begriffe der aktuellen Kunstproduktion als auch der europäischen Kunstgeschichte in alphabetischer Ordnung von dem vorliegenden Wörterbuch erfaßt und mit einer Übersetzung versehen, die sich auf die für die Kunst und Kunstgeschichte relevanten Bedeutungen beschränkt. Der Autor verzichtet dabei gänzlich auf Erklärungen der Einzelbegriffe und verweist hierfür auf einsprachige Fachlexika.

Die Aufnahme von Begriffen wie "Aix-la-Chapelle/Aachen" oder auch "Allemagne du Sud/Süddeutschland" und "Straße/rue", die nicht notwendigerweise im Bereich von Kunst oder Kunstgeschichte eine Rolle spielen, weckt erste Zweifel in Bezug auf die ausgewählten "Fach"-Begriffe. Nun mag es praktisch sein, dergleichen auch in einem Fachwörterbuch zu finden, aber dies suggeriert den Anschein einer Vollständigkeit, die nicht erreicht worden ist und bei der Breite des Begriffs "Kunst" wohl auch kaum zu erreichen war. Viele Begriffe aus der mittelalterlichen Kunstgeschichte, die z.B. landesspezifisch sind, sucht man vergeblich. Wie hätte man sie auch ohne beschreibenden Text wiedergeben sollen. Unter dem Begriff "Residenz" wird nur auf "Residenzstadt/ville-résidence" verwiesen, so als ob eine Residenz immer untrennbar mit einer Stadt verbunden gewesen wäre. Die genaue Übersetzung verschweigt der Autor. So viel nützliches und hilfreiches man auch in dem Wörterbuch der Kunst zu finden vermag, man wird doch immer auch zu einem guten allgemeinen Wörterbuch greifen müssen, um die Übersetzungen zu verifizieren und mögliche andere Bedeutungen des Wortes im gegebenen Kontext zu überprüfen. Zwischen den zu allgemein gewählten Lemmata verschwinden die wirklich hilfreichen Übersetzungen von Fachbegriffen, die man sonst nur schwer finden würde und die man eigentlich ausschließlich in diesem Fachwörterbuch erwarten würde.

Schließlich irritiert auch der verschwenderische Satzspiegel des Wörterbuchs, der mit üppigen Zeilenabständen zur optischen Trennung der einzelnen Begriffe im Schriftbild arbeitet. Dies ist sicher der Tatsache geschuldet, daß viele Begriffe nur eine Zeile im zweispaltigen Satz belegen und daher nur schwierig voneinander durch einen hängenden Erstzeileneinzug zu trennen sind. Man hätte den Umfang des Buches sicher um ein Drittel verringern können, hätte man den Zeilenabstand zwischen den einzelnen Lemmata verringert und die Begriffe von nur untergeordneter Relevanz eliminiert. Da wäre dann vielleicht auch noch Platz für weitere Wortbedeutungen und Erklärungen von schwer zu übersetzenden Fachbegriffen gewesen.

Jörg Wettlaufer, Kiel

Neuerscheinungen

 

Art et société en France au XVe siècle, hg. von C. Prigent, Paris 1999 [Maisonneuve & Larose, 846 S., kart., Ill.].

Sozialer Aufstieg. Funktionseliten im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. Büdinger Forschungen zur Sozialgeschichte, hg. von G. Schulz, München 2002 (Deutsche Führungsschichten in der Neuzeit, 25) [Oldenbourg, 451 S., kart., Ill., 59,80 Euro].

Badeorte und Bäderreisen in Antike, Mittelalter und Neuzeit, hg. von M. Matheus, Stuttgart 2001 (Mainzer Vorträge, 5) [Steiner, 131 S., kart., 39 Abb., 20 Euro].

Baletka, T.: Der Hof der Herren von Žerotín in Valašské Meziříčin der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts [tschech., Résumé dt. S. 240f.], in: Sborník Archivních Prací 52 (2002) S. 215-241.

Béguin, K.: Les princes de Condé. Rebelles, courtisans et mécènes dans la France du Grand Siècle, Seyssel 1999 [Champ Vallon, 462 S., Ill., 29 Euro].

Bellany, A. J.: The politics of court scandal in early modern England. News culture and the Overbury affair, 1603-1666, Cambridge u.a. 2002 (Cambridge studies in early modern British history) [Cambridge University Press, 312 S., Abb., 45 Euro].

Benporat, C.: Feste e banchetti. Convivialità italiana fra tre e quattrocento, Florenz 2001 (Biblioteca dell’ "Archivum romanicum". Ser. 1: Storia, letteratura, paleografia, 302) [Olschki, 289 S., 32,23 Euro].

Bernstock, J.: Poussin and French Dynastic ideology, Bern u.a. 2000 [Peter Lang, 546 S., Ln., zahlr. Abb., 69 Euro].

Biller, T., Grossmann, G. U.: Burg und Schloß. Der Adelssitz im deutschsprachigen Raum, Darmstadt 2002 [WBG, 216 S., geb., 120, teils farb. Abb., 27,90 Euro].

Biller, T., Metz, B.: Burg Fleckenstein. Zeichnungen T. Radt, Regensburg 2002 (Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa, 11) [Schnell + Steiner, 64 S., geheftet, 20 sw- und 60 Farbabb., 6,50 Euro].

Bled, J.-P.: Wien. Residenz – Metropole – Hauptstadt. Aus dem Französischen von M.-T. Pitner und S. Grabmayr, Wien 2002 [Böhlau, 416 S., geb., 55 sw-Abb., 49 Euro].

Der weite Blick des Historikers. Einsichten in Kultur-, Landes- und Stadtgeschichte. Festschrift für Peter Johanek, hg. von W. Ehbrecht, A. Lampen und F.-J. Post, Köln u.a. 2002 [Böhlau, 720 S., geb., 79 Euro].

Börner, K.-H.: Fürsten, Bürger und Betrüger. Residenzstadt Harzgerode 1635-1709, Harzgerode 2001 [Stadtverwaltung Harzgerode, 136 S, Abb., graph. Darst.].

Brandenburgs Kurfürsten, Preußens Könige. Das Taschenlexikon, 5., überarb. Aufl., Berlin 2001 [Ed. Rieger, 4 Euro].

Buchmann, B. M.: Hof – Regierung – Stadtverwaltung. Wien als Sitz der österreichischen Zentralverwaltung von den Anfängen bis zum Untergang der Monarchie, München 2002 (Österreich Archiv) [Oldenbourg, 173 S., 24,80 Euro].

Bünz, E.: Adelsburg – Raubnest – Amtssitz. Die Wasserburg Kapellendorf in der mittelalterlichen Geschichte Thüringens, in: Jahrbuch der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Forschungen und Berichte zu Schlössern, Gärten, Burgen und Klöstern in Thüringen 4 (2001) S. 39-51.

Die Burg auf dem Berge. Beiträge zur Geschichte der Klever Schwanenburg, hg. vom Klevischen Heimat- und Verkehrsverein e.V. Red. W. Schnütgen, Kleve 2000 [B.o.s.s.-Druckund -Medien, 115 S., kart., Ill., graph. Darst.].

Burger, D.: Festung Wülzburg. Zeichnungen H.-H. Häfner, Regensburg 2002 (Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa, 10) [Schnell + Steiner, 64 S., geheftet, 20 sw- und 60 Farbabb., 6,50 Euro].

Cazaux, C.: La musique à la cour de François Ier, Paris 2002 [Champion, 416 S., brosch., 40 Euro].

Chatenet, M.: Chambord, Paris 2001 [Ed. du Patrimoine, 279 S., kart., zahlr. Ill. und graph. Darstellungen, 65,55 Euro].

Chauvineau, H.: Ce que nommer veut dire. Les titres et charges de cour dans la Toscane des Médicis (1540-1650), in: Revue Historique 304 (2002) S. 31-49.

Chico Picaza, M. V.: Las decoración marginal en el Lapidario de Alfonso X el Sabio (Escorial, Ms.h.I.15), in: Reales sitios. Revista del Patrimonio Nacional 151 (2002) S. 2-13.

Coelen, P. van der: De gouden eeuw van Gelre. Kunst en cultuur in het oude hertogdom. Niederrheinisches Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte e.V. Kevelaer, 24 maart t/m 24 juni 2001. Stedelijk Museum Roermond, 2 maart t/m 28 april 2002 [Ausstellungskatalog], hg. vom Historischen Verein für Geldern und Umgebung e.V. Tentoonstellingsconcept en red. P. van der Coelen (eindred. Nederlandse ed.). Vertaling van de Duitse bijdragen: D. M. Oudesluijs, Geldern 2001 [Historischer Verein für Geldern und Umgebung].

Publicación de comunicaciones seleccionadas. Congreso de Cultura Europea de la Universidad de Navarra (V y VI ediciones). Premio Instituto Navarro de la Mujer, hg. vom Gobierno de Navarra. Departamento de Bienestar Social, Deporte y Juventud, Pamplona 2000 [Instituto Navarro de la Mujer, 99 S.].

Aus dem Inhalt:

Gómez y Patino, M.: La feminización de la paz. La mujer como objeto pasivo en el fenómeno de la violencia y sujeto activo en el proceso de paz, S. 11-27; Carmen Sánchez Dominguez, M. del: La igualdad entre hombres y mujeres en la Unión Europea. Fuentes legislativas para su estudio, S. 29-62; Gómez y Patino, M.: El papel de la mujer en el panorama cultural y mediático europeo, S. 65-76; Narbona Cárceles, M.: La educación de las infantas navarra a cargo de las monjas clarisas de Estella: un ejemplo de "franciscanismo" en las cortes europeas de fines del siglo XIV, S. 77-99.

La corte de Carlos V. Sociedad Estatal para la Conmemoración de los Centenarios de Felipe II y Carlos V, hg. von J. Martínez Millán, Madrid 2000, Bd. 1: Corte y gobierno. Bd. 2: Corte y gobierno. Bd. 3: Los consejos y los consejeros de Carlos V. Bd. 4: Los servidores de las casas reales. Bd. 5: Los servidores de las casas reales.

Coulson, C.: Castles in medieval society. Fortersses in England, France, and Ireland in the central middle ages, Oxford 2003 [Oxford University Press, 440 S., geb., 119,41 Euro].

Cramer-Fürtig, M.: Die geheime Kanzlei des Fürstentums Pfalz-Neuburg und ihre "Jülichsche Registratur". Ein Bericht über die Rekonstruktion einer frühneuzeitlichen Registraturüberlieferung auf der Grundlage des Provenienzprinzips, in: Archivalische Zeitschrift 84 (2001) S. 365-395.

Creighton, O. H.: Castles and landscapes, Dulles 2002 (The archaeology of medieval Europe 1100-1600 series) [Continuum Pub., 288 S., 100 sw-Abb., 98 Euro].

La dama en la corte bajomedieval, hg. von M. Aurell, Pamplona 2001 [Ediciónes Universidad de Navarra, 192 S., Abb., 11,42 Euro].

Aus dem Inhalt:

Aurell, M.: Las mujeres de la corte en el siglo XV, S. 15-32; Contamine, P.: Ser princesa en Francia en el siglo XV, S. 33-52; Autrand, F.: Dos duquesas a fines de la Edad Media: Juana de Armagnac, condesa de Poitiers y duquesa de Berry (1359-1388), y Juana de Boulogne, duquesa de Berry (1389-1422), S. 53-74; Narbona Cárceles, M.: La "Discreción hermosa": Blanca de Navarra, reina de Francia (1331?-1398). Una dama al servicio de su linaje, S. 75-116; Aguirre Aldaz, J. M. de: El sepulcro de la dama en la Navarra medieval, S. 117-147.

Deutschland und der Westen Europas im Mittelalter, hg. von J. Ehlers, Stuttgart 2002 (Vorträge und Forschungen, 56) [Thorbecke, 566 S., Ln., 62 Euro].

Aus dem Inhalt:

Ehlers, J.: Einleitung, S. 1-5; Angenendt, A.: Ex occidente lux. Europas west-östliches Religionsgefälle, S. 7-51; Kaiser, R.: Konstituierung der fränkischen Zivilisation I: Das merowingische Frankenreich, S. 53-97; Schieffer, R.: Konstituierung der fränkischen Zivilisation II: Das Europa der Karolinger, S. 99-120; McKitterick, R.: Kulturelle Verbindungen zwischen England und den fränkischen Reichen in der Zeit der Karolinger: Kontexte und Implikationen, S. 121-148; Brenk, B.: Legitimation – Anspruch – Innovation. Zur Herrschaftskunst der Karolinger, S. 149-176; Ehlers, J.: Die Reform der Christenheit. Studium, Bildung und Wissenschaft als bestimmende Kräfte bei der Entstehung des mittelalterlichen Europa, S. 177-209; Rädle, F.: Transfers in der lateinischen Literatur von der Spätantike bis zum 11. Jahrhundert, S. 211-233; Althoff, G.: Das ottonische Reich als "regnum Francorum"?, S. 235-261; Schneidmüller, B.: Wahrnehmungsmuster und Verhaltensformen in den fränkischen Nachfolgereichen, S. 263-302; Parisse, M.: La France et l’Empire à l’époque des Saliens et des Staufen, S. 303-326; Reuter, T.: Nur im Westen was Neues? Das Werden prämoderner Staatsformen im europäischen Hochmittelalter, S. 327-351; Moeglin, J.-M.: Die historiographische Konstruktion der Nation – "französische Nation" und "deutsche Nation" im Vergleich, S. 353-377; Irsigler, F.: Wirtschaft, Wirtschaftsräume, Kontaktzonen, S. 379-405; Blockmans, W.: Burghers as Cultural Agents in the Low Countries and the Empire, S. 407-421; Kintzinger, M.: Politische Westbeziehungen des Reiches im Spätmittelalter. Westliche Kultur und Westpolitik unter den Luxemburgern, S. 423-455; Paravicini, W.: Deutsche Adelskultur und der Westen im späten Mittelalter. Eine Spurensuche am Beispiel der Wittelsbacher, S. 457-506; Rexroth, F.: "... damit die ganze Schule Ruhm und Ruf gewinne". Vom umstrittenen Transfer des Pariser Universitätsmodells nach Deutschland, S. 507-;532; Moraw, P.: Deutschland und der Westen Europas vornehmlich im späteren Mittelalter, S. 533-561.

Donnert, E.: Sankt Petersburg. Eine Kulturgeschichte, Köln u.a. 2002 [Böhlau, 320 S., geb., 50 sw-Abb., 24,90 Euro].

Dreihundert Jahre Preußische Königsskrönung. Eine Tagungsdokumentation, hg. von J. Kunisch, Berlin 2002 (Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, N.F., Beiheft 6).

Aus dem Inhalt:

Stollberg-Rilinger, B.: Honores regii. Die Königswürde im zeremoniellen Zeichensystem der Frühen Neuzeit, S. 1ff.; Neugebauer, W.: Das historische Argument um 1701. Politik und Geschichtspolitik, S. 27ff.; Baumgart, P.: Binnenstrukturen monarchischer Herrschaft unter Friedrich III. (I.), S. 49ff.; Kaiser, M.: "Optimo Regi Fides Borussorum". Die Landstände der preußischen Territorien und die Königserhebung Friedrichs III. (I.), S. 73ff.; Gundermann, I.: "Ob die Salbung einem Könige nothwendig sey", S. 115ff.; Eibach, J.: Preußens Salomon. Herrschaftslegitimation und Herrscherpflichten in Predigten anläßlich der Krönung Friedrichs I., S. 135ff.; Lorenz, H.: Das barocke Berliner Stadtschloß. Königliche Architektur im europäischen Kontext, S. 159ff.; Roll, C.: Die preußische Königserhebung im politischen Kalkül der Wiener Hofburg, S. 189ff.; Plassmann, M.: Der Preis der Krone. Preußische Truppen im Spanischen Erbfolgekrieg, S. 229; Duchhardt, H.: Die preußischen Nicht-Krönungen nach 1701, S. 257ff.; Kunisch, J.: Friedrich der Große und die preußische Königskrönung von 1701, S. 265ff.

Duchhardt, H.: Die dynastische Heirat als politisches Signal, in: Hochzeit als ritus und casus. Zu interkulturellen und multimedialen Präsentationsformen im Barock, hg. von M. Czarnecka und J. Szafarz, Breslau 2001, S. 67-70.

Ďurčanský, M.: Die im Rahmen des Unterkämmereramtes geführten Amtsbücher als Quellen zur Erforschung der Adelshöfe in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges [tschech., Résumé dt., S. 256], in: Sborník Archivních Prací 52 (2002) S. 243-256.

Dynastie und Herrschaftssicherung in der Frühen Neuzeit. Geschlechter und Geschlecht, hg. von H. Wunder, Berlin 2002 (Zeitschrift für historische Forschung. Beiheft, 28) [Duncker & Humblot, 265 S., brosch., 42 Euro].

Economia e arte secc. XIII – XVIII. Atti della "trentatreesima settimana di studi" 30 aprile-4 maggio 2000, hg. von S. Cavaciocchi, Florenz 2002 (Istituto Internazionale di Storia Economica F. Datini, Prato. Serie II: Atti delle "settimane di studi" e altri convegni, 33) [Opus Libri, 1006 S., brosch., 50 Euro].

Aus dem Inhalt:

Pagano de Divitiis,:G., Il Grand Tour fra arte ed economia, S. 281ff.; Manikowska, E.: Viaggiatori e agenti – la formazione di una collezione d’arte in Polonia ai Tempi del re Stanislao Augusto Poniatowski; Robin, F.: Le rencontre du prince et de l’artiste: mise au point et état de connaissances (France XIVe-XVe siècles), S. 593ff.

Edelmayer, F.: Söldner und Pensionäre. Das Netzwerk Philipps II. im Heiligen Römischen Reich, München 2002 (Studien zur Geschichte und Kultur der Iberischen und Iberoamerikanischen Länder, 7) [Oldenbourg, 320 S., 44,80 Euro].

Egigi, M.: Höfische Liebe: Entwürfe der Sangspruchdichtung. Literarische Verfahrensweisen von Reinmar von Zweter bis Frauenlob, Heidelberg 2002 (Germanisch-römanische Monatsschrift. Beihefte, 17) [Winkler, 415 S., kart., 50 Euro].

Ehm, P.: Burgund und das Reich. Spätmittelalterliche Außenpolitik am Beispiel der Regierung Karls des Kühnen (1465-1477) (Diss. Univ. Bonn 2000), München 2002 (Pariser Histsorische Studien, 61) [Oldenbourg, 349 S., geb., 44,80 Euro].

Endmann, P.: Gerhard II. von Cambrai, ein Bischof im Schnittpunkt der Interessen von König, Papst und Stadt, in: Concilium medii aevi 5 (2002) http://webdoc.sub.gwdg.de/edoc/p/cma/5-02/endmann.pdf [25 Seiten; 1 Tafel; PDF-File Version 4.0; 295 KB].

Erkens, F.-R.: Kurfürsten und Königswahl. Zu neuen Theorien über den Königswahlparagraphen im Sachsenspiegel und die Entstehung des Kurfürstenkollgiums, Hannover 2002 (MGH. Studien und Texte, 30) [Hahnsche Buchhandlung, 125 S., geb., 20 Euro].

Ernst der Fromme (1601-1675), Staatsmann und Reformer. Wissenschaftliche Beiträge und Katalog zur Ausstellung, hg. von R. Jacobsen, 1. Aufl., Bucha bei Jena 2002 (Veröffentlichungen der Forschungsbibliothek Gotha, 39. Palmbaum-Texte, 14) [Quartus-Verlag, 526 S., kart., Abb., Ill., 29,90 Euro].

Erziehung und Bildung bei Hofe. 7. Symposium der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Celle und dem Deutschen Historischen Institut Paris, Celle, 23. bis 26. September 2000, hg. von W. Paravicini und J. Wettlaufer, Stuttgart 2002 (Residenzenforschung, 13) [Thorbecke, 277 S., Ln., Abb., 49 Euro].

Aus dem Inhalt:

Paravicini, W.: Zur Einführung: Formen, Funktionen, Inhalte von Erziehung und Wissen bei Hofe, S. 11-18; Jähnig, B.: Junge Edelleute am Hof des Hochmeisters in Marienburg um 1400, S. 21-42; Lachaud, F.: L’enseignement des bonnes manières en milieu de cour en Angleterre d’après l’Urbanus magnus attribué à Daniel de Beccles, S. 43-53; Reitemeier, A.: Adels- und Prinzenerziehung im England des 14. und 15. Jahrhunderts, S. 55-69; Sommé, M.: Les jeunes nobles à la cour de Bourgogne sous Philippe le Bon, S. 71-88; Pils, S. C.: Identität und Kontinuität. Erziehung für den Hofdienst am Beispiel der Familie Harrach im 17. Jahrhundert, S. 89-105; Stannek, A.: Exempla & Imitatio. Medien und Methoden höfischer Standeserziehung im 17. Jahrhundert, S. 107-123; Rothmann, M.: Wissen bei Hofe zwischen Didaxe und Unterhaltung – Die höfische Enzyklopädie des Gervasius von Tilbury, S. 127-156; Hlavácek, I.: Geistlich und weltlich am Hofe der letzten Přemysliden und der Luxemburger, S. 157-166; Verger, J.: Culture universitaire, culture de cour à Paris au XIVe siècle, S. 167-176; Sáez-Arance, A.: Der Hof Philipps II. von Spanien. Bildung und Erziehung in Zeiten der Konfessionalisierung, S. 177-190; Grebner, G.: Zum Zusammenhang von Sozialformation und Wissensform. Naturwissen am staufischen Hof in Süditalien, S. 193-213; Bukart, L.: Paradoxe Innovation. Funktionen des ‚Alten‘ und des ‚Neuen‘ am Hof Kaiser Maximilians I., S. 215-234; Schirrmeister, A.: Quid cum aulae poetae? Dichter, Redner oder Historiker: Formen humanistischer Bildung am Hof und ihre Protagonisten, S. 235-247; Stuth, S.: Zwischen Tradition und Moderne. Zur Rolle von Bildung und Erziehung am mecklenburgischen Hof unter Johann Albrecht I., S. 249-266; Fouquet, G.: Erziehung und Bildung bei Hofe. Eine Zusammenfassung, S. 267-277.

Études sur l’ancienne France. Offertes en hommage à Michel Antoine, Paris 2002 (Mémoires et documents de l’École des chartes) [École nationale des chartes, 500 S., 45 Euro].

Aus dem Inhalt:

Bimbenet-Privat, M.: Les pierreries de Louis XIV; objets de collection et instruments politiques; Chagniot, J.: Le régiment des Gardes du roi d’après les rôles de montres conservés à la Bibliothèque nationale de France (1584-1643); Malov, V.: Les registre moscovites des dons de Charles IX; Morgat, A.: Les Conseils des membres de la famille royale au XVIIe siècle; Pillorget, R.: L’électrice de Bavière Henriette-Adélaïde (1636-1676) et la France; Zysberg, A.: Un décor emblématique de la souveraineté: les poupes sculptées des galères de France sous le règne de Louis XIV.

Exotica. Portugals Entdeckungen im Spiegel fürstlicher Kunst- und Wunderkammern der Renaissance. Die Beiträge des am 19. und 20. Mai 2000 vom Kunsthistorischen Museum Wien veranstalteten Symposiums, hg. von H. Trnek und S. Haag, Mainz 2001 (Jahrbuch des Kunsthistorischen Museums Wien, 3) [Philipp von Zabern, 310 S., Ln., 3 sw- und 155 Farbabb., 85 Euro].

Franc, M.: Die Bücher der Küchenrechnungen aus den Jahren 1705-1706 im Bestand der Sternberg-Manderscheid als Quelle zur Geschichte der aristokratischen Höfe (Einige Vorbemerkungen) [teschech., Résumé dt. S. 277], in: Sborník Archivních Prací 52 (2002) S. 257-277.

Friedhoff, J.: Burg Lechenich im Kontext der spätmittelalterlichen Residenzentwicklung im Erzstift Köln, in: Annalen des Histsorischen Vereins für den Niederrhein (2001) S. 125-155.

Fuchs, M.: Karl V. Eine populäre Figur? Zur Rezeption des Kaisers in deutschsprachiger Belletristik, Münster 2002 (Geschichte in der Epoche Karls V., 1) [Aschendorff, 416 S., kart., 51 Euro].

Les funérailles à la Renaissance. XIIe colloque international de la Société Française d’Étude du Seizième Siècle, Bar-le-Duc, 2-5 décembre 1999, hg. von J. Balsamo, Genf 2002 (Travaux d’humanisme et renaissance, 356) [Droz, 531 S., farb. und sw-Abb.].

Fürstenberg, M. Frhr. von: Die kirchenrechtliche Stellung der Äbtissin von Elten. Eine Entwicklung zur quasibischöflichen Jurisdiktion, in: Liber amicorum Raphaël de Smedt, Bd. 3: Historia, hg. von J. Paviot, Löwen 2001 (Miscellanea Neerlandica, 25), S. 23-29.

Die Gegenwart des Feudalismus. Présence du féodalisme et présent de la féodalité. The Presence of Feudalism, hg. von N. Fryde, P. Monnet und O. G. Oexle, Göttingen 2002 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 173) [Vandenhoeck & Ruprecht, 320 S., Ln., 34 Euro].

Gerstl, D.: Freie Reichsstadt versus königliche Residenz. Die Vokationen an die Nürnberger Künstler Georg Christoph Eimmart und Johan Philip Lemke an den Hof in Stockholm, in: Quasi centrum Europae – Kunst und Kunsthandwerk aus Nürnberg für den Europäischen Markt 1400-1800. Referate der internationalen Tagung – gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung – vom 4. bis 6. Oktober 2000 im Germanischen Nationalmuseum, hg. von H. Maué, Nürnberg 2002 (Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 2002), S. 272-280.

Le Grand-Duché de Luxembourg. Identité nationale et dimension européenne entre les univers roman et germanique, hg. von A. d’Haenens, Luxemburg 1999 [Ed. Saint-Paul, 113 S., kart., zahlr. Ill.].

Grandpierre, F.: Contrats de mariage versés au rang des minutes des notaires du comté d’Eu: Bailly-en-Rivière, Cuverville-sur-Yères, Guerville, Fresnoy-en-Campagne, Saint-Martin-le-Gaillard et Les Sept-Meules & divers 1535-1733, Rouen 1999 [Eigenverl.].

Grössing, S.-M.: Maximilian I. Kaiser – Künstler – Kämpfer, Wien u.a. 2002 [Amalthea, 304 S., geb., Ill., 24,90 Euro].

Guillaume, J.: François Ier architecte: les bâtiments, in: Il Principe Architetto. Atti del Convegno internazionale Mantova, 21-23 ottobre 1999, hg. von A. Calzona, F. P. Fiore, A. Tenenti und C. Vasoli, Red. A. Rosati, Florenz 2002, S. 517-532.

Hauschke, S.: Globen und Wissenschaftliche Instrumente. Die europäischen Höfe als Kunden Nürnberger Mathematiker, in: H. Maué, T. Eser, S. Hauschke, J. Stolzenberger, Quasi centrum Europae. Europa kauft in Nürnberg 1400-1800 (Ausstellungskatalog), hg. vom Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, Nürnberg 2002, S. 364-389.

Hauschke, S.: Ein Paragone um Grabdenkmäler der Vischer-Werkstatt. Kardinal Albrecht von Brandenburg und Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen, in: Quasi centrum Europae – Kunst und Kunsthandwerk aus Nürnberg für den Europäischen Markt 1400-1800. Referate der internationalen Tagung – gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung – vom 4. bis 6. Oktober 2000 im Germanischen Nationalmuseum, hg. von H. Maué, Nürnberg 2002 (Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 2002), S. 231-240.

Hausenblasová, J.: Das Verhältnis zwischen dem Hofstaat und den obersten Verwaltungsbehörden des Königsreichs Böhmen in der Zeit der Regierung Rudolfs II. [tschech., Résumé dt. S. 294], in: Sborník Archivních Prací 52 (2002) S. 279-294.

Herrero, P. P.: La "Corte" como simbologiá del poder en Indias (siglos XVI y XVII), in: Reales sitios. Revista del Patrimonio Nacional 151 (2002) S. 28-41.

Vom Herrscher zur Dynastie. Zum Wesen kontinuierlicher Zeitrechnung in Antike und Gegenwart, hg. von H. Falk, Bremen 2002 (Vergleichende Studien zu Antike und Orient, 1) [Hempen, 294 S., brosch., 39 Euro].

Herzog Albrecht der Beherzte (1443-1500). Ein sächsischer Fürst im Reich und in Europa, hg. von A. Thieme, Köln u.a. 2002 (Quellen und Materialien zur Geschichte der Wettiner, 2) [Böhlau, 303 S., geb., 20 sw Abb., 29,90 Euro].

Hirschbiegel, J.: Fürstliche Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Ein Projekt der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, in: Jahrbuch der historischen Forschung in der Bundesrepublik Deutschland. Berichtsjahr 2001, hg. von der Arbeitsgemeinschaft außeruniversitärer historischer Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland, München 2002, S. 15-23.

Hlaváček, I.: Miscellanea zur Hofproblematik der Frühneuzeit [tschech.], in: Sborník Archivních Prací 52 (2002) S. 213.

[Hof] Frühneuzeit-Info 12,2 (2001), hg. vom Institut für die Erforschung der Frühen Neuzeit: Thema Hof.

Aus dem Inhalt:

Niederkorn, J. P., Sienell, S.: Arbeitskreis "Höfe des Hauses Österreich", S. 7-9; Duindam, J.: Vienna and Versailles. A comparative approach, S. 10-20; Keller, K.: Der Wiener Hof von außen. Beobachtungen zur Reflexion des Kaiserhofes im Reich im 17. und 18. Jahrhundert, S. 21-31; Noflatscher, H.: "Die Heuser Österreich vnd Burgund". Zu den Quellen der Habsburgerhöfe um 1500 oder zu einem historiographischen Stressyndrom, S. 32-48; Rauscher, P.: Die Finanzierung des Kaiserhofes in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, S. 49-64; Bůžek, V.: Ferdinand II. von Tirol als Statthalter von Böhmen und die höfi-sche Gesellschaft in Prag, S. 65-70; Catalano, A.: Kardinal Ernst Adalbert von Harrach (1598-1667) und sein Tagebuch, S. 71-77; Pils, S. C.: Orte des Alltags – Orte der Frömmigkeit. Ueberlegungen zu den Stadt/Räumen der Wiener Hocharistokratie im ausgehenden 17. Jahrhundert, S. 78-88; Več, M.: Naturrecht, höfische Repräsentation und Zeremonialrede im Fürstenstaat des 17. Jahrhunderts. Zum Projekt eines Nachdrucks der Teutschen Reden des Veit Ludwig von Sekkendorff von 1686, S. 89-107.

Hofkultur und aufklärerische Reformen in Thüringen. Die Bedeutung des Hofes im späten 18. Jahrhundert, hg. von M. Ventzke, Köln u.a. 2002 [Böhlau, 256 S., brosch., 29,90 Euro].

Holck, P.: Der rügische Fürst Witzlaw II. und sein Grab in Oslo, in: Baltische Studien 87 (2002) S. 36-45.

Hüsken, A.: Katalog der Orden, Ehrenzeichen und Auszeichnungen des Kurfürstentums Brandenburg, der Markgrafschaften Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Bayreuth, des Königreiches Preußen, der Republik Preußen unter Berücksichtigung des Deutschen Reiches. Bd. 1: Kurfürstentum Brandenburg, Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach, Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth, Orden des Königreiches Preußen, Bd. 2: Ehrenzeichen, Auszeichnungen und Ehrengaben 1701-1888, Bd. 3: Ehrenzeichen, Auszeichnungen und Ehrengaben 1888-1935, Bremen 2001 [Hauschild, Bd. 1: 320 S., brosch., 37 farb. und 346 sw-Abb., 34 Euro. Bd. 2: 351 S., brosch., 479 Abb., 34 Euro. Bd. 3: 422 S., brosch., zahlr. Abb., 34 Euro].

Innocenti, M.: Luxemburg und Württemberg. Feinde und Verbündete. Die Aussöhnung durch Elisabeth von Nürnberg, Enkelin Karls IV., und ihr Grabmal in der Stiftskriche zu Stuttgart, in: Hémecht 54 (2002) S. 153-182.

Jainzik, M.: Zwischen nomos und scharia– Staatsverständnis und Staatsvision bei Averroes anhand seines Kommentars zu Platons Staat, in: Concilium medii aevi 5 (2002) http://webdoc.sub.gwdg.de/edoc/p/cma/5-02/jainzik.pdf [44 Seiten; PDF-File Version 5.0; 282 KB].

Jordan Gschwend, A.: Los retratos de Juana de Austria posteriores a 1554: La imagen de una Princesa de Portugal, una Regente de Espana y una jesuita, in: Reales sitios. Revista del Patrimonio Nacional 151 (2002) S. 42-65.

Kaiser Ludwig der Bayer. Konflikte, Weichenstellungen und Wahrnehmung seiner Herrschaft, hg. von H. Nehlsen und H.-G. Hermann, Paderborn u.a. 2002 (Quellen und Forschungen aus dem Gebiet der Geschichte, 22) [Schöningh, 345 S., kart., 18 sw Abb., 60 Euro].

Des Kaisers neue Kleider. Über das Imaginäre politischer Herrschaft. Texte – Bilder – Lektüren, hg. von T. Frank, A. Koschorke, S. Lüdemann und E. M. de Mazza unter Mitwirkung von A. Krass, Frankfurt am Main 2002 [Fischer Taschenbuch Verlag, 281 S., 25 Abb., 13,90 Euro].

Karl V. 1500-1558. Neue Perspektiven seiner Herrschaft in Europa und Übersee, hg. von A. Kohler, Wien 2002 (Zentraleuropa-Studien, 6) [Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 819 S., Ln., 46 Euro].

Keller, K.: Landesgeschichte Sachsen, Stuttgart 2002 [UTB, 424 S., kart., 10 Karten, 24,90 Euro].

Eine adlige Kindheit in Coburg. Fürstenerziehung und Kunstunterweisung der Prinzen Ernst und Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, anläßlich der gleichnamigen Ausstellung der Kunstsammlungen der Veste Coburg, 13. Juli bis 7. Oktober 2001. Katalog und Ausstellung K. Wiedau, Coburg 2001 (Sonderdruck aus dem Jahrbuch der Coburger Landesstiftung, 45, 2000) [119 S., zahlr. Ill.].

Klinger, A.: Der Gothaer Fürstenstaat. Herrschaft, Konfession und Dynastie unter Herzog Ernst dem Frommen, Husum 2002 (Historische Studien, 469) [Matthiesen Verlag, 399 S., geb., 56 Euro].

Der Körper der Königin. Geschlecht und Herrschaft in der höfischen Welt seit 1500, hg. von R. Schulte, Frankfurt am Main 2002 (Campus Historische Studien, 31) [Campus, 420 S., kart., 20 Abb., 45 Euro].

Keller, H.: Ottonische Königsherrschaft. Organisation und Legitimation königlicher Macht. Darmstadt 2002 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 319 S., geb., 11 Abb., Tafeln und Karten, 34,90 Euro].

Die Konstruktion der Vergangenheit. Geschichtsdenken und, Traditionsbildung und Selbstdarstellung im frühneuzeitlichen Ostmitteleuropa, hg. von J. Bahlcke und A. Strohmeyer, Berlin 2002 (Zeitschrift für historische Forschung. Beiheft, 29) [Duncker & Humblot, 364 S., brosch., 48,80 Euro].

Aus dem Inhalt:

Winkelbauer, T., Knoz, T.: Geschlecht und Geschichte. Grablegen, Grabdenkmäler und Wappenzyklen als Quellen für das historisch-genealogische Denken des österreichischen Adels im 16. und 17. Jahrhundert, S. 129ff.

Krauss-Meyl, S.: "Die berühmeteste Frau zweier Jahrhunderte". Maria Aurora Gräfin von Königsmarck (1662-1728), Regensburg 2002 [Pustet, 256 S., Ln., 24 sw-Abb., 22 Euro].

Kunisch, J.: Friedrich der Große und die preußische Königskrönung von 1701, Paderborn 2002 (Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften. Vorträge G, 381) [Schöningh, 28 S., kart., 7,90 Euro].

Lackner, C.: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzoge 1365-1406 (Habil.-Schr. Univ. Wien 2001), Wien u.a. 2002 (Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Ergänzungsband, 41) [Oldenbourg, brosch., 471 S., 64,80 Euro].

Lauts, J., Herzner, I. L.: Federico da Montefeltro. Herzog von Urbino. Kriegsherr, Friedensfürst und Förderer der Künste, München u.a. 2001 [Deutscher Kunstverlag, 424 S., geb., 44 sw- und 16 farb. Abb., 39,90 Euro].

Le Goff, J. u.a.: Le sacre royal à l’époque de Saint Louis d’après le manuscrit latin 1246 de la BNF, Paris 2001 (Le Temps des images) [Gallimard, 333 S., Ill., Notenbeisp.].

Le Person, X.: "Pratique" et "pratiqueurs". La vie politique au temps du règne de Henri III, Paris 2002 [Champion, 656 S., geb., 117,10 Euro].

Lehnart, U.: Kleidung und Waffen der Früh- und Hochgotik 1150-1320, überarb. Neuaufl., Wald-Michelbach 2001 [Karfunkel-Verlag, 128 S., geb., zahlr. sw-Abb., 8 Farbtafeln, 22 Euro].

Literatur und Wandmalerei. Erscheinungsformen höfischer Kultur und ihre Träger im Mittelalter. 1. Freiburger Kolloquium 1998, hg. von E. C. Lutz u.a., Tübingen 2002 [Niemeyer, 650 S., Ln., 178 Abb., 82 Euro].

Courtly Literature and Clerical Culture. Litérature courtoise et culture cléricale. Höfische Literatur und Klerikerkultur, hg. von C. Huber und H. Lähnemann, Tübingen 2002 [Attempto, 246 S., kart., 39 Euro].

Lundt, B.: Weiser und Weib. Weisheit und Geschlecht am Beispiel der Erzähltradition von den "Sieben Weisen Meistern" (12.-15. Jahrhundert), Paderborn 2002 [Wilhelm Fink, 561 S., kart.,19 Abb., 60 Euro].

Magoni, C.: La socità dei principi nell’Europa moderna (secc. XVI-XVII) [Tagungsbericht], in: Archivio Storico Italiano 160,2 (2002) S. 377-383.

Mahl und Repräsentation. Der Kult ums Essen, hg. von L. Kolmer und C. Rohr, 2., verb. und erw. Aufl., Paderborn 2002 [Schöningh, 320 S., Ln., zahlr. Abb., 35,80 Euro].

Malacarne, G.: Le cacce del principe. L’ars venandi nella terra die Gonzaga, Modena 1998 (Il Giardino delle Esperidi, 8) [Il Bulino, 240 S., 172 Abb., 62 Euro].

Malacarne, G.: Sulla mensa del principe. Alimentazione e banchetti alla corte die Gonzaga, Modena 2000 (Il Giardino delle Esperidi, 12) [Il Bulino, 320 S., 174 Abb., 62 Euro].

Meier, T.: Die Archäologie des mittelalterlichen Königsgrabes im christlichen Europa, Stuttgart 2002 (Mittelalter-Forschungen, 8) [Thorbecke, 478 S., geb., 173 Abb., 65 Euro].

Meise, H.: Das archivierte Ich. Schreibkalender und höfische Repräsentation in Hessen-Darmstadt 1624-1790, Darmstadt 2002 (Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission. N.F., 21) [Hess. Histor. Komm., 644 S., 30 Euro].

Memleben: Königspfalz – Reichskloster – Propstei, im Auftrag des Vereins des Klosters und der Kaiserpfalz Memleben hg. von H. Wittmann, Petersberg 2001 [Imhof, 312 S., geb., 175 Abb., 38 Euro].

Menschenbilder – Menschenbildner. Individuum und Gruppe im Blick des Historikers. Werner Paravicini zum 60. Geburtstag, hg. von S. Selzer und U.-C. Ewert, Berlin 2002 (Hallische Beiträge zur Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, 2) [Akademie Verlag, 331 S., geb., 64,80 Euro].

Aus dem Inhalt:

Selzer, S., Ewert, U. C.: Menschenbilder – Menschenbildner. Eine begriffliche Klammer für das Projekt ‚Individuum und Gruppe im Blick des Historikers‘, S. 11-21; Wettlaufer, J.: Von der Gruppe zum Individuum. Perspektiven und Probleme einer ‚evolutionären Geschichtswissenschaft‘, S. 25-51; Stukenbrock, K.: Individuum oder Gruppe. Mediziner auf der Suche nach dem normierten Menschen, S. 53-65; Krüger, K.: Gesehenes wird Bericht wird Darstellung wird Quelle. Zur Rezeption von Pilgerreisen nordischer Herrscher im 12. Jahrhundert, S. 69-108; Seggern, H. von: Hermann von Brüninghausen, Wappenkönig der Ruwieren, S. 109-117; Asmussen, G.: Die Älterleute der Lübecker Bergenfahrer (1401-1854). Eine Führungsposition in Lübeck im Vergleich über mehrere Jahrhunderte, S. 121-152; Dünnebeil, S.: Soziale Dynamik in spätmittelalterlichen Gruppen, S. 153-175; Greve, A.: Fremde unter Freunden – Freunde unter Fremden? Hansische Kaufleute im spätmittelalterlichen Brügger Handelsalltag, S. 177-188; Kraack, D.: Von Wappen und Namen. Konstitution, Selbstdarstellung und Fremdwahrnehmung von Individuum und Gruppe im Spiegel der monumentalen Zeugnisse der spätmittelalterlichen Adelsreise, S. 189-210; Hirschbiegel, J.: Zeichen der Gunst. Neujahrsgeschenke am burgundischen Hof zur Zeit König Karls VI. von Frankreich (1380-1422), S. 213-240; Selzer, S.: ‚Renaissancemenschen‘ gesucht – Italienische Condottieri (1380-1480) im Porträt bei Jacob Burckhardt und im prosopographischen Gruppenbild, S. 241-275; Meyer, G.: "... up dat se mynen lesten wyllen truweliken vorvullen". Die Werkmeister der Lübecker Pfarrkirchen als Vormünder in Testamenten, S. 277-294; Ewert, U. C.: Fahrende Helden der Moderne. Grand-Prix-Piloten als prosopographischer Idealfall?, S. 295-328.

Modrow, B., Gröschel, C.: Fürstliches Vergnügen. Gärten und Parks in Hessen. Zeugnisse aus 300 Jahren Gartenkultur, Regensburg 2002 (Ausstellungs- und Bestandskataloge, 6) [Schnell + Steiner, 156 S., softcover, 50 sw- und 140 Farbabb., 12,90 Euro].

Müller, H.: Albrecht Dürer. Waffen und Rüstungen, hg. vom Deutschen Historischen Museum Berlin, Mainz 2002 [Philipp von Zabern, 216 S., geb., 170 sw- und 34 Farbabb., 45 Euro].

Müller R. A.: Fußballspiel in der Frühen Neuzeit. Soziokulturelle Voraussetzungen und sportliche Spezifika, in: Fußball als Kulturphänomen. Kunst, Kultur, Kommerz, hg. von M. Herzog. Mit Beitr. von U. von Berg u.a., Stuttgart u.a. 2002 (Irseer Dialoge, 7), S. 47-66.

Müller, Rainer A.: Vom Adelsspiel zum Bürgervergnügen – Zur sozialen Relevanz des mittelalterlichen Schachspiels, in: Concilium medii aevi 5 (2002) http://webdoc.sub.gwdg.de/edoc/p/cma/5-02/mueller.pdf [25 Seiten; 4 Tafeln; PDF-File Version 4.0; 344 KB].

Murray, M.: Miles – Ritter – Chevalier. Zum Verständnis und Selbstverständnis des Rittertums in Mittel- und Westeuropa um 1200 (Diss. TU Berlin 1999), Berlin 2001 [dissertation.de, 263 S., pb., Ill., 39,50 Euro].

Der "Musenhof" Anna Amalias. Geselligkeit, Mäzenatentum und Kunstliebhaberei im klassischen Weimar, hg. von J. Berger, Köln u.a. 2001 [Böhlau, brosch., 216 S., 25,50 Euro].

Mythos, Metapher, Motiv. Untersuchungen zum Bild der Burg seit 1500, hg. von H. Lass, Alfeld/Leine 2002 (k & k, 2) [Coppi-Verlag, 276 S., Abb., graph. Darst., 35 Euro].

Narbona Cárceles, M.: Woman at Court: A Prosopographic Study of the Court of Carlos III of Navarre (1387-1425), in: Medieval Prosopography 22 (2001) S. 31-64.

Neitmann, K.: Rat und Ratsgebietiger Wolters von Plettenberg. Beobachtungen zum Regierungs- und Verwaltungsstil des Ordensmeisters, in: Wolter von Plettenberg und das mittelalterliche Livland, hg. von N. Angermann und I. Misāns, Lüneburg 2001, S. 85-111.

Ornato, M.: Répertoire prosopographique de personnages apparentés à la couronne de France aux XIVe et XVe siècles, Paris 2001 (Histoire ancienne et médiévale, 65) [Publ. de la Sorbonne, 240 S., graph. Darst.].

Orsenna, É.: Portrait eines glücklichen Menschen. Der Gärtner von Versailles André Le Nôtre, 1613-1700. Aus dem Franz. von Annette Lallemand, München 2001 [Beck, 143 S., Ln., 14,90 Euro].

Die Ottheinrich-Bibel. Faksimile-Edition. Faksimile und Kommentarband, Luzern 2002 [Faksimile-Verlag Luzern. Die Ottheinrich-Bibel wurde in einer limitierten Auflage von 980 Exemplaren im Originalformat von 53,2 x 37,2 cm faksimiliert. In einem aufwendigen Verfahren wurden die Blattgold-, Pinselgold- und diversen Farbaufträge des Originals in gesonderten Druckvorgängen originalgetreu wiedergegeben. Von insgesamt 78 Blättern sind 46 durch farbenprächtige Miniaturen geschmückt. 41 Pinselgoldinitialen gliedern den zweispaltigen, in einer monumentalen Textualis geschriebenen deutschen Text. Um dem Prunkstück aus Ottheinrichs Sammlung wieder die kurfürstliche Aura zu verleihen, wurde die Ottheinrich-Bibel in einen Einband gebunden, der dem wohl aufwendigsten Prachteinband, der je für Ottheinrich geschaffen wurde, nachempfunden ist. Wie jener Einband von 1558 [Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 833] präsentiert sich der Einband der Faksimile-Edition mit reicher Gold- und Blindprägung, acht Zierbeschlägen und vier Schließen. Auf der Vorderseite ist ein Portrait von Ottheinrich in Goldprägung abgebildet; die Rückseite ziert Ottheinrichs kurfürstliches Wappen. Alle Prägestempel sind in aufwendiger Handarbeit präzise nachgearbeitet. Der wissenschaftliche Kommentar Ein eigener Kommentarband erschließt diese außergewöhnliche Handschrift in all ihrer Pracht: Prof. Dr. Robert Suckale und Prof. Dr. Jeffrey Hamburger unterziehen die Handschrift einer kodikologischen Untersuchung. Die historische Einordnung der Handschrift und die sprachliche Situierung des frühneuhochdeutschen Textes werden von Dr. Brigitte Gullath und Dr. Karin Schneider vorgenommen. 6.580 Euro].

Der romanische Palas der Wartburg. Bauforschung an einer Welterbestätte, hg. von G. Schuchardt, Regensburg 2001 [Schnell + Steiner, 148 S., hardcover, 106 meist farb. Abb., 29,90 Euro].

Werner Paravicini. Menschen am Hofe der Herzöge von Burgund. Gesammelte Aufsätze, hg. von K. Krüger, H. Kruse und A. Ranft, Stuttgart 2002 [Thorbecke, 716 S., Ln., 59,90 Euro].

Aus dem Inhalt:

1. QUELLEN Der Briefwechsel Karls des Kühnen, S. 17-39; "Ordonannces de l’Hôtel" und "Escroes des gaiges", S. 41-63; L’embarras de richesse: Comment rendre accessibles les archives financières de la Maison Bourgogne-Valois, S. 65-106; 2. MENSCHEN Zur Biographie von Guillaume Hugonet, Kanzler Herzog Karls des Kühnen, S. 107-142; (mit Anke Paravicini) L’arsenal intellectuel d’un homme de pouvoir: les livres de Guillaume Hugonet, chancelier de Bourgogne, S. 143-208; Rasse de la Rivière, Antoine de Palant et la place de Montjoie, S. 209-235; Moers, Croy, Burgund. Eine Studie über den Niedergang des Hauses Moers in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, S. 237-340; Peur, pratiques, intelligences. Formes de l’opposition aristocratique à Louis XI d’après les interrogatoires du connetable de Saint-Pol, S. 341-356; 3. HOF UND STAAT Administrateurs professionels et princes dilettantes. Remarques sur un problème de sociologie administrative à la fin du moyen âge, S. 357-369; Soziale Schichtung und soziale Mobilität am Hof der Herzöge von Burgund, S. 371-426; Expansion et intégration: La noblesse des Pays-Bas à la cour de Philippe le Bon, S. 427-443; Die Residenzen der Herzöge von Burgund 1363-1477, S. 445-506; The Court of the Dukes of Burgundy: a Model for Europe?, S. 507-534; Philippe le Bon en Allemagne (1454), S. 535-582; 4. HERZOG KARL DER KÜHNE Karl der Kühne, Sigmund von Tirol und das Ende des Hauses Burgund, S. 583-597; Charles le Téméraire à Tours, S. 599-620; Kleve, Geldern und Burgund im Sommer 1473. Briefe aus einer verlorenen Korrespondenz, S. 621-669 Ordre et Règle. Charles le Téméraire en ses ordonnances de l’hôtel, S. 671-713.

Paravicini, W.: Les cours et les résidences du Moyen Age tardif. Un quart de siècle de recherches allemandes, in: Les tendances actuelles de l’histoire du Moyen Age en France et en Allemagne. Actes des colloques de Sèvres (1997) et Göttingen (1998), hg. von J.-C. Schmitt und O. G. Oexle, Paris 2002, S. 327-350.

Penman, M. A.: Christian days and knights: the religious devotions and the court of David II of Scotland, 1329-71, in: Historical Research 75,189 (2002) S. 249-272.

Pfaffenbichler, M.: Nürnberger Plattnerkunst. Kaufmotivation und Kundenbindung, in: Quasi centrum Europae – Kunst und Kunsthandwerk aus Nürnberg für den Europäischen Markt 1400-1800. Referate der internationalen Tagung – gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung – vom 4. bis 6. Oktober 2000 im Germanischen Nationalmuseum, hg. von H. Maué, Nürnberg 2002 (Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 2002), S. 224-230.

Pfalzgraf Ottheinrich. Politik, Kunst und Wissenschaft im 16. Jahrhundert, hg. von der Stadt Neuburg an der Donau, Konzept und Red. B. Zeitelhack, Regensburg 2002 [Pustet, 360 S., hardcover, 16 sw-Abb., 8 Farbbildseiten, Textill., 32 Euro].

Pils, S. C.: Schreiben über Stadt. Das Wien der Johanna Theresia Harrach 1639-1716, Wien 2002 (Diss. Univ. Wien 2000) (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 36) [Franz Deuticke, 348 S., kart., 23 Abb., 29,90 Euro]. Siehe die Buchvorstellung oben S. *f.

Auswärtige Politik und internationale Beziehungen im Mittelalter (13. bis 16. Jahrhundert), hg. von D. Berg, M. Kintzinger und P. Monnet, Bochum 2002 (Europa in der Geschichte, 6) [Winkler, 444 S., geb., 61,50 Euro – Ln., 79,50 Euro].

Aus dem Inhalt:

Berg, D.: Einleitung, S. 11ff.; Kintzinger, M.: Auswärtige Politik und internationale Beziehungen im mittelalterlichen Westeuropa. Einführung zur Konzeption, S.15ff; Monnet, P.: Avant-propos, S. 21ff.; Autrand, F.: Y a-t-il des "affaires étrangères" dans la France des XlVe et XVe siècles?, S. 23ff.; Moraw, P.: Über Rahmenbedingungen und Wandlungen auswärtiger Politik vorwiegend im deutschen Spätmittelalter, S. 31ff.; Georgi, W.: intra und extra. Überlegungen zu den Grundlagen auswärtiger Beziehungen im früheren Mittelalter: Wahrnehmung, Kommunikation und Handeln, S. 47ff.; Eickels. K. van: Vom freundschaftlichen Konsens zum lehenrechtlichen Konflikt. Die englisch-französischen Beziehungen und ihre Wahrnehmung im Wandel an der Wende vom Hoch- zum Spätmittelalter, S. 87ff.; Kintzinger, M.: Kaiser und König. Das römisch-deutsche Reich und Frankreich im Spätmittelalter, S. 113ff.; Reitemeier, A.: Grundprobleme der deutsch-englischen Beziehungen im Spätmittelalter, S. 137ff.; Monnet, P.: Jalons pour une histoire de la diplomatie urbaine dans l’Allemagne de la fin du Moyen Age, S. 151ff.; Butz, R.: Die Beziehungen der Wettiner zu den auswärtigen Mächten im Spätmittelalter im Zusammenhang ihrer Rangerhöhungen, S. 175ff.; Heimann, H.-D.: Die "auswärtige Politik der Wettiner und ihre Herrschaftsbeziehungen zum Haus Habsburg, zu Burgund und in die Niederlande im späten Mittelalter, S. 197ff.; Schnerb, B.: Les ambassadeurs bourguignons sous le principat de Philippe le Bon, S. 223ff.; Ehm, P.: "... und begeret ein kunig zu werden". Beobachtungen zu einem Herrschertreffen: Friedrich II. und Karl der Kühne in Trier 1473, S. 233ff.; Autrand, F.: Jean de Berry, un diplomate de carrière, S. 259ff.; Jaspert, N.: Wort, Schrift und Bild im Dienste der Außenbeziehungen. Die Anjou in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, S. 271ff.; Averkorn, R.: Kastilien als europäische Großmacht im Spätmittelalter. Grundprobleme der auswärtigen Beziehungen der kastilischen Könige vom 13. bis zum 15. Jahrhundert, S. 315ff.; Maillefer, J.-M.: Quelques nobles allemands au service de la diplomatie des Folkungar en Suède (ca. 1250-ca. 1360), S. 347ff.; Wefers, S.: Zur Theorie auswärtiger Politik des römisch-deutschen Reiches im Spätmittelter, S. 359ff., Mitsch; R:. Die Bündnispolitik Kaiser Ludwigs des Bayern in den Jahren 1337/38 bis 1341 in der Sicht ausgewählter Geschichtsschreiber. Zeitgenössische Wahrnehmungen "außenpolitischen" Handelns eines römisch-deutschen Herrschers des späten Mittelalters, S. 371ff.

Pracht und Zeremoniell – Die Möbel der Residenz München (Ausstellunskatalog), München 2002 [Hirmer, 304 S., 250 Farbabb., 29,80 Euro]

Principes. Dynastien und Höfe im späten Mittelalter. Interdisziplinäre Tagung des Lehrstuhls für Allgemeine Geschichte des Mittelalters und Historische Hilfswissenschaften in Greifswald in Verbindung mit der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen vom 15.-18. Juni 2000, hg. von C. Nolte, K.-H. Spiess und R.-G. Werlich, Stuttgart 2002 (Residenzenforschung, 14) [Thorbecke, 447 S., geb., zahlr., teils farb. Abb., 49 Euro].

Aus dem Inhalt:

Spiess, K.-H.: Einführung, S. 9-16; Moraw, P.: Fürsten am spätmittelalterlichen deutschen Königshof, S. 17-32; Rüther, A.: Die schlesischen Fürsten und das spätmittelalterliche Reich, S. 33-62; Paravicini, W.: Schlichtheit und Pracht: Über König Ludwig XI. von Frankreich und Herzog Karl den Kühnen von Burgund, S. 63-86; Welzel, B.: Sichtbare Herrschaft – Paradigmen höfischer Kunst, S. 87-106; Müller, M.: Spätmittelalterliches Fürstentum im Spiegel der Architektur. Überlegungen zu den repräsentativen Aufgaben landesherrlicher Schloßbauten um 1500 im Alten Reich, S. 107-145; Nolte, C.: Die markgräfliche Familie am Hof zu Berlin und Ansbach 1470-1486. Versorgung – Wohnstrukturen – Kommunikation, S. 147-169; Fouquet, G.: Fürsten unter sich. Privatheit und Öffentlichkeit, Emotionalität und Zeremoniell im Medium des Briefes, S. 171-198; Herold, J.: Der Aufenthalt des Markgrafen Gianfrancesco Gonzaga zur Erziehung an den Höfen der fränkischen Markgrafen von Brandenburg 1455-1459. Zur Funktionsweise und zu den Medien der Kommunikation zwischen Mantua und Franken im Spätmittelalter, S. 199-234; Rogge, J.: Nur verkaufte Töchter? Überlegungen zu Aufgaben, Quellen, Methoden und Perspektiven einer Sozial- und Kulturgeschichte hochadeliger Fürstinnen im deutschen Reich während des späten Mittelalters und am Beginn der Neuzeit, S. 235-276; Heinig, P.-J.: "Omnia vincit Amor" – Das fürstliche Konkubinat im 15./16. Jahrhundert, S. 277-314; Graf, K.: Nachruhm – Überlegungen zur fürstlichen Erinnerungskultur im deutschen Spätmittelalter, S. 315-336; Babendererde, C.: Tod, Begräbnis und Totengedenken im weltlichen Reichsfürstenstand des Spätmittelalters 1300-1530, S. 337-348; Zotz, T.: Fürstliche Präsenz und fürstliche Memoria an der Peripherie der Herrschaft: Die Habsburger in den vorderen Landen im Spätmittelalter, S. 349-370; Stauber, R.: Herrschaftsrepräsentation und dynastische Propaganda bei den Wittelsbachern und Habsburgern um 1500, S. 371-402; Mötsch, J.: Die letzten Grafen von Henneberg und ihre Hofgeschichtsschreibung, S. 403-424; Werlich, R.-G.: Genealogische und heraldische Bemühungen im Hause Henneberg am Beispiel der Ahnenwappen Graf Wilhelms IV. von Henneberg und seiner Gemahlin Anastasia von Brandenburg, S. 425-447.

Rataj, T.: Der Herrscherhof in der frühneuzeitlichen gedruckten Berichterstattung [tschech., Résumé dt. S. 314], in: Sborník Archivních Prací 52 (2002) S. 295-314.

Ratajová, J.: Der Begriff des Hofes in den Predigten des Alexius Johann Ignatz Krizer [tschech., Résumé dt. S. 326f.], in: Sborník Archivních Prací 52 (2002) S. 315-327.

Raum und Geschichte. Regionale Traditionen und föderative Ordnungen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, hg. von T. Kühne und C. Rauh-Kühne, Leinfelden-Echterdingen 2001 (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, 40) [DRW-Verlag, 270 S., geb., 42 Euro].

Reichert, F.: Von Dresden nach Jerusalem. Albrecht der Beherzte im Heiligen Land, in: Herzog Albrecht der Beherzte (1443-1500). Ein sächsischer Fürst im Reich und in Europa, hg. von A. Thieme, Köln u.a. 2002 (Quellen und Materialien zur Geschichte der Wettiner, 2), S. 53-71.

Ribault, J.-Y.: Le palais Jacques-Coeur, Bourges 2002 [63 S., brosch., farb. und sw-Abb., 5,95 Euro].

Rill, G.: Fürst und Hof in Österreich. Von den habsburgischen Teilungsverträgen bis zur Schlacht von Mohács (1521/22-1526). Bd. 2: Gabriel von Salamanca, Zentralverwaltung und Finanzen, Wien 2002 (Forschungen zur Europäischen und Vergleichenden Rechtsgeschichte) [Böhlau, 576 S., brosch., 4 sw-Abb., 69 Euro].

Rittersitze. Facetten adligen Lebens im alten Reich, hg. von K. Andermann, Tübingen 2002 [Bibliotheca-Academica-Verlag, 236 S., geb., 16 sw-Abb, 1 farb. Tafel, 29 Euro].

Ritzenhofen, U.: Burg Eltz, München 2002 [Deutscher Kunstverlag, 96 S., brosch., 95 farb. Abb., 9,80 Euro].

Rohr, C.: Festkultur, Graz 2002 (Lebensbilder des Mittelalters) [ADEVA, 120 S., 50 farb. Abb., 49 Euro].

Rohwetter, C.: Zur Typologie des Herrschers im französischen Humanismus. Le livre de l’institution du Prince von Guillaume Budé, Frankfurt am Main u..a 2002 (Dialoghi/Dialogues. Literatur und Kultur Italiens und Frankreichs, 7) [Peter Lang, 141 S., brosch., 7 Abb., 25,10 Euro].

Rösener, W.: Befand sich der Adel im Spätmittelalter in einer Krise? Zur Lage des südwestdeutschen Adels im 14. und 15. Jahrhundert, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 61 (2001) S. 91-109.

Entre Royaume et Empire: frontières, rivalités, modèles. Rencontres de Porrentruy (27 au 30 septembre 2001), actes publiés sous la direction de J.-M. Cauchies, Neuchâtel 2002 (Publication du Centre européen d’études bourguignonnes (XIVe-XVIe s.).

Aus dem Inhalt:

Racine, P.: Au temps de la lutte entre maison de France et Habsbourg: fascination et répulsion de l’Italie, S. 7-21; Cauchies, J.-M.: Principauté d’Empire, allié de la France. Le duché de Gueldre, épine des Valois dans la chair des Habsbourg, et son duc "spoliateur" (1494-1506), S. 23-34; Yante, J.-M.: Louis d’Orléans, mambour et gouverneur du Luxembourg (1402-1407). Dessein politique et action intérieure, S. 35-53; Wijfels, A.: Emergence et engloutissement judiciaires de "Brabant maritime". Les prétentions territoiriales sur l’Escaut occidental durant la seconde moitié du XVe siècle, S. 55-73; Dauchy, S.: Deça l’Escaut estoit l’Empire. La compétence du Parlement de Paris en Flandre impériale, S. 75-85; Weis, M.: La Paix d’Augsbourg de 1555: un modèle pour les Pays-Bas? L’ambassade des princes luthériens allemands auprès de Marguerite de Parme en 1567, S. 87-99; Bischoff, G.: La "Langue de Bourgogne". Esquisse d’une histoire politique du français et de l’allemand dans les pays de l’Entre-Deux, S. 101-118; Tribolet, M. de: Statuta sunt stricte interpretanda. Souveraineté et pouvoir législatif en pays neuchâtelois, XVe-fin XVIIe siècle, S. 119-127; Dubois, H.: Aux origines de la douane. La frontière du Royaume et de l’Empire et sa construction au moyen âge, S. 129-146; Pepke-Durix, H.: Les Comtois et le marché du travail de la région dijonnaise aux XIVe et XVe siècles, S. 147-165; Cools, H.: Quelques considérations sur l’attitude des nobles comtois entre 1477 et 1500, S. 167-182; Missir de Lusignan, L.: La Bourgogne entre Royaume et Empire, S. 185-189.

Sabatier, G., Edouard, S.: Les monarchies de France et d’Espagne (1556-1715). Rituels et pratiques, Paris 2001 (Collection U: Histoire) [Colin, 252 S., Abb., 19,19 Euro].

Sach, M.: Hochmeister und Großfürst. Die Beziehungen zwischen dem Deutschen Orden in Preußen und dem Moskauer Staat um die Wende zur Neuzeit, Stuttgart 2002 (Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa, 62) [Franz Steiner, geb. 488 S., 74 Euro].

Le savoir du prince. Du Moyen Âge aux Lumières, hg. von R. Halévi, Paris 2002 (L’esprit de la cité) [Fayard, 371 S., 20 Euro].

Schenk, G. J.: Zeremoniell und Politik. Herrschereinzüge im spätmittelalterlichen Reich, Köln u.a. 2002 (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters, 21) [Böhlau, 784 S., geb., 24 Tafeln mit 26 sw-Abb. und Karten, 2 Faltkarten, 79 Euro].

Schwerdfeger, G. O.: Zwei Wittelsbacher und die Deutsche Kaiserkrone. Das Ringen um die Macht in Deutschland, in: Genealogisches Jahrbuch 41 (2001) S. 57-100.

Sheehan, J. J.: Geschichte der deutschen Kunstmuseen. Von der fürstlichen Kunstkammer bis zur modernen Sammlung, München 2002 [C.H. Beck, 368 S., 34,90 Euro].

Signorotto, G., Visceglia, M. A.: Court and politics in Papal Rome 1492-1700, Cambridge 2002 [Cambridge University Press, 278 S., hardback, 40 £].

Slanicka, S.: Krieg der Zeichen. Die visuelle Politik Johanns ohne Furcht und der armagnakisch-burgundische Bürgerkrieg (Diss. Univ. Basel 1998), Göttingen 2002 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 182) [Vandenhoeck & Ruprecht, 368 S., 54 Abb., 46 Euro].

Spiess, K.-H.: Das Lehnswesen in Deutschland im hohen und späten Mittelalter, Idstein 2002 (Historisches Seminar. N.F., 13) [Schulz-Kirchner, 188 S., kart., Ill., 18,30 Euro].

Stagl, J.: Eine Geschichte der Neugier. Reisekunst und Sozialforschung 1550-1800, Wien 2002 [Böhlau, 360 S., geb., 21 sw-Abb., 55 Euro].

Stahl, A.: Die Moritzburg bei Halle. Zeichnungen C. Werner, Regensburg 2002 (Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa, 12) [Schnell + Steiner, 48 S., geheftet, 15 sw- und 45 Farbabb., 6,50 Euro].

Sterchi, B: Über den Umgang mit Lob und Tadel. Noblesse, vertu und renommée in Lektüre und Praxis des burgundischen Hofadels, 1430-1506, 3 Bde, Diss. phil. Univ. Basel 2002 (unveröff.) [575 S., 33 ganzs. Abb.].

Štih, P.: Die Grafen von Cilli, die Frage ihrer landesfürstlichen Hoheit und des Landes Cilli, in: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung 110 (2002) S. 67-98.

Stroo, C.: De celebratie van de macht. Presentatieminiaturen en aanverwante voorstellingen in handschriften van Filips de Goede (1419-1467) en Karel de Stoute (1467-1477), Turnhout 2002 [Brepols, 388 S., pb., Ill., 48,71 Euro].

Hoch- und spätmittelalterlicher Stuck. Material – Technik – Stil – Restaurierung. Kolloquium des Graduiertenkollegs "Kunstwissenschaft – Bauforschung – Denkmalpflege" der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Technischen Universität Berlin, Bamberg 16.-18. März 2000, hg. von M. Hoernes, Regensburg 2002 [Schnell + Steiner, 176 S., hardcover, 100 sw- und 20 farb. Abb., 39,90 Euro].

Stupor Saxoniae Inferioris. Ernst Schubert zum 60. Geburtstag. Beiträge zur Geschichte Kunst und Kultur des Mittelalters, hg. für das Kolloquium zur niedersächsischen Landesgeschichte von W. Hinrichs u.a., 1. Aufl., Göttingen 2001 (Göttinger Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur des Mittelalters und der frühen Neuzeit, 6) [Duehrkohp & Radicke, 303 S., pb, 1 sw-Tafel, 35 Euro].

Aus dem Inhalt:

Wieden, B. Bei der: Der Schwanengesang aus den Carmina Burana, S. 13ff.; Riggert-Mindermann, I.-C.: Ein Beitrag zu der geplanten Historisch-Landeskundlichen Exkursionskarte, Blatt Harsefeld(-Stade): Die Klöster, S. 21ff.; Kruppa, N.: Kloster, Adel und Memoria an der Oberweser, S. 33ff.; Mindermann, A.: Abt Albert von Stade. Ein Chronist des 13. Jahrhunderts, S. 51ff.; Huismann, F.: Die Eversteinsche Fehde, S. 59ff.; Bilgenroth, H.: Kriminalität und Zahlungsmoral im Alltag des 16. Jahrhunderts. Eine Untersuchung auf der Grundlage des Duderstädter Strafbuches von 1530-1546, S. 83ff.; Burschel, P.: Zu Gryphius’ "Catharina von Georgien", S. 105ff.; Hinrichs, W.: "Liberté, Égalité, Fraternité" – Zur Vorgeschichte der französischen Revolutionsdevise, S. 127ff.; Diehl, G.: Ein Schiffsjunge aus Exeter am Grabe des Propheten oder: "A faithful account of the Religion and Manners of the Mahometans", S. 145ff.; Hollberg, C.: Erzbischof Lothar Franz von Schönborn: Ein Jäger aus Kurmainz, S. 159ff.; Borgemeister, B.: "Zum totalen Ruin der Holzung?" Holzdiebstähle aus Hannovers Stadtwald Eilenriede. Ein Blick in städtische Akten des 18. Jahrhunderts, S. 165ff.; Jhering, M. C.: Austausch von Waren, Dienstleistungen und Informationen. Ostfriesische Studentenbriefe aus Halle 1741-1746, S. 173ff.; Wilke, J.: Grabendes Volk – Über den Umgang mit Feldhamstern, S. 185ff.; Ehrhard, G.: Die Dienstbeschreibung des Amtes Herzberg von 1776. Agrarreform als Verwaltungsziel in Kurhannover, S. 207ff.; Wagener-Fimpel, S.: Das Göttinger Studienjahr des Erbgrafen Carl zu Schaumburg-Lippe (1779-1780) S. 215ff.; Müller, T. T.: "Um diese das Landeswohl befassende Absicht zu erreichen ..." Die Verordnung wegen des Hopfenbaues auf dem Eichsfeld von 1783 und ihre Auswirkungen, S. 237ff.; Schütz, S.: Joseph Joachims Taufe in der Aegidienkirche zu Hannover am 3. Mai 1855, S. 245ff.; Kaufold, C.: Der Ertrag der historischen Ausbildung für die Arbeit im Verlag, oder: Was in aller Welt mache ich hier?, S. 257ff.; Brüdermann, S.: Vom Gehen, Radeln und Fahren in Rom, S. 261ff.; Schuster, B.: Der Blick über den Zaun – die Universität in Frankreich, S. 271ff.; Schütz, S.: Verzeichnis der Veröffentlichungen von Ernst Schubert, S. 281ff.

Suden, M. thom: Fürst und Mythos – Zum Programm der Deckenfresken von Carlo Ludovico Castelli in Schloß Arolsen (1721-1722), in: Geschichtsblätter für Waldeck 90 (2002) S. 10-59.

Taylor, Aline S.: Isabel of Burgundy. The duchess who played politics in the age of Joan of Arc, 1397-1471, Lanham u.a. 2001 [Madison Books, 256 S., geb., 29,78 Euro].

Theater am Hof und für das Volk. Beiträge zur vergleichenden Theater- und Kulturgeschichte. Festschrift für Otto G. Schindler zum 60. Geburtstag, hg. von B. Marschall, Wien 2002 (Maske und Kothurn, 48) [Böhlau, 521 S., brosch., 60 sw-Abb., 78,30 Euro].

Thon, A.: "... das liecht fällt durch eine runde öffnung im gewölbe herein, über welcher gründes gesträuch vom winde bewegt herab schwankte". Joseph von Laßberg (1770-1855) und die angebliche Doppelkapelle auf Burg Trifels, in: Vestigiis Historiae Palatinae. Festschrift für Karl Scherer, hg. von J. Keddigkeit, R. Paul, J. Stöcker und A. Thon, Kaiserslautern 2002, S. 123-134.

Timann, U.: Goldschmiedearbeiten als diplomatische Geschenke, in: H. Maué, T. Eser, S. Hauschke, J. Stolzenberger, Quasi centrum Europae. Europa kauft in Nürnberg 1400-1800 (Ausstellungskatalog), hg. vom Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, Nürnberg 2002, S. 216-239.

Königliche Tochterstämme, Königswähler und Kurfürsten, hg. von Armin Wolf, Frankfurt 2002 (Studien zur Europäischen Rechtsgeschichte, 152) [Klostermann, 498 S., graph. Darst., Ln., 78 Euro].

Aus dem Inhalt:

Wolf, A.: Königswähler und königliche Tochterstämme, S. 1ff.; Hlaváček, I.: Die böhmische Kurwürde in der Premyslidenzeit, S. 79ff.; Pischke, G.: Brunonen und Welfen als Königskandidaten und Königswähler vom 11. bis 14. Jahrhundert, S. 197ff.; Flachenecker, H.: Die Wittelsbacher und ihre Kurstimme(n) im 13. Jahrhundert, S. 163ff.; Blaschke, K.: Die sächsische Kur: Askanier und Wettiner, S. 187ff.; Wolf, A.: Die Herzöge von Niederlothringen/Brabant als Königswähler und Königskandidaten, S.203ff.; Wolf, A.: Die Babenberger und Habsburger in Österreich als Königswähler und Königskandidaten, S. 213ff.; Schütz, A.: Die Grafen von Dießen und Andechs, Herzöge von Meranien, S. 225ff.; Assing, H.: Der Aufstieg der askanischen Markgrafen von Brandenburg in das Kurfürstenkolleg, S. 317ff.; Wiegand, P.: Die Ludowinger und die deutsche Königswahl im 13. Jahrhundert. Wahlverfahren im Lichte von "Papstnähe" und kanonischem Recht, S. 359ff.; Heirbaut, D.: On and over the edge of the Empire: the counts of Flanders and Hainaut and the election of the Kings of the Romans (1000-1314), S. 419ff.; Eickels, K. van: Die Grafen von Holland und ihre Entwicklungsmöglichkeiten an der Wende vom Hoch- zum Spätmittelalter: Landesherren, Reichsfürsten, Kurfürsten?, S. 457ff.; Landau, P.: Was war um 1300 ein Kollegium?, S. 485ff.

Tulpen – Schönheit & Wahn. Ausstellungskatalog (Residenzgalerie Salzburg, 22.3.-30.6.2002), hg. von R. Juffinger, Salzburg 2002 [Residenzgalerie Salzburg, 60 S., geheftet, 46 farb. und 9 sw-Abb., 7 Euro].

Vale, M. G.: The Princely Court. Medieval Courts and Culture in North-West Europe, 1270-1380, Oxford u.a. 2001 [Oxford University Press, 385 S., geb., Ill., graph. Darst., 58,88 Euro].

Valerius, R.: Weibliche Herrschaft im 16. Jahrhundert. Die Regentschaft Elisabeths I. zwischen Realpolitik, Querelle des femmes und Kult der Virgin Queen, Herbolzheim 2002 (Reihe Geschichtswissenschaft, 49) [Centaurus, 400 S., brosch., 28 Euro].

Velden, H. van der: The Donor’s Image. Gerard Loyet and the Votive Portraits of Charles sthe Bold, Turnhout 2000 [Brepols, 388 S., pb., 85 Euro].

Vergé-Franceschi, M.: Un prince portugais au XVe siècle. Henri le Navigateur (1394-1460), Paris 2000 (1. Aufl. 1994) (Histoire et société) [Éd. du Félin, 253 S., kart., Ill., 21,19 Euro].

Vie de cour en Bourgogne à la fin du Moyen Age, coordonné par P. Beck, Saint-Cyr-sur-Loire 2002 [Editions Alan Sutton, 128 S., 23 Euro – betrifft den herzoglichen Landsitz Germolles].

Vocelka, K.: Glanz und Untergang der höfischen Welt. Repräsentation, Reform und Reaktion im habsburgischen Vielvölkerstaat, Wien 2001 (Österreichische Geschichte, 1699-1815) [Ueberreuter, Ln., 542 S., Abb., 51,90 Euro].

War, Government and Power in Late Medieval France, hg. von C. Allmand, Liverpool 2000 [Liverpool University Press, 238 S., kart., 15,95 £].

Aus dem Inhalt:

Devaux, J.: From the Court of Hainault to the Court of England: The Example of Jean Froissart, S. 1-19; Ainsworth, P.: Froissart and his Second Book, S. 21-36; Laidlaw, J.: Alain Chartier and the Arts of Crisis Management, 1417-1429, S. 37-53; Pons, N.: Intellectual Patterns and Affective Reactions in Defence of the Dauphin Charles, 1419-1422, S. 54-69; Taylor, C.: War, Propaganda and Diplomacy in Fifteenth-Century France and England, S. 70-91; Allmand, C., Keen, M.: History and the Literature of War: The Boke of Noblesse of William Worcester, S. 92-105; Blanchard, J.: Commynes on Kingship, S. 106-123; Daly, K.: ‚Centre‘, ‚Power‘ and ‚Periphery‘ in Late Medieval French Historiography: Some Reflections, S. 124-144; Small, G.: Centre and Periphery in Late Medieval France: Tournai, 1384-1477, S. 145-174; Prosser, G.: ‚Decayed Feudalism‘ and ‚Royal Clienteles‘: Royal Office and Magnate Service in the Fifteenth Century, S. 175-189; Gauvard, C.: Justification and Theory of the Death Penalty at the Parlement of Paris in the Late Middle Ages, S. 190-208; Jones, M.: Membra disjecta of the Breton Chambre des Comptes in the Late Middle Ages: Treasures Revisited and Rediscovered, S. 209-220.

Watanabe-O’Kelly, H.: Court Culture in Dresden. From Renaissance to Baroque, Basingstoke 2002 [Palgrave MacMillan, 320 S., kart., Abb., 42,56 Euro].

Wehser, A.: Anna Wilhelmine von Anhalt und ihr Schloß in Mosigkau (Diss. Univ. Kiel 2000), Kiel 2002 (Kieler kunsthistorische Studien. N.F., 2) [Ludwig, 335 S., brosch., Ill., 24,90 Euro].

Werner, G.: Ahnen und Autoren. Landeschroniken und kollektive Identitäten um 1500 in Sachsen, Oldenburg und Mecklenburg, Husum 2002 (Historische Studien, 467) [Matthiesen, 262 S., paperback, 46 Euro].

Winter, J. M. van: A Wedding Party at the Court of Holland in 1369, in: Food and Celebration. From Fasting to Feasting. Proceedings of the 13th Conference of the International Commission for Ethnological Food Research, Ljubljana, Preddvor, and Piran, Slovenia, June 5-11, 2000, hg. von P. Lysaght, Ljubljana 2002, S. 265-275.

Wolf, A.: Waren die Landgrafen von Thüringen ursprünglich "Franzosen"?, in: Genealogisches Jahrbuch 41 (2001) S. 5-28.

Woźniak, M.: Zur Nürnberger Gold- und Silberschmiedekunst des 15. und 16. Jahrhunderts in Mitteleuropa, in: , in: Quasi centrum Europae – Kunst und Kunsthandwerk aus Nürnberg für den Europäischen Markt 1400-1800. Referate der internationalen Tagung – gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung – vom 4. bis 6. Oktober 2000 im Germanischen Nationalmuseum, hg. von H. Maué, Nürnberg 2002 (Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 2002), S. 164-176.

Wüst, W.: Geistlicher Staat und Altes Reich. Frühneuzeitliche Herrschaftsformen, Administration und Hofhaltung im Augsburger Fürstbistum (Habil.-Schr. Univ. Augsburg 1996/97), München 2001 (Studien zur bayerischen Verfassungs- und Sozialgeschichte. 19) [Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften, 930 S., geb., 60 Euro].

Wüst, W.: Die "gute Policey" im Reichskreis. Zur frühmodernen Normensetzung in den Kernregionen des Alten Reiches, Bd. 2: Die "gute Policey" im Fränkischen Reichskreis, Berlin 2002 [Akademieverlag, 870 S., geb. 5 Abb., 79,80 Euro].

Wüst, W.: Reformation und Konfessionalisierung in der fränkischen Reichsritterschaft. Zwischen territorialer Modernisierung und patriarchalischer Politik, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 65 (2002) S. 409-446.

Wüst, W.: Geistsliche Schätze in Gefahr. Sicherung, Flucht und Ausverkauf der Werte vor der Säkularisation. Schwabens Klöster und Hochstifte im Vergleich, in: Verein für Augsburger Bistumsgeschichte. Jahrbuch 36 [Festgabe für Prälat Prof. Dr. Peter Rummel zum 75. Geburtstag] (2002) S. 362-397.

Wüst, W.: Höfisches Leben im Erlanger Wittum. Ein Witwensitz als markgräflicher Residenztyp, in: Das Erlanger Schloß als Witwensitz. 1712-1817. Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek 15. November – 8. Dezember 2002, Katalog hg. von C. Hofmann-Randall, Erlangen 2002, S. 41-62.

Zalama, M. A.: Juana I de Castilla y el Monasterio de Santa Clara de Tordesillas, in: Reales sitios. Revista del Patrimonio Nacional 151 (2002) S. 14-27.

Zühlke, R.: Stadt – Land – Fluß. Bremen und Riga: Zwei mittelalterliche Metropolen im Vergleich, Münster u.a. 2002 (Arbeiten zur Geschichte Osteuropas, 12) [LIT, 344 S., brosch., 25,90 Euro].

Sonstiges

 

Un nouvel outil de recherche sur les manuscrits médiévaux:
Scriptorium et le Bulletin codicologique sur Internet

Aujourd’hui, la revue Scriptorium accède à l’âge électronique avec l’ouverture de son site inauguré à la Bibliothèque royale de Belgique le 7 novembre 2002, un site qui consacre une large part au Bulletin codicologique, organe bibliographique et second volet de la revue. Une telle accession ne pouvait être annoncée sans procéder à un bref rappel de l’œuvre accomplie, afin de mieux cerner l’ampleur et l’utilité des objectifs que se propose d’atteindre ce site.

En 1946, il y a cinquante-six ans déjà, un an seulement après la fin de la Seconde Guerre mondiale, alors que les conditions de vie ne redevenaient que graduellement normales, les conservateurs belges Camille Gaspar, Frédéric Lyna et François Masai créaient à Bruxelles Scriptorium, "revue internationale des études relatives aux manuscrits médiévaux". Le succès immédiat de la revue devait donner raison à ses fondateurs: d’une part, l’entreprise répondait effectivement à un besoin général; d’autre part, le programme défini dans l’éditorial dénotait chez ses auteurs une solide connaissance des manuscrits médiévaux et des multiples problèmes qu’ils posent, ne fût-ce qu’en raison de leur extrême dispersion, et dès lors ce projet fit d’emblée l'unanimité.

Scriptorium est une publication scientifique de renommée internationale, semestrielle et multilingue, qui traite essentiellement de codicologie (description matérielle de tous les éléments du livre manuscrit pris comme objet: support, mise en page, reliure, paléographie, miniature, etc.) et du contexte culturel et bibliographique afférant aux manuscrits médiévaux d’Europe occidentale, centrale et orientale.

La finalité de la revue a été clairement définie par ses fondateurs dans l’éditorial publié en tête du premier volume: étudier sous tous leurs aspects les manuscrits médiévaux considérés comme objets. L’ample moisson engrangée dans les 56 volumes et 112 tomes actuels de la publication répond indubitablement à ce programme. Les études originales portent en ordre principal sur de multiples questions de codicologie ou de paléographie ou traitent de copistes et de scriptoriums, de miniature et de décoration, d’iconographie, de reliure, de bibliothèques anciennes et de leurs inventaires, ou encore de l’état actuel des collections. D’autres contributions concernent l'histoire des textes: Bible et apocryphes, liturgie et paraliturgie, règles monastiques, vies de saints, droit canonique, sermons, œuvres d’auteurs antiques ou médiévaux, écrits d’humanistes. D’autres encore portent sur l’enseignement de la grammaire et de l’écriture, l’histoire de la philosophie, la musique liturgique et sa notation, la notation musicale proportionnelle, ou encore les textes scientifiques et alchimiques. Le domaine byzantin est loin d’être négligé, qu’il s’agisse de codicologie ou de paléographie, de copistes ou d’ateliers, de colophons, de reliure ou de notation musicale. On remarquera aussi que certaines investigations, et non des moins révélatrices, débordent le cadre strict de la revue pour s’attacher au livre et aux écritures de l’Antiquité ou pour scruter le livre hébraïque médiéval. On peut également noter que, depuis quelques années déjà, les technologies de pointe ont fait leur entrée dans la revue: photographie électronique, microsonde Raman laser, stéréomicroscope, PIXE, technique d’analyse de type nucléaire, photographie au microscope ou encore numérisation. Par la force des choses enfin, certains types de contributions sont revenus assez fréquemment: liste des manuscrits d'un auteur (grec, latin ou autre), description d’un nouveau manuscrit ou fragment de manuscrit, regroupement des membra disjecta d'un même codex.

Tous deux édités depuis 1983 par le "Centre d’Étude des Manuscrits" (Bruxelles), Scriptorium et le Bulletin codicologique rassemblent ainsi des centaines de spécialistes internationaux issus du monde universitaire, respectivement sous la responsabilité scientifique de l’Institut de Recherche et d’Histoire des Textes (Paris) et du Centre International de Codicologie (Bruxelles). Ils n’existent depuis autant d’années que grâce à une large collaboration d’hommes de science et d’érudits, plus de 600 jusqu’à ce jour.

Distinct depuis sa création en 1959 par Martin Wittek, le Bulletin codicologique, appendice bibliographique où paraissent annuellement environ 700 recensions critiques d’articles ou d’ouvrages récents consacrés à l'étude des manuscrits ainsi que de volumineuses tables d’index reprenant les manuscrits cités dans l’ensemble de la revue, offre quant à lui un état des lieux des études relatives aux manuscrits et sert de fil d’Ariane aux chercheurs qui risquent de s’égarer dans une documentation devenue aujourd’hui tentaculaire.

L’ensemble comporte actuellement 56 volumes et s’étend sur quelque 40.000 pages. La mise sur réseau d’une telle masse d’informations s’imposait d’elle-même, non seulement pour faciliter l’accumulation de données nouvelles toujours plus nombreuses, mais également pour mettre à la disposition des chercheurs une masse bibliographique illimitée, sous la forme d’un index cumulatif unique reprenant les tables parues successivement de 1946 jusqu’à nos jours.

Cette base de données, dont l’élaboration a nécessité neuf mois de mise au point, comportera à terme quelque 200.000 cotes de manuscrits datés ou non datés (elle en répertorie actuellement 23.000), ainsi que 40.000 références bibliographiques issues du Bulletin codicologique (350 sont d’ores et déjà disponibles).

Cet outil qui deviendra rapidement indispensable à tout spécialiste est désormais accessible via un site facile à consulter (http://www.scriptorium.be), qui fournira également plusieurs autres services annexes, à savoir: une table des matières cumulative, par année et par volume, des 56 années de la partie Scriptorium (2002 inclus), soit quelque 514 articles et près de 1.120 "notes et matériaux, chroniques et comptes rendus" divers (les sommaires de 1985 à 2001 sont déjà sur le site) ; une table alphabétique de tous les recenseurs et de leurs contributions au Bulletin codicologique par année et par volume (également disponible); ainsi que, dans un futur très proche, un forum de discussion favorisant l’échange d’informations.

Signalons que le site Scriptorium/Bulletin codicologique est le fruit des efforts conjoints du Centre International de Codicologie et du Service informatique de la Bibliothèque royale de Belgique, à qui l’on doit la mise au point du système de programmation.

Kontaktadressen: Envoi des articles:

Paris, IRHT

40, avenue d’Iéna

F-75116 Paris

Email: legendre@irht.cnrs.fr

Envoi des recensions:

Bruxelles, Centre International de Codicologie

Boulevard de l’Empereur 4

B-1000 Bruxelles

Email: scriptorium@kbr.be

 

Pierre Cockshaw, Brüssel*

Die Arbeitsstelle Kiel

 

Prof. Dr. Werner Paravicini

Dr. Jan Hirschbiegel

Dr. Jörg Wettlaufer

Sophie Laufer

Karen Schleeh

 

Adresse:

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Email: resikom@email.uni-kiel.de

 

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Prof. Dr. Werner Paravicini

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